Manche Mitarbeiter kommen mit dieser Philosophie für Projektmanagement und Produkt- oder Softwareentwicklung nicht zurecht. Denn hier kann sich niemand mehr verstecken. Die Leistung jedes einzelnen Teammitglieds wird sehr schnell sichtbar und bewertbar. Die vorgebrachten und die tatsächlichen Gründe für Verzögerungen im Arbeitsablauf werden in täglichen Besprechungen offensichtlich. Wenn der Kollege seine Aufgabe nicht erledigt, kommen die anderen nicht voran. Darüber wird offen und direkt gesprochen.
Dabei bleibt es nicht immer auf der sachlichen Ebene. Manche kommen mit der direkten Kritik nicht zurecht. Es kommt zu Konflikten. Das Team fällt auseinander. Einzelne Mitarbeiter verlassen das Team und manchmal sogar das Unternehmen. Zumindest wird die Kommunikation erschwert. Die Mitglieder im Team sprechen nicht genug miteinander. Sie sind nicht mehr bereit, Probleme und Aufgaben anzugehen, damit alle vorankommen. Teilaufgaben werden hin und her geschoben.
Andere Konflikt- und Reibungspotenziale ergeben sich dann, wenn einzelne Mitarbeiter das Projektteam dominieren. Sie setzen ihre Interessen und Meinungen durch, ohne dass diese im Sinne des Projekterfolgs richtig sein müssen. Hier gibt es zu wenig Korrekturmöglichkeiten, da das Team ja selbstbestimmt arbeiten soll und auch der Scrum-Master nicht eingreifen darf.
Auch Projektleiter tun sich oft schwer. Haben sie beim klassischen Projektmanagement eine zentrale Rolle und Führungsfunktion und laufen bei ihnen alle Fäden zusammen, so weist ihnen das agile Projektmanagement nur eine Moderatorenfunktion zu. So fühlen sie sich in ihrer Bedeutung zurückgesetzt. Projektmanagement ist kein Feld, auf dem man sich für den nächsten Karriereschritt empfehlen kann.
Besonders kritisch ist, wenn das Top-Management im Unternehmen nicht hinter diesem radikalen Paradigmenwechsel steht. Es muss darauf vertrauen, dass die Projektteams selbstverantwortlich arbeiten und dass am Ende das rauskommt, was sie erwarten. Ein solcher Vertrauensvorschuss für die Mitarbeiter und ein so hohes Maß an Autonomie, das passt nicht zu jeder Unternehmenskultur und auch nicht zu jeder Führungspersönlichkeit.
Wer die Barrieren überwindet, erntet den Profit
Agiles Projektmanagement setzt demnach eine ganz andere Sichtweise auf die Projektorganisation eines Unternehmens voraus. Ohne eine entsprechende Organisationskultur, die auf Vertrauen, Eigeninitiative und Verantwortungsbewusstsein setzt, und ohne die Mitarbeiter, die neben der Fachkompetenz auch soziale und methodische Qualifikationen brauchen, wird sich ein Unternehmen mit diesen Konzepten schwer tun.
Zudem sind agile Methoden auf solche Projekte ausgerichtet, in denen es um die Entwicklung von Produkten oder Dienstleistungen geht oder um die Einführung einer Technologie, zum Beispiel durch die IT-Abteilung im Unternehmen. Projekte zur Organisationsentwicklung, zum Change Management oder für die Personalentwicklung haben meist kein genau spezifiziertes Ergebnis, das ein Produkteigner abnehmen könnte. Hier lassen sich allenfalls Teilaufgaben mit den agilen Methoden bearbeiten.
Manchmal sind es auch nur die organisatorischen Rahmenbedingungen, die agiles Projektmanagement erschweren. Das kann beispielsweise sein:
- Das Projektteam ist räumlich getrennt und kann sich nicht täglich treffen.
- Spezialisten stehen nur für eine begrenzte Zeit oder in eingeschränktem Umfang zur Verfügung.
- Die Kundenanforderungen bleiben unklar; der Produkteigner kann die Anforderungen nicht genau artikulieren.
Wer diese Barrieren überwindet, eine förderliche Organisationskultur schafft und die Mitarbeiter dafür gewinnen kann, der erntet mit dem agilen Projektmanagement besondere Früchte. Wie beim schlanken Management wird bei der agilen Vorgehensweise zumeist die Qualität der Ergebnisse verbessert und weniger Ressourcen werden verschwendet. Alle fokussieren sich auf das Wesentliche. Die Produktivität steigt, aber auch die Zufriedenheit der Kunden und der Stakeholder. Die ständige und regelmäßige Kommunikation fördert die Transparenz. Engpässe werden schnell erkannt und können beseitigt werden. So kommt das Projekt insgesamt schneller voran.
Auch die Mitarbeiter selbst können von dieser Vorgehensweise profitieren. In ihrer Befragung zur agilen Softwareentwicklung hat it-agile von den Teilnehmern erfahren:
- Diese schätzen vor allem, dass sie jetzt mehr Spaß bei der Arbeit hätten.
- Sie können außerdem sehr viel mehr lernen und ihr Wissen erweitern.
Am meisten schätzten sie, dass sie im Projekt flexibler sind. Auch wenn sich die Ziele und die Anforderungen der Auftraggeber ändern, so kann das Projektteam vergleichsweise schnell und einfach seine Arbeiten und den Fortschritt anpassen. Sie sind agil.
Quellen und weiterführende Informationen
Hier werden Methoden und Werkzeuge des agilen Projektmanagements anschaulich erläutert:
http://www.wi.uni-muenster.de/....pdf
Dazu auch das folgende Video:
Ergebnisse der Befragung zur agilen Produktentwicklung in der Software-Industrie von it-agile:
Und von Forrester Research:
- Teil 1: Agiles Projektmanagement: Projekte mit Scrum flexibel zum Erfolg führen
- Teil 2: Ohne Regeln geht es auch bei Scrum nicht
- Teil 3: Nicht jeder will völlig selbstbestimmt arbeiten (lassen)
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