Frankfurt/Main (ddp). In der anstehenden Tarifrunde für die Metall- und Elektroindustrie will die IG Metall angesichts der prekären Lage in vielen Betrieben der Sicherung von Arbeitsplätzen den Vorzug vor Lohnerhöhungen geben. Die Beschäftigung in der Branche müsse «über die Krise hinweg» in einem «Jobpaket» gewährleistet werden, sagte IG-Metall-Chef Berthold Huber am Dienstag in Frankfurt nach einer Vorstandssitzung seiner Gewerkschaft.
Notwendig sei, die bisherige gesetzliche Kurzarbeit durch eine tarifliche zu ergänzen. Die künftige Regelung müsse einen Teillohnausgleich umfassen, sagte Huber. Lohnforderungen werde die IG Metall an einer Reallohnsicherung ausrichten.
Bisherige Sondierungsgespräche mit den Arbeitgeberverbänden hätten gezeigt, dass eine Vereinbarung über eine 28- oder auch eine 26-Stunden-Woche möglich sei, erklärte Huber. Ein solches «zusätzliches arbeitsmarktpolitisches Instrument» sei erforderlich und stehe seiner Einschätzung nach künftig auch zur Verfügung. Der Gewerkschaftschef forderte die Bundesagentur für Arbeit auf, auch bei einer tariflichen Kurzarbeitsregelung den Unternehmen Sozialversicherungsbeiträge zu erstatten.
Denkbar sei eine Einigung, bei der ein Arbeitnehmer auf den Lohn von fünf Wochenstunden verzichte, aber sieben Stunden weniger arbeite, erläuterte Huber. Die moderate Lohnforderung sei eine «logische Konsequenz aus der Situation». Gleichwohl werde es eine Nullrunde nicht geben. Ein Inflationsausgleich sei die untere Grenze. Die IG Metall werde in der Tarifrunde auch dafür kämpfen, Auszubildenden in den Betrieben eine langfristige Perspektive zu sichern.
IG-Metall-Vorstandsmitglied Helga Schwitzer verwies auf nötige Planungssicherheit für Unternehmen. «Wenn Betriebe nach Ende der Kurzarbeit nicht zu Entlassungen greifen sollen, brauchen sie schnell Nachfolgelösungen», sagte Schwitzer. Gewinnen könnten so die Arbeitnehmer, die Unternehmen und die Politik. «Das Geld, das sonst für mehr Arbeitslose gezahlt werden müsste, wird gespart.»
Die Tarifverträge für die bundesweit rund 3,4 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie laufen Ende April aus. Die IG Metall will bereits vorher eine Einigung erzielen.
ddp/hos/mbr
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