Ausgebrannte Organisationen Leidet Ihr Unternehmen an Burnout?

18.01.2011 – Nicht nur Menschen können einen Burnout erleiden. Auch in Organisationen kann es zu einer Lähmung, also dem Burnout kommen. Dann geht nichts mehr so richtig voran, die Mitarbeiter sind demotiviert, die Führungskräfte am Ende ihrer Kräfte, die Reklamationen von Kunden sind kaum noch überschaubar und die Auftragslage verschlechtert sich immer mehr. Das können Folgen des Organizational Burnout sein. Der Unternehmensberater Gustav Greve beschreibt in seinem gleichnamigen Buch, was darunter zu verstehen ist und ergründet, wie es dazu kommen kann, wenn eine Organisation ausgebrannt ist.
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Bild: Sven Hoppe - Fotolia.com

Die Zahl der Insolvenzen ist im Oktober 2010 gegenüber dem Vorjahresmonat deutlich gesunken. Laut Statistischem Bundesamt mussten 2.483 Unternehmen und somit 12,8 Prozent weniger als im Oktober 2009 Insolvenz anmelden. Das ist erfreulich für die deutsche Wirtschaft, aber weniger erfreulich für die Unternehmen und deren Mitarbeiter, die es trotz besserer Lage nicht geschafft haben, sich am Markt zu behaupten. Einige von ihnen haben schon seit Jahren Probleme und kämpfen um den Erhalt des Unternehmens. Wenn kein Ausweg mehr in Sicht ist und das Unternehmen die Kurve nicht schafft, könnte das eine Folge des Organizational Burnout sein.

Was ist Organizational Burnout?

Merken Sie in Ihrem Unternehmen, dass zwar alles gut geregelt ist, aber im Tagesgeschäft vieles nicht geordnet abläuft? Dann könnte Ihr Unternehmen vom Organizational Burnout betroffen sein.

Stichwort

Der Begriff "burn out" kommt aus dem Englischen und bedeutet auf Deutsch "ausgebrannt sein". Bei Menschen beginnt das Burnout-Syndrom häufig mit dem Zwang sich selbst etwas zu beweisen, führt dann oft zu Werteverfall und Verdrängung bis hin zur Erschöpfung und Depression. Laut dem Unternehmensberater Gustav Greve kann ein Burnout gewissermaßen auch in Unternehmen und Institutionen entstehen. Dies hat er in seinem Buch "Organizational Burnout" beschrieben:

„Ein Organizational Burnout liegt dann vor, wenn sich ein aktives Organisationssystem […] in einem erschöpften und paralysierten Zustand befindet und mit eigenen Ressourcen diesen, als unerwünscht erkannten, Zustand nicht mehr positiv verändern kann.“

Viele Organisationen durchleben phasenweise massive Probleme und dann wieder sehr erfolgreiche Zeiten. Diejenigen, die es schaffen, aus der Krise herauszukommen, können sich glücklich schätzen. Aber was zeichnet diese Unternehmen aus? Warum gelingt es ihnen, sich aus der Misere heraus zu manövrieren? Und vor allem wie schaffen sie dies? Organisationen, die von Burnout betroffen sind, schaffen dies nicht aus eigener Kraft. Das hat der Organizational Burnout mit dem Burnout eines Menschen gemeinsam.

Das Burnout eines Unternehmens ist nicht die Summe individueller Burnouts der Elemente der Organisation, zum Beispiel der Mitarbeiter. Das Organizational Burnout ist ein emergenter Prozess und bezieht sich auf die Organisation selbst. Emergenz bedeutet die Herausbildung bestimmter Eigenschaften oder Strukturen auf der Metaebene eines Systems und ist die Folge des (zufälligen) Zusammenwirkens seiner Elemente.

Es können etwa ein oder mehrere Mitarbeiter an Burnout leiden, aber diese Eigenschaft muss sich nicht auf das Unternehmen auswirken. Umgekehrt überträgt sich das Organizational Burnout ebenso wenig auf die Mitarbeiter in Form von persönlichen Burnouts.

Die Phasen des Organizational Burnout

Nicht jede Unternehmenskrise ist auf den Organizational Burnout begründet. Aber andererseits gibt es keinen Organizational Burnout, der ohne Unternehmenskrise verläuft. Auf den Grund gehen sollten Unternehmer einem Organizational Burnout, wenn die Ergebnisse nicht besser werden, obwohl scheinbar alles richtig gemacht wird und mehr Ressourcen eingesetzt wurden. Wenn das Management einer Organisation nicht mehr weiter weiß, dann sollte untersucht werden, ob sie sich in der Spirale des Organizational Burnout befindet und wenn ja, in welcher Phase.

Es gibt mehrere Symptome in den einzelnen Phasen des Organizational Burnout. Sie gliedern sich wie folgt:

  1. Latent: Der Markt beantwortet die Sinnfrage nicht mehr und die Produktivität nimmt immer mehr ab. Für die internen Anforderungen werden immer mehr Zeit und Energie benötigt. Aus unersichtlichem Grund werden die Ressourcen knapper. Der Betrieb funktioniert vermehrt trotz und nicht wegen des Managements.
  2. Akut: Langsam machen sich Unsicherheiten breit und die Dynamik lässt nach. Der Anspruch aller Beteiligten steigt jedoch und eine zynische Stimmung gegenüber Unternehmen und Kollegen entsteht. Das persönliche Engagement wird nur simuliert, Innovationen finden kaum oder gar nicht mehr statt.
  3. Chronisch: Die Führungskräfte schotten sich ab und halten sich vom Tagesgeschäft fern. Auf allen Ebenen herrscht eine Gefühl der Machtlosigkeit bis hin zur Sinnlosigkeit. Es kann ein überraschender Wechsel im Management vorkommen. Mitarbeiter kündigen vermehrt und neue werden eingestellt.
  4. Letal: Das Management kann die Mitarbeiter nicht mehr erreichen und verliert die Kontrolle. Es gibt eine unklare Sehnsucht nach einem totalen Neubeginn. Hoffnungslosigkeit macht sich vermehrt breit und der Organisationssuizid wird unbewusst geduldet.

Die Folgen von Organizational Burnout sind vielfältig. Das Unternehmen muss beispielsweise verkraften, dass es von den Leistungsträgern verlassen wird und die Mitarbeiter, die übrig bleiben, innerlich kündigen. Dadurch verliert das Unternehmen das Know-how und die Leistungsbereitschaft seiner Mitarbeiter. Der erste Schritt in den Konkurs.

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