Nürnberg (ddp.djn). Von Schachfiguren im schicken Design über elegante Gartenliegen bis hin zu Textildruck für Tischdecken reicht die Palette der Produkte, die seit Donnerstag auf der Werkstätten-Messe in Nürnberg ausgestellt werden. Vier Tage lang präsentieren rund 250 Aussteller Waren aus den bundesweit mehr als 2000 Behindertenwerkstätten. Damit sei es in diesem Bereich die größte Messe in Europa, sagt Günter Mosen, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen.
Insgesamt stellen aber nach seinen Worten nur rund 15 Prozent der Werkstätten Waren wie hochwertiges Kinderspielzeug oder zertifiziertes Biogemüse her. «85 Prozent der Werkstätten arbeiten als Dienstleister für die Industrie» sagt Mosen. Es sei aber noch ein langer Weg, bis «Arbeitsplätze von Behinderten aus den Werkstätten in die Betriebe» verlagert würden.
Herbert Beilschmidt von den «Gemeinnützigen Werkstätten und Wohnstätten» (GWW) aus Gärtingen bei Sindelfingen hat gute Erfahrungen in der Kooperation mit der Industrie gesammelt. Seit 25 Jahren arbeite er mit einem großen IT-Unternehmen zusammen. Mittlerweile seien sieben Leute aus seiner Werkstatt in die Fertigung des Großkonzerns übernommen worden.
«Es ist wenig, aber ein Anfang», sagt Beilschmidt. Insgesamt arbeiteten nur rund fünf Prozent der von der GWW betreuten Menschen mit Behinderung bei umliegenden Firmen, beispielsweise in der Produktion von Bildschirmen oder in der Möbelmontage eines Einrichtungshauses. Allerdings ziehe zur Zeit trotz Wirtschaftskrise die Nachfrage der Unternehmen an.
Den Weg der kleinen Schritte kennt auch Mosen. In Bremen beauftragte ein Flugzeugbauer behinderte Arbeitskräfte zunächst damit, Dienstfahrräder zu putzen. Erst, nachdem die Leute sich bewährt hatten, wurden sie auch in die Fertigung geholt. «Wenn man sich nicht kennt, ist es schwer, die Barriere zwischen Unternehmen und Werkstätten zu überwinden», sagt Mosen.
Diese Erfahrung hat auch die «Eisinger Werkstätte» gemacht, die auf der Messe Auftraggeber aus der Wirtschaft sucht. Am Messestand wirbt man für Arbeiten in der hauseigenen Buchbinderei, dem Bestücken und Löten von Computerplatinen oder dem Verpacken verschiedener Produkte.
Für «integrative Übernachtungen» wirbt das «Hotel FIT - Freizeit-Integration-Tagung» aus Much bei Siegburg. Es bietet für Menschen mit und ohne Behinderung unter anderem einen Hochseilgarten in acht Meter Höhe, der auch für Rollstuhlfahrer geeignet sein soll. Am Messestand kann man sich mit einem Rollstuhl testweise in diese Höhe ziehen lassen.
Behindertenwerkstätten seien «kein Sonderbiotop, sondern gehören zur Gesellschaft dazu», betont Markus Sackmann, Staatssekretär im bayerischen Arbeitsministerium. Er kündigt noch für den März 2010 die Initiative «Werkstätten inklusiv» an. «Jeder neue Außenarbeitsplatz für einen Behinderten in einem normalen Unternehmen wird mit 3000 Euro bezuschusst.»
Die Werkstättenmesse, die zum fünften Mal in Nürnberg stattfindet, war 2006 bei der Erstauflage mit 165 Ausstellern und 6500 Besuchern gestartet. In diesem Jahr werden wie im Vorjahr rund 15 000 Fachbesucher und Verbraucher erwartet. «Die Messe hat sich einen festen Platz im Kalender erarbeitet», freut sich Mosen.
ddp.djn/tji/rab
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