Im Rahmen von Change-Management-Projekten können die beschriebenen Analyseinstrumente den strukturierten Prozess wie folgt unterstützen:
1. Messen der derzeit gelebten Ist-Kultur (Verhaltenserwartungen heute)
Am Anfang eines Change-Projektes steht immer die Erkenntnis, dass sich etwas ändern muss. Wenn es zukünftig darum geht, über Hierarchie- und Ressortgrenzen hinweg durch partizipative, personenorientierte Führung ein Klima für Spitzenleistungen zu schaffen, muss zunächst der Status quo erhoben werden. Nur wenn klar ist, wo das Unternehmen heute steht, können Maßnahmen abgeleitet werden, um dieses in die gewünschte Richtung zu entwickeln. Hier bietet das Organizational Culture Inventory (OCI) die notwendige Unterstützung.
2. Definition der Soll-Kultur (gewünschte Werte) und GAP-Analyse zur Definition der Veränderungsbedarfe/-ziele
Idealerweise wird die zukünftige Soll-Kultur nicht nur „am grünen Tisch“ beschlossen. Je mehr Personen an der Festlegung der zukünftig geltenden Normen und Erwartungen beteiligt sind, desto breiter wird im Allgemeinen die Akzeptanz der Veränderungsmaßnahmen sein. Eine Variante des OCI mit leicht modifizierter Fragestellung ermöglicht, nicht nur die Ist-Kultur, sondern auch die kulturellen Voraussetzungen zu erheben, die notwendig sind, um eine erfolgreiche Umsetzung der Visionen und Unternehmensziele zu unterstützen. Neben dem Management kann hierzu auch ein erweiterter (Führungs-)Mitarbeiterkreis befragt werden. Diese Ergebnisse lassen auch Rückschlüsse darauf zu, inwieweit Veränderungsbereitschaft im Unternehmen existiert.
Die im ersten Schritt erhobene Ist-Kultur wird dann mit der so definierten Soll-Kultur verglichen. Die GAP-Analyse zeigt die Themen auf, in denen Veränderung am dringendsten notwendig ist. Durch Analyse auf Abteilungsebene können gegebenenfalls auch „Vorbilder“ gefunden werden, die die gewünschten Verhaltensweisen bereits heute verwirklicht haben. Vertiefende Interviews und Workshops zu diesen Best-Practice-Beispielen können Anregungen für Maßnahmen in Abteilungen mit einem größeren „GAP“ zwischen Ist- und Soll-Kultur liefern. Dieses Vorgehen bietet sich beispielsweise auch bei Fusionen an, um das Beste aus zwei (oder mehr) Welten beziehungsweise verschiedenen Subkulturen in einem neuen Leitbild zusammenzuführen.
3. Ursachen (Veränderungshebel) und Klima (Erfolgsfaktoren) mit dem OEI erheben; Ableitung konkreter Veränderungshebel, um die gesetzten Ziele zu erreichen.
In der betrieblichen Praxis wird das OCI typischerweise um das Organizational Effectiveness Inventory (OEI) erweitert. Das OEI ist überschrieben als „Befragung zur Leistungsfähigkeit des Unternehmens“ und hat zum Ziel, die Ursachen defensiver Kulturen aufzuzeigen. Damit werden potenzielle Hemmnisse auf dem Weg zur Soll-Kultur identifiziert und benannt. Im Umkehrschluss werden jene der 31 Einzelfragen, deren Ergebnis eine schlechtere Ausprägung aufweisen als der Durchschnitt, als Veränderungshebel genutzt, um die im zweiten Schritt festgelegten Veränderungsziele zu erreichen.
Zusätzlich misst das OEI zwölf Outcome-Faktoren der Ist-Kultur („aktuelles Klima“) aus Sicht der Mitarbeiter. Individuelle Faktoren zeigen, ob die Organisation eher positive als negative Auswirkungen auf das persönliche Wohlbefinden und die Einstellungen seiner Mitarbeiter hat. Positiv zu bewerten sind Rollenklarheit, Motivation, Zufriedenheit und der Wunsch, im Unternehmen zu bleiben. Negativ wirken Rollenkonflikte, Jobunsicherheit und Stress. Teamfaktoren messen, ob ein Unternehmen die Arbeit seiner Mitarbeiter und Abteilungen gut zusammenfasst und koordiniert. Die drei hier gemessenen Faktoren sind:
- Zusammenarbeit im Team
- Qualität der Teamleistung und
- Zusammenarbeit zwischen Bereichen.
Unternehmensfaktoren untersuchen in den beiden Dimensionen „Qualität der Endprodukte“ und „Anpassungsfähigkeit an Veränderungen“ das Verhältnis der Organisation zur Außenwelt.
Bei entsprechenden Hinweisen auf Schwächen im Führungsstil (Zusammenarbeit, Aufgabenunterstützung, Zielfokus, Mitarbeiterintegration) kann die Organisationsanalyse auch um das LSI ergänzt werden. Zeigen einzelne Gruppen ein deutlich abweichendes Verhalten vom Durchschnitt, so kann deren Binnenkultur mit einem individuellen OCI noch einmal untersucht werden. Werden hingegen Schwächen bei der Kundenorientierung deutlich, so ist gegebenenfalls eine Vertiefung der Fragestellung mithilfe des CSSS sinnvoll.
4. Nachverfolgung der Entwicklung
Durch die Wiederholung der OCI-Ist-Analyse kann überprüft werden, ob beziehungsweise wie die ergriffenen Maßnahmen greifen und an welchen Stellen gegebenenfalls ein Nachjustieren erforderlich ist.
Fazit und Ausblick
Die Erkenntnis, dass sich etwas ändern muss, kann in unterschiedlicher Form auftreten:
- Als konkreter Bedarf für OE-Maßnahmen aufgrund fundamentaler Änderungen der Rahmenbedingungen (zum Beispiel Privatisierung oder Globalisierung).
- Im Vorfeld oder während der Integration einer Fusion beziehungsweise unternehmensübergreifenden Zusammenarbeit von Unternehmen mit unterschiedlichen Unternehmenskulturen.
- Bei der Suche nach alternativen Methoden zur Schaffung von Kundenzufriedenheit beziehungsweise dem Wunsch, die Agilität, Marktnähe und Innovationskraft des Unternehmens zu steigern (konstruktive Unternehmenskultur als zentraler Treiber).
Unabhängig vom Anlass müssen aber Ausgangs- und Zielpunkt der Veränderung jeweils möglichst genau bekannt sein, um geeignete Maßnahmen abzuleiten. Human Synergistics hat auf Basis des Kreisprofils ein Instrumentarium entwickelt, das auf persönlicher Ebene sowie Gruppen- und Unternehmensebene analytische Unterstützung bietet bei der Identifikation von Veränderungshebeln und Barrieren, die das Funktionieren von Organisationen behindern. Der Ist-Zustand der Unternehmenskultur sowie deren konkrete Auswirkungen können damit ebenso visualisiert werden wie der Fortschritt des Veränderungsprozesses.
Hinweis
Im dritten und letzten Teil der Serie „Wandel erfolgreich gestalten“ lesen Sie, wie sich der finanzielle Erfolg „konstruktiv-blauer“ Kulturen empirisch nachweisen und gestalten lässt. Es werden Gestaltungsparameter und Entwicklungsmaßnahmen von Unternehmen beschrieben, die sich erfolgreich an ihr Umfeld adaptiert haben und damit den Zusammenhang zwischen Führung und Erfolg bestätigen.
[Bild: Fotolia.com; Grafiken: Michael Risch]
- Teil 1: Change Management: Unternehmenskulturen messen und Entwicklungsziele definieren
- Teil 2: Die Analyseinstrumente im Einsatz – Position bestimmen, Ziele definieren, Maßnahmen ableiten
- Arbeitsgestaltung
- Erfolgsfaktor
- Flexibilität
- Führungskompetenz
- Führungsstil
- Macht
- Mitarbeiterorientierung
- Mitarbeiterzufriedenheit
- Motivation
- Organisationspsychologie
- Personalentwicklung
- Produktivität
- Projektmanagement
- Prozessmanagement
- Rendite
- Strategieumsetzung
- Unternehmensvision
- Vertrauen
- Wissensmanagement
- Zusammenarbeit


