Stuttgart (ddp). Mit dem Umbau des Gleisvorfelds sollen im Februar die Bauarbeiten des umstrittenen Bahnprojekts «Stuttgart 21» starten. «Ab März 2010 wird es teilweise Fahrplanänderungen geben», sagte der Sprecher des Bahnprojekts, Landtagsvizepräsident Wolfgang Drexler (SPD), am Montag in Stuttgart. Der Beginn der fast zehnjährigen Arbeiten werde «vorbehaltlich der derzeit laufenden Kostenaktualisierung» geplant. Die neue Kostenschätzung der Bahn werde derzeit vom Land überprüft. Das Ergebnis solle noch vor Weihnachten vorliegen. Die Landtags-Grünen kritisierten, dass der Baubeginn ohne Abschluss der neuen Schätzung bereits geplant werde.

Drexler rechnet nach eigenen Angaben damit, dass die bislang kalkulierten knapp 3,1 Milliarden Euro für das Projekt nicht ausreichen. Er gehe aber auch nicht davon aus, dass die Maximalkosten in Höhe von 4,5 Milliarden Euro «angegriffen» werden müssten. Wird diese Summe bereits vor Baubeginn überschritten, können die Projektpartner noch aussteigen. Verteuert sich das Projekt während des Baus, gibt es laut Drexler keine Ausstiegsklausel.

Drexler sagte, derzeit prüfe die Deutsche Bahn Vorschläge für Einsparungen, etwa beim Bau der Tunnel. «Ich glaube nicht, dass am Bahnhof groß gespart werden kann», fügte er hinzu. Dieser mache nur 250 Millionen Euro des Gesamtprojekts aus. Unter anderem würden zweigleisig 57 Kilometer neue Bahnstrecke verlegt. Drexler betonte, die Einschränkungen im Bahnverkehr würden ab Dezember auf der Internetseite der Bahn veröffentlicht. Er wolle die Öffentlichkeit frühzeitig informieren, «so dass sich die Bevölkerung darauf einstellen kann».

Der im Februar beginnende Umbau des Gleisvorfelds ermöglicht es den Angaben zufolge, bei laufendem Betrieb im bestehenden Kopfbahnhof im Untergrund einen neuen Durchgangsbahnhof zu bauen. Dabei werden die Bahnsteige um rund 120 Meter verschoben. Von Mai bis Juli 2010 finden Arbeiten an der S-Bahn-Tunnelrampe statt, wodurch diese an insgesamt acht Wochenenden komplett gesperrt wird. Dabei kommt es ebenfalls zu Einschränkungen. Die erste Bauphase soll bis Juli 2012 laufen. Die Bauarbeiten in der Tiefe könnten nicht vor Herbst 2010 beginnen, weil zuvor ein Jahr lang der Grundwasserpegel beobachtet werde, fügte Drexler hinzu.

SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel sagte, das Projekt komme «endlich richtig ins Rollen». Dies sei «ein positives Signal für die Verkehrspolitik in Baden-Württemberg». Das Projekt sei «von zentraler landespolitischer Bedeutung».

Nach Ansicht des verkehrspolitischen Sprechers der Grünen im Landtag, Werner Wölfle, verfährt Drexler nach dem Motto: «Wir wissen nicht was es kosten soll, aber wir bauen schon mal.» Der wachsende Druck in der Öffentlichkeit, der keine «Tricksereien» mehr dulde, bringe Drexler «zu diesen Verrenkungen», kritisierte Wölfle. Der Risikofonds werde nun «umdefiniert» zu «normalen Baukosten». Was sich nach Jahresende an Kostenrisiken auftue, sei «ein ungedeckter Scheck».

«Stuttgart 21» ist Teil des Bahnprojekts «Stuttgart-Ulm». Mit dem Vorhaben soll der Stuttgarter Hauptbahnhof vom Kopf- zum Tunnelbahnhof umgestaltet und samt Schienennetz unter die Erde verlegt sowie an den Flughafen angebunden werden. Zusätzlich soll eine neue Hochgeschwindigkeitsstrecke von Wendlingen nach Ulm gebaut werden.

(Quellen: Drexler in Stuttgart; Schmiedel und Wölfle in Mitteilungen)

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