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Organisation

Auskunft von Mitarbeitern bei Verstößen gegen Compliance

Zu Beginn ein fiktiver Ausgangsfall: Sie sind zum Vertriebsleiter eines international tätigen Mittelständlers befördert worden. Dies haben Sie vor allem Ihrem Erfolg als Leiter des Südostasien-Geschäfts zu verdanken, wo unter Ihrer Führung viele bedeutende Infrastrukturprojekte akquiriert wurden. Wie das ging, hatte Ihr Vorgänger Ihnen unmissverständlich deutlich gemacht: Die Kundenbetreuer umwerben die Einkäufer im zuständigen Ministerium mit den „üblichen Methoden“.

Seitdem sind einige Jahre vergangen. Kürzlich hatte jedoch ein anonymer Informant Ihren Aufsichtsrat über derartige Methoden informiert, und jetzt werden Sie zu einem „Interview“ gebeten, das externe Anwälte im Auftrag des Unternehmens mit Ihnen zur Aufklärung des Korruptionsverdachts führen wollen. Sie fragen sich:

Muss ich dort erscheinen und Auskunft erteilen? Muss ich dabei auch über die damals üblichen Methoden der Akquise informieren? Gilt das auch, wenn ich mich damit selbst belaste?

Bei der unternehmensinternen Aufklärung von Verdachtsmomenten auf Wirtschaftskriminalität sind Befragungen der Mitarbeiter von zentraler Bedeutung. Nach herrschender Meinung ist ein Mitarbeiter zur Auskunft und Berichterstattung jedenfalls insoweit verpflichtet, als die Frage seinen Arbeitsbereich betrifft. Außerhalb seines Arbeitsbereichs ist er dann zur Mitwirkung verpflichtet, wenn die Interessen des Arbeitgebers am Erkenntnisgewinn die Interessen des Mitarbeiters an der Geheimhaltung überwiegen. Diese Auskunftspflicht wird als eine arbeitsvertragliche Nebenpflicht angesehen. Für Führungskräfte gilt aufgrund ihrer gehobenen Stellung eine erhöhte Mitwirkungspflicht.

Das Problem unternehmensinterner Ermittlungen

Brisanter als die generelle Auskunftspflicht eines Mitarbeiters ist die Frage, ob er auch insoweit Auskunft erteilen muss, als er dadurch seine eigene Strafbarkeit offenbart, sich also selbst belastet. Dies kann für den Mitarbeiter unangenehme Folgen haben. Wird nämlich ein Strafverfahren gegen ihn geführt, könnte der ihn vernehmende interne (Unternehmens-) Ermittler selbst von den Strafverfolgungsbehörden als Zeuge vom Hörensagen vernommen werden. Auf diese Weise würden Tatsachen im Strafverfahren verwertbar, zu deren Offenbarung der Mitarbeiter im Verhältnis zu staatlichen Stellen nicht verpflichtet gewesen wäre. Im Strafverfahren stünde dem Mitarbeiter nämlich sowohl als Beschuldigter als auch als Zeuge ein Aussageverweigerungsrecht hinsichtlich selbstbelastender Tatsachen zu.

Unternehmensinterne Ermittlungen bergen somit das Risiko, dass Informationen in einem Strafverfahren verwertet werden können, auf die die Strafverfolgungsbehörden gegenüber der jeweiligen Auskunftsperson keinen Zugriff hätten. Strafprozessuale Auskunftsverweigerungsrechte können somit faktisch ausgehöhlt werden. Aus diesem Grund gehen einige Juristen davon aus, dass der befragte Mitarbeiter Tatsachen, die eigenes strafbares Handeln belegen, nicht preisgeben muss. Einige dieser Stimmen fordern sogar, dass der Mitarbeiter von dem privaten Ermittler über eine derartige Selbstbelastungsfreiheit vor dem Gespräch (Interview) belehrt werden muss. Nach vorherrschender Auffassung hingegen muss der Mitarbeiter Fragen seines Arbeitgebers umfassend beantworten, auch wenn er damit eigenes strafbares Verhalten offenbart.

Letztlich bleibt diese Frage von eher akademischem Interesse, denn in der Unternehmenspraxis tendieren die befragten Mitarbeiter in solchen Situationen zu hartnäckigen „Erinnerungslücken“. Dem Arbeitgeber hilft die oben zitierte Rechtsprechung bei internen Ermittlungen wenig, denn bis zu einem Urteil auf Auskunftserteilung ist die vom Arbeitnehmer erbetene Auskunft für die unternehmensinternen Ermittlungen nicht mehr interessant. Schlussendlich wird der Mitarbeiter folgende Aspekte abwägen:

  • Erfüllt er seine arbeitsvertragliche Pflicht und offenbart dem Arbeitgeber strafbares Verhalten, liefert er ihm den Grund für eine (fristlose) Kündigung und dem Staat für seine Strafverfolgung.
  • Verweigert er dagegen die Auskunft – sei es ausdrücklich oder mit Hilfe von „Erinnerungslücken“ – hat der Arbeitgeber praktisch wenig gegen ihn in der Hand.

Denn: Eine Klage auf Auskunftserteilung dauert zu lange, und eine Kündigung wegen verweigerter Auskunft wäre nicht so erfolgversprechend wie eine Kündigung wegen offen zugestandener Bestechungshandlungen.

Betriebliche Amnestie und Zeugenbeistand

Kommt es zu einer solchen „Erinnerungslücke“, bei mehreren Verdächtigen auch „Mauer des Schweigens“ genannt, kann sich eine betriebliche Amnestie anbieten. Hierbei verzichtet der Arbeitgeber auf potenzielle Schadenersatzansprüche und auf eine Kündigung wegen Fehlverhaltens des Mitarbeiters, wenn der Mitarbeiter vollständig und wahrheitsgemäß Auskunft erteilt. Eine derartige betriebliche Amnestie bietet sich vor allem in kartellrechtlichen Kronzeugenverfahren an, wie sie bei den Kartellbehörden bestehen. Hier ist das Unternehmen, das einen Kronzeugenantrag bei der Behörde gestellt hat, auf die aktive Mitwirkung der am Kartell beteiligten Mitarbeiter angewiesen. Diese Mitwirkung kann durch eine betriebliche Amnestieregelung erreicht werden. Häufig werden in solchen Fällen langfristige Aufhebungsverträge geschlossen, die den Mitarbeiter zur lückenlosen Kooperation in dem Kartellverfahren verpflichten.

Ein Mitarbeiter hat bei einer Befragung durch seinen Arbeitgeber keinen generellen Anspruch auf einen Zeugenbeistand. Eine Ausnahme hiervon soll gelten, wenn der Arbeitgeber die Befragung seinerseits durch Anwälte durchführen lässt – dem entspricht auch die gängige Praxis. Hier gebietet es die Waffengleichheit, dass der Mitarbeiter sich durch einen Rechtsanwalt begleiten lassen kann. Ob dieser vom Unternehmen bezahlt wird, ist eher eine politische als eine rechtliche Frage. Die Kostenübernahme kann sich aus Loyalitätsaspekten anbieten.

Ein Recht auf Anwesenheit eines Betriebsratsmitglieds bei den Mitarbeiter-Interviews zur Aufklärung von Compliance-Verstößen scheidet in aller Regel aus. Dies käme nur dann in Betracht, wenn mit dem Mitarbeiter (gleichzeitig) ein Leistungs- oder Entwicklungsgespräch geführt würde, was grundsätzlich nicht geschieht. Ähnliches gilt für die leitenden Angestellten. Im Übrigen hat der Betriebsrat kein allgemeines Mitbestimmungsrecht dabei, ob und auf welche Weise interne Ermittlungen durchgeführt werden. In Betracht kommen jedoch punktuelle Beteiligungsrechte.

Hinweis

Mehr zum Beteiligungsrecht des Betriebsrats lesen Sie in dem ausführlicheren Beitrag des Autors „Beteiligungsrechte des Betriebsrats bei unternehmensinternen Ermittlungen“ in der Fachzeitschrift Betriebs-Berater [1] (2010, 1853).

Ein Mitbestimmungsrecht scheidet bei Befragungen im Rahmen unternehmensinterner Ermittlungen in aller Regel aus, weil bei unternehmensinternen Ermittlungen normalerweise das sogenannte Arbeitsverhalten untersucht wird, das Mitbestimmungsrecht jedoch beim sogenannten Ordnungsverhalten entsteht. Falls es bei internen Ermittlungen auch um mitbestimmungspflichtige Themen geht, kann sich anbieten, (nur) diese in einer Betriebsvereinbarung zu regeln. Durch diese Aufteilung bleibt das Gestaltungs- und Weisungsrecht im mitbestimmungsfreien Bereich erhalten.

Herrscht allerdings Unsicherheit über das Bestehen von Mitwirkungsrechten, kann es – auch aus Akzeptanzgründen und zur Vermeidung einstweiliger Verfügungen – ratsam sein, sie rechtzeitig und umfassend durch den Abschluss von Betriebsvereinbarungen oder Regelungsabreden zu erfüllen. Der Betriebsrat hat jedoch einen Anspruch auf Unterrichtung über Art und Umfang der internen Ermittlungen. Zu allen Fragen, die seine Aufgaben betreffen können, muss ihn der Arbeitgeber informieren. Der Betriebsrat darf selbständig prüfen, ob sich daraus für ihn eine Zuständigkeit ergibt. Hier kommt vor allem die Überwachung der Einhaltung arbeitnehmerschützender Vorschriften in Betracht. Diese Regeln gelten auch für den Sprecherausschuss, soweit leitende Angestellte betroffen sind.

Hinweis

Eine ausführlichere Version dieses Artikels ist in der Fachzeitschrift Zeitschrift für Risk, Fraud und Compliance (ZRFC) [2] , Ausgabe Dezember 2011, erschienen.  

Mitarbeiter, Burnout und Strategie für Unternehmen

Herr Hinz, Sie hatten auf Ihrer Webseite eine Kurz-Umfrage gestartet mit dem Ziel herauszufinden, wie nah Unternehmen am Burnout sind? Wie fällt das Ergebnis aus?
In der – wohlgemerkt unrepräsentativen – Umfrage hatte ich einige typische Themen, die in der aktuellen Diskussion mit Burnout in Verbindung gebracht werden, subjektiv ausgewählt. Das Ergebnis zeigt eine klare Bestätigung einiger Stressoren wie beispielsweise keine Möglichkeit, problemlos nein zu sagen, Anwesenheit am Arbeitsplatz, die als Leistungsmerkmal gilt, eine Erreichbarkeit auch nach der Arbeit, die Parallelität von Tagesgeschäft und Projektarbeit, die dann öfter auch noch still versandet, oder der Vorrang von Meetings und Telefonkonferenzen vor dem Tagesgeschäft. Diese Stressoren können aus meiner Sicht nicht durch die Entwicklung von persönlicher Widerstandskraft allein wirksam bearbeitet werden. Allerdings ist die Entwicklung einer guten Widerstandskraft notwendig, um hilfreiche Burnout-Prophylaxe zu ermöglichen.

Welche Schlüsse ziehen Sie aus diesem Ergebnis?
Ich finde, dieses Thema sollte nicht allein in betrieblichen Gesundheitszirkeln, in Abteilungen für Gesundheitsschutz, Arbeitssicherheit und Umweltmanagement oder in Projektgruppen behandelt werden, sondern zum Kern der Tagesarbeit aller Führungskräfte gehören. Welche Management-Tools eingesetzt, welche Berichts- und Kontrollwege vorgegeben, welche Kooperation die hierarchischen Strukturen zulassen und welche Leistung belohnt oder sanktioniert wird, ist Thema jeder Führungskraft.

Wirksame Burnout-Prävention von Organisationen sollte sich deshalb nicht nur auf die unbedingt notwendige persönliche Ebene beschränken, sondern muss auch die Anreizwirkung der eigenen Strukturen berücksichtigen. Oder klarer ausgedrückt: Einen ausgebrannten Mitarbeiter an die kundigen Kollegen im betrieblichen Gesundheitsmanagement zu überweisen und dann „Business as usual“ zu betreiben, ist schlechte Führung!

Gibt es Teilaspekte, die besonders hervorstechen oder für Unternehmen und Mitarbeiter von besonderer Bedeutung sind?
Es scheint mir, dass viele Organisationen dazu neigen, das Thema Burnout auf die individuelle Ebene, auf die Ebene der Betroffenen abzuschieben. In ihrer Fürsorgepflicht kümmern sie sich dann mittels gut gemeinter und auf der persönlichen Ebene auch wirksamer Betreuungsprogramme um die Betroffenen. Meist gelingt eine Wiedereingliederung, doch an den Einladungen zum Ausbrennen hat sich so gut wie nichts geändert.

Fehlt es diesen Unternehmen an Selbstreflexion beziehungsweise Selbstkritik oder woran liegt das Ihrer Ansicht nach?
Ich vermute da eher einen blinden Fleck der Organisation. Denn zunächst erscheinen die potenziell ausgebrannten Mitarbeiter ja als Helden, die mit ihrem Einsatz schwierige Dinge wegschaffen, Projekte zu Ende bringen und wichtige Rollen in strategischen Aktionen spielen. Diese Helden werden dann oft gefeiert und belobigt, aber auf die Idee, dass dieses Heldentum vielleicht mit einer Dysfunktion im Unternehmen zu tun hat, kommen viele Manager – was wiederum nachvollziehbar ist – kaum.

Führungskräfte-Berater Hinz: Auch Mitarbeiter-Prämien, falsch eingesetzt, können Burnout fördern.

Welche Strukturen oder Prozesse in Unternehmen sind besonders geeignet, Burnout-Symptome bei Mitarbeitern hervorzurufen? Können Sie das an Beispielen deutlich machen?
Da sind zunächst die üblichen Verdächtigen wie Anreizsysteme, Vergütungsregelungen oder Prozessmodelle, in denen die definierten Rollen nicht gelebt werden. Aber auch in der Ablauforganisation, im Managementsystem, im Controlling oder durch Führungsprozesse wie „Führen mit Zielen“ liegen potenzielle Ursachen. Von Bedeutung ist auch der paradoxe „Plateaueffekt“: Mitarbeiter erhalten Prämien für Leistungen, die sie aus freien Stücken tun, also auch ohne die Prämie erbracht hätten. Dies führt am Ende eher zu Demotivation, denn es schwächt die intrinsische Motivation. Belohnung für ein Engagement, das man ohnehin zeigt – zum Beispiel länger arbeiten – lässt einen das eigene Handeln als „korrumpiert“ überdenken. Man beginnt, an der ursprünglichen Zweckfreiheit des Handelns zu zweifeln. Oder anders ausgedrückt: Man sieht die intensivere Arbeit nicht mehr nur um ihrer selbst willen als sinnvoll und notwendig an, sondern betrachtet sie immer mehr als Belastung, als ein Muss. 

Die Einflussfaktoren auf organisationaler Ebene sind eine Sache, persönliche Eigenschaften bestimmter Menschen wie ein hoher Leistungsanspruch, Perfektionsdenken oder das Problem, nicht nein sagen zu können, die andere. Beides kommt bei Burnout zusammen. Gegen persönliche Faktoren sind Unternehmen aber doch relativ machtlos, oder?
Auf der individuellen Ebene meist ja. Da gilt es, im Rahmen des Gesundheitsmanagements und der Personalentwicklung gute Angebote zur persönlichen Reflexion und zur Arbeit an der individuellen Resilienz anzubieten. Aber wenn die oben genannten strukturellen Komponenten einer Organisation solche persönlichen Einfallstore auch noch gezielt ansteuern, dann sehe ich eine Mitverantwortung des Unternehmens.

Jüngste Forschungen gehen davon aus, dass nahezu jeder vierte Manager von Burnout betroffen ist. Ein Zustand, der vor allem permanentem Veränderungsdruck im Unternehmen geschuldet ist. Es gilt die Maxime: Unternehmen müssen immer flexibler reagieren, also müssen das auch die Mitarbeiter. Gibt es aus diesem Teufelskreislauf überhaupt ein Entrinnen?
Eine wache Selbstbeobachtung ist für Unternehmen und gleichermaßen auch für eine Einzelperson wichtig. Für die Unternehmen auch deshalb, um als Organisation nicht selbst auszubrennen. Denjenigen, die in Organisationen Verantwortung tragen, rate ich deshalb achtsam zu sein gegenüber vereinfachenden Interpretationen, die das Phänomen Burnout allein einzelnen Personen und deren Anfälligkeit zuschieben wollen, achtsam zu sein bei der Zunahme von Geschichten über die oben erwähnten „Helden“, achtsam zu sein bei jeder Entscheidung im Bereich Ablauforganisation, Managementsystem, Controlling oder Führen mit Zielen und diese auch auf ihre vermutete dysfunktionale Anreizwirkung hin zu untersuchen.

Das heißt nicht nur zu fragen, was dadurch besser wird, sondern auch, was dadurch vermutlich schlechter wird. Schlussendlich rate ich achtsam zu sein gegenüber einem Führungsverhalten beziehungsweise einer Unternehmenskultur, die immer nur etwas wegschaffen will und Reflexionsschleifen als „Seminartourismus“ diffamiert.

Herr Hinz, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

Hinweis

Olaf Hinz ist auch Autor des Artikels Anreizsysteme: Das Strohfeuer der extrinsischen Motivation [3] .

Mitarbeiter und ihr Verhalten am Arbeitsplatz

Mitarbeiter in Unternehmen geht es nicht primär um die gemeinsame Verwirklichung des Unternehmenszwecks. Dieser spielt nur sekundär eine Rolle und damit auch die Gemeinsamkeit mit dem Arbeitgeber. Das „Wir“ eines Unternehmens existiert nur sehr eingeschränkt und wird immer dem „Ich“ untergeordnet. Stattdessen widmen Mitarbeiter ihre größte Aufmerksamkeit ihrer eigenen Rechtfertigung. Sie möchten sich selbst und anderen beweisen, der oder die Richtige für einen bestimmten Posten zu sein. Der persönliche Anteil an der Umsetzung des Unternehmenszwecks wird nicht in Frage gestellt. Eine negative Antwort könnte Zweifel am „Ich“ aufkommen lassen und die Existenzberechtigung erschüttern. Dadurch würde eine Veränderung notwendig werden. 

Genau das ist aber die am wenigsten gewünschte Lebenssituation nicht nur eines Mitarbeiters, sondern eines Menschen allgemein. Sie ist mit der Angst vor dem Unbekannten verbunden und wird mit allen Mitteln vermieden. Aus diesem einfachen Grund interessieren sich die Mitglieder der Geschäftsführung, Führungskräfte und Mitarbeiter hauptsächlich für eine Bestätigung der eigenen Realität. Es kommt nur sehr selten vor, dass ein Mitarbeiter von seiner Position oder Aufgabe freiwillig zurücktritt, nur weil ein anderer Kollege dem gemeinsamen Ziel viel besser dienen kann. 

Hingegen gibt es immer wieder fähige Stellvertreter, die von ihren Chefs „klein gehalten“ werden. Genauso wie die gute Idee eines Mitarbeiters der untersten Ebene selten umgesetzt wird. Und wenn doch, gilt sie meist als Verdienst der zuständigen Führungskraft. Es sei denn, die Firma verfügt über ein ausgeklügeltes Ideenmanagement, mit dem sie dieser Problematik entgegenwirken kann.

Auch Mitarbeiter „spiegeln“ ihr Selbstbild bei Anderen

Ein Mensch will sich selbst erkennen. Er will wissen, wer er ist. Da der Weg nach Innen zum wahren Kern „verschleiert“ ist, stellen Spiegelungen im Außen die einzige Möglichkeit der Selbstwahrnehmung dar. Reaktionen der Umgebung, Ereignisse und Zustände werden über die Sinnesorgane aufgenommen, im Gehirn registriert und vom „Bewusst-Sein“ eingeordnet. Dadurch wird eine scheinbare Definition, wer er ist, machbar. Ein Spiegel zeigt das Bild des Beobachters für den Beobachter, der es von seinem individuellen Standpunkt aus betrachtet. Damit glaubt er zu wissen, wie er aussieht und wie ihn die Anderen sehen. Jeder Mensch gestaltet seine Realität durch wahrgenommene Spiegelungen von sich. Was gesehen, gehört, getastet, geschmeckt oder gerochen wird, trägt einen realistischen Wahrheitsgehalt. Im Vergleich mit anderen Menschen kann er sich dadurch bewerten und einordnen. Auf diese Weise findet er seinen sozialen Stellenwert

Je angenehmer die Umgebung ihn reflektiert, desto besser glaubt er sich selbst. Positive Bilder lassen ihn darauf schließen, selbst positiv (gut) zu sein. Ist das Gegenteil der Fall, wird es schon schwieriger. Erlebt jemand über einen längeren Zeitraum Misserfolge, Ablehnungen oder sonstige nicht gewollte Zustände, beginnt er an sich zu zweifeln und verliert seine bestehenden Definitionen, durch die er sich identifizieren kann. Damit wird die Selbsterkennung zum Problem, denn eine Identifikation durch das Negative ist nicht wirklich möglich.

Letztendlich geht es aber nicht um die Reflexionen im Außen, sondern um die dadurch ausgelösten Gefühle. Zustände, Ereignisse und Situationen sind ein individueller Weg der Entwicklung des „Bewusst-Seins“ durch das Ego. Obwohl bei Menschen eine Gesetzmäßigkeit zwischen Spiegelungen und Gefühlen besteht, sind alle Erfahrungen ausschließlich persönlich. Sie entziehen sich jeder Diskussion, weil sie von einer anderen Person nie nachvollzogen werden können.

Parallel zur Selbsterkennung wird auch die aktuelle Position im Kampf ums „Überleben“ bestimmt. Selbsterkennung und „Überlebensposition“ sind untrennbar verbunden. Da alles Andere davon abhängig ist, hat die Motivation, „überleben“ zu wollen, den stärksten Einfluss auf die Gedanken und Handlungen. Bei jeder Veränderung muss die Standortbestimmung neu durchgeführt werden. Nicht gewollte Situationen werfen sofort die Frage auf, ob mit den geänderten Voraussetzungen ein „Überleben“ – mindestens auf gleichem Niveau – noch möglich ist. Aus diesem Grund sind Veränderungen immer mit Angst verbunden. Ein treffendes Beispiel sind die aktuellen Probleme im Finanzbereich. Hier werden unvorstellbare Summen aufgewendet, um die drängenden Veränderungen zu neutralisieren.

Auch bei der „Überlebensposition“ besteht ein Zwang zum Positiven. Gute beziehungsweise gewünschte Reflexionen erzeugen das Bild eines Siegertyps. Hingegen zeigen Spiegelungen, die Leid und Schmerz auslösen, den Typus eines Verlierers. 

Was nicht kontrolliert und dementsprechend manipuliert werden kann, löst Angst vor Unbekanntem aus. Wird das Unbekannte zur nicht gewollten Realität, ist die Konsequenz meistens Wut, Frustration oder sogar Depression in Bezug auf negative Ereignisse oder handelnde Personen. In Wahrheit ist es aber nicht die aktuelle Situation, die zu unangenehmen Gefühlszuständen führt, sondern die Sorge ums zukünftige „Überleben“. In den seltensten Fällen wird dieser archaische Zusammenhang jedoch bewusst. Obwohl fast der gesamte Alltag dadurch gesteuert wird, kann es nur schwer begriffen und kommuniziert werden.

Unbekanntes wird meist verdrängt

Damit es erst gar nicht so weit kommt, befinden sich auch Mitarbeiter in einem ständigen Kontrollmodus. Wie ein Radar scannen sie – unterbewusst – ihre Umgebung nach möglichen Bedrohungen ihrer Macht ab. Entdecken sie eine Gefahr, die ihre aktuelle „Überlebensposition“ verschlechtern könnte, reagieren sie meist sehr rasch: Entweder suchen sie den offenen Kampf, oder sie neigen zu einer introvertierten Guerillataktik und lauern auf ihre Gelegenheit. Die häufigste Methode ist jedoch die Verdrängung. Wer nicht hinsieht, hat kein Problem und braucht auch nichts zu verändern. 

Das metaphysische „Selbstbild der Macht“ wird in jedem Lebensbereich praktiziert. Ein Mensch unterscheidet dabei nicht wirklich zwischen Beruflichem und Privatem. Vielmehr ist es immer dasselbe (re)agierende „Bewusst-Sein“, dessen verschiedene Aspekte situations- und umgebungsabhängig gelebt werden. So kann beispielsweise eine Führungskraft sich im Unternehmen ganz anders verhalten als zuhause. Trotzdem ist es ein und dieselbe Person, deren Eigenschaften miteinander verbunden sind. 

In den Unternehmen hat „überleben“  zu wollen ein sehr subtiles, nicht leicht erkennbares Niveau erreicht. Es ist das Streben nach einer Ich-zentrierten Rechtfertigung im Rahmen des Aufgaben- oder Stellenprofils. Damit soll das Ego vor sich selbst und vor den Anderen innerhalb einer bestimmten Umgebung auf positive Weise bestätigt werden. Die individuelle Einordnung in ein Kollektiv, also ein Unternehmen, hängt immer mit der Ausübung einer mehr oder weniger stark ausgeprägten Macht zusammen. Bei manchen Mitarbeitern oder Vorgesetzten ist sie sehr dominant und kann alleine schon an der Sprache oder Wortwahl erkannt werden. Der Großteil dagegen lebt sie nicht offensichtlich, doch vorhanden ist der Wille nach einem positiven Spiegelbild ständig. Jeder Mensch möchte Anerkennung, Akzeptanz und einen festen Stellenwert innerhalb der Gemeinschaft. Demzufolge wird auch das Denken und Handeln fortwährend beeinflusst. 

Die Intensität der Machtausübung wird von der Höhe des Selbstwerts bestimmt. Je geringer sich eine Person glaubt, desto schneller fühlt sie sich in ihrer „Überlebensposition“ bedroht. Ergänzend dazu besteht ein entsprechendes Schutzbedürfnis und es werden bereits im Vorfeld Maßnahmen zur Verhinderung möglicher Angriffe getroffen. Die Angst vor Veränderungen ist ein gewaltiger Treibstoff für verdeckte Handlungen, die am Unternehmenszweck oft weit vorbei gehen können. Nicht selten sind sie sogar kontraproduktiv, werden aber als für das Unternehmen positiv argumentiert.

Ausreden, Lügen, Verzögerungen von Auftragserfüllungen, Blockierungen von Informationen,  Verfälschungen von Statistiken oder auch ein Wichtigtun sind praktizierte Spielarten eines ganz normalen Unternehmensalltags. Sehr oft kommt dabei eine Opferrolle ins Spiel: Der „Angegriffene“ rechtfertigt sich mit der eigenen Machtlosigkeit durch Argumente wie etwa „zuviel Arbeit“, „zu wenig Personal“ oder „fehlende Information“. Manche Mitarbeiter versuchen auch glaubhaft zu machen, alles sei nur ein Irrtum und sie würden in Wahrheit alles viel besser machen als es momentan den Anschein hat. Angestrebtes Ziel dabei ist immer die Neutralisierung der bedrohlichen Situation, damit die aktuelle „Überlebensposition“ aufrecht erhalten werden kann. Deshalb sind diese Menschen aber per se keine schlechten Mitarbeiter oder böse Chefs, denn diese Dinge geschehen selten bewusst. Würden sie es wissen, würden sie es mit ziemlicher Sicherheit auch nicht tun. 

Auch Meetings gelten oft nur der persönlichen Rechtfertigung

Beispiele aus dem Unternehmensalltag sind Besprechungen und Berichte. Der Informationsgehalt vieler Meetings ließe sich auch per E-Mail weitergegeben. Aber damit glauben die Verantwortlichen keine Rechtfertigung erzielen zu können. Erst wenn andere Kollegen einberufen und ihnen das eigene Tun persönlich präsentiert werden kann, scheint eine positive Reflexion möglich. Dadurch wird die aktuelle „Überlebensposition“ gefestigt und ausbaufähig. Das Verschicken einer E-Mail hingegen bringt keine direkte Spiegelung, das Erscheinen und die Aufmerksamkeit der Kollegen hingegen schon. Dafür werden dann Zeit und Kosten aufgewendet, die im Sinne des Unternehmenszwecks viel effizienter eingesetzt werden könnten. 

In den letzten Jahren ist die Zahl der verlangten Berichte in Unternehmen enorm gestiegen. Begünstigt durch die elektronischen Medien geht immer mehr produktive Zeit zugunsten einer Dokumentation der produktiven Zeit verloren. Ein nicht unerheblicher Teil der verlangten schriftlichen Rechtfertigungen hat keinen wirklich sachdienlichen Zweck. Hauptsächlich geht es nämlich um Kontrolle. Diejenigen, die Anweisungen geben, möchten Bereiche, die sich ihrem direkten Einfluss entziehen, „im Griff haben“, um die Angst vor dem Unbekannten so gering wie möglich halten zu können. Ergänzend wird dadurch der Druck auf diejenigen, die die Anweisungen entgegennehmen, erhöht. Mehr Vertrauen und weniger Kontrolle würden aber regelmäßig blockierte Zeitkapazitäten freigeben.

Ein anderes Beispiel: Der Leiter für Forschung und Entwicklung wird gebeten, eine externe Idee auf ihre Machbarkeit hin zu prüfen. Grundsätzlich wäre es seine Aufgabe, für Ideen und deren Umsetzung zu sorgen. Da es aber eine fremde Idee ist, sieht er seine betriebliche „Überlebensposition“ (teilweise) bedroht. Offensichtlich kann er sich damit nur Arbeit und Probleme einbrocken, aber keine Rechtfertigung. Es geht nicht um seine eigene Initiative, stattdessen fühlt er sich zum Handlanger degradiert. Ein mehr oder weniger großer negativer Anteil in seiner Beurteilungsfähigkeit ist vorprogrammiert. Praktisch wird er die Idee vermutlich blockieren, verzögern oder wenn die Möglichkeit besteht, abschlägig beurteilen. Jedenfalls steht er der Angelegenheit nicht offen und neutral gegenüber. Selbst auf die Erweiterung der Angebotspalette des Unternehmens und die Chance zur Erschließung eines lukrativen Marktsegments kann er dabei keine Rücksicht nehmen. Die eigene Existenzgrundlage ist wichtiger.

Der aufgezeigte „Überlebens-Modus“ des Menschen ist die Ursache zwischenmenschlicher Probleme, auch in Unternehmen. Da sich aber die Spiegelungen im Außen ständig verändern, ist die Selbsterkennung eine Illusion und sorgt für eine Verschwendung wertvoller Energien, die stattdessen für das Unternehmen und seine Beschäftigten Erfolg bringen könnten. Das Ziel muss vielmehr sein, durch mehr Verständnis für sich und Andere einen höheren geistigen Freiraum zu erhalten, um so auch die Effizienz des gesamten Unternehmen zu steigern.

Hinweis

Vom Autor ist auch das Buch Zwang zum Positiven oder die Entscheidung Mensch zu sein [4] erschienen.

Kundendaten für Werbezwecke und Opt-in

Datenschutz hat nicht nur bei den Verbrauchern einen hohen Stellenwert. Auch 88 Prozent der Industrieunternehmen wissen um seine Bedeutung. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die TNS Infratest im Januar 2012 im Auftrag der Deutschen Telekom AG durchgeführt hatte. Danach halten es mehr als drei von vier Unternehmen (78 Prozent) zudem für „äußerst wichtig“ oder „sehr wichtig“, dass im Falle einer Auslagerung die Verarbeitung ihrer Daten im Geltungsbereich des deutschen Datenschutzrechts erfolgt.

Projekte zur Steigerung der Adressqualität wollen sie trotz der zur Zeit erst als Entwurf vorliegenden Aktualisierung der EU-Datenschutzverordnung nicht zurückstellen. Daran tun die Unternehmen gut und sind außerdem rechtlich auf der sicheren Seite. Denn für Daten, die nach dem 1. September 2009 erhoben wurden, gilt bereits seit diesem Termin mit der Verabschiedung der Bundesdatenschutz-Novelle II der Grundsatz des sogenannten Einwilligungsvorbehalts. Für private Endkundendaten dagegen, die vor dem Stichtag erhoben wurden, läuft zum 31. August die dreijährige Übergangsfrist aus. Ausgenommen sind dabei allerdings Bestandskunden und Personendaten aus allgemein zugänglichen Verzeichnissen sowie Adressdaten für die B2B- oder Spendenwerbung.

Opt-in statt Opt-out

Was hat sich verändert? Galt nach alter Rechtslage noch das so genannte Opt-out, bei dem der Empfänger einer Werbebotschaft die Möglichkeit hatte, sich aus der Verteilerliste wieder entfernen zu lassen, gilt nun das Opt-in-Verfahren, bei dem sich die Kunden bewusst in eine Liste eintragen lassen müssen. Bis zu drei Einwilligungen müssen von einem einzigen Empfänger eingeholt beziehungsweise auf Verlangen vorgewiesen werden können: für das Speichern und Nutzen der Daten zu Werbezwecken sowie für die konkrete Ansprache per E-Mail- und Telefonwerbung.

Jeder einzelne Kundendatensatz muss dabei so protokolliert sein, dass die entsprechende schriftliche Zustimmung des Dateninhabers klar ersichtlich ist. Der damit verbundene Verwaltungsaufwand ist für diejenigen Unternehmen enorm, die die dreijährige Übergangsfrist haben verstreichen lassen, ohne rechtliche und datentechnische Vorkehrungen zu treffen. Sie laufen nun ab 1. September Gefahr, gegen das Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) zu verstoßen, was mit empfindlichen Geldbußen geahndet werden kann.

Bis zu 50.000 Euro können fällig werden, wenn der Kunde bei einer werblichen Ansprache nicht über seine Widerrufsmöglichkeit belehrt wird oder wenn personenbezogene Daten gegen den Willen des Betroffenen in Verzeichnisse aufgenommen werden. Sanktionen bis zu 300.000 Euro drohen, wenn personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, die nicht allgemein zugänglich sind oder diese zum Zwecke der Werbung, Markt- und Meinungsforschung genutzt werden, obwohl ein Widerspruch vorliegt.

Unternehmen sollten deshalb die verbleibende Zeit nutzen und ihre Datenbanken in Bezug auf die Protokollierung des Kundeneinverständnisses akribisch durchforsten. Dies kann am besten im Rahmen eines ganzheitlichen Prozesses zur Sicherung der Datenqualität geschehen, der die einzelnen Teilschritte miteinander verknüpft. Diese umfassen das Data Profiling, das Data Cleansing und das Monitoring.

Ganzheitlicher Ansatz zur Steigerung der Datenqualität

Das Data Profiling gibt nicht nur Aufschluss darüber, welche Datentypen in einer Kundendatenbank vorhanden sind, sondern lässt auch erkennen, wie valide und gebräuchlich diese Daten sind. Beim Data Cleansing werden die erkannten Probleme durch Anwendung verschiedener Algorithmen direkt behoben. Um dem ganzheitlichen Ansatz zur Qualitätssteigerung Rechnung zu tragen, bedarf es schließlich einer kontinuierlichen Überprüfung der Konsistenz, Korrektheit und Zuverlässigkeit der Daten. Neue Daten werden deshalb im Teilprozess „Monitoring“ vor der Speicherung in den operativen und analytischen Systemen überprüft und in bestimmten Zeitabständen findet eine Prüfung der gesamten Kundendaten statt.

Nur eine blitzsaubere Datenbank schützt letztendlich vor Verstößen gegen die Bundesdatenschutz-Novelle. Denn ein weit verbreitetes Problem sind doppelt angelegte Adressen, die gefürchteten Dubletten. Problematisch wird es nun, wenn der Kunde von seinem Widerrufsrecht Gebrauch macht, das CRM-System diesen Rückruf aber aufgrund der nicht erkannten Dublette nur bei einem der beiden Datensätze durchführt und der Kunde trotzdem weiter unerwünschte Werbepost zugesandt bekommt.

Um Dubletten in großen Kundendatenbanken zu bereinigen, versprechen vor allem jene Verfahren Erfolg, die computergestützte Schlussfolgerungen mit der menschlichen Intelligenz kombinieren. Eine solche Software sollte zum Beispiel folgende Ursachen erkennen können:

Schreibfehler: etwa „Mueller AG“ statt „Meuller AG“

Verschiedene Namenschreibweisen: aus der „Ant. Schneider GmbH“ wird beispielsweise die „Anton Gustav Schneider GmbH“

Abkürzungen: zum Beispiel „Fa.“ statt „Firma“

Hörfehler: zum Beispiel „Faller KG“ statt „Fahler KG“

Wortreihenfolgen: beispielsweise „Chong Bung Li“ und „Li Bung Chong“

Allerdings sollte man den notwendigen Aufwand nicht unterschätzen. Während der erste Schritt, das Data-Profiling, sofort durchgeführt werden kann, nimmt die Beseitigung der Dubletten je nach Umfang der Datenbank und vorhandener Qualität unter Umständen mehrere Wochen oder Monate in Anspruch. Und die Zeit ist angesichts der auslaufenden Übergangsregelung knapp. Neben der dadurch erforderlichen sofortigen Komplettbereinigung der Kundendaten sollten längerfristig vor allem eine stetige Verbesserung und die Vermeidung von Dubletten direkt bei der Datenerfassung das Ziel sein. Nach dem Prinzip, beim ersten Mal gleich alles richtig zu machen („First Time Right“).

Checkliste

Folgende Angaben sollten in der Kundendatenbank bei der entsprechenden Adresse dokumentiert werden:

  • Wie wurde die Einwilligung eingeholt?
  • Wie wurde sie erteilt?
  • Für welche Kanäle (konkrete Ansprache, E-Mail- oder Telefonwerbung) wurde sie erteilt?

Prozessqualität mit Reifegraden steuern

Die Leistung eines Unternehmens wird durch seine Prozesse erbracht, das Management dieser Prozesse bekanntermaßen als Geschäftsprozessmanagement bezeichnet. Mit (Geschäfts-) Prozessmanagement werden die wichtigen Prozesse eines Unternehmens ziel- und ergebnisorientiert gestaltet, verbessert und immer wieder erneuert. Ein Reifegradmodell erleichtert dabei die objektive Beurteilung dieser Prozesse, den Vergleich mit anderen Unternehmen beziehungsweise Unternehmenseinheiten, die Beobachtung des Entwicklungstrends von Prozessen sowie deren Optimierung beziehungsweise Steuerung. Im Folgenden wird ein solches praxisnahes Reifegradmodell vorgestellt, das sich an internationalen Standards orientiert. 

Die Prozesssteuerung sollte sich vor allem auf die Kernprozesse konzentrieren, welche die Kernkompetenz eines Unternehmens realisieren. Die Kernkompetenz ist ein Bündel von Fähigkeiten und Know-how, das das Unternehmen in die Lage versetzt, sich unverwechselbar am Markt zu positionieren und den Kernauftrag, die „Mission“, zu erfüllen. Die Strategie ist der Weg von der Kernkompetenz zum Kernauftrag. Dieser Weg kann nur über das Managen der Prozesse im Unternehmen beschritten werden. Daher ist es folgerichtig, jeden Prozess nach seinem Beitrag für die Strategie zu überprüfen, etwa mittels folgender Checkliste:

  1. Welcher konkrete Kundennutzen beziehungsweise Wettbewerbsvorteil für den Kunden ergibt sich aus dem Prozess?
  2. Kann auf den Prozess oder auf einen Prozessschritt verzichtet werden, ohne dass ein Nachteil für den Kunden entsteht?
  3. Kann der Prozess oder Prozessschritt rentabler bewerkstelligt werden, ohne den Kundennutzen beziehungsweise Wettbewerbsvorteil zu beeinträchtigen?
  4. Welche Kundenanforderungen werden nicht oder zu wenig berücksichtigt?

Ermittlung der strategischen Prozessprioritäten

Besonders die Kernprozesse müssen hinsichtlich ihres Beitrags zur Strategie und Zielerreichung untersucht werden. Das Ergebnis einer solchen Analyse dient der Identifikation von Prozessdefiziten und deren Eliminierung. Oder der Verbesserung der operativen Effizienz nach einer Prioritätenreihenfolge. Dazu wird nachfolgend eine konkrete Methode vorgestellt, wonach sich die strategische Priorität eines Prozesses aus zwei Faktoren ergibt: 

Relativer Kundenwert:
Wertschöpfung des Prozesses in Relation zum Mitbewerb

Relative Kompetenz:
Prozesskompetenz in Relation zum Mitbewerb bezogen auf Ziele, wie etwa Durchlaufzeit, Termintreue oder Prozesskosten

Nach der Analyse und Bewertung der Prozesse werden die relativen Werte beider Faktoren in ein Portfolio eingetragen. Damit ist eine übersichtliche Darstellung der Prozesse und die Zuordnung zu vier Quadranten (Kompetenzbereiche) gegeben.

Beispiel: Zuordnung von Erfolgsfaktoren zu Geschäftsprozessen. Prozess 7 hat den höchsten Kundenwert. Quelle: Lenz Consulting

Aus dem Portfolio ergibt sich automatisch die jeweilige Handlungsempfehlung:

Zuordnung im Portfolio

Handlungsempfehlung

Kernkompetenz

Prozess aufrechterhalten und ständig verbessern

Kompetenzpotenzial

Prozess besser nutzen, Wert in den Vordergrund stellen

Kompetenzlücke

Mängel eliminieren, Kompetenz mittelfristig ausbauen

Standardkompetenz

nichts tun

Dabei ergibt sich der relative Kundenwert aus: 

  • Ermittlung kritischer Erfolgsfaktoren (KEF) mittels Marktforschung und durch eigene Erfahrungen
  • Eventueller Gewichtung der KEF, zum Beispiel mittels paarweisem Vergleich
  • Zuordnung der Prozesse zu den KEF: Welche Prozesse wirken wie stark auf welche KEF?

Das Resultat ist der Kundenwert je Prozess. Die relative Kompetenz ergibt sich aus:

  • Interne Analyse der Prozesse
  • Wettbewerbsvergleich der Prozesse
  • Zusammenführen der internen Analyse mit dem Wettbewerbsvergleich

Das Resultat ist die Kompetenz je Prozess.

Messung der Prozessleistung

Prozessmessgrößen sind ein zentrales Element des Prozessmanagements. Hier gilt das Motto von Peter Drucker:

„Was man nicht messen kann, kann man nicht verbessern.“

Erste Orientierung kann auch das „Magische Dreieck der Betriebswirtschaft“ bieten, denn es lassen sich zumindest zu den drei Basisgrößen „Qualität“, „Zeit“ und „Kosten“ sinnvolle Prozessmessgrößen finden. Auch Eigenverantwortung ist wichtig: Die Prozessverantwortlichen sollen selbst bestimmen, mit welchen Kennzahlen sie ihre Prozesse messen und steuern wollen – die strategische Abstimmung mit den Unternehmenszielen ist jedoch erforderlich. Es ist zweckmäßig, zwischen zwei Arten von Prozessmessgrößen zu unterscheiden:

Führungsmessgrößen:

  • Definieren die Anforderung an den Prozess und die Leistung des Prozesses
  • Abgeleitet aus übergeordneten Zielen (Strategie, übergeordneter Prozess)
  • Beispiele: Durchlaufzeit, Prozesskosten, Produktivität, Fehlerrate, Kosteneinhaltung, Anzahl der Beschwerden, Zielerreichungsgrad, Termintreue

Einflussmessgrößen:

  • Haben Einfluss auf die Prozessleistung
  • Abgeleitet aus systemischer Unternehmensbetrachtung
  • Beispiele: Qualifikationsniveau, Informationsdichte, Führungsqualität

Hinweis

Es ist empfehlenswert, sowohl Führungs- als auch Einflussmessgrößen festzulegen. Führungsmessgrößen sollten zudem strategisch verankert sein. Wichtig ist auch zu analysieren, wie die Einflussmessgrößen auf die Führungsmessgrößen wirken.

Reifegrade von Prozessen – Prozess-Benchmarking

Die Qualifizierung eines Prozesses anhand eines Reifegradmodells erleichtert seine objektive Beurteilung, der Vergleich mit anderen Unternehmen beziehungsweise Unternehmenseinheiten die Beobachtung des Entwicklungstrends eines Prozesses sowie seine strategische Optimierung.

Reifegradmodell, angelehnt an ISO15504. Quelle: Lenz Consulting

Die Kriterien für die Einordnung in einen der fünf Reifegrade müssen natürlich eindeutig formuliert und messbar sein. Konzepte wie das Excellence-Modell der EFQM [5] oder ISO9004:2008 können hier hilfreich sein.

Wie werden die Prozess-Reifegrade nun praktisch ermittelt? Dazu ist eine Checkliste zu den fünf Stufen hilfreich, anhand derer eine erste Einstufung eines Prozesses in den entsprechenden Level erfolgen kann. Zudem können Prozessassessment-Tools hilfreich für die Bestimmung des Reifegrades sein.

Reifegrad 5: Optimiert

  • Prozess ist Routine

  • Kontinuierlicher Verbesserungsprozess ist
 etabliert
  • 
Ziele 
sind 
strategisch

  • Prozessaudits 
finden regelmäßig 
statt


  • Organisation 
agiert 
wertschöpfend

  • Schwächen
 werden systematisch 
gesucht

Reifegrad 4: Gelenkt


  • Prozesse
 werden 
mittels 
Kennzahlen
 gemessen

  • Quantitative 
Ziele 
sind definiert

  • Zielerreichung wird gemessen

  • Zeiten 
und 
Qualität 
sind zuverlässig
 kontrollierbar

  • Organisation 
agiert 
serviceorientiert


Reifegrad 3: Definiert
                      

  • Standard-Prozesse
  • Prozesse 
dokumentiert

  • Organisationseinheit 
für Umsetzung definiert

  • Kennzahlen 
definiert

  • Zeiten 
zuverlässig 
planbar

  • Qualität 
noch 
schwankend

  • Organisation
 proaktiv


Reifegrad 2: Wiederholbar
                    

  • Stabile, 
dokumentierte Prozesse
  • In‐ 
und 
Output 
dokumentiert
  • Erfahrungen
 vergangener Projekte 
werden
 berücksichtigt

  • Zeiten 
planbar

  • Qualität 
überprüfbar, 
aber 
schwankend

  • Organisation 
ist 
reaktiv


Reifegrad 1: Situativ

  • Ad‐hoc‐Prozesse
  • In‐ 
und 
Outputs 
bekannt

  • Vorgehensweise bekannt

  • Keine 
konsequente
 Planung

  • Zeit 
nicht 
vorhersehbar
          
  • Qualität 
nicht 
vorhersehbar

  • Organisation 
ist 
chaotisch


Hinweis

Gehen Sie Ihre Kernprozesse, vor allem die hoch priorisierten, mit dem Managementteam oder zumindest den Prozessverantwortlichen anhand der Checkliste durch! Damit können Sie auf einfache Weise die Prozessreifegrade bestimmen.

Im zweiten Schritt legen Sie die Ziel-Reifegrade der einzelnen Prozesse fest – dabei können Sie sich am Prozessportfolio orientieren – und überlegen sich Maßnahmen, um diese Reifegrade zu erreichen. Ihre Prozesse werden so sukzessive „reifer“.

Ein Prozess-Benchmarking und die Messung von Prozessgrößen sind nicht Selbstzweck, sondern dienen der Überprüfung der Zielerreichung, der Prozesslenkung und der kontinuierlichen Verbesserung. Von besonderer Bedeutung beim KVP ist die laufende und zeitnahe Visualisierung der Prozessmessgrößen und des Prozess-Reifegrades für alle Beteiligten (Visuelles Management). Das informiert einerseits die Prozessnutzer über das Ergebnis „ihres“ Prozesses und kann andererseits Motivation für Prozessverbesserung sein. Kurze, schnelle Regelkreise der Verbesserung können so wirksam aufgebaut werden. Durch ein gemeinsames Reifegradmodell sind relative Vergleiche sowohl unternehmensintern (etwa zwischen verschiedenen Werken) als auch zwischen Unternehmen einfach möglich.

 

Ohne E-Mail effizienter und direkter kommunizieren

Die Vision lautet: Die E-Mail-Flut im Unternehmen eindämmen und dadurch die Produktivität der Anwender und ihre Zufriedenheit nachhaltig erhöhen. Schließlich sind weit über hundert E-Mails pro Tag im Posteingang eines Mitarbeiters eher die Regel als die Ausnahme. Welcher Mitarbeiter gerät da nicht an die Grenzen seiner Aufmerksamkeit? Denn statt die Arbeit zu erleichtern, stellen die E-Mail-Berge eher eine zusätzliche Belastung dar. Zum einen kostet das Lesen und Bearbeiten jede Menge Zeit, zum anderen werden die Empfänger durch eingehende Mails immer wieder in ihrem Tun aufgehalten und es dauert länger, bis ein Arbeitsschritt abgeschlossen ist. Im Schnitt ist jedoch nur eine von zehn E-Mails wichtiger als die Aufgabe, die von der eintreffenden Nachricht unterbrochen wird. So werden viel zu häufig wichtige, strategische Dinge fehlerhaft oder gar nicht erledigt.

Unterdessen wächst jedoch die Zahl der Mitarbeiter, die auch nach Feierabend zu Hause ständig online sind und ihre elektronische Post per Smartphone abrufen. Bereits jeder fünfte Angestellte klagt über erhöhten Stress durch die riesige E-Mail-Flut. Dass das Volumen ein- und ausgehender E-Mails inzwischen ein für die Geschäftswelt kaum mehr tragbares Ausmaß angenommen hat, belegen folgende Schätzungen: Danach verbringen Führungskräfte zwischen 5 und 20 Stunden pro Woche allein mit dem Lesen und Schreiben von E-Mails. Hinzu kommt, dass sie bereits verstärkt mit sozialen Netzwerken arbeiten. Mitarbeiter im mittleren Management verbringen mehr als 25 Prozent ihrer Zeit damit, Informationen zu suchen. Und dieser Aufwand wird eher weiter steigen: Bereits 2013 wird über die Hälfte aller neuen digitalen Inhalte aus Aktualisierungen oder überarbeiteten Versionen vorhandener Informationen bestehen.

E-Mail-Verzicht verändert Art und Weise der Kommunikation

In der Recruiting-Strategie vieler Unternehmen findet daher gerade ein Umdenken statt. Immer häufiger richtet sich der Blick auf die inneren Werte des Unternehmens und das Wohlergehen der Mitarbeiter, deren Engagement letztlich für den Geschäftserfolg entscheidend ist. Ein wesentlicher Faktor für ein produktives Arbeitsklima ist eine Kultur, in der Kreativität und Ideen gefördert werden. Dabei gilt es jedoch, aus Ideen gezielt Innovationen zu machen. Denn nur konsequent durchdachte und vom Markt akzeptierte Neuerungen steigern den Unternehmenswert. Kreative Vorschläge und Ideen sollten also gefördert und kanalisiert werden, damit sie ihre positive Wirkung entfalten können. Unternehmen haben die Aufgabe, den internen Innovationsprozess zu unterstützen, zu erleichtern, beratend zu begleiten und den Mitarbeitern einen Gestaltungsspielraum zu geben.

Um Agilität und Mitarbeitermotivation zu fördern, setzen moderne Arbeitgeber bereits heute auf neue Technologien jenseits der E-Mail – insbesondere für die interne Kommunikation zwischen den Mitarbeitern. Dazu zählen vor allem optimierte Anwendungen auf Basis von Kooperationsplattformen sowie soziale Medien, die für einen unkomplizierten Informationsaustausch in Echtzeit sorgen. Zwar scheuen viele Unternehmen vor dem Einsatz öffentlicher sozialer Netzwerke wie Facebook oder LinkedIn zurück, arbeiten jedoch mit Kommunikationswerkzeugen wie Instant Messenger und geschlossenen Systemen wie „Jive“ oder dem „Microsoft Lync“, die ähnlich funktionieren. Zudem lässt sich mit Hilfe solcher Tools über eine Ampel signalisieren, dass man gerade nicht gestört werden will.

Damit haben „Ketten-E-Mails“, die sich monatelang mit wechselnden Verteilern und Themen durch das Unternehmen schlängeln, oder „E-Mail-Chats“, die den Posteingang verstopfen, ausgedient. Der Verzicht auf die E-Mail entlastet nicht nur die Mailboxen, sondern verändert auch die Art und Weise der Kommunikation in den Unternehmen grundlegend. Mehr noch: Die gesamte Unternehmenskultur bis hin zur Rolle des Managers definiert sich neu. Hierarchische Strukturen sind passé, stattdessen etabliert sich die direkte Kommunikation. Gefragt sind persönliche Gespräche und Teamarbeit statt eine eingleisige Befehlsstruktur. Oftmals ist es für alle Beteiligen deutlich effizienter, den persönlichen Austausch mit einem Kollegen drei Bürotüren weiter zu suchen, als eine E-Mail zu formulieren und zur Sicherheit noch zwei Vorgesetzte auf „CC“ zu setzen.

Hinzu kommt, dass wertvolle Informationen oft versickern, wenn sie in den Postfächern einzelner Mitarbeiter archiviert werden. Sind sie hingegen in einem zentralen Informationspool für jeden auffindbar abgelegt, kann dies die gemeinsame Entscheidungsfindung beschleunigen. Folglich können Sharepoint-Laufwerke und Cloud-Lösungen zu einer Dezimierung des E-Mail-Aufkommens beitragen, da aktualisierte Dateien zentral abgelegt werden und neue Versionen nicht immer wieder per E-Mail versendet werden müssen. Auch Blogs und Wikis sind für Unternehmen interessant, um auf Informationen auch später jederzeit zurückgreifen zu können. Sie steigern die Effizienz und vereinfachen die Kommunikation.

Wird die E-Mail schon bald abgeschafft?

Ansätze wie diese sind gerade im Hinblick auf die Rekrutierung junger Talente nicht zu unterschätzen. Bei der nachrückenden Generation an Arbeitnehmern gelten E-Mails schon heute als antiquiert – so, als würde ein Unternehmen seine komplette interne und externe Kommunikation per Briefpost und Fax bewältigen. Vor allem Jugendliche und junge Berufseinsteiger nutzen heute verstärkt Social Communities, SMS, Skype und andere neue Kommunikationsplattformen. Es verwundert also kaum, dass soziale Medien auch im Bewerbungsprozess eine immer wichtigere Rolle spielen, und zwar über alle Altersgruppen hinweg. Jeder vierte Bewerber nutzt bereits Internetplattformen zur Jobsuche. Zu diesem Ergebnis kommt der „Global Workforce Index“ [6] des Personaldienstleisters Kelly Services.

Während in vielen Unternehmen ein Arbeitstag ohne E-Mails noch schwer vorstellbar ist, sagen andere den explosionsartig wachsenden Mengen elektronischer Nachrichten bereits gezielt den Kampf an. Entschlossen verfolgen sie den Plan, die E-Mail als Kommunikationsmittel binnen weniger Monate aus der internen Kommunikation zu verbannen. Stattdessen sollen vielversprechende Alternativen wie Collaboration- und Social-Media-Tools den Arbeitsalltag der Mitarbeiter effizienter und angenehmer gestalten. Hinter diesem radikalen Schritt steht die Überzeugung, dass die E-Mail als primäres Kommunikationsmittel für Unternehmen und die Geschäftswelt schon bald an Bedeutung verlieren wird. Vergleichbar mit der industriellen Revolution, in deren Folge die Wirtschaft erste Maßnahmen im Kampf gegen die Umweltverschmutzung traf, soll das Vorhaben eine Kehrtwende einleiten. Riesige Datenmengen, die unsere Arbeitsumgebung buchstäblich überwuchern und auch im privaten Bereich Überhand nehmen, könnten damit schon bald der Vergangenheit angehören.

Hinweis

Lesen Sie im Management-Handbuch:

E-Mail-Management - E-Mails selektiv lesen, punktgenau schreiben, gezielt wieder finden [7]

Arbeitsplatz der Zukunft ist mobil und dezentral

Die wesentlichen Unterschiede zwischen dem klassischen und dem zukünftigen IT-Arbeitsplatz sind:

Keine Abhängigkeit mehr von der Infrastruktur

Wesentliche Grundlage für den IT-Arbeitsplatz der Zukunft ist die Abkehr von den monolithischen Strukturen im Desktop-Management mit ihren bisher starren und infrastrukturabhängigen Verhältnissen. Sie haben den Benutzer an ihren definierten Arbeitsplatz gebunden, so dass die Mitarbeiter nicht einmal in der Lage sind, zwei Büros weiter im Gespräch mit Kollegen auf ihre lokal gespeicherten Daten zuzugreifen. Diese Restriktion wird durch die Desktop-Virtualisierung aufgelöst, weil damit die Client-Nutzung von der ursprünglich festen IT-Architektur entkoppelt wird.

Standortunabhängiger Zugriff auf alles

Indem die Endgeräte nur noch primär als Präsentationsinstrument auf zentral bereit gestellten Anwendungen und Daten fungieren, kann der Ort des IT-Arbeitsplatzes frei gewählt werden. Anders als bisher ist ein flexibler Zugriff sowohl im unternehmensinternen Netzwerk als auch an anderen Firmenlokationen oder bei Kunden vor Ort möglich. Dies ermöglicht eine konsequente Ausrichtung der Prozesse auf den Business-Bedarf statt wie bisher abhängig von der Infrastrukturtechnik zu sein.

Neue Freiheiten bei den Endgeräten

Der Unterschied besteht jedoch nicht allein in der standortunabhängigen Nutzung etwa von Business-Applikationen, sondern es werden auch gleichzeitig neue Freiheiten in Sachen Endgeräte geschaffen. Schließlich können die Devices ebenso Tablet-PCs sein wie der herkömmliche Laptop oder Handys und Smartphones. Insofern ähnelt das mobile Arbeiten in seinem optischen Bild immer mehr der Nutzung von Consumer-Technologien.

Private Laptops müssen kein Tabu mehr sein

Nach einer kürzlich erhobenen Studie des Beratungsunternehmen IDC sind 79 Prozent der deutschen IT-Verantwortlichen der Auffassung, dass die Arbeitsmoral positiv beeinflusst wird, sofern die „Information Worker“ im Unternehmen ihr persönliches Gerät für die Arbeit nutzen dürfen. Solche „Bring-Your-Own-Device“-Ansätze waren bisher allein aus Sicherheitsgründen undenkbar. Da mit der Desktop-Virtualisierung aber das Endgerät nur als Präsentationsmedium dient, können über den privaten Laptop weder Schadsoftware übertragen werden noch ein Datendiebstahl stattfinden.

Starre Standardisierung wird aufgelöst

Infolge der engen Verknüpfung der IT-Arbeitsplätze mit der Infrastruktur bestand bislang eine geringe Flexibilität sowohl im Diensteangebot als auch in organisatorischer Hinsicht. Die Desktop-Virtualisierung erzeugt hier ganz neue Freiheiten. Sie entspricht den heutigen organisatorischen Erfordernissen der Unternehmen, da durch die inzwischen hohe Veränderungsdynamik der Märkte und des Wettbewerbs die Flexibilitätsansprüche deutlich gestiegen sind.

Bereitstellung aufgabenindividueller Dienste

Auch im IT-Service-Management werden durch die Virtualisierung neue Organisationsmethoden mit erheblichen Nutzeneffekten realisierbar. So besteht etwa die Möglichkeit, ein modulares Angebot an Diensten zu konzipieren, statt wie bisher nur Standarddienste anzubieten. Aus ihm kann der Benutzer entsprechend seiner spezifischen Aufgabe oder Rolle über automatisierte Prozesse auswählen. Dies unterstützt auch die Verbreitung der Selfservice-Portale, die eine Entlastung der IT-Ressourcen bewirken.

Kollaboratives Arbeiten wird einfacher

Durch die Möglichkeit der ortsunabhängigen Nutzung werden bisherige Beschränkungen in der Teamarbeit beispielsweise über Groupware-, Sharepoint- oder Wiki-Systeme deutlich reduziert, weil keine Präsenz im Büro mehr erforderlich ist. Dies entspricht auch dem Bedarf in der Praxis. Denn die in wachsendem Maß mobil geprägten Tätigkeiten vieler Mitarbeiter steigern die Notwendigkeit, dezentral miteinander arbeiten zu können.

Vergleich: klassischer und zukünftiger IT-Arbeitsplatz. Quelle: COC

Zeitpunkt für Entscheidungen in Unternehmen berechnen

Frau Strickner, Unternehmen sind mit permanenter Veränderung konfrontiert, müssen sich ständig an neue Gegebenheiten anpassen. Sie sagen, nur wer seine Vergangenheit kenne, wisse auch, wohin er gehen könne. Was meinen Sie damit in Bezug auf Unternehmen? 

Unternehmen sind mehr als Bilanzen, Plan- und Kennzahlen. Sie sind vielmehr lebende Organismen, die lernen, wachsen und sich am Markt bewegen. Dazu gehört auch Erfahrungen zu machen und diese in die richtigen Handlungen und Entscheidungen für die Zukunft umzusetzen. Aus Fehlern lernen, sich selbst einschätzen können, die eigenen Stärken und Schwächen ehrlich betrachten und aus der Vergangenheit und Gegenwart für die Zukunft lernen macht modernes Management aus.

Unternehmen haben sowohl individuell als auch als personelle Einheit eine Art Biorhythmus, dem sie folgen. Tun sie es nicht, wird es schwerer. Diesen zu erkennen und herauszufinden, macht eine Analyse vergangener Entscheidungen notwendig, denn es gibt bestimmte „Zeitqualitäten“, die sich erkennen und berechnen lassen. Zeit, das wusste schon Pythagoras, verläuft nicht linear. Wir stellen sie in unseren Terminkalendern und Excel-Sheets nur linear dar. Zeit ist vielmehr rhythmisch. Das bedeutet auch, dass ähnliche Umstände zu ähnlichen Problemen führen. Wer also Zeit in Relation zu bestimmten Umständen in einem Unternehmen setzt, kann auf dieser Basis die richtigen Entscheidungen treffen.

Ihre Vorgehensweise „Zeitintelligenz“ orientiert sich an Vorhersagen, also zum Beispiel daran, wann für eine konkrete Maßnahme im Unternehmen genau der richtige Zeitpunkt sein wird. Für Laien klingt das etwas nach Wettervorhersage …

Was haben Sie gegen Wettervorhersagen? In der Tendenz stimmen die ja und sind für viele Planungen unerlässlich. Das Wetter folgt bestimmten Naturgesetzen, die sich meteorologisch berechnen lassen. Auch die Basis der Meteorologie ist Mathematik. Das ist bei meinem Ansatz auch so. Es gibt eben einige universelle Gesetze, die auch wissenschaftlich belegt sind – in der Physik, der Biologie, der Architektur und auch in der Betriebswirtschaft.

„Zeitintelligenz“ ist keine Kaffeesatzleserei, sondern mathematische Berechnung auf Basis harter und weicher Fakten. Die Natur sucht genau wie das Wetter immer den Ausgleich, deswegen gibt es Hochs und Tiefs oder Sonne und Regen. Bei Unternehmen ist das auch so, nur da heißt es Erfolg und Misserfolg oder Gewinn und Verlust. Vieles wird durch klare Vorhersagen kalkulierbarer. Insofern ja, ich mache unternehmerische Wettervorhersagen – wissenschaftlich, analytisch und nachvollziehbar.

Coachin Strickner: „Zeitintelligenz ist keine Kaffeesatzleserei.“

Für Ihre Methode nutzen Sie neben der Mathematik auch Ansätze aus der Quantenphysik, der Psychologie und Weisheiten aus alter babylonischer und griechischer Zeit. Bitte klären Sie uns auf, wie das in der Praxis funktioniert. 

Wie schon erwähnt: Unternehmen sind lebende Organismen. Sie werden geboren und sterben irgendwann. Ganz konkret, wenn sie Konkurs anmelden müssen. Im metaphysischen Sinn steht das Hinterfragen, Reflektieren und Neuausrichten auf der ToDo-Liste. Insofern unterliegen sie auch bestimmten Wachstums- und Entwicklungsphasen, die sich berechnen lassen. Soweit zu den mathematischen Methoden. Aus der Quantenphysik wissen wir, dass es universelle Zusammenhänge und verschiedene Energieströme gibt. Die lassen sich beeinflussen. So wie es bei jedem Menschen gute und schlechte Tage gibt, gibt es die auch bei Unternehmen. Manchmal ist eben die Zeit nicht reif, der Energielevel nicht hoch genug.

Was die Psychologie anbelangt, ist diese im modernen Business gar nicht mehr wegzudenken. Selbstmotivation, Führung und Management kommen ohne Psychologie nicht aus. Und alte Weisheiten, ja, Pythagoras und viele andere Wissenschaftler haben uns zahlreiche Erkenntnisse gebracht, die alle noch heute gültig sind. Die Wissenschaft ist so alt wie die Geschichte der Menschheit.

In der Praxis stelle ich viele Fragen, analysiere gemeinsam mit dem Unternehmer seine Daten und Fakten und versuche auf der persönlichen Ebene herauszufinden, wo seine Interessen und Ziele wirklich liegen. Das bringe ich dann in Einklang. Individuelles Wollen und Können werden synchronisiert mit berechenbaren Zeitqualitäten. Es ist eine Mischung aus Berechnung, Coaching und betriebswirtschaftlicher Analyse.

Haben Sie keine Bedenken, nicht ernst genommen zu werden, wenn Sie Unternehmen mit alten Weisheiten kommen?

Bedenken nein, ein Bewusstsein dafür ja. Altes Wissen ist auch deswegen alt, weil es sich bewährt hat. Niemand würde es heute als Weisheit bezeichnen, wenn es Unsinn wäre. Die Basis unserer heutigen Betriebs- und Volkswirtschaftslehre beruht doch auf den Erkenntnissen vieler alter Mathematiker, Philosophen und Kaufleute. Dem kann sich kein Unternehmer verschließen.

Sie behaupten, Ihre Methode funktioniere immer. Gesetzt den Fall, Sie haben Recht. Gibt es dann also bald kein Unternehmen mehr, das Entscheidungen zum falschen Zeitpunkt trifft?

Die wird es immer geben. Unternehmen sind nur so gut wie ihre Inhaber und Manager. Nicht jeder möchte dieses Wissen für sich nutzen. Viele glauben, alles am Verstand orientiert entscheiden zu können. Das führt irgendwann zwangsläufig zu Fehlern. Diese müssen auch nicht gravierend sein, aber die jüngsten Finanz- und Wirtschaftskrisen haben gezeigt, dass das dominant willensorientierte und egogeleitete Agieren an Grenzen stößt. Es gibt natürliche Gesetze und Grenzen, die auch Top-Manager nicht überschreiten können.

Mehr Demut vor der Natur und dem Menschen täten Unternehmen gut. Viele haben das erkannt, aber alle werden es niemals umsetzen. Vielleicht ist das aber auch gut so, denn Fehler sind Lern- und Entwicklungsschritte, die Anderen helfen und auch einem selbst. Die Methode funktioniert – Unternehmer können aber frei entscheiden, ob sie sie auch einsetzen möchten oder nicht, ob sie zu denen gehören, die Fehlentscheidungen aus der Nähe oder der Ferne erleben möchten.

Es gibt aber doch Situationen, die schlichtweg nicht vorhersagbar sind. Denken Sie nur an Naturkatastrophen wie etwa Vulkanausbrüche, die den Bilanzen von Fluggesellschaften oder der Tourismusbranche ganz schön zusetzen können …

Selbst das lässt sich vorhersagen und wird ja auch ungefähr vorhergesagt. Es ist eher eine Frage der Werkzeugauswahl beziehungsweise eine Frage, welcher Verfahren oder Methoden ich mich zum Erkenntnisgewinn bediene. Daraus muss ich dann die richtigen Schlüsse ableiten. Letztlich geht es aber auch um Wahrscheinlichkeiten, auch die gehören zur Mathematik.

Die meisten Unternehmenskrisen entstehen aber nicht durch äußere Einflüsse, sondern sind hausgemacht: Gedankenmuster, Führungsstile und unternehmerische Strategien in sich wandelnden Märkten und veränderten personellen Anforderungen. Hier spielen Zeitqualitäten und der bereits genannte Biorhythmus von Unternehmen eine wichtige Rolle. Die Aufgabe ist dann, den Rhythmus des Unternehmenslenkers mit denen des Unternehmens und der Mitarbeiter in Einklang zu bringen. Es geht immer um Ausgleich und Anpassung an die jeweils anstehenden Herausforderungen – intern und extern.

„Pi-mal-Daumen“-Entscheidungen, sagen Sie, hätten mit Ihrer „Zeitintelligenz“-Methode künftig ausgedient. Entscheidungen aus dem Bauch heraus können aber manchmal auch in Unternehmen nützlich und sinnvoll sein, oder?

Auf jeden Fall. Oft ist Intuition wichtiger als reine Ratio. Als guter Unternehmer achte ich auf beides und gleiche die beiden Pole miteinander ab, wenn sie sich widersprechen. Erfahrungen, Gefühle, Intuitionen, eben das „Bauchhirn“, müssen mit dem Verstand kombiniert werden. Nur so werden Entscheidungen sachlich und emotional als richtig empfunden. Bauchentscheidungen sind das Ergebnis von Nervensystemen, Nervenzellen und Spiegelneuronen. Hier gilt ein anderes universelles Lebensgesetz: wie innen, so auch außen.

Zeitintelligenz ist also keine künstliche Methode, die den Bauch ausschaltet, sondern im Gegenteil der Einklang aus universell gültigen Prinzipien, rationaler Analyse und strategischer Planung im Wissen um den eigenen Unternehmens-Biorhythmus.

Wir gehen davon aus, Sie wenden Ihre Methode auch für sich selbst beziehungsweise für Ihr Unternehmen an. Nichts liegt näher. Haben Sie bislang jede Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt getroffen?

Alle Entscheidungen kann ich nicht zum richtigen Zeitpunkt treffen. So wie ein Sportler ja auch nicht den Zeitpunkt der Olympiade verschieben kann. Aber ich orientiere mich streng an meinen Zeitqualitäten und stimme meine eigenen mit denen meines Unternehmens ab.

Wenn ich Termine nicht steuern kann, bin ich eben einem höheren Risiko ausgesetzt. Dieses kann ich aber in Kenntnis dessen minimieren. Das ist ein entscheidender Vorteil, der mir neue Gestaltungs- und Handlungsoptionen gibt. Damit bin ich letztlich meiner Zeit sogar voraus.

Frau Strickner, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Hinweis

Zu den Themen Entscheidungsfindung und Entscheidungstechniken haben wir die wichtigsten Regeln und Tipps zusammengestellt, die Ihnen helfen sollen, wenn Sie als Führungskraft Entscheidungen treffen und diese auch umsetzen müssen.

Themenspecial: Entscheidungen vorbereiten und treffen [8]

Einstieg für Unternehmen in Social Media

Wenn Sie einen Auftritt auf Facebook und Co. beabsichtigen, sollten Sie folgende sechs Schritte beherzigen: 

1. Ausgangsanalyse

Zunächst müssen Sie sich die Frage stellen, welche Social-Media-Bereiche für Sie passen könnten. Richten Sie sich hierbei nach Ihrer Zielgruppe. Wie ist diese definiert und wo ist sie im Netz vertreten? Besteht Ihr Kundenstamm beispielsweise bevorzugt aus der Kategorie 60 Jahre aufwärts, ist es nicht zwingend notwendig, auf sozialen Plattformen wie Facebook aktiv zu werden. Behalten Sie jedoch aktuelle Entwicklungen der Nutzerschaft im Blick.

Dann gilt es zu hinterfragen, welche Wünsche Ihre Kunden haben. So legen Sie Ihre Zielsetzung fest. Möchten Sie Social Media nutzen, um eine engere Kundenbindung zu inszenieren oder reicht bei Ihrer Zielgruppe ein rein informatorisches Motiv? Sind Sie zu Ergebnissen gekommen, können Sie sich nun Anregungen zur Umsetzung bei der Konkurrenz einholen. Suchen Sie nach Unternehmen, die bereits nach Ihren Vorstellungen im Netz vertreten sind und holen Sie sich Tipps für Ihr eigenes Konzept.

Wichtig ist hierbei noch: Nehmen Sie nicht gleich alle Möglichkeiten wahr, die Social Media Ihnen bietet! Beginnen Sie auf einer Plattform, tasten Sie sich langsam vor und sammeln Sie Ihre eigenen Erfahrungen, um im Anschluss mit dem nötigen Know-how großflächig anzugreifen. Zusammengefasst:

  • Ausgangssituation: Wo genau macht Social Media für mein Unternehmen Sinn?
  • Zielsetzung: Was möchte ich mit Social Media erreichen?
  • Wer hat meine Vorstellungen von Social Media bereits umgesetzt und kann so als Vorlage dienen?

Präsentieren Sie sich zum Testlauf zunächst auf höchstens zwei sozialen Plattformen.

2. Aufstellen eines Social-Media-Teams

Nachdem das grobe Konzept steht, geht es nun um die praktische Umsetzung. Reicht die personelle Kapazität zur Realisierung aus beziehungsweise haben Sie überhaupt Personal für einen solchen Aufgabenbereich? Sie sollten sich außerdem fragen, wen und wie viele Mitarbeiter Sie benötigen.

Social Media sollte nicht zwischen andere Aufgaben geschoben werden, sondern erfordert von den Mitarbeitern ein hohes Maß an Hingabe, Eigeninteresse und entsprechendes Wissen. Alles andere schadet mehr als das es nützt.

3. Strategische Planung

Hier geht es um die Frage, was eigentlich genau umgesetzt werden soll und wer in Bezug auf seine Stärken und Schwächen für was zuständig ist. Vorab ist also eine gut durchdachte Planung notwendig. Sie müssen Ihrem Personal feste Bereiche zuteilen und genaue Aufgabenfelder definieren. Beachten Sie dabei Folgendes: Für den Kunden ist es wichtig, dass Sie als Unternehmen interessant bleiben! Denken Sie daher daran, Ihre Inhalte regelmäßig zu aktualisieren, Neues zu präsentieren und Anfragen und Wünsche umgehend zu bearbeiten.

Ein ansprechendes Design ist auch bei Social Media Pflicht. Ebenso sollten die Art Ihrer Beiträge und die verwendete Sprache auf das Gesamtkonzept abgestimmt sein. Dabei ist Ihr Ziel entscheidend für die entsprechende Umsetzung:

  • Wollen Sie eher informieren oder in einen Dialog mit dem Kunden treten?
  • Wie zeichnen sich diesbezüglich Ihre Zielgruppen aus?

Insgesamt ist zu beachten, dass Ihr Image authentisch bleiben muss. Authentizität generiert Vertrauen. Vertrauen von Seiten Ihrer Kunden ist eines der höchsten Güter in Ihrer Unternehmung. Ebenso wichtig: Ihre Social-Media-Seite darf Kunden bei der Bedienung technisch nicht überfordern. Sie sollte frei nach dem Motto „Alles ist nur einen Klick entfernt“ gestaltet werden.

Nachdem Ihr Leitfaden steht, fangen Sie an:

  • Schriftliches Konzept erstellen, das die Arbeitsbereiche definiert und zuteilt und die generelle Kommunikation, den visuellen Auftritt und die Strategie festlegt
  • Praktische Durchführung

4. Steigerung des Bekanntheitsgrads

Nachdem Sie Ihre Konzeption über einen längeren Zeitraum im Netz geprüft haben und sie sich behaupten konnte, geht es nun um die Steigerung des Bekanntheitsgrads. Das Schlagwort hierfür heißt  „Networking“. Vernetzten Sie Ihre vorhandenen Social-Media-Präsenzen miteinander! Verlinken Sie beispielsweise auf Ihrem Xing-Profil sämtliche Homepages und Profile, die Sie verwalten. Auf diesem Weg haben auch Ihre Mitarbeiter und Freunde die Möglichkeit, Ihren Link zu teilen.

Ihre Bestandskunden könnten Sie zum Beispiel über ein Mailing auf Ihre neue großflächige Präsenz im Web aufmerksam machen. Das lässt Sie wieder ins Gedächtnis Ihrer Kundschaft rufen und generiert Follower.

Ebenso wirksam für die Bekanntheitsexpansion sind Werbeformate wie „Google AdWords“ oder „Facebook Ads“. Mit deren Hilfe lässt sich Ihre Zielgruppe meist punktgenau und mit geringen Kosten ansprechen. Es gilt: „Cost per Click“.

In diesem Zusammenhang ist auch die Möglichkeit der Suchmaschinenoptimierung zu nennen. Es versteht sich von selbst, dass Ihre Beiträge nur gelesen werden, wenn sie im Internet auch gefunden werden. Die Eingabe von passenden Keywords in URL, Text und Bildnamen sowie aktuellem Content hilft, die Positionierung Ihrer Seiten im Ranking zu erhöhen.

5. Nachhaltigkeit

Sie haben mittlerweile einen akzeptablen Auftritt in verschiedenen Social-Media-Bereichen geschaffen. Denken Sie daran, diesen dauerhaft zu pflegen und mit neuen Inhalten zu versorgen. Aber Vorsicht: Aufmerksamkeit gelingt nur durch Relevanz! Wenn Sie gesehen werden wollen, müssen Sie mit qualitativen Botschaften glänzen. Der Informationsüberfluss ist so oder so schon groß genug.

Das heißt konkret: Veröffentlichen Sie regelmäßig Posts mit Aussage und Wirkung, diese können ab und an auch gerne persönlicher Natur sein. Die Inhalte sollten dabei exklusiv sein, das heißt gewöhnlich nicht zugänglich, und den Besuch auf Ihrer Page lohnenswert machen. Das können Geschichten rund um Ihr Produkt sein, die Ihre Kunden emotional und fachlich erreichen oder einfach nur amüsieren. Wenn Sie im B2B-Bereich tätig sind, sollten sie aber auf Sachlichkeit achten. Wichtig ist hier Transparenz. 

Emotionen, Werte und Tugenden sollten den Fokus Ihrer Botschaft bilden, um eine starke und loyale Kundenbindung zu schaffen.

6. Dialog auf Augenhöhe

Das Hauptkriterium von Social Media ist die Möglichkeit des direkten Dialogs mit dem Kunden. Mittels Blogs, Facebook-, Xing- und Twitterprofilen sind Sie stets für Kunden erreichbar und werden so zu einer greifbaren Persönlichkeit, die Frage und Antwort stehen kann – dadurch können wahre Freundschaften entstehen.

Nutzen Sie beispielsweise Themenblogs, um sich selbst einzubringen und wertvolle Informationen über ihre Produkte und Zielgruppen zu erfahren. Zu empfehlen ist hier der Dienst „Google Alerts“, der Sie über neueste Google-Ergebnisse per E-Mail informiert. Darauf können Sie direkt reagieren.

Hinweis

In einem E-Book kompakt und informativ für Sie zusammengefasst:
Die 100 wichtigsten Social Media Tipps [9] zu XING, Twitter, Facebook & Co.

Kritik von Kunden über Social Media

Es gibt kaum etwas, wovor sich Unternehmenskommunikatoren mehr fürchten als vor einem „Shitstorm” im Internet. Hierbei muss aber zunächst definiert werden, was darunter zu verstehen ist.

Stichwort

Unter Shitstorm versteht man zunächst eine steigende Anzahl von negativ geprägten Artikeln in den typischen Social-Media-Kanälen. Dies äußert sich in einem vermehrten Aufkommen von vulgären Ausdrücken, Beleidigungen oder auch Drohungen.

Bereits auf dieser Eskalationsstufe werden viele Unternehmen nervös und agieren oftmals ohne eine festgelegte und zielführende Krisenstrategie. Die Kernfrage: Wann beziehungsweise in welcher Form müssen Unternehmen auf einen „Shitstorm“ reagieren? Kommt es anfangs vielleicht nur zu haltlosen Beleidigungen, die nicht auf sachlicher und konkreter Kritik am Unternehmen basieren, müssen andere Kommunikationswerkzeuge gewählt werden, als wenn tatsächliche Missstände aufgedeckt werden. Adäquat reagieren sollten Unternehmen aber in jedem Fall.

Verhalten bei Beleidigungen

Bei haltlosen Beleidigungen genügt es, in den moderierten Social-Media-Kanälen auf die allgemein üblichen Verhaltensregeln hinzuweisen und eine Sanktionierung wie etwa eine Sperre anzudrohen. Sehr häufig tritt ein sogenannter Selbstreinigungseffekt der Nutzer untereinander in Kraft. Diese Dynamik gilt es nicht zu unterschätzen und sollte genutzt werden. Gerade auf den „Fan-Seiten“ von Facebook ist es üblich, dass Fans eine recht hohe Markenidentifikation aufweisen. Nicht umsonst wurde deshalb der „Gefällt-mir“-Button gedrückt und seinem Umfeld diese Identifikation mitgeteilt.

Diese Fans reagieren erfahrungsgemäß sehr schnell auf Beleidigungen oder Drohungen und die Verfasser solcher Beiträge werden zügig isoliert. Natürlich ist es nicht einfach an dieser Stelle die Nerven zu bewahren, denn man möchte sich verständlicherweise gegen Lügen oder Beleidigungen zur Wehr setzen. Zum Beispiel bei negativen Bewertungen über Arbeitgeber auf entsprechenden Portalen. Hier sollte aber trotzdem erst einmal Ruhe bewahrt werden, denn sofort mit langen Stellungnahmen zu reagieren könnte folgende Effekte hervorrufen:

  1. Die Urheber nehmen zur Kenntnis, dass ihre Bewertungen ernst genommen werden und fühlen sich motiviert, weiter zu agieren. Offensichtlich haben sie einen wunden Punkt getroffen.
  2. Aufgrund einer geführten Kommunikation auf diesen, oft nicht wirklich relevanten Portalen, steigt die Aufmerksamkeit der Suchmaschinen. Die Folge: Diese Portale werden unter Umständen in den Suchergebnissen relevanter gelistet.

Branchenintern heißen solche Verfasser „Social Media Hooligans”. Ihr Ziel: Frust, Ärger, Neid oder sonstigen niederen Beweggründen Platz zu verschaffen, um sich danach vermeintlich besser zu fühlen. Wenn auf deren Beiträge nicht reagiert wird, verschwinden diese meistens wieder in den unendlichen Weiten des Internets und finden kaum weitere Beachtung.

Zusammenfassend gilt also: Bei Beleidigungen, Drohungen oder vulgären Ausdrücken immer Ruhe bewahren und besser auf Verhaltensregeln hinweisen und Sanktionen androhen. Vertrauen Sie auf die Fans Ihres Unternehmens, die die „Social Media Hooligans” isolieren werden. Selbstverständlich sollten Sie weiterhin wachsam sein und das Internet nach weiteren Negativbeiträgen beobachten.

Die nächste Eskalationsstufe ist eingeläutet, wenn Netzaktivisten damit beginnen, Ihr Unternehmen beziehungsweise Ihre Marke oder Ihr Logo zu verhöhnen. Ab diesem Zeitpunkt wird es gefährlich, denn es droht die Social-Media-Krise, wenn Sie nicht in der Lage sind, diese Kritik zu entkräften.

Beispiel Nestlé und der Schokoriegel „KitKat”

Der Lebensmittelkonzern Nestlé wurde von der Umweltorganisation Greenpeace mit dem Vorwurf der Regenwaldabholzung und der damit verbundenen Kultivierung von Palmöl konfrontiert. Laut Greenpeace werde so das Aussterben von Orang-Utans beschleunigt. Im Fokus stand ein indonesischer Hersteller, der als Lieferant auch internationale Standards verletzt sowie wertvolle Regenwälder in Orang-Utan- Gebieten gerodet haben soll. Greenpeace hatte Nestlé zuvor mehrfach aufgefordert, seine Verträge mit diesem Lieferanten zu kündigen und legte sogar mehrfach Beweise für dieses Fehlverhalten vor. Nestlé ignorierte diese Forderungen.

Bis zu diesem Zeitpunkt bestand überhaupt noch keine bedrohliche Situation für den Konzern. Eine Organisation wies lediglich auf klar definierte und gut recherchierte Missstände hin. Somit startete Greenpeace eine weitreichende Kampagne mit dem Austeilen von Flugblättern vor der deutschen Nestlé-Zentrale und an weiteren Konzern-Standorten bundesweit an die Mitarbeiter. Zeitgleich kursierte ein sehr eindrucksvolles und emotional produziertes Protest-Video auf Youtube.

Nestlé reagiert prompt: der Konzern lässt panisch das Video sperren und begeht den nächsten gravierenden Fehler, als es die „KitKat“-Fanseite auf Facebook entfernt, wo über 700.000 Fans registriert sind. Mittlerweile wird auch auf Facebook sehr kontrovers über diese Praktiken diskutiert. Nestlé reagiert schließlich und kündigt die laufenden Verträge mit dem indonesischen Hersteller. Der letzte große Fehler: Nestlé verweist darauf, sich künftig einer Zertifizierungsorganisation anzuschließen und ab 2015 nur noch zertifiziertes und nachhaltig gewonnenes Palmöl zu verwenden. Die Kampagne hat mittlerweile das Internet verlassen und betritt die Bühne der klassischen Medien. Printmedien, Rundfunk und TV berichten ausgiebig über das Engagement von Nestlé bezüglich Palmöl und auch über dessen unglückliche Krisenkommunikation.

 

Dieses Beispiel wird mittlerweile in nahezu jedem Vortrag oder Seminar über Social Media Marketing als negative Fallstudie verwendet und gelangte so zu zweifelhafter Berühmtheit.

Die wesentlichen Kommunikationsfehler

Die verantwortlichen Mitarbeiter der Unternehmenskommunikation von Nestlé haben so ziemlich alles falsch gemacht, was sie nur falsch machen können. Zunächst reagierten sie auf die Hinweise von Greenpeace überhaupt nicht. Vorwürfe wurden schlichtweg ignoriert und es lässt sich nur schwer abschätzen, ob dies aus Arroganz oder Ignoranz geschah.

Die Verantwortlichen hätten stattdessen wissen müssen, dass Greenpeace eine solche Nicht-Reaktion sicherlich nicht unbeantwortet lässt. Zumal jedem Unternehmen klar sein müsste, dass Greenpeace auch bereit ist, die Öffentlichkeit zu mobilisieren. Das Desaster nahm seinen Lauf mit der Zensierung des Youtube-Videos. Von Nestlé war es sehr naiv zu glauben, mit einer Zensierung verschwinde das Video aus dem Internet. Eingetreten ist das Gegenteil, denn Internetnutzer reagieren im Zeitalter von Social Media allergisch auf Zensur oder Androhung rechtlicher Schritte. Somit verbreitete sich das Video erst recht in rasender Geschwindigkeit über Blogs und andere Kanäle.

Zudem war auch die Löschung der Facebook-Fanseite ein völlig überflüssiger Fehler. Die Fanseite verfügte über 700.000 Fans, hinter denen Menschen mit großem Interesse am Produkt beziehungsweise der Marke „KitKat“ standen. Allein über diesen Kommunikationskanal erreichte das Unternehmen über 700.000 Menschen, den Multiplikationseffekt nicht eingerechnet. Nachdem auch hier kritische Stimmen laut wurden, hatte Nestlé das „Gespräch” einfach beendet.

Das Finale dieses Desasters war der Auftritt eines Unternehmensrepräsentanten, der voller Stolz verkündete, dass Nestlé aus den Fehlern gelernt und sich der oben erwähnten Zertifizierungsorganisation verpflichtet habe. Die Schadenfreude war ungleich höher, als publik wurde, wie unsinnig diese Organisation in Wahrheit ist und dies nur zur Beruhigung der Öffentlichkeit dienen sollte.

Lessons learned

Unternehmen oder Marken leben von der Kommunikation. Es ist ein Irrglaube, dass Kunden erst mit der Errungenschaft des Social Web über Produkte, Unternehmen oder Marken sprechen. Sicherlich bringt Social Media eine viel höhere Reichweite, aber ausgetauscht haben sich Kunden schon immer. Bei dieser Kampagne handelte es sich zu Beginn sicherlich nicht um einen bösartig initiierten „Shitstorm“. Dieser ist erst aufgrund fehlerhafter Kommunikation entstanden.

Unternehmen müssen sich der Öffentlichkeit stellen, gerade auf fundierte Kritik oder Nachfragen müssen sie ehrlich und plausibel reagieren. Jedes Unternehmen muss bereit sein, sich an öffentlichen Diskussionen über sich zu beteiligen. So liegt es in der Verantwortung der Unternehmen selbst, wie sie von Kunden und der Öffentlichkeit wahrgenommen werden.

Hinweis

Vom Autor ist das Buch Einführung in die effektive und strategische Suchmaschinenoptimierung [10] erschienen.

Wie sich Firmen, Institutionen und Privatpersonen gegen Rufmord im Internet [11] wehren, lesen Sie im Buch von Christian Scherg.

Change-Projekte und Veränderungen in Unternehmen

Mitarbeiter vieler Unternehmen klagen über großen Veränderungsdruck, unter dem sie stehen. Was hat sich im vergangenen Jahrzehnt in den Unternehmen konkret verändert?

Fast alles, von der Organisationsstruktur über die Arbeitsprozesse und Arbeitsbeziehungen bis hin zur Unternehmenskultur.

Was war der wesentliche Treiber dieser Veränderung?

Der technische Fortschritt, insbesondere im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie. Er ermöglichte es, die Arbeits- und Kommunikationsprozesse in den Unternehmen und zwischen ihnen ganz neu zu gestalten. Damit war er der Motor der Veränderung sowie der Globalisierung. Ohne die moderne Informations- und Kommunikationstechnologie wäre die Globalisierung, wie wir sie erleben, nicht möglich gewesen. Wobei mich als Organisationsberater im Rückblick selbst immer wieder überrascht, wie rasant sich diese Entwicklung vollzogen hat.

Warum überrascht sie das?

Vor zehn Jahren waren in den meisten Unternehmen gerade einmal die Büroarbeitsplätze mit PCs ausgestattet, und die Betriebe waren noch vollauf damit beschäftigt, diese zu vernetzen, um die internen Arbeitsprozesse zu optimieren. Das Internet jedoch steckte noch in den Kinderschuhen und die Sozialen Netzwerke wie beispielsweise Facebook waren noch nicht einmal erfunden. Heute ist eine Kommunikation der Unternehmen via Internet selbstverständlich, was ja ganz neue Formen der Zusammenarbeit, auch weltweit, ermöglicht. Sie kommunizieren auch mit ihrer Umwelt via Internet sowie zunehmend über Social Media.

Inwiefern haben sich hierdurch die Arbeits- und Kommunikationsbeziehungen in den Unternehmen verändert?

Vor zehn Jahren waren die meisten Betriebe noch sehr hierarchisch strukturiert. Sie waren weitgehend darum bemüht, die einzelnen Bereiche wie zum Beispiel die Produktion zu optimieren. Heute hingegen haben fast alle Großunternehmen eine Matrix-Organisation.

Um die bereichsübergreifende Zusammenarbeit zu forcieren?

Richtig. Daraus resultieren auch neue Anforderungen an die Mitarbeiter. Nehmen Sie das Beispiel Team- und Projektarbeit: Vor zehn Jahren waren die meisten Unternehmen noch damit beschäftigt, diese in einzelnen Bereichen einzuführen. Heute hingegen ist die bereichs- und vielfach auch unternehmensübergreifende Team- und Projektarbeit in vielen Betrieben bereits die Regelarbeitsform.

Inwiefern hat sich durch die veränderte Organisationsstruktur auch die Kultur der Unternehmen gewandelt?

In der Organisationsstruktur eines Unternehmens spiegelt sich dessen Kultur wider. Deshalb hat ein Wandel der Organisationsstruktur sowie der Arbeits- und Kommunikationsbeziehungen auch einen Einfluss auf die Unternehmenskultur. Mein Eindruck ist jedoch: In vielen Unternehmen hinkt die Kultur der Entwicklung der Organisationsstruktur hinterher. Dies ist ein zentraler Hemmschuh für ihre weitere Entwicklung.

Warum ist das Ihrer Ansicht nach so?

Weil man sie im Gegensatz zur Organisationsstruktur nicht „top down“, oder salopp formuliert, per Vorstandsbeschluss, verändern kann. Damit sich die Kultur eines Unternehmens wandelt, müssen die für sie tätigen Personen ihre Einstellungen sowie Denk- und Verhaltensmuster ändern. Dieser Prozess vollzieht sich nicht von heute auf morgen, denn den meisten Menschen fällt ein Verändern ihrer Denk- und Verhaltensmuster schwer.

Was sind die Gründe dafür?

Ihre Einstellungen sind ein Teil ihrer Persönlichkeit und ihre Verhaltensmuster vermitteln ihnen Sicherheit. Hinzu kommt ein weiterer Punkt: Alle Betriebe stehen vor dem Dilemma, dass sie einerseits eine gewisse Hierarchie und ein bestimmtes Regelwerk brauchen. Zugleich steht dieses Regelwerk ihren Mitarbeitern aber vielfach im Weg, wenn sie die gewünschten, neuen Verhaltensmuster zeigen möchten. Hier stets aufs Neue die richtige Balance zu finden, ist für alle Unternehmen eine große, permanente Herausforderung.

Change-Experte Scholten: "Die Kultur hinkt der Struktur oft hinterher."

Können Sie für dieses Dilemma ein Beispiel nennen?

Viele Unternehmen fordern von ihren Mitarbeitern eigenverantwortlicher zu handeln und mehr Eigeninitiative beim Suchen neuer Problemlösungen zu zeigen. Tun dies die Mitarbeiter dann, stellen sie oft fest, dass ihnen das firmeninterne Regelwerk dabei im Weg steht. Im Extremfall werden sie sogar sanktioniert, wenn sie das entsprechende Verhalten zeigen. In der Folge behalten sie ihre alten Verhaltensmuster bei, auch wenn in den Firmenverlautbarungen etwas anderes verkündet wird. Insgesamt ist mein Eindruck als Organisationsberater: Viele Unternehmen stoßen an ihre Grenzen, wenn es um das Bewältigen der Herausforderungen geht, die aus dem Wandel des Unternehmensumfelds resultieren. Sie hinken der Entwicklung stets hinterher.

Der Grund dafür liegt in der Vielfalt der Veränderungen und darin, dass sie sich so schnell vollziehen. Daraus resultiert eine Komplexität, die nur noch bedingt zu erfassen und zu managen ist. Nehmen Sie das Beispiel Social Media: Welche Konsequenzen sich aus ihrem Siegeszug für die Unternehmen in den nächsten Jahren ergeben, ist heute für alle Betriebe nur bedingt vorhersehbar. Entsprechend schwer können sie sich sozusagen präventiv darauf einstellen. Deutlich spiegelt sich diese Veränderung im Projektmanagement wider. Vor zehn Jahren lautete das Credo vieler Unternehmen noch: Nach einem Veränderungsprojekt muss zunächst einmal wieder Ruhe einkehren, damit sich die Organisation wieder stabilisieren kann. Getreu der alten Maxime von Kurt Lewin: „Erst auftauen, dann verändern, dann einfrieren“. Heute ist dieses „Einfrieren“ in vielen Unternehmen nicht mehr möglich, weil ein Change-Projekt das andere jagt und sich diese wechselseitig überlappen und bedingen.

Der Change ist also zum Dauerzustand in den Unternehmen geworden?

Ja. Hinzu kommt ein weiterer Punkt: Viele Projekte sind heute nicht mehr vom Ziel her planbar, weil sich im Projektverlauf die Rahmenbedingungen so stark ändern, dass das Ziel neu definiert werden muss.

Was folgt daraus für die Unternehmen?

Sie müssen mehr Reflexionsschleifen in die Projekte einbauen, in denen sie überprüfen, ob sie sich noch auf dem richtigen Weg befinden oder ob sie das Vorgehen oder gar das Ziel ändern müssen. Unternehmen müssen viel stärker als früher die Intelligenz der Organisation nutzen, um ihr Ziel zu erreichen.

Früher genügte es, wenn einige Experten im Unternehmen, zum Beispiel im Bereich Organisationsentwicklung, fit in Sachen Changemanagement waren. Heute hingegen muss, überspitzt formuliert, jeder Mitarbeiter eine gewisse Grundkompetenz im Umgang mit Veränderungen haben. Das haben viele Unternehmen erkannt.

Woran können Sie das erkennen?

Unter anderem daran, dass heute viele Unternehmen nicht nur ihre Projektmanager, sondern auch ihre Führungskräfte als Change-Manager ausbilden lassen. Zudem ist das Thema Changemanagement inzwischen ein fester Bestandteil jedes Führungskräfteentwicklungsprogramms. Ein weiteres Indiz dafür, dass sich diesbezüglich ein Bewusstseinswandel vollzogen hat, ist die Tatsache, dass viele Großunternehmen in den zurückliegenden Jahren interne Consultingbereiche aufgebaut haben.

Steckt dahinter nicht primär das Motiv, externe Beraterhonorare einzusparen?

Nein, dies wird zwar vielfach in der Beraterszene so diskutiert, ist jedoch eine Fehleinschätzung. Faktisch steckt dahinter die Erkenntnis: Wir stehen, wenn es darum geht, unsere Organisation zukunftsfit zu machen, vor einem so großen Change-Bedarf, dass wir diesen mit externen Beratern allein nicht stemmen können. Wir brauchen mehr Kompetenz in Sachen Changemanagement im eigenen Haus. Und diese Einschätzung ist richtig, weshalb wir als Organisationsberater den Aufbau interner Consultingbereiche begrüßen.

Herr Scholten, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

Schutz von Daten im Unternehmen vor Hackern

Die Bedrohungsszenarien für unternehmenskritische Daten haben in Zeiten des zunehmenden mobilen Arbeitens und der verstärkten Social-Media-Nutzung drastisch zugenommen. Datendiebstahl ist kein Einzelfall mehr. Um hier adäquate Sicherheitsmaßnahmen treffen zu können, sollten Unternehmen zunächst einmal auch die Vorgehensweise der Hacker kennen. Diese unterscheiden sich je nach Angriffsziel.

Von „Hacktivisten“ und Cyber-Kriminellen

Es gibt verschiedene Typen von Hackern, zum Beispiel die so genannten „Scriptkiddies“, denen es nur um die reine Action geht, oder die „Hacktivisten“, bei denen soziale, politische, religiöse oder weltanschauliche Motive im Vordergrund stehen. Unternehmen sollten sich insbesondere mit der Gruppe der organisierten Cyber-Kriminellen beschäftigen, die gezielte, gut getarnte Angriffe durchführen. Spionage und Sabotage stehen bei ihnen im Vordergrund. 

Hacker-Angriffe richten sich in Zeiten der IT-Consumerization zunehmend auf Smartphones, Tablet-PCs und Notebooks. Diese werden teilweise zur Übermittlung von Daten ohne Nutzung von Verschlüsselungstechnologien genutzt. Auch öffentliche WLAN-Hotspots sind ein beliebtes Einfallstor für Hacker, denn vielfach finden sich hier schlecht abgesicherte WLAN-Netzwerke, die ein problemloses Abhören des Datenverkehrs ermöglichen.

Zentraler Angriffspunkt für jedes Unternehmen ist und bleibt aber das Internet. Da Social-Media-Portale, mobile Kommunikation und Cloud-Techniken immer mehr genutzt werden, konzentrieren sich auch die Hacker zunehmend auf diese Bereiche. Sie nutzen verstärkt hochentwickelte Malware-Kits, mit denen Sicherheitslücken heute noch schneller als in der Vergangenheit ausgenutzt werden können. Ausgehend von dieser Hacker-Vorgehensweise sollten Unternehmen ihre eigenen Security-Policies definieren und entsprechende Sicherheitsmaßnahmen implementieren. Die beste Sicherheitssoftware ist dabei allerdings nutzlos, wenn Unternehmen keine grundlegenden Vorkehrungen treffen.

Unverzichtbare Aspekte dabei sind:

Unternehmenskritische Datenbestände identifizieren

Dazu gehören Kreditkarten ebenso wie Kundendaten. Hacker stehlen auch gerne geistiges Eigentum wie Verkaufsprognosen oder Marketingpläne.

Passwort-Policies definieren und umsetzen

Eine strikte Passwort-Policy ist immer noch eine Grundvoraussetzung zum Schutz vor Hackern. Das betrifft Administratoren-Passwörter ebenso wie diejenigen der einzelnen Mitarbeiter.

Arbeitsplatz absichern

Oft werden gerade die banalsten Sicherheitsgefahren in Büros unterschätzt. Wenn beispielsweise ein Besucher ganz leicht Zugriff auf einen Rechner und zum Netzwerk bekommt, kann er ohne Probleme Daten auf einen USB-Stick herunterladen. Dafür braucht es keine spezielle Software oder Sicherheitslücke.

Upgrades und Patches einspielen

Software sollte regelmäßig auf den neuesten Stand gebracht werden. Das sollte auch ein essenzieller Teil der Sicherheitsstrategie sein. Eine Sicherheitslücke, die über einen längeren Zeitraum besteht, ist das beste Einfallstor für Hacker.

Integration mobiler Geräte

Im Hinblick auf schlecht abgesicherte öffentliche WLANs und die dortige geschäftliche Nutzung von Tablet-PCs oder Smartphones müssen Unternehmen auf jeden Fall auch eine Data-Loss-Prevention-Lösung nutzen, die mobile Geräte integriert.

Ausgehenden Datenverkehr überwachen

Eine Sicherheitssoftware, die nur Gefahren aus dem Web abblockt, ist inzwischen nicht mehr zeitgemäß. Es ist mindestens genau so wichtig, den Datenfluss nach außen zu überwachen. Eine gute Sicherheitslösung muss die Weitergabe von vertraulichen Daten nach außen verhindern und den Internetzugang bei Gefahr trennen. Neben E-Mail und Instant Messaging betrifft dies auch den Export einzelner Files mit unternehmenskritischen Daten. Dazu sollte Software installiert werden, die kontrolliert wer, was, wohin und wie verschickt.

Insgesamt ist ein effizienter Schutz vor Hacker-Angriffen nur gegeben, wenn  Unternehmen wissen, wo sich die vertraulichen Daten befinden und wann beziehungsweise von wem sie übertragen werden.

 

Trends bei mobiler Technologie für Unternehmen

1. Mobiles Internet erobert den Massenmarkt

Der Anteil der über Netzbetreiber verkauften Smartphones am Gesamtsortiment liegt mittlerweile weit über 50 Prozent. Darüber hinaus werden zunehmend auch immer mehr dieser intelligenten Telefone über große Retail-Ketten auf den Markt gebracht. Die Hürden zur Nutzung des Mobile Internet werden für Verbraucher durch günstige Datenflatrates geringer. Jedes kundenorientierte Unternehmen muss eine für mobile Technologie optimierte Internetpräsenz besitzen, die auf mobilen Endgeräten einwandfrei funktioniert.

2. Claims im Ökosystem „Mobile“ sind noch nicht abgesteckt

Neben den zwei etablierten Betriebssystemen ist Platz für ein drittes, starkes Ökosystem mit Technologie- und Content-Partnern. Dies betrifft vor allem den wachsenden Bereich der Business-Applikationen. Unternehmen müssen diese Entwicklung im Rahmen ihrer „Mobile Strategy“ berücksichtigen.

3. Mobile Dienste müssen nutzwertig und relevant sein

Nur valide Kennzahlen über die Nutzung der Dienste und Inhalte können bestehende Informations- und Unterhaltungsangebote optimieren. Das Messen der Relevanz sowie ein genaues Usability- und Conversion-Tracking von Mobile-Applikationen und Mobile-Sites werden für Unternehmen zur Pflicht. Was im Web schon lange Selbstverständlichkeit ist, dringt künftig auch in die mobile Web- und App-Economy. Bei dem rasanten Zuwachs an Mobile-Apps und -Sites wird es sich kein Anbieter mehr leisten können, auf die Optimierung zur Sicherung von Wettbewerbsvorteilen zu verzichten.

4. Sprache revolutioniert die Steuerung von Apps

Die Zukunft des gesamten Marktes wird von intelligenten, sprachbasierten Applikationen geprägt. Zugleich erfordert die Weiterentwicklung der Sprachsteuerung gänzlich neue Gestaltungsparameter für den Mobile Screen. Während die vorhandenen Apps bislang ausschließlich auf der Spracherkennung basieren, werden echte „Sprachversteher“ unter den Applikationen das mobile Leben für viele Kunden vereinfachen. Aus dem Taxi heraus per Sprache ein Zugticket zu kaufen und den Sitzplatz zu reservieren wird bald auf vielen Endgeräten zur Normalität werden.

5. Social-Media-Kampagnen müssen mobil funktionieren

Die mobile Nutzung von Sozialen Netzwerken und Angeboten wächst bereits jetzt rasant, so dass für Social Media ausgelegte Kampagnen auch mobil nutzbar sein müssen. Social-Media-Kampagnen sind jedoch im mobilen Kanal über die mobile Internetseite oder Apps üblicherweise nicht sichtbar. Unternehmen müssen deshalb eine Strategie entwickeln, wie sie die Sichtbarkeit auf dem mobilen Kanal in Zukunft erreichen können.

6. Mobile gehört in einen intelligenten Media-Mix

Im Zuge der rasanten Verbreitung von Smartphones und Tablets wird mobile Technologie zu einem zentralen Customer Touchpoint für Marken aller Branchen. Über Mobile Marketing werden Unternehmen immer besser dazu in der Lage sein, den relevanten Kunden im richtigen Kontext, am richtigen Ort und zur richtigen Zeit anzusprechen. So können sie Kunden mit mobiler Werbung genau dort abholen, wo sie sich gerade befinden.

7. Reichweite für Mobile Advertising wächst stark

Bis 2015 werden rund 50 Millionen Smartphones in Deutschland genutzt werden. Die mobile Reichweite wird weiter wachsen, so dass schon 2012 mit einem Marktwachstum für Mobile Advertising von deutlich über 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gerechnet werden kann. Neben einer potenziellen Verlagerung der Nutzung von Sozialen Netzwerken auf mobile Endgeräte werden neue Dienste und Marken entstehen, die am Markt vorher noch nicht bekannt waren. Deshalb müssen etablierte Marken im Medium Mobile präsent sein.

8. QR-Codes gewinnen für Unternehmen an Relevanz

Die Technologie der QR-Codes setzt sich auf weiter Front durch. An der Schnittstelle von Verbraucher, Information und Produkt besitzen sie eine zunehmende Relevanz. In den nächsten Jahren werden QR-Codes sukzessive von Near-Field-Communication-Lösungen (NFC) abgelöst. Mobile Endgeräte ohne bereits vorinstallierte Erkennungssoftware für QR-Codes sowie NFC-Chips werden künftig das Nachsehen gegenüber der Konkurrenz haben.

9. Mobile Commerce stimuliert E-Commerce

Die starke Verbreitung von Smartphones wird den Mobile Commerce zum Durchbruch verhelfen und somit den E-Commerce weiter stärken. Mobile-Commerce-Lösungen bieten die Chance, die digitale Shopping-Welt mit der analogen Lebenswirklichkeit in Einklang zu bringen. Für Mobile Commerce gelten eigene Regeln und Nutzungsszenarien. Mobile Payment erhält einen enormen Schub. Hier beginnt bereits der Wettbewerb der Systeme.

10. Mobilität als Vorteil für Arbeitgeber

Die Ausstattung von Mitarbeitern mit Smartphones und Tablets wird künftig ein wichtiger Faktor für die Mitarbeiterzufriedenheit und Loyalität gegenüber Unternehmen. Arbeitgeber können sich entscheidende Wettbewerbsvorteile sichern, wenn sie ihren Mitarbeitern attraktive Angebote und Zugeständnisse in der Nutzung von mobilen Endgeräten offerieren. Vor allem werden maßgeschneiderte mobile Anwendungen für Berufe wie den Vertrieb aufgrund der besonders hohen Mobilität immer relevanter.

Quelle: Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V.

Kontinuitätsmanagement für den Notfall in Unternehmen

Arbeitsplätze von heute versprechen vor allem eines: Kontrolle über die eigene Umgebung. Im Zeitalter modernster IT wird dieser Eindruck durch die zunehmenden Annehmlichkeiten im Alltag verstärkt und täuscht so über potenzielle Gefahrenszenarien hinweg. Denn wenn es zu unkalkulierten Zwischenfällen wie einer Überschwemmung, Vandalismus oder einer Bombendrohung kommt, stehen viele Unternehmen vor der Frage, wie die betrieblichen Abläufe schnellstmöglich wiederhergestellt werden können. 

Nützliche Pläne für die Mitarbeiter und für die Führungsetage sind in solchen Situationen oftmals unzureichend, und so bleibt die Frage, wie sichergestellt werden kann, dass im Unternehmen auch im Krisenfall und danach die betriebliche Kontinuität aufrechterhalten werden kann. 

Umfassende Vorbereitung hat oberste Priorität

Viele Unternehmen unterschätzen schlicht die versteckten Gefahren, die in allen Unternehmensbereichen lauern. So besitzen auch viele deutsche Unternehmen beispielsweise keinen aktiven Plan zur Notfallwiederherstellung des IT-Bereichs – trotz der Häufigkeit eines derartigen Zwischenfalls. Die Folge eines solchen oder anderen Störfalls: Viele Unternehmen müssen ihren Betrieb sofort oder in den folgenden zwei Jahren für immer einstellen. 

Doch auch kleine, unverschuldete Ereignisse können die Betriebsabläufe eines Unternehmens negativ beeinträchtigen. Insbesondere Probleme mit den Versorgungsleitungen wie etwa Stromausfälle oder Wasserrohrbrüche sind die häufigsten Ursachen für die Aktivierung eines Wiederherstellungsplans für den Arbeitsplatz. Unbenutzbare Räumlichkeiten sind dabei noch das geringste Problem. Viel schwerer wiegen:

  • Potenzielle Geschäfts- und Kundenverluste
  • Einbußen des geschäftlichen Ansehens
  • Produktionsausfälle
  • Liquiditätsprobleme

Oftmals wird so aus dem simplen Zwischenfall ein Störfall mit weitreichenden Konsequenzen. Denn Ausfälle dieser Größenordnung können aufgrund von stornierten Besprechungen, unbeantworteten Telefonanrufen, Datenverlust oder fehlender Organisation verwaltungstechnischer Angelegenheiten zu einem dauerhaften Reputationsverlust führen.

Doch selbst ohne den Eintritt eines Krisenszenarios können fehlende Wiederherstellungspläne unangenehme Folgen für das Unternehmen haben. So werden in Ausschreibungsverfahren großer Konzerne beispielsweise Auskünfte über das eigene Kontinuitätsmanagement erwartet. Fehlen diese, ist das Unternehmen bereits im ersten Anlauf gescheitert und behindert so die eigenen wirtschaftlichen Entwicklungen beziehungsweise Erfolge. Insbesondere im Finanzwesen kann eine fehlende Planung zu Beanstandungen durch Auditausschüsse und Behörden führen.

Stichwort

Betriebskontinuitätsmanagement (BKM) beziehungsweise Geschäftsfortbestandsmanagement (BFM) bezeichnet in der Betriebswirtschaftslehre die Entwicklung von Strategien, Plänen und Handlungen, um Tätigkeiten oder Prozesse, deren Unterbrechung der Organisation ernsthafte Schäden oder vernichtende Verluste zufügen würden, zu schützen beziehungsweise alternative Abläufe zu ermöglichen. Ziel ist somit die Sicherstellung des Fortbestands des Unternehmens im Sinne ökonomischer Nachhaltigkeit im Angesicht von Risiken mit hohem Schadensausmaß.

Quelle: Wikipedia

Qualitative Alternativen bieten

Als gängige Lösung beim Kontinuitätsmanagement bietet sich die Benutzung von so genannten „Hot Sites“ („Heißen Rechenzentren“) an, insbesondere um einen fortgesetzten Zugriff auf geschäftskritische Informationssysteme sicherzustellen. Dennoch bleibt das Problem der dringend benötigten Räumlichkeiten, um den gängigen Betriebsablauf wiederherstellen zu können. 

Die Herausforderung hierbei ist die Erfüllung sämtlicher Erfordernisse aller Beteiligten. Während die einen lediglich einen Schreibtisch mit internetfähigem Computer benötigen, sind bei einigen Organisationen umfangreiche Replikationen der internen Datensysteme notwendig. Daher ist es von enormer Bedeutung, derartige individuelle Bedürfnisse zu kennen und angemessen darauf reagieren zu können.

Gerade bei international agierenden Unternehmen werden oftmals Arbeitsplatzalternativen in verschiedenen Ländern benötigt. Solche Ausweichmöglichkeiten sollten trotz aller Umstände noch den nötigen Komfort, sich in der Nähe des eigentlichen Arbeitsplatzes und der Wohnorte der Mitarbeiter zu befinden, bieten. Insbesondere in Krisenzeiten sollte ein Unternehmen die Moral seiner Mitarbeiter nicht noch zusätzlich durch die Auferlegung langer Anfahrtswege in Mitleidenschaft ziehen.

Neben der räumlichen Nähe von alternativen Arbeitsplätzen bieten mobile beziehungsweise flexible Mitarbeiterschaften eine weitere Möglichkeit, Störfälle adäquat zu bewältigen. Der Vorteil dieses Modells liegt vor allem in der betrieblichen Unabhängigkeit von zentralen Standorten. So sind flexible Mitarbeiter nicht mehr auf feste Plätze in innenstädtischen Bürokomplexen angewiesen und können ihre Arbeit stattdessen von zu Hause aus, in einem „Drop-In-Büro“ oder an einem anderen beliebigen Ort erledigen.

Ist eine Niederlassung dann von einer Havarie oder ähnlichem Zwischenfall betroffen, kann eine Vielzahl standortunabhängiger Mitarbeiter ihre Arbeit wie gewohnt und ohne Verzögerung fortsetzen. Ausfälle jeglicher Art sowie der Ansehensverlust des Unternehmens würden so vermieden. Ein weiterer Vorzug dieser Regelung: Flexible Arbeitsplätze ermöglichen die Ersparnis von Immobilienkosten um bis zu 60 Prozent und können sowohl die Motivation als auch die Produktivität der Mitarbeiter um ein Vielfaches erhöhen.

Mobile Arbeitsweisen steigern die Sicherheit

In Zeiten von Klimawandel und Energiewende sollten Unternehmen allerdings nicht nur ihre kommerziellen Ziele im Blick haben, sondern auch Wert auf umweltdienliche Maßnahmen legen. Herkömmliche Arbeitsmuster und Kontinuitätslösungen sind oft mit langen Pendelentfernungen für die Mitarbeiter verbunden. Lange Anfahrtswege zu einem zentralisierten Büro beziehungsweise Ausweichbüro sind umwelttechnisch nicht sinnvoll, wenn das flexible Arbeiten in Wohnortnähe möglich ist. 

Auch Kontinuitätspläne, wie etwa Mitarbeiter von einem zentralen Abholpunkt per Bus zu einem alternativen Standort zu transportieren, sind wenig förderlich. Das zusätzliche Pendeln zu den entsprechenden Sammelstellen führt lediglich zu ungünstigen Belastungen der Mitarbeitermoral, der Produktivität und der Umwelt.  

Flexible und mobile Arbeitsweisen, die eine standortunabhängige Arbeitsweise per Internet- und Wireless-Technologien ermöglichen, machen derartige Pendelfahrten dagegen überflüssig. Dadurch können Unternehmen nicht nur ihre betriebsinternen Kosten sowie ihre Anfälligkeit gegenüber unkontrollierbaren Krisenfällen verringern, sondern gleichzeitig auch die Umwelt schonen. 

Insofern lässt sich feststellen, dass Unternehmen jeglicher Art die kontinuierlich nach alternativen Lösungen für die dauerhaften Herausforderungen Nachhaltigkeit, Kosten und Kontinuitätsplanung suchen müssen, um so wirtschaftliche Verluste oder gar betriebliche Schließungen vermeiden zu können. 

Prozesse vereinfachen durch Kaskadierung

Je mehr Geschäftsprozesse, desto höher der Abstimmungsaufwand an den Schnittstellen. Und auch die Abhängigkeit der vielen Prozesse voneinander („Spaghetti-Prozesse“) verursacht Intransparenz, lange Liege- und Wartezeiten sowie eine gesteigerte Notwendigkeit, zurückzufragen. Das Ergebnis: die Erzeugung von viel „Blindleistung“, das heißt Arbeit ohne direkte Wertschöpfung für den Kunden. 

In Branchen mit komplexen Produkten, die in enger Zusammenarbeit mit dem Kunden geplant und hergestellt werden, wie zum Beispiel im Anlagen- oder Sondermaschinenbau, ist dies besonders häufig der Fall. Eine Reduktion der Prozesskomplexität und Vereinfachung der Prozesse ist ein Weg aus dieser Problematik. Eine der besonders gut geeigneten Methoden dafür ist die Kaskadierung von Geschäftsprozessen, das heißt die konsequente Umsetzung der internen Kunden-Lieferantenbeziehung zwischen zwei Geschäftsprozessen.

Das Grundprinzip dabei: Was bei der Kundenbeziehung selbstverständlich sein sollte – klare, einfache und möglichst wenige Schnittstellen zum Kunden, um diesem die Geschäftsabwicklung so einfach und effizient wie möglich zu gestalten – wird konsequent auf die internen Geschäftsprozesse umgelegt. Sie werden also bewusst so gestaltet, dass sie sich zueinander wie Auftragnehmer und Auftraggeber verhalten. Dabei ist die saubere Gestaltung der Schnittstelle zwischen einem auftragerteilenden und einem auftragnehmenden Geschäftsprozess ein wesentlicher Erfolgsfaktor.

So funktioniert die Kaskadierung von Geschäftsprozessen

Der Prozess A, zum Beispiel Auftragsabwicklung, „bestellt“ eine Leistung beim Prozess B, etwa Engineering. Dieser führt im Auftragsverhältnis die entsprechenden Aufgaben durch, das heißt liefert und gibt Rückmeldung. Der „Auftraggeber“ der Leistung ist gleichzeitig Leistungsempfänger, das heißt er erhält die Leistung des Auftragnehmers oder die Rückmeldung über diese. So existiert eine klare Verantwortung dem Auftraggeber gegenüber. Der Auftragnehmer wiederum hat dabei eine relative Autonomie bezüglich der Auftragsausführung, was sich wegen der Spezialisierung auf die Kernaufgabe „Engineering“ positiv auf Qualität und Durchlaufzeit auswirkt. 

Im Gegensatz zu einer horizontalen, seriellen und oft langen Prozesskette, also zum Beispiel Vertrieb - Auftragsabwicklung - Engineering - Beschaffung - Produktionsplanung - Produktion - Lager – Versand, handelt es sich hier um eine vertikale zwei- oder mehrstufige Prozesskaskade. Die Folge: Die „Wertschöpfungslänge“ wird reduziert, was unter anderem zu einer Reduzierung der Prozessdurchlaufzeit, mithin also zu einer Beschleunigung führt. Der „obere“ Prozess ist jeweils der Auftraggeber und Leistungsempfänger, der „untere“ der Auftragnehmer. Das kann nach unten in mehreren Stufen so weitergehen, bis hin zu externen Lieferanten.

Doch Vorsicht: Eine Prozesskaskadierung darf nicht mit der Gliederung eines Prozesses in mehrere Sub- oder Teilprozesse verwechselt werden! Denn dabei bleiben die Teilprozesse alle auf gleicher (horizontaler) Wertschöpfungsebene. Es gibt kein wirkliches Kunden-Lieferanten-Verhältnis, da es keine Lieferung an den vorgelagerten Teilprozess gibt.

Wenn Unternehmen die folgenden fünf Prinzipien beherzigen, können sie eine Prozesskaskadierung erfolgreich aufbauen. Durch die Abarbeitung dieser Prinzipien beziehungsweise Fragen können sie so eine funktionierende Prozesskaskade gestalten:

1. Prinzip

Aufteilung der Gesamtwertschöpfung durch Gestaltung von vertikalen Wertschöpfungsstufen und Abwicklung der einzelnen Stufen durch Spezialisten.

Fragen dabei:

  • Welche Prozesskette wollen wir untersuchen?
  • Ist diese Prozesskette derzeit zu lang oder zu komplex?
  • Können wir in dieser interne Kunden-Lieferanten-Beziehungen definieren?

2. Prinzip:

Es gibt nur eine Schnittstelle bei der Auftragserteilung (Bestellung, Kundenanforderung, Input für den Auftragnehmer), nur eine Schnittstelle bei der Auftragslieferung (Output des Auftragnehmers). Dadurch entstehen Transparenz und Einfachheit. Es gibt also keine weiteren Schnittstellen, etwa für Abklärungen, Rückfragen oder Steuerung während der Auftragsbearbeitung.

Fragen dabei:

  • Wie sind die beiden Schnittstellen jetzt definiert?
  • Wie müssen wir diese neu definieren, um keine weiteren Schnittstellen im Prozessverlauf mehr zu erhalten?

3. Prinzip:

Das 2. Prinzip setzt voraus, dass die Aufträge genau geklärt sind, die Art und Weise wie diese übermittelt werden, also welches Medium in welcher Form und zu welchem Zeitpunkt, und ebenso die Rollen und Verantwortlichkeiten: Wer macht was und wer macht was nicht.

Fragen dabei:

  • Welche Informationen braucht der Lieferprozess vom Kundenprozess?
  • Was muss der Auftrag beinhalten?
  • Was ist das geeignete Medium?
  • Ist geklärt, wer was zu tun hat?

4. Prinzip:

Durchgängige Verantwortung für einen Prozess, vom Input bis zum Output, also zum Beispiel von der Auftragsakquisition bis zum Inkasso, von der Detaillierung des Pflichtenhefts bis zur Inbetriebsetzung oder von der Baugruppendisposition bis zum Baugruppentest. 

Dies gilt auch für die Zusammenarbeit mit externen Lieferanten, das heißt die Kaskadierung erstreckt sich bis dahin, was auch durchaus üblich ist. Für einen Systemlieferant könnte das heißen: durchgängige Verantwortung von Angebots- und Auftragsbearbeitung bis zur Inbetriebsetzung.

Fragen dabei:

  • Haben die betrachteten Prozesse derzeit eine durchgängige Verantwortung oder gibt es Brüche in der Verantwortung?
  • Wer bräuchte welche Informationen, Befugnisse oder Hilfsmittel, um seine durchgängige Prozessverantwortung wahrzunehmen?

5.Prinzip:

Autonomie des auftragnehmenden Prozesses. Diese fehlt, wenn in diesen Prozess laufend vom Kundenprozess (Auftraggeber) eingegriffen wird.

Fragen dabei:

  • Haben die Mitarbeiter im betrachteten (Auftragnehmer-) Prozess die Qualifikationen und Kompetenzen, um ihre Aufgaben weitgehend autonom wahrzunehmen?
  • Was ist noch notwendig?
  • Was könnte den Auftraggeber davon abhalten, in den Lieferantenprozess einzugreifen?
  • Welche Sicherheit müsste er haben?

Die Prozesskaskadierung führt zu klarer Prozess- und Ergebnisverantwortung, Reduktion von Komplexität durch kürzere Prozessketten und weniger Schnittstellen. Dies wiederum kann zu einer Beschleunigung der Abläufe sowie zur Verringerung von Verschwendung beitragen. Besonders bei „Überlängen“ von horizontalen Prozessketten, und wenn Aufgaben durch Spezialisten ausgeführt werden müssen, bietet sich die Prozesskaskadierung an. Bei hohem Bedarf an Sicherheit und Kontrolle, etwa im Bankwesen, wird durch Prozesskaskaden die Verantwortung „vertikal“ geteilt – das vermindert die Gefahr von schädlichem Selbstläufertum. Die Grenzen der Prozesskaskadierung bestehen dort, wo zwar die Komplexität innerhalb der Prozesse verringert wird, aber die Gesamtkomplexität der Organisation aufgrund vieler Kaskadenübergänge, also vieler Stufen, erhöht wird.

Projekte durch Portfoliomanagement organisieren

Die richtigen Maßnahmen und Projekte zur richtigen Zeit zu starten, eine Chance zu erkennen und beim Schopf zu packen, ist eine Kunst. Ausgefeilte Business-Cases und ROI-Betrachtungen führen oft nicht zum Erfolg, was bei den Beteiligten große Verwunderung hervorruft. Eine Priorisierung, die ausschließlich nach messbaren und monetären Kriterien und ohne strategischen Weitblick erfolgt, ist extrem kritisch. Wunsch und Wirklichkeit klaffen oft weit auseinander, wenn „weiche“ Aspekte wie Kundenähe, Prozessoptimierung, Lieferantentreue oder Marktwirkung angemessen berücksichtigt werden sollen.

Doch gerade diese Faktoren entscheiden darüber, ob eine Maßnahme richtig zieht, nur erfolgreich ist oder floppt. Diese Kriterien werden, neben den zähl- beziehungsweise messbaren, bei einer guten Methodik zur Projektpriorisierung, angemessenen berücksichtigt. Eine systematische, transparente und strategische Bewertung und Priorisierung von Maßnahmen erhöht die Akzeptanz, spart Zeit und Geld und ist essenziell für den Erfolg – insbesondere vor dem Hintergrund begrenzter Ressourcen. Wichtig sind die methodische Auseinandersetzung mit den tatsächlichen Erfolgsperspektiven von Maßnahmen und die Transparenz über monetäre und qualitative Nutzenbeiträge.

Am Wertbeitrag orientierte Priorisierung

Ein Portfoliomanagement, das die Strategie des Unternehmens trägt, die Kosten-, Qualitäts-, Zeit-, Flexibilitäts-, Markt- und Wettbewerbsaspekte berücksichtigt, erleichtert die Entscheidungen und vermindert die Gefahr von Fehlinvestitionen. Es gibt zudem einen generellen Anstoß zum Überprüfen der Maßnahmen, so zum Beispiel zum Aufdecken von „Alibi“- oder „Gewohnheitsprojekten“. Dies sind die Vorteile einer wertbeitragsorientierten Priorisierung:

  • Reduktion von Fehlinvestitionen durch das frühzeitige Erkennen von Maßnahmen und Projekten mit hohem Nutzen
  • Vergleichbarkeit von Maßnahmen und Projekten aus unterschiedlichen Bereichen und auch stark unterschiedlicher Vorhaben
  • Leichtere Integration von Projekten ins laufende Projektportfolio mit der Möglichkeit zur Simulation von Kosten- und Nutzenkonsequenzen in „Echtzeit“
  • Möglichkeit zum monatlichen oder quartalsweisen Update beziehungsweise Review zu allen Projekten bei minimalem Aufwand
  • Zeit- und Kostenreduzierung im Management des Projektportfolios über den gesamten Prozess hinweg
  • Reduktion von Projektanfragen und Maßnahmen ohne oder mit zu geringem Nutzen
  • Transparente und nachvollziehbare Entscheidungen bei der Projektpriorisierung für alle Beteiligten

Ein gesundes Bauchgefühl wird dabei immer wichtiger, das zeigen uns die vielen inhabergeführten Unternehmen. Um dem Bauchgefühl aber den systematischen Hintergrund zu geben, ist ein gewisser Mut zur Lücke notwendig, das heißt die Bewertungsmethode sollte durch die Konzentration auf wenige, strategisch bedeutsame Kriterien einfach gehalten werden. Die Systematik der Nutzenermittlung und ein einheitliches Bewertungssystem stellen dabei die Basis für eine erfolgreiche Priorisierung dar. Eine gemeinsame Betrachtung qualitativer und monetärer Größen, ohne sie zu einer einzigen Kennzahl zu vermischen und einen „Entscheidungsautomatismus“ anzustreben, ist erfolgsentscheidend.

Bei der Implementierung der Methodik muss auch eine gemeinsame Kommunikationsplattform unterschiedlicher Interessenlagen und Perspektiven geschaffen werden. Dabei entscheiden Grafiken und deren Interpretation als Gesprächsgrundlage für Techniker, Kaufleute und andere Beteiligte in einem Tool, ob die Methode „gelebt“ wird oder eher verstaubt.

Kritische Erfolgsfaktoren

Beim Portfoliomanagement hat sich eine unternehmensspezifische Methode, die partizipativ erarbeitet und verabschiedet wurde, durchgesetzt. Die Bewertung darf aber nicht nur anhand von Kostenaspekten im Sinne einer ROI-Betrachtung erfolgen, sondern muss strategische Aspekte der Priorisierung wie Zielkonformität mit den Unternehmenszielen, aber auch Qualitäts-, Zeit-, Kunden- und Mitarbeiteraspekte sowie Flexibilität und Implementierungseignung berücksichtigen.

Transparenz hinsichtlich wesentlicher entscheidungsrelevanter strategischer Dimensionen einer Maßnahme und eine übersichtliche Visualisierung in einem Monitor sind von wesentlicher Bedeutung. Neben einigen notwendigen Basisdaten wird der „Kostennutzen“, zum Beispiel Potenzial zur Reduktion von Betriebskosten und zur Erzeugung von Mehrwerten in den Geschäftsprozessen, ermittelt und erfasst. Zusammen mit den weichen, qualitativen Nutzenwirkungen für das eigene Unternehmen und bei Kunden werden die Projekte bewertet.

Wichtig dabei ist es, die Integrationsfähigkeit in bestehende Systematiken und vor allem die Unterstützung der Strategie zu berücksichtigen, um echtes Business Alignment herzustellen. Eine zusammenfassende Chancen- und Risiko-Betrachtung, etwa in der Technik-, Zeit- und Kostendimension, sollte zum Abschluss erfolgen. Im Folgenden werden typische Fragen der Priorisierung aufgezeigt, die von Unternehmen beantwortet werden sollten:

  • Welches Vorhaben unterstützt insgesamt die Geschäftsstrategie maßgeblich?
  • Welche Maßnahmen haben die größten Erfolgsaussichten?
  • Welche Maßnahmen haben neben den messbaren Nutzenkriterien das größte Potenzial bei schlecht messbaren Nutzenargumenten?
  • Welches sind die kritischen Erfolgsfaktoren der Projekt- oder Maßnahmenbewertung?
  • Wie lässt sich eine neutrale, nutzenorientierte Priorisierung realisieren?
  • Wie lassen sich ganz unterschiedliche Ideen nach einem einheitlichen Muster vergleichen?
  • Wie lassen sich Pro- und Contra-Positionen bezüglich Maßnahmen übersichtlich darstellen?
  • Wie lauten die relevanten Fragen für die Auswahl von Maßnahmen?

Richtige Priorisierung schafft Wettbewerbsvorteile

Um eine Ausrichtung der Maßnahmen auf die Strategie und eine Vergleichbarkeit zu erreichen, ist eine standardisierte Methode sowie eine eindeutige Bewertungsgrundlage Voraussetzung. Dabei ist es wichtig, typische Fehler zu vermeiden: eine reine Kostenbetrachtung (ROI), bei der andere unternehmenskritische Aspekte wie Passung zur Strategie, Zeit, Qualität, Kundennutzen oder Wettbewerb außen vor bleiben. Das Problem dabei: Eine Verdichtung auf eine Kennzahl eliminiert das „unternehmerische Gefühl“, Erfahrungen fließen nicht mit ein. Eine zu komplexe Methode führt zu einem zu hohen Bewertungsaufwand. Durch eine „Echtzeit-Erstellung“ von Entscheidungsgrundlagen hingegen lässt sich viel Zeit und der sonst so hohe Bearbeitungsaufwand sparen. Ein partizipativer Ansatz führt dabei zu einer durchgängigen Akzeptanz der Methode.

Um Hintergründe, Aufbau und Ablauf der Methodik transparent zu machen, müssen die Interviewpartner zu Beginn eines Projekts in einem Workshop zusammengeführt werden. In persönlichen Interviews zu den Maßnahmen – mit dem Ziel, weitere Maßnahmen aufgrund der Einheitlichkeit des Ansatzes und der Usability des Fragenkatalogs zukünftig ohne persönliche Interviews bewerten zu können – erfolgt die Diskussion der Ergebnisse und eine Priorisierung der untersuchten Maßnahmen. Inklusive einer Kurzbegründung für die Zuordnung zu einer Kategorien- und Wertigkeitsklasse. Im Anschluss erfolgt gegebenenfalls eine Präsentation der Ergebnisse der Pilotphase im größeren Kreis, gleichzeitig als Feedback für alle Beteiligten.

Eine systematische Ausrichtung von Maßnahmen auf die Unternehmensstrategie erhöht den operativen Gewinn nachhaltig. Eine Tool-Unterstützung steigert die Transparenz und Effizienz des gesamten Priorisierungsprozesses.

Hinweis

Lesen Sie zum Thema auch unsere Lösungshilfe Projektmanagement: Wichtige Methoden und Werkzeuge in der Projektorganisation [12] aus unserem Management-Handbuch.

Managementdenker als Hilfe für Manager

Herr Weber, Sie sind Initiator des Rankings Managementdenker, das alle zwei Jahre aufs Neue erhoben wird. Wie fällt das letzte Ranking aus, gibt es Besonderheiten im Vergleich zu den letzten Jahren?

Bislang geben insbesondere Klassiker wie Peter Drucker deutschen Managern Impulse. Bei den TOP 5 – Drucker, Hermann Simon, Fredmund Malik, Günter Faltin und Michael Porter – gab es keine Veränderung. Aber auf den Rängen dahinter kann man zwei klare Trends erkennen: die Inder kommen und die nächste Generation der Managementdenker kristallisiert sich heraus.

Wie lässt sich dies Ihrer Ansicht nach erklären?

Neue Themen und Herausforderungen stehen auf der Agenda. Die Strategie- und Innovationsexperten Vijay Govindarajan und C.K. Prahalad beschreiben eindringlich die Wirtschaft des „Bottom of the Pyramid“, die Wirtschaft der Schwellenländer, und lenken den Blick nach Osten. Der dritte mit indischen Wurzeln ist Ram Charan, ein Workaholic unter den Managementdenkern, der weltweit bestens vernetzt ist.

Auch die Generation der jüngeren Managementdenker setzt sich langsam durch. Berater Jim Collins, Jahrgang 1958, schafft es unter die TOP 10. Der Soziologe und luzide Managementbeobachter Dirk Baecker, Jahrgang 1955, von der Zeppelin University, erreicht Rang 11 – ein Hinweis auf die zunehmende Bedeutung des systemischen Ansatzes hierzulande. W. Chan Kim und Renée Mauborgne, geboren 1952 und 1963, von der Business School „Insead“, sind mit ihrem „Blue-Ocean-Ansatz“ auf Rang 15 geklettert.

Stichwort

Die „Blue-Ocean-Strategie“ stammt aus Analysen über erfolgreiche Unternehmen und Produkte der Vergangenheit und ist der Versuch, aus ihren Erfolgen eine Strategie und Vorgehensweise abzuleiten, um die Erfolge zu wiederholen. 

Quelle: Wilfried Henseler

Von den beiden Managementdenkern ist auch das Buch Der Blaue Ozean als Strategie: Wie man neue Märkte schafft, wo es keine Konkurrenz gibt [13] erschienen.

Managementdenker oder Managementphilosophen sind ein noch junges Phänomen der letzten Jahrzehnte. Sie behaupten, deren Erfolg liege auch in einem verstärkten Bedürfnis von Unternehmen oder Unternehmensführern nach Halt und Orientierung begründet, also nach der Frage: Was tue ich, wenn ...?“ Warum gibt es heute dieses starke Bedürfnis? 

Wissenschaftlich gesprochen liegt es am Verlust des Kontingenzschutzes. Je mehr Optionen Sie haben und je unerwartbarer das Umfeld des Unternehmens wird, desto mehr müssen Sie sich von außen Informationen holen – bei Kollegen, Beratern, Wissenschaftlern, Ihrem hoffentlich weitläufigem Netzwerk und wem auch immer. Nur wissen Sie nie, von welchem dieser Zuflüsterer Sie wirklich relevante Information bekommen. Diesen Bedarf decken eben insbesondere die Managementdenker ab. Ich habe bei einem der Gurus, bei Tom Peters, einmal gearbeitet, und am Anfang kaum verstanden, was eigentlich sein Job war. Er war und ist ein sogenannter „Cool Hunter“, der laufend nach neuen Ideen und Managementmodellen sucht und sie unter die Leute bringt.  

Wissenschaftler Weber: "Managementdenker sind keine Hellseher."

Liegt das auch an – ich darf Sie zitieren – den „Zeiten großer Unsicherheiten“, in denen wir uns befinden, und was meinen Sie konkret mit Unsicherheit? 

Das 21. Jahrhundert ist ein Komplexitätszeitalter: Die Gesellschaft, Technik, Organisationen, Berufe, Szenen, ja Individuen werden immer vielfältiger. Keiner hat mehr den Durchblick. Wissen und Moden veralten immer schneller. Trotzdem erwarten wir insbesondere von Organisationen und ihrem Management, dass sie zuverlässig ihre Aufgaben erfüllen und erwartbare Ergebnisse liefern. Sie sollen ein Hort der Stabilität bleiben und Produkte und Dienstleistungen marktfähig liefern. Nur vergleichen Sie doch mal die Listen der größten europäischen Unternehmen von vor fünfzig Jahren und heute. Nicht einmal die Hälfte taucht heute noch auf der Liste auf. Viele Unternehmen gibt es nicht einmal mehr. Wenn Sie als Manager gegenwärtig Entscheidungen treffen, haben Sie weder den Überblick noch so viel Zeit wie damals, um ihre Entscheidungen abzuwägen.

Wenn Unternehmer zunehmend Ratgeber brauchen, die ihnen sagen, welche Richtung sie einschlagen sollen, wo bleiben dann die intuitiven, aus dem Bauch heraus entscheidenden Manager?

Intuition beziehungsweise Bauchentscheidungen sind Begriffe für ein Denken und Handeln, das noch nicht explizit ist. Wenn Sie in einem unsicheren Umfeld agieren, achten Sie neben ihren klassischen Quellen mehr auf Informationen von den Rändern, auf Details, auf unerwartete Erfolge oder unerwartete Misserfolge. Dass die Umwelt anders reagiert, als Sie es erwarten, ist der Schlüssel zum Verständnis des Innovativen. Und diese Achtsamkeit und Intelligenz müssen Sie entwickeln, auch in der Diskussion mit Leuten, die sich außerhalb ihrer Praxis bewegen, die Ihre blinden Flecken erkennen und Ihnen neue Impulse geben können.

Es gibt unzählige Unternehmensberater und auch so genannte Trendforscher, die Managementthemen weiterdenken. Was unterscheidet die von einem Managementdenker beziehungsweise wo verlaufen hier die Grenzlinien?

In der Leitkultur des Managements, bei den Angelsachsen, geht man ja recht locker mit solchen Grenzlinien um. Es gibt dort inzwischen bereits Ratgeberbücher, die beschreiben, wie jemand ein Management-Guru werden kann. Guru-Status erreichen Sie, wenn Ihnen die so genannten „Managerial Masses“ folgen. Es geht um Anschlussfähigkeit. Meines Erachtens sollte man Motivationstrainer, Börsenprofis oder Trendforscher nicht dazu zählen. Managementdenker sind keine Spezialisten oder Hellseher, sie müssen richtige Fragen stellen und Orientierung geben.

Zum praktischen Philosophen wird jemand, der uns zum Nachdenken bringt und uns bisweilen sagt, was wann zu tun ist. Wer Anregungen geben kann, wie ein soziales System verändert werden kann und wie Manager ihre nicht nur betriebswirtschaftliche sondern auch soziale Funktion erhalten können, hat das Potenzial dazu. Schon Sun Tsu, Machiavelli oder Baltasar Gracián haben vor Jahrtausenden beziehungsweise Jahrhunderten diese Rolle erfolgreich ausgefüllt.

Managementdenker, sagen Sie, revitalisieren das Unternehmerische über einen offenen Diskurs. Zunächst zum Stichwort „unternehmerisch“. Wie definieren Sie diesen Begriff in diesem Zusammenhang?

Routine, Stabilität und der Erhalt bewährter Erfolge sind die eine Seite der Medaille aller Organisationen. Die andere Seite ist die Veränderung und der Wandel. Ein Unternehmer muss die Fähigkeit entwickeln, die routinierten Prozesse zu steuern und, wo sinnvoll, zu bewahren. Gleichzeitig muss er diese Stabilität in Frage stellen können, sie irritieren oder gar Teile davon zerstören, ganz im Schumpeterschen Sinne.

Ist uns das Unternehmerische tatsächlich verloren gegangen, wie sich aus der Formulierung „revitalisieren“ vermuten lässt?

Im Gegenteil, die Krisengesellschaft bringt immer wieder vitale Entscheider hervor. Sie können innerhalb der Organisation sitzen, sie gerade verlassen haben oder von außen angreifen und damit Dynamik hereinbringen. Allerdings besteht in den Zeiten der Krise die Gefahr, dass die Kultur des Unternehmerischen aus dem Blick des gesellschaftlichen Mainstreams gerät. Sie ist selbst dann aber immer noch da, zumindest an den Rändern. Jedes Land der Erde befindet sich heute in einem Wettbewerb der Vitalisierung des Unternehmerischen. In einer Welt, in der es immer mehr auf produktives Wissen ankommt, muss inzwischen jeder Einzelne herausfinden, was seine Stärken sind und wie er diese einbringen kann. Das hat eine ganz neue Qualität für jeden von uns.

Wer sein Leben lang nicht nur auf austauschbare Routinearbeiten angewiesen sein will, kann nicht wie unsere Großväter darauf spekulieren, ein „Corporate Man“ eines großen Unternehmens zu werden und bei diesem bis zur Rente zu bleiben. Dazu passt ein Gedanke von Goethe: Produktive Leute, zu denen er sich selbst zählte, erlebten, „eine wiederholte Pubertät, während andere Leute nur einmal jung sind.“ Gedanklich jung bleiben ist der Schlüssel. Sich mit ungewöhnlichen Ideen auseinandersetzen und vor allem die Nicht-Kunden im Blick zu haben.

Zum guten Schluss: Was verstehen Sie ganz persönlich unter einem guten Manager?

Meine Erfahrungen und Kompetenzen als früherer Klinik- und Bildungsmanager habe ich durch Versuch und Irrtum gesammelt. Ein mühsamer, aber typischer Weg. Für mich gibt es nicht die gute Managerin oder den guten Manager. Management ist eher Handwerk und Kunst als Theorie und rationales Entscheiden. Es gibt viele unterschiedliche Lösungen und professionelle Ansätze, die selbst in ihrer Widersprüchlichkeit gültig sein können. Ob Sie nach jahrzehntelanger Ochsentour und mit mikropolitischen Erfahrungen einen Konzern führen, ob Sie mit langem Atem aus einem krisenanfälligen Mittelständler einen Hidden Champion machen oder ob Sie aus einer lustlosen Verwaltungseinheit eine schlagkräftige öffentliche Einrichtung formen, das hängt heute vor allem von einem guten Management ab. Und dazu braucht es heute insbesondere eine zentrale Aufgabe und Fähigkeit: kommunizieren können.

Herr Weber, ich danke Ihnen für dieses Gespräch.

Hinweis

Hier können Sie die aktuellen Ergebnisse des Rankings Managementdenker [14] nachlesen.

Kündigung bei Postings über Facebook und Soziale Netzwerke

Wer seinen Arbeitgeber in Sozialen Netzwerken beleidigt, diffamiert oder anderweitig schädigt, zum Beispiel bei Facebook, riskiert die Kündigung. Nach Auffassung des Rechtsanwalts und externen Datenschutzbeauftragten Nils Helmke kann mangels höchstrichterlicher Entscheidungen auf allgemeine Prinzipien des Arbeitsrechts zurückgegriffen werden:

„Unternehmensschädliche Äußerungen müssen keinesfalls durch den Arbeitgeber hingenommen werden und können sogar eine außerordentliche Kündigung begründen.“

Schädigende Postings durch den Arbeitnehmer weisen verschiedene Formen auf, die nicht alle per se vom Arbeitgeber verboten werden können, da sie häufig während des privaten Gebrauchs sozialer Netzwerke in das Internet eingestellt werden und außerdienstliches Verhalten darstellen. Für den Arbeitgeber bleibe jedoch das Dilemma, dass häufig negative Eintragungen über das Unternehmen im Netz bleiben und auch Jahre nach dem Posting noch über eine Google-Suche gefunden werden können, so Helmke weiter.

Darüber hinaus wird die Beleidigung oder Rufschädigung noch von einem sehr großen Empfängerkreis wahrgenommen, so dass kein Vergleich mit einem Lästern über den Chef im Freundes- oder Bekanntenkreis besteht. Zumal das Posting schriftlich erfolgt und häufig von völlig unbeteiligten Nutzern im Web 2.0 als erste Unternehmensinfo wahrgenommen wird. Grob unterscheiden lassen sich drei verschiedene, den Arbeitgeber belastende Postings:

Verrat von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen

Lässt sich der Arbeitnehmer in sozialen Netzwerken über betriebliche Interna aus, verletzt er seinen Arbeitsvertrag. Ohne explizite Regelung lässt sich dies als Nebenpflichtverletzung des Arbeitsvertrages auslegen. Jeder Arbeitnehmer ist im Rahmen seiner arbeitsvertraglichen Rücksichtnahmepflicht verpflichtet, Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse zu wahren. Hierzu zählen nicht nur Kundenstämme und geheime Marketingstrategien, sondern auch Absprachen aus dem Personalbereich, wie zum Beispiel Gehälter.

Auch persönliche Umstände wie Verhaltensweisen von Kollegen und Vorgesetzten fallen darunter, so dass auch Lästereien über Kollegen oder sogar eine Gehaltsveröffentlichung des Vorgesetzten je nach Schwere des Verstoßes eine ordentliche oder außerordentliche Kündigung rechtfertigen können.

Unternehmensschädliche Äußerungen

Arbeitnehmer haben darüber hinaus eine arbeitsvertragliche Pflicht, die auch als Loyalitätspflicht aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) hergeleitet werden kann. Danach dürfen sie den Ruf ihres Arbeitgebers nicht in der Öffentlichkeit herabsetzen oder ihn bloßstellen. Zwar könne sich, so Nils Helmke, der Arbeitnehmer auf seine grundrechtlich geschützte Meinungsfreiheit aus dem Grundgesetz (GG) berufen, doch seien Schmähkritik und Formalbeleidigung hiervon ausgeschlossen. Außerdem könne der Arbeitnehmer sein Grundrecht auf Meinungsfreiheit nicht schrankenlos ausüben, vielmehr ergeben sich schon Kollisionen mit Artikel 12 GG, der die wirtschaftliche Betätigungsfreiheit des Arbeitgebers vor Störungen schützt. Beleidigt der Arbeitnehmer in einem sozialen Netzwerk seinen Arbeitgeber, einen Kollegen oder Kunden grob, so läuft er Gefahr, fristlos gekündigt zu werden.

Meldung von Gesetzesverstößen (Whistleblowing)

Die öffentliche Meldung von gesetzlichen Verfehlungen des Arbeitgebers – das sogenannte Whistleblowing – wird vom Bundesarbeitsgericht (BAG) häufig als verhaltensbedingter oder gar wichtiger Kündigungsgrund angesehen. Denn auch hier trifft den Arbeitnehmer die Pflicht, in zumutbarer Weise auf die betrieblichen Interessen des Arbeitgebers Rücksicht zu nehmen. Die Grenzen der Zumutbarkeit sind regelmäßig überschritten, wenn der Arbeitnehmer sich durch eine Nichtanzeige selbst einer strafrechtlichen Verfolgung ausgesetzt sähe, oder wenn überragende Allgemeingüter wie Leib und Leben gefährdet wären (zum Beispiel Lebensmittel- oder Giftmüllskandale). Hierzu noch einmal Datenschutzbeauftragter Helmke:

„Der Arbeitnehmer ist bei einem Posting in einem sozialen Netzwerk immer im Zugzwang zu begründen, warum er nicht zuerst eine interne Klärung herbeigeführt hat. Zumal ein soziales Netzwerk wie Facebook regelmäßig der falsche Ort sein dürfte, gesetzliche Verfehlungen seines Arbeitgebers publik zu machen.“

Quelle: AGAD Arbeitgeberverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen e.V.

Führungspersonal bei Übernahmen prüfen

Ein Konzern möchte einen Mitbewerber übernehmen. Eine Private-Equity-Gesellschaft plant, Anteile an einem Unternehmen zu erwerben oder ein Management-Buy-Out zu finanzieren. Wenn Unternehmen einen solchen „Big Deal“ erwägen, bilden sie meist ein Projektteam zur Vorbereitung des möglichen Investments. Sie engagieren zudem Heerscharen von Beratern, die im Rahmen einer Due-Diligence-Prüfung ermitteln sollen, was für und was gegen den Kauf spricht. Untersucht wird dabei unter anderem: 

  • Wie ist die Marktposition des Übernahmekandidaten?
  • Welche Marktchancen hat er aufgrund seines Produktportfolios und Know-hows?
  • Wie stellt sich seine Finanzsituation dar?
  • Welche rechtlichen Aspekte wären bei einer Akquisition zu bedenken?
  • Welche strategischen Vorteile und Synergieeffekte ergäben sich hieraus?

Ermittelt wird sozusagen alles, was für oder gegen eine Übernahme spricht, um letztlich entscheiden zu können, ob der Deal durchgeführt wird und wie viel für das Übernahmeobjekt bezahlt werden soll. Eine lediglich geringe Rolle spielt bei der Due-Diligence-Prüfung meist die Qualität des Managements des Übernahmekandidaten und dessen (Führungs-) Kultur. Dabei sind diese Faktoren für den Erfolg von Firmenübernahmen von großer Bedeutung. Denn vom künftigen Management hängt es weitgehend ab, inwieweit der Investor seine Übernahmeziele erreicht. Investoren sollten vor einer Akquisitionsentscheidung also prüfen, ob sie mit dem vorhandenen Managementteam ihre Ziele erreichen können oder ob dafür strukturelle und personelle Veränderungen nötig sind.

Übernahme schafft neue Rahmenbedingungen

Viele Investoren tun dies nicht ausreichend, was sich unter anderem darin zeigt, dass bei vielen Firmenkäufen die gravierendsten personellen Veränderungen nicht unmittelbar nach der Übernahme erfolgen. Oft fängt das Personalkarussell sich erst nach ein oder zwei Jahren richtig zu drehen an. Das heißt: Die neuen Eigner vertrauen zunächst weitgehend auf das alte Management. Erst nach einiger Zeit stellen sie fest, dass es die eigenen Erwartungen nicht erfüllt. Auch denken die Top-Manager des übernommenen Unternehmens oft, dass sich durch die Übernahme nicht viel ändern wird. Nach einiger Zeit jedoch stellen sie fest, dass sie unter den neuen Rahmenbedingungen nicht arbeiten können und wollen. Also ergreifen sie die Flucht. 

Letzteres passiert oft, denn bei den meisten Übernahmen ändern sich die Rahmenbedingungen des Handelns für das Management stark. Mit Übernahmen sind in der Regel neue strategische Zielsetzungen verbunden, woraus neue Anforderungen an das Management resultieren. Dies sei an zwei Beispielen illustriert.

Beispiel 1:
Ein Elektronikkonzern erwirbt die Mehrheitsanteile an einem jungen Startup. Dieses hat eine Problemlösung im Bereich Social Media entwickelt, von der sich der Konzern einen Innovationsschub für seine Produkte verspricht.

Mit diesem Schritt verändert sich für den bisherigen Vorstand des Startup-Unternehmens die Arbeitssituation radikal. Plötzlich hat er nicht mehr das alleinige Sagen, sondern ist in die Entscheidungs- und Reportingstrukturen eines Konzerns eingebunden. Zudem wächst aufgrund des frischen Kapitals die ehemalige „Garagen-Firma“ sehr schnell, so dass das Unternehmen neu strukturiert und anders geführt werden muss, weshalb auch dessen Führungscrew andere Fähigkeiten braucht. Passiert genau das, haben die ehemaligen Firmengründer oft das Gefühl: Das ist nicht mehr meine Firma. Hier fühle ich mich nicht mehr wohl. Auch, weil sie von ihren neuen Managementaufgaben überfordert sind.

Beispiel 2:
Ein Unternehmen erwirbt einen Mitbewerber mit langer Firmentradition vor allem deshalb, weil es sich von der Übernahme den Zugang zu neuen Märkten verspricht.

Auch hier verändert sich die Arbeitssituation des Top-Managements radikal, denn plötzlich ist das ehemals stolze eigenständige Unternehmen nur noch eine Art Vertriebsorganisation, die ihr Handeln an den Zielvorgaben der neuen Eigner orientieren muss. Eine Situation, die von den Top-Entscheidern des akquirierten Unternehmens ein neues Selbstverständnis und verändertes Managementhandeln erfordert, weshalb bei solchen Übernahmen personelle Veränderungen meist unumgänglich sind.

Ausbluten der Organisation verhindern

Bei Firmenübernahmen machen sich die neuen Eigner im Vorfeld oft wenig Gedanken darüber, was daraus für das Management des akquirierten Unternehmens folgt. Anders ist dies bei dessen Top-Entscheidern. Sobald die mögliche Übernahme publik wird, setzt bei ihnen das Gedankenkarussell ein: 

  • Was bedeutet die mögliche Übernahme für mein Unternehmen?
  • Was heißt das für meine berufliche Zukunft?
  • Verliere ich meinen Job?
  • Wenn nein: Wie sieht dann mein künftiges Stellenprofil aus?
  • Welche Entscheidungs- und Gestaltungsmacht habe ich noch?
  • Welche Karrierechancen habe ich unter den neuen Eignern?

Entsprechend schnell sind in solchen Phasen der Ungewissheit die Leistungs- und Know-how-Träger zu einem Arbeitgeberwechsel bereit. Das wissen auch die Mitbewerber. Also buhlen sie verstärkt um die Personen, die bei dem Übernahme-Kandidaten Schlüsselpositionen besetzen. Auch deshalb sollten Organisationen, die ein anderes Unternehmen erwerben möchten, im Rahmen der Due-Diligence-Prüfung analysieren:

Welche Fähigkeiten brauchen wir zum Erreichen der Ziele unseres Investments?

Nur dann können sie rasch die für den Erfolg der Übernahme wichtigen Führungskräfte, aber auch Spezialisten und Teams identifizieren und an diese das Signal senden: Wir brauchen euch!

Stichwort

Eine Leadership-Due-Diligence-Prüfung lässt sich mit einem Management-Audit vergleichen, bei dem mit unterschiedlichen Instrumenten versucht wird einzuschätzen, inwieweit die oberen Führungskräfte einer Organisation über die nötigen Kompetenzen verfügen, um ihren Beitrag zum Erreichen der Unternehmensziele zu leisten.

Doch wie sollte ein Unternehmen bei einer Leadership-Due-Diligence-Prüfung vorgehen? Zunächst muss es klar definieren, was mit der Übernahme erreicht werden soll. Die Antwort kann zum Beispiel lauten: 

  • Zugang zu Know-how verschaffen, das der eigenen Organisation fehlt
  • Neue Kundengruppen und Marktsegmente erschließen
  • Skaleneffekte erzielen und die eigenen Lohn-Stück-Kosten senken

Das Akquiseziel exakt zu definieren ist unter anderem wichtig, weil sich hieraus zum Teil die Antworten auf folgende Fragen ergeben:

  • Welche Bereiche im Unternehmen und welche der dort vorhandenen Kompetenzen sind für den Erfolg der Akquisition unabdingbar?
  • Welche Struktur und Kultur muss die übernommene Organisation künftig haben, damit wir unsere Ziele erreichen?

Die Antworten auf diese Fragen wirken sich wiederum auf die Personalentscheidungen aus. Erneut zwei Beispiele:

Beispiel 1:
Ein Unternehmen erwirbt ein anderes vor allem deshalb, weil dieses in der Produktentwicklung innovativer ist als die eigene Organisation.

Hier stellt häufig der Forschungs- und Entwicklungsbereich des übernommenen Unternehmens das Filetstück dar, das bei der Übernahme auf keinen Fall Schaden nehmen darf. Also sollte bei der Übernahme darauf geachtet werden, dass in diesem Bereich weitgehend Kontinuität gewahrt bleibt – und zwar nicht nur auf der kulturellen und strukturellen Ebene, sondern auch auf Seiten der Führung. Sonst ist die Gefahr groß, dass das zerstört wird, was das Unternehmen attraktiv macht.

Beispiel 2:
Ein Unternehmen erwirbt einen Mitbewerber primär, um den eigenen Marktanteil auszubauen und sich Zugang zu neuen Kundengruppen zu verschaffen.

Diese Situation ist eine andere, denn das Übernahmeunternehmen ist vor allem an Kunden und Absatzwegen interessiert. Bei solchen Deals ist es meist sinnvoll, das gekaufte Unternehmen strukturell und kulturell soweit möglich in die eigene Organisation zu integrieren. Oder anders formuliert: es faktisch zu „schlucken“, selbst wenn nach draußen ein „Merger of Equals“ verkündet wird. Bei solchen Mergers wird das Top-Management meist weitgehend ausgetauscht, auch, weil es den Alphatieren auf der Top-Ebene in der Regel schwer fällt, ins Glied zurückzutreten.

Welches Management wird benötigt?

Angenommen, der Investor hat seine Übernahmeziele definiert. Er weiß zudem, welche Struktur und Kultur das akquirierte Unternehmen hierfür nach der Übernahme braucht. Dann kann er im nächsten Schritt definieren: 

  • Wie sollte das Management des übernommenen Unternehmens künftig strukturiert sein?
  • Welches Profil müssen die Personen haben, die dort die Top-Positionen besetzen?

Dies ist wiederum die Voraussetzung, um zu prüfen, welche der bisherigen Top-Entscheider weiterhin auf der Gehaltsliste des Unternehmens stehen sollen und welche nicht. Dies zu ermitteln, ist im Vorfeld von Übernahmen meist nur bedingt möglich, speziell bei der feindlichen Variante. Denn dann haben die Investoren zwar oft schon Zugriff auf die Organigramme, doch aus diesen Datenblättern geht nicht hervor, wie die Entscheidungen real getroffen werden. Aus ihnen ist zudem nicht ersichtlich:

  • Wie effektiv arbeiten die Leiter der Bereiche zusammen?
  • Wie „ticken“ diese als Person?
  • Wie stark sind diese zum Beispiel im Umsetzen von Entscheidungen?

Hierüber können die Investoren im Vorfeld von Übernahmen oft nur über Umwege erste Informationen gewinnen, zum Beispiel durch ein Analysieren und Interpretieren der ihnen zur Verfügung stehenden betriebswirtschaftlichen Daten oder durch das Befragen von externen Partnern wie Kunden und Lieferanten. Diese Informationen reichen aber gerade in Bezug auf die zweite und dritte Führungsebene meist nicht aus. Hier lässt sich nicht so einfach ermitteln, inwieweit die Stelleninhaber die Anforderungen für die Übernahme einer Top-Position erfüllen.

Prüfung so früh wie möglich durchführen

Deshalb kann die eigentliche Leadership-Due-Diligence-Prüfung in der Regel erst nach der vollzogenen Übernahme erfolgen. Dann jedoch sollte sie möglich schnell angegangen werden, damit die Führungskräfte Gewissheit über ihr eigenes Schicksal erhalten und ihren Mitarbeiter den Halt geben können, den diese in Umbruchsituationen brauchen. Also muss die Leadership-Due-Diligence-Prüfung zum Übernahme-Zeitpunkt bereits vorbereitet sein. Der einzige Unterschied sind die zentralen Fragen der Leadership-Due-Diligence-Prüfung. Sie lauten: 

  • Welche Top-Entscheider des übernommenen Unternehmens verfügen über die Fähigkeiten und Eigenschaften, die künftig auf der Managementebene des Unternehmens benötigt werden?
  • Kann das bisherige Führungsteam auch unter den geänderten Rahmenbedingungen die gewünschte Wirkung entfalten oder sind personelle und strukturelle Veränderungen nötig?

Das heißt: Bei einer Leadership-Due-Diligence-Prüfung ist das Audit auf die angestrebten Veränderungen und die Ziele des neuen Eigners fokussiert. Dies ist wichtig, denn oft sind gerade die Top-Entscheider des akquirierten Unternehmens die Bremser, wenn es um das Erreichen der neuen Ziele geht. Obwohl sie in der Vergangenheit die Garanten für Erfolge waren. Dies sei an drei Beispielen nochmals illustriert:

Beispiel 1:
Ein Anlagenbauer möchte einen Mitbewerber übernehmen. Gegen diese „feindliche Übernahme“ wehren sich insbesondere dessen Vorstandsvorsitzender und der Finanzvorstand. Am Ende wird das Unternehmen doch übernommen.

Der Finanzvorstand empfindet dies auch als persönliche Niederlage. Es fällt ihm vermutlich schwer, sich mit den neuen Gegebenheiten zu arrangieren und sich mit den neuen Zielen zu identifizieren. Also stellt sich für die neuen Eigner die Frage, ob er der richtige Mann ist, ungeachtet seiner Kompetenz als Finanzvorstand.

Beispiel 2:
Ein Büromaschinenhersteller wird von seinem bisher härtesten Konkurrenten übernommen, über dessen Produkte sich der Vertriebsleiter des übernommenen Unternehmens bisher in Mitarbeiter- und Kundengesprächen stets abfällig äußerte.

Für die neuen Eigner stellt sich hier die Frage, ob der bisherige Vertriebsleiter auch künftig diese Funktion bekleiden kann oder ob er nicht die Glaubwürdigkeit bei seinen Mitarbeitern und Kunden verliert, wenn er plötzlich die Produkte des ehemaligen Mitbewerbers vertreibt.

Beispiel 3:
Ein Versicherungskonzern erwirbt eine andere Versicherungsgesellschaft. Um die gewünschten Synergieeffekte zu erzielen, soll unter anderem die IT des übernommenen Unternehmens der IT-Landschaft des neuen Eigners angepasst werden.

Dadurch wird auch der bisherige IT-Leiter teilweise entmachtet. Er muss sich nun dem Diktat der neuen Eigner unterordnen. Daraus erwächst die Frage, ob er sich auch künftig noch mit seiner Position identifizieren kann und ob er sein neues Stellenprofil nicht als Degradierung erfährt. 

Auch solche Fragen gilt es bei einer Leadership-Due- Diligence-Prüfung zu beantworten, um letztlich zur Entscheidung zu gelangen: Wer nimmt welche Funktion in der Organisation wahr? Also müssen auch die Fragestellungen im Audit hierauf fokussiert sein. Zuweilen wird das Ergebnis der Prüfung lauten, eine bestimmte Führungskraft als erfahrenen Manager und wichtigen Know-how-Träger in der Übergangsphase noch zu behalten. Was danach passiert, bleibt häufig offen. In einer solchen Situation sollten die neuen Eigner in der Regel mit offenen Karten spielen und mit dem Manager ein Agreement aushandeln, das den Interessen aller Beteiligten entspricht.

Chancen und Risiken von Teamarbeit

Bei der Lektüre von Stellenanzeigen lässt sich oft der Eindruck gewinnen, dass sämtliche Mitarbeiter eines Unternehmens teamfähig sein müssen. Nicht nur für Bereichsleiter oder Führungskräfte allgemein trifft dies zu, auch Lagerarbeiter oder Mitarbeiter ähnlicher Berufe sollen über diese Eigenschaft verfügen. Fakt ist: Der Begriff „teamfähig“ hat sich zu einer Leerformel entwickelt, denn in Stellenanzeigen kann er sehr viel bedeuten. Zum Beispiel, dass der neue Mitarbeiter ohne Widerspruch macht, was ihm gesagt wird. Gemäß der Maxime: Nicht reden, sondern arbeiten! Er kann aber auch das Gegenteil bedeuten: Neue Mitarbeiter sollen über den Rand ihres Schreibtischs hinausschauen, mitdenken und eigene Ideen einbringen.

Nicht alles ist immer gleich Teamarbeit

Ähnlich verhält es sich mit dem Begriff „Teamarbeit“. Auch er wird inflationär und völlig unterschiedlich gebraucht. Manche Unternehmen sprechen bereits von Teamarbeit, wenn zwei Mitarbeiter gemeinsam Briefe eintüten. Bei solchen Routinearbeiten von Teamarbeit zu sprechen ist Nonsens – selbst wenn sich die Mitarbeiter dabei ab und an abstimmen müssen, wer welche Arbeitsschritte erledigt. Trotzdem praktizieren sie dann immer noch keine Teamarbeit, sondern arbeiten schlicht zusammen! 

Echte Teamarbeit wird in der Regel in Unternehmen nur eingeführt und praktiziert, wenn schwierige beziehungsweise komplexe Aufgaben gelöst werden müssen, die das Know-how mehrerer Experten unterschiedlicher Disziplinen erfordern. Teamarbeit ist zudem meist dann sinnvoll, wenn Lösungen für Probleme gefunden werden sollen, die mehrere Unternehmensbereiche betreffen. Nicht nur, um sicherzustellen, dass die Erfahrungen aller betroffenen Bereiche in die Problemlösung einfließen, sondern auch, dass sich alle mit der vereinbarten Lösung identifizieren. Sonst ergeben sich fast automatisch Schwierigkeiten bei der Umsetzung.

Doch was unterscheidet ein Team von einer Gruppe? Ein Team zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass sich seine Mitglieder wechselseitig inspirieren. Wenn alle Kandidaten das gleiche Know-how, die gleiche Erfahrung und die gleiche Sichtweise auf das Problem haben, braucht es kein Team. Der Grund: Die Teammitglieder können sich nicht gegenseitig befruchten. Folglich werden auch keine innovativen Problemlösungen entwickelt.

Außerdem organisiert ein Team im Gegensatz zu einer Gruppe seine Zusammenarbeit selbst. Es bestimmt selbst, wer welche Aufgabe wahrnimmt und wie beim Lösen des Problems vorgegangen wird. Hier liegt der zentrale Unterschied zwischen einem Team und einer Gruppe. Einer Gruppe werden die Regeln der Zusammenarbeit weitgehend vorgegeben. Auch ihr Leiter wird von den Vorgesetzten bestimmt. Ein Team hingegen wählt seinen Leiter selbst, der zudem nicht der Chef des Teams ist. Seine Funktion beschränkt sich vielmehr darauf, die Arbeit des Teams zu steuern und zu koordinieren und es nach außen zu vertreten. Im Idealfall ist er ein „primus inter pares“, der sich erst im Teamfindungsprozess herauskristallisiert.

Im Idealfall – wohlgemerkt! Oft praktizieren Unternehmen ein anderes Verfahren. Sie benennen zunächst den Teamleiter. Dieser soll dann „sein Team“ bilden. Dabei wendet er in der Regel folgende Kriterien an:

  • Mit wem komme ich gut klar?
  • Wer hat gerade Zeit?

Die zu erfüllende Aufgabe jedoch spielt bei der Auswahl der Teammitglieder oft eine untergeordnete Rolle. Ursache hierfür: Es gibt wenig geeignete Hilfsmittel für das Zusammenstellen von Teams. Zwar werden viele Tests auf dem Markt angeboten, die helfen sollen, das ideale Team zu finden, doch ihr Nutzen ist oft gering. Zum einen blenden diese Tests meist aus, dass ein Team nur erfolgreich arbeiten kann, wenn seine Mitglieder ein breites Fachwissen haben. Sonst hätte sich die Gründung des Team ja von vorneherein erübrigt. Sie berücksichtigen zudem nicht, dass jedes Team so in seinem Umfeld verankert sein muss, dass es die nötige Unterstützung erfährt. Deshalb erleiden Unternehmen meist Schiffbruch, wenn sie Teams gemäß folgender Faustregel bilden:

„Man nehme einen Fachmann, einen Visionär, einen Organisator und einen Kommunikator und fertig ist das perfekte Team!“

Im Firmenalltag wird jedoch oft genauso verfahren, weil die Entscheidung, Teamarbeit zu forcieren oder ein Projektteam zu bilden oft über Nacht fällt. Entsprechend hastig werden die Teams formiert. Vom ersten Tag an sind sie mit der Erwartung konfrontiert, mehr zu leisten, als wenn seine Mitglieder als Einzelkämpfer agieren würden. Schließlich erhoffen sich die Unternehmensführer von der Teamarbeit eine Steigerung der Produktivität.

Vier Entwicklungsphasen eines Teams

Dabei wird übersehen: Jedes Team durchläuft, bevor es voll leistungsfähig ist, zunächst einen längeren Prozess der Selbstfindung. Er gliedert sich in vier Phasen: 

Orientierungsphase („Forming“)

In der „Forming-Phase“ beschnuppern sich die Teammitglieder wechselseitig. Sie versuchen zu ermitteln:

  • Was können die neuen Kollegen?
  • Welche Interessen verfolgen sie?
  • Ist mit ihnen eine vertrauensvolle Zusammenarbeit möglich?

In dieser Phase empfindet sich das Team noch nicht als Team.

Konfliktphase („Storming“)

Die „Storming-Phase“ ist von Auseinandersetzungen geprägt. In ihr werden sozusagen die Rangkämpfe ausgefochten. Hier geht es unter anderem darum:

  • Wer hat welche Aufgabe und wer spielt welche Rolle im Team?
  • Wie stark werden die unterschiedlichen Interessen berücksichtigt?

In dieser Phase kochen oft unterschwellige Konflikte zwischen den Bereichen und Funktionsgruppen im Unternehmen hoch. Die Teammitglieder sind stärker mit Statuskämpfen als mit ihrer Aufgabe beschäftigt.

Organisationsphase („Norming“)

In der „Norming-Phase“ glätten sich die Wogen allmählich. Nun entwickeln die Teammitglieder zum Beispiel Spielregeln für den Umgang miteinander. Außerdem vereinbaren sie erste Maximen, an die sich beim Lösen der Aufgabe halten. Erst wenn ein Team diesen Punkt erreicht hat, entfaltet es allmählich seine Vorzüge.

Integrationsphase („Performing“)

Hier beginnt die Phase, in der das Team bessere Ergebnisse erzielt, als wenn seine Mitglieder alleine arbeiten würden.

In den ersten drei Phasen ist das Team weitgehend mit sich selbst beschäftigt. Entsprechend mager fallen die Arbeitsergebnisse im Vergleich zur Einzelarbeit aus. Deshalb wird die Teamarbeit in diesen Phasen oft als zeitraubend und wenig effektiv erlebt – von den Teammitgliedern selbst und ihrem Umfeld. Ein entsprechendes Feedback erhalten sie von ihren Kollegen, die die lange Zeit für die Erledigung der Aufgaben bemängeln. Dies fördert nicht nur die Stimmung im Team nicht, sondern birgt auch die Gefahr, dass sich einzelne Teammitglieder aus der Teamarbeit verabschieden, bevor sie eigentlich begonnen hat.

Es empfiehlt sich daher, dass die Teammitglieder in der Startphase ein Teamtraining besuchen, um sich dort sozusagen im Zeitraffer zusammenzuraufen. Keinesfalls sollten Unternehmen aber der Illusion verfallen, die Teammitglieder müssten alle „Freunde“ sein. Im Gegenteil: Eine zu große Kumpanei schmälert oft den Output, denn dadurch geraten die Aufgabe und das Arbeitsziel schnell aus dem Blick.

Lesen Sie im Management-Handbuch

  • Teamarbeit: Mitarbeiter organisieren sich selbst im Team [15]
  • Teamentwicklung: Teamcoaching als Führungsaufgabe [16]

Unternehmensentwicklung und Führungskultur bei Hidden Champions

Viele mittelständische Unternehmen haben in den vergangenen zehn Jahren eine rasante Entwicklung durchlaufen: Wo sich Anfang des neuen Jahrtausends noch hauptsächlich Facharbeiter tummelten, gehen heute oft auch Akademiker ihrer Arbeit nach. Viele Mittelständler beschäftigen zudem Frauen in hochqualifizierten Positionen, gleichzeitig spielt bei vielen Mitarbeitern, gerade bei international agierenden Firmen, die Kenntnis mindestens einer Fremdsprache eine große Rolle. 

Im Großen und Ganzen haben sich viele mittelständische Betriebe von handwerklichen Produzenten mit geringer Fertigungstiefe und Produktkomplexität in High-Tech-Unternehmen verwandelt. Während sie vor zehn, fünfzehn Jahren noch vorwiegend für den deutschen Markt (und eventuell einige europäische Nachbarstaaten) produzierten, vertreiben sie ihre Produkte heute weltweit. Einen großen Teil davon lassen sie auch im Ausland produzieren. In Deutschland findet vor allem die Entwicklung neuer Produkte statt. Hier werden noch die Maschinen und Anlagen produziert, deren Fertigung Spitzen-Know-how erfordert.

Aufgrund dieser Entwicklung hat sich auch die Belegschaft der Betriebe gewandelt. Sie wurde nicht nur internationaler – lässt man die Gastarbeiter einmal außen vor, die vor zehn Jahren in den Produktionshallen vieler Mittelständler ihren Lebensunterhalt verdienten – sondern auch weiblicher und höher qualifizierter.

(Führungs-)Kultur hinkt der Entwicklung hinterher

Diese Veränderungsprozesse vollzogen sich bei den meisten Mittelständlern nicht aufgrund einer definierten Strategie. Sie reagierten vielmehr – eine typische Stärke des Mittelstands – ganz pragmatisch auf die neuen Markterfordernisse. Was notwendig war oder erschien, wurde getan. Mit der Konsequenz, dass die meisten Mittelständler heute im internationalen Wettbewerb gut aufgestellt sind. Auch die technologischen Herausforderungen haben sie gemeistert. Sie nutzten die Chancen, die sich aus der Globalisierung und dem technischen Fortschritt ergaben, und entwickelten sich vielfach zu „Hidden Champions“ in der Provinz, die in ihrem Marktsegment oft zu den Weltmarktführern zählen. Was jedoch vielfach nicht mit der Entwicklung Schritt hielt, war die Organisationsstruktur und (Führungs-)Kultur in diesen Unternehmen. 

Bei vielen dieser „Hidden Champions“ heuern beispielsweise hochqualifizierte Nachwuchskräfte an, die nicht aus der Region kommen. Nach zwei oder drei Jahren jedoch kehren sie dem Unternehmen oft wieder den Rücken. Oftmals, weil sie und ihre Familien in der Provinz nicht heimisch werden. Hinzu kommen weitere Faktoren, die jungen Leuten die Arbeit bei Mittelständlern oft schwer machen. Anfangs sind sie meist von der hierarchiefreien Kommunikation begeistert und von der Tatsache, dass Vieles schneller entschieden wird als in Konzernen. Doch nach einiger Zeit wird dieses Plus wieder überdeckt, zum Beispiel wenn der Firmeninhaber öfter Strategien ändert, die heute noch gelten und morgen schon nicht mehr. Oder wenn Führungskräfte oder Projektleiter zwar formal viel Verantwortung erhalten, ihre Entscheidungsbefugnisse aber faktisch begrenzt sind, weil sich der Inhaber immer wieder einmischt und auch Mitarbeitern andere Anweisungen gibt.

Die Konsequenz: Die Autorität dieser Führungskräfte schrumpft zunehmend, weil die Mitarbeiter insgeheim denken, sie hätten in Wirklichkeit eben doch nicht den Einfluss wie ursprünglich vorgesehen. Registrieren dies die Nachwuchskräfte, dann sinkt ihre Identifikation mit dem Unternehmen. In der Folge sind sie immer weniger bereit, sich dafür so stark zu engagieren, wie dies speziell vom Führungspersonal bei Mittelständlern oft unausgesprochen erwartet wird – rund um die Uhr. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Nachwuchskräfte zugleich registrieren, dass ihre Lebensqualität aufgrund der vielen Arbeit leidet. Die logische Konsequenz ist dann meist ein Wechsel des Arbeitgebers, oder, was für das Unternehmen wiederum negative Auswirkungen hat: Sie unterwerfen sich der herrschenden Unternehmenskultur, um stressfreier arbeiten zu können mit der Folge, dass keine Veränderungsimpulse mehr von ihnen ausgehen.

Unternehmen müssen sich strukturell und kulturell entwickeln

Möchten erfolgreiche Mittelständler ihren Wachstumskurs der zurückliegenden Jahre fortsetzen, müssen sie sich auch strukturell und kulturell entwickeln. Gerade vor dem Hintergrund und den Auswirkungen des Fachkräftemangels. Hinzu kommt: Sie haben inzwischen oft eine Größe erreicht, in der es nicht mehr genügt, schnell und flexibel auf Marktanforderungen zu reagieren. Die Entwicklung des Unternehmens und seiner Kompetenz muss gezielt forciert werden. Außerdem haben sie eine Größe erreicht, bei der es nicht mehr dem Belieben der einzelnen Führungskräfte überlassen werden kann, wie sie ihre Mitarbeiter führen. Es muss sich eine einheitliche Führungskultur entwickeln – und zwar eine Führungskultur, in der Nachwuchskräfte, von denen neue Impulse ausgehen, gehört und (von oben) gezielt gefördert werden. Sonst stagniert das Gesamtsystem, weil, wie bei vielen Mittelständlern der Fall, zwar ein individuelles, aber kein kollektives Lernen erfolgt. 

Erkannt haben das viele Mittelständler, weshalb sie heute mehr Zeit und Energie als früher in die Organisationsentwicklung investieren. Auch beim Engagement in Sachen Personal- und Führungskräfteentwicklung haben sie die Zügel angezogen. Je kleiner das Unternehmen jedoch ist, desto schwerer tut es sich damit. Entsprechend hilflos stehen sie dann vor dem Spagat, einerseits die (Führungs-)Kultur in der Organisation zu entwickeln, andererseits die typischen Stärken als Mittelständler zu bewahren.

Eine Standardantwort auf diese Frage gibt es nicht. Nicht nur, weil Mittelständler in verschiedenen Märkten agieren, sondern auch, weil sie aufgrund ihrer unterschiedlichen Historie teilweise auch verschiedene Stärken haben. Klar ist jedoch: Die Lösungen dürfen keine abgespeckten Varianten der Personal- und Organisationsentwicklungsprogramme der Konzerne sein. Denn diese berücksichtigen die Spezifika des Mittelstands nicht.

Projekte im Change Management

Oft werden Change-Prinzipien professionell eingeführt. Dann wird zum Beispiel auf eine klare Kommunikation oder auf Kick-Off-Workshops für alle Mitarbeiter geachtet, doch gleichzeitig existieren immer noch Defizite im Projektmanagement oder unsaubere Prozesse. Gleiches gilt für Führungskräfte, die ihre Mitarbeiter schlicht nicht motivieren. Damit Veränderungen umgesetzt werden, müssen diese Dinge im Unternehmen aber funktionieren. Vor der Einführung eines Change-Projekts lohnt daher ein Blick auf die vier folgenden Themen:

1. Projektmanagement

Viele Veränderungsprojekte scheitern schon am Projektmanagement. Immer wieder werden in Change-Projekten Aufgaben und Verantwortlichkeiten zugeordnet, aber keine Projektleitung berufen. Die Hierarchie im Projekt ist nicht geklärt und die Entscheidungskompetenz bleibt offen. Folge: Die Projektinteressen können nicht angemessen vertreten werden. Oder die Projektleitung soll das Projekt neben ihrer Linienaufgabe betreuen, was nichts anderes heißt, als dass maximal 20 Prozent ihrer Zeit fürs Projekt bleiben. Auf diese Weise die gesetzten Ziele zu erreichen ist oft unrealistisch.

Besonders bei Veränderungen sind Projektsteuerung und Controlling entscheidend, um zu jedem Zeitpunkt den wirklichen Stand zu kennen; und zwar besonders dann, wenn das Projekt dem Plan hinterherhinkt. Doch gerade hier werden vor allem Verspätungen oder Meilensteinverfehlungen gerne geschönt. Dabei arbeiten in Wirklichkeit diejenigen Projektteams am besten, die mit Risiken offensiv umgehen – auch gegenüber dem Top-Management.

Erfolgreiche Projektleiter scheuen deshalb nicht davor zurück, ihre Projektampel auf „Rot“ zu setzen. So bekommen sie auch Aufmerksamkeit im Management. Für Veränderungsprojekte und für alle anderen Projekte gilt es deshalb, die wirkliche Zielerreichung in Erfahrung zu bringen, Aktionslisten zu führen und deren Erledigung zu überwachen. Mit dem so genannten Plan-Do-Check-Act-Zyklus (PDCA) lassen sich Fortschritte erzielen und Verbesserungen im Vorgehen einbringen, wenn dieser für jeden Schritt angewendet wird: planen, umsetzen, das erzielte Ergebnis mit dem geplanten abgleichen, bei Abweichungen korrigieren und dies für die Planoptimierung nutzen.

2. Prozesse

Veränderungen greifen in die bestehenden Prozesse ein und können nur so viel bewirken, wie die realen Abläufe im Unternehmen zulassen. Deshalb sind die Kernprozesse der Wertschöpfung, die Management- und die Unterstützungsprozesse die Grundlage für Change-Projekte. Eine Voraussetzung für Veränderungen sind dabei Prozesse, die vor allem auch quer zu Bereichen, Abteilungen und Divisionen laufen mit übergreifenden Zuliefer- oder Abnahmefunktionen – die also eine flexible Zusammenarbeit unterschiedlicher Stellen zulassen und fördern.

In der Realität sind Prozesse oft in dicken Ordnern aufgezeichnet, die in den Schränken verstauben. Für die Umsetzung sind sie viel zu komplex; sie zu steuern wird unmöglich und auch bei Mitarbeitern rufen sie kaum Optimismus hervor. Mitarbeiter sind dann eher froh, wenn sie im Alltag trotz der Komplexität zufriedenstellende Ergebnisse erreichen. Gerade darin unterstützen sie solche Prozesse nicht. Überkomplexe und undurchsichtige Prozesse bremsen deshalb Veränderungsenergie. Aufgabe des Change Managements ist es dann, zunächst den Ausweg aus dieser Prozessfalle zu finden.

3. Kommunikation

Zentrale und dezentrale Kommunikationsveranstaltungen sind wichtig, doch muss dort auch ein produktiver Dialog stattfinden. Gerade im Veränderungsumfeld ist das nicht selbstverständlich. Das Herzstück der Kommunikation ist und bleibt der tägliche Kontakt der Mitarbeiter mit ihrer direkten Führung. Insbesondere in einer Phase der Destabilisierung und Irritation – so werden die meisten Veränderungen an einem bestimmten Punkt empfunden – gibt der direkte Dialog Orientierung und kurzfristige Sicherheit. Ausgerechnet dann reduzieren viele Organisationen die Kommunikation, aus Unachtsamkeit oder eigener Unsicherheit der Führung. Das vergrößert wiederum Unsicherheit und Veränderungsresistenz bei Mitarbeitern, fast immer mit verheerenden Folgen für das Projekt. Nicht umsonst ist Kommunikation auch ein zentraler Grundsatz im Change Management.

Eine solche Situation lässt sich vermeiden: Als Kommunikations-Baustein und Frühwarnsystem in Veränderungsprozessen können sogenannte „Sounding Boards“ (Resonanzböden) dienen. In eigens eingerichteten Gesprächsrunden wird sozusagen der „Klang“ im Unternehmen verstärkt und so für die Führung hörbar. In diesen Runden soll offen über die Lage der Organisation und ihrer Mitarbeiter gesprochen werden: Was läuft gerade, wo gibt es Lücken oder Verwerfungen? Die Bewertung der Lage und die Stimmung kommen auf den Tisch.

4. Führung

Veränderungen brauchen außerdem die Unterstützung aller Managementebenen, vor allem der untersten. Hier kann aber auch schnell eine Veränderungsbarriere entstehen, gerade weil auf dieser Ebene oft mehr fachliche Expertise als Führungsexpertise vorhanden ist. Kernfrage: Nehmen die Führungskräfte ihre Rolle als Teil des Managements an und setzen sie sich für die Veränderungen ein, oder verhalten sie sich letztlich als Interessenvertreter der Mitarbeiter? Als Manager müssen sie auch das Risiko eingehen, von Mitarbeitern nicht gemocht zu werden, wenn Entscheidungen notwendig, aber unbeliebt sind.

Dabei können sie ihren Mitarbeitern Angebote für fachlichen und auch persönlichen Austausch machen, zum Beispiel in regelmäßig offenen Diskussionen zu den Fragen, was die Veränderung für jeden einzelnen wirklich bedeutet oder wie das Team danach besser werden kann. Dies funktioniert auch in offenen Gesprächen, in denen Mitarbeiter ihre Befürchtungen formulieren können.

Fazit:

Der Erfolg von Change Management hängt grundsätzlich von Projektmanagement, Prozessmanagement sowie von Kommunikation und Führung ab. Ein realistischer erster Schritt der Veränderung könnte demnach folgerndermaßen aussehen:

  • Für alle verständlich gemacht (Kommunikation)
  • Über alle Führungsebenen angeleitet und gesteuert (Führung)
  • Mit klaren Planungsschritten (Projektmanagement)
  • Gleichzeitig transparentes Vorgehen in einem strukturierten Ablauf (Prozessmanagement)

Lesen Sie im Management-Handbuch

  • Change Management: Veränderungen im Unternehmen planen und umsetzen [17]
  • Projektmanagement: Wichtige Methoden und Werkzeuge [18]
  • Prozessmanagement: Prozesse planen, gestalten und optimieren [19]
  • Projektkommunikation: Über das Projekt informieren und den Dialog mit Betroffenen führen [20]
  • Konsequent Führen: Die wichtigen Aufgaben der Führungskraft [21]

Mit Cloud Computing und Virtualisierung Energie sparen

Nur die wenigsten Unternehmen bedenken, dass die IT-Ausstattung der größte Energiefresser ist. Angefangen bei der Wahl des Arbeitsplatzrechners bis hin zum Internetserver: Die IT-Infrastruktur ist der beste Hebel, um die Energiekosten im Unternehmen langfristig zu senken. Wer Tausende Euro pro Jahr spart, den treffen steigende Energiepreise weniger hart.

Einsparpotenzial bei Arbeitsplätzen

Ein durchschnittlicher PC-Arbeitsplatz verbraucht pro Jahr 201 Kilowattstunden (KWh) Strom. Das hat die BITKOM-Studie „Ressourceneffiziente Arbeitsplatz-Computerlösungen 2020“ ergeben. Ein Mini-PC benötigt nur 74 KWh und damit weniger als die Hälfte. Dabei ist er für die üblichen Büroanwendungen ebenso geeignet wie ein herkömmlicher PC. Noch energiesparender sind Notebooks mit 65 KWh Jahresverbrauch. Am besten schneiden mit 43 KWh sogenannte Thin Clients ab, auf denen sich keine Programme mehr befinden. Bei einem Gewerbestrompreis von rund 21 Cent wird schnell deutlich: Schon bei 100 KWh Unterschied im Stromverbrauch sparen Unternehmen pro Arbeitsplatz und Jahr rund 21 Euro. Bei 50 Mitarbeitern sind das 1.050 Euro, bei 500 Mitarbeitern schon 10.500 Euro.

Vor einer Neuanschaffung sollten Unternehmen den Energieverbrauch ihrer Computerausstattung ermitteln und in ihrer Entscheidung funktional vergleichbare und energieeffizientere Geräte wie Mini-PCs oder Notebooks berücksichtigen. Diese sind zudem platzsparend, geräuscharm und energie- beziehungsweise materialsparend. Bei der Auswahl der Geräte sind Energie-Labels wie der EU Energy Star [22] , die EU-Blume [23] oder der Blaue Engel [24] eine gute Orientierungshilfe.

Virtualisierung und Cloud Computing können helfen

Wenn beispielsweise im Rechenzentrum des Providers Virtualisierungstechniken eingesetzt werden, kann der Energieverbrauch erheblich reduziert werden. Bei der Virtualisierung ersetzt ein leistungsstarker Server mehrere physische Server. Zusätzlich werden manche Komponenten erst bei Bedarf gestartet oder deren Leistung verstärkt. In großen Rechenzentren laufen auf einem physischen Server bis zu 64 Anwendungen, die normalerweise einen eigenen Server benötigen würden. Dies senkt nicht nur die Hardwarekosten, sondern pro Anwendung auch den Energieverbrauch um zirka 15 bis 20 Prozent gegenüber dem Betrieb eines eigenen Servers. Eine der Hauptursachen von Stromverschwendung sind auch Server, die weiterlaufen, obwohl sie seit Jahren nicht mehr benutzt werden. Das kann zum Beispiel der firmeneigene Mailserver sein, der längst extern vom Provider betrieben wird.

Außerdem kann es sich auch für kleine Betriebe lohnen, auf Cloud Computing zu vertrauen und die jeweils benötigte Rechenleistung, Speicherkapazitäten und Software über das Internet zu beziehen. So kann je nach Bedarf aufgestockt werden und das ist weitaus günstiger, als diese Leistungen fest einzukaufen. Das mögliche Einsparpotenzial kann mit Cloud-Rechnern im Internet berechnet werden.

Hinweis

Wer Unterstützung bei der Auswahl eines so genannten Grünen Providers sucht, kann beim Forschungsprojekt „Green Software Engineering“ [25] der Fachhochschule Trier nachsehen. 

Tipps zum Energiesparen für Unternehmen

  1. Achten Sie bei der Auswahl des Internet-Providers darauf, dass dieser den Stromverbrauch Ihrer Server nicht mit einem Pauschalpreis berechnet, sondern verbrauchsabhängig.
  2. Entscheiden Sie sich bei der Neuanschaffung von Computern und Monitoren für funktional vergleichbare und energieeffiziente Geräte wie zum Beispiel Mini-PCs oder Notebooks. Diese sind für die üblichen Office-Anwendungen ebenso geeignet wie ein großer Arbeitsplatzrechner – platzsparend, geräuscharm, energie- und materialsparend.
  3. Eine hilfreiche Orientierung bei der Geräteauswahl bieten anerkannte Zertifizierungen wie etwa der EU Energy Star, die EU-Blume, der Blaue Engel oder das Energie-Label der Group of Energy Efficient Appliances (GEEA). Fallen Sie dabei nicht auf selbstgebastelte Zertifikate und unseriöse Label herein!
  4. Prüfen Sie Ihre Netzwerkkomponenten, denn durch schlaue Schnittstellen, die sich automatisch in den Schlafmodus versetzen, lässt sich bis zu 70 Prozent Energie sparen.
  5. Weniger physische Server sparen nicht nur Geld für die Hardware, sondern gleichzeitig auch Strom. Setzen Sie daher lieber auf Virtualisierungskonzepte, bei denen mehrere Anwendungen auf einem Server laufen können.
  6. Wenn Sie ein eigenes Rechenzentrum oder einen eigenen Server im Haus betreiben, sollten Sie großen Wert auf sinnvolle Klimatisierungs- und Belüftungskonzepte legen.
  7. Stellen Sie sicher, dass Server, die nicht mehr benötigt werden, auch als solche identifiziert werden. Wohl eine der Hauptquellen von Stromverschwendung sind Server, die laufen, obwohl darauf schon seit Jahren keine einzige Applikation mehr aktiv ist. Beispiele: alte Testumgebungen, der Mailserver, dessen Betrieb längst der Provider übernommen hat oder der Groupware-Server mit alter Groupware, die nicht mehr genutzt wird.

Hinweis

Nach einem Bericht des Handelsblatt [26] rechnet der deutsche Mittelstand laut einer Forsa-Studie 2012 mit steigenden Energiekosten.

IT und Datensicherheit 2012

Digitale Identität statt Kreditkartendaten

Digitale Identität ist für Cyber-Kriminelle wertvoller als Kreditkartendaten. In Foren wird es bald einen regen Handel mit persönlichen Informationen geben. Die sozialen Netzwerke basieren allesamt auf Vertrauen in die eigenen Kontakte. Mit einem gestohlenen Login gelangen die Datendiebe an vertrauliche Daten und können diese missbrauchen.

Angriffe über Soziale Netzwerke

Die größte Gefahr droht von einem Konglomerat aus Social-Media-Bekanntschaften, der Nutzung mobiler Geräte und Cloud-Diensten. In der Regel bestehen Angriffe aus mehreren Komponenten. Die Kombination Internet und E-Mail ist ein Klassiker. Im kommenden Jahr werden sich Angreifer vor allem Soziale Medien, mobile Kommunikation und Cloud-Dienste zu Nutze machen, um ihre Opfer zu finden. Es gab bereits erste Fälle von Cyber-Angriffen über die Chat-Applikation in einem Sozialen Netzwerk. Die Täter hatten sich mit gestohlenen Login-Daten Zugang verschafft und den Account missbraucht, um an den richtigen Adressaten ihres Betrugs zu gelangen.

Angriffe auf Smartphones und Tablets

Die Zahl der Angriffe auf Smartphones und Tablets explodiert. Davor warnen die Experten seit Jahren, aber im kommenden Jahr wird dies zu einem Massenphänomen werden: Die Nutzer werden reihenweise Opfer von immer raffinierteren Betrügereien, die ganz gezielt verschickt und eingesetzt werden (Social Engineering Scams). Experten rechnen mit mehr als 1.000 unterschiedlichen Varianten von Schadcode und Attacken auf mobile Geräte.

Problem verschlüsselter Datenverkehr

Verschlüsselter Datenverkehr bereitet der Unternehmens-IT immer mehr Kopfzerbrechen. Der Datenverkehr im Web wird privater, immer mehr getunnelte Verbindungen schützen vor fremden Blicken. Der Grund dafür liegt zum einen in der exponenziellen Zunahme von Tablets und anderen mobilen Geräten, zum anderen verwenden viele Webseiten wie Google, Facebook oder Twitter standardmäßig verschlüsselte Verbindungen (https) und suggerieren dadurch Sicherheit. Für viele Sicherheitssysteme in Unternehmen bringt das einige Probleme mit sich. Weil die verschlüsselten Daten nicht mehr analysiert werden können, stochert die Abwehr hilflos im Nebel.

Datenverkehr nach außen

Jahrelang bestand die Sicherheitsstrategie von Unternehmen ausschließlich darin, Malware und Cyber-Attacken gar nicht erst eindringen zu lassen. Niemand beschäftigte sich damit, seine eigenen Daten daran zu hindern, das Unternehmen zu verlassen. Mittlerweile denken einige Firmen um. Immer öfter liegt der Fokus auch auf der intelligenten Kontrolle des Datenverkehrs nach draußen. Damit wird der Abfluss von Informationen verhindert und der Schaden begrenzt, wenn es zu einem Angriff gekommen ist.

Angreifer tarnen sich besser

Die Olympischen Spiele in London, der Präsidentschaftswahlkampf in den USA, Verschwörungstheorien – Menschen interessieren sich für viele Dinge. Das nutzen Cyber-Angreifer aus und springen auf jeden Zug auf, der interessant erscheint. Das ist nichts Neues. Aber in Zukunft werden die Angreifer an Stellen zuschlagen, an denen die Nutzer nicht damit rechnen: Gefälschte Nachrichtenseiten, die von echten kaum zu unterscheiden sind, Facebook-Statusmeldungen und Twitter-Tweets, Xing-Kommentare und YouTube-Links – es gibt nichts, was nicht missbraucht wird. Vor allem bei angeblich außergewöhnlichen Nachrichten, die auf diesen Wegen verbreitet werden, sollte man besser zwei Mal hinschauen und sich nicht täuschen lassen.

Gefälschte Antiviren-Software

Sogenannte Scareware, also das Vorgaukeln einer Gefahr verbunden mit dem Angebot einer (kostenpflichtigen) Lösung und gefälschte Antiviren-Software, die angeblich Schadprogramme findet und (gegen Gebühr) entfernt, wird 2012 ein neues Hoch erleben. Allerdings nimmt die Bedrohung neue Formen an. Statt eines einfachen Banners mit dem Titel „Ihr Computer ist infiziert“ wird es im kommenden Jahr vor allem diese drei Szenarien gehen: Gefälschte Software für die Registry-Bereinigung, für die Systembeschleunigung und für Backup-Lösungen in der Cloud, die vorwiegend bekannte Anbieter imitieren.

Compliance in der IT

Es ist nicht verwunderlich, dass das Thema Com­­pliance längst nicht mehr nur Gegenstand von Fachpub­likationen ist, sondern sogar den Weg in die Tagespresse findet. Als Ursache dieser Entwicklung beklagen viele Unternehmen eine ständig zunehmende Zahl an Vorgaben aus Gesetzen, Verordnungen, Normen und Standards. Unternehmen aller Größenordnungen laufen dadurch Gefahr, aus Unkenntnis gegen Regeln zu verstoßen. Das zu vermeiden ist Zielsetzung der Corporate Com­pliance, im IT-Bereich speziell der IT-Compliance.

Compliance-Begriff

In einem allgemeinen, grundlegenden Verständnis ist ein Unternehmen „compliant“, wenn es in seiner Geschäftstätigkeit bestimmte relevante Vorgaben befolgt. Neben dem Begriff der Befolgung wer­den auch die Begriffe Über­ein­stim­mung, Ein­hal­tung, Konformität, Erfüllung oder Entsprechung ver­wen­det. Wel­che Vorgaben relevant sind, ist einerseits unter­neh­mensextern vorgegeben, andererseits selbst ge­wählt.

Stichwort

Compliance liegt demnach vor, wenn alle für das Unter­neh­men ver­bindlich vorge­gebe­nen beziehungsweise als verbindlich akzeptierten Vorgaben nachweislich ein­ge­halten werden. Eine besondere Bedeutung kommt dabei der nicht nur potenziellen, sondern faktischen Nachweisbarkeit zu.

Nachweisbarkeit ist notwendig, um sich im Verdachts- und Streitfall aus der Affäre ziehen zu können. Notwendige Voraussetzung für die Nachweisbarkeit ist eine lückenlose Dokumentation der Erfüllung von Vorgaben. Doku­men­tationspflichten sind zu­dem auch ohne explizite Rege­lung erfor­derlich, um den zentralen Management­anforderun­gen der Trans­pa­renz und Kon­trolle zu ge­nügen.

So­fern die Vorgaben aus Gesetzen stammen, bedeutet dies, dass sich Un­ter­neh­men an geltendes Recht zu halten haben – was eigent­lich eine Selbst­ver­ständ­lich­keit sein sollte. Neben Gesetzen, oder besser Rechts­nor­men, hat ein Unter­nehmen jedoch auch weitere Vorgaben aus unter­schied­lichen Regel­werken zu beachten. Diese er­strecken sich auf Verträge, die die rechtlichen Vorgaben er­gän­zen, sowie auf unterneh­mens­interne und -externe Regelwerke. Die unternehmensexternen be­in­halten vor allem DIN- und ISO-Normen und -Standards. In Bezug auf die IT können das zum Beispiel CMMI, ITIL und Cobit sein. Diese können für ein Unternehmen genauso von exis­tenzieller Be­deu­tung sein wie die Befolgung gesetzlicher Vorgaben.

Vor allem gilt das für Standards, die sich in einer Branche durch­gesetzt haben und hier somit eine grundlegende Voraussetzung für die Ge­schäfts­tätigkeit darstellen. Bei­spiele für unternehmensinterne Regelungen aus dem IT-Bereich sind in­terne IT-Richtlinien oder IT-Verfahrensvorgaben zur IT-Sicherheit, also zum Beispiel IT-Sicher­heits­vor­schriften, E-Mail-Richtlinien und Regelungen zum Umgang mit Pass­wörtern. Aber auch zwischen der IT-Abteilung und den Fach­ab­tei­lun­gen vereinbarte Service Level Agreements zählen zu dieser Gruppe. Interne Regelwerke sind aus zweierlei Hinsicht relevant für die Compliance: Zum einen dienen sie in vielen Fällen dazu, die Beachtung der Anfor­de­run­gen aller anderen Re­gelwerke sicherzustellen, indem sie konkrete Hand­lungs­an­weisungen für die Organi­sations­mitglieder vorgeben. Hierdurch dokumen­tieren sie zum anderen nach außen, dass externen Verpflichtungen, ins­be­sondere rechtlichen Vorgaben, nachgekommen wird.

Quellen von Compliance-Vorgaben. Quelle: SAPERION

IT-Compliance

Als Spezialisierung des allgemeinen Compliance-Begriffs bezeichnet IT-Com­pliance einen Zustand, in dem alle für die IT des Unternehmens rele­van­ten Vorgaben nachweislich ein­ge­halten werden. Hierbei ist es unerheblich, ob die IT-Leistungen ausschließlich unter­neh­mensintern oder (teilweise) durch externe IT-Dienstleister – zum Beispiel im Rahmen von Entwicklungs-, Hosting-, Out­sourcing­-Verträgen – erbracht werden. Eine weitere Sichtweise ver­steht IT-Compliance als Einsatz von Soft- und Hardwareprodukten, mit deren Hilfe die Einhaltung von Regelwerken sichergestellt werden kann. In diesem Sinne handelt es sich um „IT-ge­stützte Compliance“. 

IT-Com­pliance betrachtet die IT als Träger von Compliance-Anfor­de­run­gen. Bei dieser Sichtweise stellen sich beispielsweise folgende Fragen:

  • Welche Rechtsnormen und sonstigen Regelwerke sind für die IT des Unternehmens relevant?
  • Welche IT-gestützten Prozesse und Anwendungen sind betroffen und welche Anfor­de­run­gen sind von ihnen zu erfüllen?
  • Welche Risiken resultieren in welcher Höhe aus fehlender oder mangel­hafter Compliance der IT?
  • Welche Compliance-Anforderungen haben die einzelnen Bereiche der IT (Infrastruktur, Datenhaltung, Betrieb, Prozesse) zu erfüllen?
  • Welche technischen, organisatorischen und personellen Maßnahmen sind für die Gewährleistung von IT-Compliance zu ergreifen?

IT-gestützte Compliance bedeutet, dass IT als Mittel zum Erreichen von Com­pliance genutzt wird. Bei dieser Sichtweise stellen sich etwa folgende Fragen:

  • Welche Compliance-Anforderungen haben die Geschäftsprozesse zu er­füllen?
  • Welche Compliance-Anforderungen kann eine spezifische Hard- oder Software adressieren?
  • Welche Hard- oder Softwarelösung ist für die Erfüllung der Compliance-Anfor­de­run­gen am besten geeignet?
  • Wie sind die verfügbaren Compliance-Tools aufeinander abzustimmen?

Es ist offensichtlich, dass beide Sichtweisen ineinandergreifen und inso­fern beide notwendig sind, um Compliance im Allgemeinen und IT-Compliance im Speziellen zu erreichen. Im Ergebnis liegt eine (auch) IT-gestützte Com­pliance vor.

Nutzen von IT-Compliance

Neben der selbstverständlichen Pflicht zur Erfüllung gesetzlicher Vor­schrif­ten soll IT-Com­pliance ein Unternehmen vor allem vor wirtschaftlichen Nach­teilen als Folge von Rechts­ver­letzungen bewahren. Es sollen insbeson­dere Schadens­er­satz­pflichten, Stra­fen, Buß- und Zwangs­gelder, aber auch erhöhte Steu­er­zahlungen nach Schätzungen des Finanzamts ver­mie­den werden. So kann ein Schaden entstehen, wenn ein Unter­nehmen im Rahmen einer ge­richt­lichen Auseinandersetzung wichtige Daten und Dokumente nicht vorlegen und damit seiner Beweispflicht nicht nach­kommen kann.

Zusätzlich zu mone­tären Schäden ist ein poten­ziel­ler Image­schaden von Bedeutung. Dieser kann sich leicht ein­stellen, wenn etwa gegen Daten­schutz­normen verstoßen wird oder Kunden­daten miss­braucht werden. Die Folgen können nega­tive Publicity, Nach­teile bei der Vergabe öffentlicher Auf­träge oder gar Kun­den­ab­wan­derungen sein. Neben dieser Schutzfunktion, die auf die Ver­mei­dung von Nachteilen zielt, ist IT-Compliance mit folgenden Vorteilen verbunden:

Wertbeitrag

Wenn die IT-Abteilung eines Unternehmens ihre Compliance nach­wei­sen kann, führt dies auf vielfältigen Wegen zu einer Erhöhung des Unter­nehmens­wertes. Erweisen sich be­stimmte Standards (zum Beispiel Sicherheits­zerti­fika­te) als Markteintrittsbarrieren, ist der Wert­bei­trag offensichtlich. Ohne die Konformität zu derartigen externen Vorgaben könnten Um­satz­chan­­cen nicht genutzt werden. Andererseits kann mangelnde IT-Com­pliance zu Ab­­schlägen bei der Bestimmung des Unternehmenswertes im Falle von Unternehmens­trans­aktionen führen, wenn sich während einer Due-Dilli­gence-Prüfung IT-Compliance-Risiken offenbaren.

IT-Qualität

Viele Maßnahmen zur Herstellung von IT-Compliance tragen zu einer höhe­ren Qualität von IT-Prozessen bei, insbesondere durch eine höhere Transparenz. Diese führt zu einer verbesserten Steue­rungsfähigkeit, aber auch Auditierbarkeit der IT.

IT-Sicherheit und IT-Risiken

Maßnahmen der IT-Compliance, die die Ordnungsmäßigkeit des IT-Be­triebs sicherstellen, adressieren zu einem hohen Anteil die IT-Sicher­heitsziele der Vertraulichkeit, Verfüg­barkeit und Integrität. Hieraus resul­tieren Nutzenpotenziale für die IT-Sicher­heit. Glei­ches gilt für das IT-Risiko­manage­ment.

IT-Kosten

Kosteneinsparungen resultieren unter anderem aus der Automatisierung manueller Ar­beits­abläufe (beispielsweise bei der Über­wachung oder im Reporting), geringeren Kosten in der IT-Ad­ministration und -War­tung oder bei der Durchführung von Prüfungs­handlungen.

IT-Compliance-Prozess

Durch die Fülle von Rechtsnormen und sonstigen Regelwerken sowie die heu­te fast durch­gängige IT-Unter­stützung aller Unternehmensprozesse sind Compliance-Anfor­derun­gen nicht mehr lediglich auf steuerliche oder daten­schutzrechtliche Belange be­grenzt. Vielmehr geht es darum, dass die gesamte geschäftliche Tätigkeit eines Unternehmens „compliant“ mit ver­schie­densten Rege­lungen sein muss. Hierzu ist es notwendig, einen Überblick über die rele­vanten Compliance-Anforderungen zu gewinnen:

  1. Die Identifizie­rung von Compliance-relevanten Regelwerken sowie die Ab­leitung und Doku­men­ta­tion der Compliance-Anforderungen, die vom Unter­nehmen mit gegebenenfalls unter­schied­licher Priorität einzu­halten sind. Sie bilden den ersten und wich­tigsten Auf­gaben­bereich eines IT-Com­pliance-Prozesses.
  2. Die Schaffung einer betrieblichen Organisation von Prozessen, Verfah­rens­rege­lungen, Delegationen und möglichst weitgehend automa­ti­sier­ten Kontrollen zur Über­wachung der Einhaltung aller Anforderungen der IT-Compliance
  3. Die Information aller in irgendeiner Form im Hinblick auf die be­ste­hen­den Ver­pflichtungen handelnden Betriebsangehörigen und gegebenfalls ent­spre­chend ein­gesetzter Dritter über die einzuhaltenden Regelungen
  4. Die Dokumentation der Information und der Organisation und insbe­son­dere deren Überwachung
  5. Die Einrichtung eines Change Managements zur Reaktion auf neue Ent­wicklungen der Anforderungen, zum Beispiel innerhalb der aktuellen Recht­spre­chung oder erkannter Compliance-Schwach­stellen und -Risiken.

Beispiel: Elektronische Personalakte

Wer die Dokumente einer Personalakte in einem elektronischen Archiv beziehungsweise Dokumentenmanagementsystem verwalten möchte, muss sich sowohl um die Aspekte des Bundesdatenschutzgesetztes (BDSG) als auch um die Regeln der Grundsätze ordnungsmäßiger DV-gestützter Buchführungssysteme kümmern. Persönliche Daten sind besonders schützenswert, daher muss pro Information genau definiert werden, wer auf welche Daten welchen Zugriff erhält. In der Regel verfügt nur der direkt verantwortliche Personalmitarbeiter über den vollen Lesezugriff, zeitlich begrenzt erhält der Vorgesetzte nur auf einen Teil der Daten Zugriff.

Jeder Zugriff und jede Änderung muss vom System zum Nachweis protokolliert werden, auch wenn ein Dokument exportiert wird. Die Dokumente müssen je nach Typ unterschiedlich lange aufbewahrt und auch unbedingt vernichtet werden, wie zum Beispiel die Abmahnung nach spätestens vier Jahren, meist jedoch schon nach zwei Jahren.

Bezüglich der Aufbewahrung fordern die Grundsätze ordnungsmäßiger DV-gestützter Buchführungssysteme (GoBS) – um einige Anforderungen zur Vermeidung von Verlusten und Manipulationsmöglich­keiten zu nennen – dass Dokumente zeitnah in das Archivsystem  überführt werden müssen. Wird ein archiviertes Dokument geändert, muss es als neue Revision abgelegt, das heißt das Original muss unverändert aufbewahrt werden. Damit die Dokumente zu Prüfzwecken wiedergefunden werden können, müssen sie nach entsprechenden Ordnungskriterien indiziert werden.

Die GoBS fordern das Erstellen einer Verfahrensdokumentation zur Beschreibung aller Prozesse, sowohl der organisatorischen als auch der technischen. Ohne diese Dokumentation darf ein Steuerprüfer und auch der Finanzbeamte nicht mit seiner Arbeit beginnen.

Facebook, Google + und Linkhaftung bei Social Media

Der breiten Öffentlichkeit ist kaum bekannt, dass mit dem Teilen fremder Aussagen – etwa bei Beleidigungen – unter bestimmten Voraussetzungen auch für den Teilenden das Risiko einer rechtlichen Verantwortlickeit bestehen kann, wenn die ursprüngliche Aussage selbst Rechte Dritter verletzten. Bei nüchterner Betrachtung ist es auch grundsätzlich nachvollziehbar, dass mit der Weiterverbreitung unwahrer oder rufschädigender Äußerungen auch der (Ruf-)schaden größer wird. Insoweit kann sich der „teilende“ Nutzer allein mit dem Hinweis, die Aussage stamme ja nicht von ihm, nicht gänzlich aus der Verantwortung ziehen.

Die Frage der sogenannten Verbreiterhaftung ist im Bereich der „alten Medien“ nichts Neues. Es ist nur logisch, dass sich diese Frage in den Sozialen Medien, in denen jeder Internetnutzer in der Lage ist, eigene Inhalte zu publizieren und auch fremde Inhalte zu „sharen“, fortsetzt. Insoweit ist für jeden Nutzer von Social Media relevant geworden, wann ihn durch das Teilen von Inhalten auch eine rechtliche Verantwortlichkeit für die fremden Aussagen treffen kann.

Grundsätze der Linkhaftung

Die Gerichte werden bei entsprechenden Fragen derzeit wohl die Grundsätze der Linkhaftung zugrunde legen. Trotz offensichtlichem Regelungsbedarf wurde bei der Einführung des Telemediengesetzes (TMG) keine gesetzliche Regelung zur Frage der Haftung für Links aufgenommen. Daher sind die Grundsätze heranzuziehen, die im Wege der richterlichen Rechtsfortbildung von einzelnen Gerichten entwickelt worden sind.

Die Gerichte gehen bei Links auf fremde Inhalte davon aus, dass auch der Linksetzende zur Unterlassung verpflichtet werden kann, wenn er sich die fremde Aussage „zu eigen“ gemacht hat. Entscheidend ist also, in welchem Kontext der Linksetzende den Link gestellt hat. Wer beispielweise bei Facebook einen Inhalt teilt und mit einem Kommentar wie „Schaut mal hier, wie interessant“ versieht, kann wegen eines „Zu-Eigenmachens“ gegebenenfalls selbst in Anspruch genommen werden, wenn der verlinkte Inhalt Rechte Dritter verletzt.

Umgekehrt kann der Linksetzende für denselben Link nicht verantwortlich gemacht werden, wenn er sich durch seinen eigenen Kommentar zum geteilten Inhalt davon distanziert. Der Kommentar „Schaut mal hier, wie abwegig“ wird in der Regel aus einem Haftungsrisiko herausführen. Auch wenn diese Grundsätze der Linkhaftung, die wohl auf Fragen der rechtlichen Verantwortlichkeit beim „Sharing“ übertragen werden müssen, zu Unwägbarkeiten führt, muss sich die rechtliche Betrachtung der Risiken derzeit daran orientieren.

Beispiel-Urteil:
Vom Landgericht (LG) Berlin (Az. 27 O 190/10) wurde eine Verantwortlichkeit einer Webseite angenommen, weil sie einen fremden RSS-Feed eingebunden hatte. In diesem war der Klägerin unterstellt worden, mit einem bekannten Sportler ein Verhältnis gehabt zu haben. Der Webseitenbetreiber habe sich, so das LG, mit der Einbindung des RSS-Feeds auch dessen Inhalte zu eigen gemacht und könne sich nicht darauf berufen, die Aussagen nicht selbst getätigt zu haben.

Falsche Aussagen über Produkte oder Unternehmen

Eine Inanspruchnahme des teilenden Nutzers wegen eines „Zu-Eigenmachens“ der Aussagen eines Dritten kommt freilich immer nur dann in Frage, wenn der geteilte Inhalte tatsächlich die Rechte Dritter verletzt. In diesem Zusammenhang sind Verletzungen verschiedener Rechtsgüter denkbar. Neben den oben erwähnten Beispielen von Persönlichkeitsrechtsverletzungen oder Wettbewerbsrechtsverstößen kommen auch Verletzungen von Datenschutzrechten in Betracht.

Denkbar ist auch, dass die Weiterverbreitung von falschen Aussagen über Produkte oder Unternehmen als unzulässiger Eingriff in den eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb oder sogar als Markenverletzung gewertet wird. Wer entsprechend rechtsverletzende Inhalte teilt, kann nach Maßgabe der oben stehenden Grundsätze zur Linkhaftung zumindest auf Unterlassung in Anspruch genommen und damit auch kostenpflichtig abgemahnt werden.

Auch wenn sich etwaige rechtliche Maßnahmen in der Regel erst einmal gegen den ursprünglichen Poster richten, kann in bestimmten Konstellationen auch der teilende Nutzer in den Fokus geraten. Zum Beispiel, wenn der ursprüngliche Autor im Ausland weilt und nur schwer zu erreichen ist. Oder wenn gerade der geteilte Inhalt bei spezifischen Suchworten gut bei Google & Co. gelistet ist. Hier wird derjenige, dessen Rechte verletzt sind, daran interessiert sein, auch gegen den teilenden Nutzer vorzugehen.

Fazit und Praxistipps

Wer rechtsverletzende Inhalte über Facebook, Google Plus und Co. teilt, kann abgemahnt werden, wenn er sich die jeweilige Aussage des Dritten „zu eigen“ macht. Ob dies der Fall ist, muss regelmäßig auf die Umstände des Einzelfalls, vor allem auf den Kontext, in dem das „Sharing“ steht, abgestellt werden. Wer entsprechende (Abmahn-)risiken vermeiden will, sollte darauf achten, keine Inhalte zu teilen, die Rechte Dritter verletzen (könnten). Insoweit lohnt es sich, den Haftungsaspekt vor einem zu schnellen Teilen kritischer Inhalte zu reflektieren.

Noch mehr Sicherheit böte die Aufnahme eines Hinweises, der eine individuelle Distanzierung von dem Inhalt des geteilten Beitrags zum Ausdruck bringt. Eine pauschale Distanzierung, so wie man sie im Hinblick auf die allgemeine Linkhaftung im jeweiligen Disclaimer vieler Webseiten sieht, bringt hingegen nichts. Es kommt stets darauf an, inwieweit sich der teilende Nutzer den individuell geteilten Inhalt „zu eigen macht“ beziehungsweise sich davon distanziert.

Wer die dargestellten Grundsätze kennt, kann bewusster und sicherer mit den Möglichkeiten von Social Media umgehen. Die Erfahrung zeigt, dass für den Umgang mit Social Media jedoch eine gewisse Medienkompetenz erforderlich ist, die eben auch eine bestimmte Kenntnis der (urheber-)rechtlichen Implikationen beinhaltet.

Haftung bei Content über Facebook und Social Media

Wie Fälle in der Praxis zeigen, passen zahlreiche rechtliche Grundsätze nicht (mehr) zu der Welt der Sozialen Medien beziehungsweise können einige Problemstellungen nicht wirklich interessengerecht lösen. Hinzu kommt, dass sehr vielen Nutzern von Plattformen wie Facebook, Google+ und Co. die entsprechenden rechtlichen Rahmenbedingungen gänzlich unbekannt sind und – nach wie vor – auch viele falsche Interpretationen kursieren. 

Auch wenn hinsichtlich der Haftungsrisiken beim Thema „Weiterverbreiten von Inhalten“, dem sogenannten Sharing, rechtlich Einiges noch nicht abschließend geklärt ist, lassen sich mit der entsprechenden Sachkenntnis doch einige rechtliche Probleme vermeiden. Tatsächlich stellen sich im Hinblick auf das weit verbreitete Sharing von Inhalten einige urheberrechtliche Fragen, wenn Nutzer fremde Inhalte wie etwa Fotos auf Facebook ohne Zustimmung des Urhebers teilen. Problematisch kann auch das Weiterverbreiten von rechtsverletzenden Aussagen sein.

Der nachfolgende Beitrag soll deshalb darüber aufklären, inwieweit ein Nutzer für das Weiterverbreiten fremder Inhalte haftbar gemacht werden kann und wie entsprechende Risiken reduziert werden können.

Haftungsrisiken beim Sharing von Bildern und Videos

Plattformen wie Facebook oder Google+ zielen darauf ab, interessante Inhalte anderer Webseiten oder Blogs einfach und ohne weitergehende technologische Hürden an den begrenzten Kreis eigener Kontakte („Freunde“) oder öffentlich weiterzugeben. Oft genügt ein Klick, um fremde Texte, Bilder oder Videos zu teilen. Was bei dieser praktischen Sharing-Funktion allerdings oft nicht bedacht wird, ist die rechtliche Perspektive. 

Ein zentraler Aspekt, der auf Grundlage der aktuellen rechtlichen Rahmenbedingungen zu Haftungsrisiken führen kann, ist die folgende urheberrechtliche Fragestellung: Darf der jeweilige Inhalt – problematisch vor allem bei Bildern oder Videos – überhaupt an anderer Stelle veröffentlicht werden? Dienste wie Facebook oder Google+ übernehmen bei Empfehlung einer interessanten Webseite in der Regel auch Bilder oder Videos, oft in Form von Miniaturansichten, so genannten Thumbnails. Dies ist auf Grundlage der herrschenden Rechtsprechung in Deutschland,  jedenfalls bei Bildern und Videos, urheberrechtlich durchaus problematisch.

An dieser Stelle soll es nicht um das Auslösen einer unnötigen Verunsicherung gehen. Das Risiko, allein wegen des Sharings in Anspruch genommen zu werden, ist faktisch relativ gering, weil entsprechende Rechtsverletzungen, jedenfalls derzeit, oft nicht verfolgt werden. Dennoch kommen in der Praxis einzelne rechtliche Auseinandersetzungen immer wieder vor. Darüber hinaus zeigen die diskutierten Fragen, wie – gerade im urheberrechtlichen Bereich – die gesetzlichen Grundlagen und die Lebenswirklichkeit vieler Internetnutzer auseinanderfallen.

Ein Linkhinweis ist keine ausreichende Quellenangabe

Zahlreiche Inhalte im Internet sind urheberrechtlich geschützt. Während bei Texten erst das Vorliegen der notwendigen Schöpfungshöhe zu entsprechendem Schutz des Inhalts führt, sind Fotos per Gesetz immer urheberrechtlich geschützt. Auch bei Videos wird man in aller Regel von einem entsprechenden Schutz ausgehen können. Dies führt dazu, dass allein dem Urheber die wesentlichen Verwertungsrechte zustehen und dessen Inhalte auch grundsätzlich nur mit dessen Zustimmung im Internet veröffentlicht werden können. 

Was also gilt, wenn durch das Teilen auf Facebook das Bild eines Fotografen ohne dessen Zustimmung auf der Plattform veröffentlicht wird? Während Facebook, Google+ und Co. beim Sharing von Texten nur kurze Auszüge übernehmen, denen jedenfalls im Regelfall für sich alleine keine Schutzfähigkeit mehr zukommen dürfte (Ausnahmen sind denkbar), stellen sich bei der Veröffentlichung fremder Bilder oder Videos, zum Beispiel in der eigenen „Timeline“ bei Facebook, durchaus urheberrechtliche Fragen.

Anknüpfend an den Beschluss des Landgerichts Berlin (Az. 15 O 103/11) ist davon auszugehen, dass der teilende Nutzer als „Herr des Angebots“ der eigenen Facebook-Seite angesehen wird und insoweit grundsätzlich für selbst eingestellte Inhalte unmittelbar verantwortlich gemacht werden kann. Das Landgericht hatte in einer vergleichbaren Konstellation geurteilt: Der Teilende würde sich das Bild, um das es in der Auseinandersetzung ging, „zu eigen machen“ und damit das Exklusivrecht des Urhebers auf öffentliche Zugänglichmachung verletzen. In diesem Zusammenhang haben die Richter auch festgestellt, dass etwaige Haftungsprivilegierungen aus dem Telemediengesetz (TMG) in entsprechenden Fällen nicht eingreifen.

Und tatsächlich: Eine legitimierende Zustimmung des Urhebers zum Teilen „seiner“ Inhalte auf Facebook und Co. kann nicht ohne Weiteres angenommen werden. Die reine Veröffentlichung im Internet führt wohl nicht dazu, dass deshalb jeder Nutzer einer Social-Media-Plattform geschützte Inhalte beliebig weiter veröffentlichen darf. Ob man die diskutable Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH) zur Bildersuche bei Google hier entsprechend anwenden kann, erscheint mehr als fraglich.

Die Tatsache, dass viele Facebook-Nutzer dieses Risiko nicht sehen, resultiert häufig aus dem Irrglauben, die Veröffentlichung sei ja nur eine Art Zitat. Teilweise wird auch einfach der US-amerikanische Rechtsgedanke des „Fair Use“ übertragen, der jedoch in Deutschland so nicht existiert. Leider wird die Einbindung entsprechender Texte, Bilder oder Videos nur in den seltensten Fällen den gesetzlichen Vorgaben eines Zitats nach deutschem Urheberrecht gerecht. Überdies dürfte der Linkhinweis bei Facebook, Google+ und Co. den Anforderungen an eine hinreichende Quellenangabe nicht genügen.

Stichwort

Ein Zitat erfordert einen spezifischen Zitatzweck, zum Beispiel durch eine eigene geistige Auseinandersetzung mit dem übernommenen Inhalt.

Festzuhalten bleibt: Das Anzeigen fremder Bilder oder Videos, aber auch schutzfähiger Textteile im eigenen „Stream“ bei Facebook, Google+ und Co. hat durchaus urheberrechtliche Relevanz. In den allermeisten Fällen aber wird es bis dato kaum verfolgt und ist deshalb bei Einzelfragen gerichtlich noch relativ ungeklärt. In Zukunft wird von den Gerichten insbesondere zu klären sein, ob das übliche Sharing von Inhalten überhaupt eine urheberrechtlich relevante Nutzungshandlung ist, was kontrovers diskutiert wird und derzeit wohl von der individuellen technischen Gestaltung abhängig gemacht wird. Aufgrund der Tatsache, dass der Nutzer hierauf aber ohnehin keinen Einfluss hat und auch in Bezug auf entsprechende Gerichtsentscheidungen ist ein urheberrechtliches Risikopotenzial aber durchaus gegeben.

Praxistipps und Fazit

Mangels einer klaren rechtlichen Grundlage können die Risiken einer urheberrechtlichen Inanspruchnahme beim Teilen von entsprechend geschützten Inhalten – vor allem Bilder und Videos – nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Auch wenn die nachfolgenden Praxistipps die Bedienerfreundlichkeit und komfortable Nutzung der Sharing-Funktionalitäten einschränken, so lassen sich damit bestehende rechtliche Risiken doch substanziell reduzieren.

1. Einfacher Link statt unmittelbare Einbindung

Immer mehr Gerichte neigen zu der Auffassung, dass einfache Verlinkungen, also ohne (grafische) Einbindung eines Inhaltes, im Grundsatz keine urheberrechtliche Relevanz haben. Der Grund: Bei einfachen Links wird in der Regel kein Eingriff in das Recht auf öffentliche Zugänglichmachung angenommen.

2. Hinzufügen eigener Anmerkungen

Wenn Unternehmen auf das unmittelbare Einbinden fremder Inhalte nicht verzichten wollen, eröffnet sich eine weitere Verteidigungslinie gegen etwaige urheberrechtliche Ansprüche: Sie können dem geteilten Inhalt eigene Ausführungen hinzufügen und die Quelle entsprechend angeben. Im Fall der Fälle können sie sich dann auf das Zitatrecht aus dem Urheberrechtsgesetzt (UrhG) berufen.

3. Posten von Webseiten mit Sharing-Button

Wer Inhalte von Webseiten einbindet, die zum Beispiel einen „Like-Button“ von Facbook vorhalten, wird folgendermaßen argumentieren können: Gerade durch das Anbieten der Funktionalität wird ja zum Ausdruck gebracht, dass das Sharing auf Facebook gewollt ist. Gleiches gilt natürlich auch für die Buttons von Google+, Twitter und Co.

Auch wenn gerade im Hinblick auf die (neuen) Möglichkeiten der Sozialen Medien urheberrechtlich Einiges im Argen liegt und – nach wie vor – rechtlich sehr umstritten ist, sollten teilende Nutzer mögliche Rechte an den geteilten Inhalten nicht aus dem Blick verlieren. Selbst wenn die oben stehenden Hinweise aufgrund der dargestellten Unwägbarkeiten keine absolute Rechtssicherheit bedeuten, können urheberrechtliche Risiken bei Beachtung der Grundsätze doch erheblich reduziert werden.

Wissensmanagement mit Wiki

Warum ist Wissensmanagement so wichtig? Vor dem Hintergrund, dass die geburtenstarken Jahrgänge in nicht allzu ferner Zukunft in den Ruhestand gehen und heute vermehrt über Fachkräftemangel geklagt wird, muss das vorhandene Know-how weitergegeben werden. Ist der Mitarbeiter erst einmal weg, geht in der Regel auch sein Wissen verloren. Schon Arbeitsministerin Ursula von der Leyen drückte es passend aus: 

„Die Jüngeren rennen zwar schneller, aber die Älteren kennen die Abkürzung“.

Selbst wenn der Mitarbeiter eigene Aufzeichnungen hinterlässt, ist damit noch nicht sichergestellt, dass diese auch nutzbar und vollständig sind. Vor allem: Der Mitarbeiter muss das Unternehmen nicht einmal verlassen. Eine banale Krankheit kann schon dafür sorgen, dass sein Wissen temporär nicht verfügbar ist. Sei es nun eine Maschine, die still steht, oder ein wichtiger Kunde, der eine dringende Anfrage stellt. Wenn das benötigte Wissen sich nur im Kopf dieses Mitarbeiters befindet, ist dieser Auftrag möglicherweise in Gefahr.

Wissen unterstützt nachhaltiges Wachstum

Wichtig in diesem Zusammenhang sind die Unternehmenskultur und damit auch die persönliche Kommunikation unter den Mitarbeitern. So können cross-funktionale Projektteams helfen, Probleme aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten und somit auch voneinander zu lernen. Wissensaustausch beziehungsweise Wissenstransfer können aber nur stattfinden, wenn die Mitarbeiter auch über die notwendigen Freiräume verfügen. Wir haben alle schon die Erfahrung gemacht, dass oft wichtige Informationen an der Kaffeemaschine ausgetauscht werden. Einige Firmen haben diese Erkenntnis dazu genutzt, sogenannte Meetingpoints mit Kaffeeautomaten auszustatten. Hier finden informelle Gespräche statt, die aber oft berufliche Themen behandeln und somit dem Erfahrungsaustausch dienen. Nur: Wenn der Arbeitsdruck so groß ist, dass für eine gelegentliche Kaffeepause keine Zeit bleibt, können diese Informationen nicht fließen.

Hinweis

Wenn Know-how-Träger Abteilung oder Unternehmen verlassen, gehen wertvolles Wissen und Erfahrungen verloren. Wer den Ausstieg richtig plant und ein systematisches Debriefing oder ein Abschlussgespräch durchführt, kann Vieles retten.

Mehr dazu finden Sie in unserem Management-Handbuch
Debriefing: Das Know-how von Mitarbeitern sichern [27]

Wissensmanagement lässt sich nicht allein durch den Einsatz eines Tools, wie es ein Wiki darstellt, praktizieren. Hier ist, wie schon erwähnt, die Unternehmenskultur der wichtigste Treiber. Trotzdem kann der effiziente Einsatz von Technik helfen, vorhandenes Wissen effektiv zu sammeln und zu verteilen. Und richtig angewandt, kann es durchaus auch Einfluss auf die Unternehmenskultur haben. Nämlich dann, wenn keine bürokratischen oder zeitraubenden Hürden zu nehmen sind, um das eigene Wissen bereitzustellen. Wenn Formen gefunden werden, die die Mitarbeiter regelrecht motivieren, sich bei dem Thema Wissensmanagement zu engagieren. Ein Blick in die Statistiken des weltweit bekanntesten Wikis, Wikipedia, zeigt: Im Juni 2011 waren über 1,3 Millionen Artikel im deutsprachigen Raum veröffentlicht. Diese Artikel sind nicht zentral entstanden, sondern durch viele Nutzer, die freiwillig und unentgeltlich an diesem globalen Wissensmanagementsystem teilnehmen.

Das Wort „Wiki“ kommt aus der hawaiischen Sprache und bedeutet „schnell“. Es handelt sich hierbei um ein Content-Management-System (CMS), welches üblicherweise für das Erstellen, Bearbeiten und Verwalten von Inhalten (Content) genutzt wird. Aber anders als bei klassischen Systemen, bei denen nur eine begrenzte und vorher definierte Anzahl an Benutzern das Recht haben, Inhalte einzustellen und zu verändern, können das bei einem Wiki alle registrierten Benutzer. Auch basieren diese Systeme auf Webtechnologie, die zwar wenig Spielraum für gestalterische Aspekte und schickes Design lässt, dafür aber leicht und in der Regel ohne aufwändige Schulung nutzbar ist. So lassen sich schnell Texte erstellen und Themen, die einen Bezug haben, über Links verbinden. Somit dürfte einleuchten, warum Wiki „schnell“ bedeutet: Die Inhalte können schnell und einfach eingestellt werden und sind bereits nach kürzester Zeit für alle Benutzer sichtbar.

Wissen als Angebot und Nachfrage

Jeder Mitarbeiter im Unternehmen ist ein potenzieller Kompetenzträger. Er hat Wissen angesammelt und Erfahrungen gemacht. Diese gilt es zu nutzen. Oft wird aber angeführt, dass Mitarbeiter ihr Wissen gar nicht teilen wollen, da sie glauben, dann austauschbar und ersetzbar zu sein. Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels und des damit verbundenen Fachkräftemangels sollte dieses Argument aber leicht entkräftet werden können. Oft sind es andere Gründe, die Mitarbeiter davon abhalten, ihr Wissen zu teilen. Es fehlen Möglichkeiten, oder die vorhandenen Möglichkeiten sind mit soviel Bürokratie belastet, dass schnell die Lust daran verloren geht, sein Wissen mit anderen zu teilen. 

Mit dem Einsatz von Wikis sind die Nutzungsbarrieren bei der Wissensdokumentation eher gering. Es gibt auch keine Definitionen oder Vorgaben, was dokumentiert werden soll. Vielmehr bestimmt hier das Wechselspiel von Angebot und Nachfrage, was als interessantes Wissen akzeptiert wird und was nicht. Also rein basisdemokratisch, wenn man das so sehen möchte. Aber trotz aller Einfachheit ist auch hier der ausschlaggebende Faktor die Unternehmenskultur. Diese muss das Teilen von Wissen und natürlich auch die Nutzung von vorhandenem Wissen fördern, zum Beispiel durch Vorleben des Managements.

Bei den verfügbaren Wikis handelt es sich oft um Open-Source-Produkte, die in der Regel kostenfrei genutzt werden können. Nicht nur das: Open-Source-Produkte lassen sich auch, wie der Name schon nahelegt, individuell anpassen und erweitern, da die Sourcen (Programm-Codes) für jeden zugänglich sind. Doch meist ist dies gar nicht notwendig, denn weil es sich um Web-Technologie handelt, muss auch keine Software auf den Anwender-Rechnern installiert werden. Der Zugriff auf das Wiki erfolgt alleine durch den Web-Browser. Somit muss der Benutzer sich nicht an eine neue Oberfläche gewöhnen, womit auch kein Schulungsaufwand anfällt. Die Benutzung selbst, also das Recherchieren nach vorhandenem Wissen, aber auch das Einstellen von eigenem Wissen, passiert intuitiv und ist in aller Regel von jedem sofort nutzbar. Demzufolge fallen keine Kosten für ein Wiki an, außer dem Einrichtungs- und Betreuungsaufwand, der sich aber in Grenzen hält.

Einsatzmöglichkeiten von Wikis und Alternativen

Die Einsatzmöglichkeiten von Wikis sind vielfältig. Untersuchungen zeigen, dass sie für die Unterstützung im Wissensmanagement genutzt werden. Außerdem für die  informelle Kommunikation, zur Unterstützung des Projektmanagements und zur E-Mail-Reduzierung. Somit beschränkt sich die Nutzung nicht nur aufs Wissensmanagement. Der Hauptvorteil wird dabei in dem Aspekt gesehen, dass ohne große Hürden gemeinsam Dokumente erarbeitet werden können, die jedem Nutzer sofort zur Verfügung stehen. 

Natürlich gibt es auch andere Wege, um vorhandenes Wissen zu (ver-)teilen. Klassische Autorensysteme, bei denen nur wenige Anwender Schreibrechte haben und Artikel einstellen können, finden kaum noch Anwendung im  Wissensmanagement. Seit Web 2.0 haben sich die Wissensnutzer emanzipiert und jeder kann sowohl Wissen bereitstellen wie auch nutzen. Eine Form davon sind sogenannte Weblogs, auch Blogs genannt. Hier lassen sich immer wieder neue Einträge an ein vorhandenes Thema anfügen und die Chronologie einer solchen Diskussion lässt sich recht gut verfolgen. Anders als bei Wikis können aber vorhandene Einträge nicht geändert werden.

Eine weitere Spielart des Wissensmanagement ist Social Bookmarking. Hierbei werden interessante Webseiten in einer Bookmarkliste (Lesezeichen) aufgenommen und anders als bei lokalen Bookmarks steht diese Liste alle Anwendern zur Verfügung. So muss nicht jeder erneut nach diesen Quellen suchen. In Verbindung mit „Social Tagging“ lassen sich diese Lesezeichen auch mit Schlagworten belegen, sodass die benötigten Links schneller gefunden werden können.

Wie erwähnt, werden hohe Investitionskosten und fehlende organisatorische Verankerung oft als Argument ins Feld geführt, warum Wissensmanagement von vielen Unternehmen nicht aktiv genutzt wird. Durch die Wiki-Technologie lässt sich beides entkräften. Die benötigte Software kann in der Regel kostenfrei erworben werden, die Einrichtungs- und Betreuungskosten sind überschaubar und durch die Nutzung des Web-Browsers als Benutzeroberfläche fallen quasi auch keine Schulungskosten an. Eine organisatorische Verankerung des Themas ist ebenfalls nicht notwendig, da jeder Mitarbeiter nun Wissenslieferant ist und dieses Wissen selbstständig bereitstellen kann.

Wikis sind ein mächtiges und akzeptiertes Werkzeug. Dies lässt sich allein am Erfolg von Wikipedia aufzeigen. Es darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Wissensmanagement kein Selbstläufer ist. Der wesentliche Erfolgsfaktor ist und bleibt die Unternehmenskultur. Durch den Einsatz von Wikis werden einige Barrieren genommen und so können die vorhandenen Ressourcen für ihre Weiterentwicklung genutzt werden.

Produktivität und Motivation durch alternativen Arbeitsplatz

Eine aktuelle Studie unter dem Titel „Third place working“ des britischen Unternehmens ZZA Responsive User Environments räumt mit der Vorstellung auf, dass flexible Arbeit gleichbedeutend mit Arbeit im Heimbüro ist. Der Bericht basiert auf 17.000 Umfragedaten von globalen Unternehmen und auf umfassenden qualitativen Befragungen von Geschäftsleuten auf der ganzen Welt. Er zeigt, dass sich immer mehr Büroarbeiter für einen Alternativarbeitsplatz jenseits vom Heim- oder Firmenbüro entscheiden. Diese Alternativarbeitsplätze können Business Center, Bistros, Bibliotheken und informelle Orte wie Cafés sein.

Aus dem Bericht geht außerdem hervor, dass das Arbeiten an Alternativarbeitsplätzen mit zahlreichen Vorteilen verbunden ist: Büromitarbeiter profitieren durch ein besseres Gleichgewicht zwischen Arbeits- und Privatleben und von einem geringeren Stresslevel. Zudem bedeutet die Nutzung von Alternativarbeitsplätzen für das Unternehmen eine höhere Kosteneffizienz und Skalierbarkeit sowie eine geringere Bindung an Immobilienverträge.

Der Studienbericht besagt: Die Dynamik der technologischen, ökonomischen und sozialen Rahmenbedingungen der modernen Welt bieten dem Individuum neue Chancen, stellen aber auch neue Anforderungen an Unternehmen. Die zentrale Herausforderung besteht darin, qualifizierte Mitarbeiter anzuwerben und für sich zu gewinnen. Das Arbeiten an Alternativarbeitsplätzen sorgt für bessere Arbeitsbedingungen und unterstützt Unternehmen somit beim Erreichen dieser Ziele. Mark Dixon, CEO der Regus Management GmbH, einem weltweiten Anbieter von Arbeitsplatzlösungen und Unterstützer der Studie, kommentiert:

„Die Studie zeigt, welch hohen Stellenwert die Arbeit an Alternativarbeitsplätzen im modernen Geschäftsleben bereits einnimmt. Der Trend hat bereits Einzug in die moderne Geschäftswelt gehalten und sorgt nicht nur für zahlreiche Vorteile auf Unternehmensseite, sondern auch für eine höhere Mitarbeitermotivation und -produktivität.“

Haupterkenntnisse der Studie

  • Die überwiegende Mehrheit aller Befragten möchte nicht von zu Hause aus arbeiten. Die Befragten gaben an, lieber in einer Umgebung zu arbeiten, in der andere Menschen ebenfalls arbeiten, und sich von Synergien und dem Gefühl, für einen gemeinsamen Zweck zu arbeiten, motivieren zu lassen. Im Business Center arbeiten sie störungsfrei und profitieren vom Zugriff auf Technologien und Einrichtungen, die im Heimbüro nicht verfügbar sind. Zudem genießen sie die Freiheit, sich in einer professionellen Arbeitsumgebung, bei der sich keine privaten Störungen ergeben, ganz auf ihre Arbeit zu konzentrieren.
  • 52 Prozent der Büroarbeiter, die an Alternativarbeitsplätzen arbeiten, nutzen Business Center während der gesamten oder eines Teils der Arbeitszeit.
  • 72 Prozent dieser Büroarbeiter verbringen mindestens drei Tage pro Woche in einem Business Center ihrer Wahl oder an einem anderen Alternativarbeitsplatz; 70 Prozent der Nutzer von Business Centern finden, dass sie dort produktiver arbeiten als an informelleren Orten.
  • Menschen, die Alternativarbeitsplätze regelmäßig nutzen, kommen aus allen Altersgruppen. Die Studie ließ keinen Zusammenhang zwischen der Nutzung von Alternativarbeitsplätzen und dem Alter der Personen erkennen.
  • Die Möglichkeit, an einem Ort zu arbeiten, der sich in der Nähe des Wohnorts befindet, verbessert im Wesentlichen das Gleichgewicht zwischen Arbeits- und Privatleben, die Zufriedenheit mit dem Beruf und die Produktivität. Eine günstige Lage wurde von 73 Prozent der Befragten als wichtigster Vorteil des Arbeitens an einem Alternativarbeitsplatz angesehen.
  • Durch das Arbeiten an einem Alternativarbeitsplatz in der Nähe des Wohnorts können Büromitarbeiter stressfreier arbeiten, zeitraubende Pendelstrecken und Staus vermeiden sowie ihre CO2-Bilanz verbessern.
  • Da es Unternehmen nicht möglich ist, jedem Mitarbeiter Büroräume in der Nähe seines Wohnortes bereitzustellen, besteht die Herausforderung darin, Büroräume an strategisch günstigen Orten einzurichten.
  • Dank der Nutzung von Alternativarbeitsplätzen sind Unternehmen nicht mehr gezwungen, sich an feste Immobilienverträge zu binden. Sie können Arbeitsplätze je nach Bedarf flexibel nutzen und dennoch mit einem hochprofessionellen Unternehmensimage auftreten.

Hinweis

Den Bericht von ZZA User Responsive Environments können Sie hier [28] herunterladen. Er enthält Checklisten für Einzelpersonen und Unternehmen, mit denen diese erfahren, welche Vorteile eine alternative Arbeitsplatzlösung bieten kann. Zudem werden Empfehlungen zur Art des Alternativarbeitsplatzes je nach Profil und Arbeitsweise gegeben.

Quelle: Regus

Projektmanagement und Projektdaten für Mitarbeiter

Zukünftige Projekte werden stets von aktuell laufenden Projekten beeinflusst. Dies betrifft zum Beispiel die benötigten Ressourcen, die verfügbaren finanziellen Mittel und die inhaltlichen Ergebnisse. Ein Projektportfolio besteht in der Regel aus Projekten in der Umsetzungsphase und aus geplanten Vorhaben. Um eine sinnvolle Entscheidung über die Realisierbarkeit geplanter Projekte treffen zu können, ist es absolut notwendig, eine belastbare Datenlage der momentan laufenden Projekte zur Verfügung zu haben. Je aktueller die Daten sind, desto besser ist die Entscheidungsgrundlage. Oder umgekehrt ausgedrückt: Je älter und ungenauer der Wissensstand über die aktuellen Projekte ist, desto schlechter ist die Grundlage für Entscheidungen über neue Vorhaben.

Folglich nimmt das analytische Berichtswesen, das laufende Projekte und deren Auswirkungen auf neue Vorhaben berücksichtigt, im Portfoliomanagement eine zentrale Stellung ein. Je älter diese Berichte beziehungsweise Daten sind, desto riskanter und unsicherer werden die Entscheidungen des Portfoliomanagers. In manchen Unternehmen wird diese Tatsache jedoch ignoriert und das Management gibt sich mit Quartalsberichten zufrieden. Ebenso berücksichtigen Vorgehensweisen, die eine Entscheidung über die Projekte der nächsten zwölf Monate vorsehen, diese unternehmerische Wirklichkeit nicht.

Ein moderner Portfolio-Leitstand liefert alle Informationen über laufende Projekte idealerweise in Echtzeit. Das bedeutet zwar nicht, dass alle Ereignisse, die im Projekt vorfallen, unmittelbar im Computer abrufbar sind. Jedoch soll das entsprechende Portfoliomanagement-Tool alle Daten, die übertragen wurden, sofort auf alle davon betroffenen Projekte übertragen. Diese Zeitspanne ist je nach Arbeitsweise der Projektbeteiligten tages- oder wochenaktuell. Leistungsfähige Simulationssysteme berechnen darüberhinaus die Auswirkungen auf die angedachten neuen Projekte live. Die zu erwartenden Risiken werden berechnet und fließen in die Entscheidungsfindung mit ein. Dies betrifft auch:

  • Planänderungen
  • Rückgemeldete Arbeitszeiten
  • Veränderungen im zu erwartenden Nutzen
  • Allgemeine Personalstruktur wie Fluktuation oder Krankheiten von Personen mit Schlüsselqualifikationen

Echtzeitinformationen für alle Mitarbeiter

Der Projektportfolio-Manager hat im Idealfall die laufenden Projekte ebenso im Blick wie die neuen Vorhaben unter Berücksichtigung der errechneten Auswirkungen. In manchen Unternehmen mutet diese Vorstellung futuristisch an, da dort selbst Projektstatusberichte keine Selbstverständlichkeit sind. Die wirtschaftliche Realität macht es allerdings notwendig, dass die Entscheider die maximale technische und simulative Unterstützung bekommen, die für eine richtige Entscheidung notwendig ist. Dort, wo diese Erkenntnis vernachlässigt oder ignoriert wird, wird die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens leichtfertig aufs Spiel gesetzt.

Informationen sind das wichtigste Gut einer Unternehmung. Dies betrifft nicht nur Führungskräfte, sondern gilt gleichermaßen für alle Mitarbeiter. Oft wird beklagt, dass die Mitarbeiter notwendige Daten falsch oder gar nicht erfassen. Dies ist eines der größten Probleme bei der Implementierung moderner Projektmanagementmethoden und Projektmanagementsysteme. Die primäre Ursache dafür: Der Mitarbeiter bezieht keinen unmittelbaren Nutzen aus dieser Datenerhebung. Er weiß nicht, welche Auswirkungen die Informationen haben, die er verwaltet. Die Dateneingabe beziehungsweise Datenerhebung wird von ihm als Zwang empfunden, der einen zusätzlichen Aufwand mit sich bringt, oder er fühlt sich dadurch vermehrt kontrolliert.

Unternehmen steigern diesen Unwillen häufig dadurch, dass sie einen regelrechten Zwang zur Datenerhebung aufbauen. Dadurch mag zwar die Menge der Daten größer werden, ihre Qualität wird aber nicht verbessert: Lehnt der Mitarbeiter die Datenerfassung ab, wird er die Daten falsch oder manipuliert einpflegen. Wenn die Mitarbeiter jedoch um die Bedeutung ihrer Daten wissen und sie selbst einen großen Einblick in das Projekt erhalten, kann sich ihr Engagement steigern.

Projektverantwortliche und andere Führungskräfte müssen mit Informationen, die zu Entscheidungen führen, offen und ehrlich umgehen. Dazu zählt, dass der Mitarbeiter seine Resultate unmittelbar in einen Bezug zu weiterführenden Zielen wie Meilensteinen oder Profit des Unternehmens verstehen und erkennen kann. Gerade in diesem Bereich wurden in den letzten Jahren erfolgreiche Modelle entwickelt. So kann für gesamte Unternehmen das so genannte Balanced-Scorecard-Verfahren Vorteile bieten. Auch für spezielle Projektarten existieren solche Modelle, in dem Bereich der Softwareentwicklung ist es Scrum.

Hinweis

Lesen Sie dazu auch folgenden Beitrag aus der Redaktion von business-wissen.de: Agiles Projektmanagement: Projekte mit Scrum flexibel zum Erfolg führen [29]

Letztlich sind zwei Faktoren ausschlaggebend: Zum einen kommt es auf die Bereitschaft von Führungskräften an, die Grundlagen für eigene Entscheidungen transparent zu machen, auch auf die Gefahr hin, dass hier Fehlentscheidungen klar sichtbar werden. Zum anderen ist die Leistungsfähigkeit der eingesetzten Computersysteme von zentraler Bedeutung. Wird eine moderne Portfoliomanagement-Software eingesetzt, dann können zur Motivation der Mitarbeiter und aus Gründen der Transparenz Bildschirme in den Abteilungen aufgestellt werden, auf denen der Stand der aktuellen Projekte in Form von Bubble-Charts oder Kennzahlen dargestellt wird. Sobald der Mitarbeiter seine Daten in die Software eingibt, sind die Auswirkungen seiner Daten unmittelbar auf die Projektstruktur oder die Ergebnisentwicklung an diesen Screens zu sehen. So wird dem Mitarbeiter die Bedeutung seiner Tätigkeit visualisiert. Er beginnt, unternehmerischer zu denken und zu handeln. Dies ist natürlich ein Idealzustand, der aber stets als Ziel dienen sollte.

Leider ist es gerade in Deutschland so, dass Führungskräfte häufig ein zu geringes Wissen über Möglichkeiten und Verfahren moderner Computer- und Informationstechnologien besitzen. Dadurch sind sie im Vergleich mit vielen internationalen Marktteilnehmern im Nachteil, was sich im Wettbewerb schnell negativ niederschlägt.

Wissen über Projektmanagement oft nicht ausreichend

Besonders im Bereich Projektmanagement haben viele Manager aus allen Führungsebenen gravierende Wissenslücken. Statt auf moderne Werkzeuge zurückzugreifen, wird mit notdürftig zusammengestellten Listen und Tabellen hantiert. Entsprechend wenig belastbar und notdürftig sind dann auch ihre Entscheidungsgrundlagen. Dieser wenig vertrauenerweckende Zustand wird häufig noch davon übertroffen, dass „Senior Project Manager“ zu keiner Zeit eine Ausbildung oder wenigstens eine Schulung zum Thema Projektmanagement erhalten haben.

Dabei ist das Thema relativ einfach zu beherrschen. Es gibt eine Vielzahl ausgezeichneter Beratungsfirmen und Coachs, die spezialisiert sind, Führungskräfte auszubilden oder zu beraten. Zudem können mit Hilfe von Computertechnologie Daten heute so aufbereitet werden, dass wirkliche Entscheidungsgrundlagen entstehen. Selbst die visuelle Aufbereitung der Informationen ist heute so gut, dass kryptische Tabellen der Vergangenheit angehören sollten und multimediale Grafiken – ähnlich wie in Computer-Strategiespielen – alle Zusammenhänge aufzeigen.

Entscheider müssen bei der Gestaltung ihrer Portfolio- und Projektstruktur nur auf wenige Parameter achten. Sie selbst jedoch müssen ein spezifisches Wissen aufbauen und konsequent darauf achten, dass ihnen eine adäquate Softwaretechnologie zur Verfügung steht. Computer sind für jedes Unternehmen ein zentrales Werkzeug in der globalen Wirtschaftswelt. Mindestens genauso wichtig ist es, die Mitarbeiter als Team zu verstehen und die besten Fachkräfte zu rekrutieren. „Hire the best“ muss durch „computing the best“ ergänzt werden.

CSR und soziales Engagement der Mitarbeiter

Corporate Volunteering gehört bei 83, 5 Prozent der deutschen Unternehmen längst zur Unternehmenspraxis und wird auch zukünftig eine größere Rolle spielen, wie eine Studie der Beratungsfirma Roland Berger und der Amerikanischen Handelskammer vom Mai 2011 zeigt. Das Unternehmen fördert dabei entweder ein bereits bestehendes Engagement seiner Mitarbeiter durch Arbeitsfreistellung oder finanzielle Bezuschussung oder organisiert selbst Projekte gemeinnütziger Art für die Mitarbeiter. Vor allem größere deutsche Unternehmen haben letzteres als Möglichkeit erkannt, die Mitarbeitermotivation, den Teamgeist und die Führungsqualitäten zu stärken. Dazu wird dann beispielsweise ein Tag im Jahr zum „Corporate Volunteering Day“ ernannt, an dem alle Kräfte aus dem Unternehmen für die gute Sache gebündelt werden. 

Mit Corporate Volunteering Unternehmensprofil schärfen

Viele dieser Unternehmen begründen ihr Engagement damit, der Gesellschaft etwas zurückgeben zu wollen. Das ehrt sie und ist absolut anerkennenswert. Und doch geht es nicht nur allein um diese philantropischen Gesichtspunkte. Unternehmen sind heute mehr denn je gefordert, sich vor ihren wichtigsten Zielgruppen zu positionieren: vor ihren Anteilseignern, vor ihren Kunden und natürlich vor ihren Mitarbeitern. Vor allem die Mitarbeiter sind angesprochen. Sie sind aktiver Teil des Corporate- Volunteering-Programms und schlüpfen mit ihren Kollegen für einen Tag in eine komplett neue Rolle. Das fördert nicht nur den Teamgeist, sondern auch die eigene Sozialkompetenz, erweitert bestenfalls den Horizont und ist manchmal sogar der Einstieg für ein längerfristiges soziales Engagement. 

Nicht zu unterschätzen ist die Außenwirkung von Corporate-Volunteering-Maßnahmen: Angekündigt auf der Webseite, flankiert durch Pressemitteilungen und eventuell sogar von der Lokalpresse begleitet, schärfen sie das Unternehmensprofil. So lassen sich Sympathien gewinnen, nicht nur von Kunden und Partnern, sondern von der ganzen Öffentlichkeit. Ganz besonders auch von potenziellen Bewerbern. Als Strategie zur Personalgewinnung hat es sich flächendeckend zwar noch nicht etabliert, aber gerade in Zeiten des Wirtschaftsaufschwungs verstärkt sich der „War for Talents“. Und damit werden auch die Recruiting-Instrumente kreativer.

Um Corporate-Volunteering-Programme erfolgreich auf die Beine zu stellen, arbeiten Unternehmen in den meisten Fällen mit Nichtregierungsorganisationen (NGOs) zusammen. Bei der Auswahl dieser gemeinnützigen Organisation sollte Folgendes beachtet werden:

  • Wie lautet die unternehmenseigene CSR-Strategie?
  • Wie lässt sich das betriebliche Freiwilligenprogramm verankern?
  • Welche Fähigkeiten des Mitarbeiter sollen aktiviert werden?
  • Wo erzielt das Engagement die größtmögliche Wirkung?
  • Soll es sich um ein Engagement im Sozialbereich handeln oder passt etwa ein Umweltthema besser?
  • Welche NGO ist der richtige Partner?

Meist haben die Unternehmen schon sehr konkrete Vorstellungen, wenn sie das erste Mal an eine NGO herantreten und gehen ganz selbstverständlich davon aus, dass diese hocherfreut über den unternehmerischen Einsatz ist. Doch das ist nicht immer der Fall! Um sich in die Lage einer gemeinnützigen Organisation zu versetzen, genügt ein kleines Gedankenspiel mit folgenden Problemstellungen:

  • Welches sinnvolle Projekt eignet sich für den meist vorgegebenen Zeitrahmen von einem Tag?
  • Kann das Projekt an diesem Tag begonnen und erfolgreich beendet werden?
  • Wer weist zahlreiche motivierte, aber ungelernte Personen ein?

Ein derartiges Projekt sollte auf alle Fälle sinnvoll und nicht nur Beschäftigungstherapie sein. Nicht zu vernachlässigen sind alle Fragen rund um die Logistik:

  • Welche Materialien müssen vorab besorgt werden?
  • Wie kommen die freiwilligen Helfer an den Ort des Geschehens und wieder zurück?
  • Wie werden sie verpflegt?
  • Wer leitet sie an?
  • Bietet die Arbeit auch ein Erfolgserlebnis?

Bei der Organisation einer Maßnahme dieser Größenordnung wird schnell klar, dass die NGO-Mitarbeiter oft zahlreiche Arbeitsstunden mit der Planung beschäftigt – wohlgemerkt neben ihren normalen Aufgaben. Im besten Fall stehen dann unterm Strich neugestrichene Räume, ein neuer Spielplatz oder ein paar eingepflanzte Bäume.

Knowledge-Sharing: Für beide Seiten ein Gewinn

Hier stellt sich die Frage, ob eine Entwicklung zum gegenseitigen Knowledge-Sharing auf beiden Seiten nicht lohnender ist. Oft gibt es im Unternehmen Kompetenzen, die für eine NGO sehr nützlich sein können, wenn auch erst auf den zweiten Blick. So sind beispielsweise die Dienste einer Anwaltskanzlei für eine gemeinnützige Organisation hochinteressant, denn auch bei der gemeinnützigen Arbeit stellen sich immer wieder zahlreiche Rechtsfragen. Allerdings lässt sich eine solche Unterstützung meist nicht so öffentlichkeitswirksam vermarkten und beispielsweise mit geeigneten Fotos versehen – für manche Unternehmen ein Grund zum Verzicht auf ein Engagement dieser Art. Doch es gibt auch gelungene Beispiele für Corporate-Volunteering-Projekte, in denen es um die Weitergabe von Know-how geht und die eine echte Win-Win-Situation darstellen. 

Ein Blick auf den European Employee Volunteering Award [30] , der erstmalig im Frühjahr 2011 vergeben wurde, zeigt, auf was es ankommt. Im Rahmen des europäischen Jahres der Freiwilligkeit 2011 wurden Unternehmen ausgezeichnet, die sich durch ein vorbildliches unternehmerisches Engagement in Sachen Corporate Volunteering auszeichnen. Wer sich eingehender mit den Gewinnern und ihren CP-Projekten beschäftigt, stellt fest, dass sie ganz bestimmten Kriterien folgen. Bei allen Preisträgern wurde langfristiges Engagement ausgezeichnet: keine Beschränkung auf einen Tag, sondern Projekte, die längere Zeiträume umfassen, mitunter sogar Jahre! Auch zeichnet sich das Engagement dadurch aus, dass die Mitarbeiter recht nahe an ihrer beruflichen Tätigkeit agieren und somit ihr Know-how einsetzen.

Regel 1: Selektion nach Qualifikation

Die meisten sozialen Dienste erfordern professionelles Wissen und sind nicht für den Einsatz von Laien geeignet. Gut meinende Freiwillige sind zum Beispiel im Umgang mit traumatisierten Kindern oder geistig Behinderten ganz schnell überfordert. So sind auch die Bedürfnisse von Kindern, die ihre Eltern verloren haben, nicht ohne weiteres für nicht ausgebildete Helfer ersichtlich und ohne eine intensive Einweisung und die Bereitschaft, langfristige Bindungen und Verpflichtungen einzugehen, sicher nicht zu bewältigen.

Grundregel Nummer eins lautet daher: Auch bei Freiwilligendiensten muss es eine Auswahl und eine Aufgabenzuordnung nach Qualifikation geben. Der größte Bedarf und die besten Möglichkeiten des Freiwilligeneinsatzes bestehen aus Sicht gemeinnütziger Organisationen oft gar nicht in der eigentlichen sozialen Arbeit, sondern in Bereichen wie IT, Recht, Organisationsentwicklung oder Mitarbeiterweiterbildung – also eher im Büro als im Feld.

Die mit dem European Employee Volunteering Award ausgezeichneten Projekte sind gute Beispiele für ein Engagement, das nahe am „Kerngeschäft“ liegt. So werden bei einem Projekt etwa Langzeitarbeitlose, die unter Diskriminierung leiden, von Mitarbeitern trainiert, um einen Wiedereinstieg auf dem Arbeitsmarkt zu finden. Oder es werden Schulkinder in eigens konzipierten Praxiskursen für die Themen Technik und Wissenschaft begeistert.

Regel 2: Organisation ist das halbe Projekt

Grundregel Nummer zwei: Freiwilligeneinsätze müssen gut organisiert sein. Idealerweise sind sie zentral angesiedelt und mit einem erfahrenen Projektmanager versehen, der alle Beteiligten im Vorfeld ausreichend informiert, den Erfolg des Projektes ständig überwacht und eine Qualitätskontrolle ausübt. Unternehmen können wertvolle Dienste leisten, wenn sie bereit sind, sich auf die Bedürfnisse der sozialen Organisation einzulassen. Erwartungen auf beiden Seiten müssen im Vorfeld ganz klar definiert werden.

Oft stammt die Initiative zum sozialen Engagement aus der Personalabteilung und wird als ethische Weiterentwicklung des Prinzips „Betriebsausflug“ organisiert. Dies führt oft dazu, dass die Bedürfnisse des Unternehmens und ihrer Belegschaft bei ganz banalen Organisationsfragen im Vordergrund stehen – was beispielsweise den Termin, die Zahl der Teilnehmer, die genaue Art der Tätigkeiten oder die Fototermine betrifft. Wenn dann im Extremfall nur ein Tag eingeplant ist, sind eine ausreichende Vorbereitung und damit auch der Nutzen für die soziale Organisation begrenzt.

Regel 3: Freiwilligkeit als Voraussetzung

Grundregel Nummer drei fordert echte Freiwilligkeit. Gut gemeinte Unternehmensmaßnahmen wie eine Freistellung für soziale Dienste in Kombination mit dem sanften Druck auf die Mitarbeiter möglichst mitzumachen kann zu einer künstlich erzeugten und damit kontraproduktiven Freiwilligkeit führen. Es wäre sinnvoll, die Mitarbeiter vorher nach ihrer Bereitschaft, sich in Corporate-Volunteering-Projekten zu engagieren, zu befragen. Aus verstecktem Gruppenzwang mitmachen zu müssen, fördert weder die Zufriedenheit der Mitarbeiter noch die des NGO-Partners. Meistens lassen sich Mitarbeiter für die Projekte begeistern, bei denen sie den Nutzen erkennen. Wer feststellt, dass er mit seinem Wissen und seinen Erfahrungen andere Menschen sinnvoll unterstützen kann, engagiert sich gerne.

Projekte mit Simulationssoftware bewerten

Auch bei der Simulation von Projektportfolios gilt: Je mehr Daten dem Computer zur Verfügung stehen, umso genauer wird die Simulation. Allerdings ist auch die Qualität der Daten von entscheidender Bedeutung. Die „Vergangenheitsdaten“ laufender Projekte sind am einfachsten zu ermitteln. Fast alle Unternehmen verfügen über eine IT-gestützte Projektverfolgung mit Ist-Zeit-Erfassung. Einen Nutzen haben diese Informationen für das Portfolio nur dann, wenn die Abweichungen zwischen den Ist-Daten der laufenden Projekte und ihren Plan-Daten hochgerechnet werden. Ist der Fortschritt in einem Projekt geringer als geplant, muss damit gerechnet werden, dass auch die zukünftige Aufwandsplanung zu gering angesetzt ist. Nur wenige Computersysteme sind heute schon in der Lage, diese Kerninformation dem Portfoliomanager zur Verfügung zu stellen. 

Je besser Projektideen oder Projektangebote beurteilt werden können, desto exakter kann der Computer deren Realisierbarkeit berechnen. Problematisch ist der Umgang mit innovativen Projektideen, für die es meist keine oder nur in geringem Umfang Erfahrungswerte gibt. Hier sollte nicht der schlechteste Fall, also mit Höchstwerten, geplant werden. Vielmehr sollten der Projekt- und der Portfoliomanager versuchen, Wissen aufzubauen, um eine realistischer Einschätzung vorzunehmen. Eine andere Möglichkeit bieten Systeme, die ungenaue Planungsszenarien adäquat abbilden können. Hier kann beispielsweise geplant werden, dass ein Projekt im dritten Quartal anfangen soll. Die Dauer wird bei 12 bis 15 Monaten liegen. Die Software ermittelt daraus komplexe Wahrscheinlichkeitsmodelle und gleicht diese permanent mit dem tatsächlichen Verlauf ab. Es geht also um eine Eintrittswahrscheinlichkeit für das Portfolio, nicht darum ob es funktioniert oder nicht. Diese Vorgehensweise bildet die Realität am ehesten ab und liefert die besten Ergebnisse.

Eine weitere Herausforderung ist die Einschätzung des Nutzens eines Projektes beziehungsweise eines Portfolios. Dafür gibt es Programme, die Ideen sammeln und die daraus entstandenen Geschäftsprozesse von den Mitarbeitern bezüglich des Nutzens einschätzen lassen. Durch Gewichtungsmodelle und andere Verfahren wird daraus ein Wert (Score) für das Projekt ermittelt. Dieses Vorgehen hat jedoch häufig eher einen demokratischen Charakter und wenig Einfluss auf die tatsächliche Entscheidung des Managements, das eigene Prioritäten setzt.

Werden Entscheidungen über Projekte durch externe Faktoren und Personen getroffen, ist es äußerst schwierig, eine Zusammenstellung des wahrscheinlichsten Portfolios zu erstellen. Diese Situation tritt im Vertrieb relativ häufig auf, wenn ein Angebot angenommen oder abgelehnt wird. Software-Lösungen, die für Projektportfolien einen Wahrscheinlichkeitswert erstellen, ob ein Projekt realisiert wird oder nicht, sind hier sehr hilfreich. Jedes potenzielle Projekt (Angebot) wird hier mit einer Eintrittswahrscheinlichkeit versehen. Die Auswirkungen des Projekts auf Nutzen, Kosten und Ressourcenverbrauch werden in der Simulation dann auf Basis dieser Eintrittswahrscheinlichkeit berechnet. In der Verbindung des Managements des Projektportfolios mit der Vertriebssteuerung lassen sich auch solche Portfolien steuern.

Umgang mit externen Datenquellen

„Kaufmännische Daten“ werden in der Theorie als genauso wichtig angesehen wie Kapazitätsinformationen. In der Praxis ist dies nicht so. Bei manchen Unternehmen spielen die zu erwartenden Kosten und Erlöse aus Projekten eine deutlich untergeordnete Rolle. Vor allem Projekte der IT-Abteilungen von Konzernen werden intern verrechnet, so dass die Kosten nicht maßgeblich in den Entscheidungsprozess für ein Projekt einfließen. Anders ist es bei Unternehmen, die im Wesentlichen Projektarbeit am Markt anbieten. Bei ihnen wirken sich steigende Kosten direkt auf den Profit aus. 

Die kaufmännischen Daten stammen häufig aus externen Systemen, die in moderne Projektmanagementlösungen eingebunden werden können. Gleiches gilt für die Zeiterfassung: Die Daten werden meist extern erfasst und fließen dann in das Projektportfoliomanagement-System ein. Gerade der Portfoliobereich profitiert zwar von einer hohen Datenintegrität des Projektmanagementsystems, aber dort ist der Nutzen an sich wesentlich höher. Grundsätzlich kann gesagt werden, dass der Verbund mit anderen Systemen hilfreich ist, um Doppelterfassung beziehungsweise redundante Datenhaltung zu vermeiden. Allerdings sind solche Anbindungen nicht um jeden Preis zu realisieren.

Innovationsmanagement ist der Umgang mit und das Verwalten von Ideen. Das Ideenmanagement kann auch als  Anforderungsmanagementsystem angesehen werden. Denn bevor eine Idee einen gewissen Reifegrad erreicht, der die Umsetzung nahelegt, durchlaufen Ideen eine Vielzahl von Prozessen. Ideen müssen weiter spezifiziert werden, sie werden von Experten anderer Fachrichtungen beurteilt und ihr potenzieller Nutzen muss darstellbar und schließlich auch messbar sein.

Dies alles kann ein modernes Portfoliomanagement-System leisten. Interessant wird es, wenn eine Idee zu einem konkreten Projektantrag entwickelt wird und im Portfolio die Realisierbarkeit sowie der Nutzen des Projekts geprüft werden. In diesem Stadium kann auch eine gute Idee abgelehnt oder zeitlich verschoben werden. Manche Unternehmen wollen mit prozessorientierten Ideenmanagementsystemen die Innovationsfähigkeit steigern. Mit komplexen Bewertungs- und Meinungssystemen werden die Innovationen begutachtet und beurteilt, sie legen einen langen Weg zurück, bevor sie überhaupt in das Portfoliosystem aufgenommen werden. Bedingt durch die Vielzahl von an dem Prozess beteiligten Personen, die unterschiedliche Interessen verfolgen, werden die Ideen teilweise so verändert, dass sie kaum wiedererkennbar sind.

Unternehmen, die durch die Einführung eines Portfoliomanagement-Systems mit integriertem Ideenmanagement die Innovationskraft steigern wollen, werden meist enttäuscht. Denn Innovationen lassen sich grundsätzlich nicht in Verwaltungsprogrammen erzeugen.

Umgang mit Risiken und Unsicherheit

Risikomanagement fließt stark in alle Projektüberlegungen eines Portfolios ein. Neben den Nutzenbetrachtungen und den planerischen Informationen einer Projektidee sollte gerade bei internen Projekten eine Risikoanalyse durchgeführt werden. Dabei werden der potenzielle Schaden eines Projekts und die Wahrscheinlichkeit seines Eintritts geschätzt. Dieser Schaden schlägt sich auf den monetären Nutzen des Projektes nieder. So kann ein auf den ersten Blick durchaus profitables Projekt erhebliche finanzielle Risiken bergen, wenn es scheitert.

Einer der größten Risikofaktoren in Projekten ist immer Unwissen. Auch wenn manche Projektplanungssysteme den Eindruck erwecken, dass jeder Projektschritt exakt planbar ist, so ist allen Projektmitarbeitern klar, dass fast kein Projekt genau so verläuft, wie es ursprünglich angelegt wurde. Trotzdem wird nach solchen überholten Projektplänen gearbeitet. Dies liegt weniger an den Projektverantwortlichen als vielmehr an der Unfähigkeit der Planungssoftware, ungenaue Informationen adäquat abzubilden.

Wird der Projektaufwand etwa zwischen 500 und 800 Personentage geschätzt, kann davon ausgegangen werden, dass in dem Projekt noch ein hohes Maß an Unwissen vorherrscht. Den maximal höchsten Aufwand nun planerisch anzunehmen, ist genauso wenig zielführend, wie mit dem geringsten Wert zu kalkulieren. Schließlich können alle Fälle zwischen 500 und 800 Personentage eintreten. Entweder der Projekt- beziehungsweise Portfoliomanager plant mit einer dieser Größen, oder das Programm rechnet alle Varianten in Relation zu allen anderen Ideen und laufenden Projekten durch und gibt den wahrscheinlichsten Fall an. Alternativ könnte auch der Portfoliomanager das Projekt manuell mit einigen Werten selbst durchrechnen und sich mit dieser aufwendigen Methode der zu erwartenden Realität zu nähern. Eine weitere Möglichkeit ist, den Ideengebern ein überschaubares Projekt freizugeben, in dem sie ihr Wissen über das Projekt so vertiefen können, dass sie eine genauere Schätzung des Aufwandes abgeben können. Gegen Unwissen hilft vor allem der Aufbau von Wissen, das sollte Teil der Unternehmenskultur sein.

Der Vorteil und die Realitätsnähe inakkurater Betrachtungen wurden immer wieder betont. Angesichts der Tatsache, dass zukünftige Entwicklungen nicht mit Sicherheit vorhergesagt werden können, liegt der Vorteil solcher Methoden auf der Hand. In manchen Industriebetrieben jedoch wird dieser Umstand nicht akzeptiert. Dort wird ein erheblicher Aufwand betrieben, ein Projekt bereits im Ideenstadium so durchzudenken beziehungsweise durchzuplanen, dass später nichts mehr schief gehen kann. Je genauer und detaillierter die Planung, desto besser und sicherer der Projektverlauf, so die Annahme.

In einer komplexen, von Innovationsdruck getriebenen Wirtschaftswelt ist dieser Ansatz nicht mehr zeitgemäß. Der Aufwand für die Planung muss in einer gesunden Relation zum möglichen Nutzen stehen. Die Mitarbeiter, die teilweise monatelang damit beschäftigt sind, eine solche Idee auszuarbeiten, können keine anderen Projekte verfolgen. Wenn Portfoliomanagement-Software dann die als Projekt angelegte Idee als nicht realisierbar ausweist, waren die gesamte Investition und Mühe umsonst. Ideen müssen selbstverständlich weiterhin präzisiert werden, bevor eine Realisierung ernsthaft in Erwägung gezogen werden kann. Allerdings muss der Aufwand dabei überschaubar bleiben.

Hinweis

Projektideen sollten im Rahmen der Projektportfolio-Planung eine ausgewogene Balance zwischen Chancen (dem Projektnutzen) und Risiken haben!

Projektaufgaben mit agiler Ressourcenplanung lösen

In der Vergangenheit bezog sich Kapazitätsplanung schwerpunktmäßig auf die Disposition von Maschinen. Die zu planenden Routinearbeiten wiederholten sich hundert- und tausendfach und es machte Sinn, diese immer weiter zu optimieren. Außerdem mussten den Maschinen Materialien zugeführt werden. Daher war es auch notwendig, den Verbrauch exakt zu prognostizieren. Diese Modelle wurden häufig in Projektmanagement-Systemen mit Ressourcenplanungsfunktionen übernommen. Analog dazu erschien es generell als möglich und sinnvoll, einen Mitarbeiter stundengenau über einen sehr langen Zeitraum zu verplanen. Diese Modelle haben in der Praxis jedoch oftmals versagt, weil die Arbeitsergebnisse von Menschen nicht exakt vorhersehbar sind. Des Weiteren sind Menschen wesentlich flexibler und erledigen eine Vielzahl von unterschiedlichen Aufgaben. Schließlich sind Menschen in der Lage, ihre Arbeit selbst zu organisieren. Ein Mikromanagement – wie bei Maschinen – wird automatisch durch die „Maschine Mensch“ durchgeführt. 

Abschließend soll an dieser Stelle die Ressourcenplanung in Projekten besprochen werden. Die Aufgaben in Projekten haben keine hohe Wiederholungsfrequenz, sondern sind in ihrer fachlichen Ausgestaltung neu und einmalig. Eine Lösung sind hier agile Planungsverfahren. Auch wenn dieser Begriff heute bereits für alle möglichen Techniken durch Hersteller missbraucht wird, setzt sich das Konzept zunehmend durch. Dabei werden die Arbeitsmuster der Mitarbeiter nicht mehr exakt bestimmt, sondern in längeren flexiblen Aufgabenblöcken zusammengefasst. Die Mikroorganisation übernimmt der Mitarbeiter selbst. Er bleibt in seiner Arbeit flexibel und kann sie selbst gestalten.

Für computergestützte Prognosen, die auf Überlastungen hinweisen, muss die Planungssoftware das Verhalten des Mitarbeiters vorhersehen, was ein durchaus anspruchsvolles Unterfangen ist. Besonders schwierig wird es, wenn der Mitarbeiter parallel mit verschiedenen Aufgaben in mehreren Projekten beschäftigt ist und selbst bestimmt, wann er welche Tätigkeit durchführt. Agile Methoden wie Scrum umgehen das Problem, in dem sie eine Exklusivität des Mitarbeiters in einem Projekt vorschreiben. Moderne Kapazitätsabgleichverfahren wie das „Watermodel“ erreichen hier ausgezeichnete Ergebnisse, müssen aber teilweise Millionen von Kombinationen simulieren, wie der Mitarbeiter sich organisieren könnte, um dann zum wahrscheinlichsten Ergebnis zu kommen. Dank der ständig steigenden Leistungsfähigkeit der Computer gelingt dies heute in aller Regel in weniger als 200 Millisekunden, also in Echtzeit.

Bewertung von Portfolien

Viele Unternehmen bieten geschäftsbedingt wesentlich mehr Projekte an, als sie zu realisieren in der Lage sind. Sie gehen davon aus, dass nicht all ihre Angebote angenommen werden. Die angebotenen Überlastungen können durchaus den Faktor 10 übersteigen. Die Portfoliomanagement-Software müsste also jede Warnlampe einschalten, die ihr zur Verfügung steht. Die Risikoanalyse würde so überlagert und  weitgehend sinnlos. Kann aber jedes Angebot mit einer Eintrittswahrscheinlichkeit versehen werden, kann der Portfoliomanager aus der extremen Überbuchung ein wahrscheinliches Szenario zusammenstellen. Das Risikosystem des Programms kann wieder eingesetzt werden. Dessen ungeachtet können sich Projekte teilweise kurzfristig verschieben, oder die Wahrscheinlichkeit, dass ein Angebot (Projekt) angenommen wird, wurde falsch eingeschätzt. Hier ist dann der erfahrene Portfoliomanager gefragt, der die Einschätzungen gegebenenfalls „optimiert“. 

Ein Projektportfolio ist also eine übersichtliche Zusammenfassung der laufenden Projekte und der angedachten Projektideen, unter Berücksichtigung der Kapazitätsauslastung und der terminlichen Strukturen. Da die aktuell laufenden Projekte in der Kapazitätsplanung voll berücksichtigt werden, kann die Portfoliomanagement-Software entsprechende Machbarkeitsprognosen für die Projektideen ermitteln. Das neue Projekt kann folglich so terminiert und gestaltet werden, dass es trotzt der laufenden Projekte realisiert werden kann. Problematisch ist lediglich die Tatsache, dass alle laufenden und künftigen Projekte dynamisch in ihrer Entwicklung sind und sich daher verändern können.

Laufende Projekte sind durch Rückmeldungen der geleisteten Arbeitszeiten der Mitarbeiter und Planänderungen ständig in Bewegung. Um eine wirkliche Entscheidungsgrundlage zur Verfügung zu haben, müssen die Projektideen in diesem dynamischen Umfeld analysiert und gegebenenfalls angepasst werden. Die Software muss also alle vorhandenen Daten erfassen, verdichten und als Rahmenbedingung für die neuen Projekte bereithalten. Dies muss so schnell wie möglich erfolgen, sofort nachdem die Informationen in das System übertragen wurden, idealerweise in Echtzeit.

Der Portfoliomanager hat nun also einen Leitstand: Er sieht alle laufende Projekte eines Portfolios und gleichzeitig auch, wie sich in diesem Umfeld Projektideen darstellen. Da alle Änderungen in den Projekten sofort angezeigt werden, kann er umgehend auf die neue Situation reagieren. Beispielsweise kann es Abweichungen in laufenden Projekten geben, es ändert sich der Ressourcenbestand, weil ein Mitarbeiter das Unternehmen verlässt, und ein „Muss“-Projekt, das ursprünglich nicht im Portfolio vorgesehen war, wird auf Anweisung des Vorstands umgehend umgesetzt. Würden nun die geplanten Projekte umgesetzt, die vor den Änderungen noch als realisierbar eingestuft wurden, würden erhebliche Konfliktsituationen auftreten, die die finanzielle Situation des Unternehmens maßgeblich beeinflussen könnten.

Portfoliomanagement ist ein permanenter Prozess, der immer die aktuelle Situation des Unternehmens beachten muss. Dass die Geschäftsleitung bereits am Anfang eines Jahres die sukzessive Umsetzung einer bestimmten Zahl von Projekten beschließt und unwiderruflich an diesem Vorhaben festhält, erweist sich vor diesem Hintergrund als utopisch. Über Projekte müssen im Einzelfall entschieden werden, was zwar mehr Arbeit für die Entscheider impliziert, ihnen aber auch mehr Zeit und somit eine bessere Grundlage für ihre Entscheidungen gibt.

Projekte erfüllen durch Linien- und Projektorganisation

Die ständigen Konflikte zwischen Linie und Projekt kennt wohl nahezu jeder Manager. Vor allem dann, wenn sich die Mitarbeiter der Linie permanent über die durch die Projekte verursachten Veränderungen beschwert. Umgekehrt klagen die Projektmitarbeiter über die Stur- und Starrheit der Linien-Mitarbeiter. Wie lässt sich dieser Grundkonflikt lösen?

Linien- und Projektmitarbeiter denken und handeln anders

Der erste Schritt hierzu liegt in der Erkenntnis, dass Linie und Projekt aus zwei unterschiedlichen Perspektiven argumentieren. Drei Beispiele für diese gegensätzlichen Argumentationspaare:

Beispiel 1
Linien-Argumentation:

„Die Projektleiter hindern meine Mitarbeiter permanent am Erledigen ihrer Tagesaufgaben.“

Projekt-Argumentation:

„Immer wieder werden kurzfristig zugesicherte Ressourcen aus dem Projekt abgezogen, weil für die Führungskräfte in der Linie das Tagesgeschäft Vorrang hat.“

Beispiel 2
Linien-Argumentation:

„Dauernd mischen sich die Projektleiter in unsere Entscheidungen ein und möchten über alles informiert werden.“

Projekt-Argumentation:

 „Damit wir das Projekt erfolgreich managen und schnell Entscheidungen treffen können, bedarf es einer regelmäßigen Kommunikation, einer zeitnahen Information sowie klarer Eskalationswege.“

Beispiel 3
Linien-Argumentation:

„Immer wieder fordern die Projektleiter von uns schnell irgendwelche Sonderlösungen und hebeln dadurch unser Tagesgeschäft aus.“

Projekt-Argumentation:

„Die Starrheit und mangelnde Flexibilität der Linie erschweren uns die Arbeit im dynamischen Projektgeschehen.“

Um die jeweilige Argumentationsweise zu verstehen, sollte man sich immer wieder die Charakteristika der beiden Organisationsformen vor Augen führen, die in der folgenden Grafik dargestellt werden.

Beide Organisationsformen besitzen Vor- und Nachteile. Die Vorzüge von Linienstrukturen etwa sind im Idealfall:

  • Klare Entscheidungs- und Kommunikationswege
  • Jeder weiß, was er zu tun hat
  • Effiziente Arbeitsweise bei wiederkehrenden Aufgaben
  • Dauerhaft gleiche beziehungsweise ähnliche Arbeitsbedingungen und -abläufe geben Orientierung und schaffen Sicherheit

Zu viel Linienorganisation kann jedoch zu folgenden Nachteilen führen:

  • Fehlende Flexibilität und Starrheit
  • Bürokratismus
  • Keine kreativen Einzellösungen in Ausnahmesituationen, sondern nur noch Dienst nach Vorschrift

Die Vorzüge von Projektstrukturen sind hingegen:

  • Flexibilität
  • Innovative und kreative Lösungen als Resultat von interdisziplinärer Teamarbeit
  • Motivierende Wirkung durch neue Herausforderungen

Zu ausgeprägte Projektstrukturen bringen jedoch oft folgende Nachteile mit sich:

  • Werden Projekte, je nach Größe, nicht mit einem Mindestmaß an Standards und Prozessen versehen, versinken sie im Chaos und erreichen ihre Ziele nicht.
  • Die anhaltende Dynamik und die permanenten Veränderungen können zu einer Überforderung der Mitarbeiter führen.

Konflikt zwischen Linie und Projekt überwinden

Folgende vier Schritte sind notwendig, um aus dem Teufelskreis auszubrechen, der von gegenseitigen Schuldzuweisungen zwischen Linie und Projekt geprägt ist:

1. Ziele ermitteln und benennen

Sowohl für die Linie als die Gesamtorganisation oder als ein einzelner Geschäftsbereich als auch für das Projekt sollten konkrete Ziele ermittelt und benannt werden. Das Top-Management und die Linien- und Projektverantwortlichen müssen zunächst klären, welche Ziele in der Organisation bestehen und in welcher Beziehung sich diese zueinander befinden. Hierbei hilft das Erstellen einer Ziel-Beziehungs-Matrix. In ihr werden nicht nur die verschiedenen Ziele erfasst, sondern sie visualisiert auch, in welcher Beziehung diese zueinander stehen:

  • Widersprechen sich die Ziele und muss deshalb ein betriebswirtschaftlich oder aus Kundensicht sinnvoller Kompromiss zwischen ihnen gefunden werden?
  • Verhalten sich die Ziele neutral zueinander?
  • Wirkt sich das Erreichen eines Ziels sogar förderlich auf das Erreichen des anderen aus?

Mit Hilfe einer Ziel-Beziehungs-Matrix lassen sich häufig erstaunlich einfach wichtige Erkenntnisse gewinnen. So wird bei der Erstellung den Beteiligten zum Beispiel oft klar, dass manche Linienziele mit gewissen Projektzielen nicht nur konkurrieren, sondern diesen sogar widersprechen. In diesem Fall muss das Management eine klare Richtung vorgeben und Prioritäten setzen. Innerhalb dieser Rahmenbedingungen kann dann die Zusammenarbeit zwischen beiden Strukturen ausgestaltet werden.

2. Projektorganisation definieren und implementieren

Das Festlegen einer Marschrichtung und das Setzen von Prioritäten sind wichtige Voraussetzungen für den zweiten Schritt. Denn von der Bedeutung der Projekte beziehungsweise Projektziele für die Organisation hängt auch ab, wie die Projektorganisation gestaltet ist. In der Theorie werden drei Ausprägungen unterschieden, die je nach Projektpriorität anzuwenden sind: 

Projekteinflussorganisation
Eine Projekteinflussorganisation eignet sich vor allem für Projekte mit geringem Umfang und Innovationsgrad sowie wenn Risiken und Bedeutung gering sind.

Projekt-Matrix-Organisation
Eine Projekt-Matrix-Organisation empfiehlt sich vor allem bei Projekten, deren Koordinationsaufwand und Priorität zu hoch für eine Einflussorganisation sind. Außerdem ist sie durch die flexible Zuteilung von Personalressourcen für das parallele Durchführen mehrerer Projekte geeignet.

Reine Projektorganisation
Eine reine Projektorganisation eignet sich vor allem für umfangreiche Projekte mit einer hohen strategischen Bedeutung. Alle Projektbeteiligten werden aus den verschiedensten Unternehmensbereichen ausgegliedert und einem eigenen Projektbereich für die Dauer des Projekts zugeordnet. Eine klar definierte Projektorganisation ist essentiell für erfolgreiches Projektmanagement:

  • Sie schafft Klarheit darüber, wer zum Projekt gehört und wer nicht (also zur Linie zählt).
  • Sie gibt einen Eskalationsweg vor, der es ermöglicht, Entscheidungen schnell zu treffen.

Die Fachliteratur geht häufig davon aus, dass für eine effektive Projektorganisation neben einem Projektteam und einem Projektleiter auch ein Lenkungsausschuss als interner Auftraggeber und oberste Eskalationsinstanz benötigt wird. In der Praxis ist dieser jedoch bei vielen Projekten nicht notwendig, zum Beispiel bei eher kleinen und für den Unternehmenserfolg nur indirekt bedeutsamen Projekten mit einer Projekteinflussorganisation. Hier genügt meist ein interner Auftraggeber in Form einer Person.

Anders stellt sich das bei Projekten dar, die sehr bedeutsam und komplex sind. Je höher die Bedeutung und Komplexität, desto eher wird auch ein Lenkungsausschuss benötigt. So kann zum Beispiel bei einer Projekt-Matrix-Organisation, abhängig von der Zahl der Projekte, deren Bedeutung sowie Interdependenz, das Einrichten eines Lenkungsausschusses durchaus sinnvoll sein. Bei einer reinen Projektorganisation wiederum ist ein Lenkungsausschuss, bestehend aus den wichtigsten Interessengruppen und Entscheidern im Unternehmen, unerlässlich.

3. Einführen von Job-Rotation

Wie bereits beschrieben, argumentieren die Linien- und Projekt-Verantwortlichen zumeist ausschließlich aus ihrer Perspektive –  manchmal bewusst, um eigene Ziele zu realisieren, häufig aber auch unbewusst, ohne die Auswirkungen des eigenen Handelns für die jeweils andere Partei zu sehen. Die Einführung von Job-Rotation zwischen beiden Parteien kann helfen, diese Negativspirale zu durchbrechen. Hierbei wechseln die Mitarbeiter beispielsweise in Zwei- oder Drei-Jahresrhythmen zwischen Linien- und Projektaufgaben. Dies gilt nicht nur für die Projektmitarbeiter, die in der Projektmatrix- und -einflussorganisation ohnehin bereits zwischen Linie und Projekt pendeln, sondern auch für die Führungskräfte in der Linie.

Eine regelmäßige Rotation zwischen Linie und Projekt hat folgende Vorteile:

  • Die Führungskräfte und Mitarbeiter aus der Linie lernen projekthaft und flexibel in einem dynamischen Umfeld zu arbeiten.
  • Die Linienmitarbeiter verstehen die Ziele, Herausforderungen und Anliegen ihrer Projektkollegen und können deshalb reibungsärmer mit ihnen zusammenarbeiten.
  • Durch die regelmäßige Rotation arbeiten die Linienmitarbeiter immer wieder mit neuen Kollegen zusammen (in der Linie und in Projekten) und erweitern so ihr Netzwerk, was auch den Wissensaustausch in der Gesamtorganisation fördert.

4. Förderung einer konstruktiven Konfliktkultur

Alle voran stehenden Überlegungen und Handlungsempfehlungen sind richtig und wichtig. Es wäre jedoch ein Irrglaube anzunehmen, durch deren Berücksichtigung würden Projekte zu Selbstläufern. Auch die beste Projektorganisation und Prozessbeschreibung kann Konflikte nicht verhindern. Deshalb dürfen in den Projekten beziehungsweise in der Gesamtorganisation Konflikte nicht nur negativ gesehen, sondern vielmehr muss auch deren positive Wirkung verstanden werden. Zudem muss in der Organisation eine konstruktive, lösungsorientierte Konfliktkultur bestehen. Eine solche Kultur und Atmosphäre des Mit- statt des Gegeneinanders setzt folgende drei Faktoren voraus:

Wollen:
Die Mitarbeiter müssen erkennen, welche Vorteile eine positive und konstruktive Konfliktkultur (auch für sie) hat und müssen diese umsetzen wollen. Ohne diese Erkenntnis ist jegliche diesbezügliche Förderung zum Scheitern verurteilt.

Dürfen:
Die Mitarbeiter und Führungskräfte des mittleren Managements brauchen Vorbilder, an denen sie sich orientieren können. Nur wenn die (oberen) Führungskräfte hierarchie- und bereichsübergreifend an einem Strang ziehen (und Bereichs-Egoismen zurückstellen), können sie gemeinsam den Rahmen für eine lösungsorientierte Konfliktkultur in der (Gesamt-)Organisation schaffen, in der Konflikte positiv bewertet und gelöst werden.

Können:
Die Mitarbeiter der Organisation müssen dazu befähigt werden zu verstehen, welche Vorteile ein konstruktiver Umgang mit Konflikten hat und wie man Konflikte konstruktiv löst. Denn nur selten sind Mitarbeiter von Geburt an perfekte Konfliktlöser: Sie müssen diese Kompetenz erst entwickeln.

Projekte und Projektarbeit erfolgreich meistern

Projekte managen ist heute eine Alltagsaufgabe in den meisten Unternehmen. Zahlreiche Aufgaben lassen sich nicht mehr abteilungs- oder bereichsspezifisch lösen, sondern erfordern für einen bestimmten Zeitraum die unternehmensweite Zusammenarbeit mehrerer Mitarbeiter und Teams. Viele moderne Unternehmen nennen ihre Projekte schon gar nicht mehr Projekte, sondern Initiativen. Meistens wird jemand vom Management beauftragt, etwas zu initiieren, dann ein Projektteam zusammengestellt, Meilensteine definiert, Aufgabenpunkte erarbeitet, Maßnahmenpläne erstellt und ToDo-Listen mit Endterminen verteilt.

Warum Projekte immer wieder scheitern

In der Realität scheitern jedoch viele Projekte und Initiativen, da die Projektarbeit oftmals mit dem Tagesgeschäft kollidiert und die Projektorganisation nur halbherzig aufgesetzt ist. Grundsätzlich gilt: Auf eine spezifische Projektorganisation kann dann verzichtet werden, wenn die Aufgabenstellung wenig komplex und der Hauptteil der zu lösenden Aufgaben in der jeweiligen Fachabteilung liegt. Für größere und umfassendere Aufgaben hingegen, bei denen zudem viele Bereiche beteiligt sind, empfiehlt sich eine spezifische Projektorganisation. 

In vielen Projekten ist dann aber festzustellen, dass neben Freizeit und manchem Feierabend auch Stunden des Tagesgeschäftes für das Projekt geopfert werden müssen, was dem Linienvorgesetzten des Projektmitarbeiters nicht gefallen kann. Rügen und Disziplinarmaßnahmen sind die Folge. Es gibt keinen Regelmechanismus, der diesen Konflikt lösen kann. Häufig wird das Projekt zurückgefahren oder gar vollständig eingestellt. Mühsam gefundene Budgets fließen in andere Kanäle ab, das Projekt verschwindet wieder von der Bildfläche und die Skepsis unter den Mitarbeitern gegenüber der Projektarbeit ist eher größer geworden.

Um angedeutete Barrieren zu überwinden, das Personal gegebenenfalls zu schulen und Projekte gezielt zu starten, voranzubringen und erfolgreich abzuschließen, braucht es eine unternehmensweite Projektkultur – und die kommt nicht von allein.

Projektklima

Als erstes gilt es, eine grundsätzliche Offenheit für die Zusammenarbeit in Projekten zu entwickeln. Gut gesteuerte Projekte und nicht nur das Tagesgeschäft bringen das Unternehmen weiter. Dieser Grundgedanke muss im ganzen Unternehmen Raum greifen. Die Führungsmannschaft muss in Konferenzen und Einzelgesprächen davon überzeugt werden, um dann über alle Kommunikationskanäle die Mitarbeiter ins Boot zu holen.

Auswahl der Projektleitung

So dann müssen die Rollen geklärt werden, insbesondere die der Projektleitung und der Teammitglieder. Projektleiter müssen Führungsstärke, ein hohes Maß an Sozialkompetenz sowie eine hohe methodische Qualifikation besitzen. Sie haben in der Regel keine disziplinarische Gewalt über die Projektmitarbeiter, diese obliegt weiterhin den Linienvorgesetzten. Somit gilt es, diese auf ihre notwendige Unterstützung vorzubereiten. Ohne den normalen Vorgesetzten eines Mitarbeiters lässt sich dieser nicht für erfolgreiche Projektmitarbeit einsetzen, und der Projektleiter steht von Beginn an auf verlorenem Posten.

Hinzu kommt, dass bei der Entscheidung, wer die Projektleitung übernehmen soll, die Wahl oft auf Mitarbeiter fällt, die zwar ein großes Entwicklungspotenzial haben, aber noch keine gereiften Führungskräfte und Projektmanager sind. Die Projekte werden so besetzt, dass sie für die Projektleiter eine Chance bilden, sich im Unternehmen zu bewähren. Die Folge: Die Projektleiter werden von Führungskräften und Spezialisten oft nicht als gleichrangige Gesprächspartner akzeptiert. Hinzu kommt, das hoch motivierte und nach oben strebende Projektmanager auch noch als Konkurrenten auf dem Weg nach oben angesehen werden, was die Zusammenarbeit ebenfalls noch erschwert. Auf diese Zusammenhänge und Folgewirkungen sollte bei der Besetzung der Projektleiter-Position unbedingt geachtet werden.

Auswahl des Projektteams

Bei der Auswahl beziehungsweise der Zusammenstellung der geeigneten Teams kommt es darauf an, dass Gruppen und Know-how-Träger ausreichend vertreten sind. Ein ausgewogenes Verhältnis der Kritiker, Träumer und Realisten ist eine gute Erfolgsbasis für ein Projekt. Hierbei ist darauf zu achten, dass sowohl das notwendige Expertenwissen in das Team einfließt als auch die Fähigkeiten zur Koordination und Zusammenarbeit unter den Teammitgliedern vorhanden sind.

Die personelle Zusammensetzung eines Projekts bestimmt sein Innovationspotenzial und die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Transfers der Ergebnisse in die Alltagsarbeit entscheidend mit. In diesem Zusammenhang sind auch die für das Projekt zur Verfügung gestellte Arbeitszeit sowie die entsprechende Entlastung beziehungsweise Freistellung der Mitarbeiter von ihrer Kerntätigkeit zu klären. Für die konkrete Zusammensetzung des Teams gilt, dass ein Team nicht zu groß sein sollte – eine optimale Gruppengröße umfasst in der Regel fünf bis acht Personen. Bei größeren Projekten bedeutet dies unter Umständen die Bildung mehrerer Teilprojektgruppen.

Projektplanung und -organisation

Projekte müssen richtig geplant und organisiert werden. Neben dem großen Überblick und unter Vorausschau auf mögliche Hindernisse gilt es, auch kleine Umsetzungsschritte detailliert zu planen. Nur so lassen sich Zeit- und Kostenbedarf im Auge behalten. Um ein Projekt nicht als Insellösung entstehen zu sehen, ist eine Abhängigkeitsanalyse aller notwendigen und geplanten Projekte sinnvoll, um redundantes Arbeiten zu verhindern und Folgeabhängigkeiten zu planen. Die Projektorganisation erfordert eindeutige Regelungen, wie das Projekt in der bestehenden Linienorganisation eingebettet ist. Sinn und Zweck jeder Projektorganisation ist es, eine klare Regelung zu finden, Mitarbeiter verschiedener Fachbereiche in einer möglichst flachen Organisationsstruktur einzubinden.

Grundsätzlich sollte jedes Projekt mindestens vier Stufen umfassen, die klar voneinander abzugrenzen sind:

Vor- oder Planungsphase:
Hier werden die Erwartungen, Ziele, Rahmenbedingungen und Voraussetzungen für die eigentliche Projektarbeit definiert und vereinbart.

Analysephase:
Sie dient der Bestandsaufnahme, deren Ergebnisse die Grundlage zur Ableitung von Folgeschritten und Maßnahmen liefern.

Konzeptphase:
Hier werden die entsprechenden Maßnahmen erarbeitet.

Umsetzungsphase:
In ihr wird das Konzept umgesetzt und die damit erzielten Ergebnisse auf ihre Wirkung und Zielerreichung überprüft und bewertet.

Konfliktmanagement

Weil Konflikte aufgrund der Projektorganisation entstehen können, ist es notwendig, konfliktschlichtende Gremien oder Projektmentoren und -sponsoren für Schlichtung und Moderation zu installieren. Lässt sich im Dialog keine Lösung finden, müssen Entscheidungen von befugten Stellen getroffen werden. Hierbei ist politisches Fingerspitzengefühl nötig, da getroffene Entscheidungen zu Gunsten oder zu Ungunsten von Linienvorgesetzten oder anderen Beteiligten ausfallen können. Um auch Akzeptanz in der Belegschaft zu finden, bietet sich an, alle Mitarbeiter des Unternehmens regelmäßig über bestimmte Meilensteine zu informieren und ihnen gegenüber Projekterfolge zu präsentieren.

Projektabschluss

Ist das Projekt sinnvoll implementiert, sollten die Ergebnisse im Unternehmen vorgestellt werden und die Veränderungen, die durch das Projekt entstanden sind oder noch entstehen sollen, mit Leben gefüllt werden. Eventuell müssen hier die Veränderungen auch wieder begleitet werden. Systeme sind träge und werden in alte Gewohnheiten zurückfallen, wenn Nutzen und Vorteile von Projektergebnissen nicht gesehen werden und es zu viel Aufwand kostet, die Veränderung umzusetzen.

Hinweis

In unserem Themenspecial haben wir Herausforderungen, Fehler, Leitlinien und Tipps für Projektleiter und Projektmitarbeiter zusammengestellt. Damit können Sie sich auf Ihr nächstes Projekt vorbereiten oder es trotz aller Schwierigkeiten zum Abschluss bringen. Zudem erhalten Sie zwei komplette Lösungshilfen mit Arbeitsvorlagen:

Themenspecial Projekte planen und durchführen>> [31]

Regeln bei Kommunikation über Social Media

Wenn Unternehmen die Kommunikation via soziale Plattformen wählen, sollten sie Regeln beachten, um in der Community akzeptiert zu werden. Wichtigstes Ausschlusskriterium: Social-Media-Plattformen werden als Kanäle für Werbespots genutzt. Hier drohen Spott und Häme statt positiver Aufmerksamkeit! Im Folgenden werden die zehn wichtigsten Do's and Don'ts in Form eines Social-Media-Knigge zusammengefasst:

1. Authentizität

Wer als Firmenvertreter bloggt oder postet, muss sich als Mensch zu erkennen geben. Nicknames und Pseudonyme sind Gift für eine wahrhaftige Kommunikation. Das gilt auch für die Botschaften: aufdringliche Werbung ist tabu. Gefragt sind Witz und Selbstironie.

2. Angaben zur Person

Je nach Plattform sind diese unterschiedlich. Während User auf einer Business-Plattform wie Xing und LinkedIn gerne ausführliche Lebensläufe lesen, gelten diese Infos auf allen anderen Kanälen eher als Angeberei. Hier ist weniger mehr, es reichen Angaben zum aktuellen Status im Unternehmen sowie der aktuelle Stand- und ehemalige Studienort. Oder Hinweise auf eine Mitarbeit in anderen sozialen Netzwerken oder Gruppen.

3. Bildauswahl

Ähnliches gilt für die Bildauswahl. Bei Karriere-Plattformen sollte das Foto „businesslike“ sein: Anzug, Kostüm, auf die Person beschränkt und seriös. Für Facebook & Co. hingegen sind kreativere Fotos geeignet, die individueller gestaltet sind und mehr als das Porträt zeigen. So kann etwa ein Firmen-Blogger mit dem Produkt seines Unternehmens in die Kamera lächeln: ein Bierbrauer vor dem Sudkessel, eine Reisekauffrau am Strand oder ein Modeexperte auf dem Laufsteg stehen.

4. Häufigkeit der Kommunikation

In sozialen Netzwerken ist die Häufigkeit dfer Kommunikation ein Drahtseilakt. Während mehrmals täglich 140-Zeichen-Mitteilungen bei Twitter als normal empfunden werden, stören diejenigen, die sich auf MySpace und in den VZ-Netzwerken mehrmals am Tag mitteilen.

5. Anzahl an Posts

Wer als Experte oder zumindest als kompetenter Firmenvertreter wahrgenommen werden will, sollte sparsam mit seinen Posts umgehen. „Sag nur etwas, wenn du etwas zu sagen hast“, ist ein ungeschriebenes Gesetz im Web 2.0. Wie im realen Leben sind Menschen, die gerne zu ausführlich reden, auch in sozialen Netzwerken mitunter verpönt.

6. Teilen von Expertise

Expertise entsteht durch Teilen. Immer noch sind fast alle Inhalte im Netz kostenfrei. Fachleute geben in Foren ihr Wissen unentgeltlich preis und selbst Nachrichtenplattformen wie Spiegel-Online finanzieren sich ausschließlich über Werbung. Lediglich die Aufforderung, die E-Mail-Adresse für einen Download, etwa einer Checkliste, anzugeben, wird akzeptiert.

7. Souveränität

Wer einen Blog betreibt und interessante oder gar streitbare Inhalte bietet, wird Kommentierungen erhalten. Hier ist Souveränität gefragt. Zensieren geht  gar nicht und auch die Antworten auf bissige Kommentare sollten Dialogbereitschaft signalisieren. Die Angst davor, dass Unverschämtheiten in Kommentaren den eigenen Ruf belasten könnten, ist unbegründet, denn Spinner entlarvt die Community und straft sie mit Ignoranz ab.

8. Keine Besserwisserei

Besserwisser und so genannte „Trolle“ gelten als nicht beachtenswert. Sie sind nicht am Thema interessiert, sondern suchen im besten Fall nur eine Bühne. Im schlechten Fall wollen sie sabotieren oder beleidigen. Sie können getrost ausgesperrt werden.

9. Interesse zeigen

Wer im Netz ernsthaft sucht, Interesse zeigt und die Gemeinschaft befragt, will Antworten und wird ernst genommen. Deshalb sind Sprüche wie „Schau unter FAQ“ überflüssig. Stattdessen besser einen Link empfehlen, der die Antwort liefert.

10. Schnelle Reaktion

Das Internet und speziell die sozialen Plattformen leben von der Schnelligkeit. Als kompetent wahrgenommen wird der, der flott reagiert. Ein Firmenblog sollte daher täglich analysiert werden. Gerade bei Anfragen von Kunden sollte der Kommunikationskanal den gleichen Stellenwert genießen wie eine Hotline oder der persönliche Besuch.

Hinweis

Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e. V. (BITKOM) hat eine passende Publikation zum Thema herausgegeben: Social Media Guidelines - Tipps für Unternehmen [32]

Agiles Projektmanagement und Simulationssoftware

In Projektportfolien werden Projektideen und laufende Projekte zusammengefasst und bewertet. Letztlich geht es dabei um die Entscheidung, welche Projekte durchgeführt werden sollen und welche besser nicht. Eine Software, die den Entscheidungsprozess des Portfoliomanagers unterstützen soll, muss die wachsende und fluktuierende Datenmenge, die den Projekten und Projektideen zugrunde liegt, erfassen und bewältigen. In der Simulations-Software müssen die Daten intelligent aufbereitet werden, dass dem Manager eine fundierte und realistische Grundlage für seine Entscheidung zur Verfügung steht.

Projekte bestimmen in vielen Unternehmen die tägliche Arbeit und auch im Alltag setzt sich der Begriff „Projekt“ immer mehr durch. Ob zu Recht oder zu Unrecht, das soll hier nicht diskutiert werden. Aber überall wird von „Projekten“ geredet: in der Politik, im Sport und in der Werbung. Im Folgenden wird der Begriff im wirtschaftlichen Kontext benutzt. Ein Projekt wird hier als erfolgreich umgesetzt angesehen, wenn innerhalb eines geplanten Zeitrahmens mit dem vereinbarten Budget ein definiertes Ziel erreicht wurde.

Portfoliomanagement: Von der Idee über das Projekt bis zum Archiv

Ist ein Projekt erfolgreich verlaufen, wurde folglich der erstellte Plan eingehalten. Ob das Projekt aber für das Unternehmen nützlich und sinnvoll war, das ist nicht im Projektplan hinterlegt und wird dort auch nicht beurteilt. Doch genau darauf kommt es für ein Unternehmen an: Es geht nicht darum, irgendein Projekt erfolgreich abzuschließen, sondern es ist von zentraler Bedeutung, die richtigen Projekte durchzuführen und umzusetzen.

So entsteht ein recht einfacher Prozess, der zeitlich ausgerichtet ist: Zunächst entsteht ein Projekt in Form einer Idee, einer Kundenanfrage oder einer gesetzlichen Änderung. All diese Projekte, oder besser gesagt Projektideen, werden zunächst in einem Portfolio gesammelt. Dort werden sie auf ihre Realisierbarkeit und ihren unternehmerischen Nutzen hin geprüft. Die sinnvollen Projekte werden gestartet, die weniger sinnvollen verworfen oder zurückgestellt. Die Auswahl der richtigen Projekte ist ein permanenter Prozess. Jedes neue Projekt und jede neue Anfrage landet zunächst im Portfolio und wird dort nach Machbarkeit und Wert für das Unternehmen überprüft.

Kommt der Portfoliomanager zu dem Entschluss, ein Projekt umzusetzen, gibt er es frei. Die Realisierung erfolgt dann gemäß bewährter Projektmanagement-Methoden, unterstützt durch entsprechende Werkzeuge. Die genaue Umsetzung wird hier nicht thematisiert. Es kommt nicht selten vor, dass die Entscheidungen, welche Projekte des Portfolios in die Tat umgesetzt werden, nicht zeitnah, sondern zyklisch getroffen werden, also etwa jahres- oder quartalsweise. Dadurch verliert das Unternehmen Zeit und Geld, denn die Projekte, die umgesetzt werden sollen, haben einen gewissen potenziellen Nutzen und Wert, der erst mit der Realisierung des Projekts eintritt. Jeden Tag, an dem das „nützliche“ Projekt noch nicht umgesetzt ist, geht dem Unternehmen der positive Effekt dieses Projekts verloren.

Wurde ein Projekt erfolgreich abgeschlossen, sollte es nicht gelöscht, sondern archiviert werden. Neben einer gewissen Aufbewahrungspflicht bietet es sich häufig an, die Projektdaten als Grundlage für ähnliche Vorhaben zu verwenden. Leider herrscht die Sichtweise „aus den Augen, aus dem Sinn“ vor, so dass sich Unternehmen die Möglichkeit nehmen, aus Fehlern und aus erfolgreichen Projekten zu lernen.

Zwischenresümee:

In einer Organisation laufen Ideen in einem Portfolio zusammen. Dort werden sie auf ihre Realisierbarkeit und ihren Nutzen geprüft. Die Prüfung sollte zeitnah erfolgen, denn je früher ein neues Projekt startet, desto eher kann der beabsichtigte positive Effekt eintreten. Jahresplanungen, in denen das gesamte Projektportfolio zu einem bestimmten Zeitpunkt für das kommende Jahr vorgestellt und durch das Management entschieden wird, sind Relikte aus der Vergangenheit und sollten in modernen Organisationen nicht mehr vorkommen.

Problem: Viele Projekte binden viele Mitarbeiter

In einem Unternehmen laufen normalerweise immer mehrere Projekte zeitgleich, parallel dazu werden neue Projekte geplant und die Umsetzung weiterer Vorhaben beschlossen. Laufende Projekte binden Ressourcen und sind darüber hinaus auch häufig Vorgänger neuer Projekte. Daher ist ein Portfolio nur funktionsfähig und vollständig, wenn nicht nur die zukünftigen, sondern auch die laufenden Projekte berücksichtigt werden. Die Informationsqualität der laufenden Projekte bestimmt maßgeblich das Ergebnis der Portfoliosimulation künftiger Projekte. Daher müssen die Informationen möglichst aktuell und vollständig sein.

Idealerweise ist ein Projektleiter für genau ein Projekt zuständig, in der Praxis jedoch steht er mehreren Projekten vor. In alten Linienorganisationen werden die Projekte durch die Projektleiter nur verwaltet, die Entscheidungen selbst trifft der Abteilungsleiter. Dies verlängert die Prozesse und die Wahrscheinlichkeit, dass Fehlentscheidungen getroffen werden, steigt drastisch. Zu berücksichtigen ist auch, dass Projektarbeit eine Projektkultur in den Unternehmen voraussetzt. Hier haben viele Abteilungsleiter deutliche Defizite. Laufen übrigens mehr als 90 Prozent der Projekte „wie geplant“, sind entweder geniale Projektmanager am Werk oder die Daten schlichtweg falsch.

Neben den finanziellen Mitteln prägen vor allem die verfügbaren Ressourcen – also die Mitarbeiter – die Realisierbarkeit der Projekte eines Unternehmens. Für eine moderne Portfoliomanagement-Software ist die Tatsache, dass die Projektmitarbeiter üblicherweise in mehreren Projekten zugleich eingesetzt werden, eine Herausforderung. Neben ihrer Projektarbeit sind die Mitarbeiter auch mit dem routinemäßigen Tagesgeschäft und nicht planbaren Ad-hoc-Tätigkeiten ausgelastet. Dies gestaltet sowohl die Projektplanung als auch die Projektverfolgung komplex. In diesem Kontext ist es entscheidend für die Analyse des Portfolios, die Verfügbarkeit der vorhandenen Mitarbeiter für den betrachteten Zeitraum mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit vorhersehen zu können. Ist diese Wahrscheinlichkeit kleiner 50 Prozent, gerät die erfolgreiche Realisierung der Portfolien zur reinen Glückssache.

Moderne Projektmanagementsysteme sind in der Lage, solche umfassenden Sachverhalte zu erfassen. Manche Programme verfügen sogar über moderne Kapazitätsberechnungsmodelle wie „Watermodel“ oder „Critical Chain“, die den wirklichen Sachverhalt schon sehr gut darstellen und simulieren können. Diese Programme können dem Portfoliomanager in der Kapazitätsplanung eine wertvolle Hilfe sein.

Mitarbeiter arbeiten selten ausschließlich an Projekten, sie haben immer eine gewisse Grundlast und ein teilweise sehr umfangreiches routinemäßiges Tagesgeschäft. Teilweise liegt dieser Anteil an nicht projektbezogener Arbeit bei 50 Prozent und mehr. Das heißt: Nur die restliche Kapazität steht für Projektarbeit zur Verfügung. Dieser Umstand wiederum ist für die Simulation von Projektportfolien besonders problematisch. Mancher Mitarbeiter ist über mehrere Tage hinweg nur mit dem Tagesgeschäft oder mit Ad-hoc-Aufgaben beschäftigt, was schwer berechenbar ist.

Moderne Computersimulationen verfügen über eine Reihe interessanter mathematischer Modelle, um das wahrscheinlichste Verhalten der Mitarbeiter unter solchen Last-Konstellationen vorherzusehen. Manche Firmen verwenden hier (zu) einfache Modelle: Pro Tag wird einfach eine gewisse Stundenzahl bei der verfügbaren Kapazität abgezogen. Dies führt zu erheblichen Abweichungen, die zwar im Einzelfall gering sind, in der Summe aber die Simulation völlig falsch werden lassen.

Projekt-Programme und Projekte in Portfolien

Projekte, die zu einem übergeordneten Gesamtvorhaben gehören, werden als Programme zusammengefasst. Programme stellen somit eine Zwischenstufe von Projekten zu Portfolien dar. Zwei wesentliche Unterschiede gibt es zwischen Programmen und Portfolien: Die Projekte in einem Programm sind häufig miteinander verknüpft und ein Programm hat in der Regel ein Enddatum. Projekte in Portfolien hingegen stehen normalerweise nicht in einem Abhängigkeitsverhältnis zueinander, außerdem ist ein Portfolio ein permanenter, sich weiterentwickelnder Arbeitsvorrat. Computerprogramme für das Portfoliomanagement verzichten häufig auf das Feature „Programme“, da diese in so genannten Multiprojekten mit Unterprojekten zusammengefasst werden können. Insofern sind Multiprojekte mit Unterprojekten mit Projekt-Programmen inhaltlich identisch, es handelt sich lediglich um verschiedene Begrifflichkeiten.

Projekte werden in einem Portfolio in der Regel nur einfach abgebildet. In dem Eintrag sind die wesentlichen „Kopfdaten“ der Projekte wie Name, Projektbeginn und -ende sowie die Kosten hinterlegt. Darüber hinaus werden hier die grundlegenden allgemeinen Kapazitätsanforderungen ebenso eingetragen wie der Nutzen (monetär oder nach anderen Verfahren). Das Risiko wird teilweise manuell eingetragen, teilweise von dem Computerprogramm berechnet. Gerade im Bereich der Kapazitätsrisiken kann nur eine leistungsstarke Software die Datenmenge adäquat verarbeiten, die notwendig ist, um die Wahrscheinlichkeit einer Überlastung zu berechnen.

Die Visualisierung der Analyse der Projekte in einem Portfolio erfolgt üblicherweise in Quadranten oder Bubble-Charts. Auf der x-Achse des Diagramms wird das Risiko, auf der y-Achse der Nutzen abgebildet. Der Durchmesser der Kreise oder Kugeln spiegelt den geplanten Aufwand oder die Kosten wider. Viele Werkzeuge zum Projektportfoliomanagement bilden nur die neuen, noch nicht begonnenen Projekte ab. Nur wenige Systeme berücksichtigen in ihrer Simulation des Projektportfolios auch die laufenden Projekte und stellen sie simultan in einer Grafik dar.

Fazit

Die Analyse eines Projektportfolios muss seiner komplexen Struktur gerecht werden. Einerseits müssen Projektarbeit, Grundlasten und Ad-hoc-Tätigkeiten der Mitarbeiter beachtet werden, andererseits muss die Analyse auch die Tatsache berücksichtigen, dass Projektmitarbeiter (Ressourcen) in mehreren Projekten gleichzeitig eingesetzt werden. Vor diesem Hintergrund ist es ein Muss, dass die Analyse des Portfolios alle laufenden und die geplanten Vorhaben berücksichtigt und dabei auf die aktuellsten Daten – speziell der aktuelle Ressourcen- und Finanzmittelverbrauch – zugreift. Wenn die eingesetzte Portfoliomanagement-Software diese Basisdaten nicht berücksichtigen kann, ist das gesamte Portfolio sinnlos.

Datenmissbrauch durch Mitarbeiter und Datenschutz

1. Schutz vor externen Angriffen hat Vorrang

Zweifellos sind Attacken und Manipulationsversuche über das Internet eine kontinuierliche Gefahr auf gleichbleibend hohem Niveau. Studien zeigen aber wiederholt, dass beim Schutz vor Datendiebstahl eine besondere Gefahr von Tätern aus den eigenen Reihen ausgeht. Diesem Sachverhalt wird in den Security-Investitionen meist zu wenig Rechnung getragen, weil der Fokus fast ausschließlich auf die externen und öffentlich populär diskutierten Gefahren gerichtet wird.

2. Zu isolierte Impulse

Obwohl die IT-Sicherheit unwidersprochen ein unternehmensweites Thema darstellt, obliegt sie fast ausschließlich der IT oder den Security-Verantwortlichen. Diese funktionale Zuordnung ist zwar in fachlicher Hinsicht sinnvoll, darf aber nicht so weit gehen, dass die Business-Abteilungen von einem eigenen Engagement befreit werden. Dies ist jedoch in der Praxis weit verbreitet. Als Konsequenz fehlt es den Initiatoren von Maßnahmen an Unterstützung, mögliche Optimierungspotenziale in der IT-Sicherheit können nicht ausreichend aktiviert werden.

3. Wirtschaftliche Nutzeneffekte werden nicht gesehen

Investitionen in Sicherheitssysteme begründen sich im Regelfall mit der Abwehr von Gefahren, ohne dass ein Zusatznutzen erwartet wird. Im Falle der NAC-Lösungen zum Schutz vor internem Datenmissbrauch stellt sich die Situation jedoch anders dar, weil diese Systeme auch gleichzeitig zur Steuerung des Energieverbrauchs aller Netzwerkkomponenten eingesetzt werden können. Dies bewirkt einen ROI der NAC-Investition bereits im ersten Jahr. Solche Effekte werden in den Unternehmen jedoch nicht deutlich, weil die Verantwortlichen für die IT-Sicherheit einerseits und diejenigen für die Energiekosten andererseits hierzu nicht miteinander kommunizieren.

4. Keine wirkungsvolle Security-Führung

Weil die IT-Sicherheit in der Realität der Unternehmen keine oder nur eine geringe strategische Bedeutung hat, fehlt es den Security-Verantwortlichen an der notwendigen Durchsetzungskraft. Statt IT-Sicherheit als eine rein operative Funktion zu verstehen, bedarf es einer vom Top-Management unterstützten Roadmap. Sie muss explizit auch den internen Schutz vor Datenmissbrauch beinhalten, in ihren sicherheitsstrategischen Zielen mittelfristig angelegt sein und gleichzeitig die Unterstützungspflichten durch die gesamten Organisationseinheiten klären.

5. Angst vor hohem Projektaufwand

Entgegen einer weit verbreiteten Annahme sind NAC-Lösungen typischerweise so angelegt, dass sie eine zeitaufwändige Projektrealisierung vermeiden. Dadurch lassen sich Implementierungen bereits in wenigen Stunden vornehmen. Auch für eine flexible Skalierung des Security-Systems gilt dies. Voraussetzung einer schnellen Implementierung ist die konzeptionelle Ausrichtung der Lösung als Management-Tool, das technisch nicht in die bestehende Infrastruktur integriert werden muss.

6. Fehlende Administrationsressourcen als Argument

Der Hinweis auf den Betreuungsaufwand resultiert vornehmlich aus Erfahrungen mit Managementtools aus anderen Funktionsbereichen, geht aber im Falle von NAC-Lösungen im Regelfall an den realen Gegebenheiten vorbei. Vielmehr sind sie ähnlich ihrer aufwandsarmen Implementierung so angelegt, dass lediglich ein unbedeutender Administrationsbedarf entsteht und somit die IT-Ressourcen nicht nennenswert belastet werden.

7. Beschränktes Augenmerk auf klassische mobile Geräte

Fast alle Mitarbeiter und Personen mit Zutritt zu den Betriebsräumen tragen heutzutage Handys bei sich, teilweise auch andere Mobile Devices mit Speicherfunktionen. Dabei verfügen typische Mobiltelefone heutzutage über ein beträchtliches Speichervolumen, so dass damit bei fehlenden NAC-Lösungen potenziell umfassende Daten widerrechtlich herunter geladen werden können.

8. Irrglaube: Angriffe zielen nur auf große Namen

Letztlich besitzt jedes Unternehmen eine Menge schützenswertes Know-how, auch die kleineren Betriebe. Denn gerade mittelständische Firmen zeigen meist eine große Innovationskraft, entwickeln kontinuierlich Produktneuheiten und haben deshalb eine große Anziehungskraft für wirtschaftskriminelle Aktivitäten. Insofern droht auch ihnen im Falle des Verlustes von Informationen ein erheblicher Schaden.

9. Angst vor Transparenz

NAC-Systeme bilden über das Live-Monitoring und Bestandsmanagement die gesamte Gerätelandschaft innerhalb der Netzwerk-Infrastruktur ab. Somit würden dann auch alle Schwächen ans Tageslicht befördert, für deren Beseitigung möglicherweise keine Ressourcen bestehen. Deshalb wird trotz erkannter Notwendigkeit die Einführung einer NAC-Lösung gerne ohne feste zeitliche Planung in die Zukunft verschoben.

Quelle: Mikado Soft GmbH

Mittelstand und Cloud Computing

In vielen mittelständischen Unternehmen wird heutzutage eine Frage heiß diskutiert: Wie lässt sich die Effizienz, die Cloud Services mit sich bringen, mit der nötigen Sicherheit der eigenen Daten verbinden? Angesichts diverser Datenskandale und strenger Compliance-Richtlinien überwiegt bei den IT-Verantwortlichen häufig noch die Skepsis gegenüber der nebulösen Cloud. Die Mitarbeiter in den Fachabteilungen hingegen begrüßen die unkomplizierten Dienste aus der Wolke. Schließlich müssen sie in ihrer täglichen Arbeit schnell Ergebnisse abliefern, in Echtzeit Projektinformationen mit Kollegen an anderen Standorten austauschen, mobil auf Daten zugreifen und flexibel auf unvorhergesehene Projektänderungen reagieren – mit Software as a Service (SaaS) ein Kinderspiel.

IT-Wildwuchs in vielen Abteilungen

Genau dieser Interessenkonflikt macht es jedoch zusehends komplizierter, die Risiken für die IT-Infrastruktur in den Griff zu bekommen. Dies gilt umso mehr, als Mitarbeiter ihre privaten, vor allem mobilen Endgeräte im Rahmen von „Bring you own Device“ (ByoD) für die Arbeit in der Firma verwenden, zum Beispiel zum Empfangen von E-Mails. Oft führen sie auch Lösungen zum gemeinsamen Dateizugriff, so genannte Filesharing-Lösungen, Backup- und Recovery, Projektmanagement- und andere Collaboration-Tools und Apps aus der Cloud eigenmächtig ein, um effizienter zu arbeiten. Einerseits wird dies vom Management oder den kaufmännisch verantwortlichen Personen aus Kostensenkungs- und Effektivitätsgründen nicht nur geduldet, sondern sogar unterstützt. Andererseits kommt es für die IT-Abteilungen dem Hüten eines Sacks Flöhe gleich, den dadurch entstehenden Wildwuchs ihrer IT-Landschaft zu verwalten.

Sie müssen sich bei der Einbindung von privaten, insbesondere mobilen Endgeräten und cloud-basierten Lösungen in die IT-Infrastruktur Fragen stellen wie:

  • Wie lassen sich die Endgeräte vor dem Zugriff Dritter, etwa bei Verlust des Gerätes, schützen?
  • Wie kann die Datenverbindung abgesichert werden?
  • Wie kann sichergestellt werden, dass ein privates Gerät keine Malware in das firmeninterne Netzwerk einschleust?
  • Wie lassen sich private Geräte in die internen Sicherheitsrichtlinien und Compliance-Policies integrieren (zum Beispiel Patchmanagement oder Updates)?
  • Wie lässt sich sicherstellen, dass die Systeme ausfallsicher und redundant sind, dass Backups periodisch und gewissenhaft ausgeführt werden und dass die Wiederherstellung funktioniert und regelmäßig getestet wird?
  • Wie können Firmendaten, E-Mails, Kontaktdaten oder Projektinformationen vom mobilen Gerät des Mitarbeiters gelöscht werden, ohne dessen Privatsphäre zu verletzen, wenn dieser das Unternehmen verlässt?
  • Wo sind die sensiblen Unternehmensdaten gespeichert und wer hat die Kontrolle darüber?
  • Wie sicher ist die Infrastruktur des Cloud-Service-Anbieters und welche Rechte an den Daten behält er sich vor?

All diese Fragen sind teilweise hoch kritisch und ihre Beantwortung erfordert großen Weitblick. Die Herausforderung liegt darin, die Übersicht zu behalten in dem schier unüberschaubaren Dschungel an Verordnungen, Lösungen, Cloud-Services und Anbietern. Dies alles ist Aufgabe der IT-Abteilung, die auf gutes Know-how angewiesen ist.

Einheitliche Sicherheitsstrategie bei Cloud-Lösungen

Statt eines Flickenteppichs an Lösungen ist deshalb in erster Linie eine transparente und einheitliche Sicherheitsstrategie, die sowohl Cloud-Technologien als auch alle Mitarbeiter einbindet, unabdingbar für die Sicherheit von Daten und Unternehmen. Dabei gilt es, zwischen zwei Aspekten von Cloud Security zu unterscheiden:

1. Security-Lösungen, die aus der Cloud heraus als Services bezogen werden, zum Beispiel Web- und E-Mail-Security as a Service oder Authentifizierungsdienste.

2. Sicherheitsvorkehrungen, um Unternehmensdaten in der und auf dem Weg in die Cloud zu schützen, zum Beispiel verschlüsselte Datenübertragung, Einhaltung aller rechtlichen Vorgaben oder physische Sicherheit wie Zugangskontrolle zu den Cloud-Rechenzentren.

Beide Punkte bringen große Hürden und Herausforderungen für den Mittelstand mit sich. Denn was in Großkonzernen längst täglich gelebte Praxis ist, findet man in kleineren Unternehmen häufig nur unzureichend: Klare Spielregeln in Sachen IT-Sicherheit! Für die meisten Mittelständler ist es ein erheblicher Kraftakt, alle Sicherheitsanforderungen zu erfüllen und passende Lösungen einzusetzen. Oft fehlen dafür schlichtweg die personellen und finanziellen Ressourcen.

Doch gerade mit Hilfe von Cloud-Computing-Services können Mittelständler nun auch auf bislang zu kostspielige Sicherheitslösungen zurückgreifen. Sogar individuell programmierte Spezialanwendungen können heute als nutzungsabhängiger Service flexibel über das Internet bezogen werden. Dies gilt auch für Anwendungen jenseits der gängigen Standardvorkehrungen, etwa URL- und Web-Content-Filter, E-Mail-Archivierung oder generelle revisionssichere Archivierung. Richtig zusammengestellt, führen derartige Cloud-Computing-Services zu einem Plus an Sicherheit im Mittelstand.

Ein Beispiel ist die „Starke Authentifizierung“, also das sichere Erkennen der Nutzer beim Zugriff auf die Unternehmenssysteme. Die dafür notwendige Software oder Infrastruktur ist in der Regel sehr teuer und beispielsweise für ein Ingenieurbüro mit fünf Mitarbeitern weder erschwinglich noch sinnvoll. Deutlich zweckmäßiger ist es für das kleine Unternehmen hingegen, die sichere Authentisierung über einen flexibel abrechenbaren Cloud Service zu beziehen und sich so zuverlässig etwa vor Industriespionage zu schützen.

Cloud-Anbieter muss Sicherheit dauerhaft gewährleisten

Da der sichere Betrieb von IT-Infrastrukturen zum Kerngeschäft von spezialisierten Cloud-Anbietern gehört, übertreffen diese das Sicherheitsniveau eines Großteils der Mittelständler meist deutlich. Ihre IT-Infrastruktur ist mehrfach redundant ausgelegt und sie verfügen über Sicherheitstechnologien und Prozesse, die denen von Großunternehmen gleichen. Das Argument vieler IT-Verantwortlicher und Mittelstands-Manager, die Datenhaltung im eigenen Haus sei unbedenklicher, trifft also oft nicht zu. Denn was nutzt es, wenn die Daten zwar im eigenen Rechenzentrum liegen, Hacker und andere Unbefugte aber ein leichtes Spiel haben, darauf zuzugreifen?

Das A und O bei der Cloud-Sicherheitsstrategie ist nicht nur die Auswahl des richtigen Cloud-Anbieters, sondern auch die ständige Überprüfung, ob dieser alle notwendigen Sicherheitsparameter permanent umsetzt. Für einen Mittelständler mit begrenzten Ressourcen und eingeschränktem IT-Know-how kann es von Vorteil sein, einen herstellerunabhängigen externen Berater ins Boot zu holen. Dieser kann Unternehmen vom Transformationsprozess über die Auswahl bedarfsgerechter Cloud-Lösungen und zuverlässiger Anbieter bis hin zur Vertragsgestaltung und Inbetriebnahme der Services begleiten. So gelingt es zum einen, Kosten zu senken und effizienter zu arbeiten, da die Geschäftsverantwortlichen sich auf ihr Kerngeschäft statt auf die Erfüllung von Sicherheitsauflagen konzentrieren können. Zum anderen können mittelständische Unternehmen durch Cloud Services und mit dem richtigen Partner Sicherheitsvorschriften einhalten, die bisher aufgrund von Unkenntnis und Zeitmangel vernachlässigt wurden.

Checkliste

Zehn Schritte in die Cloud

  • Definition des Ist-Zustandes der aktuellen IT-Architektur
  • Definition des Soll-Zustandes: Die Differenz ist erst einmal neutral zu betrachten und kann auch für eine Verbesserung der lokalen IT verwendet werden
  • Analyse der Infrastruktur, die aktuell in die Cloud ausgelagert werden kann
  • Marktanalyse: Vor- und Nachteile (organisatorisch, kaufmännisch, technisch), Konsequenzen und notwendige Veränderungen (zum Beispiel Anpassung interner Abläufe)
  • Konzeption des Pflichtenheftes für die gesamte IT oder einen Teilbereich (Backup, Web-Content-Filter, CRM System)
  • Erstellung der Ausschreibungsunterlagen und Durchführung der Ausschreibung
  • Vergleich der Anbieter, Vertragsverhandlungen, Abwägung interner Alternativen
  • Migrationskonzept
  • Testmigration beziehungsweise Migration
  • Betrieb

Social Media in der Unternehmenskommunikation

Trotz steigender Investitionen und zunehmender Nutzung werden die Potenziale von Social Media für die Kommunikation auch von vielen Unternehmen bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Dies zeigt die Studie „Social Media Governance 2011“, die die Universität Leipzig gemeinsam mit der Fink & Fuchs Public Relations AG und dem Magazin „pressesprecher“ nach der Pilotstudie 2010 in diesem Jahr zum zweiten Mal durchgeführt hat. Die Zahl der Organisationen insgesamt, die Social Media aktiv in der Kommunikation einsetzen, ist in den vergangenen zwölf Monaten von 54,3 auf 71,3 Prozent gestiegen. Trotz des hohen Zuwachses liegt die Entwicklung hinter den 2010 geäußerten Erwartungen, denen zufolge bereits acht von zehn PR-Abteilungen aktiv sein müssten. 28,7 Prozent der Befragten sind nicht im Social Web aktiv.

Die Studie zeigt weiterhin, dass bei deutlich gestiegenem Commitment des Managements (48 Prozent) die notwendigen organisatorischen Rahmenbedingungen für Social Media verbessert wurden. Dennoch gibt es bislang nur bei maximal einem Drittel der befragten Organisationen dezidierte personelle Ressourcen, Guidelines, Trainingsangebote oder Monitoring-Tools für Social Media. Erfolgskennzahlen oder Social-Media-Budgets sind nur bei rund 15 Prozent vorhanden. Zudem sorgen der aus Social Media entstehende Alltagsdruck und wachsende Erfahrung für eine nüchternere Betrachtungsweise der Entwicklung. So sieht nur ein gutes Drittel der Befragten die eigene Organisation gut gerüstet für Social Media.

Social Media belastet als zusätzlicher Aufwand

Zwei Drittel der befragten PR-Verantwortlichen nutzen regelmäßig Online-Communities wie Facebook, Xing oder LinkedIn für berufliche Zwecke. Zudem sind Kommunikationsprofis mittlerweile Intensivnutzer von Videoportalen (55 Prozent), Twitter (34 Prozent) und Blogs (32 Prozent). Auch fließen wachsende Zeitbudgets in konkrete Aktivitäten der Social-Media-Kommunikation. Die Studienergebnisse zeigen, dass nahezu die Hälfte der Befragten pro Woche jeweils mehrere Stunden für Management von Inhalten, Dialog mit Stakeholdern, Netzwerkaufbau oder Konzeption und Strategieentwicklung einsetzen. Insbesondere der hohe Anteil an Planungs- und Aufbauarbeit dürfte der Neuigkeit des Themas und fehlender Routine geschuldet sein. Die damit verbundene zeitliche Belastung und die wachsende Informationsflut rund um die Uhr erhöhen den Alltagsdruck und bedingen vielfach das Gefühl, „always on“ sein zu müssen.

Ein Drittel der Befragten denkt, dass der Mehraufwand nicht zu leisten sei. Nur 21 Prozent meinen, über Synergien und die Integration von Social Media in andere Aufgaben den Zusatzaufwand im Griff zu haben. 12 Prozent der Befragten haben via Social Media andere Aufgaben substituiert. Die zentralen Hürden für die professionelle Social-Media-Nutzung sehen Kommunikationsmanager folgerichtig im hohen Aufwand (76 Prozent), nach wie vor im Kontrollverlust (55 Prozent) und im Mangel an überzeugenden Konzepten (52 Prozent). Mit zunehmender persönlicher Kompetenz und ausgeprägten Governance-Strukturen werden diese Punkte seltener genannt und häufiger Synergien ausgeschöpft. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass Kompetenz und Social Media Governance wichtige Erfolgstreiber für die langfristige Etablierung von Social Media in der Unternehmenskommunikation sind.

Social-Media-Strategien für Unternehmenskommunikation und PR gibt es mittlerweile bei 74 Prozent der Befragten. In der Praxis beziehen sich diese aber meist auf einzelne Social-Media-Plattformen wie Facebook-Pages oder Twitter-Accounts. Übergreifende Strategien für Social-Media-Kommunikation im Gesamtunternehmen oder plattformübergreifende Kampagnen gibt es nur bei jeder fünften Organisation. Der größte Nachholbedarf besteht beim Thema Evaluation: nur neun Prozent haben hierfür klare Konzepte.

Governance-Strukturen entwickeln sich

Ungeklärt scheint die Frage, wie verschiedene Abteilungen beim Thema Social Media zusammenarbeiten und wer die Verantwortung trägt. Ein Viertel der Befragten gibt an, dass alle Bereiche eigenverantwortlich handeln, es eine lockere Zusammenarbeit gibt oder dass alle Mitarbeiter frei und eigenverantwortlich kommunizieren können. In 61,5 Prozent aller Organisationen ist eine bestimmte Abteilung zentral verantwortlich. Ein abteilungsübergreifendes Social-Media-Board ist bislang nur in 11,5 Prozent aller Organisationen vorhanden, wobei eine derartige strukturelle Lösung die Bündelung von Kompetenzen, die Abstimmung von Maßnahmen und die Ausschöpfung sich bietender Potenziale erheblich erleichtern kann.

Die Pilotstudie zur Social Media Governance hat im vergangenen Jahr gezeigt, dass die Etablierung von Social Media im Kommunikationsmanagement durch geeignete Rahmenbedingungen im Sinne von Guidelines, klaren Erfolgskriterien, Ressourcen, Trainings oder Unternehmenskultur signifikant gefördert wird. Die aktuelle Studie bestätigt die positiven Korrelationen zwischen Ordnungsrahmen, Kompetenzen der Mitarbeiter, Social-Media-Strategien und dem tatsächlichen Aktivitätsgrad im Social Web. Die Indexwerte für fast alle Dimensionen haben sich positiv entwickelt. So nutzt heute jede PR-Abteilung durchschnittlich sieben Social-Media-Anwendungen; im Vorjahr waren es noch drei. Überdurchschnittlich positiv verlief die Entwicklung bei technischen Voraussetzungen, Social Media Guidelines und – ungleich wichtiger – der Unterstützung durch das Top-Management.

Die tiefere Analyse der Governance-Strukturen zeigt jedoch eine deutlich geringere Entwicklungsdynamik der Social-Media-Kommunikation, als es die euphorischen Beteuerungen vieler Befürworter nahe legen. So scheint bei der Einschätzung der kulturellen „Anschlussfähigkeit" der eigenen Organisation an die Prinzipien des Social Web Ernüchterung einzuziehen, beispielsweise hinsichtlich der von zunehmend mehr Stakeholdern geforderten Dialogbereitschaft von Unternehmen. Nur ein knappes Drittel, sieben Prozentpunkte weniger als im Vorjahr, attestiert der eigenen Organisation eine partizipative und dialogorientierte Unternehmenskultur. Bemerkenswert ist die mit 14 Prozent unverändert geringe Verbreitung von Kennzahlen für die Erfolgskontrolle. Im Vorjahr hatten 32 Prozent eine Einführung bis Ende 2010 angekündigt. Da es noch an allgemein anerkannten und praktikablen Indikatoren für die Social-Media-Kommunikation mangelt, scheint auch die aktuelle Prognose, nach der vier von zehn Organisationen bis Dezember entsprechende Strukturen implementieren wollen, zu euphorisch.

Handlungsempfehlungen für die Praxis

Das Social Web ist in Unternehmen und vor allem in der Unternehmenskommunikation angekommen. Obwohl immer mehr Plattformen genutzt werden und bei wachsendem Commitment des Top-Managements auch in Social-Media-Governance-Strukturen investiert wird, besteht weiterhin großer Handlungsbedarf in fünf zentralen Handlungsfeldern:

1. Systematische Analyse

Nur knapp ein Drittel aller Organisationen verfügt über Tools für das Monitoring sozialer Medien und der dort diskutierten Inhalte. Zur frühzeitigen Identifikation von Chancen und Risiken ist die zielgerichtete Beobachtung des Social Web schon heute Pflichtaufgabe jeder Kommunikationsabteilung, unabhängig davon, ob die eigene Organisation im Social Web aktiv ist oder nicht.

2. Klare Erfolgskriterien

Investitionen in Social Media werden nur über tragfähige Kennzahlen legitimierbar sein. Dies erfordert klare Zielvorgaben und wirklich relevante Messwerte, weit über die Messung von Followern-Zahlen und Web-Traffic hinaus. Gefordert sind Analysen des Meinungssentiment und vor allem die Betrachtung des Einflusses von Social Media auf Geschäftsprozesse im Sinne von Verschlankung, Qualität oder Geschäftsanbahnung und Abverkauf.

3. Qualifikation

Der durch Social Media angestoßene Strukturwandel bei Medien, gesellschaftlichen Diskursen und Organisationskommunikation ist die wichtigste Herausforderung für Kommunikationsmanager. Um mit der Entwicklung bei Social Media mithalten zu können, muss deutlich mehr in Qualifikation investiert werden.

4. Stringente Organisation

Die steigende Zahl an Anwendungsfeldern und involvierte Abteilungen machen übergeordnete Social-Media-Boards unverzichtbar. Die Überbrückung von Silo-Denken befördert die organisatorische Integration von Social Media, sorgt für Anwendungsfantasie, die Ausschöpfung von Synergien und erleichtert die „soziale" Vermittlung von Unternehmensthemen in partizipativen Medien.

5. Kulturelle Anschlussfähigkeit

Social Media erfordert eine grundsätzliche Bereitschaft zur kommunikativen Offenheit. Das Festhalten an Kontrollillusionen führt ins Abseits. Es geht nicht um naives Träumen von herrschaftsfreien Diskursen mit Kunden und anderen Stakeholdern, sondern um eine Passung mit den Prinzipien des Wettbewerbs und um die Legitimation organisatorischen Handelns. Die Frage „Wie viel Dialog, zu welchen Themen, in welchen Grenzen und von wem geführt?" wird zukünftig nicht nur Kommunikationsmanager nachhaltig beschäftigen.

Hinweis

Befragt wurden 596 Kommunikationsverantwortliche im deutschsprachigen Raum. Die Studie erhebt den Status quo der Social Media Governance, also die Ausprägung von Ordnungsrahmen für das strategische Management von Social-Media-Aktivitäten in deutschsprachigen Organisationen. Sie identifiziert Einflussfaktoren und Voraussetzungen für Kommunikation im Social Web und untersucht die damit verbundene Veränderung des Arbeitsalltags und der notwendigen Kompetenzen.

Der 65-seitige Ergebnisbericht zur Studie mit weiteren Ergebnissen und Charts ist im Internet verfügbar unter www.socialmediagovernance.eu [33] .

Quelle: Fink & Fuchs Public Relations AG

Kontrollen der Mitarbeiter durch Arbeitgeber am Arbeitsplatz

Ein kürzlich erlassenes Urteil des Arbeitsgerichts Düsseldorf zur Videoüberwachung am Arbeitsplatz gibt Anlass, auf den aktuellen Stand der Rechtsprechung zu blicken. Das Urteil zeigt, wie komplex die Thematik ist und dass nicht immer einfach gesagt werden kann, was Unternehmen wann in Sachen Kontrollmaßnahmen am Arbeitsplatz dürfen. Doch zunächst zum aktuellen Fall.

Unterschlagung durch unkorrekte Abrechnung

Im konkreten Fall ging es um die Kündigung von Mitarbeitern eines Schankbetriebs, die, so der Vorwurf des Arbeitgebers, ausgeschenkte Biere nicht korrekt abgerechnet haben sollen. Es stand somit der Vorwurf der Unterschlagung im Raum. Der Arbeitgeber bezog sich für den Beweis seiner Behauptung auf Videoaufnahmen, der er ohne Wissen der Mitarbeiter im Schankraum vornahm.

Das Arbeitsgericht musste nun prüfen, ob die bereits ausgesprochene Kündigung wirksam ist. Das Ergebnis: Der Kündigungsschutzklage der Mitarbeiter wurde entsprochen und der vom Arbeitgeber angebotene Videobeweis mithin abgelehnt. Als Begründung gaben die Richter an, nicht jeder pauschale Verdacht auf Unterschlagung von Getränken rechtfertige eine heimliche Überwachung per Videokamera.

Vielmehr müsse der Arbeitgeber durch tatsächliche und auch nachprüfbare Anhaltspunkte seinen Verdacht auf bestimmte Mitarbeiter – und eine bestimmte Handlung – konkretisieren können. Sei er dazu in der Lage, sei eine heimliche Überwachung des Arbeitsplatzes gerechtfertigt. Im konkreten Fall jedoch lehnten sie die Videoaufnahmen als Beweisverwertung ab.

Arbeitnehmerdatenschutzgesetz: Besserer Schutz vor Bespitzelung?

Die Überwachungsskandale von Lidl, der Deutschen Bahn oder auch der Telekom in jüngerer Vergangenheit riefen die Datenschützer auf den Plan. Alsbald sah der Gesetzgeber vor, Arbeitnehmer durch ein neues Arbeitnehmerdatenschutzgesetz vor unrechtmäßigen Überwachungs- und Kontrollmaßnahmen seitens der Arbeitgeber besser zu schützen. Doch bislang ist dahingehend noch nichts Konkretes geschehen, geschweige denn ein entsprechendes Gesetz verabschiedet. Im Gegenteil: Das Thema birgt reichlich Stoff für Diskussion.

So geht etwa das Hugo Sinzheimer Institut für Arbeitsrecht [34] in einem Gutachten im Auftrag des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) davon aus, dass die geplante Regelung den Datenschutz für die Beschäftigten in einigen Punkten eher verschlechtern als verbessern werde. Dies betrifft beispielsweise die Übernahme des Begriffs „Compliance-Anforderungen“, der in Bezug auf das deutsche Arbeitsrecht nicht klar definiert ist. Hauptkritikpunkt dabei: Es bleibt nach wie vor dem Unternehmen vorbehalten, welche Daten es erhebt. Ein Türöffner also für die Erhebung personenbezogener Daten?

Kritik hagelt es auch bezüglich der Videoüberwachung. Zwar bleibt diese im geplanten Gesetz weiterhin verboten, doch nicht in allen Fällen. Zulässig ist sie beispielsweise dann, wenn sie nicht länger als 24 Stunden am Stück oder länger als vier Tage durchgeführt wird. Die so genannte offene Videoüberwachung zum Schutz des Eigentums ist nach wie vor zulässig. Kritiker fürchten hier eine Totalüberwachung der Arbeitnehmer.

Unausgegoren scheinen auch die geplanten allgemeinen Überwachungsregeln im Bereich E-Mail und Telefon zu sein. Hatte der Arbeitgeber bislang nur die Möglichkeit, Verbindungsdaten des E-Mail- und Telefonverkehrs zu untersuchen, kann er durch die neue geplante Regelung auch private Daten überprüfen. Das bürokratische Einfallstor dabei: „Wenn es zur Durchführung des ordnungsgemäßen Dienst- oder Geschäftsverkehrs unerlässlich ist“. Wer weiterdenkt, kann sich ausmalen, dass manche Arbeitgeber besonders den Begriff „unerlässlich“ arg überstrapazieren beziehungsweise ausdehnen könnten.

Stichwort

Lesen Sie auch die aktuelle Stellungnahme [35] der IG Metall zum geplanten Arbeitnehmerdatenschutzgesetz.

Kontrollmaßnahmen: Welche zulässig sind und welche nicht

Bei Kontrollmaßnahmen von Seiten des Arbeitgebers sind immer Grundrechte betroffen. Meist handelt es sich dabei um das allgemeine Persönlichkeitsrecht, das aufgrund etwaiger Maßnahmen eingeschränkt wird. Doch bei vielen Einzelmaßnahmen ist es nach wie vor strittig, ob sie erlaubt sind oder nicht. In jedem Fall muss, bei strittigen Angelegenheiten, der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit beachtet werden. Das heißt: Die Durchführung der Kontrollmaßnahme muss im Einzelfall billigem Ermessen entsprechen, was sich wiederum aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) ergibt.

Erlaubt sind beispielsweise Kontrollen von Ausweisen an Werkstoren. Anders sieht es aus, wenn der Arbeitgeber gleich Taschen oder Behältnisse beim Eintritt auf das Unternehmensgelände überprüfen möchte. Hier bedarf es grundsätzlich der Einwilligung des Arbeitnehmers, es sei denn, die Überprüfung wird sowieso schon durch ein spezielles Gesetz geregelt oder eine Betriebsvereinbarung erachtet diese als zulässig.

Umstritten ist in der Rechtsprechung, wann und durch wen eine noch schärfere Form der Kontrolle, die Leibesvisitation, erlaubt ist. Einerseits wird argumentiert, sie sei nur in seltenen Ausnahmefällen und nur bei schweren Verdachtsmomenten durch den Arbeitgeber zulässig. Andere Meinungen hingegen verweisen generell auf die polizeiliche Aufgabe, Untersuchungen am menschlichen Körper in Form einer Leibesvisitation durchzuführen (Urteil des BGH v. 03.11.1993, VIII ZR 106/93). Hier fehlt es bislang an einer belastbaren Rechtsprechung durch das Bundesarbeitsgericht (BAG). Generell ist zu sagen: Die Hürden für die Durchführung einer Kontrollmaßnahme werden umso höher gelegt, je intensiver die Maßnahme in das Persönlichkeitsrecht des Arbeitnehmers eingreift.

Hinweis

Nach einem Urteil des BAG (26.05.1988, 1 ABR 9/87) hat der Betriebsrat bei Tor- und Taschenkontrollen ein Mitbestimmungsrecht.

Social-Media-Guidelines in Unternehmen

IT-Securityregeln beschreiben zum Beispiel, welche Gruppen von Mitarbeitern in welchem Kontext allgemein zugängliche oder vertrauliche Daten - bei Bedarf verschlüsselt - an bestimmte Adressaten versenden dürfen. Mit der Nutzung von Social Media müssen Unternehmen nun noch einen Gang hoch schalten und sich überlegen, ob sie ihren Mitarbeitern die Nutzung von Plattformen wie Facebook, Twitter, LinkedIn oder Xing generell erlauben, oder ob die sozialen Medien zu einem festen Bestandteil einer umfassenden Kommunikationsstrategie werden.

Im Idealfall erweitern die Verhaltensregeln für Social Media die bereits vorhandenen IT-Security-Vorschriften. Die Vorgaben zur Nutzung von Social Media während der Arbeitszeit sollten genau beschreiben, auf welche Inhalte Mitarbeiter zugreifen können und welche Informationen sie in den sozialen Medien verbreiten dürfen. Die Instruktionen schützen Mitarbeiter und Unternehmen vor Links zu bösartigen Webseiten in Videos und Fotos, die etwa via Facebook verbreitet werden. Die folgenden sechs Regeln für Social-Media-Guidelines sollen dafür sorgen, dass Unternehmen trotz aller Risiken auch die Chancen nutzen können.

1. Berufliche und private Nutzung abgrenzen

Jedes Unternehmen muss festlegen, ob und in welchem Umfang Mitarbeiter Social-Media-Plattformen während der Arbeitszeit nutzen können. Das Spektrum reicht von jeder darf alles jederzeit bis zu einem generellen Verbot. Denkbar ist auch, dass die private Nutzung auf bestimmte Zeiten eingeschränkt ist, etwa während der Mittagspause. Setzt das Unternehmen Social Media in der öffentlichen Kommunikation ein, müssen die Richtlinien Angaben darüber enthalten, welche Gruppen von Mitarbeitern für das Unternehmen sprechen dürfen, darunter beispielsweise Angehörige der Personalabteilung, der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und des Marketings.

2. Aufklärung über Risiken

Einer der wichtigsten Punkte bei allen IT-Sicherheitsregeln ist die Aufklärung über die potenziellen Gefahren und Risiken, die aus Links auf Seiten mit Malware entstehen, wie sie in Blogs, User-Foren oder Social-Networking-Seiten ganz gezielt ausgestreut werden. Begleitend zu allen technischen IT-Security-Maßnahmen und zu den schriftlich formulierten Sicherheitsregeln sollten Unternehmen ihre Mitarbeiter regelmäßig schulen. Aufklärung und Sensibilisierung müssen fester Bestandteil der Sicherheitsmaßnahmen sein. An konkreten Beispielen aus der betrieblichen Praxis lässt sich leicht aufzeigen, welche Gefahren beim leichtsinnigen Umgang mit sensiblen Informationen drohen.

3. Offen Verantwortung übernehmen

Jeder Mitarbeiter ist für seine Aktivitäten auf Social-Media-Plattformen verantwortlich - dabei spielt es keine Rolle, ob er mit seinem Firmenrechner Social-Media-Plattformen privat oder beruflich nutzt. Alle Beiträge mit Bezug auf das Unternehmen müssen namentlich gekennzeichnet sein.

4. Gesetze und Vorschriften einhalten

Gerade weil sich bei Social Media ungezwungene und offene Kommunikationsformen etabliert haben, müssen die Social-Media-Richtlinien dennoch einen Passus über die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben enthalten. Auch hier gelten das Urheber- und Markenrecht sowie der Datenschutz. Dies betrifft alle vertraulichen persönlichen Daten und gilt ebenso für Betriebsgeheimnisse, beispielsweise aus der Produktentwicklung.

5. Technische Überwachung

Wichtig ist, die Kommunikationswege, auf denen vertrauliche Daten das Unternehmen verlassen können, genau zu kennen und zu überwachen. Neben E-Mail und Instant Messaging betrifft dies auch den Export einzelner Dateien mit Unternehmensbezug. Dazu sollte Software installiert werden, die kontrolliert, wer, was, wohin und wie verschickt. Die Möglichkeiten der inhalts- und benutzerbasierten Kontrolle ergeben sich aus den Zugriffsregeln, wie sie der IT-Security-Beauftragte definiert hat.

6. Kommunikationsabteilung als Ansprechpartner

Wichtig ist schließlich, dass es für alle Fragen und Unsicherheiten rund um Social-Media-Aktivitäten Ansprechpartner in der Kommunikationsabteilung gibt. An diese sollten sich Mitarbeiter auch wenden, wenn sie bei ihrer Arbeit auf negative oder abwertende Beiträge über das Unternehmen und seine Produkte und Services aufmerksam werden.

Auch wenn vieles selbstverständlich klingt, ist es notwendig, dass Unternehmen mit Social-Media-Richtlinien arbeiten. Sie bilden einen wichtigen, für alle öffentlich zugänglichen Bezugsrahmen, der Risiken, aber auch Chancen verdeutlicht. Die Gebote, Verbote und Hinweise sind das eine. Zu bedenken ist aber auch: Social-Media-Aktivitäten von Unternehmen sind nur dann erfolgreich, wenn die Organisationen ihren Mitarbeitern grundsätzlich vertrauen, gute Botschafter für das Unternehmen zu sein. Nicht zu vergessen: Je einfacher und klarer Social-Media-Richtlinien sind, desto leichter fällt es auch, sie zu beachten.

Dienstleister und Beschwerden von Kunden

Alltag in einer Steuerkanzlei: Ein Mandant ruft an und fragt nach der Zusendung des Quartalsabschlusses. Ein anderes Mal beklagt er die hohe Rechnung fürs Erstellen des Lohnsteuerjahresausgleichs und wieder ein anderes Mal fragt er, warum den Gehaltsabrechnungen nicht wie gewohnt die ausgefüllten Überweisungsträger beiliegen.

Immer wieder rufen bei Dienstleistern wie Steuerberatern, Wirtschaftsprüfern, Rechtsanwälten oder Unternehmensberatern Mandanten an, die ihre Unzufriedenheit artikulieren. Nicht unbedingt immer offen, sondern versteckt hinter einer Frage. Dabei kann sich ihre Unzufriedenheit auf unterschiedliche Faktoren beziehen, zum Beispiel auf die Art, wie der Dienstleister seine Leistung erbringt, auf die berechneten Honorare oder auch darauf, wie der externe Unterstützer seine Kunden betreut und mit ihnen kommuniziert.

Konflikte zwischen Dienstleister und Kunde

Doch wie entsteht diese Unzufriedenheit? Jeder Kunde hat an eine Dienstleistung eine Vielzahl bewusster und unbewusster Erwartungen. Erbringt ein Dienstleister nun eine Leistung für ihn, gleicht er diese Erwartungen mit der tatsächlich erbrachten Leistung ab. Werden diese nicht oder nur teilweise erfüllt, ist er unzufrieden. Werden sie hingegen übertroffen, ist er begeistert.

Beim Kontakt mit Dienstleistern fällt immer wieder auf, dass deren Mitarbeitern der Umgang mit den Beschwerden relativ leicht, die sich auf offensichtliche Fehler oder Versäumnisse des Dienstleistern beziehen. Zum Beispiel dann, wenn die Gebühren falsch berechnet wurden, die Lohn- und Gehaltsunterlagen unvollständig waren oder dem Mandanten wichtige Unterlagen zu spät geschickt wurden.

Anders verhält es sich mit den Beschwerden, die sich darauf beziehen, wie der Dienstleister seine Leistungen erbringt. Beispiel: Der Mandant wünscht eine intensivere und persönlichere Beratung und Betreuung etwa in der Form, dass sein Steuer- oder Rechtsberater ihn persönlich auf Gesetzesänderungen hinweist und ihn nicht nur mittels eines Mandantenbriefs informiert. Wenn ein Mandant diesbezüglich seine Unzufriedenheit artikuliert, prallen im Dienstleisteralltag oft die Gefühlswelten des Mitarbeiters und die des Mandanten aufeinander. Gerade wenn der Mitarbeiter des Dienstleisters beim Eingehen des Beschwerdeanrufs mit einer anderen Aufgabe beschäftigt ist, wird der Kunde oft als Nörgler aufgefasst – dies spiegelt sich dann, wenn nicht in den Aussagen des Mitarbeiters direkt – so doch in seiner Stimme wider.

Das registriert der Kunde und reagiert entsprechend, denn seine Befürchtungen im Vorfeld, mit seinen Fragen vielleicht als Nörgler abgestempelt zu werden, bestätigen sich jetzt. Er stellt für sich fest: Der Dienstleister nimmt meine Bedürfnisse nicht ernst und behandelt mich wie einen Bittsteller. Dabei bezahle ich die doch für seine Leistung. Der Beschwerdeführer fühlt sich also nicht adäquat behandelt und nimmt eine innere Kampfhaltung ein. Hat er entsprechende Erfahrungen mit dem Dienstleister zudem schon häufiger gesammelt, zieht er möglicherweise auch einen Dienstleisterwechsel in Betracht.

Dienstleister sind „Dienst-Leister“

Um solche Prozesse zu vermeiden, müssen die Mitarbeiter von Dienstleistern ihre Einstellung gegenüber Beschwerden ändern, denn wenn sie Beschwerdeführer als Nörgler oder Störenfriede empfinden, überträgt sich diese Stimmung auch auf ihre Stimmlage, was wiederum der Mandant spürt. Dies ist auch der Grund, warum es dem Mitarbeiter des Dienstleisters nicht gelingt, dem Beschwerdeführer das Gefühl zu vermitteln, er verstehe ihn und er versucht sein bestes, um das Problem zu lösen. Doch warum gelingt genau das den Mitarbeitern von Dienstleistern oft nicht? Weil sie folgendes nicht ausreichend verinnerlichen:

  • Wir sind „Dienst-Leister“
  • Unsere Aufgabe ist es, für unsere Kunden „Dienst-Leistungen“ zu erbringen
  • Unser Job ist es, den Kunden das Leben angenehmer, einfacher und bequemer zu machen

Ein Dienstleister, dem diese innere Grundeinstellung fehlt, der den Sorgen, Wünschen und Bedürfnissen der Kunden weitgehend gleichgültig gegenübersteht, wird in deren Augen nie ein guter „Dienst-Leister“ sein. Er kann ihnen auch nicht das Gefühl vermitteln, sie könnten sich mit ihren Bedürfnissen ihm anvertrauen. So ist Unzufriedenheit vorprogrammiert.

Gerade für Anbieter immaterieller Dienstleistungen ist es wichtig, im Umgang mit Kunden dieses Gefühl vermitteln zu können. Denn wie gut oder schlecht beispielweise ein Steuerberater fachlich ist, können Kunden vielfach gar nicht einschätzen – selbst wenn sie schon jahrelang dessen Mandanten sind. Um dies beurteilen zu können, müssten sie parallel mehrere Steuerberater beauftragen und deren Arbeitsresultate vergleichen. Worüber sich die Mandanten aber sehr wohl ein qualifiziertes Urteil bilden können, ist zum Beispiel:

  • Wie zuverlässig hält mein Berater Zusagen ein?
  • Wie viel Zeit nimmt er sich für meine Beratung?
  • Wie professionell wirken die Unterlagen, die er mir sendet?
  • Wie reagiert er auf meine Wünsche und Beschwerden?

Anhand dieser Faktoren bilden sie sich dann ihr Urteil: Das ist ein guter beziehungsweise schlechter Dienstleister. Entsprechend professionell müssen Dienstleister, ob Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Rechtsanwalt oder Unternehmensberater, den Umgang mit Beschwerden gestalten. Dies kann folgendermaßen geschehen:

  • Gute Erreichbarkeit
  • Schenken von Aufmerksamkeit
  • Verständnis für die Situation
  • Freundliche und höfliche Behandlung
  • Fachlich kompetente und verständliche Beratung (kein Fachchinesisch)
  • Schnelle Lösung des Problems ohne Vertrösten
  • „Kümmerer“ als Gegenüber
  • Wertschätzung zeigen
  • Umfassende persönliche Betreuung bis zur endgültigen Lösung des Problems
  • Konsequentes Einhalten aller Versprechen und Zusagen wie etwa Termine oder Rückrufe

Diesbezüglich besteht bei vielen Dienstleistern noch ein erheblicher Entwicklungsbedarf, was auch Studien immer wieder belegen. Danach artikulieren die meisten Kunden gegenüber ihrem Dienstleister nicht direkt, wenn sie mit seiner Leistung unzufrieden sind, sondern wechseln zu einem anderen Anbieter, wenn sich mit der Zeit ausreichend Unmut aufgestaut hat. Entsprechend dankbar sollten Dienstleister sein, wenn ein Kunde mehr oder minder offen seinen Unmut äußert. Denn damit eröffnet er ihnen die Chance, seine Unzufriedenheit aufzulösen beziehungsweise wieder Zufriedenheit herzustellen. Und er signalisiert damit, mit dem Dienstleister weiter zusammenarbeiten zu wollen.

Damit auf die Unzufriedenheit kein Abbruch der Geschäftsbeziehung folgt, muss der Dienstleister beziehungsweise müssen dessen Mitarbeiter aus Sicht des Kunden adäquat auf dessen Beschwerde reagieren. Kunden- und Mandantenbefragungen zeigen aber oft das Gegenteil. Relativ zufrieden sind die Kunden in der Regel noch damit, wie die Dienstleister ihre Beschwerden fachlich abwickeln. Unzufrieden sind sie jedoch häufig mit dem menschlichen Aspekt, also der Reaktion auf die Beschwerde gegenüber dem Beschwerdeführer. Dienstleister müssen ihren Mitarbeitern also stärker vermitteln, was es heißt „Dienst-Leister“ zu sein und woran es Kunden festmachen, ob ein Dienstleister schlecht, mittelmäßig oder gut und damit empfehlenswert ist – und zwar nicht nur im Umgang mit Beschwerden.

Geschäftsprozesse mit Informationsmanagement optimieren

Erst wenn sie handeln müssen, etwa in einem Prüf- oder Gerichtsverfahren, strukturieren die meisten Unternehmen die eigenen Geschäftsprozesse neu. Dadurch laufen sie nicht nur Gefahr, gegen gesetzliche Vorschriften wie beispielsweise die digitale Betriebsprüfung (GDPdU) zu verstoßen. Sie lassen sich auch für den Wettbewerb wertvolle Zeit- und Kostenvorteile entgehen. Wie sich die eigenen Informationen bereits mit wenigen Maßnahmen effizienter in die täglichen Geschäftsabläufe einbinden lassen, zeigen fünf Tipps.

1. Informationen zugänglich machen

Dokumente wie Verträge, Bestellungen oder Rechnungen bilden die Arbeitsgrundlage eines Unternehmens. Deshalb sollte den berechtigten Mitarbeitern der Zugriff auf die relevanten Daten so einfach wie möglich gemacht werden. Unternehmensinterne Richtlinien vermeiden dabei Kompetenzüberschneidungen und unberechtigte Zugriffe.

2. Informationen digitalisieren

Das papierlose Büro wird es auch in Zukunft nicht geben. Unternehmen benötigen deshalb einfache Prozesse, um wichtige und häufig verwendete Dokumente kontinuierlich zu digitalisieren und so Medienbrüche zu vermeiden. Digitalisierte Dokumente können einfacher verschiedenen Mitarbeitern und Abteilungen zur Verfügung gestellt werden. Zudem lässt sich leichter nachvollziehen, wo sie sich im Unternehmen befinden.

3. Unnötige Kopien vermeiden

In Unternehmen werden nach wie vor zu viele unnötige Kopien gemacht. Dabei geraten Akten durcheinander, Papiere werden verlegt oder gehen sogar verloren. Das langfristige Ziel sollte deshalb die Digitalisierung wichtiger Dokumente sein, die einen zentralen, standortunabhängigen Zugriff auf alle Informationen ermöglicht.

4. Einen Notfallplan ausarbeiten

Geschäftskritische Daten benötigen besonderen Schutz. Selbst im Fall eines Datenverlusts muss der Zugang zu diesen Informationen gesichert sein, um den laufenden Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten.

5. Abläufe einfach halten

Häufig sind, beispielsweise für die Freigabe eines Dokuments, mehr Unterschriften notwendig als eigentlich erforderlich. Deshalb sollten Unternehmen ihre Abläufe im Umgang mit Informationen überprüfen und gegebenenfalls vereinfachen. Klare Regeln für die Zuständigkeiten im Informationsprozess können dabei auch langfristig Zeit und Arbeitsaufwand sparen.

Hinweis

Für die Studie wurden 5.500 Unternehmensverantwortliche aus dem Bereich Dokumenten- und Informationsmanagement (Records Manager) befragt.

Quelle: Iron Mountain

Outsourcing und Offshoring von IT

Nach Einschätzungen des Beratungshauses ist eine Auslagerung des Application Managements häufig von erheblichen Risiken begleitet. So hätte die Auswertung kundenbezogener Risikoanalysen ergeben, dass in zwei von drei Fällen ein Offshoring nicht oder nur bedingt zu empfehlen ist. Als besonders kritische Aspekte einer Übertragung des Application Managements hat Ardour folgende Probleme ermittelt:

1. Zu eingeschränkter Blick auf den Kostenaspekt

Häufig dominieren bei der Outsourcing-Entscheidung die Kostensenkungsmotive. Doch mit einem verengten Blick auf die Kostenreduzierung wird man dem komplexen Sachverhalt zu wenig gerecht, weil die möglichen Risiken weder in ihrer Vielfalt noch in ihrer Wirksamkeit mit der gleichen Aufmerksamkeit wie die Nutzenaspekte betrachtet werden. Insbesondere wenn die strategische Entscheidung für das Offshoring vom Rotstift geführt wird, werden die möglichen Risikopotenziale erfahrungsgemäß meist nur noch der Form halber erörtert.

2. Oberflächliche Betrachtung der Leistungssicherheit

Komplexe IT-Funktionen wie das Application Management stellen prinzipiell ein sehr sensibles Gesamtsystem dar. Dementsprechend steigt der Risikograd progressiv mit dem fachlichen Anspruch, der dem auszulagernden Service zugrunde liegt. Dieser Sachverhalt fließt jedoch vielfach nicht genug in die Bewertungsprozesse der Unternehmen ein, wenn Outsourcing-Entscheidungen vorbereitet werden. Beispielsweise werden mögliche Diskrepanzen in den Qualitätsmentalitäten und dem Leistungspotenzial auf Seiten des Providers nicht systematisch bewertet. Doch lassen sich die elementaren Leistungsfaktoren nicht genau ermitteln, ist vor allem bei geschäftskritischen Services von einem Offshoring unbedingt abzuraten, weil ansonsten die möglichen Kostenvorteile mit unkalkulierbaren Risiken bezahlt werden.

3. Unzureichend definierte Schnittstellen zu den Providern

Zu den ermittelten hauptsächlichen Schwächen von Offshoring-Vorhaben gehört auch, dass sich über die vorhandenen Kompetenzen und Ressourcen des betreffenden Unternehmens die Schnittstellen zu den Leistungspartnern in den Zielländern nicht präzise genug managen lassen. Dies ist mit Prozessrisiken verbunden. Gerade bei der Software-Wartung oder Entwicklungsaufgaben entstehen dadurch jedoch schnell sehr kritische Koordinations- und Organisationsbedingungen. Insofern sollte Wert darauf gelegt werden, zwischen beiden Seiten kompatible Bedingungen zu schaffen, die eine anforderungsgerechte Steuerung der Prozesse ermöglichen.

4. Verlust von unternehmensstrategisch wichtigem Know-how

Die Business-Anwendungen gehören heutzutage zweifellos zum elementaren und erfolgskritischen Kern eines Unternehmens, weil sie maßgeblichen Einfluss auf die marktgerechte Qualität der Geschäftsprozesse haben. Entsprechend tiefe Kompetenzen müssen hier bestehen. Eine Auslagerung des Application Managements erzeugt jedoch einen schleichenden Verlust an Know-how, der im Bedarfsfall nur über eine längere Zeitstrecke wieder kompensiert werden kann. Dies beinhaltet auch, dass der Option einer Rückführung dieser ausgelagerten Funktionen weitgehend die Türen verschlossen werden beziehungsweise zunächst wieder eigenes Know-how aufgebaut werden müsste.

5. Interne Optimierungspotenziale bleiben unausgeschöpft

Zweifellos ist das Application Management von dem Problem geprägt, dass die meist vielzähligen Anwendungen in gegenseitigen Abhängigkeiten stehen und ihre Vernetzung nicht transparent genug ist. Diese Mischung aus Komplexität, Intransparenz und Geschäftsdynamik wirkt der Agilität entgegen, die Unternehmen heute benötigen. Doch es stellt sich die Frage, ob Dienstleister zwangsläufig einen wirkungsvolleren Ansatz zur Problemlösung bieten können, denn intern liegen oft erhebliche Potenziale zur Effizienzverbesserung brach. Deren systematische Aktivierung mit positiven Qualitäts- und Kosteneffekten macht ein Outsourcing überflüssig.

Quelle: Ardour Consulting Group

Lean Management und EFQM vereinen und Unternehmen entwickeln

Wenn es um das richtige Optimierungsmodell für Unternehmen geht, gibt es zahlreiche Möglichkeiten. Das macht es für die Firmenleitung nicht gerade einfach und so es kommt häufig vor, dass sich Unternehmen für ein Modell entscheiden und ausschließlich darauf setzen. Zeit zu hinterfragen, ob diese vielseitigen Optimierungsansätze, die durchaus ihre Daseinsberechtigung haben, nicht miteinander vernetzt werden könnten.

Aus Six Sigma und Lean Management wird Lean Sigma

Als in den späten 1990er Jahren Six Sigma in den Mittelpunkt der Europäischen Industrie rückte, wurde relativ schnell erkannt, dass sich dieses Methodenpaket mit der Philosophie des Lean Management vereinen ließ. Es entstand das Modell Lean Sigma. Und daraus „Operational Excellence“, das als Schlagwort in viele Unternehmenspräsentationen und Stellenanzeigen Einzug hielt. Die Synergie dieser Optimierungsansätze funktioniert, weil sich beide auf Prozessoptimierung konzentrieren, am Ort des Geschehens angewendet werden und sich darüber hinaus nicht überschneiden. Der sich daraus entwickelnde Praxisbezug führt schnell zu sichtbaren und messbaren Verbesserungen, die mit Hilfe von Standardisierung nachhaltig bestehen und immer weiter verbessert werden können (KVP). Obwohl sich Lean Management neben den wertschöpfenden Bereichen auch in der Administration, der Entwicklung, der Logistik und im Verkauf erfolgreich etabliert hat, wird hierbei von Bottom-Up-Aktivitäten gesprochen.

Eine ganz andere Perspektive, nämlich der sogenannte Top-Down-Ansatz, bieten Konstrukte wie etwa das St. Galler Management-Modell oder das Business Excellence Model der European Foundation for Quality Management (EFQM). Hier wird von ganzheitlicher Unternehmensentwicklung gesprochen, welche meistens vom Top-Management initiiert und getrieben wird. Das interessante an diesen Modellen: Die Organisation entwickelt die Ansätze selbst und setzt sie um, was zu einem hohen Grad an Unternehmensidentität bei der Belegschaft und anderen Interessengruppen führt.

Während im Lean Management über Prozesskennzahlen wie Durchlaufzeit und Produktivität gesprochen wird, stehen beim EFQM-Modell nebst finanziellen Kennzahlen übergreifende Key Performance Indicators (KPIs) wie Mitarbeiter und Kundenergebnisse sowie gesellschaftsbezogene Ergebnisse im Vordergrund. Diese gilt es durch gezielte Veränderungen der Vorgehensweisen in den fünf Hauptkriterien (Befähiger) kontinuierlich zu verbessern. Das ausgeklügelte Bewertungssystem (RADAR) der EFQM ermöglicht einen internationalen Vergleich der Unternehmen untereinander.

Bei der Betrachtung beider Ideologien, Top-Down und Bottom-Up, könnte man zu dem Schluss kommen, eine interdisziplinäre Zusammenführung wäre reine Ressourcenverschwendung. In der industriellen Realität spiegelt sich diese Meinung auch wieder und zeigt sich insbesondere, wenn technisch orientierte Geschäftsführer nichts von EFQM wissen wollen, während die strategisch Orientierten keinen Bezug zum Lean Management haben. Dann wir der eine Ansatz über den anderen gestellt und beide Seiten meinen, ihrer wäre der einzig richtige. In Wahrheit aber lassen sich beide Ausrichtungen effektiv vereinen. Die eine kann die Lücke der jeweils anderen ausfüllen beziehungsweise effiziente Lösungen aufzeigen, die bei einer isolierten Betrachtung kaum gesehen, geschweige denn angewendet werden würden.

Quelle: Staufen AG

EFQM-Modell für Business Excellence

Bei der Ausrichtung auf das EFQM-Modell müssen Vorgehensweisen für 32 Teilkriterien vom Unternehmen entwickelt und eingeführt werden. Meist sind hier aber, speziell bei den Mitarbeiter- und Prozessthemen, der Kreativität Grenzen gesetzt. Vielfach werden Vorgehen gewählt, die zwar den Inhalten der Kriterien genügen, sich aber nicht in ausreichendem Mass positiv auf die Unternehmensperformance auswirken. Die Möglichkeit, etablierte und erfolgreiche Lean-Methoden einzusetzen, wird in den meisten Fällen von den Unternehmen nicht erkannt.

Zum Beispiel das Teilkriterium 3d der EFQM. Es gibt vor, dass „die Organisation und die Mitarbeiter einen Dialog führen“. Da aber das Top-Management seinen Tagesablauf nicht drastisch verändern und persönliche Gespräche mit den Mitarbeitern am Shopfloor suchen will, entwickeln die Manager Lösungen, die von den Mitarbeitern nicht in der gewünschten Art und Weise wertgeschätzt, sondern als Alibiübungen abgetan werden. Punktuelle Treffen des Top-Managements mit ausgewählten Mitarbeitern oder auch die Möglichkeit, einmal im Monat im Chat Fragen ans Management zu richten, bekunden kein ehrliches Interesse, sondern lassen die Kluft zwischen „oben“ und „unten“ immer größer werden.

An dieser Stelle würde die Einführung des Mentor- beziehungsweise Mentee-Prinzips über alle Hierarchiestufen nicht nur das EFQM-Kriterium wirksam erfüllen, sondern einen Kulturwandel herbeiführen, der die Leistungsfähigkeit des Unternehmens und die Mitarbeitermotivation erheblich steigern würde. Ein anderer Ansatz wäre ein stufenweise aufgebautes Kommunikations- und Führungstool wie das Shopfloor-Management (SFM). Es hat zur Folge, dass die Führungskräfte regelmässig ihre Büros verlassen, um im Arbeitsbereich gemeinsam mit den Mitarbeitern Probleme zu lösen. Neben den vielen ausgewiesenen Vorteilen des SFM bringt es die Menschen zusammen und erzeugt ein gemeinschaftliches Problemverständnis.

Das Teilkriterium 5b der EFQM gibt vor, dass „Prozesse nach Bedarf und unter Nutzung von Innovationen verbessert werden, um Kunden und andere Interessengruppen voll zufrieden zu stellen und die Wertschöpfung für sie zu steigern”. Die Erfüllung dieser Forderung wird häufig mit dem Vorhandensein eines prozessorientierten Managementsystems beantwortet, welches die Prozesse zwar abbildet, aber nicht unbedingt methodisch optimiert. Prozessworkshops am runden Tisch bringen zwar ein gewisses Maß an Transparenz, aber keineswegs die ganze Wahrheit ans Licht. Einen sehr hohen Wirkungsgrad erreicht man an der Stelle durch Lean Transformation:

  • Just in Time
  • Verschwendungsfreie Prozesse
  • Fließprinzip (Flow)
  • Ziehprinzip (Pull)
  • Verkettung und Austaktung

Erfahrungsgemäss sind Steigerungen der Produktivität von 20 bis 50 Prozent und Verkürzungen der Durchlaufzeit in etwa demselben Maß durch die Verschlankung der Arbeitssysteme nicht unrealistisch.

Keine Methode ohne die passende Unternehmenskultur

Um nicht in die Einseitigkeit abzudriften, sollten jedoch die Lücken im Lean Management gegenüber dem EFQM-Modell beleuchtet werden. Während im Lean Management über „Hands-On-Kulturentwicklung” gesprochen werden kann, beschäftigt sich das EFQM-Modell mit übergeordneten, strategischen und organisatorischen Themen. Dabei wird zum Beispiel erwartet, dass sich Führungskräfte aktiv und direkt um Kundenbeziehungen kümmern, dass sie das Engagement für Gesundheit, Sicherheit, Umwelt und soziale Verantwortung aktiv fördern oder dass das Finanzmanagement eine effektive Berichterstattung für die Interessengruppen entwickelt.

Diese wichtigen Grundsatzforderungen werden im Lean Management nur an der Oberfläche behandelt; sie sind Rahmenbedingungen zur optimalen Unterstützung der Wertschöpfung, und je effektiver diese Vorgehensweisen gestaltet und gelebt werden, desto optimaler können die wertschöpfenden Prozesse im Unternehmen Spitzenleistungen erbringen.

Vielfach lässt sich beobachten, dass Bottom-Up-Veränderungen gewinnbringend umgesetzt werden, Unternehmen jedoch nach einigen Wochen wieder in das alte Schema zurückfallen. Der Grund: Das Unternehmensmodell räumt keinen Platz für kulturelle Veränderung ein. Stattdessen hält der Verwaltungsapparat an starren Strukturen fest und erwartet ein dynamisches Aufbrechen in den wertschöpfenden Bereichen. Das kann nicht funktionieren. Die größten Barrieren bei der Umsetzung der Lean Transformation in Unternehmen ohne Top-Down-Ansatz ergeben sich aus folgenden Problemen:

  • Ungenügende personelle und finanzielle Ressourcen
  • Ungeklärte Verantwortlichkeiten
  • Mangelnde Mitarbeitermotivation
  • Fehlendes Engagement der obersten Führung

Eine auf das EFQM-Modell ausgerichtete Organisation hätte diese Barrieren systematisch erkannt und aufgelöst, was einer effizienten Lean Transformation zuträglich wäre.

Geschäftsführer, die ihr Unternehmen ganzheitlich und nachhaltig zur Spitzenleistung führen wollen, sind gut beraten, Top-Down- und Bottom-Up-Bewegungen in ein ausgeglichenes Verhältnis zu setzen und miteinander zu verknüpfen. Es gibt nicht die eine Wahrheit, sondern eine Vielzahl an Vorgehensweisen, um eine Organisation ganzheitlich zu optimieren. Dabei sollte man die für die eigenen Bedürfnisse und Ziele geeignetste wählen und mit Herzblut, Enthusiasmus und Nachhaltigkeit umsetzen. Ob EFQM oder Lean: Umsetzen bedeutet in jedem Fall die Veränderung der Unternehmenskultur! Sowohl der Excellence- als auch der Leangedanke müssen tief im Unternehmen und den Köpfen der Mitarbeiter verankert sein. Nur so sind Unternehmen auf dem richtigen Weg.

Werte in der Strategie und für die Corporate Identity nutzen

Es gibt viele Gründe, warum sich Unternehmen mit dem Thema „Werte“ und „Wertemanagement“ beschäftigen sollten. Doch was ist unter Werten eigentlich zu verstehen und vor allem: Wie können Unternehmen von der Einführung eines Wertemanagements profitieren?

Was Werte sind

Von einem Wert sprechen wir, wenn wir etwas für wichtig, wertvoll und damit für erstrebenswert halten. Ein Wert ist für uns ein Gut. Werte helfen, zwischen Handlungsalternativen, zwischen richtig und falsch zu unterscheiden, dienen als Bewertungsmaßstab und bilden einen verbindlichen Handlungsrahmen. Werte verdichten sich zu Ideen, Überzeugungen und Normen. Sie begründen von uns gelernte und eingeübte Verhaltensweisen und Muster, die unser Selbstverständnis und unsere Identität prägen, auch ohne dass uns dies immer bewusst ist.

Mit welcher Macht Werte orientieren, Handlungen stimulieren und die Realität prägen, lernen wir am eindrucksvollsten aus der Geschichte. „Liberté, Egalité, Fraternité“ haben nicht nur die Französische Revolution beflügelt. Vielmehr sind sie nach und nach auch in die gesellschaftlichen und politischen Institutionen und in das Rechtssystem eingeflossen. Noch heute konstituieren sie die nationale Identität Frankreichs und begründen den Nationalstolz seiner Bürger.

Dabei vermögen Werte aufgrund ihrer Allgemeinheit eine nicht vorhersehbare Dynamik zu entfalten. Historisch meinte die Forderung nach Gleichheit zunächst politische Gleichheit. Dann auch soziale Gleichheit. Schließlich ethnische Gleichheit. Und zuletzt die Gleichheit der Geschlechter. Unternehmen stellt dieser allgemein anerkannte und deshalb die Realität prägende Wert heute vor reale Herausforderungen: Diskriminierungsverbot, gleicher Lohn für gleiche Arbeit oder auch Frauen in Führungspositionen.

Werte beeinflussen das Denken, Empfinden und Handeln von Menschen deshalb unabhängig von den Zielen, die sie gerade verfolgen. Sie wirken als verborgene Kräfte in konkrete Handlungssituationen hinein. Diese unterschwellige Wirkung der Werte erfahren wir insbesondere dann, wenn wir fremden Kulturen begegnen und wir uns die Verhaltensweisen der anderen nicht erklären können oder uns diese sogar fremd erscheinen.

Welchen Nutzen Werte haben

Für Unternehmen sind Werte aus folgenden Gründen von Bedeutung:

Strategieumsetzung

Generell lassen sich Werte als Treiber und Vehikel für eine nachhaltige Unternehmensentwicklung und Strategieumsetzung nutzen. Ein auf die Unternehmensbedürfnisse zugeschnittenes Wertemanagement ist insofern ein wirksames Mittel zur Umsetzung verschiedener langfristiger Zielsetzungen.

Innovations- und Veränderungsprozesse

Werte dynamisieren Prozesse und Entwicklungen. Sie lassen sich daher als Innovationstreiber und als Stimulus für Veränderungsprozesse einsetzen. Dabei wirken Werte langfristig und entfalten ihre Dynamik weit über die nächstliegenden Ziele und Anforderungen hinaus. So schreiben sie sich nach und nach in das Grundgefüge einer Organisation ein, institutionalisieren sich, prägen Strategien, Strukturen und Prozesse.

Unternehmenskultur

Die Implementierung von Werten ist besonders auch für international tätige Unternehmen von großer Bedeutung. Durch einen einheitlichen Wertekodex können sie einen Orientierungsrahmen schaffen und Handlungsgrundsätze vorgeben, die die verschiedenen Firmen und Ländergesellschaften auf gemeinsame Verhaltensstandards verpflichten. Trotz der verschiedenen nationalen Kulturen, Normen und Rechtssysteme – etwa im Arbeits- und Umweltrecht – lässt sich so eine gemeinsame Unternehmenskultur ausbilden, die die verschiedenen Gruppengesellschaften stärker integriert.

Unternehmensethik

Mit Hilfe einer lebendigen Wertekultur können Unternehmen rechtlichem und ethischem Fehlverhalten vorbeugen. Kann doch die Missachtung von Gesetzen und Vorschriften – Korruption, Betrug, Preisabsprachen oder auch illegale Beschäftigung – Unternehmen schweren Schaden zufügen. Aber auch internem Fehlverhalten gilt es zu begegnen: Mobbing, Diskriminierung, sexuelle Belästigung oder überhaupt unkollegiales Verhalten schaden dem Betriebsklima und damit der Arbeitsproduktivität.

Dabei orientieren die im Rahmen einer Unternehmensethik festgehaltenen Wertvorstellungen gerade auch in Situationen, in denen keine Richtlinien, Vorgaben und Ausführungsbestimmungen greifen. Denn in rechtlichen Grauzonen bieten selbst Compliance-Systeme keinen Schutz.

Nachhaltigkeitsprogramm

Auch den Forderungen der Anspruchsgruppen nach einer nachhaltigen Unternehmenspolitik, die ökonomische, soziale und ökologische Aspekte gleichermaßen berücksichtigt und die von Management und Mitarbeitern getragen und umgesetzt wird, kann durch ein Wertemanagement wirksam nachgekommen werden.

Corporate Identity

Nicht zuletzt stiften gelebte Werte Sinn, erhöhen die Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen und ihrer Arbeit und stärken so die Loyalität und Arbeitsmotivation insgesamt. Als kulturbildende Kräfte können Werte zudem zur Quelle einer in der Unternehmenskultur verankerten Corporate Identity werden, die nach innen und außen ausstrahlt und für Glaubwürdigkeit und Vertrauen sorgt.

Image und Reputation

Eine sich auf gelebte Werte stützende Corporate Identity erhöht die Reputation in der Öffentlichkeit und stärkt das Image im Markt. Gewinnbringend für das Marketing, denn Markenführung und Kommunikation können das Unternehmen und seine Produkte überzeugend positionieren, neue Marktsegmente erschließen und bestehende Kundengruppen besser binden.

Wodurch Werte wirken

Bei den revolutionären Entwicklungen in Europa ging es um ganz konkrete Dinge: Um das Brechen der Vorherrschaft von Adel und Klerus, um Handels- und Gewerbefreiheit, um Zölle oder auch um das politische Wahlrecht für das Besitzbürgertum. Die durch ihre Allgemeinheit und Einfachheit überzeugenden Werte Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit ließen sich auf die Fahnen schreiben und die Massen mobilisieren. Denn jeder Einzelne versteht sie und kann sie auf die konkrete Situation und auf die konkreten Verhältnisse anwenden. Zugleich stiften Werte Sinn und fordern zur Identifikation mit ihnen auf. Der Einzelne kann sie sich zu Eigen machen, sich mit ihnen identifizieren und sie zu seinem inneren Bestimmungsgrund machen.

Die Allgemeinheit der Werte einerseits und die Identifikation vieler Menschen mit ihnen andererseits, setzen eine Dynamik in Gang, in deren Verlauf für die Werte unzählige Anwendungs-, das heißt Handlungsoptionen, erschlossen werden. Wenn ein Unternehmen etwa die Erhöhung des Marktanteils als Ziel vorgibt und daraus konkrete Maßnahmen ableitet, sind diese konkreten Maßnahmen für die einzelnen Mitarbeiter Forderungen, die von außen an sie gestellt werden. Eine andere Dynamik wird jedoch in Gang gesetzt, wenn das Ziel mit einem Wert unterlegt wird. So will beispielsweise Amazon das kundenfreundlichste Unternehmen der Welt sein.

Kundenfreundlichkeit ist ein Sinn- und Motivationsangebot, das sich die Mitarbeiter zu Eigen und zu ihrem inneren Antrieb machen können. Wir – und das heißt eben auch ich – stellen unsere Kunden zufrieden! Das gibt unserem Handeln Sinn, damit identifizieren wir uns und das erfüllt uns mit Stolz. Der Erfolg des Unternehmens, nämlich die Erhöhung des Marktanteils, wird über diesen Umweg zum inneren Bedürfnis der einzelnen Mitarbeiter. Jede Führungskraft, jeder Mitarbeiter und jedes Team versteht die Bedeutung und den Sinn des Werts Kundenfreundlichkeit und kann ihn auf den eigenen Handlungsrahmen und Verantwortungsbereich anwenden. Gleiches gilt für die verschiedenen Organisationseinheiten entlang der Wertschöpfungskette.

Wie ein Wertemanagement entwickelt wird

Zunächst einmal sollte die strategische Ausrichtung klar sein. Schließlich soll sich die Entwicklung des Wertemanagementsystems an den Unternehmenszielen orientieren und ihnen als Vehikel und Treiber unterlegt werden. Weitere Parameter, wie die bestehende Unternehmenskultur und die Marktbedingungen, sollten ebenfalls berücksichtigt werden. Und natürlich die Erwartungen der Anspruchsgruppen wie Kunden, Mitarbeiter, Lieferanten, Kapitalgeber oder auch Öffentlichkeit. Evaluiert seien beispielsweise folgende drei Werte:

  • Leistung für den Komplex Unternehmensperformance (Qualität, Innovation, Effizienz)
  • Kooperation für die internen und externen Beziehungen
  • Verantwortung für den Komplex Nachhaltigkeit beziehungsweise Corporate Social Responsibility (CSR) zur Sicherstelltung der unternehmerischen Integrität

Nun kommt es darauf an, diese Werte von ihrem ursprünglichen Gegenstandsbezug abzukoppeln, sie also in ihrer Allgemeinheit zu fassen und in eine wechselseitige Beziehung zu setzen. Keine Leistung, die kooperativem Verhalten entgegensteht. Und keine Leistung, ohne dass wir zugleich auch unsere Verantwortung wahrnehmen. Und umgekehrt: Keine Verantwortung ohne Leistungsorientierung. Wenn wir etwa unserer Verantwortung für das Gebot der Ressourceneffizienz nachkommen, dann eben nicht nur ein bisschen. Auch hier geht es um ausweisbare Erfolge, um Leistung.

Dies gilt es auf die spezifischen Unternehmensbedürfnisse hin auszuarbeiten und konkret auszuformulieren. Damit die Grundwerte inhaltlich aber nicht ganz im luftleeren Raum hängen, empfiehlt es sich, ihnen neben der Unternehmensstrategie erst noch eine Mission und eine Vision zur Seite zu stellen. All diese Elemente sollten zuletzt ein System bilden, in dem sie widerspruchsfrei aufeinander bezogen sind.

Die Mission bestimmt den Unternehmenszweck und -fokus sowie den gesellschaftlichen Nutzen, den das Unternehmen realisieren will. Die Vision gibt die mittel- bis langfristigen Ziele vor, die das Unternehmen im Rahmen seiner Mission erreichen will. Und die Werte definieren die Werthaltung, die Spielregeln des Handelns und Verhaltens.

Wie ein Wertemanagementsystem implementiert wird

Die MVV, das System aus Mission, Vision und Werten (Values), lässt sich am besten in einem griffigen Unternehmensleitbild darstellen. Alles sollte freilich aus einem Guss sein und von Kommunikationsspezialisten professionell aufbereitet werden. Alle weiteren Implementierungsschritte sind unternehmensspezifisch. Grundsätzliche Anforderung ist, dass die MVV hart gemacht wird und in den Feldern Strategie, Prozesse und Produkte zum Tragen kommt und als Unternehmenskultur den Geschäftsalltag prägt.

Sinnvoll ist sicher die Entwicklung von Führungsrichtlinien sowie von Verhaltens- und Verfahrensgrundsätzen, die die Grundwerte in konkretes Handeln übersetzen und unter Umständen bereichsspezifisch – gegebenenfalls auch länderspezifisch – ausformulieren. Darüber hinaus bietet sich die Einarbeitung in bestehende Management- und Führungssysteme an, beispielsweise in ein EFQM-Modell, eine Balanced Scorecard oder ein Compliance-System. In Frage kommen insbesondere auch die Instrumente des Personalmanagements:

  • Beurteilungssysteme von Mitarbeitern und Führungskräften
  • Zielvereinbarungssysteme
  • Leistungsbezogener Lohnanteil
  • Arbeitsverträge
  • Einstellungs- und Beförderungsvoraussetzungen

Für die Verankerung der Werte in den Köpfen und Herzen der Mitarbeiter und Führungskräfte ist es ratsam, Mitarbeiter aller Bereiche und Ebenen bereits bei der Entwicklung der Grundwerte miteinzubeziehen. So lässt sich innere Beteiligung frühzeitig sicher stellen und Widerständen kann wirksam begegnet werden. Schließlich sind für eine lebendige Wertekultur die Vorbildfunktion und das ernsthafte Bekenntnis der Geschäftsleitung unerlässlich. Zusätzlich sind Schulungen und Trainings, Führungskräftecoaching und Workshops mit den Teams wirksame Mittel der Implementierung.

Zweckdienlich sind ebenso Ambassadorenmodelle und unternehmensweites Storytelling. Überhaupt sollten die vielfältigen Mittel der internen Kommunikation genutzt werden. Außerdem eignen sich auch Firmenevents wie Betriebs-, Weihnachts- oder Jubiläumsfeiern und Informationsveranstaltungen als Plattform für die Inszenierung der Grundwerte.

Daten und Informationen in Unternehmen managen

Ein deutliches Zeichen der heutigen Wissensgesellschaft ist die rasant wachsende Präsenz von Informationen. Ob im kommerziellen oder privaten Bereich, so gut wie niemand kann sich dem Überangebot an Information entziehen. Daten verbreiten sich geradezu explosionsartig. Daraus resultieren eine Reihe von Effekten, mit der die Unternehmen täglich konfrontiert werden. Das Phänomen Informationsüberflutung („Information Overload“) besitzt eine stark individuelle Komponente (subjektives Empfinden) und wird nicht allein durch unsere heutigen technischen Errungenschaften hervorgerufen. Schon 1613 dachte der britische Autor Barnaby Rich über diese Erscheinung nach, indem er sagte:

„Eine der Krankheiten dieser Zeit ist die Überzahl an Büchern. So überladen ist die Welt von ihnen, dass es unmöglich ist, den Wust an unnützem Zeug zu verdauen, der täglich ausgebrütet und in die Welt geworfen wird.“

Die riesige Menge an täglicher Information und die (noch) unvollkommenen Methoden, sie auch zu bewältigen, zeigen: Die eigentliche Herausforderung besteht darin, den Umgang mit Informationen weiter zu entwickeln. Es geht um die Optimierung von Methoden des Vergleichens und Aufarbeitens von Informationen, die Hand in Hand mit organisationalen Veränderungen gehen muss. Datenmüll, zunächst als nutz- und wertlose Daten eines Unternehmens verstanden, ist eine gewaltige Herausforderung. Insbesondere durch die zunehmende Nutzung digitaler Kommunikationsmittel sammeln sich nicht mehr benötigte und somit überholte und veraltete Daten an. Gerade bei Unternehmen ist das Aufbewahren von Datenmüll vor allem eine Kostenfrage. Das sollte die erste Erkenntnis eines für die Speicherkapazitäten Verantwortlichen sein. Dieser muss auch die Frage beantworten, inwieweit die internen Prozesse ausgerichtet sind, um entweder unnützes Aufbewahren von Daten nach Möglichkeit zu minimieren oder Datenmüll regelmäßig aufzuspüren und zu entsorgen.

Wie Datenmüll entsteht

Daten, Informationen, Nachrichten und Wissen sind die tragenden und zugleich auch prägenden Begriffe einer modernen Informationsgesellschaft. Während Daten als logisch strukturierte Informationseinheiten einfach, verständlich und messbar sind, entzieht sich der Begriff Information durch die Weitläufigkeit der Verwendung einer allgemeingültigen Definition. Neben der Nachrichtentechnik und Informatik befassen sich die Semiotik als Teilgebiet der Sprachwissenschaften, die Erkenntnistheorie und die Wissenschaftstheorie mit der Aufarbeitung des Begriffs.

Bereits in der Steinzeit übte sich der Mensch nicht nur im Jagen, sondern auch im Sammeln. Doch lässt sich die heutige Datensammelwut auf Verhaltensrelikte aus der menschlichen Stammesgeschichte reduzieren? Dieser Blickwinkel mag zwar einige überraschende Aspekte in die Betrachtung der Ursachen anreißen, leistet indes keinen wirklichen Beitrag zur Beantwortung des Problems. Ein Beispiel verdeutlicht dies:

Machine-to-Machine-Anwendungsbereiche (M2M) gibt es unter anderem in der Informationstechnologie, der Energieversorgung, Logistik, im Handel, Verkehr, in der Automatisierung, der Sicherheit und im Health-Care-Bereich. Immer dann, wenn der intelligente Kaffeeautomat in der Kantine den Bohnenvorrat rechtzeitig selbst aufstockt oder wenn Autos selbständig miteinander kommunizieren, um unerwarteten Hindernissen auf einer Strecke zuvor zu kommen, mag das für die Bequemlichkeit der Nutzer sprechen. Schon hier wird deutlich, dass heute in vielen Fällen eine große Menge Daten bewegt werden müssen. Doch was passiert mit ihnen, wenn die Kaffeebohnen nachgefüllt und die Hindernisse umfahren worden sind? Nicht immer ist bekannt, welche Daten (noch immer) vorhanden sind. Häufig fehlen eine systematische Inventarisierung der Datenbestände und die sich notwendigerweise daran anschließende Definition von Prozessen, die der Datenanalyse und damit der Generierung von Wissen dient.

Unternehmen sind durch gesetzliche Vorschriften gezwungen, Daten über einen längeren Zeitraum vorzuhalten. Die Ereignisse des 11. September 2001 und die zahllosen Skandale in Wirtschaft und Politik hatten eine Verschärfung der Anforderungen an das Aufbewahren von Daten zur Folge. Nicht immer sind die Ausführungsbestimmungen so klar, dass sofort erkannt werden kann, welche Daten aufbewahrt werden müssen. Im Zweifelsfall eben mehr als weniger: Systeme wie E-Mail weisen so ein extrem hohes Datenwachstum auf. Eine weitere Quelle für Datenmüll sind die zahlreichen Vorversionen von Berichten und Meilensteinpräsentationen, die an sämtliche Mitglieder eines Projektteams digital versandt werden – unabhängig davon, ob die Empfänger damit etwas anzufangen wissen.

Kreditinstitute gelten als Prototypen für den schier unstillbaren Datenhunger. Das liegt zum einen in der Natur der Sache. Banken produzieren nicht lagerfähige Finanzdienstleistungen, keine Güter. Daher müssen sie den Vorrat ihrer vielfältigen Finanzdienstleistungen auf ihren Servern vorhalten. Zum anderen bearbeiten sie meist standardisierte Vorgänge, wie zum Beispiel Online-Überweisungen oder Barabhebungen am Geldautomaten. Auf Grund der Vielzahl gesetzlicher Vorschriften müssen Banken Kundendaten speichern. Daneben speichern sie auch die für den Kunden abgewickelten Transaktionen, so dass sich ein Kundenberater im Falle eines Beratungsgesprächs auf seinem Monitor einen vollständigen Überblick über die Kundenverbindung verschaffen kann.

Konsequenzen der Datenflut

Die Technik zur Verarbeitung von Daten, Informationen und Wissen wird immer komplexer, teurer, langsamer und fehleranfälliger. Das schlägt sich auch in den Strategiekonzepten der Hersteller von Speichersystemen nieder, die oft auch Anbieter von Backup- und Archivlösungen sind. Softwaremethoden zur Datenkomprimierung und gezielte Deduplizierung gewinnen mehr und mehr an Gewicht – ein Indiz dafür, dass das Datenwachstum schneller als die technologische Weiterentwicklung der Speichersysteme voranschreitet.

Besonders dramatisch, weil schleichend und auch schlecht messbar, ist die Tatsache, dass Entscheidungsprozesse im Unternehmen durch das Überangebot an Informationen erschwert werden. Dieser Bereich gewinnt weltweit an Bedeutung. Überflüssige oder veraltete Informationen stellen zweifelsfrei Datenmüll dar. Die Grenze, ob Daten überflüssig oder gar veraltet sind, ist jedoch nur sehr schwer zu ziehen. Es gibt in diesem Zusammenhang keine allgemein gültigen Regeln. Im Endeffekt muss diese Frage von jedem Nutzer individuell beantwortet werden. Daten besitzen nämlich per se kein Verfallsdatum.

Die Frage, ob der Vielfalt und dem Volumen der Informationen etwas Positives abgewonnen werden kann, muss vorerst unbeantwortet bleiben. Eine negative Folge zeigt sich im Aufkommen eines neuen Krankheitsbildes, dem Information-Overload-Syndrom. Dabei wird das Gehirn zunehmend mit Datenmüll zugeschüttet, psychologische Filterfunktionen versagen. Auf der emotionalen Ebene werden diese Prozesse durch individuelle Erfahrungen verstärkt. Als Folge kann eine Einschränkung der kognitiven Eigenschaften wie Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit und Wortfindungsstörungen beobachtet werden. Auf der vegetativen Ebene stellen sich Schlafstörungen, Libidoverlust oder Appetitlosigkeit ein. Auch Depressionen und Ängste können auftreten.

Notwendigkeit neuer Lösungsansätze

Entwicklungen im IT-Sektor zeigen, dass unverdrossen weiter Software- und Technologielösungen zur Speicherung von Daten entwickelt werden: Stichwort Cloud-Computing. So werden die Datenbestände weiter wachsen und damit zweifellos auch der Datenmüll. Praktische Ansätze zur Eindämmung des Datenmülls zu finden, wird nicht einfach sein. Hilfe kann auch von juristischer Seite kommen. Der § 3 a des Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG) beispielsweise zeigt, wie sich Datenvermeidung und Datensparsamkeit bewerkstelligen lassen. Was jedoch fehlt, ist ein ganzheitlicher Unternehmensprozess, mit dem das Datenwachstum eingedämmt und der Datenmüll kurz- und mittelfristig reduziert werden kann. Es ist kein pragmatisches Projektmodell oder ein Leitfaden zur Identifizierung und Eindämmung des Datenmülls bekannt.

Mit dem wachsenden Datenmüllproblem ergeben sich Handlungsfelder für die Zukunft, denn praxiserprobte Lösungen zur Einführung eines Management-Prozesses zur Vermeidung und Bekämpfung von Datenmüll fehlen nahezu komplett. Selbst die Fachliteratur liefert keine brauchbaren Muster. Eine naheliegende Zielsetzung könnte somit die Erstellung eines Leitfadens für Unternehmen mit folgenden inhaltlichen Beschreibungen sein:

  • Datenmüll-Management-Prozess mit seinen Haupt- und Teilprozessen
  • Rolle eines Datenmüll-Managers („Data Waste Officer“)
  • Leitfaden zur Identifikation des Datenmülls
  • Maßnahmenkatalog mit konkreten Vorschlägen zur Eindämmung sowie kurz- bis mittelfristigen Reduzierung des Datenmülls
  • Kennzahlen zur Ermittlung und Steuerung des Datenmülls

Darüber hinaus fehlen in fast allen Unternehmen konkrete Mengengerüste über Datenmüll und Einsparpotenziale durch Eindämmung beziehungsweise Reduzierung des Datenmülls, die durch einen im Unternehmen gelebten Datenmüll-Management-Prozess erarbeitet werden könnten. Da das Datenaufkommen täglich wächst, ist – schon unter Kostengesichtspunkten – zu klären, wie dieser Entwicklung begegnet werden kann.

Ganz offensichtlich ist der Druck auf Unternehmen noch nicht groß genug, da sie relativ großen Sparpotenzialen wenig Beachtung schenken. Selbst wenn davon ausgegangen werden muss, dass es ihnen schwer fallen dürfte, relativ trenngenau zwischen Daten und Datenmüll zu unterscheiden, sollte eine intensivere Auseinandersetzung mit dieser Thematik herbeigeführt werden. Es liegt nahe, dass wegen der zutiefst menschlichen Bestrebung zu sammeln und zu horten, dieser Notwendigkeit bis heute zu wenig Beachtung geschenkt wird. Möglicherweise wird allein schon die Erkenntnis über dieses Defizit zu ersten nachhaltigen Handlungen führen. Die Zeit dafür ist jedenfalls reif.

Hinweis

Der Autor ist auch Mitherausgeber des Buches Unternehmen versinken im Datenmüll: Ansätze und Vorgehen für ein effizienteres Datenmanagement [36]

Kommunikation von Change in Unternehmen

Wenn in Unternehmen Veränderungen anstehen, müssen diese auch an alle Beteiligten kommuniziert werden. Doch dieser Prozess ist immer wieder Problemen und Hindernissen unterworfen, die es zu überwinden gilt. Im Folgenden wird anhand von vier Szenarien dargestellt, um welche Hindernisse es sich dabei hauptsächlich handelt:

„Feedback ist nicht wichtig!“

Das Projektmanagement oder –sponsoring ist oft der Ansicht, dass Rückmeldungen von Anwendern zur Veränderung nicht erwünscht sind. Die Argumentation: Die Bearbeitung des Feedbacks sei zu aufwändig. Doch dahinter verbirgt sich meistens die eigentliche Furcht des Managements vor einer negativen Rückmeldung durch die betroffenen Endanwender. Dies ist unberechtigt, kann doch mit Hilfe des Feedbacks die Ausrichtung der Change-Umsetzung weiter optimiert werden. Außerdem fungiert eine Anwenderumfrage quasi als Marketinginstrument, das wiederum eine höhere Bindung der Befragten an die Veränderung im Unternehmen ermöglicht.

„E-Mails reichen!“

Oft wird auch argumentiert, die Nutzung mehrerer Kommunikationskanäle erzeuge zu viel Aufwand und sei doch eigentlich nutzlos. Im Zeitalter von Web 2.0 und Social Media zeigt sich jedoch schon jetzt, dass sich das Kommunikationsverhalten vieler Mitmenschen stetig verändert. Der Austausch von E-Mails ist deutlich auf dem Rückzug und die Steuerung von Informationen über Pull-Medien wie etwa Wikis oder Blogs nimmt zu. Einige Unternehmen haben dies bereits erkannt und kommunizieren Neuerungen beispielsweise nicht mehr über E-Mail, sondern über firmeneigene Intranetseiten, die von den Mitarbeitern regelmäßig aufgerufen werden.

„Wir schreiben einfach alle an!“

Oft ist das Projektmanagement der Meinung, mit den erstellten Informationsunterlagen alle auch nur annähernd infrage kommenden Anwender zu adressieren. Fazit: Ein umfangreicher E-Mail-Verkehr und viele Adressaten, auf die die Inhalte der Kommunikation nicht ausreichend passen. Dieses Gießkannenprinzip ist Gift für jede Kommunikation von Veränderungen, denn es geht dabei ja gerade darum, verschiedene Interessengruppen auf unterschiedliche Weise anzusprechen, eben weil sie individuelle Bedürfnisse haben.

„Erstellen Sie mir mal ein Konzept!“

Veränderungskommunikatoren sollten grundsätzlich auf der Hut sein vor Arbeitsaufträgen, die nach Begutachtung durch den Auftraggeber wahrscheinlich in die Schublade wandern. In der Kommunikation geht es vor allem um Machen, um Informationsmaßnahmen, um Output. Bevor das Projektmanagement den Auftrag zur Erstellung eines Kommunikationskonzepts erteilt, sollten sich alle Beteiligten darüber einig sein, dass Veränderungskommunikation auf die eine oder andere später gewählte Weise erfolgen wird.

Kritische Erfolgsfaktoren für Veränderungskommunikation

Worauf kommt es in der Change-Kommunikation eigentlich an? Was sind Teile eines ganzheitlichen Kommunikations-Puzzles? Folgende Punkte sind wichtig für die Planung und Umsetzung gelungener Change-Kommunikation:

Untersuchung der Interessengruppen

Jeglichen Kommunikationsaktivitäten muss eine detaillierte Analyse der am Veränderungsvorhaben beteiligten Stakeholdergruppen vorausgehen. Je mehr verschiedene Sichten hierzu gewonnen werden können, desto belastbarer wird die Analyse. Um erfolgreiche Kommunikationsmaßnahmen ableiten zu können, reicht es jedoch nicht, die Interessengruppen aufzulisten. Vielmehr ist es wichtig, deren jeweiligen Einfluss auf die Veränderung, ihre Einstellung und ihre Motive herauszufinden und zu dokumentieren. Hier bieten sich direkte Interviews mit den Betroffenen, Befragungen Dritter, die die Stakeholder gut kennen, sowie die Auswertung von Vormaterialien an.

Gelungener Mix aus Ereignissen und Medien

Bei der Wahl von Kommunikations-Events und den verwendeten Medien gilt es, Einseitigkeit zu vermeiden und der Vielfalt Vorrang zu geben. Da die adressierten Empfänger naturgemäß verschiedene Präferenzen bei der Verarbeitung von Informationen haben, – auditiver, visueller oder kinästhetischer Typ – ist es wichtig, auf verschiedenen Wahrnehmungskanälen zu senden.

Regelmäßig Rückmeldungen einholen

Im Zeitalter von Web 2.0 reicht es nicht mehr aus, Informationen an Empfänger über bestimmte Medien im Stile einer Werbepostwurfsendung zu senden in der Hoffnung, eine bestimmte Anzahl an Interessierten zu erreichen. Dieser Push-Ansatz war im 20. Jahrhundert durchaus erfolgreich, die heutigen Anwender sind jedoch mündiger geworden und sind von Informationen übersättigt. Daher ist es wichtig, Möglichkeiten des Feedbackgebens einzurichten und bewusst zu ermöglichen. Dies kann sowohl passiv durch Feedback-Buttons und integrierte Umfragen, als auch proaktiv durch direktes Nachfragen, zum Beispiel in Form von Websurveys oder mündlichen Umfragen erfolgen.

Wer meint, Feedback sei wichtig und hilfreich für den Veränderungsprozess, der nutzt gleich mehrere Chancen. Neben den weiter oben erwähnten Vorteilen von proaktiver Feedbackeinholung wird oft auch die eigene Glaubwürdigkeit des Veränderungsteams in den Augen der Befragten erhöht – vorausgesetzt, die konsolidierten Befragungsergebnisse werden hinterher transparent gemacht und die daraus abgeleiteten Folgeaktivitäten nachvollziehbar umgesetzt.

So gelingt der Informationsaustausch in der Veränderung

Im Folgenden wir dargestellt, wie das Fundament der Kommunikation aussieht, damit das „Richtfest“ der erfolgreichen Veränderung gebührend gefeiert werden kann:

Analyse des Ist-Zustands

Als erstes sollte die aktuelle Situation auf Verwertbares untersucht werden. Fragen dabei:

  • Welche Kommunikationskanäle gibt es bereits?
  • Welche davon werden wie intensiv verwendet?
  • Welche Kommunikationsereignisse finden bereits statt?
  • Welche sollten stattfinden, sind aber noch nicht eingeführt?
  • Welche Tools, die Kommunikationsbezug haben, gibt es bereits?

Hierzu gehören beispielsweise eine kurze Präsentation über das Veränderungsvorhaben oder ein Newsletter.

Rolle des Veränderungskommunikators

Neben der Auswertung der vorhandenen Kommunikationsstrukturen muss die Rolle des Veränderungskommunikators fest im Change-Team verankert werden. Hierzu eignet sich die Erstellung eines Profils, aus dem Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten dieser Rolle hervorgehen. Dieses Profil muss mit allen Projektbeteiligten abgestimmt und kommuniziert werden. Erst wenn der Kommunikator explizit von Projektsponsoren und –management in seiner Rolle bestätigt wird, erhält er die Freiheit, seine Rolle lebendig zu gestalten.

Kommunikationsstrukturen schaffen

Auch wenn der Begriff „Quickwins“ für viele Unternehmen einen negativen Beigeschmack aufweist – weil er zu inflationär und mit zu hoher Erwartungshaltung verwendet wurde – geht es bei der Installation einer Veränderungskommunikation doch genau darum: Um die Schaffung von Strukturen, die den von der Veränderung betroffenen Mitarbeitern schnell aufzeigt, dass sie ausreichend mit Informationen zum Change versorgt werden und Rückmeldung geben können, die wertschätzend aufgenommen und weiterverwendet werden.

Die Kommunikationsmaßnahmen, die hierfür besonders geeignet sind:

  • Einrichtung einer virtuellen Visitenkarte des Veränderungsvorhabens im Intranet des Unternehmens
  • Regelmäßige Durchführung einer Umfrage zur Veränderung (Beantwortungszeit unter zehn Minuten!)
  • Aufbau einer überschaubaren Wiki-Struktur mit Kontaktdaten, Projektvorstellung und einer kurzen FAQ-Sammlung zur Veränderung

Schon die Implementierung dieser wenigen Kommunikationsmittel und –aktivitäten kann die Sichtbarkeit des Veränderungsvorhabens im eigenen Unternehmen wesentlich steigern und weitere positive Resonanz erzeugen.

Selbständigkeit durch Übernahme von Büro oder Betrieb

Deutschlandweit existieren etwa 92.000 Ingenieur- und Architekturbüros. Etwa 80 Prozent davon haben weniger als fünf und ein Prozent hat mehr als 50 Mitarbeiter. Der Rest liegt irgendwo dazwischen. Bei einem durchschnittlichen Bürolebenszyklus von 30 Jahren stehen alleine in dieser Berufsgruppe jährlich knapp 3.000 Übergaben an.

Dass eine Übernahme im Vergleich zu einer Neugründung Vorteile bietet, liegt auf der Hand. Meist bestehen die zu übernehmenden Unternehmen schon seit mehreren Jahren, wodurch Kunden oder Mandate bereits vorhanden sind. Zudem lässt sich mitunter auch auf ein eingespieltes Team von Mitarbeitern zurückgreifen. Gleiches gilt für die Ausstattung von Räumlichkeiten mit EDV oder Möbeln. Eine Übernahme kann schon deshalb wirtschaftlicher sein, weil das Risiko von Anfangsverlusten in den ersten drei bis fünf Jahren einer Existenzgründung entfällt. Da erscheint der Kaufpreis, der bei der Übernahme anfällt, nur als vermeintlicher Nachteil.

Die verschiedenen Phasen der Büroübernahme

Wer ein Büro übergeben oder übernehmen möchte, sollte auf verschiedene Dinge achten. Hierzu wird die Übernahme in die Phasen „Vorbereitung“, „Regelung“ sowie „Umsetzung“ eingeteilt. Aus Sicht des Büroinhabers oder -übergebers heißt das:

Vorbereitungsphase

1. Sich selbst entbehrlich machen
Wer abgeben will, muss dafür sorgen, dass das Unternehmen zumindest eine Zeit lang ohne Chef funktioniert. Erforderlich ist dafür eine zweite Führungsebene, die mit Vollmachten ausgestattet ist, regelmäßig miteinander kommuniziert und die Vorgaben des Chefs umsetzt.

2. Management-Ordner anlegen
Unabhängig davon, ob ein Übergabeprozess von langer Hand geplant wurde oder abrupt durch Tod oder Krankheit erfolgt, müssen die Nachfolger Zugriff auf alle Verträge, Versicherungen, Kontendaten, Honorarforderungen oder Kundenlisten haben. Diese Informationen sollten in einem Notfallordner abgelegt werden, der halbjährlich aktualisiert wird.

3. Geeignete Persönlichkeiten suchen
Da diese nicht zwangsläufig in der eigenen Familie zu finden sind, sollte der Suchradius auf Mitarbeiter, Kooperationspartner, Kunden oder Lieferanten erweitert werden.

4. Über Partnerschaft nachdenken
Wer jüngere Mitarbeiter frühzeitig zum Partner macht, bindet diese ans Büro und setzt ein Zeichen in Richtung Nachfolge. Für einen fließenden Ausstieg ist solch eine Partnerschaft oder auch die mit einem anderen Büro ideal. Oder es existiert andernorts ein Unternehmen, das einen zweiten Standort eröffnen möchte. Dann kann die Übergabe auch in Form einer Fusion erfolgen.

5. Bürowert angemessen ermitteln
Der Kaufpreis sollte nach dem Statuswertverfahren ermittelt werden. Dabei werden die Organisations-, Auftrags-, Praxis- und Substanzwerte analysiert und halbjährlich fortgeschrieben. So entsteht ein transparentes und reales Bild des Betriebs, das gleichzeitig Schwachstellen analysiert und die Wertsteigerung des Büros widerspiegelt.

Regelungsphase

1. Konzept und Modell
Zunächst wird aus Sicht des Übergebers ein steueroptimiertes Modell entworfen. Ist der Nachfolger gefunden, wird ein Übergabeplan vereinbart. Darin enthalten sind Kaufpreis, Zahlungsmodus, Übergabezeitraum, Kundeninformation und der Weg, wie das Personal mit einbezogen wird.

2. Businessplan für Übergeber
Nicht nur der Nachfolger, sondern auch der Übergeber sollte einen Businessplan schreiben. Dieser macht deutlich, wie das Unternehmen aufgestellt ist und wohin es sich entwickeln soll. Bei künstlerischen Berufen wie Architekten oder Werbern ist dabei auch die Handschrift des Seniors zu lesen.

3. Steuerliche Konzeption
Spätestens jetzt sollten ein erfahrener Moderator sowie die Steuerberater beider Parteien miteinbezogen werden. Ihr Job ist es, Steuergeschenke zu vermeiden, die im schlimmsten Fall zu Liquiditätsengpässen oder gar zur Insolvenz führen. Aus Sicht des Verkäufers ist eine Einmalzahlung des Kaufpreises ideal. Als Kompromiss etablieren sich Kaufpreis-Anzahlungsmodelle mit einer anschließenden Abzahlung aus dem Übergewinn (Gewinn abzüglich Unternehmerlohn).

4. Parametervertrag
Aus dem Übergabeplan formulieren die Parteien einen Parametervertrag. Hierin werden der Kaufpreis und die Zahlung notariell geregelt. Hinzu kommen Verträge über Kundeninformationen, Räumlichkeiten und Mietverträge. Der Partnervertrag ist frei von juristischen Floskeln und daher für alle Beteiligten verständlich. Aus ihm können Rechtsanwälte wasserdichte Verträge ableiten.

Umsetzungsphase

1. Beratungsorgan installieren
Um die Nachfolger bei der Fortführung zu unterstützen, sollten ein Aufsichtsrat oder Beirat den Prozess mindestens drei Jahre lang begleiten. Sie ersetzen die Berufserfahrung des ausgeschiedenen Seniors. Je nachdem wie die beruflichen Schwächen des Nachfolgers ausgestaltet sind, sollte in diesem Organ betriebswirtschaftliches, verkäuferisches oder gestalterisches Expertenwissen vertreten sein.

2. Krisenmanagement
Vor allem bei einer Übernahme durch eine Partnerschaft sollten bestimmte Themen präventiv über einen Mediator diskutiert werden. Gleiches gilt für die Lösung von Konflikten mit den Mitarbeitern.

Für die Nachfolger gilt nahezu Gleiches. Lediglich die Prioritäten und Phasen verschieben sich.

Vorbereitungsphase

1. Geeignetes Büro suchen
Angestellte mit Übernahmeambitionen sollten im Umfeld danach suchen. Entweder sie sprechen den eigenen Seniorchef an oder fragen vorsichtig bei befreundeten Büros, Kunden oder Lieferanten nach. Außerdem empfiehlt es sich, Nachfolgebörsen und Annoncen zu beobachten.

2. Über Partnerschaft nachdenken
Steht ein größerer Betrieb zur Übernahme an oder sucht ein Seniorchef Partner, ist eine Partnerschaft als erster Schritt in die Selbständigkeit zu empfehlen, denn er federt das Risiko des Scheiterns ab.

3. Bürowert ermitteln
Hier geht es um die Frage, wie reell der Kaufpreis eines angebotenen Betriebs ist. Dieser sollte nach dem Statuswertverfahren analysiert werden (Ermittlung von Organisations-, Auftrags-, Praxis- und Substanzwert), um ein in die Zukunft gerichtetes Bild des Unternehmens zu erhalten.

4. Businessplan erstellen
Hierbei geht es um Fragen wie Finanzierung, Kunden- und Mitarbeiterübernahme, Partnerschaften, private Fixkosten, Geldein- und -ausgänge, Liquidität, Marketing oder Projektabwicklung. Ein Businessplan kann auch in der Regelungsphase gemeinsam mit dem Senior verfasst werden.

Regelungsphase

1. Konzept und Modell
Ist das Büro gefunden, sollten ein Steuerberater und eine Hausbank gesucht werden. Wichtig hierbei ist immer ein persönliches Gespräch. Danach kommt es zur Vereinbarung eines Übergabeplans mit dem Verkäufer, in dem Kaufpreis, Zahlungsmodus, Übergabezeitraum und Kundeninformationen enthalten sind.

2. Steuerliche Konzeption
Hier gelten die gleichen Grundsätze hinsichtlich Liquidität wie für den Übergeber. Das für den Übernehmer risikoärmste Finanzierungsmodell ist die Gewinnabtretung ohne Kaufpreisanzahlung.

3. Parametervertrag
Auch für den Übernehmer ist ein verständlich formulierter Parametervertrag die Grundlage für die Einigkeit der Parteien. Juristen gießen daraus notariell zu beurkundende Verträge.

4. Übernahme der Kundenkontakte
Das Zukunftskapital eines Betriebes sind aktive und potenzielle Kunden. Jeder Übernehmer muss sicherstellen, dass diese Kontakte persönlich, zeitnah und ohne Verluste vom Senior übergeben werden.

Umsetzungsphase

1. Beratungsorgan installieren
Weil Nachfolgern Routine und Erfahrungen fehlen, ist ein auf Zeit installierter Beirat nützlich, um unternehmerische Fehler zu vermeiden. Oft ist darin auch der Übergeber aktiv, insbesondere wenn der Kaufpreis noch nicht komplett geleistet wurde.

2. Krisenmanagement
Um Konflikte frühzeitig zu erkennen und zu lösen, sollte ein Mediator die Führungsrunde regelmäßig moderieren. Hier können brisante Themen zwischen Partnern und mit Mitarbeitern präventiv diskutiert werden.

Organisation von IT-Service und IT-Support im Unternehmen

Ein Support muss folgende Bedingungen erfüllen, um die notwendige Leistungsqualität sicherzustellen:

1. Kompetenzen der Support-Mitarbeiter

Die Tätigkeit im IT-Service ist ein Job für Profis. Unternehmen sollten daher keine Kompromisse bei der Auwahl der Mitarbeiter eingehen. Eine technische IT-Ausbildung in Verbindung mit ausgeprägten sozialen Kompetenzen ist die Grundlage für den Erfolg bei hohen Anforderungen, die nicht jeder erfüllen kann. Neben einer Affinität für den Umgang mit Menschen sollten die Service-Mitarbeiter eine gewisse Stressresistenz besitzen. Diese Soft Skills sind aber schwerer zu erlernen als fachliche Themen. Eine stetige Weiterentwicklung dieser Fähigkeiten hilft deshalb den Mitarbeitern, optimalen Support für ihre Kunden zu leisten, ohne dabei dauerhaft überlastet zu sein.

2. Klare und verbindliche Service Levels

Dem Benutzerkreis muss jederzeit klar sein, was er unter welchen Bedingungen und in welcher Zeit vom Support erwarten kann. Service-Level-Agreements (SLA) sind verbindliche Regelungen, nach denen sich ein kundengerechter Support organisiert, um die vereinbarte Qualität in all ihren Facetten durchgängig zu gewährleisten.

3. Nicht auf Eskalationsstufen verzichten

Lässt sich ein Problem in einem definierten Zeitrahmen oder aufgrund eines bestimmten Schwierigkeitsprofils nicht lösen, muss es in einem festgelegten Prozess auf die nächste Spezialistenebene übertragen werden. Dieser pragmatische Ansatz muss über dem persönlichen Ehrgeiz von Service-Mitarbeitern stehen, um effizient zu einer Problemlösung zu gelangen.

4. Systematisch aus Erfahrungen schöpfen

Notwendig ist eine substanziell gefüllte und kontinuierlich gepflegte Wissensdatenbank mit komfortablem Handling für die Mitarbeiter im IT-Service. Darin müssen die vielfältigen Erfahrungen zu finden sein, aufgrund derer Unternehmen schnell auf Kundenansprachen reagieren können, ohne bei Problemlösungen jedes Mal das Rad neu erfinden zu müssen. Regelmäßige Meetings der Techniker, die die aktuellen Erfahrungen aus den Kundenkontakten zum Thema haben, fördern das gemeinsame Lernen im Umgang mit Mensch und Technik.

5. Knowledge Base für die Fehlersuche

Für die Benutzer sollte eine Knowledge Base für die eigene Fehlersuche etabliert werden. Ein Großteil der Probleme wiederholt sich ständig, und deren Ursachen sind vergleichsweise einfach erkennbar. Diese Aufgabe kann den Benutzern selbst übertragen werden. Dafür wird eine leicht verständliche und übersichtliche Checkliste mit FAQs zur Ermittlung häufiger Schwierigkeiten etabliert. Gerade die Digital-Native-Generation ist immer mehr in der Lage, einen Teil des First- Level-Supports – insbesondere wenn dafür ein interaktive Plattform existiert – selbst zu übernehmen.

6. Auch persönlich kommunizieren

Beim Self Help und Self Service geht es um einfache, klar definierte Fälle. Hier wird der Service Desk entlastet. Trotzdem sollte eine Balance gefunden werden zwischen digitaler, automatisierter Kommunikation und persönlichem Gespräch zwischen Kunde und Service-Desk-Mitarbeiter. Der Anwender sollte stets wählen können, ob er lieber anruft oder eine Portallösung nutzen möchte.

7. Allgemeinverständlich sprechen

Die Anrufer kennen sich in ihrer Arbeitswelt bestens aus und benutzen IT zur Unterstützung der eigenen Aufgaben. Bei Störungen sind sie daher in der Regel nicht an Fachbegriffen interessiert, sondern an der Lösung ihres Anliegens. Ein guter Support-Mitarbeiter sollte somit die Sprache des Kunden sprechen und gegebenenfalls auch dessen Begriffe benutzen. Dabei steht die Verständlichkeit über dem Bedürfnis des Mitarbeiters, mit Fachwissen zu glänzen.

8. Gemeinsam das Problem eingrenzen

Zeit ist sowohl für den Anwender als auch für den Service-Desk-Mitarbeiter Geld. Damit ein Telefonat am Service Desk für beide Parteien möglichst zielführend verläuft, muss der Mitarbeiter den Anwender systematisch durch das Gespräch führen. Durch richtiges Zuhören und geschicktes Fragen nimmt der er alle wichtigen Details auf, die eine zügige Lösung im Sinne des Kunden ermöglicht.

9. Richtig dokumentieren

Manchmal können Anliegen der Anwender vom Service Desk nicht gelöst werden. Dann wird der Vorfall gemäß der Eskalationsverfahren an eine nachgelagerte Supportgruppe, den sogenannten 2nd Level, übertragen. Um den 2nd Level möglichst effizient einzubinden, bedarf es einer hohen Dokumentationsqualität im Service Desk. Alles Wichtige zu Umfeld und Störung beim User sollte kurz und bündig dokumentiert werden, damit der 2nd Level sofort mit einer weiterführenden Analyse beginnen kann, ohne noch einmal beim Anwender nachfragen zu müssen. Richtige Dokumentation im Service Desk lassen sich trainieren, um die Schnittstelle zum 2nd Level wirksamer zu gestalten.

10. Produktive Arbeitsatmosphäre schaffen

Service-Desk-Mitarbeiter sind einer hohen Arbeitsbelastung ausgesetzt. Eine Arbeitsumgebung, die regelmäßige Pausen und Austausch zwischen den Kollegen ermöglicht, fördert die Arbeitsfähigkeit des Teams. Gut ausgebildete und kommunikative Führungskräfte, die nah an der Mannschaft sind, schaffen ein offenes, produktives Klima. Sie unterstützen dauerhaft die Identifikation der Mitarbeiter mit ihrem Job und steigern die Motivation. Die Sozialkompetenz des Teamleiters ist genauso wichtig wie die der Service-Desk-Mitarbeiter, damit ein schlagkräftiges Team entstehen kann.

Projektmanagement und Projektabbruch: Projekte überprüfen und abbrechen

„Wenn dein Pferd tot ist, steige ab.“ Diese Redensart leuchtet jedem sofort ein. Und trotzdem fällt es vielen sehr schwer, diesen Rat auch anzuwenden – also von dem, was nicht gelingen kann oder nicht gelingen will, abzulassen. Aufgeben. Neu beginnen. Nein, viele Menschen halten an dem fest, was sie über viele Jahre begleitet hat, was vielleicht einmal erfolgreich war, woran sie sich gewöhnt haben, woran sie glauben, worauf sie hoffen. Und statt einfach abzusteigen, suchen sie nach Rechtfertigungen und Scheinlösungen für das vergebliche Reiten toter Pferde.

Schaut man sich das Projektunwesen vieler Unternehmen an, gewinnt man schnell den Eindruck, dass es auch hier viele Reiter gibt, die noch auf ihren toten Pferden sitzen. Manche Projekte sind gescheitert, werden aber nicht oder viel zu spät abgebrochen. Einige Großprojekte des Staates haben es deshalb sogar in die Presse geschafft. Sie wurden immer wieder verschoben, unterbrochen, abgebrochen oder gar zum Desaster. Beispiele dafür sind das Softwareprojekt der Stiftung für Hochschulzulassung, mit dem die zentrale Planung und Vergabe von Studienplätzen besser organisiert werden sollte. Oder die Einführung des Digitalfunks für Polizei und andere Behörden mit Sicherheitsaufgaben.

Schlechte Projekte blockieren wertvolle Ressourcen

Das passiert – meistens still und leise – auch in Unternehmen tagtäglich. Und oft sind die Gründe dafür offensichtlich, auch wenn sie in vielen Fällen nicht laut ausgesprochen werden dürfen. Beispiele:

  • Ein Unternehmen plant ein neues Produkt, mit dem es seine Marktstellung deutlich verbessern will. Vor Abschluss des Entwicklungsprojekts starten zwei Wettbewerber mit dem gleichen Produkt am Markt. Doch der Vorstand bricht das Entwicklungsprojekt nicht ab, weil er sich persönlich die ganze Zeit dafür eingesetzt hatte und sich diese Niederlage nicht eingestehen will.
  • Während der Einführung einer Unternehmenssoftware für die Planung und Steuerung kommt eine neue Lösung auf den Markt, die erheblich billiger ist, die sich einfacher einführen lässt und die zukünftige Standards berücksichtigt. Aber das Projekt mit der „veralteten Software“ ist schon zu weit vorangeschritten.
  • Der junge Projektleiter, der nach der Einführung der neuen Software die Schulung der Mitarbeiter organisieren soll, ist mit dieser Aufgabe überfordert. Er bekommt keine Unterstützung der Abteilungsleiter und der Geschäftsleitung. Sein Schulungskonzept ist zu ambitioniert und nicht alltagstauglich. Aber irgendwie muss es doch eine Schulung geben.

Würden solche Projekte kritisch betrachtet, ließe sich schnell feststellen, dass sie bereits gescheitert oder vom Scheitern bedroht sind. Andere kommen nicht voran oder schlafen vollständig ein. Doch woran lässt sich erkennen, dass es sich nicht mehr lohnt, das Projekt fortzuführen? Wer das im Unternehmen thematisieren will, muss nachvollziehbare Argumente und Belege anführen und sich rechtfertigen, wenn er dafür plädiert, dass ein Projekt abgebrochen werden soll.

Argumente für den Projektabbruch lassen sich an vielen Stellen finden. Zum Beispiel:

  • Projektpartner ist weggebrochen
  • kein „Kunde“ mehr für das Projekt
  • Projektleiter ist nicht mehr da, keiner trägt mehr die Verantwortung
  • wichtige Projektmitarbeiter sind nicht mehr dabei
  • Projektziele wurden vom Auftraggeber maßgeblich geändert und können deshalb nicht mehr erreicht werden
  • Umfeld hat sich geändert
  • neue Technologien sind verfügbar
  • kritische Probleme sind seit längerer Zeit ungelöst und das Projektteam kommt einfach nicht voran
  • das Top-Management oder wichtige Fachabteilungen unterstützen das Projekt nicht mehr
  • erhebliche rechtliche Risiken sind aufgetaucht

Der wesentliche Grund dafür, dass schlechte Projekte abgebrochen werden sollten, ist, dass sie Ressourcen verschlingen oder blockieren, die woanders besser eingesetzt werden könnten. Andere Projekte kommen nicht voran, die eingespannten Mitarbeiter vernachlässigen andere wichtige Aufgaben und stehen ihren Fachabteilungen nicht zur Verfügung. Das kritische Projekt

  • nimmt viel Arbeitszeit der Projektmitarbeiter und des Projektleiters sowie aller im Umfeld dabei einbezogenen Mitarbeiter in Anspruch,
  • nutzt Kompetenzen von wichtigen Know-how-Trägern, die an anderer Stelle fehlen (Engpässe im Unternehmen),
  • fordert die Aufmerksamkeit und die Unterstützung durch die Projektsponsoren und das Top-Management,
  • verbraucht Budgets für externe Unterstützer oder für Betriebsmittel, die für das Projekt genutzt oder beschafft werden.

Projekte regelmäßig auf den Prüfstand stellen

Ob ein Projekt wirklich schlecht ist und anderweitig gebrauchte Ressourcen blockiert, lässt sich im Einzelfall nur schwer nachweisen – und das ist ein wesentlicher Grund dafür, dass das Projekt nicht abgebrochen wird. Gleichwohl muss jedes Projekt regelmäßig überprüft werden. Dabei geht es nicht nur darum, ob das Projekt „auf Kurs liegt“, die Ziele erreicht, die Budgets und Termine eingehalten und die erwarteten Ergebnisse abgeliefert werden. Das sind die klassischen Aufgaben des Projektcontrollings im Rahmen der Projektsteuerung.

Es muss immer auch geprüft werden, ob es übergeordnete Gründe dafür gibt, dass das Projekt abgebrochen werden muss. Folgende Faktoren gilt es dabei besonders zu beachten:

  • Ziele: Das Projekt erreicht mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr die Ziele, die inzwischen relevant und wichtig sind.
  • Umfeld: Wichtige Rahmenbedingungen haben sich geändert, so dass das Projekt in seiner bisherigen Anlage nicht zum gewünschten Erfolg führt oder die Ergebnisse sogar Nachteile mit sich bringen werden.
  • Nutzen: Das Projekt hat keinen ausreichenden Nutzen mehr für das Unternehmen.
  • Kosten: Die tatsächlichen Kosten für das Projekt übersteigen den geplanten Wert erheblich, so dass das Projekt nicht mehr rentabel ist (im Vergleich zum Nutzen).
  • Zeit: Der Zeitplan ist völlig aus dem Ruder gelaufen. Termine werden ständig verschoben. Ein positives Ende des Projekts ist nicht absehbar.
  • Qualität: Die Ergebnisse und die Liefergegenstände des Projekts entsprechen nicht den Erwartungen und werden zurück gewiesen. Auch mit Nachbesserungen wird das notwendige Qualitätsniveau nicht erreicht. Das Projektteam ist der Aufgabe nicht gewachsen.
  • Risiko: Das Projekt ist für das Unternehmen oder für die beteiligten Mitarbeiter mit einem sehr hohen Risiko verbunden, das zum Projektstart so nicht absehbar war und auch durch Gegenmaßnahmen nicht eingegrenzt werden kann.

Führung muss Mitarbeiter bei Übernahme und Fusion informieren

Für Unternehmensführer ist es oft ein Highlight ihrer Karriere, wenn sie stolz verkünden können, dass das eigene Unternehmen einen ehemaligen Wettbewerber übernimmt. Entsprechend zuversichtlich sind zu diesem Zeitpunkt ihre Zukunftsprognosen, die beispielsweise lauten. „Durch die Übernahme steigen unser Marktanteil um 20 und unser Umsatz um 30 Prozent. Außerdem können wir hohe Synergieeffekte erzielen. Dadurch eröffnen sich neue Perspektiven.“

Um so ernüchternder stellt sich dann der graue Alltag nach dem Verkünden der Übernahme oder Fusion dar. Denn häufig unterschätzen Unternehmensführer die Tücken des mit diesem Vorgang verbundenen Integrationsprozesses – speziell auf der kulturellen Ebene. Die Kultur eines Unternehmens lässt sich, anders als dessen Strukturen und Prozesse nämlich, nur begrenzt mit Instrumenten wie Organigrammen und Ablaufdiagrammen erfassen. Und ihre Entwicklung lässt sich auch nur bedingt am Reißbrett planen.

Veränderungen ausreichend kommunizieren

Große Veränderungen in Unternehmen lösen bei den Mitarbeitern stets Unsicherheiten und Ängste aus, denn es gibt neben Gewinnern stets auch Verlierer. Oder zumindest Personen, die sich als solche empfinden. Diese meist diffusen Ängste und Befürchtungen müssen aufgefangen werden, damit sie sich nicht zu Widerständen verdichten. Bei Fusionen können unter anderem folgende Ängste zu Widerständen führen:

  • Angst vor Einkommenseinbußen
  • Angst vor einem Arbeitsplatzverlust
  • Angst vor neuen Aufgaben
  • Angst vor dem Verlust wichtiger persönlicher Beziehungen (zum Bespiel aufgrund einer Versetzung)
  • Angst vor einem Verlust an Sozialprestige
  • Angst vor dem Verlust von Handlungsspielräumen und Entscheidungsbefugnissen
  • Angst vor geringeren Entwicklungs- oder Karriere-Chancen

Diese Ängste werden in der Regel umso größer, je länger die Mitarbeiter nicht wissen, was auf sie zukommt. Deshalb sollte das Management diese Fragen so schnell wie möglich beantworten, sonst erscheint der Veränderungsprozess für die Mitarbeiter in einem stets negativeren Licht. Dies kann so weit gehen, dass sich sogar Personen gegen ihn stellen, die faktisch zu den Gewinnern zählen. Eine Emnid-Umfrage kommt zum Ergebnis, dass der Erfolg von Fusionen oft aus folgenden Gründen bedroht ist:

  • Die Mitarbeiter werden zu spät integriert (87 Prozent)
  • Die Mitarbeiter werden fehlerhaft und ungenügend informiert (81 Prozent)

Viele Manager sind überzeugt, die Mitarbeiter erst dann zu informieren, wenn die Übernahme oder die Fusion in trockenen Tüchern ist und ein für allemal feststeht. Damit wollen sie Unsicherheit vermeiden. Fusionsprozesse lassen sich aber nicht im Voraus im Detail planen. Viele Entscheidungen haben vorläufigen Charakter, auch weil nicht alle Einflussfaktoren und Wechselwirkungen präzise erfasst werden können. Zudem betritt das Unternehmen oft Neuland. Es hat also noch keine oder wenig praktische Erfahrung mit Fusionen. Deshalb führt die Angst davor, falsch oder unvollständig zu informieren, oft dazu, den Betroffenen fast keine offizielle Information zu geben.

Dieses Informationsvakuum nährt Gerüchte und Halbwahrheiten, die wiederum Ängste schüren. Deshalb sollte im Vorfeld jeder Fusion ein Kommunikationskonzept mit folgenden Zielen erstellt werden:

  • Verständnis für die Notwendigkeit der Fusion schaffen
  • Vertrauen für die damit verbundenen Entscheidungen aufbauen
  • Akzeptanz bei den Mitarbeitern erzeugen
  • Motivation für die einzelnen Schritte erzeugen
  • Die Basis für die Identifikation mit dem neuen Unternehmen schaffen

Kulturelle Unterschiede analysieren

Jedes Unternehmen hat seine eigene Geschichte und Kultur. Fusionieren zwei Unternehmen, entbrennt meist ein Kampf um das neue Leitbild. Diesen gewinnt – sofern dieser Prozess nicht gesteuert wird – in der Regel das übernehmende Unternehmen, selbst wenn offiziell eine „Hochzeit unter Gleichen“ verkündet wird. Der Übernehmer dominiert also das übernommene Unternehmen. Dies verstärkt die Ressentiments der übernommenen Mitarbeiter, was zu unnötigen Widerständen führt. Daher sollte bei Fusionen eine Analyse durchgeführt werden, die Elemente in den Kulturen der beiden Unternehmen berücksichtigt und die Zielerreichung fördert.

Beim Versuch, eine Unternehmenskultur zu verändern, spielt das obere Management eine Schlüsselrolle. Es muss die neue Kultur vorleben. Jeder Versuch, Kulturveränderungen ausschließlich über das mittlere Management herbeizuführen, scheitert. Zudem darf die Langwierigkeit von kulturellen Veränderungsprozessen nicht unterschätzt werden. Sie dauern in der Regel mindestens drei Jahre.

Jedes größere Unternehmen investiert Zeit und Geld in den Aufbau einer Corporate Identity, also einer Firmenkultur. Die Mitarbeiter sollen stolz auf ihr Unternehmen sein und sich mit ihm identifizieren. Bei einer Fusion bricht – speziell beim übernommenen Unternehmen – diese Identität weg. Vielen Mitarbeitern, insbesondere denen, die sich stark mit ihrem Unternehmen identifizieren, fällt es schwer, sich vom bisherigen Unternehmen mit all seinen Gepflogenheiten und Ritualen zu verabschieden. Sie trauern. Im Privatleben gehen wir selbstverständlich davon aus, dass ein Abschiednehmen Zeit erfordert. Im Unternehmenskontext jedoch besteht hierfür meist kein Verständnis. Ein vorübergehend lethargisches, manchmal sogar aggressives Verhalten, wird oft nicht als Ausdruck von Trauer interpretiert und respektiert. Doch Menschen können zumeist erst dann wieder eine neue Bindung eingehen, wenn die alte „verdaut“ ist. Dies gilt auch beim Planen von Integrationsprozessen.

Bei Fusionen befinden sich die Mitarbeiter bis zum Übergang in die neue Struktur oft in einem Schwebezustand: Wie geht es weiter? Was wird aus mir? Gibt es meinen Job nachher noch? In dieser Situation zeigen sie meist folgende Verhaltensmuster:

Winterschlaf: Sie identifizieren sich nicht mehr mit dem Unternehmen, machen nur noch Dienst nach Vorschrift oder folgen nur noch bedingt den Anweisungen ihrer Vorgesetzten
Operative Hektik: Sie verfallen in Aktionismus und es werden zahllose Projekte generiert. Die Mitarbeiter wollen überall mitmischen, um in einem guten Licht zu erscheinen. Nicht die Qualität der Arbeit, sondern die „Show“ zählt.

Daher ist es wichtig, dass Unternehmensführer in der Übergangszeit den Führungskräften in ihrer Organisation und deren Mitarbeitern eine Orientierung bieten, damit diese wissen, wie sie sich verhalten sollen. Sonst besteht die Gefahr, dass viel Energie wirkungslos verpufft.

Überparteilichkeit der Unternehmenslenker

Bei Fusionen werden folgenschwere Entscheidungen oft in sehr kurzer Zeit  getroffen – unter anderem über IT-Systeme, Stellenbesetzungen oder auch Markt- und Produktstrategien. Häufig setzt sich dabei nicht das bessere, sondern das Konzept des Übernehmers durch. Felder werden besetzt und Territorien neu verteilt, wobei auch Eigeninteressen eine große Rolle spielen. Deshalb sollten Unternehmenslenker auf eine gewisse Überparteilichkeit achten, damit es insbesondere im übernommenen Unternehmen keine überflüssigen Verlierer gibt, die den Prozess blockieren.

Fusionen sind ein schwieriges Geschäft, auch, weil die eigentliche Arbeit erst nach Vertragsabschluss und dem Verkünden der Fusion beginnt. Unternehmensführer sollten sich daher bewusst sein: Eine gelungene Integration gibt es nicht zum Nulltarif! In den Monaten und Jahren nach der Fusion muss das Unternehmen viel Energie in die Gestaltung dieses Prozesses investieren. Zudem sollte der Prozess professionell gesteuert werden, damit auch sichergestellt werden kann, dass bei den (Folge-)Entscheidungen stets die Aspekte „Strategie“, „Struktur“ und „Kultur“ beachtet werden, die sich wechselseitig beeinflussen.

Teamarbeit in der Produktion bringt Motivation

In den meisten Industriezweigen hat sich die Gruppenarbeit als erfolgreiches Instrument zum Steigern der Produktivität etabliert. Der Grund liegt in den Vorteilen gegenüber einer tayloristisch-hierarchisch strukturierten Arbeitsorganisation. So steigert Gruppenarbeit zum Beispiel die Motivation der Mitarbeiter und ihre kreativen Potenziale werden besser genutzt. Zudem steigt die Arbeitseffektivität. Deshalb empfehlen fast alle modernen Managementansätze Gruppen- und Teamarbeit auch in der Produktion.

Traditionell verfasste Aufbau- und Ablauforganisationen streben danach, die industrielle Arbeit immer weiter zu zergliedern. Modern geführte Unternehmen hingegen verfolgen den gegenteiligen Ansatz. Sie setzen auf Folgendes:

  • Ausweiten der Handlungs- und Entscheidungsspielräume der Mitarbeiter
  • Übernahme zusätzlicher Aufgaben und Verantwortung durch die Mitarbeiter

Kompetenzen und Aufgaben werden neu verteilt

Die Einführung qualifizierter Gruppenarbeit macht eine überzogene Arbeitsteilung rückgängig. An die Stelle repitiver und monotoner Tätigkeiten treten Job-Enrichment und Job-Rotation. Das heißt: Aufgaben wie Arbeitsplanung, Qualitätskontrolle und Instandhaltung werden an die Mitarbeiter zurückübertragen. Zudem erstellen die Gruppen eigenständig ihre Arbeits- und Qualifizierungspläne. Bei der Gruppenarbeit werden somit ausführende und planerische Operationen wieder zusammengeführt. Zudem werden die Gruppenmitglieder mit den hierfür erforderlichen Handlungs- und Entscheidungskompetenzen ausgestattet.

Gruppenarbeit ist im Betriebsalltag unterschiedlich organisiert – zum Beispiel in Form teilautonomer Arbeitsgruppen, Fertigungsinseln oder Service-Teams. Trotzdem ähneln sich die Effekte. So werden durch das Übertragen aller fertigungs- und dienstleistungsnaher Planungs-, Steuerungs- und Kontrollfunktionen in die Verantwortung selbständiger Arbeitsgruppen beispielsweise Nachteile der Fremdsteuerung von Arbeitsprozessen vermieden – unter anderem zahlreiche klassische Konflikte zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern. Entsprechendes gilt für die Arbeitsmotivation, weil das eigenverantwortliche Handeln eine höhere Arbeitszufriedenheit bewirkt. Das Rückverlagern von Kontroll- und Dispositionsfunktionen ermöglicht außerdem eine Kostenreduktion, da ein aufwendiges Steuerungs- und Kontrollsystem entfällt. Zudem können sich die Führungskräfte wieder stärker auf ihre Kernaufgaben konzentrieren.

Unternehmen sollten im Vorfeld der Einführung von Gruppen- oder Teamarbeit eine Betriebsvereinbarung abschließen und die betroffenen Mitarbeiter umfassend über das Vorhaben informieren. Denn trotz aller Vorteile, die diese Form der Arbeitsorganisation beinhaltet, müssen sich die Mitarbeiter erst einmal daran gewöhnen und diese auch akzeptieren. Auch deshalb sollten Unternehmen, die Gruppenarbeit in der Produktion einführen möchten, bereits im Vorfeld überlegen: Wie können zum Beispiel bisher zentrale Servicebereiche wie die Instandhaltung oder die Materialwirtschaft in das neue Organisationskonzept eingebunden werden? Aus solchen Fragen ergibt sich, wie die Arbeitsgruppen in die neue Unternehmensarchitektur eingegliedert werden. Außerdem definieren sie den Rahmen für das künftige Aufgabenspektrum der Gruppen.

Diese Entscheidungsprozesse verlaufen selten reibungslos ab, denn bei allen Change-Prozessen gibt es Gewinner und Verlierer. So gewinnen zum Beispiel die Bereiche an Bedeutung, die durch die Einführung der Gruppenarbeit ihre Kompetenzen erweiterten. Zugleich sinkt aber der Einfluss der Einrichter und Instandhalter, aber auch der Vorarbeiter und Meister. Deshalb ist es wichtig, den scheinbaren Verlierern eine Entwicklungsperspektive aufzuzeigen, um Ängste vor einem Statusverlust zu mindern.

Formale Rahmenbedingungen abklären

Neben den Grundprinzipien der Gruppenarbeit – zum Beispiel Gruppengröße, Aufgaben und Ziele der Gruppen, Kontrolle der Zielerreichung – sollten vorab auch folgende Faktoren geklärt werden :

  • Rolle und Funktion der Gruppensprecher: Modus der Wahl beziehungsweise Ernennung, Amtszeit, Vertretung
  • Neue Rolle der Führungskräfte: Meister, Werks-/Betriebsleitung
  • Entlohnungsfragen

Zielführend ist oft auch eine Beschäftigungszusage für alle Beteiligten, um etwa die Angst zu vermeiden, es würden Gruppenmitglieder bei Produktivitätsfortschritten entlassen. In der betrieblichen Praxis wird die gruppeninterne Führungsfunktion sehr verschieden ausgestaltet. Es lassen sich zwei Extreme registrieren:

  • Arbeitsgruppen ohne eine institutionalisierte Führungsperson: In diesen Gruppen sind alle Mitglieder gleichberechigt und treffen alle Entscheidungen gemeinsam
  • Arbeitsgruppen, die sich um eine starke Führungspersönlichkeit herum formieren; diese kümmert sich vor allem um die organisatorischen Belange der Gruppe

Beide Ausprägungen gibt es im Betriebsalltag eher selten. Häufig setzt die Betriebsleitung bei Arbeitsgruppen, die dauerhaft zusammenarbeiten, den Gruppensprecher ein. Er übernimmt die Funktion eines Vorarbeiters. Oft wird auch aus dem Kreis der Gruppe ein Gruppensprecher gewählt, der dann folgende Funktionen inne hat:

  • Vertretung der Gruppe nach außen
  • Abstimmung mit dem Vorgesetzten
  • Moderation der Gruppengespräche

Ansonsten ist der Gruppensprecher ein normales Gruppenmitglied ohne besondere Vorrechte und Kompetenzen.

Die fachliche Qualifizierung der zu bildenden Arbeitsgruppen erfolgt in der Regel „on-the-job“ und in den Gruppen selbst. Die soziale Qualifizierung aller Beteiligten (Werker, Meister und Mitglieder des Führungsstabes) hingegen passiert meist in Workshops, in denen sie sich mit den Zielen und Grundsätzen der Gruppenarbeit vertraut machen. Diese Veranstaltungen sollten so konzipiert sein, dass folgende Dinge gewährleistet sind:

  • Alle Fragen zum neuen Konzept der Arbeitsorganisation werden geklärt: Bearbeiten von Erwartungen beziehungsweise Befürchtungen, Steigerung der Akzeptanz durch weitere Information
  • Die Grundlagen einer effektiven Kommunikation in Gruppen werden gelernt
  • Die Techniken der Moderation, Konflikt- und Problemlösung werden eingeübt
  • Die Durchführung von Gruppensitzungen, die Erstellung von Aktionsplänen und die Evaluierung von Gruppen- beziehungsweise Arbeitsergebnissen und -prozessen werden trainiert

Wichtig ist dabei: Die sozialen Qualifizierungsmaßnahmen sollten vor Beginn der Umstellung abgeschlossen sein, damit die neuen Aufgaben die Mitarbeiter nicht überfordern.

Erfolgsfaktoren von Gruppenarbeit

Damit Gruppenarbeit gut funktioniert, müssen die Teams die Vorteile erkennen, die ihnen das Gruppenkonzept bietet. Außerdem müssen die Teammitglieder ausreichend qualifiziert und adäquat auf ihre Arbeit im Team vorbereitet sein. Weitere Erfolgsfaktoren:

  • Aus einer Vision abgeleitete, anspruchsvolle Ziele
  • Eindeutig definierter Handlungs- und Entscheidungsspielraum
  • Freier Zugang zu den notwendigen Ressourcen

Zudem müssen sämtliche Ziele des Teams konkret und unmissverständlich formuliert sein. Diese sollten Leistungsansprüche setzen, die zugleich anspruchsvoll und realistisch sind. Auch die interne Aufgaben- und Rollenverteilung muss definiert werden, um hemmende Konkurrenz zu vermeiden. In gut funktionierenden Teams sind auch die Problemlösungswege und -prozesse klar geregelt. Sie verlaufen nach transparenten Kriterien, so dass die Form der Entscheidungsfindung für alle Beteiligten nachvollziehbar ist.

Damit die Motivation zum Erreichen der anspruchsvollen Ziele und zum stetigen Verbessern der Leistung gewahrt bleibt, sind gemeinsame Erfolgserlebnisse wichtig. Generell gilt: Erfolgserlebnisse machen Teams noch erfolgreicher. Denn durch die erfolgreiche Zusammenarbeit wächst bei den Gruppenmitgliedern die Zuversicht. Ein tragendes Element der Gruppenarbeit ist die Entwicklung eines Wir-Gefühls. Es bildet die Basis für künftige Erfolge.

In einem Arbeitsumfeld, in dem der tägliche Arbeitsprozess eine Weiterqualifizierung durch ein „Learning-on-the-Job“ ermöglicht, neu erworbene Kenntnisse und Fertigkeiten aufgrund der Rotation angewandt werden können und eine gezielte Entwicklung und Unterstützung der Arbeitsgruppen und ihrer Mitglieder durch das Unternehmen erfolgt, steigt das Selbstbewusstsein und Verantwortungsgefühl der Mitarbeiter. Zudem erhöht sich ihre Arbeitszufriedenheit und Leistungsbereitschaft. Eine abwechslungsreiche Gruppenarbeit, verbunden mit einer systematischen Rotation, verringert zudem einseitige Belastungen und beugt gesundheitlichen Beeinträchtigungen vor. Dies schlägt sich wiederum in einem verringerten Krankenstand nieder. Außerdem ergeben sich Vorteile bei der Personaleinsatzplanung, denn wenn die Mitarbeiter flexibler einsetzbar sind, lässt sich auch die Abwesenheit von Gruppenmitgliedern leichter ausgleichen.

Abschließend lassen sich auch folgende positiven ökonomischen Effekte von Gruppenarbeit in der Produktion nachweisen:

  • Kürzere Durchlaufzeiten
  • Höhere Auslastung der Maschinen und Anlagen
  • Geringere Stillstandszeiten
  • Verbessertes Qualitätsniveau
  • Weniger Nacharbeit und Ausschuss

Betriebe, die diese Effekte erzielen möchten, dürfen Gruppenarbeit jedoch nicht als ein reines Verhaltensmanagement sehen. Die Herausforderung lautet vielmehr: Viele Einzelpersonen mit unterschiedlichen Neigungen, Interessen, Fähigkeiten und Fertigkeiten müssen ein Team werden.

Probleme im Projektmanagement kreativ lösen

Eine typische Situation aus dem Projektmanagement: Der Abgabetermin steht fest und rückt immer näher. Das Budget ist verbucht, aber knapp kalkuliert. Der Projektleiter besitzt zwar ausreichend Projekterfahrung, hat aber selbst noch kein eigenes geleitet. Außerdem wurde das angeforderte Team aus Kostengründen um ein Drittel reduziert und ein Mitarbeiter ist längerfristig krank geworden. Wer im Projektgeschäft tätig ist, kennt solche Situationen aus dem eigenen Arbeitsalltag sowie den Druck, der daraus entsteht.

Leider gibt es immer wieder Konstellationen, die für das Projektteam eine zu große Herausforderung darstellen. Dazu zählen etwa ungelöste Konflikte, die im Raum stehen, Teammitglieder, die ihren Projektrollen nicht gerecht werden oder sich in Machtspielen verheddern und damit gegenseitig blockieren. In solch einem Fall droht das Scheitern des gesamten Vorhabens. Die Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement (GPM) hat solche Bedrohungen für Projekte evaluiert und dabei folgende drei Hauptursachen identifiziert:

  • Schlechte Kommunikation
  • Unklare Anforderungen und Ziele
  • Politik, Bereichsegoimsen oder interne Kompetenzstreitigkeiten

Folgende Grafik zeigt weitere Gründe, die für das Scheitern von Projekten verantwortlich sind:

Quelle: GPM

Die Lösung muss zum Problem passen

Wenn Streitigkeiten und Unklarheiten ein Projekt behindern, helfen keine klassischen Motivationstechniken oder Personalentwicklungs- und Projektmanagementmethoden mehr weiter. Nachholen von Planungsmankos, Umstrukturierungen oder gar Erfolgskontrollen sind teilweise das berühmte Öl, das ins Feuer gegossen wird. Die verhärteten Fronten werden damit aber nicht aufgeweicht, stattdessen werden Unverständnis und Nichtachtung der Not im Team demonstriert. Lösungen existieren zwar, doch sie passen nicht zum Problem. In einer solchen Situation braucht es einen kreativen Impuls, einen Aha-Effekt, der die Beteiligten aufrüttelt und erneut für eine kraftvolle Mitarbeit gewinnt. Für die drei größten Projektenergie-Vernichter haben sich folgende Aha-Effekte praktisch bewährt. Sie ermöglichen es, dass alle wieder an einem Strang ziehen:

Bei schlechter Kommunikation: Voodoo-Puppen

Kommunikation ist der Schlüssel jeglichen Erfolgs. Ohne ausreichende Kommunikation sind Streit, Schuldzuweisungen, Gruppenbildung und andere gruppendynamische Eskalationen vorprogrammiert, die irgendwann ausschließlich auf emotionaler Ebene ausgetragen werden. Wenn Wut und Frustration den Arbeitsalltag bestimmen, bedarf es eines Ventils für die angestauten Gefühle, um sich anschließend wieder auf das Wesentliche konzentrieren zu können.

Um dies zu erreichen, dient eine Voodoo-Puppe als Projektionsfläche. Sie wird auf eine Metaplanwand gezeichnet, anschließend notiert jedes Projektteammitglied kritische Themen und Probleme im Team auf Moderationskarten und pinnt sie anschließend auf die Voodoo-Puppe. Je nachdem wie intensiv die Teammitglieder die Probleme empfinden, ordnen sie die Karten unterschiedlichen Körperteilen der Puppe zu. Die wichtigen Probleme werden entsprechend im Brustbereich der Voodoo-Puppe angebracht, weniger Relevantes beziehungsweise Lappalien beispielsweise an einem Zeh. Nachdem jeder seine Themen offengelegt und seinem Ärger Luft gemacht hat, lässt sich wertschätzend über Lösungen diskutieren und gemeinsam wieder Fahrt aufnehmen.

Bei unklaren Anforderungen: „Eierlegende Wollmilchsau“

Oft treffen bei Projektarbeiten Anforderungen aus unterschiedlichen Richtungen beim Projektleiter zusammen. So äußert beispielsweise der Kunde fortwährend neue Wünsche, während sich die Geschäftsführung noch in der Projektplanung befindet. Trotzdem gibt sie das Signal zum Start, denn Zeit ist schließlich Geld. Gleichzeitig teilen die zu vernetzenden Abteilungen kontinuierlich Bedenken und Gedankenanstöße mit.

Um diese Anforderungen umzusetzen, braucht es eine “Eierlegende Wollmilchsau”. Ein weiterer Aha-Effekt sorgt dafür, dass eine solche “Sau” vom Projektteam tatsächlich geschaffen wird. Das Vorgehen: Allen Anforderungsbereichen wird ein bestimmter “Rohstoff” zugewiesen, der unmittelbar mit der “Sau” zu tun hat. Dem Produktmanagement der Rohstoff Wolle, dem Forschungsteam die Eier, der Führungsebene die eigentliche “Sau” als größter Bestandteil, während die Milch als Repräsentant für die eigenen Ideen des Projektteams im Haus verbleibt.

Im nächsten Schritt werden ausschließlich die wichtigen Wünsche der einzelnen Abteilungen notiert, die direkt zur Projekterfüllung beisteuern. Bereits dieses gemeinsame Erstellen einer “Eierlegenden Wollmilchsau” entlastet und schafft Übersicht. Den Anforderungen, die einen Tag zuvor noch für Stress und Unmut sorgten, begegnet das Projektteam nun mit Humor. Weitere positive Konsequenzen:

  • Erfolgreiche Priorisierung
  • Deutlichmachen von Widersprüchen

Bei unklarer Rollenverteilung: „Projekt-Hüte“

Wenn beim Projektbeginn die klare Verteilung von Rollen versäumt wird, sorgt dies im Verlauf des Projekts für Kompetenzstreitigkeiten. Gerade wenn Personalknappheit herrscht und in der Folge jedes Mitglied für mehrere Aufgaben zuständig ist, verschwimmen Rollengrenzen schnell. Um gesunde Grenzen wieder herzustellen und Rollen unterscheidbar zu machen, hilft der so genannte „Projekt-Hüte-Effekt”.

Das Vorgehen: Auf spielerische Weise zeigen die Teammitglieder den Kollegen ihre gelebten Rollen auf. Dabei symbolisiert ein Piratenhut denjenigen Mitarbeiter im Projekt, der auf „Beutezug“ in eigener Sache geht. Ein Cowboyhut steht für die Mitarbeiter, die ihre eigenen Gesetze machen, während der Entdeckerhut für die motivierten Teammitglieder steht, die gerne vorsorglich auf eigene Faust handeln. In einer solchen Situation werden – ein Augenzwinkern inklusive – die unterschiedlichen Rollenkollisionen deutlich. Die Teilnehmer können die überspitzten Rollenzuweisungen zum Anlass nehmen, ihr Selbstbild zu reflektieren und zu korrigieren.

Emotionen sind ein wichtiger Bestandteil von Projekten. Sie motivieren, sorgen für Zusammenhalt und sind die Basis für Ehrgeiz, Siegeswillen und Stolz auf die eigene Leistung. Emotionen bedeuten aber auch negative Gefühle wie Frust, Wut oder Überforderung. Wer Emotionen mit rationellen Methoden begegnet, wird entweder scheitern, oder aber die Problemsituation noch weiter verschärfen. Gezielt eingesetzte, emotionale Aha-Effekte hingegen können jedes Projekt entspannen und gleichzeitig beleben.

Diversity Management erhöht Effizienz und mindert operative Risiken

Die im Mai 2011 in der SPD diskutierte Migrantenquote sowie die aktuellen Debatten um die Einführung von Frauenquoten in Top-Management-Positionen haben eines gemeinsam: Wirtschaft und Gesellschaft erkennen die soziale, kulturelle und intellektuelle Arbeitsqualität von Frauen und Migranten an und suchen nach Wegen, deren Einzug in relevante Positionen durchzusetzen. Damit erhält das Thema Diversity Management neuen Auftrieb.

Entwicklungsstufen von Diversity Management

Die Einführung von Frauen- oder Migranten-Quoten impliziert einen Rückgriff auf den Fairness- und Antidiskriminierungsansatz: Rechtliche Grundlagen werden geschaffen, um Diskriminierung zu überwinden und künftig auszuschalten. So ist es beispielsweise in amerikanischen Unternehmen üblich, die Auswahl-, Beurteilungs- und Beförderungspraxis auf Diskriminierung zu untersuchen, um diese, wenn nötig, auszuschalten. Allein schon deshalb, um sich gegen drohende Gerichts- und Schadensersatzkosten abzusichern. Wird eine solche Praxis aktiv in die Öffentlichkeit kommuniziert und werden dazu noch auf Mitarbeiterbedürfnisse abgestimmte Arbeitsformen und -bedingungen geschaffen, erhöht sich dadurch gleichzeitig die Attraktivität der Organisation und sie kann sich als ebensolche Arbeitgebermarke präsentieren.

Eine Weiterentwicklung stellt der Zugangs- und Legitimitätsansatz dar: Die Heterogenität der Klientel einer Organisation spiegelt sich in der Mitarbeiterstruktur wider, um zielgruppenspezifische Informationen zu erhalten, Angebote zu machen und Probleme lösen zu können. Ziel ist letztlich eine höhere Wettbewerbsfähigkeit. Als höchste Entwicklungsstufe von Diversity Management wird der Effizienz- und Lernfähigkeitsansatz betrachtet: Er will aktiv Vielfalt schaffen und bewusst den Wechsel von der homogenen zur heterogenen Organisation realisieren, um Wettbewerbsvorteile quer durch die Organisation zu erreichen.

Im neuen Jahrzehnt wird Diversity Management zunehmend nicht mehr nur als Option wahrgenommen, sondern als gesellschaftliche und wirtschaftliche Notwenigkeit. Die großen, internationalen Unternehmen weisen Diversity-Programme und –Konzepte aus, und auch der Mittelstand erkennt inzwischen klare Vorteile.

Diversity Management mindert auch operative Risiken

Das in vielen Unternehmen und Organisationen sichtbare Bemühen um Diversity geht über altruistische Gleichstellungsbemühungen hinaus. Die frühere Erfahrung, dass heterogene Belegschaften Reibungsverluste hervorrufen können, ist inzwischen der Erkenntnis gewichen, dass sich wirtschaftliche Vorteile ziehen lassen aus der Zusammenarbeit von Männern und Frauen, Jüngeren und Älteren aus verschiedenen Kulturkreisen, mit unterschiedlichen Lebenserfahrungen und Bildungshintergründen.

Unumstritten ist die Chance, mittels einer diversen Belegschaft Marktintelligenz zu gewinnen beziehungsweise durch die Abbildung der Heterogenität der Zielgruppen in der Mitarbeiterschaft relevante Informationen erhalten und umsetzen zu können. Diese Vorgehensweise lässt sich auch auf die gesamte Stakeholder-Struktur einer Organisation anwenden.

Schon länger bekannt ist auch, dass sich mittels Diversity Management gewisse operative Risiken in Organisationen mindern lassen. Eines davon wird „homosoziale Reproduktion“ genannt, nämlich die Neigung von Führungskräften, Kandidaten auszuwählen, die ihnen selbst gleichen, ähnliche Bildungswege eingeschlagen haben und über einen ähnlichen gesellschaftlichen Hintergrund verfügen. Die Dominanz männlicher, weißer Führungskräfte mit ähnlichen Bildungsabschlüssen überall auf der Welt lässt sich damit erklären. Problematisch ist diese, weil sie den Pool möglicher so genannter High Potentials stark verengt und demotivierend auf mögliche, durch das Phänomen ausgeblendete Leistungsträger wirkt.

Ein anderes operatives Risiko wird als „group think“ bezeichnet, nämlich die Tendenz einer homogenen Gruppe kompetenter Personen, gemeinsam schlechtere Entscheidungen zu treffen. Der Grund: Jede Person passt ihre Meinung an eine vermutete Gruppenmeinung an, um die Harmonie nicht zu gefährden. Insgesamt zeigen wissenschaftliche Studien zur Frage der Effizienz von Diversity ein vielschichtiges Bild. Im Allgemeinen scheint kein großer Unterschied der Leistungsfähigkeit heterogener im Vergleich zu homogenen Gruppen zu bestehen. Wenn jedoch zur Lösung eines Problems viele Blinkwinkel zusammengebracht werden müssen und ein breites Spektrum möglicher Lösungen benötigt wird, dann sind heterogene Gruppen homogenen überlegen.

Die Mehrzahl der Experten geht inzwischen davon aus, dass heterogene Arbeitsgruppen unter ganz bestimmten Rahmenbedingungen homogenen Teams überlegen sind, nämlich bei bestimmten Aufgaben, die Kreativität und Weitsicht erfordern und damit gleichzeitig in bestimmten Arbeitsfeldern wie beispielsweise Forschung und Entwicklung oder Marketing. Als Voraussetzung gilt allerdings, dass eine Überlegenheit nur dann zum Tragen kommen kann, wenn Unterschiede bewusst gemacht werden und nicht unterschwellig wirken, somit also nur, wenn ein Diversity-Management-Konzept entwickelt wurde und umgesetzt wird. Wie aber lässt sich Diversity Management effektiv umsetzen?

Wie Diversity in der Praxis umgesetzt wird

Es stellt sich die Frage, ob Quoten tatsächlich die einzige Möglichkeit zur Umsetzung von Diversity sind. Viele Organisationen wehren sich bislang gegen die Einführung von Quoten und versuchen, mit anderen Maßnahmen mehr Diversity zu realisieren und deren Vorteile zu nutzen. Die gängigsten sind:

  • Frauenförderungsmaßnahmen wie die Einrichtung von Betriebskindergärten, flexible Arbeitszeitmodelle, Qualifizierungsprogramme während Erziehungsphasen oder Frauennetzwerke; Ziele: Gewährleistung der Teilhabe am Arbeitsleben und Ermöglichung von Karrierechancen
  • Auslandsentsendungen, Bemühungen um heterogene Führungsmannschaften und Sensibilisierung von Führungskräften für interkulturelle Fragestellungen
  • Interkulturelle Schulungsprogramme, um Vorurteile abzubauen und interkulturelle Zusammenarbeit zu erleichtern
  • Einsatz von „Diversity-Botschaftern“ auf allen Ebenen
  • Berufung von Diversity-Managern

Letzteren werden vor allem dann Erfolgschancen eingeräumt, wenn sie auf die volle Unterstützung der Unternehmensführung zählen können und das Thema Diversity auch auf der normativen Unternehmensführungsebene verankert wird. Diversity Manager stützen ihre Arbeit auf entsprechende Verpflichtungen des Top-Managements. Zusätzlich findet man die Diversity-Grundsätze inzwischen häufig in der Vision oder Mission der Organisation. Effektiv wirken können diese aber nur dann, wenn sie in der Unternehmenskultur auch tatsächlich gelebt werden.

Globale Unternehmen befinden sich häufig in dem Dilemma, dass durch die Internationalisierung eine sehr heterogene Belegschaft entstanden ist. In unterschiedlichen Kulturkreisen existieren jedoch unterschiedliche Managementstile, die erheblich voneinander abweichen. Die Nutzung anderer Vorgehensweisen, Managementstile und die Erfahrungen von Mitarbeitern mit unterschiedlichen Hintergründen und Fähigkeiten kann aber gerade mittels Diversity Management als Instrument strategischer Unternehmensführung erschlossen werden. Dies stellt eine Herausforderung für Wissenschaft und Praxis dar.

So wurde etwa in Forschungsarbeiten festgestellt, dass Unternehmen die Unterschiede als einen Grundtatbestand im Alltag von Organisationen zunächst einmal realisieren müssen. Dieser Umstand verschärft sich mit dem Wachsen einer Organisation oder Gesellschaft. Eine zentrale Unternehmensaufgabe ist es folglich, die Unterschiede bei den Hintergründen und Fähigkeiten der Mitarbeiter bestmöglich zu nutzen. Dies kann aber nur dann gelingen, wenn den besonderen Eigenheiten, nicht nur von Personen oder Personengruppen, sondern auch einzelner Unternehmenseinheiten, Achtung entgegen gebracht wird.

Nur wenn Unterschiede transparent gemacht, kommuniziert und respektiert werden, kann eine wertschätzende Zusammenarbeit entstehen. Die Achtung von Diversity als zentraler Wert in der Organisation muss explizit formuliert, kommuniziert, kontrolliert und konsistent betont werden. Damit kann es Organisationen gelingen, den vorhandenen Pool unterschiedlicher Mitarbeiter und Herangehensweisen bestmöglich auszuschöpfen.

Projektmanagement: Ein Projekt braucht eine Marke

Jedes Projekt braucht Aufmerksamkeit und Zuwendung. Sonst schläft es ein oder es kommt nichts dabei heraus. Dabei ist vor allem der Projektleiter gefordert. Doch nur selten kann er sein Projekt allein stemmen. Er braucht kompetente und engagierte Projektmitarbeiter und er braucht die Unterstützung von seinen Vorgesetzten, der Geschäftsleitung und anderen Managern im Unternehmen. Nur – wenn ein Projekt erst einmal gestartet wurde, dann lässt diese Unterstützung sehr schnell nach. Der Projektleiter ist allzu oft auf sich allein gestellt, muss um Zeit und Engagement der Mitarbeiter in seinem Projektteam betteln und immer wieder andere davon überzeugen, dass sein Projekt wichtig und richtig ist.

Eine Marke kann die Aufmerksamkeit und Zuwendung der Menschen in besonderer Weise lenken. Sie steht für ein Produkt, eine Dienstleistung, ein Unternehmen und manchmal auch für einzelne Menschen. Sie ist ein Versprechen: ein einzigartiger Wert, eine besondere Qualität, der man vertrauen kann. Wenn die Marke ihr Versprechen hält, dann bindet sie ihre Zielgruppe eng an sich. Das können auch Projekte für sich nutzen. „Jedes Projekt braucht eine Marke!“ Das sagen Karen A. Brown, Richard Ettenson und Nancy Lea Hyer in der Fachzeitschrift MIT Sloan Management Review (2/2011). Ihr Credo: Wer aus seinem Projekt eine Marke macht, der wird mit aller Wahrscheinlichkeit viel erfolgreicher sein.

Jedes Projekt ist einzigartig – und muss das auch zeigen

Viele Projekte in Unternehmen sind sehr unattraktiv, haben keinen Charme und gelten einfach nicht als sexy. Sie machen viel Arbeit, sind mit vielen Risiken belegt oder bringen nur Ärger ein. Trotzdem müssen sie erledigt werden. Ist ein Projektleiter bestimmt, wird er oft allein gelassen. Er hat keine Befugnisse, um sicherzustellen, dass die für das Projekt abgestellten Kollegen auch wirklich in seinem Sinn und in ausreichendem Maße aktiv sind.

Hinweis

Gerade im Projektmanagement gibt es das Problem der lateralen Führung – Führen ohne Macht. Wie Projektleiter ihr Projektteam führen können, auch wenn sie keine Vorgesetztenfunktion und keine entsprechende Macht haben, erfahren Sie in diesem Handbuch-Kapitel:

Laterale Führung: Führen ohne disziplinarische Macht [37]

Zudem erkennt der Projektleiter nicht, wie wichtig es ist, für sein Projekt zu werben. Er beschränkt sich auf die inhaltlichen Fachfragen und die Organisation – und müht sich dort ab. Doch der Schlüssel liege im Projektmarketing, sagen Brown und ihre Kollegen. Deshalb ist es eine zentrale Aufgabe für jeden Projektleiter, die besondere Bedeutung seines Projekts für das Unternehmen herauszuarbeiten. Das ist die Unique Project Proposition. Sie ist die Grundlage für die Projektmarke.

Diese muss er entwickeln und immer wieder gegenüber den relevanten Zielgruppen, den Stakeholdern, kommunizieren. Sie muss klar, konsistent und attraktiv sein. Und sie muss deutlich machen, worum es im Projekt geht, die Ziele und den Nutzen für das Unternehmen herausstellen. Dabei kommt es auf die passenden Gelegenheiten und das richtige Timing an, zu denen der Projektleiter seine Unique Project Proposition kommuniziert.

Sie muss sich an das eigene Projektteam richten und ausdrücken: „Wir müssen zusammenarbeiten. Wir brauchen uns gegenseitig. Wir sind alle wichtig. Wir machen besondere Arbeit. Wir sind für das Unternehmen wichtig. Wir haben am Ende alle etwas davon.“ Sie muss sich auch an Außenstehende richten wie die Geschäftsleitung, Projektsponsoren, Auftraggeber sowie Betroffene oder Interessierte innerhalb und außerhalb des Unternehmens. Die Botschaften müssen hierbei sein: „Unser Projekt ist besonders wichtig. Es hat einen großen Nutzen für alle. Wir leisten gute Arbeit.“

Die Stellhebel, um eine Projektmarke zu entwickeln

In Anlehnung an die vier Ps im Marketing, die zentralen Marketinginstrumente Product, Price, Promotion und Place, hat Karen A. Brown mit ihrem Team fünf Ps herausgearbeitet, mit denen sich eine Projektmarke entwickeln und pflegen lässt. Sie kennzeichnen die Lebensphasen eines Projekts und sind als Stufen des Projektmarketings zu sehen. Sie sind verbunden mit konkreten Maßnahmen.

(1) Pitch: Zunächst muss geklärt werden, welches zentrale Problem des Unternehmens im Projekt bearbeitet wird oder welcher besondere Nutzen und welche Chancen sich aus dem Projekt für das Unternehmen ergeben können. Dahinter steht die Frage nach dem „Warum?“ oder „Wofür?“ des Projekts. Das sollte jeder Projektleiter auf den Punkt bringen können (eine Kernaussage). Ein überzeugender Projektpitch ist bereits in der Vorbereitung wichtig, wenn es um die Freigabe eines Projekts geht. Das muss beachtet werden:

  • Der Projektleiter stellt das zentrale Problem und die Chancen in den Vordergrund, nicht das Projekt.
  • Er macht die direkte Verbindung zu übergeordneten Unternehmenszielen und Strategien sichtbar.
  • Er macht ein Versprechen, was am Ende erreicht wird.
  • Er darf dabei aber nicht abgehoben und damit unglaubwürdig erscheinen; die Probleme, die Chancen und der Nutzen für das Unternehmen und die Projekt-Stakeholder müssen realistisch und dem Projektthema angemessen bleiben.

Diese zentrale Botschaft kann sich sowohl an die Projektmitarbeiter richten, als auch an das übergeordnete Management. In beiden Fällen sollte sie klar und einfach sein, also das, worum es im Projekt wirklich geht, in ein oder zwei Sätzen auf den Punkt bringen.

Flow am Arbeitsplatz erzeugt glückliche Mitarbeiter

In jedem von uns steckt das Potenzial für Freude. Was hindert uns also daran, glücklich zu sein? Glücklichsein ist eine zentrale Lebensqualität und kann sich zum Beispiel in Arbeit äußern. Wenn wir in einem humorvollen und menschlichen Umfeld arbeiten, der Aufgabe gewachsen sind und wissen, was wir tun müssen, um unsere Ziele zu erreichen, befinden wir uns im so genannten Flow. Mihaly Csikszentmihalyi, Soziologe, Psychologe und Professor für Wirtschaft an der Universität in Claremont (Kalifornien), ist der führende Glücksforscher der Welt. In zahlreichen Untersuchungen ist er dem Glücksgefühl nachgegangen. Grundvorrausetzung, um in einen Glückszustand zu kommen, ist demnach die Tätigkeitsfreude Flow.

Flow entsteht etwa, wenn wir uns mit einer schwierigen Aufgabe beschäftigen und diese bewältigen können. Dabei vergessen wir in der Regel die Zeit. Für viele eine überaschende Erkenntnis der Glücksforscher ist: Die meisten Flow-Erlebnisse haben wir am Arbeitsplatz. Arbeit scheint eine Glücksquelle zu sein, die die meisten Menschen unterschätzen. Unternehmen, die erreichen wollen, dass ihre Mitarbeiter nicht in einer inneren Distanz oder Verweigerung bleiben, versuchen diese zu motivieren, Herausforderungen anzunehmen, die sie auch bewältigen können. Die Glücksforscher der Universität in Mailand – das führende Institut in Europa – sehen die wichtigste Aufgabe von Führungskräften und Unternehmen darin, eine positive und menschliche Atmosphäre zu schaffen, in der alle Mitarbeiter Freude an Herausforderungen haben und Fehler als Chance zur Entwicklung von Produkten und Ideen gesehen werden.

Flow entsteht nicht durch Nichtstun

Ob Chef oder Sachbearbeiterin – alle Menschen erleben ein tiefes Gefühl der Befriedigung, wenn sie komplett in ihrer Tätigkeit aufgehen, ungeachtet dessen, ob es sich um eine geistige oder manuelle Arbeit handelt. Und diese Befriedigung ist wiederholbar, wenn wir uns herausfordern und an unseren Aufgaben wachsen. Es entsteht das Gefühl der Freude, ein tiefes, energetisches Gefühl, das durch den Ausstoß von Dopamin im Gehirn entsteht. Dopamin ist ein Botenstoff, der uns durch Glücksgefühle zu weiteren Herausforderungen und zum Lernen motiviert und damit für Erfolg und Entwicklung sorgt. Freude ist also ein Gefühl, das eintritt, wenn ich etwas gelöst oder erreicht habe. Es führt zu mehr Energie und ermutigt uns, weitere Schritte zu gehen und nach neuen Herausforderungen Ausschau zu halten.

Überraschendes Fazit der Wissenschaftler: In der hochgeschätzten Freizeit fühlen sich die meisten Menschen eher traurig, gelangweilt und unzufrieden. Dass wir dennoch weniger arbeiten und mehr freie Zeit haben wollen, ist nur auf den ersten Blick ein Widerspruch. Denn unbewusst spürt wohl fast jeder, dass Freude mit gelungener Aktivität entsteht. Also werden wir in unserer Freizeit aktiv. Doch oft überfrachten wir diese mit positiven Erwartungen, die nicht erfüllt werden. So manches Wochenende müsste ein Energie-Wunderpaket beinhalten, damit wir alle Wünsche gleichzeitig verwirklichen können. Denn: Zu viele Herausforderungen blockieren und süßes Nichtstun bringt uns nicht den erhofften Glückskick.

Schade, aber wahr: Die evolutionäre Programmierung des Gehirns ist dafür verantwortlich, dass wir in müßigen Momenten eher in unangenehmen Gedanken als in schönen Erinnerungen schwelgen. Ein Überbleibsel unserer Neandertaler-Vergangenheit, als wir vor wilden Tieren und anderen Feinden ständig auf der Hut sein mussten. Wenn wir uns bei einer Aufgabe jedoch sehr konzentrieren, können störende Reize die meisten Zentren des Großhirns nicht erreichen. Wir vergessen nicht nur, auf Hunger und Durst zu achten, im Zustand der Versenkung zirkulieren auch weniger Stresshormone im Blut. Viele, die mit voller Konzentration arbeiten, sagen: „Ich fühle mich, als würden die Dinge von alleine geschehen.“ Auch wer in seiner Freizeit leidenschaftlich einem Hobby nachgeht, kennt dieses Gefühl und schöpft daraus Kraft und Freude.

Arbeitplatz als Glücksquelle

Natürlich ist die Sinnfrage für das Flow-Gefühl in der Arbeit wichtig. Wer nicht an die Sinnhaftigkeit seines Tuns glauben und seine persönlichen Stärken dabei einsetzen kann, findet nur schwer eine positive Einstellung zu seinem Beruf. Auch Mangel an Abwechslung und Unterforderung kann zu Unzufriedenheit bei der Arbeit führen, ebenso Konflikte im Team oder mit Vorgesetzten. Genau diese Herausforderungen können aber auch bewirken, dass man sich mit dem gegenwärtigen Zustand nicht zufrieden gibt und konstruktive Lösungsvorschläge entwickelt. Wer Verantwortung übernimmt und ein gemeinsames Ziel im Unternehmen mitträgt, schreckt auch in Krisenzeiten nicht vor einer schwierigen Aufgabe zurück.

Letztendlich, räumt der Wissenschaftler Csikszentmihalyi ein, ist es eine persönliche Entscheidung, Arbeit nur als Broterwerb zu sehen oder sich den Arbeitsplatz als mögliche Glücksquelle zu gestalten. Um im Job Flow zu erleben, sollten eigene Talente bewusst eingesetzt und kleine Ziele gesetzt werden. Überschaubare Ziele sind nämlich leichter zu erreichen und vertiefen die Freude am Erreichten. Zugleich vermitteln sie der Person, die sich im Zustand des Flow befindet, dass sie Kontrolle über ihre Handlungen hat. Indem sie ihr Tun später reflektiert, verstärkt der erreichte Erfolg ihr positives Selbstkonzept.

Glück ist ein Zustand, der uns ereilt. Wir können das Glück einladen und uns darauf vorbereiten, indem wir lernen, Freude und Flow zu erleben. Wir können es nicht erzwingen, aber einiges tun, um dafür offen zu sein. Um den Zustand des Glücks am Arbeitsplatz oder in der Freizeit zu erreichen, ist es notwendig, die Blockierungen im privaten Leben wie auch am Arbeitsplatz oder in der eigenen Umgebung zu erkennen und aufzulösen und dabei zu lernen, sich bewusst dem Energiefluss der Freude zu öffnen und somit dem Zustand des Glücks zu nähern. Das heißt: die inneren und äußeren Strukturen genau zu beobachten und sich auch ab und an zu entscheiden, etwas Neues zu wagen beziehungsweise andere Wege zu gehen. Nach Eckart v. Hirschhausen ist die Beantwortung folgender Fragen wichtig, um sich dem Zustand des Flow und damit dem des Glücks anzunähern:

  • Wie kann ich mein Leben gestalten, um damit Er-FOLGE zu erzielen?
  • Wie sieht mein Wunschleben aus, meine Vision, wie will ich wirklich leben?
  • Tue ich das, was ich gern tue, was meinen Stärken entspricht, was ich liebe?
  • Macht meine Arbeit für mich und andere Sinn?
  • Bin ich ehrlich mit mir selbst?
  • Was muss ich verändern, damit grundsätzlich etwas „Richtiges“ passiert?
  • Wie muss ich umdenken, was muss anders werden, damit alles besser wird?

Stufen zur glücklichen Arbeit

Aus der Beantwortung dieser Fragen ergibt sich eine logische Entwicklung des Selbstmanagements zum Glück, frei nach Csikszentmihalyi: Aus Selbst-Akzeptanz wird Selbst-Bewusstsein, daraus folgt Selbst-Motivation und Selbst-Management, es folgen Selbst-Verantwortung, Selbst-Überwindung und Selbst-Kontrolle, auch im Austausch mit anderen. Diese persönlichen Entwicklungsstufen führen zu einer tiefen Freude und damit zu einem nachhaltigen Erfolg.

Ein Unternehmen, das auch in Krisenzeiten seine Mitarbeiter mitnehmen will, sollte diese Gedanken in sein Leitbild und seine Kultur integrieren. Führungskräfte und alle wichtigen Entscheider sollten in der eigenen Persönlichkeit so trainiert sein, dass sie jederzeit Freude empfinden und ihre Arbeit als Flow erleben können. Das Unternehmen kann dann auf Mitarbeiter zurückgreifen, die zufriedener, freudvoller und auch effektiver im Arbeitsleben stehen. Eine neue Unternehmenskultur heißt:

  • den Mitarbeitern und Führungskräften Herausforderungen anbieten
  • eine menschliche und humorvolle Arbeitsatmosphäre schaffen
  • Freude und Flow als Leitprinzip des Erfolges definieren und trainieren
  • Selbstverantwortung einzelnen Teams und Mitarbeitern übergeben (nicht direktiver Führungsstil, eher Teamplayer)
  • Fehler und Missgeschicke als Chance zur Entwicklung betrachten

Buchtipp:
Mihaly Csikszentmihalyi und Ulrike Stopfel: Flow im Beruf - das Geheimnis des Glücks am Arbeitsplatz [38]

Generationen-Mix beim Personal für mehr Innovation und Qualität

Ein Forschungsteam aus Studenten der Jacobs University Bremen, der Rotterdam School of Management und der GISMA Business School in Hannover hat sich in einem Projekt mit den Auswirkungen alternder Belegschaften auf den Innovationsprozess in Unternehmen beschäftigt. Unterstützt durch die Volkswagenstiftung und unter der Leitung der Professoren Sven Völpel (Jacobs University), Daan van Knippenberg (Rotterdam School of Management) sowie Eric Kearney (GISMA Business School) untersuchten sie die Innovationsfreudigkeit etwa der Mitarbeiter eines High-Tech-Unternehmens, dessen Erfolg davon abhängt, den technischen Anforderungen seiner Auftraggeber mit immer neuen Lösungen begegnen zu können.

Tendenziell werden jüngeren Arbeitnehmern eine hohe Kreativität und ein breites Wissen in Bezug auf die neusten Technologien zugetraut. Die älteren Kollegen verfügen im Gegenzug über einen breiteren Erfahrungsschatz und größere soziale Netzwerke. Doch lassen sich Leistungskraft und Innovationsfähigkeit von Arbeitnehmern auf das biologische Alter beschränken? Oder ist ein Team, in dem ältere und jüngere Arbeitnehmer ihre gewachsenen Erfahrungen, ihr frisches Wissen und ihre Einsatzbereitschaft zusammentragen, jeder eng gefassten Gruppe aus lauter Gleichaltrigen überlegen?


Die Forscher beobachteten eine insgesamt größere Innovationsbereitschaft bei altersgemischten Teams: Die oben genannten Eigenschaften sowie Neugier und der Drang, sich zu erproben, brachte innovativere Lösungen und bessere Qualität. Allerdings nur dort, wo die Kultur der Abteilung oder des ganzen Unternehmens den Austausch und die Zusammenarbeit gezielt förderte. Eric Kearney erklärt:

Innovation ist eine Frage der Unternehmenskultur und des Geschicks im Management. Die Forscher beobachteten unter bestimmten Bedingungen eine insgesamt größere Innovationsbereitschaft bei altersgemischten Teams.“

Dabei deutete einiges darauf hin, dass vielfältig zusammengesetzte Gruppen gute Arbeit leisten können, wenn es um zukunftsorientierte Aufgaben geht. Die Voraussetzung dafür sei, dass die Führungsebene die unterschiedlichen Beiträge zur gemeinsamen Arbeit auch zu integrieren versteht. Es ist im größten Interesse des Unternehmens, dass die Ressourcen aller Arbeitnehmer jeden Alters optimal genutzt werden.

Quelle: GISMA Business School

Datenversicherung hilft bei Datenverlust durch Systemausfall

Das Risiko, dass sensible Daten unvollständig, unzugänglich oder nicht mehr vorhanden sind und dass vielleicht die gesamte Kunden- oder Warendatenbank nicht mehr abrufbar ist, kann eine Datenversicherung zwar nicht verhindern, die finanziellen Folgen dagegen aber schon. Denn kaum ein Unternehmen kommt heutzutage noch ohne Kommunikations- und Bürotechnik aus. Diese Technik ist essenzieller Teil des Arbeitsalltags. Auf sie muss Verlass sein. Da kann es nicht nur ärgerlich, sondern auch extrem teuer werden, wenn sie plötzlich beschädigt, zerstört oder entwendet wird und auf wichtige Daten nicht mehr zugegriffen werden kann. Im schlimmsten Fall gehen E-Mails oder Kundendaten komplett verloren.

In einem solchen Fall muss nicht nur das technische Gerät repariert oder ersetzt werden. Vor allem die Aufwendungen für die Datenwiederherstellung oder -beschaffung lassen die Kosten für die Schadenbehebung in die Höhe schnellen.

Versicherungslücken anderer Firmenpolicen

Dass bei Datenverlust die Geschäftsinhaltsversicherung oder andere Unternehmenspolicen greifen, ist ein Trugschluss. Denn der Schutz dieser Policen gilt meist nur für die Hardware, selten auch für Software und elektronische Dokumente. Zu den wichtigsten Policen, die sich auf dem Markt tummeln, zählt die Geschäftsinhaltsversicherung, die für das finanzielle Risiko von Geschäftseinrichtung, Produktionsmaschinen, Computer oder anderen Geräten aufkommt. Sie deckt folgende Risiken ab:

  • Einbruch, Diebstahl, Vandalismus
  • Brand, Explosion, Blitzschlag
  • Sturm, Wasser

Der Schutz dieser Firmenversicherung umfasst das gesamte Geschäftsinventar, jedoch nicht die elektronischen Daten. Im Gegensatz zur Ausschnittsdeckung einer Geschäftsinhaltsversicherung bietet die Datenversicherung eine Allgefahrendeckung.

Neben der Geschäftsinhaltsversicherung gibt es noch eine spezielle Inventarversicherung, die Elektronikversicherung. Doch auch sie hat ihre Grenzen, deckt sie doch ebenfalls nur Schäden an der technischen Einrichtung ab wie etwa Computer-System, die übrige EDV-Technik sowie Telefonanlagen. Zum Leistungsumfang einer Elektronikversicherung zählt die Kostenerstattung für Reparaturen und Wiederbeschaffung der Geräte und Anlagen. Versicherte Risiken sind hierbei neben denen der Geschäftsinhaltsversicherung:

  • Bedienungsfehler, Fahrlässigkeit
  • Vorsatz Dritter
  • Kontruktions- oder Materialfehler
  • Überspannung, Kurzschluss

Umfang und Leistung der Datenversicherung

Die Datenversicherung, manchmal auch Softwareversicherung genannt, wird meist als Zusatzbaustein zur Elektronikversicherung angeboten und ist eine sinnvolle Ergänzung des gesamten Unternehmensschutzes. Versichert sind mit der Datenversicherung die finanziellen Folgen für die Wiederherstellung der Daten. Nach dem Kostenumfang zur Datenrekonstruktion bemisst sich auch die Versicherungssumme, während bei der einfachen Elektronikversicherung der aktuelle Listenpreis der neu zu beschaffenden Geräte Berechnungsgrundlage ist.

Die versicherten Risiken der Datenversicherung sind in der Regel dieselben wie bei der Elektronikversicherung. Vom Versicherungsschutz erfasst werden nicht nur elektronische Daten aus Dateien und Datenbanken, sondern auch Software an sich. Denn sind technische Geräte nicht mehr nutzbar, entstehen nicht nur Kosten durch die Datenwiederherstellung. Auch die Beschaffung und das erneute Installieren der Systemprogramme sind Kostenpunkte nach einem Schadensfall.

Nicht abgedeckt sind Schäden durch Krieg, Kernenergie, Erdbeben, innere Unruhen sowie Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit des versicherten Unternehmers und dessen Repräsentanten. Auch die betriebsbedingte Abnutzung, die Alterung der Geräte und Aufwendungen für Wartungsarbeiten fallen nicht unter den Versicherungsschutz.

Hinweis

Programme und deren Lizenzen, die vor Jahren erworben wurden, können zum Zeitpunkt des Schadens in der Neuanschaffung einen geringeren Wert haben. Die Datenversicherung kommt also nur für den aktuellen Kaufpreis auf!

Höhe des Versicherungsbeitrags

Nach der Versicherungssumme bemisst sich der Versicherungsbeitrag. Dieser kann daher pro Jahr mehrere hundert Euro betragen. Eine vertraglich vereinbarte Selbstbeteiligung, oft als Selbstbehalt bezeichnet, minimiert den Jahresbeitrag für die Datenversicherung. Tritt ein Schadensfall ein, begleicht der Versicherte den Schaden bis zur Höhe des Selbstbehalts aus eigener Tasche. Da in der heutigen stark computerisierten Arbeitswelt kaum noch ein Unternehmen ohne Büro-, Kommunikations-, Informations-, Sicherungs- oder Meldetechnik auskommt, sollte die Datenversicherung bei der Absicherung des Unternehmens definitiv eine Rolle spielen.

Wie in anderen Versicherungsbereichen gilt auch beim Schutz von elektronischen Daten: Prävention geht vor. Mit anderen Worten: Datensicherung vor Datenversicherung. Das heißt: Es sollte regelmäßig ein Backup der Unternehmensdaten durchgeführt werden; je häufiger, desto besser, denn damit hält der Versicherte den Schaden so gering wie möglich. Kommt es dennoch zum Schadensfall, sind die Aufwendungen durch die regelmäßige Abspeicherung der Daten auf einem Zweitmedium auf ein notwendiges Minimum reduziert.

Motivation und Produktivität durch flexible Arbeitsgestaltung

76 Prozent der Unternehmen in Deutschland bieten ihren Mitarbeitern die Möglichkeit, Arbeitsort und Arbeitszeit flexibel zu wählen. Die Mehrheit der Firmen ist davon überzeugt, dass eine flexible Arbeitsgestaltung Mitarbeiter produktiver und motivierter werden lässt und sich positiv auf das Gleichgewicht zwischen Arbeits- und Privatleben auswirkt. Zudem halten 58 Prozent der Firmen in Deutschland diese Arbeitsweise für kostengünstiger als Arbeiten an einem festen Standort. Zu diesem Ergebnis kommt eine internationale Umfrage unter 17.000 Beschäftigten in 80 Ländern im Auftrag des Business-Center-Anbieters Regus.

Knapp sechs von zehn der befragten Unternehmen, die flexibles Arbeiten anbieten, gaben an, ihre Mitarbeiter könnten dadurch ihr Arbeits- und Privatleben besser miteinander vereinbaren und seien zufriedener und motivierter. 60 Prozent sind der Meinung, flexibles Arbeiten steigere die Produktivität, ein Fünftel der Unternehmen sieht darin die Chance, ein attraktiver Arbeitgeber für hochqualifizierte Fachkräfte zu sein. Ein Drittel der Befragten wiederum schätzt die Möglichkeit, Mitarbeiter auch an Orten außerhalb ihrer Firmengebäude beschäftigen zu können.

Flexibles Arbeiten gehört in vielen deutschen Firmen inzwischen zum Standard. Grafik: Regus

Vertrauen in die Mitarbeiter: Ein Muss für Unternehmen

Zudem ermittelte die Studie, dass mangelndes Vertrauen in die Mitarbeiter für einige Unternehmen noch immer ein Hindernis ist: So gestatten zwölf Prozent der deutschen Firmen das Privileg flexibel zu arbeiten lediglich ihren Führungskräften. Michael Barth, Deutschland-Geschäftsführer von Regus, sagt:

„Wenn diese Möglichkeit nur leitenden Angestellten geboten wird, lassen Unternehmen viele Vorteile ungenutzt und vergeben die Chance, qualifizierte Mitarbeiter für sich zu gewinnen. Flexibles Arbeiten gehört heute bereits zum Standard. Es ist eine Chance, von der jeder profitiert: Arbeitgeber, Arbeitnehmer, Familien und die gesamte Gesellschaft, ja sogar die Umwelt.“

Zum ersten Mal bringe eine Umfrage mit 17.000 Teilnehmern einen statistischen Beweis, dass flexibles Arbeiten zahlreiche Vorteile mit sich bringt, so Barth weiter. Durch das starke Bruttoinlandsprodukt und die sinkenden Arbeitslosenzahlen werde in Deutschland die Nachfrage nach talentierten und qualifizierten Mitarbeitern steigen. Flexibles Arbeiten helfe Firmen, diese Mitarbeiter für sich zu gewinnen. Auch wenn noch nicht alle Unternehmen die Möglichkeit nutzen würden, ihren Mitarbeitern das nötige Vertrauen entgegenzubringen, würden doch viele die Vorteile erkennen, die es mit sich bringen kann. Flexibles Arbeiten werde sich in den kommenden zehn Jahren weiter durchsetzen, ist Michael Barth überzeugt.

Hinweis

Für die Studie wurden über 17.000 Personen im Februar 2011 befragt, darunter zahlreiche Führungskräfte und Geschäftsinhaber aus der ganzen Welt. Die Teilnehmer wurden zu ihrer Einschätzung der Wirtschaftsentwicklung sowie nach ihrer Meinung zum Thema flexibles Arbeiten vom britischen Marktforschungsinstitut MarketingUK befragt, das die Studie konzipierte und durchführte.

Quelle: Regus

Mikropolitik: So setzen Mitarbeiter ihre persönlichen Interessen durch

Management-Handbücher, Stellenbeschreibungen, Organigramme, Ablaufpläne und Arbeitsanweisungen sollen das Geschehen in einem Unternehmen beschreiben und vorgeben, was alle Manager und Mitarbeiter zu tun haben. Sie können das aber nur zum Teil. Meistens wird das Unternehmen (wie jede Organisation) von ganz anderen Spielregeln beherrscht. Das alltägliche Verhalten der Menschen in der Organisation kann erheblich von dem abweichen, was „in der Theorie“ erwartet wird.

Was sind die wirklich wichtigen Instrumente eines Managers, um auf der Karriereleiter nach oben zu kommen? Sicherlich gehören Kompetenz, Disziplin, Fleiß und Ausdauer dazu. Aber reichen diese Eigenschaften aus? Sind persönliche Netzwerke und strategisch-taktisches Handeln nicht mindestens genauso wichtig? Wer in seinem Unternehmen erfolgreich sein und vorankommen will, agiert vor allem eigennützig. Das Wohl des Unternehmens steht hinten an.

Die Mitarbeiter sind darauf bedacht, ihre Stellung im Unternehmen abzusichern, keinen Ärger zu bekommen oder ihn auf andere abzuleiten. Sie durchkreuzen die Pläne ihrer Vorgesetzten und Kollegen, weil sie um ihre Stellung, ihren Einfluss und manchmal auch einfach um ihren Job fürchten. Andere wollen ihre Karriere voranbringen, ihre Meinungen und Ansichten durchsetzen, Anerkennung erfahren oder sogar ihre Psychosen ausleben. Mit sogenannten mikropolitischen Verhaltensweisen wollen sie sich und anderen etwas beweisen.

Stichwort

Mikropolitik ist ein Arsenal von vielen kleinen alltäglichen Methoden und Verhaltensweisen, mit denen innerhalb von Organisationen persönliche Macht aufgebaut und eingesetzt wird. Mitarbeiter in Organisationen verfolgen nicht nur die Organisationsziele, sondern im Sinne eines Machtkampfes auch Eigeninteressen (strategischer Eigensinn, selbstbezogene Interessen). Durch mikropolitisches Verhalten gestalten alle Mitarbeiter informelle Spielregeln, soziale Strukturen und menschliche Verhältnisse in Organisationen (Unternehmen) mit.

Mikropolitik – gute Seiten, schlechte Seiten

Aus Sicht eines Unternehmens ist Mikropolitik dann besonders schlecht, wenn die persönlichen Ziele gegen die Unternehmensziele gerichtet sind, mit ihnen nicht zusammenpassen oder diese sogar sabotieren. Die Organisation funktioniert nicht mehr richtig und das Unternehmen kann wirtschaftlichen Schaden erleiden.

Mikropolitik kann aber auch positive Effekte haben. Manchmal ist sie Quelle für Flexibilität oder notwendige Veränderungen. Mit ihr werden starre und überkommene Regelungen aufgebrochen – durchaus auch zum Wohle des Unternehmens. Wenn ein junger Mitarbeiter in seinem ersten Projekt eine Chance auf einen wichtigen Karriereschritt sieht und sich entsprechend besonders für den Projekterfolg einsetzt, dann fallen persönliche Interessen und Unternehmensziele zusammen.

Um negative Effekte der Mikropolitik einzugrenzen und positive zu nutzen, muss mikropolitisches Verhalten erst einmal erkannt werden. Michael Schiffinger und Johannes Steyrer von der Wirtschaftsuniversität Wien untersuchten vor einigen Jahren in einer Studie genauer, wie sich mikropolitisches Verhalten zeigt und wie es die Karriere fördert. Sie analysierten eine anonyme Stichprobe von 201 Erwerbstätigen in Österreich. Solches Verhalten zeichnet sich dadurch aus, dass man andere Personen im Unternehmen meist heimlich und verdeckt so beeinflusst, dass deren Verhalten und Handeln einem selbst nutzt.

Change Management: Mit Neurowissenschaft Mitarbeiterverhalten ändern

„Das haben wir hier schon immer so gemacht.“ Diesen Satz hört man oft von Mitarbeitern, die damit neue Vorschläge oder Veränderungen ablehnen. Was sie damit sagen wollen: Es gibt Routinen, standardisierte Abläufe, bewährte Vorgehensweisen, die helfen, dass die Aufgaben richtig und effizient erfüllt werden. Es passieren weniger Fehler und interne und externe Kunden wissen, worauf sie sich verlassen können. Also ist die Einstellung „Wir ändern nichts und belassen es so, wie es ist“ erst einmal richtig.

Aber die Welt verändert sich. Und dadurch können bewährte Routinen plötzlich nicht mehr funktionieren. Zumindest wird man mit ihnen das gewünschte Ziel nicht mehr erreichen. Die Organisation und damit auch die Menschen in ihr müssen sich ändern. Das passiert in jedem Unternehmen bei vielen kleinen Dingen fast tagtäglich. Und manchmal soll nach dem Willen der Geschäftsleitung auch das Unternehmen insgesamt umgebaut und reorganisiert werden. Immer tun sich die Mitarbeiter damit schwer. Und Veränderung per Anweisung – daran haben sich schon viele Chefs die Zähne ausgebissen.

Routinen machen das Leben einfacher und sicherer

Denn das, was äußerlich als Routine sichtbar ist, basiert auf Überzeugungen und Werten, die sich bei den Mitarbeitern in der täglichen Praxis fest in ihre Köpfe eingebrannt haben. Das Gespräch mit Kollegen, die Anweisungen des Vorgesetzten, die technischen Hilfsmittel, alle Regeln und Normen machten für den einzelnen immer wieder deutlich: „So machen wir das hier.“ Und warum sollte das jetzt plötzlich nicht mehr gelten?

Jeffrey Schwartz, Pablo Gaito und Doug Lennick haben untersucht, wie diese Überzeugungen und Werte, etablierte Denk- und Verhaltensmuster und das Festhalten an Routinen im Gehirn der Menschen „verdrahtet“ sind. Der Psychologe und Neurowissenschaftler Schwartz, der Organisationsentwickler bei Cargill Gaito und der Berater für Führung und Management Lennick nutzen die Erkenntnisse der Gehirnforschung für das Change Management. Sie wollen praktikable Methoden entwickeln, mit deren Hilfe Menschen auf Veränderungen vorbereitet und mit neuen Rahmenbedingungen vertraut gemacht werden können. In ihrem Beitrag „That’s the Way We (Used to) Do Things Around Here“ (Strategy + Business, Frühjahr 2011) entwickeln sie ein Modell und eine Vorgehensweise für Veränderungsprozesse auf der Basis der Gehirnforschung.

Bestehende Denk- und Verhaltensmuster sind tief im Unterbewusstsein abgelegt

Ihr Ziel ist es, das Veränderungsmanagement in den Unternehmen so anzulegen, dass es mit den Eigenarten und den Möglichkeiten des menschlichen Gehirns arbeitet und nicht gegen diese. Sie haben diese besonderen Merkmale des Gehirns in Bezug zu organisatorischen Veränderungen in Unternehmen erkannt:

  • Gewohnheiten kann der Mensch nur sehr schwer ändern, weil das Gehirn sie auf eine bestimmte Art und Weise managt. Sie werden tief im Gehirn abgelegt in Bereichen, die ansonsten für viele halbautomatische Abläufe wie das Gehen oder Radfahren, für besondere Gefühle wie Angst und Ärger oder für Instinkte wie Hunger und Durst zuständig sind. Alle Routinen im Unternehmen, die gepflegt werden und die positiv besetzt sind, führen dort zu starken Verbindungen, die sich dann nur sehr schwer wieder lösen lassen. Denn die Menschen verbinden organisatorische Veränderungen mit Gefühlen der Angst, mit großem Risiko und mit viel Ärger. Es braucht viel Energie und führt zu Belastungen, wenn diese Verbindungen aufgelöst werden sollen.

Die Basalganglien sind unter anderem für viele motorische Automatismen wie das Gehen oder Radfahren zuständig. Die Amygdala ist Teil des limbischen Systems und wesentlich bei der Entstehung der Angst beteiligt. Sie spielt außerdem eine Rolle bei vielen Emotionen und bei der Analyse von Gefahren. Sie gibt gewissermaßen Warnungen aus und löst Abwehrmechanismen aus. Der Hypothalamus steuert die vegetativen Funktionen des Körpers. Dazu gehören Temperatur, Blutdruck, Nahrungs- und Wasseraufnahme, Schlaf und Sexualverhalten.

  • Trotz dieser tiefen Verankerung von Gewohnheiten können Menschen diese auch ändern. Sie sind in der Lage, über das, was sie für gewöhnlich, automatisch und routiniert tun, auch zu reflektieren. Sie tragen einen unbefangenen Selbstbeobachter in sich. Und mit ihm können sie ihre Überzeugungen und damit ihr Verhalten anpassen, wenn es ihnen als nützlich erscheint. Voraussetzung ist, dass sie erkennen und einsehen, dass das bisherige Verhalten nicht mehr angebracht ist und dass das neue Vorteile bringt. Wenn die Mitarbeiter erkennen, dass das Unternehmen und ihre Organisation nun anders ticken, dann ändern sie ihre Denk- und Verhaltensmuster.

Bei der bewussten Reflexion und dem Nachdenken über das eigene Verhalten spielen entwicklungsgeschichtlich jüngere Teile des Gehirns eine entscheidende Rolle. Das ist insbesondere der Präfrontale Cortex. Er ist gewissermaßen das Kontrollzentrum für eine situationsangemessene Handlungssteuerung und ist gleichzeitig intensiv an der Regulation emotionaler Prozesse beteiligt.

  • Um eine solche Veränderung anzustoßen, muss die Aufmerksamkeit der Menschen auf die neuen Bedingungen gelenkt werden. Er braucht Orientierung hin zu dem gewünschten neuen Denken und Verhalten und den neuen Zielen, die das Unternehmen und die Führungskräfte propagieren. Dann bricht er seine alten Routinen nach und nach auf und bildet neue Muster, die besser  zu den neuen Gegebenheiten passen, um schließlich diese wieder zu Routinen zu machen.

Damit das funktioniert, raten Schwartz und seine Kollegen:

„Sage den Mitarbeitern nicht, was sie falsch machen. Sondern hebe hervor und lenke die Aufmerksamkeit auf das, was sie richtig machen.“

Erst dadurch verblasst die Aufmerksamkeit für das falsche, weil überkommene Verhalten und erst dann können sich die neuen Muster etablieren und verfestigen. Wichtig ist also: Positive Verstärkung des Mitarbeiterverhaltens für den neuen, gewünschten Zustand der Organisation. Das kann dadurch erreicht werden, dass die Prozesse, die Aufgaben und die Rahmenbedingungen genau darauf ausgelegt werden. Die Botschaft lautet also: „So wollen wir das in Zukunft machen!“ Und nicht: „Das wollen wir in Zukunft vermeiden.“

Die Gründe, warum sich Unternehmen und ihre Mitarbeiter ändern müssen, sind überall ähnlich: Abteilungsgrenzen überwinden, Kundenservice verbessern, Kommunikation intensivieren, neue Technologien nutzen und einige mehr. In jedem Fall wird von den Mitarbeitern gefordert: Ihr müsst euer Verhalten ändern!

Geschäftswagen: Anforderung an ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch

Zunächst einmal ist zu prüfen, ob das Fahrtenbuch der Weg zur geringeren Steuerlast ist. Das rät Dipl.-Finw. Bettina M. Rau-Franz, Steuerberaterin und Partnerin in der Steuerberatungs- und Rechtsanwaltskanzlei Roland Franz & Partner in Essen. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn so gut wie keine Privatfahrten gemacht werden. Um in der Betriebsprüfung unliebsamen Überraschungen vorzubeugen, muss aber von Anfang an darauf geachtet werden, dass eine entsprechende Sorgfalt und die daraus resultierende Ordnungsmäßigkeit gegeben ist. Die Expertin sagt:

"Je weniger Privatfahrten, desto günstiger ist das Fahrtenbuch. Neben der vorteilhaften steuerlichen Auswirkung eines Fahrtenbuchs ist allerdings der damit verbundene Aufwand nicht zu unterschätzen. Und bei Nichtanerkennung des Fahrtenbuchs wird zur pauschalen 1-Prozent-Regelung übergegangen. Der Arbeitsaufwand für das Erstellen des Fahrtenbuchs war dann völlig umsonst und gemeint ist im wörtlichen Sinne umsonst. Ob das Fahrtenbuch bei einer Betriebsprüfung Bestand hat, hängt von der formellen und materiellen Richtigkeit des Fahrtenbuchs ab. Das Finanzamt prüft, ob alle geforderten Angaben vorliegen und ob diese auch inhaltlich der Wahrheit entsprechen können."

Bei der sogenannten 1-Prozent-Regelung wird ein Prozent des Bruttolistenneuwagenpreises für jeden Monat, in dem das Fahrzeug privat mitbenutzt wird, Gewinn erhöhend berücksichtigt. Dabei ist grundsätzlich der Listenneuwagenpreis zum Ansatz zu bringen, auch wenn das Fahrzeug selbst schon in die Jahre gekommen ist. Günstig ist somit die 1-Prozent-Regelung lediglich bei Oldtimern, da die einen geringeren Neuwagenpreis hatten als die heute aktuellen Fahrzeuge und die Inflation unberücksichtigt bleibt.

Im Gegensatz zur 1-Prozent-Regelung besteht aber die Möglichkeit, den tatsächlichen Aufwand der Privatfahrten mittels eines Fahrtenbuchs zu ermitteln. Bei der Festlegung der formalen Voraussetzungen hat sich der Gesetzgeber weitgehend zurückgehalten. Im Einkommensteuergesetz heißt es hierzu lediglich: Das Fahrtenbuch muss "ordnungsgemäß" sein. Details zur formellen Ordnungsmäßigkeit sind nur in Verwaltungsanweisungen und der Rechtsprechung zu finden, so dass folgende Punkte hervorgehoben werden müssen.

Zeitnahe Erstellung

Eine zeitnahe Erstellung des Fahrtenbuchs ist zwingend erforderlich. Diese Voraussetzung ist insbesondere problematisch bei der Führung eines elektronischen Fahrtenbuchs, da dies nur mit Hilfe eines PDAs oder gegebenenfalls noch eines Labtops überhaupt möglich ist. Grundsätzlich ist jedoch ein elektronisches Fahrtenbuch anzuerkennen, wenn sich daraus dieselben Erkenntnisse wie aus einem manuell geführten gewinnen lassen.

Hierbei ist  absolut wichtig, dass eine nachträgliche Änderung der ursprünglichen Angaben ausgeschlossen ist, oder diese per Programm dokumentiert werden muss (Verwaltungsanweisung des Bundesministers der Finanzen vom 21.01.2010). Dies hat in der Praxis zu erheblichen Streitigkeiten geführt. Aus diesen Gründen rät Steuerberaterin Bettina M. Rau-Franz von der Führung eines elektronischen Fahrtenbuchs ab!

Generell müssen bei einem Fahrtenbuch die Aufzeichnungen gesondert und fortlaufend geführt werden. Unter gesondert ist hier die Trennung in dienstliche und private Fahrten zu verstehen. Fortlaufend bedeutet, dass Aufzeichnungen nicht nur von Zeit zur Zeit, sondern regelmäßig, unmittelbar vor Beginn und Ende einer jeden Fahrt gemacht werden. Dabei muss jede Fahrt einzeln aufgelistet werden. Die Angaben müssen leicht und einwandfrei nachprüfbar sein, dass heißt, die inhaltliche Richtigkeit des Fahrtenbuchs muss anhand von Belegen nachvollzogen werden können. In der oben bereits angeführten Verwaltungsanweisung vom 21.01.2010 listet das Finanzministerium konkrete Mindestbestandteile auf.

Das muss im Fahrtenbuch stehen

Als Mindestbestandteile des Fahrtenbuchs müssen für jede betriebliche Fahrt aufgezeichnet werden:

  • das Datum
  • die Kilometer zu Beginn der Fahrt
  • das Reiseziel
  • der Reisezweck
  • der aufgesuchte Gesprächspartner
  • die Kilometer am Ende der Fahrt

"In der Praxis kann man hier nicht vorsichtig und sorgsam genug vorgehen!", warnt Rau-Franz. Die Aufzeichnung der Kilometerstände zu Beginn und am Ende sämtlicher betrieblicher Fahrten eines Tages ist nicht ausreichend. Das gilt auch, wenn das Fahrzeug an diesem Tag ausschließlich betrieblich genutzt worden ist.

Sollte es notwendig sein, für die Nennung des Reisezwecks auf einen Terminkalender oder eine Kundenkartei zurückgreifen zu müssen, wird das Fahrtenbuch in aller Regel vom Finanzamt verworfen. Werden Umwege gefahren, so ist strengstens darauf zu achten, dass diese zusätzlich aufgezeichnet werden. Zwar handelt es sich hierbei nicht um einen wesentlichen Mangel in der Fahrtenbuchführung, jedoch kann auch dieser bereits zur Nichtanerkennung führen.

Für Privatfahrten hingegen reicht die Kennzeichnung als Privatfahrt mit der entsprechenden Kilometerleistung. Bei Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte genügt ebenfalls ein kurzer Vermerk.

Erleichterungen

Sofern regelmäßig dieselben Kunden aufgesucht werden (Lieferverkehr) und die Kunden mit Namen und Lieferadressen in einem Verzeichnis unter einer Nummer geführt werden, bestehen von Seiten des Ministeriums keine Bedenken, im Fahrtenbuch nur noch die Kundennummer anzugeben. Voraussetzung ist, dass die spätere Identifizierung anhand des Verzeichnisses einwandfrei möglich ist. Das Kundenverzeichnis ist in diesem Fall jedoch als Bestandteil des Fahrtenbuchs mit diesem einzureichen.

Für die Praxis rät Steuerberaterin Bettina M. Rau-Franz von dieser Vorgehensweise ab. Die Fehlerwahrscheinlichkeit bei der Aufzählung ausschließlich von Kundennummern steige. Sie sagt:

"Gerade vor dem Hintergrund, dass der Betriebsprüfer nach Fehlern im Fahrtenbuch sucht, rate ich von dieser Erleichterung ab! Neben den zuvor genannten formellen Voraussetzungen für die Anerkennung eines Fahrtenbuchs verlangt die Finanzverwaltung auch die materielle, also inhaltliche Richtigkeit. Im Falle einer Prüfung wird das Fahrtenbuch somit auf Herz und Nieren gecheckt und mit allen zur Verfügung stehenden Belegen und Aufzeichnungen abgeglichen."

Das Fahrtenbuch stellt das Beweismittel für die Anzahl der betrieblichen Fahrten dar und ist somit Grundlage für die Ermittlung der Gewinn erhöhenden Nutzungsentnahme. Nicht zuletzt aufgrund der daraus resultierenden steuerlichen Bedeutung ist es im Prüfungsfalle von besonderem Interesse. Nicht zu vergessen ist auch, dass es sich um einen vom Steuerpflichtigen selbst erstellten Eigenbeleg handelt, was das Finanzamt immer aufhorchen lässt.

Der Steuerpflichtige trägt die objektive Beweislast für die Übereinstimmung seiner Aufzeichnungen mit den tatsächlichen Gegebenheiten. Das Finanzgericht Saarland ist hier sogar der Meinung, dass ein Fahrtenbuch nur im Zusammenspiel mit den entsprechenden Belegen Beweismittelfunktion – und damit Gültigkeit – haben kann.

Ganz wichtig ist, dass für jedes Fahrtenbuch-Fahrzeug ein gesondertes Konto eingerichtet werden muss, über das Kosten einzeln zugeordnet beziehungsweise gebucht werden: Kraftstoffquittungen, Versicherung, Kfz-Steuer, Reparaturrechnungen, Inspektionen, TÜV-Gebühren etc. Dies ist im Hinblick auf die geforderte Einzelprüfbarkeit unerlässlich, um die Kosten jederzeit transparent einem einzigen Fahrzeug zuordnen zu können.

Die nachfolgenden Unachtsamkeiten, Spitzfindigkeiten und Fehler sind daher unbedingt zu vermeiden:

  • Die im Fahrtenbuch eingetragene Entfernung zwischen zwei Tanktagen liegt entweder deutlich über oder deutlich unter der normalen Reichweite des Kraftfahrzeugs.
  • Auch der Ölverbrauch lässt Rückschlüsse auf die gefahrenen Kilometer zu und passt oft nicht zu den Angaben.
  • Es existieren Tankbelege von einem Ort, der laut Fahrtenbuch nicht besucht wurde und Privatfahrten sind an diesem Tag nicht vorhanden. Oder: Die privat gefahrenen Kilometer zur Erreichung dieses Ortes sind zu gering.
  • Es existieren Tankbelege oder Parkquittungen von Tagen, an denen das Fahrzeug laut den Aufzeichnungen nicht bewegt wurde (eben mal kurz tanken muss auch eingetragen werden).
  • Der auf der Werkstattrechnung verzeichnete Kilometerstand stimmt nicht mit dem Stand im Fahrtenbuch überein. Daher immer darauf achten, dass der Kilometerstand bei einem Werkstattbesuch nicht geschätzt, sondern exakt abgelesen wird.
  • Jede Unterbrechung, jede nebensächliche Fahrt ist gesondert zu dokumentieren – will heißen: Fahrt von Essen nach München mit Tankstop lautet im Fahrtenbuch Essen – Aral-Tankstelle – München.
  • Der Abgleich der Kilometerstände gilt natürlich nicht nur für Werkstattaufenthalte, sondern auch für TÜV Untersuchungen und jedwede Art von Dokumentationen eines Kilometerstandes in Ihren Belegen.
  • Quittungen oder Rechnungen über den Einkauf von Büromaterial müssen identisch sein mit Ihrem Fahrtenbuch. Eine Unterbrechung der Fahrt von A nach B zum Kauf von Büromaterial: Siehe Beispiel Essen – München.
  • Schriftverkehr aus Ihrer Buchhaltung mit Anwälten, zum Beispiel in Ordnungswidrigkeitsdelikten muss übereinstimmen.
  • Fahrten zum Tanken stellen betriebliche Fahrten dar, das heißt die Fahrt Wohnung – Tanken – Büro ist nicht mehr eine Fahrt zwischen Wohnung und Arbeitsstätte, sondern eine Betriebsfahrt. Wir warnen aber vor Spitzfindigkeiten wie die Fahrt zur Tankstelle, täglich, 5,00 Euro … !

Quelle: Roland Franz & Partner, Steuerberater – Rechtsanwälte

Bausparkasse Schwäbisch Hall: Leitbild, Unternehmenskultur und Veränderung

„Unser Unternehmen hat sich seit der Einführung unseres letzten Leitbilds im Jahr 2000 stark verändert. Schwäbisch Hall ist heute keine reine Bausparkasse mehr, sondern ein moderner Finanzdienstleister. Und strukturell hat sich unser Haus in eine Firmengruppe gewandelt. Deshalb sollten wir unser Selbstverständnis überdenken.“

Zu dieser Erkenntnis gelangte laut Personalvorstand Ehrhard Steffen der Vorstand der Bausparkasse Schwäbisch Hall. Deshalb erteilte er dem „Marathon“ genannten Förderkreis für Kandidaten von Top-Führungspositionen den Auftrag, das bestehende Leitbild an die Entwicklung der Unternehmensrealität anzupassen und ein Konzept für das Einführen eines neuen Leitbilds zu entwerfen. Dieses neue Leitbild sollte

  • die Veränderungen im Unternehmen und Markt berücksichtigen und
  • die Entwicklung der Unternehmenskultur von Schwäbisch Hall in die gewünschte Richtung fördern.

Um sich ein Bild davon zu verschaffen, wie die Kultur aktuell von den Mitarbeitern gesehen wird und wo Änderungsbedarf besteht, führten die Marathon-Teilnehmer Interviews mit Mitarbeitern der verschiedenen Bereiche und Hierarchiestufen im Unternehmen. Dabei zeigt sich laut Stephanie Danhof, Leiterin der Abteilung Personalbetreuung und Personalentwicklung bei Schwäbisch Hall und damals selbst Marathon-Mitglied:

„Viele Mitarbeiter stehen einem neuen Leitbild skeptisch gegenüber. Zwar sehen sie die Notwendigkeit, sich aufgrund der Veränderungen mit dem Selbstbild zu befassen, und erachten eine Weiterentwicklung der Unternehmenskultur als nötig. Fraglich ist für sie aber, inwieweit von einem neuen Leitbild Veränderungsimpulse ausgehen.“

Einige Mitarbeiter, so Danhof, äußerten die Überzeugung:

„Das Leitbild wird nach seiner lautstarken Verabschiedung in der Schublade verstauben. Nur wenn der Vorstand erklärt: Auch wir sind bereit, unser Verhalten zu überdenken und gegebenenfalls zu verändern, könne eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Unternehmenswerten möglich sein.“

Teamentwicklung auf Vorstandsebene

Diese Bedenken spiegelte der Marathon-Kreis dem Schwäbisch Hall-Vorstand wider. Mehrere Gesprächsrunden folgten, bis die drei Vorstände einstimmig erklärten:

„Wenn wir von den Mitarbeitern eine Veränderung erwarten, sollten wir zuerst unsere Art der Zusammenarbeit und Mitarbeiterführung hinterfragen.“

Diesen Prozess unterstützte der Unternehmensberater Roman Forrer von der Satya Gruppe im schweizerischen Neuheim/Zug. Doch er knüpfte seine Zusage an Bedingungen:

  • In die Maßnahme werden auch die beiden Führungsebenen unter dem Vorstand einbezogen, also die Bereichs- und Abteilungsleiterebenen. Forrers Begründung: Ein Vorstand darf kein Elfenbeinturm-Dasein fristen. Er muss in der Organisation Wirkung entfalten. Und dies geschieht weitgehend über die Menschen, mit denen die Vorstandsmitglieder im Alltag am engsten kooperieren.
  • Der Vorstand muss bereit sein, sich dem kritischen Feedback der Führungsebenen zu stellen. Forrers Argument: Wenn der Vorstand wünscht, dass bei Schwäbisch Hall eine von Vertrauen geprägte Feedback-Kultur entsteht, dann müssen sich auch die Vorstandsmitglieder der Rückmeldung ihrer Kollegen und Mitarbeiter stellen.

Laut Forrer war der Vorstand „vom Wunsch erfüllt‚ etwas zu bewirken“. Deshalb akzeptierte er die Forderungen. Also traf sich der Unternehmensberater, nachdem er zuvor Einzelinterviews geführt hatte, mit dem gesamten Vorstand zu einer Klausurtagung. Gemeinsam wurde ermittelt, an welchen Punkten die Zusammenarbeit im Vorstand hakt, in welchen Situationen „Störgefühle“ auftreten.

Heraus kamen laut Forrer „ähnliche Dinge, wie man sie häufig auf der Vorstandsebene konstatiert“ – unter anderem partielles Silodenken, nicht ausreichende wechselseitige Information, Konfliktvermeidung, zu wenig Kommunikation mit den nachgelagerten Führungsebenen in punkto Ziele, Aufgaben, Erwartungen.

Außerdem unterzogen sich die Vorstände einer Profil-Analyse. Ermittelt wurde unter anderem: „Was motiviert die Vorstände und was treibt sie an?“ „Welche Denkmuster und Verhaltenmuster sind bei ihnen überproportional stark ausgeprägt?“ Oder salopp formuliert: Wie „ticken“ sie als Person? Die so erstellten Profile wurden im Vorstandskreis publik gemacht und besprochen. Deutlich wurde dabei, dass gewisse „Reibereien“ und Missverständnisse zumeist ihre Wurzeln in der Persönlichkeit der Vorstände haben. Die Folge: Die Vorstände vereinbarten Regeln für den künftigen Umgang miteinander.

Vorstände erhalten Feedback von Führungskräften

Im März 2009 fand dann ein Workshop mit allen Vorständen und Bereichsleitern statt. Im Vorfeld hatten einige Führungskräfte Bedenken geäußert, inwieweit es möglich sei, mit dem Vorstand offen über Defizite im Bereich Führung und Zusammenarbeit zu sprechen.

Deshalb wurde ein spezielles Workshop-Design gewählt. Nach einer kurzen Begrüßung der Anwesenden durch den Vorstandsvorsitzenden verließ der Vorstand den Raum. Die zurückgebliebenen Führungskräfte wurden von Forrer gebeten, auf mehreren Flipcharts ihre Meinung zu Aussagen zu notieren, wie:

  • „Dies wäre ein Top-Workshop, wenn wir am Ende darüber gesprochen hätten: ...“ Und:
  • „Wenn wir fortan optimal zusammenarbeiten würden, dann hätte sich Folgendes geändert: ...“

Danach berichteten die Vorstandsmitglieder laut Forrer „ungeschminkt“ im Plenum von ihrem Workshop. Welche Defizite auf der Vorstandsebene wurden konstatiert? Was sind die Ursachen hierfür? Und: Auf welche Regeln haben wir uns verständigt? So viel Offenheit machte die Bereichsleiter „sprachlos“, berichtet Forrer. Er ließ sie daraufhin folgende Fragen klären:

  • Was löst dieser Input bei uns aus – an Zuversicht und Bedenken?
  • Welche Anforderungen an uns stehen jetzt an?

Anschließend überlegten sich die Führungskräfte der verschiedenen Vorstandsbereiche in Kleingruppen:

  • Welches Feedback wollen wir den Vorständen geben? Und:
  • Welchen Beitrag wollen wir selbst zum Verbessern der (Zusammen-) Arbeit leisten?

Danach gaben die Gruppen den Vorständen ihre Rückmeldung – zunächst ihrem eigenen Vorstand, dann den beiden anderen Vorstandsmitgliedern. In diesen Gesprächen wurde laut Forrer „Tacheles“ geredet. Dies war seines Erachtens nur möglich, weil der Vorstand durch seinen Bericht über den eigenen Workshop den Führungskräften signalisiert hatte: Wir wollen eine ehrliche Rückmeldung. Denn nur, wenn die Knackpunkte benannt werden, kann sich etwas ändern.

Nach diesem Feedback erstellten die Vorstände mit den Führungskräften eine Stärken-Schwächen-Analyse der unternehmensweiten Zusammenarbeit und verständigten sich darauf, was sich ändern solle. Diese Punkte wurden in einem Themenspeicher festgehalten.

Intranet-Redaktion: Inhalte für das Intranet planen, organisieren und strukturieren

Wer kümmert sich eigentlich um das Intranet?

Ein Intranet benötigt Anleitung. Weder pflegt es sich von allein noch lebt es von nutzergenerierten Inhalten. Deshalb muss es einen zentralen Ansprechpartner geben, der die Inhalte plant, pflegt und koordiniert. Er verantwortet die inhaltliche Ausgestaltung des Intranets und ist Orientierungsgeber für Redakteure, Mitarbeiter und die Geschäftsführung. Da hier sehr unterschiedliche Zielgruppen aufeinanderstoßen, muss sich der zentrale Ansprechpartner mit sämtlichen Ansprüchen und Anforderungen permanent auseinandersetzen und Maßnahmen ableiten. Dies sollte in Form eines Jour Fixes wie auch mit entsprechenden Protokollen und Konzeptpapieren stattfinden.

Zielgruppen des Intranets

Hauptsächlich die Mitarbeiter eines Unternehmens, aber auch die Geschäftsführung, sollen das Intranet regelmäßig nutzen und sich an der Mitgestaltung beteiligen. Während die Mitarbeiter vor allem auf Mehrwert, Aktualität und Austausch bauen, verfolgt die Geschäftsführung im Regelfall die gezielte Informationsverbreitung sowie das Wissensmanagement. Die jeweiligen Ansprüche müssen vom Intranet-Verantwortlichen festgehalten und in das Gesamtkonzept aufgenommen werden. Dann heißt es, den goldenen Mittelweg zu finden. Denn weder soll das Intranet als bloße Informationsschleuder, noch als privater Marktplatz gebraucht werden.

Die Redakteure müssen eine Dynamik der Inhalte schaffen. Die Mischung zwischen Aktualität, Wissen und Interaktion hilft, Mitarbeiter auf dem Laufenden zu halten und sie gleichzeitig in das Geschehen so zu involvieren. Die Anforderungen der Mitarbeiter an das Intranet variieren in jedem Unternehmen. Um festzustellen, welche Inhalte gerne gelesen oder welche Funktionen genutzt würden, kann eine Mitarbeiterumfrage sinnvoll sein. Auf dieser aufbauend lassen sich sowohl die Informationsarchitektur als auch die redaktionellen Inhalte näher bestimmen.

Redaktionsleitbild und Redaktionsleitfaden

Das oberste redaktionelle Gebot, das zudem für jegliche Web-Inhalte gilt, ist Qualität. Sind die präsentierten Informationen wertvoll und relevant für den Nutzer, wird er sich gerne mit ihnen auseinandersetzen. Folgende Inhalte sollten in jedem Fall für das Intranet berücksichtigt werden:

  • Neuigkeiten (zum Beispiel Pressemeldungen, Interviews, Geschäftsberichte)
  • Wissensbeiträge (zum Beispiel Fachbegriffe, Fachartikel, Produktbeschreibungen)
  • Service-Elemente (zum Beispiel Formulare, Kontaktmöglichkeiten, Datenbank-Anbindungen)
  • Visuelle Elemente (zum Beispiel Fotos, Videos, Icons)
  • Community-Inhalte (zum Beispiel Kommentar- und Bewertungsfunktionen, eigene Beiträge)

Welche Bereiche und Themen wie stark redaktionell dargestellt werden sollen ist in einem Redaktionsleitbild festzuhalten. Hier wird der gesamte thematische Überbau festgelegt. Das Redaktionsleitbild untermauert das inhaltliche Selbstverständnis. Welche Ziele werden verfolgt, wie können diese innerhalb der Corporate Communication erreicht werden, welche Funktionen sollen hervorgehoben werden und wer ist für alles verantwortlich?

Um diese Vorgaben im Arbeitsalltag umsetzen zu können und auch, um eine Redaktion mit vielen Redakteuren strategisch anleiten zu können, ist der Einsatz eines Redaktionsleitfadens ratsam. Er ist maßgeblich für die gesamte redaktionelle Arbeit und legt im Detail fest, wie kommuniziert werden soll. Der Leitfaden dient zur Orientierung der Redakteure und zur Qualitätssicherung. Hier werden Themen wie Wording, Bildverwendung, Intervalle, Freigabeprozesse, Textlänge, Themenvorgaben oder Nutzerbetreuung behandelt. In ihm kann gleichfalls ein Style-Guide integriert werden, der die Gestaltungsrichtlinien des Intranets vorgibt. 

Mitarbeiterbetreuung im Intranet

Besonders die Interaktions- und Kommunikationsmöglichkeiten sind im Intranet nicht zu vernachlässigen. Hierfür allerdings sollte es klare Richtlinien geben, denn in großen Unternehmen können von Nutzern generierte Beiträge und Diskussionen schnell aus dem Ruder laufen. Auch mit Kritik muss gerechnet werden. Ob diese in aller Öffentlichkeit von der Geschäftsführung in dieser Form gewünscht ist, muss abgeklärt werden. Wenn Nutzer die Möglichkeit erhalten, im Intranet ihre Meinung kundzutun oder zum Beispiel Fragen stellen, sollten diese Beiträge systematisch betreut und bearbeitet werden.

Zur Mitarbeiterbetreuung im Intranet zählt auch das Angebot zur Weiterentwicklung der Nutzer. Wie kann er das Intranet gezielt im Arbeitsalltag einsetzen, es zu einem praktischen Instrument machen und es selbst mitgestalten? Hier müssen so viele Optionen wie möglich geschaffen werden, damit der Mitarbeiter erkennt, dass das Intranet ein nützlicher Kommunikations- und Informationskanal für den Arbeitsalltag sein kann. Auch sollte ihm ausreichend Zeit zur Verfügung gestellt werden, damit er sich mit den Inhalten beschäftigen und eigenes Wissen bereitstellen kann. Der Stellenwert des Intranets im Unternehmen sollte entsprechend hoch bewertet werden. Für die Einbindung des Intranets in den Kommunikationsalltag des Unternehmens ist im Regelfall die Unternehmenskommunikation zuständig.

Themen- und Zeitplanung

Wie bei jeder Online-Redaktion ist es mit der gelegentlichen Pflege von Inhalten im Web nicht getan. Online-Leser erwarten Aktualität und Exklusivität. Ebenso möchten sich die meisten Mitarbeiter eines Unternehmens gerne regelmäßig und tiefgehend informieren. Das Intranet sollte in keinem Fall lediglich nur zur Aufbereitung bereits bestehender redaktioneller Inhalte aus anderen Unternehmensmedien genutzt werden. Damit der Mitarbeiter Anreize hat, sich permanent mit den redaktionellen Inhalten zu beschäftigen, sollten neue und spannende Artikel produziert werden. Es empfiehlt sich der Einsatz eines Redaktionsplans, der speziell auf das Intranet abgestimmte Themen aufführt. Auch Themenkomplexe wie Wissensmanagement und Serviceangebote werden berücksichtigt. Ein Mitarbeiter wird das Intranet eher aufrufen, wenn er täglich oder zumindest mehrmals wöchentlich Neuigkeiten und Anhaltspunkte erfährt, als wenn er nur selten eine Nachricht erwarten darf.

Die Vorabankündigung neuer Inhalte kann helfen, den Mitarbeiter auf Dauer zum Besuch des Intranets zu motivieren. Außerdem sollte regelmäßig überprüft werden, wie Inhalte wahrgenommen werden, wo Verbesserungspotenziale liegen und inwieweit die Mitarbeiter wirklich eingebunden werden möchten. Das Intranet ist, wie bereits eingangs erwähnt, eine sehr individuelle Angelegenheit. Jedes Unternehmen verfolgt eigene Ziele und Kommunikationsprozesse. Ein gutes Intranet sollte vorhandene Strukturen stützen und ergänzen und somit einen wertvollen und unabdingbaren Kommunikationskanal darstellen.

Projektmanagement-Laufbahn: Projektleiter sind Multitalente

Herr Müller arbeitet in der Abteilung Forschung und Entwicklung eines mittelständischen Automobilzulieferers. Nachdem er fünf Jahre als Konstrukteur für das Unternehmen tätig war, bot ihm der Bereichsleiter eine neue Aufgabe an – wegen seiner hervorragenden fachlichen Leistungen. Herr Müller könne ein Entwicklungsprojekt für einen führenden deutschen Automobilhersteller leiten. Der Diplom-Ingenieur nahm das Angebot an und startete hoch motiviert in das neue Aufgabenfeld. Doch bereits nach wenigen Wochen stellte er ernüchtert fest: Ein Projekt zu leiten, erfordert nicht nur eine neue Arbeitsweise. Es verlangt von mir auch Fähigkeiten, die ich noch gar nicht habe.

Ähnliche Geschichten erzählen Projektleiter immer wieder, wenn man sie nach ihrem Werdegang fragt – unabhängig von der Branche, in der sie tätig sind. Der Grund: Projektleiter werden oft wegen ihrer hervorragenden fachlichen Leistungen auserkoren. Verkehrt ist das nicht. Denn Projektleiter müssen auch technische Details verstehen und die Richtigkeit sowie Qualität von Projektergebnissen prüfen können. Häufig wird jedoch vergessen: Projektleiter benötigen mehr als nur Fach-Know-how. Im Idealfall füllen sie vier Rollen aus.

Erste Rolle: der Fachmann

Die fachlichen Anforderungen erfüllen die meisten Projektleiter. Sie sind in der Lage, technische sowie fachliche Details zu verstehen, zu bewerten oder auch selbst auszuarbeiten. Diese Feldkompetenz und Branchenkenntnis erleichtert einem Projektleiter die tägliche Arbeit enorm, da er Zusammenhänge schneller durchdringt, als ein „Fachfremder“.

Zweite Rolle: der (Projekt-)Manager

Ein Projektleiter braucht auch methodisches Know-how. Genauer gesagt: Projektmanagementkompetenz. Deshalb schicken Unternehmen frischgebackene Projektleiter oft zu Projektmanagementweiterbildungen. Dies sind entweder interne Schulungen oder zertifizierte Seminare bei externen Dienstleistern. Die Projektleiter lernen dort das Instrumentarium zum Planen und Steuern von Projekten kennen. Unerlässlich ist das Beherrschen von Methoden, unter anderem für folgende Aufgaben:

  • Ziel und Auftrag klären,
  • Projektstrukturplan entwerfen,
  • Aufwand schätzen,
  • Terminplan erstellen,
  • Ressourcen planen,
  • Kosten kalkulieren und
  • Risiko managen.

Dritte Rolle: die Führungskraft

Projektleiter sind Führungskräfte. Die Praxis zeigt jedoch: Gerade den „weichen“ Themen wird in den Weiterbildungen wenig Beachtung geschenkt. Der Fokus liegt in ihnen in der Regel auf der Fach- und Methodenkompetenz. Ein Projektleiter muss aber auch ein Team führen. Zudem sollte er in der Lage sein, die sich teils widersprechenden Interessen von Kunden, Vorgesetzten, involvierten Abteilungen und den eigenen Projektmitarbeitern zu managen. Der Umgang mit den verschiedenen Stakeholdern eines Projektes erfordert ein hohes Maß an sozialer Kompetenz. Das wird in vielen Unternehmen beim Ernennen von Projektleitern nicht ausreichend berücksichtigt. Häufig wird dabei nach der Maxime verfahren: „Das lernt der neue Projektleiter mit der Zeit schon von selbst.“ Doch diese (Lern-)Zeit kostet Geld, gerade in Projekten.

Denn Projektleiter stehen beim Wahrnehmen ihrer Aufgaben vor vielen komplexen Fragen sowie Herausforderungen, für die sie zumindest Lösungsansätze brauchen. Einige seien beispielhaft genannt.

Projektteam:

  • Wie besetze ich mein Projektteam so, dass sich die Fähigkeiten der Mitarbeiter optimal ergänzen?
  • Welche Phasen durchläuft ein neu formiertes Team, bevor es ein echtes Team bildet, und worauf muss ich in diesem Prozess als Führungskraft achten?

Stakeholder:

  • Welche Stakeholder gibt es? Wie stehen diese zu dem Projekt und welche Handlungsstrategien sollte ich individuell anwenden?
  • Wie gehe ich mit Widerständen von Mitarbeitern oder Kollegen um, die von den Auswirkungen des Projekts betroffen sind?

Konflikte:

  • Wie erkenne ich Konflikte, aus denen Probleme erwachsen könnten, bereits in einer frühen Phase, sodass ein präventives Eingreifen möglich ist?
  • Welche Handlungsoptionen habe ich, wenn ein Konflikt eskaliert?

Vierte Rolle: der Unternehmer

Projektleiter sind Unternehmer. Sie sind, wenn auch nur für eine begrenzte Zeit, „Geschäftsführer“ eines Projektes. Und genau wie die Führungsspitze eines Unternehmens müssen auch sie, die Budgets ihrer Projekte planen und mit ihnen wirtschaften. Weitere unternehmerische Tätigkeiten eines Projektleiters sind:

  • Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen durchführen,
  • die Risiken des Projekts identifizieren und bewerten sowie
  • Handlungsstrategien entwickeln.

Zudem sollte ein Projektleiter sein Projekt mit „Marketingaktivitäten“ innerhalb (und gegebenenfalls außerhalb) des Unternehmens bekannt machen und „gut verkaufen“. Gerade in diesen Punkten besteht ein großer Nachholbedarf: Projektleiter mit der nötigen Unternehmerpersönlichkeit sowie der Fähigkeit, unternehmerisch zu handeln, sind eher die Ausnahme.

Die verschiedenen Rollen des Projektleiters

Projektleiter Schritt für Schritt entwickeln

Unternehmen stehen vor der Herausforderung, Projektleiter entsprechend diesen Rollenanforderungen gezielt zu entwickeln. Hierfür gilt es, Trainingsprogramme zu entwickeln und auf die jeweilige Situation des Unternehmens abzustimmen. Zuvor sollte das Unternehmen jedoch eine Projektleiterlaufbahn entwerfen und in der Organisation implementieren. Diese kann von Unternehmen zu Unternehmen verschieden gestaltet sein. Sie sollte jedoch mindestens die drei folgenden Entwicklungs- beziehungsweise Karrierestufen enthalten:

  1. Projektteammitarbeiter: Er ist Mitglied des Projektteams. In dieses bringt er seine jeweilige Fachexpertise ein. Er benötigt Grundkenntnisse des Projektmanagements, um eine gemeinsame „Projektsprache“ mit den Projektkollegen zu sprechen.
  2. (Junior-)Projektleiter: Er leitet zum ersten Mal ein kleines oder nach mehrjähriger Erfahrung ein mittelgroßes Projekt in Bezug auf Budget und Komplexität. Die als Projektmitarbeiter gewonnenen Grundkenntnisse gilt es im Rahmen dieser Funktion zu vertiefen und mit verschiedenen Softskill-Themen zu ergänzen.
  3. Senior Projektleiter: Er verfügt über eine langjährige Erfahrung im Projektmanagement. Er kann komplexe Projekte oder ein gesamtes Projektportfolio managen. Aufgrund seiner Erfahrung und Persönlichkeit hat er sich über die Jahre hinweg zu einem Unternehmer im Unternehmen entwickelt.

Die Projektleiterlaufbahn soll den Mitarbeitern einen Entwicklungs- und Karriereweg neben der Fach- und Führungskräftelaufbahn eröffnen. Um gute Mitarbeiter für diese Laufbahn zu gewinnen, sollten Unternehmen diese genauso attraktiv gestalten wie die Linienlaufbahnen. Das heißt, gleiche Möglichkeiten hinsichtlich Weiterbildung, Umfang an Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortung sowie Gehalt. 

Die nötigen Skills gezielt vermitteln

Projektteammitarbeiter benötigen in der Regel nur ein gewisses Basiswissen in Sachen Projektmanagement – vor allem damit sie dasselbe Projektmanagement-Verständnis wie ihre Kollegen haben und mit den im Projekt verwendeten Tools arbeiten können. Anders sieht es bei Projektleitern aus, da sie vor komplexeren Herausforderungen stehen. Sie müssen auf das Wahrnehmen der genannten vier Rollen gezielt vorbereitet werden. Unerlässliche Trainingsinhalte sind unter anderem:

  • Vertiefung des Projektmanagement-Know-hows (unter anderem Methoden, Instrumente),
  • Führen in Projekten,
  • Konfliktmanagement,
  • soziale Intelligenz in Projekten,
  • Präsentieren für Projektleiter sowie
  • Besprechungen und Workshops moderieren.

Hat sich ein (Junior-)Projektleiter in verschiedenen kleinen und mittelgroßen Projekten bewährt, kann das Unternehmen ihn allmählich zum Senior Projektleiter entwickeln, der komplexe Projekte und Projektportfolios managen kann. Inhalte, die einem Projektleiter, der vor diesem Entwicklungsschritt steht, vermittelt werden sollten, sind unter anderem:

  • unternehmerisches Denken und Handeln,
  • Multiprojekt-Management,
  • internationales Projektmanagement,
  • Krisenmanagement sowie
  • Vertragsrecht für Projektmanager

Generell sollten sich Unternehmen immer wieder vor Augen führen, dass für Projektleiter ebenso wie für Führungskräfte gilt: Sie fallen nicht vom Himmel, sie reifen allmählich. Und in diesem Entwicklungsprozess müssen sie gezielt unterstützt werden – gerade weil die Projekte, deren Leitung sie übernehmen, meist über den künftigen Erfolg des Unternehmens entscheiden.

Kooperation initiieren: Barrieren zwischen Teams abbauen und besser zusammenarbeiten

Globalisierung und Internet lassen die Menschen in den Unternehmen immer mehr zusammenrücken. Es scheint kaum noch Grenzen zu geben, wenn es darum geht, mit anderen zu kommunizieren, sich auszutauschen, zusammenzuarbeiten. Doch dieser erste Blick täuscht. Denn fast jeder weiß aus seinem Arbeitsumfeld, wie viele Barrieren es immer noch gibt. Manchmal scheinen sich die Gräben sogar noch vertieft zu haben, weil vieles komplexer geworden ist. Das verursacht Ängste und Unsicherheit bei vielen Mitarbeitern. Sie ziehen sich zurück und grenzen sich ab.

Die Folge: Die Zusammenarbeit zwischen Teams (und oft auch innerhalb der Teams) funktioniert nicht. Die Teammitglieder kommen mit ihrer Arbeit nicht voran, sie fühlen sich gebremst. Abläufe funktionieren nicht und sind nicht aufeinander abgestimmt. Informationen werden nicht weiter gegeben, die Teams beäugen sich misstrauisch. Die Mitarbeiter leisten weniger, als sie eigentlich könnten. Das Konfliktpotenzial steigt. Die meisten merken das und sind frustriert.

So entstehen mehr Barrieren, obwohl alle das Gegenteil predigen. Viele der Barrieren sind gar nicht so offensichtlich. Sie müssen identifiziert werden. Erst dann lassen sich diese Fragen beantworten: Wie lassen sich solche Abgrenzungen zwischen Teams und Abteilungen und das Unverständnis für die Belange der Lieferanten und Kunden überwinden? Wie können die Rahmenbedingungen für die tägliche Arbeit verbessert werden?

Chris Ernst und Donna Chrobot-Mason vom Center for Creative Leadership (Greensbori, North Carolina) und der University of Cincinnati sind diesen Fragen nachgegangen. Sie haben dafür Tausende von Managern befragt, um die wichtigen Barrieren zu identifizieren und mögliche Lösungen zu entwickeln, wie diese überwunden werden können. Ihre Erkenntnis: In der modernen Welt kommt es ganz besonders auf die Manager und Führungskräfte an, die in der Lage sind, diese Barrieren zu überwinden, Brücken zu schlagen und scheinbar Gegensätzliches zu verbinden. Im Englischen gibt es dafür den Begriff des Boundary Spanning.

Das macht das Leben der Teams in Unternehmen so schwer

Die Wissenschaftler haben fünf typische Barrieren entdeckt, die das Leben und Arbeiten zwischen Teams, Arbeitsgruppen und Abteilungen in Unternehmen schwer machen, die Abläufe bremsen und verzögern und die Kommunikation behindern. Dazu gehören:

  • Hierarchien: Sie drückt sich in Organigrammen und der Zuordnung von Entscheidungsbefugnissen auf unterschiedlichen Hierarchiestufen aus. Je nach Größe des Unternehmens sind sie mal mehr, mal weniger stark ausgeprägt. Große Leitungsspannen, also Vorgesetzte, die viele Mitarbeiter haben, erschweren die Kommunikation genauso wie unklare Befugnisse und verschlungene Entscheidungswege. Die Teams und ihre Mitglieder wissen nicht so recht, wofür sie stehen und was sie dürfen.
  • Abteilungsgrenzen: Es ist schon eine uralte Metapher, dass Abteilungen hinter Mauern sitzen, die Mitarbeiter in Silos arbeiten und mit Nachbarabteilungen wenig zu tun haben wollen. Informationen fließen spärlich, man beäugt sich misstrauisch und stimmt sich selten ab. Oft kommt es zu Konflikten.
  • Stakeholder: Diese Grenzen zwischen Abteilungen gibt es auch nach außen zu den sogenannten Stakeholdern. Die Zusammenarbeit mit Lieferanten oder Kunden funktioniert nicht, weil die Schnittstellen nicht zusammenpassen und die Prozesse nicht aufeinander abgestimmt sind. Es besteht ein Misstrauen gegenüber anderen Stakeholdern wie Banken und Behörden, sodass es immer wieder zu Reibungen und Konflikten kommt.
  • Demografie und Mitarbeiterstruktur: Alle Mitarbeiter sind anders. Das zeigt sich vor allem dann, wenn sie zusammen arbeiten und miteinander auskommen sollen. Unterschiede gibt es beim Alter, beim Geschlecht, bei ihrem kulturellen Hintergrund. Die Zusammenarbeit von Jung und Alt funktioniert nicht immer reibungslos. Frauen tun sich in einer männlich dominierten Gruppe oft schwer und bleiben von Karrierepfaden ausgeschlossen. Projektteams mit Mitgliedern aus unterschiedlichen Ländern pflegen untereinander Vorbehalte und entwickeln kein Verständnis füreinander.
  • Geografie: Die Welt ist rund. Und deshalb fällt es den global aktiven Unternehmen schwer, ihre Prozesse gut aufeinander abzustimmen. Lieferanten in China, Kunden in Südamerika, die Zentrale in London, Forschung und Entwicklung in München. Auch mit E-Mail und Internet lässt sich nicht alles koordinieren; es ist sehr aufwendig, alle jeweiligen Landesbestimmungen zu berücksichtigen oder Zeitzonen zu überwinden.

Viele dieser Barrieren, Grenzen, Gräben und Differenzen, die Ernst und Chrobot-Mason in ihrem Beitrag „Flat World, Hard Boundaries – How To Lead Across Them [39] “ (MIT Sloan Management Review, Spring 2011) beschreiben, sind hinlänglich bekannt aus eigener Erfahrung und aus jahrzehntelanger wissenschaftlicher Analyse. Manche sind schon Klassiker der Ineffizienz. Am Ende steht trotzdem auch heute noch die Einsicht: Sie sind immer da.

Diese Barrieren und Grenzen lassen sich nicht so einfach oder gar nicht aufheben. Aufgabe des Managements ist es, ihre Auswirkungen, das Bremsen, Behindern, Erschweren, Vermeiden, Unterdrücken, zu verringern. Das stellt neue Anforderungen an die Kompetenzen der Manager und Führungskräfte. Ernst und Chrobot-Mason haben mit ihren Analysen Lösungen und Werkzeuge entdeckt, mit denen das gelingen kann.

De-Mail: Elektronischer Brief auf dem Vormarsch

De-Mail beschleunigt E-Government

Schon jetzt gehen Experten davon aus, dass die De-Mail gegenüber der bisherigen E-Mail einen Quantensprung bezüglich Sicherheit bedeutet. Das Prinzip: De-Mail soll ein zuverlässiges Verfahren für die elektronische Kommunikation zwischen Bürgern, Unternehmen und Behörden bieten und unter anderem eine beweiskräftige Versand- und Zustellbestätigung ermöglichen. Diese elektronische Form des Einschreibens ist zum Beispiel bei Terminsachen hilfreich, denn dadurch können viele Briefsendungen oder persönliche Besuche im Amt künftig durch E-Mails ersetzt werden.

Nach Berechnungen des Bundesinnenministeriums könnten allein durch wegfallende Porto-, Druck- und Verpackungskosten im öffentlichen und privaten Bereich Kosten von bis zu 1,4 Milliarden Euro pro Jahr eingespart werden. De-Mail darf nur von Providern betrieben werden, die vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zertifiziert und akkreditiert wurden. Das BSI überprüft außerdem in regelmäßigen Abständen die Sicherheit der eingesetzten Produkte sowie die Zuverlässigkeit der Organisation und der Prozesse bei den Providern.

Funktionsprinzip von De-Mail

Bei der De-Mail erinnert Vieles zunächst an eine herkömmliche E-Mail. Gleichzeitig werden das Briefgeheimnis und die rechtliche Verbindlichkeit der Papierpost ins Internet übertragen. De-Mail sieht zum einen eine standardmäßige Transportverschlüsselung und darüber hinaus eine zusätzliche Ende-zu-Ende-Verschlüsselung als Option vor.  Dabei werden die Nachrichten aus technischen Gründen auf einem hochsicheren Server innerhalb des Bruchteils einer Sekunde ent- und wieder verschlüsselt. Dieses Verfahren wurde vom BSI geprüft und auf Basis höchster internationaler Sicherheitsstandards bestätigt. Experten schlagen Sicherheitsbedenken deshalb in den Wind.

Im Gegenteil: De-Mail würde die Sicherheit von Mails schon dadurch erhöhen, dass bei einer De-Mail der Absender eindeutig identifiziert werden könne. Da sich der Inhaber eines De-Mail-Kontos bei der Eröffnung mit dem neuen Personalausweis oder über das PostIdent-Verfahren ausweisen muss, kann der Versender eindeutig festgestellt werden. Auch das Spam-Aufkommen lasse sich durch die eindeutige Identifizierung des Versenders eindämmen. Dies gelte vor allem für besonders gefährliche Phishing- und Trojaner-Attacken, die auf die Anonymität der E-Mail setzen.

Hinweis

Der Begriff „De-Mail“ wird nicht wie vielleicht angenommen „Di-Mail“ ausgesprochen, sondern getrennt: „D-E-Mail“.

Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite der Beauftragten des Bundes für die Informationstechnik:

http://www.cio.bund.de/DE/IT-Projekte/De-Mail/demail_node.html [40]

Mit der Verabschiedung des Gesetzes haben sich auch die Kritiker der De-Mail wieder zu Wort gemeldet. Sie weisen auf die Lücken und Probleme hin, die das Verfahren hat. Das sind insbesondere:

  • Der ganze Prozess ist doch nicht so sicher, wie behauptet wird. Die Regierung hat ein vereinfachtes Verfahren ermöglicht, zu dem es eine sicherere Alternative gegeben hätte.
  • Der Eingang einer De-Mail gilt als Empfang. Wer sein E-Mail-Postfach also nicht regelmäßig überprüft und De-Mails liest (weil er im Urlaub ist oder aus anderen Gründen keinen Zugang zum Internet hat), kann wichtige Fristen versäumen. Die De-Mail hat die gleiche Funktion wie ein Einwurfeinschreiben.

So sollte jeder Anwender prüfen, ob er beispielsweise im Briefverkehr mit Behörden vollständig auf die De-Mail setzt und sein entsprechendes Einverständnis dafür gibt.

Kommunikation: Meetings und Besprechungen effektiv gestalten

Arbeitsalltag vieler Führungskräfte und Projektmitarbeiter. Kaum ist ein Meeting beendet, steht das nächste im Kalender. Und kaum ist dieses vorbei, ist erneut eine Besprechung anberaumt. Mehr als die Hälfte ihrer Arbeitszeit verbringen viele Führungskräfte in Meetings. Ähnlich ist dies bei Mitarbeitern, die größere Projekte leiten.

Oft haben Mitarbeiter denn auch abends, wenn sie den Tag Revue passieren lassen, das unbefriedigte Gefühl: Ich habe heute nichts getan, außer mit Leuten zu schwatzen. Zudem haben sie das Gefühl: Was hätte ich in der Zeit Wichtiges erledigen können. Insbesondere dann, wenn sie registrieren: Vieles, was in den Meetings besprochen wird, wird nicht realisiert.

Oft klagen Fach- und Führungskräfte über die zunehmende „Meeting-itis“ in ihren Unternehmen. Hierfür gibt es Ursachen. Je enger und bereichsübergreifender die Mitarbeiter eines Unternehmens zusammenarbeiten, umso größer ist der Abstimmungsbedarf. Und: Je schneller sich das Unternehmensumfeld wandelt, umso häufiger muss sich die Führungsmannschaft zusammensetzen, um sich auf neue Problemlösungen zu verständigen.

Doch viele Meetings könnten ersatzlos gestrichen werden, wenn die verbleibenden effektiver gestaltet würden. Zudem könnte ihre Dauer verkürzt werden, wenn sie nicht zuweilen wie ein Kaffeeklatsch verliefen. Mehrere Personen treffen sich und parlieren weitgehend ziel- und strukturlos miteinander. Und dann gehen sie wieder auseinander, ohne dass etwas vereinbart wurde – außer dem nächsten Treffen. Deshalb zur Erinnerung der Hinweis: Meetings sind Arbeitstreffen, bei denen bestimmte Ziele erreicht werden sollen – in möglichst kurzer Zeit. Entsprechend sollten sie gestaltet sein. Hierfür einige Tipps.

Tipp 1: Erstellen Sie eine Agenda und definieren Sie die Ziele

Das erscheint selbstverständlich. Ist es aber nicht. Oft sagt bei Meetings ein Teilnehmer, kaum sind die geladenen Personen im Raum: „Lasst uns loslegen. Ich muss noch ...“ Und weil dies bei den anderen ähnlich ist, stürzen sich alle auf das erstbeste Thema. Wild debattieren sie darüber, ohne vorab zu klären:

  • Was müssen wir heute besprechen?
  • Welches sind die wichtigsten/dringlichsten Themen?
  • Welche Ziele wollen/können wir erreichen?
  • Welches Vorgehen ist sinnvoll?

Entsprechend unstrukturiert verläuft das Gespräch. Auch weil einige Teilnehmer zwar bereits körperlich, aber noch nicht geistig im Raum sind. Also überhören sie manches. Und entsprechend viele Rückfragen stellen sie später.

Oft haben die Teilnehmer zudem einen unterschiedlichen Kenntnisstand. Auch ihre Erwartungen sind verschieden. Einige möchten „Nägel mit Köpfen“ machen, andere nur mögliche Lösungen ausloten. Also rufen sie, wenn ihre Kollegen auf Beschlüsse drängen: „Stopp. Ich dachte, ...“

Verständigen Sie sich deshalb zu Beginn eines Meetings über die Tops, also Tagesordnungspunkte, und die damit verbundenen Erwartungen/Ziele. Auch das Vorgehen sollten Sie erörtern. Und stellen Sie einen Zeitplan auf. Dann haben alle die gewünschte Orientierung.

Tipp 2: Gehen Sie die Tops vorab durch und ändern Sie, sofern nötig, die Agenda

Das wird oft vergessen – speziell dann, wenn vor dem Meeting schon andere stattfanden und die Teilnehmer schriftlich eingeladen wurden. Dann nimmt der Leiter der Besprechung meist an: Allen ist klar, worüber wir sprechen. Und völlig überrascht ist er, wenn plötzlich ein Teilnehmer zum Beispiel sagt: „Ich dachte, wir sprächen heute über das Thema ...“. Gehen Sie deshalb zu Beginn eines Meetings mit den Teilnehmern die Themen durch. Sorgen Sie dafür, dass Einigkeit über die Inhalte und Zielsetzungen besteht, und ändern Sie, sofern nötig, die Agenda.

Tipp 3: Klären Sie die Reihenfolge, in der die Tops behandelt werden

Dies ist nötig, weil die Themen oft zusammenhängen. So erübrigt es sich zum Beispiel häufig, über Investitionen zu debattieren, wenn der Bericht des Controllers zeigt: Unsere Kasse ist leer. Aber auch, wenn zwischen den Themen kein Zusammenhang besteht, sollten Sie mit den Teilnehmern klären, in welcher Reihenfolge diese besprochen werden. Denn aufgrund ihrer Position im Unternehmen messen sie ihnen eine unterschiedliche Bedeutung bei. Deshalb besteht, wenn Sie nicht abstimmen, was als Erstes und was später behandelt wird, die Gefahr: Einige Teilnehmer sind sauer, weil „ihre“ Themen am Schluss erörtert werden. Und restlos verärgert sind sie, wenn „ihre“ Themen, weil die Zeit knapp wird, nur noch im Schnelldurchgang behandelt oder gar vertagt werden. Entsprechend gering ist nach dem Meeting ihre Motivation, Beschlüsse umzusetzen.

Tipp 4: Visualisieren Sie komplexe Zusammenhänge und halten Sie Zwischenergebnisse fest

Bei vielen Meetings kommen solche Präsentationsmedien wie Flipcharts, (Moderations-)Tafeln und Projektoren nur zum Einsatz, um die Teilnehmer beispielsweise über die Ergebnisse zwischenzeitlicher Arbeitstreffen zu informieren. Werden die Vorschläge jedoch ausgearbeitet und ihre Vor- und Nachteile erörtert, stehen die Medien ungenutzt herum. Die Folge: Endlose Debatten, bei denen immer wieder dieselben Argumente vorgetragen werden. Sei’s, weil die Zwischenergebnisse nicht festgehalten wurden, oder die Teilnehmer die Zusammenhänge nicht „vor Augen“ haben. Für solche Diskussionen gilt in der Regel: Nicht die besten Lösungen, sondern die ausdauerndsten Redner gehen aus ihnen als Sieger hervor.

Tipp 5: Fixieren Sie schriftlich, wer was bis wann tut

Oft wird in Meetings irgendwann die Zeit knapp, und die Teilnehmer blicken immer häufiger auf die Uhr. Entsprechend hastig erfolgt die Maßnahmenplanung, weil jeder denkt: Den anderen wird schon klar sein, was es zu tun gilt. Die Folge: Vieles, von dem alle denken, es sei beim nächsten Meeting erledigt, ist dann nicht erledigt. Auch weil ohne Maßnahmenplan zwischenzeitlich kein Check möglich ist, ob die nötigen Initiativen ergriffen wurden, um die vereinbarten Aufgaben zu erfüllen. Entsprechend mies ist beim nächsten Meeting von Anfang an die Stimmung, weil jeder denkt: Jetzt müssen wir darüber erneut debattieren.

Tipp 6: Fassen Sie die Ergebnisse zusammen und holen Sie ein Feedback ein. Danken Sie den Teil-nehmern für ihre Arbeit

Weil bei vielen Meetings die Zeit aus dem Ruder läuft, eilen die Teilnehmer nach deren Ende auseinander wie eine aufgeschreckte Rinderherde. Weder werden die Teilnehmer für ihre Arbeit gelobt, noch werden sie auf Dinge hingewiesen, die nicht optimal verliefen. Auch erhalten sie nicht die Chance, sich positiv oder negativ über den Verlauf des Meetings zu äußern. Auch eine Zusammenfassung dessen, was geleistet oder erreicht wurde, erfolgt nicht.

Die Folge: Jeder kehrt an seinen Arbeitsplatz zurück und hat in der Hektik des Alltags schnell das Besprochene vergessen. Und wenn ein Kollege nach dem Meeting fragt, lautet die Antwort: „Wie soll’s gewesen sein? Wir haben mal wieder endlos ...“ Ähnlich ist es, wenn sich zwei Teilnehmern zufällig treffen – sei’s im Flur oder in der Kantine. Auch dann wird über das Meeting gesprochen – aber nicht über das Erreichte, sondern darüber, wie unstrukturiert es verlief und was man besser machen könnte. Doch beim nächsten Meeting ist dies vergessen. Also verläuft alles wie beim letzten Mal.

Datenschutz: Mindestanforderungen an die Qualifikation des Datenschutzbeauftragten

Was ist der Düsseldorfer Kreis?

Der Düsseldorfer Kreis ist der inoffizielle Zusammenschluss der Datenschutz-Aufsichtsbehörden im Unternehmensbereich (so genannte „nicht-öffentliche Stellen“). Der Düsseldorfer Kreis veröffentlicht regelmäßig Stellungnahmen zur Vereinheitlichung der aufsichtsrechtlichen Praxis.

Leitbild des Datenschutzbeauftragten nach dem Bundesverband

Der Bundesverband der Datenschutzbeauftragten hat ein Leitbild zum Tätigkeitsfeld [41]  des Datenschutzbeauftragten veröffentlicht. Nach diesem müssen Datenschutzbeauftragte in der Lage dazu sein, Datenschutzrisiken in Unternehmen und Behörden zu erkennen und zu minimieren.

Die gesetzliche Ausgestaltung

Das Bundesdatenschutzgesetz legt in § 4f Abs. 2 und 3 BDSG fest, welche Anforderungen an die Person zu stellen sind, die als Datenschutzbeauftragter bestellt werden soll. Die relevanten Passagen lauten wie folgt:

(2) Zum Beauftragten für den Datenschutz darf nur bestellt werden, wer die zur Erfüllung seiner Aufgaben erforderliche Fachkunde und Zuverlässigkeit besitzt. Das Maß der erforderlichen Fachkunde bestimmt sich insbesondere nach dem Umfang der Datenverarbeitung der verantwortlichen Stelle und dem Schutzbedarf der personenbezogenen Daten, die die verantwortliche Stelle erhebt oder verwendet. (…)

(3) Der Beauftragte für den Datenschutz ist dem Leiter der (…) nicht-öffentlichen Stelle unmittelbar zu unterstellen. (…) Zur Erhaltung der zur Erfüllung seiner Aufgaben erforderlichen Fachkunde hat die verantwortliche Stelle dem Beauftragten für den Datenschutz die Teilnahme an Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen zu ermöglichen und deren Kosten zu übernehmen.

Welche Kenntnisse verlangt der Düsseldorfer Kreis als Mindestanforderungen des Datenschutzbeauftragten?

Der Düsseldorfer Kreis hat nun in einer gesonderten Stellungnahme [42] die relativ allgemein gehaltenen gesetzlichen Vorgaben für die Praxis konkretisiert.

Datenschutzbeauftragter muss die Grundrechte der Betroffenen kennen

Der Datenschutzbeauftragte muss danach Grundkenntnisse zu den verfassungsrechtlich garantierten Persönlichkeitsrechten der Betroffenen insb. der Mitarbeiter der verantwortlichen Stelle und umfassende Kenntnisse über Inhalt und rechtliche Anwendung der für die verantwortlichen Stellen einschlägigen Regelungen des BDSG besitzen. Hierzu gehören auch die nötigen Kenntnisse hinsichtlich der technischen und organisatorischen Datenschutz-Anforderungen.

Branchenspezifische Besonderheiten müssen bekannt sein

Daneben muss der Datenschutzbeauftragte mit den branchenspezifischen Besonderheiten vertraut sein. Dies umfasst das Wissen über spezialgesetzliche Datenschutz-Vorschriften, Kenntnisse der Informations- und Telekommunikationstechnologie sowie der Datensicherheit. Der Düsseldorfer Kreis betont, dass insbesondere auch praktische Kenntnisse im Datenschutzmanagement von den Datenschutzbeauftragten erwartet werden müssen.

Kenntnisse müssen bereits bei Bestellung vorliegen

Die aufgezählten Mindestkenntnisse müssen bereits zum Zeitpunkt der Bestellung als Datenschutzbeauftragter in ausreichendem Maße vorliegen. Sie können insbesondere auch durch den Besuch geeigneter Aus- und Fortbildungsveranstaltungen und das Ablegen einer Prüfung erlangt werden. Der in vielen Unternehmen gängigen Praxis, einen Datenschutzbeauftragten erst zu bestellen und dann auszubilden, ist damit offiziell eine Absage erteilt.

Erforderliche Rahmenbedingungen innerhalb der verantwortlichen Stelle

Daneben stellt das Gremium der Aufsichtsbehörden heraus, dass dem Datenschutzbeauftragten die erforderlichen Zutritts- und Einsichtsrechte in alle betrieblichen Bereiche eingeräumt werden müssen und der Datenschutzbeauftragte in alle relevanten betrieblichen Planungs- und Entscheidungsabläufe eingebunden sein soll. Zur Erhaltung der zur Erfüllung seiner Aufgaben erforderlichen Fachkunde haben die verantwortlichen Stellen den Datenschutzbeauftragten stets auch die Teilnahme an Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen zu ermöglichen und deren Kosten zu übernehmen. Bei der Bestellung von externen Datenschutzbeauftragten kann die Fortbildung jedoch auch Bestandteil der vereinbarten Vergütung sein und muss in diesem Fall nicht zusätzlich bezahlt werden.

Neben Fachkunde muss der Datenschutzbeauftragte auch die nötige Zuverlässigkeit besitzen

Gemäß § 4f Abs. 3 S. 2 BDSG ist der Datenschutzbeauftragte in Ausübung seiner Fachkunde auf dem Gebiet des Datenschutzes weisungsfrei. Er muss in der Lage sein, seine Verpflichtungen ohne Interessenkonflikte erfüllen zu können.

Düsseldorfer Kreis bestimmt für die Bestellung eines externen Datenschutzbeauftragten eine längere Vertragsdauer

Bei der Bestellung von externen Datenschutzbeauftragten muss der Dienstvertrag so ausgestaltet sein, dass eine unabhängige Erfüllung der gesetzlichen Aufgaben durch entsprechende Kündigungsfristen, Zahlungsmodalitäten, Haftungsfreistellungen und Dokumentationspflichten gewährleistet wird, sodass § 4f Abs. 3 BDSG die Vertragsfreiheit der Parteien insoweit einschränkt. Die Aufsichtsbehörden empfehlen damit grundsätzlich eine Mindestvertragslaufzeit von vier Jahren. Bei Erstverträgen wird – wegen der Notwendigkeit der Überprüfung der Eignung – grundsätzlich eine Vertragslaufzeit von ein bis zwei Jahren empfohlen.

Zum Thema „Unabhängigkeit des Datenschutzbeauftragten“ finden Sie hier vertiefende Informationen [43] .

Fazit

Der Beschluss des Düsseldorfer Kreises gibt den Unternehmen mehr Klarheit hinsichtlich der Anforderungen, die an die Eignung eines internen oder externen Datenschutzbeauftragten zu stellen sind. Hervorzuheben ist, dass Unternehmen einen Beschäftigten erst dann zum internen Datenschutzbeauftragten bestellen dürfen, wenn dieser bereits die erforderliche Fachkunde zum Beispiel im Rahmen von Schulungen erworben hat. 

Organisationskultur für Change Management und Wandel

„Niemals will ich für dieses Unternehmen arbeiten“, sagt der Bewerber, kurz nachdem er die Pforte hinter sich gelassen hat. Das Gespräch mit dem Personalleiter, dem Abteilungsleiter und zwei Kollegen, das er gerade hinter sich hat, war abschreckend. „Wie die hier arbeiten – das ist nichts für mich.“ Ein anderer Bewerber sagt: „Ich fand es klasse.“ Unternehmen können polarisieren. Genauer gesagt ist es die Unternehmenskultur beziehungsweise die Organisationskultur die manche Bewerber abschreckt und andere fasziniert.

Sie macht deutlich: „So machen wir das hier bei uns“. Sie umfasst alle fest in einer Organisation verankerten Verhaltensweisen der Mitarbeiter, ihre Einstellungen, Werte und Glaubenssätze. Sie bestimmt, was die Mitarbeiter über bestimmte Dinge denken, wie sie in konkreten Situationen handeln und was sie dabei fühlen. Und das wiederum hat einen maßgeblichen Einfluss darauf, wie leistungsfähig die Mitarbeiter sind und wie erfolgreich das Unternehmen ist.

„Obwohl die Organisationskultur nicht greifbar erscheint, so hat sie doch einen maßgeblichen Einfluss auf das, was die Mitarbeiter jeden Tag tun und was sie leisten.“

Das sagen die Unternehmensberater Jon Katzenbach und Ashley Harshak in ihrem Beitrag für die Zeitschrift Strategy + Business: „Stop Blaming Your Culture“ (1/2011). Sie gehen sogar noch weiter. Ihre Erfahrungen zeigen, dass Strategien und Ziele der Unternehmensleitung, die nicht zur Organisationskultur passen, zum Scheitern verurteilt sind.

Stichwort

Organisationskultur sind die Grundannahmen, die eine Gruppe erfunden, entdeckt oder entwickelt und die sich bewährt haben. Sie reproduzieren und verstärken sich selbst, indem neuen Mitgliedern gesagt wird: So machen wir das hier. Die Organisationskultur kann für ein Unternehmen gültig sein, aber auch für einzelne Abteilungen oder sogar Teams. Diese können ihre eigene „Sub-Kultur“ pflegen.

Was die Menschen einer Organisation denken, fühlen und wovon sie sich leiten lassen, das lässt sich nicht direkt erkennen. Es ist erlebbar und erfahrbar in den direkten Gesprächen. Insbesondere dann, wenn man jemanden um Hilfe bittet, wenn man sich die Anweisungen und Memos der Manager anschaut oder wenn man den informellen Gesprächen zwischen Tür und Angel lauscht. Dort wird Organisationskultur deutlich.

Mehr zum Thema im Management-Handbuch:

Organisationskultur: Rahmenbedingungen und Einflussfaktoren für ein positives Betriebsklima [44]

Viele Führungskräfte haben keinen Sinn für ihre Unternehmenskultur

Das Problem: Viele Führungskräfte wollen nicht wahrhaben, dass die Kultur in ihrem Unternehmen und der Umgang mit dieser Kultur den Erfolg maßgeblich beeinflussen. Gerade Manager, die neu in ein Unternehmen kommen und eigene Ideen, Ziele und Strategien mitbringen, beißen sich an der bestehenden Kultur die Zähne aus. Oft zeigen sich diese Phänomene:

  • Sie ignorieren die bestehende Unternehmenskultur und meinen, ihre Strategien und Ziele lassen sich schon verwirklichen, wenn sie nur genug Druck machten und ihre Durchsetzungsfähigkeit zeigten. Gibt es Probleme, stoßen sie auf Widerstand, versanden ihre Projekte oder erzielen sie nicht die gewünschten Ergebnisse, dann sind halt die Umstände, die unfähigen Mitarbeiter oder die Rahmenbedingungen schuld.
  • Sie machen die bestehende Unternehmenskultur schlecht. Sie sagen, dass deshalb wichtige Veränderungen behindert werden und dass das Unternehmen mit dieser Kultur den Anforderungen des Marktes nicht mehr genüge. Sie hoffen, dass sie damit die Mitarbeiter aufrütteln, damit diese ihre bisherige Einstellung, Werte und Verhaltensweisen ablegen und sich neue aneignen. Doch das gelingt selten. Denn die Mitarbeiter werfen nicht so einfach über Bord, woran sie jahrelang geglaubt haben.

Katzenbach und Harshak setzen diesen beiden Herangehensweisen eine andere entgegen. Sie sagen: Die einzige Chance ist, die bestehende Kultur zu nutzen, auf sie zu bauen und auf ihrer Grundlage Veränderungen einzuleiten und dann Schritt für Schritt voranzutreiben. Die Mitarbeiter glauben nämlich an ihre Kultur. Sie stiftet Sinn, Sicherheit und Verlässlichkeit. Wer sie – als Führungskraft – angreift, provoziert Widerstand. Zumindest schwinden Engagement und Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter. Demotivation macht sich breit. Denn ein Angriff auf die Organisationskultur ist ein Angriff auf verinnerlichte Glaubenssätze, Werte und Einstellungen.

BPO: Großunternehmen benötigen viel Zeit zum Auslagern von Backoffice-Projekten

Eine wichtige Stellschraube für BPO-Vorhaben in Großunternehmen mit mehr als 5.000 Mitarbeitern ist die Frage der Priorisierung durch die Geschäftsführung. Wie die Studie deutlich zeigt, gelingt es Unternehmen, in denen BPO von der Führungsetage nachdrücklich verfolgt wird, die Umsetzung entscheidend zu beschleunigen. So kommen 54 Prozent der Befragten, denen die Umsetzung von BPO-Vorhaben sehr wichtig ist, binnen zwölf Monaten zum Projektabschluss. Rüdiger Kloevekorn von Steria Mummert Consulting sagt:

„Die teilweise recht langen Umsetzungszeiten von BPO-Projekten haben ihre Ursache in erster Linie in den hauseigenen Prozessstrukturen der Unternehmen. Denn bei den Serviceleistungen der externen BPO-Partner sehen die wenigsten Entscheider Handlungsbedarf. So zeigen sich 71 Prozent der Entscheider mit ihren BPO-Verträgen und den darin vereinbarten Services sehr zufrieden oder zufrieden. Nur bei zwei Prozent der Befragten konnte BPO die Erwartungen nicht erfüllen.“

Bei der Fragestellung, welche Geschäftsprozesse vorrangig für die BPO-Vorhaben vorgesehen sind, haben klassische Backoffice-Prozesse die Nase vorn. Neben der Reisekostenabrechnung (41 Prozent), entscheidet sich rund jedes dritte Haus für eine Auslagerung von Finanz- und Rechnungswesen, Personalwesen oder Logistik. Bei Großunternehmen spielt darüber hinaus das Flottmanagement eine große Rolle (30 Prozent).

Zur Studie

Die Trendstudie 2010 „Erfolgsmodell Outsourcing“ ist das Ergebnis einer Entscheiderbefragung, die im Auftrag von Steria Mummert Consulting durchgeführt wurde. Es wurden 204 Fach- und Führungskräfte aus Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern befragt.

Quelle: Steria Mummert

Intellektuelles Kapital: Management der Innovationskompetenz

"Wissensgesellschaft" und "Innovationskompetenz" sind zurzeit populäre Terminologien, die bei vielen Gelegenheiten verwendet, jedoch unterschiedlich interpretiert werden. Für deren Verständnis nimmt die Differenzierung von Information und Wissen eine prominente Rolle ein:

"Wissen hat seinen Ort zwischen zwei Ohren und nicht zwischen zwei Modems." [Zitat Fredmund Malik]

Eine qualitative Differenz zwischen Information und Wissen ist, dass Information punktuell ist, während Wissen das Verständnis von Zusammenhängen erfordert: Die Kreation von Wissen setzt die Einbettung von Informationen in Kontexte voraus.

Auch für diese Vorgänge offeriert die IT Lösungen: Expertensysteme und andere Systeme der künstlichen Intelligenz demonstrieren erstaunliche Resultate; sie eignen sich jedoch nur für spezifische, vertikale Fragestellungen und sind für polyvalente Anwendungen (noch) nicht erhältlich.

Um aktuelle Wissensbestände zu erweitern, zu erneuern oder zu berichtigten, steht der Mensch als Instrument im Fokus, denn nur er kann den Entwicklungsprozess von Informationen zu Expertenwissen verarbeiten: Erinnern > Beobachten > Erkennen > Begreifen > Kombinieren > Schlussfolgern etc. sind menschliche Tätigkeiten in der Wissensentwicklung.

Auf den obersten Stufen resultieren sie als (menschengebundene) Erfahrung und Expertise. Mitarbeitende mit diesen Fähigkeitsmerkmalen sind "schwer zu ersetzen". Übergeordnete Ziele der Wissensarbeit sind die Konsolidierung und die Weiterentwicklung der organisationalen Kernkompetenzen, welche primär auf der individuellen Erfahrung und der Expertise der Mitarbeitenden beruhen.

Konsolidierung heißt in diesem Kontext, identifizierte Wissensträger zu binden und deren implizites Wissen mit innovativen organisationalen Prozessmodellen zu transferieren. Wissensentwicklung setzt eine „High-Trust-Kultur“ voraus, die Freiräume bietet und Anreize zur Wissensteilung bietet. Konklusion: Informationsmanagement ist ein unverzichtbares Instrument, welches die Konvertierung von Daten zu Informationen sowie deren Speicherung, Verteilung und Wiederauffindbarkeit ermöglicht. Wissensmanagement ist hingegen auf den Mensch fokussiert.

Vor ungefähr zwei Dekaden hat die akademische Welt entdeckt, dass sich der wahre Wert einer Organisation nicht alleine mit finanziellen Kennzahlen bestimmen lässt. Spätestens seit der kürzlichen Finanzkrise hat auch die Finanzwelt realisiert, dass die konventionellen Bewertungsmethoden einige fundamentale Werttreiber nicht erfassen; zum Beispiel auch die organisationale Problemlösungsfähigkeit, die maßgebend für die Innovationskompetenz ist. Seither findet die Terminologie Intellektuelles Kapital, engl. Intellectual Capital (IC),  zunehmend Beachtung.

Klassische, in der Literatur oft verwendete Darstellung des intellektuellen Kapitals (IC)

Verschiedenste Modelle zur Bewertung, Steuerung und Kommunikation des intellektuellen Kapitals wurden vorgestellt, jedoch erlangte keines den Status eines Standards. Einige der Ansätze sind schlicht zu kompliziert für eine effiziente Anwendung. Andere sind zu spezifisch auf die jeweils berichtende Organisation bezogen, was bei deren Interpretation ein vertieftes Verständnis der immateriellen Ressourcenprozesse voraussetzt. Allen bisher vorgestellten Ansätzen ist gemeinsam, dass die Berichterstattung nicht standardisiert ist. Dies führt dazu, dass interne und externe Entscheidungsträger wenig oder kein Interesse zeigen, sich mit einem Instrument auseinanderzusetzen, welches keine Benchmarkfähigkeit offeriert.

Auch der Autor unterlag anfänglich dem Irrtum, dass für die IC-Bewertung eine allgemeingültige Indikator-Methode definierbar sei und fand schließlich über ein klassisches „Lesson-Learned“ eine alternative, jedoch praktikable Lösung:

Anfangs der Neunziger Jahre versuchten Qualitätsverantwortliche von multinationalen Unternehmen mit einem Indikatorsystem zu definieren, wie die Produktequalität gemessen werden kann und vergleichbar wird. Sie realisierten schnell einmal, dass dies selbst für gleichartige Organisationen nicht möglich ist, geschweige denn für Vergleiche von verschiedenen Sektoren. Sie kamen zum Fazit, dass es keine standardisierte Indikator-Metrik für die Produktequalität geben kann: Einerseits würden die Unternehmen unter Umständen verpflichtet, Geschäftsgeheimnisse offen zu legen. Andererseits kann es nicht sein, dass für die Hersteller von Werkzeugmaschinen dieselbe Norm wie für die Produzenten von Textilien gilt.

Also suchten die Qualitätsmanager nach einer alternativen Lösung: Nicht die resultierende Qualität (WAS ist herausgekommen?) soll beurteilt werden, sondern der Weg dazu (WIE wird’s gemacht?), indem die eingesetzten Prozesse und Instrumente zur Qualitätssicherung überprüft werden. Daraus ist das etablierte ISO-9000 entstanden.

Was für das Qualitätsmanagement gut ist, gilt auch für das Intellectual Capital Management (IC Management). Verglichen mit einer Indikator-Metrik unterscheidet sich der nachstehend beschriebene Ansatz auch dadurch, dass die Resultate nicht auf vergangenheitsbezogenen Daten basieren, sondern die prospektiv ausgerichtete Pflege des IC Managements aufzeigt: Das Intellectual Capital Management System (ICMS) untersucht, welche Instrumente und Prozesse eingesetzt werden, um die wichtig(st)e Ressource Wissen nachhaltig zu pflegen.

IC Management Bewertungskategorien

Das ICMS untersucht humane, instrumentale, soziale und organisationale Aspekte, festgehalten in 58 konkreten Forderungen. Die Berichterstattung unterscheidet sich von ISO-9000 insofern, dass anstelle einer „digitalen Bewertung“ (Forderung erfüllt: Ja/Nein?) untersucht wird, wie gut eine Forderung erfüllt wird: Eine Taxonomie (bestmögliche Erfüllung als Referenz) ermöglicht einen harmonisierten Vergleich von wissensbasierten Organisationen, unabhängig von deren Größen und Sektoren.

Die Idee hinter dem ICMS-Ansatz ist die Ermöglichung objektiver Vergleiche, wie gut auditierte Organisationen auf die Herausforderungen der Wissensgesellschaft vorbereitet sind. Die Berichtsform zeigt keine Resultate von Wissens-Initiativen, sie dokumentiert die „organisationale Fitness“ der Problemlösungs- und der Innovationskompetenz und — als eine Kausale — der ökonomischen Überlebensfähigkeit.

Grundsätzlich ist jede berichtende Organisation verpflichtet, zu jeder der 58 Forderungen Stellung zu nehmen: Sie tut ja fraglos bereits etwas für jede der IC-Komponenten, auch wenn dies nicht mit den oben aufgeführten Terminologien erfolgt. Freilich ist es denkbar, dass bestimmte Forderungen effektiv keine Relevanz haben. In diesem Fall ist die berichtende Organisation verpflichtet, dies stichhaltig zu begründen. Dieses Vorgehen bringt mit sich, dass erkannt werden kann, welche der wissensbasierten Maßnahmen optimierungsfähig sind resp. systematischer gestaltet werden können. Das ICMS deckt neben den drei IC-Kategorien auch übergeordnete Aspekte des IC-Managements ab, welche mit der Verpflichtung der obersten Leitung die wichtigste Voraussetzung für eine wissensbasierte Unternehmenskultur schaffen.

Abhängig von den individuellen Charakteristik und Zielen der organisationalen Wissens-Initiativen kann das ICMS mit anderen IC-Instrumenten verknüpft werden. Das resultierende modulare System unterstützt alle Aspekte der Wissensarbeit, die im Kontext mit dem Management der Innovationskompetenz stehen: Identifikation, Steuerung, Messung und Kommunikation immaterieller Werte und deren Pflege:

Konfiguration des modularen IC-Systems

Alle Instrumente können isoliert eingesetzt werden, um spezifische Wissens-Prozesse zu systematisieren. Oder sie können entsprechend den Zielen von Wissens-Initiativen und der gewünschten Berichtsform gemäß nachstehend aufgeführten Kombinationen individuell verknüpft werden:

  • Wissensmatrix + BSC: Ein effizienter Ansatz für die Identifikation, Steuerung und Messung von IC-Prozessen, jedoch limitiert auf interne Verwendung > Keine Kommunikations-Eignung.
  • Wissensmatrix + Wissensbilanz: „Wissensbilanz light“: Die Inhalte sind extrem organisationsspezifisch und von Außenstehenden schwerlich zu interpretieren > Keine Benchmark-Fähigkeit.
  • Wissensmatrix + BSC + Wissensbilanz: Architektur der Mehrzahl von bisher publizierter Wissensbilanzen > Keine harmonisierte Berichterstattung.
  • Knowledge Matrix + BSC + ICMS + Wissensbilanz: Komplettes Instrument für eine nachhaltige Wissensarbeit und deren Kommunikation an externe und interne Zielgruppen > Die harmonisierten ICMS-Berichte erlauben ein Benchmarking unterschiedlichster Organisationen.
  • Wissensmatrix + ICMS: Komplettes IC-Audit Instrument zum langfristigen Monitoring der Wissensarbeit. Geeignet für dezentralisierte oder multidivisionale Organisationen zur Durchführung interner Benchmark-Vergleiche und/oder Best Practices Analysen.

Hinweis

Dieses Skriptum ist die Kurzfassung eines Beitrags zum Wettbewerb “Knowledge and Intellectual Capital management in organizations: towards encouraging innovation”.

Die deutschsprachige Übersetzung des vollständigen Beitrags können Sie hier als PDF herunterladen:

Identifikation, Controlling, Messung und Kommunikation der Innovationskompetenz [45]

Buchtipp

ABC der Wissensgesellschaft - Kompendium zu Aspektender Wissensgesellschaft [46]

Ausgebrannte Organisationen: Leidet Ihr Unternehmen an Burnout?

Die Zahl der Insolvenzen ist im Oktober 2010 gegenüber dem Vorjahresmonat deutlich gesunken. Laut Statistischem Bundesamt mussten 2.483 Unternehmen und somit 12,8 Prozent weniger als im Oktober 2009 Insolvenz anmelden. Das ist erfreulich für die deutsche Wirtschaft, aber weniger erfreulich für die Unternehmen und deren Mitarbeiter, die es trotz besserer Lage nicht geschafft haben, sich am Markt zu behaupten. Einige von ihnen haben schon seit Jahren Probleme und kämpfen um den Erhalt des Unternehmens. Wenn kein Ausweg mehr in Sicht ist und das Unternehmen die Kurve nicht schafft, könnte das eine Folge des Organizational Burnout sein.

Was ist Organizational Burnout?

Merken Sie in Ihrem Unternehmen, dass zwar alles gut geregelt ist, aber im Tagesgeschäft vieles nicht geordnet abläuft? Dann könnte Ihr Unternehmen vom Organizational Burnout betroffen sein.

Stichwort

Der Begriff "burn out" kommt aus dem Englischen und bedeutet auf Deutsch "ausgebrannt sein". Bei Menschen beginnt das Burnout-Syndrom häufig mit dem Zwang sich selbst etwas zu beweisen, führt dann oft zu Werteverfall und Verdrängung bis hin zur Erschöpfung und Depression. Laut dem Unternehmensberater Gustav Greve kann ein Burnout gewissermaßen auch in Unternehmen und Institutionen entstehen. Dies hat er in seinem Buch "Organizational Burnout" beschrieben:

„Ein Organizational Burnout liegt dann vor, wenn sich ein aktives Organisationssystem […] in einem erschöpften und paralysierten Zustand befindet und mit eigenen Ressourcen diesen, als unerwünscht erkannten, Zustand nicht mehr positiv verändern kann.“

Viele Organisationen durchleben phasenweise massive Probleme und dann wieder sehr erfolgreiche Zeiten. Diejenigen, die es schaffen, aus der Krise herauszukommen, können sich glücklich schätzen. Aber was zeichnet diese Unternehmen aus? Warum gelingt es ihnen, sich aus der Misere heraus zu manövrieren? Und vor allem wie schaffen sie dies? Organisationen, die von Burnout betroffen sind, schaffen dies nicht aus eigener Kraft. Das hat der Organizational Burnout mit dem Burnout eines Menschen gemeinsam.

Das Burnout eines Unternehmens ist nicht die Summe individueller Burnouts der Elemente der Organisation, zum Beispiel der Mitarbeiter. Das Organizational Burnout ist ein emergenter Prozess und bezieht sich auf die Organisation selbst. Emergenz bedeutet die Herausbildung bestimmter Eigenschaften oder Strukturen auf der Metaebene eines Systems und ist die Folge des (zufälligen) Zusammenwirkens seiner Elemente.

Es können etwa ein oder mehrere Mitarbeiter an Burnout leiden, aber diese Eigenschaft muss sich nicht auf das Unternehmen auswirken. Umgekehrt überträgt sich das Organizational Burnout ebenso wenig auf die Mitarbeiter in Form von persönlichen Burnouts.

Die Phasen des Organizational Burnout

Nicht jede Unternehmenskrise ist auf den Organizational Burnout begründet. Aber andererseits gibt es keinen Organizational Burnout, der ohne Unternehmenskrise verläuft. Auf den Grund gehen sollten Unternehmer einem Organizational Burnout, wenn die Ergebnisse nicht besser werden, obwohl scheinbar alles richtig gemacht wird und mehr Ressourcen eingesetzt wurden. Wenn das Management einer Organisation nicht mehr weiter weiß, dann sollte untersucht werden, ob sie sich in der Spirale des Organizational Burnout befindet und wenn ja, in welcher Phase.

Es gibt mehrere Symptome in den einzelnen Phasen des Organizational Burnout. Sie gliedern sich wie folgt:

  1. Latent: Der Markt beantwortet die Sinnfrage nicht mehr und die Produktivität nimmt immer mehr ab. Für die internen Anforderungen werden immer mehr Zeit und Energie benötigt. Aus unersichtlichem Grund werden die Ressourcen knapper. Der Betrieb funktioniert vermehrt trotz und nicht wegen des Managements.
  2. Akut: Langsam machen sich Unsicherheiten breit und die Dynamik lässt nach. Der Anspruch aller Beteiligten steigt jedoch und eine zynische Stimmung gegenüber Unternehmen und Kollegen entsteht. Das persönliche Engagement wird nur simuliert, Innovationen finden kaum oder gar nicht mehr statt.
  3. Chronisch: Die Führungskräfte schotten sich ab und halten sich vom Tagesgeschäft fern. Auf allen Ebenen herrscht eine Gefühl der Machtlosigkeit bis hin zur Sinnlosigkeit. Es kann ein überraschender Wechsel im Management vorkommen. Mitarbeiter kündigen vermehrt und neue werden eingestellt.
  4. Letal: Das Management kann die Mitarbeiter nicht mehr erreichen und verliert die Kontrolle. Es gibt eine unklare Sehnsucht nach einem totalen Neubeginn. Hoffnungslosigkeit macht sich vermehrt breit und der Organisationssuizid wird unbewusst geduldet.

Die Folgen von Organizational Burnout sind vielfältig. Das Unternehmen muss beispielsweise verkraften, dass es von den Leistungsträgern verlassen wird und die Mitarbeiter, die übrig bleiben, innerlich kündigen. Dadurch verliert das Unternehmen das Know-how und die Leistungsbereitschaft seiner Mitarbeiter. Der erste Schritt in den Konkurs.

Datenschutz: Besondere datenschutzrechtliche Anforderungen bei Voice-over-IP

Technischer Hintergrund von Voice–over–IP („VoIP“)

Bei VoIP muss keine klassische Telefon-Verbindung mehr zwischen den Gesprächsteilnehmern bestehen, sondern es werden stattdessen Datenpakete über das weiter gefasste Netz des Internets zwischen ihnen verschickt. Die Endgeräte können hierbei z.B. ein Head-Set oder ein VoIP-Telefon sein, welches an einem Computer oder direkt mit einem Intra- bzw. dem Internet verbunden ist. Zum Zwecke der Paketvermittlung wird das sämtlichem Internetverkehr zugrunde liegende Übertragungsprotokoll „IP“ verwendet. Die Gründe für den rasanten Vormarsch der IP-Telefonie sind vielfältig.

Wichtig für die meisten Gesprächsteilnehmer ist, dass VoIP wesentlich günstiger sein kann, nutzt man doch das sowieso schon vorhandene Internet. VoIP ermöglicht darüber hinaus intelligente Endgeräte und somit z.B. interaktive „Telefon“-Konferenzen in hoher Qualität. Mehr und mehr Unternehmen investieren in diese Technologie.

VoIP: mehr Möglichkeiten und neue Risiken

Die neuen Möglichkeiten bergen jedoch auch neue Gefahren. Werden Sprache und Daten in ein einziges Kommunikationsnetz integriert, dann stellt das den Datenschutz vor neue Herausforderungen. Die Sicherheitsprobleme des Internets finden insoweit nun auch auf die klassische Telefonie Anwendung, denn wenn für einen Kommunikationsvorgang keine physikalische Verbindung für die Gesprächsteilnehmer mehr erforderlich ist, dann geht damit einher, dass ein Angriff auf die Vertraulichkeit des Gesprächs auch nicht mehr physikalisch erfolgen muss. Kann der Nutzer eines solchen Dienstes weltweit die Leistungen in Anspruch nehmen, dann kann seine Kommunikation auch weltweit angegriffen werden.

Darüber hinaus sind die Endgeräte bei der IP-Telefonie „intelligenter“ als klassische Telefonapparate. VoIP-Telefone können daher wie jeder Computer auch durch Schadsoftware manipuliert und gestört werden.

Juristisch ist daher insbesondere das Fernmeldegeheimnis aus Artikel 10 Grundgesetz („GG“) sowie das Recht auf informationelle Selbstbestimmung, welches sich nach der Rechtsprechung des BVerfG aus den Artikeln 2 Abs. 1 und Artikel 1 Abs. 1 GG ergibt, betroffen.

VoIP: datenschutzrechtliche Rahmenbedingungen

Fernmeldegeheimnis und Recht auf informationelle Selbstbestimmung finden im siebten Teil des Telekommunikationsgesetzes („TKG“) einfachgesetzliche Konkretisierungen. Unser Interesse soll dem sogenannten Telekommunikationsdatenschutz gelten (§§ 91 bis 107 TGK), welcher gegenüber dem allgemeinen Bundesdatenschutzgesetz („BDSG“) vorrangiges Spezialrecht ist.

Denn § 4 BDSG erklärt: „Die Erhebung, Verarbeitung und Nutzung personenbezogener Daten sind nur zulässig, soweit dieses Gesetz oder eine andere Rechtsvorschrift dies erlaubt oder anordnet oder der Betroffene eingewilligt hat.“

Die §§ 95 ff. TKG enthalten solche detaillierte bereichsspezifische Erlaubnistatbestände.

Schutz personenbezogener Daten von Teilnehmern und Nutzern

Gemäß § 91 Abs. 1 S. 1 TKG erfasst ,,dieser Abschnitt […] den Schutz personenbezogener Daten der Teilnehmer und Nutzer von Telekommunikation bei der Erhebung und Verwendung dieser Daten durch Unternehmen und Personen, die geschäftsmäßig Telekommunikationsdienste erbringen oder an deren Erbringung mitwirken.“

Mangels spezialgesetzlicher Begriffsbestimmung im TKG muss im Rahmen der Frage, was personenbezogene Daten sind, die Begriffsbestimmung nach dem BDSG herangezogen werden, sodass gemäß § 3 Abs. 1 BDSG „personenbezogene Daten […] Einzelangaben über persönliche oder sachliche Verhältnisse einer bestimmten oder bestimmbaren natürlichen Person (Betroffener) [sind].“

Auch Unternehmen vom Telekommunikationsdatenschutz erfasst

§ 3 Nr. 14 und Nr. 20 TKG definieren den Nutzer und den Teilnehmer. Beide Begriffe umfassen natürliche und juristische Personen, sodass auch Unternehmen erfasst sind.

An dieser Stelle ist das TKG damit weiter gefasst als das BDSG, welches, wie oben aufgezeigt, „nur“ dem Schutz natürlicher Personen gilt. Das TKG stellt im Falle von juristischen Personen oder Personengesellschaften in § 91 Abs. 1 Satz 2 TKG klar, dass „dem Fernmeldegeheimnis unterliegende Einzelangaben über Verhältnisse einer bestimmten oder bestimmbaren juristischen Person oder Personengesellschaft, sofern sie mit der Fähigkeit ausgestattet ist, Rechte zu erwerben oder Verbindlichkeiten einzugehen, […] personenbezogenen Daten gleich[stehen].“

Hinweis

Mehr zum Thema finden Sie im Artikel

Ausweitung der Datenschutz-Gesetze auf Daten juristischer Personen [47]

Arbeitgeber als „Diensteanbieter“ im Sinne des TKG?

Unternehmen, die geschäftsmäßig Telekommunikationsdienste erbringen, unterliegen als so genannte „Diensteanbieter“ den Restriktionen des TKG. § 3 Nr. 10 TKG definiert dies als „das nachhaltige Angebot von Telekommunikation für Dritte mit oder ohne Gewinnerzielungsabsicht“.

Das Merkmal der Nachhaltigkeit erfordert eine gewisse Dauer und Häufigkeit der Tätigkeit. Es soll also der rein private Bereich ausgeschlossen werden, wie z.B. eine Haustelefonanlage.

Bitte beachten Sie in diesem Zusammenhang die grundsätzlicheAnwendbarkeit des TKG auf Arbeitgeber [48] , welche durch ausdrückliche Erlaubnis oder durch Duldung der privaten Nutzung der betrieblichen Kommunikationsmittel (wie zum Beispiel E-Mail, Internet und Telefon) zum Diensteanbieter werden.

Informationspflichten

Diensteanbieter trifft eine weitreichende Informationspflicht. Gemäß § 93 TKG haben diese ,,ihre Teilnehmer bei Vertragsabschluss über Art, Umfang, Ort und Zweck der Erhebung und Verwendung personenbezogener Daten so zu unterrichten, dass die Teilnehmer in allgemein verständlicher Form Kenntnis von den grundlegenden Verarbeitungstatbeständen der Daten erhalten. Dabei sind die Teilnehmer auch auf die zulässigen Wahl- und Gestaltungsmöglichkeiten hinzuweisen. Die Nutzer sind vom Diensteanbieter durch allgemein zugängliche Informationen über die Erhebung und Verwendung personenbezogener Daten zu unterrichten.“

Ferner müssen nach § 93 Abs.2 Satz 1 TKG Diensteanbieter ,,in Fällen, in denen ein besonderes Risiko der Verletzung der Netzsicherheit besteht, die Teilnehmer über dieses Risiko und, wenn das Risiko außerhalb des Anwendungsbereichs der vom Diensteanbieter zu treffenden Maßnahme liegt, über mögliche Abhilfen, einschließlich der für sie voraussichtlich entstehenden Kosten, […] unterrichten.

Ausdrücklich bleibt nach § 93 Abs. 2 S.2 TKG das Auskunftsrecht nach dem BDSG von den Informationspflichten unberührt.

Technische Schutzmaßnahmen

Den Telekommunikationsanbieter treffen Verpflichtungen, die schon vom allgemeinen Datenschutz nach dem BDSG bekannt sind. Gemäß § 9 BDSG haben „öffentliche und nicht-öffentliche Stellen, die selbst oder im Auftrag personenbezogene Daten erheben, verarbeiten oder nutzen, […] die technischen und organisatorischen Maßnahmen zu treffen, die erforderlich sind, um die Ausführung der Vorschriften dieses Gesetzes […] zu gewährleisten. Erforderlich sind Maßnahmen nur, wenn ihr Aufwand in einem angemessenen Verhältnis zu dem angestrebten Schutzzweck steht.“

§ 109 Abs.1 TKG hingegen ist strenger in seinen Anforderungen, wonach „jeder Diensteanbieter angemessene technische Vorkehrungen oder sonstige Maßnahmen zum Schutze […] des Fernmeldegeheimnisses und personenbezogener Daten und […] der Telekommunikations- und Datenverarbeitungssysteme gegen unerlaubte Zugriffe zu treffen [hat].“

Das TKG ist bezüglich der genauen Vorkehrungen an dieser Stelle technikneutral. Es wird lediglich das Schutzniveau bestimmt. Für den Diensteanbieter hat dies zur Folge, dass Schutzmaßnahmen sich der dynamischen technischen Entwicklung anpassen müssen. Dies ist aus datenschutzrechtlicher Sicht auch richtig, denn Sicherheitstechnik, die heute „state of the art“ ist, kann morgen schon veraltet sein.

In diesem Zusammenhang kann auf die Entschließung der 70. Konferenz der Datenschutzbeauftragten [49] verwiesen werden, die bereits im Herbst 2005 dazu aufgefordert hat, angemessene technische und organisatorische Maßnahmen dadurch zu erreichen, dass geeignete Verschlüsselungsverfahren eingesetzt werden sollen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik empfiehlt im Rahmen seines Kataloges zum IT-Grundschutz diesbezüglich den Einsatz von Protokollerweiterungen wie „Secure Real - Time Transport Protocol“ (SRTP) und „Secure Real - Time Streaming Protocol“ (SRTSP [50] ) oder die Anwendung spezieller Signalisierungssoftware [51] .

Die Konferenz der Datenschutzbeauftragte hat weiterhin dazu aufgefordert, verstärkt VoIP-Kunden über die spezielle Gefahrenlage aufzuklären.

Zu einer solchen Aufklärung könnte ein Diensteanbieter durchaus im Rahmen seiner organisatorischen Maßnahmen verpflichtet sein.

Fazit

Anbieter und Nutzer von VoIP-Verfahren sollten sich der mit der Nutzung dieser Technik einhergehenden Sicherheitsrisiken bewusst sein und stets angemessene technische Verfahren (Verschlüsselung etc.) einsetzen, um eine datenschutzkonforme Nutzung von VoIP zu gewährleisten. So genannte „Diensteanbieter“ – und dazu zählen in vielen Fallkonstellationen auch Arbeitgeber – treffen neben der Pflicht zur Einhaltung technischer und organisatorischer Sicherungsmaßnahmen auch Informationspflichten gegenüber den Betroffenen.

Offshoring: IT-Projekte im Ausland erfolgreich meistern

In den neunziger Jahren galten Offshore-Leistungen innerhalb von IT- oder Softwareentwicklungsprojekten als geeignete Lösung, um mit geringerem finanziellem Aufwand entsprechende Projektziele zu erreichen. Deutlich günstigere Stundensätze in Fernost versprachen, den von Anwenderseite gestellten Anforderungen auch mit geringeren Budgets entsprechen zu können. Doch die anfängliche Euphorie wich der Ernüchterung und der Erkenntnis, dass die Integration von Offshore-Leistungen in das IT-Servicekonzept eines Unternehmens nicht einfach ist. Mehr noch: Bei einer schlechten Integration der Entwicklungs- oder Servicepartner drohen am Ende sogar höhere Kosten als bei einer Ausführung durch interne Abteilungen. Diese Erfahrungen mussten auch große Konzerne wie Thomas Cook, Arcandor oder Porsche machen und holten ihre IT sukzessive wieder ins eigene Unternehmen zurück.

Eine aktuelle Umfrage von Harvard Business Manager unter rund 500 deutschen IT-Vorständen aller Branchen zu ihren Erfahrungen mit Outsourcing-Projekten zeigt: Deutsche Unternehmen sind mit ihren heimischen IT-Dienstleistern deutlich zufriedener als mit exotischen Offshore-Anbietern. Den Anbietern aus dem Inland (Onshore) werden insbesondere bei Kommunikation und Koordination bessere Noten ausgestellt. IT-Fachkräfte bewerten Dienstleister vor Ort mit „gut“, Farshore-Anbieter aus China oder Indien dagegen mit „ausreichend“. Die Qualität der Kommunikation und Koordination als erfolgskritischer Faktor innerhalb von Software- oder IT-Projekten macht also den Unterschied zwischen heimischen Leistungserbringern und solchen aus Billiglohn-Ländern. Und das hat entscheidenden Einfluss auf die Qualität der Projektergebnisse. Doch wie lassen sich diese Probleme mit Offshore-Partnern eigentlich erklären?

Sabotage oder Kalkül? Auf die Sichtweisen kommt es an

Häufig wurden – und werden auch heute noch – die kulturellen Unterschiede zwischen Auftragnehmer und Auftraggeber nicht genug berücksichtigt. Dann führen – für westliche Sichtweisen oft nicht nachvollziehbare – Handlungen der Partner zu Irritationen, zu Verzögerungen im Projekt, zu höheren Kosten oder gar zum vorzeitigen Projektabbruch. Dazu drei Beispiel-Szenarien aus einem IT-Projektalltag:

  1. Ein Mitarbeiter des Offshore-Partners sichert die Fertigstellung einer Aufgabe zu einem bestimmten Zeitpunkt zu. Die Aufgabe wird jedoch erst zu einem späteren Zeitpunkt erledigt.
    Gerade in asiatischen Kulturen spielt Zeit oft nicht so eine große Rolle, wie es in westlichen Kulturen der Fall ist. Schon die jeweiligen Sprachen zeigen das: Während sie in westlichen Kulturen über umfassende Zeitformen verfügen, können viele asiatische Sprachen nichts Vergleichbares vorweisen. Dies betrifft etwa das Schreiben oder Sprechen in Vergangenheits- oder Zukunftsformen. So kann es schon bei der Termineinhaltung zu Spannungen innerhalb eines Offshore-Projekts kommen.
  2. Ein Offshore-Partner liefert ein Produkt ab, doch die ursprünglichen Anforderungen wurden nur zum Teil erfüllt.
    Die Ursache hierfür könnte sein, dass der Partner bei den Erläuterungen zu den gestellten Anforderungen bloß den Eindruck erweckt hat, alles verstanden zu haben. In Wirklichkeit jedoch will er um keinen Preis das Gesicht verlieren. Verständnisfragen – wie in westlichen Kulturen üblich und erwünscht – werden meist nicht gestellt. Der Kunde soll nämlich nicht den Eindruck gewinnen, der Partner sei der Aufgabe nicht gewachsen. Der Auftraggeber indes interpretiert die Reaktion des Partners so, als seien alle Fragen geklärt. Wenn diese Eindrücke der frühen Projektphase an das Top-Management weitergegeben werden, treten bereits vor dem Schreiben der ersten Codezeile Missverständnisse auf. Der weitere Projektverlauf gestaltet sich schwierig und muss, falls überhaupt möglich, aufwendig korrigiert werden.
  3. In einer gemeinsamen Arbeitsgruppe wird ein Problem innerhalb der Teilentwicklung identifiziert. Dieses liegt in der Verantwortung des Partner-Teams, das es anscheinend auch verstanden hat, es aber trotzdem nicht löst.
    Unternehmen westlicher Prägung können dieses Verhalten des Offshore-Partners nicht nachvollziehen. Unerfahrene Kollegen vermuten dahinter vielleicht ein fehlendes Verantwortungsgefühl, mitunter sogar einen Sabotageakt. Wenn das Problem allerdings aufseiten des externen Team- oder Abteilungschefs zu suchen ist, der in der Regel bei den regelmäßigen Abstimmungsmeetings nicht vor Ort sein muss, würde es kein Mitglied des Offshore-Entwicklungsteams wagen, die Routine zu ändern und den Fehler zu beseitigen; denn hierdurch würde der Vorgesetzte bloßgestellt. Im Extremfall verteidigt das Team die Arbeit seines Vorgesetzten sogar, obwohl die Problemursachen eindeutig bekannt sind. 

Offshoring-Projekte erfolgreich umsetzen

Trotz dieser Negativ-Szenarien ist es möglich, Offshore-Projekte erfolgreich abzuschließen und die Kundenerwartungen zu erfüllen. Doch dazu bedarf es einer Reihe von Vorüberlegungen und zielführender Entscheidungen:

  1. Wichtig sind ein Kennenlernen und ein Verständnis der Kultur des Offshore-Partners. Dies sollte in aller Regel vor den ersten Offshore-Projekten erfolgen, um unangenehme Überraschungen zu vermeiden. Ein solches Verständnis lässt sich aber nur durch einen längeren Aufenthalt in dem entsprechenden Land und das gleichzeitige Erlernen der Sprache erlangen, wodurch sich einem wiederum Teile des Werte- und Normen-Gefüges der jeweiligen Kultur erschließen.
  2. Eine andere Möglichkeit besteht darin, Dienstleistungsunternehmen in Fernost zu gründen, die sich aus einem europäischen oder amerikanischen Management-Team, kombiniert mit heimischen Fachkräften zusammensetzen. Bei dieser Lösung fallen die kulturellen Faktoren innerhalb der Projekte deutlich weniger ins Gewicht. Wichtig ist, bei der Auswahl des Dienstleistungspartners neben kaufmännischen Größen und dessen Expertise auch auf die Zusammensetzung der Mitarbeiter zu achten.
  3. Auf keinen Fall sollten Module oder Produkte, die für die Marktposition des Unternehmens von zentraler Bedeutung sind, im Rahmen einer Offshore-Entwicklung vergeben werden. Am Anfang eignen sich deshalb besser kleinere Entwicklungsaufträge, auch um den Partner kennenzulernen und die möglichen Risiken zu minimieren.
  4. Produkte mit besonderen Schutzrechten sollten aufgrund der unvollständig geklärten Copyright- beziehungsweise Patent-Fragen in manchen fernöstlichen Ländern besser nicht offshore entwickelt oder produziert werden.
  5. Oft verfügen Offshore-Anbieter je nach Offshore-Region über unterschiedliche Stärken in einzelnen Fachgebieten. Während Unternehmen zum Beispiel in China ein breites IT-Know-how vorfinden, vor allem in den Sonderwirtschaftszonen, ist dies beispielsweise in Thailand nur punktuell vorhanden. Wichtig ist, diese Stärken zu identifizieren und im Rahmen der Auftragsvergabe zu berücksichtigen.
  6. Bei der Projektanbahnung sollten die Geschäftspartner die Dokumentationsstandards und die zu verwendende Sprache festlegen, vorzugsweise Englisch oder Deutsch. Tun sie dies nicht, wird der Projektpartner die Dokumente möglicherweise in seiner Landessprache abfassen. Für die weitere Arbeit im Land des Auftraggebers führt das aber in der Regel zu Verständigungsschwierigkeiten und zu zusätzlichen Kosten für die nachträgliche Übersetzung.

In der Vergangenheit haben Unternehmen bei Offshore-Projekten das „Kultur-Thema“ nicht ausreichend beachtet. Die Folge: Ergebnisse blieben oft weit hinter den Erwartungen zurück. Doch nur ein tiefgründiges Verständnis für die jeweils andere Kultur und vor allem das Reduzieren von Fehlinterpretationen in der Kommunikation der Mitarbeiter untereinander sorgen für eine Verbesserung der Projektsteuerung, der Projektlaufzeiten und am Ende für erfolgreiche Projektabschlüsse, die die Erwartungen der Kunden erfüllen.

Soziale Netzwerkanalyse: Die unheimliche Macht der heimlichen Strukturen

Bei der Methode der Sozialen Netzwerkanalyse (SNA) werden folgende Fragen beatnwortet:

  • Wer ist unter den zentralen Akteuren, den man dort auch erwartet hat?
  • Wer hat eine überraschende Position inne?
  • Wer taucht nicht auf, bei dem man eine zentrale Position vermutet hätte?
  • Welche Abteilung kooperiert intensiv mit anderen - und welche blockiert die Zusammenarbeit?
  • Haben sich informelle Netzwerke gebildet, die sich gegenseitig behindern?

Nur Unternehmen, denen es gelingt, ihre zentralen Akteure zu identifizieren und Engpässe von Netzwerken aufzudecken, können ihre Leistung nachhaltig steigern.

SNA-Beispiel: Vernetzung einer MitarbeiterIn

Das folgende Beispiel zeigt den Unterschied zwischen formeller Organisationsstruktur und der Netzwerkstruktur einer Abteilung und verdeutlicht die Perspektive einer SNA.

Position MitarbeiterIn X in der formalen Hierarchie der Abteilung
Position MitarbeiterIn X aus einer Netzwerksicht der Abteilung

Das offizielle Organigramm weist für MitarbeiterIn X eine hierarchisch unbedeutende Position aus. Die Auswertung der SNA-Frage „Von wem holen Sie sich Rat für wichtige technische Fragestellungen?“ eröffnet ein anderes Bild. MitarbeiterIn X

  • wird sowohl von Linienmanagern als auch von Fachkräften am meisten um Rat gefragt (zehn Verbindungen zu anderen Personen), und
  • schlägt eine wichtige Brücke zwischen drei Sub-Netzwerken, in denen Mitarbeiter intensiver miteinander, aber nicht untereinander kommunizieren.

Faktor „Zentralität“

Akteure in Netzwerken unterscheiden sich durch den Grad und die Art ihrer Zentralität:

Nabe/Hub: Diese Akteure pflegen viele direkte Verbindungen zu anderen Akteuren. Sie bekommen viele Informationen und verteilen sie weiter.

Makler/Broker: Sie unterhalten Verbindungen zu Akteuren/Gruppen, die selbst kaum oder keine Beziehungen untereinander haben. Sie ermöglichen und kontrollieren Kommunikation und Kooperation.

Graue Eminenz/ Hidden Champions: Diese Akteure pflegen den Kontakt zu Menschen, die mit vielen anderen in Kontakt stehen und verfügen so über eine besonders große Zahl an indirekten Kontakten. Sie können viele Akteure auf indirektem Wege erreichen und beeinflussen.

Für alle drei Netzwerkrollen ist typisch, dass weder die betreffenden Akteure selbst noch ihr Umfeld oft wissen, in welcher zentralen Position sie im Vergleich zu anderen stehen. Andererseits überschätzen Akteure den Grad ihrer Zentralität und sehen nicht, welche Verbindungen zwischen den Akteuren ohne ihre Beteiligung bestehen. In beiden Fällen kann eine SNA ein realistischeres Bild schaffen.

SNA-Beispiel: Kooperation zweier Abteilungen

Die Kooperation zwischen Mitgliedern zweier Entwicklungsabteilungen war zwölf Monate nach der (internen) Fusion unzureichend. Im Tagesgeschäft bestand der Eindruck, dass die Mitarbeiter in zwei verschiedenen Firmen arbeiteten. Die SNA überprüfte diese Hypothese mit der Leitfrage: „Von wem holen Sie sich Rat und Wissen für Ihre Arbeit?“

Es zeigten sich tatsächlich nur wenige Verbindungen zwischen den Organisationsmitgliedern der früher getrennten Organisationen. Lediglich drei kooperierten intensiv über (frühere) Abteilungsgrenzen hinweg. Die folgenden Interventionen wurden eingesetzt:

  • Tandems jeweils aus Mitgliedern beider früherer Abteilungen zum gezielten Austausch bisheriger Vorgehensweisen in beiden Abteilungen
  • Ideenworkshops aus gemischten Teams zur Entwicklung neuer Produktideen
  • Gezielte Zusammenstellung von Projektteams aus beiden früheren Abteilungen
  • Gemeinsame soziale Events

Die nach sieben Monaten wiederholte Analyse zeigt die Vervielfachung der Verbindungen.

Vernetzungsgrad fusionierter Abteilungen nach zwölf Monaten

Vernetzungsgrad fusionierter Abteilungen nach 19 Monaten

Netzwerktypen

Die SNA geht davon aus, dass es nebeneinander existierende Netzwerke gibt. Diese haben im Kern meist unterschiedliche Akteure, wobei immer auch Überlappungen auftreten. Sechs wesentliche Netzwerke können unterschieden werden. Welche Netzwerke identifiziert werden, hängt von den Diagnosefragen und der Abgrenzung des untersuchten Organisationsteils ab.

  • Arbeitsnetzwerk (“Mit wem tauschen Sie Informationen, Dokumente oder Ressourcen im Alltagsgeschäft aus?“) Es bildet Verbindungen zur Erledigung des Tagesgeschäftes ab. Diese sollten dem Organigramm und den Geschäftsprozessen ähneln, Abweichungen deuten auf Funktionsstörungen hin.
  • Strategienetzwerk („Mit wem sprechen Sie über Zukunft und Vision der Organisation?“) In diesen Netzwerken werden Richtungsdiskussionen und -entscheidungen bewegt. In der Art des Netzwerkes und seinen Akteuren bildet sich ab, wie Strategieentwicklung betrieben wird – als Top-Down- oder als Dialogprozess zwischen verschiedenen Organisationsebenen.
  • Soziales Unterstützungsnetzwerk („Mit wem sprechen Sie über Themen, die Sie sozial und beruflich in der Organisation beschäftigen?“) Hier bildet sich die Vertrauenskultur einer Organisation ab. Gesunde Kulturen halten eine Balance von ausreichenden Verbindungen, um einen Ausgleich für den täglichen Stress und Unsicherheiten zu schaffen, und nicht so vielen Verbindungen, dass sie die persönliche Zeit und das soziale Kapital der Beteiligten überbeanspruchen.
  • Innovationsnetzwerk (“Mit wem kommen Sie zu Diskussionen und Treffen zusammen, um neue Ideen zu entwickeln?“) In diesem Netzwerk tauschen die Mitglieder offen noch „unfrisierte“ Ideen aus. Hier werden heilige Kühe geschlachtet, die Akteure können mit den stabilisierenden Bewahrern und Hütern des Expertenwissens zusammenstoßen.
  • Expertennetzwerk („Von wem holen Sie sich Rat und Wissen für Ihre Arbeit?“) Die Akteure dieses Netzwerkes halten und pflegen das erfolgskritische und etablierte, meist nicht-kodifizierte Wissen (tacit knowledge) der Organisation.

Der Vergleich verschiedener Netzwerke kann interessante Hinweise liefern. Wenn zum Beispiel Wissensmanagement und Innovationsraten nicht den Erwartungen entsprechen, kann die SNA möglicherweise streng voneinander getrennte Netzwerke sichtbar machen, die sich gegenseitig blockieren: Expertennetzwerke treten meist stärker als Bewahrer vorhandenen Know-hows auf, während Innovationsnetzwerke mit ihren Ideen in Widerspruch zum etablierten Expertensystem geraten.

Nutzen der Methode

Die SNA analysiert Stärken und Funktionsstörungen von Netzwerken auf und unterstützt damit gezielte Management-, OE- und PE-Interventionen. Eine SNA ermöglicht

  • das Identifizieren von Akteuren, die eine zentrale Rolle spielen: informelle Entscheidungsträger, Wissensmakler, Experten, Innovatoren, Kulturträger,
  • das Messen und bewerten von Arbeitsbeziehungen, wodurch die Forderung nach Kooperationsverbesserung greifbar gemacht wird. Die SNA ist auf Einzelpersonen, Abteilungen, ganze Organisationen und Organisationsallianzen anwendbar,
  • das Auffinden von Engpässen zur Optimierung der Leistungsprozesse,
  • die Verminderung von Kosten und Erhöhung der Effizienz bei Fusionen, Veränderungsprozessen, Restrukturierungen,
  • das Erweitern des Bewusstseins für die Bedeutung informeller Netzwerke.

Fallstricke

Eine SNA hat starke ethische Implikationen, muss sehr sensibel eingeführt und jeder Versuch, Ergebnisse zu missbrauchen, unterbunden werden. Die Einsichten in die sozialen Strukturen von Organisationen macht die SNA ungeeignet für Zeiten starker Konflikte und angstbesetzte Umbruchsituationen.

Fazit

Die SNA ist kein Plug and Play Werkzeugkasten, auch wenn gerade die heute vorhandenen Softwarelösungen diesen Eindruck erwecken mögen.

SNA Anwender brauchen ein fundiertes Wissen über die Erstellung zielführender Fragebögen, über die Zusammenhänge und Logik der verschiedenen Maßzahlen und die möglichen Variationen von Kennzahlen. Die Ableitung von Empfehlungen erfordert hohe Professionalität in der Hypothesenbildung und Interpretation der Ergebnisse. Wird die SNA mit der notwendigen Umsicht und Professionalität eingesetzt, leistet sie einen wesentlichen Beitrag zur Steuerung und Entwicklung von Organisationen.

Literatur

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Burt, R.S. (1992). Structural holes. The social structure of competition. Harvard University Press.

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Granovetter, M. (1973). The strength of weak ties. American Journal of Sociology, 78, 1360-1380.

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SNA Software

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UCINet http://www.analytictech.com/ucinet/ [55]

Visione http://visone.info/ [56]

Datenschutz: Ausweitung der Datenschutz-Gesetze auf juristische Personen

Der Begriff der personenbezogenen Daten

Gemäß § 3 Abs. 1 des Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG) sind personenbezogene Daten Einzelangaben über persönliche oder sachliche Verhältnisse einer bestimmten oder bestimmbaren natürlichen Person (Betroffener).

Begriff bezieht sich auf die natürliche Person

Nach dem Wortlaut des Gesetzes unterliegen nur personenbezogene Daten natürlicher Personen dem Schutz des Gesetzes. Hinter dem Begriff der natürlichen Person versteckt sich der Mensch in seiner Rolle als Rechtssubjekt, das heißt als Träger von Rechten und Pflichten. Rechtssubjekte, die Träger von Rechten und Pflichten sind, aber keine Menschen, zum Beispiel Unternehmen, sind als juristische Personen zu bezeichnen. Damit werden Angaben über diese nach dem Wortlaut des Gesetzes nicht von dem Begriff der personenbezogenen Daten umfasst.

„Grundrecht des Datenschutzes“: Recht auf informationelle Selbstbestimmung

Die Datenschutzgesetze sind gestützt auf das im Grundgesetz durch Art. 2 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 garantierte Recht auf informationelle Selbstbestimmung [57] , welches durch die Datenschutzgesetze ausgestaltet und konkretisiert wird. Da sich die Datenschutzgesetze in Deutschland nur auf natürliche Personen beziehen, kommt der Schutzumfang, welcher das Grundrecht konkretisiert, nur diesen zugute. Dies ist nicht selbstverständlich, da nach Art. 19 Abs. 3 des Grundgesetzes die Grundrechte grundsätzlich auch für inländische juristische Personen gelten, wenn diese ihrem Wesen nach auf sie anwendbar sind. Dass auch Unternehmen grundsätzlich ein Interesse daran haben können, die unternehmensbezogenen Angaben selbst beeinflussen zu können, wird damit durch die einfachgesetzliche Ausgestaltung des Grundrechts in den Datenschutzgesetzen nicht direkt anerkannt.

Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Niedersachsen

Auch juristische Personen können letztlich jedoch Träger des Rechts auf informationelle Selbstbestimmung als Teilbereich des allgemeinen Persönlichkeitsrechts sein, wie auch das Oberverwaltungsgericht Niedersachsen in der Entscheidung (10 ME 385/08 [58] ) feststellt. Gleichzeitig wird jedoch festgehalten, dass die Schutzschwelle in diesem Zusammenhang hoch anzusetzen ist.

„Mitglieder“ der juristischen Person werden geschützt

Die hinter der juristischen Person stehenden Menschen werden jedoch durch die Datenschutzgesetze geschützt, wenn sich die Angaben über die Gesellschaft auch auf sie beziehen. So können beispielsweise Angaben über eine GmbH zu den Gesellschaftern, Beschäftigten oder Geschäftsführern dieser GmbH Bezug haben („Herr XYZ arbeitet bei der ABC GmbH“).

Ansicht des Verwaltungsgerichts Wiesbaden

Ausnahmsweise kann auch die Unternehmensbezeichnung allein bereits ein personenbezogenes Datum im Sinne von § 3 Abs. 1 BDSG darstellen, wenn zwischen der GmbH und den „hinter“ ihr stehenden Personen eine enge wirtschaftliche Bindung besteht, die sich auch durch eine finanzielle oder personelle Verflechtung äußern kann. Der Schutz, welcher durch die Datenschutzgesetze gewährt wird, schlägt dann auf die hinter der Gesellschaft stehenden Personen durch, sodass der Schutzumfang voll besteht.

Nach der Beurteilung des Verwaltungsgerichts Wiesbaden vom 7.12.2007 können etwa die Wirtschaftsdaten einer juristischen Person personenbezogene Daten einer natürlichen Person sein, wenn diese einer Person als Alleinaktionär oder Gesellschafter zuzurechnen sind. Insoweit beziehen sich die Daten dann auf das Vermögen des alleinigen Eigentümers. Dieser als natürliche Person wird in diesen Daten in seinem Recht auf informationelle Selbstbestimmung betroffen und nach der oben dargestellten Begriffsbestimmung der personenbezogenen Daten durch die Datenschutzgesetze geschützt. Die Frage wurde später auch dem Europäischen Gerichtshof zur Entscheidung vorgelegt.

Ein-Mann-GmbH oder Einzelfirma: Datenschutzgesetze sind anwendbar

Die genannten finanziellen und personalen Verbindungen treten häufig bei der so genannten „Ein-Mann-GmbH“ oder Einzelfirmen auf. Hier kann in der Regel davon ausgegangen werden, dass ein Bezug zu der „hinter“ der juristischen Person stehenden natürlichen Person besteht. Beim Einzelkaufmann besteht rechtliche Identität, sodass eine Trennung in gewerbliche und personenbezogene Daten nicht stattfinden kann und die Datenschutzgesetze vollumfänglich anwendbar sind.

EuGH hat Schutzumfang vor Kurzem bestätigt

Auch der Europäische Gerichtshof hat den dargestellten Schutzumfang in seinem Urteil vom 9. November 2010 bestätigt (Az. C 92/09 und C 93/09, Rz. 54). Lässt etwa der Name der klagenden Gesellschaft des bürgerlichen Rechts Rückschlüsse auf die dahinter stehenden Gesellschafter zu, kann so ein Personenbezug hergestellt wird. Wenn die gezahlten Subventionen für die Empfänger einen großen Teil ihrer Einkünfte darstellen, ist mit der Veröffentlichung solcher Daten die Privatsphäre der Einzelnen berührt. Doch auch der Europäische Gerichtshof geht in seinem Urteil davon aus, dass die Gewichtung des Schutzes personenbezogener Daten bei juristischen Personen eine andere ist als bei natürlichen Personen. Mehr zu dieser Entscheidung können sie hier [59] lesen.

Nachbarländer beziehen oftmals juristische Personen in den Schutzumfang mit ein

Die Datenschutzrichtline 95/46/EG schreibt die Beschränkung des Schutzumfangs auf natürliche Personen gerade nicht vor, sondern hat in diesem Bereich den Mitgliedsstaaten der EU einen Handlungsspielraum gewährt, ob juristische Personen auch von den Datenschutzgesetzen umfasst werden sollen. Demgemäß haben Datenschutzgesetze anderer Länder (zum Beispiel Österreich, Dänemark, Luxemburg) juristische Personen in ihren Schutzbereich mit einbezogen (so im Übrigen auch die Schweiz). Der deutsche Gesetzgeber hat die juristischen Personen jedoch nicht in den Schutzumfang aufgenommen, sodass diese Bewertung im Rahmen der Datenschutzgesetze und auch bei einer Bestimmung deren Recht zur informationellen Selbstbestimmung beachtet werden muss.

Besonderer Datenschutz der juristischen Person nach dem Telekommunikationsgesetz

Während das BDSG nur für Einzelangaben natürlicher Personen anwendbar ist, weitet das Telekommunikationsgesetz (TKG) gemäß § 91 Abs. 1 TKG den Anwendungsbereich des Telekommunikationsdatenschutzes auf diese aus. Nach dieser Norm werden Einzelangaben über juristische Personen (zum Beispiel AG und GmbH) und Personengesellschaften (zum Beispeil OHG und KG) den Angaben über natürliche Personen gleichgestellt und vom TKG in dessen Abschnitt 2 geschützt. Daten, die durch das Fernmeldegeheimnis geschützt werden, beziehen sich insbesondere darauf, ob eine juristische Person an einem Telekommunikationsvorgang beteiligt ist oder war (Verbindungsdaten). In diesem Punkt genießen juristische Personen damit vollen Schutzumfang. Der Gesetzgeber hat damit einen besonderen Schutzumfang auch für juristische Personen in einem konkreten Punkt bestimmt.

Ende der Forderung nach einem „Personenbezug“ von Daten?

Auch auf dem Triberger Symposium [60] klang in den Vorträgen von Herrn Peter Schaar und Herr Professor Bäcker an, dass die in § 3 Abs. 1 BDSG vorgenommene Definition von personenbezogenen Daten nicht mehr ausreichend Schutz bieten würde. Vielmehr war eine klare Tendenz zu erkennen, dass man für einen effektiven Datenschutz künftig die Ansammlung von Daten auch dann regulieren müsse, wenn es sich nicht um personenbezogene Daten handeln würde. Nach der momentanen gesetzlichen Gestaltung kann wie dargestellt aber nicht eine einfache Erweiterung und Ausweitung des Begriffes zugunsten der juristischen Personen angenommen werden.

Fazit

Daten juristischer Personen werden vom Anwendungsbereich der deutschen Datenschutzgesetze momentan weitestgehend ausgenommen, obwohl auch die Unternehmen grundsätzlich ein Interesse daran haben, datenschutzrechtlich Einfluss auf unternehmensbezogene Angaben zu nehmen. Bislang schützt das BDSG nur Angaben über natürliche Personen, wenngleich innerhalb Europas durchaus unterschiedliche Regelungskonzepte existieren. Insoweit ist auch die Tendenz in der aufsichtsbehördlichen und wissenschaftlichen Diskussion beachtlich, künftig gänzlich auf das Merkmal des Personenbezugs zu verzichten und damit juristische und natürliche Personen gleichermaßen zu schützen.

Unternehmensbedrohung: Wie gut schützen Sie Ihr Unternehmen?

In der Politik geht es den Verursachern meist darum, die Politiker mitsamt ihrem wirtschaftlichen und internationalen Einfluss zu schwächen, im Unternehmenskontext geht es darum, die Marktposition des Unternehmens zu schwächen. Hauptsächlich steht dabei ein Konkurrenzdenken im Mittelpunkt, dem auch Ihr Unternehmen sich nicht entziehen kann. Wettbewerber versuchen, das Know-how der Konkurrenten zu stehlen, ihre Fachkräfte abzuwerben oder Ressourcen strategisch zu horten. Und dies sind bei Weitem nicht die einzigen Bedrohungen, die Ihr Unternehmen gefährden können. Sechs weitere Szenarien, für die Sie Ihr Unternehmen rüsten sollten:

Klimakatastrophen

Jahrhundertfluten und tosende Stürme – der Klimawandel ist schon lange ein bedeutendes Thema in der Wissenschaft und daher keine völlig neue Bedrohung mehr. Kämpft Ihr Unternehmen schon mit den Folgen des Klimawandels? Können Sie die Produktion weiterführen, auch wenn umgestürzte Bäume oder Wassermassen Ihre Gebäude beschädigen und Ihre Zufahrtsstraßen blockieren? Diese Gefahr lauert jeden Tag, wird jedoch oft unterschätzt.

Demografischer Wandel

Ein Großteil der Erwerbstätigen in Deutschland ist heute etwa Mitte Vierzig. Arbeitskräfte werden zunehmend älter und es folgen immer weniger Erwerbstätige nach, denn seit den 1970er Jahren ist die Geburtenrate rückläufig. So zeigt eine Untersuchung des Statistischen Bundesamtes deutlich: Die Bevölkerung in Deutschland schrumpft.

Auch eine aktuelle Studie der EU besagt, dass Deutschland im europäischen Vergleich am stärksten vom Rückgang der Erwerbstätigen betroffen sein wird. Die Folge wird zwangsläufig ein gravierender Mangel an Fachkräften sein. Haben Sie sich bereits auf diese Veränderungen des Marktes eingestellt? Können Sie sicherstellen, dass Ihrem Unternehmen auch in Zukunft junge, dynamische Mitarbeiter zur Verfügung stehen?

Ressourcenverknappung

Derzeit sind Themen wie diese häufig in Zeitungen und im Internet zu lesen: „Deutschland beschwört Gefahr aus China“ (Financial Times Deutschland, 13.10.2010), Australien sichert Japan seltene Erden zu (Frankfurter allgemeine Zeitung, 25.11.2010) oder „Seltene Erden für alle“ (n-tv, 29.10.2010). China beschafft schon heute viele Rohstoffe, die in der Zukunft immer wichtiger werden: Schätzungen zufolge derzeit etwa 95 Prozent des jährlichen Förderungsvolumens. Mit anderen Worten sichert sich China bereits heute nahezu das gesamte Förderaufkommen an Rohstoffen. Hierzu zählen vor allem Rohstoffe, die heute namentlich kaum jemandem bekannt sind, wie Cerium, Europium oder Samarium. Dies sind jedoch die Rohstoffe von morgen, denn Sie werden vor allem für Hightech-Produkte eingesetzt, beispielsweise für Flachbildschirme, Glasfaserkabel oder Magnete für Festplatten und iPods. Können Sie auf diese Ressourcen verzichten?

Gesetzliche Anforderungen

Bei der Flut an Gesetzen und Anforderungen, die ein Unternehmen in Deutschland beachten muss, ist es gerade für den Mittelstand nicht immer einfach, den Überblick zu behalten. Mittelständische Unternehmen verfügen aus Kosten- und Ressourcengründen oft nicht über ein Instrument oder den Sachverstand, mit dem sie die Einhaltung aller Gesetze und Anforderungen regelmäßig kontrollieren können.

Eine Studie aus dem Jahr 2006 der Experton Group zeigt, dass sich viele Unternehmer noch nicht einmal der Verpflichtung bewusst sind, ein System einzusetzen, das klar zeigt, welche Gesetze zu beachten oder welche Informationen wie lange zu archivieren sind. Gibt es in Ihrem Unternehmen ein Instrument oder einen Experten, der Sie bei der Erfüllung dieser Anforderungen unterstützt?

Stromversorgung

Im September 2008 wurde im „Grünbuch öffentliche Sicherheit“ ein Szenario zum flächendeckenden Stromausfall in Deutschland beschrieben. Lange Zeit galt Deutschland als eines der sichersten Länder, was die Stromversorgung angeht – bis im Winter 2005 der Strom im Münsterland flächendeckeckend für mehrere Tage ausfiel. Eisregen war damals die Ursache. Erst mit diesem ernst zu nehmenden Zwischenfall wurde deutlich, dass auch das deutsche Stromnetz sehr anfällig ist. Zusätzlich bringen die europäischen Abhängigkeiten in der Stromversorgung weitere Ausfallpotenziale mit sich. Wie sorgen Sie dafür, dass Ihr Unternehmen auch bei einem lang anhaltenden Stromausfall weiterhin handlungsfähig bleibt?

Know-how der Mitarbeiter

Wer sich häufig in öffentlichen Räumen bewegt, kennt dieses Szenario: Nebenan unterhält sich jemand lautstark mit einem Geschäftspartner über unternehmensinterne Dinge, sodass man kaum eine Chance hat, wegzuhören. In solchen Fällen helfen auch die besten Sicherheitsmaßnahmen einem Unternehmen nicht, seine Interna zu schützen. Der Zugriffsschutz auf Daten, die in der IT gespeichert werden, reicht alleine nicht aus, um sensible Daten ausreichend abzuschirmen. Der Faktor Mensch stellt in puncto Datensicherheit ebenfalls ein großes Risiko dar. Die Mitarbeiter regelmäßig im Umgang mit sensiblen Daten zu schulen, ist deshalb eine notwendige Zusatzmaßnahme.

Unternehmen sind oftmals so mit den Herausforderungen des Alltags beschäftigt, dass sie die Vielzahl der Risiken nicht im Blick behalten können. Dazu fehlt es an pragmatischen Ansätzen und bezahlbaren Instrumenten – am besten beruhend auf Bordmitteln. Wie steht es um die Bewertung der Risiken in Ihrem Unternehmen? Haben Sie alle für Ihr Unternehmen relevanten Risiken bedacht?

Datenschutz: Wer kann die Position des Datenschutzbeauftragten bekleiden?

Welche Fähigkeiten muss der Datenschutzbeauftragte besitzen?

Der Datenschutzbeauftragte muss nach dem Gesetz dazu befähigt sein, sein Amt sachgerecht auszuüben. Dies erfordert insbesondere, dass der Datenschutzbeauftragte Verfahren und Techniken der automatisierten Datenverarbeitung kennen und daneben auch Kenntnisse über rechtliche und betriebswirtschaftliche Zusammenhänge besitzen muss. Der Datenschutzbeauftragte muss insbesondere auch mit der Organisation des Betriebes und dessen Funktionen vertraut sein. Dies umfasst einen Überblick zu sämtlichen betrieblichen Fachaufgaben, zu deren Erfüllung personenbezogene Daten verarbeitet werden.

Zuverlässigkeit des Datenschutzbeauftragten

Zudem dürfen nur diejenigen Personen zum Beauftragten für Datenschutz bestellt werden, die die notwendige Zuverlässigkeit zur Ausführung ihres Amtes besitzen. Der Begriff der Zuverlässigkeit umfasst neben einer sorgfältigen und gründlichen Arbeitsweise auch Belastbarkeit, Lernfähigkeit, Loyalität und Gewissenhaftigkeit. Unter den Begriff der Zuverlässigkeit fällt daneben auch die Vereinbarkeit der Aufgabe des Datenschutzbeauftragten mit dessen anderen hauptamtlichen und nebenamtlichen Aufgaben.

Die Unabhängigkeit des Datenschutzbeauftragten

Damit der Datenschutzbeauftragte seine Aufgaben gesetzeskonform wahrnehmen kann, muss er in seiner Entscheidung und Bewertung von Sachverhalten unabhängig sein. Dass die Unabhängigkeit gerade im Bereich des Datenschutzes eine große Rolle spielt wurde in diesem Jahr bereits durch den Europäischen Gerichtshof bestätigt. Näheres können Sie hier nachlesen: EuGH-Urteil: Staatliche Aufsicht über deutsche Datenschutz-Behörden verstößt gegen Europarecht [61]

Welche Berufe bergen einen Interessenkonflikt?

In der juristischen Literatur werden einige Berufsgruppen mit einem potentiellen Interessenkonflikt gesehen, der die Unabhängigkeit des Datenschutzbeauftragten und damit eine wirksame Tätigkeit in Frage stellt. Dies sind – neben Mitgliedern der Unternehmensleitung, die auf Grund § 4f Abs. 3 S. 1 BDSG nicht zum Datenschutzbeauftragten bestellt werden dürfen – nach zumeist vertretener Ansicht die Inhaber eines Unternehmens sowie EDV- und Personalverantwortliche und IT- Administratoren.

Aus den genannten Gründen sind auch Bestellungen von engeren Verwandten der Unternehmensleitung und ähnlichen Personen zu vermeiden.

Welche Personen kommen für die Bestellung zum internen Datenschutzbeauftragten in Frage?

Die Mitarbeiter der Revision, der Rechtsabteilung und der Organisation können zum Datenschutzbeauftragten bestellt werden, soweit ein Interessenkonflikt nicht besteht. In der Literatur werden sowohl der Leiter der Innenrevision sowie der EDV-Revision für die Position als grundsätzlich geeignet erachtet.

Vermeidung von Interessenkollisionen durch externen Datenschutzbeauftragten

Ein interner Interessenkonflikt lässt sich in der Praxis durch die Bestellung eines externen Datenschutzbeauftragten [62]  vermeiden.

Der Rechtsbeistand als externer Datenschutzbeauftragter

Unternehmensanwälte, die das Unternehmen sowohl in allgemeinen Rechtsangelegenheiten als auch als externer Datenschutzbeauftragter betreuen, unterliegen in der Regel einem Interessenkonflikt, da diese zugleich die Interessen des Mandanten und – quasi interessenneutral – die Aufgaben als Datenschutzbeauftragter wahrnehmen müssen.

Dem Rechtsanwalt ist es gemäß § 43 BRAO i.V.m. § 43a Abs. 4 BRAO, § 3 BORA indes berufsrechtlich verboten, widerstreitende Interessen zu vertreten. Das Verbot der Vertretung widerstreitender Interessen gilt gemäß § 3 Abs. 2 S. 1 BORA auch für alle mit einem Rechtsanwalt in derselben Berufsausübungs- oder Bürogemeinschaft verbundenen Rechtsanwälte. Liegt eine Vertretung widerstreitender Interessen vor sind alle Mandate in derselben Rechtssache unverzüglich niederzulegen. Eine derartige Interessenkollision kann zudem die Unzulässigkeit der Bestellung zum Datenschutzbeauftragten und damit die Abberufung durch die Datenschutz-Aufsichtsbehörde zur Folge haben (mit entsprechenden Bußgeldrisiken für das Unternehmen).

Fazit

Soll ein interner Datenschutzbeauftragter bestellt werden, ist darauf zu achten, dass dieser unabhängig und unter Meidung von Interessenkonflikten seinen gesetzlichen Aufgaben nachkommen kann. Auch bei Bestellung von externen Datenschutzbeauftragten, die unabhängig ihrer Aufgabe nachkommen müssen, muss darauf geachtet werden, dass diese keinen Interessenskonflikten unterliegen. Rechtsanwälte, die für die Tätigkeit als externer Datenschutzbeauftragter in der Regel besonders geeignet sind, sollten zur Wahrung ihrer Unabhängigkeit als Datenschutzbeauftragter die Unternehmen daher nicht gleichzeitig zu allgemeinen Rechtsthemen beraten.

Funktionsübergreifende Zusammearbeit: Unternehmen brauchen alternative Organisationsmodelle

Es ist an der Zeit, über "klassische" funktionsübergreifende Zusammenarbeit hinauszugehen. Unternehmen müssen alternative Organisationsmodelle umsetzen, Rollen stärken, die die Zusammenarbeit fördern, und ihre Mitarbeiter entsprechend schulen. Nur so werden sie sich im zunehmenden Wettbewerb behaupten können. Das sind die zentralen Ergebnisse einer aktuell von Roland Berger Strategy Consultants durchgeführten Studie. Untersucht wurde im Rahmen dieser Studie, wie Unternehmen "klassische" funktionsübergreifende Zusammenarbeit hinter sich lassen können.

"Auch heute noch bestimmen Funktionen die Unternehmensstrukturen. Den Anforderungen von Morgen werden Unternehmen damit aber nicht gerecht",

erläutert Thomas Rinn, Partner bei Roland Berger Strategy Consultants. Dafür gibt es zahlreiche Gründe: Die steigenden Kundenanforderungen, der weltweit zunehmende Wettbewerb und das erschöpfte Potenzial innerhalb der Funktionen - all das zwingt Unternehmen dazu, sich Synergien über eine funktionsübergreifende Integration zu erschließen.

Dabei verlassen sich viele Unternehmen nach wie vor auf klassische, auf Taskforces basierende funktionsübergreifende Zusammenarbeit, etwa gemeinsame Beschaffungsteams aus den Bereichen Einkauf, Entwicklung und Produktion. Diese klassische funktionsübergreifende Zusammenarbeit ist allerdings immer häufiger immer weniger erfolgreich. Die Roland Berger Studie kommt zu dem Schluss, dass dies vor allem auf unzureichende Anreize, die Angst der Verantwortlichen vor Einflussverlust sowie auf unzureichende interne Ressourcen zurückzuführen ist.

"Klassische" funktionsübergreifende Zusammenarbeit überwinden

Unternehmen müssen deshalb ihre Managementsysteme an die neuen Anforderungen anpassen, die über eine "klassische" funktionsübergreifende Zusammenarbeit hinausgehen. Folgende drei Elemente sind der Schlüssel zu einer erfolgreichen funktionsübergreifenden Zusammenarbeit:

  1. Alternative Organisationsmodelle: An Bedeutung gewinnen werden vor allem Strukturen, die auf Netzwerken beruhen. Derzeit betreiben viele Unternehmen funktionsübergreifende Zusammenarbeit basierend auf Projektstrukturen. Dabei kombinieren sie ihre Linienorganisation mit einem institutionalisiertem Projektmanagement. Auf Netzwerken basierende Strukturen über Funktionen, Länder und Hierarchien hinweg eignen sich allerdings besser für eine erfolgreiche funktionsübergreifende Zusammenarbeit.
  2. Unternehmen müssen jene Rollen stärken, die eine Zusammenarbeit fördern, allen voran diejenigen Mitarbeiter, die auf operativer Ebene ein Projekt, einen Prozess oder eine Aufgabe vorantreiben und zwischen verschiedenen Stakeholdern moderieren. Erfolgreiche Unternehmen stärken die Karrierechancen der verantwortlichen Mitarbeiter aktiv.
  3. Unternehmen müssen die Kompetenzen ihrer Mitarbeiter verbessern, um sie auf ein weniger hierarchisches und strukturiertes Umfeld vorzubereiten. Mitarbeiter müssen zunehmend in der Lage sein, das große Ganze zu sehen und gleichzeitig die Fähigkeit entwickeln, andere zu überzeugen, anstatt Befehle zu erteilen.

Systematisches Change Management ist gefragt

Über das klassische Modell der funktionsübergreifenden Zusammenarbeit hinauszugehen, erfordert grundlegende Veränderungen in den Unternehmen. Ohne ein systematisches Change Management ist ein Erfolg wenig wahrscheinlich. Trotzdem sind viele Unternehmen bereit, derartige organisatorische Veränderungen vorzunehmen. Roland Berger Projektmanager Dr. Sebastian Durst resümiert:

"Organisationen, in denen starre Funktionsstrukturen dominieren, werden den heutigen Anforderungen nicht mehr gerecht. Unternehmen sollten daher nach einer zu ihnen passenden Lösung suchen und diese mit Hilfe eines systematischen Change Management umsetzen."

Zur Studie

An der Studie haben 20 Unternehmen aus verschiedenen Industrien teilgenommen.

Quelle: Roland Berger Strategy Consultants

Outsourcing: Motive für Outsourcing-Entscheidungen ändern sich

Wollten 2009 nur knapp 27 Prozent der Unternehmen mithilfe von Auslagerungen schnell auf zusätzliche Kapazitätsanforderungen reagieren - sind es inzwischen 40 Prozent. Das hat die Trendstudie "Erfolgsmodell Outsourcing 2010" von Steria Mummert Consulting ergeben.

"In den vergangenen zwölf Monaten waren viele Unternehmen in Deutschland damit konfrontiert, auf eine sprunghaft wechselnde Auftragslage schnell reagieren zu müssen",

sagt Rüdiger Kloevekorn von Steria Mummert Consulting.

"Diese Erfahrungen spiegeln sich jetzt in den Motiven für Outsourcing-Entscheidungen wider. Denn ein Großteil der Unternehmen will Kapazitätsschwankungen künftig mit Auslagerungsprojekten beherrschbar machen, ohne im eigenen Unternehmen investieren zu müssen."

Auswahlkriterien für Outsourcing-Dienstleister

Bei der Auswahl des dafür notwendigen Outsourcing-Partners stehen bei den Unternehmen Sicherheitsüberlegungen an oberster Stelle. Zwei Drittel der Befragten legen auf die Absicherung der aus dem Hause gegebenen Unternehmensdaten größten Wert.

Gut jeder zweite auslagernde Betrieb wünscht sich zudem eine nachgewiesene Fachkompetenz seines Outsourcing-Dienstleisters und häufig auch spezifisches Branchenwissen (40 Prozent).

Interessant ist, dass bei den Auswahlkriterien eine überregionale Expertise kaum eine Rolle spielt. Mehr als 90 Prozent der befragten Fach- und Führungskräfte halten beispielsweise eine weltweite Präsenz des Dienstleistungspartners als Auswahlkriterium nicht von bedeutender Relevanz.

Zudem ist die Umsatzstärke des potentiellen Outsourcing-Kandidaten nach Meinung der großen Mehrheit der Befragten (86 Prozent) zu vernachlässigen.

Zur Studie

Die Studie "Erfolgsmodell Outsourcing" ist das Ergebnis einer Entscheiderbefragung, die im Auftrag von Steria Mummert Consulting durchgeführt wurde. Es wurden 204 Fach- und Führungskräfte aus Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern zum Thema "Outsourcing" befragt.

Quelle: Steria Mummert Consulting

Virtuelle Teams: Teamarbeit mit Internet und mit Web-Konferenzen

Früher saßen alle Mitarbeiter in einem Großraumbüro oder einem Flügel des Gebäudes beisammen. Sie waren ein Team. Trafen sich in der Kaffeeküche und schauten beim Kollegen vorbei, wenn sie einfach einmal reden wollten oder eine wichtige Frage hatten. Heute sind Teams virtuell – zumindest immer mehr. Auf dem Papier, im Organigramm sind sie eine Einheit, aber die einzelnen Teammitglieder sitzen überall verstreut in der Welt, reisen ständig umher oder arbeiten von zuhause aus. Gründe können sein:

  • Globale Unternehmen haben Niederlassungen auf der ganzen Welt. An jedem Standort sind vergleichbare Aufgaben zu erfüllen. Die Mitarbeiter werden organisatorisch in einer Einheit zusammengefasst, damit sie mehr von ihren Erfahrungen austauschen und damit einheitliche Standards durchgesetzt werden können.
  • Viele Mitarbeiter sind auf Reisen – beim Kunden, bei Projektpartnern, bei Lieferanten, auf Montage oder innerhalb des eigenen globalisierten Konzerns. An ihrem eigentlichen Arbeitsplatz sind sie nur selten – und wenn doch, dann treffen sie ihre Teamkollegen, die ebenfalls viel reisen, dort auch nicht an.
  • Wenn der Arbeitgeber flexible Arbeitszeiten anbietet, dann nutzen die Mitarbeiter das gerne. Mancher muss früher nach Hause, ein anderer macht auf Home Office. Da geht manches von direkter Kommunikation verloren. Gleichwohl sollen auch diese Mitarbeiter in die Abstimmungen und Prozesse gut eingebunden sein.

Das Phänomen und die Probleme

Für viele Mitarbeiter ist die Arbeit in den letzten Jahren komplexer geworden. Es gibt weniger Routinearbeit und dafür ist man in Projekte eingebunden. Dort werden Mitarbeiter aus unterschiedlichen Fachbereichen und Niederlassungen mit ihren jeweiligen Kompetenzen zusammengeholt. Sie sollen an einer Projektaufgabe gemeinsam arbeiten.

Für die Unternehmen hat das einige Vorteile: Sie können flexibel die Kompetenzen ihrer Mitarbeiter bündeln, die für eine Aufgabe oder ein Projekt gerade benötigt werden. Sie fördern den Erfahrungsaustausch untereinander und den Wissenstransfer. Die Unternehmen sind organisatorisch flexibler und können auf Veränderungen im Umfeld, auf neue Herausforderungen schneller reagieren. Denn die Mitarbeiter müssen nicht jedes Mal umziehen, wenn sie neue Aufgaben bekommen – sie wollen ihre berufliche und private Heimat nicht verlassen.

Möglich machen das die neuen Technologien. Internet, Breitband, Mobilfunk und Multimedia haben die technischen Voraussetzungen in den letzten Jahren enorm verbessert. Um Informationen auszutauschen, um sich abzustimmen oder um einfach eine Frage schnell zu klären, müssen sich die Mitarbeiter nicht persönlich sehen.

Stichwort

Alle Mitarbeiter im Unternehmen gehören zu einer organisatorischen Einheit, die im Allgemeinen aus mehreren anderen Mitarbeitern besteht, einen gemeinsamen Vorgesetzten hat, gemeinsame Ziele verfolgt und das Selbstverständnis der Zusammengehörigkeit besitzt. Diese Einheiten sind Teams, Gruppen, Abteilungen oder auch Projektgruppen (hier ist der Projektleiter der Vorgesetzte – meist ohne disziplinarische Macht).

Können sich die Mitglieder einer solchen Gruppe nicht regelmäßig persönlich sehen oder sind sie dauerhaft räumlich voneinander getrennt, dann spricht man von virtueller Teamarbeit. Besonderes Merkmal dieser Form der Zusammenarbeit ist, dass besondere Techniken für die Kommunikation und den Informationsaustausch eingesetzt werden, um die räumlichen und zeitlichen Distanz zu überwinden.

Doch diese räumliche und zeitliche Distanz bleibt ein Problem. Da hilft auch die einfache Ansage nicht: „Wir arbeiten doch alle mit E-Mail, es gibt Konferenzschaltungen und bei Bedarf richtet die EDV-Abteilung einen virtuellen ‚Workspace in der Cloud’ oder ein Tool für Webkonferenzen ein.“ Mit den modernen Technologien bekommt eine gute EDV-Abteilung das meiste davon in den Griff. Doch virtuelle Teamarbeit ist nicht nur eine technische Herausforderung.

Viel weitreichender sind die organisatorischen Probleme und die besonderen Herausforderung, denen sich die betroffenen Mitarbeiter und vor allem ihre Führungskräfte ausgesetzt sehen. Sie brauchen nicht nur Medienkompetenz, sondern müssen sich auf neue Formen der Zusammenarbeit einlassen. Oft zeigt sich:

  • Die Mitarbeiter kommen mit der Technik für die virtuelle Zusammenarbeit nicht zurecht. Die Technikfreaks in der Gruppe tüfteln mit der EDV-Abteilung tolle Lösungen aus, die für den normalen Anwender dann zu komplex und zu wenig nutzerfreundlich sind.
  • Für die Nutzung der Medien wurden keine Spielregeln vereinbart. Die Kommunikation verläuft einseitig, manche steigen aus, ohne dass die anderen das merken, Dateien werden unsystematisch abgespeichert und der leitungsgebundene Umgangston ist nicht angemessen.
  • Die Führungskräfte haben keinen direkten Einblick in das, was ihre Mitarbeiter am anderen Ende der Leitung und im Büro auf dem anderen Kontinent konkret tun. Es fehlt ihnen das Gefühl dafür, ob eine Arbeit noch rechtzeitig fertig wird, wie der Mitarbeiter mit der Aufgabe zurecht kommt und vor allem – wann Kritik und wann ein Lob auch mal zwischendurch angebracht ist.

Da wundert die große Skepsis vieler Mitarbeiter nicht. Sie fühlen sich mit Telefonkonferenzen, E-Mails und im virtuellen Teamraum oft nicht wohl. Zumindest dann nicht, wenn der persönliche Kontakt, das direkte Gespräch, die Plauderei in der Kaffeepause gar nicht gepflegt wird. Doch auch hier gibt es große Unterschiede: Die einen haben sich mit den technischen Möglichkeiten vertraut gemacht und nutzen sie effektiv und effizient für ihre Kommunikation; sie nutzen privat Facebook und Twitter und haben sich daran gewöhnt, mit anderen Menschen über den Computer zu kommunizieren. Die anderen tun sich damit schwer und vermissen die persönlichen Kontakte.

Datenschutz: Vorsicht beim Veröffentlichen von Mitarbeiterdaten im Internet

Wie stellt sich die datenschutzrechtliche Lage derzeit dar?

Unternehmen und in verstärktem Maße auch Behörden sowie andere öffentliche Stellen publizieren Daten ihrer Beschäftigten (zum Beispiel Namen, Arbeitsgebiet, Kontaktdaten) im Internet. Dabei besteht oftmals Unsicherheit darüber, welche Daten ihrer Beschäftigten das Unternehmen veröffentlichen darf beziehungsweilse welche Veröffentlichung der betroffene Beschäftigte dulden muss.

Die Zulässigkeit der Datennutzung richtet sich bei Unternehmen und der Bundesverwaltung grundsätzlich nach den Vorschriften des Bundesdatenschutzgesetzes („BDSG“) und bei der Landesverwaltung nach den jeweiligen Datenschutzbestimmungen der Länder. Abgesehen von den Ausnahmefällen, in denen gesetzliche beispielsweise gesellschaftsrechtliche Publikationspflichten bestehen, ist die Veröffentlichung personenbezogener Daten der Beschäftigten nur in engen Grenzen zulässig.

Darüberhinausgehende Informationen bedürfen der Einwilligung des betroffenen Beschäftigten. Dies gilt vor allem deshalb, weil die Informationen mit der Veröffentlichung im Internet weltweit abrufbar sind. Es lässt sich daher auch nicht ohne Weiteres von der Befugnis zur Publikation personenbezogener Daten in einem Printmedium mit einem unter Umständen beschränkten Empfänger- und Leserkreis auf die Befugnis zur weitreichenden Internetveröffentlichung schließen.

Erfüllung einer Pflicht aus dem Arbeitsvertrag

Aus den vorgenannten Gründen ist deshalb fraglich, wann die Veröffentlichung von personenbezogenen Daten der Beschäftigten eines Unternehmens oder einer öffentlichen Einrichtung im Internet aus Gründen der Erfüllung arbeitsvertraglicher Pflichten zulässig sein kann. Die Veröffentlichung personenbezogener Daten ist zum Beispiel dann zulässig, wenn die Veröffentlichung in Zusammenhang mit der ausgeübten Tätigkeit und somit in Erfüllung der Arbeitspflicht erfolgt.

So müssen Beschäftigte, die nach außen für das Unternehmen auftreten (Beschäftigte im Außendienst, Kundendienst, Beratung, Beschwerdemanagement etc.) die Veröffentlichung ihrer Kontaktdaten auch im Internet hinnehmen. Daneben können auch Aspekte der Repräsentation des Unternehmens durch die Beschäftigten eine Rolle spielen. Angenommen werden kann dies zum Beispiel bei einem hohen Bekanntheitsgrad des Beschäftigten oder bei besonders nachgewiesener Fachkompetenz im jeweiligen Arbeitsfeld (Forschungsergebnisse- oder -preise).

Im Bereich der öffentlichen Verwaltung kommt es ebenfalls darauf an, ob die jeweiligen Behördenmitarbeiter als Amtswalter nach außen tätig werden und Ansprechpartner für Bürger und Unternehmen sind. Dagegen ist die Veröffentlichung ganzer Telefonverzeichnissen von Behördenmitarbeitern nicht zulässig.

Einwilligung des Betroffenen

Sofern eine Erlaubnisnorm zur Veröffentlichung der Daten des Arbeitnehmers im Internet nicht zur Verfügung steht, ist diese nur zulässig, wenn der Betroffene sein Einverständnis zur Verarbeitung seiner Daten erteilt (Einwilligung). Voraussetzung dafür ist, dass dem Betroffenen hinreichende Informationen über die Art der vorgesehenen Datenverarbeitung und ihren Zweck zugänglich gemacht werden (Grundsatz der „informierten Einwilligung“).

Eine Erklärung dergestalt, dass in jede Form der Datenverarbeitung eingewilligt wird, reicht nicht aus. Gerade im Arbeitsverhältnis ist die Einwilligung eine problematische Grundlage, da fraglich sein kann, ob die Einwilligung des Beschäftigten gänzlich ohne „Zwang“ erfolgen und der Beschäftigte die Zustimmung damit sanktionslos verweigern kann, denn gemäß § 4a Abs. 1 BDSG muss die Einwilligung auf „der freien Entscheidung des Betroffenen“ beruhen.

Veröffentlichung von Bildern der Beschäftigten

Nicht von der oben erläuterten beschränkten Befugnis zur Veröffentlichung umfasst sind Fotografien des Beschäftigten auf der unternehmenseigenen Webpräsenz. Möchte der Arbeitgeber Fotos seiner Beschäftigten im Internet veröffentlichen ist nämlich überdies § 22 Kunsturhebergesetz (KUG) zu beachten. Danach dürfen Bildnisse „nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden“. Von einer Zurschaustellung ist bei der unkörperlichen Darstellung des Bildes im Internet auszugehen. Daneben kann es sich bei Fotografien auch um sogenannte besondere Arten personenbezogener Daten im Sinne des § 3 Abs. 9 BDSG handeln, welche nach den Vorgaben des BDSG teilweise noch stärker geschützt werden.

Öffentlich dargestellt ist das Bildnis dann, wenn es jedermann und nicht nur der geschlossenen Benutzergruppe eines firmeneigenen Intranets zugänglich ist. Zur Veröffentlichung des Bildes ist in jedem Fall die Einwilligung des betreffenden Beschäftigten notwendig. Dabei ist zu beachten, dass durch die Einstellung des Bildes im Regelfall ein personenbezogenes Datum verarbeitet wird, die Einwilligung deshalb auch an den Anforderungen des § 4a BDSG zu messen ist. Die Einwilligung in die Veröffentlichung gilt auch nach der Auflösung des Arbeitsverhältnisses und muss vom Arbeitnehmer ggfs. gesondert widerrufen werden (LAG Köln, Beschluss vom 20.7.2009).

Widerruflichkeit der Einwilligung

Grundsätzlich kann die Einwilligung zur Veröffentlichung jederzeit widerrufen werden. Ausnahmen davon ergeben sich nur dann, wenn die Veröffentlichung des Bildes Bestandteil des Arbeitsvertrags ist. Hier hat der Beschäftigte der Publikation als Bestandteil der arbeitsvertraglichen Pflicht zugestimmt. Gegebenenfalls kann auch die Natur des Arbeitsverhältnisses einer freien Widerruflichkeit entgegenstehen. Anzunehmen ist dies zum Beispiel in Arbeitsverhältnissen, bei denen die Arbeitnehmer in der Öffentlichkeit stehen (Schauspieler, Model, Tätigkeit beim Fernsehen etc.).

Auch Urheberrechte sind zu beachten

Im Zusammenhang mit der Veröffentlichung von Bildnissen wird oft vergessen, dass neben der Zustimmung des Abgebildeten jeweils auch die Zustimmung des Fotografen eingeholt werden muss. Letzterem stehen als Urheber der Fotografie die urheberrechtlichen Nutzungs- und Verwertungsrechte des § 72 Abs. 1 Urhebergesetz (UrhG) zu. Die Verbreitung des Bildes im Internet stellt eine zustimmungsbedürftige Verbreitungs- und Vervielfältigungshandlung dar, welche – sofern eine Zustimmung gegebenenfalls auch nicht konkludent erteilt wurde – einen Unterlassungs- und Schadensersatzanspruch des Urhebers auslöst.

Fazit

Bei der Veröffentlichung von personenbezogenen Daten der Beschäftigten im Internet ist Vorsicht geboten. Beschäftigte, die nach außen für das Unternehmen auftreten (Beschäftigte im Außendienst, Kundendienst, Beratung, Beschwerdemanagement etc.), müssen die Veröffentlichung ihrer Kontaktdaten im Internet grundsätzlich hinnehmen. Unternehmern sei geraten, in Zweifelsfällen die Einwilligung der Beschäftigen einzuholen. Insbesondere gilt dies, wenn auch die Veröffentlichung von Fotografien der Beschäftigten gewünscht ist.

Projektmanagement: Die Balance bei Unternehmensentwicklungen wahren

Kennen Sie die Engpasskonzentrierte Strategie – kurz EKS genannt? Diese von Wolfgang Mewes entwickelte Strategie zur Unternehmenssteuerung besagt: Jedes Unternehmen ist im Laufe seiner Entwicklung stets mit neuen Engpässen konfrontiert. Hat es den einen passiert, steht der Nächste vor der Tür.

Hierfür ein Beispiel: Angenommen ein Unternehmen hat zu wenig Aufträge und Kunden, um seine Umsatz- und Wachstumsziele zu erreichen. Also startet es eine aufwändige Werbekampagne und Vertriebsaktion. Mit dem gewünschten Erfolg. Die Zahl der Aufträge steigt sprunghaft an. Hieraus erwächst meist das nächste Problem: Dem Unternehmen fehlen die Kapazitäten, um die Aufträge zeitnah abzuarbeiten. Also begibt es sich zum Beispiel auf Personalsuche. Erneut mit Erfolg. Hieraus resultiert der nächste Engpass: Die Räume sind zu klein. Und aufgrund der gestiegenen Mitarbeiterzahl benötigt das Unternehmen eine andere Organisationsstruktur und Führungskultur. Also sucht das Unternehmen größere Räume. Es strukturiert zudem um und startet ein Führungskräfteentwicklungsprogramm. Doch kaum ist diese Herausforderung gelöst, zeigt sich der nächste Engpass: Aufgrund der größeren Mitarbeiterzahl sind auch die Fixkosten höher. Also muss das Unternehmen dafür sorgen, dass es dauerhaft mehr Umsatz erzielt.

So folgt ein Engpass auf den nächsten. Und wodurch zeichnet sich ein kluger Unternehmensführer aus? Er ist sich dieser Wechselwirkungen bewusst und berücksichtigt sie bei seinen Planungen – denn er weiß: Wenn ich das nicht tue, bekommen wir Folgeprobleme:

  • Wenn wir zu wenig Aufträge haben, dann bekommen wir neben Auslastungs- auch Finanzprobleme.
  • Wenn wir hingegen zu wenig Mitarbeiter haben, dann bekommen wir Liefer- und Qualitätsprobleme und produzieren unzufriedene Kunden.
  • Und wenn unsere Organisationsstruktur nicht der Unternehmensgröße angemessen ist? Dann arbeiten wir ineffektiv.

Die Auswirkung von Entscheidungen bedenken

Das weiß ein erfahrener Unternehmensführer. Also versucht er zwischen diesen „Erfolgsfaktoren“ die nötige Balance zu wahren, damit sich das Unternehmen stetig weiter entwickelt und nicht in die Falle tappt, beispielsweise durch unüberlegte „Hauruck-Aktionen“ seinen Erfolg zu gefährden.

Was für das Thema Unternehmensführung und -entwicklung gilt, gilt auch für das Projektmanagement in Unternehmen. Denn Projekte zielen letztlich stets darauf ab, dass sich das System Unternehmen (oder ein Teil von ihm) entwickelt. Also stehen die Verantwortlichen auch hier vor der Herausforderung, die nötige Balance zu wahren.

Das gelingt ihnen häufig nicht – aus unterschiedlichen Gründen. Die Folge: Die Projektziele werden nicht oder nur teilweise erreicht. Oder: Die Projektziele werden erreicht – aber nur zum Preis, dass in anderen Bereichen Folgeprobleme auftreten, sodass das Projekt aus gesamtunternehmerischer Warte eigentlich gescheitert ist.

Letztlich hängt der Erfolg des Projektmanagements von Unternehmen von sehr vielen Faktoren ab. Diese lassen sich aber weitgehend vier Handlungsfelder zuordnen, die Projektmanager bei ihrer Arbeit stets vor Augen haben sollten:

  • die Fähigkeiten (der Mitarbeiter),
  • die (IT-)Tools beziehungsweise die technische Infrastruktur,
  • die (Organisations- beziehungsweise Projekt-)Struktur und
  • die Unternehmens- beziehungsweise Projektmanagement-Kultur.

Vernachlässigt ein Unternehmen einen dieser Faktoren längerfristig und entwickeln sie sich nicht weitgehend parallel, sind Folgeprobleme zumeist unvermeidbar.

Faktoren, die den Projekterfolg beeinflussen.

1. Fähigkeiten (der Mitarbeiter)

Oft kontaktieren Organisationen Unternehmensberatungen mit der Anfrage: „Unsere Projekte laufen nicht rund. Wir müssen unseren Mitarbeitern in einem Crashkurs das nötige Projektmanagement-Know-how vermitteln.“

Dies ist meist die erste Reaktion von Unternehmen, wenn sie registrieren: Wir haben Probleme beim Projektmanagement. Das heißt, die Probleme werden personalisiert und übersehen wird, dass deren Ursache auch eine andere sein kann.

Bezogen auf die Projektmanagement-Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter lassen sich bei den Unternehmen zwei Extreme konstatieren. Das eine Extrem stellen die Unternehmen dar, die Mitarbeiter ohne professionelle Vorbereitung Projekt(management-)Aufgaben übertragen. Oft gemäß der Maxime: „Herr Müller hat in der ‚Linie’ schon oft sein Können gezeigt und hervorragende Ergebnisse geliefert. Lass’ den mal das Projekt übernehmen. Dann kann er zeigen, was wirklich in ihm steckt.“ Übersehen wird dabei: Projekte sind in der Regel sehr komplexe Vorhaben. Außerdem sollen in ihnen meist neue Problemlösungen entwerfen werden. Deshalb ist für das erfolgreiche Managen von Projekten oft auch ein anderes Fach-Wissen und Methodenrepertoire als zum Wahrnehmen operativer Aufgaben in der Linie nötig.

Das andere Extrem ist: Unternehmen schulen ihre Mitarbeiter sozusagen ohne Unterlass. Sie besuchen ein Projektmanagement-Training nach dem anderen, ohne dass sich ihre Erfolge in der täglichen Bewältigung von Projektaufgaben erkennbar erhöhen. Eine häufige Ursache hierfür: Die Mitarbeiter kennen nach den Schulungen zwar die Projektmanagement-Methoden und -Instrumente. Sie können diese aber in der Organisation nicht effektiv einsetzen, weil die existierende Struktur und (Projektmanagement-)Kultur sowie die vorhandenen IT-Tools dies nicht ermöglichen. Die Rahmenbedingungen stimmen also nicht.

2. IT-Tools (und technische Infrastruktur)

In Zusammenhang mit Projektmanagement-Trainingsanfragen artikulieren Unternehmen oft auch Anliegen wie: „Können wir in das Training noch eine IT-Tool-Schulung integrieren? Dafür ist doch gewiss noch ein, zwei Stunden Zeit?“ Solche Anfragen zeigen, dass Unternehmen vielfach die Bedeutung der IT-Tools für den Projektmanagement-Erfolg unterschätzen.

In Unternehmen beachtet man folgende beiden Extreme. Viele stellen den Mitarbeitern gar keine IT-Tools zur Verfügung. Die Folge: Die Mitarbeiter basteln sich selbst Tools zum Planen und Steuern der Projekte. Meist handelt es sich hierbei um Excel-Lösungen. Die Folge: Jeder wurstelt sozusagen nach Gutdünken vor sich hin. Entsprechend viel Zeit und Energie ist für das Abstimmen, Koordinieren und Harmonisieren nötig.

Haben Unternehmen die Bedeutung von gemeinsam genutzten IT-Tools erkannt, führen sie oft top-down sehr mächtige Tools ein, die an den praktischen Anforderungen vorbei gehen. Die Folge: Die Mitarbeiter fühlen sich überrannt – auch weil es zunächst einer umfangreichen Schulung bedarf, bevor sie das Tool überblicken und mit ihm arbeiten können. Also benutzen sie das Tool zwar formal. Im Alltag arbeiten sie aber weiterhin mit ihren bewährten Excel-Lösungen.

Doch selbst wenn ein Unternehmen ein adäquates Tool wählt, ist dies noch kein Garant für ein erfolgreiches Projektmanagement. Aus folgendem Grund: Den Mitarbeitern fehlen häufig die notwendigen Projektmanagement-Kenntnisse und in der Organisation existiert nicht die erforderliche Projektmanagement-Struktur und -Kultur, um das Tool effektiv einzusetzen.

3. Struktur

Oft hört man von Entscheidern in Unternehmen: „Unser Projektmanagement entspricht nicht mehr unserem Bedarf. Wir müssen es neu strukturieren und dies auch in einem Handbuch dokumentieren.“

Vernimmt man von Unternehmen diese Aussage, dann lassen sich erneut zwei Extreme registrieren. Das Erste:

  • In dem Unternehmen existiert noch gar keine Projektorganisation. Projektmanagement-Instanzen wie Steuerungskreis, Projektleiter und -mitarbeiter sind entweder noch nicht installiert oder sie haben keine klaren Aufgaben, Kompetenzen sowie Verantwortungen (AKVs). Dies führt zu Streitereien und Reibungsverlusten innerhalb der Projekte – insbesondere dann, wenn die Projektverantwortlichen unklare AKVs gegenüber den Fachabteilungen haben und somit meist ein schlechtes Standing gegenüber der mächtigen „Linie“ haben. Eng damit verbunden sind mangelhafte oder nicht definierte Projektmanagement-Prozesse (zum Beispiel Reporting-Rhythmus der Projektleiter an den Steuerungskreis).

Haben Unternehmen die Notwendigkeit einer professionellen Projektorganisation erkannt, verfallen sie oft ins zweite Extrem:

  • Sie suchen ihr Heil in einer detaillierten schriftlichen Dokumentation unter anderem der Projektmanagement-Richtlinien und -Prozesse. Die Folge sind oft dicke Handbücher, die einmal verfasst und dann nie mehr verwendet werden. Oder: Die Projektmanager halten sich (aus Angst vor Sanktionen) sklavisch an das formulierte Regelwerk – unabhängig davon, was im Projekt gerade sinnvoll wäre. Übersehen wird, dass die definierten Regelwerke und Abläufe kein Selbstzweck sind. Sie sind Instrumente, um ein übergeordnetes Ziel zu erreichen. Die Projektmanagement-Struktur wird sozusagen nicht mit Leben erfüllt, weil sie nicht in einer passenden Projektmanagement-Kultur verankert ist.

4. Kultur

„Wir müssen in unserer Organisation eine Projektmanagement-Kultur aufbauen.“ Oder „Wir müssen unsere Kultur weiter entwickeln.“ Mit solchen Anfragen wenden sich Unternehmen eigentlich nie an Berater. Aus einem einfachen Grund: Beim Thema Kultur handelt es sich aus Unternehmenssicht um ein eher „schwammiges“ Thema, das man nicht greifen und messen kann. Daher ist auch der Profit, den die Organisation aus potenziellen Maßnahmen zur Weiterentwicklung der Kultur ziehen würde, nur schwer in Euro „ausdrückbar“ – zumindest solange nicht definiert und operationalisiert ist:

  • Worin zeigt sich unsere Unternehmens- sowie Projektmanagement-Kultur? Und:
  • Wo bestehen Soll-Ist-Abweichungen zur angestrebten Kultur?

Welchen Reifegrad die (Projektmanagement-)Kultur eines Unternehmens hat, zeigt sich in Organisationen unter anderem darin:

  • Welchen Stellenwert haben die Projekte gegenüber den Linienaufgaben?
  • Gibt es eine Projektleiter-Karrierelaufbahn?
  • Wie werden die AKVs der jeweiligen Positionen in der Praxis gelebt?
  • Wie wird mit Konflikten zwischen Linie und Projekt umgegangen?
  • Werden die Projektbeteiligten angemessen gefördert und erhalten sie die nötige Unterstützung, um ihre Aufgaben erfolgreich realisieren zu können?

An Problemen in diesen Bereichen macht sich dann auch meist die Erkenntnis der Verantwortlichen in den Unternehmen fest: Wir müssen im Bereich Projektmanagement aktiv werden. Dass es sich bei den Problemen, faktisch um Kulturprobleme handelt, haben sie oft nicht im Blick, weil sie weitgehend in den Herausforderungen des Alltags gefangen sind.

Was die Projektmanagement-Kultur eines Unternehmens ausmacht, lässt sich mit folgendem englischen Satz umreißen: „Culture – that’s the way we do things around here.“ Letztlich hat jedes Unternehmen also eine Projektmanagement-(Un-)Kultur. Das heißt, in jedem Unternehmen gibt es typische Denk- und Handlungsmuster, wie Projekte angegangen werden. Die entscheidende Frage ist: Welche Muster sind dies und fördern sie das erfolgreiche Managen von und das Miteinander in Projekten oder nicht? Diese Frage kann jeweils nur bezogen auf das konkrete Unternehmen beantwortet werden.

Trotzdem lassen sich auch bei der Projektmanagement-Kultur zwei Pole beziehungsweise Extreme konstatieren. Zum einen gibt es Unternehmen, in denen (Interessen-)Konflikte nicht offen angesprochen werden. Diese Konflikte sind aber mit fast jedem Projekt verbundenen. Dasselbe gilt für Meinungsunterschiede über die beste Problemlösung und Vorgehensweise. Auch die mit dem Projekt verbundenen Risiken, aus denen Probleme erwachsen könnten, werden eher tabuisiert als offen thematisiert.

Den anderen Pol stellen Unternehmen dar, in denen der Wunsch nach Harmonie und im Konsens getroffenen Entscheidungen sehr ausgeprägt ist. In ihnen wird oft so lange und intensiv über die Zielsetzungen, das Vorgehen und die Zuständigkeiten debattiert, dass die Organisation entweder nie oder erst sehr spät ins Handeln kommt. Die Folge: Das Unternehmen läuft den Entwicklungen im Markt oder in der Branche hinterher.

Zwischen diesen beiden Polen gilt es, beim Aufbau der gewünschten Projektmanagment-Kultur, die erforderliche Balance zu wahren. Denn nur so kann sichergestellt werden, dass einerseits die (betroffenen) Mitarbeiter und Bereiche „mitziehen“ und zu Mitstreitern werden und andererseits die Organisation über die Innovationsfähigkeit und -kraft verfügt, die jedes Unternehmen heute braucht.

Change-Prozesse: Kein Veränderungserfolg ohne Schirmherren des Wandels

Die Ausgangslage

Ein moderner Konzern mit internationalem Management erwarb auf seiner „Einkaufstour“ einen mittelständischen, streng patriarchalisch geführten Dienstleister mit etwa 500 Mitarbeitern. Der 44-jährige Geschäftsführer hatte bereits seine Ausbildung dort durchlaufen. Nun hegte die Muttergesellschaft enorm hohe Erwartungen an die Performance des zu integrierenden Tochterunternehmens. Kurzerhand stellte sie dem Patriarchen einen zweiten Geschäftsführer „zur Seite“ – 32 Jahre alt, vier Jahre Berufserfahrung.

Diese Konstellation war an sich schon brisant. Zusätzlich sorgten große Unterschiede in den Weltbildern der Mitarbeiter, in den Führungsstilen und den Kernbotschaften der Unternehmen für weiteres Spannungspotenzial. Das Vorhaben, diese ungleichen Partner zu einem schlagkräftigen Team zu vereinen, schien deshalb zum Scheitern verurteilt.

Fünf Herausforderungen

Auf dem Weg zu einer einheitlich agierenden Unternehmensfamilie ergaben sich fünf Herausforderungen, die in der spezifischen Kultur des Familienbetriebs begründet lagen:

  1. Der Patriarch versuchte bisher alle Prozesse selbst zu steuern. In der Folge standen die Mitarbeiter nicht immer hinter den Entscheidungen von oben. So auch im Fall der Übernahme, denn die Frage nach dem Warum war für sie unbeantwortet geblieben.
  2. Statt einer klaren Strategie lautete das Management-Credo: „Carpe diem“. Weder Führungskräften noch Mitarbeitern war bewusst, wer ihre Zielkunden waren oder welche Märkte den größten Erfolg versprachen.
  3. Kunden galten eher als „Störfaktoren“ denn als „Arbeitgeber“. Sie wurden mehr verwaltet als gewonnen oder entwickelt.
  4. Dem Patriarchen einen jungen Geschäftsführer zur Seite zu stellen, war per se eine brisante Konstellation.
  5. Stärken der Mitarbeiter wurden kaum zielgerichtet gefördert. Auch fehlte ein klares Führungsleitbild. Die Konsequenz: Jede Führungskraft legte ihre eigenen Maßstäbe an die Leistungen der Mitarbeiter an.

Insgesamt also eine vielschichtige Entwicklungsaufgabe. Zunächst galt es, eine gemeinsame Vision zu erarbeiten und geeignete Strategien aus ihr abzuleiten. Der erste Erfolgsfaktor dabei war, die Leitungsteams beider Unternehmen zu einem schlagkräftigen Team zu vereinen und sie als Schirmherren der Veränderung aufzustellen. Denn nur wenn sie den Schulterschluss vorlebten und gemeinsam vorangingen, gab es eine realistische Chance, dass auch die übrigen Beteiligten die neue Vision akzeptierten.

Die Aufgaben der Schirmherren

Die Hauptaufgabe bestand darin, Vision und Umsetzungsstrategien an die Basis zu transportieren. Vor allem die Mitarbeiter des übernommenen Betriebs, die mehrheitlich abwehrend gestimmt waren, mussten sie für die Neuausrichtung gewinnen. Denn nur mit ihnen als Multiplikatoren der Unternehmenskultur würde die neue Strategie mit großer Verbindlichkeit umgesetzt und das neue Image wirkungsvoll nach außen transportiert werden. Es galt, jedem Mitarbeiter seinen Wert für den Kunden bewusst zu machen. Dafür musste zunächst ein Umdenken in Gang gesetzt werden – und das würde nur stattfinden, wenn es gelang, den patriarchalischen Führungsstil zu verändern.

Wie viele anstehende Veränderungen brachte auch diese in vielerlei Hinsicht Unklarheiten für die Mitarbeiter mit sich – Auswirkungen, die schwer greifbar waren. Dem mussten die Schirmherren wirkungsvoll begegnen:

  • Unlängst hatte sich das „Flurgespräch“ etabliert: Weil es an klarer Information mangelte, begannen die Mitarbeiter, die „Fakten“ selbst zu schaffen. So entzogen sich die Botschaften im Unternehmen bald dem Einfluss der Geschäftsführung.
  • Viele Mitarbeiter fühlten sich übergangen und zum Spielball der Mächtigen degradiert. Einige begannen, Fronten gegen die Veränderung zu bilden, andere zeigten sich aus Angst davor demotiviert, sorgten sich oder resignierten.

Insgesamt befürworteten nur sehr wenige Mitarbeiter die Fusion. Umso wichtiger war es für die Geschäftsführung, die Botschaften im Unternehmen wieder selbst zu bestimmen und mehr Mitarbeiter für die Veränderung zu gewinnen. Eine erfolgreiche Veränderung benötigt mindestens 20 Prozent der Mitarbeiter als Unterstützer. Dieser Gedanke leitet sich aus einer Studie von Capgemini ab, die eine typische Akzeptanzverteilung einer anstehenden Veränderung ermittelte: 5 Prozent Befürworter, 40 Prozent Skeptiker, 40 Prozent Besorgte und 15 Prozent Gegner – jeweils aus einer Mischung von persönlichen oder fachlichen Einwänden.

Bild: Mohr, Woehe, Diebold (1998)

Um diese kritische Masse von 20 Prozent zu erreichen, mussten die Schirmherren ihre Konzentration auf Skeptiker und Besorgte richten und einige davon „umstimmen“. Wie dies gelang, skizziert der folgende Projektablauf.

Veränderungstreiber Kulturwandel

1. Sinnbotschaft transportieren: Eine Arbeitsgruppe mit Teilnehmern aller Ebenen und Fachbereiche definierte die neue Zielrichtung und -kultur. Dabei war die Glaubwürdigkeit der beteiligten Führungskräfte erfolgskritisch, denn ihre Offenheit war ungewohnt und schürte Misstrauen. Deshalb bediente man sich des Graves-Modells, mit dem sich Diskussionen um unterschiedliche Weltbilder weitgehend bewertungsfrei gestalten lassen. Damit stand den Teilnehmern quasi eine „Sprache“ zur Verfügung, mit der sie sich wertschätzender über ihre gemeinsame Zukunft unterhalten konnten.

Das Ergebnis der Diskussionen war eine Sinnbotschaft, die alle mittrugen:

Mit diesem Unternehmen kann ich auch als Einzelner etwas bewegen!

2. Mannschaft mobilisieren: Botschaft und Umsetzungspläne wurden in einer Großveranstaltung ins Unternehmen getragen. Dabei traten „offene Rechnungen“ der Mitarbeiter zutage: Nicht erfüllte Versprechungen der Führung hinsichtlich Beförderungen oder Weiterbildung hatten viel Frust und Demotivation ausgelöst. Nach intensiven Diskussionen konnte eine gute Ausgangsbasis für weitere Schritte erreicht werden: Nach anfänglicher Skepsis erkannten viele Arbeitnehmer nun die attraktiven Seiten der Übernahme, wie etwa das transparente Karrieresystem, als Chance für sich selbst.

3. Landkarte der Veränderung: Anschließend wurden Ist- und Zielkultur mithilfe einer Onlinebefragung verglichen, um die Botschaft in die Kultur zu integrieren. Wie erwartet war der Kontrast zwischen der durch Autorität geprägten Ist-Kultur und der Zielkultur, die Leistung und Integration von Unterschiedlichkeit anstrebte, enorm groß. Aus dieser Erkenntnis wurden detaillierte Entwicklungsschritte abgeleitet. So entstand eine Landkarte der Veränderung, die den Schirmherren ein wertvolles Instrument an die Hand lieferte: Jeder im Unternehmen kannte nun seine Rolle und Verantwortung im Change-Prozess.

Im weiteren Verlauf traten zwei Bausteine als besonders wichtig hervor: die individuelle Weiterentwicklung der Führungskräfte, die ihr Repertoire erweiterte, und die regelmäßige Beobachtung der Entwicklungsrichtung durch stichprobenartige Mitarbeiterinterviews.

Nach anderthalb Jahren trägt diese Entwicklung Früchte: Das Engagement der Mitarbeiter ist gestiegen, eine Lernkultur entstanden, die angestrebte „Kundenpartnerschaft“ wird tatsächlich gelebt.

Kurzum: Die Schirmherren haben ihre Aufgaben sorgfältig erledigt, die Fusionspartner sind zu einer schlagkräftigen Einheit zusammengewachsen.

Dennoch ist mit diesen Erfolgen das „Projekt Kulturwandel“ längst nicht beendet. Vielmehr gilt es jetzt, das Erreichte zu stabilisieren.

Fünf Erfolgsfaktoren für das Zusammenwachsen

Aus diesem Beispiel lassen sich fünf Erfolgshebel ableiten. Setzen ein oder mehrere Veränderungs-Verantwortliche diese Faktoren zielgerichtet um, können sie einen Change-Prozess nachhaltig mit Erfolg krönen:

1. Vermittelbares, attraktives Zielbild: „Keep it short and simple“, lautete hier die Devise. Erfolgsentscheidend war eine einprägsame Formulierung. So konnte jeder sofort seinen Beitrag und seinen Nutzen aus der Sinnbotschaft ableiten und sich mit ihr identifizieren.

2. Klare strategische Grundausrichtung und konsequente Umsetzung: Dank des klaren Zielbildes kannte jeder Einzelne im Unternehmen die Bedeutung seiner eigenen Aufgabe. Die Umsetzung war nachhaltig, weil jede Abweichung von der gewählten Philosophie unmittelbar Konse­quenzen nach sich zog.

3. Stetiges Commitment der Geschäftsführung: Maßgeblich war, dass die einmal eingeschlagene Linie ohne Wenn und Aber beibehalten wurde – auch in schwierigen Projektphasen, in denen massive Problemstellungen sichtbar wurden.

4. Konsequenz: Die unabdingbare Bereitschaft, auch in problematischen Perso­nalfragen absolut konsequent zu bleiben, machte das Management berechenbar für die Mitarbeiter. Sie konnten sich darauf verlassen, dass ihre Leistung auch tatsächlich an den vorgegebenen Kriterien gemessen wurde.

5. Offene, wertschätzende Kommunikation: Das Credo „Kommunikation ist unsere Aufgabe“ wurde tatsächlich umgesetzt. Das war den meisten sehr wichtig. Denn das Gefühl, stets im Bilde zu sein, nannten sowohl Mitarbeiter als auch mittlere Führungskräfte am häufigsten als Grund für die Trendwende der Kultur – und damit als Ursache für den Gesamterfolg.

e-Crime: Milliardenschäden durch Computerkriminalität

Unter e-Crime werden wirtschaftskriminelle Handlungen unter Einsatz von Computer- oder Kommunikationssystemen verstanden. Mit der zunehmenden Präsenz solcher Systeme in unserer Unternehmenswelt und der voranschreitenden globalen Vernetzung wachsen auch die Angriffsflächen der Unternehmen. KPMG-Partner Alexander Geschonneck, Leiter des Bereichs Forensic Technology sagt:

"Vor allem dort, wo es viel zu holen gibt, treten die häufigsten Delikte auf. Wertvolle Konstruktionsunterlagen können mit dem Handy abfotografiert, Millionen von Kunden- und Mitarbeiterdaten ausgespäht und bequem auf einem USB-Stick oder einem iPod in der Westentasche transportiert werden."

Häufigstes Delikt ist der Diebstahl von Kunden- oder Arbeitnehmerdaten. 61 Prozent der von e-Crime betroffenen Unternehmen waren in den letzten drei Jahren Opfer von Datenraub. Ein weiteres hohes Risiko ist mit dem Diebstahl von geschäftskritischem Know-how verbunden: Jedes zweite Unternehmen (52 Prozent) war davon betroffen.

Enorme Schadenshöhen

Erstmals wurde in dieser Studie eine differenzierte Betrachtung der Schadenshöhen vorgenommen. Anders als in früheren Untersuchungen wurden nicht nur Angaben zu Schäden durch Systemausfälle gemacht, sondern auch der betriebswirtschaftliche Verlust beziffert. Geschonneck sagt:

"Wir kommen zu dem Schluss: Der Schaden, der der deutschen Wirtschaft pro Jahr durch Computerkriminalität entsteht, geht sogar in den zweistelligen Milliardenbereich und liegt damit deutlich höher als bisher angenommen."

Die in der KPMG-Studie ermittelten Schadenshöhen bei e-Crime-Delikten können pro Einzelfall viele Millionen Euro betragen. Das gilt vor allem für die Verletzung von Schutz- und Urheberrechten, das Ausspähen von geschäftskritischen Unternehmensinformationen und Datendiebstahl. Geschonneck meint:

"Für ein mittelständisches Unternehmen kann dies das Ende seiner Existenz bedeuten."

Der Täter im eigenen Haus

Bisher ging man davon aus, dass die größte Gefahr vom Spion aus dem Ausland droht. Alexander Geschonneck sagt:

"Dieses Bild haben die befragten Unternehmen deutlich korrigiert: 70 Prozent nennen in erster Linie ehemalige Mitarbeiter oder Insider als Risikogruppe."

Laut Umfrage kamen in 48 Prozent der von e-Crime-Fällen tatsächlich betroffenen Unternehmen die Täter aus dem eigenen Haus. In 24 Prozent der Fälle waren es sonstige Insider. Insbesondere die folgenden Delikte werden von Mitarbeitern verübt:

  • Datendiebstahl beziehungsweise Verletzung von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen (jeweils 62 Prozent),
  • Erpressung (60 Prozent), Manipulation von Finanzdaten (58 Prozent) und
  • Betrug (55 Prozent).

Unbekannte Dritte sind an 47 Prozent der e-Crime-Delikte beteiligt. Sie sind vor allem verantwortlich für Wirtschaftsspionage (70 Prozent), für die Verletzung von Schutz- und Urheberrechten (56 Prozent), für Computersabotage (ebenfalls 56 Prozent) oder für das Ausspähen bzw. Abfangen von Daten (55 Prozent).

Das Angriffsrisiko aus fremden Ländern ist in den einzelnen Branchen sehr unterschiedlich. Als nach wie vor durch aufstrebende Wirtschaftsmächte besonders gefährdet, müssen exportintensive Bereiche wie der Maschinenbau, die Automobilindustrie sowie die Elektronik- und Softwarebranche gelten. In der Umfrage werden als Gefahrenquelle vor allem China (89 Prozent) und Russland (69 Prozent) genannt; zu ähnlichen Einschätzungen kommt auch das Bundesministerium des Innern.

Nur jeder zweite Täter wird überführt

Die KPMG-Studie hat ergeben, dass es nur in gut der Hälfte der Fälle gelingt, die Täter zu ermitteln - unabhängig von Unternehmensgröße und Branche. Alexander Geschonneck:

"Damit bleibt die abschreckende Wirkung einer hohen Aufklärungsquote auf der Strecke."

Allerdings: Wenn Fälle aufgedeckt werden, dann werden sie auch konsequent sanktioniert. So haben 64 Prozent der von Computerkriminalität betroffenen Unternehmen Delikte zur Anzeige gebracht, bei Großunternehmen lag die Quote sogar bei 72 Prozent.

Prävention hinkt hinterher

86 Prozent der Unternehmen beklagen, dass die Angriffe aus dem Netz immer komplexer werden und die Spur immer seltener zum Täter zurückverfolgt werden kann. Alexander Geschonneck meint:

"In den letzten Jahren hat sich viel getan: Firewalls und Antivirenprogramme als Standardschutz halten die e-Crime Täter längst nicht mehr fern. Der größte Schaden entsteht allerdings, wenn die Angriffe ganz gezielt auf relevante Geschäftsbereiche und sensible Daten ausgerichtet sind - und dazu gehört in den meisten Fällen eine gehörige Portion Insiderwissen um die wirklichen Schätze im Unternehmen."

Um die Gefahren abzuwehren, wurde trotz Finanz- und Wirtschaftskrise viel in die IT-Sicherheit investiert. Im Durchschnitt haben die befragten Unternehmen ihre Stellen in diesem Bereich in den vergangenen zwei Jahren um 50 Prozent aufgestockt. Maßnahmen zur Sensibilisierung der Mitarbeiter sind heute fast überall gang und gäbe. Aber nicht einmal jedes zweite Unternehmen (48 Prozent) überprüft regelmäßig, ob die Verhaltensregeln auch tatsächlich eingehalten werden. Laut Geschonneck sei das ein Alarmzeichen. Zwar sei das Wissen um die mit e-Crime verbundenen Risiken in den Führungsetagen der Unternehmen angekommen. Aber bei Prävention, Aufklärung und Reaktion gäbe es noch erhebliche Defizite.

Um das Risiko und den Schaden durch e-Crime-Delikte möglichst gering zu halten, empfiehlt er den Unternehmen vor allem, den potenziellen Innentäter in das Schutzkonzept einzubeziehen. Da, wo der interne Zugriff auf geschäftskritisches Know-how möglich ist, müssen gesonderte Schutzmaßnahmen her. Außerdem sollten regelmäßige Kontrollmaßnahmen durchgeführt werden; mit Hilfe von Notfalltests sowie Schulungs- und Kommunikationsmaßnahmen kann das Bewusstsein aller Mitarbeiter, Geschäftspartner und Kunden geschärft werden. Klar definierte Prozesse im Unternehmen können helfen, auf einen e-Crime Verdacht oder auf konkrete Vorfälle schnell und professionell zu reagieren.

Zur Studie

Das Emnid-Institut befragte im Auftrag der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG 500 Führungskräfte aus Unternehmen aller Größenklassen und Branchen. Etwa ein Drittel davon sind mittelständische Unternehmen. Mehr zur Studie finden Sie hier:

"e-Crime-Studie 2010 - Computerkriminalität in der deutschen Wirtschaft" [63]

[Quelle: KPMG; Bild: Fotolia.com]

NDA: Was beim Geheimhaltungsvertrag zu beachten ist

In diesem Beitrag geht es um die Beantwortung folgender Fragen:

  • Was regelt eine Geheimhaltungsvereinbarung?
  • Was sind eigentlich vertrauliche Informationen?
  • Wie weit darf man in einer NDA gehen?
  • Was gilt es zu beachten?
  • Ist es sinnvoll eine Vertragstrage zu vereinbaren?
  • Wie regelt man die Vertragsdauer einer Geheimhaltungsvereinbarung?

Was ist eine Geheimhaltungsvereinbarung?

Der Geheimhaltungsvertrag oder auch Vertraulichkeitsvereinbarung (im Englischen: Non-Disclosure Agreement (NDA)) ist ein Vertrag, der meist im Vorfeld von Vertragsverhandlungen abgeschlossen wird. Er regelt, wie eine Partei oder die Parteien mit vertraulichen Informationen und Geschäftsgeheimnissen umgehen sollen, die im Rahmen von Vertragsanbahnung und -verhandlungen erworbenen werden. Dies sind meist Daten und Informationen, deren Weitergabe notwendig ist, um überhaupt abzuklären, ob eine Zusammenarbeit für beide Seiten gewinnbringend ist.

Ein NDA kann einseitig oder auch zweiseitig sein – also beide Seiten oder nur eine Seite verpflichten.

Beispiele für zweiseitige NDAs:

  • Zwei Softwareunternehmen möchten in einem bestimmten Projekt zusammenarbeiten und ihre Programme aufeinander abstimmen. Hierfür sind spezielle Informationen notwendig, die schützenswerte Betriebsinterna darstellen. Sie vereinbaren ein NDA. Auch gilt es Regelungen bezüglich der gegenseitig überlassenen Quellcodes zu treffen und der Nutzungsrechte an Ideen und Konzepten, die eine Partei entwickelt.
  • Zwei Unternehmen möchten künftig kooperieren und müssen zu diesem Zweck Geschäftspläne etc. offen legen. Um zu vermeiden, dass diese publik werden, wird ein NDA abgeschlossen.

Beispiele für einseitige NDAs:

  • Ein Unternehmen lässt die Betaversion eines Programms von Externen testen. Sie vereinbaren ein NDA, um die Betatester zur Geheimhaltung über das neue Produkt und dessen Besonderheiten zu verpflichten.
  • Für ein Unternehmen soll eine Betriebsstudie erstellt werden. Die Ersteller der Studie werden im Rahmen der Erstellung Betriebsinterna erfahren, die nicht an die Öffentlichkeit gelangen sollen.

Notwendiger Inhalt einer NDA

Präambel

Eine Präambel dient dazu, untechnisch und unjuristisch festzulegen, welchen Zweck der Vertrag für die Vertragsparteien hat. Hier können auch Begriffe definiert werden, die in der Vereinbarung verwendet werden, um einen einheitlichen Sprachgebrauch sicherzustellen und bei Differenzen die Auslegung des Vertrags zu erleichtern. Die Präambel selbst dient insgesamt als Auslegungshilfe für die Frage, was die Vertragsparteien bezwecken und kann hilfreich sein, wenn streitig ist, ob eine Information vom Vertragszweck umfasst ist, oder nicht.

Geheimhaltung – Umfang, gegenständliche Informationen

Was sind vertrauliche Informationen?

Sowohl für den, der sich zur Geheimhaltung verpflichten soll aber auch für denjenigen, der jemand anderen zur Geheimhaltung verpflichtet, ist die Frage, welche Informationen von der NDA umfasst sein sollen, mithin was unter dem Begriff „vertrauliche Information“ zu verstehen ist, von entscheidender Bedeutung. Es sollte daher einerseits Wert auf Genauigkeit gelegt werden. Andererseits sollte die Definition aber auch nicht zu eng gefasst werden (siehe: Rechtliche Grenzen), um Vertragslücken zu vermeiden.

Formulierungsvorschlag: Der XX ist verpflichtet, alle Informationen, die dem XXX bzw. den von ihm mit der XXXX (Projektdurchführung) betrauten Personen im Zusammenhang mit der XXXX bekannt werden und die nicht offenkundig sind (vertrauliche Informationen), vertraulich zu behandeln. Dies gilt insbesondere für alle Informationen über interne Belange des XXX. Vertrauliche Informationen können hierbei auch solche Informationen sein, die während einer mündlichen Präsentation oder Diskussion bekannt werden. Vertrauliche Informationen dürfen ausschließlich zum Zweck der XXXX eingesetzt werden. Die Verpflichtung zur Vertraulichkeit gilt unabhängig davon, ob die betreffende Information ausdrücklich als vertraulich gekennzeichnet ist oder nicht.

Was sind keine vertraulichen Informationen?

Auch sollte festgelegt werden, welche Informationen gerade nicht von der Vereinbarung umfasst sind: Dies sind auf jeden Fall Informationen, welche nach Vertragsbeendigung erworben werden. Weiter sollte klargestellt werden, dass solche vertraulichen Informationen nicht unter die NDA fallen, die man nachweislich von Dritten erhalten hat oder welche allgemein oder Fachkreisen bekannt sind. Der Nachweis hierüber obliegt demjenigen, der sich darauf beruft.

Beispiel: Die Pflichten des Empfängers im Rahmen dieser Vereinbarung betreffen nicht Informationen, welche:

  • zum Zeitpunkt der Mitteilung dem Allgemeingut gehören oder nachher ohne Verschulden des Empfängers der Allgemeinheit bekanntgemacht werden;
  • vom Empfänger vor der Mitteilung durch den Übermittler entdeckt oder entwickelt wurden;
  • vom Empfänger durch legitime Mittel unabhängig vom Übermittler oder dessen Vertreter erhalten wurden;
  • vom Empfänger mit der schriftlichen Zustimmung des Übermittlers bekanntgemacht werden.

Regelung zum Umgang mit vertraulichen Informationen

Zu beachten ist auch die Frage, in welchem Rahmen die Informationen an Mitarbeiter – aus dem Unternehmen oder extern – zur Verfügung gestellt werden dürfen, in welcher Form die Daten gespeichert werden dürfen und was nach erfolgreicher oder erfolgloser Beendigung der Vertragsbeziehungen mit den Daten, Informationen, Sicherungskopien etc. geschehen soll.

Beispiel: Beide Parteien vereinbaren, die erhaltenen Informationen genauso sorgfältig zu behandeln wie eigene Betriebsinterna und nur den erforderlichen Mitarbeitern Kenntnis hierüber zu verschaffen. Eine Herausgabe der Daten an Dritte erfolgt nur nach vorheriger Zustimmung des anderen Vertragspartners oder aufgrund einer behördlichen Pflicht. Hiervon ist der Vertragspartner unverzüglich in Kenntnis zu setzen. Die Vertragsparteien werden alle Informationen, Unterlagen, Software, CD-Roms, Disketten und sonstige Datenträger, die sie im Zusammenhang mit dem Vertrag erhalten, nur zur Durchführung dieses Vertrags verwenden. Beide Parteien sind zur Verschwiegenheit über die im Rahmen der Durchführung dieses Vertrages zur Kenntnis erlangten Tatsachen und Angaben verpflichtet. Die erhaltenen vertraulichen Informationen werden nur den Mitarbeitern zugänglich gemacht, für die dies notwendig ist, um zu überprüfen, ob eine Zusammenarbeit möglich ist und die hierfür notwendigen Verhandlungen zu führen. Diese Mitarbeiter – interne und externe – werden auf den Inhalt dieser Vereinbarung und die Vertraulichkeit gesondert hingewiesen.

Es kann ebenso vereinbart werden, dass wenn vertrauliche Informationen von dritter Seite erworben werden, dies dem Vertragspartner anzuzeigen und nachzuweisen ist.

Beispiel: Werden Informationen von Dritten zu einem außerhalb des Vertrags liegenden Zwecks verwendet, so hat die Partei innerhalb einer Frist von einem Monat nachzuweisen, dass und von welchem Dritten sie die Informationen erhalten hat. Die Frist beginnt, wenn die Information für einen außervertraglichen Zweck verwendet wird.

Zu beachten ist, dass dies auch Ausdruck von Misstrauen sein kann.

Was verstehen die Parteien unter Geheimhaltung?

Weiter sollte definiert werden, was beide Vertragsparteien unter Geheimhaltung verstehen. Es bietet sich auch an, nochmals klarzustellen, dass hierunter auch der gesetzlich verlangte Datenschutz fällt, wenn dieser einschlägig ist. Dies dient vor allem der Klarheit der Parteien, da dies oft nur eine Wiederholung der gesetzlichen Pflichten ist. Verstöße hiergegen begründen jedoch gleichzeitig auch den vereinbarten Vertragsstrafeanspruch.

Formulierungsvorschlag: Die Parteien verpflichten sich zusätzlich, die einschlägigen datenschutzrechtlichen Bestimmungen einzuhalten.

Tipp: Regelungswert ist auch die Frage, was mit Erkenntnissen, Ideen, Entwürfen etc. passieren soll, wenn die Zusammenarbeit nicht zu Stande kommt. Sollen diese unter die Geheimhaltung fallen oder darf die entwickelnde Partei diese nutzen?

Vertragstrafe

Schadensersatzansprüche im Fall von Verstößen gegen die Vertraulichkeitspflicht sind in der Regel sehr schwer zu begründen. Um den Vertrag nicht zu einer reinen Absichterklärung zu degradieren und Verstöße auch sanktionieren zu können, sollte daher eine angemessene Vertragsstrafe vereinbart werden. Eine Differenzierung nach Arten des Verstoßes (reine technische Abweichungen, Sicherungspflichten oder „echte“ Weitergabe von Informationen) kann sich anbieten.

Beispiel: Die Vertragsparteien verpflichten sich, für jeden Fall der verschuldeten Zuwiderhandlung gegen eine der vorstehenden Vereinbarungen, eine Vertragsstrafe in Höhe von …… € zu zahlen.

Hier stellt sich die Frage, ob ein Verzicht auf die Einrede des Fortsetzungszusammenhangs vereinbart werden kann. Damit ist gemeint, dass bei mehreren gleichartigen Verletzungen des gleichen Rechtsguts mit einem schon auf die Vielzahl der Verletzungen gerichteten Vorsatzes (sog. Gesamtvorsatz) teilweise nur eine Tat – mithin eine Verletzung angenommen und bestraft wird.

Beispiel: Die Parteien haben Geheimhaltung vereinbart und auch Regelungen getroffen, wie Mitarbeiter zu informieren sind. Diese sind auf die besondere Vertraulichkeit und den besonderen Umgang mit den Informationen hinzuweisen. Insbesondere dürfen nur die für das Projekt erforderlichen Mitarbeiter informiert werden.
Jetzt erhält eine Gruppe von zehn am Projekt unbeteiligten Mitarbeitern bewusst vertrauliche Informationen. Ohne den Verzicht auf die Einrede des Fortsetzungszusammenhangs würde dies als zehn separate Verstöße gewertet. Dies hätte die Konsequenz, dass die Vertragsstrafe zehnmal fällig wäre.

Diese Einrede hat für den Verletzer den Vorteil, dass er nur einmal die Vertragsstrafe zahlen muss. Der Verzicht hierauf bzw. der vertraglich vereinbarte Verzicht auf die Einrede hat zur Folge, dass für jeden Verstoß – also nicht für das „gesamte Paket“ – einzeln die Vertragsstrafe fällig wird. Dies kann bei einer Fahrlässigkeit in Bezug auf viele einzelne Informationen schnell eine immense Summe ausmachen.

Formulierungsvorschlag: Die Strafe wird fällig für jeden Fall der Zuwiderhandlung. Die Parteien verzichten auf die Einrede des Fortsetzungszusammenhangs.

Beachtet werden sollte jedoch, dass der Verzicht auf die Einrede des Fortsetzungszusammenhangs nicht im Rahmen von Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) wirksam vereinbart werden kann, weil hierin eine unzulässige unangemessene Benachteiligung des Vertragspartners gesehen wird. AGB liegen schon dann vor, wenn die Klausel oder die gesamte Vereinbarung für eine Vielzahl (mehr als drei) von Verträgen vorformuliert ist und keine Verhandlung hierüber erfolgt. Dies trifft also immer dann zu, wenn ein Vordruck genutzt wird, der nicht verhandelt wird.

Vertragsdauer

Grundsatz

Für eine Geheimhaltungsvereinbarung ist es entscheidend, wie lange über die Dauer der Vereinbarung hinaus, die Geheimhaltungsabrede gelten soll. Für denjenigen, der Geheimhaltung fordert, ist eine unbegrenzte Dauer anzustreben, da er ja sicherstellen will, dass seine vertraulichen Informationen für immer vertraulich bleiben. Kommt es zu einer engeren Zusammenarbeit, kann dann in dem Kooperationsvertrag eine neue Regelegung getroffen werden, die die NDA ergänzt oder ersetzt.

Was passiert, wenn vertraglich nichts geregelt wurde?

Das Gesetz trifft hier keine Regelung für die Parteien. Daher ist der Vertrag nach §§ 133, 157 BGB auszulegen. Dabei ist zu überlegen, was die Parteien gewollt hätten, wenn sie eine Regelung hätten treffen wollen. Hier erlangt die Präambel besondere Bedeutung, die gerade bei der Frage helfen kann, was die Parteien beabsichtigt haben. Regelmäßig werden die Parteien ihre vertraulichen Informationen schützen wollen so lange diese vertraulich sind (siehe Was sind vertrauliche Informationen? und Was sind keine vertraulichen Informationen?). Das heißt im Zweifel immer unbegrenzt, da es nicht im Sinne der Parteien sein kann, dass nach einer bestimmten Zeit Betriebsinterna nach außen dringen oder der Vertragspartner diese zu eigenen Zwecken verwendet.

Rechtliche Grenzen

Allgemeine rechtliche Grenzen

Für eine Geheimhaltungsvereinbarung gilt wie fast für jeden Vertrag Vertragsfreiheit. D.h. die Parteien können innerhalb der gesetzlichen Grenzen den Inhalt frei bestimmen.

Diese rechtlichen Grenzen sind zum einen das Verbot der Sittenwidrigkeit nach § 138 BGB und die Verpflichtung sich an die Gebote der Verkehrssitte (§ 242 BGB) zu halten. Diese Grenzen werden dann überschritten, wenn die Vereinbarung zu weit gefasst ist und zuviel der Geheimhaltung unterwirft. Dies würde zu einer sittenwidrigen Einschränkung des Vertragspartners in seiner unternehmerischen Freiheit führen.

Zum anderen muss bei der Verwendung von vorformulierten NDAs auf die Einhaltung der Regelungen über die Wirksamkeit von allgemeinen Geschäftsbedingungen nach §§ 305 ff. BGB geachtet werden.

Salvatorische Klausel

Zum Teil bietet sich bei NDAs eine sog. Salvatorische Klausel an. Darunter versteht man, dass bei Nichtigkeit einer Klausel nicht der gesamte Vertrag nichtig sein soll und dass unwirksame Bestimmungen durch solche ersetzt werden, die den wirtschaftlichen Interessen der Parteien am nächsten kommen.

Formulierungvorschlag: Sollten einzelne Bestimmungen dieses Vertrages unwirksam oder undurchführbar sein oder nach Vertragsschluss unwirksam oder undurchführbar werden, bleibt davon die Wirksamkeit des Vertrages im Übrigen unberührt. An die Stelle der unwirksamen oder undurchführbaren Bestimmung soll diejenige wirksame und durchführbare Regelung treten, deren Wirkungen der wirtschaftlichen Zielsetzung am nächsten kommen, die die Vertragsparteien mit der unwirksamen bzw. undurchführbaren Bestimmung verfolgt haben. Die vorstehenden Bestimmungen gelten entsprechend für den Fall, dass sich der Vertrag als lückenhaft erweist.

Mangels expliziter gesetzlicher Regelungen kann sich eine solche Bestimmung zur Klarstellung anbieten. Satz 1 dieser Klausel stellt sicher, dass die Unwirksamkeit einer einzelnen Bestimmung des Vertrages (Teilnichtigkeit) nicht die Nichtigkeit der gesamten Vereinbarung zur Folge hat. Dies ist nach § 139 BGB dann die Rechtsfolge, wenn nicht anzunehmen ist, dass die Parteien den Vertrag dann auch geschlossen hätten, wenn sie gewusst hätten, dass die gegenständliche Klausel nichtig ist. Genau diesen Willen soll die salvatorische Klausel zum Ausdruck bringen. Bei dem vorliegenden Beispiel wird die Anwendung des § 139 BGB ausdrücklich ausgeschlossen (S. 3) – nur so kann das Eintreten seiner Rechtsfolge wirksam verhindert werden.

Satz 2 hält die Parteien dazu an, einen Regelungsinhalt für die unwirksame Klausel zu suchen, der dem von ihnen angestrebten Zweck am Nächsten kommt.

Salvatorische Klausel und AGB

Eine Besonderheit ist bei der Verwendung von NDAs in Form von AGB zu beachten. Hier gilt § 139 BGB nicht, da das AGB-Recht in § 306 BGB eine speziellere Regelung enthält. Darin ist gesetzlich die Weitergeltung des Vertrags geregelt, wenn die AGB ganz oder teilweise nichtig sind oder nicht einbezogen wurden. An Stelle der unwirksamen AGB-Regelungen treten gemäß § 306 II BGB die gesetzlichen Vorschriften.

Die oben verwandte Klausel verstößt in ihrem Satz 2 gegen das Verbot der geltungserhaltenden Reduktion im AGB-Recht. Dies bedeutet: Eine Klausel ist entweder komplett wirksam oder komplett nichtig. Eine Umdeutung oder Reduzierung auf das rechtlich noch Mögliche, ist gerade nicht vorgesehen. Die unwirksame Klausel wird daher durch die gesetzliche Regelung ersetzt.

Hinweise für die Vertragsgestaltung

Folgende Überlegungen sollten bei der Erstellung und der Verhandlung einer NDA im Vordergrund stehen.

  • Welche Motive hat mein Vertragspartner?
  • Um welche vertraulichen Informationen geht es überhaupt?
  • Was soll für den Fall geregelt sein, wenn die Verhandlungen scheitern? Was soll dann mit meinen Unterlagen, Datenträgern etc. passieren?
  • Wie weit soll die Bindung in zeitlicher und in inhaltlicher Hinsicht gehen?
  • Wie kann ich mich davor schützen, dass bei einer Zusammenarbeit mit einem „großen“ Vertragspartner nicht alle meine Beiträge als „vertrauliche Informationen“ meines Vertragspartners gewertet werden und ich meine Verwertungsrechte an diesen Beiträgen verliere?
  • Wie kann ich als derjenige, der eine Geheimhaltungserklärung abgibt, mein Risiko überschaubar halten?
  • Welche Rechte will ich haben, wenn der Vertragspartner gegen die datenschutzrechtlichen Bestimmungen verstößt?
  • Welche Rechte will ich haben, wenn der Vertragspartner einer Sicherungspflicht nicht nachkommt?
  • Welche Rechte will ich haben, wenn er vertrauliche Informationen für eigene Zwecke verwendet oder an Dritte weitergibt?
  • Wie sichere ich eine vertrauensvolle zukünftige Zusammenarbeit?

Fazit

Eine NDA bietet sich an, um vertrauliche Informationen bereits im Vorfeld von Vertragsverhandlungen zu schützen.

Derjenige, der eine solche Geheimhaltungserklärung fordert, möchte seine Geschäftsgeheimnisse und Daten bestmöglich schützen, den Vertragspartner so weit wie möglich binden und eine Vertragsstrafe zur Abschreckung möglichst hoch ansetzen, ohne den Partner über Gebühr zu belasten.

Derjenige, der eine solche Erklärung abgibt, muss sorgfältig abwägen, ob er nicht ein zu hohes Risiko eingeht und ob er die ihm abverlangten Pflichten überhaupt erfüllen kann.

Anmerkung: Der vorliegende Beitrag wurde unter Mitwirkung unserer Rechtsreferendarin, Frau Alexandra Kaiser, erstellt.

Den Original-Beitrag finden Sie bei www.it-recht-kanzlei.de:

Der Geheimhaltungsvertrag (NDA), in der Anwendung ohne Geheimnis  [64]

Enterprise 2.0: Wissen managen mit Social Media

Rund 4.600 Mitarbeiter in ganz Europa, über 300 selbstständige Außendienstmitarbeiter und mehr als 8.000 Makler, Mehrfachgeneralagenten und firmenverbundene Vermittler – alle auf die eine oder andere Art mit dem Schweizer Versicherungsunternehmen Helvetia verbundenen Beschäftigten sehen sich tagtäglich einer riesigen Informationsflut ausgesetzt. Kundendaten, Informationen zu einzelnen Versicherungsverträgen oder auch relevante rechtliche Regelungen wollen recherchiert, angelegt, ergänzt oder gelöscht werden. Die Folge: Der Wissenstransfer im Unternehmen ist erheblich, seine effiziente Bewältigung eine Herausforderung.

Doch genau daran haperte es bei Helvetia, wie der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e. V. (BITKOM) [65] es in seinem Positionspapier „Enterprise 2.0 – auf der Suche nach dem CEO 2.0“ beschreibt. Um die Strategie des Unternehmens, nämlich die Steigerung der Servicequalität in der Schadenbearbeitung, umzusetzen, entwickelte die Helvetia Consulting AG, eine Tochtergesellschaft, das System „CKT“.

„CKT“ ist die Abkürzung für „Claims Knowledge Transfers“. Dieses System sollte alle Informationen, die für eine qualitativ hohe und rechtssichere Schadenregulierung benötigt werden, auf einer zentralen Plattform bereitstellen. Vor der Installation war nämlich die Mehrzahl der relevanten und überaus komplexen Informationen auf sehr viele unterschiedliche Ablagesysteme verteilt, etwa in persönlichen Bookmarks von Mitarbeitern oder auf gemeinsam genutzten Fileservern.

Die problematische Folge: Nicht jeder Mitarbeiter konnte in der Vergangenheit gleichermaßen wissen, welche Informationen für ihn und seine Arbeit relevant und vor allem wo diese gespeichert sind. Über das daraufhin etablierte Wissensnetz kann nun jeder Sachbearbeiter je nach individuellem Informationsbedarf einsteigen, erhält die von ihm gewünschten Informationen, kann für ihn sinnvolle Wissensquellen anzapfen und selbst Inhalte beisteuern. Die positiven Folgen dieser Lösung:

  • Verbesserung des Wissenstransfers zwischen Innendienst und Außenstellen
  • Steigerung der Qualität und Einheitlichkeit der Schadenbearbeitung
  • Hohe Arbeitsentlastung
  • Erhöhte Rechtssicherheit

Mit Web 2.0 zum Unternehmen 2.0

Das Beispiel der Helvetia zeigt, wie Unternehmen über dezentrale Strukturen interaktiv Wissen produzieren und nutzen können. Tim O‘ Reilly, der den Begriff „Web 2.0“ 2003 in einem Fachaufsatz prägte, nennt dieses Prinzip die „Nutzbarmachung der kollektiven Intelligenz“. Ein Zitat des Vordenkers vermittelt einen Eindruck davon, was der Einsatz von Web-2.0-Plattformen für Unternehmen bedeuten kann:

„Das Web 2.0 ist die Geschäftsrevolution in der Computerindustrie, hervorgerufen durch die Verlagerung ins Internet als Plattform, und ein Versuch, die Regeln für den Erfolg auf dieser neuen Plattform zu verstehen.“

Web-2.0-Plattformen können, so zeigt das Beispiel der Helvetia, Prozesse verbessern, die Zusammenarbeit fördern und beim Austausch von spezifischen Wissensinhalten helfen. Wenn sich Unternehmen im Web 2.0 engagieren, entsprechende Plattformen intern wie extern nutzen und darin auch investieren, spricht die Fachwelt auch gerne von „Enterprise 2.0“. Von Unternehmen also, die beispielsweise soziale Netzwerke, Corporate Blogs, Wikis oder auch Microblogging-Dienste wie Twitter ganz selbstverständlich in ihre Geschäftsprozesse integriert haben.

Eingeführt wurde der Begriff Enterprise 2.0 von Andrew McAfee [66] , Wissenschaftler und Marktforscher beim Center for Digital Business in der MIT Sloan School of Management. Auf Unternehmen bezogen bezeichnet McAfee Enterprise 2.0 als selbstorganisierende Social-Software-Plattformen, die Firmen gleichermaßen intern wie auch zur Kommunikation mit Kunden, Lieferanten, oder Partnern einsetzen. In einem Interview mit der Zeitschrift „Computerworld“ umschreibt McAfee den Begriff so:

„Der Begriff beschreibt allgemein die Übernahme von Web-2.0-Tools und Philosophien in unterschiedliche Business-Szenarien. Genauer gesagt meint das den geschäftlichen Gebrauch aufstrebender Social-Software-Plattformen. Es geht darum, intelligente Werkzeuge zu schaffen, die Menschen so interagieren lassen, wie sie das möchten.“ 

Während es unternehmensintern vor allem um besseren Informationsfluss, die effizientere Nutzung von und den Austausch von Wissen geht, sind Web-2.0-Plattformen und die dafür eingesetzten Werkzeuge auch in den Außenbeziehungen beziehungsweise der Außendarstellung von Unternehmen von Bedeutung. Über Soziale Netzwerke wie etwa „Facebook“ treten Firmen direkt in Kontakt mit Kunden, die dort Kommentare über Produkte oder Dienstleistungen hinterlassen können. Es leuchtet ein, dass diese Form der Kundenbeziehung einen wesentlichen Einfluss auf das Marketing sowie die Reputation und die Imagepflege eines Unternehmens hat.

Wünsche der Kunden werden direkt und ohne Umschweife sichtbar und können für die eigene Produktentwicklung verwendet werden. Christoph Burmann, Inhaber des Lehrstuhls für innovatives Markenmanagement an der Universität Bremen und Vorsitzender des Aufsichtsrats des Strategieberatungsunternehmens Keylens AG, sagt anlässlich einer Studie über die Web-2.0-Aktivitäten von B2B- und B2C-Unternehmen:

„Web 2.0 führt nicht zu Kontrollverlust, sondern zu einer höheren Vergeltungsmacht der Kunden. Es ist geradezu fatal, verschließt sich ein Unternehmen den neuen Medien, während seine Kunden munter twittern, bloggen oder sich auf Facebook in User Groups zusammenschließen.“

Stichwort

Enterprise 2.0 meint die unternehmerische Nutzung von Werkzeugen aus dem sozialen Netz. Dazu gehören:

  • Weblogs
  • Wikis
  • RSS-Feeds
  • Social Bookmarks
  • Mashups
  • Soziale Netzwerke (zum Beispiel Xing, Facebook)
  • Instant Messaging/ Unified Communications
  • Microblogging-Dienste (zum Beispiel Twitter)

Kommunikationsmanagement: Führungskräfte von schnellen Veränderungen überfordert

Die traditionellen Kommunikationswege sind demnach nicht mehr in der Lage, mit dem geforderten Tempo im Change Management Schritt zu halten und die Belegschaft in die Entwicklungen einzubinden. Dabei kommt vor allem die persönliche Ansprache der Mitarbeiter häufig zur kurz. Nicht einmal jedes zweite Unternehmen (44 Prozent) informiert sein Personal im persönlichen Gespräch über anstehende Veränderungen.

Gleichzeitig geht die große Mehrheit der Experten davon aus (81 Prozent), dass sich die persönliche Kommunikation für Veränderungsvorhaben besonders gut eignet. Kein anderer Kommunikationsweg hat nach Erfahrung der Fach- und Führungskräfte einen größeren Stellenwert, als das Gespräch von Angesicht zu Angesicht.

Die klassische persönliche Kommunikation ist jedoch besonders zeit- und kostenintensiv. So ist beispielsweise eine E-Mail an 1.000 Mitarbeiter deutlich schneller verschickt, als mit gleichem Zeitaufwand alle Kollegen in einem persönlichen Gespräch über anstehende Veränderungen zu informieren.

Der Weg aus der Zwickmühle, schnell sein zu müssen und dennoch eine persönliche Ansprache zu gewährleisten, führt über den verstärkten Einsatz moderner Kommunikationsmittel. Denn wie die vorliegende Befragung zeigt, steigen die Erfolgsquoten im Change Management, wenn die Mitarbeiter beispielsweise mit einer emotionalen Kommunikation per Video- oder Audiokonferenzen in die Planung einbezogen werden. 72 Prozent der Unternehmen, die auf moderne Instrumente setzen, bewerten die Umsetzung von Veränderungsprozessen als erfolgreich - das sind doppelt so viele wie bei den Unternehmen mit herkömmlicher Kommunikation.

Hintergrund

Für den Handelsblatt trend wurden im Auftrag von Damovo und Cisco im März 2010 insgesamt 224 Fach- und Führungskräfte in großen und mittelständischen Unternehmen aus verschiedenen Branchen zum Thema Change Management befragt.

[Quelle: Damovo; Bild: Fotolia.com]

Agiles Projektmanagement: Projekte managen und Produkte entwickeln mit Scrum

Viele Projekte scheitern. Die zu Beginn gefassten Ziele werden nicht erreicht. Für manchen Geschäftsführer ist das eine Katastrophe, für den erfahrenen Projektmanager Alltag. Denn er weiß, wie schwierig es ist, komplexe Projekte zum vorgegebenen Ziel zu führen. Dieses ändert sich nämlich sehr oft, genauso wie die Erwartungen der Auftraggeber und der Betroffenen (Kollegen oder Kunden). Zu den alltäglichen Problemen gehört auch, dass Ressourcen nicht ausreichen, Mitarbeiter nicht die notwendigen Kompetenzen mitbringen oder das Top-Management die Unterstützung versagt.

Diese Liste der Ursachen lässt sich beliebig fortführen. Genauso wie die Liste der Lösungen und Werkzeuge, die den Unternehmen und ihren Mitarbeitern an die Hand gegeben werden, um diese Widrigkeiten zu bewältigen. Und vieles davon ist inzwischen standardisiert und normiert, was den Unternehmen und den Projektverantwortlichen ein enges Korsett anlegt.

Ein ganz anderer Ansatz verspricht Abhilfe. Sein Kerngedanke: Wenn alle ausgefeilten Methoden, Werkzeuge und Vorgehensweisen im klassischen Projektmanagement nicht zu den erwünschten Erfolgen führen, dann lasst das doch einfach sein. Vertraut darauf, dass ein erfahrenes Projektteam es schon irgendwie schaukeln wird, wenn es die Freiheiten dazu hat. Vor allem muss es sich regelmäßig treffen und sich besprechen. Die Protagonisten dieses revolutionären Ansatzes bezeichnen diese Art der Abstimmung als Scrum – zu Deutsch „Gedränge“; ein Begriff aus dem Rugby, wo Scrum einen dichten Haufen von Spielern meint, die um das Spielgerät rangeln.

Scrum und agiles Projektmanagement für die Produktentwicklung

Schon vor rund dreißig Jahren wurden erste Erfahrungen mit dieser Form des Projektmanagements gemacht. Es ging zunächst darum, Produkte schneller und kundenorientierter zu entwickeln. Weniger Bürokratie und Planung und stattdessen engere Zusammenarbeit und häufigere Abstimmungen zwischen den Mitarbeitern im Produktentwicklungsteam waren die Ziele. Die sollten vor allem direkt mit den Kunden sprechen.

Hirotaka Takeuchi und Ikujiro Nonaka zeigen in ihrem Beitrag „The new new product development game: stopp running the relay race and take up rugby“ [67] (1986), dass kleine, vernetzte und interdisziplinäre Teams die besten Resultate erzielen, wenn es darum geht, schnell neue Produkte zu entwickeln, die den besten Kundennutzen bringen. Sie bezeichnen dieses Vorgehen als Scrum. Unternehmen, die damals Erfahrungen damit gesammelt haben, sind Honda, Xerox, Canon, HP und IBM.

Dass der Wunsch nach weniger Bürokratie und Normen einher ging mit der „Lean-Welle“ Ende der 1980er Jahr ist nicht zufällig. Mehr Autonomie für den Einzelnen, Teamarbeit, einfache und klare Regeln und mehr Kundenorientierung kamen in Mode. Methoden des Total Quality Managements und der bedarfsorientierten Produktionslogistik (Kanban) waren die Vorbilder. Daraus sind schließlich die Konzepte und Methoden für die Produktentwicklung hervorgegangen, die seither unter dem Begriff „agiles Projektmanagement“ zusammengefasst werden.

Stichwort

Agiles Projektmanagement umfasst unterschiedliche Methoden eines Projektmanagements, das vor allem auf Flexibilität und Anpassung setzt. Statt ausführlicher und umfangreicher Planung zu Beginn eines Projekts unterstützen diese Methoden das adaptive Planen und die schnelle Abstimmung im Team. Agiles Projektmanagement hat insbesondere bei der Softwareentwicklung an Bedeutung gewonnen.

Methoden und Vorgehensweise sind dabei unter anderem: Scrum, agile Modelling, Feature-Driven Development, extreme Programming.

Ken Schwaber und Jeff Sutherland waren Anfang der 1990er Jahre die Treiber dieser Entwicklung in der Softwareindustrie und in vielen IT-Abteilungen. Sie haben auch das sogenannte Manifest der agilen Softwareentwicklung formuliert.

„We are uncovering better ways of developing software by doing it and helping others do it. Through this work we have come to value:

  • Individuals and interactions over processes and tools
  • Working software over comprehensive documentation
  • Customer collaboration over contract negotiation
  • Responding to change over following a plan

That is, while there is value in the items on the right, we value the items on the left more.“ [Quelle: http://www.agilemanifesto.org/ [68] ]

Wer kennt agiles Projektmanagement und Scrum?

Auch wenn diese Vorgehensweise bei der Softwareentwicklung nicht mehr neu ist, die meisten IT-Verantwortlichen in den Unternehmen kennen sie nicht. Nach einer Umfrage der Zeitschrift CIO haben fast die Hälfte der befragten Leser den Begriff „Scrum“ noch nie gehört und ein weiteres Viertel hat noch keinerlei Erfahrungen damit sammeln können. Andere Befragungen kommen zu anderen Ergebnissen. So stellt die IT-Beratung it-agile fest, dass fast alle der von ihr gemeinsam mit der Zeitschrift ObjektSpektrum befragten Unternehmen agile Methoden der Softwareentwicklung kennen. Das dürfte dem Umstand zu verdanken sein, dass die Macher der Studien vor allem ihre eigene Community befragt haben. Wie dem auch sei: Wer Erfahrungen mit Scrum gesammelt hat, ist damit meistens sehr zufrieden.

Auch die Analysten von Forrester sagen, dass die Zahl der Unternehmen, die agile Entwicklungsmethoden einsetzen, ständig zunimmt.

„In den letzten Jahren haben agile Prozesse nicht nur steigende Anwenderzahlen erreicht; sie passten sich auch sehr schnell den allgemeinen Trends der Entwicklungsmethoden an. Und je mehr Unternehmen agile Prozesse etablieren, desto mehr passen sich diese Prozesse auch am einzelnen Arbeitsplatz ein. Vielleicht ist es ein untrügliches Zeichen, dass agile Prozesse im Trend sind, dass die klassischen Methoden an Zuspruch verlieren.“ [Quelle: Forrester, Agile Development: Mainstream Adoption Has Changed Agility [69] , 2010]

Shared Service Center: Erfolgsfaktor für europäische Finanzdienstleister

Stichwort

Shared-Services-Center (SSC) sind interne Bereiche, die prozessorientierte Dienstleistungen bündeln, konzentrieren und in Konzernen beziehungsweise Unternehmen zur Verfügung stellen.

Laut der Studie hat sich das Modell der SSC etabliert: Über 40 Prozent der bestehenden SSCs sind bereits seit drei Jahren und länger im Einsatz. Die Befragten geben an, bedeutende Kosteneinsparungen erreicht zu haben. So konnten nahezu vier von fünf Unternehmen ihre Ausgaben um 20 Prozent und mehr senken. Die meisten erreichten eine Refinanzierung innerhalb von drei Jahren oder schneller.

Die SSCs haben die Standardisierung von Prozessen und Methoden verbessert und mehr Zeit für komplexere Aufgaben freigesetzt. So werden beispielsweise etwa 50 Prozent aller Kunden- und Zahlungsprozesse bereits heute oder in naher Zukunft über ein SSC abgewickelt. Jens Raschke, Partner bei BearingPoint, sagt:

„Der Shared-Services-Ansatz hat sich in der Branche behauptet und wird zunehmend Anwendung finden. Er birgt nicht nur hohes Einsparpotenzial, sondern kann auch die Qualität von Kern- und Supportprozessen von Finanzdienstleistungen deutlich verbessern und damit den jüngsten Marktentwicklungen entgegenwirken.“

Zukunft der Shared Service Center

Durch die kontinuierliche Entzerrung der Wertschöpfungskette, strukturelle Veränderungen sowie eine anhaltende Finanzmarktkonsolidierung und -regulierung, müssen SSCs steigenden Ansprüchen gerecht werden. Die BearingPoint-Studie identifiziert vier wesentliche Trends, die künftige SSCs und ihre Funktion prägen werden:

  • Neue SSC-Modelle werden die traditionelle Form ablösen: Sogenannte „Centres of Expertise“ (32 Prozent), die Experten-Know-how sammeln und unternehmensweit zur Verfügung stellen, gewinnen an Relevanz.
  • Mitarbeiter werden zu internen Kunden der SSCs, die für Leistungen zahlen. Demnach werden Qualität, Risiko- und Service-Level-Management immer wichtiger, um den reibungslosen Betrieb der Zentren zu gewährleisten.
  • Zusätzlich werden komplexe „nicht-transaktionsbasierte“ Prozesse das Leistungsspektrum der SSCs erweitern und den Mehrwert für interne Kunden erhöhen.
  • Der Standort Ost-Europa wird relevanter: Während heutige Zentren vorrangig im eigenen Land (47 Prozent) operieren, plant ein Drittel der Befragten künftige Zentren in Ost-Europa (gegenwärtig 23 Prozent) und Asien (30 Prozent, inklusive Indien).

Unternehmensgröße und -strategie sind Schlüssel zum Erfolg

Die Ergebnisse machen deutlich, dass große internationale Firmen durch den Einsatz von SSCs relativ gesehen eine höhere Kosteneinsparung erreichen können, als kleine.

80 Prozent der Institute mit mehr als 50.000 Mitarbeitern haben ihre Ausgaben um ein Fünftel und mehr gesenkt. Auch eine Top-Down-Implementierung wurde als Erfolgsfaktor identifiziert: Fast alle Befragten, die diesem Ansatz folgen (70 Prozent), haben große Einsparungen erzielt und waren erfolgreicher als Unternehmen, in denen die Nutzung der Shared Services optional ist.

Des Weiteren werden alle durch den Einsatz von SSCs verbesserten qualitativen Kriterien und Aspekte der Prozessexzellenz von einer optimierten IT-Infrastruktur sowie gesteuerten Service-Level-Agreements unterstützt. Unternehmen, bei denen Innovation Priorität hat, sind erfolgreicher: Sie haben früher mit der Einführung von SSCs begonnen, erste Hürden bereits gemeistert und eine höhere Kostensenkung erzielt. Jens Raschke fügt hinzu:

„Trotz der beachtlichen Erfolge, die wir durch den Einsatz von SSCs beobachten, konzentriert sich die Branche derzeit noch auf die schnell zu erreichenden Ergebnisse. Nun gilt es, bestehende Leistungen weiter zu optimieren, die Kundenzufriedenheit zu steigern, weitere Prozesse einzubinden und neue Leistungen zu entwickeln, durch die zusätzlicher Mehrwert für die Kunden realisiert werden kann. Mit Prozessoptimierung und Maßnahmen zur IT-Anpassung können finanzielle und qualitative Vorteile weiter ausgebaut werden.“

Zur Studie

Durchgeführt wurde die Studie unter 138 europäischen Bank- und Versicherungsunternehmen. Die vollständige Studie „Shared Services Industry Specifics and Trends in the European FS Market” finden Sie hier:

Studien von BearingPoint [70]

Weitere umfassende Informationen zum Thema Shared Service Center finden Sie in unserem Handbuch:

Shared Service Center: Servicefunktionen bündeln und auf Mitarbeiter ausrichten [71]

[Quelle: BearingPoint; Bild: KonstantinosKokkinis - Fotolia.com]

IT-Management: CIOs kämpfen gegen dunkle Geschäftsprozesse

Bei den sogenannten "dunklen Geschäftsprozessen" handelt es sich beispielsweise um Excel-Listen, eigene Datenbanken einzelner Beschäftigter, E-Mail-Absprachen und ähnliche "kleine Dienstwege" zwischen den Mitarbeitern, die der IT-Abteilung nicht bekannt geschweige denn dort dokumentiert sind. Gut ein Fünftel (21 Prozent) der von FIKANI befragten IT-Leiter sind sogar der Meinung, dass mehr als die Hälfte der Geschäftsprozesse in deutschen Großunternehmen auf diese Sorte der "eigentlich unzulässigen" Absprachen entfallen. FINAKI-Geschäftsführerin Gabriele Rittinghaus erklärt:

"Der kleine Dienstweg erweist sich in der Konzernwelt als immer größeres Problem. Die Aufgabe der IT-Abteilungen, die Abläufe im Unternehmen in der Informationstechnologie abzubilden, wird nämlich angesichts der steigenden Anzahl dunkler Geschäftsprozesse immer schwieriger."

Als Hauptursache hierfür nennen 58 Prozent der von FINAKI befragten CIOs die rasante Geschwindigkeit, mit der sich Geschäftsprozesse ändern. Es werde für die IT-Abteilungen immer schwieriger, diesem ständigen Änderungsfluss nachzukommen, sodass sich die Mitarbeiter gezwungen sähen, "auf eigene Faust" mit Excel, Access und E-Mail ihre eigenen Geschäftsprozesse zu unterstützen, meint die Mehrzahl der CIOs. Weit über die Hälfte gehen von einer Verschärfung dieser Problematik in den nächsten Jahren aus.

Zur Studie

Grundlage der Studie bildet eine Umfrage unter 33 ausgewählten Chief Information Officers (CIOs) aus deutschen Großunternehmen, die FINAKI, die zentrale Organisation für Anwender und Anbieter auf den Gebieten Informationstechnologie und Telekommunikation durchgeführt hat.

[Quelle: FINAKI; Bild: Fotolia.com]

Changemanagement: Die Unternehmenskultur zu verändern braucht Zeit

Wie gelangen Unternehmen zur Entscheidung, kulturelle Changeprojekte in ihrer Organisation zu starten? In der Regel haben zunächst Mitglieder der Unternehmensleitung latent das Gefühl: „Irgendetwas stimmt in unserer Organisation nicht mehr; etwas muss sich ändern.“ Zum Beispiel,

  • weil sich das Unternehmensumfeld gewandelt hat,
  • weil sich das Kaufverhalten der Kunden allmählich ändert. Oder:
  • weil es recht lange dauert, bis Entscheidungen umgesetzt sind.

Also beobachten die Entscheider das Phänomen zunächst einige Zeit. Und verdichtet sich bei ihnen das Gefühl „Da haben wir ein Problem“ oder „Da könnten wir ein Problem bekommen, wenn ...“, entscheiden sie irgendwann – alleine oder mit Kollegen: Die Sache untersuchen wir genauer. Das heißt, sie beauftragen – abhängig vom Phänomen, das ihr Unbehagen auslöst – zum Beispiel eine Unternehmensberatung, den Sachverhalt genauer zu untersuchen. Oder sie lassen eine Kunden- oder Mitarbeiterbefragung durchführen. Und bestätigen die Ergebnisse der Untersuchung oder Befragung ihre Vermutungen, dann wächst ihnen allmählich die Erkenntnis: Hier müssen wir aktiv werden. Also treffen sie eine entsprechende Basisentscheidung.

Kernfrage: Welche Interventionen führen zum Ziel?

Mit der Basisentscheidung „Wir tun etwas“ ist aber noch lange nicht klar, was das Unternehmen tut, um das Problem zu lösen. Denn ungeklärt ist zum einen noch

  • „Welches Ziel wollen wir mit unseren Aktivitäten eigentlich erreichen?“ und zum anderen
  • „Was sollten wir tun, um das Gap, also die Lücke zwischen dem aktuellen Ist-Zustand und dem angestrebten Soll-Zustand, zu schließen?“

Nach der Entscheidung „Wir werden aktiv“ muss also ein weiterer Erkenntnis- und Entscheidungsprozess stattfinden. Und die Art und Weise, wie dieser Prozess gestaltet wird, ist für den Erfolg des Veränderungsvorhabens sehr wichtig, denn in ihm werden die Weichen für die künftige Entwicklung gestellt.

Genau in dieser Phase zwischen den beiden Entscheidungspunkten „Wir tun etwas“ und „Was tun wir“ begehen Unternehmen bei Projekten, die auf eine Kulturveränderung abzielen, oft gravierende Fehler. Denn ihre Top-Entscheider neigen – als pragmatische Macher – häufig dazu, sich vorschnell für gewisse Lösungswege zu entscheiden, ohne vorab ausreichend zu prüfen:

  • Vor welcher Art von Problem/Herausforderung stehen wir?
  • Was sind dessen/deren Ursachen?
  • Welches Ziel, welche Veränderung möchten wir erreichen?
  • Welchen möglichen Weg zum Ziel gibt es? Und:
  • Über welchen Weg erreichen wir am ehesten unser Ziel?

Die Folge: Sie beschreiten vielfach Lösungswege, die sich bei anderen Projekten mehr oder minder bewährt haben. Dabei ist es gerade bei Projekten, die auf eine Veränderung auf der Kulturebene abzielen, oft nötig, die gewohnten Problemlösepfade zu verlassen, um das angestrebte Ziel zu erreichen.

Nicht in gewohnte Reaktionsmuster verfallen

Das sei an einem realen, aber verfremdeten Praxisbeispiel illustriert. Im Frühjahr 2009 hatte die Führung eines Unternehmens mit 1.700 Mitarbeitern das Gefühl: Unsere Organisation entwickelt eine zu geringe Schlagkraft. Entscheidungen werden auf der Bereichs- und Abteilungsebene nicht schnell und konsequent genug umgesetzt.

Also beauftragte der Vorstand eine externe Unternehmensberatung, eine Mitarbeitarbeiterbefragung durchzuführen. Sie ergab unter anderem: Im Bereich „Führung und Kommunikation“ existiert eine große Soll-Ist-Abweichung. Die Mitarbeiter fühlen sich zum Beispiel nicht ausreichend in Entscheidungen involviert, und ihnen ist oft unklar, warum sie gewisse Dinge tun sollen. Entsprechend unzufrieden sind sie mit ihrer Arbeitssituation. Und das wirkt sich auch negativ auf ihre Motivation aus.

Als dem zuständigen Vorstandsmitglied dieser Befund präsentiert wurde, war dessen spontane Reaktion: Dann lasst uns eine Projektgruppe einrichten, die einen Lösungsvorschlag erarbeitet. Und weil der Vorstand aus früheren Changeprojekte wusste, dass ein frühes Einbeziehen der betroffenen Abteilungen wichtig ist, wünschte er zudem: Der Projektgruppe sollen neben einem Bereichsleiter auch Vertreter der Führungsebenen F2 und F3, also der Abteilungs- und Teamleiterebene angehören.

Der Vorstand reagierte also gewohnt: Um das Problem zu lösen, beabsichtige er eine Hierarchie übergreifende Projektgruppe einzurichten. Im anschließenden Gespräch mit dem Berater wurde ihm aber schnell klar, dass bei einem solchen Vorgehen vermutlich keine Projektarchitektur entwickelt werden würde, die mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer Lösung des Problems führt. Unter anderem aus folgendem Grund: Faktisch waren die Probleme im Bereich „Führung und Kommunikation“ in der Organisation nicht neu. Vielmehr kämpfte das Unternehmen mit ihnen seit vielen Jahren. Entsprechend viele Versuche waren denn auch schon, wenn auch aus anderen Anlässen unternommen worden, um es zu beheben – zum Beispiel durch das Formulieren eines neuen Unternehmensleitbildes und neuer Führungsleitlinien. Und durch ein Neugestalten der Führungsnachwuchsprogramme sowie -trainings. Und durch Umgestalten solcher Kommunikationsmedien wie der Mitarbeiterzeitung.

Faktisch geändert hatte sich an der Kultur des Unternehmens aber wenig. Denn alle bisherigen Initiativen waren von den Mitarbeitern zwar wahrgenommen und zumeist sogar zumindest verbal begrüßt worden. Sie hatten aber nicht „ihr Herz“ erreicht. Denn Veränderungsbedarf sahen die Mitglieder der Organisation – vom Vorstand bis zum Pförtner – meist nur bei den jeweils anderen. Dass sie selbst auch ihr Verhalten, sei es alleine oder als Team, ändern müssen, das erkannten sie in der Regel nicht.

Das Problem durchdringen und verstehen

Nachdem der Berater dem Vorstand dies erläutert hatte, entschied dieser: Okay, wir richten zwar eine Projektgruppe ein. Diese soll aber von einem externen Berater moderiert werden. Er soll dafür sorgen, dass die Gruppe schärfer als bisher das Problem analysiert und zudem ihr eigenes Verhalten und Vorgehen reflektiert.

Beim ersten Treffen der Projektgruppe wurden den Gruppen-Mitgliedern zunächst noch einmal die Ergebnisse der Befragung präsentiert. Danach wurden die Projektmitglieder gebeten, ihre Vermutungen über die Ursachen des Problems sowie mögliche Problemlöseschritte zu formulieren. Der externe Moderator schrieb auf Moderationstafeln und Flipcharts fleißig mit. Nach circa 1,5 Stunden bat er die Projektgruppenmitglieder, zwei Arbeitsgruppen zu bilden: Die erste Gruppe sollte aus dem anwesenden Bereichsleiter und den drei Abteilungsleitern bestehen; die zweite Gruppe aus den sechs Teamleitern. Beide Gruppen sollten unter anderem folgende Fragen beantworten:

  • Wie war die Zusammenarbeit in den vergangenen Stunden?
  • Wie hat sich die Projektgruppe organisiert?
  • Wie waren die Redezeiten verteilt?
  • Auf welchen Ebenen wurde diskutiert?
  • Welche Denk- und Verhaltensmuster wurden sichtbar?

Beim Auswerten der Arbeitsgruppenergebnisse im Plenum wurde den Mitgliedern der Projektgruppe schnell klar: Eigentlich haben wir beim gemeinsamen Arbeiten genau die Strukturen reproduziert sowie Verhaltensmuster gezeigt, die im Unternehmensalltag eine zentrale Ursache der Probleme im Bereich „Führung und Kommunikation“ sind. Die Gesprächsführung hatte der Bereichsleiter, also der Ranghöchste. Die drei Abteilungsleiter sagten zwar ihre Meinung, ordneten sich faktisch aber stets dem Votum des Bereichsleiters unter. Und die sechs Teamleiter? Sie schwiegen – sieht man von einigen kleinen Zwischenbemerkungen ab. Das heißt, die Mitglieder der Projektgruppe erkannten allmählich: Wir sind selbst ein Teil des Problems, für das wir eine Lösung suchen.

Nach neuen, alternativen Lösungswegen suchen

Ein weiterer Punkt wurde den Mitgliedern der Projektgruppe beim Reflektieren der eigenen Arbeit deutlich: Bei den bisher artikulierten Problemlösevorschlägen handelt es sich weitgehend um dieselben, die wir in der Vergangenheit bereits praktizierten und die nicht zum gewünschten Ergebnis führten.

So neu für die Problematik sensibilisiert, listete die Projektgruppe anschließend zunächst noch einmal die bisherigen Initiativen auf, um die Probleme im Bereich „Führung und Kommunikation zu lösen.“ Danach analysierte sie: Warum wurden hiermit nicht die gewünschten Ergebnisse erreicht? Die Projektgruppe befasst sich also nochmals intensiv mit der Problemanalyse. Ein zentrales Ergebnis hiervon war: Die bisherigen Initiativen waren weitgehend auf der Makro- und Mikro-Ebene angesiedelt. Das heißt, die Initiativen waren entweder isolierte Initiativen des Top-Managements oder sie hatten den Mitarbeiter als Individuum im Fokus. Was jedoch kaum adressiert wurde, war die Meso-Ebene, also die Beziehungsebene beziehungsweise die Arbeitsteam-Ebene, auf der in der Regel im Betriebsalltag nicht nur die Vermittlung von Werten und Zielen erfolgt, sondern sich auch das kollektive Lernen vollzieht.

Ausgehend von diesem Befund reifte in der Projektgruppe zunehmend die Erkenntnis: Wenn wir im Bereich „Führung und Kommunikation“ wirklich nachhaltig etwas verändern möchten, dann nützt es uns wenig, zum Beispiel weitere Trainingsmaßnahmen für die Führungskräfte oder deren Mitarbeiter aufzusetzen. Ebenso wenig zielführend ist, zum wiederholten Mal unsere Führungsleitlinien zu überarbeiten. Viel zielführender ist es, wenn die (Arbeits-)Teams im Arbeitsalltag – ähnlich wie wir in der Projektgruppe – anhand der konkreten Aufgaben, vor denen sie stehen, regelmäßig reflektieren:

  • Wie arbeiten wir eigentlich zusammen?
  • Wir kommunizieren wir miteinander
  • Welche Verhaltensmuster zeigen wir bei der Zusammenarbeit und Kommunikation, die unsere Wirksamkeit reduzieren? Und:
  • Wie können wir diese Erfolgsbarrieren beseitigen?

Entsprechend war dann auch der Projektvorschlag konzipiert, den die Projektgruppe zum Lösen der Probleme im Bereich „Führung und Kommunikation“ zunächst dem Vorstand präsentierte und der anschließend realisiert wurde. Er setzte weitgehend auf Maßnahmen, bei denen die (Arbeits-) Teams gemeinsam ihr Tun und Verhalten reflektieren, um hieraus dann konkrete Vereinbarungen auf der Teamebene abzuleiten. Und dieses Vorgehen zeigt auch die gewünschte Wirkung. Dies legt eine zweite Mitarbeiterbefragung nahe, die Anfang 2010 durchgeführt wurde. Sie belegt, dass sich das Gap zwischen Soll- und Ist-Situation erheblich verkleinert hat.

Lieber langsam als vorschnell entscheiden

Ähnliche Erfahrungen wie im obigen Beispiel sammelt man als Berater in Changeprojekten, die auf eine Kulturveränderung abzielen, oft. In ihnen stellt man immer wieder fest: In Aktionismus zu verfallen, bringt, wenn man einen Handlungs- oder Changebedarf erkannt hat, wenig. Denn dann werden zumeist in einer Art Reiz-Reaktions-Schema nur die gewohnten Aktionsmuster wiederholt, was oft eher zu einem Verfestigen der bestehenden Kultur als zu deren allmählicher Veränderung führt. Anders ist dies, wenn die Verantwortlichen sich nach ihrer Entscheidung „Wir müssen etwas tun“ zunächst ausreichend Zeit lassen, um zu reflektieren:

  • Welche Ziele wollen wir eigentlich im Detail erreichen?
  • Was haben wir in der Vergangenheit bereits getan, um dieses Ziel (oder ein vergleichbares) zu erreichen? Und:
  • Was hat sich warum bewährt beziehungsweise nicht?

Dann gelangen die Verantwortlichen zu ganz anderen, neuen Interventionen, und es gelingt ihnen, eher Projektarchitekturen zu schmieden, mit denen die gesteckten Ziele erreicht werden.

Deshalb der Tipp: Verlangsamen Sie gerade in der Zeit, wenn es um die Entscheidung geht „Was tun wir, um ...“, gezielt den Prozess der Entscheidung. Nehmen Sie zwischen den beiden Entscheidungspunkten „Wir tun etwas“ und „Was tun wir“ viel Zeit zur Reflexion. Dann gelangen Sie zu Projektarchitekturen, mit denen Sie mit einer höheren Wahrscheinlichkeit Ihr Ziel erreichen.

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Change Management: Wie Veränderungsprojekte gelingen

Der Unternehmenswandel wird in diesen Tagen viel diskutiert – sei es durch die gemeinhin erkannte Notwendigkeit der Schaffung von krisensichereren Strukturen oder durch Fusionsvorhaben. Dennoch sind die in Literatur und Praxis verwurzelten Ansätze zum Thema Change Management (CM) weitestgehend homogen. Daher: Es ist ein Change im Change Management nötig, um aus dem Kreislauf des Misserfolgs auszubrechen.

Veränderungspotenzial wird inzwischen als zentraler Wachstums- und Erfolgsfaktor einer Unternehmung angesehen. Die steigende Dynamik der freien Marktwirtschaft zwingt Unternehmen dazu, sich ständig dem Markt anzupassen und das Unternehmen regelmäßig zu verändern. Zwar wird viel verändert, jedoch sprechen die Fakten die klare Sprache des Handlungsbedarfs:

  • Nur die Hälfte aller Projekte im Change Management sind erfolgreich (ein vollständiger Change gelingt sogar nur in 20 Prozent der Fälle)
  • Die generelle Überlebensrate von Unternehmen beschreibt in den letzten 25 Jahren einen dauerhaft absteigenden Kurs
  • Für neun von zehn Führungskräften ist Change Management auch weiterhin ein Zukunftsthema

Die Ursachen dafür sind vielfältig; unzureichende Planung, konträre Unternehmenskulturen bei Fusionen (M&A), falsche oder mangelnde Einbindung der Mitarbeiter sind nur einige davon. Im Kern zeichnen sich heute jedoch Konflikte in der Führungsebene überproportional häufig für ein fehlgeschlagenes Change Management verantwortlich. Klar: Heute sind Führungspositionen nur noch auf eine Handvoll Jahre ausgelegt und jeder versucht, sich zu behaupten und an den entscheidenden Karriereschrauben zu drehen. Dabei können unternehmensweit schnell zu viele elementare Schrauben durchdrehen, sodass sich am Ende gar nichts mehr bewegen lässt oder das Werkstück sogar ganz in seine Einzelteile zerfällt.

Es leuchtet also ein, dass dem Management eine zentrale Rolle in einem Veränderungsprozess zuteil wird. Denn das Management ist für Planung und Umsetzung des Change-Prozesses verantwortlich. In der Praxis ist es üblich, dass das Top-Management die Planung übernimmt und die Realisierung an das Middle-Management delegiert. Die Problematik: Für das Middle-Management bestehen Karriereängste durch die Restrukturierung und es besteht der Drang zur Profilierung. Ein CM-Prozess, welcher der zweiten Führungsriege anvertraut wird, kann also bereits noch während der Realisierung durch Kompetenzgerangel und gegenseitige Intrigen ins Wanken gebracht werden. Konflikte dieser Art ziehen die Dauer des Wandels in die Länge und unterminieren somit auch das Vertrauen der gesamten Belegschaft in das Change-Vorhaben.

Konflikte in einem Prozess des Change Managements komplett vermeiden zu können, ist ein Irrtum. Veränderung beschwört stets Widerstände und Konflikte herauf. Deshalb ist es vielversprechend, Konflikte strategisch einzuplanen und offensiv anzugehen, statt sie lediglich auszusitzen. Das aus der Teambildung bekannte Prinzip des „Storming“ ist auch auf CM-Prozesse anwendbar: Damit wieder Stille herrscht, muss es einmal laut krachen.

Ist es also vielleicht sinnvoll, dieser Problematik durch ein komplett ausgelagertes Change Management entgegenzuwirken? Ganz klar: Nein! Externe Berater, die einen objektiven Blick ermöglichen, begünstigen jedes CM-Vorhaben. Dennoch muss eine gewisse Grundakzeptanz durch Miteinbeziehen von Betroffenen geschaffen werden. Change Management muss Vorstandssache sein, die von Change-Beratern unterstützt wird. Empfehlenswert ist hier ein „Change-Büro“: dazu braucht es Personen mit Interesse am Unternehmenserfolg, nicht an Grabenkämpfen.
 
Und was ist mit den bisherigen Ansätzen, die die Belegschaft im Kern des Change Managements sehen? Die Macht im Unternehmen hat sich in den letzten Jahren weiter von den Mitarbeitern zum Management verschoben. Maßgeblich dazu beigetragen hat der schwindende Einfluss der Gewerkschaften. Selbstverständlich haben Mitarbeiter immer noch die Macht, Veränderung im Unternehmen zu bewirken oder entsprechend dagegen zu wirken. Ansätze sind also keinesfalls obsolet! Nur haben Manager inzwischen weit mehr Macht und hierfür fehlt das Bewusstsein.
 
Resultat: Veränderte Rahmenbedingungen bedeuten eine dringende Anpassung der im Change Management benutzten Instrumente. Um einem vertikalen Krisenherd zu begegnen, müssen adäquate Interventionswerkzeuge bereitliegen.
 
Also: Werden die Spielregeln der Führungsmannschaft den Gegebenheiten angepasst und dem Trainer wieder mehr Macht zugestanden, kann man optimistisch sein, dass das Publikum in Zukunft wieder mehr zu jubeln hat. Konsens hat in der Kabine nichts zu suchen - es sind unbedingt klare und
zielgerichtete Halbzeitansprachen nötig, die das Team wachrütteln.

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Organisationspflicht: Bestellung des Datenschutzbeauftragten

Schriftform

§ 4f Abs. 1 des Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG) sieht die schriftliche Bestellung des Datenschutzbeauftragten vor. Dies ist also zwingend vorgeschrieben. Am besten eignet sich hierfür der Weg über das gute alte Papier, um zum Beispiel mögliche Fehler bei digitalen Signaturen bei einer Bestellung per E-Mail auszuschließen.

Hinweis

So sieht ein Muster eines Bestellungsschreibens [72] aus.

Gegenzeichnung durch leitende Person

Nur eine leitende Person darf die Bestellung zum Datenschutzbeauftragten gegenzeichnen. Bei einer Aktiengesellschaft also der Vorstand, bei einer GmbH der Geschäftsführende Gesellschafter.

Gegenzeichnung durch den Datenschutzbeauftragten

Auch der Datenschutzbeauftragte selbst sollte seine Bestellungsurkunde immer gegenzeichnen. Zwar geht der Wortlaut des § 4f Abs. 1 BDSG von einer einseitigen Bestellung durch den Arbeitgeber aus, doch in der Praxis raten Rechtsexperten zur Gegenzeichnung. Der Grund: Nur das, was ein Datenschutzbeauftragter auch tatsächlich eigenhändig unterzeichnet hat, hat bei juristischen Auseinandersetzungen mit dem Arbeitgeber vor Gericht auch Gewicht beziehungsweise dient der Beweiskraft. Selbstverständlich sollte es in diesem Fall auch sein, sich eine Kopie beziehungsweise ein Exemplar der Bestellungsurkunde für die eigenen Unterlagen aushändigen zu lassen.

Sonderfall: Konzernähnliche Strukturen

Das Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) kennt weder Personen- noch Kapitalgesellschaften, sondern spricht in § 3 Abs. 7 lediglich von einer

„…Stelle, die personenbezogene Daten für sich selbst erhebt, verarbeitet oder nutzt oder dies durch andere im Auftrag vornehmen lässt.“

Streng genommen bedeutet dies, dass grundsätzlich jede verantwortliche Stelle einen Datenschutzbeauftragten bestellen muss, also in Konzernunternehmen jede Tochterfirma einen eigenen. Datenschutzrechtlich gesehen werden diese Unternehmen nämlich so betrachtet, als würden die Dienstleistungen durch externe Firmen ausgeführt. Allerdings kann es bei Konzernen sinnvoll sein – und sollte in der Praxis auch so umgesetzt werden – einen einzigen Datenschutzbeauftragten für alle Tochterunternehmen zu bestellen, um einen einheitlichen datenschutzrechtlichen Standard zu gewährleisten.

IT-Projekte: Mit Feature-Teams für die gewünschte Flexibilität sorgen

Wer schon einmal in einem (IT-)Großprojekt gearbeitet hat, kennt vermutlich folgende Situation: Das Projektmanagement unternimmt alle denkbaren Anstrengungen, um sicher zu stellen, dass zum vorgegebenen Termin das vorgesehene Ergebnis im Rahmen des vorgegebenen Budgets geliefert wird. Entsprechend „straff“ ist der Projektplan. Dies hat zur Folge: Jede Änderung, sei sie noch so klein, jeder Fehler in der Konzeption und jede zu spät entdeckte Anforderung wird als Störung empfunden, weil sie das Einhalten des Projektplans gefährdet.

Also versucht das klassische Projektmanagement solche Störungen entweder zu eliminieren (Risikomanagement) oder in ein zusätzliches Budget umzuwandeln (Change Request Management). Hierbei bleibt leider meist ein entscheidendes Element auf der Strecke: der Kundennutzen. Für klassisch geplante Projekte gilt: Die Kunden erhalten oft

  • ein Produkt, das auf einer ein bis zwei Jahre alten Spezifikation beruht, oder
  • ein Produkt, das zwar die aktuellen Anforderungen widerspiegelt, aber mehr als geplant kostet.

Kundennutzen gerät oft aus dem Blick

Bei größeren Projekten registriert man oft: Ihre Organisationsarchitektur spiegelt die hierarchische Struktur des Unternehmens wider. Sozusagen ganz oben befindet sich das Projektmanagement mit seinen Stabsstellen; darunter sind die funktionalen Einheiten wie zum Beispiel das Analyse-, das Architektur-, das Entwicklungs- und das Testteam angesiedelt.

Aus gruppendynamischer Sicht geschieht in einer solchen Organisationsstruktur folgendes: Jedes Team identifiziert sich primär mit seinen partiellen Zielen – so zum Beispiel das Analyseteam mit dem Ziel, Use-Case-Spezifikationen termingerecht abzuliefern. In den Hintergrund treten nach und nach die Bedürfnisse der benachbarten Teams und des übergeordneten Projektmanagements. Dies hat zur Folge: Startet zum Beispiel das Architekturteam die Anfrage, ein Review des Architekturdokuments durchzuführen, wird dies von den anderen Teams als Störung empfunden. „Sollen die sich doch selbst um ihre Qualität kümmern. Wir haben schließlich Termine, die wir einhalten müssen.“ Wo bleibt bei einem solchen Verhalten der Kundennutzen? Auf der Strecke!

Nachteile einer klassischen Projektarchitektur

Folgende Faktoren mindern bei einer klassischen Projektarchitektur oft den Kundennutzen:

a) Kaum nachprüfbare Resultate. Jedes Team liefert Resultate, die für sich betrachtet, kaum nachprüfbar sind. Erst zusammen mit den Resultaten der anderen Teams entsteht ein Kundennutzen. Das heißt in der Praxis zumeist: Erst wenn das Testteam die Softwarekomponenten integriert und getestet hat, stellt sich heraus,

  • ob das Entwicklungsteam die Anforderungen aus dem Analyseteam richtig umgesetzt hat,
  • ob die Architektur tragfähig ist und
  • ob die umgesetzten Anforderungen wirklich zu den aktuellen fachlichen Bedürfnissen passen.

In der Regel sind bis dahin sechs bis zwölf Monate vergangen.

b. Hoher Aufwand für die Integration. Das Integrieren der Teilergebnisse erfordert einen immensen Zusatzaufwand. Die Spezifikation ist mit der Architektur abzugleichen, die Softwarekomponenten der Teams sind in das Gesamtsystem zu integrieren, die Testfälle und GUI-Entwürfe sind mit der Spezifikation abzugleichen, Erkenntnisse aus dem Design, der Entwicklung und dem Test müssen in die Spezifikation zurückfließen und so weiter. All diese Tätigkeiten liefern keinen direkten Kundennutzen.

c. Hoher Aufwand für den Know-how-Transfer. Bei der Übergabe von Zwischenergebnissen (in der Regel sind dies Dokumente) geht stets Know-how verloren. So erarbeitet sich das Analyseteam zum Beispiel nach und nach ein fundiertes Verständnis für die fachlichen Bedürfnisse und die Abläufe. Die anderen Teams erhalten aber nur Spezifikationsdokumente, die nur einen Teil dieses Know-hows widerspiegeln (auch weil eine Spezifikation, die alle Nuancen der Fachlichkeit enthält, wirtschaftlich unsinnig wäre). Also müssen die anderen Teams, um sich das erforderliche Wissen selbst zu erarbeiten, (meist ungeplant) auf die Ressourcen des Analyseteams zurückgreifen. Und da die Arbeiten an der Fachlichkeit in der Regel von Team zu Team (Architektur, Entwicklung, Test) weitergereicht werden, erfolgt der Know-how-Transfer mehrfach und jeweils zu einem anderen Zeitpunkt.

d. Lange Durchlaufzeiten. Sie entstehen durch

  • Liegezeiten der Zwischenergebnisse, weil die Taktrate der einzelnen Teams nur schwer miteinander zu synchronisieren sind,
  • aufwändige Abnahmeverfahren für Zwischenergebnisse, um die Qualität an den Schnittstellen sicherzustellen, und
  • zeitintensive Korrekturschleifen, da Änderungen an Endergebnissen meist wieder ganz am Anfang der Kette starten müssen und danach sequentiell durch die Teamstruktur weitergereicht werden.

Feature-Teams: Eine organisatorische Alternative

Funktionsübergreifende (Feature) Teams

Ein höherer Kundennutzen als bei der klassischen Projektarchitektur entsteht in der Regel bei folgender Organisationsform: Mehrere Teams arbeiten parallel und liefern in Zeitintervallen von jeweils zwei bis vier Wochen Features der Software, die ein fachliches Bedürfnis befriedigen. Jedes dieser Feature-Teams ist funktionsübergreifend zusammengesetzt, und zwar so, dass die Mitglieder alle erforderlichen Fähigkeiten für die Analyse, Architektur, Entwicklung und den Test mitbringen. Die Teams können aus Generalisten bestehen, die alles beherrschen, oder aus Spezialisten, die sich gegenseitig ergänzen. In der Regel sind in den Teams aber beide Mitarbeiter-Typen vertreten.

Aus folgenden Gründen erzeugen solche funktionsübergreifenden Teams einen größeren Kundennutzen:

a. Sie liefern lauffähige Software anstelle von Dokumenten. Funktionsübergreifende Teams werden selbstverständlich weiterhin spezifizieren. Sie arbeiten auch weiter an der Systemarchitektur und schreiben Testfälle. Sie tun dies aber primär, um ihre Arbeit zum Beispiel für Wartungszwecke zu dokumentieren. Ansonsten geben sie ihre Erkenntnisse direkt an die anderen Teammitglieder weiter und lassen diese in die Software einfließen. Das reduziert den Dokumentationsaufwand.

b. Sie verschwenden keine Zeit für aufwändige Integrationsprozesse. Funktionsübergreifende Teams arbeiten autonomer. Auf der Basis eines Kernsystems entwickeln sie ihre Features und integrieren diese sofort nach der Fertigstellung. Spezifikation, Architektur und Testfälle lassen sich so innerhalb des Teams ohne Zeitverzögerung aufeinander abstimmen, auch wenn es selbstverständlich einer übergreifenden, koordinierenden Abstimmung bedarf. Diese ist jedoch nicht so zeitaufwändig, wie das Warten auf die nächste Baseline einer Architekturkomponente oder eines Spezifikationsdokuments.

c. Sie entwickeln ein kollektives Verständnis für die Kundenbedürfnisse. In Feature-Teams verbreiten sich neue Erkenntnisse über die fachlichen Bedürfnisse sofort – unter anderem, weil jedes Teammitglied prinzipiell direkt mit dem Kunden, Fachexperten oder seinem projektinternen Stellvertreter reden kann. Zudem kann das Team an einem Tisch besprechen, welche Auswirkungen neue Erkenntnisse auf die jeweiligen Ergebnisse haben und Beschlüsse fassen sowie direkt umsetzen. Und dies geschieht auch, weil das Team sich, gruppendynamisch gesprochen, statt mit Zwischenergebnissen mit den Bedürfnissen des Kunden identifiziert.

d. Sie werden schneller fertig. Dies dürfte der größte Vorteil sein. Weil ein funktionsübergreifendes Team Zwischenergebnisse parallel und nicht sequentiell bearbeitet, wird das Endprodukt, die lauffähige Software deutlich schneller fertig. Es ist keine zeitraubende Synchronisation zwischen verschiedenen Teams erforderlich. Die Qualität der Zwischenergebnisse steht nicht über der des Endergebnisses, sie lässt sich nach jeweils zwei bis vier Wochen an der lauffähigen Software ablesen. Korrekturen fließen ebenfalls sofort in das Endergebnis ein.

Voraussetzungen für Feature-Teams

Funktionsübergreifende Teams erfordern in traditionell aufgestellten Unternehmenskulturen eine nicht zu unterschätzende Veränderung. Was früher nach Spezialisierung organisiert wurde, muss zuerst aufgelöst und umgestellt werden. Dies gelingt nicht von heute auf morgen, sondern erfordert in erster Linie Zeit.

a. Verlust von lieb-gewonnenen Stellen. Teamleiter von Spezialistenteams (zum Beispiel Testteams) müssen sich neu orientieren, da ihre Leute sich auf funktionsübergreifende Teams aufteilen. Ihnen könnte eine Rolle als querschnittverantwortlicher Coach oder als Teamleiter eines Feature-Teams angeboten werden.

b. Verlust des Expertenstatus. Spezialisten müssen sich zu Generalisten entwickeln. In funktionsübergreifenden Teams müssen Spezialisten auch fachfremde Aufgaben wahrnehmen. Ein Tester muss zum Beispiel bei der Erstellung der Spezifikation mitarbeiten. Auch für Projektmanager bedeuten funktionsübergreifende Teams eine Herausforderung. In der Startphase eines Projekts müssen sie ein Kernteam formen, das ein gemeinsam getragenes Bild der fachlichen Architektur, der technischen Architektur und der Arbeitsprozesse entwickelt. Dieses Kernteam verteilt sich nach der Startphase auf die neu gebildeten funktionsübergreifenden Teams und trägt das gemeinsame Bild in die einzelnen Teams. Es muss während des gesamten Projektverlaufs dafür sorgen, dass dieses Bild nicht verwaschen wird und es sich an neue Erkenntnisse anpasst.

Die Planung stellt ebenfalls eine neue Herausforderung dar. Wo früher eine verrichtungsorientierte Planung („Architekturkonzept entwickeln“, „Spezifikation schreiben”, „Teststrategie entwickeln” etc.) im Vordergrund stand, erfordern funktionsübergreifende Teams eine Zerlegung der Gesamtfunktionalität in sinnvolle Produktfeatures. Die Planung muss sicherstellen, dass Features zu sinnvollen Zwischen-Releases gruppiert werden und die Realisierung der Features in einer fachlich und technisch sinnvollen Reihenfolge angegangen wird. Dazu müssen Projektleiter jedoch die Bereitschaft mitbringen, sich in die fachliche Themenstellung einzuarbeiten.

Alles in allem ist dies eine Aufgabe, die einiges von Projektleitern abverlangt. Sie müssen ihren Arbeitsschwerpunkt vom Managen auf das Führen verlagern. Und sie müssen liebgewonnene Methoden durch eine gehörige Portion gesunden Menschenverstand ersetzen.

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Datenschutz: Rechte und Pflichten des Datenschutzbeauftragten

Wann muss ein Datenschutzbeauftragter bestellt werden?

Unternehmen, also nach dem Gesetz nicht-öffentliche Stellen, die mehr als neun Mitarbeiter beschäftigen und personenbezogene Daten automatisiert verarbeiten, müssen einen Datenschutzbeauftragten bestellen. Das Gleiche gilt, wenn personenbezogene Daten auf andere Weise erhoben, verarbeitet oder genutzt werden und damit in der Regel mindestens 20 Personen beschäftigt sind. Ein DSB muss auch bestellt werden, wenn:

  • Unternehmen automatisierte Verarbeitungen vornehmen, die einer Vorabkontrolle unterliegen,
  • personenbezogene Daten geschäftsmäßig zum Zweck der Übermittlung, der anonymisierten Übermittlung oder für Zwecke der Markt- oder Meinungsforschung automatisiert verarbeitet werden.

In beiden Fällen muss – unabhängig von der Anzahl der mit der automatisierten Verarbeitung beschäftigten Personen – ein Datenschutzbeauftragter bestellt werden.

Hinweis

Daten sind personenbezogen, wenn sie eindeutig einer bestimmten natürlichen Person zugeordnet sind oder diese Zuordnung zumindest mittelbar erfolgen kann. Beispiel: Max Müller hat grüne Augen, fährt einen VW und wurde in München geboren.

Der entsprechende Gesetzestext lautet:

„Personenbezogene Daten sind Einzelangaben über persönliche oder sachliche Verhältnisse einer bestimmten oder bestimmbaren natürlichen Person (Betroffener).“

Wann greift die sogenannte Vorabkontrolle?

Soweit automatisierte Verarbeitungen besondere Risiken für die Rechte und Freiheiten der Betroffenen aufweisen, unterliegen sie vor Beginn der Verarbeitung der Prüfung (Vorabkontrolle). Vorabkontrollen werden dann durchgeführt, wenn es sich um folgende Angaben handelt:

  • Rassische und ethnische Herkunft
  • Politische Meinungen
  • Religiöse oder philosophische Überzeugungen
  • Gewerkschaftszugehörigkeit
  • Gesundheit
  • Sexualleben

Das Gleiche gilt, wenn die Verarbeitung personenbezogener Daten dazu bestimmt ist, die Persönlichkeit des Betroffenen einschließlich seiner Fähigkeiten, seiner Leistung oder seines Verhaltens zu bewerten.

Pflichten des Datenschutzbeauftragten

Der Datenschutzbeauftragte wirkt zunächst einmal auf die Einhaltung des Bundesdatenschutzgesetz und anderer Vorschriften über den Datenschutz hin. Daneben muss er die ordnungsgemäße Anwendung der Datenverarbeitungsprogramme überwachen, mit denen personenbezogene Daten verarbeitet werden sollen. Beispiel: Programm für das Customer Relationship Management mit Daten zu einzelnen Personen, die für Kunden arbeiten.

Überwachen bedeutet, dass der Datenschutzbeauftragte von sich aus aktiv wird und nicht erst bei auftretenden Problemen. Andererseits muss der Datenschutzbeauftragte auch die bei der Verarbeitung personenbezogener Daten tätigen Personen durch geeignete Maßnahmen mit den Vorschriften des Bundesdatenschutzgesetzes sowie mit den jeweiligen besonderen Erfordernissen des Datenschutzes vertraut machen. Das kann persönlich oder schriftlich über Merkblätter oder per E-Mail erfolgen. Gleiches gilt auch für andere Regelungen über den Datenschutz.

Im Rahmen der Überwachungspflicht sollten Datenschutzbeauftragte besonders auf folgende Arbeitsbereiche beziehungsweise Arbeitsvorgänge achten, bei denen besondere Risiken in Bezug auf die Verwendung von personenbezogenen Daten herrschen:

  • Löschung von Daten und Vernichtung von Datenträgern,
  • Weiterleitung von Daten an Dritte oder ins Ausland,
  • Verarbeitung von Daten durch externe Mitarbeiter,
  • Notebooks von Außendienstmitarbeitern,
  • Umgang mit Passwörtern, mobilen Geräten und Datenträgern,
  • Arbeitsplätze, bei denen mit sensiblen Daten gearbeitet wird (zum Beispiel Personalabteilung oder Callcenter).

Hinweis

Da auch der Betriebsrat mit personenbezogenen Daten arbeitet, unterliegt auch er den Bestimmungen des Datenschutzes. Gleichwohl darf der Datenschutzbeauftragte den Betriebsrat in Bezug auf seinen Umgang mit personenbezogenen Daten (insbesondere Daten über Mitarbeiter) nicht kontrollieren. Denn er gilt als Vertreter der Arbeitgeberseite. Eine Kontrolle des Betriebsrats ist nur durch eine unabhängige Instanz möglich. Alternativ kann der Betriebsrat einen eigenen Datenschutzbeauftragten für seine Belange bestellen.

Was die personenbezogenen Daten anbelangt, so ist der Datenschutzbeauftragte zur Verschwiegenheit über die Identität des Betroffenen sowie über Umstände, die Rückschlüsse auf ihn zulassen, verpflichtet. Ausnahme: Er  wird durch den Betroffenen davon befreit.

Technische und organisatorische Maßnahmen

Laut BDSG soll ein Datenschutzbeauftragter darauf hinwirken, dass alle für den Datenschutz erforderlichen technischen und organisatorischen Maßnahmen ergriffen werden. Die genauen Maßnahmen sind:

  • Zutrittskontrolle
  • Zugangskontrolle
  • Zugriffskontrolle
  • Weitergabekontrolle
  • Eingabekontrolle
  • Auftragskontrolle
  • Verfügbarkeitskontrolle
  • Trennungsgebot

Was sich hinter den einzelnen Maßnahmen verbirgt, ist in der Anlage zu §9 des BDSG [73] aufgeführt.

Datenschutzbeauftragte müssen informiert werden, wenn Unternehmen neue Verfahren zur automatisierten Verarbeitung von personenbezogenen Daten planen. Und zwar rechtzeitig, was bedeutet: Sie müssen noch ausreichend Zeit haben, sich mit der Materie zu beschäftigen, um möglicherweise Einfluss auf den Prozess nehmen zu können.

Unternehmen müssen dem Datenschutzbeauftragten außerdem ein sogenanntes Verfahrensverzeichnis aushändigen, das eine Übersicht über die automatisierten Verarbeitungen innerhalb des Unternehmens enthält, in denen personenbezogene Daten gespeichert werden.

Mythos Teamarbeit: Voraussetzungen damit Teamarbeit funktioniert

Welche Mitarbeiter der Unternehmen müssen teamfähig sein? Fast alle – wenn man den Stellenanzeigen glaubt. Ganz gleich, ob in ihnen ein Polier für einen Bautrupp, ein Art-Direktor für eine Werbeagentur oder ein Controller für ein Produktionsunternehmen gesucht wird, meist lautet eine Anforderung an den neuen Mitarbeiter: Er sollte teamfähig sein.

Dass der Begriff Team so inflationär gebraucht wird, hat laut Elisabeth Heinemann, Professorin für Schlüsselqualifikationen an der Fachhochschule Worms, unter anderem folgenden Grund: Die Arbeitsstrukturen und Arbeitsbeziehungen in den Unternehmen haben sich gewandelt. „Heute wird in den meisten Betrieben viel bereichs- und funktionsübergreifender gearbeitet als noch vor zehn Jahren“, konstatiert sie. „Die einzelnen Aufgaben werden nicht mehr in so viele Teilaufgaben zerlegt, die Einzelpersonen zugewiesen werden. Vielmehr sollen mehrere Mitarbeiter diese gemeinsam lösen. Hierfür sind Mitarbeiter mit anderen Denk- und Verhaltensstrukturen nötig.“

Ähnlich sieht dies Professor Dr. Karl Müller-Siebers, Präsident der Fachhochschule für die Wirtschaft, Hannover. „Gefragt sind heute Mitarbeiter, die über ihre Schreibtischkante hinausblicken und begreifen, dass sie einen wichtigen Beitrag innerhalb eines Gesamtprozesses leisten. Das müssen sie beim Erfüllen ihrer Aufgaben vor Augen haben. Sonst produzieren sie Insellösungen, die nicht zusammenpassen.“

Team-Euphorie flaut ab

Seit einigen Jahren kann man jedoch ein Abflauen der Team-Euphorie spüren – „auch, weil manche Unternehmen mit der Teamarbeit negative Erfahrungen gesammelt hat“, wie Müller-Siebers betont, „insbesondere solche, die die Teamarbeit relativ unreflektiert aus Modegründen eingeführt haben.“ Sie stülpten diese Form der Zusammenarbeit ihren Mitarbeitern oft einfach über – „ohne sich zunächst bewusst zu machen, was Teamarbeit bedeutet und wann diese sinnvoll ist“.

In einigen Unternehmen war das „Ja“ zur Teamarbeit auch nur ein Lippenbekenntnis. Dieser Auffassung ist Stefan Bald, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Dr. Kraus & Partner, Bruchsal: „In vielen Branchen und Unternehmensbereichen besteht zwar ein objektiver Zwang zu mehr Gruppen- und Teamarbeit. Trotzdem wird in den meisten Organisationen Verantwortung immer noch fast ausschließlich einzelnen Mitarbeitern übertragen.“ Und doch verkünden ihre Personalverantwortlichen stolz: Wir praktizieren Teamarbeit. Fragt man dann aber nach, was Teamarbeit bedeutet, hört man oft nur Worthülsen.

„Der Begriff Teamarbeit hat sich zu einer Leerformel entwickelt“, kritisiert denn auch Rainer Flake, Geschäftsführer der WSFB Beratergruppe in Wiesbaden. „In manchen Unternehmen wird jede Form der Kooperation als Teamarbeit bezeichnet; andere verstehen darunter eine hochspezialisierte Form der Zusammenarbeit bei der mehrere Experten gemeinsam komplexe, alleine nicht lösbare einmalige Aufgaben bewältigen.“ Entsprechend schwer lassen sich Team-, Gruppen- und Projektarbeit voneinander abgrenzen.

Eine Gruppe ist kein Team

„Eine Gruppe ist eine Ansammlung von Individuen. Ein Team hingegen zeichnet sich durch eine gemeinsame Kultur aus“, wagt Flake eine erste Begriffsklärung. Ähnlich äußert sich Stefan Bald: „Ein Team entsteht erst im Verlauf eines längeren Teambildungsprozesses. In einem Team sind Kompetenzgerangel und Positionierungskämpfe bereits abgeschlossen. Deshalb ist ein Team im gruppendynamischen Prozess weiter als eine Gruppe.“

Auch für Julia Voss, Geschäftsführerin des Trainingsunternehmens Voss+Partner, Hamburg, ist ein Team mehr als ein lockerer Zusammenschluss einzelner Individuen, die gemeinsam eine Aufgabe zu erfüllen haben. Ein Team zeichnet sich für sie unter anderem „durch die Fähigkeit zur Selbstorganisation und wechselseitiger Inspiration aus. Eine Gruppe dagegen bekommt Regeln und Ziele vorgegeben.“

Eher pragmatisch äußert sich Werner Ollechowitz, Bereichsleiter Personal bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall: „Die Diskussion, ob man eine Arbeitsform nun Gruppen- oder Teamarbeit nennt, ist eine akademische. Für den betrieblichen Alltag ist wichtig, dass die Personalverantwortlichen die gewünschte Form der Zusammenarbeit genau definieren und die nötigen Rahmenbedingungen schaffen, damit diese gelebt wird.“

Was macht also ein Team zu einem Team? Einig sind sich die Experten: Ein Team braucht ein Ziel. Sonst ist es nicht arbeitsfähig. Für Stefan Bald sind weitere Faktoren wichtig. Unter anderem sollten die Rollen und Aufgaben der einzelnen Teammitglieder genau definiert sein. Außerdem sollte ein Zeitrahmen für das Erfüllen der Aufgabe vorgegeben sein. Zudem braucht ein Team vereinbarte Regeln für die Zusammenarbeit. Und allen Teammitgliedern sollte bewusst sein: Wir tragen gemeinsam die Verantwortung für eine bestimmte Aufgabe.

Jedes Team braucht einen Leader

Einig sind sich die Befragten auch: Ein Team braucht einen Leader. Er muss die Teamarbeit steuern und koordinieren und die Mitglieder integrieren. Der Teamleiter muss jedoch nicht das „disziplinarisch hierarchiehöchste Teammitglied sein“, betont Stefan Bad. Im Idealfall schält er sich vielmehr sogar erst im Laufe des Teamfindungsprozesses in der Gruppe heraus. Er wird also nicht von außen ernannt.

Hier liegt für Rainer Flake ein entscheidender Unterschied zwischen einer Gruppe und einem Team. „Ein Team bestimmt die Rollen und Aufgaben der einzelnen Mitglieder selbst; außerdem definiert es selbst die Regeln für die Zusammenarbeit.“ Dieser Selbstorganisationsprozess läuft nicht automatisch ab. „Er wird stets von Leuten im Team angestoßen.“ Davon ist Flake überzeugt. Deshalb entwickelt sich seines Erachtens in jedem Team auch eine Hierarchie – „zumindest eine informelle. Fehlt diese, sind Teams nur begrenzt arbeitsfähig.“

In der Praxis setzen die Unternehmen der Selbstorganisation von Teams oft enge Grenzen. Im Extremfall stellt sich ein Vorgesetzter vor seine Mitarbeiter und verkündet: Ab morgen sind wir oder seid ihr ein Team. Er gibt sich also der irrigen Hoffnung hin, der gewünschte Teamgeist falle sozusagen über Nacht vom Himmel. Ähnlich ist es oft, wenn Unternehmen Projektteams bilden. Dann wird in vielen Organisationen zunächst der Teamleader ernannt. Für diesen wird dann ein Team zusammengestellt, oder der Leiter stellt sich dieses selbst zusammen. Meist erfolgt dann das Zusammenstellen des Teams nach folgenden Kriterien: Mit wem kommt der Teamleader am besten klar? Und: Wer hat gerade Zeit.

„Die Aufgabe selbst spielt beim Zusammenstellen der Teams oft eine untergeordnete Rolle“, kritisiert Jürgen Rohr, Inhaber der Projektmanagementberatung Vedanova, Wiesbaden. „Die Personalverantwortlichen betonen zwar immer wieder, wie wichtig die Auswahl der Teammitglieder für den Erfolg der Teamarbeit sei, im Alltag wird diese Erkenntnis aber oft vernachlässigt.“

Eine Ursache hierfür ist, dass es zwar durchaus Instrumente zum Zusammenstellen von Teams gibt. Über die Aussagekraft dieser Test- und Analyseverfahren streiten sich aber die Geister. Prof. Müller-Siebers sieht in ihnen primär Hilfsmittel: „Ein Team kann man nicht mechanisch nach dem Schema‚ man nehme einen Tüftler, einen Ausarbeiter und einen Vernetzer und fertig ist das perfekte Team, zusammenstellen. Solche Verallgemeinerungen funktionieren nicht.“ Trotzdem wird in der Praxis oft so verfahren.

Teams müssen sich entwickeln

Damit aus Einzelkämpfern Teams werden, ist vor allem Zeit nötig. Denn jedes Team durchläuft bei seiner „Selbstfindung“ mehrere Phasen. Darauf weist Rainer Flake hin. Bruce W. Tuckmann nannte diese Phasen:

  • „Forming“ (Orientierungsphase),
  • „Storming“ (Konfliktphase),
  • „Norming“ (Organisationsphase) und
  • „Performing“ (Integrationsphase).

In den ersten drei Phasen ist das Team noch weitgehend mit sich selbst beschäftigt. Entsprechend schlecht sind meist die Arbeitsergebnisse. „Sie sind in der Regel geringer, als wenn die Mitglieder alleine arbeiten würden“, betont Flake. „Erst in der vierten Phase entwickelt das Team die Kreativität und Produktivität, die erfolgreiche Teams auszeichnen – jedoch nur, wenn das Team mit Erfolg die ersten drei Phasen durchlaufen hat.“

Damit dies geschieht, ist in der Regel eine Begleitung der neuformierten Teams durch professionelle Coaches oder Teamentwickler nötig. Eine solche Betreuung ist nicht selbstverständlich. Dabei liegen ihre Vorteile „auf der Hand“, wie Helmut Fuchs, Cheftrainer der TAM Trainer Akademie München, Fulda, betont. „Für die Team-Mitglieder selbst ist oft nicht erkennbar, welche Probleme sich bereits im Vorfeld abzeichnen. Ein externer Coach kann diese, weil er nicht Teil des Findungsprozesses ist, hingegen wahrnehmen und gegensteuern.“

Bewährt haben sich auch flankierende Maßnahmen, um den Teambildungsprozess abzusichern. „Wir haben zum Beispiel mit erlebnisorientierten Trainings, die In- und Outdoorelemente kombinieren, gute Erfahrungen gesammelt“, berichtet Fuchs. Das bestätigt Werner Ollechowitz. Auch bei Schwäbisch Hall besuchen neu formierte Teams in der Regel zunächst Seminare, um den Teambildungsprozess zu beschleunigen. „Bei strategisch wichtigen Projekten schicken wir die Teammitglieder zuweilen auch zu Outdoor-Seminaren. Dort zeigt sich meist schnell, wer welche Funktion im Team übernehmen kann.“ Solche Fördermaßnahmen stellen zudem sicher, dass die Teams sich, wenn ihre eigentliche Arbeit beginnt, nicht mehr durch Status-Kämpfe oder unterschwellige Konflikte selbst lahmlegen. Diese Dinge sind dann abgehakt.

Besonders geeignet für komplexe Aufgaben

Generell lässt sich feststellen: Insbesondere bei komplexen Aufgaben und Arbeiten mit ungewissem Ausgang setzen Unternehmen auf Teams. Teams für Routinearbeiten einzusetzen, erscheint den meisten Experten absurd. „Teamarbeit bewährt sich vor allem dann, wenn harte Nüsse zu knacken sind“, betont Stefan Bald. Eine solche Herausforderung kann zum Beispiel die Umstrukturierung von Unternehmensbereichen sein. Zum Knacken von solch harten oder komplexen „Nüssen“ ist meist „das Expertenwissen vieler Spezialisten nötig. Dieses muss sozusagen zusammenfließen“, betont Jürgen Rohr. Genau dies soll bei der Teamarbeit geschehen. Hier soll Wissen gebündelt und vernetzt werden. So können unter anderem Fehler vermieden werden, die entstehen, wenn Aufgaben sozusagen im Umlaufverfahren statt gemeinsam gelöst werden.

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Assessment im Projektmanagement: Wie gut laufen Ihre Projekte wirklich?

Laut einer Multiprojektmanagementstudie 2004-2006 der Technischen Universität Berlin sind nur 20 Prozent der befragten Topmanager mit dem Management ihrer Projekte oder ihrer Projektlandschaft wirklich zufrieden.

Aber worauf kommt es wirklich an? Ist es wichtig, wie umfangreich das Projektmanagement beschrieben ist, wie das Projektmanagement gelebt wird, oder in welcher Situation sich Ihr Unternehmen befindet? Oder kommt es vielmehr darauf an, welche Rolle Projektmanagement in Ihrem Unternehmen spielt? Letztendlich sind alle diese Aspekte wichtig und das Projektmanagement sollte die Strategie des Unternehmens unterstützen und somit zum Geschäftserfolg aktiv beitragen.

Projektmanagement ist also nicht gleich Projektmanagement. Die Schulung einiger Mitarbeiter zu Projektleitern ist dabei nur ein kleiner Teil, um Projektmanagement nachhaltig in einem Unternehmen zu etablieren. Projektleiter müssen neben der eigentlichen Aufgabe auch entsprechende Rechte beziehungsweise Befugnisse und Pflichten übertragen bekommen. Sie benötigen in der Regel ein Team aus Experten sowie geeignete Werkzeuge und Tools. Darüber hinaus müssen die Projektleiter und auch das Projektteam zielorientiert geführt werden, beispielsweise durch persönliche Zielvereinbarung zur Einhaltung der Meilensteine und des Budgets.

Und ganz wichtig: Die Organisation des Unternehmens muss auf die Projektarbeit ausgerichtet sein und den Projekten das richtige Umfeld bieten, das heißt, Prozesse und Rollen müssen klar und eindeutig definiert sein. Demzufolge geht es bei der Einführung von Projektmanagement als Führungs- und Managementinstrument um mehr als nur die Schulung von einigen Mitarbeitern. Vielmehr sind auch das Umfeld, die Branche und die geografische Lage, in der das Unternehmen tätig ist, zu beachten.

Ein einheitliches Projektmanagement zu definieren und das allen Unternehmen zur Einführung an die Hand zu geben, ist eine Illusion. Das Projektmanagement muss situativ an der Strategie und den Zielen des Unternehmens ausgerichtet sein, um den vollen Nutzen zu bringen.

Die passende Ausprägung des Projektmanagements finden

Was ist also zu tun? Es gilt, die richten Stellhebel für das Projektmanagement und das Umfeld zu finden, um damit Effektivität und Effizienz in der Projektarbeit zu erzeugen und in die Unternehmensstrategie optimal einzubinden.

Da es keinen generellen Projektmanagementansatz gibt, der zu allen Unternehmen passt, gilt es, eine jeweils passende Ausprägung des Projektmanagements zu finden. Diese kann irgendwo auf dem Entwicklungskontinuum des Projektmanagements (Quelle: Bea/Scheurer/Hesselmann: Projektmanagement, Stuttgart, 2008) liegen:

  • Management von Projekten: Das Management von Projekten fokussiert auf der Ebene der einzelnen Projekte ihre möglichst effiziente Umsetzung. In diesem Zusammenhang sind grundlegende Fragen zu klären, wie die Ausgestaltung der Projektverantwortung, die Zuordnung von Mitarbeitern zu einem Projekt sowie die Modalitäten des Ablaufs der Planung. Darüber hinaus ist festzulegen, welche Phasen für ein Projekt idealtypisch sind
  • Management durch Projekte: Im Rahmen des Managements durch Projekte wird Projektmanagement zum Bestandteil der Unternehmensführung. Projekte werden als Mittel der Unternehmensentwicklung und als Mittel zur Steigerung des Unternehmenswertes gesehen. Projektmanagement wird so zu einem systematischen Multiprojektmanagement, das sich insbesondere mit der Planung, der Umsetzung und der Kontrolle eines gesamten Projektportfolios beschäftigt.
  • Projektorientiertes Unternehmen: Das projektorientierte Unternehmen nimmt die Grundgedanken aus dem „Management durch Projekte“ auf und führt sie weiter fort. Hier werden Projekte als „Kern des gesamten Geschäfts“ gesehen. Aus diesem Grund erfolgen eine wertorientierte Weiterentwicklung der Führungssubsysteme sowie die Initiierung einer projektorientierten Unternehmenskultur. Darüber hinaus zeichnen sich projektorientierte Unternehmen durch eine weitgehende Entscheidungsdezentralisierung und durch ein umfassendes Empowerment der Projektteams aus. Zudem gewinnt die Entwicklung einer lernenden Organisation zum Aufbau organisationaler und persönlicher Kompetenzen in Sachen Projektmanagement zunehmende Bedeutung.
Abbildung 1: Entwicklungskontinuum des Projektmanagements

Assessment für das Projektmanagement

Ein Assessment kann dabei helfen, festzustellen, welche Ausprägung des Projektmanagements für Ihr Unternehmen sinnvoll ist, beziehungsweise in welcher Ausprägung Sie sich derzeit befinden. Eine weitere Fragestellung beantwortet das Assessment ebenfalls: „Wie gut ist unser Projektmanagement auf unsere Unternehmenssituation zugeschnitten und wie gut beherrschen wir es wirklich?“

Ein Assessmenttool berücksichtigt die aktuellen Projektmanagement-Wissensbasen, wie die der IPMA, des PMI, etc. sowie empirisch erhobene Erfolgsfaktoren. Im Assessment werden sowohl die konkreten Unternehmensbedürfnisse berücksichtigt, wie auch die situative Fokussierung, um im jeweils untersuchten Unternehmen individuelle Schwerpunkte setzen zu können.

Ein Assessment läuft beispielsweise in fünf Schritten ab:

  1. Schritt: Der situative Check des Unternehmens und die Festlegungen des Assessmentumfangs werden zusammen mit der Geschäftsführung oder dem Topmanagement durchgeführt.
  2. Schritt: Prioritäten setzen. Die Geschäftsführung oder das Topmanagement legt über die Durchführung von Gewichtungen auch die Bedeutung der verschiedenen Projektmanagementthemen für das betrachtete Unternehmen fest. Diese Gewichtung wird in der Regel auf einer aggregierten Ebene durchgeführt und betrifft ca. 50 sogenannte Kompetenzfelder, sodass alle 220 hinterlegten Einzelkompetenzen gewichtet werden können.
  3. Schritt: Kompetenzen prüfen. Die Bewertung des Beherrschungsgrades (vorhandene vs. gelebte Kompetenz) der Einzelkompetenzen wird gemeinsam mit den Projektmanagementexperten des Unternehmens vorgenommen. Der Bewertungsaufwand variiert in Abhängigkeit vom definierten Assessmentumfang. Er kann sich auf ein einzelnes Projekt beziehen oder mehrere Projekte zusammen mit dem Multiprojektumfeld berücksichtigen.
  4. Schritt: Handlungsbedarf ermitteln. Die Ergebnisse werden ausgewertet und zusammen mit den Projektmanagementexperten analysiert. Handlungsfelder werden identifiziert und mit einem Ansatz für die Verbesserung der betreffenden Projektmanagementkompetenzen hinterlegt.
  5. Schritt: Verbesserungen einleiten. Die Assessmentergebnisse und die Verbesserungsvorschläge werden gemeinsam mit der Geschäftsführung oder dem Topmanagement und den Projektmanagementexperten diskutiert. Durch diese Vorgehensweise wird die direkte Kommunikation zum Stand des Projektmanagements im Unternehmen intensiviert.
Abbildung 2: Darstellung der Vorgehensweise

Das Assessment-Tool unterscheidet beim Beherrschungsgrad nach vorhandenen Kompetenzen (zum Beispiel Prozessbeschreibungen) und wie sie praktisch zur Anwendung kommen.

Aus der Bewertung des Beherrschungsgrades lassen sich die Stärken und Schwächen auf der Ebene der Projektmanagement-Kompetenzfelder, bei Bedarf auch bis auf die Ebene der Einzelprojektmanagement-Kompetenzen herauslesen. Als Beispiel kann hier der systematische Projektstart genannt werden. Ist er ausführlich beschrieben und wird er so auch von den Projektleitern durchgeführt?

Zur Ermittlung des unternehmensspezifischen Handlungsbedarfs wird der Beherrschungsgrad zu den Zielsetzungen des Topmanagements im sogenannten „Aktionsportfolio“ in Bezug gesetzt. Dadurch wird die Dringlichkeit der Verbesserungsaktivitäten grafisch und intuitiv verständlich darstellt. Das Aktionsportfolio weist also in übersichtlicher Weise und auf einer überschaubaren Aggregationsebene auf den konkreten Handlungsbedarf hin.

Abbildung 3: Ableitung des Aktionsportfolios

Naheliegend wäre im nächsten Schritt eine vertiefende Analyse der Kompetenzfelder mit dringendem Verbesserungsbedarf und der Initiierung von Arbeitspaketen zur Weiterentwicklung des Projektmanagements.

Fazit: Ein Assessment zeigt Ihnen die aktuelle Situation in Ihrer Projektlandschaft auf und bietet dadurch die Möglichkeit Verbesserungen und Optimierungen zielgerichtet und priorisiert zu starten.

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IT-Organisation: Sichern Sie Ihre Daten sicher

Richtig benennen

Welche Datensätze haben Sie da eigentlich vor sich? Nur wenn Sie diese Frage eindeutig beantworten können, können Sie wichtige Entscheidungen wie Aktualisierung, Löschen oder Sicherung treffen. Die Beschreibung (digital in einer zugeordneten Datei oder klassisch als Aufkleber auf einem Datenträger) muss nicht nur den sachlichen Inhalt („Überschrittene Zahlungsziele Debitoren“), sondern auch das Datum der letzten Aktualisierung („Stand 01.07.2010“), die Herkunft („Rechnungsabschluss Juni“) und den Verwendungszweck der Daten („Für Mahnlauf Juli“) enthalten.

Erst denken, dann handeln

Jede Software warnt die Anwender, bevor wesentliche Veränderungen vorgenommen werden. Häufiges Problem: Die Abfragen werden einfach bestätigt, ohne sich über mögliche Folgen klar zu sein. Hier hilft natürlich die Schulung, vor allem aber auch die Möglichkeit, in Zweifelsfällen einen sachkundigen Kollegen fragen zu können. Machen Sie jedem klar: Lieber häufig unnötig gefragt als einmal zu wenig, denn der Aufwand zur Schadensbehebung kann immens sein. Nutzen Sie auch die Möglichkeit, Warnfelder selbst anzupassen, zum Beispiel „Erst bestätigen, wenn Fachabteilung Eingabeschluss gemeldet hat“ oder „Vorsicht, erst Programm A beenden, dann starten“.

Spiegeln Sie die Festplatten

Die Daten in Echtzeit zu spiegeln, bietet vor allem dann Sicherheit, wenn die Speicherorte räumlich getrennt sind. Das Problem ist aber häufig der Schutz vor Viren – bei einem Fall sind meist blitzschnell beide Speicherorte betroffen. Deshalb sollte auch bei einer Echtzeit-Spiegelung nicht darauf verzichtet werden, regelmäßig die Festplatten auf andere Datenträger zu speichern, so dass im Notfall auf diese zurückgegriffen werden kann.

Wenn hier der Aufwand zu groß ist, können externe Dienstleister helfen: Diese verfügen über professionelle, oft mehrfach gespiegelte und virensichere Datenspeicher, die man per Direktleitung oder über das Internet nutzen kann. Dies hat vor allem den Vorteil, dass auch bei einer starken Beschädigung der Unternehmensgebäude durch Brand, Blitzschlag oder Überschwemmung die Daten unversehrt bleiben und man in neuen Räumen relativ schnell weiter arbeiten kann. Die Einbindung von externen Dienstleistern birgt natürlich neue Risiken – es muss sichergestellt werden, dass sich keine Hacker einklinken oder Viren eingeschleust werden können.

Seien Sie streng

Mit dem Thema Datensicherung sind in der Praxis meist recht langweilige Routinearbeiten verbunden. Datenträger müssen kopiert, beschriftet, in Tresore gebracht oder digital verschickt werden. Beugen Sie hier dem Schlendrian vor, in dem Sie regelmäßig Kontrollen durchführen. Prüfen Sie vor allem, ob die Beschriftungen ordentlich und nach den vereinbarten Standards vorgenommen wurden. Sprechen Sie gegebenenfalls bei wiederholten Fahrlässigkeiten Ermahnungen und Abmahnungen aus – hier sollten Sie auf keinen Fall ein Auge zudrücken, denn im Ernstfall können fehlende oder falsche Daten die Existenz Ihres Unternehmens bedrohen.

Diese Gefahren sollten Sie im Auge behalten:

  • Daten werden nicht aktualisiert.
  • Daten werden falsch benannt und sind dann unauffindbar.
  • Versehentliche Löschung von Daten.
  • Vernichtung der Speicherorte (zum Beispiel durch Brandschäden).
  • Sabotage von Mitarbeitern oder Betriebsfremden.
  • Über- oder Unterspannungen im Stromnetz.
  • Befall mit Viren und anderen digitalen Schädlingen.

Einführung neuer Software-Systeme: Die neue Software wird’s schon richten

Die IT-Strategie und die Entscheidungskriterien beziehungsweise die Nutzenargumente für die neue Software müssen allen Mitarbeitern klar kommuniziert werden. Für die angestrebte Effizienzsteigerung ist es erforderlich, die bisherigen Abläufe und Prozesse zu überprüfen und zu optimieren. Bei Standard- und Branchensoftware können dazu der modulare Aufbau und die Customizing-Möglichkeiten bis zu einem gewissen Grad genutzt werden. Andererseits bieten die vorkonfigurierten, branchentypischen Standard-Workflows aber auch Vorlagen für eine zukünftige Prozesslandschaft.

In diesem Kontext ist sicherzustellen, wer zukünftig, wann, welchen Beitrag konkret in den verschiedenen Anwendungsbereichen zu leisten hat. Nur mit durchgängiger und zeitnaher Datenpflege kann die Daten- und Informationsqualität sichergestellt werden. Die zeitverzögerte oder gar lückenhafte Datenpflege hat negative Auswirkungen in den nachfolgenden Prozessschritten bis hin dazu, dass wichtige Entscheidungen auf einer irrelevanten Daten- und Informationsbasis getroffen werden. Die Kompetenzen, Verantwortungsbereiche und Aufgaben der Mitarbeiter können in individuellen KVA-Profilen und/oder KVA-Gruppenprofilen verankert und vereinbart werden.

Oft fühlen sich die Mitarbeiter anfangs mit den neuen Abläufen überfordert und sind unsicher. Die Funktionen des bisherigen Systems stehen nicht mehr zur Verfügung – die Funktionen im neuen System sind noch nicht in Fleisch und Blut übergegangen. Gezielte Schulungsmaßnahmen, Workshops und die Ausbildung von Key-Usern als Multiplikatoren und Ansprechpartner können diesem Zustand nachhaltig entgegen wirken. Mittels Change-Barometer (Fieberthermometer) können Mitarbeiter aller Hierarchiestufen gezielt zu wichtigen Aspekten der Einführung regelmäßig befragt werden. Je nach Bewertung (Schulnoten- und Ampel-System) werden Schwachstellen sichtbar gemacht. Mit gezielten Maßnahmen können Schwachstellen beseitigt und damit bei den Usern Akzeptanz für die neue Software erreicht werden. Nicht zuletzt gilt es auch zu vermeiden, dass die internen Probleme negative Auswirkungen, zum Beispiel schleppende Bearbeitung der Geschäftsvorfälle, Lieferverzögerungen, verspätete Fakturierung, Materialengpässe etc., auf das externe Umfeld (Kunden, Lieferanten usw.) haben.

Es ist nicht auszuschließen, dass Veränderungen in der Prozesslandschaft auch Auswirkungen auf die organisatorischen Strukturen haben, was deren Anpassung zur Folge hat. In Verbindung mit den Veränderungen in den Prozessen hat dies wohl den größten Einfluss auf die Unsicherheit, Ängste und Widerstände bei den Mitarbeitern. Selbst bei anfänglicher positiver Einstellung (Forming) für die neue Software, können im weiteren Projektverlauf Motivation und Engagement wegbrechen (Storming). Die Ursachen liegen weniger in der Funktionalität der Software, sondern sind emotionalen Ursprungs (Eisbergmodell). Die Anliegen und Befürchtungen der Beteiligten sind ernst zu nehmen und mit entsprechenden Maßnahmen gezielt zu bearbeiten und nach Bedarf die Projektparameter auch zu justieren (Norming). Dies sind die notwendigen Voraussetzungen, um das Einführungsprojekt erfolgreich (Performing) zu Ende zu führen. Der offene Umgang mit den Ängsten und Widerständen der Betroffenen ist aber immer noch eine Frage der Unternehmenskultur.

Verantwortungsvolle und kompetente Projektverantwortliche wissen, dass ineffizient eingeführte Software-Systeme auf Dauer mit weitaus mehr „Kosten“ zu Buche schlagen, als für die erwähnten begleitenden Maßnahmen investiert werden müssen. Ganz zu schweigen davon, dass bei Nichtbeachtung dieser wichtigen Rahmenbedingungen der angestrebte Return of Investment in die ferne Zukunft rückt.

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Private Internetnutzung: Surfverbot in jedem vierten Unternehmen

Besonders strikt sind die ausschließlich in Deutschland aktiven Unternehmen, von denen 40 Prozent jede private Nutzung von Computer und Telefon untersagen. Das geht aus einer TNS-Emnid-Umfrage für die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) hervor.

Die große Mehrheit der Betriebe zeigt sich jedoch großzügiger. In 20 Prozent der Unternehmen dürfen die Beschäftigten Internet und Telefon ohne Einschränkungen nutzen. Knapp jeder zweite Arbeitgeber (48 Prozent) gestattet zwar private E-Mails oder Telefonate, stellt aber Regeln für die nicht-dienstliche Nutzung auf. Birthe Görtz, Datenschutzexpertin bei PwC, kommentiert:

"Problematisch ist allerdings, dass diese Verhaltensregeln in jedem vierten Unternehmen nur mündlich oder durch 'betriebliche Übung' weitergegeben werden. Um arbeits- und haftungsrechtliche Auseinandersetzungen von vornherein zu vermeiden, sollten die Arbeitgeber klare Regeln für die private Nutzung in einer Dienstanweisung oder Betriebsvereinbarung schriftlich niederlegen."

Dies gilt besonders für die Unternehmen, in denen der Umgang mit Telefon und Internet überhaupt nicht reglementiert ist. So ist die Privatnutzung immerhin in jedem zehnten kleineren Großunternehmen (Jahresumsatz unter 500 Millionen Euro) weder ausdrücklich erlaubt noch verboten.

Zur Umfrage

An der Umfrage beteiligten sich 230 Datenschutzbeauftragte der 1.000 größten deutschen Unternehmen.

[Quelle: PricewaterhouseCoopers AG; Bild: Fotolia.com]

Veränderungsprozess: Der Wandel vom Produkt- zum Systemanbieter

Viele Unternehmen unterschätzen, welche umfassenden Veränderungen der Strategiewechsel im Unternehmen erfordert. Vier Entscheidungsfelder beeinflussen den Erfolg dieses Wandels. Wie ist das Systemangebot formuliert? Was ist die Strategie? Wie gestalten wir den Marktauftritt? Was bedeutet das für die Verankerung im Unternehmen? Kommunikation und Veränderungskultur spielen also eine zentrale Rolle.

Profilierung schafft Bewegung

Automobilhersteller, Maschinenbauer, Energieunternehmen und so weiter setzen heute in einer gleichberechtigten Partnerschaft eine professionelle Kommunikation voraus. Dabei fällt auf, dass viele Unternehmen der Zulieferindustrie sich auf ihre veränderte Rolle eingestellt haben. Dem Profilierungsprozess der Unternehmen kommt dabei eine wichtige Aufgabe zu. Er trägt zur Differenzierung im Wettbewerb bei und hilft Veränderungen im Unternehmen zu forcieren. Die Zulieferer müssen sich im weltweiten Wettbewerb profilieren, sich zunehmend als Technologie-Unternehmen positionieren. Der traditionelle USP-Gedanke „unser Produkt ist besser“ überzeugt längst nicht mehr. Markenwerte, die Art und Qualität der Kommunikation, das Service- und Beratungsverhalten der Mitarbeiter gegenüber Kunden und Marktpartnern, sind zu Erfolgsfaktoren geworden.

Erfolg mit System

Der Aufbau einer Markenidentität als Systemanbieter ist eine Managementaufgabe. Sie impliziert systematisches Arbeiten am Markenauftritt auf allen Ebenen des Marketing-Mixes: beim Angebot, Produkt, Preis, Vertrieb, Kultur und Kommunikation. Neben der Entwicklung von praxisnahen Unternehmensvisionen und Werten in Form einer Positionierung sind Design, Kommunikation und entsprechend kundenorientierte Verhaltensweisen weitere Instrumente, um Differenzierung von den Wettbewerbern zu schaffen und die Veränderung zum Systemanbieter zu unterstützen.

Die Festlegung von charakteristischen Gestaltungsmerkmalen und deren konsequenter Einsatz formen die visuelle Identität der Marke und des Unternehmens. Zusammen mit der Positionierung und den handlungsrelevanten Standards zur Umsetzung der Positionierung entsteht so eine Markenidentität, die das Unternehmen und seine Leistungen bei Kunden und Geschäftspartnern als qualitativ hochwertig, kompetent, leistungsfähig und emotional ansprechend profilieren.

Lösungsanbieter für Antriebe

Für einen Antriebskomponentenhersteller reicht es beispielsweise nicht aus, nur sein Leistungsangebot zu verändern. Sondern er muss auch sein Selbstverständnis als Ideengeber und Lösungsanbieter der Maschinenbauindustrie ausweiten. Der bisherige Hauptbereich Fertigung Standardprogramm und Sonderanfertigungen Antriebssysteme wurde um die Bereiche Entwicklung und Erprobung ergänzt. Die bisherigen Stärken in der Produktqualität und das Vertrauensverhältnis der Kunden sind dabei gute Voraussetzungen.

Die Marke als Nutzen- und Wertebündel

Aber gerade vor dem Hintergrund des zunehmenden Wettbewerbes und der zunehmenden Globalisierung kommt es darauf an, dass Unternehmen eindeutig Stellung beziehen, um sich von der Konkurrenz abzuheben – und das gelingt am Besten, indem sich das Unternehmen von anderen nicht nur durch die Leistungen, sondern auch durch das Verhalten unterscheidet.

Die neue Marke ist dabei Signalgeber und Motor für das neue Profil. Leistungen können leicht ergänzt werden. Viel schwieriger ist e,s die Veränderungen in den Köpfen der Mitarbeiter zu erreichen. Die Veränderungen werden in ihrem Innersten von einem gemeinsamen Werteverständnis angetrieben. Der Marke kommt dabei eine besondere Rolle zu. Als Nutzen- und Wertebündel symbolisiert sie die Spielregeln der Veränderung und gibt Antworten auf die Frage, wie die Kultur in Zukunft aussehen soll. Die Marke wird zum Ausdruck der neuen Identität, kommuniziert den Erfolg zum Markt, steigert den Unternehmenswert und schafft einen klaren Bezugsrahmen für alle.

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IT-Spezifikation bei IT-Projekten: Anforderungen an das neue IT-System

Haben Sie schon einmal ein IT-Projekt erlebt, von dem alle Beteiligten im Nachhinein begeistert waren? In der betrieblichen Praxis begegnet man solchen Projekten selten. Viel häufiger vernimmt man, wenn die Beteiligten ein Projekt vor ihrem geistigen Auge Revue passieren lassen, Klagen wie „Die Kommunikation zwischen Fachbereich und IT war schlecht.“ Oder: „Die Ziele waren stets unklar.“ Oder: „Wir erhielten vom Top-Management nie die nötige Unterstützung.“ Oder: „Irgendwie stimmte die Chemie nicht.“

Die Beteiligten beklagen also, dass in dem Projekt der Wurm steckte. Vom Anfang an „flutschte“ es nicht richtig. Immer wieder kam es zu Irritationen und Reibereien – aus den unterschiedlichsten Gründen. Und dies schlug sich auch in den Projektergebnissen nieder.

Analysiert man die Ursachen, zeigt sich meist: Die Weichen für den unbefriedigenden Projektverlauf wurden bereits bei der IT-Spezifikation gestellt – also beim gemeinsamen Versuch von Fachbereich und IT, sich darauf zu verständigen,

  • was das neue System können soll und
  • wie es konzipiert sein sollte, damit es einerseits die Anforderungen der künftigen Nutzer erfüllt und andererseits bezahlbar bleibt.

Wie dieser (Kommunikations-)Prozess gestaltet wird, bestimmt oft den Verlauf und somit auch Erfolg eines Projekts. Hiervon hängt ab,

  • wie vertrauensvoll und kooperativ Fachbereich und IT in dem Projekt zusammenarbeiten und
  • wie flexibel sowie verständnisvoll sie auf (Änderungs-)Wünsche der jeweils anderen Seite reagieren.

Die künftige Arbeit gedanklich vorwegnehmen

Um diesen (Kommunikations-)Prozess erfolgreich zu gestalten, ist es wichtig, sich bewusst zu machen, vor welchen speziellen Herausforderungen die Beteiligten bei der IT-Spezifikation stehen. Denn diese sind immer wieder die Ursache von Konflikten.

  • IT-Spezifikationen beschäftigen sich zumeist mit einem (zunächst) abstrakten, wenig greifbaren Gegenstand. Das heißt, in ihnen werden Problemlösungen skizziert, die im Betrieb noch nicht existieren und die gedanklich oft künftige Arbeitsprozesse vorwegnehmen. Entsprechend schwer ist es, eine Einigung über die Anforderungen an das künftige System (nicht nur zwischen Fachbereich und IT) zu erzielen. Und selbst wenn diese scheinbar existiert, ist noch nicht garantiert, dass das gelieferte IT-System den Vorstellungen der Fachabteilung entspricht („So haben wir uns das nicht vorgestellt.“).
  • IT-Spezifikationen bilden in der Regel die subjektive Wahrnehmung der direkt beteiligten Personen ab. Das heißt, sie lassen sich beim Definieren der Anforderungen an das neue System weitgehend von ihren Einschätzungen leiten, was aufgrund ihrer Erfahrung zum Beispiel betriebswirtschaftlich sinnvoll ist. Diese persönlichen Einschätzungen decken sich meist nur teilweise. Deshalb gibt es bei fast jedem Projekt direkt oder indirekt Betroffene, die ihre Erfahrungen und Bedürfnisse in der IT-Spezifikation nicht ausreichend berücksichtigt sehen. („Bei uns läuft das anders.“).

Entsprechend schwierig ist es oft, sich projekt- sowie firmenintern auf eine IT-Spezifikation zu verständigen, zumal meist auch die Interessen von Fachbereich und IT divergieren. So erhofft sich der Fachbereich von dem IT-System in der Regel eine bestmögliche Unterstützung der Abläufe und ihrer Varianten. Die IT hingegen favorisiert eine möglichst standardisierte Unterstützung ohne allzu viele Varianten, damit das IT-System nicht zu komplex wird und der Programmieraufwand überschaubar bleibt („Ihr wollt uns doch nur eure Standardsoftware unterjubeln.“, „Mit euren Sonderwünschen sprengt ihr das Projektbudget.“).

Die IT ist zudem daran interessiert, möglichst früh zu einer stabilen IT-Spezifikation zu kommen („Legt euch doch endlich fest.“). Der Fachbereich hingegen möchte neue Erkenntnisse auch noch im Projektverlauf in das IT-System einbringen („Wir wissen jetzt noch nicht, wie unsere Prozesse in zwei Jahren aussehen.“).

Reflektieren, was nötig und realisierbar ist

Auch an anderen Punkten sind die Interessen von Fachbereich und IT im Projektalltag häufig verschieden. So sind die Projektmitarbeiter beim Erstellen und Umsetzen der IT-Spezifikation zum Beispiel meist auf die Expertise der Spezialisten aus den Fachbereichen angewiesen. Deren Einbindung in das Projekt darf aber nicht so weit gehen, dass ihr Wissen im operativen Geschäft fehlt und die Fachbereiche handlungsunfähig werden.

Mit den genannten Grundkonflikten kämpfen Fachabteilung und IT beim Erstellen von IT-Spezifikationen immer wieder. Deshalb sollte dieser Prozess nicht mechanisch, sondern dynamisch und interaktiv gestaltet werden. Die Praxis zeigt: Hervorragende Methodenkenntnisse reichen für die IT-Spezifikation nicht aus. Im Gegenteil: Konzentriert man sich zu sehr auf die Methoden statt auf den Prozess, entsteht meist eine Spezifikation, die haarscharf an den eigentlichen Bedürfnissen der Fachseite vorbeigeht.

Fördern Sie deshalb einen regelmäßigen Informationsaustausch zwischen Fachabteilung und IT (zum Beispiel in Form von Workshops, in denen die Arbeitsprozesse gemeinsam visualisiert werden), damit ein wechselseitiges Verständnis entsteht. Sonst besteht die Gefahr, dass die IT nur ahnt, was der Fachbereich zu einer erfolgreichen Arbeit braucht, und der Fachbereich nicht versteht, wo seine Wunschvorstellungen an (informations-)technische Grenzen stoßen.

Die unterschiedlichen Sichtweisen sowie Erwartungen früh zu erkennen und zur Sprache zu bringen, ist eine Grundvoraussetzung für eine saubere Auftragsklärung. Denn nur wenn ein wechselseitiges Verständnis besteht, gelingt es, sich im Dialog darüber zu verständigen: Welche Features sind (aus fachlicher Sicht) unverzichtbar und worauf können wir nach einer gemeinsamen Kosten-Nutzen-Abwägung gegebenenfalls verzichten?

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SaaS: Software als Service ermöglicht das Büro in der Westentasche

Im Gegensatz zum Kauf von Softwarelizenzen und deren Installation im Unternehmensnetzwerk werden bei SaaS in erster Linie aufeinander abgestimmte Software- und Kommunikationslösungen zur Verfügung gestellt, die die zunehmend komplexeren Geschäftsprozesse auch in kleinen und mittleren Unternehmen unterstützen.

Der Zugang findet über breitbandige Internetanschlüsse statt. Zudem sind die SaaS-Anwendungen speziell für den Einsatz über das Internet entwickelt. Aus diesem Grund lässt sich SaaS genauso schnell und elegant bedienen wie lokal installierte Anwendungen.

Hinzu kommt, dass anders als bei herkömmlichen Client-Server-Anwendungen ein Webbrowser zur Nutzung genügt und die Anwendung entweder über einen drahtgebundenen (DSL) Internetanschluss oder Mobilfunk (z. B. UMTS ) überall und jederzeit genutzt werden kann.

SaaS schafft Ordnung

So kann dem Software-Wildwuchs ein Ende bereitet werden. Mit Software als Service stehen dem Unternehmen automatisch alle neuen Programmversionen zur Verfügung. Der Dienstleister sorgt für regelmäßige Updates und übernimmt die Wartung der Applikationen.

Auch Einkauf und Verwaltung der Lizenzen sind Sache des SaaS-Anbieters. Neue Mitarbeiter können online und ohne großen Aufwand über ein User-Portal integriert werden. Unternehmer und Mitarbeiter profitieren von Software als Service, indem sie die Funktionalität der gemieteten Software nutzen und mit der technischen Realisierung fast nichts mehr zu tun haben.

So bieten Mietlösungen weitaus mehr Flexibilität als herkömmliche Modelle. Insgesamt sinkt der Administrationsaufwand für das Unternehmen, wodurch Ressourcen für strategische Anforderungen frei werden. Auch eigene Serverlösungen können auf ein Mindestmaß eingeschränkt werden.

Internet-Provider bieten SaaS an

Optimalerweise beziehen Unternehmen SaaS von dem Anbieter, über den sie Zugang zum Internet haben.

Der Grund: Der uneingeschränkte und sichere Zugang zu den gemieteten Anwendungen bzw. den Daten kann gewährleistet werden, und bei Fragen gibt es nur einen Ansprechpartner. Außerdem sollte der Anbieter ein breites Softwareportfolio und skalierbare Anwendungen im Programm haben, damit Unternehmen jederzeit ihre IT -Strukturen flexibel an den aktuellen Bedarf anpassen können.

Fazit

Nimmt man den wachsenden Bedarf an Unternehmenssoftware, die niedrigen Einstiegskosten und die einfache Handhabung hinzu, so sind alle Voraussetzungen gegeben, dass SaaS insbesondere bei kleinen Unternehmen seinen Durchbruch erlebt. Denn dank SaaS ist es jetzt endlich möglich, dass auch sie so nützliche Anwendungen wie CRM oder ER P nutzen können.

Auf einen Blick:

Die Vorteile von Software als Service

  • Die Anwendung kann für einen beliebigen Zeitraum gemietet werden. Somit ist SaaS eine überaus kostengünstige Alternative zur lokal installierten Lösung: Teure Software-Lizenzen und umfangreiche eigene Serverlösungen entfallen.
  • Der Zugriff auf Daten und Anwendungen kann über jeden beliebigen PC, Laptop oder mobilen Endgeräten mit Internetzugang erfolgen.
  • Es müssen keine eigenen Mitarbeiter für Installation und Administration vorgehalten werden. Dafür ist der SaaS-Anbieter zuständig.
  • Es wird kein kostspieliger Service-Partner benötigt, da Updates und Wartung beim SaaS-Anbieter liegen.
  • Nicht mehr benötigte Software-Anwendungen können pro Nutzer innerhalb der vertraglich vereinbarten Frist gekündigt werden – besonders interessant bei zeitlich befristeten Projekten.

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Dieser Artikel wurde von der nextbusiness-IT [74] Redaktion erstellt. „nextbusiness-IT – Exzellenz im Mittelstand“ ist eine bundesweite Leitthemenkampagne für den Mittelstand, die unter anderem die „Bibliothek des modernen IT-Wissens“ für den Mittelstand herausgibt. Diese Bibliothek können Sie hier kostenlos anfordern. [75]

Elektronischer Geschäftsverkehr: E-Business mit moderner Servertechnologie

Immer mehr kleine und mittlere Unternehmen haben mit der Digitalisierung ihrer Geschäftsprozesse die Voraussetzung für den Einstieg ins E-Business geschaffen. Und Unternehmen, die bereits positive E-Business-Erfahrungen gesammelt haben, erwägen die Einführung weiterer ergänzender Lösungen.

E-Business geht weit über den sehr populären elektronischen Handel (E-Commerce) hinaus, da hier alle Geschäftsprozesse über die ganze Wertschöpfungskette hinweg elektronisch abgewickelt werden: angefangen bei der Produktentwicklung über Beschaffung und Marketing bis zum Vertrieb.

Reibungsloser Informationsaustausch

Im Mittelpunkt von E-Business steht nicht in erster Linie die Technologie, sondern das optimale Management von Beziehungen zu Kunden, Lieferanten und Partnern. Neben der Optimierung geschäftlicher Transaktionen geht es auch darum, in geschäftlichen Netzwerken problemlos auf Informationen zuzugreifen und diese weiterleiten zu können – sowohl manuell als auch automatisiert.

Damit dieser Informationsaustausch wirklich gelingt und sich die Systeme der Partner „verstehen“, wurden umfassende E-Business-Standards geschaffen, die Datenformate festlegen und den Informationsaustausch regeln.

Der elektronische Handel als Teil des E-Business ist besonders weit fortgeschritten und erhält daher, nicht zuletzt wegen der rasanten Ausbreitung von Online-Shops, auch außerhalb von Fachkreisen die größte Aufmerksamkeit. Das Internet hat das Marketing revolutioniert und auch mittelständische Unternehmen können sich vom Handel über das World Wide Web nicht mehr ausschließen. Für Kunden ist dieser Service heute selbstverständlich. Außerdem eröffnen sich dadurch für bisher lokal orientierte Unternehmen neue Märkte auch über Ländergrenzen hinweg.

Wettbewerbsvorteile sichern

Doch mit diversen E-Commerce-Lösungen ist es bei Weitem nicht getan. Die verschiedensten Geschäftsprozesse werden mittlerweile digitalisiert und vereinfacht. Diesem Trend kann sich kein Unternehmen verschließen, wenn es auch in Zukunft im Wettbewerb mithalten möchte. Aber nicht nur das: Nur wer bei dieser Entwicklung voranschreitet, die Richtung vorgibt und sich kreativ zeigt, sichert sich Wettbewerbsvorteile gegenüber den Nachzüglern.

E-Business umfasst eine große Bandbreite von Aktivitäten. Für nahezu alle Geschäftsprozesse, Unternehmensbereiche und Branchen wurden und werden E-Business-Lösungen entwickelt. Am weitesten verbreitet sind die bereits angeführten einfach einzurichtenden Online-Shops, mit denen schon Kleinstunternehmen ihren Umsatz steigern können. Größere mittelständische Unternehmen wissen darüber hinaus die elektronische Abwicklung von Beschaffungs-, Vertriebs- und Logistikprozessen zu schätzen. Gemeinsam haben alle Lösungen, dass sie sich nur mithilfe zuverlässiger serverbasierter Netzwerke umsetzen lassen. Die wesentlichen E-Business-Vorteile listet die E-Business-Initiative PROZEUS auf:

  • Automatisierte Warenbestellungen reduzieren Kosten.
  • Online-Shops und E-Marktplätze erschließen neue Märkte.
  • Customer Relationship Management steigert die Kundenzufriedenheit.
  • Elektronisch unterstützte Prozesse sparen Zeit, etwa bei Bestellungen und Abrechnung.
  • Auf einer eigenen Homepage und in elektronischen Katalogen werden Waren immer aktuell präsentiert.
  • Einfacher Informationsaustausch verbessert die Zusammenarbeit mit Partnerunternehmen.
  • Digitale und damit genauere Geschäftsprozesse verkürzen Lieferzeiten und reduzieren Retouren. 
  • Etiketten mit Barcodes oder RFID ermöglichen eine lückenlose Rückverfolgbarkeit von Ware.

Großkunden schrauben Anforderungen hoch

Den Einstieg ins elektronische Business vollziehen viele Mittelständler nicht immer aus eigener Initiative. Großkunden schrauben ihre Anforderungen an ihre mittelständischen Zulieferer immer höher. Wollen die Kunden beispielsweise künftig ihre Beschaffung elektronisch abwickeln, müssen die Zulieferer mitziehen und ihre Produkte und Dienstleistungen systematisieren und für E-Business aufbereiten, um weiterhin Zugang zu den globalen Lieferketten der Leitbetriebe zu haben. Unternehmen, die bereits im Vorfeld zu erwartende Anforderungen erfüllen, stärken damit längerfristig ihre Position im Lieferantenstamm der Großkunden.

Kundenbindung stärken

Viel Potenzial bietet E-Business in der Produktentwicklung. Standardisierte Abläufe erleichtern den Informationsaustausch zwischen Herstellern, Lieferanten und Händlern. Beispielsweise schaffen elektronische Produktkataloge die Grundlage für den raschen Austausch von Produktdaten.

Die elektronische Beschaffung vereinfacht und beschleunigt den Einkaufsprozess. Resultat: Die Kosten sinken. Außerdem lassen sich neue und konkurrenzfähige Beschaffungsmärkte erschließen. Die Beschaffung kann über Online-Shops, elektronische Marktplätze und eigene Multi-Lieferantenkataloge erfolgen, bei denen die elektronischen Kataloge der Lieferanten gebündelt werden.

Neue Kunden zu gewinnen ist um ein Vielfaches aufwendiger und kostspieliger, als bestehende Kunden zu halten. Daher kommt der Kundenbindung enorme Bedeutung zu. Hierfür ist es nötig, die kundenbezogenen Prozesse ganzheitlich zu integrieren und zu optimieren. Mit einem CRM-System, das elektronische Dienste wie Online-Terminplaner, elektronische Auftragsannahme und -bestätigung enthält, werden Außendienst und Backoffice entlastet.

Fazit

An E-Business kommt künftig kein mittelständisches Unternehmen mehr vorbei. Viele Unternehmen führen E-Business-Lösungen ein, um zum Beispiel Anforderungen großer Unternehmenskunden gerecht zu werden oder die Kundenbindung zu stärken. Wer frühzeitig eine Entwicklung erkennt und seine Abläufe für E-Business fit macht, verbessert seine Position als Lieferant. E-Business eröffnet dem Mittelstand neue Möglichkeiten, Geschäftsprozesse auszulagern und dadurch die Produktivität zu steigern. Hat sich eine Lösung bewährt, dann steht der Suche nach weiteren Optimierungspotenzialen nichts mehr im Wege.

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Organisationen als Mülleimer: Wie Meetings zu Entscheidungen führen

Wie werden in Unternehmen eigentlich Entscheidungen getroffen? Diese Frage beschäftigte schon vor über 30 Jahren die Organisationswissenschaftler Michael D. Cohen, James G. March und Johan P. Olsen. Sie gingen der Frage aus verhaltenstheoretischer Sicht nach und kamen zu dem Schluss, dass Organisationen und ihre Entscheidungen Mülleimern gleichen. Sie entwickelten das sogenannte Garbage Can-Modell.

Wenn in Unternehmen Entscheidungen anstehen, werden meistens Besprechungen oder neudeutsch Meetings einberufen. Ein kleiner oder großer Kreis von Personen trifft sich und diskutiert, was getan oder eben entschieden werden soll. Cohen, March und Olsen stellten fest, dass in solchen Situationen drei besondere Probleme vorliegen:

  1. Das Wissen ist beschränkt, das bedeutet, es fehlt immer an relevanten Informationen und niemand weiß genau, welche Entscheidung sich in Zukunft als die richtige herausstellen wird.
  2. Die Techniken und Methoden sind unvollkommen. Es gibt keine technische Hilfe und keinen Algorithmus, der einem die beste Entscheidung eindeutig vorgibt. Niemand kann alle Ursache-Wirkungs-Beziehungen kennen. 
  3. Die Ziele sind inkonsistent. Es werden immer wieder andere Ziele und Interessen von den beteiligten Personen ins Spiel gebracht. Prioritäten ändern sich. Wenn es zu einer Fragestellung mehrere Besprechungen gibt, wechseln sogar die Teilnehmer.

Das Problem des einen ist die Lösung des anderen – zufällig

Die Wissenschaftler konnten keinen Zusammenhang zwischen den verschiedenen Elementen des Entscheidungsprozesses in Organisationen feststellen. Das Ganze glich einem Papierkorb, in dem alles irgendwie herumliegt, aber doch nicht ganz regellos. Entscheidungen und Besprechungen, bei denen darüber diskutiert werden, können nach den Erfahrungen von Cohen, March und Olsen folgendermaßen beschrieben werden:

  • Ständig gibt es zu allem Möglichen Besprechungstermine in den Unternehmen. Und jede Besprechung ist eine Gelegenheit, etwas zu entscheiden, von denen es also sehr viele gibt.
  • Zu diesen vielen Besprechungen (Entscheidungsgelegenheiten) kommen ganz unterschiedliche Teilnehmer. Mal geht man hin, dann ist man verhindert; mal geht man zu dem einen Meeting, mal zum anderen.
  • Einige Teilnehmer bringen zur jeweiligen Besprechung ihr Problem mit, das sie für drängend halten und das sie lösen wollen. Das Problem kann, muss aber nicht mit dem eigentlichen Thema der Besprechung zu tun haben. Der IT-Manager will eine neue Software einführen, der Marketingleiter will eine Zielgruppenanalyse machen, der Entwicklungschef will grünes Licht für eine Produktentwicklung haben. Egal, in welcher Besprechung sie auftauchen und um was es dort eigentlich geht – Sie wollen ihr Problem oder Anliegen dort einbringen und eine entsprechende Entscheidung haben.
  • Andere Teilnehmer bringen auf Besprechungen ihre Lösungen mit. Sie sind der Meinung, dass das, was sie tun, für andere hilfreich ist – und bringen es ins Spiel. Manchmal ist des einen Problem des anderen Lösung. IT-Manager und Marketingleiter stellen fest, dass die neue Software ideal für Zielgruppenanalysen geeignet ist (faktisch ist es wahrscheinlich CRM-Software). Also wird eine Entscheidung zur Anschaffung der Software und zur Durchführung einer Zielgruppenanalyse getroffen. Das eigentliche Thema war vielleicht: Maßnahmen zur Umsatzsteigerung in 2011.

In der Praxis zeigt sich, dass es sehr oft rein zufällig ist, bei welcher Entscheidungsgelegenheit welche Teilnehmer zusammen treffen und welche Probleme und Lösungen diese mitbringen. Wenn ein Teilnehmer merkt, dass er mit seinem Problem bei den anderen nicht weiterkommt, geht er eben zu einer anderen Entscheidungsgelegenheit.

Anarchische Entscheidungsprozesse besser steuern

Was kann man tun, um diesen „anarchischen Prozess“ ein wenig zielgerichteter ablaufen zu lassen? Zwei Dinge könnten wichtig sein:

  1. Besprechungen sollten so vorbereitet und durchgeführt werden, dass allen Anwesenden und Nicht-Anwesenden klar ist, welche Probleme und Lösungen hier wahrscheinlich diskutiert und entschieden werden – und welche nicht.
  2. Besprechungen sollten für Teilnehmer, die für die Entscheidungsfindung und Entscheidungsumsetzung besonders wichtig sind, möglichst attraktiv sein. Das können Mitarbeiter sein, die besonders gute Lösungen für das eigentliche Besprechungsthema mitbringen; das kann aber auch die Geschäftsleitung sein, die durch ihre Anwesenheit und formale Entscheidungskompetenz den Problemen und Lösungen besondere Weihen und damit eine hohe Wahrscheinlichkeit für die Umsetzung verleiht.

Hinweis

Mehr zur Planung und Durchführung von Besprechungen finden Sie in diesen Lösungshilfen:

Moderationstechnik: Besprechungen effektiv vorbereiten und durchführen [78]

Besprechungen verbessern: Schaffen Sie mit Ihren Meetings Mehrwert [79]

Andreas Kreuter hat vor einigen Jahren ein Unternehmen aus dem Transportsektor darauf hin analysiert, ob seine Entscheidungsprozesse nach dem Garbage Can-Modell ablaufen. Er kommt zu dem Schluss:

„Das vorliegende Fallbeispiel sowie die in der Literatur diskutierten empirischen Studien deuten darauf hin, dass Garbage Can-Prozesse durchaus eine realistische Abbildung von Reorganisationen darstellen können.“

Dieses Organisationsmodell hat aber nie große Popularität gewonnen. Wer bezeichnet schon gerne Organisationen (eigene oder solche, die man berät) als Mülleimer? Kreuter stellt fest:

„Für die Rezeption und schwache Akzeptanz lassen sich jedoch mehrere Gründe finden, für die die Autoren teilweise selbst mitverantwortlich sind: Die Bezeichnung Mülleimermodell oder die Sicht von Unternehmen als 'Organisierte Anarchien' wirken wenig attraktiv für Wissenschaftler oder Praktiker, die an das Denken und die Sprache der weithin verbreiteten Rationalmodelle gewöhnt und darin geschult sind.“

Quellen

  • Michael D. Cohen, James G. March, Johan P. Olsen: A Garbage Can Model of Organizational Choice. In: Administrative Science Quarterly, No. 1, 1972
  • Kreuter, Andreas: Entscheidungsfindung in Reorganisationsprozessen.
    In: Zeitschrift für Führung und Organisation, 1996

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Entscheider in der Pflicht: Sichern Sie die mobilen Endgeräte Ihres Unternehmens

Der Gesetzgeber hat genaue Regeln für den Umgang mit eigenen und fremden Daten erstellt. Hierzu zählen beispielsweise

  • Aufbewahrungspflichten,
  • Auskunftsrechte,
  • Schutz vor unbefugtem Zugriff und Schutz vor Weitergabe an Dritte,
  • Fristen und Verfahren zur Archivierung und zum Zugriff elektronischer Dokumente.

Verantwortlich für die Einhaltung dieser Regeln sind die Entscheider im Unternehmen, wie Geschäftsführer oder IT-Leiter, die also für die Implementierung einer umfassenden IT-Sicherheitsstrategie sorgen müssen, die nicht nur die IT innerhalb des Unternehmens abdeckt, sondern auch den Umgang mit Handhelds oder Smartphones regelt. Management und IT-Abteilung müssen daher zunächst einmal untersuchen, welche Sicherheitsstandards es gibt und welcher Sicherheitsstandard im Unternehmen notwendig oder sinnvoll ist, wie dieser implementiert wird und wer dafür verantwortlich ist.

Kurzcheck mobile Sicherheit

  • Mobile Geräte in die Sicherheitsstrategie des Unternehmens einbinden.
  • Wenige Gerätetypen vereinfachen Sicherheitsmechanismen.
  • Sicherheitsfunktionen der mobilen Endgeräte durch weitere Lösungen ergänzen.
  • Geräte zentral administrieren.
  • Richtlinien für sichere Verwendung der Geräte festlegen.
  • Nutzer für sicheren Umgang mit den Geräten sensibilisieren.
  • Bestandsverzeichnis aller Geräte anlegen.
  • Aktuelle Versionen des Betriebssystems und von Sicherheitsanwendungen verwenden.
  • Daten im Endgerät und auf den Speicherkarten verschlüsseln.
  • Zusätzliche Speicherkarten durch Passwörter sichern.
  • Ausschließlich über verschlüsselte Verbindungen auf das Unternehmensnetz zugreifen.
  • Regelmäßig Sicherungskopien erstellen.
  • Aktuelle Virensoftware und Firewall nutzen.
  • W-LAN und Bluetooth-Funktionen nur einschalten, wenn diese benötigt werden.
  • Endgerät bei Diebstahl oder Verlust unbrauchbar machen.
  • Daten vor Ausmusterung des Geräts sicher und vollständig löschen.
  • Speicherkarten mechanisch, zum Beispiel durch einen Schredder, zerstören

Dieser Artikel wurde von der nextbusiness-IT [80] Redaktion erstellt. „nextbusiness-IT – Exzellenz im Mittelstand“ ist eine bundesweite Leitthemenkampagne für den Mittelstand, die unter anderem die „Bibliothek des modernen IT-Wissens“ für den Mittelstand herausgibt. Diese Bibliothek können Sie hier kostenlos anfordern. [81]

Unified Communications mit VoIP: Zugriff auf Informationen – immer und überall

Ständig tauschen Mitarbeiter Informationen per Telefon, E-Mail, Fax oder Kurznachricht aus. Diese Nachrichten werden dabei mit unterschiedlichen Kommunikationsmedien bedient: Anrufe gehen am Telefon ein – ist der richtige Ansprechpartner nicht erreichbar, kann der Anrufer eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter hinterlassen.

E-Mails werden mit einem E-Mail-Client am PC bearbeitet, Faxe werden mit Faxgerät und Kurznachrichten per Handy übermittelt. So muss der Mitarbeiter im Büro unterschiedlichste Endgeräte bedienen, um Nachrichten abzuhören, zu lesen oder zu versenden. Der Außendienstmitarbeiter konnte bislang meist nur auf bestimmte Nachrichtentypen zugreifen, da ihm nicht alle Kommunikationswege offen standen. Genau aus dem Grund entstand UMS: alle Nachrichtenarten unter einer Oberfläche zu vereinen und auch von unterwegs abrufbar zu machen. Zentral werden so alle Daten in einem einzigen Kommunikationsservice mit einer einheitlichen Benutzeroberfläche für alle Endgeräte bereitgestellt.

UMS – Nachrichtenmanagement der Zukunft

Auch wenn der Hype von Unified Messaging vorbei ist, denn der war in den späten 90er-Jahren, läutet die Einbindung von VoIP noch einmal eine neue UMS-Ära ein. Vor allem durch die VoIP-Eigenschaften, wie das Präsenzmanagement, die einheitliche Telefonnummer oder verschiedene Kundenservice-Tools, erfährt UMS eine erneute Aufwertung.

Die Vorteile von UMS liegen auf der Hand:

• es wird immer die richtige Person informiert, ob direkt oder per Nachricht
• innovatives Anrufmanagement
• medienbruchfreie Kommunikation
• vielseitige Möglichkeiten für die Gestaltung virtueller Meetings
• Zugriff auf Daten von überall aus und mit jedem Endgerät
• immer gleich bleibende Benutzeroberfläche

Die einzige Voraussetzung ist der Zugang zum Internet und der Zugriff auf das Unternehmensnetzwerk.

UMS-Einsatz im Callcenter

Mittlerweile ist Unified Messaging bei Callcentern mit VoIP die wichtigste Anwendung. Darin stimmen fast zwei Drittel der Internet- und Telekommunikationsexperten laut einer aktuellen Studie überein. Kein Wunder, denn durch das Bereitstellen verschiedenster Informationen in einer nahezu einheitlichen Form kann ein optimaler Service geboten werden. Für das Unternehmen heißt dies konkret, dass Abläufe schneller, nachvollziehbarer, auswertbarer und letztlich kundenfreundlicher und kostensparender werden.

Perfekte Verbindung von Sprache und Daten

Das Ziel der Vertreter von Unified Messaging ist aber noch ein anderes: Alle Formen der unternehmensweiten Kommunikation einschließlich VoIP können von Hardwaresystemen auf Softwarelösungen migriert werden. Der Vorteil: Diese Umstellung ermöglicht es Unternehmen, ihre Kommunikation – die Sprache, Instant Messaging, E-Mail, Video und Web-Conferencing – vereint über eine Softwareschnittstelle und eine Plattform zu verschlanken.

Damit dies alsbald auch Realität wird, arbeiten die Software- und Hardwarehersteller gemeinsam daran, Standards sicherzustellen, damit alle Teile zusammen funktionieren und Daten sowie Anrufe zunehmend einfacher miteinander verbunden werden können. Das ist schließlich der Vorteil von VoIP – Sprach- und Datenkommunikation zu vereinen.

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Intuition: Manager brauchen bei Entscheidungen ihr Bauchgefühl

Laut einer Vergleichserhebung des Hamburger Beratungsunternehmens novem business applications fühlt sich nur jeder vierte Manager bei Bauchentscheidungen immer sehr sicher. Dies sind zwar 7 Prozent mehr als vier Jahre zuvor, aber dem steht eine Gruppe von 35 Prozent (2006 waren es 39 Prozent) an Business-Verantwortlichen gegenüber, die sich bei ihren Entscheidungen oftmals unsicher fühlen. Keine eindeutige Einordnung geben etwa zwei von fünf der fast 300 Befragten ab: Sie haben zwar häufiger, aber längst nicht immer ein gutes Gefühl, ob sie mit ihren Entscheidungen richtig liegen.

(n = 281 / 296 Business-Entscheider aus Unternehmen über 50 Mio. € Umsatz; Quelle: novem business applications; 2006/2010)

Interessant ist bei den weiteren Ergebnissen der Erhebung aber auch, dass die Unternehmen in den letzten Jahren zwar erheblich in moderne Computertechniken wie Business Intelligence-Lösungen zur Analyse der wichtigen betriebswirtschaftlichen Daten investiert haben, die Manager bemühen aber trotzdem nach eigener Aussage weiterhin bevorzugt ihr Bauchgefühl. 2006 urteilten 47 Prozent, dass sie auf diese Weise die erfolgreicheren Entscheidungen getroffen hätten, gegenwärtig sind es mit 51 Prozent sogar noch mehr. Dagegen geben aktuell nur 42 Prozent an, sie hätten die besonders guten Entscheidungen typischerweise auf Basis sachlicher Fakten getroffen.

Höhere Informationsqualität - große Informationskomplexität

Dabei können sie heute auf eine höhere Informationsqualität zugreifen als noch 2006: Damals vermissten mehr als zwei Drittel der Manager Informationen in einer notwendigen Aktualität und Genauigkeit für sichere Business-Entscheidungen, inzwischen wird dies nur noch von der Hälfte der Befragten problematisiert. Dagegen sehen sich derzeit 70 Prozent der Führungskräfte – 2006 waren es 62 Prozent – bei ihren Entscheidungen mit einer zu großen Informationskomplexität konfrontiert. Als weitere drängende Schwierigkeit nennen mehr als die Hälfte einen hohen Zeitdruck. Andererseits sagt heute jeder fünfte Business-Manager in der novem-Erhebung, dass er im Regelfall über günstige Entscheidungsverhältnisse verfügt; 2006 zeigte sich nur jeder Achte damit zufrieden.

Novem-Geschäftsführer Anastasios Christodoulou verweist auf überdurchschnittlich hohe Investitionsanstrengungen für Business Intelligence-Lösungen:

„In den letzten Jahren haben die Unternehmen einen ganz erheblichen Aufwand beim Einsatz von Analyse- und Reporting-Lösungen betrieben, um günstigere Entscheidungsgrundlagen zu schaffen.“

Die positiven Effekte dieses Engagements sieht er beispielsweise darin, dass inzwischen weniger Manager die Informationsqualität kritisieren und umgekehrt mehr Führungskräfte als noch vor vier Jahren mit ihren Entscheidungsbedingungen zufrieden sind. Christodoulou gibt zu bedenken dass jedoch nicht übersehen werden dürfe, dass sich durch den Einsatz solcher modernen Technologien auch die Entscheidungsgewohnheiten der Menschen änderten. Nicht jeder vertraue direkt den Analysetools, mit denen aus äußerst komplexen Sachverhalten die relevanten Fakten herausgearbeitet und leicht verständlich präsentiert werden. Christodoulou weiter:

„Da ist es nachvollziehbar, dass sich Manager zusätzlich auf ihre Intuition stützen möchten. Allerdings steigen in den Unternehmen die Zwänge, eine möglichst hohe Entscheidungsqualität zu erreichen. Dies macht die Nutzung intelligenter Technik unumgänglich.“

[Quelle: novem business applications; Bild: Fotolia.com]

Mobiles Business: Gerade mobile Sicherheit verlangt mehr als Virtual Private Network

Die Vorteile des Einsatzes mobiler Endgeräte und Infrastrukturen liegen klar auf oder besser gesagt in der Hand: Jede Veränderung im geplanten Ablauf, jedes Ereignis oder Ergebnis kann unmittelbar kommuniziert werden – unabhängig von Zeit und Ort. Ganz gleich, ob sich beim Außendienst ein Termin verschiebt, wichtige E-Mails noch abgerufen werden müssen oder der Zugriff auf eine Datenbank nötig ist – so lange eine Verbindung vorhanden ist –; ein Klick und der Mitarbeiter greift auf die Unternehmensdaten zu.

So unstrittig der Nutzen mobiler Systeme und Infrastrukturen auch ist, zieht er große Herausforderungen in puncto Sicherheit nach sich: Mobile Endgeräte einschließlich ihrer Infrastrukturen sind häufig unzureichend über entsprechende Voreinstellungen (Defaults) gegen die Übermittlung von Daten beziehungsweise gegen die Ausführung dynamisch geladener Codes, Missbrauch oder Diebstahl gesichert. Ein versehentlicher Klick, eine unsichere Konfiguration oder ein aus Bequemlichkeit allerorts aktiviertes WLAN – und schon verbindet sich der mobile Rechner mit einem unter falschem Namen agierenden User in das Unternehmensnetz.

Unterschätzte Gefahr

Aber die Palette der Gefahrenzonen für die ständigen Wegbegleiter ist groß. Besonders fatal: Unternehmen schützen zwar ihre festen Netzwerke, aber sobald es um die mobile IT geht, sind die Sicherheitslücken groß. So glauben laut der Studie „IT-Sicherheit 2005“ der InformationWeek, die zusammen mit Steria Mummert Consulting ausgewertet wurde, derzeit sogar nur 60 Prozent der Großunternehmen, dass PDAs und Smartphones eine Gefahr für die IT-Sicherheit darstellen. Und das, obwohl knapp die Hälfte der Mitarbeiter der befragten Unternehmen mit mobilen Geräten wie Notebook, PDA, Handheld oder Mobiltelefon ausgestattet ist.

Bisher haben nur 19,4 Prozent aller deutschen Unternehmen Vorkehrungen zum Schutz ihrer mobilen Informationssysteme getroffen. Obwohl die Expertenmeinungen im Detail auseinandergehen, stimmen sie darin überein, dass das zu wenig ist. Allerdings streben 31,9 Prozent der Befragten eine Verbesserung der Anwendungssicherheit an. Immerhin 20,6 Prozent gaben an, sich die Entwicklung einer entsprechenden Security Policy zum Ziel gesetzt zu haben. Weitere Maßnahmen, um die mobile Sicherheit zu vergrößern: Passwort-Authentifizierung (20,8 Prozent), die trotz einfacher Realisierbarkeit noch längst nicht Standard ist, und Security Audits (18,8 Prozent) durch externe Sicherheitsdienstleister.

Vor allem steht aber die Virenabwehr im Fokus der Sicherheitsexperten (32,5 Prozent). Denn Viren haben sich bereits so weit entwickelt, dass sie von einem Desktop-PC auf einen mobilen Handheld überspringen können. Zudem können sie mittlerweile Betriebssysteme voneinander unterscheiden. Dass ein identischer Trojaner zwei unterschiedliche Systeme befällt, ist eine völlig neue Erscheinung, die die Sicherheitsexperten in den Unternehmen vor eine neue schwere Aufgabe stellt.

An jeder Ecke lauert Gefahr

Das ist aber nur eine von vielen Sicherheitslücken im Mobile Computing. Ebenso sind die mobilen Netzwerkstrukturen selbst nicht ausreichend gegen unbefugte Mitbenutzung, das sogenannte „Wardriving“, geschützt. Über den DHCP-Server klinken sich die Täter ein und agieren unter der zugehörigen IP-Adresse. Auch wenn so schon ein erheblicher Schaden entstehen kann, sind Hacker, die Teilnehmerkennungen und -verschlüsselungen knacken, weitaus gefährlicher. Denn sie schleusen sogenannte „Malware“ wie Viren unbemerkt in das Unternehmensnetz ein. Zudem machen unautorisierte Zugriffspunkte selbst eine vorbildlich geschützte WLAN-Implementierung unsicher.

Auch die Bluetooth-Technologie stellt eine potenzielle Risikoquelle dar. Dabei sind die davon ausgehenden Gefahren vielfältig. Sie reichen vom Versand unerwünschter SMS-Nachrichten (Bluejacking) über den reinen Informationsdiebstahl (Bluesnarfing) bis hin zum Ausführen von Befehlen mit Fremdgeräten (Bluebugging). Zunächst scheinen diese Attacken „nur“ auf die Privatperson zu zielen. Die Sicherheitsprobleme beginnen dort, wo mobile Geräte mit dem Arbeits-PC synchronisiert werden. Zudem wird die Gefahr des Bluesnarfing oftmals unterschätzt: Laptops mit leistungsfähigen Antennen können Signale aus einer Entfernung von bis zu 800 Metern aufnehmen.

Schutzstrategien müssen her

Angesichts der steigenden Zahl mobiler Endgeräte und der zeitlich proportional wachsenden Angriffe tut es Not, nachhaltige Sicherheitsstrategien zu entwickeln. Gegenwärtig mag dies vielen IT-Verantwortlichen noch verfrüht sein. Aber immerhin bleibt so noch Zeit zu agieren und nicht, wie es später der Fall wäre, zu reagieren. Zumindest sollte ein Bewusstsein für die lauernden Gefahren vorhanden sein.

Wie aber kann den Gefahrenquellen wirksam begegnet werden?

Die Schutzmaßnahmen müssen einerseits beim einzelnen Gerät selbst beginnen. Es gilt, das mobile System durch Virenschutz, Authentifizierung, Benutzer-/Prozessidentifikation, Firewall oder Intrusion Detection, aber auch Konfigurations- und Softwaremanagement zu sichern. Dazu bieten mittlerweile verschiedene Hersteller Sicherheitstools an, die sich jeweils an den Systemvoraussetzungen der mobilen Endgeräte orientieren und auch unterschiedliche Ansätze verfolgen. Allerdings nutzt alle Technologie nur, wenn die Mitarbeiter für Sicherheitsfragen sensibilisiert sind. Denn Angriffe können zum Beispiel schon ganz leicht durch eine Deaktivierung der Erkennungsmöglichkeit von Bluetooth deaktiviert werden. Letztlich hängt ein ausreichender Schutz ganz einfach davon ab, ob der Anwender die dementsprechenden Tools überhaupt einschaltet.

Neueste Lösungsansätze

Auch an grundsätzlich anderen bzw. die Unternehmensnetzwerke an sich betreffenden Lösungen wird gearbeitet. So bietet ein mobiles IP-VPN (Virtual Private Network) die Möglichkeit, Mitarbeiter, wo immer sie sich auch gerade aufhalten, über ein öffentliches Netz mit dem Extranet zu verbinden – Dateiverschlüsselung, Schutz vor Angriff und Viren inklusive. Über Remote Access linken sich die Mitarbeiter von unterwegs ein. Wichtig: Ein VPN sollte genau auf die Bedürfnisse des Unternehmens zugeschnitten sein. Demnach kann auch die jeweilige Sicherheitsstufe durch zum Beispiel verschiedene Authentifikationsarten bestimmt werden.

Spannend ist auch ein anderer Ansatz: „Mobile Edge“ bezeichnet ein drahtloses Netz für Sprache und Daten, dessen Hard- und Software als Service-Overlay auf bestehende Hochgeschwindigkeitsnetze aufsetzen. So werden überall Daten bereitgestellt, wo man sie braucht: im Büro, in Zweigstellen, im Home-Office oder unterwegs. Ähnlich interessant ist zum Beispiel eine neue Software, die nicht das mobile Endgerät in den Mittelpunkt stellt, sondern den Server. Während bei den sonst üblichen Synchronisationsmodellen ein ständiger Datentransfer zwischen Server und Client initiiert wird, wird der Online-Terminal-Ansatz verfolgt: Die Daten sind und bleiben auf dem Server – das mobile Gerät schaut nur wie ein Bildschirm auf die Information.

Es steht fest: Mobilität und Sicherheit werden uns in den nächsten Jahren verstärkt zusammen begegnen. Allerdings muss dabei stets auf die Informationsintegrität, also auf die richtige Balance zwischen Schutz und Funktion, geachtet werden. Denn letztlich geht es ums Business. IT sollte dabei immer ein Instrument sein, um den Unternehmenserfolg zu unterstützen - und nicht zu gefährden. Der Einsatz Virtueller Privater Netzwerke in Kombination mit speziell auf mobile Endgeräte ausgerichteten Sicherheitsstrategien fördert diesen Anspruch.

Dieser Artikel wurde von der nextbusiness-IT [84] Redaktion erstellt. „nextbusiness-IT – Exzellenz im Mittelstand“ ist eine bundesweite Leitthemenkampagne für den Mittelstand, die unter anderem die „Bibliothek des modernen IT-Wissens“ für den Mittelstand herausgibt. Diese Bibliothek können Sie hier kostenlos anfordern. [85]

Projektarbeit: Projektmanagement-Kulturen müssen reifen – Projektmanager auch

Sichtet man die Mitarbeiterqualifizierungsprogramme der Unternehmen, dann fällt auf: ihre Inhalte haben sich verändert. Spielte noch vor wenigen Jahren in ihnen zum Beispiel das Thema Teamarbeit eine große Rolle, so ist dessen Bedeutung inzwischen gesunken. Stattdessen hat sich die Projektarbeit zu einem Standardthema der betrieblichen Weiterbildung entwickelt. Hierin spiegeln sich die gewandelten Arbeitsprozesse und Organisationsstrukturen in den Unternehmen wider.

Bis vor wenigen Jahren befassten sich die firmeninternen Personal- und Organisationsentwickler vorrangig mit der Frage: Wie können wir die Arbeit in den Bereichen verbessern? Heute verfolgen sie zumeist einen bereichsübergreifenden Ansatz. Die Ursache hierfür: Aufgrund der Restrukturierungsmaßnahmen im vergangenen Jahrzehnt sind die Optimierungspotenziale in den einzelnen Unternehmensbereichen weitgehend ausgeschöpft. Hier lassen sich keine Quantensprünge mehr erzielen – sei’s beim Steigern der Produktivität, der Innovationskraft oder der Reaktionsschnelligkeit der Unternehmen.

Hinzu kommt: Heute durchzieht die Informationstechnik alle Unternehmen wie das Nervensystem den menschlichen Körper. Deshalb wirken sich Veränderungen in einem Bereich stärker auf andere aus. Eine weitere Ursache: Da sich das Umfeld der Unternehmen immer schneller wandelt, müssen diese in stets kürzeren Zeitabständen ihre Strategien und Geschäftsprozesse auf den Prüfstand stellen.

Viele Projekte erreichen Ziele nicht

Deshalb boomt die bereichs- und oft sogar unternehmensübergreifende Projektarbeit. Erfahrung im Projektmanagement ist heute häufig eine Voraussetzung für die Übernahme qualifizierter Fach- und Führungspositionen. Entsprechend viele Projektmanagement-Seminare werden in den Unternehmen angeboten – auch, weil die Verantwortlichen erkannten:

  • Das Arbeiten in Projekten stellt andere Anforderungen an unsere Mitarbeiter als das Wahrnehmen einer Linienfunktion. Und:
  • Ebenso wie sich nicht jede Fachkraft als Führungskraft eignet, ist auch nicht jede gute Führungskraft zugleich ein guter Projektmanager. Dafür sind die Arbeitsbedingungen in diesen Funktionen zu verschieden.

Nicht zuletzt wuchs diese Erkenntnis in den Unternehmen, weil viele Projekte scheitern – laut manchen Studien über 70 Prozent. Hinter dieser Zahl muss man zwar einige Fragezeichen platzieren, weil die Untersuchungen meist aus der Feder von Beratungsunternehmen stammen. Fakt ist aber: Viele Projekte erreichen ihre Ziele nicht. Dies kann man täglich der Presse entnehmen. Liest man dort,

  • „Die Firma x verschiebt die Markteinführung ihres neuen Produkts“ oder
  • „Der Umbau des Unternehmens y dauert länger als geplant“,

dann steckt dahinter stets die Botschaft: Bei einem Projekt wurden die Ziele nicht erreicht. Sei es, weil sie von Beginn an unrealistisch waren, weil unvorhergesehene Probleme auftraten, oder weil die Kosten ins Unermessliche stiegen.

Projektmanagement-Kultur aufbauen

Weil so viele Projekte scheitern, kamen viele Unternehmen zum Schluss: Für das erfolgreiche Managen größerer bereichs- oder gar unternehmensübergreifender Projekte genügt es nicht, unsere Mitarbeiter in mehrtägige Seminare zu schicken, in denen sie das kleine Einmaleins des Projektmanagements lernen. So erwerben sie nicht das für das Planen, Initiieren, Durchführen und Steuern der Projekte nötige Wissen. Auch wenn sie drei oder vier Projektmanagement-Seminare besuchen, die lose nebeneinander stehen, erfolgt keine systematische Ausbildung unserer Mitarbeiter, nach der diese

  • dasselbe Projekt(management)verständnis haben und
  • dieselbe Terminologie und dieselben Tools nutzen.

Kurz: Solche Seminare fördern zwar das Projektmanagement-Know-how der Mitarbeiter, sie tragen aber wenig zum Aufbau der gewünschten Projektmanagement-Kultur in unserer Organisation bei.

Deshalb konzipierten viele Unternehmen umfassende Projektmanagement-Ausbildungen für ihre Mitarbeiter. Sie sollen ihnen das Rüstzeug vermitteln, das sie zum Managen komplexer Projekte brauchen. Dabei erfolgt die Wissensvermittlung nie rein theoretisch. Vielmehr arbeiten die Mitarbeiter parallel dazu in Projekten. So können sie das frisch erworbene Wissen unmittelbar in die Praxis übertragen.

Projektmanager mit System ausbilden

Ein Merkmal dieser Ausbildungen ist: Sie erstrecken sich über einen längeren Zeitraum – zuweilen über Jahre. Dahinter steckt die Einsicht: Reife Projektmanager fallen nicht vom Himmel. Sie entwickeln sich. Unter anderem, weil qualifizierte Projektmanager auch bestimmte persönliche Kompetenzen benötigen. Sie müssen zum Beispiel

  • Menschen führen, integrieren und motivieren können (ohne ihre disziplinarischen Vorgesetzten zu sein),
  • komplexe Zusammenhänge wahrnehmen sowie in komplexen Strukturen denken können und
  • Probleme, die den Projekterfolg gefährden könnten, früh erkennen und darauf angemessen reagieren.

Und noch etwas brauchen Projektmanager: ein starkes Rückgrat, um Konflikte aushalten und Widerständen standhalten zu können.

Ein weiteres Merkmal der Ausbildungen ist: Sie münden häufig in einer Prüfung, wenn nicht gar Zertifizierung. Denn wenn die für den Unternehmenserfolg strategisch wichtigen Aufgaben oft in Projekten erledigt werden, muss garantiert sein, dass die Verantwortlichen tatsächlich das gewünschte Projektmanagement-Know-how und -verständnis haben. Sonst kann in der Organisation die angestrebte Projektmanagement-Kultur nicht entstehen. Deshalb sollten die individuellen Entwicklungsmaßnahmen auch in einem kollektiven Entwicklungskonzept verankert sein.

Diese Verankerung ist nötig, weil die Ausbildung zum Projektmanager hohe Anforderungen an die Mitarbeiter stellt. Denn sie findet in der Regel parallel zur Alltagsarbeit statt. Also ist sie mit einer Mehrbelastung verbunden. Deshalb müssen die Unternehmen dafür sorgen, dass es für ihre Mitarbeiter attraktiv ist, Zeit und Energie in ihre Weiterqualifizierung zu investieren. Sonst besteht die Gefahr, dass das Unternehmen langfristig nicht über die benötigten Projektmanager verfügt.

Den Mitarbeitern Perspektiven aufzeigen

Wie aber stellen Unternehmen sicher, dass ihre Mitarbeiter ihre Projektmanagement-Kompetenz kontinuierlich weiterentwickeln? Indem sie ihnen die Relevanz dieser Kompetenz für ihre (künftige) Arbeit im Unternehmen deutlich machen. Hilfreich ist auch ein klares Signal der Unternehmensführung an die Mitarbeiter: Der Erwerb dieser Qualifikation ist eine Voraussetzung für die Übernahme höher qualifizierter (und dotierter) Positionen.

Als besonders fruchtbar erweisen sich institutionalisierte Projektmanagement-Ausbildungen in Unternehmen, die ihren Mitarbeitern wegen ihrer flachen Hierarchien wenig Aufstiegsmöglichkeiten in Führungspositionen bieten können. Entsprechendes gilt für Unternehmensbereiche, in denen viele hoch qualifizierte Spezialisten arbeiten, die gerade wegen ihres Expertenwissens für das Unternehmen wertvoll sind.

Sie stehen oft vor der Frage: Welche Entwicklungsperspektiven können wir unseren Mitarbeitern bieten – finanziell und hinsichtlich ihres Wunsches, sich weiterzuentwickeln und eine exponierte Position zu übernehmen? Hier stellt eine qualifizierte Projektmanagement-Ausbildung – verknüpft mit einer entsprechenden Projektlaufbahn, die neben der Führungs- und Fachlaufbahn steht – einen Lösungsansatz dar.

Dieser wurde erst in einer überschaubaren Zahl von Unternehmen realisiert. Unter anderem, weil in vielen Firmen noch der Geist lebt: Wenn wir Geld in das Qualifizieren unserer Mitarbeiter als Projektmanager investieren, profitieren hiervon vor allem unsere Mitarbeiter. Sie sehen nicht, dass es sich hierbei auch um eine Investition in die Entwicklung des Unternehmens handelt.

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Unterlassung: Abmahnungen per E-Mail möglich

Abmahnungen kommen immer dann zum Einsatz, wenn ein Unternehmen ein anderes dazu auffordern möchte, ein bestimmtes Verhalten zukünftig zu unterlassen. Vor allem im Wettbewerbs- und Urheberrecht werden Abmahnungen sehr häufig von den beauftragten Anwälten verschickt. Enthalten sind die übliche Kostennote und eine strafbewehrte Unterlassungserklärung, die unterzeichnet werden soll. Christian Solmecke, Fachanwalt für Internetrecht bei der Kölner Kanzlei Wilde Beuger & Solmecke sagt:

„Eine Abmahnung erreicht den Empfänger normalerweise per Fax und zur Sicherheit noch einmal mit der normalen Briefpost. So wird sichergestellt, dass der Adressat das anwaltliche Schreiben auch wirklich erhält. Inzwischen versenden einzelne Kanzleien Abmahnungen auch per E-Mail.“

Bereits im Sommer 2009 wurde vor dem Landgericht Hamburg ein Fall verhandelt (Urteil vom 7. Juli 2009, Az.: 312 O 142/09), bei dem es um die Frage ging, ob eine Abmahnung per E-Mail ausgesprochen werden darf und wann diese Mail als zugegangen gilt. In dem Rechtsstreit ging es um folgenden Sachverhalt: Der Kläger mahnte ein Internet-Branchenportal wegen der rechtsmissbräuchlichen Verwendung der Bezeichnung „Fachanwalt für Markenrecht“ ab. Die Besonderheit: Die Abmahnung wurde ausschließlich per E-Mail an das Branchenportal verschickt. Eine Kopie des Schreibens schickte der Anwalt per Blindkopie an einen Sozietätskollegen. Dort kam die E-Mail auch an. Der Beklagte behauptete allerdings, die E-Mail nicht erhalten zu haben, da sie durch die hausinterne Firewall abgefangen worden sei.

Urteil: Risiko des Zugangs liegt beim Empfänger

Die Kläger erwirkten eine einstweilige Verfügung gegen das Branchenportal. Anschließend stritten die Parteien aber über die Kosten des Verfahrens. Das Landgericht Hamburg entschied, dass die von einer Firewall abgefangene E-Mail als „zugegangen“ zu beurteilen sei und die Beklagte musste die Kosten des Verfahrens tragen. Die Begründung: Bei der Abmahnung hätte es sich um eine Wohltat für den Antragsgegner gehandelt. Dieser hätte dadurch die Möglichkeit erhalten, die Angelegenheit außergerichtlich zu regeln und trage deshalb auch das das Risiko des Verlustes einer solchen E-Mail.

Außerdem habe die Abmahnung schon deswegen als zugegangen zu gelten, weil diese derart in den Machtbereich des Empfängers gelangt sei, dass dieser unter normalen Verhältnissen die Möglichkeit gehabt hätte, vom Inhalt der Abmahnung Kenntnis zu nehmen. Der Zugang der Kontrollmail und der Umstand, dass die E-Mail nicht zurückgekommen sei, begründeten eine hohe Wahrscheinlichkeit des Zugangs der Abmahnung. Fachanwalt Solmecke warnt:

„Dem Gerichtsurteil nach sah das Gericht keine Probleme darin, dass die Abmahnung lediglich per E-Mail versandt worden war. Problematisch ist, dass das Gericht eine solche Abmahnung auch dann als zugegangen ansieht, wenn der Empfänger sie aufgrund widriger Umstände gar nicht bewusst wahrgenommen hat.“

Eine Firewall, ein überaktiver Spamfilter oder ein nicht abgerufener E-Mail-Account reichten bereits aus, um zu verhindern, dass der Abgemahnte Kenntnis nimmt und seine ihm gesetzlich zustehenden Fristen einhalten kann. Solange das Urteil Rechtskraft besitzt, sollten Geschäftsführer somit auch ihre Spam-Ordner nach entsprechenden Nachrichten durchkämmen.

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Change Management-Experte Dr. Georg Kraus im Interview

Herr Dr. Kraus, wenn Sie 10 Jahre zurückblicken: Welche Entwicklungen waren in Ihrem Fachbereich wichtig?

Die Zyklen der Veränderungen werden immer kürzer. Kaum ist eine Veränderung am Anlaufen, folgt die Zweite gleich hinterher. Wo früher ein Veränderungsprozess für eine Organisation etwas Besonderes war, wird es immer mehr zur betrieblichen Übung.

Welche Themen wurden in der Vergangenheit und aktuell Ihrer Meinung nach überschätzt?

Überschätzt wurden aus meiner Sicht „Propaganda-Veränderungen“, also Veränderungen, die mit einem Slogan, Plakaten und so weiter durchgeführt wurden. Diese haben meistens nicht die erwartete Nachhaltigkeit erzeugt.

Welche Themen wurden/werden unterschätzt?

Unterschätzt wurde die Rolle der Führungskraft im Rahmen der Veränderung. Wenn sie falsche oder widersprüchliche Signale gibt, kann sie in Millisekunden einen Change-Prozess zerstören.

Welche Rolle spielt business-wissen.de für Sie als Gastautor?

Business-Wissen ist eine professionelle Plattform zum Austausch von Gedanken und Ideen.

Welche Herausforderungen sehen Sie in Zukunft in Ihrem Fachbereich?

In den letzten Jahren wurde teilweise verändert, nur um zu verändern. Ich denke, wir müssen eine gute Balance finden zwischen Bewahren und sich auf das Neue einstellen. Dabei dürfen die Werte des Unternehmens nicht den Bach herunter gehen, sonst verlieren Sie alles.

Auf welches Thema von Ihnen können sich die Leser freuen?

„Clever-Change“ ist die neue Herausforderung. Mit kleinen Hebeln große Wirkung erzeugen!

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Dr. Kraus!

Wissensmanagement: Faktor Wissen in der heutigen Zeit immer wichtiger

Die Bedeutung von Wissen als vierter Produktionsfaktor

Neben den klassischen Produktionsfaktoren Arbeit, Boden und Kapital hat “Wissen” mittlerweile einen ähnlich bedeutenden Stellenwert eingenommen und wird auch als “neuer” vierter Produktionsfaktor bezeichnet. Zum einen ist Wissen in vielen Unternehmen (und hier hauptsächlich in Industrieländern) die Ressource, die zu mindestens 60 Prozent für die Gesamtwertschöpfung eines Unternehmens verantwortlich ist. Zum anderen ist ein Unternehmen in der heutigen, von Globalisierung, steigendem Konkurrenzdruck, zunehmenden Kundenerwartungen, komplexer werdenden Produkten und Dienstleistungen sowie kurzen Produktlebenszyklen geprägten Welt ein wichtiger Erfolgsfaktor.

Kürzer werdende “Halbwertzeit” von erfolgsentscheidendem Wissen macht lebenslanges Lernen notwendig

Interessant ist die Tatsache, dass die “Halbwertzeit” von Wissen immer kürzer wird. Die Halbwertzeit bezeichnet in diesem Zusammenhang die Zeit, in der vorhandenes Wissen (für einen bestimmten Bereich oder in einem betrachteten Fachgebiet) nur noch die Hälfte wert ist. Schulwissen ist heutzutage noch nach circa 20 Jahren zur Hälfte gültig, Hochschulwissen und berufliches Fachwissen verlieren nach zehn bis fünf Jahren 50 Prozent ihrer aktuellen Bedeutung, die Hälfte des nutzbaren technologischen Wissens “verfällt” nach zwei bis drei Jahren und IT-Wissen besitzt zurzeit nur noch eine Halbwertzeit von weniger als zwei Jahren. Als Konsequenz müssen ein Unternehmen und seine Mitarbeiter ihr Wissen permanent auf eine Aktualität überprüfen.

Das Managen von Wissen ist sehr komplex

Vielen Unternehmen ist bekannt, dass Arbeit, Boden und Kapital in der richtigen Kombination zum Unternehmensziel führen können. Das “Managen” von Wissen wird allerdings oftmals vernachlässigt und die Komplexität seines Managens unterschätzt.

Denn zum Wissensmanagement gehört nicht nur, Unternehmensdaten zielgerichtet aufzubereiten, zu analysieren, zu selektieren, zu speichern und an die richtigen Stellen im Unternehmen zu verteilen. Erfolgsentscheidend ist es vielmehr, dass es bereits im Vorfeld der Einführung von Wissensmanagement gelingt, Mitarbeiter hierfür zu motivieren. Denn der Erfolg von Wissensmanagement ist davon abhängig, dass die Mitarbeiter eines Unternehmens ihr Wissen abgeben und ihren Kollegen zur Verfügung stellen und auch fremdes Wissen ohne Einschränkung nutzen.

Mitarbeiter handeln oftmals noch nach der Maxime “Wissen ist Macht”. Hintergrund ist der Aufbau von Herzogtümern innerhalb des Unternehmens, die persönliches Wissen abschotten und die dafür sorgen, dass Mitarbeiter sich unersetzlich machen (wollen). Gleichzeitig galt und gilt es in vielen Bereichen unseres Lebens heutzutage immer noch als “Schande”, etwas nicht selber zu wissen und andere zu fragen.

Erfolgsfaktoren in der heutigen Zeit

Unternehmen sind heute erfolgreich, wenn sie über flache Organisationsstrukturen, viele informelle Kommunikationswege, Flexibilität und die Fähigkeit verfügen, Entscheidungen schnell zu treffen und umsetzen zu können. Wissen trägt dann als Erfolgsfaktor dazu bei, wenn Mitarbeiter ihr Wissen unternehmensweit zur Verfügung stellen und dieses Wissen dort auch genutzt wird. Nicht berücksichtigt bleibt hierbei aber die Tatsache, dass ein Individuum, egal ob Gelehrter oder Mitarbeiter, heutzutage nicht alles wissen kann. Dafür sind Unternehmenszusammenhänge, Abläufe und Produkte viel zu komplex geworden. Das schnelle Treffen von Entscheidungen und dessen zeitnahe Umsetzung setzen zudem voraus, dass es einem Unternehmen gelingt, in seinen Abläufen Schnittstellen zu minimieren und die Aufgabenbereiche seiner Mitarbeiter zu erweitern (Prozessorientierung).

Was ist zu tun, um Wissensmanagement einzuführen?

Der Erfolg der Einführung von Wissensmanagement ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Theorie und Praxis bieten zahlreiche Konzepte, die die hiermit verbundenen Schritte im Wesentlichen in vier Bereiche unterteilen:

  1. Festlegung des Wissensbedarfs - Welches Wissen ist eigentlich für den Erfolg eines Unternehmens entscheidend?
  2. Beschaffung des erfolgsentscheidenden Wissens - An dieser Stelle ist eine klassische “make-or-buy”-Entscheidung zu treffen. Hierbei ist abzuwägen, ob es sich lohnt, eigenes Wissen im Unternehmen aufzubauen oder ob Wissen von außerhalb des Unternehmens beschafft werden kann oder soll.
  3. Befriedigung des Wissensbedarfs - Welche Aktivitäten sind notwendig, damit das beschaffte Wissen effektiv und effizient im Unternehmen an die richtigen Stellen verteilt werden kann, die Nutzung dieses Wissens sichergestellt ist und welche Maßnahmen sind erforderlich, damit veraltetes Wissen durch neues Wissen ersetzt wird?
  4. Wissensbewertung - Hier ist die Frage zu klären, ob die unter den Punkten 1. bis 3. aufgeführten Aktivitäten zielorientiert waren und sich hierdurch das Wissen innerhalb des Unternehmens positiv verändert und entwickelt hat.

Warum sind zusätzliche Einführungsvoraussetzungen und Rahmenbedingungen für den Erfolg entscheidend?

Neben diesen eher konzeptionell ausgerichteten Aktivitäten gilt es vor einer Wissensmanagementeinführung bestimmte organisatorische Rahmenbedingungen herzustellen. Denn was nützt das beste Konzept, wenn die Mitarbeiter nicht “mitmachen”? Der wesentliche Bestandteil dieser organisatorischen Rahmenbedingungen, der in diesem Fall schon als Einführungsvoraussetzung bezeichnet werden kann, ist die Schaffung einer wissensmanagementfreundlichen Unternehmenskultur. Hier geben Mitarbeiter “gerne” ihr Wissen ab und es zählt nicht als “Schande” oder Schwäche, fremdes Wissen zu nutzen.

Einer unternehmensfreundlichen Unternehmenskultur kommt eine hohe Bedeutung zu

Die Kultur eines Unternehmens wird durch seine gültigen Normen, Einstellungen der Mitarbeiter und gelebten Werte beeinflusst. Die wesentliche Grundlage für eine wissensmanagementfreundliche Unternehmenskultur ist der im Unternehmen praktizierte Führungsstil:

  • Autoritäre Führungsstile sind “Wissensmanagementkiller”,
  • kooperative, partizipative, kooperative und liberalistische Führungsstile sind Wissensmanagement fördernd.

Denn zu einer wissensmanagementfreundlichen Unternehmenskultur gehört auch, dass zwischen einzelnen Hierarchiestufen “Vertrauen” aufgebaut wird sowie Führungskräfte, die Leistungen und das Wissen ihrer Mitarbeiter respektieren, anerkennen und auch durch konstruktive Kritik zum (Weiter)Lernen motivieren.

Damit neues Wissen aufgebaut werden kann, ist für den Mitarbeiter die Schaffung von Freiräumen wichtig. Denn nur wenn ein Mitarbeiter die Möglichkeit besitzt, etwas ausprobieren zu dürfen und er eingetretene Pfade verlassen darf, kann neues Wissen entstehen. Das Gleiche gilt auch für die Anwendung neuen Wissens. Ein Mitarbeiter wird eine neue Verfahrensweise nur annehmen, wenn er die Zeit dazu erhält, sich mit diesem “Neuen” in einer Einarbeitungsphase in Ruhe zu beschäftigen.

Auch spielt der Umgang mit Fehlern in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle, denn ein Mitarbeiter wird sich das neue Wissen erst verinnerlichen müssen, ehe er effektiv und effizient damit arbeiten kann. Ähnliches gilt für Fehler. So sollten in einer wissensmanagementfreundlichen Unternehmenskultur produktive Fehler, die helfen, folgende Fehlerkosten zu vermeiden, grundsätzlich belohnt und unproduktive Fehler nicht generell bestraft werden. Denn unproduktive Fehler entstehen nicht nur durch “Nicht-wollen”, sondern können ihre Ursache auch im “Nicht-wissen”, “Nicht-können” oder “Nicht-informiert sein” haben.

Neben zahlreichen Möglichkeiten, Wissen unternehmensweit zu verbreiten, kommt der Kommunikation und speziell der informellen Kommunikation eine hohe Bedeutung zu. Damit Informationen schnell beschafft und ausgetauscht werden können, ist oftmals das Verlassen der formellen Kommunikationswege erforderlich. Aber nur wenn das Unternehmensklima “stimmt”, funktioniert “informelle” Kommunikation. Führungskräfte können aktiv die Entstehung informeller Kommunikation fördern. Zum einen besitzen sie durch ihr Verhalten den Mitarbeitern gegenüber eine Vorbildfunktion, zum anderen unterstützen Rahmenbedingungen wie Förderung von Teamarbeit, Schaffung einer wissensmanagementfreundlichen Arbeitsplatzgestaltung und die Einrichtung von Kommunikationszentren (Kaffeeküchen- und -ecken, Wissenszimmer etc.) die Entstehung einer (zielorientierten) informellen Kommunikation.

Fazit

Die Bedeutung des Wissensmanagements für ein Unternehmen ist in Literatur und Praxis mittlerweile unumstritten. Wissen hat als vierter Produktionsfaktor für viele Unternehmen die erfolgsentscheidende Bedeutung erlangt. Die erfolgreiche Einführung des Erfolgsfaktors Wissensmanagement ist sehr komplex. Neben “klassischen” Einführungsschritten, die sequenziell abgearbeitet werden können, besitzen auch Einführungsvoraussetzungen sowie existierende Rahmenbedingungen und hier speziell die Schaffung einer wissensmanagementfreundlichen Unternehmenskultur eine große Bedeutung für die erfolgreiche Umsetzung von Wissensmanagement.

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Sicherheit mit System: So schützen Sie Ihr Unternehmen vor unbefugtem Zugang

Die Risiken feststellen

Was könnte schlimmstenfalls passieren, wenn Unbefugte Ihr Unternehmen betreten? Definieren Sie das Szenario der schlimmsten fünf Ereignisse, die eintreten können. Dazu gehören zum Beispiel Brandstiftung, Diebstahl und Geheimnisverrat, aber auch Vandalismus und Personenschäden durch Gewalteinwirkung. Prüfen Sie, welche Auswirkungen diese Ernstfälle auf Ihr Unternehmen haben können. Dies hängt nicht nur vom Ausmaß der Schäden, sondern auch von den Versicherungen, die Sie bisher schon abgeschlossen haben, ab: So verfügen Sie vermutlich über Versicherungsverträge, die den Brandfall abdecken. Nicht versichert ist aber meist das Risiko, Kunden vorübergehend nicht mehr beliefern zu können. Schätzen Sie für alle denkbaren Fälle die Kosten, die bei Schadenseintritt für Sie entstehen, ab. Diese können Sie dann später allen denkbaren Schutzmaßnahmen gegenüberstellen und entscheiden, ob sich diese lohnen oder nicht. Gegebenenfalls stellen Sie hier auch fest, dass Sie unter- oder überversichert sind und können dies korrigieren.

Nachts: Gebäude und Gelände schützen

Mit Videokameras können Sie den Außenbereich überwachen, wobei Sie dabei die gesetzlichen Bestimmungen beachten müssen. Dazu gehört zum Beispiel, dass keine Bereiche außerhalb des Unternehmens überwacht werden dürfen und dass der Betriebsrat in den meisten Fällen einbezogen werden muss. Bringen Sie an den Zäunen sogenannte Mikrofon-Kabel an, die Alarm schlagen, sobald jemand den Zaun überklettert oder Drähte durchschneidet. Betreten Unbefugte Ihr Gelände dennoch, lösen Trittschallsensoren im Erdboden Alarm aus. Prüfen Sie auch Dienstleister: Wachdienste, die an das Sicherheitssystem angeschlossen sind, sind in wenigen Minuten bei Ihrer Firma und schauen nach dem Rechten. Diese Wachdienste sollten natürlich auch mit Rauch- und Wassermeldern verbunden sein, um gegebenenfalls schnell die Feuerwehr verständigen zu können.

Tags: Darf jemand das Haus betreten oder nicht?

Schlösser sind nicht sicher, da Schlüssel entwendet oder nachgemacht werden können. Wesentlich besser sind Chip-Karten mit Kennungen, die Sie jeden Monat automatisch beim Einlesen durch die Zutritts-Geräte verändern können. Auf diese Weise kann niemand mit einer älteren Chip-Karte, die gestohlen wurde oder von einem ehemaligen Mitarbeiter stammt, eindringen. Aufwändigere Systeme verfügen über eine biometrische Identifikation, die Fingerabdruck und Gesicht prüft. Eine andere Möglichkeit sind kleine Chips, die Berechtigte - zum Beispiel am Schlüsselbund - bei sich tragen. Das Türschloss öffnet sich erst, wenn ein angeschlossener Computer den Zugangsberechtigten anerkennt. Der Einbau solcher Systeme ist heute weitaus weniger aufwändig als früher, weil die Kommunikation per Funktechnologie erfolgt und damit das Verlegen von Leitungen entfällt.

Abends: Sind alle draußen?

Ein weiteres Problem bei frequentierten Räumen ist die Gefahr, dass sich jemand einschließen lässt und nach Feierabend sein Unwesen treibt. Hier helfen Infrarot- und Bewegungsmelder, die bei Bewegungen im Gebäude die Alarmanlage in Gang setzen und angeschlossene Wachdienste herbei rufen. Problematisch bei solchen Systemen ist allerdings, dass sie häufiger Fehlalarme produzieren. Das kann teuer werden, weil die Wachdienste in der Regel alle Anfahrten extra berechnen. Hier helfen flexible Wachroboter, die vor der Auslösung des Alarms vermutete Eindringlinge mittels Abtaster in „Augenschein“ nehmen und dann erst entscheiden, ob ein begründeter Verdacht vorliegt oder nicht.

Fünf Tipps für Ihr Zutritts-Management

  1. Pförtner einsetzen: Der klassische Pförtner hat auch heute noch seine Berechtigung: Im Gegensatz zu seinen elektronischen „Kollegen“ kann er Erfahrung und Instinkt einsetzen und auf Situationen und Gefahren flexibel reagieren.                                           
  2. Zeiterfassung organisieren: Wenn Sie neue Maßnahmen für die Zutritts-Kontrolle planen, überlegen Sie auch, ob Sie die Zeiterfassung im Unternehmen neu organisieren. Denn viele Geräte und Software-Pakete bieten Lösungen für beide Themen an.  
  3. Versicherungsprämien prüfen: Sobald Sie Ihr Sicherheitskonzept umgesetzt und entsprechende Einrichtungen installiert haben, prüfen Sie, ob Sie sich diese Anstrengung nicht mit niedrigeren Versicherungsprämien honorieren lassen können.
  4. Zutritt zeitweilig sperren: Sperren Sie den Zutritt zu bestimmten Tageszeiten komplett, zum Beispiel von 0 bis 6 Uhr oder am Wochenende. Nur wenigen ausgewählten Personen mit entsprechenden Sicherheitscodes sollte der Zutritt dennoch gestattet sein.
  5. Langzeitarchivierung: Viele Schäden, wie zum Beispiel Lagerdiebstähle, fallen nicht sofort, sondern erst nach einiger Zeit auf. Sorgen Sie deshalb dafür, dass die Zutritts-Protokolle und Video-Mitschnitte so lange wie möglich archiviert werden.

Dienstwagen: Fiskus definiert die Regeln zum Fahrtenbuch

Das Bundesfinanzministerium hat aktuell die Vorgaben hierzu in einem Erlass erläutert: So muss das Fahrtenbuch zeitnah und in geschlossener Form geführt werden. Es muss die Fahrten einschließlich des an ihrem Ende erreichten Gesamtkilometerstands vollständig und in ihrem fortlaufenden Zusammenhang wiedergeben. Dabei erwartet der Fiskus zwingend zumindest Datum und Kilometerstand zu Beginn und Ende jeder einzelnen betrieblich/beruflich veranlassten Fahrt, Reiseziel und -zweck, Informationen zu den aufgesuchten Geschäftspartnern sowie Erläuterungen zu Umwegfahrten. Dies muss über das ganze Jahr hinweg täglich mühselig aufgelistet werden.

Berufsspezifisch bedingte Erleichterungen

Auf einzelne dieser Angaben kann verzichtet werden, soweit wegen der besonderen Umstände im Einzelfall die berufliche Veranlassung der Fahrten und der Umfang der Privatfahrten ausreichend dargelegt sind und die Überprüfungsmöglichkeiten nicht beeinträchtigt werden. Hierzu gewährt der Fiskus berufsspezifisch bedingte Erleichterungen. So dürfen Handelsvertreter, Kurierdienstfahrer, Automatenlieferanten und andere Berufstätige mit regelmäßig großen und unterschiedlichen Reisezielen bei Reisezweck, Reiseziel und aufgesuchtem Geschäftspartner angeben, welche Kunden an welchem Ort besucht wurden. Angaben zu den Entfernungen zwischen den verschiedenen Orten sind nur bei größerer Differenz zwischen direkter Entfernung und tatsächlich gefahrenen Kilometern erforderlich.

Führung eines Kundenverzeichnisses erlaubt

Werden regelmäßig dieselben Kunden aufgesucht, dürfen die Geschäftspartner mit Name und Lieferadresse in einem Kundenverzeichnis unter einer Nummer geführt werden, unter der sie später identifiziert werden können. Hinzu kommen jeweils zu Beginn und Ende der Lieferfahrten Datum und Kilometerstand sowie die Nummern der aufgesuchten Geschäftspartner. Das Kundenverzeichnis ist dem Fahrtenbuch beizufügen.

Keine Rückdatierungen bei Privatfahrten

Für die Aufzeichnung von Privatfahrten genügen jeweils Kilometerangaben; für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeit genügt jeweils ein kurzer Vermerk im Fahrtenbuch. Arbeitnehmer und Selbstständige sollten jedoch beachten, dass sie den täglichen Eintrag von Kilometerständen, Fahrziel und -zweck tunlichst nicht rückwirkend vornehmen. Wer sich nämlich hinsetzt und die Touren nachträglich aufschreibt, arbeitet aus Steuersicht umsonst. Denn dies erkennen Finanzbeamte generell nicht an, sofern ihnen solche Rückdatierungen auffallen.

Hinweis

Mehr zu diesem und ähnlichen Themen finden Sie auf www.vsrw.de [86] , wo Sie auch den kostenlosen Newsletter [87] zu dem Bereich „Steuern privat“ abonnieren können.

[Gerson Weber; Quelle: VSRW; Bild: Fotolia.com]

Compliance: IT für gesetzliche Rahmenbedingungen fit machen

Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe von Gesetzen, Regelungen und Vorschriften, die mit dem IT-Einsatz zu tun haben. Dazu gehören – Stichwort IT-Compliance – Aufbewahrungspflichten, Auskunftsrechte, Schutz vor unbefugtem Zugriff und Schutz vor Weitergabe an Dritte, Fristen und Verfahren zur Archivierung und zum Zugriff elektronischer Dokumente. Verantwortlich für die Einhaltung dieser Regeln und Verpflichtungen so wie für die Konsequenzen bei Nichteinhaltung sind die Verantwortlichen eines Unternehmens, also die Unternehmer selbst oder die Entscheider wie zum Beispiel Geschäftsführer und IT-Leiter. Nachlässigkeit gegenüber der IT-Compliance kann schwerwiegende juristische und finanzielle Folgen für die Verantwortlichen und das Unternehmen haben.

Daten müssen jederzeit auffindbar sein

Vielfach werden die externen Compliance-Anforderungen, die sich auf die Datenhaltung, Datenkommunikation und Datensicherheit beziehen, noch immer als lästige und nur mit gewaltigem Aufwand zu bewältigende Aufgabe betrachtet. In vielen Unternehmen sind die Anforderungen auch gar nicht bekannt.

Laut Gesetzgebung müssen Unternehmen steuerrelevante Daten drei, fünf, zehn oder sogar mehr Jahre vorhalten und Auditoren oder Wirtschaftsprüfer die Informationen jederzeit einsehen können. Um rechtskonform zu kommunizieren und zu archivieren, reicht es nicht, E-Mails einfach nur auszudrucken und abzuheften. Denn gemäß den Regelungen müssen alle steuerrelevanten Unterlagen in ihrer ursprünglichen Form – das heißt also digital – aufbewahrt und zugänglich gemacht werden. Sind Daten nicht mehr vorhanden, drohen ernsthafte Konsequenzen, die den Unternehmenserfolg gefährden können – von einer für das Unternehmen ungünstigen Steuerschätzung bis hin zu strafrechtlichen Sanktionen. Solche Probleme sind mit Storagelösungen zur Compliance-konformen Langzeitarchivierung vermeidbar.

Beispielsweise ist auch mit den Basel-II-Richtlinien zur Kreditvergabe die Bonitätsprüfung strenger geworden und infolge der Finanzkrise nehmen die Banken die Antragsteller noch genauer unter die Lupe. Wer seiner Bank bei den Kreditverhandlungen nicht alle geforderten Kennzahlen vorlegen kann, hat schlechte Karten.

Risiken minimieren und Chancen nutzen

Bei der Entwicklung einer Compliance-Strategie ist zunächst zu klären, in welchen Bereichen des Unternehmens Compliance gefordert ist, welche Gesetze gelten und wie sie umzusetzen sind. Die Einführung von IT-Compliance kann zwar mit beträchtlichem Aufwand verbunden sein, sollte aber in jedem Fall als Chance gesehen werden. Unternehmen, die sich ernsthaft der Herausforderung stellen, können bei bewusster Wahl von Standards gezielt und pragmatisch Risiken minimieren. Schließlich beinhalten die gesetzlichen IT-Compliance-Anforderungen strenge Kontrollmechanismen, die das Management eines Unternehmens genau so nutzen kann, um das Unternehmen transparent zu machen. Und nicht zuletzt kann die Umsetzung der Compliance-Vorgaben zu einer spürbaren Prozessoptimierung führen, wenn doppelte Aufgaben wegfallen und Datenstrukturen an veränderte Unternehmensanforderungen angepasst werden.

Dieser Artikel wurde von der nextbusiness-IT [88] Redaktion erstellt. „nextbusiness-IT – Exzellenz im Mittelstand“ ist eine bundesweite Leitthemenkampagne für den Mittelstand, die unter anderem die „Bibliothek des modernen IT-Wissens“ für den Mittelstand herausgibt. Diese Bibliothek können Sie hier kostenlos anfordern. [89]

[Bild: Aamon - Fotolia.com]

Werte und Leitbilder: Unternehmenskultur für Manager immer wichtiger

24 Prozent der befragten Manager bewerten die Unternehmenskultur aktuell als sehr wichtig für den wirtschaftlichen Erfolg. Mehr als doppelt so viele, nämlich 51 Prozent, urteilen, dass die Unternehmenskultur künftig und langfristig eine sehr hohe Bedeutung haben wird.

Entsprechend viele Unternehmen haben ihre Soll-Kultur bereits in einem Leitbild fixiert. Allerdings sind diese Werte und Leitbilder eher mäßig in den Firmen verankert. Ein knappes Drittel der Befragten bewertet die Umsetzung der definierten Unternehmenskultur als gut, 48 Prozent halten sie für teilweise gelungen, 19 Prozent erkennen deutliche Schwächen. Dabei schätzen Vorstände und Geschäftsführer den Umsetzungsgrad wesentlich höher ein als das mittlere Management oder die Personalabteilung. Petra Schubert, Partnerin bei Kienbaum,  sagt:

„Ein Grund für diese unterschiedliche Wahrnehmung liegt darin, dass es sich hierbei mehr um eine intuitive als um eine faktenbasierte Einschätzung handelt. Wichtig wäre, die Kultur im Unternehmen zu verankern, zum Beispiel in der strategischen Personalentwicklung und somit auch in den Zielvereinbarungen.“

Kontinuierliches Monitoring notwendig

Es ist nicht nur wichtig, im Unternehmen ein klares Bild von der Ist- und Soll-Kultur zu haben. Die Kultur eines Unternehmens muss auch kontinuierlich beobachtet werden. Die Ergebnisse der Studie zeigen allerdings, dass es kaum eine spezifische Bestandsaufnahme zur Unternehmenskultur gibt. Bereits vorhandene Daten werden nicht systematisch ausgewertet. Und: Aus den wenigen in der Regel zur Verfügung stehenden Erkenntnissen werden nur selten Maßnahmen zur Verbesserung der Kultur abgeleitet und umgesetzt.

So ist zum Beispiel die Mitarbeiterbefragung mit 71 Prozent die am häufigsten genannte Informationsquelle, dicht gefolgt von dem Mitarbeitergespräch (70 Prozent). Die zahlreichen anderen Instrumente wie Kundenbefragungen, Interviews und Kompetenzbeurteilungen, die Hinweise auf die existierende Kultur geben, werden jedoch viel zu selten genutzt. Aus Sicht der Personalabteilung, die operativ für die Pflege der Unternehmenskultur verantwortlich ist, werden hier Chancen vertan:

„Die Kultur eines Unternehmens wird an unterschiedlichen Stellen sichtbar. Unternehmen sollten systematische Prozesse einführen, um die existierende Unternehmenskultur so realistisch wie möglich einschätzen zu können. Die gewonnenen Informationen sollten einen klaren Ist-Soll-Abgleich und eine Bewertung der Unternehmenskultur ermöglichen. Auf dieser Basis können dann Maßnahmen abgeleitet werden, um die Unternehmenskultur zu entwickeln. Dies wäre im Hinblick auf die sich ändernden Anforderungen an eine erfolgreiche Unternehmenskultur sinnvoll und notwendig“,

so Sonja Sackmann, Professorin am Institut für Entwicklung zukunftsfähiger Organisationen.

Klare Verantwortlichkeiten helfen

Damit das Potenzial von Unternehmenskultur auch tatsächlich genutzt werden kann, sollten sich Personal- und Linienmanager über ihre entsprechenden Verantwortlichkeiten klar sein. Hier gibt es jedoch noch großen Verbesserungsbedarf.

Während in den Augen der Befragten insgesamt vor allem die Personalentwicklung für die Pflege der Unternehmenskultur zuständig ist, haben die einzelnen Funktionsgruppen eine sehr unterschiedliche Wahrnehmung der Rollen und Verantwortlichkeiten: Vorstände und Geschäftsführer sehen eine wesentlich stärkere Verantwortung bei den Führungskräften (62 Prozent), während lediglich 36 Prozent des mittleren Managements sich selbst in der Verantwortung sehen.

Strukturen, Prozesse, Führungssysteme und -instrumente sollten klar definiert und aufeinander abgestimmt sein - und sich an der gewünschten Unternehmenskultur orientieren. Eine einheitliche Sichtweise im Unternehmen in Bezug auf die Rollen und Verantwortlichkeiten ist dringend notwendig. Während die operative Verantwortung normalerweise in der Personal- oder Unternehmensentwicklung zu finden ist, sollte Unternehmenskultur regelmäßig auf der Agenda des Vorstands und des Top-Managements stehen, um ein entsprechendes Commitment sicherzustellen.

Zur Studie

Die Studie „Unternehmenskultur 2009/2010 – Rolle und Bedeutung“, wurde durchgeführt von der Managementberatung Kienbaum in Kooperation mit dem Harvard Business Manager und dem Institut für Entwicklung zukunftsfähiger Organisationen. An der Studie beteiligten sich Vorstände, Geschäftsführer, das mittlere Management und Personalverantwortliche aus 157 Unternehmen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz.

[po; Quelle: Kienbaum; Bild: Dmitry Sunagatov - Fotolia.com]

(IT-)Projektmanagement: Was bedeutet „lean“ für die Software-Entwicklung?

Rank und schlank und ohne ein überflüssiges Gramm Fett – so wollen nicht nur viele Männer und Frauen, sondern auch Unternehmen sein. Dieser Eindruck drängt sich zuweilen beim Lesen von deren offiziellen Verlautbarungen auf. So häufig taucht in ihnen das Wort „lean“ auf. Die Einen wollen die Kosten optimieren, die anderen ihre Abläufe verschlanken und wieder andere die Servicequalität verbessern. Ohne Zweifel: „Lean“ ist „in“. Doch was bedeutet „Lean“ eigentlich? Ist Lean nur ein Mittel zur Kostensenkung? Oder lässt sich mit Lean der Traum vom durchrationalisierten Unternehmen verwirklichen, das eine immer bessere Qualität produziert? Oder zielt Lean darauf ab, den Kunden mehr Nutzen zu bieten, um im Wettbewerb mit anderen Unternehmen die Nase vorne zu haben?

Werte schaffen und Verschwendung vermeiden

Analysiert man die verschiedenen Lean Management-Methoden und -ansätze (wie Wertstromdesign, 5S, Six Sigma, Kaizen, Kanban, Standardisierung, Poka Yoke und Heijunka), dann stellt man fest, dass diese stets folgende zwei Ziele anstreben:

  • Werte für die Kunden schaffen und
  • Verschwendung vermeiden.

Die betriebliche Praxis ist jedoch eine andere. Dort konzentrieren sich die entsprechenden Initiativen meist auf das zweite Ziel: Verschwendung vermeiden. Als Verschwendung wird hierbei alles betrachtet, was Ressourcen kostet oder bindet und keinen Beitrag zum Erreichen der (finanziellen) Unternehmensziele leistet – wie zum Beispiel Wartezeiten, überflüssige Kontrollstrukturen und Dokumentationen. Wer sich jedoch nur auf das Ziel „Verschwendung vermeiden“ konzentriert, gewinnt nur kurzfristig. Langfristig sind Lean-Initiativen nur erfolgreich, wenn sie auch das erste Ziel verfolgen: Werte für die Kunden schaffen.

Aus Kundensicht lässt sich die Frage leicht beantworten, was Verschwendung ist: Alles, wofür der Kunde nicht bereit ist, zu bezahlen, muss auf den Prüfstand. Lean bedeutet also in erster Linie, den Blick auf die Organisation so zu verändern, dass der Kundennutzen im Vordergrund steht.

Selbstverantwortung statt Steuerung und Kontrolle

Leiter nicht nur von IT-Projekten streben meist danach, alles selbst zu steuern und zu kontrollieren. Ein solches Verhalten führt dazu, dass Mitarbeiter die Verantwortung für Qualität und Kundennutzen an das Management delegieren. Getreu dem Motto „Was kümmert mich der Kunde, wenn die da oben mir ständig in die Quere kommen“.

Lean Management hingegen verlagert die Verantwortung für die Organisation konsequent vom Zentrum an die Peripherie. Nicht das Management entscheidet, was richtig ist, sondern diejenigen, die im direkten Kontakt mit den Kunden stehen. Immer dann, wenn ein Problem auftritt oder eine Verbesserungsmöglichkeit sichtbar wird, entscheiden diese Personen selbst, was es zu tun gilt. Das Management wird lediglich informiert. Es gibt auch keine Verlagerung von Verantwortung auf eine externe Qualitätssicherung. Diese ist in den Arbeitsprozess integriert.

In der Softwareentwicklung wird dies zum Beispiel dadurch erreicht, dass es kein spezielles Testteam gibt, welches den entwickelten Programmcode übernimmt, um Fehler zu beseitigen. Anstelle des Testteams wird der Entwicklungsprozess testgetrieben (Test Driven Development) aufgebaut: Das Entwicklungsteam entwickelt zuerst Testfälle, bevor es an die Programmierung geht. Ist der Programmcode fertiggestellt, wird er unverzüglich ins Gesamtsystem integriert und getestet. Nur wenn dieser Test erfolgreich ist, wird der neu entwickelte Code freigegeben.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist: die Flexibilität der Arbeitsprozesse erhöhen. Eine Reduktion von Prozessvarianten, wie sie bei Six Sigma angestrebt wird, führt zu starren, unflexiblen Prozessen. Das Unternehmen reagiert nur langsam, wenn überhaupt, auf neue Kundenbedürfnisse. Lean hingegen fokussiert Initiativen zur Prozessverbesserung auf diese Kundenbedürfnisse. „Haben wir genügend Spielräume, um rasch auf neue Anforderungen zu reagieren?“ Im Zweifelsfall ermutigt Lean Management, Regeln außer Kraft zu setzen oder vom Standard abzuweichen.

Die IT wird zum Werkzeug für Kundennutzen

Wenn ein Unternehmen lean ist, dann muss dies auch dessen IT sein. Lean heißt in diesem Zusammenhang, dass die IT Teil des Bestrebens wird, alles am Kundennutzen auszurichten und Verschwendung zu reduzieren. Ziel der (internen und externen) IT-Lieferanten muss es also sein, nicht nur das abzubilden, was bisher gemacht wird. Sie müssen sich auch fragen, inwieweit die bisher in der Software abgebildeten Abläufe wirklich geeignet sind, Kundennutzen zu erzeugen. Dabei gilt: Im Zweifelsfall sollte eher weniger als mehr Funktionalität implementiert sein.

In einer Umgebung, die lean sein will, ist es nicht ausreichend, die IT am Laufen zu halten. Die IT muss sich vielmehr daran messen lassen, ob sie das jeweilige Geschäftsfeld wirklich unterstützt. IT-Lieferanten müssen sich die Frage stellen: Erzeugen wir für die Fachabteilung ausreichend Nutzen in Relation zur getätigten Investition? Überflüssige Lizenzen, nur teilweise genutzte Anwendungen oder unzufriedene Anwender sind im Sinne von Lean Verschwendung.

Was folgt daraus für IT-Projekte? Von welchen Denkansätzen sollten sie sich leiten lassen und wie sollten sie gemanagt werden, um den Kundennutzen zu erhöhen? Einige Anregungen:

  • IT-Projekte sollten sich am Bedarf der Zielgruppen orientieren. Nicht alle Anwender benötigen denselben Funktionsumfang. Beginnen Sie, Anwender differenzierter zu betrachten. Bilden Sie Kategorien von Anwendern. Gruppieren Sie zum Beispiel nach der Häufigkeit der Nutzung oder nach der IT-Affinität und entwickeln Sie spezifische Zugänge zum IT-System oder spezifische Trainings zur Bedienung.
  • IT-Projekte sollten unnötige Vielfalt vermeiden. Nicht jeder Mitarbeiter benötigt jede Funktion. Er muss auch nicht alle Daten eingeben und einsehen können. Er möchte diese unnötige Vielfalt, die ihn häufig überfordert, auch nicht. Denn sie stresst ihn und aus Unternehmenssicht ist sie Verschwendung und kostet unnötige Lizenzgebühren. Konzentrieren Sie sich also beim Entwickeln von IT-Lösungen auf die Kernanforderungen der verschiedenen Rollenträger in den Arbeitsprozessen. Reduzieren Sie Benutzerschnittstellen auf das rollenspezifische Minimum und schaffen Sie unterschiedliche Zugänge.
  • IT-Projekte sollten flexible IT-Systeme liefern. Damit Unternehmen rasch auf neue Kundenbedürfnisse reagieren können, benötigen sie eine IT, die schnell an neue Arbeitsprozesse angepasst werden kann. Die Architektur der IT-Systeme sollte so konzipiert sein, dass Prozessvarianten je nach Bedarf ein- und ausgebaut werden können. So zum Beispiel eine neue Kalkulationsmethode für bereichsübergreifende Ausschreibungen.
  • IT-Projekte sollten selbst Lean sein. IT-Entwicklungsprojekte müssen flexibel auf neue Anforderungen reagieren können, damit sie den gewünschten Beitrag zu Lean-Initiativen leisten. Denn was nutzt es, wenn eine Fachabteilung ihre Arbeitsprozesse rasch an neue Bedürfnisse anpasst, das geplante IT-System aber noch auf dem alten Stand ist, weil die Anforderungen zu Beginn des IT-Projekts festgeschrieben wurden? Orientieren Sie sich an agilen Methoden, um die nötige Flexibilität zu bewahren.

Lean Project Management ist eine Denkhaltung

Konsequent umgesetzt, lässt sich Lean Project Management als eine Denkhaltung beschreiben, die alles am Kundennutzen ausrichtet. Dies beginnt bei der Beziehungsgestaltung zwischen Fachseite und Projekt. Wo früher ein kontradiktorisches, auf Verträgen beruhendes Verhalten gang und gäbe war, hält im Lean Project Management eine auf Vertrauen beruhende Beziehung Einzug. Die Beteiligten versuchen weniger, sich abzusichern. Sie arbeiten vielmehr daran, sich wechselseitig immer besser einschätzen zu lernen.

Für die Fachseite bedeutet dies, ein Verständnis für Möglichkeiten der Entwicklungsmethodik und der Technologie zu entwickeln. Für die IT-Seite bedeutet dies, sich so tief in die fachlichen Abläufe und Bedürfnisse einzuarbeiten, dass sie ein Gefühl dafür bekommt, was für die Kunden der Fachseite wirklich wichtig ist und was nicht.

Lean Project Management organisiert Teams kundenorientiert statt nach fachlichen Disziplinen wie Entwicklung, Test und Dokumentation. Kundenorientierte Teams reden möglichst direkt mit den jeweiligen (internen oder externen) Kunden. Sie sind so aufgebaut, dass sie ein Ergebnis mit direktem Kundennutzen produzieren. In IT-Projekten bedeutet dies: Analytiker, Designer, Entwickler und Tester bilden ein Team.

Lean Project Management setzt auf kurze Durchlaufzeiten. Ein IT-Projekt nach Lean Prinzipien produziert regelmäßig (typischerweise nach zwei bis acht Wochen) lauffähige Programmteile, die an den Kunden ausgeliefert werden. Dies ermöglicht ein zeitnahes Feedback, ein kontinuierliches Lernen und eine ständige Verbesserung der Ergebnisse.

Lean Project Management stellt den Kundennutzen in den Fokus. Statt Entscheidungen zentral zu treffen, setzt die Projektleitung alles daran, dass jedes Teammitglied weiß, welche Ziele der Kunde mit dem IT-Projekt verfolgt. Damit befähigt die Projektleitung jeden Einzelnen, im Sinne dieser Ziele zu entscheiden – und entlastet sich von der Bürde, alles steuern und kontrollieren zu müssen. Ein Schwerpunkt des Lean Project Management liegt deshalb darauf, hierfür die erforderlichen Kommunikationsmöglichkeiten einzurichten. Informationstransparenz ist das A und O.

Wenn sich Projektleiter diese Grundprinzipien zu eigen machen, ist Lean Project Management kein Hype. Es setzt vielmehr das gesamte Potenzial des Projekts im Sinne der Kundenziele frei.

 

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Ende der Kurzarbeit: Projekte scheitern wegen Entlassungswelle

Der Anteil erfolgreicher IT-Projekte geht durch die Krise bereits zurück, ermittelte die Standish Group Mitte 2009 in einer Befragung unter 400 Unternehmen. So werden aktuell nur 32 Prozent der Vorhaben planmäßig, zum ursprünglichen Budget und mit den festgelegten Anforderungen beendet. Die Experten für Projektmanagement-Offices (PMO) von Assure Consulting rechnen daher in Deutschland mit einer größeren Nachfrage nach professionellen externen Fachspezialisten und Projektmanagern.

Seit 1994 hat sich die Erfolgsquote durchgeführter Projekte bis auf einen leichten Durchhänger zwischen 2000 und 2002 stetig verbessert. 2009 kam es zu einem Rückgang planmäßig durchgeführter IT-Projekte, so der "Chaos Summary Report 2009" der Standish Group. Die Studie konstatiert ebenfalls, dass rund ein Viertel der Projekte vorzeitig erfolglos abgebrochen wird oder die Ergebnisse nach Fertigstellung nie genutzt werden.

"Ein wesentlicher Grund für scheiternde Projekte liegt im Einsatz von Projekt-unerfahrenen Mitarbeitern. Mit dem voraussichtlichen Auslaufen der Kurzarbeit sowie des in vielen Unternehmen festgelegten Einstellungs-Stopps verschärft sich diese Situation noch",

sagt Nicolaus von Gersdorff, Geschäftsführer von Assure Consulting.

"Unternehmen erlitten in der Krise große Umsatzeinbußen, wollen jetzt auf Nummer sicher gehen und setzen auf Projekt-erfahrene Dienstleister, die Erfolg garantieren können - gerade bei komplexen Großprojekten. Wir merken daher schon jetzt, dass sich die hohe Nachfrage nach externer Projektmanagement-Unterstützung des Jahres 2009 in diesem Jahr fortsetzt."

[po; Quelle: Assure Consulting; Bild: ceesHorizon Arts - Fotolia.com]

Projektwirtschaft: Neue Organisationsstrukturen müssen her

Für die betriebliche Projektwirtschaft spricht aus Sicht der Befragten vor allem, dass Projektteams wesentlich lösungsorientierter und selbstständiger agieren und sich stärker mit ihren Zielen und Zielvorgaben identifizieren.

Stichwort

Die betriebliche Projektwirtschaft ist eine spezielle Organisationsform in Unternehmen. In ihr sind bestimmte Gruppen von Mitarbeitern in zeitlich und thematisch begrenzten Projekten tätig - entweder in ihrer gesamten Arbeitszeit oder teilweise.

Projektwirtschaft hat sich etabliert

Die Studie belegt, dass die betriebliche Projektwirtschaft in der breiten Mehrheit der Unternehmen (74 Prozent) bereits fest etabliert ist. In einem höheren Maße als erwartet: Der Anteil der Projektwirtschaft an den gesamten Arbeitsabläufen liegt bereits bei 37 Prozent, ihr prozentualer Anteil an den gesamten Abläufen wird in den nächsten zwei Jahren um weitere 21 Prozent (acht Prozentpunkte) steigen.

Demgegenüber wird die Anzahl der Mitarbeiter, die künftig projektwirtschaftlich tätig sind, im Vergleich geringer ansteigen. Hier zeigen die Studienergebnisse eine zunehmende Differenzierung sowohl in volks- als auch in betriebswirtschaftlicher Sicht auf. Ein knappes Viertel der Unternehmen wird sich immer stärker über Projektwirtschaft organisieren. In diesen Unternehmen werden in zwei Jahren weit mehr als die Hälfte der Mitarbeiter in Projekten agieren. Dies betrifft tendenziell eher mittelständische und Dienstleistungsunternehmen. Die Mehrheit der Unternehmen bleibt dagegen traditionell organisiert. Hier findet aber auch eine interne Differenzierung statt: So kristallisieren sich Mitarbeitergruppen heraus, die fast nur noch in Projekten und nicht mehr in herkömmlichen Arbeitsabläufen tätig sind.

Wozu Projekte gut sind und warum sie scheitern

Mit Projekten lösen Unternehmen vor allem strategische Themen:

  • 82 Prozent der befragten Entscheidungsträger nutzen sie, um neue Arbeitsabläufe einzuführen;
  • 74 Prozent setzen sie bei der Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen ein.

Daher sind es vor allem die prozess- und wissensgetriebenen Unternehmensbereiche wie IT (64 Prozent), Marketing und Vertrieb (43 Prozent) sowie Forschung und Entwicklung (40 Prozent), in denen die betriebliche Projektwirtschaft stattfindet. Demgegenüber bleiben die eher klassischen Bereiche wie das Finanzwesen (28 Prozent) oder die Rechtsabteilung (6 Prozent) in der alten Welt. Prof. Jutta Rump, Leiterin des IBE, sagt.

"Die Konsequenz ist, dass innerhalb der Betriebe zunehmend Parallelwelten entstehen. Dies führt zu kulturellen Herausforderungen."

Als zentrale Herausforderung geben drei Viertel der Befragten das begrenzte Zeitbudget der Mitarbeiter an. Die wichtigsten Gründe für das Scheitern von Projekten liegen in fehlenden Zieldefinitionen und darin, dass wichtige Entscheidungen nicht getroffen werden.

Das Projektteam besteht aus einer bunten Mischung

Bei der großen Mehrheit der Firmen sind die Projektteams pluralistisch besetzt - mit Mitarbeitern aus unterschiedlichen Abteilungen und verschiedenen Hierarchie-, Qualifikations- und Altersstufen. Zudem nutzen zwei Drittel der Unternehmen externe Spezialisten.

Wenig Bedeutung wird in der Projektwirtschaft derzeit noch den neuen Kommunikationsformen wie Wikis, Blogs oder Mediashare-Plattformen zugemessen. Die Projektmitglieder kommunizieren hauptsächlich per E-Mail oder in persönlichen Meetings.

Zur Studie

Im Auftrag des Personaldienstleisters Hays befragte das IBE Entscheider aus 298 Konzernen und mittelständischen Unternehmen im deutschsprachigen Raum.

Download der Studie: Betriebliche Projektwirtschaft - Eine Vermessung [90]

[po; Quelle: Hays; Bild: Pixel - Fotolia.com]

Projektmanagement: Die Bedeutung der Effektivität des Projektmanagers

Die Effektivität des Projektmanagers ist an seinen Projektergebnissen zu messen und nicht an seinem Einsatz, an dem, was er erreicht und nicht daran, wie viel er tut. Hier ist der große Unterschied zwischen Effektivität und Effizienz zu sehen. Da diese beiden Begriffe schon mal durcheinander geworfen werden, hier eine kurze Definition:

  • Effektivität ist ein Maß der Zielerreichung (Wirksamkeit, Ergebnis, Resultat) und
  • Effizienz ist ein Maß für die Wirtschaftlichkeit (Kosten-Nutzen-Relation).

Die Prinzipien der Effektivität lassen sich erlernen, aber als Projektmanager müssen Sie sich dann auch entscheiden, diese Dinge in der Praxis umzusetzen. Zuerst müssen Sie analysieren, wie effektiv Sie zum jetzigen Zeitpunkt sind und welche Ziele Sie persönlich haben und dann beschließen Sie, dass Sie tatsächlich eine höhere Effektivität erreichen müssen und Sie das auch wollen:

Stichwort

Effektivität bedeutet, dauerhafte Grundsätze zu implementieren, um angestrebte Ziele zu erreichen.

Die persönliche Effektivität

Mit der persönlichen Effektivität wird das Ausmaß bezeichnet, in dem der Projektmanager seine eigenen persönlichen Ziele erreicht. Ehe Sie jetzt weiter nachdenken, wie Sie höhere Effektivität erzielen können, müssen Sie sich völlig sicher sein, dass Sie das auch wirklich wollen. Dann erst sollten Sie überlegen, was Sie tun können, um effektiver zu werden und wie Sie die Realisierung Ihrer eigenen Pläne sicherstellen. Folgende Fragen sollten Sie beantworten können:

  • Wie effektiv bin ich heute?
  • Was wird die Zukunft verlangen?
  • Was kann ich tun, um effektiver zu werden?

Wie effektiv bin ich heute?

Die nüchterne Betrachtung des eigenen Führungsverhaltens im Hinblick auf die gestellten Ziele sollte Ihren Blick dafür schärfen, ob noch weitere Anstrengungen notwendig sind, die Ziele zu erreichen und welche Möglichkeiten es gibt, über die vereinbarten Ziele hinauszudenken, Initiativen zu ergreifen und Verbesserungen zu realisieren:

  • Welche Ziele habe ich bereits erreicht?
  • Wie weit bin ich noch von anderen Zielen entfernt?
  • Welche neuen Ziele sind hinzugekommen?
  • Welche Ziele sind verändert worden?
  • Welche Gründe sind maßgeblich dafür, dass die Ziele noch nicht erreicht wurden?
  • Was kann ich tun, um die Zielerreichung sicherzustellen?
  • Wo gibt es Verbesserungsnotwendigkeiten? Was sollte angepackt werden?

Nach der Bestandsaufnahme der tatsächlichen Effektivität sollten Sie sich fragen, worin Sie Ihren möglichen Beitrag zur Steigerung der persönlichen Effektivität sehen und wo Sie Chancen für produktive (Er)Neuerungen in Ihrem Verantwortungsbereich sehen.

Was wird die Zukunft verlangen?

Alle effektiven Projektmanager wissen, dass sie, wenn sie ihre Arbeit kontinuierlich gut meistern wollen, nie aufhören dürfen zu lernen. Unabhängig davon, ob ein Unternehmen Pläne zur Förderung seiner Mitarbeiter hat oder nicht oder wie detailliert solche Pläne sind, sollte jeder Projektmanager seinen eigenen Förderungs- und Entwicklungsplan aufstellen. Dann sollte er prüfen, ob er seine persönlichen Ziele in der jetzigen Rolle oder in der zukünftigen erreichen kann und was er tun muss, um diese Ziele zu erreichen.

Man kann seine Zukunft auf sich zukommen lassen, man kann sie aber auch gestalten. Wie ein effektiver Projektmanager sich selbst begreifen muss, wenn er die Zukunft gestalten soll, liegt auf der Hand. Stellen Sie sich selber folgende Fragen:

  • „Bin ich mit meiner gegenwärtigen beruflichen und privaten Situation zufrieden? Welche Gründe sprechen für meine Zufriedenheit bzw. Unzufriedenheit?“
  • „Welche beruflichen und privaten Ziele strebe ich in den nächsten 2, 5 oder 10 Jahren an?“
  • „Was müsste geändert werden, damit meine persönlichen Ziele in den nächsten 2, 5 oder 10 Jahren besser erreichbar sind? Was kann ich selber dazu beitragen?“

Was kann ich tun, um effektiver zu werden?

Wenn Sie sich jetzt entschlossen haben, effektiver zu werden, und wenn feststeht, welche Ziele Sie erreichen wollen, kommt die entscheidende Frage: "Was ist zu tun, um diese Ziele zu erreichen?“ Vielleicht bedarf es

  • einer Veränderung der persönlichen Eigenschaften und des Verhaltens,
  • ein Überdenken und Anpassen des Führungsstils,
  • einer Verbesserung im Umgang mit den Projektbeteiligten.

Vielleicht ist es auch nur die Arbeitsmethodik oder ein besseres Zeitmanagement, vielleicht müssen Sie entscheidungsfreudiger werden und auch mal „nein“ sagen können, vielleicht müssen Sie sich mit anderen Bereichen oder Projekten besser abstimmen oder Sie müssen die Einstellung Ihres Vorgesetzten zu Ihrer Aufgabe besser abstimmen oder sogar ändern. Es gibt sicherlich noch mehr Themen, die berücksichtigt werden sollten, um effektiver zu werden. Nachstehend möchte ich auf ein paar Themen eingehen.

Persönliches Verhalten: Effektive Führung setzt voraus, dass Sie sich als Projektmanager der Anforderungen der Situation bewusst sind und die Angemessenheit des eigenen Verhaltens in Bezug auf die Situationsanforderungen beurteilen können. Selbsterkenntnis ist somit eine wichtige Voraussetzung für effektives Führungsverhalten. Allerdings ist es nicht immer leicht, die im eigenen Verhalten begründeten Voraussetzungen effektiver bzw. ineffektiver Führung objektiv zu erkennen. Im Umgang mit anderen Menschen werden immer die eigenen Grenzen getestet. Je besser Sie diese selber kennen, umso klarer werden diese auch von anderen respektiert. Persönliche Grenzziehung heißt aber nicht, sich im „stillen Kämmerlein“ verstecken. Vielmehr bedeutet es:

  • Eine gesunde Portion Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein zeigen.
  • Respekt vor den eigenen Grenzen haben.
  • Vertrauen in die eigenen Entscheidungen und Standpunkte erreichen.
  • Mut zum „Nein-Sagen“ erlangen.
  • Beherrschung und Überwindung von (meist versteckten) Ängsten lernen.

Die Basis einer authentischen sozialen Kompetenz ist der erfolgreiche Umgang mit sich selber. Nur wenn Sie Ihr Denken und Handeln reflektieren und sich permanent weiterentwickeln, motivieren Sie sich selber, sind aktiv und kreativ. Erfolgreiches Selbstmanagement zieht unweigerlich eine große Gelassenheit und Effektivität mit sich und erzeugt ein positives Lebensgefühl.

Überdenken und Anpassen des Führungsstils: Aller Erfahrung nach werden Sie als Projektmanager mit den unterschiedlichsten Situationen konfrontiert, die den Einsatz verschiedener Führungsstile erfordern. Aller Erfahrung nach haben Sie aber auch gelernt, einen bestimmten Führungsstil bevorzugt einzusetzen und andere zu vernachlässigen. Dies liegt unter anderem daran, weil er Ihrer Persönlichkeit am meisten entspricht, es wenig Gelegenheit bisher gab, andere Stile einzusetzen oder weil bisherige Erfolge andere Führungsstile (scheinbar) es nicht erforderlich machten. Allerdings kann nicht mit Sicherheit damit gerechnet werden, dass das Verhalten von gestern und heute auch die Erfolge von morgen garantiert.

Darüber hinaus gibt es einen sicheren Weg zur Steigerung der Effektivität, nämlich in unterschiedlichen Situationen, die jeweils angemessenen Führungsstile einzusetzen. Insofern kommt es zunächst darauf an, effektive Nebenstile, die ja bereits zum Verhaltensrepertoire gehören, zu verstärken, das heißt, in den entsprechenden Situationen häufiger einzusetzen. Im Weiteren – wenn Erfolgserlebnisse sowie Sicherheit und Selbstvertrauen bei häufigerem Einsatz effektiver Nebenstile zunehmen – kann auch versucht werden, bisher vernachlässigte und ungewohnte effektive Führungsstile in den passenden Situationen zu erproben. Dies wird anfänglich mit Schwierigkeiten und Rück­schlägen verbunden sein, doch im Laufe eines Lernprozesses können Erfahrungen gesammelt werden, die sich in der Zukunft nutzbringend anwenden lassen. Nachstehend ein paar Stellschauben, die in Ihrem persönlichen Einflussbereich liegen:

  • Überdenken Sie noch einmal Ihr Führungsverhalten, Ihre effektiven und weniger effek­tiven Führungsstile. Beziehen Sie Hinweise ein, die Sie von Projektbeteiligten erhalten.
  • Überlegen Sie, in welchen Situationen Sie in Zukunft effektiver sein könnten.
  • Nehmen Sie sich vor, einen effektiven Führungsstil, den Sie bisher vernachlässigt haben, verstärkt in bestimmten Situationen einzusetzen.
  • Nehmen Sie sich ganz bestimmte Situationen vor, in denen Sie diesen effektiven Führungsstil häufiger praktizieren wollen. Beginnen Sie mit Situationen, bei denen Ihnen dies vermutlich leichter fällt.
  • Überlegen Sie sich konkrete Verhaltensweisen, wie Sie diesen effektiven Führungsstil verwirklichen können (zum Beispiel "Beraten" in einem Mitarbeitergespräch).
  • Versuchen Sie das Gleiche für effektive Führungsstile, die Ihnen bisher eher ungewohnt waren.

Umgang mit den Projektbeteiligten: Projektmanager sind eingebunden in organisatorische Strukturen und Abläufe, Kommunikationsnetze externer und interner Art, erhalten Informationen und Anweisungen, geben Informationen und Anweisungen weiter, unterhalten informelle persönliche Kontakte, kurz: die Erzielung von Effektivität scheint ohne Projektbeteiligte undenkbar. Immer sind Projektmitarbeiter, Kunden, externe Partner, Lieferanten beteiligt, Entscheidungen vorzubereiten, zu treffen oder auszuführen. Insofern kommt einer effektiven Zusammenarbeit mit den Projektbeteiligten erhöhte Bedeutung zu. Deshalb sollten Sie Ihre Zusammenarbeit mit diesen Projektbeteiligten einer regelmäßigen Überprüfung unterziehen und geeignete Verbesserungsmaßnahmen treffen:

  • Machen Sie für sich regelmäßig (beispielsweise alle 4 Wochen) eine Bestandsaufnahme Ihrer Zusammenarbeit mit den wichtigen Projektbeteiligten: Wie ist die gegenseitige Information und Abstimmung in der laufenden Arbeit? Wo gibt es Reibungspunkte? Welche Kontakte sollten Sie intensivieren? Mit wem sollten Sie sich mehr auseinandersetzen?
  • Sprechen Sie mit den Projektbeteiligten regelmäßig über Möglichkeiten der Verbesserung der Zusammenarbeit. Nehmen Sie zum Beispiel den Abschluss von Aufgaben, die Abnahme von Ergebnissen, die Qualität von Lieferungen und Beistellungen, die Durchführung von Änderungen zum Anlass, über die weitere Zusammenarbeit zu sprechen.
  • Planen Sie bei Mitarbeiterbesprechungen, Teamsitzungen und Besprechungen mit Kunden eine abschließende Feststellung und Bewertung der erreichten Ergebnisse ein. Sprechen Sie über "Hemmungsfaktoren" und vereinbaren Sie für die nächsten Termine "Spielregeln", die Sie beachten wollen.

Veränderungen bewältigen: Changeprojekte professionell planen und durchführen

70 Prozent aller strategischen Projekte in Unternehmen, bei denen auch ein Kulturwandel angestrebt wird, scheitern. Solche Zahlen liest man in Zeitschriften immer wieder. Hinter ihnen gilt es einige Fragezeichen zu platzieren – nicht nur, weil diese Zahlen in der Regel von Unternehmensberatungen stammen, die sich als Unterstützer bei solchen Projekten anbieten. Hinzu kommt: Die meisten Unternehmen wären schon pleite, wenn so viele Projekte, von denen (teilweise) ihr künftiger Erfolg abhängt, tatsächlich „scheitern“ würden.

Fakt ist aber: Bei vielen Projekten werden die Ziele nicht oder nur teilweise erreicht. Eine Ursache hierfür ist: Beim Planen und Durchführen von Changeprojekten wird häufig nicht ausreichend bedacht, dass sich in der Struktur sowie den Abläufen und Prozessen eines Unternehmens auch dessen Kultur widerspiegelt. Deshalb können diese Faktoren nicht losgelöst voneinander betrachtet und verändert werden. Genau dies wird aber oft (unbewusst) versucht. Das heißt, die Aufmerksamkeit des Managements fokussiert sich auf ein oder zwei der genannten Aspekte, während die anderen vernachlässigt werden. Deshalb hier einige Tipps, worauf Sie beim Planen sowie Durchführen von (Change-)Projekten achten sollten.

Vor dem Start

  • Gibt es eine klar kommunizierte Vision, was mit dem Projekt mittel- und langfristig erreicht werden soll und welche konkreten Erwartungen das Unternehmen hiermit verknüpft?
  • Ist allen direkt oder indirekt betroffenen Personen sowie Bereichen der Organisation deutlich, welche Verantwortung sie für die Veränderung haben? Sind diese Verantwortlichkeiten definiert und schriftlich fixiert?
  • Wurde beim Planen des Projekts die Komplexität der Projektumgebung berücksichtigt? Sind die wichtigsten Abhängigkeiten sowie Risiken erfasst und dokumentiert?
  • Ist das Change Management, also die gezielte Förderung der Einstellungen und Haltungen, die für das Erreichen der Ziele nötig sind, ein integraler Teil der Projektsteuerung und methodisch eng mit dem Projektmanagement verzahnt?
  • Sind die zu erwartenden kulturellen Widerstände bekannt und wurde eine Strategie entwickelt, wie damit umgegangen wird und diese eventuell in Veränderungsenergie umgewandelt werden können?
  • Wurde die Veränderungsfähigkeit und -bereitschaft in der betroffenen Organisationseinheit ermittelt und wurden aus der Ist-Situation bei Bedarf die erforderlichen Fördermaßnahmen abgeleitet?
  • Wurden Change-Agents in der Organisation identifiziert, die die geplanten Veränderungen promoten könnten, und diese proaktiv in das Projekt eingebunden?

Begleitende Maßnahmen

  • Besteht ein Commitment im Top-Management, sich aktiv in das Veränderungsprojekt einzubringen und für dieses zu werben?
  • Wird dieses Commitment vom Top-Management auch vorgelebt (oder wird diese Aufgabe an „Stellvertreter“ delegiert und beschränkt sich auf Verlautbarungen in Newslettern sowie auf Betriebsversammlungen)?
  • Erfolgt die Kommunikation – auch schlechter Nachrichten – rechtzeitig, ehrlich und offen?
  • Sind persönliche Kommunikation mit den Betroffenen sowie ein individuelles Feedback-geben zentrale Bestandteile der Kommunikationsstrategie?
  • Wird in der offiziellen Kommunikationsstrategie auch die informelle Kommunikation, der sogenannte „Flurfunk“, berücksichtigt, und wird versucht, diese aktiv für das Veränderungsvorhaben zu nutzen?
  • Werden die Mitarbeiter aktiv in den Veränderungsprozess (Meinungsbildung und Entscheidungsfindung auf der operativen Ebene) eingebunden oder wird die Einbindung nur verbal „verkündet“?
  • Sind der Projektverlauf und die Arbeit der Projektgruppen für die Betroffenen ausreichend transparent?
  • Werden fachliche Experten eingebunden und wird bei externen Experten der beidseitige Wissenstransfer sichergestellt?
  • Wird der individuelle Nutzen für (fast) alle Beteiligten zumindest den Change-Agents, die eine Multiplikatorenfunktion haben, immer wieder klar kommuniziert?

Erfolgsfaktoren im Prozess/Projekt

  • Existiert in der Organisation ein ausreichendes Bewusstsein für die Herausforderungen, die mit der geplanten Veränderung verbunden sind?
  • Werden mindestens zehn Prozent des Projektbudgets für das eigentliche Change Management, also für das Stimulieren des erforderlichen Bewusstseins- und Einstellungswandels eingesetzt?
  • Ist die Veränderungsenergie in der Organisation ausreichend hoch? Engagiert sich die Unternehmensführung ausreichend (zeitlich und emotional) für die Veränderung? Sucht sie immer wieder den persönlichen Kontakt zur „Basis“?
  • Wurden aus den Basisentscheidungen die erforderlichen Folgeentscheidungen abgeleitet? Werden diese konsequent umgesetzt?
  • Gibt es einen in sich schlüssigen Plan für das Vorgehen? Sind alle Mit-Verantwortlichen ausreichend über die Projekt-Architektur informiert?
  • Sieht die Architektur ausreichend Gelegenheiten zur Reflexion vor? Existiert zum Beispiel eine Resonanzgruppe, die die teils verschiedenen Interessen sowie Sichtweisen der Realität im Unternehmen widerspiegelt und zeitnah eine Rückmeldung über die aktuelle Stimmung gibt?
  • Werden Zielabweichungen sowie (unvorhergesehene) Risiken, aus denen Probleme erwachsen könnten, rechtzeitig und systematisch erfasst und fließen diese in die weitere Maßnahmenplanung ein?
  • Werden alle Beteiligten über notwendige Veränderungen der Ziele im Laufe des Prozesses sowie Veränderungen des Vorgehens ausreichend informiert?
  • Erfolgt eine regelmäßige Information darüber, was bereits erreicht wurde und was es noch zu erreichen gilt?
  • Und „last but not least“: Werden (Teil-)Erfolge auch mal gefeiert, um die Veränderungsenergie hoch zu halten?

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VoIP 1X1: Grundlagen – Hintergründe – Einsatzbereiche

Vor allem der Breitband-Boom macht Voice over IP (Voice over Internet Protocol) zunehmend unternehmensfähig. So hat Deutschland mit knapp über 12 Millionen Breitbandanschlüssen im zweiten Quartal 2006 den fünften Platz unter den weltweit führenden Breitbandnationen eingenommen. Nahezu alle Großunternehmen (99 Prozent) sind bereits an das Breitbandnetz angeschlossen. Jedoch hinken kleine und mittlere Unternehmen (KMU) mit ungefähr 55 Prozent noch deutlich hinterher.

Kleine Einführung VoIP für Unternehmen

Das Prinzip von VoIP ist ganz einfach: Im Gegensatz zum klassischen Gespräch, für das über das Festnetz eine eigene Leitung genutzt wird, werden bei VoIP die Sprachinformationen in digitale Signale umgewandelt und dann als kleine Informationspakete auf nicht festgelegten Wegen über Internet, LAN* (Local Area Network) oder WAN* (Wide Area Network) verschickt. Beim Gesprächspartner werden die Pakete zusammengefügt und wieder in normale Sprache umgewandelt.

Noch vor nicht langer Zeit brachen Gespräche via Internet mittendrin ab, hatten eine schlechte Tonqualität und klangen wie aus der Dose. Dank DSL und Co. ist das jetzt anders. Für Unternehmen gilt jedoch nach wie vor: So reizvoll es auch ist – die TK-Anlage lässt sich nicht einfach durch das Telefonieren über den Internet-Anschluss ersetzen. Denn „VoIP-für-Jedermann“ ist dort, wo das Telefon auch für geschäftskritische Prozesse eingesetzt wird, nicht geeignet. Wichtigster Grund dafür ist die mangelnde Sicherheit vor möglichen Lauschern und auch die aktuell aufkommende „Spam-over-Internet-Telefonie“. Zudem stehen eine nicht garantierte Qualität und Verfügbarkeit auf der Minusliste.

Auf jeden Fall sinnvoll und risikoärmer ist der Einsatz von VoIP intern im Unternehmensnetzwerk oder zwischen mehreren Standorten. So kann zum Beispiel über ein MPLS-Backbone (MPLS = Multi Protocol Label Switching) ein geschütztes virtuelles privates Netzwerk (VPN) aufgebaut werden. Ist solch eine Sprach-Daten-Vernetzung zwischen verschiedenen Locations oder eine Hosted-Lösung geplant, empfiehlt es sich, die Serviceklassen der verwendeten MPLS-Netze zu überprüfen. Mit ihrer Hilfe ist die Priorisierung von Datenpaketen möglich und Sprachdaten kann höchste Priorität eingeräumt werden. Verschiedene Techniken des „Quality of Service“ (QoS) oder „Class of Service“ (CoS) sorgen dafür, dass die Verbindungen und die Sprachqualität stets stabil und einwandfrei sind.

Kosteneinsparung in mehrfacher Hinsicht

Ersparnis Nummer eins: Mit VoIP gibt es nur noch ein Netz für Sprache und Daten. Die einheitliche Infrastruktur macht sich in puncto Kosten vor allem bei Neuinstallationen und der Wartung bemerkbar. Kein Wunder, dass Kosteneinsparungen laut einer aktuellen Berlecon-Studie mit Abstand der wichtigste Entscheidungsfaktor für die VoIP-Technologie sind.

Positiv wirkt sich auch aus, dass weitverbreitete VoIP-Standards (beispielsweise SIP oder H.323) auf offenen Protokollen und nicht auf proprietären, also urheberrechtlich geschützten Spezifikationen basieren. So können Komponenten unterschiedlicher Anbieter in einem System verwendet werden.

Außerdem fallen für interne Gespräche zwischen Niederlassungen unterschiedlicher Regionen oder Länder keine Gesprächskosten an. Vor allem bei Auslandstelefonaten kann viel gespart werden. Des Weiteren können sich Home-Office-Mitarbeiter praktisch zum Nulltarif ins Firmennetz einwählen. Bezahlt werden müssen derzeit Anrufe aus einem IP-Netz ins Fest- und Mobilfunknetz. Neben kostenfreien Anrufen zu Kunden desselben Anbieters bieten zunehmend mehr Carrier eine unentgeltliche Zusammenschaltung der Netze an.

Applikationen mit Mehrwert

Aber nicht nur der Kostenaspekt ist beim Wechsel zu VoIP ausschlaggebend. Wettbewerbsvorteile lassen sich dann erzielen, wenn die entstandene Kosten- und Zeitersparnis den Kunden zugutekommt, der Service verbessert wird und die Investitionen in bestehende Technologien optimiert werden. Außerdem entstehen mit VoIP neue Applikationen, die die Produktivität steigern, höhere Kundenzufriedenheit schaffen und letztlich einen wirklichen Mehrwert bringen. So bilden IP-Telefonie und die Datenwelt ein perfektes Doppel. Denn die Telefonie lässt sich einfach in andere Anwendungen, wie Microsoft Outlook, CRM-, Vertriebs- oder andere Systeme, integrieren.

VoIP-Tools auf einen Blick:

Zentrale Verwaltung: Jederzeit können neue Benutzer hinzugefügt und vorhandene, ganz gleich, wo sie sich befinden, administriert werden.

Einheitliche Rufnummer: Jeder Mitarbeiter ist immer unter seiner persönlichen Rufnummer erreichbar. Nur der Zugang zum Firmennetz über eine gesicherte VPN-Leitung ist notwendig. Die langwierige Suche nach dem Kollegen gehört so der Vergangenheit an.

Präsenzmanagement: Sobald sich ein Mitarbeiter ins Firmennetz einloggt, wird sein Erreichbarkeitsstatus auf „verfügbar“ gesetzt. Kollegen bekommen dies dann in ihrem elektronischen Telefonbuch angezeigt. Externe Anrufer werden direkt durchgestellt. Der Mitarbeiter kann seinen Status selbst ändern. Nimmt er an einem Meeting teil, stellt er seinen Status z. B. auf „nicht stören“. Ankommende Anrufe werden auf einen Anrufbeantworter oder Kollegen umgeleitet.

Kopplung von Sprach- und Datenkommunikation: Ruft ein Kunde an, zu dem bereits ein Datensatz existiert, wird dieser dem Mitarbeiter sofort auf den Bildschirm geschickt. Dadurch hat jeder Mitarbeiter die nötigen Informationen präsent und kann den Kunden kompetent betreuen.

Kundenbeziehungsmanagement: Mit VoIP ist es möglich, alle Kommunikationskanäle in das Kundenbeziehungsmanagement einzubeziehen.

Unified Messaging: Nachrichten, die ein Anrufer auf einer Mailbox hinterlässt, können in Form einer E-Mail, SMS oder als komplette Voice-E-Mail an den beabsichtigten Empfänger weitergeleitet werden.

Callcenter: Mit VoIP sind der Aufbau und der Betrieb von Callcentern wesentlich einfacher, denn der Infrastrukturbedarf wird durch die Intelligenz des Netzwerkes ersetzt. Kapazitäten können nach Bedarf zu- und abgeschaltet werden. Sie müssen nicht einmal physisch am gleichen Ort angesiedelt sein.

Weiterer Pluspunkt: IP-Telefonanlagen passen sich dem Unternehmen an. Die Systeme sind extrem flexibel und wachsen mit. Aufgrund des Softwarekonzepts können sie einfach mit neuen Funktionen erweitert werden.

Voraussetzungen für VoIP

Bei so vielen Vorteilen stellt sich die Frage nach den Voraussetzungen für die Umstellung auf VoIP. Damit ein Unternehmen maximal davon profitiert, muss es seine spezifischen Anforderungen an die Telekommunikation definieren und daraus eine eigene Strategie entwickeln. Vor dem Hintergrund ohnehin stetig sinkender Telekommunikationskosten, liegt der Vorteil von VoIP eher darin, dass nur noch ein Netz gewartet werden muss.

Die Kosten variieren jedoch sehr stark mit der gewählten VoIP-Lösung: Während bei Inhouse-Lösungen hohe Anfangsinvestitionen in die Hardware anfallen, können durch VoIP-Outsourcing diese Investitionskosten stark reduziert werden. Außerdem gilt es zu bedenken, dass die Übertragung von Sprachdatenpaketen hohe Anforderungen an die Netzwerke hinsichtlich der Quality of Services (QoS) stellt, um Ausfallsicherheit und Sprachqualität in gewohntem Maße zu gewährleisten.

Entsprechend muss auch das unternehmenseigene Datennetzwerk begutachtet und eventuell gemäß den neuen Anforderungen angepasst werden. Nutzen mehrere Unternehmensstandorte eine gemeinsame VoIP-Anlage, muss das VPN ebenfalls den Anforderungen genügen.

Dieser Artikel wurde von der nextbusiness-IT [91] Redaktion erstellt. „nextbusiness-IT – Exzellenz im Mittelstand“ ist eine bundesweite Leitthemenkampagne für den Mittelstand, die unter anderem die „Bibliothek des modernen IT-Wissens“ für den Mittelstand herausgibt. Diese Bibliothek können Sie hier kostenlos anfordern. [92]

[Bild: phecsone - Fotolia.com]

Effiziente Besprechung: Wie Meetings nicht nur Zeit verschwenden

Sind Sie einsam? Hört Ihnen niemand zu? Brauchen Sie Freunde?  Möchten Sie Kaffee trinken und gepflegten Small-Talk führen? Haben Sie sonst nichts Wichtiges zu tun? Dann besuchen Sie ein Meeting! Für viele Mitarbeiter die bessere Art auf legale Weise seine bezahlte Arbeitszeit zu verschwenden.

Warum Meetings so wichtig sind

Meetings dienen offiziell dem Informationsaustausch, der Lösungssuche und der Entscheidungsfindung. Erfahrene Besprechungsbesucher wissen schon längst, dass Meetings oft uneffektiv verlaufen.

Trotzdem schätzen sie diese Zusammenkünfte aus anderen Gründen: Sie frischen alte Kontakte auf und pflegen wichtige Beziehungen zu Entscheidungsträgern. Einige Führungskräfte nutzen Meetings gern zum informellen Austausch und als Stimmungsbarometer für Themen, die das Unternehmen bewegen.

Manche Mitarbeiter haben Meetings als Bühne für ihre Selbstdarstellung entdeckt und erhoffen sich durch glänzende Beiträge ihre Karrierechancen zu verbessern. – Welche Gründe haben Sie, ein Meeting zu besuchen? Gibt es außer der Lösungssuche und Entscheidungsfindung eine andere Zielsetzung, die Sie in einem Meeting verfolgen können, damit es sich für Sie lohnt, dabei zu sein?

Warum so viele Meetings scheitern

Die Gründe, warum Meetings scheitern, sind zahlreich: Unter dem Motto: „Da müssen wir jetzt mal etwas machen“ sitzen willkürlich zusammengerufene Mitarbeiter an einem Tisch, ohne eigentliche Zielsetzung und Agenda. Es wird kein Zeitrahmen festgelegt, nichts visualisiert. Die Sitzungen dauern zu lange und haben kein Ergebnis. Vielredner werden nicht gebremst und Besprechungsleiter greifen nicht ein. Niemand fühlt sich verantwortlich und alle stöhnen nur und klagen über die vertane Zeit.

Manchmal weiß der Chef vorher schon, welches Ergebnis erreicht werden soll und wundert sich, warum die Mitarbeiter nicht so wollen, wie sei eigentlich sollten. – Welchen Beitrag haben Sie bereits geleistet, damit Meetings scheitern? Was müsste sein, damit Sie hinterher nicht sagen: „Das Meeting hätte ich mir sparen können“? Haben Sie die Macht und die Position, etwas an der Besprechungskultur zu ändern? Mit wem müssten Sie sich verbünden? Und auf welche Argumente wird man hören, um die Besprechungsführung zu verbessern?

Wann Sie auf Meetings verzichten sollten

Nicht immer ist eine Besprechung das ideale Mittel, um Probleme zu lösen und Entscheidungen zu treffen. Vieles lässt sich auf dem „kleinen“ Dienstweg erledigen oder im vertraulichen Gespräch mit den zuständigen Entscheidungsträgern.  – Müssen Sie bei jedem Meeting dabei sein? Was passiert, wenn Sie fehlen oder Ihre Zeit auf ein sinnvolles Maß begrenzen und danach die Besprechung verlassen? Müssen Sie zwangsweise dabei sein zu Themen, die Sie nicht interessieren? – Vielleicht können Sie diese sinnlose Zeit sinnvoll nutzen, indem Sie schon einmal während des Meetings unauffällig die Arbeiten machen, die eh auf Sie später im Büro warten werden.  Vielleicht finden Sie während der Besprechung auch jemanden, an den Sie diese Arbeiten delegieren können.

Welche Regeln sind sinnvoll?

Sollten Sie Wert auf effiziente Besprechungen legen, können Ihnen folgende Regeln helfen, die Besprechung kurz und bündig zum Erfolg zu führen:

  • Berufen Sie kein Meeting ein ohne konkrete Zielsetzung und Agenda.
  • Sprechen Sie die Themen und Vorgehensweisen vorher mit den internen Auftraggebern und Entscheidungsträgern ab, damit später keine bösen Überraschungen entstehen.
  • Laden Sie nur Teilnehmer ein, die etwas zu den Themen beizutragen haben.
  • Benennen Sie für jeden Tagesordnungspunkt einen Verantwortlichen und geben Sie vorher das Besprechungsziel und den Zeitbedarf an und verteilen Sie die Tagesordnung spätestens 3 Tage vor der Sitzung.
  • Erscheinen Sie pünktlich und vorbereitet zur Sitzung.
  • Schalten Sie die Handys ab und lassen Sie keine Störungen von außen zu.
  • Legen Sie einen Zeitrahmen fest und halten Sie sich daran.
  • Schließen Sie jeden Besprechungspunkt mit einem Ergebnis ab: mit einer Entscheidung oder Maßnahme.
  • Halten Sie die Ergebnisse sofort schriftlich fest. Vertagen Sie, wenn nötig, ein Thema, begrenzen Sie die Redezeit oder nehmen einen Wechsel in der Leitung vor.
  • Machen Sie spätestens nach 60 bis 90 Minuten eine Pause  und legen Sie bei mehr als 6 Teilnehmern wichtige Kommunikationsregeln fest.

Wie lauten die wichtigsten Kommunikationsregeln?

Eine Schafherde, die aufgescheucht und verwirrt durch die Gegend rennt, muss von den Schäferhunden diszipliniert werden. In Besprechungen geschieht dies gewöhnlich durch das Aufstellen und Einhalten bestimmter Regeln, an die sich alle zu halten haben. Da alle Besprechungsteilnehmer meinen, sie wären gleichberechtigt, hat es sich in der Praxis als hilfreich erwiesen, wenn Sie diese Regeln vorher gemeinsam „basisdemokratisch“ festlegen und für alle sichtbar zum Beispiel auf einem Flip-Chart festhalten:

  1. Wir lassen ausreden und hören zu. 
  2. Jeder Beitrag ist wichtig.
  3. Wir bringen die Gedanken auf den Punkt und halten uns kurz.
  4. Wir diskutieren offen ohne persönliche Angriffe.

Sollten dann die alten Meeting-Gewohnheiten wieder ausbrechen, können Sie als Besprechungsteilnehmer freundlich auf die Regeln hinweisen, um auf eine Disziplinierung hinzuwirken.

Besprechungsleitung ohne Macht?

Sofern Sie als Vorgesetzter eine Besprechung führen, ist aufgrund Ihrer Machtposition eine straffe Sitzungsleitung in der Regel möglich. Sollten Sie als Kollege mit den Mitarbeitern ein Meeting durchführen, an dem auch Ihr Chef anwesend ist, müssen Sie mit dem Eingreifen des Chefs rechnen, der eventuell eine andere Vorstellung vom Ablauf der Besprechung hat. Hier gilt es, den Chef diplomatisch zu bremsen und vorher wichtige Absprachen zu treffen: Wie lautet der allgemeine beziehungsweise der verdeckte Auftrag? Bei welchen Punkten ist mit Konflikten und Widerständen zu rechnen? Welche vorbereitenden informellen Gespräche sollten vor der Besprechung mit wichtigen Teilnehmern geführt werden? – Sichern Sie sich vorher die Macht, bevor Sie sie brauchen!

Auf welche Kampfphasen sollten Sie vorbereitet sein?

Eine Besprechung durchläuft verschiedene Kampfphasen. In der sogenannten „Testphase“ suchen die Teilnehmer zunächst ihre eigene Rolle, möchten eine Orientierung haben und wirken gespannt und beobachtend. Hier ist es wichtig, ein Kennenlernen zu ermöglichen (sofern die Teilnehmer unbekannt sind), weitere Informationen zu geben und die Rahmenbedingungen zu klären.

In der darauffolgenden „Nahkampf-Phase“ kommt es zu unterschwelligen Konflikten und Machtkämpfen. Eine informelle Hackordnung wird in der Gruppe festgelegt und dominante Mitglieder bilden Untergruppen und Cliquen. Hier gilt es, die auftretenden Konflikte souverän zu moderieren und Konflikt als wichtige Klärungsprozesse zu begrüßen.

In der „Organisations-Phase“  werden die Rollen und Spielregeln geklärt und die Teilnehmer wissen, was sie voneinander zu erwarten haben.

In der dann folgenden „Verschmelzungs-Phase“ hat sich das Team gefunden und kann beginnen, produktiv zu werden. – Bei jeder Besprechung sollten Sie auf diese Phasen vorbereitet sein und hierfür genügend Zeit einplanen!

Wie Sie andere taktvoll bremsen

Eine Besprechung wird oft gestört durch Vielredner, die eine Besprechung als Bühne der Selbstdarstellung entdeckt haben und darüber froh sind, endlich jemanden gefunden zu haben, der ihnen zuhören muss.

Unterstützen Sie diesen Versuch bitte nicht durch bestätigenden Blickkontakt! Treffen Sie stattdessen in drei Schritten eine zielführende Vereinbarung – Streicheln Sie vorher, bevor Sie zurück schlagen, indem Sie zunächst sagen, dass der Betreffende gerade einen wichtigen Punkt angesprochen hat und fragen Sie ihn, ob es in Ordnung ist, diesen wichtigen Punkt in der Gruppe zu besprechen. Nicken Sie dabei schon einmal einladend mit dem Kopf und leiten Sie dann an einen anderen Gesprächsteilnehmer weiter. Sollte der Vielredner damit nicht einverstanden sein, fragen Sie ihn, welchen Vorschlag er auch im Interesse der anderen Teilnehmer hätte.

Sofern sich sein Vorschlag als nicht zielführend erweisen sollte, fragen Sie einfach die anderen Anwesenden nach weiteren Vorschläge und suchen Sie sich einen Redner heraus, der offenbar eine andere Meinung vertritt. Wenn nötig, verweisen Sie auf die am Anfang der Besprechung festgelegten Spielregeln und halten Sie den genannten Punkt des Vielredners auf einem Flip-Chart fest, damit er für die weitere Diskussion nicht verloren geht. Als Notbremse können Sie immer noch die Redezeit auf 30 Sekunden pro Beitrag begrenzen.

Wie Sie mit Einwenden umgehen

Einwände zeigen immer, dass es die Diskussionsteilnehmer ernst meinen und sie in der Sache engagiert sind. Sollten keine Einwände kommen, ist etwas schief gelaufen!

Einwände entkräften Sie am besten, indem Sie den Ball zunächst einmal mit einer Gegenfrage zurück werfen: Wie meinen Sie das? – Sobald Sie meinen, den Einwand richtig verstanden zu haben, wiederholen Sie das Gesagte noch einmal mit eigenen Worten, um Missverständnisse zu vermeiden: „Habe ich Sie richtig verstanden, dass Sie … ?“ – Erst wenn sich Ihr Gesprächspartner aus seiner Sicht richtig verstanden fühlt, können Sie darauf angemessen reagieren ohne die Situation unnötig zu verschärfen. „Welchen Lösungsvorschlag haben Sie?“ Dabei können Sie Ihre Bedenken auch in eine Frage umwandeln: „Und wie würden Sie vorgehen, wenn sich dabei folgendes Problem ergibt …?“

Besprechungen leiten oder moderieren?

Nehmen Sie als Besprechungsleiter nichts persönlich, sondern schlüpfen Sie in die Rolle eines Moderators: Sie halten Ihre eigene Meinung zurück und kämpfen nicht gegen, sondern mit der Gruppe. Versuchen Sie nicht die angesprochenen Probleme selber zu lösen, sondern nutzen Sie das Potenzial der Gruppe, um den Prozess voran zu bringen. Sammeln Sie zunächst alle wichtigen Aspekte, gewichten Sie die Themen, finden Sie Lösungswege und bewerten Sie dann die Lösungsalternativen, um daraus geeignete Maßnahmen abzuleiten.

Was gilt für die Nachbereitung?

Fertigen Sie ein Ergebnisprotokoll an, indem Sie namentlich benennen, wer was bis wann zu tun hat. Spätestens drei Tage nach der Sitzung erhält jeder Teilnehmer das Protokoll und verpflichtet sich, die Aufgaben konsequent und termingerecht zu erledigen. Sofern eine Aufgabe erledigt ist, erhält der für das Thema Verantwortliche (zum Beispiel die Führungskraft) eine kurze Rückmeldung.

Kann die Aufgabe nicht erledigt werden, sollte derjenige, die die Aufgabe übernommen hat, eine Lösung finden. Ist dies nicht möglich, erhält der Themenverantwortliche hierüber unmittelbar eine Information mit der Bitte um Problemlösung.

Fazit

Auch aus scheinbar langweilen und sinnlosen Besprechungen lässt sich noch etwas machen. Nutzen Sie Besprechungen nicht nur zur Problemlösung, sondern auch als sozialen Event. Vielleicht ergeben sich aus daraus ungeahnte Karrierechancen.

[Bild: pressmaster - Fotolia.com]

Wissensengel: Einzelne Mitarbeiter helfen dem ganzen Unternehmen

Die zentrale Fähigkeit in wissensintensiven Dienstleistungsunternehmen ist Kreativität. Die Fraunhofer-ISI-Forscher vermuten in diesen Firmen besonders kreative Einzelpersonen, die eine zentrale Rolle bei der Entwicklung von Innovationen spielen und für ihre Kollegen "Wissenskatalysatoren" sind: Sie überführen ihre individuelle Talente in Nutzen für die ganze Firma.

Stichwort

Die Wissensengel "spüren" Entwicklungen vor den anderen Menschen und können sie so eher verwendbar machen. Eine Eigenschaft der Knowledge Angels ist, dass sie häufig in einer beratenden und einflussreichen Position - sowohl unternehmensintern wie auch im externen Umfeld - tätig sind und ihre Fähigkeiten bei Wettbewerbern oder Partnern wirken lassen. Diese Position gibt ihnen auch eine gewisse Unabhängigkeit und Raum für Gestaltungsmöglichkeiten - ihre Freiheit und Selbstverwirklichung ist ihnen oft sehr wichtig und essenziell für ihre Motivation.

Die Wissenschaftler haben fünf Dimensionen analysiert, die für die Entwicklung und Identifikation der Wissensengel wichtig sind:

  1. Sie haben ein hohes Bildungs- und Qualifikationsniveau sowie eine solide und breit gefächerte Berufserfahrung. Zumeist sind sie im Management tätig - aber mit Interesse am operativen Geschäft.
  2. Im Hinblick auf ihr regionales Umfeld sind sie mit dem Unternehmensstandort zufrieden und fühlen sich mit der Umgebung verbunden.
  3. Sie nutzen Netzwerke und vielfältige Methoden des Wissenszugangs, unter anderem durch Erfahrungsaustausch mit externen Partnern, in gemischten Teams, durch wissenschaftliche Arbeiten und Qualifizierungsmaßnahmen. Das über externe Kanäle erlangte Wissen nutzen sie für ihre firmeninterne Arbeit.
  4. Bei Problemen haben Wissensengel, das Gespür dafür, genau die richtigen Personen zusammenzubringen, um gemeinsam zu einer Lösung zu kommen.
  5. Die Unternehmen in denen Knowledge Angels arbeiten, sind oft hoch spezialisiert oder bieten Nischenlösungen. Wichtig sind den Wissensträgern stetig wechselnde Aufgaben, zudem streben sie neben dem Wachstum auch Kundenzufriedenheit an. Generell identifizieren sie sich stark mit ihrem Unternehmen und seinen Zielen.

Die Wissenschaftler des Fraunhofer ISI stellten zusammen mit ihren internationalen Forschungspartnern in Gesprächen mit potenziellen Wissensengeln in Deutschland, Frankreich, China, Spanien und Kanada fest, dass es sich zumeist um Menschen mit hoher (Selbst-)Motivation, autodidaktischer Lernkapazität, Ambitionen, Flexibilität und Kommunikationsgeschick handelt, die schnell auf Veränderungen reagieren können. Basierend auf ihrer Kreativität, ihrer Erfahrung und ihrem vertieften Wissen über Märkte, Wettbewerber und Herausforderungen sind die fähig, Visionen für die zukünftige Entwicklung ihrer Firma zu entwickeln.

Knowledge Angels identifizieren und richtig einsetzen

Die Fähigkeiten einzelner Mitarbeiter, Visionen für die zukünftige Entwicklung ihrer Firma zu entwickeln, gilt es für alle zu nutzen: Unternehmen sollten mögliche Knowledge Angels identifizieren und ihnen die Chance geben, entsprechend ihrer Persönlichkeit zu wirken. Denn zusätzlich zu ihrer Fähigkeit, Entwicklungen vor anderen zu spüren, brauchen sie eine Position, die ihnen nach innen und außen die Möglichkeit gibt, ihre Ideen, Strategien und Visionen zu realisieren. Sie unterstützen gern andere Menschen - und nützen so mit ihren individuellen Talenten der ganzen Firma.

Hinweis

Das Arbeitspapier steht hier als Download-Datei zur Verfügung:

"Entering the KIBS' black box: There must be an angel! (or is there something like a knowledge angel?)" [93]

[po; Quelle: Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI; Bild: KonstantinosKokkinis - Fotolia.com]

Herausforderung: Überblick und Synergien beim Multiprojektmanagement

„Noch allzu selten werden Projekte in der Umsetzung hinterfragt, ob sie sich noch auf dem richtigen strategischen Weg befinden. Änderungen in der Priorisierung durch die Geschäftsleitung führen noch selten zur Refokusierung und/oder zum Abbruch eines Vorhabens.“

Das schreibt Martin R. Sedlmayer, der das Multiprojektmanagement bei der schweizerischen Mobiliar Versicherungsgesellschaft aufbaute, und verweist damit auf Verbesserungspotenziale, die er in seinem Unternehmen noch sieht.

[Quelle:  Gero Lomnitz, Multiprojektmanagement]

Nachdem die Unternehmen in den letzten Jahren gelernt haben, dass Projektmanagement eine Organisationsform ist, um neue oder besonders komplexe Aufgaben zu bewältigen, haben sie ihre Mitarbeiter im Projektmanagement geschult. Das sollte sicherstellen, dass sie Projekte richtig, das heißt effizient machen.

Doch je mehr Projekte die Unternehmen angestoßen haben, desto drängender wurde die Frage nach der Effektivität: Machen sie überhaupt die richtigen Projekte?

Multiprojektmanagement als weitergehende Organisationsform in den Unternehmen

Wer seine vielen Projekte aufeinander abstimmen will, braucht das so genannte Multiprojektmanagement. Es ist schon deshalb wichtig, weil unterschiedliche Projekte um knappe Ressourcen streiten. Mitarbeiter in Schlüsselpositionen müssen sich oft in mehrere Projekten einbringen – neben ihrer eigentlichen Arbeit im Unternehmen. Sie werden dann schnell zum Engpassfaktor.

Genauso wie der Personaleinsatz sollten auch die Ziele unterschiedlicher Projekte richtig aufeinander abgestimmt sein. Im besten Fall orientieren sich an der Strategie des Unternehmens. Im Rahmen des Multiprojektmanagements wird geprüft, ob die einzelnen Projekt-Ziele zur Unternehmensstrategie passen und ob die Projekte noch auf Kurs sind.

Stichwort

Multiprojektmanagement bedeutet die gleichzeitige Koordination und Steuerung mehrerer Projekte. Insbesondere werden dabei Ziele von Projekten aufeinander abgestimmt, Synergien analysiert und genutzt und notwendige Ressourcen projektübergreifend eingeplant. Außerdem sollen Erfahrungen und Projekt-Know-how zusammen geführt und genutzt werden.

Große Unternehmen richten für ihr Multiprojektmanagement so genannte Projekt-Büros (Project Office) ein. So wird das Multiprojektmanagement organisatorisch verankert.

Synonyme sind: Programmmanagement, Mehrprojektmanagement, Meta-Projektmanagement, Projekt-Portfoliomanagement

[Quellen: Wikipedia [94] , Projekt-Magazin [95] ]

Projekte in Portfolios managen

Für die strategische Projektplanung werden Projekt-Portfolios erstellt. Sie bilden die Projektlandschaft eines Unternehmens ab und sollen eine bessere Übersicht über das Projekt-Un-Wesen geben. Das Projekt-Portfolio-Management hat unter anderem folgende Aufgaben:

  • den Einsatz knapper Ressourcen planen und die Projekte damit versorgen, ohne dass Konkurrenz den Projekten schadet;
  • bei der Menge und Vielfalt an Projekten einen Überblick schaffen;
  • bei der Auswahl der richtigen Projekte unterstützen;
  • klare Prioritäten setzen, die auch verstanden und akzeptiert werden;
  • ein strategisches Projekt-Controlling durchführen und helfen, dass unwichtig gewordene Projekte rechtzeitig abgebrochen werden.

Hinweis

Isabelle Royer von der Universität Paris Dauphine beschreibt die Rolle und Aufgaben des Exit Champions. Dieser hinterfragt Projekte und ihre Ergebnisse laufend und muss dafür sorgen, dass Projekte, die nicht den gewünschten Erfolg versprechen, auch abgebrochen werden. Das erfordert die richtige organisatorische Einbindung des Exit Champions, aber auch hohe Reputation im Unternehmen und ein besonderes Maß an Durchsetzungskraft.

Das gesamte Dossier zum Herunterladen und Ausdrucken

Veränderungsprozesse: Wie Coaching sinnvoll Change-Vorhaben unterstützt

Warum ist Coaching eine Bereicherung in Veränderungsvorhaben? Als modernes Beratungs- und Führungsinstrument kann Coaching in Change-Prozessen eingesetzt werden, um die Hauptbetroffenen der Veränderung zu mehr Eigenverantwortung zu führen. Coaching ist immer auch ein unterstützendes Befähigen der Klienten, ihre eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen zu erweitern und damit Veränderungsprozesse erfolgreicher zu bewältigen.

Veränderungsvorhaben durchlaufen oft mehr oder weniger schnell und vollständig die folgenden vier Phasen:

  1. Schock / Widerstand,
  2. Resignation / Akzeptanz,
  3. Erkundung / Gestaltung sowie
  4. Zustimmung / Ausrichtung.

In jeder dieser Phasen haben Betroffene bestimmte Bedürfnisse und Motive, die durch geeignete Coachingmethoden konstruktiv genutzt werden können. Im Folgenden wird dieser Prozess näher erläutert. Hinweis: Wenn hier von „dem Klienten“ die Rede ist, kann es sich auch a) um eine Klientin und b) um eine Gruppe von Klienten, zum Beispiel ein Team von Anwendern, handeln, die eine Veränderung durchlaufen.

Erste Phase: Ablehnung

Menschen reagieren zunächst auf Veränderungen oft mit Ablehnung und Schock. Hier gilt es, für Coaches Mitgefühl zu zeigen und verständnisvoll auf die Betroffenen einzugehen.

Mithilfe der Übung „Stabile Zonen“ (von Dr. Roswita Königswieser) können beispielsweise jene Aspekte im Arbeitsalltag des Klienten hervorgehoben werden, die vorerst bleiben sollen und eine hilfreiche, stützende Wirkung haben. In dieser Übung geht es darum, gemeinsam herauszuarbeiten, welche stabile Zonen der Klient hat (seien es Ideen, Plätze, Fähigkeiten oder ähnliches) und welche positive Wirkung diese auf die eigene Arbeit haben.

Um die Notwendigkeit der Veränderung besser nachzuvollziehen, kann der Coach mit seinem Klienten einen bewussten Perspektivwechsel einleiten (zum Beispiel durch ein Rollenspiel mit verschiedenen Positionen). Hierbei geht es darum, dass der Klient seine Umwelt und sich durch die Augen der anderen an der Veränderung beteiligten Personen und Gruppen wahrnimmt. Diese können beispielsweise der Change-Initiator oder der Veränderungs-Sponsor sein. Häufig haben Klienten an diesem Punkt Schlüsselerlebnisse und ihre Einsicht in die Notwendigkeit der Veränderung nimmt zu.

Ein zirkulärer Interviewstil hilft dem Klienten, eine bewusste Sicht „von außen“ einzunehmen und damit weitere Erkenntnisse über den Rahmen der Veränderung zu gewinnen. Eine typische zirkuläre Frage hierbei wäre: „Angenommen, Sie (als Person A) wären eine andere Person (B) in Ihrem Arbeitsfeld und Sie schauen auf sich (also Person A) und die anderen an der Veränderung Beteiligten aus der Vogelperspektive. Wie würden Sie die Kommunikation der handelnden Personen bewerten? Was würden Sie empfehlen?“

Mithilfe des „Inneren Teams“ (nach Schulz von Thun) können die verschiedenen positiven und negativen Stimmen im Innenleben des Klienten identifiziert und ihnen jeweils Ausdruck gegeben werden. Hierzu nimmt der Coach mit dem Klienten zunächst die vielen inneren Stimmen auf. Im zweiten Schritt agiert der Klient, behutsam angeleitet durch den Coach, in einem Rollenspiel jeweils als eine der benannten Stimmen in der Ich-Perspektive und reflektiert dies anschließend von einer Metaposition aus. Dieses Rollenspiel ermöglicht es dem Klienten in der Regel sehr gut, die Unterschiede der eigenen Motive zur Veränderung in sich wahrzunehmen und einen Ausgleich zwischen diesen herbeizuführen.

Im Vorfeld dieser Übungen ist es sinnvoll, gemeinsam eine Stakholderanalyse durchzuführen, um die an der Veränderung beteiligten Personen und Gruppen zu erfassen.

Zweite Phase: Akzeptanz

Ist der erste Schock bei den Anwendern abgeklungen, werden in ihnen oft Gefühle der Resignation und erster Akzeptanz für die Notwendigkeit der Veränderung geweckt. Kompetente Coaches reagieren hierauf mit einer ausgewogenen Bestandsaufnahme der Situation und steuern die emotionale Beteiligung der Anwender in konstruktiver Weise. Es gilt insbesondere, die Stärken des Klienten hervorzuheben und die vorhandenen positiven Aspekte wertzuschätzen.

Diese Anerkennung kann mithilfe einer „wertschätzenden Befragung“ (Appreciative Inquiry) konstruktiv genutzt werden. Bei dieser Übung werden vier Stufen durchlaufen (in Klammer die jeweilige Kernfrage):

  1. Entdecken und Verstehen (Was funktioniert aktuell gut, was wollen wir bewahren?),
  2. Zukunft erträumen (Wie sähe es aus, wenn die Veränderung ideal abläuft?),
  3. Gestalten (Wenn man rückwirkend auf die Veränderung blickt, was ist passiert und gestaltet worden?),
  4. Verwirklichen (Was können wir hier und jetzt tun, um die Veränderung möglich zu machen?)

Mit dem „Lebensrad“ (nach L. Whitworth) oder den „Säulen der Identität“ (nach H. G. Petzold) kann eine Beschreibung der aktuellen Situation des Klienten umfassend durchgeführt werden. Ein Coach muss hierzu lediglich die Rubriken der beiden genannten Methoden an die jeweilige Arbeitssituation des Klienten in der Veränderung anpassen, zum Beispiel bei „Säulen der Identität“:

  • Arbeit/Leistung,
  • Materielle Sicherheit,
  • Soziales/Beziehungen,
  • Körper/Gesundheit und
  • Werte/Sinn.

Durch diesen Übertragungsprozess entstehen die folgenden Fragen, die gemeinsam erörtert werden können:

  • Welche Arbeitsinhalte werden sich wie ändern (Arbeit)?
  • Was ändert sich für mich materiell (materielle Sicherheit)?
  • Inwieweit ändern sich meine Arbeitsbeziehungen (Soziales)?
  • Was müssen wir tun, damit das Betriebsklima in meiner Abteilung „gesund bleibt“ (Körper)?
  • Welche neuen (oder anderen) Werte und Verhaltensweisen werden nach der Veränderung erwünscht sein (Sinn)?

Die Steuerung der emotionalen Beteiligung des Klienten kann insbesondere über die Einführung von Ritualen erfolgen. Hierzu sei auf weiterführende Literatur von Martina Schmidt-Tanger verwiesen. Verschiedene Formen von Trennungs- und Willkommensritualen als auch Versöhnungsarbeit ermöglichen dem Klienten die Verabschiedung von alten Gewohnheiten und die Einführung neuer Verhaltensweisen.

Dritte Phase: Gestaltung

Hat sich der Klient mit der Notwendigkeit der Veränderung arrangiert und diese akzeptiert, gelangt er in ein Stadium der Erkundung seiner Möglichkeiten, die Veränderung mitzugestalten und an seine aktuelle Arbeitssituation anzupassen. Dies ist der richtige Zeitpunkt, den Blick des Klienten zu weiten und seine Kreativität anzuregen.

Der Coach kann in dieser Change-Phase mit hilfreichen Methoden zur Exploration unterstützen. Es kann beispielsweise ein „Arbeitspanorama“ (nach H. G. Petzold) erarbeitet werden, in dem der Klient seinen Arbeitsplatz nach vollzogener Veränderung skizziert und anschließend mit dem Coach erörtert.

Die „Wunderfrage“ (nach Steve de Shazer) kann eingesetzt zu werden, um den Klienten in eine Perspektive der erfolgreichen Veränderung zu bringen. Bei dieser Fragestellung wird dem Klienten vom Coach suggeriert, dass er eines Morgens aufwacht und die Veränderung ideal vollzogen ist. Anschließend wird der Klient durch geeignete Fragen gebeten, den Idealzustand aus seiner Sicht zu beschreiben. Vertieft werden kann dieser Coachingprozess durch den Einsatz geeigneter Skalenfragen (ebenfalls nach de Shazer). Hierbei schätzt der Klient die Auswirkungen der Veränderung auf einer Skala von 0 bis 10 ein und wird dann vom Coach motiviert, nach Handlungsalternativen zu suchen, die ihn letztendlich in den Idealzustand der Veränderung bringen (maximale Punktzahl auf der Skala).

Mithilfe der Timeline-Übung kann der Coach den Klienten auf einem Zeitstrahl durch den gesamten Veränderungsablauf führen. Geeignete Zeitabstände wählend, schätzt der Klient seinen Zustand vor der Veränderung, währenddessen und nach abgeschlossener Veränderung ein. Durch geeignete Fragen vom Coach gelingt es, Ressourcen und Fähigkeiten, die dem Klienten im Zeitablauf geholfen haben, zu dokumentieren und für die Zukunft nutzbar zu machen.

Vierte Phase: Ausrichtung

In dieser abschließenden Phase geht es vor allem darum, das Positive aus dem bisherigen Prozess mit in die Zukunft zu nehmen und aus den vordergründig schwierigen Punkten für künftige Veränderungsvorhaben zu lernen.

Der Coach hat hier die Verantwortung, gemeinsam mit dem Klienten dessen Erfahrungen konsolidiert aufzunehmen, zu verdichten und das Gelernte, Wissenswerte und Nützliche in geeigneter Weise aufzubereiten. Dies kann beispielsweise durch das Auflisten von erworbenen Fähigkeiten und Ressourcen während der Veränderung durch den Klienten geschehen (der Klient reflektiert den vergangenen Change-Prozess, während der Coach dokumentiert).

Ebenfalls hilfreich ist das Durchspielen einer „Lessons learned“-Übung. Hierbei werden die Aspekte „Lernanlass“, „Lernerfahrung“ und „Empfehlung für die Zukunft“ vom Klienten beschrieben und dann gemeinsam mit dem Coach reflektiert.

Für den gesamten Veränderungsprozess ist es hilfreich, die eingesetzten Coachingmethoden zu erfassen und in einer wiederverwendbaren Form zu dokumentieren, die sie für künftige Entwicklungsprozesse wieder einsetzbar machen. Damit ist ein Mehrwert für das gesamte Klienten-Unternehmen geschaffen, der über die aktuelle Veränderung hinausgeht und Zukunftscharakter hat.

[Bild: Falko Matte - Fotolia.com]

Innovative IT : Verwandeln Sie Ihr Büro in eine Wissens- und Kommunikationszentrale

Ganz gleich ob ein Architekturbüro, das mit hochleistungsfähigen, vernetzten PC-Arbeitsplätzen arbeitet, oder eine kleine Logistikfirma mit fünf Fahrzeugen – kleine Unternehmen unterscheiden sich in einem Punkt ausschlaggebend von großen: Mitarbeiter und Entscheider sind oft vollständig für ein Projekt verantwortlich, brauchen also überall und jederzeit Zugriff auf Informationen und Unterlagen, um Anfragen von Kollegen oder Geschäftspartnern zeitnah und kompetent beantworten zu können.

Schnelligkeit und Flexibilität sind – und waren schon immer – entscheidende Wettbewerbsfaktoren gerade bei den kleinen Unternehmen. Um diese Faktoren zu stärken, ist heutzutage eine zentrale Wissensspeicherung unabdinglich, die jederzeit und von jedem Ort aus „angezapft“ werden kann. So vielfältig wie die kleinen Unternehmen mit bis zu etwa 20 Mitarbeitern – die auch als VSE (= Very Small Enterprises) bezeichnet werden – sind auch ihre Anforderungen an den Einsatz von Telekommunikation und Informationstechnik: Handwerksfirmen beispielsweise knüpfen per Internet und Telefon Kontakte zu Kunden und Geschäftspartnern, Außendienstmitarbeiter stehen per Handy und BlackBerry jederzeit für die Auftragsdisposition und Rückfragen mit dem Büro in Verbindung, und im Handel sorgen kleine, ganzheitliche Planungssysteme (Enterprise Resource Planning = ERP) auf Softwarebasis für den Überblick.

Innovative IT spart Geld

Aber moderne IT sorgt nicht nur für eine reibungslose Kommunikation und ständige Erreichbarkeit, sondern zum Beispiel auch für eine optimale Verwaltung, die Geschäftsprozesse vereinfacht und effizienter gestaltet. So verbringen insbesondere Kleinunternehmer einen zu großen Teil ihrer Zeit nicht mit Geldverdienen, sondern mit administrativen Tätigkeiten. Eine funktionierende IT –Infrastruktur hilft dabei, diesen Zeitaufwand deutlich zu reduzieren.

Dabei gehören moderne Telefonanlagen, breitbandige Internetzugänge und leistungsstarke lokale Netzwerke mittlerweile zum Standard. Hinzu kommen PCs im Home Office und Notebooks oder Smartphones bzw. PDAs, die über das Internet auf zentrale Datenbestände zugreifen. Sinnvoll ist die beste Technologie allerdings nur, wenn sie auch reibungslos funktioniert. Oftmals fehlt es in kleinen Unternehmen aber an genügend IT -Know-how und den Ressourcen für die Finanzierung effektiver Systeme.

Fazit

Doch gerade weil eine ständige Verfügbarkeit von Daten und Informationen sowie reibungslos funktionierende Abstimmungsprozesse im täglichen Konkurrenzkampf eine so entscheidende Rolle spielen, sollte das Büro als Wissens- und Kommunikationszentrale optimal ausgestattet sein. Wenn hierfür das nötige Fachwissen intern nicht vorhanden ist, können Telekommunikation und IT in Form von gemieteter Software und dem zugehörigen Service wie Datensicherung und Datenpflege über einen kompetenten Partner zu fest kalkulierbaren Preisen bezogen werden.

Dieser Artikel wurde von der nextbusiness-IT [96] Redaktion erstellt. „nextbusiness-IT – Exzellenz im Mittelstand“ ist eine bundesweite Leitthemenkampagne für den Mittelstand, die unter anderem die „Bibliothek des modernen IT-Wissens“ für den Mittelstand herausgibt. Diese Bibliothek können Sie hier kostenlos anfordern. [97]

[Bild: Falko Matte - Fotolia.com]

IT-Spezifikation: Weniger schreiben, mehr kommunizieren

In vielen Unternehmen wird die IT-Spezifikation als mühsame Pflicht gesehen. Denn gerade die „alten Projekthasen“ wissen: Wenn wir erst einmal ans Entwickeln des neuen Systems gehen, kommt ohnehin vieles anders als geplant. Entsprechend mechanisch und bürokratisch wird diese Aufgabe oft erledigt. Viel sinnvoller wäre es, sie als dynamischen sowie interaktiven Prozess zu verstehen, an dessen Ende das von allen Beteiligten gewünschte oder benötigte IT-System entsteht. Hier einige Tipps, die Ihnen beim Realisieren eines solchen Ansatzes beim Spezifizieren geplanter IT-Systeme helfen.

Schaffen Sie eine Vertrauensbasis

IT-Spezifikation hat etwas mit Vertrauen zu tun – und zwar mit Vertrauen

  • in die Lieferanten, dass diese verstehen, was die Fachabteilung wirklich braucht, und
  • in die Fachabteilung, dass sie nicht mehr fordert, als sie bereit ist, zu investieren.

Fehlt dieses Vertrauen, tendieren die Beteiligten zum Sich-Absichern. Dies manifestiert sich in Lastenheften mit Tausenden von Anforderungen, deren Nutzen höchst fraglich ist.

Oft kennen sich zu Beginn des Spezifizierungsprozesses die Fachleute und die IT-ler noch nicht. Sie müssen sich erst finden und eine gemeinsame Sprache entwickeln, um Missverständnisse zu vermeiden. Das Grundprinzip, um Vertrauen zu schaffen, lautet: Klein anfangen und rasche Erfolge erzielen. Der Vorteil eines „langsamen“ Starts ist: Die Arbeitsprozesse zwischen Fachabteilung und IT-Lieferant können sich einspielen. Und beiden Seiten lernen die Bedürfnisse und Denkweise der jeweils anderen kennen. Das ist eine Grundvoraussetzung für Vertrauen.

Planen Sie deshalb nicht zu groß. Fangen Sie mit einer relativ kleinen Funktionalität an. Diese sollte jedoch keine Spielwiese sein, sondern eine Funktionalität, die bereits erkennbar zu einer Verbesserung der Arbeitsprozesse beiträgt. Das kann so etwas wie die automatische Datenübernahme zwischen zwei Systemen sein, sodass niemand mehr die Daten manuell eingeben muss. Versuchen Sie den Funktionsumfang so klein zu halten, dass zwischen dem Beginn der Spezifikation und der fertigen Implementierung maximal vier bis acht Wochen vergehen.

Gewinnen Sie den Überblick – gemeinsam

„It's all about Scope.” In IT-Projekten dreht sich fast alles um die Frage: Was sollte das System können, und was nicht? Denn was nützt den Beteiligten das modernste IT-System, wenn darin wichtige Funktionen fehlen? Doch welches sind die wichtigen Funktionalitäten? Und welche blähen das System unnötig auf? Und welches sind Nice-to-have-Funktionen, auf die man eventuell verzichten kann?

Sich hierüber (vorläufig) zu verständigen, fällt oft leichter, wenn man bedenkt: Der Scope, also der Inhalt und Umfang von komplexen IT-Projekten, verändert sich in deren Verlauf stets – zum Beispiel weil sich Rahmenbedingungen wandeln. Oder weil dem Anwender erst im Verlauf des Entwicklungsprozesses (oder bei den Funktionalitätstests) klar wird, was zum Beispiel aufgrund der Arbeitsprozesse wirklich wichtig ist. Deshalb macht es wenig Sinn, vorab 100-seitige Spezifikationsdokumente zu schreiben, die sich in allen Details verlieren. Sinnvoller ist es, das Dokument im Verlauf des Projekts immer weiter zu konkretisieren und dieses fortlaufend zu aktualisieren.

Für eine initiale Scope-Beschreibung reicht in der Regel ein Workshop von zwei Tagen. Dort sollten folgende Fragen geklärt werden:

  • Wer sind die relevanten Mitspieler? Wer erwartet sich einen Nutzen von dem IT-System? Wer wird es bedienen?
  • Was sind die Ziele dieser Mitspieler? Welchen Nutzen erwarten die verschiedenen Mitspieler von dem System? Welche Erwartungen und Bedürfnisse haben sie? In welchen Bereichen soll das IT-System Arbeit erleichtern?
  • Welche Arbeitsprozesse sind betroffen? Welche Aufgaben haben die Mitspieler? Welche Teile der Wertschöpfungskette sind betroffen? Wo gibt es eine Interaktion zwischen unterschiedlichen Abteilungen? Welche Prozessvarianten gibt es/sind möglich?
  • Welche IT-Systeme gibt es schon heute? Welche IT-Systeme sollen das neue System ablösen? Welche „Unter-Tisch-Software“ wird aktuell eingesetzt (zum Beispiel Excel-Sheets)? Welche Systeme sollten angebunden werden?
  • Welche technologischen Vorgaben sind einzuhalten? Welche unternehmensweiten Standards müssen beachtet werden? Welche Guidelines existieren? Welche Software-Schnittstellen sind zu beachten? Welche Zielarchitektur wird angestrebt?
  • Welche Projekte laufen derzeit noch? Wo gibt es möglicherweise Überschneidungen zu anderen Projekten? Wie lassen sich die Projekte abgrenzen? Welche Zulieferungen sind notwendig? Welche Projekte könnten die Arbeitsprozesse oder Ziele verändern?
  • Wer sind die relevanten Entscheider? Wer bezahlt das IT-Projekt? Wer muss im Lenkungskreis vertreten sein? Wer sollte über das Projekt und seine Zwischenergebnisse informiert sein? Welche Personen sind Multiplikatoren? Wer entscheidet am Ende über Erfolg oder Nicht-Erfolg?
  • Was sind die Rahmenbedingungen? Wie viel Zeit haben wir? Welches Budget steht zur Verfügung? Wie wird das Budget akquiriert?
  • Was ist der Business-Case? Wie und wann rechnet sich das Projekt? Wo sind Einsparungen zu erwarten? Wie lassen sich die Kosten rechtfertigen?

In einem Scope-Workshop sollten möglichst alle relevanten Interessen- und Funktionsgruppen vertreten sein, damit eine tragfähige Basis für das Projekt entsteht. Anwesend sollten unter anderem sein:

  • Vertreter der betroffenen Fachabteilungen,
  • (IT-)Techniker und IT-Administratoren,
  • Support-Mitarbeiter und Entscheider,
  • Fürsprecher und Gegner,
  • „alte Hasen“ und „junge Hunde“.

Weniger ist oft mehr

„Spezifizieren Sie so wenig wie möglich“ – das mag provokant klingen, ist aber eine wichtige Projekterfahrung. Gerade bei strategisch bedeutsamen Projekten ist die Versuchung oft groß, alles bis ins letzte Detail zu beschreiben, um sich abzusichern und sicherzugehen, dass ja nichts vergessen wird. Dabei ist vor Beginn großer (IT-)Projekte in der Organisation meist niemand in der Lage, die Komplexität eines geplanten IT-Systems in seiner ganzen Tiefe gedanklich zu erfassen. Also kommt es zwangsläufig zu Änderungen. Und damit meist zu Zeitdruck. Je höher dieser ist, um so eher wird „vergessen“, die Spezifikation der aktuellen Entwicklung anzupassen. Eine häufige Folge: Am Ende des Projekts hat das Unternehmen zwar eine sehr detaillierte Spezifikation. Das entwickelte IT-System ist aber ein ganz anderes als das spezifizierte.

Wann immer möglich, sollten Sie die Spezifikation auf die Anwendung des IT-Systems beschränken. Wie soll ein Anwender (oder ein externes System) mit dem neuen IT-System interagieren? Welche Schritte werden durch den Anwender durchgeführt, welche durch das IT-System? Der Rest ist Kommunikation:

  • In der Interaktion mit den User-Interface-Designern werden die passenden Bildschirmdialoge und Druckausgaben entworfen,
  • in der Interaktion mit den Datenbank-Entwicklern werden die Geschäftsobjekte modelliert,
  • in der Interaktion mit den Architekturverantwortlichen werden die fachlich relevanten IT-Schnittstellen definiert und
  • in der Interaktion mit den Systemtestern werden die fachlichen Details (wie zum Beispiel die Wertebereiche und die Abnahmekriterien) in Testfällen festgeschrieben.

So erhalten Sie eine übersichtliche Spezifikation mit einer Reihe zusätzlicher Arbeitsergebnisse. Warum sich also die Arbeit doppelt machen?

Lassen Sie neue Erkenntnisse einfließen

Der Systemtest ist keine alleinige Aufgabe des IT-Lieferanten. Die Fachexperten wissen am Besten, worauf beim Testen besonders geachtet werden sollte. Deshalb sollten sie sich an der Ausarbeitung der System-Testfälle beteiligen. Streben Sie zudem eine kontinuierliche Integration der entwickelten Komponenten an, damit Sie regelmäßig testen können. Denn diese Tests liefern wichtige Erkenntnisse, die wiederum in die Spezifikation einfließen können. Und noch ein Hinweis: Deckeln Sie die Budgets. Gedeckelte Budgets geben Investitionssicherheit und setzen Projekten wichtige Limits. Ohne feststehende Budgets wird schnell mehr und mehr investiert, ohne dass ein wirklicher Mehrwert entsteht. Und zwar oft solange bis ein übergeordneter Entscheider sagt „Jetzt reichts“ und das Projekt stoppt.

Jedes Projekt hat eine Lernkurve. Diese sollten Sie bewusst durchlaufen. Das heißt: Fangen Sie mit funktionalen Einheiten an, die eine möglichst ähnliche Größe haben. Mit den ersten Ergebnissen erhalten Sie tatsächliche Aufwandszahlen. Mit diesen können Sie das Backlog, also den Bestand der noch ausstehenden funktionalen Einheiten, abzuschätzen – und somit zu einer realistischen (Budget-)Planung gelangen.

Wenn Sie einen Änderungsbedarf erkennen, fügen Sie die Änderung in das Backlog ein und bewerten Sie diese gemeinsam. Die wichtigsten funktionalen Einheiten werden vorgezogen; alles, was eher „nice to have“ ist, nach hinten geschoben. So entwickelt sich allmählich ein gemeinsames Verständnis zwischen Fachleuten und „IT-lern“, worauf es wirklich ankommt. Und Sie zeigen, dass Sie bereit sind, auf Unwesentliches zu verzichten, wenn die wichtigen Funktionalitäten zeitnah umgesetzt werden.

Fazit: Ein gemeinsames Vorgehen von (firmeninternen) Kunden beziehungsweise Anwendern sowie Lieferanten bei der IT-Spezifikation schafft wechselseitiges Vertrauen. Es legt auch die Grundlage dafür, dass das System wirklich den Bedürfnissen der Organisation entspricht. Es erspart zudem viel Zeit und Arbeit, wenn Sie beim Spezifieren statt auf ein detailliertes Ausarbeiten im Vorfeld auf eine intensive Kommunikation im Verlauf des Prozesses setzen. Durch regelmäßige Tests erhalten Sie ein frühzeitiges Feedback zu Ihrer Spezifikation. Und mit einer gemeinsamen Priorisierung der funktionalen Einheiten sowie der erforderlichen Änderungen schaffen Sie mit der Zeit ein gemeinsames Verständnis dafür, was wirklich wichtig ist.

[Bild: Niceshot - Fotolia.com]

Mobility: Mobiles Business schafft Wettbewerbsvorteile

Nachdem sich die mobile (Sprach-)Kommunikation im Alltag längst durchgesetzt hat, wird nun die Datenkommunikation zusehends mobiler. Die technischen Voraussetzungen sind vorhanden: schnelle, mobile Infrastrukturen und moderne Endgeräte. Die Verbindungsgeschwindigkeiten von UMTS und HSDPA (High Speed Downlink Packet Access) werden stetig erhöht, die Netzabdeckung der Breitbandanbindungen ausgeweitet und W-LAN-Hotspots eingerichtet.

In welchem Umfang mobile IKT-Infrastrukturen nun in den Unternehmen eingesetzt werden, liegt allein an der Innovationsbereitschaft und der Akzeptanz des Managements sowie der Bereitschaft der Mitarbeiter, angebotene Endgeräte und Lösungen zu nutzen Es sind dabei keineswegs nur größere Unternehmen, die von mobilen Anwendungen profitieren. Auch mittlere und kleine Unternehmen schaffen sich Vorteile, wenn sie ihre Geschäftsprozesse mobil abwickeln. Neben Kosten- und Zeitersparnis erhöht dies die Flexibilität und fördert die Erreichbarkeit der Mitarbeiter. Dank Smartphones, Handhelds oder Notebooks haben Mitarbeiter auch von unterwegs Zugriff auf ihre E-Mails oder wichtige Unternehmensdaten.

Geschwindigkeit ist Trumpf

Unternehmen stehen unter wachsendem Wettbewerbs- und Zeitdruck. Die zügige Beantwortung von Kundenanfragen und umfassender Kundenservice werden immer wichtiger, um Kunden zu gewinnen und zu halten. Unternehmen, die konsequent auf mobile Anwendungen setzen, punkten nicht nur durch ein innovatives Image, sondern erzielen handfeste Vorteile im Wettbewerb.

Das Büro in der Westen- oder Aktentasche ist daher zum unentbehrlichen Begleiter von Managern, Außendienstlern und Servicekräften geworden. Während früher auf dem Weg zum Kunden oder zu Meetings wertvolle Arbeitszeit verloren ging, kann sie heute dank hochmoderner Endgeräte sinnvoll genutzt werden. Zum Beispiel können auf einer Zugfahrt über eine sichere VPN-Verbindung zum zentralen Server selbst unternehmenskritische E-Mails gelesen und beantwortet werden.

Zur Vorbereitung auf den Kundenbesuch kann der Mitarbeiter unterwegs noch einmal die zentral im CRM-System abgelegten Kunden-Stammdaten durchsehen. Während des Kundengesprächs lässt sich eine fehlende Preisliste online abrufen, die Verfügbarkeit von Ersatzteilen prüfen – und bestenfalls gleich ein attraktives Angebot unterbreiten.

Kundenaufträge können zu jeder Zeit und an jedem Ort erfasst und verwaltet werden. Einzelne Daten lassen sich während der Auftragserteilung korrigieren und schließlich kann die Auftragsbestätigung über eine Infrarot- oder Bluetooth-Schnittstelle übertragen und ausgedruckt oder an ein Fax gesendet werden. Über ein Aktivitäten-Management können die Mitarbeiter auch von unterwegs zusammenarbeiten und bestimmte Aufgaben an interne Abteilungen vergeben. Der Vorteil: Ohne Medienbrüche wird eine nahtlose Informationskette aufrechterhalten.

Chancen und Risiken

Künftig wird die Grenze zwischen Beruf und Privatleben weiter verschwimmen, wodurch sich die Flexibilität und Mobilität der Mitarbeiter weiter erhöht. Fachleute erwarten für die kommenden Jahre eine noch stärkere Zunahme von mobilen Technologien und Anwendungen in Unternehmen. Die Bereitschaft, hier eine Vorreiterrolle zu übernehmen, zahlt sich für Unternehmen auch im Wettbewerb um kompetente Mitarbeiter aus. Die Generation, die jetzt auf Stellensuche ist, kommuniziert längst digital und mobil und erwartet auch am Arbeitsplatz eine IT-Ausstattung, die alle mobilen Kommunikationsmöglichkeiten bietet.

Mit der zunehmenden Mobilität steigen auch die Sicherheitsanforderungen an die Unternehmens-IT. Viele Unternehmen verfügen heute noch über heterogene IT-Landschaften, die sich durch zahlreiche Insellösungen auszeichnet. Durch eine Vielzahl unterschiedlicher Endgeräte steigt dann der Wartungsaufwand. Nötig sind daher einheitliche IT-Strukturen. Die Verantwortlichen müssen einen sicheren und verlässlichen Remote-Zugriff auf Unternehmensdaten sicherstellen, wobei Zugriffsrechte einfach zu vergeben und zu steuern sein sollten.

Fazit

Mobiles Business verfügt über ein hohes Wettbewerbspotenzial. Es ist zu erwarten, dass mobile Lösungen in vielen Branchen entscheidende Funktionen übernehmen. Innovative, mobil orientierte Unternehmen dürften Wettbewerbsvorteile gegenüber langsameren Nachzüglern verbuchen. Sich dieser Entwicklung zu verweigern, kann sich kein Unternehmen auf Dauer leisten.

Dieser Artikel wurde von der nextbusiness-IT [98] Redaktion erstellt. „nextbusiness-IT – Exzellenz im Mittelstand“ ist eine bundesweite Leitthemenkampagne für den Mittelstand, die unter anderem die „Bibliothek des modernen IT-Wissens“ für den Mittelstand herausgibt. Diese Bibliothek können Sie hier kostenlos anfordern. [99]

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SaaS im Mittelstand: Die sichersten Anwendungen im Unternehmen

SaaS wächst, weil Anwender zunehmend von den Vorteilen überzeugt sind und deswegen Teile ihre Anwendungslandschaft an entsprechende Anbieter auslagern. Laut Analysen der Experton Group soll der Markt in Deutschland für solche Services von 418 Millionen Euro in diesem Jahr bis zum Jahr 2012 auf 660 Millionen Euro wachsen. Die durchschnittliche Wachstumsrate: stolze 40,9 Prozent. Viele mittelständische Unternehmen zögern aber noch oder schrecken gar vor dem neuen Service-Angebot zurück. Dabei können gerade sie von den Vorteilen profitieren.

Mit SaaS installieren sie keine Programme mehr, sondern greifen via Browser und Internet auf ihre Anwendung zu. Dadurch entfallen Aufwände für Wartung, zusätzliche Hardware oder Upgrades. SaaS-Anwender können sofort starten, ohne auf die Implementierung und Tests einer Lösung warten zu müssen – das hat der SaaS-Anbieter bereits für sie erledigt. Neue Service-Packs spielen SaaS-Anbieter nach erfolgreicher Testphase mit Vorankündigung ein, sodass ihre Kunden immer mit den neuesten und besten Versionen arbeiten.

Komponenten führender Hersteller

Performance, Verlässlichkeit und Skalierbarkeit sind in einem sehr hohen Standard garantiert. SaaS-Anbieter offerieren eine IT-Infrastruktur aus den besten Komponenten führender Hersteller. Der Aufwand, der hier im Sinne von Performance und Verfügbarkeit betrieben wird, übersteigt die Möglichkeiten einer Mittelstands-IT bei Weitem.

Die Applikationen arbeiten beim SaaS-Modell in einem hochverfügbaren Rechenzentrum mit redundant ausgelegten Servern, die auch bei einem Hardware-Ausfall den unterbrechungsfreien Betrieb garantieren. Darüber hinaus ist nicht nur die Verfügbarkeit der Server, sondern auch der Stromversorgung sichergestellt. Wollte ein Mittelständler dieses Niveau bieten, müsste er ein ebenso ausgestattetes Rechenzentrum bauen und mit Spezialisten betreiben.

Im SaaS-Rechenzentrum überwachen Spezialisten den Betrieb der Software rund um die Uhr und sind via Telefon und E-Mail erreichbar. Für das Monitoring werden Spezialwerkzeuge eingesetzt, die proaktiv arbeiten und Trendverläufe verdeutlichen. Dadurch lassen sich ungünstige Entwicklungen im Vorfeld erkennen und somit vermeiden, bevor sie Schaden anrichten können.

SaaS arbeitet in der Regel mit zwei Systemen:

  1. einem Produktionssystem für die tägliche Arbeit und
  2. einem Testsystem, auf dem der Kunde Änderungen an seiner Lösung testen kann, bevor sie in das Produktivsystem übernommen werden.

Flexibel im Standard arbeiten

Denn die Oberklasse der SaaS-Anbieter gestattet es ihren Kunden, eigene Konfigurationen der Software aufzuspielen, auch wenn sie im SaaS-Modell arbeiten. Kunden können dann flexibel das Datenmodell erweitern, neue Datenfelder, Prozesse und Workflows einbringen, die über den Standard hinausgehen. Die Struktur der Software sorgt dafür, dass die Anwendung dabei immer upgrade-fähig bleibt. Somit sind Individualisierungen möglich, die unternehmensspezifische Besonderheiten abbilden, ohne den Architektur-Standard zu verletzen.

Solch ein Vorgehen ist besonders wichtig bei Lösungen beispielsweise für das Projekt- und Portfolio-Management (PPM). Hier zeigt die Praxis, dass nach rund einem Jahr Betrieb keine PPM-Lösung mehr der Originalversion des Herstellers entspricht.

Knackpunkt Sicherheit?

Warum also zögert der Mittelstand, wenn doch die Vorteile offensichtlich sind? Fragt man Vertreter dieser Unternehmen nach ihren Vorbehalten, so nennen sie an erster Stelle ihre Sorge um die Sicherheit der Daten, die sie dem SaaS-Anbieter anvertrauen. Diese Bedenken lassen sich jedoch leicht ausräumen.

Der Versand der Daten an das SaaS-Rechenzentrum geschieht im Standard verschlüsselt über gesicherte Leitungen, wie sie zum Beispiel auch beim Online-Banking genutzt werden. Wer höhere Sicherheitsanforderungen hat, kann den Datenverkehr durch weitere Maßnahmen zusätzlich absichern.

Die erste Station, die der Anwender mit seinen verschlüsselten Daten in Richtung SaaS-Rechenzentrum erreicht, ist ein Rechner, der quasi im „Vorzimmer“ des Rechenzentrums steht. Er kontrolliert den gesamten Datenverkehr und filtert alle Daten aus, die nicht den vorher festgelegten Sicherheitsregeln entsprechen. Damit ist die Verbindung zwischen Kunde und SaaS-Anbieter mindestens genauso gut abgesichert wie die interne Kommunikation innerhalb des Unternehmens.

Zudem sorgt der SaaS-Anbieter auch dafür, dass die Daten regelmäßig gesichert werden – beispielsweise per wöchentlichem Full- und täglichem Differenz-Backup. Auch die Arbeit mit gespiegelten Datenbanken ist möglich, weil der SaaS-Anbieter entsprechende Werkzeuge und Experten bereitstellt. Nicht zuletzt testet das SaaS-Rechenzentrum regelmäßig auch in Recovery (Wiederherstellungs)-Läufen, ob die Daten im Fehlerfall wiederherstellbar sind – ein Service, den selbst manche Großunternehmen manchmal nur lax durchführen.

Management der Zugriffsrechte

Dass SaaS-Anbieter bewährte Werkzeuge wie verschlüsselte Verbindungen, Antivirenlösungen und Firewalls einsetzen, ist eine Selbstverständlichkeit.

Eine viel größere Rolle als die Absicherung der Datenleitung spielt das Management der Zugriffsrechte. So sind die Datenskandale der letzten Zeit nicht darauf zurückzuführen, dass Hacker eine Internetleitung und den Datenverkehr angezapft haben. Vielmehr haben sich Personen – oft eigene Mitarbeiter – physisch Zugang zu den Daten verschafft und beispielsweise Kundendateien kopiert, um sie dann an Dritte zu verkaufen.

Die Zugriffe der Anwender und auch der Administratoren müssen geregelt, überwacht und protokolliert werden. Und genau das macht der SaaS-Anbieter äußerst penibel – im Gegensatz zu vielen mittelständischen Unternehmen.

Im SaaS-Modell ist der physische Zugang zu den Servern mehrfach abgesichert. Dieses Vorgehen stellt sicher, dass nur berechtigte Mitarbeiter des Kunden und Administratoren des Anbieters auf die Daten zugreifen können, für die sie eine Berechtigung besitzen. Alle Arten der Authentifizierung von Passwörtern über Chipkarten bis hin zu biometrischen Scans sind in Kombination untereinander einsetzbar. Die Qualität der Passwörter ist einstellbar und wird überwacht. Damit sind die Zugriffe auf Daten beim SaaS-Anbieter in der Regel besser gesichert als in der IT-Abteilung eines mittelständischen Unternehmens.

Ausgefeilte Kontrollmechanismen

Die besten SaaS-Anbieter beauftragen zudem unabhängige Firmen, jede Woche Hacker-Angriffe zu simulieren und elektronisch in das Rechenzentrum einzubrechen. Nur wenn sie keinen Erfolg haben, darf das Rechenzentrum weiterarbeiten. Schließlich sorgen auch Audits von unabhängigen Auditoren dafür, dass Sicherheitsmaßnahmen nicht nur implementiert sind, sondern auch tatsächlich greifen.

Addiert man alle diese Faktoren, so ist die Sicherheit im SaaS-Modell für Mittelständler größer als der Betrieb in der eigenen kleinen, chronisch unterbesetzten IT-Abteilung. Das SaaS-Rechenzentrum trifft mehr und bessere Sicherheitsvorkehrungen als ein klassischer Mittelständler. Und das zum Festpreis. Anwendungen, die ein Mittelständler im SaaS-Modell betreiben lässt, sind damit die sichersten in seinem Unternehmen.

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Kooperation, Koordination, Kommunikation: So lassen sich Projekte souverän steuern

Wenn zehn Ruderer in einem Boot sitzen und nach vorne kommen wollen, sollten sie gleichzeitig und synchron rudern, sonst verschwenden sie viel Muskelkraft, drehen sich nur im Kreis oder rudern mal hierhin und mal dorthin, ohne zum Ziel zu gelangen. Römische Galeeren hatten einen Antreiber, der den Takt mit Schlägen auf einer Trommel vorgab. Das Modell ist für die moderne Zeit unbrauchbar geworden. Dass wir Projekte koordinieren müssen und wir dafür auch einen „Antreiber“ oder besser Steuermann brauchen, damit sie reibungslos ablaufen, ist jedoch nach wie vor aktuell.

Wenn Mitarbeiter „nach vorne geworfen“ werden

Das Wort Projekt stammt vom lateinischen Wort proiectum ab und bedeutet „das nach vorn Geworfene“. Nur zu oft werden Mitarbeiter in Unternehmen bei Projekten tatsächlich nach vorn, nämlich ins kalte Wasser, geworfen. Vielfach verfügen diese Mitarbeiter – über ihre Fachkenntnisse hinaus – über keinerlei Ausbildung im Projektmanagement. Die möglichen Folgen sind erheblich: Von ineffizienten Abläufen über verpasste Termine und gesprengte Kostenrahmen bis zum völligen Scheitern des Projekts.

Unternehmen unterschiedlichster Branchen und Größen haben natürlich auch in unterschiedlichsten Ausprägungen mit Projekten zu tun. Gerade in einer Arbeitsgemeinschaft, in der jeder Beteiligte nur einen Abschnitt zu verantworten hat, muss ein Projektleiter besonders gut koordinieren. Dabei hat er es oft nicht leicht. Unternehmen/Menschen, die es gewohnt sind, eigenverantwortlich Entscheidungen zu treffen, werden in einem Projekt plötzlich zu Mitarbeitern in einem Team. Schafft es der Verantwortliche nicht, diesen Konflikt zu erkennen und zu lösen, kann damit das ganze Projekt aus dem Ruder laufen. Der kleinste gemeinsame Nenner ist dabei immer der einzelne Mitarbeiter, der einzelne Mensch und wie dieser souverän mit seinen Aufgaben umgeht sowie ins Team integriert ist.

Was im Vorfeld von Projekten zu beachten ist

Schon im Vorfeld eines Projektes sind sowohl Planung als auch Steuerung als Grundlage unverzichtbar. Dass Projektverantwortliche die Kalkulation im Auge behalten, sollte selbstverständlich sein, ist es aber nicht. Immer wieder klafft zwischen dem Kostenvoranschlag und den tatsächlichen Ausgaben eine große Lücke. Eine Machbarkeitsprüfung sollte klären, ob die Ziele mit den Budgetvorstellungen verwirklicht werden können. Auch die Zeiten sollten vorher festgelegt werden: Wann beginnt das Projekt? Zum Ablauf gehört ein Terminplan, also wann erledigt welches Unternehmen/welcher Mitarbeiter welche Arbeiten, damit der Termin des Projektabschlusses eingehalten werden kann.

Zum Prozessmanagement gehört die Prüfung der Wirtschaftlichkeit genauso wie der Check, ob bestimmte Aufgaben outgesourct werden können. Sind diese Fragen geklärt, sollten die Verantwortlichen ein starkes Commitment (Verpflichtung) mit sich selbst und ihren Partnern vereinbaren. Ein souveräner Projektleiter schafft es so, die Balance zwischen dem Geforderten und dem Machbaren zu erreichen. Ein „LOG-Buch“ für das Projekt schafft Sicherheit und ist eine gute Basis für die laufende Kontrolle, die auch für die nächste Phase, die Realisierung, absolut notwendig ist.

Wesentliche Faktoren während der Realisierungsphase

Der Projektleiter muss bei Projektsitzungen nicht nur fachlich, sondern auch strategisch Rede und Antwort stehen. Umso wichtiger ist, dass er – auch in einem größeren Kreis – präsentieren kann. Je besser er in diesem Zusammenhang visualisiert, umso leichter gelingt es, alle ins Boot zu holen und gemeinsam in eine Richtung zu rudern. Oft geht es um technische Details. Das verführt dazu, dass sich die Sicht- und Denkweise auf Prozesse verengt. Man darf aber nicht nur Prozesse im Projekt sehen, sondern vor allem die beteiligten Menschen. Zur Projektführung sollten Projektleiter deshalb, über ihr fachliches Wissen hinaus, Konfliktmanagementtechniken beherrschen. Wichtig ist dabei, allen Beteiligten, gerade bei Störungen oder Problemen, erst einmal Aufmerksamkeit zu schenken. Führung ist nicht mit Kommando gleichzusetzen, sondern mit Motivation, die vor allem durch Wertschätzung entsteht.

Ein gutes Klima bewirkt enorm viel. Frühzeitige Integration aller Beteiligten sorgt für Motivation und Überblick. Flexibles Denken und Durchhaltevermögen ist Voraussetzung für die Lösung von Hindernissen. Zum Krisen- und Risikomanagement gehört die Bereitschaft zur Verhandlung und gemeinsamer Entscheidungsfindung mit allen Partnern. Projektleiter sollten keine Lösung vorsetzen, sondern alle früh ins Boot holen, auch wenn das manchmal mehr Zeit kostet. Langfristig zahlt sich jedoch diese Zeit, die in die Information und Einbindung der Beteiligten investiert wird, immer aus.

Eine Portion Einfallsreichtum und Überzeugungskraft helfen jedem Projektleiter. Wenn dann auch noch die Kommunikation kristallklar und präzise geführt wird und die Modelle zur Lösung von Problemen bei allen akzeptiert werden, sind die richtigen Grundsteine gelegt. Werfen Sie Ihre Partner nicht ins kalte Wasser, sondern pflegen Sie bei Ihren Projekten die 3 Ko’s: Kooperation, Koordination und Kommunikation!

[Bild: mapoli-photo - Fotolia.com]

Entscheidungsfindung: Deutsche Unternehmen entscheiden zu kompliziert

In drei von zehn Unternehmen hemmen außerdem komplexe Hierarchien die Entscheidungen. Verantwortlichkeiten sind nicht ausreichend geklärt, weshalb sich Mitarbeiter mitunter nicht für Aufgaben zuständig fühlen. Sie bleiben dann unerledigt liegen. Das ergibt der "Managementkompass Komplexitätsmanagement" von Steria Mummert Consulting in Zusammenarbeit mit dem F.A.Z.-Institut.

Komplexe Organisationsstrukturen wirken sich jedoch nicht nur auf die zügige Abwicklung von Aufgaben negativ aus. Die Mitarbeitermotivation leidet ebenfalls darunter: Drei von zehn Führungskräften klagen, dass ihr Personal nicht ausreichend motiviert ist. Dr. Rainer Scholz, Senior Executive Manager bei Steria Mummert Consulting:

"Unübersichtliche Prozesse, ungeklärte Zuständigkeiten und Kommunikationsprobleme führen zwangsläufig auch zu demotivierten Mitarbeitern. Denn werden wichtige Informationen nicht an die Mitarbeiter weitergegeben, dann fühlen sie sich mit ihrer Arbeit nicht ernst genommen - geschweige denn wertgeschätzt. Das löst Unzufriedenheit aus, was sich wiederum auf die Leistung niederschlägt."

Um die Abläufe im Unternehmen insgesamt übersichtlicher zu gestalten, sollten die Firmen ihr Komplexitätsmanagement auf neue Füße stellen. Dabei darf sich das Management allerdings nicht nur auf die Standardisierung und Optimierung einzelner Prozesse verlassen. Es gilt vielmehr, Entscheidungen schnell und am richtigen Platz zu treffen. Scholz rät:

"Übergeordnetes Ziel ist dabei, Transparenz zu schaffen und alle Mitarbeiter auf einen Wissensstand zu bringen. Das betrifft sowohl den Informationsfluss in und zwischen den Abteilungen als auch Zuständigkeiten, die klar definiert werden müssen."

Komplexitätstreiber in deutschen Unternehmen:

  • Langwierige Entscheidungsprozesse: 37%
  • Umfangreiche Geschäftsprozesse: 30%
  • Mangel an Motivation der Mitarbeiter: 29%
  • Komplexe Hierarchien im Unternehmen: 27%
  • Mangel an Fachkompetenz der Mitarbeiter: 25%    

[N=381, Mehrfachnennungen möglich]

[po; Quelle: Steria Mummert Consulting; Bild: Fotolia.com]

Kekskultur: Beobachtungen zum Keksverzehr bei Besprechungen

Leider machen sich in unserer Zeit immer mehr Menschen über die vielen Besprechungen lustig. Andere sind genervt, weil sie vor lauter Meetings gar nicht mehr zu ihren eigentlichen Aufgaben kommen. Dabei übersehen diese zynischen und kritischen Geister nicht nur die sozialpsychologische Funktion von Besprechungen: Beziehungspflege, Dampfablassen, Gerüchteküche, Machtverteilung, Imagepflege und vieles mehr. Sie schätzen auch nicht die Kekse, die es anlässlich solcher Zusammentreffen gerne gibt.

Glücklicherweise hat sich schon vor einiger Zeit der Staatsrat für Finanzen bei der Senatorin für Finanzen der Freien Hansestadt Bremen, Henning Lühr, diesem Thema angenommen und die Besprechungs- und Kekskultur im Lebensbereich deutscher Verwaltungen genauer unter die Lupe genommen. Wir stellen Ihnen an dieser Stelle einige seiner Erfahrungen und Erkenntnisse vor und stützen uns dabei auf seinen Fachbeitrag in der Zeitschrift „Innovative Verwaltung“ (5/2009).

Lührs Erkenntnisinteresse war, „wie sich andere Besprechungsteilnehmer im alltäglichen Kampf um die gereichten Kekse aufführen.“ Er wählte dabei zunächst die Methode der teilnehmenden Beobachtung oder besser: der „beobachtenden Teilnahme“, die er dann durch eine Datenerhebung mit Fragebogen ergänzte. Seine Ergebnisse beziehen sich auf insgesamt 513 Besprechungen. Hier einige Ergebnisse:

  • Kekse wurden nur bei 35,59 Prozent aller Besprechungen gereicht. Ihre taktische Funktion wird also immer noch unterschätzt. Immerhin: Sitzen Unternehmensberater oder Wirtschaftsprüfer am Tisch, dann steigt die Keksquote auf 100 Prozent.
  • Je länger die Sitzung dauert, desto eher gibt es Kekse. Allerdings hat die Sitzungsdauer keinen Einfluss auf den Umfang des Keksverzehrs. Was da ist, wird auch gegessen.
  • In 5 Prozent der Fälle waren die Kekse selbst gebacken, das Gros (72 Prozent) war Konfektionsware. Die meisten Kekse schmeckten, doch war rund ein Viertel von minderer Qualität. Lühr vermutet, dass dafür das fehlende Feeling für die Rahmenbedingungen von Besprechungen verantwortlich sei. Abwechslung wird gefürchtet, die Organisatoren vertrauen vielmehr auf die bewährte Keksmischung, die es immer gibt.
  • Die klassischen Keksesser-Typen sind: Normalesser, Schaufelbagger, Kaffee-Stipper, Festbeißer, Öko-Cracker, Nanny, Krümelmonster, Schlingpflanze und Spitzfinger.
  • Darüber hinaus hat Lühr noch ein paar besondere Typen entdeckt: Der Genießer fixiert den Keksteller und wartet, bis er an den Keks kommt, der ihm den höchsten Genuss verspricht. Der Gourmet greift nur dann zu, wenn die Keksqualität seinen Ansprüchen genügt; tut sie das nicht, lässt er das den Gastgeber spüren. Der Ernährungsbewusste demonstriert, dass er für Zwischenmahlzeiten nicht anfällig ist.

Nun mögen Kritiker wieder einwenden, was für deutsche Verwaltungen gelte, gelte noch lange nicht für Unternehmen. Das muss jeder Leser für sich auf phänomenologischer Ebene beurteilen. Allgemeingültiges zur Übertragbarkeit lässt sich erst nach intensiver Beforschung dieses Feldes sagen.

Übrigens hat Lühr auch festgestellt, dass Besprechungs-Kekse in der Vorweihnachtszeit Hochkonjunktur haben; das Keksaufkommen erhöht sich um das Siebenfache. Wir hoffen, Sie haben sich noch nicht satt gegessen und die Kekse unterm Weihnachtsbaume schmecken ihnen noch. Genießen Sie diese genauso wie die Feiertage und die vielen Family-Meetings, zu denen Sie eingeladen sind.


Wer mehr zur Kekskultur erfahren will, dem sei das Buch von Hennig Lühr ans Herz gelegt:

Management by Biscuits: oder Der mit den Kalorien tanzt, 2008.

Meetingkultur: Wie produktiv ist ein konferenzfreier Tag im Finanzwesen?

Meetings können eine gute Möglichkeit sein, wichtige Entscheidungen zu treffen, alle Projektbeteiligten auf den neuesten Stand zu bringen oder gemeinsam neue Ideen zu entwickeln. Um jedoch tägliche Meetingmarathons zu verhindern, gibt es in 52 Prozent der Unternehmen einen Tag pro Woche ohne Konferenzen - in 33 Prozent der Fälle gilt diese Regelung für die gesamte Belegschaft und in 19 Prozent nur für einzelne Abteilungen. Damit liegt Deutschland weit über dem internationalen Durchschnitt, bei dem nur 28 Prozent gänzlich terminfreie Tage kennen.

Doch auch wenn Besprechungen zeitraubend und ineffektiv sein können, steigern Arbeitstage ohne Konferenz nicht automatisch die Produktivität. So sind 53 Prozent aller Angestellten mit einem Tag ohne Meetings in der Woche der Meinung, dass ein ungestörtes Arbeiten ohne Unterbrechung sich nicht spürbar auf ihr Arbeitsergebnis auswirken würde. Demgegenüber haben 39 Prozent der Befragten an Tagen ohne Termine eine höhere Produktivität bei sich festgestellt.

Zeitkiller Besprechung

Dennoch werden 31,5 Prozent aller Meetings von Finanzfachkräften als überflüssig empfunden. Die Gründe für unbefriedigend verlaufene Konferenzen sehen die Befragten meist bei den anderen Teilnehmern. So bemängeln 45 Prozent der Finanzmanager ausufernde Diskussionen, die sich immer weiter vom eigentlichen Thema wegbewegen, und 42 Prozent kritisieren die ungenügende Vorbereitung ihrer Gesprächspartner. Aber auch die Abwesenheit wichtiger Ansprechpartner oder unklare Gründe für das Meeting (jeweils 35 Prozent) führen zu unzufriedenen Reaktionen nach vielen Besprechungen. Sven Hennige, Managing Director Central Europe bei Robert Half International, kommentiert die Ergebnisse der Studie so:

"Die Zahlen der Workplace Survey belegen den Trend in vielen Unternehmen, gehäuft Konferenzen anzuberaumen, auch wenn sie nicht wirklich notwendig sind. Aufgrund der großen Anzahl von Terminen können die Teilnehmer dann gar nicht immer gut vorbereitet und hochkonzentriert in die Besprechung gehen. Als Konsequenz sollte die Anzahl der Meetings möglichst klein gehalten werden und sie sollten stets gut moderiert werden, damit die Diskussion nicht vom Thema abweicht."

Tipps für produktive Meetings

  • Dauer des Meetings auf 30-45 Minuten begrenzen - danach lassen Konzentration und Aufmerksamkeit der Teilnehmer nach.
  • Geschäftsessen statt normaler Meetings anberaumen - dadurch kann die Essenszeit produktiv genutzt werden und die Besprechungsdauer ist automatisch auf die Zeit des Essens begrenzt.
  • Für regelmäßig stattfindende Meetings sollten im Vorfeld von den Teilnehmern Agendapunkte eingefordert werden. Reicht niemand Themenvorschläge ein, kann die Besprechung abgesagt werden.
  • Für jeden Agendapunkt sollte ein eigener Zeitrahmen festgelegt werden, auf dessen Einhaltung der Diskussionsleiter achtet.
  • Wird die Agenda der Besprechung rechtzeitig verschickt, haben alle Teilnehmer die Möglichkeit, sich im Vorfeld auf das Meeting vorzubereiten.
  • Wenn ein Agendapunkt nicht hinreichend erörtert werden kann, da wichtige Teilnehmer oder Informationen fehlen, sollte gleich zum nächsten Tagesordnungspunkt übergegangen werden.
  • Einzelne Teilnehmer des Meetings sollten damit beauftragt werden, den noch offenen Punkt so vorzubereiten, dass er beim nächsten Treffen besprochen werden kann.

Über die Studie

Für die Studie Workplace Survey 2009 wurden über 6.000 Personal- und Finanzmanager in 20 Ländern befragt hat. Die Workplace Survey wird jährlich von Robert Half durchgeführt und informiert über Trends auf dem Arbeitsmarkt für das Finanz- und Rechnungswesen.

[po; Quelle: Robert Half Finance & Accounting; Bild: Fotolia.com]

Mobile Lösungen: So laufen Ihre Prozesse wie geschmiert

Die Zahl mobiler Mitarbeiter wird in den kommenden Jahren weiter zunehmen, denn die Unternehmen haben erkannt, dass sie die Produktivität ihres Außendienstes und anderer mobiler Mitarbeiter erhöhen können, wenn sie sie mit modernen mobilen Endgeräten ausstatten. Dadurch lassen sich Kosten senken und neue Geschäftspotenziale erschließen. Kurz: Die Wettbewerbsfähigkeit verbessern.

Mobile Breitbandverbindungen schaffen die Voraussetzungen, um Geschäftsprozesse mobil auszurichten. Statt Kundendaten oder Arbeitszeiten handschriftlich in Formulare einzutragen, kann man die entsprechenden Daten nun direkt in ein PDA, Smartphone oder Notebook eingeben und gleich per Mobilfunk an das Backoffice senden.

Bauzeichnungen vor Ort

Mit der Mobile Workforce werden heute vielfach vor allem Manager und Außendienstler in Verbindung gebracht, die über Smartphone oder Notebook, zunehmend auch einem Embedded Notebook, in dem Mobilfunktechnologie bereits integriert ist, von jedem Ort auf relevante Unternehmensdaten und –anwendungen zugreifen können.

Nicht weniger profitieren Servicetechniker, Planer oder Architekten von den Einsatzmöglichkeiten, die ihnen mobile Endgeräte bieten. Zum Beispiel mit einem Embedded Notebook können sie über eine UMTS-Breitbandverbindung auf Informationspools im Internet oder den eigenen Server zugreifen, sich fehlende Ersatzteillisten oder Bau- und Konstruktionszeichnungen herunterladen. Sie haben schnell die aktuellsten Informationen zur Hand und können auf unvorhergesehene Veränderungen bei einem Projekt sofort reagieren.

Mobile Zeiterfassung

In vielen Handwerks- und Serviceunternehmen werden die Arbeitszeiten noch auf einem Stundenzettel festgehalten. Aber diese Zeiterfassung ist nicht mehr zeitgemäß und fehleranfällig. Zudem muss die Buchhaltung den Mitarbeitern häufig hinterherlaufen, damit die Wochenzettel abgegeben werden. Bei diesem System sind Fehler nahezu an der Tagesordnung: Zeiten werden nicht korrekt eingetragen oder dem falschen Kunden zugeordnet. Anschließende Reklamationen müssen wieder aufwendig bearbeitet werden. Medienbrüche oder unsaubere Handschrift führen zu Übertragungsfehlern.

All diese Probleme werden mit der Arbeitszeiterfassung über Handy beseitigt. Dabei wird an die Zentrale eine SMS geschickt, in der Informationen zum Namen, Projekt, Tätigkeit und der Zeit enthalten sind. Ein spezielles Programm wandelt die SMS in eine E-Mail um. Existiert eine direkte Überleitung ins ERP-System, so können die einzelnen Baustellen zeitnah koordiniert werden und ein direktes Controlling stattfinden. Der Vorteil: Eventuelle wirtschaftliche Risiken werden sofort erkannt. Während es unter Umständen bis zu einer Woche dauern kann, bis ein Überblick über ein Projekt möglich ist, kann man mit solch einer Lösung eine Auswertung inklusive Begleit- und Nachkalkulationen bei Bedarf auch mehrmals täglich erstellen. Ein weiterer Pluspunkt: Aufgrund der Daten lassen sich die Mitarbeiter optimal einsetzen und ihren Qualifikationen entsprechend einteilen.

Viele Smartphones verfügen bereits über GPS, sodass die Mitarbeiter stets lokalisierbar und ihre Wege nachvollziehbar sind. In der Praxis dürfte der eine oder andere Umweg und manche Extrapause wegfallen, was sich durch einen Rückgang der Überstunden bemerkbar macht. Die IT-Entscheider sollten dennoch auch die Reaktion der Mitarbeiter auf diese Form der Kontrolle und mögliche Auswirkungen auf das Betriebsklima in Betracht ziehen.

Wartung von unterwegs: Kilometer eingespart

Je mobiler die Branche, umso vielfältiger die Einsatzmöglichkeiten für mobile Endgeräte. Servicemitarbeiter können Schadensberichte an einem Gebäude vor Ort wesentlich schneller erstellen, wenn bereits bestimmte Daten – etwa die Kundenadresse, mögliche Fehlercodes und bereits ausgefüllte Felder in Form von Dropdown-Listen – vorhanden sind und per Fernzugriff auf dem mobilen Computer zur Verfügung stehen. Ihre eigene und die Zeit des Kunden sparen Servicetechniker auch, wenn sie über eine mobile Anwendung Auskunft über den Ersatzteilbestand sowohl im Lieferwagen als auch im Lager erhalten.

Die Mobilfunktechnik ermöglicht mittlerweile die Fernüberwachung und -wartung von Maschinen und Anlagen. Im Falle einer Störung erhält der Techniker auf seinem Mobilfunkgerät eine Nachricht und kann dann auch von unterwegs notwendige Korrekturen an der Anlage vornehmen und gegebenenfalls mit dem Kunden einen Termin für einen späteren Zeitpunkt vereinbaren.

Speditionen und Logistikfirmen müssen zunehmend flexibler werden, um sich auch künftig im harten Wettbewerb behaupten zu können. Diese Flexibilität bieten mobile Dispositionslösungen. Der Fahrer bekommt seinen Auftrag direkt auf das Smartphone. Die Zentrale kann jederzeit den aktuellen Fahrzeugstand und Lieferstatus überwachen, sodass Disponent und Fahrer seltener miteinander telefonieren müssen. Der im Smartphone integrierte Navigator schaltet sich auf Knopfdruck ein und führt den Fahrer auf dem schnellsten Weg zum Ziel. Durch die fehlerfreie Übermittlung der Auftragsdaten und die verbesserte Navigation werden Fehlfahrten vermieden und viele Transportkilometer eingespart.

E-Mails sofort zur Hand

Es reicht häufig nicht mehr aus, nur noch telefonisch erreichbar zu sein. Viele mobile Mitarbeiter müssen unterwegs regelmäßig ihre E-Mails lesen und beantworten. Die Mails jedes Mal vom Server abzurufen ist dann etwas zu umständlich. Es geht auch einfacher: Per Push-E-Mail-Technologie werden E-Mails vom Mailserver aktiv an das Mobilfunkgerät geschickt. Blackberry hat für Push-E-Mail den Weg bereitet und sich damit einen Namen gemacht, nun werden Push-Mails auch von Smartphones oder MDAs empfangen. Der Nutzer erhält die Mails, wie er es vom PC gewohnt ist, ohne eigenes Zutun. Er kann die Mails lesen und Anhänge teilweise auch bearbeiten.

Pure Technikbegeisterung ist fehl am Platz

Die Zahl mobiler Arbeitnehmer wird in den nächsten Jahren weiter zunehmen. Entscheider sollten sich bei der Anschaffung mobiler Technologien aber keinesfalls von reiner Technikbegeisterung leiten lassen. Hinter den Planungen sollte eine durchdachte IT-Strategie stehen. Die Unternehmensstrategie ist ebenfalls zu berücksichtigen. Die Einführung mobiler Systeme stellt demnach auch eindeutig eine Managementaufgabe dar.

Die Unternehmen müssen analysieren, welche Abläufe sich durch die Einführung einer neuen Technologie konkret verbessern lassen. Um Insellösungen zu vermeiden, sollte auf skalierbare Lösungen gesetzt werden. Bei der Auswahl der Endgeräte ist auf den Einsatzzweck zu achten und es sind einige grundsätzliche Fragen zu klären. Wie handlich oder robust muss ein Gerät sein? Welche Clientsoftware wird unterstützt, wie funktionell sind Tastatur, Display und Akku?

Viele Unternehmen sind nur schlecht auf die Einbindung mobiler Technologien vorbereitet, meinen die Marktforscher der Butler Group. Der Grund: Vielfach existieren in den Firmen heterogene und daher recht pflegeaufwendige IT-Strukturen sowie Insellösungen und proprietäre Technologien. Die Marktforscher empfehlen daher die Schaffung einheitlicher serviceorientierter Architekturen. Um die IT-Infrastruktur standortübergreifend zusammenzufassen, würden sich außerdem VoIP und drahtlose Netzwerke anbieten.

Zentrale Kontrolle

Viele IT-Verantwortliche betrachten die zunehmende Zahl mobiler Endgeräte als großes Sicherheitsrisiko, denn die Risiken für Datenverlust und der Befall von Schadsoftware steigen. So sind viele Mobilfunkgeräte in ihren Voreinstellungen oft nicht ausreichend gegen die Übermittlung von Daten, Missbrauch oder Diebstahl geschützt, obwohl viele Manager auch auf ihren Smartphones und PDAs sensible Unternehmensdaten speichern. Zudem wird ein kleines Mobilfunkgerät leichter verloren oder gestohlen als ein Notebook.

Die mobilen Endgeräte müssen daher in die Sicherheitsstrategie des Unternehmens eingebunden werden. Das mobile System muss durch Virenschutz, Authentifizierung, Benutzer-/Prozessidentifikation, Firewall oder Intrusion/Detection gesichert werden. Über ein mobiles IP-VPN, das auf die Bedürfnisse des Unternehmens zugeschnitten ist, können Mitarbeiter von jedem Ort über ein öffentliches Netz auf das Unternehmensnetz zugreifen.

Vor einigen Jahren hatten Administratoren kaum einen Überblick, welche Anwendungen in welchen Versionen auf den diversen Mobilfunkgeräten installiert waren. Mittlerweile können sie über Managementlösungen vollautomatisch Patches, Sicherheits-Updates und Anwendungen einspielen, wenn der Mitarbeiter mit seinem Gerät online ist. Bei Verlust eines Gerätes lassen sich die dort gespeicherten Daten auch remote löschen.

Die Sicherheitstechnologie nützt aber nur, wenn die Mobile Worker für Sicherheitsfragen sensibilisiert sind und beispielsweise die Funkschnittstellen Bluetooth und Infrarot nur bei Bedarf aktivieren.

Die mit dem Mobile Business verbundenen Risiken sollten Unternehmen aber nicht dazu verleiten, auf Lösungen zu verzichten, mit denen sich Unternehmensprozesse beschleunigen und die Produktivität steigern lassen. Denn bei aller Vorschicht: Es muss auf das richtige Verhältnis zwischen Schutz und Funktion geachtet werden, damit das eigentliche Ziel, die Entwicklung des Geschäfts, nicht zu kurz kommt.

Fazit

Es stellt sich Unternehmen nicht mehr die Frage, ob sie ihre Geschäftsprozesse mobil ausrichten. Es geht nur noch darum, wo sie beginnen und welche mobilen Technologien die Unternehmen benötigen. So wie sich in jeder Branche die Effizienz durch IT-gesteuerte Prozesse steigern lässt, lassen sich in vielen Firmen auch die Unternehmensabläufe durch den Einsatz mobiler Endgeräte enorm beschleunigen.

In Zukunft werden immer weniger Menschen im Büro an einem festen Arbeitsplatz arbeiten. Diese Mitarbeiter müssen mit modernen Endgeräten ausgestattet werden, um flexibel und schnell auf Anfragen von Kunden und aus dem Unternehmen reagieren zu können – egal wo sie sich gerade befinden. Die schnelle Auftragsübermittlung oder Zeiterfassung per Mobilfunk und ohne Medienbrüchen steigert nicht nur die Produktivität des Mitarbeiters, sondern ist auch weniger fehleranfällig. Unternehmen, die bei der mobilen Ausrichtung ihrer Prozesse die Nase vorn haben, sind auch im Wettbewerb gut aufgestellt.

Dieser Artikel wurde von der nextbusiness-IT [100] Redaktion erstellt. „nextbusiness-IT – Exzellenz im Mittelstand“ ist eine bundesweite Leitthemenkampagne für den Mittelstand, die unter anderem die „Bibliothek des modernen IT-Wissens“ für den Mittelstand herausgibt. Diese Bibliothek können Sie hier kostenlos anfordern. [101]

Mobilität: Mobile Worker bewältigen ihren Arbeitsablauf von unterwegs

Viel unterwegs und doch stets erreichbar. Mobile Worker müssen ihr Zeitmanagement im Griff haben, ansonsten geraten sie leicht in Dauerstress. Daher müssen sie mehr noch als die Kollegen im Büro über eine ausgeprägte Fähigkeit zum Selbstmanagement verfügen. Sie müssen Zeitpläne entwickeln und Prioritäten setzen können, den Arbeitstag realistisch planen und die Aufgaben nach Wichtigkeit geordnet abarbeiten, die Kommunikation mit Kunden und Kollegen steuern können und darüber nicht die Bedürfnisse nach persönlicher Erholung vergessen.

Zum Selbstmanagement gehören unter anderem das Kommunikationsmanagement sowie das Zeit- und Aufgabenmanagement. Die vorhandenen Kommunikationsmittel müssen effektiv und professionell genutzt werden. So werden bestimmte Informationen schneller per E-Mail übermittelt als telefonisch. Bei einem Telefonat, das unter Umständen mehr Zeit in Anspruch nimmt, lassen sich wiederum kompliziertere Sachverhalte erörtern.

Standortunabhängig organisieren

Mit MDA, Smartphone oder Notebook sind die Mobile Worker heute optimal ausgestattet, um ihre Arbeit unabhängig vom Standort zu planen und zu erledigen. Über ihre mobilen Endgeräte haben sie Zugriff auf externe und interne Informationen per Internet. Dem mobilen Mitarbeiter stehen somit auch unterwegs alle wesentlichen Informationen zur Verfügung, die er für seine Arbeit benötigt. Er kann jederzeit E-Mails lesen, geschäftsrelevante Daten vom Unternehmensserver herunterladen oder Dokumente bearbeiten und wieder auf den Server hochladen – idealerweise über einen Highspeed-Breitbandanschluss.

Servicemitarbeiter brauchen so nicht mehr in der Zentrale nach den nächsten Einsatzorten zu fragen, sondern erhalten diese direkt und automatisch auf ihr mobiles Endgerät. Dies schließt Missverständnisse bei Adressen oder Ansprechpartnern aus, zusätzlich lassen sich weitere wichtige Hintergrundinformationen bereitstellen.

Mobile Teamarbeit fördern

Die vollständige Vernetzung von Unternehmen katapultiert die Arbeit im Team auf eine neue Ebene. In virtuellen Teams wird nun auch ganz selbstverständlich unternehmensübergreifend zusammengearbeitet. Mit der fortschreitenden Mobilität und der gestiegenen Popularität von Home Offices dürfte die Zahl solcher Teams, bei denen sich die Teammitglieder nur noch selten, wenn überhaupt, persönlich treffen, weiter zunehmen.

Integration in Prozesse

Die Abstimmung mit den Kollegen, Terminvereinbarungen, die Festlegung von Aufgaben und die Organisation von Meetings ist mobil ebenso gut möglich wie im Büro. Ein Teamleiter kann sein Team bei entsprechender Ausstattung genauso gut von unterwegs führen wie im Büro. Über sein Notebook beispielsweise hat er bei Nutzung einer Collaboration Software jederzeit den Überblick über die Entwicklung eines Projekts, kann Teamaufgaben verwalten und mit den Teammitgliedern per E-Mail, in Foren oder in virtuellen Konferenzräumen online kommunizieren.

Fazit

Durch die Möglichkeit, mobil auf Inter- und Intranet zugreifen zu können, lässt sich der Workflow erheblich beschleunigen. Anfragen können sofort bearbeitet und Projekte vorangetrieben werden. Die Kommunikation mit den Kollegen, die gemeinsame Bearbeitung von Dokumenten ist problemlos möglich. Die Zeit auch zwischen auswärts liegenden Terminen wird effizient genutzt, und am Abend kann der Mitarbeiter mit dem Gefühl abschalten, einen produktiven Arbeitstag hinter sich zu haben. Mit dem mobilen Büro in der Aktentasche können viele Mitarbeiter ihre Arbeit vollständig außerhalb der Firmenräume erledigen. Aber selbst leidenschaftliche Mobile Worker sollten hin und wieder persönlich in der Firma vorbeischauen – selbst wenn es nur zu einem Schwätzchen mit dem Vorgesetzen oder den Kollegen ist.

Dieser Artikel wurde von der nextbusiness-IT [102] Redaktion erstellt. „nextbusiness-IT – Exzellenz im Mittelstand“ ist eine bundesweite Leitthemenkampagne für den Mittelstand, die unter anderem die „Bibliothek des modernen IT-Wissens“ für den Mittelstand herausgibt. Diese Bibliothek können Sie hier kostenlos anfordern. [103]

[Bild: Doris Heinrichs - Fotolia.com]

Wandel mit Kultur: Qualitätsmanager schaffen erfolgreiche Change-Projekte durch Kulturkompetenz

In einem nationalen und internationalen Wettbewerb, der ständig neue Technologien hervorbringt und so Märkte und Kundenwünsche verändert, müssen auch Unternehmen sich immer zügiger verändern. Entsprechende Veränderungsprojekte erfolgreich durchführen zu können ist mehr denn je eine Voraussetzung, um auf den Märkten zu bestehen. Anlass und Ziele solcher Projekte sind vielfältig und reichen von der Einführung neuer Softwaresysteme über die Entwicklung von neuen Arbeitsabläufen bis hin zur Umgestaltung von Organisationen und deren strukturellen Einheiten.

Um unter der Einführung neuer Prozesse oder gar der Reorganisation eines ganzen Unternehmens für ein ganzheitliches Qualitätsbewusstsein zu sorgen, ist es erforderlich, die organisatorischen Schnittstellen abteilungsübergreifend und unternehmensweit zu optimieren – und zwar nicht nur auf Prozess-, sondern auch auf Mitarbeiterebene.

Besonders Qualitätsmanager sind in ihrem Unternehmen als Vermittler, Trainer und Moderatoren tätig, um Kollegen aus sämtlichen Fachbereichen zu unterstützen. Seit Jahren entwickeln sie ein detailliertes Wissen darüber, mit welchen Werten und Grundannahmen in der Organisation gearbeitet wird. Mit welchen Methoden neue Arbeitsabläufe etabliert werden können und wo die größten Widerstände zu erwarten sind, können Qualitätsmanager in vielen Unternehmen deswegen am besten beurteilen. Das unternehmerische Verständnis von Qualitätsmanagement ist also stark mit den sogenannten weichen Faktoren eines Unternehmens, wie Mitarbeiterqualität oder Unternehmenskultur, verflochten. Es geht über die traditionelle Qualitätssicherung im Sinne der Einhaltung von Standards und Normen hinaus.

Um den Methodeneinsatz und die relevanten Unternehmenskulturmerkmale in Veränderungsprojekten produzierender Unternehmen zu untersuchen, wurden jetzt im Rahmen des interdisziplinären Forschungsprojekts "Culture Based Change" der RWTH Aachen über 500 Führungskräfte sowie externe Berater zu absolvierten Change-Projekten befragt. Es handelte sich größtenteils um inhabergeführte mittlere bis große Unternehmen (31 Prozent). Börsennotierte mittlere bis große Unternehmen waren zu 22 Prozent vertreten, kleine Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitern machten 18 Prozent der Befragten aus. Es zeigen sich deutliche Zusammenhänge zwischen Methodeneinsatz und Projekterfolg, aber auch Auswirkungen verschiedener Unternehmenskulturmerkmale auf die erfolgreiche Durchführung einzelner Methoden.

Bild 1. Hauptziel des jeweiligen Veränderungsprojekts nach den Angaben der Befragten

Spezielle Change-Methoden weithin unbekannt

Die meisten der betrachteten Projekte beschäftigten sich mit der Reorganisation beziehungsweise Restrukturierung sowie mit Produktivitätssteigerungen im Unternehmen (Bild 1). Zu 65 Prozent war dabei das gesamte Unternehmen betroffen (Bild 2). Die meisten Veränderungen (35 Prozent) wurden durch neue Ziele oder Strategien der Geschäftsführung ausgelöst. Handlungen der Konkurrenz waren nur zu 8 Prozent Auslöser. 5 Prozent der betrachteten Veränderungen wurden durch gesetzliche Anforderungen erforderlich (Bild 3). Der Großteil der Veränderungen erwächst also aus dem Inneren des Unternehmens heraus. Daher erscheint es umso einfacher, diese sauber zu planen und zu organisieren. Warnungen vor dem Misserfolg solcher Veränderungsprojekte zum Trotz werden jedoch allgemein bekannte Methoden des Qualitätsmanagements im Durchschnitt nur zu 54 Prozent angewandt.

Bild 2. Unternehmensbereiche, die in die jeweilige Veränderung involviert oder davon betroffen waren
Bild 3. Auslöser für das Veränderungsprojekt

Am häufigsten eingesetzt werden Methodenkonzepte zur Vereinbarung von Zielen (77 Prozent) sowie Controlling und Diagnose des Umsetzungsfortschritts (77 Prozent) (Bild 4). Es werden also hauptsächlich Methoden eingesetzt, die über alle Abteilungen Einzug in die Unternehmen gefunden haben. Spezielle Methoden des Veränderungsmanagements sind in den befragten Unternehmen bisher noch weitestgehend unbekannt. Hier geht es nicht nur um die Struktur und Technologien im Unternehmen, also die eher harten Faktoren, sondern auch um die weichen Größen, die sich im Vorfeld nur bedingt einplanen lassen [1]. Sie zu erfassen und zu beurteilen ist deutlich schwieriger, doch die Studie zeigt, dass sie für die Organisation mindestens ebenso wichtig sind.

Bild 4. Die zehn am häufigsten eingesetzten Methoden

Bekannte Methoden des Qualitätsmanagements lassen sich gut für die Zwecke des Veränderungsmanagements anwenden und optimieren. In vorangegangenen Validierungsprojekten des Fraunhofer IPT hat sich herausgestellt, dass sich zum Beispiel die Werkzeuge der Theorie der Engpässe (theory of constraints, TOC) zur Unterstützung der weichen Faktoren im Veränderungsprozess eignen [2].

Besonders hervorzuheben ist hier der sogenannte Istzustands-Baum, mit dessen Hilfe sich in den sehr frühen Phasen eines Veränderungsvorhabens weiche Ursachen für zu beobachtende unerwünschte Effekte in der Organisationseinheit identifizieren lassen. Auf Basis dieser unerwünschten Ereignisse wird ein Veränderungsprojekt aufgesetzt, die Vermeidung der Effekte positiv ausgelegt und als Ziel des Veränderungsprojekts definiert.

Anschließend lassen sich dann in der Strategiepyramide Ziele und Maßnahmen formulieren. In den späten Phasen des Veränderungsprozesses kann dieser durch den sogenannten Implementierungshindernis-Baum unterstützt werden. Dieses Werkzeug unterstützt die Identifizierung potenzieller Hindernisse bei der Umsetzung einer formulierten Strategie und ihrer zugehörigen Ziele [2].

Methoden und Projekterfolg hängen zusammen

Die Studie zeigt, dass vor allem Methoden, die die Durchführung von Projekten unterstützen, mit dem Erfolg der Veränderungen in Zusammenhang gebracht werden. Hier wurden von den Befragten vor allem Feedbackgespräche und Methoden zum Controlling und zur Diagnose des Umsetzungsfortschritts genannt. Methoden zur Vorbereitung des Projekts, wie die Entwicklung eines Kommunikationskonzepts, die Durchführung einer Ursache-Wirkungs-Analyse sowie der Einsatz einer Strategiepyramide schließen sich daran an. Ein wichtiges Mittel bei der Gestaltung einer Veränderung stellen laut den Studienteilnehmern Zielvereinbarungen dar.

Betrachtet man den Zusammenhang zwischen Methodeneinsatz und Projekterfolg, so ergeben sich interessante Erkenntnisse. So wurden Projekte zu 85 Prozent erfolgreich abgeschlossen, wenn den Mitarbeitern Informations-, Frage- und Diskussionsmöglichkeiten in Form von Meetings oder anderen Veranstaltungen geboten wurden. Hingegen scheiterten 61 Prozent jener Projekte, bei denen dieser Austausch nicht stattfand.

Ähnlich verhält es sich mit dem Commitment der Unternehmens- und Projektleitung. Veränderungsprojekte waren zu 89 Porzent erfolgreich, wenn die angestrebte Veränderung von den Leitfiguren vorgelebt wurde. Bei 70 Prozent der gescheiterten Veränderungsprojekte war dieses Commitment nicht gegeben. Die Zuständigkeiten und Rollen der Mitarbeiter wurden bei 84 Prozent der erfolgreichen Veränderungen zu Projektbeginn geklärt. 66 Prozent der nicht erfolgreich durchgeführten Veränderungsprojekte enthielten keine klaren Rollendefinitionen. Auch ein von Mitarbeitern als interessant und motivierend empfundenes Arbeitsumfeld scheint einen äußerst positiven Einfluss auf den Ablauf der Veränderungsprojekte zu haben (Bild 5).

Bild 5. Korrelation von Methodeneinsatz und Projekterfolg

Gleichzeitig hat sich gezeigt, dass einige Kulturmerkmale besonders starken Einfluss auf den Erfolg von Veränderungsprojekten haben. So sind die Identifikation mit dem Unternehmen und auch die Identifikation mit dem Produkt wichtige Merkmale, dürfen aber keineswegs gleichgesetzt werden. Die Glaubwürdigkeit vorgelebter Unternehmenswerte und starke Leitfiguren sind entscheidend auf der Führungsseite.

Auf Teamebene zeigen interdisziplinäre Zusammenarbeit und die Diskussion von Problemen in der Gruppe großen Einfluss, ebenso wie der Umgang mit Fehlern und der Grad an Prozessstandardisierung (versus individuelle Arbeitsstile). Zur Beurteilung solcher Kulturmerkmale sind Qualitätsmanager die erste Wahl, da sie einen unternehmensübergreifenden Einblick haben, keinem Wunschdenken der von der Führung formulierten Leitbilder anhängen und die Auswirkungen der Kultur in ihrer Arbeit täglich beobachten können.

Was Mitarbeiter annehmen, auf welche Anreize sie reagieren und wann sie eine Veränderung mittragen, wird stark durch die Kultur geprägt. Nur sehr selten scheinen solche Kulturfaktoren jedoch in ihren Auswirkungen eindeutig beschreibbar zu sein. Vielmehr hängt es von der Art der Veränderung und von den eingesetzten Methoden ab, ob sie eher förderlich oder hemmend sind.

Über die erfolgreiche Durchführung von Change-Projekten entscheidet also sowohl Methodenkompetenz als auch das Wissen um die Ausprägung und Auswirkungen der Unternehmenskultur. Es liegt in den Händen der Verantwortlichen, ihre Mitarbeiter optimal auf die Veränderungen vorzubereiten und somit das Gelingen der Projekte zu sichern.

Zur Studie

Die Studie ist Bestandteil des Forschungsprojekts "Culture Based Change (CuBa Change) – Qualitätsorientierte Absicherung und Durchführung von Change-Prozessen unter Berücksichtigung kritischer Unternehmenskulturmerkmale", das im März 2010 abgeschlossen wird. Es wird von der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen e.V. (AiF) mit Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) gefördert und von der Forschungsgemeinschaft Qualität e. V. (FQS) betreut.

Die Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt sollen dem Qualitätsmanager Argumentationsmaterial und Know-how bieten, um sich in geplante oder laufende Veränderungsprojekte einzubringen. Mit Abschluss des Projekts soll ein Anwenderleitfaden für die erfolgreiche Durchführung von Veränderungsprojekten vorgelegt werden. Weitere Informationen zum Projekt finden Sie unter: www.cuba-change.com

Literatur

1. Corsten, H.: Grundlagen der Wettbewerbsstrategie. Teubner, Stuttgart 1998
2. Voigt, T.: Systematik zur qualitätsgerechten Umsetzung organisatorischer Veränderungsprozesse. FQS-DGQ-Band 88-03, Frankfurt am Main 2007

Erschienen auf QM-Infocenter.de [104] , Beitrag aus der Zeitschrift QZ Qualität und Zuverlässigkeit 10/2009.

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Arbeitsrecht: Rechte und Pflichten des Geschäftsführers

Anders als bei einem „Durchschnittsarbeitsvertrag“ sind verschiedene Elemente der Dienstbeziehung zwischen Gesellschaft und Geschäftsführer gesetzlich nur rudimentär geregelt. Die Vertragsparteien haben deshalb einen Gestaltungsspielraum, der erkannt und genutzt werden sollte. Aufgrund der gehobenen fachlichen und persönlichen Anforderungen, die an die Geschäftsführerstellung geknüpft sind, kann ein Geschäftsführer – im Vergleich zu Arbeitnehmern – regelmäßig stärkeren Einfluss auf die Bedingungen der Tätigkeit nehmen.

Wesentliche Arbeitnehmerrechte entfallen

Wer ein vorformuliertes Angebot seiner neuen Gesellschaft erhält, sollte sich vor Unterzeichnung des Vertrages über die arbeitsrechtlichen Konsequenzen informieren und sie in seine Entscheidung mit einbeziehen. Denn ein Geschäftsführer kann sich nicht mehr auf wesentliche Arbeitnehmerrechte berufen.

  • Es entfällt der Kündigungsschutz mit der Folge, dass es keine gesetzliche Verpflichtung zur Rechtfertigung einer ordentli­chen Kündigung gibt. Ebenso entfällt der Sonderkündigungsschutz etwa nach dem Mutterschutzgesetz oder wegen eines kommunalpolitischen Mandats.
  • Auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall hat nur Anspruch wer wegen persönlicher Abhängigkeit als Arbeitnehmer gelten würde, also im höchst seltenen Ausnahmefall.
  • Außerdem haben Geschäftsführer keinen gesetzlichen Mindesturlaub.
  • Das Arbeitszeitgesetz findet keine Anwendung, sodass die wöchentliche Arbeitszeit nicht gesetzlich eingeschränkt ist.
  • Ein Geschäftsführer wird nicht von den Vorschriften zum Betriebsübergang nach § 613a BGB erfasst.
  • Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz ist nur eingeschränkt, also nur hinsichtlich des Zugangs zur Erwerbstätigkeit und des beruflichen Aufstiegs anwendbar. Versorgungszusagen zu einer betrieblichen Altersvorsorgung sind unter den Voraussetzungen des § 17 Abs. 1 Satz 2 BetrAVG geschützt.

Wichtiges im Vorfeld klären

Nicht unüblich ist es, schon bei der Vertragsvereinbarung die Situation einer etwaigen, auch nicht einvernehmlichen Trennung vorausschauend zu klären. Der künftige Geschäftsführer kann sich für diese Situation gegenüber der Gesellschaft in zweierlei Hinsicht absichern:

  1. Entweder wird für die Zeit nach der Geschäftsführertätigkeit die Fortführung der Beziehung in einem Vertragsverhältnis, in der Regel einem Arbeitsverhältnis, im selben oder im verbundenen Unternehmen vereinbart. Dies kann vor allem ein Ansatz sein, wenn ein langjähriger Mitarbeiter in die Geschäftsleitungsebene berufen, also nicht extern angeworben, wird. Selbst wenn er der neuen Aufgabe des Geschäftsführers nicht gerecht wird, wird man seine Fachkenntnisse weiter im Unternehmen halten und auch seine Betriebstreue honorieren wollen.
  2. Oder die Vertragsparteien entscheiden sich für eine klare Trennung und bilden die Folgen des Ausscheidens vollumfänglich im Dienstvertrag ab. Dann sind aus Sicht des Geschäftsführers die konkreten Kündigungsfristen, bzw. die garantierte Vertragslaufzeit und eine etwaige Kompensation für die vorzeitige Beendigung zu regeln.

Auch im Fall einer Kündigung aus wichtigem Grund sollten die finanziellen Einbußen des Geschäftsführers klar kalkulierbar bleiben und sich deshalb in einem festen Abfindungsbetrag niederschlagen. Im wohlverstandenen beiderseitigen Interesse sollte die gerichtliche Klärung, ob ein solcher wichtiger Grund tatsächlich vorliegt, regelmäßig unterbleiben.

Neben den konkreten Regelungen zur Beendigung sollte die Fortzahlung der Vergütung im Krankheitsfall im Dienstvertrag enthalten sein. Dabei können die Zahlungen durchaus über dem Niveau des Entgeltfortzahlungsgesetzes liegen und sich beispielsweise auf sechs Monate erstrecken.

Ebenfalls sollte der Umfang des bezahlten Erholungsurlaubs vertraglich geregelt sein.

Die Haftung des Geschäftsführers (nach dem GmbHG ist er verantwortlich für „die Sorgfalt eines ordentlichen Geschäftsmannes“) kann durch die Zuordnung für bestimmte Geschäftsbereiche eingeschränkt werden und ist zu flankieren durch den Abschluss einer D&O-Versicherung (Vermögensschadenshaftpflichtversicherung des Unternehmens für seine Organe).

Dem Geschäftsführer ist in allen arbeitsrechtlichen Fragen der Klageweg zum Arbeitsgericht versperrt, Streitigkeiten entscheiden die in Arbeitsbe­ziehungen eher unerfahrenen Zivilgerichte. Anders als in erstinstanzlichen Verfahren vor dem Arbeitsgericht droht vor den Zivilgerichten auch das Kostenrisiko, im Falle des Unterliegens sind Anwaltskosten der Gegenseite und Gerichtskosten zu tragen. Künftigen Geschäftsführern sollten bei Arbeitsvertragsgestaltung also immer auch auf die Details achten – das „Kleingedruckte“ kann im Konfliktfall ein wirtschaftlich wesentlicher Faktor werden.

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Angstbewältigung: Wie Sie die Krisenangst überwinden

Machen wir uns nichts vor: Den meisten Unternehmen sitzt die Angst im Nacken. Sie agieren nicht, sondern reagieren nur noch. Dabei sind es weniger die Umsatzeinbrüche, die sie entweder zu übereiltem oder übervorsichtigem Handeln treiben, sondern die introjizierte Vision vom Super-GAU. Doch ein solches Verhalten macht die Lage erst wirklich prekär. Denn Angst lähmt. Sie versperrt den Blick auf die eigenen Ressourcen. Und sie schließt Kreativität aus. Zwar wird dem wirtschaftlichen Schwung mit diversen Notfallplänen entgegen gesteuert. Die zielen aber vor allem auf eines ab: auf Sicherheit. Dieser Protektionismus bringt leider immer nur dieselben Interventionsmaßnahmen hervor:

  • Entlassungen,

  • Übernahmen,

  • Beteiligungen und

  • Kontrollen von Regierungen.

Werden Massenentlassungen der Innovationskraft deutscher Unternehmen tatsächlich gerecht?

Erwartet man von topqualifizierten und darüber hinaus hoch bezahlten Managern nicht irgendwie mehr? Und werden Massenentlassungen der Innovationskraft deutscher Unternehmen tatsächlich gerecht? Mal abgesehen vom Imageschaden, wirkt sich ein personeller Kahlschlag langfristig eher negativ auf das operative Geschäft aus. Unser Wirtschaftssystem beruht nämlich auf Vertrauen – nicht nur in Bezug auf Handelspartner, sondern insbesondere auch auf das eigene Personal. Qualifizierte Fachkräfte sind das Investment für die Zukunft. Dies gilt insbesondere für Krisenzeiten. Denn geht es der Wirtschaft wieder besser, brauchen die Firmen ihre Spezialisten – und zwar sofort. Sind diese aber erstmal entlassen, ist das Vertrauen in die Unternehmensführung zerstört.

Wie sehr unstrukturierte Kosteneinschnitte einer Firma schaden können, zeigt eine Studie aus der Rezession von 1990/91. Die Beratungsfirma Deloitte untersuchte 15 Großunternehmen, die alle mehrere tausend Leute entlassen hatten. Dabei kam heraus, dass nach dem Aufschwung die Kosten bei diesen Firmen explodiert sind und sich über Jahre hinaus auf zu hohem Niveau hielten. Am Ende standen sie deutlich schlechter da als die Konkurrenz.

Trotzdem kommt es immer öfter vor, dass selbst prosperierende Unternehmen Stellen streichen – und zwar prophylaktisch! So will der Softwarehersteller SAP mit Hinweis auf die bevorstehende Rezession 3.000 Arbeitsplätze abbauen. Und das, obwohl ein Gewinn von 2,84 Milliarden Euro im ersten Geschäftsquartal vermeldet wurde. Hier stellt sich zusätzlich noch die Frage der sozialen Verantwortung.

Dass es auch anders geht, zeigt sich an zwei Beispielen:

  1. Der Softwarehersteller Datev will allen Widrigkeiten zum Trotz 300 Mitarbeiter einstellen und strebt mit der Einführung eines neuen Produktes ein Umsatzplus von drei Prozent an.

  2. Damit bewegt die Firma sich antizyklisch zur Konkurrenz - eine Taktik, die Anfang der 80er Jahre den bis dahin in Europa unbekannten Computerhersteller Dell zum Topseller machte. Während alle anderen Firmen damals ihr Marketingbudget drastisch kürzten, schaltete das texanische Unternehmen große Werbekampagnen. Heute gilt Dell als der umsatzstärkste PC-Hersteller der Welt. Ein Beweis dafür, dass Krise durchaus auch Chance bedeuten kann.

Ohne den Beigeschmack der Katastrophe kann die Krise eine Phase von hoher Produktivität sein. Mit dieser Betrachtungsweise tun sich allerdings viele deutsche Unternehmen schwer. Ganz anders als die Amerikaner, die zwar als Hauptverursacher der Finanzmisere gelten, uns aber in puncto Offenheit und Optimismus um Längen voraus sind. Innovation wird dort keineswegs als Risiko, sondern als Chance betrachtet. Dabei lernt auch hier jeder BWL-Student bereits im ersten Semester, dass sowohl Wachstum und Wohlstand nur durch den Mut entstehen, etwas Neues zu wagen. Ohne den Beigeschmack von Katastrophe kann die Krise eine Phase von hoher Produktivität sein. Die aktuelle Diskussion, riskante Transaktionen oder Fehlentscheidungen von Managern künftig zu sanktionieren, dürfte demnach eher als kontraproduktiv gelten. Dies würde jeglichen Mut zur Innovation nehmen und eine Kultur von Angsthasen schaffen.

Womit wir bei Problem Nummer zwei wären: Niemand will in Zeiten, in der es um Alles oder Nichts geht, Verantwortung tragen. Was manche für Schicksal halten, stellt in Wahrheit den Lackmustest für unsere Führungskräfte dar. Jetzt zeigt sich nämlich nicht nur, wer der Herausforderung gewachsen ist, sondern wo in der Vergangenheit Fehler begangen wurden. Denn auch wenn Deutschland mit über 39.000 Firmenpleiten 2009 auf einen traurigen Rekord zu steuert, geht etwa nur ein Drittel unmittelbar auf die Wirtschaftskrise zurück. Der Rest dürfte auf die unterschwellige Ineffizienz einiger Unternehmen und damit auf verfehltes Management zurückzuführen sein.

Zum Glück scheint der vorherrschende Pessimismus unserer Wirtschaftselite bei der Bevölkerung noch nicht angekommen zu sein, die weiterhin ihr Geld in die Geschäfte trägt und damit den totalen Kollaps verhindert. Fragt sich nur, wie lange noch. Mit steigender Arbeitslosenzahl wird sich die finanzielle Lage der Bürger spürbar verschlechtern. Und wenn die Kluft zwischen Arm und Reich nicht mehr bloß debattiert, sondern hautnah erlebt wird, dürfte sich der in den Medien kolportierte Fatalismus zum Bumerang erweisen. Die Erholung des Marktes vermag wohl kaum die prognostizierte Katastrophe verhindern. Wirtschaftliche Dynamik hängt nämlich nicht nur von äußeren Faktoren ab, sondern auch maßgeblich von der inneren Einstellung. Wachstum folgt dem Optimismus. Selten umgekehrt. Selbsterfüllende Prophezeiung nennt man so etwas.

Meine Empfehlung an alle unternehmerische Entscheidungsträger und Führungskräfte lautet daher: Hören Sie auf, in Schuldkategorien zu denken und sich als Opfer der äußeren Umstände zu betrachten. Schauen Sie lieber nach Möglichkeiten der Veränderung. Werden Sie sich bewusst, was Sie sind und was Sie können, und setzen Sie Ihre Stärken zielgerichtet ein. Gehen Sie dabei ruhig etwas idealistischer vor als für deutsche Verhältnisse üblich. Wenn Sie Ihr Unternehmen erfolgreich durch die Krise führen und dabei sogar Gewinn erzielen, schert sich niemand um den halben Prozentpunkt, den Sie vielleicht unter der Prognose bleiben. Ganz nach Nietzsches Motto: Wer nach dem Mond zielt und ihn verfehlt, landet immer noch irgendwo zwischen den Sternen!

[Bild: Gerd Altmann - Pixelio.de]

Übersichtlich: Wie Sie mit der E-Mail-Flut richtig umgehen

Viel zu viel Zeit verbringen wir mit Lesen, Löschen, Weiterleiten und Schreiben von E-Mails. Immer mehr genervte Mitarbeiter reagieren deshalb mit der Vogel-Strauß-Taktik und ignorieren einfach alle eingehenden Mails: Bei einem Drittel der Banken und Versicherungen in Deutschland bleiben elektronische Kundenanfragen mittlerweile unbeantwortet liegen.

Das ist die Kehrseite der Kommunikations-Revolution. Dabei hat alles so gut angefangen: Wer eine Mail versendet, weiß, dass sie in wenigen Sekunden Informationen und sogar Dokumente auf andere Kontinente und an beliebig viele Personen bringt. Und das nahezu kostenlos. Dabei ist die zeitversetzte Kommunikation ein riesiger Vorteil.

„You have mail!“

Rein theoretisch erlaubt die Mail also, die E-Post einmal täglich am Stück effizient zu erledigen. Die Praxis sieht anders aus. Denn wenige schaffen es, ihre Neugierde zu bezwingen, wenn das Fenster auf dem Computermonitor aufpoppt oder ein Tonsignal „You have mail!“ signalisiert. Sofort wird alles stehen und liegen gelassen und geprüft, welche Neuigkeiten in die Mailbox geflattert sind. Es könnte ja was wichtiges und dringendes sein. Doch während der Postbote nur einmal am Tag klingelt, landen E-Mails im 10-Minuten-Takt in unseren Postkästen. Ärgerlich nur, dass der Arbeitstag hier keineswegs von relevanten Informationen und Arbeitsanweisungen unterbrochen wird, sondern in der Regel von Werbemails, wenig relevanten Mail-Kopien, Witzen und Newslettern.

Lösungsansätze für Firmen

Unternehmen müssen sich grundsätzlich überlegen, dass und wie sie Regeln für den meist ungesteuerten, planlosen Umgang mit der E-Post aufstellen, erklärt Business-Coach Ludwig Lingg in einem Fachbeitrag zum Thema. Er nennt drei Möglichkeiten, um die E-Mail-Flut und den dadurch verursachten Stress zu reduzieren.

1. E-Mail Spielregeln einführen

Geklärt werden muss laut Lingg folgende wichtige Gesichtspunkte, die in einer E-Mail-Policy berücksichtigt werden sollten:

  • Welche Konventionen und Sicherheitsauflagen müssen beim E-Mailversand eingehalten werden? Möglich ist z.B. bestimmte Codes für den BETREFF abzusprechen. Auch dies hilft, Mails effizient zu filtern.
  • Welche Sicherheitsauflagen müssen beim E-Mailempfang eingehalten werden?
  • Was muss bei Archivierung und Löschung von E-Mails beachtet werden?
  • Unter welchen Umständen darf ein Kollege oder Vorgesetzter notfalls die elektronische Korrespondenz eines Mitarbeiters einsehen?
  • Ist privater Mail-Verkehr erlaubt?

2. Optimierung der Infrastruktur

Definierte E-Mail-Verteilerlisten oder auch Intranet-Foren für bestimmte Gruppen können die Produktivität erhöhen. Denn dann erreichen die Nachrichten die richtigen Mitarbeiter, und diese haben die Möglichkeit, effiziente Filter für ihre Mails zu installieren. So landet jedes Mail im richtigen Ordner und kann beizeiten bearbeitet werden.

Vertrauliche Daten sollten mit einem E-Mail-Verschlüsselungsprogramm versendet werden. Nützlich sein können auch Programme, die doppelte E-Mails und Viren löschen und entfernen.

3. Schulungen und Workshops

Wenn die Mitarbeiter die Regeln für den hausinternen E-Mail-Verkehr nicht kennen und anwenden können, ist die beste Software nutzlos. Die Mitarbeiter müssen wissen, wie Filter verwendet werden und wie eine effiziente Ornderstruktur in ihrem Mailprogramm eingerichtet und genutzt werden kann. Sie müssen über gängige Kürzel im Betreff informiert sein. Hier können Workshops und Schulungen helfen, auf denen diese Regeln und gewünschten Verhaltensweisen kommuniziert und eingeübt werden. Leisten Sie selbst einen Beitrag:

  1. Nicht alle Informationen eignen sich für die E-Mail-Kommunikation. Vertrauliche Informationen sind in einem Brief besser aufgehoben, viele Absprachen mit Kollegen sind oft am Telefon schneller getroffen und Fragen geklärt.
  2. Achten Sie auf aussagekräftige Titel im Betreff. Das hilft dem Adressaten, sich schneller zu orientieren. Möglich sind hier auch Vereinbarungen, wie sie in vielen Mailinglisten gelten: z.B. reine Info-Mails mit „FYI“ (For your Information) zu kennzeichnen oder Fragen mit „F“, Aufgaben mit „A“ und ähnliches. Wenn sich alle im Unternehmen daran halten, ist schon viel an Zeit gewonnen, denn Mails können schneller eingeordnet werden.
  3. Nutzen Sie die cc: und bc: - Funktion mit Bedacht. Es ist für den Absender zwar bequem, eher einen Kollegen zuviel als zuwenig zu informieren. Doch langfristig hilft es, die Mailflut beträchtlich zu reduzieren, wenn Sie sich wieder mehr Gedanken darüber mache, wer über bestimmte Themen mit informiert werden soll und wer nicht. Wer im cc: steht muss üblicherweise nichts tun, aber Bescheid wissen. Bei Adressaten, die nichts miteinander zu tun haben, ist es angemessener, alle in den „bcc“ zu stellen. Nicht jeder freut sich darüber, wenn seine E-Mail-Adresse in großen cc.-Verteilern herumgereicht wird.
  4. Nutzen Sie die „Dringend!“ und „Wenig Dringend!“ – Funktion in den Mailprogrammen. (Das ist bei Outlook zum Beispiel ein rotes Ausrufezeichen und ein blauer Pfeil nach unten). Auch das hilft den Empfängern, die Mail schnell einzuschätzen.
  5. Achten Sie auf Sprache und Form der E-Mails. Vermeiden sie Full-Quotes (komplett zitierte Mails) und verwenden Sie internet-typische Formen der E-Mail-Kommunikation, wie z.B. Emoticons oder Kommentierung direkt im Text des Absenders nur, wenn der Adressat sie sicher versteht.

Managen Sie Ihre eingehenden Mails effizienter

  1. Versuchen Sie, sich feste Lesezeiten einrichten und beantworten Sie die eingegangenen Mails in einem Arbeitsgang.
  2. Öffnen Sie jede Mail möglichst nur einmal und tun sie gleich, was zu tun ist: Beantworten, löschen oder weiterleiten.
  3. Reduzieren Sie die Zahl Ihrer eingehenden E-Mails: Überprüfen Sie regelmäßig, ob Sie diesen Newsletter und jene Mailinglisten wirklich brauchen – und bestellen Sie konsequent unwichtige ab. Die Gefahr, etwas zu verpassen, ist gering. Informieren Sie Bekannte und Freunde freundlich darüber, dass Sie keine weiteren Informationen über angebliche Viren, Würmer, russische Kinder mit Leukämie, nigerianische Connections und sonstige Hoax benötigen. (und leiten Sie diese auch sebst nicht weiter!)

Hinweis

Filter effizient nutzen

Filter helfen, die ankommenden E-Mails automatisch zu verteilen und in Kategorien einzuteilen. Diese Praxis ist allerdings nicht unkritisch. Ludwig Lingg berichtet von Forschungen der Amerikaner Steve Whitaker und Candace Sidner, die entdeckten, dass viele E-Mail Anwender die Eingangs-Mailbox als "To-Do " Liste verwenden. Die Anwender befürchten, wenn sie die E-Mails sofort in die Mailboxen verschieben, denken sie nicht mehr daran. Lingg schlägt deshalb vor, die E-Mails in drei Kategorien einzuteilen.

* Diejenigen die bedenkenlos weitergeleitet werden,

* diejenigen, die zunächst im Eingangskorb bearbeitet werden, und

* Spam-Mails (Unerwünschte Werbe-E-Mails). Diese landen bei Lingg im Mailordner mit dem Namen "Suspekt".

Sinnvoll ist es auf jedenfall, Newsletter und E-Mails aus Diskussionslisten gleich in entsprechende „Lese-Ordner“ zu stellen. Hier landet nur, was gelegentlich gelesen werden kann.

Weniger Zeit mit Antworten verbringen

Auch beim Beantworten von Mails können Sie Zeit sparen:

  • Sie müssen nicht alle Nachrichten beantworten. Reine Danke-Mails oder "Sehe ich auch so!" können Sie sich getrost sparen.
  • Antworten Sie nur, wenn Sie im "To" -Feld stehen
  • Speichern Sie Standard-Antworten und verwenden Sie diese immer wieder. Tipps, wie das technisch geht , finden Sie bei Robert Chromow auf akademie.de.

[jf; Svetlana Miassoedov; Bild: Fotolia.com]

Wissen im Mittelstand: Verfügen Mitarbeiter heute bereits über eine IKT-Allgemeinbildung?

Dies gilt insbesondere für den Mittelstand, denn hier sind motivierte, qualifizierte und produktive Mitarbeiter angesichts sich wandelnder Arbeitsabläufe, zunehmenden Rationalisierungs- und Preisdrucks sowie neuer leistungsfähiger Konkurrenten auf dem Weltmarkt der Garant zu überleben. Unbestritten ist hierbei der enge Zusammenhang dieser Faktoren mit der Qualifikation von Mitarbeitern, das heißt mit ihrer Aus- und Weiterbildung.

Der Mittelstand – ein heterogenes Segment

Der Mittelstand schließt Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen, aber auch mit verschiedenen Philosophien, Einstellungen, Budgets und Ausstattungen in puncto Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) ein. Branchenübergreifend betrachtet, arbeiten im Mittelstand Mitarbeiter mit den unterschiedlichsten Ausbildungsprofilen und Aufgabenbereichen in den verschiedensten Abteilungen. Entsprechend „schwankt“ der Kenntnisstand dieser Fachkräfte hinsichtlich IKT alters-, herkunfts-, bildungsweg- oder interessenbedingt zwischen stark ausgeprägt bis gar nicht vorhanden. Angesichts der Heterogenität in diesem Segment ist es deshalb fraglich, ob es hier DIE klassische „IKT-Allgemeinbildung“ geben kann.

Was heißt das für den Entscheider?

Auf akademisch erworbene IKT-Fachkenntnisse bei allen potenziellen Mitarbeitern zu setzen oder diese gar vorauszusetzen, kann nicht das Ziel sein. In Anbetracht der Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit des Betriebes muss es vielmehr im Fokus dieser mittelständischen Unternehmer liegen, Querschnittskompetenzen in Sachen IKT bei den Mitarbeitern zu fördern. Das heißt, es müssen von Unternehmerseite entsprechende Freiräume zum Erlangen dieser Kenntnisse geschaffen sowie die dafür notwendige technische Ausrüstung zur Verfügung gestellt werden. IKT-Kompetenzen aufgabenbezogen und generationenübergreifend vermitteln In mittelständischen Unternehmen finden sich heute Mitarbeiter aller Altersklassen – also die digitale Generation, die Generation der 30- bis 50-Jährigen und Vertreter der Generation 50 plus. Statistiken zeigen, dass sich in den kommenden zehn Jahren europaweit etwa 48 Millionen Arbeitskräfte altersbedingt in den Ruhestand zurückziehen werden. Im selben Zeitraum rücken laut Studien jedoch etwa 51 Millionen Mitarbeiter der digitalen Generation – sprich: der nach 1980 Geborenen – nach.

Hat der Mittelstand erkannt, dass diese neue Generation an Mitarbeitern auch neue – sogenannte digitale – Anforderungen an ihren künftigen Arbeitsplatz stellt? Derzeit setzen sich nur wenige Unternehmen mit diesem unaufhaltsamen Veränderungsprozess auseinander. Auch dass eine andere Unternehmenskultur der Zusammenarbeit entstehen und die dafür notwendigen IKT-Werkzeuge zur Verfügung stehen müssen, wurde bis dato weitestgehend ignoriert!

Millennials – die digitale Generation

Mitarbeiter der digitalen Generation – man spricht hier auch von Millennials oder der Generation Y – sind nach 1980 geboren und wachsen quasi von Kindesbeinen an mit modernen Technologien auf. Laut Studie eines amerikanischen Marktforschungsinstituts stellt diese Klientel bereits jetzt elf Prozent der arbeitstätigen Bevölkerung in Europa und wird bis zum Jahr 2010 ihre Vorgenerationen zahlenmäßig überholen. Zukunftsorientierte Arbeitskräfte, die skypen, googlen oder ganze Prozessschritte in flexible ASP-Applikationen abbilden: Laut der Studie informieren sich Millennials schneller als ihre älteren Kollegen, recherchieren in anderen Kanälen und kommunizieren in Echtzeit in Communities und Blogs. Statt in tief gestaffelten Hierarchien arbeiten sie lieber in virtuellen Teams und weitestgehend nach einem Arbeitssystem, das ihnen eine Work-Life-Balance, also ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Arbeit und Privatleben, gewährt.

Entsprechend sind mittelständische Entscheider jetzt gefordert zu reagieren! Im Interesse des Unternehmens müssen die Verantwortlichen schon heute die Grundlagen für eine Unternehmenskultur der Zusammenarbeit schaffen und das dafür notwendige IKT-Equipment im Unternehmen bereitstellen.

Die Generation der 30- bis 50-Jährigen

Das Personenfeld der 30- bis 50-Jährigen bildet gemäß gängiger Statistiken mit rund 80 Prozent die Basis der Mitarbeiterschaft in den meisten mittelständischen Unternehmen. Erwiesenermaßen zeigen Mitarbeiter dieser „mittleren Generation“ die größte Schaffenskraft unter allen Altersklassen und spielen somit gerade in kleinen und mittleren Unternehmen eine außerordentlich wichtige Rolle.

Anders als die jüngere Generation der Millennials sind sie jedoch nicht von Kindesbeinen an mit zeitgemäßen Technologien aufgewachsen. Stattdessen beziehen sie ihr Wissen beispielsweise aus Fachliteratur oder -magazinen, Wissensveranstaltungen und Workshops, aus dem Internet oder nach dem Prinzip „Learning by Doing“. Sie schaffen, recherchieren, schreiben und konsumieren Informationen, gliedern diese Informationen jedoch weitestgehend nicht in den Gesamtkontext des Unternehmens ein. Was aus ihrer Sicht zählt, sind nach Angaben der amerikanischen Marktforscher primär das schnelle Auffinden und Verwerten der Informationen.

Generation 50 plus

„Demografischer Wandel als Chance: wirtschaftliche Potenziale der Älteren“: Das war Thema eines europäischen Kongresses, den das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in Gemeinschaft mit der europäischen Politik veranstaltet hat. Darin zeigt sich, dass die Wirtschaft die Generation 50 plus (wieder-)entdeckt hat.

In etlichen Branchen hat man mittlerweile erkannt, dass ein gewaltiger Verlust von Erfahrung, Wissen und Fachkenntnis droht, wenn ganze Jahrgänge geschlossen in den Ruhestand treten. Die Fälle, in denen bereits frühverrentete Fachkräfte verzweifelt – und kostspielig – reaktiviert werden müssen, häufen sich. Ein Grund mehr, in eine altersgemischte Mitarbeiterschaft zu investieren, sich genau zu überlegen, wie man seine Know-how-Träger zeitgerecht in die Geschäftsprozesse einbindet, und sich damit gut auf die Zukunft einzustellen.

Ideallösung: effektive Zusammenarbeit der Generationen

In Unternehmen sind in der Regel alle Altersgruppen präsent: Hier können Ältere ein Vorbild für die jungen Menschen sein und ihnen Tipps geben. Die Jungen hingegen bringen frischen Wind und neue Ideen mit ein. Wenn heute teamorientierte Modelle der Zusammenarbeit und Netzwerkstrukturen die klassischen, hierarchisch organisierten Unternehmensformen mehr und mehr ablösen, müssen Mitarbeiter in der Lage sein, in wechselnden Rollen zu agieren: als Leiter oder Geführter oder als Gleicher unter Gleichen. Teamorientierte Strukturen und zunehmende Vernetzung erfordern den Aufbau von langfristigen stabilen Beziehungen und sind damit unabdingbarer Bestandteil der Unternehmens- wie auch der IKT-Strategie.

Als Fazit zum Thema „IKT-Allgemeinbildung“ und damit einhergehenden Mitarbeiterprofilen lässt sich sagen: Mittelständische Entscheider müssen erkennen, dass das heutige Mitarbeiterprofil auch neue Herausforderungen und Handlungsfelder an die Personalentwicklung stellt. Vor allem die rechtzeitige Sicherung und Entwicklung von implizitem IKT-Wissen und die effektive Zusammenarbeit zwischen den Generationen in der „Übergangszeit“ müssen als zentrale Erfolgsfaktoren gesehen werden. Oberste Priorität sollte es deshalb für jeden mittelständischen Entscheider haben, Fluktuation zu vermeiden, das Know-how zu fördern und Wissen im Unternehmen zu erhalten.

Dieser Artikel wurde von der nextbusiness-IT [105] Redaktion erstellt. „nextbusiness-IT – Exzellenz im Mittelstand“ ist eine bundesweite Leitthemenkampagne für den Mittelstand, die unter anderem die „Bibliothek des modernen IT-Wissens“ für den Mittelstand herausgibt. Diese Bibliothek können Sie hier kostenlos anfordern. [106]

Change Management: Den permanenten Wandel im Unternehmen als natürliche Entwicklung begreifen

In schwierigen Situationen werden schnelle Entscheidungen getroffen und eine schnelle Umsetzung der Maßnahmen wird verlangt. Die Geschwindigkeit von Veränderungen im gesamten wirtschaftlichen Umfeld und somit auch in den Unternehmen nimmt weiterhin zu. Gleichzeitig nimmt die Beständigkeit von Lösungen rapide ab. Was gestern noch gut war, ist heute veraltet. Die Situation wird als permanenter Wandel beschrieben. Branchenübergreifende Konzentrationsprozesse, kapitalintensive Internationalisierungstendenzen, zunehmender Preisdruck und rasante technologische Entwicklungen, führen zu völlig neuen Geschäftsbeziehungen.

Diese Herausforderungen können Unternehmen nur dann meistern, wenn sie ihre Strukturen und Prozesse anpassen und dem permanenten Wandel mit einer hohen Flexibilität begegnen. Und: Auch die Mitarbeiter müssen diesen Wandel unterstützen und leben!

Die heutige Unternehmensrealität sieht leider vielfach immer noch anders aus. Mit der Umsetzung eines konsequenten Change Managements bietet sich die Möglichkeit, Verände­rungen als Entwicklungschancen zu begreifen. Durch Change Management lässt sich eine Kultur schaffen, in der Wandel als Entwicklung, und damit als etwas völlig Natürliches verstanden und gelebt werden kann.

Durch permanenten Wandel werden Routineabläufe und Ruhezyklen in Unternehmen immer seltener. Viele Mitarbeiter sind mit der Komplexität von Veränderungen und deren Tempo überfordert. Widerstände bauen sich auf und führen dazu, dass etwa 70 Prozent aller angestrebten, notwendigen Reformen scheitern. Verärgerung, Frustration, Demotivation – und Fluktuation sind die Folge. Um diese Ressourcenverschwendung zu vermeiden, gilt es, eine Unternehmenskultur zu schaffen, in der Veränderungen zur Normalität zählen. Hier setzt das Change Management ein.

Der Faktor "Mensch"

Change Management gilt heute leider immer noch häufig eher als zeit- und kapitalintensiver „sozialer Schnickschnack“ denn als wichtiges unternehmensstrategisches Instrument mit langfristigem Nutzen. Change Management ist die Gesamtheit aller Aktivitäten zur Handhabung von Veränderungen. Mit diesem Instrumentarium lässt sich eine Unternehmenskultur erschaffen, in der Veränderungen positiv aufgenommen werden. Proaktives Change Management kann als "Frühwarnsystem" eingesetzt werden und führt damit zum Handeln bevor sich Probleme im Unternehmen offenbaren. Reibungsverluste beim Wandel lassen sich nur durch eine optimale Einbindung der Mitarbeiter in die Veränderung minimieren – es gilt der Grundsatz "Betroffene zu Beteiligten machen"

Change Management – Voraussetzung für erfolgreiche Unternehmen

Der Mensch ist grundsätzlich veränderungsscheu. Unwissenheit und Verunsicherung sind hier die treibenden Faktoren. Der Ist-Zustand ist bekannt, wird routiniert beherrscht, gibt Sicherheit und persönliche Bestätigung. Die Veränderung hingegen ist neu und vor allem – unbekannt. Mangelnde Information über die anstehende Veränderung ist somit der wesentliche Grund für bestehende Ängste. Daher gilt es, die Chancen der Veränderung transparent darzustellen und der Belegschaft verständlich zu vermitteln. Neben dem Nutzen für das Unternehmen müssen dabei vor allem auch die persönlichen Vor- aber natürlich auch eventuelle Nachteile für die Mitarbeiter verdeutlicht werden. Der Mitarbeiter muss die Veränderung als sein Anliegen und nicht als Wunsch des Unternehmens begreifen.

Change Management soll im Vorfeld des Veränderungsprozesses den Boden bereiten, eine Kulturveränderung im Unternehmen und eine Bewusstseinsveränderung beim Mitarbeiter bewirken.

Veränderungen im Zeitablauf

Die ersten Maßnahmen des Change Managements müssen daher starten, bevor die Veränderung eingeleitet wird. Denn: Der Wandel findet in den Köpfen statt!

Der Veränderungsprozess

Jede interne (zum Beispiel strukturelle Anpassungen, Produktveränderungen, Software-Einführung) oder externe (Gesetzgebung, Marktveränderungen, usw.) Situation, die sich auf ein Unternehmen auswirkt, kann eine Veränderung anstoßen. Jede Veränderung wiederum birgt Risiken und Chancen. Die Aufgabe des Change Managements ist es, die Chancen und deren Nutzen in den Vordergrund zu stellen.

Veränderungsprozesse lassen sich nur dann erfolgreich umsetzen, wenn folgende Faktoren im Unternehmen berücksichtigt werden:

  • Change Management muss von jedem Mitarbeiter als persönliche Aufgabe verstanden werden;
  • Verkrustungen müssen aufgebrochen und vermieden werden;
  • Toleranz gegenüber Instabilitäten und Fehlern;
  • Aufbau einer Streit- und Lernkultur;
  • Aktiver Beitrag der Führungskräfte als Promotoren des Wandels;
  • Einsatz von "Change Agents" als Missionare, Vorbilder und methodische Experten;
  • Leadership statt traditionelles Management.

Bei einer schwachen Ausprägung dieser Faktoren im Unternehmen müssen sie mit geeigneten Maßnahmen – und idealerweise im Vorfeld des Veränderungsprozesses – aufgebaut werden. Change Management muss als ein Entwicklungsprozess begriffen werden, als eine permanente Aufgabe mit einem evolutionären Ansatz. Das benötigt Zeit.

Veränderungsprozesse sind meist sehr komplex und die Wechselwirkungen nicht auf den ersten Blick erkennbar. Zur Analyse der Veränderung lassen sich unter anderem folgende Leitfragen nutzen:

  • Welche Unternehmensbereiche sind betroffen?
  • Wie groß ist die Anzahl der betroffenen Mitarbeiter?
  • Was waren die Erfolgsfaktoren der Veränderungen in der Vergangenheit?
  • Woran scheiterten Veränderungsprojekte in der Vergangenheit?
  • Welche Barrieren müssen bei der Veränderung einkalkuliert werden?
  • Welche Ängste könnten beim Personal ausgelöst werden?

Instrumente und Maßnahmen

Eine wichtige Voraussetzung für die Realisierung eines Veränderungsprozesses ist die aktive Einbindung der Führungskräfte. So muss das Management "top-down" die Rahmenbedingungen festlegen und die notwendigen Entscheidungen bezüglich der Change Management Maßnahmen treffen. Die Belegschaft wird dann "bottom-up" beteiligt.

Das Spektrum der möglichen Instrumente und Maßnahmen ist sehr vielfältig und muss vor dem Hintergrund des jeweiligen Unternehmens, seiner Kultur, der anstehenden Veränderungen und seiner Menschen sorgsam ausgewählt werden. Die Auswahl der Instru­mentarien aus den Bereichen Diagnose, Information, Qualifikation, Motivation, Organisation, Planung und Controlling sowie Marketing erfolgt nach den drei Grundsätzen des Change Managements: klare Information der Mitarbeiter, Beteiligung aller Betroffenen sowie Durchführung von Trainings und Coachings.

Ein sinnvoller Einstieg sind Informationsveranstaltungen, bei denen Ziele und Gründe der Veränderung verdeutlicht werden. Wichtig: frühzeitig aktiv werden, damit man informiert, bevor Gerüchte entstehen. Danach gilt es, regelmäßig über den Projektverlauf zu informieren. Dazu sind Hauszeitung, Info-Ecke, schwarze Bretter, Plakate, Info-Broschüren, E-Mail-Newsletter oder auch regelmäßige Talk-Runden geeignet. Umgesetzt werden diese Maßnahmen durch die sogenannten "Change Agenten" – Personen, die im Unternehmen eine hohe Akzeptanz genießen und den Veränderungsprozess auch inhaltlich gut begleiten können. Das Ergebnis: ein lernendes Unternehmen.

Mensch als Motor des Wandels

In einem lernenden Unternehmen

  • sorgen Führungskräfte für Bedingungen, die das Lernen stimulieren,
  • erhalten die Mitarbeiter ein zeitnahes positives oder negatives Feedback,
  • ist es erlaubt, Fehler zu machen,
  • wird aus Erfolgen und Misserfolgen gelernt,
  • honorieren Anerkennungssysteme lern- und veränderungsorientierte Einstellungen,
  • ist eine Einflussnahme auf die Gestaltung von Veränderungen erwünscht,
  • wird eine Streitkultur gepflegt,
  • besteht die Basis aus gegenseitigem Vertrauen und offener Kommunikation.

Wir müssen erkennen, dass sich die Welt radikal verändert. Das unternehmerische Handeln vollzieht sich unter deutlich veränderten Rahmenbedingungen. Wir brauchen in den Unternehmen veränderungsbereite und -fähige Belegschaften. Das Personal muss die Veränderungen als etwas völlig Normales betrachten, die als notwendige Entwicklungen zu einem Unternehmen dazugehören. Das erfordert umfassende Bewusstseinsbildung.

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Projekte retten: Regeln für Projekte, die aus dem Ruder laufen

Alle Projekt-Manager wissen: Kein Projekt läuft so, wie es zu Beginn einmal geplant war. Immer gibt es im Projektverlauf irgendwelche Veränderungen, die den ursprünglichen Plan über den Haufen werfen – oder zumindest eine Anpassung erforderlich machen. Deshalb gilt das Motto: Der Plan ist nichts, die Planung ist alles.

Unsicherheit, Änderungen und Dynamik – damit muss jeder Projektleiter zurechtkommen. Doch in manchen Projekten gewinnen diese Faktoren so die Oberhand, dass alles aus dem Ruder läuft. Chaos wird zum Projektalltag. Für die beteiligten Projekt-Manager heißt das: Stress. Nicht immer sind sie selbst daran schuld. Dennoch wird von ihnen erwartet, dass sie das Projekt wieder in den Griff bekommen.

Stichwort

Chaos im Projekt entsteht dann, wenn keiner genau weiß, wie es eigentlich weiter geht, ob die Ziele noch erreicht werden. Das kleine, alltägliche Chaos ist in vielen Projekten fast schon normal. Es wird vom Projektteam bewältigt und das Projekt insgesamt bleibt in der Spur. Wenn dieses Chaos aber eine kritische Grenze erreicht oder andere Faktoren dazu führen, dass das Projekt insgesamt auf der Kippe steht, dann braucht es besondere Management-Fähigkeiten.

Was das Projektleben so schwer macht

Viele Projekte laufen aus dem Ruder, weil die Ziele nicht klar festgelegt werden. Der Auftraggeber und der Projektleiter stimmen sich nicht richtig ab, worum es eigentlich gehen soll. Wenn das im weiteren Projektverlauf deutlich wird, muss nachgebessert werden, damit alle wieder in dieselbe Richtung marschieren. Problematisch sind vor allem:

  • Der Auftraggeber hat selbst keine klaren Vorstellungen darüber, welche Ziele er für das Projekt vorgeben soll. Er startet ein Projekt, ohne selbst genau zu wissen, was er erreichen will – und wie er das klar messen und vorgeben kann.
  • Die Abstimmung mit dem Projektleiter ist mangelhaft. Der interpretiert die Zielvorgaben falsch und setzt andere Prioritäten als vom Auftraggeber gewünscht. Auch seine Projektmitarbeiter bringt er so auf eine falsche Spur.
  • Während des Projekts ändern sich die Zielvorgaben. Wenn andere Interessengruppen vom Projekt erfahren, mischen sie sich ein und wollen auch die Ziele ändern – zum Teil mit erheblichem Druck auf den Projektleiter.
  • Veränderungen im Umfeld des Projekts verhindern, dass die ursprünglichen Ziele erreicht werden. Diese müssen angepasst werden.

Ein weiterer wichtiger Problembereich: Mangelnde Erfahrungen. Projekte zeichnen sich dadurch aus, dass mit ihnen Neuland betreten wird. Niemand kann deshalb genau sagen, wie das Projekt-Team dabei vorankommt, wo die Stolperfallen liegen und wie man damit umgeht. Dieses fehlende Wissen zeigt sich dann darin, dass:

  • Zeitpläne unrealistisch sind;
  • Projektleiter und Projektmitarbeiter den Arbeitsaufwand (neben ihren sonstigen Aufgaben) falsch einschätzen;
  • Budgets zu knapp kalkuliert sind; und
  • die Komplexität des Projekts unterschätzt wird.

Nur wer schon viele Projekte gemanagt hat, weiß um diese Probleme und plant von vorneherein die notwendigen Puffer ein. Von diesem Erfahrungswissen profitieren aber zu wenige (junge) Kollegen. Sowohl als Auftraggeber als auch als Projektleiter wollen sie sich selbst beweisen – und laufen dann in diese typischen Projektfallen. Und nur wenige Unternehmen betreiben ein aktives Wissensmanagement rund um ihre Projekte.

Hinweis

Wie sich Projektmanagement mit persönlichem und organisationalem Lernen verbinden lässt, erfahren Sie in dieser Lösungshilfe:

Action Learning: Lernen und Problemelösen eng miteinander verbinden [107]

Schließlich gibt der Projektleiter zu wenig Acht auf die Details. Die Feinplanung ist nicht sorgfältig genug, die Mitarbeiter wissen nicht, wie sie eine Aufgabe lösen sollen. Wenn es dann nicht korrekt ist, muss alles noch einmal gemacht werden. Der Projektleiter unterschätzt häufig auch den Kommunikations- und Abstimmungsbedarf mit seinen Projektmitarbeitern, mit dem Auftraggeber und dem Lenkungskreis. Der Projektleiter meint: „Das habe ich doch erzählt!“ Und sein Mitarbeiter antwortet: „Das war mir so nicht klar.“

Oft kommen sich auch mehrere Projekte in die Quere. Wenn auf der übergeordneten Management-Ebene kein Projektportfolio gepflegt wird (Multiprojektmanagement), dann streiten sich Projektleiter schnell um knappe Ressourcen wie den Arbeitseinsatz einzelner Mitarbeiter.

Das gesamte Dossier hier als PDF-Datei zum Herunterladen und Ausdrucken:

Veränderungen: Change Manager brauchen überzeugende Kommunikationskonzepte

Veränderungsprojekte scheitern viel häufiger am Widerstand der Menschen als an der Technologie. Deshalb müssen Change Manager frühzeitig herausfinden, wer von der Veränderung betroffen ist und welche Interessen negativ berührt werden. Diese so genannten Stakeholder-Analysen werden normalerweise mit persönlichen Interviews oder standardisierten Fragebögen durchgeführt. Doch das reicht für ein fundiertes Kommunikationskonzept nicht aus, denn die Ergebnisse sind zu oberflächlich. Die tiefer liegenden Beweggründe der Befragten werden dabei nicht erfasst. Manchmal äußern sich die Mitarbeiter ablehnend gegenüber einer geplanten Veränderung, aber das hat ganz andere Gründe - vielleicht akzeptieren sie den neuen Chef nicht und wollen so ihrem Ärger Luft machen.

Change Manager, die wirklich hinter die Kulissen schauen möchten, nutzen systemische Aufstellungen zur Stakeholder-Analyse. Systemische Aufstellungen zeigen nämlich nicht nur, wie die einzelnen Parteien auf die Veränderung reagieren, sondern auch wie das gesamte Miteinander vom geplanten Wandel betroffen ist. Aufstellungen machen das Unsichtbare eines betrieblichen Systems sichtbar, das Unausgesprochene hörbar und die unbewussten Ressentiments fühlbar. Damit schaffen sie das solide Fundament für die Entwicklung eines überzeugenden Kommunikationskonzeptes.

Antizipierte Widerstände legen das Fundament für den Erfolg des Wandels.

Früher war es deutlich einfacher für Change Manager die Mitarbeiter zu motivieren. Sie konnten ihnen sagen: „Wenn Eure Firma noch erfolgreicher wird, dann sind Eure Arbeitsplätze sicherer und Eure Verdienstmöglichkeiten größer“. Doch diese Kausalkette kauft einem in Deutschland niemand mehr ab. Betriebe, die 2-stellige Gewinne einfuhren, wurden ins Ausland verlegt, weil dort vielleicht noch ein paar Prozent mehr Gewinn zu erwarten sein könnten.

Durch die Erfahrungen der letzten Jahre sind die Mitarbeiter in Bezug auf Change Projekte extrem misstrauisch geworden. Sie haben erlebt, dass sie austauschbar sind und sich ihre Identifikation mit dem Unternehmen nicht lohnt. Deshalb wird es nicht reichen, wenn der Change Manager sein Projekt mit den Vorteilen für die Firma begründet. Er muss die Mitarbeiter schon durch das Fenster ihres persönlichen Nutzens schauen lassen. Dieses Fenster hat zwei verschiedene Glasscheiben, eine schwarze und eine rosarote. Stellen wir die Betroffenen vor die schwarze Scheibe, können sie sehen, welche Nachteile sie haben, wenn sie nicht mitmachen.

Dazu das Beispiel eines Change Managers, der sich an einen Führungskreis wendet: „Wenn Sie das Projekt nicht unterstützen, dann führt an Personalabbau kein Weg vorbei... und Sie als Führungskraft wissen, wie unangenehm es ist, Entlassungsgespräche mit Familienvätern zu führen.“ Führen wir die Mitarbeiter vor das rosa eingefärbte Nutzenfenster, dann könnte das so klingen: „Wenn Sie in diesem Change Projekt mitmachen, dann können Sie auch mitgestalten und dafür sorgen, dass Ihre persönlichen Interessen berücksichtigt werden.“ Ein gutes Kommunikationskonzept setzt also nicht auf die Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen, sondern es richtet sich sehr persönlich und direkt an die betroffenen Menschen.

Die Betroffenen durch die Fenster des persönlichen Nutzens schauen lassen.

Wenn von oben eine Veränderung angestoßen wird, fassen das die Mitarbeiter häufig als persönliche Kritik auf. Sie fragen sich: „Haben wir früher alles falsch gemacht? Waren wir nicht gut genug?“ Ihre Selbstzweifel wachsen im Laufe der Zeit und das wird dem Wandel nicht bekommen. Wer sich selbst nichts mehr zutraut, hat weder die Kraft, noch den Mut, Neuland zu betreten. Um dem entgegen zu wirken, setzen erfahrene Change Manager auf Appreciative Inquiry, die Methode der wertschätzenden Befragung. Hierfür werden Workshops initiiert, die vorhandene Ressourcen bewusst machen und dafür sorgen, dass das wirklich Wertvolle im Veränderungsprozess nicht verloren geht. Die Mitarbeiter können so mit Stolz auf das bisher Erreichte schauen und das Bewährte in die Zukunft mitnehmen. Die Ergebnisse aus der wertschätzenden Befragung müssen unbedingt kommuniziert werden. Die Betroffenen sollten nicht nur erfahren, was sich ändern wird, sondern auch wissen, was bleibt und worauf sie sich weiterhin verlassen können. Das schafft Vertrauen in jeglicher Hinsicht und wird damit zur tragenden Säule für den Erfolg von morgen.

Die Wertschätzung als tragende Säule für den Erfolg von morgen.

Außerdem können Veränderungsprozesse enorme Ängste auslösen. Mit den Worten des Psychologen Fritz Riemann: „Angst tritt immer dort auf, wo wir uns in einer Situation befinden, der wir nicht oder noch nicht gewachsen sind.“ Dabei ist der Auslöser der Angst oft gar nicht das Veränderungsziel, sondern der unbekannte Weg dorthin. Routinierte Change Manager wissen, dass sie den Mitarbeitern die nächsten Schritte möglichst schnell transparent machen müssen. Sie vermeiden dadurch, dass die Gerüchteküche die schrecklichsten Phantasien nährt. Dabei sollten erst mal Piloteinheiten die erarbeiteten Lösungen austesten.

Diese letzte Sicherheitsstufe ist nicht nur zur Beruhigung der Mitarbeiter sinnvoll, sondern auch um etwaige Kinderkrankheiten des neuen Systems auszuheilen. Auf jeder Stufe müssen die Ergebnisse kommuniziert werden. Über die ersten Erfolge zu berichten versteht sich von selbst, aber auch die Rückschläge sollten den Mitarbeitern nicht vorenthalten werden. Change Manager verspielen ihr Vertrauen, wenn sie Schönfärberei betreiben und mit den nackten Tatsachen immer erst dann herausrücken, wenn es gar nicht mehr anders geht. Ein erfolgreiches Kommunikationskonzept ist eine vertrauensbildende Maßnahme und keine Werbetrommel.

Die Ergebnisse auf der Maßnahmen-Treppe offen und zeitnah kommunizieren.

Veränderungsprozesse laufen dann am besten, wenn alle Mitarbeiter das Veränderungsziel akzeptieren und die Maßnahmen mitgestalten dürfen. Mitreden, Mitdenken und Mitentscheiden lassen, das sind die Strategien erfolgreicher Change Manager. Wenn ein Vorstand ankündigt, 30 Prozent des Personals abzubauen, dann macht er eigentlich gleich zwei Fehler:

  1. Niemand kann sich mit diesem Ziel identifizieren, denn wer sägt schon gerne an seinem eigenen Ast.
  2. Er hat eigentlich kein Ziel genannt, sondern eine Wegbeschreibung. So unterdrückt er die Kreativität seiner Mitarbeiter und wird nie erfahren, ob es nicht vielleicht andere, bessere Wege zum Erfolg gegeben hätte.

Er kann mit deutlich mehr Unterstützung von unten rechnen, wenn er sein Ziel so formuliert: „Wir wollen unsere Kosten um 30 Prozent senken, bitte erarbeiten Sie für Ihren Bereich die notwendigen Maßnahmen.“ Der eine Bereich baut dann vielleicht tatsächlich Personal ab, dafür spart ein anderer beim Materialeinkauf oder er optimiert seine Prozesse. Die Mitarbeiter haben kein Problem damit, sich unter dem Dach eines anspruchsvollen Kostenziels einzufinden – vor allem dann nicht, wenn sie Gestaltungs-Freiräume wahrnehmen und das Gefühl haben, dass ihre Ideen gefragt sind. Und genau das muss ein überzeugendes Kommunikationskonzept transportieren – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Unter dem Dach eines gemeinsamen Ziels, den Wohnraum frei gestalten lassen.   

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Mitarbeiterführung: Den Mitarbeitern Vertrauen schenken

Der Philosoph Peter Sloterdijk hat es einmal prägnant formuliert:

„Die Gesellschaft der Zukunft ist zum Vertrauen verurteilt.“

Folglich gilt dies auch für Unternehmen, und in der Tat scheint bei vielen, zumindest wenn man einige Unternehmen so reden hört, Vertrauen ganz oben in der Unternehmenskultur angesiedelt. Die Realität indes sieht oftmals ganz anders aus, behauptet zum Beispiel der Management-Autor Reinhard K. Sprenger. In seinem Buch „Vertrauen führt - worauf es in Unternehmen wirklich ankommt“, vertritt er die Ansicht, dass Vertrauen kein moralischer Begriff sei, sondern vielmehr ein rationaler Wert, der den Unternehmen zahlreiche Vorteile im Wirtschaftsleben biete. Zwar werde Vertrauen oft als unverzichtbarer Bestandteil des Wirtschaftslebens bezeichnet, ohne den weder eine erfolgreiche Mitarbeiterführung noch die Bindung eines Kunden oder Geschäftspartners möglich seien, doch im Alltag seien diese Aussagen oft nur Lippenbekenntnisse des Managements. Vertrauen schreibt Sprenger folgende Eigenschaften zu:

  • es führt zu Kosteneinsparungen, da Mitarbeiter nicht viel Zeit mit Berichterstattung verbringen müssen und stattdessen produktiv arbeiten können,
  • es führt zu mehr Flexibilität im Unternehmen,
  • es fördert die Kreativität der Mitarbeiter und dadurch Innovationen,
  • es bindet Mitarbeiter und wirkt daher von innen heraus motivierend (intrinsisch) und
  • es führt am Ende zu mehr Unternehmenserfolg und zu einer stärkeren Position im Wettbewerb.

Mit seiner doch eher ernüchternden Realitätsanalyse scheint Sprenger Recht zu behalten. Ein Beleg dazu findet sich in der aktuellen Führungskräftebefragung des Vereins „Wertekommission – Initiative für Werte Bewusste Führung“ in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Managerverband. Bei mehr als zwei Drittel der mehr als 500 befragten Führungskräften im Alter zwischen 26 und 40 Jahren besteht Einigkeit darüber, dass in der Umsetzung einer werteorientierten Führung durch das Top-Management eine große Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft. Fast 40 Prozent geben an, ihre Unternehmen bezögen sich nur aus Marketinggründen auf Werte.

Besonders gilt das für die Themen Vertrauen und Ehrlichkeit, die bei den jungen Führungskräften als wichtigste Werte ganz oben stehen. Sven Korndörffer, Vorstandsvorsitzender der Wertekommission, sagt:

„Klar ist, dass ein neuer Standard für Unternehmenswerte entsteht: Gefragt sind nicht mehr lockere, frei interpretierbare Absichtserklärungen, sondern verbindliche, belastbare und berechenbare Abmachungen. Werte sind aus Sicht junger Führungskräfte längst kein weicher Faktor bei der Wahl ihres Arbeitsplatzes mehr. Sie sind vielmehr ein hartes Kriterium für die Beurteilung des eigenen Unternehmens geworden.“

Wie es war: Humanisierung der Arbeitswelt

Wenn man sich den Überwachungsskandal des Discounters Lidl ansieht oder an die Bespitzelungsaffäre bei der Deutschen Telekom denkt, fällt es schwer zu glauben, dass wir uns im 21. Jahrhundert befinden. Unternehmen werden nicht müde zu betonen, wie wichtig der globale Wettbewerb für sie ist, wie schnell und flexibel sie heute auf Marktsituationen reagieren müssen. Schafft da eine Mitarbeiterüberwachung per Videokamera etwa die nötigen Voraussetzungen oder wäre es nicht wichtiger, seinen Mitarbeitern zu vertrauen, in dem man ihnen ein gehöriges Maß an Eigenverantwortung zugesteht?

Permanente Kontrolle und Vertrauen passen per se nicht zusammen. Unternehmen, die so verfahren, scheinen einem veralteten Bild der Beziehung des einzelnen Mitarbeiters mit dem Unternehmen anzuhängen und ihre Methoden nach dem Sprichwort zu wählen:

„Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“

Mitte der 1970er Jahre setzte sich die Politik, vor allem die SPD und ihr damaliger Bundeskanzler Willy Brandt, mit den Wirkungen unmenschlicher Arbeitsbedingungen beziehungsweise Arbeitsformen wie etwa Fließbandarbeit auseinander. Es wurde ein Programm aufgelegt, das sich auf eine „Humanisierung der Arbeitswelt“ konzentrierte und mit dem unter anderem auch Richtwerte und Mindestanforderungen an Maschinen, Anlagen und Arbeitsstätten erarbeitet wurden. Es ging um die Frage, wie Arbeit besser organisiert und Arbeitsplätze besser gestaltet werden könnten.

In den 1980er Jahren beschäftigte sich das Programm mit den Auswirkungen des sogenannten Taylorismus. Als Antwort wurden neue Produktionskonzepte entworfen, die auf eine Vereinbarkeit von Rationalisierung und Humanisierung durch eine Strukturierung von Arbeit setzten wie zum Beispiel die Flexibilisierung von Arbeitszeit. Das von dem US-Amerikaner Frederick Winslow Taylor aufgestellte Modell ging der Frage nach, wie Arbeiter bei gleichem Lohn zu mehr Arbeit zu bewegen seien. Seine These: Abläufe in Unternehmen stellen sich als ein Machtkampf zwischen Management und Arbeitern dar, bei dem immer nur die Arbeiter gewinnen könnten, da nur sie die Arbeit kennen und beherrschen. Seine Schlussfolgerung: Um das Management zu stärken, müsse Arbeit anders organisiert, Betriebsabläufe neu strukturiert werden. Heraus kam ein mechanistisches Bild des Arbeiters, das Taylor mit dem blumigen Satz umschrieb:

„Arbeiter gehorchen ähnlichen Gesetzen wie Teile einer Maschine.“

Damit war alles gesagt. Künftig sollten Planung und Kontrolle der Produktion sowie deren Ausführung – also Kopf- und Handarbeit – strikt getrennt werden. Arbeit sollte auf präzisen Anleitungen beruhen, vorgegeben vom Management, und durch hohe Arbeitsteilung ausgeführt werden. Geld, das von der erbrachten Leistung abhängig gemacht wurde, fungierte als zentraler Motivationsfaktor. Dass diese Form der Arbeitsorganisation nicht gut gehen konnte, lag im Naturell des Arbeiters, des Menschen, selbst begründet. Auf Dauer wirkten monotone Tätigkeiten, die eigenständiges Denken nahezu komplett überflüssig machten, ernüchternd und demotivierend. Viele Arbeiter identifizierten sich nicht mehr mit ihrer Arbeit, mit dem Betrieb und mit den hergestellten Produkten.

In den 1990er Jahren schließlich kamen neue Management-Konzepte auf. Lean Management oder Lean Production etwa wurden zu Leitbildern moderner Arbeitsorganisation erkoren. Die strikte Trennung von Arbeits- und Lebenswelt, Hierarchie, Kontrolle und Fremdbestimmung von Mitarbeitern wurden abgelöst durch Modelle wie

  • selbstbestimmte Arbeitszeiten,
  • Gruppenarbeit,
  • flache Hierarchien oder
  • Selbstorganisation.

Das gesamte Dossier hier als PDF-Datei zum Herunterladen und Ausdrucken:

Dienstwagen: Rechtliches zum Firmenwagen - Anspruch, Steuer, Haftung bei Unfall

Im Fall Müller schien alles klar. Der Aufhebungsvertrag war unter Beteiligung der Rechtsanwälte, der Personalabteilung und dem Vorgesetzten von Herrn Müller ausgehandelt. Man hatte sich auf den Beendigungszeitpunkt, eine für beide Seiten akzeptable Abfindungssumme, zahlreiche andere Regelungen sowie die Freistellung bis zum Ende des Arbeitsverhältnisses geeinigt.

Doch dann kippte die Stimmung im Verhandlungssaal, als es um den Dienstwagen ging: Die Arbeitgeberseite stellte sich auf den Standpunkt, Herr Müller müsse seinen Dienstwagen mit Beginn der Freistellung zurückgeben. Herr Müller wehrte sich vehement gegen diese Forderung. Es war nicht möglich, in diesem Punkt an diesem Tag eine Einigung zu finden.

Der geschilderte Fall ist keine Ausnahme: Der Dienstwagen ist gerade für Mitarbeiter in gehobener Stellung ein Statussymbol. Dieses Thema ist oft emotional so besetzt, dass wirtschaftliche Erwägungen bei einem Konflikt hierüber oft kein Gewicht haben.

Anspruch auf einen Dienstwagen

Die Frage, ob einem bestimmten Mitarbeiter ein bestimmter Dienstwagen zusteht, kann einzelvertraglich geregelt werden. In großen Firmen gibt es meist Dienstwagenregelungen, die sowohl die Frage, wem welcher Dienstwagen zusteht, wie auch die Bedingungen abschließend regeln. Sofern der Arbeitnehmer diese Dienstwagenregelung unterschreibt oder im Arbeitsvertrag darauf Bezug genommen wird, gilt diese für ihn verbindlich.

Entzug des Dienstwagens

Die Bereitstellung eines Dienstwagens auch für private Nutzung stellt ein Äquivalent für die Arbeitsleistung dar. Folglich wird es sowohl von den Arbeitsgerichten als auch von den Steuerbehörden wie Einkommen behandelt. Will ein Arbeitgeber einem Arbeitnehmer folglich einseitig den Dienstwagen entziehen, ist dies im Regelfall so zu betrachten, als ob er eine Gehaltskürzung vornehmen wolle. Dies kann die Arbeitgeberseite jedoch selbstverständlich nicht willkürlich tun. Hier gibt es nach dem Kündigungsschutzgesetz hohe Hürden.

Der Arbeitgeber müsste eine Änderungskündigung aussprechen. Dies beinhaltet eine Kündigung der alten arbeitsvertraglichen Gestaltung mit dem gleichzeitigen Angebot der Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses unter neuen, geänderten Bedingungen. In unserem Fall würde dies bedeuten, der Arbeitgeber würde das alte Arbeitsverhältnis kündigen und eine Fortsetzung des ansonsten unveränderten Arbeitsverhältnisses ohne die Bereitstellung des Dienstwagens anbieten.

Wehrt sich der Arbeitnehmer dann im Rahmen eines Prozesses, muss der Arbeitgeber darlegen und beweisen, dass dringende betriebliche Erfordernisse die Änderungen rechtfertigen. Dies wird ihm hinsichtlich faktischer Gehaltskürzung nur in ganz wenigen Fällen gelingen, pauschal kann man sagen, dass das Unternehmen hier konkret vor Insolvenz stehen müsste.

Ist jedoch vertraglich geregelt, unter welchen Bedingungen der Arbeitnehmer den auch zur privaten Nutzung zur Verfügung gestellten Dienstwagen zurückgeben muss, gilt dies grundsätzlich. Unzulässig ist jedoch eine Regelung, die es dem Arbeitgeber ermöglicht, jederzeit und ohne besonderen Grund die Privatnutzung zu widerrufen.

Das Bundesarbeitsgericht entschied in einem Urteil vom 19. 12. 2006, dass eine solche Formulierung in vorformulierten Verträgen unwirksam sei. Es benachteilige den Arbeitnehmer unangemessen, wenn es dem Arbeitgeber freisteht, eine an sich zugesagte Leistung ohne Angabe von Gründen jederzeit zu entziehen. Eine Regelung dergestalt, dass der Dienstwagen bei Änderung des Arbeitsgebietes – beispielsweise einer zulässigen Versetzung vom Außendienst in den Innendienst – oder bei Freistellung entzogen werden kann, steht zwar nichts entgegen, jedoch muss dies ausdrücklich so formuliert sein.

Nicht ausreichend ist es wie im vorliegenden Fall, das Widerrufsrecht für den Arbeitgeber weit zu formulieren und es nur bei berechtigtem Anlass auszuüben. Hier hatte der Arbeitgeber das unbeschränkte Rückforderungsrecht nach Kündigung und Freistellung von der Arbeitsleistung ausgeübt. Der Mitarbeiter gab das Auto zwar zurück, forderte jedoch Schadenersatz wegen entgangener Nutzungen. Das Bundesarbeitsgericht gab dem Anspruch statt, da es die Klausel im Arbeitsvertrag als insgesamt unwirksam beurteilte, die Arbeitgeberseite hatte folglich keine Rechtsgrundlage für die Rückforderung.

Steuerliche Aspekte

Die Höhe eines solchen Schadenersatzes entspricht der Pauschale, welche im Rahmen der Einkommensteuer berücksichtigt wird. Der privat genutzte Dienstwagen wird als Einkommen in die Verdienstabrechnung eingestellt und die auf diesen Wert entfallenden Einkommenssteuer an das Finanzamt abgeführt. Hier wird als Wert für die private Nutzung grundsätzlich ein Prozent des Brutto-Inland-Listenpreises des zur Verfügung gestellten Wagens angesetzt. Kann das Kraftfahrzeug auch für die Fahrten zwischen Wohn- und Arbeitsstätte genutzt werden, erhöht sich dieser Satz zusätzlich um 0,03 Prozent des Listenpreises für jeden Kilometer Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsstätte. Die Entfernungspauschale in Höhe von 30 Cent pro Kilometer muss, wie bei der Nutzung eines privaten Fahrzeuges, für den Arbeitsweg in der Lohnsteuererklärung separat geltend gemacht werden.

Bei den Werten für die Privatnutzung handelt es sich um Pauschalen, welche die Steuerbehörden immer dann annehmen, wenn kein gesonderter Nachweis vorliegt. Es kann sich durchaus lohnen, in einem Fahrtenbuch festzuhalten, dass der genutzte Dienstwagen in sehr geringem Umfang privat genutzt wird. Hier können sich Ersparnisse von mehreren hundert Euro im Jahr ergeben.

Haftung bei Unfall

Da man auch mit dem Dienstwagen während der dienstlichen wie auch der privaten Nutzung in einen Unfall verwickelt werden kann, stellt sich die Frage der Haftung.

Im Arbeitsverhältnis haftet der Arbeitnehmer bei Schäden lediglich für Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit, nicht jedoch für leichte Fahrlässigkeit. Bei mittlerer Fahrlässigkeit erfolgt die Verteilung der Haftung durch Quotelung nach den konkreten Umständen des Einzelfalls. Die Rechtsprechung nimmt die eingeschränkte Haftung des Arbeitnehmers deswegen an, da die Arbeitnehmer bei Erfüllung ihrer Arbeitsleistung mit großen Werten in Berührung kommen; dieses „Lebensrisiko“ der Firma soll nicht völlig auf den Arbeitnehmer abgewälzt werden.

Im Regelfall sind Dienstwagen vollkaskoversichert, daher fällt hier lediglich die Erhöhung der Risikoprämie oder die Zahlung der Selbstbeteiligung ins Gewicht. Auch diese Zahlungspflichten können vertraglich geregelt sein, jedoch hält auch nicht jede Formulierung der rechtlichen Überprüfung stand.

Das Bundesarbeitsgericht hatte im Jahre 2004 einen Fall zu entscheiden, in dem sich ein Arbeitnehmer verpflichtet hatte, bei jedem Unfall die Kosten zu übernehmen, die durch die Versicherung nicht abgedeckt waren. Der Arbeitgeber nahm nach einem Unfall den Arbeitnehmer für die Kosten der Selbstbeteiligung in Anspruch. Das Bundesarbeitsgericht hielt dies für rechtswidrig, da die pauschale Abwälzung der Selbstbe­teiligung auf den Arbeitnehmer den von der Rechtsprechung entwickelten Kriterien der Arbeitnehmerhaftung entgegensteht. Daher musste der Arbeitnehmer nichts zahlen.

Hätte jedoch der Arbeitgeber eine Übernahme der Kosten für Unfälle während Privatfahrten vereinbart, ist davon auszugehen, dass das Bundesarbeitsgericht eine andere Entscheidung getroffen hätte. In einem solchen Fall widerspricht die Kostenübernahmepflicht des Arbeitnehmers nicht dem Schutzzweck der Haftungsprivilegierung. Besteht jedoch keine gesonderte Vereinbarung, und versteuert der Arbeitnehmer nach den gängigen Regeln, hat der Arbeitgeber alle Fahrzeugkosten zu tragen, also auch die Kosten für einen privat verursachten Unfall, entschied das Landesarbeitsgericht Hessen an anderer Stelle.

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Unterstützer gewinnen: Projektleiter sind auf die Unterstützung ihres Teams angewiesen

Als Projektleiter haben Sie gewiss schon einmal die Erfahrung gemacht, dass Sie auf Unterstützung angewiesen sind. Im Lenkungskreis ernten Sie mit Ihrer Anfrage auch ringsum zustimmendes Kopfnicken. Die Linienverantwortlichen sagen Ihnen ihre volle Unterstützung zu. Geht es jedoch wenig später darum, das Versprechen einzulösen, haben alle anderen Aufgaben höchste Priorität – nicht aber Ihr Projekt. Und Sie fragen sich: Muss ich nun um jeden Mitarbeiter streiten?

Wenn Sie vor einer solchen Herausforderung stehen, sollten Sie sich dringend mit den Erwartungen der Linienverantwortlichen an das Projekt auseinandersetzen. Wissen Sie, was deren Erwartungen sind? Haben Sie diese angemessen im Projekt berücksichtigt? Und: Wissen die Linienverantwortlichen davon?

Im besten Fall formulieren die beteiligten Anspruchsgruppen ihre Erwartungen an ein Projekt wie folgt:

  • „Ich möchte, dass das Projekt zum vereinbarten Termin abgeschlossen wird.“ Oder:
  • „Ich erwarte von dem Projekt eine bessere Auslastung meiner Mitarbeiter.“
  • „Ich erhoffe mir eine deutlich höhere Kundenzufriedenheit.“ Oder
  • „Ich hoffe, die Wartungskosten werden nach dem Projekt deutlich niedriger sein.“

Und im schlimmsten Fall so: „Ich erwarte mir von dem Projekt überhaupt nichts. Es wird sowieso nur mehr Arbeit auf mich zukommen.“

Wie entstehen Erwartungen?

Lassen Sie uns eine dieser Erwartungen genauer unter die Lupe nehmen. Die Aussage „Ich hoffe, die Wartungskosten werden nach dem Projekt deutlich niedriger sein“, könnte von einem Linienverantwortlichen formuliert werden, der weiß, dass er seine Budgetvorgaben erneut nicht einhalten wird. Und er fragt sich vielleicht, ob ihn sein Bereichsleiter noch ein weiteres Mal vor der Geschäftsführung decken wird. Vielleicht ist der Druck, der auf seinen Schultern lastet, so hoch, dass er beginnt, sich Sorgen um seine eigene Zukunft im Unternehmen zu machen.

Wie wir sehen, kann hinter der nüchtern formulierten Erwartung „Ich hoffe, die Wartungskosten werden nach dem Projekt deutlich niedriger sein“ ein handfestes Bedürfnis stecken. Der Linienverantwortliche sorgt sich um seinen Arbeitsplatz. Er braucht Gewissheit, dass ihm das Projekt dabei hilft, seinen Arbeitsplatz zu sichern. Können Sie ihm das Vertrauen nicht geben, dass Ihr Projekt dieses Bedürfnis erfüllt, wird er Sie kaum unterstützen. Solcherlei Bedürfnisse nennen wir emotionale Bedürfnisse. Sie verbergen sich hinter jeder Erwartung.

Diese Bedürfnisse lassen sich in drei Gruppen einteilen:

  1. Der Wunsch nach Sicherheit, Gewissheit, Dauerhaftigkeit und Stabilität.
  2. Der Wunsch nach Fairness, so behandelt zu werden, wie man es für gerechtfertigt hält.
  3. Der Wunsch nach einem verbesserten Selbstwertgefühl.

Emotionale Bedürfnisse werden so gut wie nie offen formuliert – insbesondere von Personen, die Managementpositionen innehaben. Dahinter steht oft die Angst, sich in eine Abhängigkeitssituation zu begeben, wenn man zu offen ist. Emotionale Bedürfnisse sind jedoch der Schlüssel zur Unterstützung für Ihr Projekt. Erst wenn Sie die emotionalen Bedürfnisse treffen und Ihrem Gegenüber das Gefühl geben, diese verstanden zu haben, wird er sich im Gegenzug für Ihr Projekt einsetzen.

Nehmen wir an, in unserem Beispielprojekt geht es darum, ein in die Jahre gekommenes IT-System durch ein neues System zu ersetzen. Eine angemessene Reaktion des Projektleiters auf die formulierte Erwartung „Ich hoffe, die Wartungskosten werden nach dem Projekt deutlich niedriger sein“ könnte darin bestehen, den Ursachen für die hohen Wartungskosten auf den Grund zu gehen und die Projektergebnisse so auszurichten, dass sie der Linie bereits früh im Projekt einen Nutzen bringen. Zum Beispiel in Form einer verbesserten Dokumentation der betroffenen Funktionalität. Der Linienverantwortliche spart sich dadurch eventuell ein paar Tage für das Bearbeiten aktueller Kundenanfragen. Der Linienvorgesetzte wird sich sicherer fühlen und dem Projekt mehr Vertrauen entgegen bringen.

Die Zusammenhänge im Überblick

Ob Sie Unterstützung erhalten oder nicht, hängt mittelbar mit den emotionalen Bedürfnissen der jeweiligen Anspruchsgruppen zusammen. Diese werden in der Regel in Form von Erwartungen oder Projektzielen/Anforderungen artikuliert. Es reicht nicht aus, diese Erwartungen oder Ziele am Ende des Projekts zu erfüllen. Vielmehr müssen Sie den Anspruchsgruppen, von denen Sie sich Unterstützung erwarten, bereits früh im Projekt das Gefühl geben, dass Ihr Projekt dazu beitragen wird, ihre wirklichen Bedürfnisse zu erfüllen.

In diesem Zusammenhang ist ein Modell aus der Spieltheorie hilfreich. Es beschreibt das Verhalten von Spielern in Spielen mit mehreren Zügen und trägt die Bezeichnung „Tit-for-Tat“. Spielt ein Spieler nach dieser Strategie, wird er beim ersten Spielzug kooperieren und danach genauso handeln wie sein Gegenspieler im vorangegangenen Spielzug. Hat der Gegenspieler ebenfalls kooperiert, wird der „Tit-for-Tat“-Spieler auch im nächsten Spielzug kooperieren. Hat der Gegenspieler nicht kooperiert, vergeltet der „Tit-for-Tat“-Spieler dies mit unkooperativem Verhalten im nächsten Spielzug.

Die „Tit-for-Tat“-Strategie lässt sich auf Projekte übertragen: Wann immer Personen in einer Verhandlungssituation stehen, werden sie nur solange kooperieren, wie ihr Gegenpart kooperiert. Wir können davon ausgehen, dass sich eine Anspruchsgruppe im Projekt nicht einseitig ausbeuten lässt. Nur wenn die betroffenen Personen die Ergebnisse oder das beobachtbare Verhalten positiv/kooperativ interpretieren, werden sie sich im Gegenzug ebenfalls kooperativ verhalten. Zu Beginn eines Projekts werden sie sich tendenziell kooperativ verhalten.

Beachten Sie hierbei nicht nur den Zeitraum ab Projektstart. Stellen Sie sich Fragen wie:

  • „Welche Historie hat das Projekt?“,
  • „Was geschah bisher zwischen der betroffenen Person und dem Projektauftraggeber?“,
  • „Welche vergangenen Aktionen von mir könnten das Verhalten von betroffenen Personen beeinflussen?“

Konsequenzen für das Verhalten als Projektleiter

In der Kommunikation mit Anspruchsgruppen gibt es vier Schlüssel zu wirklicher Unterstützung: Vertrauen, Integrität, Begeisterung und Leidenschaft.

1. Schlüssel: Vertrauen

Die Anspruchsgruppen im Projekt werden Sie daran messen, ob Sie Versprechen und Zusagen erfüllen. Sie werden registrieren, ob Sie das täglich tun und ob Ihr Einsatz stimmt. Sie werden dies an Ihrem Verhalten fest machen oder an sichtbaren Ergebnissen aus dem Projekt. Wird eine Erwartung an das Projekt nicht erfüllt, wird die betroffene Person tendenziell weniger kooperationsbereit sein. Wird eine Erwartung erfüllt, steigt die Kooperationsbereitschaft. Konzentrieren Sie sich dabei nicht nur auf „offizielle“ Projektergebnisse, sondern nehmen Sie sich die Zeit zur Reflexion. Versetzen Sie sich in die Lage der anderen: Was würden Sie über das Projekt denken, wenn Sie die jeweilige Person wären? Fragen Sie auch Kollegen, was sie denken, was die betroffene Person über das Projekt denken könnte.

2. Schlüssel: Integrität

In Projektsituationen, die auf Kooperation mit Anspruchsgruppen angewiesen sind, spielen Fairplay und gerechte Behandlung eine sehr wichtige Rolle. Betroffene Personen stellen sich immer wieder Fragen wie: „Behandelt mich der Projektleiter so, wie ich behandelt werden möchte?“, „Bringt er wieder in Ordnung, was schief geht?“ Das dem Projekt entgegen gebrachte Verhalten wird sich daran orientieren. Erzeugt Ihr Verhalten Vertrauen in das Projekt oder in Ihre Person, dürfen Sie mit höherer Kooperationsbereitschaft rechnen.

3. Schlüssel: Begeisterung

Projekte, die langweilig, öde, unattraktiv erscheinen, erzeugen keine aktive Beteiligung. Ihre Ansprechpartner stellen sich immer wieder Fragen wie: „Habe ich ein positives Bild vom Projekt?“, „Teilen wir gemeinsame Werte?“, „Macht das Projekt für mich Sinn?“. Passt das Selbstbild der betroffenen Person zum Projekt, steigt die Bereitschaft zur Kooperation. Vermitteln Sie den Nutzen für die jeweilige Person, wenn Sie sich Unterstützung erhoffen. Zeigen Sie, welches Potenzial im Projekt steckt. Zeigen Sie, dass Sie hinter dem Projekt stehen. Begeistern Sie sich für Ihre Arbeit als Projektleiter.

4. Schlüssel: Leidenschaft

Der vierte Schlüssel ist bereits das Ergebnis Ihrer Anstrengungen. Sie werden schnell erkennen, ob Ihr Tun bei den Anspruchsgruppen zu Unterstützung für Ihr Projekt führt. Versetzen Sie sich in die Lage der jeweiligen Person. Wie würde sie die folgenden Fragen beantworten: „Bin ich unersetzlich für das Projekt?“, „Setze ich mich voll für das Projekt ein?“, „Wäre ich bereit, meine Freizeit dafür einzusetzen?“. Zeigen Sie, dass Sie Ihre Anspruchsgruppen ernst nehmen. Honorieren Sie Unterstützung. Loben Sie. Geben Sie Feedback zu dem Beitrag, den Betroffene im Projekt mit Ihrer Unterstützung geleistet haben

Fazit

Emotionale Bedürfnisse sind der Schlüssel zur Unterstützung Ihres Projekts. Es lohnt sich, Zeit in das Erkunden dieser Bedürfnisse zu investieren. Wenn Sie bei einzelnen Personen im Dunkeln tappen, versuchen Sie sich in diese Person hineinzuversetzen. Ziehen Sie Kollegen zurate, welche die entsprechende Person kennen. Fragen Sie Ihre Kollegen nach deren Einschätzung, was die wirklichen Bedürfnisse sein könnten. Spiegeln Sie zurück, was Sie wahrgenommen haben. Beobachten Sie die Reaktionen auf Ihr Verhalten. Erhöht sich das Vertrauen? Welche Signale nehmen Sie wahr? Gönnen Sie sich die Zeit zur Reflexion. Suchen Sie sich einen Coach im Unternehmen oder eine Person außerhalb des Unternehmens, die Sie durch gezielte Fragen zu neuen Sichtweisen führen kann. Viel Erfolg!

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Zertifizierung: Haben zertifizierte Projektmanager genügend Erfahrung?

Angenommen, Sie sind ein Unternehmer und sind auf der Suche nach einem Projektmanager. Für Ihren Auftrag würde sich jemand bewerben, der ...

  1. weder über Erfahrung noch eine Zertifizierung vorlegen kann
  2. über Erfahrung verfügt, aber keine Zertifizierung besitzt und
  3. Erfahrung und Zertifizierung nachweisen kann.

Was glauben Sie, wer hätte die beste Chance, den Auftrag zu bekommen? Na klar, der mit Erfahrung und mit Zertifizierung. Verständlich. Jetzt stelle ich die Frage einmal anders: Mal angenommen, Sie sind Projektmanager und nicht zertifiziert. Wären Sie bereit, 4.000 Euro in die Hand zu nehmen, um ein halbes Jahr lang in Wochenendkursen Projektmanagementwissen zu pauken und dann eine Prüfung ablegen?

Erfahrung allein reicht nicht aus

Wie kommt es, dass sich auf der einen Seite Unternehmen erfahrene und zertifizierte Projektleiter wünschen, auf der anderen Seite jedoch Projektleiter den Aufwand scheuen, sich zertifizieren zu lassen. Das am häufigsten gehörte Argument der Projektleiter ist: „Ich bin doch erfahren, wozu soll ich mich noch zertifizieren lassen?“ Oder auch gerne gehört: „Das, worauf es im Projekt wirklich ankommt, lernt man sowieso nicht in Seminaren, sondern nur im Projekt.“

Warum auch immer, haben viele Zertifizierungen das Image, nur etwas für Anfänger zu sein, also so eine Art Führerscheinprüfung für Projektleiter. Der Analogieschluss ist dann leicht gezogen, da nicht jeder der den Führerschein hat, wirklich fahren kann, wie soll dann eine Zertifizierung ein Qualifikationsnachweis sein?

Ich bin der Meinung, dass diese Schlussfolgerung falsch ist. Um im Bild zu bleiben, ist die Projektleiter-Zertifizierung eher das Sicherheitsfahrtraining, bei dem die Fahrer (Projektleiter), die schon einige Kilometer gefahren sind, im wahrsten Sinne des Wortes erfahren, wie sie ihr Auto (Projekt) auch in brenzligen Situationen beherrschen.

Egal wie Sie zu Zertifizierungen stehen, nicht alle Zertifizierungen halten das, was sie versprechen und geben dem Unternehmer die Sicherheit, einem erfahrenen Projektleiter das Projekt anzuvertrauen. Bei Projektmanagern, denen das Project Management Institute (PMI) den Titel Project Management Professional (PMP) verliehen hat, erhält der Unternehmer die Sicherheit, beides zu erhalten: Erfahrung und eine Zertifizierung, die für Qualität steht.

Projekterfahrung ist Voraussetzung für Zertifizierung

Um die Qualität sicherzustellen, muss jeder Kandidat mit Hochschulabschluss 4.500 Stunden Projektmanagement-Erfahrung nachweisen. Kandidaten ohne Hochschulabschluss müssen sogar 7.500 Stunden vorweisen. Nach einer aktuellen Befragung des PMI von 3.678 zufällig ausgewählten PMP haben diese eine durchschnittliche Projektmanagement-Erfahrung von zehn Jahren. (Quelle: PMI Today, Ausgabe November 2008, So how are we doing?, S. 4)

Alle Unternehmen, die sich deshalb für einen PMP entscheiden, können davon ausgehen, dass sie sich hierbei auch für einen erfahrenen Projektmanager entscheiden. Das heißt, zertifizierte PMP ohne ausreichende Projekterfahrung gibt es in der Praxis nicht.

Für den Projektmanager ist es wichtig, die Kommunikation mit allen Beteiligten in konstruktive Bahnen zu lenken. Außerdem ist das Verständnis von Prozessen und Abläufen ein wesentlicher Schlüssel für den Erfolg eines Projektes und der Projektmannschaft. Aus diesem Grund kennt das Standardbuch des PMI, das PMBok (Project Management Book of Knowledge, Standardbuch des PMI zum Projektmanagement), neun Wissensgebiete mit fünf Prozessgruppen und 44 detailliert beschriebenen Prozessen. Da auch das PMI die Wichtigkeit von Kommunikation anerkennt, ist Kommunikation ein eigenes Wissensgebiet mit vier eigenen Prozessen und hat einen sehr hohen Stellenwert.

Kontinuierliche Rezertifizierung

Auch nach Abschluss der Prüfung müssen sich bereits als PMP zertifizierte Projektleiter rezertifizieren lassen. 60 dieser Professional Development Units (PDU’s) genannten Schulungseinheiten in drei Jahren müssen die Projektleiter auch nach ihrer Prüfung noch ablegen, damit ihr Wissen nicht veraltet. Hierbei entspricht ein PDU etwa einer Stunde Weiterbildung.

Der als PMP zertifizierte Projektmanager schafft Vertrauen beim Kunden und ist mit den aktuellen Projektmanagementmethoden bestens vertraut. Nach außen dient die Zertifizierung als Qualitätssignal am Markt. Innerhalb von Projekten ist sie ein Garant für die qualifizierte Unterstützung von Projektmitarbeitern, die an den Projekterfolgen maßgeblich beteiligt sind.

Wem dies immer noch nicht vom Nutzen einer Zertifizierung überzeugt hat, dem möchte ich nochmals meine Eingangsfrage in Erinnerung rufen und Sie weiterführend fragen: Können Sie es sich erlauben, immer noch nicht zertifiziert zu sein?

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Wissensmanagement: Wissen Sie eigentlich, wie viel Ihr Unternehmen weiß?

Die Frage „Wo finde ich das? Hört man auch in mittelständischen Unternehmen immer wieder. Warum das so ist? In der Realität ist das Wissen auf die verschiedenen Bereiche verteilt, wird in unterschiedlicher Konstellation genutzt, wenn es denn überhaupt geteilt wird. Statt zentral auf alles zugreifen zu können, suchen die Mitarbeiter mühsam die für sie relevanten Informationen in Archiven und durch Nachfragen bei Kollegen zusammen. So entstehen Reibungsverluste in der Projektarbeit, die durch umfassende Zugriffsmöglichkeit auf alle zur Verfügung stehenden Informationen verhindert werden könnten.

Wissen als Ressource

Häufig, so erscheint es, ist es den meisten Unternehmen gar nicht bewusst, über wie viel Wissen ihre Mitarbeiter eigentlich verfügen. Dazu kommt noch die allgemeine Annahme, dass geteiltes Wissen nur halbes Wissen sei. Entsprechend lassen sich Unternehmer wie auch Mitarbeiter nicht gerne „in die Karten“ schauen, weil ihnen das als Vorteilsverlust erscheint. In welchem Ausmaß ein solches Denken vorherrscht, hängt nicht zuletzt auch von der Kultur ab, die im jeweiligen Unternehmen vorherrscht. Das Unternehmen profitiert auf diese Weise langfristig von den Synergieeffekten, die die Mitarbeiter untereinander auslösen. Die ohnehin große Bedeutung des betrieblichen Wissens als Produktionsfaktor wird damit weiter gesteigert – und somit auch sein gezielter Beitrag zur Gewinnerzielung des Unternehmens.

Als „Ressource“ zahlt das Wissen auf betriebliche Abläufe ein, beschleunigt und verbessert diese und muss deswegen allen zur Verfügung stehen. So wird eine offene, teamorientierte Arbeitsatmosphäre geschaffen – eine Arbeitsatmosphäre, in der es eine Selbstverständlichkeit ist, das berufliche Wissen zu teilen beziehungsweise gemeinsam zu nutzen. Diese Bereitschaft sollte durch die Möglichkeit, das erarbeitete Wissen zentral zu speichern – und somit dauerhaft zugänglich zu machen – wesentlich unterstützt werden.

Systematisches Sammeln

Information ist lediglich die Grundlage für Wissen, denn Letzteres entsteht erst durch den Menschen, der die Information bewertet und einordnet. Daher ist eine große Datenbank allein ein zwar wichtiger Teil des gesamten Systems, aber noch lange kein Wissensmanagement-Tool. Benötigt werden deshalb fortschrittliche Technologien, ohne die die Verwaltung des Wissens im Unternehmen nicht mehr möglich ist. Die Web-2.0-Wissensmanagement-Welle hat zwischenzeitlich Wissenstransfer-Initiativen in Unternehmen und Organisationen kräftig angeschoben, wie auch der neue Trendreport „Wissensmanagement“ des BITKOM zeigt. Mit dieser „Social Software“-Technologie eröffnen sich für das Wissensmanagement im Hinblick auf Lernmanagement und Zusammenarbeit neue Möglichkeiten. Nützlich ist dabei, dass Web-2.0-Services wie Wikis oder Blogs den Nutzern vor Einführung im Unternehmen bereits aus dem World Wide Web bekannt sind.

Web-2.0-Technologien

  • Web 2.0: Die wechselseitige Vernetzung von Anbietern und Nutzern im Internet durch moderne Technologien. Sie erlaubt beispielsweise die aktive Mitarbeit an Internetinhalten durch Besucher einer Webseite.
  • Wiki: Eine im Netzwerk (Internet, Intranet) verfügbare Seitensammlung, die von den Benutzern nicht nur gelesen, sondern auch inhaltlich mitgestaltet wird. Wissen und Informationen jeglicher Art können im Unternehmen verbreitet und abrufbar gemacht werden.
  • Blog: Die Zusammensetzung aus den Wörtern Weblog und Logbuch. Der Begriff bezeichnet ein auf einer Website, also im Internet, öffentlich zugängliches Journal.

Dieser Artikel wurde von der nextbusiness-IT [108] Redaktion erstellt. „nextbusiness-IT – Exzellenz im Mittelstand“ ist eine bundesweite Leitthemenkampagne für den Mittelstand, die unter anderem die „Bibliothek des modernen IT-Wissens“ für den Mittelstand herausgibt. Diese Bibliothek können Sie hier kostenlos anfordern. [109]

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Change Management: Vom Nutzen und Gestalten einer adaptiven Lernkultur

In einer Untersuchung von Prof. Fritz B. Simon an der Privatuniversität Witten/Herdecke (2004) nennen Manager aus deutschen Großunternehmen auf die Frage, wie viel Prozent ihrer Zeit sie für die Überwindung unternehmensinterner Widerstände verbrauchen, einen Anteil von 50 bis 80 Prozent – in mittelständischen Firmen sind es dagegen nur 20 bis 30 Prozent. Je größer das Unternehmen, desto größer das Beharrungsvermögen. Was einmal als richtig und zum Erfolg führend erkannt worden ist, bietet auch künftig Orientierung.

Die Zukunft schreibt jedoch nie einfach die Vergangenheit fort. Umso wichtiger ist es, sich neuen Ansätzen zu öffnen, Veränderungen in der Umwelt zu antizipieren und sich entsprechend anzupassen. Das ist schwierig, denn das menschliche Denken basiert auf Gewohn­heitsmustern. Um sich von diesen Denkgewohnheiten zu distanzieren, braucht es Zeit und Energie. Was aber ist der Nutzen einer solchen grundlegenden Veränderung, die nicht nur emotionale Kosten verursacht? Wie lässt sie sich gestalten und was sind die Promotoren des Wandels?

Wirtschaftlicher Erfolg und Unternehmenskultur: Empirie und Erfolgsfaktoren

Die McKinsey-Berater Thomas J. Peters und Robert H. Waterman weckten Anfang der 80er Jahre mit ihrem Buch „Auf der Suche nach Spitzenleistungen“ ein reges Interesse am „Erfolgsfaktor Unternehmens­kultur“. Dieser eher qualitativen, auf Fallbeispielen basierenden Untersuchung folgte in den 90er Jahren eine ganze Reihe empirischer Arbeiten, die den Zusammenhang zwischen Unternehmenskultur und Unternehmenserfolg auch quantitativ untersuchten.

Die Harvard-Professoren John P. Kotter & James L. Heskett verglichen für ihr Buch „Corporate Culture and Performance“ erfolgreiche mit weniger erfolgreichen Firmen über einen Zeitraum von elf Jahren. Die Ergebnisse dieser Studie zeigen folgendes Ergebnis:

Finanzanalysten, die von Kotter und Heskett gefragt wurden, was die Firmenkultur überdurch­schnittlich erfolgreicher Unternehmen auszeichne, nannten Elemente wie Leadership, Entrepreneurship, offene Diskussionen, Innovation und Flexibilität.

Jim Collins und Jerry Porras von der Stanford's Graduate School of Business zeigen in ihrem Buch „Built to Last: Successful Habits of Visionary Companies“, dass Unternehmen, die sich konsistent auf den Aufbau einer starken, wertgetriebenen Kultur konzentriert hatten, über mehrere Jahrzehnte hinweg um den Faktor sechs erfolgreicher waren und ihre Aktien den Gesamtmarkt um den Faktor fünfzehn überflügelten.

Auch wissenschaftliche Studien unterschiedlich erfolgreicher Profitcenter beziehungsweise Firmen innerhalb eines Konzerns wie etwa die von Eric G. Flamholtz sowie Querschnittsvergleiche zwischen erfolgreichen und weniger erfolgreichen Firmen zeigen große Unterschiede in den ausgewählten Erfolgsfaktoren. Diese korrelieren wiederum mit unterschiedlichen unternehmenskulturellen Ausprägungen.

Trotz der unterschiedlichen Fragestellungen und Fragebögen in den jeweiligen Unternehmenskon­texten kommen diese Untersuchungen zu dem Ergebnis, dass die Lern- und Anpass­ungs­fähigkeit von Unternehmen („adaptive Kultur“) positiv mit Erfolgskennzahlen und -faktoren korreliert und langfristig einen überdurchschnittlichen Erfolg erzielt. Kotter und Heskett haben zudem gezeigt, dass in einem Unternehmen der Wandel von einer bürokratischen hin zu einer adaptiven, leistungsorientierten (Lern-) Kultur ausschließlich von Personen an der Unternehmensspitze initiiert werden kann. Sie hielten dazu fest:

“Effective Leaders changed strategies and cultures to make their firms more competitive despite the natural tendency of cultures to resist change, […], despite everything.”

Der direkte Einfluss von Führungspersonen auf die Performance des von ihnen geleiteten Unternehmens ist aufgrund der vielfältigen Einflüsse auf Erfolg empirisch nur schwer nachweisbar. Unwiderlegt ist jedoch, dass Leadership indirekt über Teamzusammenhalt und Unternehmenskultur auf den Firmenerfolg einwirken kann. So belegen beispielsweise empirische Untersuchungen von Waldman et al. (2001) sowie Flynn und Staw (2004), dass Unternehmen, in denen Leadership gelebt wird, in einem turbulenten Marktumfeld sowie in Krisen- und Change-Situationen signifikant bessere Ergebnisse erreichen. In Anbetracht dieser Untersuchungsergebnisse drängt sich die Frage nach der konkreten inhaltlichen Ausgestaltung der Unternehmenskultur erfolgreicher Firmen auf.

Business Process Management: Der effektive Einsatz schafft Optimierungspotenziale

Zeit, Kapazität und Geld sparen – das wollen alle Unternehmen, erst recht in der aktuellen Wirtschaftssituation. Voraussetzung dafür sind schlanke Geschäftsprozesse [110] . Doch wie konsequent bemühen sich Unternehmen um mehr Effektivität?

Aufschluss darüber gibt eine aktuelle Studie des Instituts für Produktion an der Fachhochschule Köln in Zusammenarbeit mit der Leverkusener Unternehmensberatung ICP. Befragt wurden 47 kleine, mittelständische und große Unternehmen der Automobilbranche, wie sie es mit der Beschreibung, Durchführung und Verbesserung ihrer Geschäftsprozesse halten.

Interessanterweise setzen die Mittelständler stärker auf Business Process Management (BPM) als die Konzerne. Insbesondere in der Produktion werden die Unterschiede deutlich: Während nur 77 Prozent der befragten Konzerne in der Produktion auf BPM setzen, sind es 92 Prozent der mittelgroßen Unternehmen. Auch in den Bereichen Beschaffung, Vertrieb und Innovation schneiden die Konzerne schlechter ab als die Mittelständler, die hier nach eigenen Angaben zu 100 Prozent schlanke Prozesse verfolgen, indem sie BPM-Verfahren wie Flusspläne, ereignisorientierte Prozessketten (EPK´s) verwenden.

Die Gründe, weshalb sie BPM nutzen, unterschieden sich abhängig von der Unternehmensgröße. Den Kleinen geht es primär um

  • das Eliminieren unnötiger Prozessfolgen und
  • um eine transparente Darstellung von Prozessen.
  • Nur 25 Prozent von ihnen betrachten eine Kostensenkung als Hauptnutzen.

Für die mittleren Unternehmen sind

  • Durchlaufzeiten,
  • Qualitätsverbesserung und
  • das Eliminieren von unnötigen Prozessfolgen ausschlaggebend für BPM.
  • Kostenersparnisse sind nur bei 20 Prozent das wichtigste Nutzungsmotiv.

Ganz anders bei den Konzernen:

  • Bei 60 Prozent dominiert Kostensenkung als Grund, BPM zu nutzen.

Dieses Ergebnis verdeutlicht: Offenbar können die meisten Unternehmen noch nicht richtig einschätzen, wie man BPM effektiv anwendet und welches Potenzial damit verbunden ist – obwohl man bereits Geld investiert und zum Beispiel Ingenieure die eigenen Prozesse erfassen und beschreiben lässt. So zeigte sich, dass nur etwa die Hälfte der befragten Unternehmen Prozessteams und einen Prozessverantwortlichen definieren, die beschriebenen Prozesse schult, diese mit Kennzahlen belegt, ihre Performance misst und anschließend verbessert.

Die Studie zeigt also, dass etliche Unternehmen noch lernen müssen, wie man einen Prozess zum Leben erweckt und eine Evolution in Gang setzt, die es nach und nach immer besser, billiger und effizienter werden lässt. Auch das Verständnis von BPM ist uneinheitlich und zum Teil unklar.

Worauf kommt es aber letztendlich an?

Prozesse machen grundsätzlich eines: Sie sorgen dafür, dass eingehende Objekte (Dokumente, Material, Dienstleistungen usw.) mittels vorhandener Ressourcen (zum Beispiel Maschinen, Mitarbeiter, Computersysteme) anhand bekannter Methoden (wie Simulation, Gesprächsführung, Statistik) unter Einhaltung von Vorschriften (etwa Gesetze, Qualitätsrichtlinien, Verträge) in ausgehende Objekte transformiert werden, um anschließend an einen Folgeprozess, in einen Speicher (Datenbank, Zeichnungsarchiv) oder an eine externe Organisation (Kunde, Spediteur, Rechtsanwalt) weitergeleitet zu werden.

Darstellung einer Prozessfolge mit OMEGA+

Wie soll man da nur den Überblick behalten, wenn komplexe Prozessfolgen abzubilden sind? Und wie fein ziseliert man die Prozesse? Soll man wirklich jeden einzelnen Handgriff als Prozess abbilden?

Kaum jemand behält den Überblick, wenn er mit Flussplänen eines Dritten konfrontiert ist. Deshalb benötigt man ein System, das all diese Objekte, Ressourcen, Methoden, Vorschriften und die gesamten restlichen Informationen so abbildet, dass ein normal intuitiv veranlagter Mensch nach einer halben Stunde Einarbeitung sieht, was hier gemeint ist.

Zusätzlich muss man verschiedene Prozesse zu einem Gesamtprozess zusammenfassen und bei Bedarf auch wieder vereinzeln können und zwar durchgängig über alle Abstraktionsebenen hinweg. Wird eine weitere Ebene erforderlich, die man vorher noch nicht dargestellt hatte, darf das nicht zu einem kompletten Umbau der Prozessdarstellung führen. Vielmehr muss der Workflow von dem Durchführenden genau so gelesen werden können, wie die Übersicht über den Gesamtvorgang vom führenden Manager.

Hier kommt „Omega+“ ins Spiel. Seit etwa vier Jahren entwickelt die Fachhochschule Köln einen Darstellungsansatz der Universität Paderborn weiter, der das Geforderte bietet. Einfache, aber doch klare Symbolik, durchgängige Skalierbarkeit vom Firmenprozess bis hin zum abgeleiteten Workflow, dynamisch erweiterbar mit der Möglichkeit, den jeweiligen Prozess von sehr spartanisch bis fast schon überladen abzubilden. Noch besser: Das System sieht bereits die Möglichkeit vor, mithilfe einer Balanced Scorecard die vorhandene Prozessleistung zu erhöhen. Damit wird KPV (Kontinuierliche Prozessverbesserung) zur selbstverständlichen Routine.

Die Basis, um etwa unsinnige Prozessabläufe zu erkennen, ist eine graphische Darstellung von Prozessfolgen. Natürlich generiert eine graphische Darstellung allein noch keinen neuen Prozess, aber zumindest zeigt es allen Prozessbeteiligten, wo die Geldvernichtung stattfindet. Entscheidend für die Geschäftsleitung ist der Return on Invest (ROI), der – wie die Erfahrungen zeigen – meist schon im ersten Jahr gegeben ist. Danach wird richtig Geld gespart. Und das ist erst der Anfang.

Tools wie Omega+ werden gebraucht, weil sie die Chance bieten, Prozesse zielgerichtet voranzubringen. Die Gefahr besteht ohne derartige Werkzeuge, dass BPM in den Kinderschuhen stecken und folgerichtig der Nutzen der Methode auf der Strecke bleibt. Da die Methode zu viel Potenzial hat, wäre das fatal. Schließlich investieren laut Befragung 70 Prozent der mittelgroßen Unternehmen in diesem Jahr bis zu 250.000 Euro und rund 8 Prozent sogar bis zu 500.000 Euro, um ihre Prozesse auf Vordermann zu bringen.

Und dieses Geld soll sich schließlich auszahlen, was es auch tut: Laut der Unternehmensberatung Gartner lassen sich durch BPM bereits im ersten Jahr Einsparungen von bis zu 20 Prozent realisieren, sodass sich die Kosten der BPM-Einführung in dieser Zeit amortisieren. Es ist also Zeit für den Aufbruch in eine normierte Prozesswelt! Verpassen Sie nicht den Anschluss. Wer jetzt damit beginnt, die Performance von End-to-End-Geschäftsprozessen – mit abteilungsübergreifenden Funktionen, Partnern, Lieferanten und Service Providern – zu optimieren, meistert besser komplexe Businessbeziehungen und damit die aktuellen Geschäftsherausforderungen.

Hinweis

Interessierte können die Automobilstudie nach Anmeldung unter www.icp-beratung.de/studie.html als PDF herunterladen.

Co-Autoren

  • Dipl.-Ing. Christoph Pack, IT-Assistent am IFP
  • Cand.-Ing. Raik Knischke, Projektleiter der Automobilstudie

Change Management: Unternehmenskulturen messen und Entwicklungsziele definieren

"Wenn man das Ziel nicht kennt, ist kein Weg der richtige.“ (aus dem Koran)

In einer Zeit, in der engagierte und motivierte Mitarbeiter zunehmend wichtig für den Erfolg eines Unternehmens sind, wird eine Unternehmenskultur, in der die Mitarbeiter ihr Potenzial auch entfalten können, zu einem wichtigen Parameter erfolgreicher Unterneh­mensführung. Die Gemeinsamkeit führender Organisationen ist ihre Kultur, das heißt die im Unternehmen vorherrsch­enden Normen und Erwartungen an die Mitarbeiter. So werden in nachhaltig erfolgreichen Unter­nehmen von den Mitarbeitern typischerweise konstruktive Verhaltens­weisen erwartet. Dr. Alan McGilvray, einst CEO der Bayer AG in Australien, sagt:

„Konstruktiv zu sein hat nichts mit nett sein zu tun. Es geht darum, konsequent Ziele zu setzen und nachzuhalten, Spaß an der Arbeit zu finden, andere beim persönlichen Wachstum zu unterstützen. Der Erfolg kommt dann von selbst.“

Zwar ist Unternehmenskultur nicht streng deterministisch im Sinne von „Anordnung-Umsetzung-Ergebnis“ gestaltbar. Das Verhalten der Mitarbeiter jedoch ist mittelfristig in eine bestimmte Richtung entwickelbar, wenn Veränderungsziele nachvollziehbar definiert und daraus gezielt Maßnahmen für nachhaltig erfolgreiche Kultur- und Verhaltensänderungen abgeleitet werden. Ziel von Organisationsentwicklung ist dabei, leistungsfördernde Faktoren in Unternehmen zu optimieren und leistungshemmende zu eliminieren.

Messen, um zu verändern: Kreisprofil und Analyseinstrumente

Das Identifizieren und Messen von kulturellen Einflussfaktoren auf den Unternehmenserfolg war der Leitgedanke von „Human Synergistics“ seit Beginn der Forschungsarbeiten von Dr. J. Clayton Lafferty und Prof. Robert A. Cooke an der University of Michigan Anfang der 70er Jahre. Die Forschungs­ergebnisse zeigen seitdem eine klare Wechselwirkung zwischen Unternehmenskultur und Erfolg. Und sie zeigen auch, wie sich Verhalten und damit Unternehmenskulturen ändern können.

Zentrales Element der von Human Synergistics entwickelten Instrumente ist das sogenannte Kreisprofil. In diesem Modell fassen Lafferty und Cooke die Ergebnisse weitreichender Studien über Denk- und Verhaltensweisen von Menschen zusammen. Es baut auf folgenden Dimensionen auf:

  • Aufgabenorientierung und Mitarbeiterorientierung in Anlehnung an das Managerial Grid von Blake/Mouton im Beitrag Change Management: Komplexität reduzieren, Handlungsfähigkeit sichern [111]
  • extrinsische und intrinsische Motivation in Anlehnung an die Maslow’sche Bedürfnispyramide wie im obigen Beitrag [112] .

Das Modell bietet sehr anschauliche Möglichkeiten zur Visualisierung und Diskussion von Verhaltensstilen. Je ähnlicher Verhaltensweisen sind, umso näher befinden sie sich im Kreisprofil nebeneinander. Ähnlich einem Zifferblatt besteht das Kreisprofil aus insgesamt zwölf Stilen, die wiederum in drei Segmenten zusammengefasst werden:

Unter den wachstumsorientierten, „konstruktiven (blauen) Stilen“ werden zusammengefasst:

  • Leistung: Basiert auf dem Bedürfnis, Top-Resultate bei herausfordernden Aufgaben zu erzielen. „Vorausdenken und -planen“, „Alternativen prüfen“ und „aus Fehlern lernen“ sind charakteristische Merkmale eines leistungsorientierten Verhaltens.
  • Selbstverwirklichung: Entsteht durch den inneren Antrieb, persönlich zu wachsen und das eigene Potenzial voll zu nutzen. Diese Menschen wollen lernen und Neues erfahren, sind kreativ, verlieren dabei aber die Ziele des Unternehmens nicht aus den Augen.
  • Menschlichkeit-Motivation: Prägt das Bemühen, Mitarbeiter zu fordern und zu fördern. Der Stil ist wertschätzend, aufmerksam, unterstützend und motivierend.
  • Kontaktfreudigkeit: Zeugt von Interesse, angenehme Beziehungen zu entwickeln. Diese Menschen teilen Gedanken und Emotionen, sind freund(schaft)lich und kooperativ.

Im Segment der sicherheitsorientierten, „passiv-defensiven (grünen) Stile" finden sich:

  • Zustimmung: Basiert auf dem Wunsch, akzeptiert zu werden. Wichtig ist für diese Men­schen, es anderen Recht zu machen, gut da zu stehen, gefällig und unterwürfig zu sein.
  • Konvention-Tradition: Steht für Anpassung und Integration um (fast) jeden Preis. Vorgaben und Richtlinien werden strikt befolgt, ein sicheres, berechenbares Arbeitsumfeld ist wichtig.
  • Abhängigkeit: Prägt das starke Bedürfnis, sich selbst zu schützen. Entscheidungen werden gerne Anderen überlassen und dann auch akzeptiert.
  • Ausweichverhalten: Versucht Fehler und bedrohliche Situationen zu vermeiden. Um auf Nummer sicher zu gehen, wird unentschlossen beziehungsweise unverbindlich reagiert und nicht agiert.

Als statusorientierte, „aggressiv-defensive Stile“ werden bezeichnet:

  • Oppositionsverhalten: Hinterfragen kann auch zu besseren Lösungen führen, äußert sich aber meist in Form von negativem Zweifel, Zynismus, unerbittlicher Kritik und Konfrontation.
  • Macht: Zeugt vom Wunsch, Prestige und Einfluss zu haben und das eigene Selbstwert­gefühl (aggressiv) mit der Kontrolle über Andere zu erhöhen.
  • Wettbewerb: Sieht jede Aufgabe als „Win-Lose-Situation“. Konkur­renz und Überlegenheit werden gesucht, um Wertschätzung und Lob von Anderen zu erhalten.
  • Perfektionismus: Streben nach makellosen Ergebnissen, Vermeidung von Fehlern sowie der Wunsch, das Selbstwertgefühl mit unverhältnismäßigen Standards zu erhöhen.

Die von Laverty und Cooke unter der Marke „Human Synergistics“ entwickelten Analyseinstrumente zur Organisationsentwicklung wurden in erster Linie dazu konzipiert, das Nachdenken über Verhaltens­änderungen anzustoßen und gegebenenfalls die Entwicklung nachhaltig zu unterstützen. Aufbauend auf dem Kreis­profil sind im Laufe jedes Change-Prozesses die Sichtweisen von Führungskräften, Kunden und Mitarbeitern des Unternehmens einzunehmen.

Vor Beginn des Veränderungsprozesses ermöglicht das integrierte Entwicklungssystem von Human Synergistics eine saubere Analyse der Ausgangssituation auf Personen-, Team- und Organisationsebene. Die Ergebnisse sind für Mitarbeiter wie Entscheidungsträger leicht verständlich darstellbar:

Das Life Style Inventory (LSI) unterstützt Mitarbeiter als wissenschaftlich fundiertes Coaching-Tool dabei, sein Verhalten und die Reaktionen Anderer zu verstehen. Es identifiziert präzise persönliche Erfolgsfaktoren und Stolpersteine. Leistungsfähigkeit und Führungskompetenz können dadurch systematisch aufgebaut und gesteigert werden.

Das Leadership/Impact (L/I) ist ein 360°-Feedback, das Führungskräften eine gezielte Rückmeldung zu ihrer Wirkung auf das Verhalten und die Leistung Anderer gibt. Es enthält Informationen zur Richtung dieser Wirkung sowie den Auswirkungen auf Führungsqualität und Leistungsfähigkeit der Organisation.

Das Organizational Culture Inventory (OCI) ist das wahrscheinlich am weitesten verbreitete Tool zur Messung von Unternehmens­kulturen. Es wurde bislang weltweit mehr als zwei Millionen Mal eingesetzt. Anhand des Kreisprofils visualisiert es Erwartungen, die von Unternehmen und Kollegen implizit oder explizit an die Mitarbeiter gestellt werden (Welches Verhalten wird vom Mitarbeiter verlangt, um in die Organisation zu passen und Erwartungen gerecht zu werden?).

Das Organizational Effectiveness Inventory (OEI) ist das Veränderungsmodul des OCI. Während das OCI das "Was" erkennt, analysiert das OEI das nicht minder entscheidende "Wie" im unternehmer­ischen Kontext. Insgesamt 31 Einzelfragen in den Bereichen Philosophie, Strukturen, Systeme, Aufgaben und Führung untersuchen die Ursachen für die Diskrepanz von Soll- und Ist-Kultur.

Das Customer Service Styles Survey [113] (CSSS) ergänzt die kulturelle „Innensicht“ der Mitarbeiter um die Kundenperspektive. Service-Stile veranschaulichen anhand des Kreismodells, wie die Kunden das Verhalten der Mitarbeiter im Unternehmen wahrnehmen. Die Ergebnisse lassen Rückschlüsse auf die Servicequalität hinsichtlich Zufrieden­heit, Kunden­bindung und Weiterempfehlung zu und zeigen konkrete Veränderungshebel zur effektiven Verbesserung des Kundenservices auf.

Alle Instrumente sind das Ergebnis langjähriger Forschung und Beratungserfahrung. Human Synergistics ist in allen Regionen der Welt präsent und hat mit fast allen bedeutenden Unternehmen und Beratungsfirmen zusammengearbeitet. Umfangreiche, standardisierte Fragebögen und Auswertungen basieren auf der Verpflichtung zu höchster Integrität. Mehr als 120 wissenschaftlich validierte Fragen stellen aber auch in kleinen Grundgesamtheiten sicher, dass es nicht zu statistischen Verzerrungen kommt, sondern ein repräsentatives Bild der aktuellen Situation beziehungsweise des gewünschten Soll-Zustands erhoben wird! Internationale Befragungsprojekte mit bis zu 25.000 Teilnehmern im Bereich der Kulturdiagnose sind ein starker Vertrauensbeweis in die Praxistauglichkeit und Aussagekraft der Tools.

Mikropolitik: Das Unternehmen als Arena gefährlicher Spiele

Der Druck auf Vorstände und Top-Manager ist groß. An der Spitze ihrer Unternehmen müssen sie sich gegen Widersacher behaupten. Die Alpha-Manager ringen um die Macht. Manchmal ist es die eigene Position, die gefestigt oder ausgebaut werden soll, manchmal geht es auch darum, aufstrebende Jung-Manager auszuzeichnen, in den Führungskader zu integrieren oder einfach ruhig zu stellen. Die Mikropolitik spielt im Unternehmen immer eine große Rolle.

Dass sogenanntes mikropolitisches Verhalten in Unternehmen unter Umständen den Aufstieg auf der eigenen Karriereleiter fördert, haben Wissenschaftler herausgefunden – und viele werden es aus eigener Erfahrung kennen. Michael Schiffinger und Johannes Steyrer von der Wirtschaftsuniversität in Wien haben in einer Studie bei über 100 Führungskräften in Österreich festgestellt, dass oft diejenigen im Unternehmen vorankommen, die

  • offenen Druck ausüben, also ihre Macht ausspielen oder psychologischen Druck gegenüber Kollegen oder Mitarbeitern anwenden;
  • ihre Beziehungen in den Unternehmen auf Personen ausrichten, die ihnen nützlich sind oder die sie selbst unterstützen;
  • sich anbiedern, indem sie unterwürfig Gefälligkeiten erweisen, Komplimente an karrierefördernde Personen verteilen und nach Anerkennung von einflussreichen Personen streben;
  • einschüchtern, also den Eindruck von Macht und Gefährlichkeit erwecken;
  • Koalitionen bilden und an tragfähigen, von Loyalität gekennzeichneten Beziehungen arbeiten;
  • Informationsweitergabe steuern und dabei selektiv und gezielt vorgehen, so dass ihre eigenen Ziele unterstützt werden.

Normalerweise stellt man sich Unternehmen als rational konzipierte und gesteuerte Organisationen vor. Im Vordergrund stehen Strukturen, Regeln und Prozesse, in die sich alle Mitarbeiter fügen. Der (mikro-)politische Ansatz aus der Organisationsforschung stellt dem eine handlungsorientierte Perspektive gegenüber, bei der Macht(kämpfe), Interessen, Konflikte, Aushandlungen und Intransparenz eine zentrale Rolle spielen und die Organisation des Unternehmens in gleicher oder sogar noch stärkerer Weise als alle formalen Regelungen prägen.

Stichwort

Mikropolitik gilt in der Organisationsforschung als das Arsenal der Techniken, mit denen Macht im Unternehmen aufgebaut und eingesetzt wird, um eigene Interessen durchzusetzen und zu verteidigen. Dabei hat Mikropolitik sowohl eine konstruktive und produktive, wie auch eine destruktive und störende Seite.

Diese Beschreibung von Mikropolitik stammt von Oswald Neuberger. Der Professor für Personalwesen an der Universität Augsburg beschäftigt sich seit vielen Jahren mit mikropolitischen Verhaltensweisen in Organisationen und gilt als ausgewiesener Experte. In seinen zahlreichen Büchern und Fachbeiträgen unterscheidet Neuberger:

  • mikropolitische Haltungen wie Opportunismus und Machiavellismus,
  • mikropolitische Strategien wie Diplomatie oder Shotgun,
  • mikropolitische Taktiken wie rationales Argumentieren, Druck ausüben, Koalitionen bilden, Informationen manipulieren oder schmeicheln.

Mikropolitik spielt nach Neuberger in Unternehmen eine zentrale Rolle; es werde aber nur selten über Mikropolitik gesprochen. Aus Sicht von Neuberger ist es dennoch wichtig, solche Handlungen und Vorgänge zu benennen. Denn es lassen sich der Mikropolitik auch positive Seiten abgewinnen. Ein offener und offensiver Umgang der Unternehmen mit Mikropolitik sei notwendig, meint Neuberger. Er plädiert dafür, Mikropolitik im Unternehmen und vor allem in der Personalentwicklung zu thematisieren. Dann lassen sich ihre negativen Auswirkungen eindämmen und die positiven nutzen.

Christian Scholz, Professor an der Universität Saarbrücken, sieht in seinem Bestseller-Buch „Darwiportunismus“ mikropolitische Haltungen als generellen Trend. Er schreibt:

„Die andere Grundposition wird durch den Opportunismus der Mitarbeiter bestimmt. Die junge Berufsgeneration, die seit kurzem in die Hightech-Arbeitswelt eingestiegen ist, handelt so, dass nach Möglichkeit ihr eigener Vorteil im Mittelpunkt steht, im Extremfall selbst dann, wenn es dem Unternehmen schadet. Loyale Bindung an das Unternehmen erscheint für sie zunächst unattraktiv, viel wichtiger dagegen sind Beschäftigungsfähigkeit und Marktwert. Dabei ist sie selbstmotiviert und ehrgeizig, aber ihre Ziele sind nicht unbedingt die ihres Unternehmens.“

Hinweis

Dass Mikropolitik in jedem Unternehmen ein alltägliches Phänomen ist, weiß fast jeder Mitarbeiter. Das ist wohl ein Grund für den Erfolg von Dilbert, einer Comic-Figur von Scott Adams, mit der der Autor die täglichen Spielchen im Büro ironisch, sarkastisch und zynisch auf die Schippe nimmt.

http://www.dilbert.com [114]

Wirkungen der Mikropolitik

Wenn man diesem Bild von Organisationen und ihrem Innenleben folgt, wundert man sich, warum diese scheinbar dennoch funktionieren. Wolfgang Elsik, Professor an der Wirtschaftsuniversität Wien hat einige positive und negative Wirkungen der Mikropolitik herausgearbeitet. Wer sich mikropolitisch verhält, kann mit folgenden positiven Wirkungen für sich selbst rechnen:

  • mehr Macht und Einfluss im Unternehmen,
  • zusätzliche Ressourcen für die eigene Arbeit,
  • Belohnung durch Aufstieg, Karriere oder höheres Gehalt.

Allerdings kann der „Schuss auch nach hinten losgehen“. Denn wer mit seinem mikropolitischen Verhalten bei den Kollegen und Vorgesetzten scheitert, verliert an Glaubwürdigkeit und Macht und kann in letzter Konsequenz auch seinen Arbeitsplatz verlieren.

Auch für das Unternehmen lassen sich nach Wolfgang Elsik positive und negative Effekte der Mikropolitik feststellen. Die positiven Effekte sind ein Grund dafür, dass Mikropolitik auch zur Stabilität von Organisationen beitragen kann – gerade weil diese so alltäglich ist:

[nach Wolfgang Elsik: Theoretische Grundlagen der Mikropolitik]

positive Effekte

negative Effekte

Sozialdarwinismus: die „Starken“ setzen sich im Unternehmen durch.
im Prozess der Entscheidungsfindung werden viele Aspekte diskutiert, mehr Meinungsvielfalt.

Es werden die falschen Ziele gefördert bzw. die richtigen nicht erreicht, wenn mikropolitische Akteure opponieren.
Informationen werden nicht weitergegeben.

Change Management wird gefördert, Trägheit überwunden, da mikropolitische Akteure die Dinge vorantreiben.

„Opfer“ der mikropolitischen Akteure sind frustriert, misstrauisch und demotiviert.

Mikropolitische Akteure helfen bei der Umsetzung von Neuerungen, wenn sie darin einen Nutzen für sich erkennen.

Ressourcen werden falsch eingesetzt – zum Nutzen einzelner, aber nicht des Unternehmens.

Mikropolitik ist also nicht per se schlecht. Sie schafft und verhindert Regeln in der Organisation und macht deutlich, welches Verhalten akzeptiert wird und welches nicht. Kein Unternehmen kann auf Dauer nur durch die offiziell beschriebenen Regeln und Strukturen geführt werden. Alle sind auf das persönliche Engagement der Mitarbeiter angewiesen – jenseits von „Dienst nach Vorschrift“.

Mikropolitik und Mobbing

Besonders negative Auswirkungen hat die Mikropolitik, wenn sie in gezieltes Mobbing umschlägt. Wenn Mitarbeiter und Führungskräfte um Macht, Einfluss, Kompetenzen und Ressourcen rangeln oder ihre Profilneurosen ausleben, kann der „Schwächere“ schnell zum Mobbing-Opfer werden.

Wie und unter welchen Umständen das passieren kann, darüber streiten sich die Experten. Denn es gibt kaum gesicherte Erkenntnisse. Betriebe und Führungskräfte mauern natürlich, wenn Externe hier „Feldforschung“ betreiben wollen. So lässt sich auch im Einzelfall nicht immer ausmachen, wer tatsächlich „Täter“ und wer „Opfer“ ist. Unter Umständen ist auch ein solches Wechselspiel Teil der Mikropolitik.

In der Forschung werden zwei Formen des Mobbing unterschieden:

  • dispute-related mobbing (streitbezogenes Mobbing) ist charakterisiert durch einen stark eskalierten persönlichen Konflikt, während
  • predatory mobbing (raubgieriges Mobbing) Fälle bezeichnet, in der das Opfer keine provokativen Handlungen unternommen hat, die das Verhalten des Täters rechtfertigen würde, aber der will seine Macht demonstrieren.

[Quelle: Nicola Jacobshagen: Mobbing, ein langer zermürbender Prozess. [115] In: Schweiz Med Forum, 2004/4]

Mikropolitik produktiv machen

Mikropolitik findet im Wechselspiel zwischen Sachorientierung und Eigennutz statt, hat Oliver Strohm, Partner und Geschäftsführer des Instituts für Arbeitsforschung und Organisationsberatung (iafob) in Zürich, in einer Studie herausgefunden. Aus dieser Studie weiß er, dass Mikropolitik dann akzeptiert wird, wenn sie sachorientiert eingesetzt wird.

Dazu gehören: offene und ehrliche Kommunikation, kongruentes Taktikverhalten, der Erhalt von Wertschätzung sowie der Nutzen für die Organisation. Auch wenn die Befragten das Verhalten von Kollegen meist als unfair im Vergleich zum eigenen Verhalten einschätzten, so findet sich doch ein Ansatz für eine konstruktive Mikropolitik, die laut Strohm folgende Charakteristika aufweisen sollte:

  • Frühzeitige Antizipation von Konflikten und Widerständen
  • Berücksichtigung der Interessen von „abwesenden“ Personen
  • Möglichkeiten zur offenen Kontroverse
  • Aktiver Einsatz von Machtpromotoren
  • Sorgfältige Auswahl der Projekttreiber
  • Aktive Beziehungspflege innerhalb und außerhalb des Projektes
  • Umsetzung von Interessen ausgleichenden Lösungen
  • Mediationsangebote
  • Vereinbarung von Regeln akzeptierter und nicht akzeptierter Mikropolitik
  • Projektreviews zur Mikropolitik

Mikropolitik lässt sich nicht verhindern; sie kann nur konstruktiv gewendet werden, indem ihre negativen Wirkungen eingedämmt und positive Wirkungen genutzt werden.

Checkliste

Beispiele für mikropolitische Taktiken

  • Ich kündige Konsequenzen an, falls meine Vorgaben nicht erfüllt werden.
  • Gegebenenfalls wende ich mich direkt an höhere Instanzen.
  • Ich verspreche Gegenleistungen, falls meine Anliegen erfüllt werden.
  • Meine eigentlichen Absichten lasse ich öfter im unklaren.
  • Um einen guten Eindruck zu hinterlassen, arbeite ich öfters länger oder zu ungewohnten Zeiten.
  • Ich drücke beruflich relevanten Personen öfter meine Wertschätzung aus.
  • Ich bemühe mich, als Erfolgstyp zu erscheinen.
  • Ich wähle nach Möglichkeiten Aufgaben, die mich in Kontakt mit mächtigen Personen bringen.

[Quelle: Michael Schiffinger und Johannes Steyrer. Der K(r)ampf nach oben – Mikropolitik und Karriereerfolg in Unternehmen. In: zfo 3/2004]

Willi Küpper und Günther Ortmann beschreiben in klaren Worten, was Mikropolitik bedeuten kann. Aus ihrem Buch „Mikropolitik. Rationalität, Macht und Spiele in Organisationen“ [116] .

“In Organisationen tobt das Leben. Weit von jenen anämischen Gebilden entfernt, die in der althergebrachten Forschung unter dem Namen “Organisationsstruktur” ihr schattenhaftes Dasein fristen und von oben bis unten vermessen werden, sind sie in Wirklichkeit Arenen heftiger Kämpfe, heimlicher Mauscheleien und gefährlicher Spiele mit wechselnden Spielern, Strategien, Regeln und Fronten. Der Leim, der sie zusammenhält, besteht aus partiellen Interessenkonvergenzen, Bündnissen und Koalitionen, aus side payments und Beiseitegeschafftem, aus Kollaboration und auch aus Résistance, vor allem aber: aus machtvoll ausgeübtem Druck und struktureller Gewalt. Denn wer wollte glauben, dass diese unordentliche Gemenge anders zusammen- und in Tritt gehalten werden könnte?

Die Machiavelli der Organisation sind umringt von Bremsern und Treibern, change agents und Agenten des ewig Gestrigen, Märtyrern und Parasiten, grauen Eminenzen, leidenschaftlichen Spielern und gewieften Taktikern: Mikropolitiker allesamt. Sie zahlen Preise und stellen Weichen, errichten Blockaden oder springen auf Züge, geraten aufs Abstellgleis oder fallen die Treppe hinauf, gehen in Deckung oder seilen sich ab, verteilen Schwarze Peter und holen Verstärkung, suchen Rückendeckung und Absicherung, setzen Brückenköpfe und lassen Bomben platzen, schaffen vollendete Tatsachen oder suchen das Gespräch. Dass es ihnen um die Sache ginge, lässt sich nicht behaupten; aber immer läuft mit ab: der Kampf um Positionen und Besitzstände, Ressourcen und Karrieren, Einfluss und Macht.”

[jf]

Connecting Teams: Gute Zusammenarbeit der Mitarbeiter ist für Unternehmen erfolgsentscheidend

"Ein kluger Mensch macht nicht alle Fehler selbst. Er gibt auch anderen eine Chance."

Der trockene Humor Winston Churchills ist bekannt. Die Aussage des britischen Politikers wird auf abstruse Weise Wirklichkeit, wenn wir einer aktuellen Studie der Goethe-Universität Frankfurt Glauben schenken.

Die Studie „Psychosoziale Kosten turbulenter Veränderungen. Arbeit und Leben in Organisationen 2008“ basiert auf Intensivbefragungen, Gruppendiskussionen und einer Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Supervision, die mit der Uni Frankfurt zusammenarbeitete.

Der professionelle Blick hinter die Kulissen bei 1.000 Befragten offenbart Erschreckendes: Kollegialität und Solidarität schwinden, junge Beschäftigte werden von den älteren nur unzureichend eingearbeitet, vor allem aus Angst vor Verlust des eigenen Status. Die jungen Mitarbeiter „rächen“ sich: Sie versuchen, sich zu profilieren, indem sie Traditionsbestände entwerten. Fälle, in denen sich Beschäftigte gemeinsam und einvernehmlich für bessere Arbeitsbedingungen einsetzen, sind selten geworden. Dabei ist es eine Binsenweisheit, dass der Zusammenhalt eine Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens ist. Schon Henry Ford wusste:

"Zusammenkunft ist ein Anfang, Zusammenhalt ist ein Fortschritt, Zusammenarbeit ist der Erfolg."

Motivation und Leistung der Mitarbeiter sinken

Was damals galt, ist heute noch wichtiger geworden. Denn wenn das Teamgefühl schwindet, sinkt auch die Motivation jedes einzelnen Mitarbeiters. Das bestätigt auch die Studie.

Durch die Rationalisierungen und damit steigende Arbeitsbelastung wird die Leistung des Einzelnen wichtiger. Die Beschäftigten kontrollieren sich gegenseitig. Keiner soll einen Vorteil haben. Beschäftigte mit der Angst, benachteiligt zu werden, neigen dazu, Kollegen unter Verdacht zu nehmen, sich Vorteile verschaffen zu wollen oder sie bereits heimlich zu haben. Vertrauen geht in Misstrauen über, die Leistung der Beschäftigten sinkt.

Die Abwärtsspirale dreht sich mit der beschleunigten Dynamisierung der Anforderungen und der Ausdünnung von Strukturen und Werten, die eigentlich Orientierung geben sollten. Aus Teams werden Einzelkämpfer. Diese haben, bei einem zerfallenden Team, aus meiner Erfahrung, drei Möglichkeiten, zu reagieren:

  1. Flucht: Der Mitarbeiter flüchtet sich in seine eigene Welt, er geht Auseinandersetzungen mit Chefs und Kollegen aus dem Weg und macht unauffällig „Dienst nach Vorschrift“. Der Rückzug ins eigene Schneckenhaus trägt Züge einer Kapitulation.
  2. Starre: Der Mitarbeiter fühlt sich überfordert, weil ihn der Wandel überfrachtet. Er verfällt in Angststarre. Er kann nicht mehr auf andere zugehen, die Angst lähmt seine Leistungsfähigkeit. Die Lähmung kann in Verzweiflung übergehen.
  3. Angriff: Der Mitarbeiter nimmt den Zerfall der Gruppe und die steigenden Leistungsanforderungen persönlich. Er fühlt sich übervorteilt und reagiert aggressiv auf die anderen Kollegen. Die zunächst offenen Attacken können sich, wenn sie nichts bewirken, in Mobbing verwandeln.

Die drei Typen unterscheiden sich zwar in der Reaktion, haben aber eines gemeinsam: Sie erhoffen sich mehr „Rück-Halt“ von verantwortlichen Führungskräften.

Abwärtsspirale unterbrechen

In der deutschen Wirtschaft sieht es also düster aus. Rolf Haubl und G. Günter Voß, die Leiter der Studie konstatieren:

„Möglicherweise ist unsere Situationsbeschreibung jedoch schon wieder überholt. Die derzeitige Wirtschaftskrise wird vieles in der Arbeits- und Unternehmenswelt noch schwieriger machen als bisher. Sie bietet aber auch die ungewöhnliche Gelegenheit, die negativen Folgen des erstaunlichen Reorganisations- und Ökonomisierungshypes der letzten Jahre klarer wahrzunehmen und ehrlicher zu bilanzieren.“

Nicht nur das. Wer die Fehlentwicklung erkennt, kann gegensteuern. Und sollte das auch tun, insofern er die Machtbefugnisse dazu in den Händen hält. Es lohnt sich für Führungskräfte, den Teamgedanken einmal aktiv durchzuspielen: „Wie verhalte ich mich? Wie verhalten sich die anderen?“

Ein Unternehmer kann zum Beispiel keine gute Zusammenarbeit im Team verlangen, wenn er selbst nicht als Vorbild wirkt. Es ist hilfreich, sich öfter einmal zu fragen: „Bin ich ein Teamplayer oder ein Einzelkämpfer? Was zahlt sich langfristig aus?“ Im Moment sind die Zeiten gut, um den Teamgeist zu stärken. Es gibt drei mögliche Wege für Unternehmen:

  1. Motivieren Sie Ihre Mitarbeiter, gerade jetzt beispielsweise beim Kunden präsent zu sein. Es bietet sich an, die Bühne zu nutzen, weil andere auf dem Rückzug sind, sich still verhalten, weil sie glauben, dass sowieso nichts mehr geht.
  2. Natürlich ist es auch möglich, sich mit dem bisher Erreichten zufriedenzugeben. Vielleicht müssen Sie nicht unbedingt gewinnen, sondern aus strategischen Gründen Ihre Ressourcen schonen.
  3. Greifen sie mutig und beständig an, auch wenn Sie das Gefühl haben, zurückzuliegen. Nehmen Sie das Risiko, noch ein Stückchen zurückzufallen, in Kauf. Sie haben es zumindest versucht und Ihr Bestes gegeben.

Die Entscheidung muss letztendlich jedes Unternehmen, jeder Unternehmer selbst, entsprechend seiner mittel- und langfristigen Ziele, treffen. Immer in dem Bewusstsein, was es bedeutet und welche Auswirkungen es hat, wenn ein Unternehmen nicht alles zeigt, was es eigentlich könnte: Die leistungsorientierten Mitarbeiter verstehen die Welt nicht mehr und sind bestenfalls irritiert, schlimmstenfalls demotiviert. Die Mitspieler nutzen die Chance und gewinnen an Boden. Der Kunde ist verärgert oder geht ganz verloren. Das Image des Unternehmens leidet.

Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist das Zusammenschweißen der Belegschaft wichtig

Die Angst der Beschäftigten vor Arbeitsplatzverlust wächst von Tag zu Tag, was sie zusätzlich daran hindert, in schlechten Zeiten zusammenrücken. Die Gründe dafür sind vielfältig: Da steht die Angst vor Offenheit, zuviel von sich (und seinem Fachwissen) preisgeben zu müssen, neben dem Neid, dass der andere besser sein könnte. Lieber klammern sie sich an ihre Kunden (Der Wettbewerber könnte sie mir wegnehmen). Da wird eine Zusammenarbeit nicht als Chance gesehen, sondern als Risiko (Kooperationen schaden, wir machen den anderen schlau).

Manchmal ist das mangelnde Vertrauen auch durch schlechte Erfahrungen geprägt. Sehr wichtig ist, den Mitarbeitern Sicherheit zu geben, ihnen die Botschaft zu vermitteln, dass sie gemeinsam am besten durch die Krise kommen. Gerade jetzt sollten Führungskräfte mit ihren Mitarbeitern sprechen - anstatt wie von vielen Beschäftigten beklagt - sich selbst, ebenfalls verunsichert, zurückzuziehen. Zudem könnte der Mut zu kooperativer Führung ausgeprägter sein. Was in der Familie oder bei einem Fußballteam funktioniert, kann auch auf Unternehmen übertragen werden.

Connecting Teams

Die Entwicklung, dass Abteilungen in Unternehmen immer mehr gegeneinander arbeiten, kann auch umgedreht werden: Souveräne Führungskräfte können gemeinsam mit ihren Mitarbeitern eine Struktur schaffen, bei dem die Arbeit abteilungsübergreifend funktioniert. Wenn Forschung und Entwicklung, Produktion, Vertrieb und die Serviceabteilung sich selbst als wertvoll und unverzichtbar sehen, gehen sie anders miteinander um.

„Connecting Teams“ bedeutet in diesem Zusammenhang, diesen Prozess aktiv zu unterstützen, mehr Abstimmung einzufordern, die Abteilungen übergreifend miteinander zu verzahnen. Ziel ist, dass auch Abteilungen mit zum Teil „naturgegebenen“ gegensätzlichen Zielen, wie Service und Controlling, nicht gegeneinander, sondern miteinander arbeiten.

Souveräne Unternehmen stärken gerade in schwierigen Zeiten ihre Ko´s: Kommunikation, Koordination und Kooperation. Sie erkennen, welche Mitarbeiter für welche Aufgaben besonders geeignet sind und stärken deren Stärken. Sie erarbeiten nicht nur eine Team-Vision, sondern leben auch danach. Ihre Mitarbeiter sind als Team begehrlich für andere, für den Markt und für ihre Partner. Sie verwandeln das derzeitige Tal, das Leiden schafft, in ein Tal der Leidenschaft. Sie halten gemeinsam durch und bleiben im Spiel. Ein kluger Chef spielt seinen Mitarbeitern in der Krise nicht den Ball zu, er spielt mit ihnen im Team.

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Change Management: Komplexität reduzieren, Handlungsfähigkeit sichern

„The transition has ended and the new administration has begun. Please join President Barack Obama at Whitehouse.gov“ (change.gov).

Welches Unternehmen würde sich nicht manchmal etwas weniger Wandel und etwas mehr Sicherheit in einem geregelten Umfeld wünschen? Manche Führungskraft würde vielleicht gerne auf ihre Website schreiben: „Please join me and my vision under dot.org“. Doch die beiden Sätze auf der Wahlkampfseite des US-Präsidenten sind nur das (Zwischen-) Ergebnis einer langen Reise.

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts basierte das Management auf Vereinfachung, Organisation und der Koordination von Aufgaben. Es ging um die Entwicklung von Firmenpolitik, Verfahrensweisen und Schaffung von Hierarchien, um bei Arbeitern die Einhaltung der Regeln sicherzustellen. Führungskräfte legten sich auf die Schaffung standardisierter Produkte und Leistungen fest, um die Bedürfnisse der Kunden zu befriedigen und Produktionskosten niedrig zu halten. In diesem Umfeld „funktionierten“ Mitarbeiter in einem engen Rahmen aus vorgegebenen Regeln und konnten für ihre Aufgaben leicht angelernt werden. Die Anforderungen an die Ausbildung waren gering, ebenso wie die Löhne.

Die Grenzen dieser mechanistischen Führungsgrundsätze in einem dynamischen Umfeld mit zuneh­mender Komplexität, das immer besser ausgebildete Arbeitskräfte erfordert, liegen auf der Hand. Arbeitsinhalte definieren sich heute nicht mehr über standardisierte Aufgaben im Zyklus „Planung-Entscheidung-Anordnung-Kontrolle“. Nicht mehr die Produktion von Gütern oder Dienstleistungen mit einem hohen Anteil an repetitiven, standardisierbaren Tätigkeiten steht im Vordergrund, sondern das flexible Reagieren von Wissensarbeitern auf die täglich neuen Herausforderungen der Märkte sowie das Nutzen von Marktchancen und neuen Technologien.

Unternehmertum im Unternehmen ist dabei gefragt wie nie zuvor, das heißt alle Mitarbeiter und Führungskräfte müssen Entscheidungsprozesse und Verantwortung aktiv mittragen. Mitarbeiter, die bei der Ausführung ihrer Tätigkeiten gewillt sind, selbstverantwortlich zu arbeiten und permanent entwicklungsfähig bleiben, sind in einer solchen „Kreativwirtschaft“ von unschätzbarem Wert.

Mit Unsicherheit leben: neue Anforderungen und Herausforderungen an Mitarbeiter und Führungskräfte

Die Kreativwirtschaft stellt neue Herausforderungen an Mitarbeiter und Führungskräfte. Peter F. Drucker unter­scheidet die Aufgaben von Führung und Management in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts noch wie folgt:

  • „Fundamental wichtig für die Arbeitsausübung ist die Sinnfrage: Wo ist mein Platz, wo ist mein Beitrag“ (doing the right things)? Die Führungskraft muss also Orientierung geben.
  • „Die Aufgabe des Managements besteht darin, Menschen geplant in die Lage zu versetzen, gemeinsam Leistung zu erbringen.“ Für Manager geht es darum Mitarbeiter anzuleiten, vorhandene Konzepte umzusetzen (doing things right).

In einem Umfeld, in dem Zielvorgaben täglich mit neuen Markt- und Technikanforderungen zusammen­treffen, werden „the right things“ zunehmend ambivalent. Führungskräfte verfügen nicht mehr allein über die notwendigen Informationen und das Know-how, um Produktions- und Projektpläne zu erstellen. Ein zentrales Charak­teristikum von „Wissensarbeit“ ist auch, dass deren Inhalte durch Denkleis­tungen erbracht werden. Dabei können Ziele, selten aber konkrete Arbeitsergebnisse vorgegeben werden. In der Folge verwischen die Grenzen immer mehr zwischen

  • Führung und Management,
  • Management und Umsetzung,
  • Entwicklung und Produktion und
  • Strategie und Taktik.

Je besser die Wissensarbeiter die Ziele verstanden haben, desto eher werden erwartete und tatsächliche Ergebnisse zusammenfallen. Je nachdem, wie viele Grundsatzfragen dabei auftauchen, müssen die richtigen Umsetzungspläne auch noch einmal besprochen und gegebenenfalls überarbeitet werden. Dieser konfliktreiche Diskussions­prozess ist zeitintensiv. Die Zeitspanne vom „Go“ der ersten Führungs­ebene bis zur tatsächlichen Realisierung wird entsprechend größer, während der Zeitdruck vom Markt her stärker wird.

Ein Phänomen, das bei der Einführung des LKW-Mautsystems „Toll Collect“ 2003 und 2004 zu beobachten war und das sich auch aktuell bei der Entwicklung und Auslieferung der neuen Jumbojet-Generation (Boeing 787 und Airbus A380) – und nicht nur dort – wiederholt.

Die Konfrontation mit Vorgaben, die nicht haltbar sind, und die Nutzlosigkeit der dafür geleisteten (Planungs-) Arbeit sind schmerzhaft für alle daran beteiligten Personen. Fehlen jedoch die richtigen Pläne, so könnten Manager alles richtig machen und täten doch das Falsche. Eine tragische Perspektive: Mit ungeheurem Fleiß und Detailgenauigkeit würden Pläne umgesetzt, die wenig bewirken können. Wenn aber eine Organisation, die die Produktivität fördern soll, die eigene Produktivität erlebbar behindert, so wäre dies auch emotional sehr unproduktiv. Ein Wissensarbeiter muss und wird sich deswegen ständig fragen: Bin ich in der richtigen Organisation und fördert diese Organisation meine Produktivität? Doch wer weiß, wer und was produktiv macht?

Die Herausforderung für Führungskräfte liegt hier einerseits darin, die klassischen Projektziele Qualität, Zeit und Kosten im Auge zu behalten. Andererseits müssen neue Bedingungen und Notwendigkeiten, die bei der Umsetzung deutlich werden, auch angemessen Berücksichtigung finden können. Die Folge: Das Management-Paradigma „Planung-Entscheidung-Anordnung-Kontrolle“ wandelt sich zu einem partner­schaftlichen Diskurs zwischen Managern und Mitarbeitern (Wissensarbeitern).

Auch im universitären Umfeld haben partizipativ-partnerschaftliche Führungsstile langfristig mehr Erfolg als auf Konkurrenz abstellende Organisationsformen, so die Ergebnisse von Prof. Dr. oec. Jan Hendrik Fisch vom Lehrstuhl für Technologie- und Innovationsmanagement sowie Entrepreneurship an der Zeppelin Universität Friedrichshafen. Fisch untersuchte im Auftrag des deutschen Wissenschaftsrates folgende Fragen:

  • Mit welcher Führ­ungsform lassen sich die besten Forschungsleistungen erreichen? 
  • Welche Organisationsform ermöglicht schnellere und bessere Ergebnisse?

Die besten Forschungsleistungen werden gemäß seiner Untersuchung in Arbeitsgruppen erzielt, in denen es die Führungskraft versteht, ein kooperatives Klima zu schaffen und interaktive Prozesse auf die richtigen, gemeinsamen Ziele zu lenken. Führungsverhalten, das Konkurrenz zwischen den Arbeitsgruppen fördert, führt zwar kurzfristig zu guten Ergebnissen. Nachdem es in einem solchen Umfeld aber immer Gewinner und Verlierer gibt, wird langfristig Vertrauen zerstört, das Klima durch Ressentiments und Rachegefühle vergiftet und damit die Nachhaltigkeit infrage gestellt.

Effizienz steigern: Wie sich Outsourcing für Banken und Versicherungen auszahlt

Outsourcing – damit verbinden die meisten Banken und Finanzdienstleistungsunternehmen vor allem das Auslagern ihrer IT. Dabei lassen sich hohe Effizienz- und Umsatzsteigerungspotenziale entfalten, wenn auch personalintensive Back-Office-Arbeiten von einem darauf spezialisierten externen Dienstleister übernommen werden. Beispielsweise lässt sich im Kreditgeschäft durch das Auslagern von Teilprozessen erreichen, dass

  • die Erfolgsquote bei der Beschaffung von Bonitätsunterlagen auf 98 Prozent steigt
  • 92 Prozent der Bonitätsunterlagen im Neugeschäft nach dem ersten Kundenkontakt eingereicht werden
  • nach Eingang der Unterlagen im gewerblichen Kreditgeschäft eine taggleiche Bearbeitung der Neuanträge sichergestellt wird
  • sich die Effizienz (Output) bei Prolongationen um bis zu 300 Prozent erhöht und Verfristungen ausgeschlossen werden
  • die telefonische Erreichbarkeit der Kunden-Hotline bei nahezu 100 Prozent liegt und
  • in mehr als 90 Prozent der Fälle eine abschließende Bearbeitung von Anfragen durch die Kunden-Hotline gelingt.

Erreicht wird diese messbare Qualitätssteigerung durch

  • Spezialisierung,
  • Professionalisierung der Best Practice-Prozesse,
  • geringere Fehlerquoten,
  • kürzere Durchlaufzeiten und
  • höhere Verfügbarkeit.

Externe Dienstleister können also das Massengeschäft im Back Office von den Kreditinstituten und Versicherungen übernehmen und es aufgrund der Skaleneffekte deutlich günstiger als diese abwickeln. Hinzu kommt, dass durch die Betreuung mehrerer Auftraggeber die Steuerungsverfahren (PPS-Systeme) beim Dienstleister ständig optimiert werden und Abläufe dadurch rationalisiert werden.

Outsourcing empfiehlt sich insbesondere für Banken und Versicherungen, die zeitnahe Problemlösungen suchen und/oder denen Investitions- und Aufbaukosten für eine eigene prozessoptimierte Abwicklung zu hoch sind. Delegieren sie hingegen administrative personalintensive Supportprozesse, die nicht zum Kerngeschäft gehören, an einen externen Dienstleister, profitieren sie von der ersten Minute der Zusammenarbeit: Kosten werden gesenkt, Qualität und Effizienz erhöht.

Die Erfahrung zeigt: Auf diese Weise lassen sich die Kosten für administrative Leistungen bei der Kredit- und Leasingvergabe gegenüber einer internen Abwicklung um bis zu 28 Prozent reduzieren. Gleichzeitig steigt bei den Kunden des Finanzdienstleisters die Zufriedenheit, da sie von schnelleren Entscheidungen und verbesserten Serviceleistungen des Vertriebes profitieren. Letzterer ist ebenfalls ein Gewinner des Auslagerns von Kreditprozessen, da sich die Vertriebsmitarbeiter nun auf das konzentrieren können, was ihr Kerngeschäft ist – das Akquirieren und Betreuen von Kunden.

Outsourcing Readiness

Angesichts der Outsourcing-Vorteile stellt sich die Frage, wie bereit dazu sind die Unternehmen? Eine E-Finance-Lab-Studie gibt darauf die Antwort. Demnach bestätigen circa drei Viertel der befragten Bankverantwortlichen die Überlegenheit der Outsourcer gegenüber ihren Instituten, wenn es darum geht, Teilprozesse besser zu beherrschen. Sogar 80,5 Prozent der befragten Unternehmen stimmten der Aussage (eher) zu, dass die Auslagerung von Teilen des Kreditprozesses zu einer Kostenreduktion führen würde. Weitere 79,7 Prozent erwarten durch ein entsprechendes Outsourcing eine Flexibilisierung ihrer Kosten.

Diese Studie verdeutlicht zudem: Neben den Vorteilen der Kostenreduktion und der Kostenvariabilisierung wird in der Bankenwelt die Kernkompetenzfokussierung von 80 Prozent der Unternehmen als wichtiger Vorteil des Outsourcings angesehen. Der Zugang zu spezialisierten Ressourcen beim externen Dienstleister wird von 65 Prozent der Kreditinstitute als Vorteil eingestuft.

Bei der Auswahl eines Outsourcing-Dienstleisters spielt für 98 Prozent der Banken die Zusicherung besserer Prozessleistungen und für 93 Prozent die Erfahrung die Hauptrolle. Die Kehrseite: Manchem Banker treibt die Angst um, dass Outsourcing einen Know-how-Verlust induziere. Dem lässt sich jedoch, wie Praxisbeispiele beweisen, entgegenwirken.

Am Anfang jedes Projektes werden die Ziele des Outsourcings definiert und Service Level Agreements festgelegt. Während der gesamten Outsourcing-Phase sind dadurch sowohl die Anforderungen des Auftraggebers als auch die Leistungen des Dienstleisters transparent und somit messbar. Ein transparentes Reporting des Outsourcingprojektes stellt sicher, dass der Auftraggeber mit minimalem Einsatz die maximale Kontrolle ausüben kann. Auch dabei wird individuell auf die Kundenwünsche und -bedürfnisse eingegangen, indem die Inhalte des Reportings im Vorfeld auf den Kunden abgestimmt und festgelegt werden. Somit ist gewährleistet, dass alle Angaben über die jeweiligen Prozesse, die für den Auftraggeber relevant sind, dokumentiert werden.

Aus den regelmäßig abgeleiteten Reportings wird darüber hinaus ein Management-Informations-System aufgebaut, dass dem Kunden die Ängste vor Kontroll- und Know-how Verlust nimmt. Diese Maßnahme ist, neben einem intensiven persönlichen Dialog zwischen den Partnern, der Grundstein für das Vertrauen und Basis der Zusammenarbeit.

Ein nicht zu vergessener Nebeneffekt des Outsourcings ist, dass der Auftraggeber von den operativen Erfahrungen, der Innovationskraft und der Umsetzungskompetenz des Dienstleisters profitieren kann. Hinzu kommt, dass der Outsourcing-Geber seine Wettbewerbsfähigkeit allein dadurch stärkt, dass er sich im Kontext des Outsourcings intensiv mit den eigenen Kernkompetenzen, Qualitäten, Stärken und Schwächen auseinandersetzt. Allerdings sollte klar sein, dass Outsourcing keine Lösung ist, um Probleme weit weg zu schieben.

Schnittstellen optimieren

Natürlich ist es bei Outsourcing-Projekten wie im richtigen Leben: Der Erfolg basiert sehr stark auf einem guten Miteinander zwischen der Bank/Versicherung und dem externen Dienstleister. Durch eine regelmäßige, klare Kommunikation lassen sich geänderte oder notwendige Kundenanforderungen sowie mögliche Konfliktanlässe frühzeitig erkennen. So können beispielsweise die Service Level Agreements während eines Projektes jederzeit angepasst beziehungsweise Konflikte geklärt werden. Feste Ansprechpartner auf beiden Seiten und regelmäßige gemeinsame Meetings tragen wesentlich zu einer gleichermaßen effektiven wie effizienten Kooperation bei.

Fazit: Outsourcing hat sich zu einer „strategischen Pflichtveranstaltung“ entwickelt, da sich der Erfolg von Outsourcing-Projekten vielfältig nachweisen lässt. Dies gilt vor allem, wenn standardisierte, klar strukturierte, modulare Prozesse vorliegen, die organisatorisch leicht zu trennen und in der Kooperation wenig komplex sind, die also keine regelmäßigen Rückfragen und Änderungen erfordern. Die Erfahrung zeigt zudem, dass ein operativ und zeitlich befristetes Pilotprojekt zu Beginn, ein empfehlenswerter Einstieg für eine längerfristige Zusammenarbeit darstellt.

Checkliste: Erfolgsfaktoren beim Outsourcing

  1. Prozessanalyse: Entscheidung, welche (Teil-) Prozesse (müssen) intern bleiben und welche kann ein Outsourcing Partner besser abwickeln. Dabei sind gesetzlich/rechtliche Rahmenbedingungen zu berücksichtigen.
  2. Schnittstellen definieren: Ausgelagerte (Teil-) Prozesse müssen in vor- und nachgelagerte Arbeitsschritte integrierbar sein.
  3. Ziele: klare Vorgabe durch den Auftraggeber.
  4. Service-Level-Agreements vereinbaren: Festlegung messbarer Parameter.
  5. Key-Accounts festlegen: Kommunikation im Dialog lässt Probleme und notwendige Veränderungen auf beiden Seiten frühzeitig erkennen und beheben.
  6. Management-Information-System aufbauen: Inhalt und Umfang der regelmäßigen Reports festlegen.
  7. Mitarbeiterinformation: Aufzeichnen der Ziele des Outsourcings und den damit verbundenen Vorteilen für die Mitarbeiter.
  8. Pilotprojekt: Mit überschaubarem, nicht zu komplexem Projekt starten.

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Asset Management: Effektive und effiziente Instandhaltung von Maschinen und Anlagen

Betriebsleiter bewegen sich ständig in folgendem Spannungsfeld: Einerseits müssen sie eine hohe Verfügbarkeit der Anlagen sicherstellen, andererseits die Kosten der Instandhaltung im Auge behalten. Sie müssen zudem eine Vielzahl von Aspekten wie Alter und Beanspruchung der Komponenten sowie Auswirkung von Störungen auf den Anlagenbetrieb beim Beantworten folgender Fragen beachten:

  • In welchen Intervallen sollen wir unsere Maschinen und Anlagen inspizieren und warten? Und:
  • Wann rechnet sich für uns noch ein Instandsetzen, und wann sollten wir eine Neuanschaffung erwägen?

Mit diesen Fragen muss sich jedes Unternehmen mehr und minder intensiv befassen. Sonst kann es auf Dauer seine Leistung nicht erbringen und wirtschaftlich arbeiten – unabhängig davon, ob es sich bei den genutzten Produktionsmitteln um Maschinen, Transportfahrzeuge oder Leitungsnetze handelt. Dabei fokussieren sich die einzelnen (Detail-)Fragen auf folgende drei Kernfragen:

  • Was muss als Nächstes getan werden? (Zeithorizont)
  • Was hat höchste Priorität? (Risiken und Bedeutung für das Unternehmen)
  • Was ist wirtschaftlicher? (Instandhaltung oder Investition?)

Zum Beantworten dieser Fragen benötigen die Unternehmen verbindliche Leitlinien. Denn werden die damit verbundenen Entscheidungen auf der operativen Ebene eher individuell getroffen, kann die Einzelentscheidung trotz aller Erfahrung des jeweiligen Mitarbeiters im Widerspruch zu den Unternehmenszielen stehen – zum Beispiel weil anlagenwirtschaftliche Aspekte (Assetmanagement) nicht ausreichend berücksichtigt werden. Diese Gefahr kann durch ein Festlegen von Entscheidungswegen und -kriterien beseitigt werden.

Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit sicherstellen

Speziell Großunternehmen können sich beim Instandhalten nicht auf ein Vorgehen stützen, das primär auf der individuellen Erfahrung basiert. Aufgrund ihrer Größe und vielfach auch Komplexität und Interdependenz ihrer Anlagen benötigen sie eine ganzheitliche, anlagenwirtschaftliche Betrachtung (siehe Abb.1) nebst daraus abgeleiteter Instandhaltungsstrategie, die sicherstellt, dass

  • das Unternehmen seine Leistungen erbringen kann und
  • die Ressourcen effektiv genutzt werden.
Abb. 1: Anlagenwirtschaft und Instandhaltung

Es geht somit bei der Frage nach der besten Instandhaltungsstrategie um das Erfüllen folgender Anforderungen:

  • In der Instandhaltungsstrategie muss sich die Assetstrategie (Anlagenwirtschaft) des Unternehmens widerspiegeln.
  • Die gewünschte Anlagenverfügbarkeit beziehungsweise Versorgungssicherheit muss gewährleistet werden. Und:
  • Die für die Instandhaltung erforderlichen Ressourcen werden soweit möglich und sinnvoll minimiert.

Alle strategischen Überlegungen bezüglich Anlagenwirtschaft sollten in einer sogenannten Assetstrategie zusammengefasst sein, die mit den Ausprägungen Wertsteigerung, Werterhalt und Wertverzehr die grundsätzliche Ausrichtung der künftigen Instandhaltungsaktivitäten für ein definiertes Zeitfenster vorgibt (siehe Abb. 2). Bei deren Formulierung sind seitens der Unternehmensleitung die Qualitätsanforderungen der Kunden (auch internen) und die Ausrichtung des jeweiligen Geschäfts zu berücksichtigen.

Abb. 2: Wertestrategien

Wertestrategie festlegen

Der erste Schritt beim Planen der Instandhaltungsmaßnahmen besteht darin, eine Wertestrategie für den jeweiligen Betrieb oder die jeweilige Anlage festzulegen. Dabei wird zunächst ermittelt, welche Anforderungen an den Betrieb gestellt werden (von Kunden, Gesetzgeber, Unternehmensleitung, weiteren Interessengruppen).

Diese Informationen fließen in die Wertestrategie für die betreffende Anlage ein. Aus der Wertestrategie, die ein Teil der Assetstrategie ist, wird wiederum die Instandhaltungsstrategie abgeleitet. Sie legt die generelle Vorgehensweise fest, wie im Einzelfall zu ermitteln ist, ob die Instandhaltungsmaßnahmen eher auf eine Wertsteigerung, einen Werterhalt oder einen Wertverzehr abzielen sollten.

Im Rahmen der festgelegten Wertestrategie sind folgende drei Schritte konsequent zu bearbeiten:

  • Risiken der jeweiligen Teilanlagen bewerten,
  • Instandhaltungsstrategie ableiten sowie
  • Instandhaltungsmaßnahmen und Ersatz-Investitionen festlegen.

Risiken bewerten

Ist die Wertstrategie definiert, gilt es im zweiten Schritt daraus, die passende Instandhaltungsstrategie abzuleiten. Dabei hat sich ein risikobasierter Ansatz bewährt. Das heißt, für jede Anlage und Teilanlage wird eine Risikobetrachtung durchgeführt, bei der anhand definierter Kriterien die Wahrscheinlichkeit des Eintritts einer Störung und deren mögliche Auswirkung für die Anlage oder das Unternehmen bewertet werden.

Risiko = Eintrittswahrscheinlichkeit (W) x Auswirkung der Störung (A)

Ausgehend von der Wahrscheinlichkeit, dass eine bestimmte Störung der Verfügbarkeit in einem definierten Zeitfenster auftritt und wie stark deren Auswirkung ist, wird anschließend entschieden, ob der Betreiber eher eine zustands-, zeit- oder ausfallgesteuerte Instandhaltungsstrategie verfolgt.

Abb. 3: Risikobewertung

Um die hierfür nötige Risikoabschätzung vornehmen zu können, ist es erforderlich, die Auswirkungen möglicher Schadensfälle zum Beispiel bezüglich monetärer Verluste oder Beeinträchtigung des bestimmungsgemäßen Betriebs zu bewerten. Die Eintrittswahrscheinlichkeit einer Störung wird anhand der Faktoren Alter der Anlage, Beanspruchung und Redundanz ermittelt.

Instandhaltungsstrategie ableiten

Anhand der Eintrittswahrscheinlichkeit einer Störung sowie deren Auswirkungen könnten die (Teil-)Anlagen zum Beispiel den drei Risikoklassen A, B und C zugeordnet werden. Dabei bedeutet „A“ ein hohes Risiko und verlangt somit nach technischen und organisatorischen Maßnahmen, die stark risikomindernd wirken. „B“ hingegen bedeutet mittleres Risiko. Das heißt, zur Risikominderung sind wirkungsvolle Maßnahmen wie intensive Inspektion der Anlagen erforderlich. Der Bereich „C“ bedeutet geringes Risiko. Hier sind in der Regel keine vorbeugenden Maßnahmen zur Schadensbegrenzung erforderlich.

Die konkrete Instandhaltungsstrategie wird anhand der jeweiligen Risikoklasse festgelegt, da die Instandhaltung sich unmittelbar auf das Ausfallrisiko und somit auf die Anlagenverfügbarkeit beziehungsweise Versorgungssicherheit auswirkt.

Abb. 4: Ableitung der Instandhaltungsstrategie

Für Anlagen mit einem hohen Risiko A empfiehlt sich meist eine zustandsgesteuerte Instandhaltungsstrategie. Das heißt, abhängig vom technischen Zustand der Anlage wird entschieden, wie oft die Anlage inspiziert und gewartet wird und welche „Vorsorgemaßnahmen“ ergriffen werden. Dies ist die aufwendigste und somit teuerste Instandhaltungsstrategie.

Bei Anlagen mit einem mittleren Risiko (B) hingegen empfiehlt es sich, diese in festen Zeitintervallen sozusagen routinemäßig zu inspizieren – zum Beispiel alle drei Monate. Und (Teil-)Anlagen mit einem niedrigen Risiko (C)? Dort wird in der Regel eine ausfallgesteuerte Instandhaltung favorisiert. Das heißt, die Handwerker oder Techniker werden erst aktiv, wenn sie die Information erhalten „Beim Anschluss x ...“ oder „Bei der Leitung y treten Störungen auf“.

Instandhaltungsmaßnahmen und Investitionen planen

Die Basis für das Planen aller Instandhaltungsmaßnahmen bildet also eine Risikobewertung nebst hieraus abgeleiteter Instandhaltungsstrategie. Die für die einzelnen (Teil-)Anlagen definierte Instandhaltungsstrategie dient dann wiederum als Grundlage für das Planen der konkreten Wartungs- und Inspektionsmaßnahmen.

So wird zum Beispiel anhand des technischen Zustands einer Maschine entschieden, in welchem Intervall eine Wartung oder Inspektion erfolgt, wobei selbstverständlich die Vorgaben des Gesetzesgebers sowie Herstellers beachtet werden. Die definierten Wartungs- und Inspektionsmaßnahmen werden dann wiederum in einem Jahresplan „Wartung und Inspektion“ fixiert.

Die bei den Inspektionen dokumentierten Feststellungen dienen hierbei als Grundlage für das konkrete Planen der Instandhaltungsmaßnahmen und für die Investitionsentscheidungen. Ergibt eine Inspektion, dass in einem definierten Planungszeitraum mit einem Ausfall gewisser Komponenten zu rechnen ist, dann muss der Betriebsleiter prüfen: Ist eine Instandsetzung möglich und sinnvoll?

Abb. 5: Grundsätzliche Fragen

Als Grundlage für diese Endscheidungen werden technische und monetäre Grenzwerte zwischen Betriebsleitung und Instandhaltung vereinbart. Letztendlich ist immer die langfristig kostengünstigere Lösung gefragt. Dabei werden mögliche Spareffekte aufgrund einer höheren Energieeffizienz sowie eines geringeren Instandhaltungsaufwands berücksichtigt.

Abschließende Bewertung

Ein solches strategiefokussiertes Instandhaltungsmanagement hat folgende Vorteile:

  • Beim Festlegen der Instandhaltungsmaßnahmen stehen die Unternehmensziele und die Anlagenverfügbarkeit im Vordergrund.
  • Die Bewertung von Risiken sowie die Entscheidungswege und -kriterien sind standardisiert.
  • Die Betriebskosten können unter Berücksichtigung der Risiken gezielt reduziert werden.
  • Die Entscheidungen/Vorgehensweisen sind für alle Unternehmensebenen transparent.
  • Die Diskussion der Instandhalter mit den Kostenverantwortlichen wird auf eine sachliche Basis gestellt.
  • Betriebsmannschaft und Instandhaltung werden bezüglich Kosten (-reduzierung) sensibilisiert.

Beim Einführen eines solches Instandhaltungsmanagements werden häufig folgende Fehler gemacht:

  • Die Anlagenstruktur ist nicht (ausreichend) als Basis für die Bewertung herangezogen.
  • Die Bewertungsfaktoren sind nicht präzise formuliert und lassen zu viel Interpretationsspielraum.
  • Die operative Ebene (Betriebsmeister/Handwerker) wird in das Formulieren der Faktoren nicht eingebunden.
  • Es sind keine klaren Ziele/Anforderungen an die Anlage formuliert.
  • Der neue Prozess (Ablauf der Entscheidungsfindung) wird nicht regelmäßig angewendet und zeigt deshalb kaum Wirkung.
  • Getroffene Entscheidungen, Festlegungen sowie Planungen werden ohne triftigen Grund revidiert.

Werden diese Fehler vermieden, dann bekommen Betreiber und Instandhalter mithilfe des strategiefokussierten Instandhaltungsmanagements ein mächtiges und zugleich einfach zu handhabendes Werkzeug, um die Instandhaltungskosten zu reduzieren und die Verfügbarkeit der Anlage im geforderten Maß sicherzustellen.

[Bild: Fotolia.com]

Unternehmensleitbild: Leitbilder sind untauglich zur Mitarbeiterorientierung

Laut einer Studie der Stach's Kommunikation & Management GmbH sei der Ansatz einer zumeist künstlichen Wertedefinition grundsätzlich ungeeignet.

Thomas Stach, Geschäftsführer der auf Change und Positionierungsfragen spezialisierten Beratungsgesellschaft sagt:

"Leitbilder können nicht anders, als zu scheitern."

Stach plädiert stattdessen für eine flexible, befristete und auf ein klares Zielbild ausgerichtete Vorgehensweise, die unmittelbar an laufende Managementmaßnahmen gekoppelt ist.

Die Ergebnisse der Untersuchung unter insgesamt 56 der ertragsstärksten Unternehmen in Deutschland zeigen, dass zwar rund 70 Prozent der Firmen ein Leitbild besitzen, aber in 77 Prozent der Fälle das Thema Wandel oder Veränderung keine Rolle spielt.

"Angesichts eines dynamischen Marktumfeldes und zahlreicher Restrukturierungen in der aktuellen Wirtschaftskrise besitzen Leitbilder damit zwangsläufig nur eine sehr kurze Halbwertszeit",

so Stach. Ungeachtet, ob die Leitbilder von der Geschäftsführung vorgegeben sind (75 Prozent) oder durch die Mitarbeiter selbst entwickelt werden, wird überwiegend nur der Status quo und ein Katalog von Wunschattributen beschrieben. 54 Prozent bleiben ohne Unternehmensbezug und sind nicht nachprüfbar.

Festgestellt wurde unter anderem auch, dass der Entstehungszeitpunkt von Leitbildern unmittelbar mit dem allgemeinen Konjunkturverlauf korreliert. In "Schönwetterzeiten" boome das Leitbild, in schlechten Phasen verschwinde es in der Versenkung, interpretieren die Autoren der Studie.

Stach's empfiehlt als Gegenentwurf einen "Zielbild"-Prozess, der auch bereits mit Erfolg in der Praxis angewandt wird. Hierbei wird ein mit Kennzahlen und Zielen unterlegtes Zukunftsbild entworfen, welches die Mitarbeiter über Projekte erreichen sollen. Werte werden über den Prozess definiert. Eine umfassende Transparenz über Maßnahmen und Stand der Zielerreichung sorgt für die notwendige Relevanz im Unternehmen.

[po; Quelle: Stach's Kommunikation & Management GmbH; Bild: Fotolia.com]

Projektmanagement: Projekt-Abbruch verursacht Millionenverluste

In rund einem Drittel aller Unternehmen kommt es außerdem zu Fehlentscheidungen, weil angesichts einer unzureichenden Gesamtsteuerung der laufenden Projekte klare Bewertungskriterien für die Auswahl der zu beendenden Projekte fehlen. Zu diesem Ergebnis kommt das Hamburger Projektmanagement-Unternehmen PM Firefighters auf der Grundlage einer aktuellen Marktanalyse (PMO Maturity Studie 2009 / Uni Erlangen-Nürnberg).

Ausschlaggebend für das übereilte Streichen von Projekten sind veränderte Rahmenbedingungen: Oft liegen akute Liquiditätsengpässe zugrunde, oder das Unternehmen ist gezwungen, neue Prioritäten zu setzen.

Den Projektverantwortlichen bleiben nach Bekanntwerden des Projektabbruchs in der Regel maximal zwei Wochen, um die Arbeitsergebnisse zu sichern und aufzubereiten. Denn die beteiligten Mitarbeiter sind danach kaum noch motiviert, an einem koordinierten Abschluss mitzuwirken. Zudem erhalten gerade die Leistungsträger eines Projektes, die im geistigen Besitz der erreichten Ergebnisse sind, sehr schnell andere Aufgaben und sind dann nicht mehr greifbar.

Entscheidend für die Minimierung solcher Verluste sind:

  • eine offene Kommunikation gegenüber den Betroffenen,
  • die klare Identifizierung der Leistungsträger und
  • ihre direkte Einbindung bei der Aufbereitung der Ergebnisse.

Hauke Thun, Geschäftsführer von PM Firefighters, sagt:

„In solchen Situationen kommt es auf Schnelligkeit, Fairness und Transparenz an. Entscheidend ist darüber hinaus eine strukturierte, vollständige und nachvollziehbare Projektdokumentation und –Rückschau, auf der das Unternehmen später nahtlos wieder aufsetzen kann.“

[po; Quelle: PM Firefighters Project Management; Bild: Fotolia.com]

Insourcing: Warum es sich lohnt, selbst zu produzieren

Es ist noch gar nicht so lange her, genau genommen war es 2004, als der bekannte Kuscheltierhersteller Steiff aus dem schwäbischen Giengen vollmundig verkündete, unbedingt in China produzieren zu müssen, um auch dem preiswerten Produktsegment gerecht werden zu können. Die Folge der Strategie: 50 Beschäftigte mussten das Traditionsunternehmen verlassen.

Vier Jahre später titelte das Magazin Focus: „Steiff holt die Teddys heim“ – und bezog sich auf die Tatsache, dass Steiff die teilweise ins kommunistische Billiglohnland verlagerte Stofftierproduktion bis 2010 zurück in die Heimat holen möchte. Es lag wohl an den hohen Qualitätsanforderungen von Steiff selbst, die diesen Schritt notwendig machten und die in China nicht erfüllt werden konnten. Bezeichnend der Kommentar von Steiff-Geschäftsführer Martin Frechen gegenüber dem Focus:

„Am besten machen wir Dinge, die wir selbst machen.“

Das sagte sich ungefähr zur gleichen Zeit auch der dänische Spielwarenkonzern Lego, der seine Bauklötze künftig wieder selbst fertigt und die Auslagerung der Herstellung an den US-Konzern Flextronics rückgängig machte. Erst 2005 hatte Lego die Produktion an das nordamerikanische Unternehmen abgegeben.

Die Gründe für diesen Strategiewechsel zum Insourcing sind laut Lego: Die angestrebten Kosteneinsparungen und Synergieeffekte könnten am besten in Eigenregie erreicht werden. An einer geografischen Auslagerung von Dänemark und der Schweiz in Niedriglohnländer Osteuropas oder in Länder außerhalb Europas werde allerdings festgehalten, hieß es vonseiten Legos.

Und noch ein Fall aus der aktuellen Wirtschaftskrise: Im November 2008 meldete Focus, dass der Autobauer Opel Arbeitsplätze in Deutschland durch die Beendigung der Auslagerung von Dienstleistungen und Teilen der Produktion sichern will. Gesagt, getan: Die Rückholung der Cockpit-Montage für das Modell „Insignia“ sicherte 180 Beschäftigen ihren Arbeitsplatz. Dieses Jahr mitgerechnet, sollen mit dieser Insourcing-Strategie insgesamt mehrere hundert Arbeitsplätze erhalten werden.

Trendumkehr: Vom Outsourcing zum Insourcing

Der Trend ist unverkennbar. Outsourcing, das heißt die Verlagerung von Unternehmensaufgaben, Strukturen und Prozessen an Drittunternehmen verliert insgesamt an Attraktivität. Das gilt gerade dann, wenn mit dem Outsourcing auch einer Verlagerung der Produktion an ausländische Standorte verbunden war. Diese „verschärfte Form des Outsourcing“ war und ist für die Unternehmen mit besonderen Herausforderungen und Problemen verbunden – die nicht alle meisterten. Und einige haben daraus gelernt.

Im deutschen verarbeitenden Gewerbe verlagerten schon im Zeitraum von Mitte 2004 bis Mitte 2006 nur noch 15 Prozent der Betriebe Teile ihrer Produktion ins Ausland, wie eine Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) in Karlsruhe für die Otto-Brenner-Stiftung herausfand. Befragt wurden mehr als 1.600 Unternehmen. Zeitreihenanalysen für die Bereiche Metall- und Elektroindustrie bestätigten: Auf jede vierte bis sechste Verlagerung folgt innerhalb von vier bis fünf Jahren eine Rückverlagerung.

Die Studie brachte auch an den Tag, wie schnell Verlagerungen scheitern können: 85 Prozent der Rückverlagerer hatten in den vier bis fünf Jahren zuvor eine Produktionsverlagerung ins Ausland vorgenommen. Langfristige negative Entwicklungen an den ausländischen Standorten spielen damit, so die Schlussfolgerung der ISI-Experten, eine untergeordnete Rolle. Vielmehr würden Verlagerungen häufig nicht genügend geplant und zu sehr an kurzfristiger Kosteneinsparung orientiert.

Outsourcing als unternehmensstrategische Antwort auf die Verflechtung der Weltwirtschaft – ein Auslaufmodell? Nicht überall. Im IT-Bereich etwa wird weiter beständig ausgelagert. Eine Studie von dbresearch bezifferte den Umsatz, den ausgelagerte IT-Services im Jahr 2008 erwirtschafteten, auf rund 17 Milliarden Euro. 2003 waren es noch gut zehn Milliarden.

Insgesamt gesehen jedoch, das bestätigen jüngere Untersuchungen, verlangsamt sich der Trend zum Outsourcing. So kommt das BDI-Mittelstandspanel vom Frühjahr 2008 zum Ergebnis, dass nur ungefähr ein Viertel der Unternehmen, die noch 2005 Prozesse entlang der eigenen Wertschöpfungskette auslagern wollten, ihre Planungen zwei Jahre später auch tatsächlich umgesetzt hatten. Aktuell geben nur noch drei Prozent der befragten Unternehmen an, in den kommenden zwei Jahren auslagern zu wollen. Drei von vier Industrieunternehmen verfolgen heute keine Outsourcingstrategie und haben dahin gehend auch nichts geplant.

Quelle: Institut für Mittelstandsforschung, Bonn

Arbeitsschutz: Prävention lohnt sich - gerade in Zeiten der Krise

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie unter der Leitung von Professor Dietmar Bräunig von der Universität Gießen. Sie ist Teil des Projektes "Qualität in der Prävention" unter der Leitung des Instituts Arbeit und Gesundheit (BGAG) der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV).

Die Studie stellt erstmals Kosten und Nutzen der betrieblichen Prävention in einer Bilanz gegenüber. Mit verschiedenen statistischen Methoden ermittelt sie aus diesem Vergleich eine Kennziffer für das "ökonomische Erfolgspotenzial", das Prävention schafft - den "Return on Prevention". Professor Dietmar Bräunig erklärt:

"Dieser Wert ist eine theoretische Größe. Sie beschreibt, welchen Nutzen ein Unternehmen aus Investitionen in den Arbeitsschutz ziehen kann."

Für die in die Untersuchung einbezogenen Unternehmen liegt der Return on Prevention bei 1,6. Das heißt: Ein in den Arbeitsschutz investierter Euro bewirkt ein wirtschaftliches Erfolgssteigerungspotenzial in Höhe von 1,60 Euro. Es bestehe kein linearer Zusammenhang zwischen Aufwand und Erlös, schränkt Bräunig ein. Denn während die Kosten von Prävention relativ leicht zu berechnen sind, lässt sich der Nutzen nur schwer in Zahlen ausdrücken. Die Forscher griffen deshalb bei ihren Befragungen auf eine Schätzmethode aus der Sozialforschung zurück. Bräunig:

"Begreifen lässt sich die Präventionsbilanz am besten als eine erweiterte Investitionsrechnung oder als besondere Form der Kosten-Nutzen-Rechnung."

39 Firmen unterschiedlicher Größe aus den Branchen Bau, Dienstleistung, Feinmechanik, Elektrotechnik und Metall haben an der Untersuchung teilgenommen. In Fragebögen und persönlichen Interviews gaben Mitarbeiter und Unternehmer Auskunft über Kosten und Nutzen von Präventionsmaßnahmen in ihren Betrieben.

Auf der Kostenseite wurden Investitionen in

  • Schutzausrüstungen,
  • Arbeitsmedizin,
  • Sicherheitsbeauftragte,
  • Qualifizierung und Vorsorgeuntersuchungen

berücksichtigt. Hinzu kamen Anlauf- und Organisationskosten. Diesen Posten standen auf der Nutzenseite Einsparungen durch

  • vermiedene Betriebsstörungen,
  • vermiedenen Ausschuss und
  • geringere Nacharbeit gegenüber.

Berücksichtigt wurden auch der Wertzuwachs durch

  • eine gestiegene Motivation der Mitarbeiter,
  • durch eine nachhaltigere Qualitätsorientierung,
  • Produktinnovationen und
  • ein erhöhtes Image.

Aus den Antworten der Betriebe ergeben sich drei Schwerpunkte. Die positivsten Effekte von Arbeitsschutzmaßnahmen sind demnach:

  • Wertzuwachs durch gestiegene Zufriedenheit der Beschäftigten
  • Kosteneinsparung durch vermiedene Betriebsstörungen
  • Wertzuwachs durch ein höheres Image und verbesserte Produktqualität

Bei den befragten Unternehmen handelt es sich um eine Positivauswahl. Alle waren bereits an Prävention interessiert und antworteten entsprechend engagiert. Gleichzeitig, so Dietmar Bräunig, verbessere die Auswahl die Repräsentativität und damit die Aussagekraft des errechneten Return on Prevention. Der Grund:

"Bei Unternehmen, die bislang nur wenig in betriebliche Präventionsarbeit investieren, dürfte der Präventionserfolg noch besser ausfallen."

[po; Quelle: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV); Bild: Nik - Fotolia.com]

Globalisierung: Familienunternehmen zwischen Tradition und Moderne

Nachdem sie lange Zeit als Symbol altmodischer Wertvorstellungen und überholter Wirtschaftskonzepte galten, hat sich das Image von Familienunternehmen in den letzten Jahren deutlich verändert. Tradition und verantwortliches Handeln werden nunmehr als ein Ergebnis authentischen, nachhaltigen Planens gesehen, das Stabilität und Qualität bringt.

Laut einer Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) sind 93 Prozent aller Unternehmen in Deutschland eigentümergeführte Familienunternehmen. Rund 57 Prozent aller Arbeitnehmer sind hier beschäftigt und erzielen fast die Hälfte des Umsatzes aller Unternehmen. So hoch die Bedeutung dieser Firmen für die soziale Marktwirtschaft in Deutschland ist, so unterschiedlich sind die Strukturen der verschiedenen Arbeitgeber. Häufig sehr ausgeprägt sind eine starke Firmenkultur und ein hohes regionales Verantwortungsgefühl.

Der Definition nach ist die Bezeichnung Familienunternehmen aber unabhängig von Rechtsform oder Betriebsgröße. Diese Unternehmen sind mehrheitlich im Eigentum einer Familie und werden entweder direkt über die Geschäftsleitung oder indirekt über die Gesellschaftermehrheit geleitet.

Stabilität und Sicherheit

Ein Familienunternehmen kann daher durchaus Konzerngröße erreichen und trotzdem sehr stark an traditionellen Werten und Maßstäben festhalten. Nicht selten führt dies dazu, dass ein Teil des Erfolges auch dieser Philosophie zu verdanken ist. Gewinne werden wieder in das Unternehmen reinvestiert und nachhaltiges Wirtschaften steht vor dem Ziel kurzfristiger Umsätze und Ausschüttungen. Ebenso wird die Mitarbeiterbindung durch spezielle Programme gezielt gefördert.

Gerade in schwierigeren Zeiten bleiben familiengeführte Firmen zwar nicht vollkommen unbeschadet, aber sie zeigen in wirtschaftlichen Krisen deutlich mehr Stabilität. Selbst wenn der allgemeine Stellenmarkt starke Einbrüche zu verzeichnen hat, wie es beispielsweise derzeit der Fall ist, sind sie in der Regel die Jobmotoren der jeweiligen Region – besonders, wenn es sich um große Firmen handelt. Zudem fördern Familienunternehmen in vielen Fällen Weiterbildungsmaßnahmen durch weitverzweigte Partnerschaften mit Bildungseinrichtungen.

Investitionen in die Zukunft

Zudem fällt bei Familienunternehmen, die in der Industrie tätig sind, eine hohe Investitionsbereitschaft im Bereich Forschung und Entwicklung auf. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hat bei der Datenanalyse von über 6.000 familiengeführten Unternehmen festgestellt, dass 3,5 Prozent des Umsatzes in diesem Bereich ausgegeben werden. Dies steht im Vergleich zu 2,5 Prozent für F&E Ausgaben der Nicht-Familienunternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe. Für den Standort Deutschland sind dies wichtige Zahlen, die im internationalen Wettbewerb erheblich ins Gewicht fallen.

Tradition und Moderne

Nicht zuletzt deshalb werden familiengeführte Großunternehmen als ideale Arbeitgeber empfunden und auch von staatlicher Seite unterstützt. Immer wieder problematisch ist jedoch, vor allem aufgrund der starken Traditionsorientierung, die Frage der Nachfolge. Den Unternehmergeist auch an die nächste Generation weiter zu geben, gelingt nicht immer.

Positives und seltenes Beispiel ist ifm electronic. Beim Essener Hersteller für Automatisierungstechnik sind die Söhne beider ehemaligen Geschäftsführer und Gründer des Unternehmens ihren Vätern gefolgt und leiten nun in zweiter Generation erfolgreich den familiären Großkonzern. Ein reibungsloser Übergang, den sich viele Familienunternehmen wünschen würden. Viele sind hier jedoch auf Fremdmanager angewiesen. Eine Entscheidung, mit der man sich oft schwer tut und dabei nicht selten die Zukunft des gesamten Unternehmens in die Waagschale wirft.

Hier wird die Beharrlichkeit und die Suche nach Kontinuität zu einem Risiko, erklärt auch Managementprofessor Dr. Fredmund Malik, wissenschaftlicher Autor, Titularprofessor der Uni St. Gallen und Leiter einer Unternehmensgruppe für Management-Consulting und Education. Doch Strategie und Führung, die Bewahrung traditioneller Werte und die Ausbalancierung des Einflusses der Familie auf das Unternehmen, ermöglichen es, solche vermeintlichen Schwächen abzufedern. Mitunter können diese Aspekte entscheidende Wettbewerbsvorteile bedeuten.

Gerade global aufgestellte Firmen haben hier die Chance, eine nachhaltige und zukunftsgerichtete Verbindung von traditionellen Werten und modernen wirtschaftlichen Strategien zu entwickeln. Das bedeutet zugleich eine Investition in die eigenen Mitarbeiter, den Erfolg des Unternehmens und nicht zuletzt in den Standort Deutschland.

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Social Software: Wie der Mittelstand von Web 2.0-Lösungen profitieren kann

1. Was ist Social Software?

Im allseits verfügbaren, freien Internet boomen sogenannte „Soziale Netzwerke“ wie Facebook, MySpace oder Xing beispiellos. Die Unternehmenslandschaft hingegen – sei es Konzern oder Mittelstand – erlangt erst langsam das Bewusstsein, welch enormes Potenzial für ihren Geschäftserfolg hier schlummern könnte: Internetnutzer lechzen nach topaktuellen Informationen aus erster Hand, wollen ihre eigene Meinung äußern und natürlich das Urteil anderer studieren, bevor sie sich zum Kauf entschließen. Mit dieser Erwartungshaltung begegnen sie zunehmend auch Unternehmen im Netz, ob als Kunde oder Mitarbeiter.

Aktive und attraktive internetbasierte Communities werden deshalb künftig mehr und mehr zum entscheidenden Schlüssel für den Erfolg eines Geschäftsmodells. Sei es zur stärkeren Kundenbindung, zur abnehmerorientierten Produktentwicklung oder zum Aufbau und zur Pflege des firmeneigenen Know-hows.

Im folgenden erfahren Sie, welchen konkreten Nutzen die Web-2.0-Technologie kleinen und mittelständischen Unternehmen bringt, welche bezahlbaren Lösungen es aktuell auf dem reichlich unübersichtlichen Markt gibt, wodurch sich diese voneinander unterscheiden und zu guter Letzt erhalten Sie wertvolle Tipps für erfolgreiche Umsetzung in Ihre Praxis.

Warum Social Software in Unternehmen?

Um zu erkennen, was Social Software als Instrument für ein Unternehmen leisten kann, bedarf es erst einmal einer genaueren Betrachtung des Phänomens. Wikipedia, ein sehr gutes und bekanntes Beispiel für erfolgreichen Einsatz von Social Software und deren Wirkungskraft, definiert die Gattung als „Software, die der menschlichen Kommunikation und Zusammenarbeit dient“. Desweiteren werden die drei unterschiedlichen Basisfunktionen identifiziert und beschrieben:

  • das Management von Informationen,
  • Identitäten und
  • Beziehungen.

Die letzten beiden Funktionen sind die Voraussetzung für einen gerade in Unternehmen entscheidenden Mehrwert: die Kollaboration, also die effektive und standortunabhängige Vernetzung der Mitarbeiter. So können beispielsweise Ingenieure, die an unterschiedlichen Firmenstandorten aber demselben Projekt arbeiten, alle Aufgaben und Dokumente zentral organisieren und sich somit in Echtzeit über sämtliche Teilprojekte auf dem Laufenden halten.

Informationen verwalten

Das Internet hat sich im letzten Jahrzehnt zum Informationsmedium Nummer eins entwickelt. Immer günstigere Flatrate-Tarife haben dafür gesorgt, dass zwei Drittel der deutschen Haushalte mittlerweile vernetzt sind. Gerade die jüngere Generation wächst mit dem Web auf: 96 Prozent und somit fast alle der 14 bis 19-Jährigen sind regelmäßig online.

Der nahezu flächendeckende Ausbau der Mobilfunknetze ermöglicht zudem Zugriff auf Inhalte und Dienste auch unterwegs. In erster Linie dient das Internet immer noch der eigenen Informationsfindung: das aktuelle Geschehen in Gesellschaft, Politik, Wirtschaft oder Sport, lokales Kinoprogramm oder Öffnungszeiten der nächsten Postfiliale. Und immer stärker eben auch zur Planung der nächsten Investition; so haben sich fast 98 Prozent aller Internetnutzer schon einmal im Netz über Produkte schlauer gemacht. Genau an dieser Stelle kommt der soziale Aspekt des Internets besonders zum Tragen, denn potentielle Käufer und Kunden verlassen sich nicht mehr nur auf die Produktinformationen der Hersteller oder „unabhängige“ Tests.

Den enormen Mehrwert für die Kunden und damit letztlich für das eigene Geschäft sah als einer der ersten das Internet-Versandhaus Amazon. Interessierte eines beliebigen Produkts können dort – neben ausführlichen Produktinformationen – sehen, wie Käufer das Produkt auf einer Skala von 0 bis 5 Sternen bewerteten, sie können ausführliche Rezensionen von anderen Käufern lesen und sich im Zweifel sogar mit diesen in Verbindung setzen.

Auch reine Bewertungsportale, in denen Verbraucher über ihre Erfahrungen mit Produkten und Anbietern berichten und sich austauschen, erfreuen sich stark wachsender Beliebtheit. Hinzu kommen zahllose Websites und Blogs (dieser Begriff wird an späterer Stelle noch erläutert), die sich ausführlich einzelnen Herstellern oder gar Produkten widmen und jede noch so kleine Neuigkeit und jedes Gerücht aufgreifen, kommentieren und zur Diskussion stellen. Die klassische Mundpropaganda [117] bekommt somit durch das Internet eine völlig neue Dimension.

Beziehungen managen

Die Suche nach Informationen im Internet geht also zunehmend einher mit dem sozialen Austausch und der Kommunikation. Wie im realen Leben nutzen Menschen auch in der virtuellen Realität des Internets die Möglichkeit, sich und ihre Persönlichkeit zu präsentieren. Angefangen beim Experten im Diskussionsforum, der Surfer mit nützlichen Tipps zu ihren mannigfaltigen Hard- und Softwareproblemen versorgt, bis hin zum Online-Reporter, der per Podcast oder Video die Netzgemeinde über die unterschiedlichsten Themen auf dem Laufenden hält.

Beste Beispiele sind die beiden US-amerikanischen Blogger Perez Hilton (perezhilton.com) und Arianna Huffington (huffingtonpost.com). Die Websites des Klatschkolumnisten und der Politbloggerin zählen mit monatlichen Zugriffen im zweistelligen Millionenbereich zu den meistbesuchten Seiten im Netz und machen beide zu Internet-Stars. Glaubt man der Theorie der sozialen Identität, so definiert sich eine Person aus dem Wissen um ihre Mitgliedschaft in einer sozialen Gruppe und aus dem Wert und der emotionalen Bedeutung dieser Zugehörigkeit. So ist es ganz „menschlich“, wenn wir im Internet nach Gleichgesinnten suchen. Nach Leuten, die ähnliche Interessen oder Vorlieben pflegen, mit denen man über Hundehaltung fachsimpeln kann, sich über die guten und schlechten Erfahrungen mit dem Provider austauscht oder diskutiert, was denn das perfekte Smartphone so alles können muss.

Die allgemeine Suchfunktion (in einer Suchmaschine oder auf einzelnen Seiten) und eine logisch schlüssige Verzeichnis-Struktur erleichtern dabei die Kontaktaufnahme und die Kommunikation erheblich. Schnell entstehen kleine Gruppen, wecken die Neugier anderer Nutzer und wachsen durch die gegenseitige Vernetzung zu größeren sogenannten Communities. Häufig bestehen solche virtuellen Gemeinschaften aus vielen passiven und einigen sehr aktiven Mitgliedern, was man an Bewertungsskalen, Downloadzahlen, Seitenaufrufen oder schlicht kommentierten Zustimmungen erkennt. Diese Transparenz begründet maßgeblich den massiv wachsenden Erfolg von sozialen Netzwerken.

Zusammenarbeit stärken

Besondere Dynamik gewinnen solche Gemeinschaften, wenn sie ein gemeinsames Ziel eint. So wird Open Source Software wie Linux schon seit Jahren von weltweit verteilten Programmierern entwickelt, die sich in Entwickler-Communities austauschen und koordinieren. Ebenso wie im eingangs erwähnten Wikipedia, oder auch in anderen Wissensdatenbanken (sogenannten „Wikis“): Dort wird auf kollaborative Weise, also gemeinschaftlich, Fachwissen gesammelt, auf Richtigkeit kontrolliert und geeignet miteinander verknüpft.

Vor wenigen Wochen zeigte die Wahlkampagne des frisch gekürten amerikanischen Präsidenten Barack Obama auf beeindruckende Weise, wie mittels Internet und sozialer Netzwerke demokratische Prozesse gestaltet werden können. Obama verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt  der sagenhaften Resonanz auf „MyBarackObama.com“, über die monatlich (!) bis zu 45 Mio. US$ Wahlkampfspenden in Kleinbeträgen flossen. Darüber hinaus machte er sich das sogenannte "Crowdsourcing" zunutze. Die Wortschöpfung aus „crowd“ (=Menschenmenge) und „source“ (=Quelle) beschreibt die Organisation einer Gruppe. Auf diese Weise organisierte sich seine Unterstützergemeinde über die genannte Plattform und wirkte mittels dort zur Verfügung gestellter Tools aktiv an der Wahlkampfarbeit mit. Aber auch zahlreiche andere Social Networks trugen zur Mobilisierung der Wähler, einer Wahlbeteiligung in Rekordhöhe und schließlich dem deutlichen Erfolg Obamas bei.

Es zeigt sich also deutlich, dass Social Software im Internet bereits heute einen maßgeblichen Einfluss auf Verhalten und Gewohnheiten vieler Menschen hat. Wie können sich nun Unternehmer die beschriebenen Effekte zu Nutze machen und Social Software zu ihrem Vorteil sinnvoll einsetzen? Dabei gilt es grundsätzlich, zwei Verwendungsmöglichkeiten bzw. Zielgruppen zu unterscheiden: Der firmeninterne Einsatz mit Fokus auf der Beziehungspflege zwischen den Mitarbeitern einerseits sowie die auf den Kunden gerichtete Erweiterung des eigenen Internet-Auftritts andererseits.

Näher an den Mitarbeitern

Social Software spielt auf vielfältige Weise ihre Vorzüge innerhalb eines Unternehmens aus: Sie kann die Kommunikation zwischen Unternehmensspitze und Belegschaft verbessern. Prominente Beispiele sind Executive Blogs oder Video-Podcasts, in denen Vorstände (zum Beispiel für die Deutsche Telekom der Vorstandsvorsitzende Rene Obermann) intern über Entwicklungen berichten oder zu Vorgängen im Konzern Stellung nehmen. Dies sorgt für mehr Transparenz und somit Rückhalt bei den Mitarbeitern.

Social Software hilft auch dabei, Wissen zu bewahren, auch wenn Mitarbeiter ausscheiden. Schließlich bleiben dessen Diskussionsbeiträge in Foren und Querverweise auf Informationsquellen auch im Nachhinein verfügbar. In diesem Kontext stellen insbesondere Wikis eine Möglichkeit dar, Wissen zu sammeln und für andere schnell auffindbar abzuspeichern. Als Folge davon steigert Social Software Produktivität und Innovationskraft.

IBM startete 2008 ein Projekt namens BlueIQ, um mittels Social Software den Wissensaustausch zwischen den über 350.000 Angestellten und rund 200.000 externen Kräften zu verbessern sowie bisherige Ansätze zusammenzuführen. Insgesamt existieren bei IBM 25.000 Wikis mit über 320.000 Lesern, schrieben 62.000 Blogger über 260.000 Blogeinträge und sind 147.000 Mitglieder in über 1800 Communities organisiert. Der blaue Softwareriese schafft es damit einen Großteil des Wissens seiner Mitarbeiter zu konservieren und nebenbei die internen Erfahrungen mit in die Produkte des Konzerns einfließen zu lassen.

Denn Social Software kann auch die Produktivität und Innovationskraft steigern. Angefangen bei der schnellen und unkomplizierten Suche nach Informationen und Ansprechpartnern bis hin zu völlig neuen Formen der problemlösungsorientierten, verteilten Kollaboration über Abteilungsgrenzen hinweg. So können detaillierte Mitarbeiterprofile Aufschluss darüber geben, welcher Kollege an welchem Thema arbeitet oder möglicherweise Expertise für eine Fragestellung aufweist. Durch Vernetzung mit entsprechenden Kollegen bilden sich Expertenkreise, die sich per Blog über aktuelle Entwicklungen auf dem Laufenden halten, in Wikis relevantes Wissen sammeln und austauschen oder in Diskussionsforen innovative Ideen entwickeln. Auf eine einfache Formel gebracht, bedeutet dies:

Soziale Netzwerke schaffen Beziehungen – Beziehungen schaffen Wissen – Wissen schafft Innovation!

Näher an den Kunden

Zum Tragen kommen die Vorzüge von Social Software auch in der Beziehung zum Kunden. So können Blogs nicht nur den Rückhalt bei der eigenen Belegschaft stärken, sondern auch gegenüber der Öffentlichkeit meinungsbildende und imagefördernde Wirkung entfalten. Foren oder Chats bieten die Chance, mit Kunden in Dialog zu treten, sie bei Problemen schnell und kompetent zu beraten oder ihnen kompetente Ratschläge einfach durch Vernetzung mit anderen Kunden zu geben.

In Communities lassen sich Stärken und Schwächen von Produkten aufdecken und sogar ganz praktische Optimierungsideen sammeln. Kaum eine Abteilung im Unternehmen profitiert nicht von dieser Öffnung. Das Marketing bekommt sofort und ungefiltert Feedback auf Werbekampagnen und kann sich die sogenannten „viralen Effekte“ in der Internet-Gemeinde zunutze machen. Wie ein Virus verbreiten sich demnach bahnbrechende oder einfach ungewöhnliche Konzepte.

Der Vertrieb erfährt, wie die Kunden „ticken“ und beispielsweise auf Preisänderungen reagieren. Der Service weiß direkt, wo der Schuh drückt kann zeitig gegenlenken und so für zufriedenere Kunden sorgen. Die Personalabteilung rekrutiert über Praktikanten- und Absolventen-Netzwerke neue Mitarbeiter, indem sie dort konkrete Tipps für Jobwahl und Bewerbung gibt.

Und selbst die Produktentwicklung greift über Kunden-Communities neue Ideen und Verbesserungsmöglichkeiten auf. Erfolgreich vorgemacht haben dies Elektronikhersteller Asus und Chipriese Intel. Sie starteten gemeinsam die Webseite „WePC.com“, mit deren Hilfe Endkunden zu PC-Designern gemacht werden. User bekommen die Möglichkeit, virtuell Traumcomputer zu basteln und Ideen anderer Nutzer zu bewerten, um so zur Entwicklung neuer Net- und Notebooks beizutragen. Social Software führt Unternehmen also näher an ihre Kunden heran. Jeremy Wright, Autor des Buches „Blog Marketing“, schreibt dazu:

„Imagine that you could listen, like a fly on the wall, to millions of people – your customers, employees, competitors, partners, and the media – as they talk about your business, your marketing process, your advertising, and your products.”

Aber es geht um mehr als nur zuhören, es geht um „customer empowerment“, also die zunehmend aktive Integration des Kunden in die unternehmerische Wertschöpfungskette. Und dies auf unschlagbar kostengünstige Weise.

Hinweis

Einen Marktüberblick der wichtigsten preiswerten Lösungen können Sie kostenfrei als PDF bei der 4-advice GmbH [118] anfordern.

[Bild: Fotolia.com]

Intranet 2.0: Mit fünf Schritten zur sinnvollen Kommunikationsplattform

Eine zentrale Plattform zum Austausch aller aktuellen Angelegenheiten hilft dabei, eine eigenständige und fruchtbare Kommunikationskultur aufleben zu lassen. Im Folgenden lernen Sie neben Ihren Möglichkeiten, eine geschickte und gewinnbringende Unternehmenskommunikation zu etablieren, auch Frau Meyer kennen. Sie wird Ihnen demonstrieren, warum es sich oftmals lohnen kann, neue Kommunikationswege zu gehen.

Schritt 1 –  Lernen Sie Ihr Unternehmen kennen

Oder: Wer ist Frau Meyer?

Nur der Manager weiß, wie sein Unternehmen arbeitet. Oder? Besonders in größeren Unternehmen, die sich in zahlreiche Abteilungen und Niederlassungen aufteilen, ist es für das Management nicht einfach, den Überblick über ihren Mitarbeiterstab und das damit zusammenhängende Potenzial zu behalten. Es kann sich nicht mit jedem einzelnen Mitarbeiter auseinandersetzen. Auch die Kommunikation zu den Abteilungsleitern oder zur Personalabteilung ist keine Selbstverständlichkeit. Und so, wie es dem Management manchmal schwerfällt, das Unternehmen in seiner Gesamtheit zu verstehen, so leiden die Mitarbeiter unter dem Gefühl, unbekannt zu sein und nicht wichtig genommen zu werden.

Frau Meyer zum Beispiel arbeitet seit zwei Jahren in der Buchhaltung eines Unternehmens mit Hauptsitz in Köln und drei Niederlassungen in München, Wien und Mailand. Mit den Kollegen ihrer Abteilung geht sie hin und wieder Mittagessen und interne Newsletter informieren sie unregelmäßig über Neuigkeiten des Unternehmens – aber wie die anderen Abteilungen und auch Filialen arbeiten, davon erlebt sie nur wenig. Manchmal beschleicht sie das ungute Gefühl, austauschbar zu sein und sie findet nur wenig Raum, um sich beruflich zu verwirklichen. Außerdem hätte sie einige Verbesserungsvorschläge für die internen Abläufe der Buchhaltung, weiß aber nicht so recht, an wen sie sich damit wenden könnte.

Das Management kennt Frau Meyer nicht, würde aber durchaus von ihren Ideen profitieren. Jeder Mitarbeiter eines Unternehmens ist eine potenzielle Quelle für Informationen und Expertenwissen. Um dies zu nutzen, ist ein Intranet als zentrale Kommunikationsplattform nicht nur hilfreich, sondern kaum mehr wegzudenken.

Das Intranet als Informations-, Kommunikations- und Aktionspool.

Schritt 2 – Arbeiten Sie in neuen Strukturen

Oder: Frau Meyer wird innovativ

Wie nun ein Intranet gestalten? Das hängt immer sehr von den Strukturen des Unternehmens ab, aber eben besonders von denen, die das Unternehmen intern gerne aufbauen möchte. Deshalb sollte sich das Management genau überlegen, welchen Hauptzweck das Intranet erfüllen soll.

  • Muss eine starke Konzentration auf den Kommunikationsaspekt erfolgen, um das Team enger miteinander verschmelzen zu lassen?
  • Soll eine starke Betonung auf ein internes Informationsmanagement liegen, um die Mitarbeiter immer auf dem Laufenden zu halten?
  • Werden diese sehr stark in den Kommunikationsprozess einbezogen oder nur mäßig an der Gestaltung der Inhalte partizipieren?

Generell sollte für das Projekt Intranet in jedem Fall ein Projekt-Team zusammengestellt werden, das sich intensiv mit diesem Thema beschäftigt, abteilungsübergreifend agiert und die redaktionelle Kontrolle behält. Auch sollte hier die detaillierte Ausarbeitung eines Konzepts beachtet werden.

Frau Meyer kennt die Strukturen des Unternehmens zwar von einem Organigramm her, das sie irgendwo einmal auf dem Server gefunden hat. Aber sie steht mit keiner Abteilung in direktem Kontakt und weiß auch gar nicht so genau, was die verschiedenen Ansprechpartner den ganzen Tag leisten. Das schwarze Brett, das von Woche zu Woche schon mal Neuigkeiten aufzeigt, liegt auf der anderen Seite des Firmengeländes. Zu weit für Frau Meyer.

Wichtig für den Aufbau eines Intranets sind eine konsistente Navigation und ein eindeutiges Branding. Hier muss von vornherein definiert werden, welche Themen, Abteilungen oder Projektbereiche permanent zur Diskussion stehen und die Mitarbeiter informieren. Ob sich die Aufteilung der Bereiche nun an den einzelnen Abteilungen orientiert (Rubrik Buchhaltung, Rubrik Produktion, Rubrik Marketing) oder unterschiedliche Themen behandelt (Unternehmens-News, Projektmanagement, Firmen-Events, Dokumentenerstellung) hängt stark von der Unternehmensphilosophie ab.

In jedem Fall sollte auf die Integration von Kollaborations-Tools, wie Nachrichten-Funktionen, und Diskussions-Foren zum direkten Austausch geachtet werden. Suchfunktionen erleichtern die Arbeit, wenn das Intranet sehr komplex wird. In vielen Unternehmen macht ein mehrsprachiger Intranet-Auftritt Sinn, der zwar dieselben Inhalte, diese aber in unterschiedlichen Sprachen präsentiert. In jedem Fall muss das Intranet konsistent und aktuell sein. Immer.

Schritt 3 – Lassen Sie kommunizieren

Oder: Frau Meyer lernt sprechen

Lassen Sie die Mitarbeiter kommunizieren. Wer das Wort ergreift, zeigt Engagement und Interesse und fühlt sich mit seiner Meinung ernst genommen. Ihnen stehen verschiedene Möglichkeiten für eine effektive Kommunikationsführung zur Verfügung. Bevor Sie jedoch Ihre Mitarbeiter zu Wort kommen lassen, sollten zunächst Sie selbst sich ein Intranet-Profil geben. Wenn das Management postet, chattet und bloggt, zeigt es die Bereitschaft, das Unternehmen zu informieren und erscheint greifbarer.

Empfehlenswert ist beispielsweise ein Management-Blog, das intern und in persönlicher Tonalität über Neuigkeiten und Veränderungen informiert. Auch hier muss genau darauf geachtet werden, saubere Formulierungen und eine gut durchdachte Wortwahl zu verwenden. Wer „mal eben so“ bloggt, kann schnell missverständliche Informationen verbreiten und das führt zu Irritationen. Für die Pflege eines Blogs ist eine fest eingeplante Zeit in der Woche ratsam.

Auch die Mitarbeiter sowie einzelne Abteilungen profitieren von einem Blog oder regelmäßig gepflegten Rubrik-Beiträgen. Abteilungen verteilen ihre Informationen zentral an die Mitarbeiter sowie an angeschlossene Abteilungen, die Mitarbeiter wiederum beteiligen sich an den aufkommenden Diskussionen oder erstellen ihre separaten thematischen Blogs (zum Beispiel Themen-Blog Buchhaltung oder Produktion). Die unterschiedlichen Kommunikationsplattformen und die dargebotenen Beteiligungsmöglichkeiten lassen eine Unternehmens-Community entstehen. Dieses Netzwerk ist auf unterschiedliche Weise miteinander verknüpft und sorgt für einen thematischen und kollegialen Zusammenhalt.

Das neu eingeführte Themen-Blog „Buchhaltung“ in ihrem Unternehmen veranlasst Frau Meyer, die Initiative zu ergreifen. Sie hat viele Ideen, wie man Prozesse vereinfachen könnte, und sucht dringend Leute, die ihre Meinung dazu äußern. Außerdem schreibt sie gerne. Sie bietet dem Intranet-Team in der Kommunikationsabteilung des Unternehmens an, das Buchhaltungs-Blog zu moderieren und zu pflegen. Ihre Buchhalter-Kollegin am Standort München zeigt ebenfalls Interesse an dem Blog und bietet ihre Unterstützung an. Frau Meyer ist begeistert.

Neben den klassischen Kommunikationsmöglichkeiten innerhalb eines Intranets tragen regelmäßige Umfragen seitens des Managements dazu bei, die Zufriedenheit der Mitarbeiter herauszufinden und Verbesserungen vorzunehmen. Personalisierte Angebote, zum Beispiel eine an den Nutzer angepasste Startseite oder Intranet-Oberfläche, erhöhen den Erlebniswert. 

Schritt 4 – Setzen Sie die richtigen Techniken ein

Oder: Frau Meyer informiert sich

Frau Meyer ist begeistert – nicht nur, dass sie sich nun in ihrem eigenen Blog ausleben kann, sondern sie erfährt durch das neue Intranet jetzt regelmäßig, was es Neues in der Unternehmenswelt gibt. Sie lernt über das Netz Mitarbeiter von anderen Standorten kennen, sie schaut sich Filme aus der Produktion an und sieht im Firmen-Kalender immer die neuesten Veranstaltungen. Das Wiki, das ihrer Meinung nach wirklich einfach zu bedienen ist, ermöglicht ihr einen intellektuellen Zugang zu Themen aus der Buchhaltung, aber auch aus anderen Abteilungen, deren Arbeit sie vorher weder verstanden, noch interessiert hat. Frau Meyer lernt eine moderne Informations-Welt kennen.

Der Einsatz eines Intranets verteilt nicht nur auf einfache Weise Unternehmens- und Branchen-Nachrichten, sondern integriert die Mitarbeiter in das tägliche Geschehen. Neue Mitarbeiter können begrüßt und vorgestellt werden, das Mitarbeiterhandbuch informiert die Neuen über typische Firmenabläufe. Wikis bieten einen außerordentlichen Wissenspool. Hier besteht die unbegrenzte Möglichkeit, das eigene Wissen zu verteilen und das der anderen zu erlernen. Der Einsatz von multimedialen Inhalten, wie zum Beispiel Videos über Produktionsprozesse und Mitarbeitervorstellungen oder ein wöchentlicher Podcast mit den neuesten Nachrichten, gestalten das Intranet lebendig, modern und spannend.

Doch wie führt man eine solch komplexe Wissensplattform ein und welche Software kommt hierfür in Frage? Natürlich ist dies stark abhängig von der Unternehmensgröße, vom vorhandenen Budget und von dem geplanten personellen Einsatz. Wenn das Wissensmanagement in einem Unternehmen jedoch ernsthaft und konsistent vorangetrieben werden soll, empfiehlt sich ein Software-Paket, das sämtliche Ansprüche, selbst wenn diese noch in der Zukunft liegen, erfüllen kann.

Eine Kollaborations-Software, die Teams, Filialen und Communities verbindet, ohne zeitliche oder örtliche Begrenzung, fördert die produktive Art des gegenseitigen Findens und Zusammenarbeitens. Auch Kunden und Partner können in diesen Austausch mit einbezogen werden. Die Teilnehmer des internen sozialen Netzwerks entscheiden selbst über die für sie wichtigen Inhalte, personalisieren ihre Startseite, fügen interessante Blogs ein und tauschen weniger spannende Diskussionen mit den aktuellen Umfragen aus. Die heutige Software leistet eine äußerst dynamische und flexible Unterstützung, die Organisation von Wissen, Information und Engagement miteinander zu verknüpfen. 

Schritt 5 – Pflegen Sie Ihre Daten

Oder: Eine neue Position für Frau Meyer

Das Intranet ist eingeführt, die Mitarbeiter nutzen es fleißig und so ist ein erfolgreiches Projekt abgeschlossen, denken viele Unternehmensführer. Doch das Intranet ist ein niemals abzuschließendes Projekt, das permanent aktiv und stetig wandelbar ist. Deshalb sollte ausreichend Zeit innerhalb des Projekt-Teams Intranet auf einen kalkulierten Entwicklungsprozess verwendet werden. Nach einem Jahr kann beispielsweise das Design schon wieder veraltet wirken oder neue Ideen, die auf Mitarbeiter-Seite aufgekommen sind und integriert werden sollten, können die inhaltliche Darstellung positiv verändern. Teilweise macht die Zusammenarbeit mit externen Agenturen Sinn, die auf Intranet und Internet-Anwendungen spezialisiert sind.

Um solche Änderungsprozesse nachzuvollziehen und neue Potenziale zu erkennen, empfiehlt sich der Einsatz von Web-Analyse-Tools. Wie viele Mitarbeiter nutzen das Intranet aktiv? Wie viele „Nur-Leser“ hat das Intranet und wie viele Beiträge werden pro Woche erstellt? Außerdem sollte spätestens an diesem Punkt nochmals mit einem festen Budget und einem speziell hierfür eingesetzten Projekt-Team kalkuliert werden. All diese Informationen können helfen, das kollektive Wissen eines Unternehmens bewertbarer zu halten.

Frau Meyers Blog ist bis dato sehr erfolgreich. Sie hat sich eine feste Leserschaft erarbeitet und tatsächlich eine Verbesserung von internen Abläufen in der Buchhaltung erwirkt. Nicht nur, dass Frau Meyer nun ein bisschen stolz auf ihre Leistungen ist – sie engagiert sich seit neuestem auch in dem Projektteam Intranet. Unternehmenskommunikation war schon immer ein spannendes Thema, findet sie.

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Heldenprinzip: Sich jetzt als Unternehmen auf Heldenreise begeben

Stärken fördern, Potenziale heben, Werte fokussieren, Veränderungen meistern, Widerstände auflösen und Visionen leben - das sind jahrtausende alte Themen, die insbesondere Gegenstand der Heldenmythen sind. Protagonisten dieser Geschichten sind diejenigen, die bereit sind, mit ganzer Kraft „ihrem Ruf“ zu folgen und mit allen Sinnen für die Erfüllung ihres Anliegens einzustehen. Der Archetyp des Helden repräsentiert nach unserem heutigen Vokabular das Leitbild für Veränderungskompetenz und Innovationsfähigkeit. Er verdeutlicht, welche Kompetenzen wir dazu brauchen. Und da das Heldenprinzip ein Grundmuster der Menschheit ist, funktioniert es bewusst und unbewusst für alle gleichermaßen.

Leitfaden für Innovations- und Veränderungsprozesse

Heldenreisen beschreiben aus dieser Perspektive Best-Practice-Beispiele für gelingende Veränderungsprozesse. Wie die Kulturforschung zeigt, folgen ihre Geschichten einem gemeinsamen Grundmuster. Dieses Modell, das kollektives Erfahrungs- und Orientierungswissen aus Jahrtausenden verwertet, eignet sich hervorragend als Leitfaden für die Realisierung nachhaltiger Veränderungsprozesse in Organisationen, in Teams, bei Einzelpersonen.

Der Heldenmythos lässt sich zur Dramaturgie von Veränderungen nutzen, um diese Prozesse nicht nur besser zu verstehen, sondern auch um sie optimal zu gestalten. Das Modell beschreibt die Rollen und Funktionen der Beteiligten, liefert Werkzeuge und strukturiert den Handlungsablauf. Veränderungsprozesse bekommen auf diese Weise eine stabilisierende Struktur und erweitern zugleich die schöpferischen Handlungsspielräume. Das erhöht in den Unternehmen die strukturelle wie auch die individuelle Kompetenz aller Beteiligten, mit Veränderungs- und Innovationsprozessen vertrauensvoll, selbstverantwortlich und motiviert umzugehen.

Die eigenen Heldenreisen – ob nun die gemeinsame des Unternehmens oder die individuelle eines Menschen – wird unterstützt durch Metaphern, Geschichten und innere Bilder. Diese Musterbildung, die mit analytischen, kreativen und digitalen Methoden arbeitet, reduziert die übliche Komplexität und Kompliziertheit. Im Zusammenspiel von Körper, Verstand und Gefühl lassen sich „heldische“ Lern- und Handlungskompetenzen von Organisationen, Gruppen und Personen analysieren sowie ausbauen. Der Entwicklungsprozess nach dem Heldenmythos dient uns als Veränderungs- und Innovationsdramaturgie. Sie bildet die assoziative Basis für die spezifischen Aufgabenstellungen in unternehmerischen oder personalen Veränderungsprozessen. Hier ein Einblick in den Arbeitsansatz:

Heldenreisen als Wegweiser

1. AKT: DER AUFBRUCH

Den Helden beziehungsweise das Unternehmen erreicht der Ruf zur Tat. Etwas liegt im Argen oder neue Horizonte öffnen sich. Doch Widerstände, Zweifel, Unsicherheiten hemmen die Bereitschaft zum Aufbruch ins Ungewisse. Hindernde Widerstände und treibende Unterstützung werden erlebt.

1. Akt, 1. Szene: Der Ruf

Der Held wird zum Aufbruch ins Abenteuer gerufen.

Das Unternehmen ist durch Markt und Wettbewerb zu Veränderung aufgerufen. Gefragt wird: Was kann nicht bleiben, wie es ist? Was muss verändert werden? Welche Visionen sollen verwirklicht werden?

1. Akt, 2. Szene: Die Weigerung

Der Held weigert sich, in die Fremde zu ziehen.

Das Unternehmen ist im Widerstand, diese Veränderung anzugehen. Geklärt wird: Woher kommen die Widerstände? Welche Gründe gibt es für die Hemmnisse und wie können sie in positive Motivation verwandelt werden?

1. Akt, 3. Szene: Begegnung mit dem Mentor/ Helfer

Ein Mentor tritt dem Helden zur Seite.

Das Unternehmen erkennt unterstützende Kräfte. Erarbeitet wird: Wie gelingen Wahrnehmung und Vitalisierung bislang unbekannter Ressourcen? Wo und wie sind personale und strukturelle Mentoren zu entwickeln?

1. Akt, 4. Szene: Überschreiten der 1. Schwelle

Der Held überwindet den Schwellenhüter.

Das Unternehmen entscheidet sich für den Veränderungsprozess. Entwickelt wird: Wer oder was behindert explizit oder implizit die Veränderungs- oder Innovationsbereitschaft? Wie können Widersacher zu Verbündeten werden?

2. AKT: IM LAND DER ABENTEUER

Auf unbekanntem Territorium stellt sich der Held beziehungsweise das Unternehmen den internen und externen Prüfungen (Herausforderungen), die der Weg zum Ziel verlangt. Dort begegnen ihm förderliche und feindselige Gestalten.

2. Akt, 1. Szene: Der Weg der Prüfungen

Der Held besteht Gefahren und besiegt Gegner.

Das Unternehmen bewältigt die bekannten und unbekannten Herausforderungen wie Risiken.

2. Akt, 2. Szene: Die entscheidende Prüfung

Der Held stellt sich dem entscheidenden Kampf.

Das Unternehmen erkennt und bewältigt die zentrale Entscheidungssituation.

2. Akt, 3. Szene: Die Belohnung

Der Held hat seine Aufgabe erreicht und wird mit dem Elixier belohnt.

Das Unternehmen hat die Quellen seiner Innovationen gefunden und das Ziel seiner Veränderung erreicht. Und es sucht nach Formen ihrer Integration und Partizipation.

3. AKT: DIE RÜCKKEHR

Der Held / das Unternehmen wurde für seine Taten mit dem Elixier belohnt und tritt den schwierigen Rückweg an. Sein Entwicklungsweg hat seine bisherige Realität / Identität verändert. Das Errungene wird in die alltägliche Praxis implementiert und dort stabilisiert.

3. Akt, 1. Szene: Der Weg zurück

Der Held tritt mit dem Schatz den schwierigen Rückweg an.

Das Unternehmen muss die Ergebnisse und Erfahrungen der Innovation verankern. (Prozesse, Produkte, Strategien).

3. Akt, 2. Szene: Die Rückkehr über die Schwelle

Der Held bringt den Schatz sicher nach Hause.

Das Unternehmen implementiert die Errungenschaften in die Praxis.

3. Akt, 3. Szene: Die Schlüssel zum Neuen

Der Held hat mit dem Schatz sich und seine Umgebung verändert.

Das Unternehmen sichert die neue Qualität der Innovation stabil im Arbeitsalltag.

Brachliegende Potenziale entfalten

Leitfaden gemäß werden typische Muster erkannt, Situationen geklärt, unterstützende Interventionen platziert. Den Besonderheiten des jeweiligen Entwicklungsprozesses trägt den steten Abgleich zwischen der Heldenmetapher und den realen Bedingungen Rechnung. Je nach Bedarf geschieht dies in Form von Beratungsprozessen oder Projektarbeit, in Seminaren für Führungskräfte oder im Einzelcoaching.

Wie im Prozessdesign skizziert, werden dem gestaltenden Helden hemmende Widersacher und stärkende „Geister“ gegenübergestellt. Dynamischer Veränderungswille und beharrende Widerstände werden dadurch bewusst. Neue Lösungen entstehen, wenn die gegensätzlichen Kräfte lernen, miteinander zu kommunizieren und zusammenzuarbeiten. Mut, Eigenständigkeit, Tatkraft und Stolz treten an die Stelle von Unentschlossenheit und Zögern.

Die Begleitung unternehmerischer Entwicklungsprozesse nach dem Heldenprinzip stärkt zudem bei allen Beteiligten das Vertrauen in die Organisation und erhöht Motivation und Leistungsbereitschaft. Auf Prozessebene bildet die Innovationsdramaturgie nach dem Heldenprinzip eine Strukturierungshilfe für systematisches Management und bietet den Vorteil der frühzeitigen, kraftvollen Entscheidung für den Wandel, für den damit verbundenen Marktvorteil sowie für eine weiterentwickelte Unternehmenskultur, die durch wertschätzende Kommunikation und Kooperation gekennzeichnet ist.

Individuell wird bei Führungskräften und Mitarbeitern, nach dem Vorbild des Helden, das Selbstvertrauen in die eigenen „heldischen“ Potenziale nachhaltig gefördert. Das führt zur Klarheit der persönlichen Rolle sowie zu der Sicherheit, dass qualitative Erwartungen an den Veränderungsprozess durch die eigene aktive Entwicklungsarbeit zu erfüllen sind. Kurzum: Es kommt das ins Fließen, was stockt, stört, stagniert. Möglich ist dies, weil die Widersprüchlichkeit verborgener Konflikte und Potenziale als Quelle eines tiefen persönlichen Entwicklungsprozesses verstanden wird, um sie durch etwas Neues zu ersetzen.

Der Held in jedem von uns

Jeder Übergangsprozess fordert von uns, in das Risiko des Unbekannten zu gehen. Aus Furcht vor dem Fremden verharren Menschen jedoch manchmal viel zu lange in unliebsamen Verhältnissen, schlucken, verdrängen und werden lieber krank, als dass sie sich der Herausforderung stellen. So bleibt der Heldenanteil lahmgelegt.

Doch jeder Mensch hat eine (oder mehrere) Lebensaufgaben. Man findet sie, wenn man bereit ist, in sich hinein zu hören und sich selbst nicht zu belügen. Diese Berufung (= den innerlichen Ruf hören) ist in vielerlei Hinsicht von Bedeutung: Sie entspricht unseren Talenten und Fähigkeiten und fördert genau die Potenziale, die darauf warten, entwickelt zu werden. Sie inspiriert, motiviert und begeistert uns. Und vor allem: Sie gibt dem Leben eine Richtung, eine Orientierung, einen Sinn ...

Überprüfen Sie selbst, wo auf Ihrer Heldenreise Sie sich heute befinden, machen Sie Ihren persönlichen Heldencheck unter www.heldenprinzip.de [119]

[Bild: © Kynata - Fotolia.com]

Mergers & Acquisitions: Risiken und Konfliktpotenziale beim Zusammenschluss

Rückblick: 1994 übernahm BMW den britischen Autohersteller Rover, sechs Jahre später folgte das Debakel und die Bayern zogen die Notbremse. Ein zu traditionelles Design, Imageprobleme sowie eine veraltet und wenig attraktiv wirkende Produktpalette ließen die Fusion zum Milliardengrab werden. Insgesamt neun Milliarden D-Mark kostete BMW das Scheitern der Unternehmensehe – und den Vorstandsvorsitzenden Bernd Pischetsrieder seinen Job.

Als sich 1998 die Autokonzerne Daimler-Benz AG und Chrysler zusammenschlossen, sprach der damalige Vorstandsvorsitzende von Daimler, Jürgen Schrempp, von der „Hochzeit im Himmel“. Die Glückseligkeit hielt etwas mehr als sieben Jahre. Ende 2005 kam das Aus, das einen ungeheuren Kapitalverlust bei beiden Unternehmensteilen mit sich brachte. Seit der Fusion sank der Wert von Chrysler alleine um 35 Milliarden Euro, der von DaimlerChrysler bis zu Schrempps Rückzug Ende 2005 um 50 Milliarden Euro.

Die missglückten Ehen dieser Autokonzerne sind nur ein Beispiel für zahlreiche gescheiterte Unternehmenszusammenschlüsse. Studien gehen davon aus, dass rund Zweidrittel aller Transaktionen scheitern, allerdings kommt es dabei immer auf die Sichtweise an und darauf, wann eine Fusion als gescheitert angesehen werden kann. Geht es alleine um den Börsenkurs oder spielen hauptsächlich die nüchternen Zahlen der Gewinn-und-Verlust-Rechnung eine Rolle?

Es muss um mehr gehen als nur um Synergieeffekte

Eine aktuelle Studie des Beratungsunternehmens A.T. Kearney zeigt, dass die meisten Übernahmen und Fusionen keinen Wert schaffen. Eher das Gegenteil ist der Fall: Die Experten rechnen vor, dass sich beispielsweise das um konjunkturelle Effekte bereinigte Umsatzwachstum in den ersten drei Jahren nach dem Deal durchschnittlich um sechs Prozentpunkte verlangsamt. Die Zuwächse bei den Gewinnen fallen sogar um mehr als neun Prozent. Die Folge: Der Börsenwert verschlechtert sich im Schnitt um 2,5 Prozent. Die entscheidende Frage, die sich aus diesen Ergebnissen ergibt, stellt Hans-Olaf Henkel, ehemaliger BDI-Präsident, in einem Beitrag für die Süddeutsche Zeitung:

„Die Globalisierung bringt neue Wettbewerber, die technische Entwicklung verändert dauernd die Spielregeln, die Kunden haben neue Wünsche. Darauf müssen Unternehmen reagieren, (…) sie müssen laufend überprüfen, ob es neuer Allianzen bedarf. Je mehr die zum Normalfall werden, umso weniger ist zu verstehen, dass dabei immer wieder die gleichen Fehler gemacht werden.“

Experten von A.T. Kearney machen vor allem die Beschäftigung der Unternehmen mit sich selbst verantwortlich. Während der Integrationsphase würden Kunden vernachlässigt und das Hauptaugenmerk auf Synergien und Kostensenkung gelenkt. Da eine Fusion sehr viel Aufwand bedeute, läge es nahe, zunächst Projekte zu bearbeiten, deren Effekt sofort sichtbar sei. Doch auch im allgemeinen Trubel müssten, so die Berater weiter, nach wie vor die Absicherung des bestehenden Geschäfts sowie die Akquisition neuer Aufträge und Kunden an erster Stelle stehen. Jörg Schrottke, Principal bei A.T. Kearney, sagt der „Wirtschaftswoche“:

„Fusionierte Unternehmen sollten zuerst den Vertrieb stärken und die Kommunikation zu ihrer Kundschaft pflegen. Umsatzwachstum ist die Voraussetzung für gesunde Profite und rangiert vor Synergien und vollständiger Integration.“

Wichtig ist zudem: Eine Unternehmensintegration sollte absolute Chefsache sein. Nicht nur Kunden drohen abzuwandern, wenn der Sinn eines Zusammengehens nicht klar erkennbar ist. Auch qualifizierte Mitarbeiter können dem Unternehmen den Rücken kehren. Das Zauberwort: Kommunikation. A.T.-Kearney-Berater Schrottke ist der Ansicht, das Top-Management solle nach Abschluss der Fusion alle neuen Standorte besuchen und die Pläne und Strategien des Unternehmens erläutern. Ohne Kontaktaufnahme zu den alten und neuen Mitarbeitern werde wertvoller Personalkredit verspielt, so die Botschaft.

Tipps für eine erfolgreiche Firmenintegration

  • Nur dort integrieren, wo es auch wirklich sinnvoll ist; Integration auf Teufel kommt raus und ein starres Festhalten am Zeitplan kann ins berühmte Auge gehen.
  • Wie schnell und wie tief integriert wird, hängt auch von den ständig wechselnden Gegebenheiten im Unternehmen ab; hier müssen sich Unternehmen anpassen.
  • Die Integration muss vom Top-Management glaubhaft vorgelebt werden.
  • Durch den Fokus auf Markt und Kunden steht die Absicherung von Wachstum im Vordergrund und nicht die Kostensenkung.
  • Jede Unternehmensintegration ist anders und bedarf eines individuellen Integrationsvorgehens.

Outsorucing-Trend: Outsourcing nimmt ab – Bedeutung von Firmenzentralen wächst

Einen klaren Zusammenhang gibt es zwischen der Größe des Gesamtunternehmens sowie Managementkonzept und Dimensionierung der Zentrale: Je größer das Unternehmen und je stärker der Eingriff in die Unternehmensbereiche, desto größer die relative Dimension der Zentrale. Die durchschnittliche Quote der Mitarbeiter, die in der Unternehmenszentrale arbeiten, liegt heute fast wieder auf dem Stand von 2002, so die Ergebnisse der Roland Berger Studie.

Die Firmenzentralen interpretieren ihre Rolle überwiegend selbstbewusst: Die meisten sehen sich eher als "Manager" als in der Rolle eines reinen "Service Providers". Studienautor Dr. Tim Zimmermann, Partner bei Roland Berger Strategy Consultants, sagt:

"Deutsche Unternehmen räumen ihren Firmenzentralen wieder einen höheren Stellenwert ein. Im Vergleich zu unserer letzten Untersuchung im Jahr 2005 haben wir feststellen können, dass 2008 eine Zentralisierung von Entscheidungen und Leistungen in der Führung von Unternehmen stattgefunden hat. Die Fremdvergabe (Outsourcing) von Leistungen hat abgenommen und fokussiert sich weiter auf wenige nicht zur Führungsaufgabe gehörende Bereiche."

Der Fremdleistungsanteil beträgt im Bereich Recht im Durchschnitt 38 Prozent, in den Bereichen Versicherung und allgemeine Dienste ist er sogar noch deutlich höher (73 Prozent bzw. 76 Prozent).

Der Gesamtanteil der Unternehmen, die Konzernfunktionen ausgelagert haben, sank im Vergleich zu 2005 von 53 Prozent auf 44 Prozent. Der Anteil der Unternehmen mit internen Shared Services stieg dagegen von 38 Prozent (2005) auf 49 Prozent (2008). Zimmermann dazu:

"Hauptargumente für Shared Services sind Kostensenkung und einfachere Prozesse ohne die Kosten und Risiken externer Schnittstellen."

Trends in einzelnen Funktionsbereichen

Die einzelnen Funktionsbereiche in der Firmenzentrale befinden sich im Spannungsfeld zwischen Manager und Business Partner einerseits und effizientem Dienstleister für die operativen Bereiche andererseits. So gewinnt beispielsweise die Personalfunktion zunehmend an Gewicht im Unternehmen.

Nicht mehr reduziert auf die Rolle des "Mädchen für alles" sitzt heute der HR Business Partner an der Seite des Managements und berät dieses zu allen strategischen Fragen, die die Einstellung, Entwicklung und Entlassung von Mitarbeitern betreffen.

Den Blick nach vorne zu richten und nicht nur in den Rückspiegel zu schauen, wird vom modernen Controller erwartet. Das Erkennen von Risiken und das Bereitstellen sowie Interpretieren von entscheidungsrelevanten Daten für das Management macht heute eine erfolgreiche Controlling-Funktion aus.

Von der modernen IT-Funktion wird erwartet, ganzheitliche Lösungen anzubieten. Die Zeiten rein technischer Unterstützung sind auch hier vorbei. All diese Veränderungen in der Rolle "klassischer Zentralfunktionen" begründen die gewachsene Bedeutung - und damit einhergehend - auch die zunehmende Größe von Firmenzentralen sowie die Herausforderungen bei deren organisatorischen Gestaltung.

Zur Studie

Roland Berger befragte 57 Unternehmen für die Studie, die Sie kostenfrei bestellen können unter: www.rolandberger/pressreleases [120] oder www.corporateheadquarters.de [121]

[po; Quelle: Roland Berger Strategy Consultants; Bild: ©AlienForce - Fotolia.com]

Flexibilität am Arbeitsplatz: Telearbeit erhöht Produktivität

Rentiert es sich für Unternehmen noch, allen Mitarbeitern ständig einen eigenen Arbeitsplatz bereitzuhalten oder hat der herkömmliche Arbeitsplatz ausgedient? Versteht man den "Arbeitsplatz" wörtlich, also als Platz, an dem dauerhaft gearbeitet wird, dann trifft Zweites zunehmend zu: Bereits heute wünschen sich zwei Drittel der Deutschen flexiblere Arbeitsbedingungen, wie eine Forsa-Umfrage im Auftrag des Branchenverbandes BITKOM ergab.

Die Forschungsgruppe IDC geht davon aus, dass bis zum Jahr 2011 auf dem US-amerikanischen Markt schon etwa 75 Prozent der Arbeitskräfte mobil sein werden. Ähnliches ist auch für Europa zu erwarten. Die Anforderungen einer beschleunigten Arbeitswelt, die Vorstellungen der Mitarbeiter und vor allem die technische Entwicklung fordern und ermöglichen es zunehmend, dass Mitarbeiter mobil und flexibel arbeiten. Der Preis dafür sind allerdings vielfach leer stehende, ungenutzte Schreibtische im Büro, die unnötige Kosten verursachen.

Telearbeit erhöht Produktivität

Flexible Arbeitsplatzmodelle steigern die Effizienz in Unternehmen, wie jüngst eine Web-Umfrage der CompTIA (Computing Technology Industry Association) unter 212 Unternehmen verschiedener Größe aus den USA, Canada und Großbritannien am Beispiel der Telearbeit belegte. Darin stellten die befragten Unternehmen, die ihren Mitarbeitern die Möglichkeit zur Telearbeit bieten, Folgendes fest:

  • eine erhöhte Produktivität (67 Prozent),
  • Kosteneinsparungen (59 Prozent),
  • qualifiziertere Mitarbeiter (39 Prozent),
  • verbesserte Personalbindung (37 Prozent) und
  • gesündere Mitarbeiter (25 Prozent).

Aber: Ungenutzte Bürofläche verursacht vermeidbare Kosten

Mehr als drei Viertel der befragten Unternehmen gaben zwar an, dass es in ihrer Organisation Telearbeitsplätze gibt - allerdings oftmals nur in Teilzeit. Viele Firmen halten ihren Teilzeit-Telearbeitern immer noch einen eigenen Arbeitsplatz im Firmengebäude vor. Zu einem hohen Preis: Die Gesamtkosten der Bereitstellung eines Arbeitsplatzes für eine Person können leicht das Drei- bis Vierfache der reinen Raummiete betragen. Denn sie beinhalten neben den Mietkosten auch alle weiteren Posten von Büromöbeln, Heizung und Klimaanlage über Stromversorgung, Computer und Telefon bis hin zu den für den Betrieb eines typischen Arbeitsplatzes benötigten menschlichen Dienstleistungen (Verwaltung, Wartung und IT-Services). Jede Stunde ungenutzte Bürofläche verschwendet wertvolle finanzielle, menschliche und natürliche Ressourcen.

Leitfaden effiziente Büronutzung

Regus, der weltweit größte Anbieter von Business Centern und flexiblen Bürolösungen, hat deshalb einen Leitfaden zusammengestellt, wie Unternehmen Flexibilität und Effizienz verbinden können und was es dabei zu beachten gilt:

  • Anstelle des klassischen Modells, bei dem alle Mitarbeiter über einen festen, eigenen Arbeitsplatz verfügen, bietet ein effizienterer Ansatz eine Reihe unterschiedlicher Arbeitsplatzkonfigurationen. Die Mitarbeiter können dann je nach Bedarf wählen.
  • Firmen sollten zunächst prüfen, welche Tätigkeiten auch in Telearbeit ausgeführt werden können und anschließend entsprechende Büroprofile entwickeln.
  • Für Teilzeit-Telearbeiter bieten sich Hoteling- oder Hotdesking-Lösungen an. Damit haben Unternehmen die Möglichkeit, weniger dauerhafte Arbeitsplätze zu unterhalten, als sie Mitarbeiter beschäftigen. Schreibtische werden nach Bedarf bereitgestellt, anstatt permanent zugewiesen zu sein. So benötigen Firmen insgesamt weniger Fläche und haben niedrigere Unterhaltungskosten.
  • Vollzeit-Telearbeiter benötigen zusätzliche Ressourcen, die Unternehmen bei Bedarf bereitstellen müssen, wenn die Ausstattung des Heimbüros für die Tätigkeit einmal nicht ausreicht. Hierzu gehören beispielsweise Businesslounges, Videokonferenzdienste oder Konferenzräume, in denen sie zum Beispiel Kunden empfangen können. Dabei ist darauf zu achten, dass sich diese Ressourcen in strategisch guten Lagen befinden.
  • Neben der Neuordnung von Büroressourcen an ihrem Unternehmenssitz können Firmen viel einsparen, indem sie ihre Strategie auch in Bezug auf Zweigstandorte oder Satellitenbüros überdenken. Die Eröffnung eines neuen Standorts - ob am anderen Ende der Stadt oder an einem anderen Ort in der Nähe wichtiger Kunden oder der Mitarbeiter - ist mit hohen Einrichtungskosten und den Risiken langfristiger Mietverträge verbunden. Unternehmen in Expansionsphasen sollten daher Immobilienlösungen mit flexiblen Verträgen und der Möglichkeit, Flächen hinzuzufügen oder Raum auch wieder abzugeben, wählen. Dort bewahren sie sich Flexibilität und gehen kein unnötiges Risiko ein.
  • Für Vertriebsniederlassungen, an denen zwar eine offizielle Geschäftsadresse, aber kein Büro benötigt wird, reicht es, ein sogenanntes virtuelles Büro zu mieten.
  • Kleine Firmen oder ausgelagerte Geschäftsbereiche, die nur ab und zu Sekretariatsunterstützung benötigen, sind mit Service-Büros gut beraten. Dort steht ihnen professionelles Service-Personal für Sekretariat, Übersetzungen und technischen Support zur Seite, welches nur nach Bedarf genutzt wird. Fixe Personalkosten fallen somit nicht an.
  • Unternehmen, die nur vorübergehend für ihre Projektteams ein Büro benötigen, können wesentliche Kosten sparen, wenn sie möblierte und komplett ausgestattete Büros mieten.

Michael Barth, Regional General Manager Germany, Nordics und Ireland von Regus, erklärt:

"Schon kleine Änderungen an einem Fließband oder einer Packstraße können eine große Zeit- und Kostenersparnis bedeuten. Dasselbe gilt auch für Büroflächen. Unternehmen, die bei der Unterbringung ihrer Büro-Angestellten auf altbewährte Rezepte zurückgreifen - also einen Raum anmieten, die Angestellten einziehen lassen und jedem von ihnen einen Schreibtisch, Computer und Telefonapparat zuteilen - werfen systematisch Geld aus dem Fenster."

Flexibilität durch Business Center

Eine gute Lösung für die effiziente Nutzung unterschiedlicher Arbeitsplatzmodelle bieten Business Center. Sie stellen fertig möblierte und vollständig ausgestattete Büros zur Verfügung und sind überall in belebten Innenstädten und wichtigen Außenbezirken zu finden.

Das Business Center eignet sich genauso für mobile Arbeitnehmer, Existenzgründer, kleine und mittelständische Unternehmen wie für große Firmen, die an einen neuen Standort expandieren. Da die meisten Business Center kurzfristige und flexible Mietverträge anbieten, können Unternehmen ihre Bürofläche jederzeit problemlos und kostengünstig ohne einen Standortwechsel erweitern oder verringern.

[po; Quelle: Regus; Bild: Fotolia.com]

Wichtig: Stellenbeschreibungen regelmäßig aktualisieren

Zeitpunkt und Häufigkeit

Im Allgemeinen genügen Aktualisierungen einmal pro Jahr. Bei Reorganisationen und einschneidenden Veränderungen (strategische Neuausrichtungen, Übernahmen, neue Ressorts und Abteilungen, Einsatz neuer Technologien auf breiter Front usw.) sind zusätzliche Updatings sinnvoll oder gar notwendig. Auch in besonders dynamischen Branchen können zwei Aktualisierungen pro Jahr durchaus angebracht sein.

Motivation zur Aktualisierung

Psychologisch besonders geschickt ist es jeweils, diese vor für alle Mitarbeitenden wichtigen Ereignissen wie Beförderungen, Gehaltsverhandlungen, Zielvereinbarungen und dergleichen vorzunehmen. Im Vorfeld solcher wichtiger Aktivitäten sind Mitarbeiter in ihrem eigenen Interesse für die Bedeutung aktueller Stellenbeschreibungen zu gewinnen. Erkennen und erleben Mitarbeiter konkret, dass Stellenbeschreibungen ihre Leistungsbeurteilungen und Gehälter stark beeinflussen, widmen sie diesen automatisch mehr Beachtung und sind an deren guten Qualität und Aktualität interessiert.

Organisation und Beteiligte

Am besten ist es, wenn beispielsweise die Personalabteilung die Gesamtverantwortung und die Koordination und Organisation übernimmt. Dabei sollten Mitarbeiter und Linienvorgesetzte aufgefordert werden, die Aktualisierung sicherzustellen. Eine Kurzveranstaltung, an der aktuelle Beispiele vorgestellt werden, eine Anlaufstelle für Fragen und klare Termine und Verantwortlichkeiten tragen zur gewissenhaften Aktualisierung bei.

Effiziente und kurze Abläufe

Dies ist ebenfalls sehr wichtig. Kleine Teams mit klaren Terminen und einfachen wenigen Schritten der Realisierung und Abläufe helfen, die Updatings effizient und zielgerichtet vorzunehmen. Dabei ist eine klare Information, wer, was, wann, womit mit welchem Zweck und Ziel zu machen hat, der jeweils beste Weg.

Rahmenbedingungen

Termine, Zeitpunkte und Verantwortlichkeiten sollten genau festgehalten und deren Einhaltung streng kontrolliert werden. Klare Richtlinien und Pflichtenhefter verstärken den Verbindlichkeitscharakter zusätzlich. Es hat sich in der Praxis bewährt, dass die HR-Abteilung die Federführung, Unterstützung, Organisation und Kontrolle übernimmt und der Vorgesetzte für die Einhaltung, Qualität und Durchführung verantwortlich ist.

Vorgehen und Arbeitstechnik

Auch in diesem Bereich kann viel bewirkt werden. Einige Beispiele wichtiger möglicher Maßnahmen:

  • möglichst kleiner, klar definierter Kreis von beteiligten Mitarbeitern und deren Verantwortung;
  • involvierte Personen, Termine, Ziele und Qualitätskontrollen klar und verpflichtend festlegen;
  • Einsatz standardisierter Textverarbeitungsvorlagen mit möglichst einheitlichem Aufbau;
  • Verwendung von Rastern und Vorgaben, welche den (Schreib-) Aufwand reduzieren;
  • Digitale Abwicklung per E-Mail oder via Mitarbeiterportal, auch in der Distribution;
  • Aktualisierung mit anderen Aufgabenstellungen verbinden, beispielsweise bei Einsatz für Stellenanzeigen oder bei Zielvereinbarungsgesprächen;
  • Zeitpunkte und Aktualisierungen veranken, in dem man sie institutionalisiert;
  • Bündelung von Tätigkeiten wie Tätigkeitsüberprüfung mit allen Abteilungen;
  • Zugriff, Verteilung und Verwendung vereinfachen, beispielsweise durch digitale Zugriffsmöglichkeiten und/oder Verteilung via E-Mail.

Dieser Auszug stammt aus dem im PRAXIUM-Verlag erschienenen Buch „Stellenbeschreibungen für die Personalpraxis“ von Sandra Hofstetter. Umfang: 202 Seiten, mit vielen Stellenbeschreibungs-Vorlagen, auch auf CD-ROM.

Hier gelangen Sie zur Rezension des Buches. [122]

Stellenbeschreibung verfassen: Diese Informationsquellen helfen Ihnen dabei

Hier finden Sie mögliche Quellen, die Ihnen beim Verfassen von Stellenbeschreibungen behilflich sein können.

Anforderungsprofile

Im Normalfall werden Anforderungsprofile eher aufgrund von Stellenbeschreibungen gemacht und nicht umgekehrt. Werden aber Stellenbeschreibungen eingeführt und sind Anforderungsprofile vorhanden, enthalten diese sehr geeignete Informationen, die Sie nutzen können.

Frühere Stellenanzeigen

Stellenanzeigen werden fälschlicherweise oft mit Stellenbeschreibungen gleichgesetzt. Frühere oder aktuelle Stellenanzeigen sind normalerweise klar strukturiert (Anforderungen, Aufgaben, Ausbildung usw.) und geben wertvolle Informationen. Es gilt aber auch hier: Im Normalfall werden Stellenanzeigen eher aufgrund von Stellenbeschreibungen gemacht und nicht umgekehrt.

Arbeitszeugnisse

Arbeitszeugnisse enthalten Leistungsaussagen und Tätigkeiten, die vor allem für Stellenbeschreibungen interessant sind. Die Zeugnisse mehrerer Stelleninhaber können Aussagen komplettieren und auch die Historie einer Stelle dokumentieren.

Sitzungsprotokolle

Diese gestatten, wenn in erforderlichem Umfang vorhanden, Informationen über Aufgaben, Tätigkeiten und Leistungen. Sie können je nachdem auch auf Problemkreise hinweisen wie Organisationsmängel, Kommunikationsprobleme, fehlende Qualifikationen und mehr.

Gespräche mit Stelleninhaber

Mitarbeiter, die eine Stelle innehaben und diese aus der täglichen Praxis besser kennen als jeder andere, sind wohl die beste Informationsquelle. Gut strukturierte Fragebögen, kritische, durchaus auch hinterfragende Gespräche sind hilfreich und können Themen enthalten wie die Verschiebung von Aufgabenprioritäten und Tätigkeiten, sich ändernde Zeitanteile von Tätigkeiten neue Qualifikations- und Wissensanforderungen und mehr.

Zielvereinbarungen

Zielvereinbarungen sind eine sehr präzise und gehaltvolle Informationsquelle, wenn sie professionell gehandhabt werden und als Führungs- und Qualifikationsinstrument überhaupt eingesetzt werden. Genau so gut können es natürlich auch Mitarbeiterbeurteilungen und Qualifikationen sein, die konkrete, präzise und aktuelle Informationen liefern.

Personalakten ehemaliger Stelleninhaber

Die Historie einer Stelle kann sehr aufschlussreich sein und Hinweise für die kurz- und mittelfristige Entwicklung geben und auf Schwachstellen oder Schwerpunkte hinweisen, die regelmäßig zur Sprache kommen.

Probezeitberichte

Solche Berichte können ebenfalls auf Probleme oder wichtige Anforderungen hinweisen, die bei der jeweiligen Stelle zu beachten sind. Sie können deshalb nützlich sein, weil sie auf weniger erfahrene mit den Aufgaben und Tätigkeiten noch nicht vertraute Mitarbeiter ausgerichtet sind, welche vieles auch kritischer, unvoreingenommener und weniger routinebelastet beurteilen.

Mitarbeitergesprächsprotokolle

Mitarbeitergespräche sind generell ein äußerst wichtiges Führungsinstrument und sollten Bestandteil jeder modernen Unternehmenskultur sein. Werden diese protokolliert, können sie auf viele wichtige Details hinweisen, die für die Ausarbeitung einer Stellenbeschreibung sehr wichtig sind, zum Beispiel:

  • Über- oder Unterforderungen fachlicher Art,
  • unterschätzte Fach- und Sozialkompetenzen der Stelle,
  • Mitarbeiterbedürfnisse aus der täglichen Praxis heraus,
  • wichtige Führungsanforderungen,
  • Differenzierung von Leistungen sowie
  • Tätigkeiten und Korrektur von Prioritäten aus der Stellenpraxis heraus.

Dieser Auszug stammt aus dem im PRAXIUM-Verlag erschienenen Buch „Stellenbeschreibungen für die Personalpraxis“ von Sandra Hofstetter. Umfang: 202 Seiten, mit vielen Stellenbeschreibungs-Vorlagen, auch auf CD-ROM.

Hier gelangen Sie zur Rezension des Buches [123] .

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Aushangpflicht: Informieren Sie Ihre Mitarbeiter!

Als Arbeitgeber sind Sie verpflichtet, ihre Mitarbeiter über arbeitsschutzrelevante Gesetze und sonstige Regelungen zu informieren. Dies geschieht über sogenannte Aushänge, Auslagen oder Bekanntmachungen. Sollte sich die Pflicht aus einem Gesetz ergeben, müssen Sie auf jeden Fall aushängen. Am Ende dieses Beitrags erfahren Sie in einem Überblick, welche wichtigen Gesetze das sind. Natürlich sollten Sie immer überprüfen, welche Branche gemeint und ob Ihr Unternehmen beziehungsweise Ihr Betrieb überhaupt von der konkreten Aushangpflicht betroffen ist.

Neben der gesetzlichen Verpflichtung zum Aushang existiert noch eine freiwillige Möglichkeit. Hierbei bestehen Grenzen im Allgemeinen Persönlichkeitsrecht der Arbeitnehmer oder Dritter. In jedem Fall darf der Aushang nicht zu einer Missachtung der Fürsorgepflicht führen oder die betriebsverfassungsrechtliche Zusammenarbeit in Frage stellen.

So kommen Sie Ihrer Aushangpflicht nach

Am besten fahren Sie, wenn Sie den erforderlichen Aushang so platzieren, dass ihn die Arbeitnehmer ohne Schwierigkeiten sehen und lesen können. Möglich ist ein sogenanntes „Schwarzes Brett“ oder bestimmte Aushangsorte, die vom Gesetzgeber in der jeweiligen Vorschrift vorgegeben sind. Beim Aushang am „Schwarzen Brett“ oder „an geeigneten Stellen“ gilt:

  • gute Zugänglichkeit des Aushangs für alle Arbeitnehmer;
  • die Inhalte müssen auf dem aktuellen Stand sein;
  • bei mehreren Stockwerken oder großen Betriebsteilen muss in jedem dieser Stockwerke oder Betriebsteile ein Aushang erfolgen.

Verstoß gegen die Aushangpflicht

Kommen Sie als Arbeitgeber Ihrer Aushangpflicht nicht nach, können unterschiedliche Folgen greifen. Sie können sich beispielsweise schadensersatzpflichtig machen, wenn ein Schaden eintritt, für den Ihr Verstoß ursächlich ist, das heißt im Umkehrschluss: Hätten Sie ordnungsgemäß ausgehängt, wäre der Schaden nicht passiert. Beseitigungs- und Unterlassungsansprüche können bestehen, wenn betriebsverfassungsrechtliche Regelungen tangiert sind. Bei Wahlen besteht eventuell die Möglichkeit der Anfechtung. In den allermeisten Fällen allerdings handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit.

Hinweis

Ein Verstoß gegen die Aushangpflicht kann gemäß der Vorschriften des Arbeitszeitgesetzes (ArbZG) mit einem Bußgeld von bis zu 2.500 Euro geahndet werden.

Die wichtigsten aushangpflichtigen Gesetze

Arbeitszeitgesetz (ArbZG)

Rechtsgrundlage: § 16 Abs. 1

Wie: an geeigneter Stelle zur Einsichtnahme; Aushang oder Auslegen

Inhalt: Abdruck des ArbZG und der auf Grund des ArbZG erlassenen Rechtsverordnungen, Tarifverträge und Betriebs- oder Dienstvereinbarungen

Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG)

Rechtsgrundlage: § 12 Abs. 5

Wie: Aushang oder Auslegung an geeigneter Stelle oder den Einsatz der im Betrieb oder der Dienststelle üblichen Informations- und Kommunikationstechnik

Inhalt: Dieses Gesetz und § 61b des Arbeitsgerichtsgesetzes sowie Informationen über die für die Behandlung von Beschwerden nach § 13 zuständigen Stellen

Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG)

Rechtsgrundlage: §§ 47,48

Wie: Aushang oder Auslegung an geeigneter Stelle im Betrieb

Inhalt: Abdruck des JArbSchG und die Anschrift der zuständigen Aufsichtsbehörde; einen Aushang über Beginn und Ende der regelmäßigen täglichen Arbeitszeit und der Pausen

Ladenschlussgesetz (LSchlG)

Rechtsgrundlage: § 21 Abs. 1

Wie: Aushang oder Auslage an geeigneter Stelle in der Verkaufsstelle

Inhalt: einen Abdruck des LSchlG und der auf Grund dieses Gesetzes erlassenen Rechtsverordnungen mit Ausnahme der Vorschriften, die Verkaufsstellen anderer Art betreffen

Mutterschutzgesetz (MuSchG)

Rechtsgrundlage: § 18

Wie: Aushang oder Auslage an geeigneter Stelle zur Einsicht; bei Heimarbeiterinnen in den Räumen der Ausgabe und Abnahme

Inhalt: Gesetzestext

Einzelne aushangpflichtige Spezialgesetze und Verordnungen

Hierunter fallen zum Beispiel

  • Unfallverhütungsvorschriften
  • Röntgenverordnung
  • Strahlenschutzverordnung
  • Bildschirmarbeitsverordnung

Hier alle aushangpflichtigen Gesetze in der Übersicht (ohne Gewähr auf Vollständigkeit):

Zwingend aushangpflichtige Arbeitsschutzgesetze

  • Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz
  • Arbeitsgerichtsgesetz - Auszug
  • Arbeitszeitgesetz
  • Mutterschutzgesetz
  • Verordnung zum Schutz der Mütter am Arbeitsplatz
  • Jugendarbeitsschutzgesetze
  • Kinderarbeitsschutzverordnung
  • Ladenschlussgesetz
  • Verordnung über den Verkauf bestimmter Waren an Sonn- und Feiertagen
  • Verordnung über den Schutz vor Schäden durch Röntgenstrahlen

Zusätzliche zum Aushang geeignete Gesetze

  • Teilzeit- und Befristungsgesetz
  • Bundesurlaubsgesetz
  • Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz
  • Arbeitsstättenverordnung
  • Gesetz über Betriebsärzte, Sicherheitsingenieure und andere Fachkräfte für Arbeitssicherheit

Bei der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände können Sie die Gesetze erwerben unter GDA-online [124] .

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Social Loafing: Sich ausruhen im Team

Kennen Sie den Ringelmann-Effekt? Maximilian Ringelmann, ein französischer Agraringenieur, untersuchte 1882 die Leistung von Pferden. Er fand heraus: Die Leistung zweier Pferde beim gemeinsamen Ziehen einer Kutsche ist nicht doppelt so hoch wie die eines einzelnen Pferds. Fasziniert von dieser Entdeckung dehnte Ringelmann seine Untersuchungen auf Menschen aus. Er ließ mehrere Männer an einem Tau ziehen und maß die Kraft, die jeder einzelne entfaltete. Er kam auf eine durchschnittliche Zugkraft von 63 Kilogramm pro Person. Dann ließ er jeweils zwei Männer gemeinsam an einem Seil ziehen. Die gemeinsame Zugkraft betrug im Schnitt nur 118 Kilogramm. Und bei drei Personen 160 Kilo – also deutlich weniger als 3 mal 63 Kilo.

Aufgrund seiner Versuche entwickelte Ringelmann eine Formel, um zu berechnen, wie hoch die Leistung beziehungsweise Effizienz von Gruppen ist, abhängig von der Zahl ihrer Mitglieder. Dieser Formel zufolge erbringen zwei Personen, die gemeinsam eine Aufgabe verrichten, nicht 2 × 100 Prozent, sondern nur etwa 2 × 93 Prozent Leistung – und drei Personen nur 3 x 85 Prozent und 8 Personen gar nur 8 x 49 Prozent. Das heißt: Acht Personen erbringen gemeinsam nicht einmal dieselbe Leistung wie vier einzelne Personen. Ringelmanns Erklärung: Je größer eine Gruppe ist, umso weniger wird die individuelle Leistung wahrgenommen. Entsprechend sinkt der persönliche Einsatz.

Gefühl: Meine Leistung ist unrelevant für den Erfolg

Dieses Phänomen kann man auch in Unternehmen beobachten. Die amerikanischen Psychologen Stephen Harkins, Bibb Lantané und Kipling Williams haben hierfür 1979 den Begriff Social Loafing geprägt – also, sich ausruhen auf Kosten anderer. Ein Verhalten, das irgendwie verständlich ist. Denn wenn man sich auf die Leistung andere Personen verlassen kann, ist die Versuchung groß, nicht mehr den vollen Einsatz zu zeigen.

Für Unternehmen ist der „Ringelmann-Effekt“ einer der größten Feinde der Effizienz und eine Schattenseite der Teamarbeit. Zwar belegen viele Studien, dass die Leistung eines Teams höher sein kann als die Summe der Einzelleistungen seiner Mitglieder – speziell dann, wenn Leistungen erbracht werden, die unterschiedliche Expertisen erfordern. Doch das muss nicht so sein. Bei Teamarbeit kann auch die gegenteilige Wirkung eintreten.

Stimmen Ringelmanns Aussagen, dann müssten Konzerne sehr große Ineffizienzen haben. Ein Unternehmen mit 50.000 Mitarbeitern würde nach seiner Formel zum Beispiel nur so effizient arbeiten wie 3.000 Einzelpersonen. Entsprechend groß wäre das Potenzial zur Effizienzsteigerung, wenn es dem Unternehmen gelänge, den „Ringelmann-Effekt“ zu vermeiden.

Hierfür müsste es jedoch zunächst wissen, welche Faktoren zur Minderung der Leistung führen. Laut Ringelmann sind dies:

  • Das Bewusstsein, dass die eigene Leistung nur wenig zum Gesamterfolg beiträgt.
  • Die Tatsache, dass es (in) der Gruppe nicht auffällt, welchen Beitrag der Einzelne leistet. Und:
  • Das Nicht-Verspüren eines höheren Effekts, wenn man sich besonders anstrengt.

Wer viele Ressourcen hat, (ver-) braucht diese auch

Cyril Northcote Parkinson, ein englischer Soziologe, kam 1957 zu ähnlichen Erkenntnissen wie Ringelmann. Er untersuchte die Entwicklung des Britischen Marineministeriums, das ursprünglich das gesamte britische Empire verwaltete. Dabei stellte er fest: Nach dem Zerfall des Empires reduzierte sich die Mitarbeiterzahl des Ministeriums nicht. Im Gegenteil: Sie erhöhte sich. Daraus schloss Parkinson: Die Mitarbeiterzahl von Organisationen korreliert nur bedingt mit dem Arbeitsvolumen. Und: Organisationen neigen dazu, sich selbst zu beschäftigen.

Parkinson ermittelte hierfür folgende Ursachen:

  1. Wie viel Zeit für eine Aufgabe benötigt wird, hängt auch von der verfügbaren Zeit ab. Die zur Verfügung stehende Zeit wird genutzt beziehungsweise verbraucht. Parkinson erläutert dies am Beispiel einer Rentnerin, die einen halben Tag dafür benötigt, ihrem Enkel einen Geburtstagsgruß zu schreiben. Zunächst geht sie in ein Schreibwarengeschäft. Dort verbringt sie eine halbe Stunde mit dem Auswählen der Karte. Dann überlegt sie sich zuhause stundenlang nette Formulierungen. Anschließend geht sie zum Postamt, wo sie zunächst alle Sondermarken sichtet, bevor sie endlich die Karte aufgibt. Ein vielbeschäftigter Manager erledigt die gleiche Aufgabe in drei Minuten.
  2. Wenn Menschen mitreden dürfen, dann tun sie dies auch ausgiebig – gerade bei Bagatellesachen. Parkinson nennt hierfür folgendes Beispiel: Beim Bau eines Kraftwerks kann es vorkommen, dass bei Planungssitzungen das Thema „Wie soll das Kraftwerk konzipiert sein“ schnell abgehakt ist. Warum? Die anwesenden Manager und Politiker haben wenig Fachwissen. Stundenlang debattieren sie aber darüber, wie die Abstellhäuschen für die Fahrräder der Mitarbeiter gestrichen werden sollten.
  3. Die Zeit wird für das investiert, was wahrgenommen sowie belohnt/sanktioniert wird. Beispiel: Organisationen oder Bereiche, die einer starken Kontrolle von außen oder oben unterliegen, neigen dazu, relativ viel Zeit und Energie für Controlling- und Dokumentationsaufgaben zu verwenden. Relativ wenig Zeit und Energie investieren sie hingegen auf die eigentlichen Aufgaben der Organisation oder des Bereichs.
  4. Macht, Prestige und Anerkennung sind oft an die Mitarbeiterzahl gekoppelt. In den meisten Organisationen bestimmt sich die Wertigkeit einer (Führungs-)Position über die Zahl der Personen, die geführt werden. Also sind viele Führungskräfte bestrebt, ihre Mitarbeiterzahl zu erhöhen. Selten geben Führungskräfte freiwillig Personal ab, denn dies würde als Verlust von Macht und Einfluss erlebt.
  5. Der Karrierewunsch der Nachwuchskräfte schafft neue künstliche Bedarfe und erhöht die Zahl der Mitarbeiter. In den meisten Organisationen gibt es mehr Nachwuchskräfte, die nach einer (gehobenen) Führungsposition streben als durch die Fluktuation von Führungskräften (und Wachstum des Unternehmens) entsprechende Positionen vakant werden. Also suchen die Nachwuchsführungskräfte neue Tätigkeitsfelder, die das Schaffen zusätzlicher Führungspositionen und das Einstellen neuer Mitarbeiter rechtfertigen.

Auch Unternehmen müssen regelmäßig „abspecken“

Treffen die Befunde von Ringelmann und Parkinson zu, dann stehen Unternehmensführer vor der Herausforderung, gegen diese „natürlichen“ Effekte anzukämpfen. Hierfür lassen sich in Anlehnung an die Erkenntnisse von Ringelmann und Parkinson folgende Handlungsanleitungen formulieren.

In Anlehnung an Ringelmann:

  • Stellen Sie sicher, dass sich die individuelle Leistung lohnt. Die Mitarbeiter müssen spüren, dass ihre Chefs und Kollegen ihr persönliches Engagement registrieren.
  • Schaffen Sie eine „Erfolgs- und Leidensgemeinschaft“. Jedes Mitglied der Gruppe sollte das Gefühl haben: Wir sitzen im selben Boot. Wenn unsere Leistung topp ist, hat dies für uns alle auch individuelle Konsequenzen (zum Beispiel in Form der Vergütung). Ebenso ist dies im umgekehrten Fall.
  • Rütteln Sie die Mitarbeiter regelmäßig auf. Bei Aufgaben, die dauerhaft oder langfristig ausgeübt werden, ist die Versuchung groß, sich „zu arrangieren“ und in lähmende Routinen zu verfallen. Starten Sie deshalb immer wieder neue „aufrüttelnde“ Projekte und Initiativen, die Ihre Mitarbeiter motivieren, sich besonders anzustrengen, um ein Ziel zu erreichen.
  • Schaffen Sie eine gemeinsame Vision, die die Mitarbeiter motiviert, ihre ganze Energie zu mobilisieren, egal wie das Umfeld aussieht.

In Anlehnung an Parkinson:

  • Achten Sie darauf, dass sich Vergütung, Karriere und Prestige in Ihrer Organisation nicht an der Zahl der Mitarbeiter orientieren. Fördern Sie Projekt- und Expertenlaufbahnen. Es gibt keinen Grund, weshalb ein guter Experte nicht genauso viel oder sogar mehr als ein Manager mit vielen Mitarbeitern verdienen sollte.
  • Fragen Sie sich permanent: Welche Signale sende ich als Führungskraft an meine Mitarbeiter aus, was wichtig ist? Wenn Sie zum Beispiel topp-gestaltete PowerPoint-Präsentationen honorieren, „züchten“ Sie unbewusst ganze Stäbe von Mitarbeitern, die vor Sitzungen tagelang Folien „malen“.
  • Führen Sie regelmäßig Geschäftsprozessanalysen und -optimierungen durch. Jede Organisation neigt dazu „Speck“ anzusetzen. Deshalb sind alle zwei, drei Jahre „Diät-Kuren“ nötig.

Reduzieren Sie für bestimmte Aufgaben „scheinbar willkürlich“ die zur Verfügung stehenden Ressourcen. „Zwingen“ Sie Ihre Mitarbeiter, sich so zu organisieren, dass sie mit den verbleibenden Ressourcen auskommen. Oft werden so effizienzsteigernde Ideen geboren. Und wenn Ihre Kürzungen sich als übertrieben erweisen? Dann können Sie ja wieder Ressourcen freigeben.

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Rauchen am Arbeitsplatz: Prävention ist besser

Nichtraucherschutz ist gesetzlich vorgeschrieben!

Falls Sie es noch nicht wussten: Als Arbeitgeber sind Sie gesetzlich verpflichtet, ihre nicht rauchenden Mitarbeiter vor Zigarettendunst zu schützen. Grundlage dafür ist die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV). Dort heißt es in § 5:

„Der Arbeitgeber hat die erforderlichen Maßnahmen zu treffen, damit die nicht rauchenden Beschäftigten in Arbeitsstätten wirksam vor den Gesundheitsgefahren durch Tabakrauch geschützt sind. Soweit erforderlich, hat der Arbeitgeber ein allgemeines oder auf einzelne Bereiche der Arbeitsstätte beschränktes Rauchverbot zu erlassen.“

Nun könnte man meinen, aus dem unbestimmten Rechtsbegriff der „erforderlichen Maßnahmen“ ein generelles Rauchverbot am Arbeitsplatz ableiten zu können. Doch dies ist nicht gestattet, denn auch die Interessen der Raucher sind gemäß dem Grundrecht der freien Entfaltung ihrer Persönlichkeit zu berücksichtigen. Wenn es keine erheblichen sachlichen Gründe gibt, warum Sie als Arbeitgeber ein generelles Rauchverbot erlassen sollten (etwa wenn Sie der Chef einer Tankstelle sind), wird es schwer, die im Notfall auch vor Gericht durchzusetzen.

Sollten Sie allerdings Ihren Pflichten für einen angemessenen Schutz der Nichtraucher nicht nachkommen, kann es – bei entsprechenden Beschwerden von Arbeitnehmern – zu einem Einschreiten des Gewerbeaufsichtsamtes kommen.

Warum ist ein Schutz der nicht rauchenden Mitarbeiter sinnvoll?

Es ist einleuchtend, dass nicht nur die gesetzliche Grundlage, die zum Schutz der Nichtraucher verpflichtet, ausschlaggebend für eine Einschränkung des Rauchens am Arbeitsplatz sein kann. Weitere Gründe sind:

  • Fürsorgepflicht des Arbeitgebers, da Rauchen nachweislich gesundheitsschädlich ist;
  • höhere Personalkosten, da Raucher öfter krank sind und häufiger fehlen; der Arbeitgeber muss aber im Rahmen der Entgeltfortzahlung weiter entlohnen;
  • Verlust an Produktivität, da Raucher Rauchpausen einlegen und damit Arbeitszeit verschwendet wird;
  • Konflikte zwischen nicht rauchenden und rauchenden Mitarbeitern;
  • höheres Brandrisiko.

Hinweis

Nach Angaben des Drogenbeauftragten der Bundesregierung belasten Raucher die deutsche Wirtschaft Jahr für Jahr allein durch Arbeitsausfälle mit 13,67 Milliarden Euro. Noch nicht eingerechnet sind Kosten für Sachschäden oder Präventivmaßnahmen. 2006 hat das European Network for Smoking Prävention die tatsächlichen, unmittelbaren betrieblichen Auswirkungen des Rauchens in einer Studie erhoben: Jeder Raucher kostet den Arbeitgeber durchschnittlich 1.040 Euro pro Jahr!

Raucher – Nichtraucher: Zusammenarbeit fast unmöglich

Per se werden rauchende und nicht rauchende Mitarbeiter, die an einem gemeinsamen Arbeitsplatz tätig sind, über kurz oder lang über ihre persönlichen Freiheiten in Konflikt geraten. Der eine möchte saubere Luft atmen, dem anderen steht gerade der Sinn nach einem Zug Nikotin. Folgende Möglichkeiten, diesen Konflikt zu lösen, sind wenig praktikabel:

Getrennte Arbeitszimmer: Die rauchenden Mitarbeiter sind unter sich und belästigen nicht ihre nicht rauchenden Kollegen; allerdings braucht es dazu entsprechende Platzkapazitäten, die nicht immer in jedem Unternehmen ausreichend vorhanden sind.

Permanentes Durchlüften: Scheint auf den ersten Blick sinnvoll, doch was tun im Winter? Bei eisigen Temperaturen ist es niemandem – auch nicht den Rauchern – zuzumuten, ständig die Fenster zu öffnen. Hinzu kommt, dass Zimmer, in denen über Jahre hinweg geraucht wird, sowieso mit Zigarettenschadstoffen, vor allem Formaldehyd, „verseucht“ sind.

Das leidige Thema „Rauchpausen“

Rauchpausen werden grundsätzlich nicht bezahlt, da sie keine Arbeitszeit darstellen. Allerdings scheint es in vielen Unternehmen zum Gewohnheitsrecht zu gehören, auch die entgangene Arbeitszeit am Monatsende voll abzurechnen. Als Unternehmer können Sie folgende Maßnahmen ergreifen, um diesem Dilemma zu entgehen:

  • Bezahlen Sie grundsätzlich keine Rauchpausen und verlangen Sie, dass die verlorene Arbeitszeit nachgearbeitet wird; dies setzt in der Konsequenz ein gewisses Maß an Kontrolle voraus.
  • Bezahlen Sie nur eine festgelegte Anzahl von Rauchpausen; alles, was darüber hinausgeht, wird nicht mehr bezahlt.
  • Belohnen Sie Ihre nicht rauchenden Mitarbeiter, indem Sie ihnen im Umkehrschluss als Ausgleich für erlaubte Rauchpausen eine Prämie zahlen oder Zeitgutschriften anrechnen.

Möglichkeiten gibt es viele, die rauchenden von den nicht rauchenden Arbeitnehmern zu separieren. Sei es die Raucherecke, das Ende eines langen Flures oder spezielle Raucherzimmer. Verfolgen Sie Nichtraucherschutz jedoch ernsthaft, sollen Sie diese Raucherzonen nicht noch komfortabel einrichten, sondern so karg und schlicht wie möglich belassen. Damit können Sie einen Beitrag zur Rauchentwöhnung leisten.

Hinweis

Kündigung bei wiederholtem Verstoß gegen Rauchverbot

Wer gegen das in einem bestimmten Betriebsbereich bestehende Rauchverbot verstößt, riskiert eine ordentliche Kündigung, auch wenn er schon lange beim Betrieb angestellt war. Allerdings nur, wenn der Arbeitgeber den Arbeitgeber vor Ausspruch der Kündigung mehrfach wegen eines Verstoßes gegen das Rauchverbot abgemahnt hat.  LAG Köln Urt. v. 01.08.2008 – 4 Sa 590/08

Maßnahmen zur Rauchentwöhnung

Apropos Rauchentwöhnung: Als Arbeitgeber können Sie auch selbst aktiv werden, um Kosten zu sparen und vor allem Konflikte zwischen der rauchenden und der nicht rauchenden Fraktion zu vermeiden. Bieten Sie unterstützende Maßnahmen zur Rauchentwöhnung an wie etwa Kurse oder Verhaltenstherapien. 

Als besonderes Bonbon können Sie vereinbaren, dass Sie sich als Unternehmen zu einem gewissen Teil finanziell an diesen Maßnahmen beteiligen.

Letztlich dürfte es – angesichts der durch das Rauchen hervorgerufenen Gesundheitsrisiken – vor allem eine Frage des Anstands Ihrer Mitarbeiter und weniger der geltenden Schutzgesetze sein, ob in Anwesenheit eines nicht rauchenden Arbeitnehmers geraucht wird.

Tipp

Muster-Betriebsvereinbarung zum Nichtraucherschutz am Arbeitsplatz von der Bundesärztekammer:

  • striktes Rauchverbot [125]
  • eingeschränktes Rauchverbot [126]

[dw; Bild: Otto Durst - Fotolia.com]

Business Process Outsourcing: Kundenbetreuung komplett auslagern?

BPO wird ein hohes wirtschaftliches Potenzial zugesprochen, da die Auftraggeber durch externe Dienstleister nicht nur entlastet werden, sondern vom Spezialwissen dieser Firmen für die eigene Unternehmensstrategie profitieren können. Doch wie fortgeschritten ist BPO bezogen auf den Bereich der Kundenbetreuung in Deutschland tatsächlich?

Verfechter des BPO betonen immer wieder, dass nicht mehr nur standardisierte Bereiche - wie die Dienstleistungen eines Call Centers - im Zentrum des Outsourcing stehen sollen, sondern strategisch hoch relevante Prozesse. Dadurch verschieben sich die Ziele und Erwartungen. Professsor Dr. Bernd Stauss vom Lehrstuhl für Dienstleistungsmanagement  an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt erklärt:

"Dominierten in der Diskussion um Outsourcing bisher Kostenargumente, so werden nun zunehmend Qualitätsverbesserungen, Wissenstransfer und innovative Impulse vom externen Dienstleister erwartet. Diese hohen Erwartungen werden auch im Bereich des Customer Care gestellt."

Doch trotz der intensiven Diskussion um BPO existieren bisher kaum konzeptionelle Überlegungen zu den Wertschöpfungsmechanismen und nur wenige empirische Kenntnisse zur Umsetzung in der Praxis. Die Ergebnisse der Studie "Business Process Outsourcing im Customer Care", an der sowohl Outsourcingdienstleister als auch Kundenunternehmen teilnahmen, machen deutlich, dass in Deutschland trotz aller Rhetorik der Umsetzungsgrad von Business Process Outsourcing im Customer Care aktuell gering ist.

Noch immer dominieren Kosten die Verlagerungsentscheidung. Wertschöpfungsbeiträge der externen Anbieter, die darüber hinaus gehen, finden kaum Beachtung. Auffällig sind Unterschiede in der gegenseitigen Wahrnehmung von Auftraggebern und Dienstleistern:

"Kundenunternehmen sehen die Dienstleister zwar durchaus als wichtige strategische Partner an, die eine entscheidende Rolle spielen. Allerdings weisen sie ihnen aktuell und auch zukünftig die ausführende Rolle einer Werkbank zu, die Services zu niedrigen Preisen liefert",

heißt es in der Studie. Innovative Beiträge der Dienstleister würden häufig als reguläre Leistung erachtet, die ihnen nicht entsprechend vergütet werde.

Intensiv analysieren die Autoren, Prof. Dr. Bernd Stauss sowie die wissenschaftlichen Mitarbeiter des Lehrstuhls, Marcel Jedraßczyk und Nils Löber, weitere Schwachstellen der aktuellen Umsetzung und geben im Rahmen von Managementimplikationen Empfehlungen zur Gestaltung von Business Process Outsourcing.

Aus wissenschaftlicher Perspektive leistet die Studie einen Beitrag zur Abgrenzung von BPO zum traditionellen Outsourcing und zur Analyse der Wirkmechanismen von Business Process Outsourcing im Customer Care. Für die Praxis kann die Studie als Leitfaden für Unternehmen dienen, den Realisierungsgrad der eigenen Business Process Outsourcing Tätigkeiten einzuschätzen und BPO-Partnerschaften wirkungsvoll zu gestalten.

Zur Studie

Der Lehrstuhl für Dienstleistungsmanagement an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) hat im Rahmen der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützten Forschungskooperation "Serv.biz - Business Transformation für hybride Wertschöpfungsnetzwerke" die Ergebnisse einer aktuellen Studie zu "Business Process Outsourcing im Customer Care" veröffentlicht.

Die Studie steht kostenlos zum Download zur Verfügung:

BPO im Customer Care [127]

[po; Quelle: KU Eichstätt-Ingolstadt: Bild: ©Friedberg - Fotolia.com]

Teamleitung: Wie Sie richtig mit Ihrem Team umgehen und davon profitieren

Die Hierarchien sind flacher geworden, Einzelgänger haben heute keine Chance mehr. Glauben Sie, Obama wäre jemals so bekannt geworden, hätte er nicht ein Superteam gehabt – Profis, die seine Reden schrieben, die seinen Wahlkampf organisierten, die Kontakte zur Presse pflegten… Ohne ein starkes Team kommt heute keiner voran, kann niemand etwas bewegen.

Michael Schumacher ohne sein eingespieltes Team – nicht vorstellbar. Was im Sport und in der Politik gilt, zählt auch im Job. Wer alles selbst machen will, bleibt auf der Strecke. Mit den richtigen Menschen am richtigen Ort kann eine Idee, eine Vision zur Realität werden. Daher sollten Sie sich fragen:

  • Haben Sie ein gutes Team, das hinter Ihnen steht?
  • Wie gehen Sie mit Ihrer Mannschaft um?
  • Gelingt es Ihnen, die unterschiedlichen Charaktere Ihrer Mitarbeiter so miteinander in Einklang zu bringen, dass eine gesunde Spannung entsteht, in der positives Konkurrenzdenken kreative Lösungen möglich macht?
  • Finden Sie den richtigen Ton, geben Sie positive Impulse, motivieren Sie?

Eine konstruktive Zusammenarbeit beflügelt die Kreativität

Wo Menschen zusammen sind, entstehen natürlich auch Meinungsverschiedenheiten. Eine konstruktive Zusammenarbeit ist in der Praxis nicht immer ganz einfach, denn Kollegen oder Chefs kann sich kaum jemand selbst aussuchen. Konflikte sind vorprogrammiert, wo unterschiedliche Charaktere aufeinander treffen und gezwungen sind, miteinander auszukommen. Streit und Auseinandersetzungen sind Ausdruck dieser Situation. Das führt vielfach zu Stress, verminderter Motivation und Kreativität, zu einem schlechten Arbeitsklima und reduzierten Leistungen.

Andererseits können sich in einem allzu harmonischen Miteinander innovative Ideen nicht entwickeln. Konflikte sind für den Fortschritt durchaus sinnvoll, vorausgesetzt, man geht entsprechend mit ihnen um. Grundsätzlich sollten Sie davon ausgehen, dass Sie Menschen nicht ändern können. Werden Sie ein Meister in der Kommunikation, dann können Sie Menschen in der richtigen Art und Weise beeinflussen und diese ändern sich von selbst.

Jeder Mensch kann für den anderen zu einer Provokation werden, jeder von uns hat einen sogenannten Anti-Typ, auf den er „allergisch“ reagiert. Dennoch müssen wir alle miteinander auskommen. Mit folgenden Tipps kann das besser gelingen:

  • Versetzen Sie sich in die Lage Ihres Kollegen.
  • Wie nehmen Sie ihn wahr, wie nehmen ihn andere wahr und wie will er wahrgenommen werden?
  • Fragen Sie sich, was will er wirklich sagen und was ist Ihre Interpretation seiner Aussage?
  • Greifen Sie möglichst nicht an, denn Angriff erzeugt Widerstand.
  • Formulieren Sie Ich-Botschaften.
  • Wie werden Sie wahrgenommen? Prüfen Sie, ob Ihr Bild von sich mit dem übereinstimmt, das andere von Ihnen haben. Fragen Sie Kollegen, mit denen Sie sich gut verstehen.
  • Analysieren Sie, warum Sie manche Kollegen nicht mögen. Verändern Sie Ihr Verhalten, dann ändert sich auch der andere.
  • Pflegen Sie Ihre Kontakte im Team. Das stärkt Ihre Position.

Apropos Kontakte: Und wie steht es mit Ihren Kontakten? Haben Sie sich ein Netzwerk aufgebaut? Früher waren es die exklusiven Herrenclubs, zu denen nur die Creme de la Creme Zutritt hatte und in denen die wirklich wichtigen Entscheidungen getroffen wurden. Heute funktioniert das nicht viel anders, nur dass es viel mehr Möglichkeiten gibt, seine Kontakte zu pflegen und sich gegenseitig zu unterstützen. Wie oft geben gerade die persönlichen Beziehungen den Ausschlag.

Profilieren Sie sich in Interessensverbänden, Berufsverbänden, Clubs und Vereinen. Machen Sie sich einen Namen, pflegen Sie die Kontakte. Geben und Nehmen ist die Devise. Hier ist soziale Kompetenz gefragt: Die Fähigkeit, richtig mit anderen Menschen umzugehen, auf Ihre Wünsche und Bedürfnisse einzugehen. Jeder Mensch ist empfänglich für Aufmerksamkeit. Stellen Sie den anderen in den Mittelpunkt und Sie gewinnen einen neuen Freund. Hören Sie gut zu, seien Sie zuvorkommend und hilfsbereit. Was Sie geben, kommt zurück – nicht immer sofort. Langfristig zahlt es sich jedoch immer aus, für andere etwas zu tun.

Kontaktfähigkeit ist das Zauberwort nicht nur für die Netzwerke. Sind Sie überhaupt kontaktfreudig? Lernen Sie leicht Menschen kennen? Können Sie auf andere zugehen? Haben Sie ein gutes Personen- und Namensgedächtnis? Sind Sie ein Profi im Smalltalk? Bleiben Sie in Erinnerung? Machen Sie doch einmal einen kurzen Check:

  • In wie vielen Verbänden etc. sind Sie?
  • Wie viele Menschen haben Sie im letzten Monat kennengelernt?
  • Wie oft ist Ihre Initiative, einen flüchtigen Kontakt zu intensivieren von Ihnen ausgegangen?
  • Warten Sie eher, bis man Sie anspricht, oder machen Sie häufiger den ersten Schritt?
  • Fällt Ihnen das schwer oder haben Sie meist einen Gesprächseinstieg parat?
  • Sind Kontakte für Sie überhaupt wichtig?
  • Halten Sie sich für kontaktfreudig?
  • Haben Ihre persönlichen Beziehungen Ihnen auch schon geschäftlich genützt?

Das Prinzip von Geben und Nehmen

Das ist vielleicht auch einmal der richtige Augenblick, sich selbst die Frage zu stellen „Bin ich denn überhaupt ein guter Freund?“ Aristoteles meinte, wir sollten uns selbst in eine Form bringen, die es uns erlaubt, Freundschaften einzugehen. Dazu gehören Respekt, gegenseitiges Wohlwollen und Zuverlässigkeit. Denn wie alles im Leben basiert Freundschaft auf dem Prinzip von Geben und Nehmen. Ebenso wie Teamarbeit. Die persönliche Beziehung, die emotionale Ebene ist oft viel wichtiger als die Fakten. Wir sehen das in der Politik. Gute persönliche Beziehungen zwischen Staatsmännern bewirken oft mehr als langjährige Verhandlungen.

[Bild: ©amridesign - Fotolia.com]

Informationsflut bewältigen: Mit RSS-Feeds den Überblick behalten

In der Arbeitswelt von heute ist es unerlässlich, sich fortzubilden und auf dem neuesten Stand seines Fachgebiets zu bleiben. Fachinformationen gibt es seit einiger Zeit nicht nur in Fachbüchern und Fachzeitschriften, sondern auch auf entsprechenden Webseiten im Internet. Aber auch über das aktuelle Tagesgeschehen kann sich der Internet-Nutzer einfach, aktuell und übersichtlich informieren, wenn er auf eine gedruckte Tageszeitung verzichten möchte.

Das Problem bei der Informationsbeschaffung via Internet ist nur, dass die Informationen nicht unaufgefordert zu uns kommen, sondern wir sie uns besorgen müssen. Sei es durch einen Newsletter, der uns regelmäßig darüber informiert, dass es etwas Neues gibt oder durch das tägliche Durchsuchen möglicherweise interessanter Webseiten.

Eine einfache Alternative bietet RSS. Denn dieser Service hilft, mit der Informationsflut zurechtzukommen, ohne dass wichtige Informationen verloren gehen.

Stichwort

RSS (Really Simple Syndication) ist ein plattformunabhängiges, auf XML basierendes Format. Es wurde entwickelt, um Nachrichten und andere Web-Inhalte auszutauschen und zusammenzufassen. Die Bereitstellung von Daten im RSS-Format bezeichnet man auch als RSS-Feed (engl. to feed – im Sinne von versorgen, einspeisen, zuführen). Er liefert dem Leser, wenn er einmal abonniert wurde, automatisch neue Einträge, indem der Client in regelmäßigen Abständen Anfragen zur Aktualisierung des RSS-Feed an den Server sendet.

Welche Vorteile hat RSS?

Der RSS-Feed bietet mehrere vielfältige Vorteile:

  • Schneller Überblick: Sie erhalten einen schnellen Überblick über die eingehenden Meldungen und können gut filtern, welche Informationen für Sie relevant sind.
  • Individuelle Einstellungsmöglichkeiten: Sie bestimmen zum Beispiel die Zeitabstände, in denen die Webseiten abgesucht werden.
  • Automatisch aktuell: Gerade bei Seiten, auf denen zwar selten, aber wichtige Aktualisierungen stattfinden, lohnt sich der RSS-Feed. Nach Neuigkeiten müssen Sie nicht suchen, sie kommen automatisch zu Ihnen.
  • Zeitersparnis: Sie müssen weder Newsletter noch Webseiten nach für Sie interessanten Informationen durchsuchen.
  • Anonymität: Der Sender sieht nicht, wer die Informationen über den RSS-Feed empfängt. Und Sie müssen auch keine E-Mail-Adresse angeben, wie das beim Newsletter erforderlich ist.
  • Unkompliziert: Ist erst einmal das passende Programm installiert, sind die An- und Abmeldung sowie Änderungen der jeweiligen RSS-Feeds sehr einfach zu handhaben.
  • Recherchemöglichkeit: Sie können einfach nach älteren Meldungen und Beiträgen recherchieren.
  • E-Mails können eingebunden werden: In den Feed-Reader können Sie auch Ihre E-Mails einfließen lassen.
  • Weiterverarbeitungsmöglichkeiten: Die Weiterverarbeitung der Informationen wird erleichtert zum Beispiel durch Ablagesystem, Kommentierungsmöglichkeit oder Markierungsoption.

Wie kann ich RSS nutzen?

Wer sich vom Nutzen dieser Informationsbeschaffung überzeugen möchte, benötigt zu aller erst einen RSS-Reader. Mit diesem Programm können RSS-Feeds abonniert und gelesen werden. Es gibt eine große Anzahl von Anbietern dieser meist kostenlosen Programme. Wie diese Programme installiert und genutzt werden, wird ziemlich genau in den Anleitungen beschrieben. Sie müssen nur darauf achten, dass der News-Reader von Ihrem Betriebssystem unterstützt wird. Hier finden Sie eine größere Auswahl an kostenlosen RSS-Readern:

http://www.rss-reader.de/ [128]

Wer keine Software installieren möchte, kann auch den eigenen Web-Browser zum Anzeigen der RSS-Feeds nutzen. Bei Mozilla Firefox beispielsweise klickt man dazu das Feed-Symbol im Suchfeld/Adressfeld einmal rechts an und so kann der Feed zu den Lesezeichen hinzugefügt werden. Diese Variante bietet sich vor allem dann an, wenn Sie nur einen RSS-Feed abonnieren möchten. Bei mehreren RSS-Feeds ist ein RSS-Reader nützlicher, da er übersichtlicher ist und Sie die Feeds besser verwalten können.

Wie erkenne ich Webseiten mit RSS-Feed?

Weitere Voraussetzung, dass Sie einen RSS-Feed Ihrer gewünschten Webseite abonnieren können, ist, dass die Webseite diesen Dienst anbietet. Es weisen Signete oder Links auf einen oder mehrere angebotene RSS-Feeds hin. Mittlerweile hat sich als Standard dieses Signet namens Feed Icon durchgesetzt:

Das richtige Zeitmanagement beim Nutzen von RSS

Wenn Sie viele RSS-Feeds abonniert haben, kann es zeitraubend sein, wenn Sie jede Meldung sofort öffnen und lesen. Dies stört den Arbeitsablauf. Sie sollten sich daher die Zeiten einteilen, in denen Sie die RSS-Feeds bearbeiten. Je nachdem, welche RSS-Feeds Sie abonnieren und wie intensiv Sie RSS nutzen möchten, sollten Sie sich entsprechende Zeitfenster einplanen. Für tagesaktuelle Nachrichten zum Beispiel zwei Mal pro Tag je zehn Minuten oder für Fachinformationen täglich einmal eine Viertelstunde.

Des Weiteren hilft ein Ablagesystem, mit dem Sie die wichtigen Informationen, die Sie noch nutzen möchten, einsortieren. Diese Meldungen können Sie dann zum Beispiel für Projekte oder Vorträge nutzen.

Damit die RSS-Feeds nicht überhandnehmen und Sie womöglich keine Zeit mehr für Ihre eigentliche Arbeit finden, sollten Sie die Abonnements regelmäßig auf Nützlichkeit überprüfen. Solche Feeds, die Sie nur selten oder gar nicht lesen, können Sie einfach wieder abbestellen. Dann schaffen Sie wieder Platz und Zeit für andere wichtigere Feeds.

RSS auf dem Vormarsch

Immer mehr Internetseiten bieten RSS an. Und auch die angebotenen Themen erweitern sich. Typische Webseiten, die RSS-Abonements zur Verfügung stellen sind beispielsweise:

  • Magazine (www.focus.de [129] , www.spiegel.de [130] )
  • Fachmagazine (www.business-wissen.de [131] )
  • Nachrichtenseiten (www.ftd.de [132] , www.zeit.de [133] )
  • Suchmaschinen (www.live.com [134] , www.yahoo.de [135] )

Aber auch andere Seiten bieten RSS-Feeds an:

  • Börsenmeldungen (www.finanzen.net [136] )
  • Immobilien (www.wohnpool.de [137] )
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  • RSS-Nachrichten
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[po; Bild: ©Alex Kalmbach - Fotolia.com]

 

Untersucht: Projektmanagement im deutschen Mittelstand

Besonderes Merkmal dieser Untersuchung ist der Fokussierung auf mittelständische Unternehmen mit 100 - 1.000 Mitarbeiter. Angesichts der Tatsache, dass über 40 Prozent der innerdeutschen Nettowertschöpfung in Betrieben dieser Größe erwirtschaftet werden, lohnt es sich, hier näher hinzuschauen: Wenn effektives Projektmanagement tatsächlich entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens ist - und davon gehen alle bisherigen Studien aus - dann stellt sich die spannende Frage, inwieweit es dem Mittelstand inzwischen gelungen ist, Projektmanagement als Organisationsform und Methode im betrieblichen Alltag zu verankern.

Die Autoren der Studie gingen bei ihren Vorüberlegungen davon aus, dass im deutschen Mittelstand eine sehr pragmatisch geprägte Herangehensweise an das Thema Projektmanagement anzutreffen ist. Desweiteren erwarteten sie einen relativ niedrigen Ausbildungsstand im Projektmanagement. Beide Grundannahmen werden durch die vorliegenden Ergebnisse bestätigt, mit einigen interessanten zusätzlichen Erkenntnissen:

  • Die Definition eines Projekts ist im Mittelstand durch drei Faktoren determiniert:
    • definierte Zielsetzung,
    • inhaltliche Begrenzung und
    • zeitliche Befristung.
    Alle weiteren Kriterien aus der Fachliteratur wie Budget, Einmaligkeit, Innovationscharakter, abteilungsübergreifendes Thema, sind für die tägliche Praxis offenbar nur von geringer Bedeutung.
  • Projektarbeit zieht sich auch im Mittelstand durch alle Unternehmensbereiche, wobei Projektteammitglieder und Projektleiter multitaskingfähig sein müssen, denn 82,2 Prozent der mit Projektarbeit befassten Mitarbeiter sind in bis zu fünf Projekte gleichzeitig involviert.
  • Das wichtigste Kriterium für Projekterfolg ist die Erreichung der Sachziele, gefolgt von den Qualitätszielen. Der Faktor Zeit folgt erst an dritter Stelle und nur 40,4 Prozent der Befragten geben an, dass die Einhaltung des Budgetrahmens ein wichtiges Erfolgskriterium ist.
  • Bei Planabweichungen oder Störungen werden am Leistungsumfang des Projekts keine Abstriche gemacht, sondern eine Verlängerung der Projektlaufzeit ist das Mittel der Wahl. Allerdings findet fast die Hälfte aller Befragten die Ressourcen Zeit und Personal in Projekten grundsätzlich zu knapp bemessen.
  • Anreize/Boni für erfolgreiche Projektarbeit sind rar und werden, wenn überhaupt, nur in Form von Freizeitausgleich oder Prämien gewährt. Verbesserte Karrierechancen werden erst an dritter Stelle genannt, Gehaltserhöhungen folgen an letzter Stelle und kommen, wenn überhaupt, nur in kleinen Unternehmen vor.
  • Mit den Stakeholdern von Projekten wird im deutschen Mittelstand eher intuitiv umgegangen. Eine offensive Kommunikation ist so gut wie gar nicht anzutreffen.
  • Inselartig verstreute Projektarbeit, anstelle einer konsequenten Einbettung des Projektmanagement-Systems in die Unternehmensumwelt ist weit verbreitet. Projektmanagement-Standards spielen eine absolut untergeordnete Rolle.
  • Praxisnahes Lernen (wie beispielsweise Training-on-thejob) ist im Bereich Projektmanagement wesentlich öfter anzutreffen als Seminare, Trainings oder Ausbildungen. Allerdings erwarten vor allem kleinere und mittlere Unternehmen in den nächsten beiden Jahren eine Zunahme der Qualifizierungsmaßnahmen im Projektmanagement.
  • Der deutsche Mittelstand ist überwiegend hierarchisch in Linienstrukturen organisiert. Bei der Ernennung von Projektleitern geben daher hauptsächlich Vorgesetztenentscheidungen den Ausschlag, erst dann geht es auch um die persönliche Eignung der Kandidaten.
  • Risikobewusstsein in Projekten ist im deutschen Mittelstand zwar vorhanden, hat aber kaum Einfluss auf die tägliche Projektarbeit.
  • Eine Risikoanalyse vor Projektstart ist sehr selten anzutreffen. Die Gründe hierfür könnten unter anderem auch in dem derzeitigen Ausbildungsstand der Projektleiter und Teammitglieder liegen, denn für eine ausgefeilte Projektrisikoanalyse ist Spezialwissen nötig, über das die Unternehmen im Allgemeinen nicht verfügen.

Festzustellen ist, dass mittelständisches Projektmanagement momentan einen relativ niedrigen Grad an Methodennutzung aufweist. Positiv hierbei wirkt sich aus, dass das System sehr flexibel gehandhabt wird und somit auch in Unternehmen Anwendung findet, die mit geringer personeller Ausstattung an große Aufgaben herangehen.

Dieser geringe Grad an Formalisierung führt allerdings zusammen mit dem Mangel an fundierter Projektmanagementausbildung an mancherlei Stellen auch dazu, dass Ressourcen verschwendet werden, weil das Wissen um Effizienzsteigerung durch den Einsatz einer Projektmanagement-Methodik nicht vorhanden ist oder nicht genutzt wird.

Hinweis

Die Studie steht kostenfrei zum Download bereit:

Projektmanagement 2008, Fakten und Trends zum Projektmanagement im deutschen Mittelstand 2008 [146]

[po; Quelle: Haufe Akademie; Bild: ©Falko Matte - Fotolia.com]

Unternehmensveränderungen: Wie Unternehmen den Wandel kommunizieren

Wie gehen Firmen mit Veränderungen um? Wie erfolgreich kommunizieren sie die Auswirkungen von Fusionen, Geschäftseinbrüchen oder neuen Technologien? Die aktuelle Umfrage des Fachgebiets Kommunikationswissenschaft insb. Journalistik der Universität Hohenheim analysiert, wie Firmen unterschiedlicher Branchen und Größen die Kommunikation der Veränderungen einschätzen.

Der Wandel ist längst in den Unternehmen angekommen. Neun von zehn Kommunikationsverantwortlichen der befragten deutschen Top 250- und DAX-Unternehmen sagen, dass sie regelmäßig große Changeprojekte den Mitarbeitern, aber auch externen Zielgruppen gegenüber erklären. Die Kommunikation des Wandels ist für sie zum Alltag, doch noch nicht zur Routine geworden.

Einige Typen von Change kommen im Unternehmensalltag besonders häufig - fast jährlich - vor, beispielsweise die Umstrukturierungen. Andere wiederum sind meist in größeren zeitlichen Abständen - alle zwei bis drei Jahre - zu bewältigen. So gilt es beispielsweise, neue Personen im Top-Management in der internen und externen Öffentlichkeit bekannt zu machen. Der häufigste Changetyp, den 59 Prozent der befragten Firmen mindestens einmal im Jahr bewältigen, sind technische Innovationen, die den Menschen erklärt werden müssen (Platz 1).

48 Prozent der Unternehmen geben auch an, dass sie jährlich mit größeren Projekten befasst sind, um ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nachzukommen. Somit stehen Corporate Social Responsibility-Projekte

Management der Emotionen unterschätzt

Unternehmen fusionieren, gliedern einzelne Geschäftsbereiche aus und andere wiederum ein. Die Personen im Top-Management wechseln. Auch aktuelle Krisen, die beispielsweise durch kritische Medienberichte ausgelöst werden können, verlangen nach Veränderungen im Unternehmen.

Welcher Typ des Wandels auch immer auf der Agenda der Kommunikationsverantwortlichen in den Firmen steht: Die meisten Projekte scheitern an einigen wenigen, aber hohen Hürden. 49 Prozent der befragten Unternehmen geben zu, dass sie die Kommunikation des Wandels ohne oder mit einer völlig diffusen Strategie angehen, weil sie von der Wucht der Veränderungen oder von sprunghaften Geschäftsentscheidungen überrascht werden und dadurch unvorbereitet sind. Das sagt nahezu jedes zweite Unternehmen.

Hinzu kommt noch, dass 43 Prozent der Firmen klar erkennen, dass sie sich zu wenig an den emotionalen Bedürfnissen ihrer Mitarbeiter orientieren. Dadurch ist ihre Kommunikationsleistung nicht zielgruppengerecht. Claudia Mast, Professorin für Kommunikationswissenschaft der Universität Hohenheim, sagt:

"Mitarbeiter sind eben keine homogene, pflegeleichte Zielgruppe, die das erwartete Verhalten sofort zeigt, wenn man nur die richtigen Kommunikationsinstrumente einsetzt."

Sie ist der Meinung, dass viele Unternehmen das Management der Emotionen erst noch lernen müssen, und betont:

"Menschen sind bilanzierende Wesen, die Veränderungen erst einmal als Unsicherheiten erleben. Emotionen wirken dabei wie Vergrößerungsgläser."

Kein Wunder also, dass Unstimmigkeiten und Fehler in der Unternehmenskommunikation überproportionale Wirkungen haben. Viele Projekte scheitern am Widerstand oder der Gleichgültigkeit von Mitarbeitern und Partnern.

Führungskräfte müssen Wandel vorleben

Medieninformationen über das, was sich ändert, sind wichtig. Entscheidend für den Erfolg aber ist - so das Ergebnis der Umfrage - die direkte Kommunikation der Führungskräfte mit ihren Mitarbeitern. Nur wenn das Top-Management den bevorstehenden Wandel sichtbar und nachvollziehbar vorlebt und argumentativ vertritt, können Changeprojekte gelingen. In jedem siebten Unternehmen (14 Prozent) ist die mangelhafte Kommunikation der Manager letztlich die Ursache für das Scheitern von Vorhaben.

"Im Zeitalter der Informationsüberflutung und der emotionalen Unsicherheiten gewinnt die Face-to-Face-Kommunikation an Bedeutung. Führungskräfte sind gefragt als Kommunikatoren und Leader. Ihre Hausaufgabe ist es, die Ziele und Vorhaben zu interpretieren und in die Welt der Mitarbeiter und Partner zu transformieren",

betont Claudia Mast.

Zur Studie

Für die DAX-KOM-Umfrage 2008 wurden neben den DAX-Unternehmen (DAX, MDAX und TecDAX) auch die TOP 250 Unternehmen nach Umsatz befragt. Von 310 befragten Unternehmen beteiligten sich 86 an der Studie. Dies entspricht einer Rücklaufquote von 27,7 Prozent.

[po; Quelle: Universität Hohenheim; Bild: Fotolia.com]

Talent Management: Volleyball-Nationaltrainer Moculescu über Teamaufbau und Teamförderung

Wald-Michelbach — Abseits von der Alltagshektik saßen am Abend des ersten Seminartages zwölf Nachwuchstalente mit drei Führungskräften und mir in einem Seminarraum mit Blick über den Odenwald. Der Weitblick interessierte meine Teilnehmer in diesem Moment weniger als das, was der Volleyball-Nationaltrainer Stelian Moculescu über Olympia in Peking und seine Talentförderung berichtete.

Charaktereigenschaften müssen vorhanden sein

Überrascht stellten die jungen Führungskräfte fest, wie viel sich auf Führung im Unternehmen übertragen lässt und wie wichtig Eigenmotivation bei den Teammitgliedern ist. Moculescu formulierte zwei wesentliche Kriterien beim Führen einer Mannschaft: erstens das Führen der Gruppe und zweitens das Führen der einzelnen Spieler. Bei der Gruppe komme es auf die Mischung an, technische und spielerische Schwächen können trainiert werden, das Verhalten sitze jedoch.

„In mehr als zehn Jahren habe ich viele Talente gefördert und weiter gebracht, jedoch nur einen einzigen Spieler verändert“,

erklärte der Trainer. Charaktereigenschaften und sogenannte Social Skills bei den einzelnen Spielern müssen vorhanden sein, so Moculescus Erfahrung:

„Ich habe bei der Spielerauswahl immer besonders darauf geachtet, wie Spieler mit Misserfolg umgehen und wie sie sich verhalten, wenn sie verlieren.“

Bei der Auswahl hat er immer schon eine Vision, wie sich der einzelne Spieler entwickeln kann.

Die Kunst ist, die bei Laune zu halten, die gerade nicht mitspielen

Volleyball genieße in Deutschland keine besondere Förderung, obwohl es weltweit zu den meistgespielten Sportarten gehöre und mehr Volleyballverbände existieren als Fußballverbände. Hier locken keine hohen Spielergehälter. Um so wichtiger sei es, die Eigenmotivation der Spieler zu stärken. Er müsse sie erstens anregen, selbst etwas machen zu wollen und zweitens ihnen eine für sie persönlich erreichbare Vision aufzeigen. Neben der Gruppe kümmert sich Moculescu um jeden einzelnen Spieler: "Die Kunst ist, diejenigen, die gerade nicht spielen, bei Laune zu halten. Ersatzspieler erhalten noch mehr Aufmerksamkeit als eingesetzte Spieler, damit sie motiviert bleiben.“ Dabei spiele Glaubwürdigkeit eine große Rolle. „Ich halte, was ich verspreche und lebe die Prinzipien vor“, erklärt der Trainer aus Leidenschaft.

Keine Schuldigen nach einem schlechten Spiel

Er setzt auf Lob und persönliches Engagement, lebt selbst Leidenschaft und Einsatz vor und trainiert die Schwachstellen mit den Spielern. Er kritisiert grundsätzlich wenig, wenn dann nur unter vier Augen – und schon gar nicht nach einem schlechten Spiel. Nach einem Misserfolg schlagen die Emotionen hoch. „Als Trainer muss ich die Mannschaft dann schützen und die Verantwortung für das Teamergebnis übernehmen.“ Nach seinen wichtigsten Führungsprinzipien gefragt, sagt Moculescu: „Glaubwürdigkeit, Leidenschaft vorleben, Verlässlichkeit in den Aussagen und das Einbeziehen der Familien.“

In den Pausen spricht Moculescu nur mit einzelnen Spielern, die das Spiel noch beeinflussen können, und lässt die anderen Spieler durchatmen. Ich selbst hatte es mir nicht nehmen lassen, ihn während der Olympischen Spiele im Fernsehen zu beobachten. Moculescu ist extrem ruhig, auch in den Spielen, die weniger gut laufen.

Nachwuchs motivieren und Platz zum Nachrücken schaffen

Das Fördern der Eigenmotivation ist in der Wirtschaft eher ungewöhnlich, was mich an Moculescus Kriterien überrascht hat. Es fällt erfahrungsgemäß in den Unternehmen eher schwer, den Nachwuchs zu motivieren, meist werden die Top-Leute stärker gefördert.

Einen weiteren wichtigen Unterschied sehe ich in der Perspektive, die der Coach den Spielern bietet. Er holt Leute mit Potenzial, um sie aufzubauen, motiviert sie, indem er mit ihnen an ihrem Ziel arbeitet, und lässt sie dann gehen – ähnlich wie Eltern ihre Kinder fördern. Er bildet sie aus, um sie weitergehen zu lassen. Es gibt wenige Unternehmen, die das machen und damit neuen Platz für nachrückenden Nachwuchs schaffen.

Hewlett-Packard-Nachwuchskräfte üben Interaktion beim Team-Training auf der Terrasse des ehemaligen Trommer Hofs.

Der erste Fehler entsteht bereits bei der Auswahl

Eher intuitiv achtet Moculescu auf eine Mischung aus Eigenschaften in seinem Team – eine Mischung aus sozialen Rollen.

„Ich überlege bei jedem Spieler, passt er ins gesamte Team und welche Position kann er ausfüllen. Meist entsteht der erste Fehler bereits bei der Auswahl: Jeder der einen eigenen Kopf hat, wird schon aussortiert“,

so Moculescu über Fehler in der Nachwuchsförderung.

Ein gutes Ergebnis entstehe mit einem Mix aus verschiedenen Talenten. Nur wenige Stunden zuvor hatte ich mit den Teilnehmern das Belbin-Modell ausführlich diskutiert - ein Team-Modell, das der Engländer Belbin vor rund 30 Jahren entwickelt hat. In seinem Modell definierte er acht Rollen – vom Coordinator bis zum Completer-Finisher.

In einem Planspiel untersuchten die Nachwuchskräfte bereits vor dem Gespräch mit Moculescu, welche der acht Rollen im Team-Modell von Belbin am besten zu ihnen passen und welche Auswirkungen die Rollenbesetzung auf ein Projekt haben kann. Ziel des Planspiels war nicht das Festlegen auf eine Rolle, sondern das Entwickeln eines Bewusstseins für die unterschiedlichen Qualitäten und Eigenschaften, die in einem erfolgreichen Projektteam zusammenwirken. Die Relevanz dieser Erkenntnisse wurde durch die Ausführungen von Moculescu noch verstärkt.

Talent Management Programm

Reflexion gehört zu allen vier Modulen des Talent Management Programms, in dem sich junge Nachwuchskräfte bei Hewlett-Packard mit Führungsverhalten, der eigenen Persönlichkeit und ihren Zielen auseinandersetzen. Während des Programms treffen sich die Teilnehmenden an jeweils zwei Tagen zu den Themen

  • Profilbildung – Marketing-Konzepte für mich selbst
  • Leadership – Führen in stürmischen Zeiten
  • Teamentwicklung – Teams zu Höchstleistungen führen
  • Ein starker Auftritt – Erfolgsprinzipien für die eigene Entwicklung

Zu jedem Modul wird nach dem ersten Tag in einem Abendseminar ein praxiserfahrener Redner zum Thema geladen, mit dem die Erfahrungen diskutiert werden. Am darauffolgenden Tag setzen sich die Teilnehmenden mit den wesentlichen Botschaften auseinander: Was bedeutet dies für mich als Führungskraft? Lässt sich das Gesagte auf Unternehmen übertragen und welche Voraussetzungen braucht es?

Ich führe dieses Programm zum vierten Mal seit 2004 durch. Ich möchte mit der Mischung aus Planspielen, Diskussion und Praxiserfahrung lebendiges Lernen ermöglichen. Das Unternehmen will mit dem Programm talentierte Mitarbeiter/-innen gewinnen, motivieren und weiterentwickeln.

Über Stelian Moculescu

Stelian Moculescu trainiert seit 1997 den VfB Friedrichshafen. Dieser gewann in den vergangenen zehn Spielzeiten 17 von 20 möglichen Titeln. Acht Meisterschaften, neun Pokalsiege sowie neun Teilnahmen an der European Champions League. 2007 waren dies die Deutsche Meisterschaft, der DVV-Pokal sowie die Champions League. Moculescu wurde 2007 Europas Trainer des Jahres. 2008 qualifizierte sich die Deutsche Nationalmannschaft nach 36 Jahren zum ersten Mal mit ihm für Olympia und erreichte in Peking den neunten Platz.

Hoher Stellenwert: Wissensmanagement im Qualitäts- und Projektmanagement

In der Studie zum Thema Wissensmanagement im Projekt- und Qualitätsmanagement geben 50 Prozent der Befragten im Qualitätsmanagement und knapp über 40 Prozent der Befragten im Projektmanagement an, dass sie für die Zukunft bereits konkrete Vorhaben im Wissensmanagement geplant haben. Prof. Klaus Tochtermann, Geschäftsführer der Know-Center GmbH:

„Die Studie belegt einmal mehr, dass Wissensmanagement eine Disziplin ist, die sich nicht losgelöst von jeglichem Kontext betreiben lässt. Je klarer der Kontext und das Anwendungsfeld für Wissensmanagement definiert sind und je konkreter die Anforderungen an Wissensmanagement formuliert sind, umso eher lässt sich Wissen erfolgreich managen. Mit der vorliegenden Wissensmanagement-Studie liefern wir der Praxis konkrete Ansatzpunkte für die Performance-Steigerung von Organisationen.“

Bei der Definition von Wissen sind sich die befragten Praxisexperten einig: Wissen ist Information, welche in einem bestimmten Kontext Handlungs- und Entscheidungsrelevanz besitzt. Soll Wissen geteilt werden, ist eine einheitliche Interpretation des Kontexts nötig. Ebenso einig sind sich die Experten, dass Wissen eng an Personen gebunden ist. Denn es sind stets Menschen, die den Kontext von handlungs- und entscheidungsrelevanten Informationen bestimmen, wahrnehmen und einschätzen.

Im Projektmanagement sehen die befragten Experten eine besonders starke Bindung von Wissen an Personen. Hier leben und handeln nach ihrer Einschätzung noch viele nach dem Grundsatz „Wissen ist Macht“.

Freiräume schaffen für die Wissensarbeit

Beide Gruppen, die Projekt- und die Qualitätsmanager, sind der Überzeugung, dass die Kernaufgaben des Wissensmanagements darin liegen, dem Einzelnen einen individuellen Zugang zu relevantem Wissen zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus müssen Freiräume geschaffen werden, in denen Wissen von den Mitarbeitern „selbstmotiviert“ und freiwillig erzeugt, genutzt und weiterentwickelt werden kann.

Eindeutig erkennbar wird in der Studie, dass sowohl im Projekt- als auch im Qualitätsmanagement die strategische Komponente des Wissensmanagements stark vernachlässigt bis gar nicht berücksichtigt wird. In der Praxis fehlt es dem Wissensmanagement deshalb oft an Zielsetzung und Orientierung. Gleichzeitig wird Wissensmanagement in Unternehmen mehrheitlich nicht als eigenständige Disziplin und bedeutendes Element des gesamten Managementsystems gesehen.

Das Wissensmanagement ist laut Studienergebnis keine Funktion, die ausschließlich von eigens damit beauftragten Mitarbeitern übernommen werden sollte. Vielmehr ist es wesentlich, dass die „Key-Player“ im Wissensmanagement per Arbeitsdefinition auch in den Fachbereichen einer Organisation gut verankert sind. Diese Fachkompetenz der Key-Player im Unternehmenskontext gilt als Grundvoraussetzung für die nötige Akzeptanz von Wissensmanagement bei den Mitarbeitern.

Das Potenzial bestehender IT wird unterschätzt

Technische Lösungen und Tools stehen nach Ansicht der Qualitäts- sowie der Projektmanager im Gegensatz zum „Faktor Mensch“ nicht im Mittelpunkt von Wissensmanagement. Sie bieten jedoch laut einheitlicher Meinung der Studienteilnehmer eine sehr hilfreiche Unterstützung. Insbesondere aus Sicht der befragten Qualitätsmanager liegt ein enormes, aber oft unerkanntes

Nutzenpotenzial darin, bereits im Einsatz befindliche IT-Lösungen speziell aus der „Wissensperspektive“ zu betrachten und im Sinne von Wissensmanagement zu nutzen. Dass ein erfolgreiches Wissensmanagement einen positiven Beitrag zu den Schlüsselergebnissen einer Organisation liefert, wurde von allen Befragten unterstrichen.

Aus den Ergebnissen der Expertenstudie des Know-Center lassen sich ergänzend folgende Erkenntnisse ableiten:

  • Wissensmanagement ist ein Management- und Führungsthema und somit auch zwingend auf der Führungsebene zu verankern.
  • Wissensmanagement muss stets individuell definiert und gestaltet werden
  • Wissensmanagement lebt von der Motivation der beteiligten Menschen.
  • Die Sichtweisen zu Wissen und Wissensmanagement unterscheiden sich zwar innerhalb einer Organisation, so auch zwischen den Bereichen Qualitäts- und Projektmanagement, die dem Wissensmanagement zugrunde liegenden Informationen sind jedoch stets dieselben.

Zur Studie

Im Rahmen der Studie wurden 150 Experten aus österreichischen Unternehmen befragt. Die Ergebnisse aus der Expertenstudie wurden in Form zweier Studienberichte verdichtet. Die darin enthaltenen Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen richten sich vorrangig an Projekt- und Qualitätsmanager. Ebenso richten sich die Erkenntnisse und Anregungen generell an Personen mit Managementfunktion.

Beide Studienberichte sind im PDF-Format über die Website des Know-Center (www.know-center.at [147] ) sowie die Website der SUCCON (www.succon.at [148] ) beziehbar. Die umfassend kommentierten Berichte sind zu einem Preis von je  180,- Euro zzgl. MwSt. erhältlich.

[po; Quelle: Know-Center GmbH; Bild: Fotolia.com]

Prozessoptimierung: Schlanke Geschäftsprozesse sind schnell und effizient

Prozesse, die mit minimalen Ressourcen (Mensch, Maschine, Material) gefahren werden, bewegen sich in der Regel kontinuierlich im Grenzlastbereich, was den Verschleiß erhöht. Um mithilfe des Business Process Management (BPM) schlanke, aber auch ‚gesunde’ Prozesse zu erreichen, die einen Kundenmehrwert auf höchstem Qualitätsniveau ermöglichen, empfiehlt es sich, zunächst den obersten Prozessmanager im Unternehmen festzulegen. Dieser handelt im Auftrag der Geschäftsleitung und berichtet ihr. Außerdem ist zu garantieren, dass die Prozessbeteiligten frühzeitig involviert werden.

Dann sind alle Ressourcen, angefangen bei den Qualifikationen der Mitarbeiter über die IT-Systeme, Datenbanken, Archive, Materiallager, Maschinen, Vorrichtungen, Werkzeuge, Transporteinrichtungen bis hin zu den beschreibenden Dokumenten und Kennzahlen etc., die für eine detaillierte Prozessbeschreibung erforderlich sind, zu erfassen und zu beschreiben. Meist sind diese Daten bereits in einem ERP-System vorhanden.

Nun können die Prozesse beschrieben werden. Der Top-Down-Ansatz eignet sich ausschließlich bei neu zu gründenden Unternehmen und Standorten und dient im Regelfall zur Definition idealer Prozesse, die meist Abbildungen aus der Welt der „Best Practices“ sind. Diese dienen als Vergleichsmaßstab für die eigenen Ist-Prozesse und zeigen die möglichen Optimierungspotenziale auf.

In einer vorhandenen Firmenumgebung mit bereits existierenden Abläufen auf der sogenannten Workflow-Ebene lässt sich ein typisches BPM-Projekt jedoch am besten an einem konkreten Beispiel darstellen, wie es das folgende Szenario beschreibt.

Nehmen wir an, ein Montageteam arbeitet vor Ort an einer Anlage und benötigt ein Ersatzteil für den Austausch. Die Lieferung erfolgt einerseits, falls das Teil vorrätig ist, aus dem Zentrallager und wird mit der eigenen Logistikversorgung verbracht, andernfalls muss das Teil vom Einkauf kurzfristig beschafft werden.

Bild 1: Prozessfolge Ersatzteil beschaffen

Die Analyse der Prozessfolge zeigt unmittelbar die Schnörkel und Schleifen. Es sind die unnötigen Rückkopplungen zwischen Montageteam und Einkauf und das Handling der unfertigen Leistungen. Das Prinzip „Mach es gleich richtig“ wird hier sträflich vernachlässigt. Unfertige Informationen werden „über den Zaun“ geworfen in der Hoffnung, dass der nachfolgende Bearbeiter schon damit klar kommt.

Auch ist ein Zentrallager mit hoher Kapitalbindung nicht mehr zeitgemäß. Wichtiger und besser wäre ein Partner, der über seine Logistik eine Lieferung, nach unterschiedlichen zeitlichen Prioritätsstaffeln (4, 8,12 Stunden), anbieten kann. Das ist dann meist schneller, als dies die eigene Organisation leisten kann, da Logistikspezialisten genau an dieser Stelle den entscheidenden Vorsprung haben.

Die Frage ist nun nicht: „Wie können wir den vorhandenen Prozess verbessern?“ sondern: „Wie erfüllen wir das Grundsatzprinzip ‚Mach es gleich richtig’?“. Dieser radikalere Ansatz führt unmittelbar in das „Business Process Reengineering (BPR)“, denn der vorhandene Prozess ist über Kaizen nicht wirklich zu retten.

Im aufgeführten Beispiel wird für den BPR-Ansatz zunächst ein eProcurement-Partner benötigt, der die Teile in sein eProcurement-Portal aufnimmt, sodass sie elektronisch von jedem Montageort geordert werden können. Dass dies, bezogen auf die Teile, etwas teurer werden kann, ist auch klar. Die Bündelung aller Einkaufsaktivitäten auf diesen Partner würde aber über entsprechende volumenorientierte Rabattstaffeln den Preis pro Ersatzteil deutlich günstiger gestalten. Das heißt, der gesamte Einkauf würde zukünftig über ein eProcurement-System mit nur einem Partner erfolgen.

Die Aufnahme der Ersatzteile in den eProcurement-Katalog ermöglicht nun einen Bestellabruf direkt von jeder Montagestelle. Dem Montageleiter wird ein Laptop mit Funkanbindung (WLAN/Edge/3G) zum Internet zur Verfügung gestellt. Er kann dann über einen Standardbrowser jederzeit auf den Katalog zugreifen, um sein Ersatzteil in der entsprechenden Logistik-Prioritätsstufe zu ordern. Der Freigabeprozess der Bestellung erfolgt über den Workflow des Portals. Damit sind die Verantwortlichen jederzeit über alle Einkaufsaktivitäten der Teams im Bilde. Die Lieferung erfolgt immer vom Lieferanten Just-in-Time an die Montagestelle. Der gesamte Anforderungsprozess reduziert sich somit auf nur einen simplen Prozessschritt.

Bild 2: Prozess „Material bestellen“

Zusätzlich vereinfacht sich die Abrechnung der Bestellungen durch die direkte Rechnungsübertragung aus dem Portal in elektronischer Form (EDI) in das hauseigene ERP-System.

Schlanke Prozesse haben, wie gesagt, keine Schnörkel! Sie sind nüchtern, pragmatisch und geradlinig. Sie folgen vorgegebenen Einzelschritten, verzweigen nach definierten Regelwerken, werden parallelisiert und wieder zusammengeführt, vernetzt mit anderen Schrittfolgen und gegebenenfalls auch rückgekoppelt, um den Fehlerfall zu bearbeiten. Das Wichtigste kommt aber wie immer zum Schluss: Jeder Einzelschritt (Teilprozess) produziert ein wohl definiertes Ergebnis. Ein messbares Ergebnis, gemessen in einer vordefinierten Metrik, beurteilt vom Empfänger der Leistung. Dieses Prinzip ist selbstverständlich im Umgang mit externen Partnern (Kunden). Warum also ist es nicht auch gültig für unsere internen Partner? Unser Kunde zahlt nur für Produkte und Dienstleistungen, wenn Preis, Qualität und Leistung stimmen. Warum sollte sich unser interner Kunde anders verhalten? Für das Prozessergebnis intern sollten also dieselben Regeln gelten wie außerhalb.

Fazit: Basis, um unsinnige Prozessabläufe zu erkennen, ist eine graphische Darstellung von Prozessfolgen. Natürlich generiert eine graphische Darstellung allein noch keinen neuen Prozess, aber zumindest zeigt es allen Prozessbeteiligten, wo die Geldvernichtung stattfindet. In dem Beispiel ist der Einkauf anschließend von den Standardfällen der operativen Bestellung befreit, und die schnelleren, präziseren Prozessabläufe sind für das Montageteam wesentlich. Entscheidend für die Geschäftsleitung ist aber der Return on Invest (ROI), der bei dieser Vorgehensweise, wie unsere Erfahrungen aus ähnlichen Projekten in der Industrie zeigen, meist schon im ersten Jahr gegeben ist. Danach wird richtig Geld gespart. Und das ist erst der Anfang.

[Bild: Fotolia.com]

SEPA: Ab 2009 auch Lastschriften gemäß internationalen Standards möglich

Grundsätzlich eröffnet SEPA enorme Vorteile in der Disposition und Steuerung von grenzüberschreitenden Zahlungen. Nicht nur multinationale Unternehmen, sondern auch Firmen mit internationaler Ausrichtung sollten sich frühzeitig mit den SEPA-Anforderungen vertraut machen. DHPG-Wirtschaftsprüfer Willi Zimmermann mit langjähriger Erfahrung im internationalen Cash-Management weiß:

"Mit einer Vielzahl von Auslandskonten verschenken viele Unternehmen wertvolle Liquiditätsreserven."

SEPA eröffnet der Wirtschaft die Möglichkeit, alle Zahlungsprozesse über ein einziges Konto zu steuern. DHPG-Experte Zimmermann betont:

"Für Firmen mit EU-weiten Geschäftsbeziehungen können sich enorme Optimierungspotenziale bieten."

Spätestens jetzt wird SEPA für die breite Wirtschaft zum Pflichtthema. Ab November 2009 soll in allen EU-Staaten sowie Liechtenstein, Island, Norwegen und Schweiz auch die SEPA-Lastschrift eingeführt werden. Letztlich sind der richtige Zeitpunkt und die richtige Organisation einer SEPA-Umstellung frühzeitig zu prüfen. Auch Unternehmen ohne nennenswertes Auslandsgeschäft können sich dem Thema nicht auf Dauer entziehen. Die nationalen Überweisungs- und Lastschriftverfahren werden ganz außer Dienst gestellt, sobald eine "kritische Masse" an SEPA-Teilnehmern erreicht ist.

Bereit für SEPA?

Noch ist die Umstellung auf grenzüberschreitende Zahlungsinstrumente nicht verpflichtend, doch der europäische Zahlungsraum rückt näher. Wer rechtzeitig die SEPA-Fähigkeit sicherstellt, kann sich bietende Kosten- und Zeitvorteile gezielt nutzen. Die DHPG-Experten sehen gerade bei international agierenden Firmen Handlungsbedarf.

  1. Sparpotenziale analysieren: Grenzüberschreitende Transaktionen über Auslandskonten verursachen einen hohen Aufwand und erschweren das Liquiditätsmanagement. Je größer das Zahlungsaufkommen innerhalb Europas ist, desto eher lohnt sich eine Umstellung auf SEPA. Der Zahlungsverkehr lässt sich über einzelne Konten bündeln.
  2. Bankdaten aktualisieren: Die Zeit der bisher üblichen Bankdaten ist gezählt. SEPA-Transaktionen erfordern internationale Kontonummern (IBAN), Bankleitzahlen (BIC) und Ermächtigungsformulare. Firmen sollten frühzeitig die neuen Daten bei ihren Geschäftspartnern erfragen und in die Stammdaten der Finanzbuchhaltung einpflegen.
  3. Systeme modernisieren: Viele altgediente Programme im Finanz- und Rechnungswesen sind nicht SEPA-fähig. Bei IT-Neuanschaffungen uns Systemergänzungen sollte die SEPA-Tauglichkeit ein wichtiger Prüfpunkt sein. So lässt sich ein europaweiter Zahlungsfluss im Vorfeld besonders effizient planen, steuern und kontrollieren.
  4. Pilotprojekte definieren: Ein grenzüberschreitender Zahlungsverkehr erfordert zum Teil ganz neue Prozessabläufe. Fehler bei der SEPA-Umstellung können hohe Folgekosten nach sich ziehen. Und Kunden massiv verärgern. Es empfiehlt sich einen Koordinator zu benennen, der einen routinierten Gesamtablauf in einem Pilotprojekt erprobt.

[po; Quelle: DHPG; Bild: Fotolia.com]

Technologischer Wandel: Auswirkungen digitaler Trends auf Unternehmen

Dies hat eine aktuelle Studie des CSC Leading Edge Forums (LEF) ergeben. Im Zuge dieser Welle nimmt die mit der Verbreitung des Internets begonnene Informationsrevolution die nächste Stufe ihrer Entwicklung. In dieser Phase werden sich neue Industrien herausbilden und die großen Produktivitätssteigerungen durch das Internet weiter zunehmen. Außerdem werden soziale, wirtschaftliche, politische und kulturelle Normen infrage gestellt. Alex Fuss, LEF-Mitarbeiter und Forschungsleiter der CSC-Studie, erklärt:

„Die vernetzte Informationswirtschaft ist durch Wellen bahnbrechender digitaler Veränderungen geprägt, welche die Art und Weise unserer Arbeit, sozialen Kontakte und Werte bestimmen. Die aktuellen Umwälzungen treiben diese neue Wirtschaftsentwicklung sowie Produktivität maßgeblich voran. Damit könnten sie die größte Herausforderung für den derzeitigen Status quo sein.“

Die Forscher des LEF haben sieben Entwicklungen identifiziert

  1. Neue Medien: Medien werden zunehmend von Konsumenten beeinflusst, interaktiver, sozialer, angepasster an individuelle Nutzeranforderungen sowie personalisierter. Die heutigen Mediennutzer sind sowohl Quelle für neue Inhalte als auch eine potenzielle Bedrohung für traditionelle Medien.
  2. Leben in einer neuen Realität: Mediennutzer stehen heute zunehmend einer vermischten physischen und virtuellen Realität gegenüber. Neue Technologien unterstützen Unternehmen beispielsweise bei der virtuellen Verwaltung von Rechenzentren, Studenten profitieren von realistischeren Simulatoren in vielfältigen Lernbereichen, und Verbraucher können wirklichkeitsgetreu Kleidung zusammenstellen und an ihre Anforderungen anpassen.
  3. Soziale Macht: Soziale Netzwerke werden zum Ausgangspunkt für Erfahrungen im Internet. Im Unternehmen trägt diese soziale Antriebskraft auch zur Umsatzsteigerung bei. Denn Unternehmen können mit dieser Kompetenz schneller und besser informiert Entscheidungen treffen.
  4. Transparenz von Informationen: Bisher nicht erhältliche Informationen werden nun verfügbar. Damit erhalten Unternehmen einen umfassenden Überblick über ihren Bestand und können einen höheren Grad an Sicherheit, Effizienz und Innovation erreichen. Konsumenten profitieren von Produkten und Dienstleistungen, die spezielle auf ihre Anforderungen zugeschnitten sind.
  5. Neudefinition des Radios: Neue Hard- und Software-Lösungen erweitern die Möglichkeiten zur Kontrolle von Funkwellen und -signalen. Traditionelle Geschäftsmodelle wie AM- und FM-Radio veralten zunehmend. Technologien wie Software-konfigurierbares oder kognitives Radio beeinflussen die Verteilung von Bandbreiten. Dazu kommen neue Möglichkeiten und Architekturen wie virales Radio, das unendlich skalierbare Netzwerke ohne ein zentrales Basisnetz ermöglicht.
  6. Veränderung von Plattformen: Virtualisierung und Cloud Computing verändern aktuelle Rechnermodelle. Nutzer und Applikationen können jederzeit und überall auf Rechenleistung zugreifen. Zudem erweitern Nanontechnologie, Quantencomputer sowie molekular basierte und optische Rechner die bisher mit Silizium möglichen Leistungen. Dadurch erhöhen sich Rechnergeschwindigkeiten deutlich und ermöglichen neue Anwendungen und Herausforderungen.
  7. Kluge Anwendungen: Intelligentere Technologien übernehmen allmählich menschliche Fähigkeiten. Sie sind in der Lage, die Bedeutung von Mustern zu erfassen, selbstständig Daten zu interpretieren und zu verknüpfen sowie Entscheidungen abzuwägen und zu treffen. In der Zukunft wird es lebensechte virtuelle Assistenten, semantische Websuche sowie Unternehmensanwendungen geben, die Beziehungen über Daten- und IT-Systeme hinweg erkennen können. Endanwender sind so in der Lage, Geschäftsprozesse zu definieren. Darüber hinaus verbessert prädikative Verhaltenssoftware die Leistung von Mitarbeitern sowie Sicherheit und Produktivität.

Die dargestellten technologischen Entwicklungen beeinflussen sich zum Teil gegenseitig und bringen dadurch neue Trends hervor. So sind virtuelle Welten eng mit sozialen Netzwerken verbunden, die wiederum einen starken Einfluss auf neue Medien haben. Informationstransparenz ist eine Grundvoraussetzung für intelligentere Anwendungen, hängt aber gleichzeitig auch ab von innovativen Radiowellen und drahtlosen Applikationen. Neue Plattformen beeinflussen durchgängig alle Technologien. Alex Fuss vom CSC Leading Edge Forum sagt:

„Unternehmen müssen sich mit diesen Technologien auseinander setzen, wenn sie die von uns erwarteten Veränderungen in den kommenden Jahren erfolgreich bewältigen wollen. Diese bahnbrechenden Entwicklungen verändern Markt und Gesellschaft gleichermaßen. Nur wenn Unternehmen lernen, diese Technologien sinnvoll zu nutzen, können sie davon profitieren.“

Hier gelangen Sie zu einer Präsentation der Studienergebnisse:

Digital Disruptions: Technology Innovations Powering 21st Century Business [149]

[po; Quelle: CSC; Bild: Fotolia.com]

Projektwissensmanagement: Der Austausch von Projektwissen fördert den Projekterfolg

Auf rund 150 Milliarden Euro schätzen Experten die Schäden, die jährlich durch fehlerhafte Projektabwicklung entstehen. Und zwar allein in Deutschland. Angesichts dieser Größenordnung wird klar, welch enormes Potenzial in der Verbesserung des Managements von Projekten liegt. Welche Rolle spielt dabei der Umgang mit der strategischen Ressource Wissen?

Eine aktuelle Studie der Managementberatung Horváth & Partners und des Strascheg Institute for Innovation and Entrepreneurship (SIIE) in Kooperation mit der GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e.V. zeigt auf: Richtig angewandt verbessert Projektwissensmanagement die Effizienz und Effektivität von Projekten nachweislich.

Mehr als zwei Drittel der befragten Unternehmen schätzen das Potenzial des Konzepts als hoch ein. Eine wichtige Erkenntnis angesichts der zunehmenden Bedeutung von Projektarbeit. Andreas Wald, Professor am Competence Center Projektmanagement des Strascheg Institute for Innovation and Entrepreneurship (SIIE) der European Business School, schätzt:

„Der Anteil der Projektarbeit an der Gesamtwertschöpfung wird sich bis 2020 in etwa versiebenfachen. Doch bisher erreichen nur 13 Prozent aller Projekte ihre strategischen und operativen Ziele.“

Bastian Hanisch von Horváth & Partners stellt fest: Die Potenziale des Projektwissensmanagements reichen von der Vermeidung von Doppelarbeit und Wiederholungsfehlern über die Verbesserung der Genauigkeit von Schätzungen bis hin zur Erzielung von Synergieeffekten in parallel ablaufenden Projekten. Das systematische Generieren von Wissen in Projekten und die strukturierte Weitergabe in neue Projekte und die Linienorganisation zahlten sich für Organisationen aus.

So ergab die Studie: Über 50 Prozent der Unternehmen mit hohem Projektwissensmanagement-Erfolg erzielen auch hohe Erfolge in der Projektabwicklung. Umgekehrt weisen 57 Prozent der Unternehmen mit geringem Projektwissensmanagement-Erfolg auch einen geringen Projekterfolg auf.

Die Untersuchung liefert außerdem Erkenntnisse über die Erfolgsfaktoren, die für die Entfaltung der bestmöglichen Wirkung des Wissensmanagements in Projekten maßgeblich sind:

  • ein konkreter Verantwortlicher und Ansprechpartner,
  • die Integration externen Wissens,
  • die systematische Förderung von Wissensaustausch auf informeller Ebene sowie eine selbsterklärende Ablagestruktur, was die Informationstechnologie betrifft.

Besondere Bedeutung hat die Unternehmenskultur. Weiche Faktoren wie gegenseitiges Vertrauen oder eine konstruktive Fehlerkultur haben großen Einfluss auf die Effizienz des Projektwissensmanagements.

Projektwissensmanagement bezeichnet das Generieren, Suchen, Speichern und Verteilen von Wissen im Projektkontext. Dabei lassen sich drei Kategorien unterscheiden:

  • Wissen innerhalb von Einzelprojekten,
  • Wissen über eine Gruppierung von Projekten,
  • Wissen aus der Durchführung vergangener Projekte.

Die Studie wurde durchgeführt von Horváth & Partners und Strascheg Institute for Innovation and Entrepreneurship (SIIE) der European Business School (EBS) in Kooperation mit der GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e.V. Sie liefert Erkenntnisse über das Potenzial und die Erfolgsfaktoren von Wissensmanagement in der Projektarbeit.

An der Befragung nahmen 496 Personen aus Unternehmen unterschiedlichster Branchen und Größen sowie öffentliche Organisationen in Deutschland, Österreich und der Schweiz teil. Ein ausführlicher Studienbericht kann gegen eine Schutzgebühr von 59 Euro (PDF 49 Euro) im Buchhandel oder direkt über den Cuvillier-Verlag bezogen werden: www.cuvillier-verlag.de. [150]

[jf; Bild: Fotolia.com]

Fairness: Bei Reorganisation und Wandel muss es gerecht zugehen

Die Wirtschaft im Umbruch. Bankenkrise, Finanzkrise, Kreditklemme, Absatzeinbrüche – die negativen Schlagzeilen in den Medien nehmen kein Ende. Wie gehen die Unternehmen damit um? Ein erster Reflex: Personalabbau. Das dürfte kaum das Allheilmittel sein. Gerade in der Krise zeigt sich, wie flexibel ein Unternehmen, seine Führungskräfte und die Mitarbeiter sind. Wieder einmal stehen Reorganisation und Wandel auf der Tagesordnung.

Damit sie funktionieren und nicht im Sande verlaufen oder an Widerständen zerbrechen, kommt es ganz besonders auf Fairness und Gerechtigkeit an. Die renommierten Sozialpsychologen Dieter Frey, Professor an der LMU München, und Bernhard Streicher von der Universität Salzburg sagen in ihrem Beitrag „Fairness-Check bei Wandelprojekten“ [Organisationsentwicklung 4/2008] warum:

„Menschen reagieren ausgesprochen sensibel auf wahrgenommene Unfairness und schätzen eine faire Behandlung.“

Wenn die Unternehmensleitung verkündet, Kosten müssen gespart werden und es müsse umorganisiert werden, dann reagieren die meisten Mitarbeiter mit Skepsis. Auch wenn alle Anzeichen dafür sprechen, dass das Unternehmen sein Überleben und die Arbeitsplätze nur dann sichern kann, wenn reorganisiert wird; selbst wenn klar ist, dass auch die Mitarbeiter durch sichere und attraktive Arbeitsplätze oder Prämienzahlungen davon profitieren – es herrscht zunächst immer das Gefühl der Unsicherheit und der Angst, wissen Frey und Schneider.

Unsicherheit lähmt das Unternehmen

Skepsis, Unsicherheit und Ängste der Mitarbeiter beruhen oft auf tatsächlichen oder vermeintlichen Erfahrungen aus der Vergangenheit. Mögliche Vorteile werden ausgeblendet und der Blick wird auf die befürchteten Nachteile gerichtet. Gründe dafür können sein:

  • Die Mitarbeiter orientieren sich an Kollegen und Meinungsführern; wenn diese verunsichert und ablehnend sind, wirkt sich dies auch auf die anderen aus. Es entsteht ein Kreislauf der negativen Verstärkung.
  • Erfolglose Erfahrungen mit Veränderungen in der Vergangenheit oder Misstrauen gegenüber den Kompetenzen der Führungskräfte führen ebenfalls zu negativen Erwartungen.
  • Veränderungen tragen immer das Moment der Unsicherheit mit sich. Das wird von den meisten Menschen als negativ erlebt.

Die Folge: Die Mitarbeiter beschäftigen sich nicht mehr mit den anstehenden Aufgaben, sondern mit ihrem eigenen Schicksal und ihrer Rolle im Veränderungsprozess. Der gerät insgesamt ins Stocken, schlägt ungewollte Richtungen ein oder zerbricht an der Passivität oder den offenen Widerständen der Betroffenen.

Sichtbar wird das nach außen manchmal am Zynismus, den viele Mitarbeiter zeigen. Christina Martens hat in einer Studie bei 210 Angestellten dieses Phänomen des „Changezynismus“ untersucht. Der zeigt sich, wenn die Mitarbeiter besonders verunsichert sind und sehr kritisch über die geplanten Vorhaben nachdenken. Gerade bei Fusionen, Budgetkürzungen, Restrukturierungen oder bei einem Wechsel des direkten Vorgesetzten mache sich dieser Zynismus breit, stellt Martens fest.

Gerechtigkeit und Fairness verringern Unsicherheit und Misstrauen

Viele Studien zeigen, dass Gerechtigkeit und Fairness im Unternehmen wesentlich dazu beitragen, dass die Unsicherheit verringert und das Vertrauen und das Engagement der Mitarbeiter erhöht werden. Gerechtigkeit ist wichtig für Menschen. Deshalb sind die Effekte organisationaler Gerechtigkeit so groß; sie hat Einfluss auf:

  • Arbeitszufriedenheit,
  • Bindung an das Unternehmen,
  • Vertrauen,
  • Arbeitsleistung und
  • kooperatives Verhalten.

Empfinden die Mitarbeiter die Situation in ihrem Unternehmen als ungerecht, dann reagieren sie mit emotionalem Rückzug, Gleichgültigkeit, Abwesenheit (Fehlzeiten erhöhen sich), Diebstahl oder Widerstand gegen Veränderungen.

Stichwort

Gerechtigkeit und Fairness werden im Allgemeinen synonym gebraucht. Sie gelten als eine Grundnorm für das menschliche Zusammenleben in einer Gesellschaft oder einer Gruppe. Damit gemeint ist: Interessen, Güter oder Chancen werden angemessen und unparteilich ausgeglichen beziehungsweise verteilt. Gerechtigkeit und Fairness bauen auf dem Reziprozitätsprinzip auf; Menschen achten sehr genau darauf, wer wie viel gibt und wie viel bekommt.

Gerechtigkeit bezeichnet eher die Bedingungen in einer Gesellschaft, Fairness steht eher für die Wahrnehmung dieser Bedingungen durch die Menschen.

Mitarbeiter, die merken und erkennen, dass es gerecht zugeht und sie selbst fair behandelt werden, erleben dies als sehr positiv: Sie werden ernst genommen, sie sind ein wertvolles und respektiertes Mitglied der Unternehmensgemeinschaft und ihre Meinung wird gehört. Wenn sie eine faire Behandlung erfahren, dann verhalten sie sich auch fair gegenüber anderen – in diesem Fall gegenüber dem Unternehmen und seinen Führungskräften.

So werden Gerechtigkeit und Fairness vermittelt

Frey und Streicher stellen in ihrem Beitrag einen Fairness-Check vor. Der zeigt Unternehmen und Führungskräften, worauf sie bei Veränderungsprojekten achten müssen und wie sie gerechte Bedingungen schaffen und vermitteln. Ziel ist, dem Mitarbeiter deutlich zu machen: Auch wenn unklar ist, was passiert, du kannst dich 100prozentig darauf verlassen, dass es fair zugeht. Dafür gibt es vier Formen der Gerechtigkeit:

1. Distributive Gerechtigkeit: Bei einer Veränderung im Unternehmen gibt es immer Vorteile und Nachteile, Gewinne und Verluste. Diese müssen auf alle verteilt werden und dabei sollte es gerecht zugehen. Die Mitarbeiter prüfen, ob sie für ihre Leistung einen angemessenen Gegenwert erhalten. Sie vergleichen sich dabei mit ihrer Bezugsgruppe (Arbeitskollegen) und deren Leistung.

Führungskräfte müssen erkennen, wenn sich Mitarbeiter benachteiligt fühlen oder meinen, dass es ein Missverhältnis zwischen der Veränderung und ihrer eigenen Leistung gibt. Sie müssen auf die Begrenztheit der zu verteilenden Ressourcen hinweisen und versuchen, einen Ausgleich durch Anerkennung, Wertschätzung oder Belobigungen herstellen. Das muss stets zwischen allen Mitarbeitern austariert und verhandelt werden.

2. Prozedurale Gerechtigkeit: Nicht alle Mitarbeiter können in die notwendigen Entscheidungsprozesse eingebunden werden, die bei Veränderungen wichtig sind. Das ist auch nicht notwendig, denn diese wissen, dass sie nicht direkt Entscheidungen treffen oder kontrollieren können. Aber die Mitarbeiter müssen eine Stimme haben. Sie müssen gehört werden. Sie wollen ihren Standpunkt vermitteln und auch Ärger und Enttäuschung ausdrücken.

Das sollte im gesamten Veränderungsprozess gelten. Immer müssen Führungskräfte darauf achten, dass sie die Meinungen der Mitarbeiter hören. Und das sollte nicht nur pro forma so sein, sondern tatsächlich auch ernst genommen werden und Wirkung haben. Das heißt, Mitarbeiter sollten sich in entsprechende Foren einbringen können und ihre Meinung sollte bei Entscheidungen einfließen. Entscheider sollten unvoreingenommen sein und sich an persönlichen und fundamentalen ethischen Werten orientieren. Die Entscheidungsfindung muss transparent und nachvollziehbar sein.

3. Interpersonale Gerechtigkeit: Die Führungskräfte und Entscheider sollten mit den Mitarbeitern respektvoll, würdevoll und freundlich umgehen. Sie sollten Verständnis zeigen und deutlich machen, dass sie die Sorgen und Befürchtungen verstehen. Dabei können Sache und Person durchaus getrennt voneinander betrachtet werden nach dem Motto: Hart in der Sache, aber fair gegenüber den Menschen.

Es ist hilfreich, wenn im vornherein im Führungsgremium Kommunikationsregeln besprochen und festgelegt werden und diese auch den Mitarbeitern bekannt sind. Führungskräfte müssen ansprechbar sein und sich auf schwierige Gespräche vorbereiten oder diese moderieren lassen. Wenn sie sich den Mitarbeitern persönlich stellen, auf ihre Fragen eingehen und dafür ausreichend Zeit mitbringen, kommt das besonders gut an.

4. Informationale Gerechtigkeit: Wenn Veränderungen angekündigt und umgesetzt werden, wollen die Mitarbeiter informiert werden. Sie erwarten akkurate, zeitgerechte, ehrliche und angemessene Informationen und Erklärungen. Diese sollten über den Sachstand, Ziele und Überlegungen, die Vorgehensweise und notwendige Entscheidungen aufklären. Die Mitarbeiter erwarten insbesondere, dass sie unpopuläre Maßnahmen und negative Folgen frühzeitig erfahren, auch wenn diese nicht ganz sicher sind. Das verhindert, dass sich wilde Gerüchte verbreiten.

Allerdings sollten die ersten Informationen immer ein positives Bild vermitteln, eine Vision der Veränderung aufzeigen, klare und widerspruchsfreie Botschaften vermitteln sowie Ziele und Vorgehensweise deutlich machen. Idealerweise werden gute und schlechte Nachrichten immer gemeinsam vermittelt; das erhöht Verständnis und Akzeptanz. Zu berücksichtigen ist dabei auch: Wann und wie werden Mitarbeiter informiert, wenn die Informationen aus rechtlichen oder wettbewerblichen Gründen nicht vorab bekannt gegeben werden können?

Gerechtigkeit und Fairness wirken besonders auf die Mitarbeiter

Martens hat in ihrer Studie herausgefunden, welche Faktoren Changezynismus verschärfen und welche ihn mildern können. Wesentlich für die Haltung der Mitarbeiter sind demnach die erlebte Verfahrensgerechtigkeit und das Vertrauen ins Top-Management. Axel Mattenklott, Professor an der Universität Mainz, meint dazu:

„Verfahrensgerechtigkeit umschreibt zweierlei, zum einen, in welchem Maße sich die Angestellten eines Unternehmens als gleichbehandelt erleben, und zum anderen, wie fair die Kommunikation zwischen Vorgesetztem und Angestelltem empfunden wird.“

Wird beides als zufriedenstellend beurteilt, fördert dies das Vertrauen ins Top-Management. Die gerechte Verteilung von Ressourcen spielte nach diesen Erhebungen offenbar nur eine untergeordnete Rolle.

Nicht nur bei tief greifenden Veränderungen und Reorganisationsprojekten spielen Gerechtigkeit und Fairness eine wichtige Rolle. Sie sollten immer beachtet und gepflegt werden, weil sie stark auf Mitarbeitereinstellungen und Mitarbeiterverhaltensweisen wirken – nicht nur auf der Unternehmensebene, sondern auch in jedem Team. Die Führungskräfte müssen durch ihre eigene Einstellungen und Verhaltensweisen immer wieder sichtbar machen, dass ihnen diese Werte wichtig sind. Erfahrungen zeigen, dass es hilfreich ist, Führungskräfte darin zu trainieren; die Geführten zeigen höheres Engagement und mehr Leistung im Team – selbst in Krisenzeiten.

 


Hier kommen Sie zur Zeitschrift mit dem Beitrag von:

Bernhard Streicher und Dieter Frey: Fairness-Check bei Wandelprojekten. Vier Dimensionen von Gerechtigkeit und wie man sie berücksichtigt. In: Organisationsentwicklung, 4/2008, 70-75.

Informationen zur Diplomarbeit zum Changezynismus finden Sie unter: Changezynismus: Warum sich Mitarbeiter gegenüber Veränderungen in Unternehmen ablehnend verhalten.

[jf; Bild: Fotolia.com]

Team-Management: Teams zu Höchstleistungen führen

Der Teambegriff ist in den heutigen Organisationen nicht mehr wegzudenken und wird auch entsprechend häufig gebraucht. Manchmal gewinnt man den Eindruck, dass "Team" dabei ein Wert an sich sei und nicht einem bestimmten Zweck dient. Nämlich dem, eine Leistung zu erbringen, die von dem Einzelnen nicht erbracht werden kann. Wenn man es genau betrachtet auch eine Leistung, die nicht von mehreren isoliert arbeitenden Personen erbracht werden kann. Offenbar wird hier eine ganz bestimmte Qualität gesucht, die erst den Erfolg möglich macht. Diese Qualität hat etwas mit dem Miteinander zu tun. Schließlich ist nicht jede Zusammensetzung von Menschen schon ein Team.

Gemäß der Definition von Francis und Young ist ein Team

"eine aktive Gruppe von Menschen, die sich auf gemeinsame Ziele verpflichtet haben, harmonisch zusammenarbeiten, Freude an der Arbeit haben und hervorragende Leistungen bringen."

Nach Katzenbach ist ein echtes Team

"eine Anzahl von Personen mit einander ergänzenden Fähigkeiten, die sich alle für ein gemeinsames Ziel einsetzen, sich nach gemeinsam entwickelten Arbeitsregeln richten und gemeinsam Verantwortung für ihre Arbeit tragen."

Wiendieck hebt folgende fünf gemeinsame Merkmale hervor:

  • kleine, funktionsgegliederte Arbeitsgruppe,
  • mit gemeinsamer Zielsetzung,
  • intensiven wechselseitigen Beziehungen,
  • einem ausgeprägten Gemeinschaftsgeist und
  • einem starken Gruppenzusammenhalt unter den Team-Mitgliedern.

Die angeführten Definitionen beziehungsweise Merkmalsbeschreibungen formulieren auch einen Anspruch an ein Team, damit es hervorragende Leistungen erbringen kann. Ein Team konstituiert sich also nicht einfach durch die Zusammensetzung von Personen, sondern entsteht im Rahmen eines Prozesses. Auf diesem Weg der Entstehung geht es mehrere Stufen durch und sollte dies in reflektierter Form tun, um so den Prozess steuern und beschleunigen zu können. Dies ist die Aufgabe der Leiter von Teams beziehungsweise Moderatoren, die sich der Entwicklung von Teams annehmen.

Erfolgsbedingungen der Teamleistung

Es gibt unterschiedliche Ansätze die Erfolgsfaktoren der Teamleistung zu systematisieren. Der folgende gibt die Erfahrungen des Autors aus Teamentwicklungsprozessen im Hochleistungssport und Unternehmen wieder: Es muss einen klaren Grund, einen Auftrag (man kann auch von der Mission sprechen) für die Existenz des Teams geben. Dieser bildet die Grundlage für die Identifikation des Teams und die Existenzberechtigung.

Ein weiterer Faktor ist eine attraktive Vision für das Team. Visionen bewegen, wenn sie ein Zukunftsbild darstellen, für das es sich lohnt zu arbeiten und Entwicklungen anzustoßen und umzusetzen. Eine berühmte Vision war die von John F. Kennedy, der Anfang der sechziger Jahre verkündete, in diesem Jahrzehnt einen Menschen zum Mond und zurück zu bringen.

Die Vision oder das Bild, welches ein Team von sich selbst hat, drückt die angestrebte Qualität des Teams aus. Es ist sozusagen der Leitstern für die Entwicklungsrichtung des Teams. Mit der Vision legt das Team das Anspruchsniveau fest, auf das es sich verpflichtet. Hieraus leiten sich alle weiteren Entwicklungen und auch Werte ab, die ein Team auszeichnen. Es ist daher wichtig, dass hierzu Konsens besteht und die Vision, aber auch die Werte des Teams, transparent sind. Die Leistung eines Teams lebt von der Leistung der Teammitglieder. Daher ist die stetige Weiterentwicklung der Teammitglieder in Richtung der persönlichen Meisterschaft eine Verpflichtung jedes Einzelnen. Nur so wird die Basis für eine hervorragende Teamleistung geschaffen.

Nicht nur der Einzelne soll sich weiterentwickeln, sondern das ganze Team soll seine Leistung steigern.

Neben der Weiterentwicklung des Einzelnen geht es auch um die Entwicklung des Teams in seiner Leistungsfähigkeit. Das heißt, es muss lernen. Dies soll in zwei Dimensionen geschehen: Zum einen soll es lernen Aufgaben besser zu lösen, also die Dinge besser zu machen, gleichzeitig soll es lernen als Team besser, das heißt effizienter und effektiver, zu arbeiten und die Problemlösungskompetenz zu verbessern. Damit ist das Lernen von Methodenkompetenzen gemeint.

Auf dem Weg zur Vision steckt sich ein Team Ziele, die es zu erreichen gilt. Hierbei ist es wichtig, zwei Arten von Zielen zu unterscheiden: Handlungsziele und Ergebnisziele. Ergebnisziele richten sich auf den – gewünschten – Ausgang einer Handlung, etwa den Sieg gegen einen bestimmten Gegner im Sport. Handlungsziele hingegen beziehen sich direkt auf das Wie der Handlung, sie sind operativ und haben einen direkten Bezug zur Handlung und "blenden" das Ergebnis aus.

Dies kann im Sport sinnvoll sein, da die Beschäftigung mit dem Ausgang einer Handlung (Tor oder nicht Tor beim Elfmeter) die perfekte Ausführung eher stört. Die Entwicklung der Leistung eines Teams kann sich erfolgreich an den richtigen Handlungszielen messen lassen, die unmittelbar vom Team beziehungsweise seinen Mitgliedern zu beeinflussen sind.

Für das, was auf ein Team zukommt, sollte es einen variablen Plan geben. Dazu ist es sinnvoll sich mit verschiedenen Szenarien auseinanderzusetzen, um zum einen für künftige Ereignisse vorbereitet zu sein und zum anderen mit der Auseinandersetzung die Problemlösungskompetenz zu erhöhen. Auch die Art und Weise, wie Probleme im Rahmen kritischer Entwicklungen gelöst werden, kann geklärt werden, indem beispielsweise Entscheidungswege bei Eintritt bestimmter Eskalationsstufen verändert werden.

Ein bekanntes Beispiel ist der Erfolg der Firma Shell nach der Ölkrise zu Beginn der siebziger Jahre. Dieses Unternehmen hatte Pläne für das Szenario einer Verknappung der Ölfördermengen und konnte entsprechend schnell reagieren und erarbeitete sich so einen nachhaltigen Wettbewerbsvorsprung.

Genauso verhält es sich im Sport: Das Eintreten unerwarteter Situationen führt in aller Regel zum Verlust des Spieles, zumindest aber zu einem schwierigen Spiel beziehungsweise Kampf. Dies kann vermieden werden, wenn verschiedene Szenarien und mögliche Lösungen im Vorhinein durchgespielt werden.

Teamdiagnose

Um bei der Steuerung von Teams auf die richtigen Instrumente zurückzugreifen, ist es sinnvoll, sich über die Situation eines Teams im Klaren zu sein. Dabei kann es folgende Situationen für ein Team geben:

  • Das Team formiert sich komplett neu.
  • Es gibt personelle Veränderungen im Team.
  • Es gibt eine Veränderung der Aufgabenstellung für das Team.
  • Es erfolgt eine Neuausrichtung für das Team, das heißt, dass sich damit auch das Selbstverständnis des Teams verändert.

In Situationen, in denen es darum geht ein bestehendes Team weiter zu entwickeln, ist es wichtig, die richtigen Maßnahmen zu ergreifen. Dies kann nur auf der Grundlage einer klaren und nachvollziehbaren Diagnose der Situation des Teams geschehen. Es gibt hierzu standardisierte Verfahren, dies zu tun. Ein bekanntes Modell, welches den Zustand eines Teams diagnostiziert, bezieht sich dabei auf die folgenden vier Dimensionen:

  • Zielorientierung,
  • Aufgabenbewältigung,
  • Zusammenhalt,
  • Verantwortungsübernahme.

Die ersten beiden Dimensionen orientieren sich dabei an der Sachdimension und die beiden anderen an der personalen Dimension. Daraus lassen sich mit einem Team gezielte Maßnahmen entwickeln, wie die Leistung eines Teams weiter verbessert werden kann.

Kommunikation im Team

Dass die Leistungsentwicklung im Team mit Kommunikation zu tun hat, ist selbstverständlich. Daher ist es eine notwendige Voraussetzung, hier richtig zu kommunizieren und eine Kultur des Dialoges und nicht der Diskussion zu schaffen. Diese zu fördern und mit den Teilnehmern gemeinsam zu reflektieren, ist eine Kernaufgabe im Rahmen der Teamleistungsentwicklung.

Konflikt im Team

Konflikte in einem Team sollen konstruktiv sein und die Leistung steigern. Dies gilt allerdings nur, wenn es sich um sachliche und nicht um persönliche handelt. Es soll um die Konfrontation der Standpunkte und nicht der Personen gehen. Dies ist ein Indikator für die Entwicklungsphase, in der ein Team steckt. Neben den Konflikten, die innerhalb eines Teams bestehen, entstehen auch immer wieder Konflikte zwischen Teams innerhalb einer Organisation.

Dabei findet man häufig die Konstellation, dass die Teams an verschiedenen Leistungen gemessen werden und versuchen, diese individuelle Leistung zu verbessern, was häufig auf Kosten des Gesamtergebnisses geht. In dieser Konstellation bestehen zwischen den Teams in einer Organisation Abhängigkeiten, die berücksichtigt werden müssen, wenn die Teams in Wettbewerb zueinander treten und die notwendige Kooperation zugunsten von konkurrierenden Teamzielen vernachlässigen.

[Bild: Fotolia.com]

Auslagern: Outsourcing in Europa auf dem Vormarsch

Globalisierung, Informations- und Kommunikationstechnik machen es möglich, dass Unternehmen immer mehr Funktionen an in- oder externe Dienstleister abgeben, um sich auf die Kernkompetenzen zu konzentrieren. Das traditionelle Unternehmensmodell der möglichst vollständigen vertikalen Integration kommt auf den Prüfstand. Das sind Ergebnisse einer aktuellen Studie des Prüfungs- und Beratungsunternehmens Ernst & Young.

Immerhin 70 Prozent der Unternehmen haben mindestens eine betriebliche Funktion ausgegliedert – im europäischen Durchschnitt sind es gut vier Funktionen pro Unternehmen. Und jedes fünfte Unternehmen plant in den kommenden zwei Jahren weitere Outsourcing-Schritte. Christian Mertin, Partner bei Ernst & Young, stellt fest:

„Outsourcing hat noch eine große Zukunft vor sich. Die Unternehmen werden es künftig für immer mehr Unternehmensprozesse nutzen. Durch Outsourcing in den unterschiedlichsten Formen wandelt sich der monolithische Block Unternehmen schrittweise zu einem Netzwerk spezialisierter Einheiten.“

Zwar halten sich die Manager noch spürbar zurück, wenn es um Kernfelder wie Vertrieb, Marketing und Kommunikation oder die Produktentwicklung geht. Doch

„Wir beobachten, dass auch immer mehr Back-Office-Funktionen und einzelne Spezialfunktionen stärker auf den Prüfstand gestellt werden und eine Auslagerung erwogen wird“,

so Mertin. Es zeichnet sich ab, dass Funktionen wie Administration und Finanzen sowie Human Resources (Personalwesen), die bisher eher in der Mitte der Rangliste ausgegliederter Funktionen rangierten, in den kommenden Jahren immer häufiger ausgelagert werden. Als spezielle Einzelfunktionen nannten die Entscheider hier Bereiche wie

  • die Lohnabrechnung,
  • die Buchhaltung,
  • das Dokumenten-Management und
  • den Online-Einkauf.

Erste Sättigungssignale senden dagegen die bisher sehr häufig outgesourcten Bereiche Logistik und Distribution sowie Informationstechnik und Telekommunikation.

Kosteneinsparungen sind Hauptmotiv – vor allem in Deutschland

Nach wie vor sind Kosteneinsparungen das wichtigste Motiv des Outsourcings – sie stehen für fast die Hälfte der Befragten im Vordergrund. Allerdings:

„Die Führungskräfte haben erkannt, dass die Spareffekte nur ein Teil der positiven Auswirkungen sind“,

betont Mertin.

„Viele haben festgestellt, dass die billigste Lösung sehr teuer werden kann, dann nämlich, wenn die Prozesse nicht mehr reibungslos laufen.“

So seien andere Effekte stärker ins Blickfeld gerückt. Immerhin nennt ein Drittel der Manager Qualitätsverbesserungen aus der Nutzung von externem Spezial-Know-how als Vorteil, 28 Prozent führen eine bessere strategische Organisation und 25 Prozent eine höhere Flexibilität ins Feld.

Bei näherem Hinsehen ist es nur der deutschen Sparfreude geschuldet, dass der Spareffekt so hoch eingestuft wird. In Großbritannien, Spanien und Frankreich bezeichneten ihn jeweils weniger als 40 Prozent der Befragten als Vorteil. In Deutschland tun dies 70 Prozent der Unternehmen. In diesen Ländern kamen die Qualitätsverbesserungen und die bessere strategische Ausrichtung auf höhere Quoten. Generell zeigt die Studie auffallende nationale Unterschiede in der Einstellung zum Outsourcing.

Verlust von Autonomie, Kontrolle und Flexibilität befürchtet

Dass die Unternehmen insgesamt trotz der grundsätzlich guten Erfahrungen das Outsourcing mit einer gewissen Zurückhaltung betreiben, liegt an einer Reihe von Bedenken, die sie damit verbinden.

  • 17 Prozent der befragten Führungskräfte befürchten den Verlust von Autonomie und Know-how,
  • 15 Prozent einen Verlust an Kontrolle über den eigenen Geschäftsbetrieb,
  • 13 Prozent fühlen sich in ihrer Reaktionsfähigkeit eingeschränkt,
  • 10 Prozent halten die Qualität der externen Dienstleistungen für schlechter als die der Eigenproduktion und
  • auf zeitliche Probleme verweisen 8 Prozent der Befragten.

Mertin stellt fest:

„Jede Outsourcing-Beziehung braucht eine gewisse Zeit, um sich einzuspielen und die richtigen Kontroll- und Kommunikationsmechanismen zu entwickeln. Wir dürfen nicht vergessen, dass der Übergang vom integrierten Unternehmen zum Spezialisten-Netzwerk eine ganze Reihe völlig neuer Anforderungen an das Management stellt – bei allen Beteiligten.“

Zur Studie

Für die Studie "Outsourcing in Europa 2008" wurden mehr als 600 Entscheider in sechs europäischen Ländern befragt.

Sie haben die Möglichkeit, die komplette Studie kostenlos als PDF zu beziehen unter: www.ey.com.com/... [151]

[po; Quelle Ernst & Young; Bild: Fotolia.com]

Roadmap-Methode: Mit Papier, Stiften und Tischkärtchen Projekte planen

Wie können wir unser Projekt so planen und durchführen, dass die Produktion möglichst kurz gestoppt werden muss? Vor solchen Fragen stehen Projektmanager immer wieder. Einfach zu beantworten sind sie in der Regel nicht. Vor allem weil bei der Projektplanung häufig die Interessen vieler Beteiligter zu berücksichtigen sind.

Entsprechend schnell verlieren Projektmanager bei komplexen Projekten oft den Überblick. Deshalb nutzen sie meist Softwareprogramme wie Microsoft Project oder Power Project, mit denen sich der Projektverlauf und die verschiedenen Projektschritte gut dokumentieren lassen. Nur bedingt geeignet ist die Software jedoch, um ein Projekt mit den Beteiligten zu planen. Nicht nur, weil sich dann alle um einen Bildschirm scharen müssten, sondern auch weil den Beteiligten der mögliche Verlauf nicht bildhaft genug vor Augen geführt wird. Deshalb werden Versäumnisse und Engpässe oft zu spät erkannt.

Projektplanung ohne Computer

Aus diesem Grund suchen Unternehmen häufig nach nicht computergestützten Methoden, um den Verlauf von Projekten zu planen. Eine solche ist die Roadmap-Methode. Mit ihr lassen sich komplexe Projekte (fast) ohne Computer planen - ein paar Tapetenbahnen und Tischkärtchen sowie einige dicke Stifte und Krepp-Papier genügen als Hilfsmittel.

Die Methode funktioniert wie folgt: Wenn ein Projekt ansteht, lädt der Projektleiter alle betroffenen Bereiche oder Personen zu einem Workshop ein. Sie treffen sich in einem Besprechungsraum. Zu Beginn des Workshops erläutert der Projektleiter oder ein Moderator, wozu das Treffen dient: Der Weg zum Ziel des Projekts – also zum Beispiel "Neustrukturierung der Produktion" – soll gemeinsam definiert werden. Dann schreibt der Moderator den Ausgangspunkt ans obere Ende mehrerer Tapetenbahnen, die er zuvor mit Krepp-Papier zusammengeklebt und auf den Tisch oder Fußboden gelegt hat. Zum Beispiel: „Anfang Januar 2009: Die Produktion stoppt“.

Am unteren Ende notiert er das Ziel, zum Beispiel: „Mitte März 2009: Die umgebaute Produktionsanlage startet wieder – reibungslos.“ Anschließend bittet der Moderator die Anwesenden zu notieren, welchen Beitrag sie zum Erreichen des Ziels leisten. Dazu teilt er Tischkärtchen aus, wie sie häufig bei Festtafeln verwendet werden. Die Teilnehmer schreiben nun jeweils auf die Vorderseite der Tischkärtchen ihre Aufgaben mit Enddatum und auf die Rückseite den Namen des Verantwortlichen. Also zum Beispiel auf die eine Seite „Leitung xy ist bis 10. Februar verlegt“ und auf die andere Seite „Werkstatt, Herr Müller“. Jeder Beteiligte benennt also den Beitrag, den er oder sein Bereich zum Erreichen des großen Ziels leistet, selbst.

Während die Teilnehmer die Tischkärtchen ausfüllen, zeichnet der Moderator mehrere "Spuren" (roads) auf die Tapetenbahnen. Auf diese schreibt er oben die verschiedenen Aufgabenbereiche – zum Beispiel "Elektroarbeiten", "Schlosserarbeiten", "IT" und "Buchhaltung". Danach stellen die Workshopteilnehmer ihre Kärtchen nach Datum geordnet auf die betreffende Spur. Gemeinsam haben sie so in kurzer Zeit einen groben Ablaufplan für das Projekt, eine vorläufige "Roadmap", erstellt – und vor Augen.

Nach der Grobplanung folgt das "Feintuning"

Dann erfolgt die Feinarbeit: Die Beteiligten überprüfen anhand der "Roadmap", ob Aufgaben vergessen wurden. Ist dies der Fall, wird ein weiteres Kärtchen aufgestellt. Gemeinsam prüfen sie zudem, ob bestimmte Tätigkeiten verschoben oder vorgezogen werden sollten, damit das Ziel erreicht wird. Kommen die Teilnehmer zum Beispiel überein "Diese Leitung brauchen wir schon früher, damit ..." Dann wird das betreffende Kärtchen umgestellt.

Die (Grob-)Planung kann im Handumdrehen geändert werden – ohne erst den PC hochzufahren und die Änderungen im Projektmanagement-Programm vorzunehmen. Und noch ein Plus: Jeder Teilnehmer kann mit ein, zwei Handgriffen seine Vorstellung vom Ablauf den anderen verdeutlichen, indem er einfach ein paar Kärtchen auf der Roadmap verschiebt. Entsprechend niedrig ist die Hemmschwelle, Ideen einzubringen – auch für Mitarbeiter ohne Projektmanagement-Erfahrung. Nach dem Treffen muss der Moderator nur noch die Teilaufgaben in eine Excel-Tabelle übertragen – und schon haben alle Projektbeteiligten den Projektplan zur Hand.

Schnell, verbindlich und flexibel

Doch die Methode ist nicht nur schnell. Sie hat auch den Vorteil, dass alle gemeinsam den Plan erarbeiten. Also fühlen sie sich eingebunden. Und weil die Roadmap sich auch visuell gut einprägt, bleibt das Beschlossene gut im Gedächtnis aller Beteiligten haften.

Bewährt hat es sich übrigens, die Roadmap während des Projekts in einem Besprechungsraum stehen zu lassen. Oder die Tischkärtchen durch entsprechend beschriftete Moderationskärtchen zu ersetzen, die mit Klebeband zunächst auf die Tapetenbahnen fixiert werden, bevor die Roadmap an die Wand gehängt wird. Warum? Dann haben bei Projektmeetings alle stets den Gesamtprozess vor Augen und sehen sofort "Wo stehen wir gerade?" und "Was gilt es als Nächstes zu tun?". Zeigt sich dabei, dass zurzeit da oder dort etwas hakt, lässt sich der Projektplan sofort korrigieren – indem weitere "Aufgaben-Kärtchen" hinzugefügt oder bereits vorhandene verschoben werden.

[Bild: Fotolia.com]

Personalplanung: So stabilisieren Sie den Personalbestand

Nutzen Sie Kennzahlen

Woher wissen Sie eigentlich, ob Sie zu viel oder zu wenig Personal haben? Das erfahren Sie durch regelmäßige Kennzahlenbildung. Sinnvoll in vielen Bereichen sind zum Beispiel folgende Personalkennzahlen:

  • Umsatz pro Mitarbeiter (Außendienst),
  • Anzahl der Rechnungen pro Mitarbeiter (Rechnungserfassung und Rechnungskontrolle),
  • Anzahl der Mahnungen (Mahnabteilung),
  • Anzahl der beendeten Projekte pro Mitarbeiter.

Oder Sie entwickeln selbst geeignete Zahlen, die Sie zur Steuerung des Personalbestands einsetzen. Achten Sie darauf, dass auch Personalkennzahlen regelmäßig erhoben werden, damit Sie bei negativen Entwicklungen frühzeitig gegensteuern können: Steigt die Mitarbeiterzahl einer Abteilung kontinuierlich, ohne dass sich die Arbeitslast verändert hat, muss hinterfragt werden, warum das so ist.

Sie sollten Ihre Kennzahlen auch dazu nutzen, um zu prüfen, wie Sie im Vergleich zu anderen Unternehmen wirtschaften. Vergleichszahlen erhalten Sie zum Beispiel bei Ihrem Branchenverband oder bei den Industrie- und Handelskammern.

Prüfen Sie befristete Stellen

Müssen Stellen aus Gründen des Elternschutzes oder wegen einer längerfristigen Erkrankung eines Mitarbeiters freigehalten werden, sollten Sie abwägen, ob die zwischenzeitliche Besetzung notwendig ist. Entwickeln Sie ein Szenario: Was würde passieren, wenn man die Stelle nicht wieder besetzen würde? Wie müsste man dann die Arbeit verteilen? Welche Aufgaben blieben unerledigt, und sind diese unerledigten Aufgaben wirklich wichtig? Häufig kommt dabei heraus, dass man auch sehr gut ohne diese Stelle auskommen könnte.

Schaffen Sie die rechtlichen Rahmenbedingungen

Wenn Mitarbeiter in verschiedenen Abteilungen arbeiten und damit Arbeitsspitzen abdecken können, vermeiden Sie damit die Einstellung neuer Mitarbeiter. Legen Sie deshalb bei neuen Mitarbeitern, die von ihren Fähigkeiten her flexibel einsetzbar sind, schon im Arbeitsvertrag fest, dass sie verpflichtet sind, in unterschiedlichen Abteilungen unterschiedliche Aufgaben wahrzunehmen. Sprechen Sie mit der Arbeitnehmervertretung, wie flexible Regelungen vereinbart werden können. Gegebenenfalls können Sie finanzielle Anreize für die zusätzliche Belastung bieten. Das kommt Sie allemal noch günstiger als die Einstellung neuer Mitarbeiter.

Beschäftigen Sie „Springer“

Stellen Sie neue Mitarbeiter von vornherein als „Springer“ ein, die dann je nach Bedarf von den einzelnen Abteilungen zur Bewältigung von Arbeitsspitzen angefordert werden können. Für die Koordination dieser Mitarbeiter bestimmen Sie am besten einen Personalsachbearbeiter. Er führt eine Liste der Springer sowie deren Personalakten und ist Ansprechpartner für die Bereichsleiter; außerdem trägt er die Verantwortung dafür, dass die Mitarbeiter immer sinnvoll eingesetzt werden. Achten Sie darauf, dass die Kosten für die Springer den Abteilungen verursachergerecht zugeordnet werden. So verhindern Sie, dass die Mitarbeiter dort länger arbeiten, als sie wirklich gebraucht werden.

Drei Tipps, wie Sie die Veränderungsbereitschaft Ihrer Mitarbeiter fördern

  1. Heben Sie bei Vorstellungs- und Mitarbeitergesprächen hervor, dass eine gewisse Veränderungsbereitschaft die Arbeitsplatzsicherheit fördert. Denn je flexibler Mitarbeiter einsetzbar sind, desto wahrscheinlicher finden sich für sie neue Arbeitsplätze, wenn alte, etwa aufgrund von Umstrukturierungen, wegfallen.
  2. Lassen Sie – gegebenenfalls mit Zustimmung Ihres Betriebsrates – in den Personalakten vermerken, wer schon in welchen Abteilungen gearbeitet hat. Kommunizieren Sie, dass „Springer“ bei der Geschäftsführung ein großes Ansehen haben, weil der Wechsel von Abteilungen ein Mehr an Berufserfahrung bedeutet.
  3. Danken Sie Mitarbeitern, die an anderen Arbeitsplätzen ausgeholfen haben, persönlich für den Einsatz.

Wissenstransfer: Erfahrungswissen der Mitarbeiter schnell und effizient nutzen

Eine Person mit Schlüsselwissen (Experte oder Manager) verlässt das Unternehmen in drei Monaten. Auf die Frage, wie nachher wichtige Projekte weiterlaufen und Kontakte in der Firma für den Nachfolger erhalten bleiben, ist dann eine Antwort dieser Art zu hören: "Ja, wir haben das geplant und eine Transitionsliste mit wichtigen Aufgaben gemacht. Diese wird momentan vervollständigt. Einen Monat vor Vertragsende werden wir sie dann durchgehen."

Die Person mit Schlüsselwissen ist weg, der Nachfolger hat sich zwei Monate lang eingearbeitet. Eine Kaffeepause mit dem Nachfolger zeigt dann die Realität: Er habe das Gefühl, dass die Einarbeitung schlecht geplant sei, die Liste der Aufgaben wäre veraltet und unvollständig, er habe Arbeiten gemacht, die eigentlich schon von seinem Vorgänger erledigt waren und überhaupt sei es nicht sonderlich motivierend, keinen Überblick zu haben und von seinen schmunzelnden Stakeholdern in den Projekten den Spruch "… ja, das hat dein Vorgänger auch schon versucht" zu hören.

Erfahrene Mitarbeitende werden pensioniert, wechseln intern die Stelle, kündigen oder nehmen längere Zeit Urlaub. Der daraus resultierende Wissensverlust für das Unternehmen kann immens sein: Mit der Person, die den Arbeitsplatz verlässt, geht auch wichtiges Erfahrungswissen verloren.

Nun, das ist an und für sich schon schlimm genug – aber es kommt noch schlimmer: Wie kann fundiert entschieden werden, ob die Person überhaupt wichtiges Schlüsselwissen hatte, wie groß das unternehmerische Risiko effektiv sein wird, wenn die nötige Transparenz nicht vorhanden war?

Laut Aussagen von Top-Managern reicht es nicht, wenn Prozesse von erfolgreichen Unternehmen kopiert werden, um selber so erfolgreich zu werden. Der Schlüssel des Erfolgs liegt im Wissen der Mitarbeitenden und deren Motivation. Sind diese zwei Faktoren im Zentrum der Personal- und Organisationsentwicklung, ist der erste Schritt zum Erfolg getan. Soweit so gut – aber wie kann das realisiert werden?

Das Wissenstransfer-Modell gibt Antworten und zeigt auf, wie Transparenz der Arbeitsabläufe, Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitenden, effektive Risikobeurteilung und darauf aufbauender Wissenstransfer in einer global tätigen Unternehmung als Modell entwickelt, getestet und in alltäglichen Prozessen verankert wurden.

In der täglichen Arbeit, aber speziell bei einem Mitarbeiterwechsel, werden Schwächen im Umgang mit Wissen klar sichtbar. Vor allem das implizite Wissen (Erfahrungswissen) von Führungsverantwortlichen und Experten soll innerhalb des Unternehmens erhalten werden.

Wenn ein Mitarbeiter das Unternehmen verlässt, geht wertvolles Erfahrungswissen (implizites Wissen) verloren. Darüber hinaus kann dokumentiertes (explizites) Wissen nicht mehr genutzt werden, weil nicht bekannt ist, wo es festgehalten wurde, oder wofür es angewendet werden kann, wer die entscheidenden Kontakte sind.

Wichtige Projekte müssen weitergeführt, sensitive interne und externe Kontakte im persönlichen Netzwerk aufrechterhalten und kritische Prozesse nahtlos fortgesetzt werden. Im ungünstigsten Fall verlässt der Mitarbeiter das Unternehmen, ohne dass seine Vorgesetzten sich bewusst sind, wie wertvoll seine Kenntnisse für die Ausübung der Tätigkeit sind. Erst nachträglich wird deutlich, was dem Unternehmen mit seinem Ausscheiden verloren gegangen ist – zu spät.

Ausgangslage

Während der Einarbeitungszeit einer neuen Mitarbeiterin nehmen dokumentiertes Wissen (zum Beispiel Betriebsanleitungen oder Prozessbeschreibungen) und Erfahrungswissen (zum Beispiel persönliches Netzwerk in Notsituationen) zu.

Der Wert des dokumentierten Wissens (dunkelblau) steigt rapide an, die Mitarbeiterin benötigt in einer ersten Phase viel explizites Wissen, als Grundlage des Einstiegs in den Berufsalltag. Erfahrungswissen (hellblau) wird aufgebaut. So nimmt beispielsweise die Vernetzung innerhalb des Unternehmens zu, die neue Mitarbeiterin "weiß sich zusehends selbst zu helfen" und wird zu einer anerkannten Fachkraft in ihrem Bereich.

Bild 1: Dunkelblau = dokumentiertes Wissen; Hellblau = Erfahrungswissen

Mit zunehmender Einarbeitung der Mitarbeiterin nimmt die Menge und der Wert des Erfahrungswissens zu, wichtige Kontakte werden geknüpft, Situationswissen und Zusammenhänge aufgebaut.

Umgekehrt verhält es sich mit dem expliziten, dokumentierten Wissen: Es wird nur soviel wie unbedingt nötig (wenn überhaupt) festgehalten; man weiß ja mehr und mehr, wie "es geht". Mit zunehmender Zeit nimmt die Menge und der Wert des dokumentierten Wissens ab.

Damit ergibt sich folgende Ausgangslage:

  • Erfahrungswissen ist mit zeitlich zunehmendem Wert in den Köpfen der Mitarbeitenden und
  • dokumentiertes Wissen ist mit zeitlich abnehmendem Wert in Systemen und auf Datenträgern (zum Beispiel Papier).

Wissenslücke bei Mitarbeiterwechsel

Ein Mitarbeiterwechsel macht die Schwächen im Umgang mit Wissen sichtbar: Wer hat das Erfahrungswissen des nun fehlenden Führungsverantwortlichen oder des fehlenden Experten? Der Stellvertreter, der während der Urlaubsvertretung jeweils in zwei Projekten (von 12 Projekten) Entscheidungskompetenzen hatte und deshalb nur einen rudimentären Einblick in die Gesamtverantwortung seines Kollegen erhielt?

Der Nachfolger beginnt seine Arbeit mit dokumentierter Information, die teilweise nicht mehr aktuell ist, wenn überhaupt vorhanden. Arbeitskollegen helfen so gut wie möglich, um Wissenslücken zu schliessen, was sehr zeitintensiv und kostspielig ist.

Wie der Vorgänger wird auch der Nachfolger einen Lernprozess in der Einarbeitungszeit durchlaufen, der viele Wiederholungen und ineffiziente Arbeitsabläufe enthält: Das Rad wird dabei oft neu erfunden.

Bild 2: Graue Linie: Wissenslücke und Wissenszunahme der neuen Mitarbeiterin

Optimierte Wissensweitergabe – möglichst kleine Wissenslücke bei Mitarbeiterwechsel

Genau an diesem Punkt setzt die Vorgehensweise an: Stellen Sie sich vor, ein Vorgänger hätte einen Teil des eigenen Erfahrungswissens an den Nachfolger weitergeben können. Die Vorteile liegen auf der Hand:

Vorteile aus der Sicht des Unternehmens

  • Bewahren des Erfahrungswissens des Vorgängers;
  • Keine ineffizienten und unnötig langen Einarbeitungszeiten mit "Leerläufen";
  • Effiziente Übergabe mehrerer Projekte oder eines Arbeitsbereichs;
  • Motivation fördern für Mitarbeitende: weniger ineffiziente Arbeit (nicht nochmals tun, was der Vorgänger auch schon machte), mehr und schneller Entscheidungskompetenzen erlangen;
  • Transparenz in Funktion und Arbeitsabläufen der Mitarbeitenden und der Organisation;
  • Potenziale für Verbesserungen in Prozessen und Kundenorientierung können erkannt und ausgeschöpft werden;
  • Mitarbeiter- und Organisationsentwicklung auf Basis von Transparenz und Fakten;
  • Schliessen der Lücke zwischen Unternehmensvision und Arbeitsalltag.

Vorteile aus der Sicht des Nachfolgers

  • effizientere, kürzere und motivierendere Einarbeitungszeit;
  • Motivation durch schnellere Entscheidungsfähigkeit: fundierte und tragfähige Entscheidungsgrundlagen;
  • Aufrechterhalten und Nutzen des persönlichen Netzwerks des Vorgängers;
  • schneller "auf Augenhöhe" sein mit Arbeitskollegen.

Vorteile aus der Sicht des Vorgängers

  • Arbeitszeugnis mit den "echten" Projekten, Fertigkeiten und Fähigkeiten;
  • Wertschätzung und Motivation, "da interessiert sich jemand für das, was ich tue";
  • Unterstützung in der Laufbahnplanung durch mehr Transparenz in Wissensgebieten und Funktionen.

Damit ist eine win–win–win-Situation geschaffen. Wenn sich schon sehr selten solche triple win Situationen im Business Alltag realisieren lassen, dann sollten diese auch konsequent genutzt werden!

Bild 3: Graue Linie: Wissenszunahme der neuen Mitarbeiterin mit Wissenslücke; Rote Linie: mögliches Potenzial, falls Erfahrungswissen weiter gegeben werden kann; Blauer Pfeil: Verkürzung der Einarbeitungszeit für neue Mitarbeiterin

Optimierte Wissensweitergabe – Wissenstransfer bei der Credit Suisse im Detail

Als Grundlage für die Wissenstransfer Methodik, welche in der Credit Suisse eingesetzt wird, diente eine Vorgehensweise, die als "Wissensstaffette" von Volkswagen Coaching entwickelt und angeboten wird. An unterschiedlichen Weiterbildungen und im Kontakt mit Firmen, welche die Wissensstaffette einsetzen, konkretisierten sich deren voraussichtlichen Vor- und Nachteile auch bezüglich der Credit Suisse. Der nächste Schritt bestand darin, die internen Businessprozesse zu analysieren und das Potenzial zur Verbesserung zu identifizieren und in der Methodik alltagstauglich zu verankern:

  • Initialisierung des Wissenstransfers mit Linemanager und Vorgänger:
  • 3 Phasen:

  1. Identifikation,
  2. moderierte / nicht moderierte Weitergabe und
  3. Umwandlung.

Initialisierung

Gemeinsam mit Vorgesetztem und Vorgänger wird abgeklärt, welche Aktivitäten und Funktionen auch für den Nachfolger von Bedeutung sein werden: Zielsetzung des Wissenstransfers aus Sicht des Vorgesetzten, Ausgangslage, Ressourcen, an die Umstände und an die Personen angepasste Vorgehensweise. Alle Beteiligten committen sich anschliessend zum vereinbarten Vorgehen und der Nachfolger sendet die Einladungen zu den weiteren Transfer Sessions. Er hat den grössten Nutzen daraus und wird deshalb auch um einen organisatorisch korrekten Rahmen bemüht sein.

3 Phasen Methodik

Bild 4: Methodik in drei Phasen

Phase 1 – Identifikation des Wissens

In einer ersten Phase werden das zu bewahrende Wissen aufgezeichnet und geeignete Methoden für den Wissenstransfer bestimmt. Mit der Wissenslandkarte steht erstmals eine Übersicht des erforderlichen Wissens und eine Priorisierung für den Übergang zur Verfügung. Darin enthalten sind die Systeme, die Prozesse, die Kontaktpersonen, Best Practice, Notfallszenarien etc.

Die Beteiligten legen das weitere Vorgehen fest und bestimmen die dazu erforderlichen Ressourcen.

Die Wissensidentifikation ist der eigentliche Schlüssel für jede weitere Aktivität und soll deshalb auch entsprechend genau und detailliert gemacht werden. Dafür sind zwischen zwei und vier Halbtagen einzuplanen.

Phase 2 – Weitergabe des Wissens

Information im Kontext = Wissen

In der zweiten Phase wird das Wissen durch die eingangs bestimmten Methoden an die Nachfolger weitergegeben, sei es eine Einzelperson oder ein Team. Dazu wird die Wissenslandkarte zu einem Transfer-Dokument verfeinert. Dieses Dokument begleitet den gesamten Wissenstransfer und wird vom Nachfolger laufend aktualisiert, sodass der Fortschritt jederzeit ersichtlich ist.

In dieser Phase kann zwischen moderierten und nicht moderierte Methoden des Wissenstransfers unterschieden werden:

  • Moderierte Methoden: eher komplexeres Wissen wie Prozesse, Notfallszenarien, persönliches Netzwerk. Dieses Wissen wird mit bekannten Methoden aus Wissensmanagement, Coaching, Moderation weitergegeben. Die Auswahl der Methoden ist dabei auf den Inhalt und die Rahmenbedingungen abgestimmt. Eine Auswahl solcher Methoden sind: Story Telling, SWOT Visualisierung, Best Practice, Worst Practice, Visualisierung des persönlichen Netzwerks, Case based Walkthrough, Survival Guide etc.
  • Nicht moderierte Methoden: zum Beispiel Systemwissen, das weitergegeben wird. Wo muss welche Eingabe in welchem Format erfolgen?

Phase 3 – Umwandlung des Wissens

In der dritten Phase wird das Erfahrungswissen des Vorgängers, soweit sinnvoll und mit vertretbarem Aufwand machbar, in niedergeschriebenes, explizites Wissen umgewandelt. Das dabei entstandene Transfer-Dokument kann auch als "Journal" des Wissenstransfers dienen. Dazu sollte es bereits in der zweiten Phase "Weitergabe des Wissens" angelegt werden. Es hilft dem Nachfolger im neuen Umfeld den Überblick zu behalten: Status des Transfers, Hinweise auf Informationen, Personen, Szenarien etc.

Die Wiederverwendbarkeit des Transferdokuments wird sich bezahlt machen, wenn zu einem späteren Zeitpunkt ein Stellvertreter oder ein weiterer Nachfolger eingearbeitet werden soll: Der Kreis schließt sich, Phase 1 beginnt mit den neuen Personen.

Daraus ist erkennbar, dass nicht nur Personalentwicklung mit der Methodik unterstützt wird, sondern auch das Potenzial zur Organisationsentwicklung besteht: Aufgaben und Funktionen von Organisationseinheiten werden transparent und können auch entsprechend sinnvoll und nachhaltig verändert werden.

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Familienfreundlich: Schwäbisch Hall bietet Mitarbeitern viele Möglichkeiten

Der Bewerbermarkt ist in Bewegung – und die Richtung, in die er sich bewegt, lässt Unternehmen größere Anstrengungen als früher unternehmen, sich als attraktive Arbeitgeber zu profilieren. Der Arbeitsmarkt verändert sich unter anderem aufgrund des demografischen Wandels von einem Arbeitgeber- zu einem Arbeitnehmermarkt. Deshalb müssen die Unternehmen stärker als früher nach außen zeigen, welch positive Rahmenbedingungen sie speziell gut ausgebildeten Arbeitnehmern bieten. Beim allgemeinen Zeigen wird es jedoch nicht bleiben. Mittelfristig wird vielmehr das gezielte, frühzeitige Zugehen auf geeignete Kandidaten darüber mitentscheiden, ob Unternehmen weiterhin genügend Nachwuchskräfte finden. 

Unternehmen können mit vielerlei Maßnahmen auf den demografischen Wandel reagieren. Ältere Arbeitnehmer können länger beschäftigt werden, Frauen können nach der Erziehungspause früher wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren, Teilzeitkräfte können mehr Wochenstunden arbeiten. Diese Möglichkeiten funktionieren allerdings nur, wenn folgende Prämisse gilt: Die Arbeitsbedingungen, die Arbeitsinhalte und das Arbeitsklima stimmen. Ansonsten entscheiden sich Mitarbeiter nicht für ein späteres Ausscheiden oder eine frühere Rückkehr aus dem Erziehungsurlaub. Das Image als Arbeitgeber bei den relevanten Zielgruppen muss ebenfalls passen und Informations- und Kontaktangebote müssen vorhanden sein, sonst bewerben sich zu wenig gut ausgebildete Fachkräfte im Unternehmen.

Familienfreundliche Angebote rechnen sich

In einer Studie hat das Bundesfamilienministerium den betriebswirtschaftlichen Nutzen von Investitionen in familienfreundliche Angebote errechnet und kam zu folgenden Ergebnissen: Unternehmen, die nachhaltig in Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie investieren,

  • rekrutieren einfacher und schneller neue Mitarbeiter,
  • senken die Fluktuation und
  • reduzieren Stressfaktoren für Mütter und Väter.

Des Weiteren: Den Aufwendungen in die erforderlichen Maßnahmen stehen geringere Wiederbeschaffungs- und Eingliederungskosten sowie weniger Überbrückungskosten durch geringere Fehlzeiten gegenüber. Die Studie beziffert den jährlichen Return on Investment auf 15 bis 25 Prozent. Dabei ist die Zunahme der Wiederbeschaffungskosten durch zurückgehende Absolventenzahlen in der Zukunft noch nicht berücksichtigt. Es gilt: Die betriebswirtschaftlichen Effekte sind umso höher, je länger das Engagement anhält und auf internes Arbeitsklima und externes Unternehmensimage wirken kann.

Eine weitere Größe zahlt auf das Konto der Unternehmensreputation ein: die Zufriedenheit der Kunden. Sie wird insbesondere in der Finanzbranche zu wesentlichen Teilen durch den Umgang der Kundenberater und -betreuer mit ihnen geprägt. Ohne ein gutes Betriebsklima entsteht jedoch keine Einsatzbereitschaft gegenüber Kunden. Fehlentwicklungen in diesem Bereich führen zu versteckten (Folge-) Kosten, die nur langfristig wieder abgeschafft werden können. Diese Erkenntnisse haben in einigen Unternehmen bereits dazu geführt, familiengerechtes Führungsverhalten zum Bestandteil der Zielvereinbarungen für das Management zu machen und die Vergütung daran zu orientieren.

Die individuellen Bedürfnisse beachten

So weit will Schwäbisch Hall nicht gehen. Die von Experten und Politikern geforderten Instrumente sind aber bereits seit Jahren gelebte Praxis. Sie tragen heute bereits wesentlich zum Unternehmenserfolg der Bausparkasse bei. Dabei lautet das Credo von Schwäbisch Hall, den einzelnen Mitarbeitern Lösungen anzubieten, die ihnen in ihrer spezifischen, familiären Situation weiterhelfen. Entsprechend breit ist das Bündel von Maßnahmen, die zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf beitragen.

Die heutigen Kernforderungen an die Wirtschaft enthalten unter anderem

  • eine Flexibilisierung der Arbeitszeit,
  • Angebote, um in Auszeiten zum Unternehmen Kontakt zu halten,
  • Möglichkeiten zur Telearbeit und
  • eine betrieblich organisierte Kinderbetreuung.

Viele Bausteine hiervon wurden bei Schwäbisch Hall schon in den 70er Jahren eingeführt, weil das Unternehmen gut ausgebildete Frauen nicht als Arbeitskraft verlieren wollte. Bereits damals war der Frauenanteil sehr hoch, heute beträgt er knapp 60 Prozent der Belegschaft. Und von den Führungskräften im Unternehmen sind aktuell ein Fünftel weiblich – ein Anteil, der künftig gesteigert werden soll. Von den neun Hochschulabsolventen, die in diesem Jahr als Trainees im Unternehmen begonnen haben, sind immerhin sieben weiblich.

Mehr als 60 Teilzeitmodelle

Bei den Arbeitnehmern galten und gelten familienfreundliche Arbeitszeiten allgemein als der Bereich mit dem größten Handlungsbedarf. Deshalb ergriff Schwäbisch Hall hier schon früh die Initiative: Die Gleitzeitregelung gilt in der Bausparkasse seit 1971. Innerhalb der Betriebsöffnungszeit von 6 bis maximal 20 Uhr wird die Anwesenheit innerhalb der Teams geregelt. Sie orientiert sich an den Bedürfnissen der Kunden, Nachbarteams sowie Mitarbeiter und spielt sich meist schnell und geräuschlos zum gegenseitigen Vorteil ein. Anfallende Überstunden werden bei Tarifangestellten mit Zeitausgleich und maximal 30 freien Gleittagen vergütet, durchschnittlich zwölf werden pro Mitarbeiter im Jahr genommen.

Die Teilzeitquote hat sich in den letzten Jahren auf hohem Stand stabilisiert. Knapp 1.000 der rund 3.200 Mitarbeiter, also 30 Prozent, am Standort Schwäbisch Hall arbeiten Teilzeit. Mittlerweile existieren rund 60 Teilzeitmodelle mit einem Arbeitsvolumen zwischen 50 und 90 Prozent der tariflichen Arbeitszeit, während der Elternzeit auch weniger.

Eine Alternative zur Teilzeit ist ein Telearbeitsplatz zuhause. Er ist geknüpft an eine Mindestanwesenheit im Unternehmen von 20 Prozent. Seltener, aber dennoch üblich ist das Teilen eines Arbeitsplatzes, neudeutsch Jobsharing.

Eigenes Kindertagheim und erweiterte Elternzeit

Neben der flexiblen Arbeitszeit ist das Kindertagheim das Herzstück der Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf – und ein nicht zu unterschätzender Imagefaktor nach außen. Seit 1969 nimmt es Mitarbeiterkinder von 3 bis 10 Jahren zwischen 7 und 17 Uhr auf, und zwar ganzjährig. Selbstverständlich ist auch eine kurzfristige Notfallbetreuung möglich. Der „Fuchsbau“ gegenüber der Hauptverwaltung bietet rund 50 Plätze. Die kurzen Wege dorthin tragen zu einem harmonischen, ja familiären Betriebsklima bei.

Ein kleiner, aber wichtiger Baustein im Gesamtkonzept ist die „Erweiterte Elternzeit“: Statt der gesetzlich geforderten drei Jahre können Schwäbisch Hall-Mitarbeiter vier Jahre Elternzeit im Block nehmen und nach der Einschulung in die Grundschule ein weiteres Jahr hinzufügen. Dieses Angebot zeigt, dass viele Maßnahmen von einem Unternehmen außer einer gewissen Flexibilität wenig verlangen. Sie können aber im Gegenzug Mitarbeiter mit Kindern aus einer echten Zwangslage befreien. Gleichzeitig sind Weiterbildungen und Teilzeitarbeit auch im Erziehungsurlaub möglich.

Auszeit für Pflege und Seniorenheim

Traditionell haben viele Maßnahmen zur Familienfreundlichkeit Mitarbeiter mit Kindern im Kindergarten- oder Schulalter im Blick. Vergessen wird noch oft, dass eine Pflegebetreuung eine Vollerwerbstätigkeit unmöglich machen kann. Seit 1992 erlaubt deshalb eine Regelung Mitarbeitern bei Schwäbisch Hall, sich bis zu zwei Jahre für die Pflege von Angehörigen freistellen zu lassen.

Ein Einzelfall in der deutschen Unternehmenslandschaft ist sicherlich das Seniorenwohnstift der Bausparkasse in der Haller Innenstadt. Es ist in erster Linie gedacht für ehemalige Mitarbeiter, in zweiter Linie aber auch für Angehörige jetziger Mitarbeiter. Es verfügt über 52 Wohnungen und einen Pflegebereich, der auch die Langzeitpflege übernehmen kann.

Das Jobticket, die kostenlose Jahreskarte für die Benutzung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) geht über die Arbeitszeit- und Betreuungsregelungen hinaus, denn sie hat nicht in erster Linie Familien im Blick, sondern alle Mitarbeiter. Mit dem Jobticket gewinnen alle Seiten: Die Mitarbeiter können die Fahrkarte auch privat nutzen, die Bürger der Region profitieren ebenfalls von einem gut ausgebauten ÖPNV-Netz und das Unternehmen trägt zum Umweltschutz bei und hält gleichzeitig die Kosten für Parkplatzbau und -unterhalt niedrig. Zwei Drittel der Mitarbeiter nutzen regelmäßig Bus und Bahn für ihren Weg zur Arbeit.

Zufriedene Mitarbeiter – zufriedene Kunden

Dieser Strauß an Maßnahmen und Angeboten führt dazu, dass die Mitarbeiter in Befragungen eine sehr hohe Zufriedenheit mit ihrem Arbeitgeber angeben; 9 von 10 identifizieren sich stark oder sehr stark mit Schwäbisch Hall. Die gleiche Anzahl würde Schwäbisch Hall als Arbeitgeber weiterempfehlen. Die gute Meinung der Arbeitnehmer über ihr Unternehmen ist ein unbezahlbares Marketinginstrument beim Gewinnen neuer Mitarbeiter. Zertifikate wie „TOP-Arbeitgeber“ und eine wahrnehmbare Arbeitgeberpositionierung können so nachhaltig verstärkt werden.

Aber ein zusätzlicher Aspekt zählt für Schwäbisch Hall noch mehr: Kundenbefragungen zeigen eine hohe Zufriedenheit mit dem Unternehmen. So führt das Deutsche Kundenbarometer die Bausparkasse unter den Ersten bei der Kundenzufriedenheit. Auch die Untersuchung „Deutschlands kundenorientierteste Dienstleister 2007“ kommt zum Ergebnis, dass die Bausparkasse Schwäbisch Hall das beste Kreditinstitut in Sachen Kundenorientierung ist. Diese Ergebnisse bestätigen Mitarbeitern, Kunden und dem Unternehmen, dass der eingeschlagene Weg, zu dem wesentlich auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gehört, der richtige ist. Unter dem Slogan „Gemeinsam Werte schaffen“ wird Schwäbisch Hall sich auch mit diesen Inhalten verstärkt als attraktiver Arbeitgeber positionieren.

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Administration: Interne Rückfragen verlangsamen Prozesse und kosten Geld

Es ist Dienstagnachmittag in einem Auto­mobilunternehmen. Im Kundencenter schellt das Telefon: „Hier Müller aus der Produktion. Ich kann aus den Unterlagen nicht ersehen: will der Kunde Huber einen klappbaren Beifahrersitz?“ Leider ist der zuständige Bearbeiter nicht da, die Produk­tion bleibt stehen und wartet auf den Rück­ruf.

Sie schmunzeln? Denken: vielleicht früher mal, heute gibt es Just-in-Time-Produktion, alles ist standardisiert und computerge­steuert?

Stimmt - für die Abläufe in der Produktion (nicht nur in der Automobilbranche). Hier sind solche Rückfragen nicht mehr denkbar.

Aber wie sieht es in der Administration aus? Wann haben Sie zum letzten Mal auf einen Rückruf gewartet und mussten einen Vor­gang liegen lassen? Wann passierte dies Ihren Mitarbeitern, Ihren Kollegen? Wann haben Sie zum letzten Mal über einen Vor­gang mehrmals Auskunft geben müs­sen, weil irgendwie doch noch nicht alles klar war?

In der Administration wird geduldet, was in der Produktion nur ein Etikett trägt: Mehr­kosten.

Warum wird dies hingenommen? Offen­sichtlich fehlt es an Lösungskompetenz, zu groß scheinen die Unter­schiede zwischen Pro­duktion und Administ­ration - hier Ma­schi­nen und Waren, dort Menschen und Infor­mationen. Natürlich kann man Men­schen nicht programmieren und Infor­matio­nen nicht anfassen, aber auf beiden Seiten han­delt es sich um Prozesse und um Pro­dukte, die für Kunden (externe oder interne) hergestellt werden. Und zwar mög­lichst fehlerfrei, termingerecht und kosten­günstig. Alles, was zu Nacharbeit, Verzöge­rungen und Mehrkosten führt, ist schlicht Ver­schwendung.

Rückfragen sind Ausdruck für Qualitäts­mängel. Sie führen zu Verzögerungen und verursachen Mehrkosten.

Wie kann man Rückfragen reduzieren? Besonders empfehlenswert ist die Me­thode des Wertstromdesigns aus der Lean Administration:

1. Wählen Sie einen Prozess aus:
Als Kriterien für die Auswahl bieten sich die Häufigkeit und Wich­tigkeit des Prozes­ses, die Rückfragequote und die Auswir­kungen auf externe Kunden an.

2. Binden Sie alle Prozessbeteiligten ein:
Nur diejenigen, die im Prozess arbeiten, kennen den Ablauf wirklich.

3. Nehmen Sie den Prozess auf:
Verwenden Sie die bewährte Darstellung in „Schwimmbahnen“ mit Aufgaben, Verant­wort­lichen, Rückfragequote, Liege-, Bear­bei­tungs­- und Übergangszeiten.

4. Klären Sie die Rückfragenursachen:
Am häufigsten treten zu hoher Ab­stim­mungsbedarf, unzulängliche Informations­versorgung und ungenaue Vorgaben auf.

5. Leiten Sie Maßnahmen ab:
Binden Sie die Prozessbeteiligten bei der  Entwicklung von Lösungen ein, damit die Verbesserungen auch gelebt werden. Bewährte Maßnahmen sind:

  • Reduktion der Schnittstellen:
    Weniger Schnittstellen bedeuten weniger Rückfragemöglichkeiten.
  • Standards für Schnittstellenübergänge:
    Standards bezüglich Form, Inhalt und Ter­min sowie Checklisten erleichtern es, Rück­fragen oder Nacharbeiten zu vermeiden.
  • Zentralisierung von Informationen:
    Stellen Sie sicher, dass benötigte Informa­tionen jederzeit und leicht erreichbar sind.
  • Zuweisung von Verantwortung:
    Schaffen Sie ein Bewusstsein dafür, dass die Mitarbeiter nicht nur für den rei­bungslosen Ablauf der eigenen Tätigkeit verantwortlich sind, sondern auch für die erfolgreiche Arbeit ihrer Nachfolger im Prozess. Das schärft den Blick für den ge­samten Prozess und den Erfolg des Unter­nehmens.

6. Setzen Sie die Maßnahmen um:
Legen Sie ausreichend Wert auf Schulungen und Überzeugungsarbeit, wenn die Maß­nahmen zu einer Verände­rung des Prozess­ablaufs führen.

7. Kontrollieren Sie den Erfolg:
Überprüfen Sie den Prozess kontinuierlich auf weitere Verbesserungsmöglichkeiten.

Für die Reduzierung von Rückfragen ist das Wertstromdesign der Lean Administration besonders sinnvoll. Es lenkt den Blick auf Brüche und Verschwendungen in Prozes­sen.

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Teamarbeit: Konflikte fördern Kreativität und Innovationen

Viele anspruchsvolle und neuartige Aufgaben lassen sich kaum noch im stillen Kämmerlein bewältigen. Mitarbeiter sind auf die Mitwirkung von Kollegen angewiesen und müssen mit anderen zusammenarbeiten. Ein gutes Beispiel dafür: Bei der Produktentwicklung kommt es auf die „bunte Mischung“ in den Teams an, um die wirklich bahnbrechenden Ideen und Produkte zu finden. Teamarbeit soll zu besseren Ergebnissen führen, weil die Beteiligten

  • unterschiedliche persönliche Sichtweisen einbringen;
  • Informationen aus mehreren Fachgebieten zusammenführen und
  • ihr jeweiliges Kreativitätspotenzial nutzen und so die Wirkung der gemeinsamen Kreativität verstärken.

Doch die interdisziplinäre Zusammenarbeit hat in der Praxis auch ihre Schattenseiten. Gerade weil die Mitarbeiter ihre Erfahrungen in ganz unterschiedlichen Fachbereichen gesammelt haben, haben sie ihre jeweils eigenen Sichtweisen und Werte. Sie haben ihre eigene Art und Weise, an Fragestellungen heranzugehen und Aufgaben zu lösen und meinen, dass diese die richtige sei. Sie können sich nur schwer auf die die Sichtweise der anderen Teammitglieder einstellen. Die Folge: Es gibt Reibungen bei der Zusammenarbeit, die sich zu handfesten Konflikten ausweiten können. Am Ende kommt bei Teamarbeit nichts Brauchbares heraus.

Ist das wirklich so? Und was fördert die Kreativität in heterogenen Teams? Das fragten Laurie R. Weingart und Gergana Todorova von der Tepper School of Business an der Carnegie Mellon University, Pittsburgh, sowie Matthew A. Cronin von der School of Business der George Mason University, Fairfax. Ihnen ging es vor allem darum aufzuzeigen, unter welchen Bedingungen Produktentwicklungsteams wirklich innovativ sind und Produkte hervorbringen, die für die Kunden einen hohen Nutzen haben. Sie haben die Effekte von Konflikten und Teamkoordination auf die Kreativität von Teams untersucht.

Meine Vorstellungen sind richtig, die anderen verstehe ich nicht

Bislang herrschte die Meinung vor, dass die Zusammenarbeit in gemischten Teams eher problematisch sei. Dabei werden folgende Gründe genannt:

  • Die Mitarbeiter haben ein unterschiedliches Verständnis von der Aufgabenstellung.
  • Sie haben jeweils andere Ziele.
  • Sie haben ihre jeweils eigenen Vorstellungen, wie Lösungen entwickelt werden sollten.
  • Sie bringen zu wenig Vertrauen und Respekt ein, um die Personen und die Arbeit anderer Abteilungen im notwendigen Maße anzuerkennen.

Dabei ist es kein böser Wille der Mitarbeiter, dass sie sich nicht auf die Vorstellungen der anderen einlassen. Sie verstehen nur deren Sichtweisen nicht und können sie nicht in ihre eigene Vorstellung einbinden. Die Folge: Die Zusammenarbeit gestaltet sich schwierig und das Ergebnis der Teamarbeit ist nicht befriedigend, weil die Kreativität gebremst wird.

Das verstärkt die Konflikte bei der Teamarbeit, sowohl auf der Ebene der Aufgaben, wie auch auf der Beziehungsebene. Im schlimmsten Fall kann das in einen Teufelskreis führen. Je mehr die Zusammenarbeit von Missverständnissen und Konflikten geprägt ist, desto weniger Verständnis bringen die Mitarbeiter für die Sichtweise ihrer Kollegen auf. Die Arbeitsergebnisse liegen unter den Erwartungen und alle sind enttäuscht.

Konflikte fördern die Kreativität …

Dem widersprechen die Forschungsergebnisse von Weingart und ihren Kolleginnen. Sie haben in einem Laborversuch 21 Teams untersucht, die die Aufgabe hatten, neue Produkte zu entwickeln. Das zentrale Ergebnis: Gerade weil die Teammitglieder sehr unterschiedliche Vorstellungen haben, bringen sie kreative und markttaugliche Lösungen hervor. Denn:

  • Die unterschiedlichen Vorstellungen erhöhen zwar die Konflikte zum richtigen Verständnis der Aufgabenstellung, haben aber keinen Einfluss auf der emotionalen Ebene; alle Teammitglieder respektieren sich und sind an einer gemeinsamen Lösung interessiert.
  • Wenn die Vorstellungen so unterschiedlich sind, strengen sich die Teammitglieder mehr an, um durch geeignete Koordinationsmechanismen eine Verständigung zu erzielen.

Wenn das Problem sichtbar wird, kann es also das Kreativitätspotenzial auch erhöhen. Denn darin liegt ja gerade die Chance: Mit den unterschiedlichen Sichtweisen, die zusammengeführt werden, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein neues Produkt die Anforderungen der Kunden besser erfüllt.

… wenn sie zu Beginn ausreichend besprochen werden

Das funktioniert aber nur, wenn das Team geeignete Instrumente einsetzt. Dazu müssen die beteiligten Mitarbeiter zunächst klären, worin sich ihr Verständnis von der Aufgabenstellung unterscheidet. Sie müssen sich ausreichend Zeit lassen und ihre jeweilige Ausgangssituation, ihre Ziele und ihre Vorstellungen zur Lösungsfindung besprechen, um eine Basis für die Zusammenarbeit zu schaffen.

Das überraschende Ergebnis des Forscherteams: Je mehr sich die Teammitglieder über ihre Unterschiede und das Konfliktpotenzial bewusst sind, desto mehr Anstrengungen unternehmen sie, diese Voraussetzungen zu schaffen. Die Folge ist: Sie bringen die besseren Lösungen zustande. Gerade aus diesem Spannungsfeld können also neuartige Produktideen mit großem Marktpotenzial entstehen.

Demgegenüber sind solche Teams nicht so produktiv, die zu Beginn meinen, es gäbe keine unterschiedlichen Ansichten und Verständnisdifferenzen. Sie beginnen vorschnell mit der Lösungsfindung und müssen dann irgendwann feststellen, dass sie nicht richtig vorankommen, weil ihnen die gemeinsame Basis fehlt.

 

Marlies Komorowski von der Deutsch-Niederländischen Handelskammer in Den Haag hat beobachtet, dass die Mitglieder in multikulturellen Teams oft verunsichert sind. Sie stellt fest:

„Viele Verantwortliche und Mitarbeiter deutsch-niederländischer Teams stehen vor komplexen Fragen. Sie fragen sich, was die Erwartungen an die Eigeninitiative sind, welche Regeln es zu beachten gibt und wie Konflikte vermieden werden können.“

Wenn die Mitarbeiter auf die Zusammenarbeit in solchen Teams richtig vorbereitet werden, beweisen sie oft eine höhere Produktivität und Kreativität als Teams aus nur einer Kultur, so Komorowski.

Vertrauen und Respekt sind wichtige Katalysatoren

Das Spannungsfeld von Verständigungsproblemen einerseits und kreativer Teamarbeit andererseits wird erst richtig fruchtbar, wenn sich die Teammitglieder von Anfang an mit gegenseitigem Vertrauen und Respekt begegnen. Das fällt dann schwer, wenn die Teammitglieder in einem starken Wettbewerb stehen, wenn sie um knappe Ressourcen streiten oder wenn sie um Anerkennung durch das Top-Management buhlen.

Hilfreich ist, wenn es im Unternehmen allgemein akzeptierte Regeln gibt, die Hilfe bieten, um mit solchen Konflikten umzugehen. Dazu können gemeinsame Leitbilder und Werte der Organisationskultur genauso gehören, wie Vorgaben durch das Top-Management. Wenn die Regeln auf der übergeordneten Ebene von den Teammitgliedern anerkannt sind, nutzen sie diese, um ihre Verständigungsprobleme, die sachlichen und die emotionalen Konflikte zu lösen.

Studien zeigen wirtschaftliche Erfolge heterogener Teams

Welche empirisch messbaren Erfolge erzielen heterogene Teams und wie wirkt sich Diversity Management auf den Absatz aus? „Ungleich Besser Diversity Consulting“ hat in ihrem „Business Case Report“ mehr als 70 empirische Studien und Praxisbeispiele zur Wirtschaftlichkeit von Diversity Management ausgewertet. Die Berater haben herausgefunden: Die Unterschiedlichkeit von Beschäftigten stellt einen Vorteil dar, wenn die Vielfalt mit geeigneten Maßnahmen gestaltet wird. Eine Studie unter mehr als 270 Mitarbeitern der Ford-Werke fand heraus, dass heterogene Teams komplexe Aufgaben und Probleme besser lösen. Die University of Illinois ermittelte, dass 72 Prozent der Unternehmen mit einem hohen Grad an ethnischer Vielfalt einen überdurchschnittlich hohen Marktanteil und Gewinn aufweisen.

[Quelle: www.ungleich-besser.de [152] ]

Fazit

Obwohl die Forscher rund um Weingart ihre Untersuchungen nur mit studentischen Teams durchgeführt haben, lässt sich einiges auf Unternehmen übertragen. Deren Interesse besteht zunächst darin, innovative Produkte zu entwickeln, die den Bedürfnissen zukünftiger Kunden entsprechen. Das sollen Produktentwicklungsteams möglichst effektiv und effizient leisten. Vor diesem Hintergrund lässt sich festhalten:

  • Interdisziplinäre Teams und unterschiedliche Sichtweisen von Mitarbeitern in Produktentwicklungsteams erzeugen ein Spannungsfeld, in dem kreative Ideen und marktfähige Produkte entstehen.
  • Voraussetzung ist, dass sich die Teammitglieder dieser Spannungen bewusst sind und sie sich bemühen, vor der eigentlichen Produktentwicklungsarbeit ein Verständnis für die jeweils andere Sichtweise zu entwickeln; dafür sollten sie ausreichend Zeit investieren.
  • Das gelingt umso besser, je mehr die Zusammenarbeit von Vertrauen und Respekt geprägt ist; dann finden de Beteiligten eine gemeinsame Basis und Regeln, über die sie ihre unterschiedlichen Sichtweisen für ein übergeordnetes Ziel einbringen können.

Ziel sollte sein, aus einer „bunten Mischung“ in den Teams für Produktentwicklung keine „graue Masse“ zu machen. Jeder sollte seine Sicht der Dinge einbringen, aber auch Verständnis dafür haben, dass man es ganz anders sehen kann.

Quelle mit weiterführenden Ergebnissen:

Laurie R. Weingart, Gergana Todorova und Matthew A. Cronin: Representational Gaps, Team Integration and Team Creativity. The Mediating Roles of Conflict and Coordination [153] , Tepper Working Paper #2008-E11, 2008.

[jf; Bild: Fotolia.com]

Arbeitgeberranking: Bei welchen Unternehmen die Chemie stimmt

Boehringer Ingelheim, Beiersdorf und Wacker-Chemie sind bei den Führungskräften aus der Chemie die Top-Adressen. Für die meisten der gelisteten Unternehmen - darunter etwa die BASF, Bayer, B.Braun Melsungen, Celanese, Nycomed, Roche Diagnostics und Schott - gab es wenig Bewegung im Ranking. Gewinner ist zum siebten Mal in Folge Boehringer. Das Unternehmen ist in Familienhand und ist möglicherweise deshalb so beliebt bei den Führungskräften. Auf den Plätzen zwei und drei sind ebenfalls familiengeführte Unternehmen: Beiersdorf und Wacker Chemie.

Im Ranking verbesserten sich Beiersdorf (von Platz 5 auf Platz 2), Lyondellbasell (von Platz 10 auf Platz 7), Lanxess (von Platz 17 auf Platz 12) und DuPont (von Platz 19 auf Platz 13). Merck fiel ebenso zurück (von Platz 3 auf Platz 8) wie Solvay (von Platz 13 auf Platz 17), Ciba (von Platz 18 auf Platz 22) und Clariant (von Platz 20 auf Platz 24). Die schon im letzten Jahr in der Schlussgruppe zu findenden Unternehmen Nycomed, Celanese, Ciba und Clariant wurden erneut schlecht bewertet.

Für die meisten Unternehmen gab es wenig Bewegung im Ranking.

Die Umfrage enthält Fragen zu

  • Unternehmensstrategien,
  • der Unternehmenskultur,
  • Arbeitsbedingungen,
  • persönlichen Befindlichkeiten und
  • der Motivation.

Unabhängig vom Unternehmen wurden die ersten vier Kategorien schlechter bewertet als 2007. Die erstmals abgefragte Motivation erhielt nach den Arbeitsbedingungen die schlechteste Bewertung. Jeder vierte Befragte bewertete seine Arbeitsbedingungen als mangelhaft oder ungenügend. Fast genauso viele gaben der Unternehmensstrategie diese Noten.

Im einzelnen kritisch beurteilt wurden wieder die Personalentwicklung in den Unternehmen, das Verhältnis Mitarbeiterinteressen und Anteilseignerinteressen sowie die Bonussysteme mit Zielvereinbarungen. Auch die "Informationen über Aufstiegsmöglichkeiten im Unternehmen" kamen schlecht weg.

Positiv merkten die Führungskräfte die wenigen Mobbingfälle und das gute Betriebsklima im persönlichen Umfeld an. Sie äußerten mehrheitlich, nach wie vor gerne zur Arbeit zu gehen.

Bei der Befragung wurde zudem ermittelt, ob die Unternehmen im letzten Jahr Maßnahmen zur Klimaverbesserung eingeleitet haben. Nur 42 Prozent der Beteiligten antworten mit Ja. In den Unternehmen, die Maßnahmen ergriffen haben, wurden alle Fragen des Fragebogens positiver (durchschnittlicher Mittelwert 2,84) beantwortet. Bei den Anderen ist die Stimmung deutlich schlechter (durchschnittlicher Mittelwert 3,52).

Zur Umfrage:

Die vom Verband angestellter Akademiker und leitender Angestellter der chemischen Industrie (VAA) zum siebten Mal durchgeführte Befragung ermittelte die aktuelle Stimmung von knapp 2.000 außertariflichen und Leitenden Angestellten in 24 größeren Chemie- und Pharmaunternehmen mit etwa 250.000 Beschäftigten.

[po; Quelle und Grafik: VAA Verband angestellter Akademiker; Bild: Fotolia.com]

Critical Chain: Ressourcen optimal nutzen, damit Projekte zum Erfolg werden

Ein Großteil der klassisch geplanten Projekte scheitert oder erreicht nicht die Zielvorgaben:

  • Kosten fallen aus dem Rahmen oder
  • Zeitlimits werden überschritten.

Die Ursachen hierfür sind vielfältig, denn jede Störung in den Einzelprozessen hat eine unmittelbare Auswirkung auf den Endtermin und damit auf die Kosten des Projektes.

Wenn beispielsweise Zeitvorsprünge sowie Kosteneinsparungen, die durch Sicherheitspuffer in Einzelvorgängen erreicht wurden, nicht weitergereicht werden oder Mitarbeiter schneller beziehungsweise kostengünstiger als geplant fertig werden und diesen Umstand nicht kommunizieren, um nicht höhere Anforderungen für spätere Vorgänge erfüllen zu müssen. Störend kann sich auch das so genannte „Studenten-Syndrom“ auswirken, bei dem man dazu neigt, Tätigkeiten in der letzten Minute zu erledigen oder abzuliefern. Im Projekt führt dies dazu, dass Mitarbeiter selten vor der geschätzten Dauer ihre Vorgänge mit dem Fertigstellungsgrad 100-prozentig melden.

Critical Chain

Critical Chain ist ein holistischer Projektmanagement Ansatz, der ein generelles Umdenken bei allen Projektbeteiligten erfordert. Um bessere Ergebnisse zu erzielen, können verschiedene Stellschrauben genutzt werden, zum Beispiel „versteckte Sicherheiten“. Wenn Mitarbeiter den Aufwand für Projektvorgänge schätzen, kalkulieren sie in der Regel nicht die Zeit, die sie für die Erledigung des Vorgangs benötigen, sondern die Dauer, die benötigt wird, bis der Vorgang als beendet gemeldet ist. Projektkolleginnen und -kollegen berechnen beispielsweise zwei Tage zum Programmieren einer Schnittstelle und geben drei Tage dem Projektleiter weiter. Der Projektleiter gibt gleichermaßen einen Sicherheitspuffer von einem Tag hinzu und somit beträgt der Aufwand für diesen Vorgang vier Tage.

Bei Critical Chain werden die Vorgänge um die versteckten Sicherheiten bereinigt und in Projekt- und Versorgungspuffer gebündelt. Somit entstehen offene Projektpuffer, die allen Beteiligten zur Verfügung stehen und die für Risiken genutzt werden können. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeiter nicht nur den Fokus auf eigene Teilaufgaben und Vorgänge legen, sondern vernetzt denken und handeln sollten. Dies meint, dass ein Projekt immer einen festen Anfangs- und Endtermin hat. Sofern Mitarbeiter Vorgänge schneller bearbeiten, wirkt sich dies jedoch bisher nicht auf das Projekt aus.

Versorgungspuffer

Der Critical Chain Projektmanagement Ansatz differenziert zwei Puffer:

  1. Den Versorgungspuffer, auch Feeding Buffer, und
  2. den Projekt Puffer oder Project Buffer genannt.

Der Feeding Buffer steht direkt vor der kritischen Kette und dient dazu, den Aufwand jedes einzelnen Vorgangs auf der kritischen Kette gegen Verzögerung zu schützen.

Der Project Buffer zielt darauf ab, die Zielvorgaben und den Endtermin zu sichern. Er befindet sich am Projektende. Die Größe der Puffer bestimmt die Projektleitung. Dabei ist es wichtig, mit den Fachkolleginnen und -kollegen im Dialog zu stehen, um eine genaue Aufwandsplanung zu erstellen, die vom Team getragen wird. Sobald es zu zeitlichen Verzögerungen durch zum Beispiel Hardware Komponenten, die später als erwartet geliefert werden, oder Ausfallzeiten durch überlastete Serverkapazitäten kommt, wird die zusätzlich benötigte Zeit vom Project Buffer verwendet. Somit können Schwankungen – positive wie negative – ausgeglichen werden.

Aspekte zur Differenzierung

Ein wichtiger Punkt ist die Vermeidung von Parallelverarbeitung. Mitarbeiter arbeiten Vorgänge iterativ ab und nicht mehrere Aufgaben nebeneinander. Es ist nachgewiesen, dass Mitarbeiter weniger Zeit benötigen, wenn sich die Aufmerksamkeit auf einen Vorgang richtet, bis dieser erledigt ist. Der Arbeits-Effizienzverlust des Mitarbeiters liegt bei 40 Prozent [Quelle: API „Schedule and Cost Buffer Sizing“, page 18, 2002].

Das iterative Vorgehen kann auch im Multi-Projektmanagement angewendet werden. Wenn es beispielsweise um IT-Harmonisierungen geht, werden heute in der Regel einzelne Gesellschaften, country sides oder Modulkomponenten live gesetzt und nicht alle Anwendungen gleichzeitig freigegeben.

Die beschriebenen Aspekte führen dazu, dass das Thema Ressourcen eine erhöhte aufmerksam verdient. Goldratt geht davon aus, dass Critical Chain die längste Kette von Vorgängen ist, die sowohl die kritischen Vorgänge als auch die kritischen Ressourcen mit einbezieht. Ressourcen sollten optimal genutzt werden, um damit die Kosteneffizienz zu steigern. Mitarbeiter bereiten einen Vorgang vor, starten den Bearbeitungsprozess, kündigen den Beendigungsstand frühzeitig an und beenden die Aktivität, sodass ein anderer Mitarbeiter die Bearbeitung des Nachfolgervorgangs vorbereiten und starten kann. Dieses Vorgehen wird in der Literatur auch als „Staffellauf“ bezeichnet. Sobald ein Mitarbeiter von einem seiner Vorgänger hört, dass der Bearbeitungsprozess bald abgeschlossen ist, bereitet er sich auf die Arbeit an seinem Vorgang vor und startet unmittelbar nach Abschluss des Vorgängers.

Messung des Projektfortschritts

Eine Möglichkeit zur Messung des Projektfortschritts bei Critical Chain ist das Ampel-Prinzip. Der Projektfortschritt wird auf den Ebenen „Arbeitspakete“, „Teilprojekte“ und „Gesamtprojekt“ aufgezeigt. Innerhalb dieser Ebenen wird der Vorgangsbearbeitungsstand beim Start (0 Prozent) mit Rot, bei 50 Prozent mit Gelb und bei einem Abarbeitungsgrad von 90 Prozent mit Grün dargestellt. Bei 90 Prozent informiert der Projektkollege den Kollegen, der die Vorbereitungsarbeiten für den Nachfolgevorgang beginnt. Benötigt der Vorgang eine längere Bearbeitungszeit, so wird der Feeding Buffer um den Verlängerungszeitraum gekürzt. Wenn zum Beispiel die Programmierung der Schnittstelle drei Tage benötigt (Schätzung war zwei Tage), verringert sich der Feeding Buffer um einen Tag.

Die Projektleitung benötigt jederzeit den Status der Vorgänge, bezogen auf die Qualität und Quantität. Sobald sich die Dauer von Vorgängen verändert, wird der Zugang zu der Ressourcen- und Terminplanung benötigt. Der kritische Pfad ist als Bestandteil der Fortschrittsmessung zu betrachten. Die Fortschrittsmessung erfolgt auf Basis des Pufferverbrauchs, auch Puffermanagement genannt. Um den Projektfortschritt gegenüber dem Management zu dokumentieren, werden nach wie vor Meilensteine genutzt. Doch arbeitet man bei der Critical Chain Projektmanagement Methode mit Meilensteinen, die sich terminlich verschieben können.

Herausforderungen und Chancen

Die Critical Chain Projektmethode bedeutet eine „Kulturveränderung“ im Projektmanagement und stellt einen Paradigmenwechsel dar. Sowohl das Verhalten als auch die Prozesse ändern sich bei der Anwendung dieser Projektmethode. Sie garantiert den Projektbeteiligten keine schnelleren Durchlaufzeiten, doch sie ermöglicht es, das angestrebte Ziel, Projekte in Time, Budget und Quality zu führen und abzuschließen.

Grundlegende Elemente der Critical Chain Planung

  • Die Nutzung der TOC (Theory of Constraints) Prozessschritte während des gesamten Projektes.
  • Befreiung alle Vorgänge von versteckten Sicherheiten.
  • Iteratives Vorgehen und kein Multitasking bei Vorgängen und Aktivitäten.
  • Verzicht auf terminierte Meilensteine.
  • Die Arbeit soll asap begonnen und Ergebnisse schnellst möglich weitergereicht werden.
  • Absolute Transparenz in der Projektplanung.
  • Steuerung nicht nur nach Fortschritt, sondern nach Pufferverbrauch.

[Bild: Fotolia.com]

Projektsteuerung: ERP-Projekte richtig steuern

Die Vater Unternehmensgruppe – einer der größten IT-Dienstleister in Norddeutschland – verfügt über viel Erfahrung mit langfristigen ERP-
Projekten und hat 10 Tipps für ein optimales Projektmanagement 
zusammengestellt:

Setzen Sie eindeutige Prioritäten!

Gemessen an der Bedeutung des Projekts für das Unternehmen wird ihm oft eine zu geringe Priorität zugewiesen. Das Tagesgeschäft drängt sich schnell in den Vordergrund und der Projektsteuerung wird zu wenig Zeit eingeräumt.

Zeigen Sie Verantwortung!

Die Verantwortung für das Projekt wird häufig dem Projektmanagement übertragen, ohne dass es auch die entsprechenden Kompetenzen erhält. Die Geschäftsführung muss die Bedeutung des Projekts durch deutliche Unterstützung und Präsenz dokumentieren.

Auf das Projektteam kommt es an!

Anstatt das Projekt Mitarbeitern auf den Tisch zu legen, die gerade Zeit haben, ist es sinnvoll, dafür diejenigen auszuwählen, die am besten geeignet sind. Alle betroffenen Kernbereiche des Unternehmens sollten mit positiv denkenden Teilnehmern im Team vertreten sein. Eigenverantwortung und Entscheidungsspielraum der einzelnen Teilnehmer sind unverzichtbar – sonst sinkt die Motivation.

Sorgen Sie für klare und stetige Kommunikation!

Der Spruch ist alt: Alle wissen es, nur der nicht, den es betrifft. Dieses Problem tritt auch im Projektmanagement häufig auf, etwa wenn keine geregelten Informationswege existieren oder Projektmeetings nicht verbindlich durchgeführt werden. Eine zielgerichtete und offene Kommunikationsstrategie in beide Richtungen stellt sicher, dass alle relevanten Mitarbeiter sich als einen entscheidenden Teil der Lösung verstehen, ihr Wissen einbringen und die Prozesse vorantreiben. Regelmäßige und strukturierte Projektmeetings mit den Beteiligten sind dabei kein unnötiger Verwaltungsoverhead, sondern zentrales Element der Abstimmung.

Definieren Sie ein angemessenes Zeitfenster!

Eine zu knapp bemessene Projektzeit führt dazu, dass wesentliche Teilaufgaben, wie zum Beispiel Überprüfung und Optimierung der Kernprozesse, nur unzureichend umgesetzt werden. Bei einer kritischen Terminstrecke sollten Aufgaben, deren Bearbeitung im ersten Schritt nicht notwendig ist, ggf. in eine zweite Projektphase verschoben werden, die dann separat geplant und umgesetzt wird.

Delegieren Sie!

Oft versuchen Projektteilnehmer, alles selbst zu machen, und verlieren dadurch Zeit mit Aufgaben, die auch andere übernehmen können! Die Abgabe definierter Teilbereiche an Kollegen spart Zeit, Geld und vor allem Nerven. Und die Kollegen erhalten neue (Teil-) Informationen über das Projekt.

Definieren Sie klare Ziele und Meilensteine!

Ohne klare Zieldefinition und ohne roten Faden laufen die einzelnen Projektteilnehmer schlimmstenfalls in verschiedene Richtungen. Prioritäten werden unterschiedlich eingeschätzt, wertvolle Arbeitszeit wird an unwichtige Dinge verschwendet und Zielvorgaben werden nicht rechtzeitig erreicht. Als Basis für ein strukturiertes Vorgehen ist die exakte Planung aller Projektphasen unumgänglich. Sie erleichtert die Erfolgsmessung und steigert die Akzeptanz bei den Mitarbeitern.

Rechnen Sie genau durch!

Projektkalkulationen werden im Hinblick auf die Gesamtkosten oft nicht strukturiert genug geplant. Uneindeutig formulierte Vertragspositionen, eine fehlende laufende Kostenkontrolle während des Projekts und mangelnde Kommunikation mit Herstellern lassen die Kosten schnell in die Höhe schießen. Fragen Sie zu Projektbeginn genau, verhandeln Sie bestimmte Vertragspunkte nach und bleiben Sie über die aktuell anfallenden Kosten im Bild!

Das Ergebnis muss sorgfältig gemessen werden!

Die begleitende Auswertung eines Projekts wird meistens vernachlässigt – dabei liefert sie wichtige Informationen über den Status und das weitere Vorgehen im Projekt. Abweichungen vom Projektplan bei Terminen, Inhalten und Budgets sowie Fehler müssen frühzeitig erkannt werden, um gegensteuern zu können. Das Projektcontrolling sollte mindestens zu den Meilensteinen erfolgen und das Projektbudget mindestens monatlich überprüft werden.

Lassen Sie sich helfen!

Unternehmen haben als primäres Ziel, erfolgreich in ihrem Kerngeschäft zu sein – ERP-Projekte gehören meistens nicht dazu. Daher sollten ERP-Projekte von externer Seite unterstützt werden, um fehlende Zeit und fehlendes Know-how zu kompensieren. Die Rolle, die der Consultant erfüllen soll, muss jeweils individuell definiert werden. Neben der fachlichen Eignung des Beratungspartners und des Angebotsrahmens ist bei der Auswahl daher das Zusammenspiel der internen und der externen Projektteams von entscheidender Bedeutung.

[po; Quelle: Vater Unternehmensgruppe; Bild: Fotolia.com]

Organisationsveränderung: Eine Reise durch die Welt der Veränderung

Was gehört alles zu einer erfolgreichen Veränderung dazu? An was muss ich denken? Mit der „Karte der Veränderung“ geben wir Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Elemente einer erfolgreichen Organisationsveränderung. Wir haben dazu die Begriffe aufgezeichnet und zueinander in Beziehung gesetzt. Auch wenn die Karte der Veränderung mit einem Augenzwinkern gestaltet ist, so ist es dennoch eine ernstgemeinte Topologie der zentralen Begriffe einer erfolgreichen Prozessverbesserung. Sie bereitet die Erfahrung vieler erfolgreicher Prozessverbesserungsprojekte graphisch auf.

Die Kontinente der Karte der Veränderung

Unsere Welt der Veränderung kennt zwei große Kontinente: Im Osten liegt der „Kontinent der Stabilität“ und im Westen der „Kontinent der Veränderung“. In der Mitte werden beide Kontinente durch den „Düsterwald“ getrennt. Veränderungen beziehungsweise Neues von Kontinent der Veränderung muss die Hürde des Düsterwalds überwinden, um zum Kontinent der Stabilität zu gelangen und dort adoptiert zu werden. Im Düsterwald lauern viele Gefahren. In ihm kann man kann sehr leichtverloren gehen und keinen Ausgang mehr finden.

Der „Kontinent der Stabilität“, „Kontinent der Veränderung“ und „Düsterwald“ sind die großen Gebiete der Karte der Veränderung.

Abb. 1. Karte der Veränderung

Auf dem Kontinent der Stabilität findet sich Bewährtes wieder – zusammen mit den anderen Themen wie Erfolg, Zaudern und Kontinuierlicher Verbesserung. Auf dem Kontinent der Stabilität haben sich Dinge etabliert, hier ist die Welt erschlossen, verstanden und scheinbar stabil. Veränderungen am Bewährten sind schwierig. Sie beginnen mit einer langen Reise mit der Ideenfähre ganz im Osten zum „Kontinent der Veränderung“. Von dort aus müssen die Veränderungsideen auf dem langen Weg der Institutionalisierung quer durch die ganze Welt der Veränderung gebracht werden, bevor sie im Bewährten ankommen. Auf dem Kontinent der Veränderung findet sich Neues

Der Kontinent der Veränderung ist noch weitgehend unerschlossen und ungemütlich. Eine Straße führt vom Hafen im Westen vorbei am Vulkan der Ideen und an der Stadt Neues zum Basislager der Veränderung. Vom Basislager aus brechen mutige Pioniere in den Düsterwald auf, um Veränderungen vom Kontinent der Veränderung hinüber zum Kontinent der Stabilität zu bringen. Im Norden des Kontinents liegt die Stadt Regelwerk als eine Art Las Vegas, die mit einer breiten Autobahn in den Düsterwald und mit der Big-Bang-Schnellfähre einen verlockend einfachen Zugang zum Kontinent der Stabilität verheißt. Wer jedoch der Autobahn folgt findet keinen Ausweg aus dem Düsterwald mehr, und wer die Schnellfähre nimmt wird mit ihr an den Quick-Win-Untiefen untergehen. Der Düsterwald ist die Barriere zwischen den Kontinenten

Der Düsterwald trennt beide Kontinente und stellt die große Hürde dar, um vom Neuen zum Bewährten zu kommen. Der Düsterwald ist groß und dicht, es gelangt wenig Licht hinein, und Fatalismus, Angst, Selbstgefälligkeit und Abwarten machen sich breit. Ein großer Autobahnring prägt den Düsterwald, aber er führt nur im Kreis und bringt einen nicht vorwärts – dennoch fahren sehr viele Leute auf dieser Autobahn. Eine direkte Autobahnverbindung zur glitzernden Stadt Regelwerk verschärft diese Situation noch, denn auch dieser Weg führt nicht weiter, aber dem Schein der Stadt Regelwerk erliegen viele. Ein einziger Weg führt durch den Düsterwald hindurch, er ist kaum erkennbar und nur gestrichelt eingezeichnet: der „Pfad der Institutionalisierung“. Er beginnt beim Basislager der Veränderung, schlängelt sich durch den Düsterwald hindurch und endet im Osten des Düsterwalds bei der Siedlung der Pioniere.

Das Gebiet der Stadt Bewährtes

Die Stadt „Bewährtes“ ist das Zentrum des Kontinents der Stabilität. Sie grenzt mit ihren Vororten an den Düsterwald an, und die Vororte und Stadtteile von Bewährtes spiegeln die Adopterkurve wieder. Vom Ort „Frühe Umsetzer“ an der Grenze zum Düsterwald geht es über die Stadtteile „Frühe Mehrheit“ und „Späte Mehrheit“ zur Stadt Bewährtes. Außen vor bleibt die Stadt „Zauderer“; die Personen, die hier wohnen, möchten keine Veränderungen am Bewährten. Die Stadt Zauderer liegt in nächster Nähe zum Ort „Misserfolg“ weiter im Norden. Von diesem Ort aus führt eine Einbahnstraße in den Düsterwald hinein zur „Angststarre“. Der Ort „Erfolg“ im Süden der Stadt Bewährtes bildet den Gegenpol zum Misserfolg, aber auch von hier aus führt eine Einbahnstraße in den Düsterwald zum Ort „Selbstgefällighausen“.

Die Stadt „Bewährtes“ ist das Zentrum des Kontinents der Stabilität.

Abb. 2. Gebiet der Stadt „Bewährtes“

Kontinuierliche Verbesserungen sind notwendig, um das Bewährte zu erhalten. Daher ist dies ein wichtiger Ort auf dem Kontinent der Stabilität in nächster Nähe zur Stadt „Bewährtes“. Die Kontinuierliche Verbesserung ist direkt mit dem Ort „Erfolg“ weiter im Süden verbunden. Eine Kontinuierliche Verbesserung erfordert eine Analyse der Stärken und Schwächen des Bewährten – dies erfolgt durch Assessments, aber auch durch Wünsche können Veränderungsideen entstehen. Alle diese Orte liegen daher nah beieinander im Osten der Stadt Bewährtes. Wo auch immer die Veränderungsideen herkommen: sie nehmen alle die Ideenfähre um zum Hafen der Verbesserungsvorschläge auf dem Kontinent der Veränderung zu gelangen.

In der Stadt Bewährtes gibt es eine gut ausgebaute Infrastruktur. In der Stadt finden sich Schulen, Messungen, Bibliotheken und andere Dinge, um das Bewährte zu unterstützen.

Der Süden des Kontinents der Veränderung

Im Süden des Kontinents der Veränderung finden sich nur wenige Orte. Reisende erreichen den Kontinent meist über den Hafen der Verbesserungsvorschläge ganz im Westen. Hier liegt das Gebiet der Ideen. Vom Hafen aus führt der Weg zur Stadt der Ideen, die in nächster Nähe zum Vulkan der Ideen liegt. Die Orte „Falsche Probleme“ und „Unrealistische Ideen“ stellen Sackgassen dar.

Vom Gebiet der Ideen führt die Straße weiter in Richtung Osten zum Gebiet des Neuen. Hier liegt die Stadt „Neues“, in ihrer Nähe sind die Orte „Verbesserung“ und „Verschlechterung“ – beides erreicht man nur über „Versuch“. Neues muss priorisiert werden – dies wird in der Priorisierungsanlage in der Stadt „Groß Priotisburg“ gemacht. Von den Orten Verschlechterung und Unrealistische Ideen aus führt jeweils ein Weg zum Friedhof der gescheiterten Ideen ganz im Süden.

Im Südosten des Kontinents der Veränderung liegt das Gebiet des Neuen.

Abb. 3. Süden des Kontinents der Veränderung

Das Gebiet um das Basislager der Veränderung

Neben dem Gebiet des Neuen liegt das Basislager der Veränderung. Das Basislager ist der einzige Ausgangspunkt, um erfolgreich Neues durch den Düsterwald hindurch zum Kontinent der Stabilität und zur Stadt Bewährtes zu bringen. Das Basislager ist unscheinbar am Rande des Düsterwalds aufgeschlagen, und man erreicht es nur über den Ort Groß Priotisburg (das heißt mit priorisierten, neuen und in einem Versuch ausprobierten Ideen). Das Basislager ist sehr einfach, besteht nur aus Hütten und Zelten und gibt einen ersten Eindruck vom steinigen Weg durch den Düsterwald. Daher gehen viele Personen um das Lager herum auf die Straße zur großen und verheißungsvollen Stadt „Regelwerk“ im Norden.

Beim Basislager finden sich alle Dinge, die notwendig sind, um Neues zu etablieren und zum Bewährten zu bringen, das heißt um den Düsterwald zu durchqueren. Hierzu gehören Ressourcen, Management- Commitment, die Involvierung von Beteiligten und Betroffenen, ein Risikomanagement, eine Maßnahmenplanung, ein iteratives Vorgehen, Fähigkeiten sowie messbare Ziele (siehe den Ausschnitt rechts unten auf der Karte der Veränderung).

Beim Basislager finden sich alle Dinge, die notwendig sind, um Neues zu etablieren und zum Bewährten zu bringen.

Abb. 4. Basislager der Veränderung und seine Umgebung

Vom Basislager aus führt die Straße zum Ort „Mut“, der Ausgangspunkt des Trampelpfades durch den Düsterwald ist. Wer den Weg durch den Düsterwald antritt, besucht vorher noch die Orte Notwendigkeit und Dringlichkeit und lädt seine Vorräte im Ort Mut auf.

Der Weg durch den Düsterwald wird durch Erfahrung und Externe Unterstützung wesentlich erleichtert. Viele der Hütten und Ressourcenläden im Basislager werden durch Personen betrieben, die vom Kontinent der Stabilität kommen und schon einmal den Weg durch den Düsterwald gegangen sind. Außerdem werden die meisten Teams, die den Düsterwald durchqueren, durch erfahrene Begleiter unterstützt. Diese Erfahrung kommt über den Unterstützungshafen ganz im Süden zum Basislager. Die meisten der erfahrenen Begleiter bringen nicht nur ihre eigene Erfahrung mit, sondern waren auch auf der „Insel der Guten Praktiken“, von wo aus sie wichtige Werkzeuge, dokumentierte Erfahrung und gute Praktiken mitbringen.

Der Weg durch den Düsterwald wird durch Erfahrung und Externe Unterstützung erleichtert.

Abb. 5. Unterstützung für den Weg durch den Düsterwald

Die Stadt Regelwerk ist groß und hell. Sie zieht auf Grund ihres scheinbaren Glanzes viele Personen auf dem Kontinent der Veränderung an. Sie wird durch Energie aus den Stadtteilen Hochmut und Ungeduld angetrieben. Über eine Straße vom Basislager der Veränderung kommen viele Personen, durch den Glanz der Stadt angezogen, über die Orte Naivität und Leichtsinn nach Regelwerk. Der Glanz der Stadt ist jedoch nicht echt, und die glitzernden Fassaden verbergen, dass es von diesem Ort aus nirgendwohin geht. Wer genau hinschaut wird feststellen, dass die Stadt nur sich selbst dient und viele Ressourcen verbraucht, insbesondere für die Fabriken im Gebiet „Sinnloses Industriegelände“. Hier stehen die Fabrik „Großes Regelwerk“, die „Druckerei der ungelesenen Berichte“ und die „Große Papierkramfabrik“. Sie verarbeiten das schwere und ungesunde Holz aus dem Düsterwald. Von der Stadt Regelwerk aus ist es nicht weit zum Ort „Wahnsinn“, wo der Kontinent der Veränderung endet.

Die Stadt Regelwerk dient nur sich selbst und verbraucht viel Ressourcen.

Abb. 6. Stadt Regelwerk

Vom Ort Regelwerk aus gibt es keinen Weg, der irgendwohin führt. Die große Autobahn, die direkt durch die Stadt geht, führt in den Düsterwald und endet dort in einem Kreis. Alle Big-Bang-Schnellfähren, die am Elfenbeinturm abfahren und den Düsterwald umschiffen, sinken bei den Quick-Win-Untiefen, die vor den Steilklippen des Kontinents der Stabilität liegen. Es ist typisch für den Schein der Stadt Regelwerk, dass die gleißenden Schnellfähren regelmäßig abfahren, obwohl sie alle sinken. In der Stadt Regelwerk heißt es, dass alle Fähren ankämen, und skrupellose Geschäftemacher verdienen hier viel Geld.

Der Düsterwald

Der dunkle Düsterwald wird durch die Städte „Fatalismus“, „Angststarre“, „Selbstgefällighausen“ und „Abwartenhausen“ geprägt. Sie liegen in der Mitte des Düsterwalds. Diese Städte sind durch einen gefährlich verführerischen Autobahnring „Der falsche Weg“ miteinander verbunden. Wer einmal auf diesem Kreis gefangen ist, kommt kaum wieder heraus. Viele Personen verschwinden daher im Düsterwald und tauchen nie wieder auf.

Der Düsterwald ist durch vier Städte und einen Autobahnring geprägt.

Abb. 7. Düsterwald

Tatsächlich gibt es jedoch einen kleinen und unscheinbaren „Pfad der Institutionalisierung“, der durch den Düsterwald hindurchführt. Er beginnt beim Ort Mut im Westen vom Düsterwald, und führt in vielen Schlangenlinien zur Siedlung der Pioniere im Osten des Düsterwalds. Auf dem Pfad der Institutionalisierung liegen mehrere sehr kleine Orte und Herbergen (beispielsweise „Durchsprache mit Management“ oder „Planungs- Check“), welche die Reisenden bei ihrem Weg durch den Düsterwald unterstützen. Dennoch ist der Pfad sehr schwierig zu gehen, und viele Personen kommen ohne Führer, den sie aus dem Basislager der Veränderung mitnehmen, vom Pfad ab – der unheilvolle Ruf des Düsterwalds ist zu groß.

Der Pfad der Institutionalisierung endet im Osten des Düsterwalds im kleinen Ort „Involvierung“, der durch die Überlandleitung Energie aus der Stadt Bewährtes und der Stadt Führung bezieht. Der Pfad windet sich dann durch den „Pass der kleinen Verbesserungen“ hinauf zur „Siedlung der Pioniere“, dem ersten wieder befestigten Ort am anderen Ende des Düsterwalds. Hier beginnt auch wieder eine Straße, die zum Ort „Frühe Umsetzer“ führt, einem Vorort der Stadt Bewährtes.

Die Managementinsel

Das Management arbeitet und wohnt auf der Management-Insel ganz im Norden der Karte der Veränderung. Hier finden sich auch Vision, Mission, Strategie und Geschäftsziele. Die Verbindung des Managements zu den beiden Kontinenten und zum Düsterwald beginnt beim Führungshafen.

Eine Fährlinie geht zum Kontinent der Veränderung. Vom Hafenort „Führung Expedition“ aus geht der Weg zur Veränderungsvision, zu den Veränderungszielen und mündet schließlich in das Management-Commitment im Basislager der Veränderung.

Die Berichtswegfähre ist eine Fährlinie – mit sehr regelmäßigen Abfahrtszeiten – die zum Kontinent der Stabilität führt und so eine Verbindung zur Stadt „Führung“ herstellt. Die Stadt Führung ist durch eine Autobahn mit der Stadt Bewährtes direkt verbunden, und die Autobahn endet beim Messungen-Gelände.

Eine mühsame Ruderbootverbindung führt von der Managementinsel zum Pfad der Institutionalisierung im Düsterwald. Die Verbindung – die am Ende auch noch zu Fuß genommen werden muss – endet beim kleinen Ort „Grundsätze des Managements“. Da diese Verbindung mühsam ist, wird sie nur selten vom Management genutzt. Ohne Führung durch das Management kommen die Reisenden auf dem Pfad der Institutionalisierung jedoch nicht weiter. Es kommt daher häufiger vor, dass Reisende, die Neues durch den Düsterwald zur Stadt Bewährtes bringen, lange am Ort „Grundsätze des Managements“ warten.

Abb. 8. Managementinsel und Stadt „Führung“ auf dem Kontinent der Stabilität

Hinweis

Die Karte liegt dem Buch „Der Weg zur professionellen IT – eine praktische Anleitung für das Management von Veränderungen mit CMMI, ITIL oder SPICE“ [154] bei.

[Bild: Fotolia.com]

Unternehmensentwicklung: Die Haltbarkeit von Geschäftsmodellen verkürzt sich

Die Unternehmensberatung Bain & Company hat in einer weltweiten Studie die Haltbarkeit von Geschäftsmodellen untersucht und Wachstumsstrategien entwickelt, wenn das bisherige Erfolgsrezept eines Unternehmens an seine Grenzen stößt.

In zahlreichen Branchen haben Innovationstempo und Wettbewerbssituation so dramatisch zugenommen, dass Unternehmen sich gezwungen sehen, ihre Kerngeschäftsfelder kontinuierlich zu überprüfen, neu zu justieren und gegebenenfalls neu zu definieren. Mit derartigen Herausforderungen wird sich in der kommenden Dekade eine überraschend große Zahl von Firmen auseinandersetzen müssen.

Innerhalb der nächsten zehn Jahre sind zwei von drei Firmen in ihrer Existenz bedroht. Analysen der Fortune 500-Unternehmen belegen, dass zwischen 1995 und 2004 bereits 57 Prozent der betrachteten Unternehmen signifikante Änderungen in ihrem Kerngeschäft durchlaufen mussten – sei es durch Portfolio-Restrukturierungen oder Verkauf. Es wird erwartet, dass diese Zahl in der laufenden Dekade weiter zunimmt.

Erfolgreiche Unternehmen beginnen die Suche nach einem neuen, profitablen Wachstumspfad mit der Definition des eigenen Status quo. Es gilt, sich darüber klar zu werden, in welchem Stadium des Wachstumszyklus sie sich befinden:

  1. Heben aller Potenziale im Kerngeschäft,
  2. behutsame Expansion entlang des Kerns oder
  3. Gefahr des Auslaufens der bisherigen Wachstumsformel.

Dr. Rudolf Pritzl, Partner bei Bain & Company und Leiter der Studie fasst zusammen:

„Viele Unternehmen müssten sich gar nicht auf neue Geschäftsfelder oder -ideen stürzen, wenn sie zunächst die ersten beiden Stadien eines klassischen Wachstumszyklus konsequent ausgeschöpft hätten."

Wenn das Unternehmen seine Wachstumsgrenzen einmal erreicht hat, basiert die erfolgreiche Neuausrichtung des Kerngeschäfts in neun von zehn Fällen auf sogenannte Hidden Assets. Das sind Potenziale oder Talente, die bereits im Unternehmen vorhanden sind, bisher aber unterschätzt oder nur unvollständig genutzt wurden. Die Notwendigkeit zur Neudefintion des Kerngeschäfts hat laut Bain-Studie drei Ursachen:

  1. der Profit Pool verändert sich,
  2. der Wettbewerb greift das eigene Kerngeschäftsmodell direkt an oder
  3. die bisherige Wachstumsformel eines Unternehmens versiegt.

Verändere sich der Profit Pool in einer Branche, verliere das Unternehmen zunächst Marktanteile am Rande seiner Geschäftsfelder und – ohne Gegensteuerung – anschließend die originäre Profitabilität seines Kerngeschäfts, erklärt Dr. Pritzl. So wurde die erste Quarzuhr 1967 zwar in der Schweiz entwickelt, den wirtschaftlichen Erfolg der industriellen Massenfertigung verbuchten vornehmlich asiatische Firmen für sich, was die Schweizer Uhrenindustrie in den 80er Jahren an den Rand des Ruins getrieben hat.

„Die häufigste Ursache für Angriffe auf das originäre Kerngeschäft sind indes Wettbewerber mit einem neuen, verbesserten Geschäftsmodell“,

so Pritzl weiter. Das spürte beispielsweise Compaq, als der Computerhersteller Dell mit seiner neuen, individualisierten Direktvertriebsschiene zum zweitgrößten PC-Hersteller weltweit aufstieg. Die Wachstumsformel eines Unternehmens versiegt häufig durch unrentable Expansionbestrebungen oder gesättigte Märkte. Das lässt sich momentan am deutschen Mobilfunkmarkt beobachten, der nach einer Dekade zweitstelligen Wachstums inzwischen sogar Umsatzrückgänge aufweist.

Fünf Fragen helfen dabei, die verborgenen Talente im Unternehmen systematisch aufzudecken:

  • In welchem Bereich hatte das Unternehmen je eine marktführende Stellung?
  • Welchen Stärken hatte man das zu verdanken?
  • Inwieweit sind diese Tugenden für die Kunden relevant?
  • Halten sie einem wachsenden Wettbewerb stand?
  • Ist die Organisation in der Lage einen drastischen Wandel zu vollziehen?

Laut Rudolf Pritzl müssen die Antworten systematisch erarbeitet werden. Sie ergeben sich aus einem Mix objektiver und zu recherchierender Kriterien, wie Kosten-Nutzen-Analysen, Markteinschätzungen und Kundenbefragungen.

[po; Quelle: Bain & Company; Bild: Fotolia.com]

Herausforderung: 10 Maximen, die Sie bei Changeprojekten beherzigen sollten

1. Nicht jede Veränderung ist ein Changeprozess

Der Begriff „Change“ ist ein Modebegriff. Entsprechend inflationär wird er gebraucht. Ganz gleich, ob Unternehmen ihre Büros streichen oder fusionieren, fast jede Veränderung wird heute als „Change“ tituliert. Dies verursacht vielfach Verwirrung.

Tipp: Bezeichnen Sie als „Changeprozess“ nur Prozesse, die auch einen kulturellen Wandel in ihrer Organisation erfordern – also bei denen Ihre Mitarbeiter (und Sie) gewohnte Denk- und Verhaltensmuster über Bord werfen und neue Denk- und Verhaltensweisen entwickeln müssen.

2. Rom wurde nicht in einer Nacht erbaut

Den meisten Menschen fällt es schwer, gewohnte Denk- und Verhaltensmuster aufzugeben. Denn diese vermitteln ihnen auch Sicherheit. Entsprechend langwierig sind zumeist Prozesse, bei denen ganze Mitarbeitergruppen ihr Verhalten verändern müssen. Von heute auf morgen geht das nicht.

Tipp: Bedenken Sie dies beim Planen von Changeprojekten. Sonst definieren Sie unrealistische Ziele.

3. Struktur und Kultur bedingen sich wechselseitig

Auch wenn nicht jede Veränderung ein Changeprozess ist, so finden in Unternehmen doch mehr Changeprozesse statt als insbesondere deren „Techniker“ häufig vermuten. Sie denken oft „Wir führen doch nur ein neues CRM-System ein“ und übersehen, dass sich hierdurch auch die Arbeitsinhalte und -beziehungen der Mitarbeiter verändern. Entsprechend überrascht sind sie, wenn die Mitarbeiter plötzlich mit (verdecktem) Widerstand reagieren.

Tipp: Analysieren Sie, wenn größere Veränderungen anstehen, deren Auswirkungen für die Mitarbeiter, damit nicht unverhofft ein Orkan über Sie hinwegfegt, der das gesamte Projekt lahm legt.

4. Was beschlossen ist, ist noch lange nicht umgesetzt

Viele Unternehmensführer agieren bei Changeprojekten wie folgt: Sie fassen die wegweisenden Beschlüsse. Dann rufen sie eine Projektgruppe ins Leben, die ihre Beschlüsse realisieren soll, und anschließend wenden Sie sich neuen Aufgaben zu. Wenn Sie so vorgehen, ist Ihr Projekt von vorneherein gescheitert. Warum? Mitarbeiter orientieren ihr Verhalten an dem der oberen Führungskräfte. Nur wenn von ihnen immer wieder das Signal ausgeht „Die Veränderung ist nötig und an ihr führt kein Weg vorbei“, lässt sich in Unternehmen, die nötige Veränderungsenergie erzeugen.

Tipp: Zeigen Sie Präsenz. Werben Sie immer wieder für die Veränderung – selbst wenn Sie die Verantwortung für das Umsetzen einer Projektgruppe übertragen.

5. Bei jeder Veränderung gibt es auch Verlierer

Unernehmen neigen dazu, alles in ein rosarotes Licht zu tauchen – auch Veränderungsvorhaben. Sie werden den Mitarbeitern meist so präsent, als ob es in ihnen nur Gewinner gäbe. Doch Mitarbeiter sind nicht dumm. Sie wissen: Das ist so gut wie nie der Fall. Zumindest gibt es bei jedem Changeprojekt Mitarbeiter, die sich als Verlierer empfinden – zum Beispiel, weil sie Einfluss oder Privilegien verlieren. Oder weil sie neue Aufgaben wahrnehmen müssen.

Tipp: Sprechen Sie offen und ehrlich mit Ihren Mitarbeitern hierüber und geben Sie ihnen Raum, ihre Bedenken zu artikulieren. Sonst verdichten sich diese zu massiven Widerständen.

6. “Lonely heroes” stehen auf verlorenem Posten

Auch ihre Führungskräfte sind nur Menschen … und letztlich normale Arbeitnehmer. Deshalb sollten Sie es nicht als selbstverständlich erachten, dass alle Führungskräfte die von Ihnen gewünschten Veränderungen mittragen. Zugleich sind Sie aber auf deren Unterstützung angewiesen, wenn es darum geht, die Veränderungen in deren Bereichen umzusetzen.

Tipp: Versuchen Sie, bevor Sie ein Changeprojekt verkünden, möglichste viele Führungskräfte als Mitstreiter zu gewinnen – zum Beispiel, indem sie diese (und sei es nur formal) in Ihre Entscheidung einbinden, oder indem Sie diese in persönlichen Gesprächen ausführlich über die Gründe für Ihre Entscheidung und deren voraussichtliche Konsequenzen informieren.

7. Projektmanager brauchen Rückgrat und Erfahrung

Unternehmen übertragen die Verantwortung für Changeprojekte oft jungen Führungskräften, als Chance sich zu gewähren – getreu dem Motto „Lass’ das mal den Mayer machen. Dann kann er zeigen, was in ihm steckt“. Als Folge hiervon werden die Projekte oft von Personen gemanagt, die die Auswirkungen gewisser Entscheidungen und Handlungen auf die Organisation nur bedingt einschätzen können; von Personen zudem, die noch ein schwaches Standing in der Organisation haben. Entsprechend schwer fällt es ihnen, von den „Bereichsfürsten“ die nötige Unterstützung zu erlangen – vor allem, wenn diese den ehrgeizigen Nachwuchs als Konkurrenz erfahren.

Tipp: Übertragen Sie die Verantwortung für strategische (Change-)Projekte gestandenen Führungskräften und/oder erfahrenen Projektmanagern. Oder stellen sie dem „Youngster“ zumindest eine entsprechende Person als Coach zur Seite, mit der er nicht nur seine strategische, sondern auch taktische Marschroute austüfteln kann.

8. Nach dem Aufbruch folgt der lange Marsch durch die Wüste

Oft starten Unternehmen voller Euphorie ein Projekt. Doch nach einiger Zeit beginnt das Jammern und Hadern. „Das bringt alles nichts.“ „Da ändert sich ja sowieso nichts.“ Das ist normal – weil sich kulturelle Veränderungen nur in kleinen Schritten vollziehen.

Tipp: Rechnen Sie damit, dass es Probleme beim Umsetzen gibt. Werben Sie gerade beim anstrengenden „Marsch durch die Wüste“ stark für die Veränderung – sonst erlahmt die Veränderungsenergie und die Mitarbeiter fallen in ihre alten Verhaltensmuster zurück.

9. Der Weg zum Misserfolg ist mit guten Vorsätzen gepflastert

Oft erlahmt die (Veränderungs-) Energie auch, weil die Mitarbeiter beim Ausprobieren der neuen Verhaltenmuster registrieren „So wie wir das früher gemacht haben, ging alles schneller/einfacher“. Warum? Sie haben noch keine neuen (Denk- und) Verhaltensroutinen entwickelt. Hinzu kommt: Bei jedem größeren Veränderungsprojekt ist in einer Übergangszeit zunächst einmal Sand im Getriebe der Organisation.

Tipp: Machen Sie Ihren Führungskräften bewusst, wie wichtig es gerade in dieser Übergangsphase ist, dass sie ihre Mitarbeiter führen – und stellen Sie den Mitarbeitern Unterstützer zur Seite stellen, die diese unter anderem motivieren.

10. Zum Feiern gibt es fast immer einen Grund

Gerade weil der Weg zum großen Ziel bei Changeprojekten oft so weit ist, dass die Beteiligten zuweilen das Gefühl haben „Wir kommen nie ans Ziel“, ist es wichtig, dass Sie Etappenziele formulieren, deren Erreichen gefeiert werden kann. Das macht den Beteiligten Mut.

Tipp: Ziehen Sie, wenn es was zu feiern gibt, als „Chef“ auch mal ganz spontan (oder geplant?) die „Spendierhosen“ an – und organisieren Sie zum Beispiel einen Umtrunk oder Ausflug. Denn nichts motiviert Mitarbeiter mehr, als wenn sie sehen, dass ihre Leistung gewürdigt wird.

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Ablehnung: Deutsche Manager tragen Veränderungsprozesse oft nicht mit

Spezielle Change Management Programme haben sich als integraler Bestandteil von Transformationsprozessen in Unternehmen durchgesetzt. Weltweit sind sie mittlerweile in 82 Prozent der Fälle verankert, in denen ein Unternehmen sich grundlegend verändert. Change Management Programme erzielen in 82 Prozent aller Fälle eine positive Wirkung auf die Performance des Unternehmens. Deutschland erreicht hier lediglich 79 Prozent und rangiert damit gemeinsam mit Frankreich im Ländervergleich auf dem letzten Platz. Dies ergab eine Studie der internationalen Strategieberatung Booz & Company. Befragt wurden Senior Manager, die in Unternehmen mit über 5.000 Beschäftigten solche Transformationen verantwortet haben.

Vom Feigenblatt zum anerkannten Management-Instrument

Lange als "weicher" Faktor belächelt, wurden Changeprogramme oft erst nachträglich auf bereits laufende Transformationen aufgepfropft.

"Das hat sich grundlegend geändert. Die Studie zeigt aber auch, mit der Umsetzung wird noch immer spät begonnen und nach wie vor werden nicht alle Ebenen der Transformation ausreichend berücksichtigt",

erklärt Rolf Habbel, Senior Partner bei Booz & Company.

Die Anlässe für Transformationsprozesse sind:

  • die Verrbesserung der Leistung (Deutschland 84 Prozent; international 79 Prozent) und
  • Einsparung von Kosten (Deutschland 70 Prozent; international 62 Prozent) sowie
  • der Wunsch, den Kundenservice zu verbessern (Deutschland 43 Prozent; international 51 Prozent).

Entsprechend der hochgesteckten Ziele, ziehen Transformationsprozesse für Mitarbeiter grundlegende Veränderungen auf verschiedensten Ebenen nach sich.

Widerstand gegen Transformationen im eigenen Unternehmen bei deutschen Senior Managern am stärksten

Die Studie belegt auch, welch starke Widerstände eine Transformation angesichts der befürchteten Umstellung gewohnter Arbeitsabläufe hervorruft: So verhalten sich in Deutschland mehr als die Hälfte aller operativ tätigen Mitarbeiter innerhalb von Veränderungsprozessen aktiv ablehnend. Kritisch sind die Werte im deutschen Senior Management: 28 Prozent deutscher Manager mit Führungsverantwortung opponieren gegen Veränderungsprozesse in ihrem eigenen Unternehmen. Damit erreichen sie im internationalen Ländervergleich einen negativen Spitzenwert.

Im Rückblick würden Manager, die bereits Erfahrung mit solchen Veränderungsprozessen haben, vor allem das Linienmanagement stärker einbeziehen und gezielter auf die Herausforderungen vorbereiten. So gab fast die Hälfte (48 Prozent) an, dass diese Ebene entsprechend vorbereitet war. Im Rückblick würden fast doppelt so viele der Befragten (88 Prozent) die Linienfunktionen schon deutlich früher ins Boot holen. Generell zeigt die Studie, dass Mitarbeiter, die von der Transformation direkt betroffen sind, vorab in den Transformationsprozess integriert werden müssen. Ein Praxisbeispiel: Lerninitiativen, in denen der Umgang mit neuen Arbeitsprozessen vermittelt wird, sollten nach Meinung der Befragten eher starten.

Haltung des Top-Managements entscheidet über Erfolgsaussichten

"Die zweite Generation im Change Management wird sich stärker auf das 'Wie' als auf das 'Was' fokussieren",

so Habbel. Der Haltung der Führungsmannschaft kommt dabei eine entscheidende Rolle zu. Sie muss den Wandel vorleben, die Mitarbeiter motivieren, aktiv neue Wege zu gehen und sich neue Fertigkeiten und Qualifikationen anzueignen.

Die Studie zeigt, dass deutsche Manager die Bedeutung ihrer persönlichen Identifikation mit Change Management Prozessen noch nicht ausreichend verinnerlicht haben. Und dass Change Management innerhalb von Transformationsprozessen noch immer zu spät und nicht systematisch auf allen relevanten Ebenen angeschoben wird.

Zur Studie

Im Rahmen der Studie wurden mehr als 350 Senior Manager befragt, die in Unternehmen mit über 5.000 Mitarbeitern umfassende Transformationsprogramme verantwortet haben.

[po; Quelle: Booz & Company; Bild: Fotolia.com]

Veränderungsbedarf: Strategische Entscheidungen treffen und umsetzen

Es ist Montagmorgen. Und wie jeden Montagmorgen liegen die neusten Controllingdaten auf dem Tisch zum Beispiel des Vertriebsleiters. Und wie immer sagt er zur Assistentin: „Ich möchte in der nächsten Stunde nicht gestört werden.“ Dann beugt er sich über das Zahlenmaterial. Und bei dessen Studium verdichtet sich bei ihm das Gefühl: „Wir müssen etwas tun. Sonst brechen unsere Umsätze weg.“ Oder: „Sonst drücken uns die Mitbewerber an die Wand.“

Weil der Vertriebsleiter dieses dumpfe Gefühl schon länger hatte, sprach er hierüber schon informell mit einigen Führungskollegen. Außerdem entschied er: Ich beauftrage ein Marktforschungsunternehmen zu untersuchen, wie wir und unsere Produkte von den Kunden wahrgenommen werden – auch damit klar wird, ob die Probleme, die ich auf uns zukommen sehe, eher hausgemacht oder marktbedingt sind. Nun liegen auch diese Zahlen auf dem Tisch. Und auch sie zeigen nach Auffassung des Vertriebsleiters deutlich: Es muss etwas geschehen, sonst haben wir in absehbarer Zeit ein Problem. Also setzt er das Thema auf die Agenda für das nächste Treffen des Führungsteams.

Entscheidungsbedarf erkennen

So und so ähnlich verläuft stets der Prozess, wenn Unternehmen beschließen, Weichen neu zu stellen. Also zum Beispiel, einen Bereich neu zu strukturieren. Oder eine neue Produktionslinie zu starten. Oder ein neues IT-System einzuführen. Zunächst haben ein oder zwei Entscheidungsträger das Gefühl „Wir müssen oder sollten etwas tun, sonst ...“. Zum Beispiel, weil sie gewisse Zahlen alarmierend finden. Oder weil sie gehäuft bestimmte Stimmen im Markt hören. Also beobachten sie eine Entwicklung schärfer und sprechen schon mal inoffiziell mit Kollegen oder externen Beratern hierüber. Und bestätigen sich ihre Annahmen, Vermutungen oder Befürchtungen, dann setzen sie das Thema offiziell auf die Agenda des Unternehmens verknüpft mit dem Appell: „Wir sollten etwas tun, damit wir ...“.

Häufig ist das Vermitteln, dass ein Entscheidungs- und Handlungsbedarf besteht, sogar im oberen Führungskreis eines Unternehmens nicht leicht. Denn für unternehmerische, also strategische Entscheidungen gilt: Sie nehmen die Zukunft gedanklich vorweg. Sie beruhen also auch auf Annahmen – zum Beispiel darüber, wie sich der Markt entwickelt. Oder darüber, was in drei, fünf oder gar zehn Jahren technisch möglich ist. Oder darüber, wie sich die Kundenbedürfnisse entwickeln. Diese Annahmen lassen sich nur begrenzt mit Zahlen belegen. In sie fließen auch subjektive Einschätzungen ein, die aus einem Bauchgefühl resultieren.

Dementsprechend sind oft die ersten Reaktionen auf entsprechende Vorstöße. „Warum glauben Sie, dass wir unsere Strategie ändern sollten? Unsere Zahlen sind doch gut.“ „Unser Vorgehen hat sich doch bewährt. Selbst unser schärfster Mitbewerber beschreitet diesen Weg.“ Deshalb können strategische (Grundsatz-) Entscheidungen oft nicht im Konsens getroffen werden. Vielmehr müssen irgendwann ein, zwei Personen, die das Sagen haben, das Heft in die Hand nehmen und verkünden: „Wir machen das – Punkt, aus, basta.“ Woraufhin es dann zuweilen einige Zeit später in einer Presseerklärung heißt: „Vertriebsleiter x ...“ oder „Vorstand y verließ das Unternehmen wegen unüberbrückbarer Differenzen über die künftige Entwicklung des Unternehmens.“

Informationen sammeln, Szenarien entwerfen

Dessen ungeachtet sollten strategische Entscheidungen zumindest im oberen Führungskreis soweit möglich im Konsens getroffen werden – damit sie auf einer soliden Basis stehen. Also gilt es im Vorfeld zunächst so viele Indizien wie möglich darüber zu sammeln, warum ein Kurswechsel nötig ist. Denn wie soll die Notwendigkeit einer Veränderung den Mitarbeitern vermittelt werden, wenn diese nicht einmal von allen Führungskräften erkannt wird?

Besteht Einigkeit darüber, dass etwas getan werden muss, ist noch lange nicht die Grundlage für eine solide Entscheidung gelegt. Denn vielfach sind die Zahlen, Daten und Fakten, aus denen sich gewisse Zukunftsprognosen ableiten lassen, widersprüchlich. Also ist nicht nur zu ermitteln, welche Entwicklungen grundsätzlich möglich sind, sondern auch welche Entwicklungen wahrscheinlich sind, weil die meisten Indizien hierfür sprechen. Hierauf aufbauend kann dann ermittelt werden, welche Handlungsoptionen bestehen.

Sind die Handlungsoptionen klar, können Zukunftsszenarien entworfen werden. Das heißt, die Verantwortlichen können sich nun fragen:

  • Was geschieht, wenn wir auf die Entwicklung A wie folgt reagieren?
  • Was bewirken wir damit?
  • Welche Konsequenzen ergeben sich daraus?
  • Welche Vor- und Nachteile sind damit verbunden?

Das Entwerfen solcher Szenarien fällt Unternehmen oft schwer – unter anderem, weil die beteiligten Personen dieselben Daten und Fakten häufig unterschiedlich bewerten. Sie nehmen zudem aufgrund ihrer Erfahrung sowie Funktion in der Organisation deren Stärken und Schwächen unterschiedlich wahr.

Sich fragen: Müssen wir neue Wege beschreiten?

Hinzu kommt: Jede Organisation entwickelt im Laufe ihres Bestehens gewisse Mechanismen und Vorlieben, wie sie Informationen bewertet und verarbeitet. Deshalb bevorzugt sie auch gewisse Lösungswege, während sie andere entweder (vor)schnell verwirft oder gar nicht wahrnimmt, weil sie außerhalb ihres Wahrnehmungshorizonts liegen. Deshalb ist es wichtig, dass den Entscheidern in den Unternehmen externe Sparringpartner zur Verfügung stehen, wenn sie vor strategischen Entscheidungen stehen, die (gegebenenfalls) ein Verlassen der tradierten Wege erfordern – Sparringpartner, die zum Beispiel nachfragen:

  • Was veranlasst Sie zu dieser Einschätzung?
  • Warum bevorzugen Sie diese Lösung?
  • Wäre es nicht sinnvoll, die Entwicklung „...“ stärker zu berücksichtigen?

Sonst ist die Gefahr groß, dass das Unternehmen auf die neue Herausforderung wie gewohnt unreflektiert reagiert.

Das wissen viele Unternehmensführer. Deshalb engagieren sie, wenn strategische Entscheidungen anstehen, die einen Musterwechsel erfordern, häufig externe Berater als Unterstützer – als Impulsgeber beim Entwickeln möglicher Entscheidungs- und Handlungsalternativen und als Moderatoren für den Entscheidungsprozess.

Das Herbeiführen von strategischen (Grundsatz-) Entscheidungen ist zumeist ein langwieriger Prozess, der mit heißen inhaltlichen Auseinandersetzungen zwischen den Beteiligten einhergeht. Deshalb atmen die Topmanager von Unternehmen, wenn eine solche Entscheidung endlich getroffen ist, oft erleichtert durch und lehnen sich entspannt zurück. Dabei beginnt nun erst die eigentliche Arbeit. Denn dadurch, dass eine Entscheidung gefällt ist, ist sie noch lange nicht kommuniziert und schon gar nicht umgesetzt.

Architektur für Umsetzung schmieden

Also hängt mit dem Treffen einer strategischen Entscheidung unlösbar die Aufgabe zusammen, eine Architektur zu schmieden, wie den (operativen) Führungskräften und den Mitarbeitern vermittelt wird,

  • warum die Entscheidung getroffen wurde,
  • welche Ziele das Unternehmen damit verfolgt und
  • welche Konsequenzen sich hieraus für die Organisation und die Mitarbeiter ergeben.

Außerdem gilt es, eine Architektur zu entwerfen, wie auf der Ebene des Gesamtunternehmens und der Bereiche aus der Grundsatzentscheidung die erforderlichen Folgeentscheidungen und hieraus wiederum Maßnahmepläne abgeleitet werden. Das heißt, nun sind die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass das Unternehmen sich wie gewünscht entwickelt.

Besagte Architekturen zu entwerfen ist in Großunternehmen zumeist nicht die Aufgabe des Top-Managements. Sie wird in der Regel an ein Planungs- oder Steuerungsteam delegiert, in dem die Unternehmensführung zwar vertreten ist, dessen Mitglieder aber weitgehend aus Vertretern der betroffenen Bereiche und professionellen Organisationsentwicklern bestehen. Das Delegieren dieser Aufgabe entlässt die oberen Führungskräfte aber nicht aus der Verantwortung für das Gelingen des Gesamtprozesses – auch deshalb nicht, weil das Verhalten der Mitarbeiter stark davon abhängt, wie sehr sich die Führung für das Erreichen der Ziele engagiert. Deshalb muss die oberste Führung Präsenz zeigen.

Die nötige Veränderungsenergie erzeugen

Beim Schmieden der Architektur für das Umsetzen strategischer Entscheidungen sind folgende Aspekte besonders zu beachten, denen bei Changeprojekten, die sich über einen längeren Zeitraum erstrecken, oft zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird:

  • Wie sorgen wir dafür, dass in der Organisation die nötige Veränderungsenergie entsteht und diese erhalten bleibt?
  • Und wie stellen wir sicher, dass die erforderlichen Folgeentscheidungen getroffen werden und die Entscheidungen im Unternehmensalltag in Einklang mit der Grundsatzentscheidung stehen?

Für beide Aufgaben ist und bleibt das Top-Management verantwortlich, selbst wenn es diese an das Steuerungsteam und die operativen Führungskräfte delegiert. Denn ohne ein aktives Sich-Einbringen der oberen Führungskräfte kann in einem Unternehmen weder die für das Durchbrechen von gewohnten Denk- und Verhaltensmuster nötige Veränderungsenergie erzeugt werden, noch sichergestellt werden, dass die Grundsatzentscheidung im Alltag nicht in Vergessenheit gerät.

Das zentrale Medium zum Schaffen der erforderlichen Veränderungsenergie ist die persönliche Kommunikation. So gilt es unter anderem den Mitarbeitern im Dialog zu vermitteln, warum an den geplanten Veränderungen kein Weg vorbei führt. Dies allein genügt aber nicht. Vielmehr muss mit jedem Mitarbeiter herausgearbeitet werden, was die Grundsatzentscheidung für dessen Alltagsarbeit bedeutet und welche Verhaltensänderungen nötig sind, damit er seinen Beitrag zum Erreichen des großen Ziels leistet. Dies kann zum Beispiel in Vier-Augen-Gesprächen der Mitarbeiter mit ihren unmittelbaren Vorgesetzten oder in Workshops geschehen. Sinnvoll ist häufig auch ein symbolisches Abschneiden „alter Zöpfe“, um den Mitarbeitern zu signalisieren: „Nun beginnt eine neue Zeitrechnung.“

Die erforderlichen Rahmenbedingungen schaffen

Alles Kommunizieren nutzt aber wenig, wenn nicht parallel dazu die organisationalen Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit die Mitarbeiter das gewünschte Verhalten zeigen können und spüren: Wenn ich mein Verhalten nicht ändere, dann hat dies auch für mich persönliche Konsequenzen. So sollte zum Beispiel ein Unternehmen, das entscheidet „Wir wollen der Marktführer in Sachen Service werden“, mit seinen Mitarbeitern nicht nur erarbeiten,

  • worin sich ein guter Service aus Kundensicht zeigt und
  • welchen Beitrag neben den Kundenbetreuern zum Beispiel auch die Controller und ITler dazu leisten können, dass das Unternehmen beim Service Spitze wird.

Das ist zwar wichtig. Parallel dazu muss das Unternehmen aber sicherstellen, dass die Mitarbeiter ausreichend Zeit haben, um den gewünschten Service zu erbringen. Und die Bezahlung der Vertriebsmitarbeiter? Sie sollte sich zum Beispiel nicht mehr rein daran orientieren, wie viel Umsatz diese generieren, sondern auch daran, wie viele Kunden, weil sie zufrieden sind, dem Unternehmen Folgeaufträge erteilen.

Durch das Schaffen der nötigen Rahmenbedingungen für ein verändertes Verhalten, schaffen Unternehmen auch eine Voraussetzung dafür, dass aus der Grundsatzentscheidung die erforderlichen Folgeentscheidungen abgeleitet werden. Warum? Die Mitarbeiter stoßen beim Versuch ein verändertes Verhalten zu zeigen nicht regelmäßig auf Strukturen, die sie darin bestärken, das gewohnte Verhalten beizubehalten.

Dessen ungeachtet darf die Frage, ob die erforderlichen Folgeentscheidungen getroffen werden, nicht dem Zufall überlassen bleiben. Vielmehr ist eine institutionalisierte Steuerung nötig. Sie kann auf Bereichsebene durch das Steuerungsteam erfolgen. Und auf der Ebene der Mitarbeiter? Hier kann die Steuerung dadurch erfolgen, dass die Führungskräfte sich im Gespräch mit ihren Mitarbeitern regelmäßig danach erkundigen, was diese getan haben, um ihren Beitrag zum großen Ziel zu leisten.

Wichtig ist auch ein Informationssystem, das außer der Unternehmensführung auch den Mitarbeitern eine regelmäßige Rückmeldung darüber gibt, was sich im Gesamtunternehmen und in den Bereichen verändert hat. Dies ist gerade bei Changeprojekten, die einen Kulturwandel erfordern, sehr wichtig, denn die Kultur eines Unternehmens verändert sich nur in kleinen Schritten. Deshalb entsteht bei den Beteiligten zuweilen der Eindruck „Nun bemühen wir uns schon so lange und trotzdem hat sich nichts getan“. Darum muss die Führungsmannschaft den Mitarbeitern nicht nur regelmäßig vermitteln „Es gibt noch viel zu tun“, sondern auch „Wir haben schon viel bewegt“ und „Wir befinden uns auf dem richtigen Weg“.

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Schulungsdefizit: Ineffiziente Arbeit am Computer ist teuer

Jeder kann mit dem Computer umgehen? Ja, aber wie. Immerhin mehr als drei Viertel aller befragten Mitarbeiter (78 Prozent) arbeiten aufgrund ungenügender Kenntnisse in Standard-Programmen wie Word, Excel und Powerpoint höchst ineffizient und mit sehr hohem Zeitaufwand. Das ergab eine Umfrage des Schulungsunternehmens TIP Training Improves Performance unter mehr als 300 Angestellten verschiedenster Branchen.

Die Zahl der Betroffenen ist groß: 79 Prozent der Befragten arbeiten länger als drei Stunden am Tag mit Microsoft-Office-Anwendungen. Davon verbringen sie durchschnittlich eine knappe Viertelstunde (14 Minuten) pro Tag mit der Suche nach verschiedensten Microsoft-Office-Funktionen. Rechnet man dieses Ergebnis hoch, ist der durchschnittliche Benutzer eines Bildschirmarbeitsplatzes fast sieben Arbeitstage im Jahr mit Problemlösungen zu Excel und Co. beschäftigt. Nicole Szálasi von TIP Training Improves Performance schätzt:

„Geht man von durchschnittlichen Personalkosten pro Stunde von über 22 Euro aus, summiert sich die Suche am Computer auf knapp sechs Euro pro einzelnem Mitarbeiter und Tag. Im Jahr sind das dann pro Mitarbeiter mehr als 1.400 Euro an nutzlos ausgegebenen Personalkosten.“

Verschwendung von Arbeitszeit durch vermeintlich kreative Lösungen

Skurriles Vorgehen ist am Computer trotz Hightech nach wie vor an der Tagesordnung. Die Beispiele falschen Arbeitens mit den Programmen sind zahlreich. Ob nummerierte Absätze, Inhaltsverzeichnisse und Serienbriefe in Word oder Wiederholungszeilen in endlosen Excel-Tabellen – die Anwender tippen händisch, anstatt die richtigen Funktionen zu verwenden. Und müssen sie mitten im Dokument etwas ändern, überarbeiten sie überflüssigerweise gleich noch einmal die komplette Nummerierung im gesamten Dokument. Selbstverständlich manuell, eben fast wie zu Zeiten der guten alten Schreibmaschine. Diejenigen, die vorhandene Funktionen zur automatischen Erstellung von Inhaltsverzeichnissen, Nummerierungen und Serienbriefen nutzen, sind in der Minderheit.

„Man muss nicht alles wissen, solange man weiß, wo es steht.“ Das ist eines der beliebtesten Argumente, um den notwendigen Wissenstransfer für neue Softwarelösungen an den Microsoft-Hilfe-Index zu delegieren. Funktioniert auch gut, wenn der Anwender des einschlägigen Hilfe-Index-Vokabulars mächtig ist. Allerdings muss dann auch der Begriff „Desktopbenachrichtigungseinstellungen“ zum Grundwortschatz gehören. Denn, um etwas zu finden, muss man wissen, wonach man sucht. Und das weiß man eben in der Praxis oft nicht.

Mehr Informationen unter: www.ti-performance.de [155]

[jf; Quelle: TIP; Bild: Fotolia.com]

Heimliche Spielregeln: Die fatalen Folgen von Veränderungsdruck

Stellenbeschreibung, Arbeitsanweisung, Prozessbeschreibungen – hier steht, wie das Unternehmen funktioniert und was die Mitarbeiter tun sollen. Wenn das Top-Management neue Strategien umsetzen oder die Leistungen verbessern will, dann werden Programme entwickelt, Projekte aufgesetzt und Ruck-Reden gehalten. Der immer gleiche Appell: Wir müssen uns verändern! Wir brauchen Innovation und Kundenorientierung! Aber die Ergebnisse sind enttäuschend, die Verantwortlichen frustriert. Vieles versandet. Wenn es ganz schlimm kommt, bricht mit solchen Aktionen sogar die Basis des Unternehmens weg. Scheitern ist gang und gäbe.

Der Grund dafür ist, dass die Führungskräfte die heimlichen Spielregeln nicht kennen, nach denen ihr Unternehmen funktioniert und ihre Mitarbeiter arbeiten. Das sagte der Unternehmensberater Peter Scott-Morgan schon vor vielen Jahren in seinem Bestseller „The Unwritten Rules of the Game“. Er stellt fest: Die Führungskräfte stellen sich eine Unternehmenswelt vor, die ihren Idealen entspricht, und sie meinen, sie könnten sie mit Werkzeugen gestalten, die sie einmal erlernt haben. Es brauche nur einen starken Willen und Führungskompetenz; dann laufe alles wie geplant.

Beispiel Inbev und sein Beck’s Bier

„Beck’s steht vor der größten Zerreißprobe seiner Geschichte.“ Das schreibt Birgit Dengel in der Financial Times Deutschland (12.6.2008). Denn seit der Übernahme durch den belgischen Brauriesen Interbrew, der später mit der brasilianischen Ambev zur Inbev fusionierte, haben die Brasilianer in Bremen das Sagen. Und offensichtlich passt die Vorstellung der neuen Chefs, wie das globale Biergeschäft funktioniert, so gar nicht zum deutschen Markt, zur Marke und zu den Spielregeln der Manager und Mitarbeiter von Beck’s.

Die Folge: In kurzer Zeit haben mehrere leitende Mitarbeiter das Unternehmen verlassen und der Absatz in Deutschland ist zurückgegangen. Ein deutscher Inbev-Manager sagt dazu: „Von den Brasilianern wird mitunter zu wenig reflektiert, dass ihr Erfolg sich nicht ohne Weiteres auf Europa übertragen lässt.“ Markt, Wettbewerb und Vertriebsstrukturen sind eben ganz andere.

[http://www.ftd.de/becks [156] ]

Welche Kräfte wirken im Unternehmen?

Wunsch und Wirklichkeit klaffen oft auseinander. Man müsse laut Scott-Morgan nur einmal folgende Fragen an sich selbst stellen und ehrliche Antworten geben:

  • Welchen Rat würden Sie einem Freund geben, der es in Ihrem Unternehmen zu etwas bringen will?
  • Wie müssen Sie sich im Allgemeinen verhalten und weshalb?
  • Wer ist im Unternehmen tatsächlich wichtig und warum?
  • Was erwarten Mitarbeiter im Allgemeinen von ihrer Arbeit, und was möchten sie vermeiden?
  • Wie sollte man demnach vernünftigerweise handeln, was tun, mit wem Umgang pflegen?

Was im Unternehmen tatsächlich geschieht, was die Menschen bewegt und wer Macht hat, das erschließt sich nicht direkt. Aber es sind motivierende, machtausübende und handlungsauslösende Kräfte, die entscheidend sind. Wenn Veränderungen angestoßen werden, treffen sie auf diese Kräfte und es kommt zu Konflikten, denn beide passen nicht zueinander. Dann entstehen Nebeneffekte, wie Scott-Morgan sie nennt, die das Unternehmen sogar in seinen Grundfesten erschüttern können.

Die Nebeneffekte lassen sich nach zwei Kategorien unterscheiden: Zum einen ist wichtig, wie stark der Konflikt und damit der von den Mitarbeitern wahrgenommene Druck zwischen Veränderungsprojekt und heimlichen Spielregeln ist. Zum anderen wirkt dieser Druck auf die motivierenden, machtausübenden und handlungsauslösenden Kräfte und erzeugt spezifische Spannungen, wie die folgende Abbildung zeigt.

Heimliche Kräfte, Veränderungsdruck und Nebeneffekte von Konflikten
[Quelle: Peter Scott-Morgan. Die heimlichen Spielregeln, 2008]

  1. Eine einfache Art und Weise, Anordnungen und Veränderungsbemühungen zu begegnen, sind Lippenbekenntnisse. Man stimmt nach außen hin zu, ändert sein Verhalten aber nicht. Bei vielen Mitarbeitern wird irgendwann Zynismus sichtbar.
  2. Wenn zu viele unterschiedliche und gleich starke motivierende Kräfte am Werk sind, entstehen Selbsttäuschung und im schweren Fall Schizophrenie. Das passiert vor allem dann, wenn Visionen und Ziele, die an und für sich positiv sind und die der Mitarbeiter auch befolgen würde, mit dem Alltagshandeln gar nicht zusammenpassen.
  3. Widersprechen die Veränderungsmaßnahmen im Unternehmen auf das Grundsätzlichste den motivierenden Kräften der Mitarbeiter, dann kommt es zur Sabotage. Die besten Mitarbeiter verlassen das Unternehmen, der Durchschnitt bleibt und schaut nur noch auf seine eigenen Interessen. Wenn möglich schadet er dem Unternehmen. Das treibt dem eigenen Untergang entgegen. Eine Art von Selbstmord.
  4. Neue Machthaber im Unternehmen werden einfach ignoriert, wenn ihre Macht zu schwach ist. Sie werden übergangen, isoliert und verfallen letztlich in Ohnmacht.
  5. Wenn die Machthaber gleich stark sind, entstehen Machtkämpfe. Abteilungsleiter tragen sie offen oder verdeckt aus. Es geht um Interessen und Einfluss. Nimmt das aufgrund unklarer Rollenverteilung ein großes Ausmaß an, kommt es zum Bürgerkrieg.
  6. Setzt sich ein Machthaber gegen den anderen oder seine Mitarbeiter durch, verschwören sich die Unterlegenen. Es wird verdeckt intrigiert. Illoyales Handeln ist an der Tagesordnung. Am Ende steht der Verrat.
  7. Schwache handlungsauslösende Kräfte werden nicht mehr wahrgenommen, es wird nichts mehr ernst genommen. Aus vereinzelten Aufständen wird Anarchie.
  8. Widersprüchliche Anweisungen und Kräfte führen dazu, dass sich die Mitarbeiter tarnen. Sie verstecken Informationen und Sachverhalte. Für das Unternehmen wird daraus Lähmung.
  9. Wenn der Druck zu groß wird, entsteht Paranoia. Man will keine Fehler mehr machen, sich bloß nichts zuschulden kommen lassen, es entstehen Angst und Panik.

Schuld an diesen Nebeneffekten ist niemand. Alle handeln ja aus ihrer eigenen Sicht vernünftig. Sie haben die Regeln bewusst oder unbewusst so erlernt und halten sich daran. Solange sie verdeckt sind, können auch die Führungskräfte schwer erkennen, warum sie mit ihren Initiativen scheitern. Wenn die Manager die Zusammenhänge aber durchschauen und die Konsequenzen erkennen, wenn sie sehen, dass sie mit der rücksichtslosen Durchsetzung ihrer Pläne nicht vorankommen und trotzdem einfach weitermachen – dann tragen sie die Verantwortung und die Schuld, sagt Scott-Morgan.

Spielregeln sichtbar machen und Konflikte auflösen

Das wesentliche Merkmal des Heimlichen ist, dass es nicht sichtbar ist. Es ist verdeckt und verschleiert. Bevor die Konflikte gelöst werden können und es eine Chance gibt, die fatalen Folgen zu lindern, müssen die heimlichen Spielregeln aufgedeckt werden. Das gelingt durch gezieltes Fragen und intensive Gespräche – idealerweise mit dem mittleren Management. Denn diese leiden besonders an den Konflikten. Sie erleben sie persönlich im Spannungsfeld zwischen den Mitarbeitern, die nach den Spielregeln agieren, und dem Top-Management, das seine Ziele durchdrücken will.

Doch solche Gespräche sind nicht ganz ungefährlich. Es ist wichtig zu erkennen, wer Auskunft gibt. Spricht er berechnend oder erzählt er wirklich, wie er die Dinge sieht, wie das Unternehmen wirklich funktioniert, wer wichtig ist, was für ihn ganz persönlich am meisten zählt? Die Atmosphäre des Gesprächs, die Rahmenbedingungen, aber vor allem das empathische Vermögen des Interviewenden sind entscheidend.

Wenn die Spielregeln so sichtbar werden, müssen weitere Schritte folgen, um auch die Konflikte zu lösen. Dazu braucht es die Rolle eines „Ketzers“, meint Scott-Morgan. Er hält dem Unternehmen, insbesondere dem Management, den Spiegel vors Gesicht – und wird manche damit erschrecken, die dann gar nicht erfreut sind. Aber er muss auch prüfen, ob seine Erkenntnisse tatsächlich stimmen. Das braucht Zeit und Gespräche zu folgenden Themen:

  • Zu welchen Risiken und Potenzialen führen die Nebeneffekte der heimlichen Spielregeln für das Geschäft des Unternehmens? Welche Prioritäten ergeben sich dabei?
  • Was ist das gewünschte Verhalten – im Gegensatz zu dem bislang gezeigten?
  • Was sind Ursachen und Wirkungen (Kausalketten) zwischen den offiziellen und den heimlichen Spielregeln und ihren Nebeneffekten?
  • Wie könnten die offiziellen Spielregeln angepasst werden, sodass sie zu den heimlichen besser passen?

Dabei muss nicht das gesamte Unternehmen umgekrempelt werden. Es wird sicherlich deutlich werden, dass vieles gut funktioniert. Und das sollte beibehalten und genutzt werden. Besser ist, sich wenige große und wichtige Themen vorzunehmen und hier schrittweise Verbesserungen anzustreben. Nicht alle Konflikte lassen sich auflösen – das ist gar nicht erstrebenswert. Viel geholfen ist, wenn die Führungskräfte erkennen, welche Programme und Initiativen zu den Spielregeln passen und wie sie flexibel und mit Empathie auf die treibenden Kräfte ihrer Mitarbeiter eingehen.

Quelle und ausführlicher zu diesem Thema: Scott-Morgan, Peter: Die heimlichen Spielregeln [157] , 2008

Produktmanagement: Große Potenzialreserven im technischen Produktmanagement

Nach einer Untersuchung der Marketing Consult GmbH hatten fast 90 Prozent vor ihrem Wechsel ins Produktmanagement bereits andere Positionen inne. Die durchschnittliche Berufserfahrung liegt bei sechs Jahren. Dementsprechend beträgt das Durchschnittsalter der technischen Produktmanager ungefähr 35 Jahre. Auch Kontinuität wird hoch bewertet, denn ca. 60 Prozent der Produktmanager-Positionen werden aus dem Haus heraus, meist aus der eigenen Forschung und Entwicklung besetzt. Produktmanager für technische Produkte sind berufserfahrene und entwickelte Persönlichkeiten.

Qualifizierungsbedarf bei technischen Produktmanagern

Im Produktmanagement müssen zwei Fähigkeiten zusammen kommen, nämlich ein ausreichendes Produktverständnis und die Fähigkeit, Produkte erfolgreich und gewinnbringend vermarkten zu können. Viele Firmen entscheiden sich aufgrund der Komplexität ihrer Produkte für Produktspezialisten als Produktmanager. Dies sichert einerseits ein gutes Produkt- und Anwenderverständnis; andererseits führt dies erfahrungsgemäß zu Defiziten bei Marktkenntnissen, in der erfolgreichen Bearbeitung der Produkt-Märkte sowie in der Anwendung des Marketings für die verantworteten Produkte.

Marketing als Zusatzqualifikation ist für Ingenieure, Techniker und Naturwissenschaftler leichter zu erlernen, als umgekehrt komplizierte Produkttechnologien für Betriebswirte. Produktmanager für technische Produkte müssen in der Regel im Bereich Marketing und Betriebswirtschaft qualifiziert werden. Zusätzlich besteht meist auch Qualifizierungsbedarf in der sozialen Kompetenz für die Durchsetzung der Produktinteressen in der vernetzten Zusammenarbeit einer Matrix-Organisation.

Heute haben die meisten Firmen erkannt, dass es auf dem Markt keine 'fertigen' Produktmanager gibt, so dass sie ihre Mitarbeiter selbst entsprechend qualifizieren müssen. Nur wenn ein Produktmanager das entsprechende Rüstzeug bekommen hat, kann von ihm erwartet werden, dass er seine Produkte über deren gesamten Lebenszyklus hinweg aktiv und initiativ managed.

Unternehmensleitung muss hinter Organisationsform stehen

Aber nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch die Führung braucht Know how im Produktmanagement. Viele Führungskräfte haben nur eine vage Vorstellung von der Tätigkeit eines Produktmanagers. Meist ist auch der Wissensstand über Produktmanagement innerhalb einer Firma sehr unterschiedlich. Fälschlicherweise wird das Produktmanagement als spezifische Organisationsform einer Abteilung empfunden und nicht als neue Firmenorganisation.

Mit der Einführung einer Produktmanager-Organisation entstehen aber neue Schnittstellen und es verändern sich viele Prozesse. Produktmanagement wird also immer dann gut funktionieren, wenn auch die Unternehmensleitung voll hinter dieser Organisationsform steht und wenn Schnittstellen, Prozesse und Zusammenarbeit neu und klar mit allen Abteilungen geregelt und vereinbart wurden. Wenn dies unterbleibt, sind permanente und kräfteraubende Missverständnisse und Schnittstellenprobleme programmiert. In diesem Stadium befinden sich viele Firmen, wenn sie sich Berater und Trainer holen, um ihre Produktmanagement-Organisation endlich auf das gewünschte Niveau zu bringen.

Leistungspotenziale werden erstaunlicherweise meist schon am Anfang verschenkt, weil Produktmanagement-Systeme nicht richtig eingeführt wurden und damit eine klare Positionierung von Anfang an unterblieb. In der Praxis läuft das oft so ab, dass bestimmte Mitarbeiter zu Produktmanagern ernannt werden, die sich ab sofort um bestimmte Produkte zu kümmern haben, ohne dass sauber geklärt wurde, was dies alles umfasst. Über fünfzig Prozent der neuen Produktmanager haben keine aussagefähige Stellen- oder Funktionsbeschreibung.

Die Folge sind ‘Kümmerer’, die, ähnlich wie Sachbearbeiter, sich um alles kümmern, was andere in Verbindung mit ihren Produkten benötigen. Zielzustand jedoch sind initiative Manager mit unternehmerischer Einstellung, die für ihren Produkterfolg kämpfen, die selbst aktiv werden, wenn sie Produktchancen erkennen, und die ihrerseits andere Kollegen oder Abteilungen für eine Mitarbeit an der Umsetzung ihrer Produktkonzepte motivieren und einsetzen.

Internationale Produktmanagement-Organisation

Nach neuester Erhebung haben inzwischen ca. 70 Prozent der Produktmanager weltweite Produktverantwortung. Bei genauerer Betrachtung nehmen manche davon ihre Aufgaben jedoch nur für das Inland oder bestenfalls für die Kernmärkte in Europa wahr, weil sie mehr gar nicht leisten könnten. Im internationalen Geschäft hat der Produktmanager als ‘Ein-Mann-Abteilung’ überlebt.

Weltweit tätige Unternehmen brauchen auch eine internationale Produktmanagement-Organisation, weil sonst internationale Chancen verschenkt werden. Organisatorische Alternativen sind:

  • Eine Unterstützung durch Produktmanager-Kollegen bei den Vertriebsgesellschaften in den wichtigsten Auslandsmärkten. Vor Ort eruieren sie dort Kundenanforderungen und analysieren ihren Ländermarkt. Zudem übernehmen sie die landesspezifische Vermarktung. Die gesamte Neuproduktpolitik sowie die weltweite Produkt-Koordination verbleibt bei den zentralen Produktmanagern.
  • Unterstützung durch ‘Marktmanager’, die sich, wiederum matrixartig vernetzt, das gesamte Aufgabenspektrum mit Produktmanagern teilen. Die einen mehr außen- und marktorientiert, die anderen eher innenorientiert. Wichtige Vorteile der Produkt-Markt-Orientierung gehen dabei jedoch wieder verloren.
  • Bildung von Produktmanager-Teams. Hier hat der Produktmanager eigene Mitarbeiter, mit denen er gemeinsam die internationale Betreuung seiner Produkte meistert.

Die Kernaufgabe einer internationalen Produktmanager-Organisation besteht darin, die weltweit interessantesten Produktchancen zu erkennen, mit der Firmenstrategie abzustimmen und Konzepte zu erdenken und umzusetzen, wie diese Chancen genutzt werden sollen.

Große Potenziale werden in hierarchisch geprägten Unternehmen verschenkt

Nach der Entscheidung, mehr Managementkapazität für Produkterfolge bereitzustellen, fehlt oft der Mut, diese Manager nun auch voll wirksam werden zu lassen. Obwohl sie, wie gezeigt,  berufserfahrene Mitarbeiter mit hoher Produktkompetenz  als Produktmanager einsetzen, werden unternehmerische Freiräume und Selbständigkeit in diesen Firmen kaum gewährt. Irgendeine psychologische Sperre hindert Führungskräfte am ‘Loslassen können’.

Öfters ist auch zu beobachten, dass starke Vertriebe psychologische Probleme mit dem 'neuen' Produktmanagement haben, besonders wenn Produktmanager neue Erkenntnisse zu einzelnen Produktmärkten einbringen wollen. Management by Objectives wäre ein angemessener Führungsstil für Produktmanagement-Organisationen, wobei die Produktmanagement-Ziele auch mit dem Vertrieb abgestimmt sein sollten und dort zu produktbezogenen Verkaufsvorgaben führen müssen.

Fazit

Insgesamt sollten diese verschiedenen Aspekte zeigen, dass Produktmanagement für technisch komplexe Produkte, Systeme oder Dienstleistungen nach eigenen Spielregeln funktioniert. Die Erfahrungen der Konsumgüterindustrie helfen hier nur bedingt weiter. Der Neuigkeits- und Veränderungsgrad, den eine Produktmanagement-Organisation mit sich bringt, ist größer und komplizierter, als viele Firmen erwarten. Deshalb lässt manche Organisationsänderung in Richtung Produktmanagement den nötigen Tiefgang und die erforderliche Konsequenz vermissen.

Unsere Analysen vieler Produktmanager-Organisationen in verschiedenen Branchen bestätigen, dass Produktmanagement dort meist deutlich mehr bewirken könnte, das heißt hier existieren weitere nutzbare Potenziale. Nur wenn die verantwortlichen Führungskräfte Erfahrungen mit Produktmanager-Organisationen und mit deren Leistungsvermögen haben oder sie sich dieses Know how von außen hinzu holen, dann gelingt es, dass Firmen deutlich mehr Nutzen aus ihrem Produktmanagement ziehen. Dann rentiert sich eine solche Organisation auch betriebswirtschaftlich. Gute Produktmanager erschließen mit wirksamen Marktbearbeitungskonzepten deutlich mehr Deckungsbeitrag, als sie selbst Kosten verursachen.

Zu diesem Thema können Sie die Studie "Karriere- und Qualifizierungswege in das und aus dem Produktmanagement", 2006, Marketing Consult GmbH über www.marketingconsult.de [158] beziehen.

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Sieger: Europas beste Arbeitgeber 2008

Der Softwareriese Microsoft ist vom Great Place to Work® Institute gestern Abend in London als bester Arbeitgeber in Europa ausgezeichnet worden. Auf den Plätzen 2 und 3 der Liste der besten europäischen Arbeitgeber mit mehr als 500 Mitarbeitern landeten zwei weitere US-amerikanische IT-Giganten mit ihren europäischen Niederlassungen: Google und Cisco. Der deutsche Ableger des Multi-Technologiekonzerns 3M aus Neuss bei Düsseldorf erreichte den vierten Platz, gefolgt von der impuls Finanzmanagement AG aus dem bayerischen Gersthofen. Im Vorjahr gewann der italienische Luxuswagen-Hersteller Ferrari den Wettbewerb um die Krone der besten europäischen Arbeitgeber.

Insgesamt nahmen mehr als 1.250 große und kleinere Unternehmen aus 15 europäischen Ländern am Great Place to Work® Wettbewerb "Europas Beste Arbeitgeber 2008" teil. Die bereits im Februar ausgezeichneten Gewinner des nationalen Great Place to Work® Wettbewerbs "Deutschlands Beste Arbeitgeber 2008" schnitten im europäischen Vergleich hervorragend ab: 25 der 100 ausgezeichneten Arbeitgeber kommen aus Deutschland (Vorjahr: 20). Damit führt Deutschland weiterhin die Nationenwertung der besten europäischen Arbeitgeber an.

In der Kategorie der kleinen und mittleren Unternehmen mit 50 bis 500 Mitarbeitern belegen das finnische Unternehmen Reaktor Innovations sowie das IT-Beratungshaus Consol Software aus München und der Logistikberater 4flow aus Berlin die ersten drei Plätze. Consol erhielt zudem den Sonderpreis für "Glaubwürdigkeit des Managements"; die deutsche Niederlassung von Cisco aus Hallbermoos bei München gewann in der Kategorie "Fairness des Managements". Der Automatisierungsspezialist SICK aus Waldkirch im Breisgau wurde bereits zum fünften Mal in Folge als einer von "Europas Beste Arbeitgeber" ausgezeichnet. Frank Hauser, Leiter des Great Place to Work® Institute Deutschland, erläutert:

"Die Investitionen und das Engagement der Unternehmen bei der Schaffung attraktiver Arbeitsplätze und vertrauensvoller Arbeitsbeziehungen zahlen sich wirtschaftlich aus: ´Europas Beste Arbeitgeber` erzielten in den vergangenen 12 Monaten ein Umsatzwachstum von über 25 Prozent."

Einheitliche Grundlage zur Bewertung der Qualität und Attraktivität der teilnehmenden Unternehmen als Arbeitgeber war eine anonyme Befragung der Mitarbeiter zu den Themen:

  • Glaubwürdigkeit,
  • Respekt und Fairness des Managements,
  • zur Identifikation der Mitarbeiter mit ihrer eigenen Tätigkeit und dem Unternehmen insgesamt sowie
  • zur Qualität der Zusammenarbeit unter Kollegen.

Darüber hinaus mussten Personalverantwortliche Auskunft zu den Leistungen, Konzepten und Maßnahmen der Unternehmen im Personalbereich geben. Qualifiziert für den europäischen Gesamtwettbewerb hatten sich die Teilnehmer über die nationalen Great Place to Work® Wettbewerbe, die seit 2002 jährlich durchgeführt werden.

Wettbewerb "Deutschlands Beste Arbeitgeber 2009" gestartet

An der neuen Runde des nationalen Great Place to Work® Wettbewerbs "Deutschlands Beste Arbeitgeber" können alle Unternehmen aus Deutschland ab 50 Mitarbeitern fortlaufend bis zum 30. September 2008 teilnehmen. Dabei wird es besonders spannend: Die deutschen Gewinner qualifizieren sich diesmal nicht nur automatisch für den Folgewettbewerb "Europas Beste Arbeitgeber 2009", sondern auch für die vom Great Place to Work® Institute erstmals ausgelobte Liste der besten Arbeitgeber weltweit. Unternehmen aus vier Kontinenten und mehr als 40 Ländern werden sich um eine Platzierung bewerben.

Unabhängig von einer möglichen Platzierung auf den Beste Arbeitgeber-Listen erhalten alle Teilnehmer der Great Place to Work® Benchmark-Studie wertvolle Informationen für die Optimierung ihrer Personalarbeit und das Personalmarketing. Weitere Informationen und Anmeldung: www.greatplacetowork.de

Hinweis

Die komplette diesjährige Liste der 100 besten europäischen Arbeitgeber (differenziert nach zwei Größenklassen) findet sich unter: www.greatplacetowork-europe.com [159]

[po; Quelle und Bild: Great Place to Work®]

Verwaltungsaufwand: Bürokratie ist schädlich für den Banken-Vertrieb

Berater in deutschen Banken und Sparkassen verbringen durchschnittlich nur die Hälfte ihrer Arbeitszeit mit Kundengesprächen. Die übrige Zeit wird von Verwaltungsaufgaben blockiert. Bei 28 Prozent der Mitarbeiter entfallen sogar zwei Drittel der Arbeitszeit auf die Pflege von Kundendaten, Dokumentationspflichten sowie administrative Zwänge. Diese Zeit geht für persönliche Kundengespräche verloren.

Nur rund jeder vierte Kundenberater schafft es, den Verwaltungsaufwand auf ein vertretbares Maß zu beschränken. Nach nahezu einhelliger Ansicht der Bankmanager kann die Arbeitseffektivität jedoch durch verbesserte IT-Lösungen erhöht werden. 79 Prozent der Befragten sind überzeugt, dass durch eine entsprechende technische Unterstützung die verfügbare Zeit für Vertrieb und Beratung spürbar steigen würde. Das sind Ergebnisse aus der Studie "IT & Vertrieb in der Bankwirtschaft" des Beratungs- und Softwarehauses PPI AG in Zusammenarbeit mit dem Bankmagazin.

Besonders groß ist der Verwaltungsaufwand der Sparkassen. 46 Prozent der Kundenberater können weniger als ein Drittel ihrer Arbeitszeit dem Kunden widmen. Der große Rest ihres Arbeitstages entfällt auf Verwaltungstätigkeiten. Etwas besser sieht es in den Geschäfts- und Privatbanken aus. Hier werden nur 15 Prozent der Mitarbeiter in derart großem Ausmaß von Verwaltungsaufgaben beschränkt. Dennoch ist auch in den Geschäfts- und Privatbanken der administrative Aufwand enorm. Nur jeder siebte Mitarbeiter hat mehr als zwei Drittel seines Arbeitstages für Vertriebsaktivitäten und Kundenberatung zur Verfügung.

Dabei lassen sich durch eine entsprechende technologische Unterstützung die Belastungen der Kundenberater durch Verwaltungsaufgaben spürbar reduzieren. Vor allem Mitarbeiter der Geschäfts- und Privatbanken (92 Prozent) vertreten die Ansicht, dass eine verbesserte IT Verwaltungsaufwand einspart und dadurch positive Auswirkungen auf die Kundenberatung hat.

So können durch IT-Lösungen beispielsweise Kaufvorgänge automatisiert, Kundenbedürfnisse analysiert und die Datenverwaltung standardisiert werden. Insgesamt sind es vor allem die Fach- und Führungskräfte der großen Finanzinstitute, die die Leistungsfähigkeit moderner IT erkannt haben. Die Zustimmung der Kundenberater in Häusern mit mehr als 500 Mitarbeitern liegt 18 Prozentpunkte über der in Banken mit bis zu 250 Mitarbeitern.

Hintergrundinformationen

Die Studie "IT & Vertrieb in der Bankwirtschaft" stellt die Ergebnisse einer Online-Befragung dar, die im Auftrag des Beratungs- und Softwarehauses PPI AG in Zusammenarbeit mit dem Bankmagazin durchgeführt wurde. Im Zeitraum vom 11. Januar bis 17. März 2008 wurden 195 Fach- und Führungskräfte aus der Bankwirtschaft befragt.

[po; Quelle: Presseportal; Bild: Fotolia.com]

Umdenken: Flaute im Outsourcing-Markt

Das arago Institut für komplexes Datenmanagement geht davon aus, dass ein Grund für die derzeitige Flaute am deutschen Outsourcing-Markt in der fehlenden Kenntnis der Unternehmen begründet liegt, welche Ziele sich damit realisieren lassen. arago beruft sich dabei auf eine Meldung des Beratungshauses active sourcing, nach dessen Aussage im Jahr 2007 gegenüber dem Vorjahr ein Rückgang an Aufträgen um siebzig Prozent zu verzeichnen gewesen sei. Martin Friedrich, Vorstand bei der arago AG, kommentiert die Zurückhaltung deutscher Firmen so:

"Diese Entwicklung ist durchaus als dramatisch zu bezeichnen und auch nicht alleine drauf zurückzuführen, dass ein milliardenschwerer Deal aus der Jahresbetrachtung heraus fällt."

Die Frankfurter IT-Experten glauben viel eher, dass es in puncto Outsourcing Zeit zum Umdenken sei und nicht nur die Kostensenkung als Motivation herangezogen werden dürfe. Dass dies nach wie vor der Fall ist, belegen die Ergebnisse einer Studie, die arago im Frühjahr unter den IT-Verantwortlichen von Anwenderunternehmen durchgeführt hat. 84 Prozent von ihnen nennen die Kostensenkung als Hauptziel des Outsourcing. Martin Friedrich sagt:

"Natürlich bestreiten wir auch nicht, dass mit der Auslagerung bestimmter Prozesse sehr viel Geld gespart werden kann. Wenn wir heute aber vom Next Generation Outsourcing sprechen, geht es um viel mehr als das."

Als Beispiele nennt Martin Friedrich die Modalisierung von Preisen und Leistung, die verringerte Leistungsverzahnung, die Möglichkeit, von technischen Innovationen seitens des Providers zu profitieren und die stärkere Fokussierung auf das Kerngeschäft.

"In unserer Umfrage bewegen sich diese Aspekte alle zwischen zwei und sechs Prozent, das zeigt, dass die eigentlichen Vorteile, die das Outsourcing bringt, von den Unternehmen noch nicht ausreichend verstanden werden."

Dazu komme, dass Outsourcing-Partner das auslagernde Unternehmen dabei unterstützen können, die Art und Weise der IT-Produktion zu verändern, ohne dass dadurch der laufende Betrieb in Mitleidenschaft gezogen wird. Dabei sehen die Experten der arago als notwendigen Schritt die Industrialisierung und Automatisierung von IT-Prozessen an. Durch sie ließe sich eine erhebliche Steigerung der Effizienz und der Produktivität erzielen. Nach einer erfolgreichen Neuorganisation der Arbeit durch ITIL müssten bestimmte Punkte im Systembetrieb identifiziert werden, an denen manuelle Tätigkeiten durch automatische Prozesse ersetzt werden können, so Martin Friedrich. Auf diese Weise schaffe eine Firma für ihre Mitarbeiter neue Freiräume, die gewinnbringend genutzt werden können. Auf diese Weise könne dann auch die Ergebnisqualität in konkreten Kundenprojekten gesteigert werden.

Zur Studie:

Befragt wurden fünfzig IT-Verantwortliche aus mittelständischen Anwenderunternehmen. Die Studie ist im explorativen Bereich einzuordnen. Sie spiegelt eine bestimmte Grundstimmung in der Branche wider und lässt aus diesem Grund Rückschlüsse auf bestimmte Tendenzen zu.

[po; Quelle: arago; Bild: Fotolia.com]

Rentabel: Outsourcing der IT-Office-Qualifizierung

Den Bereich Mitarbeiterqualifikation im Outsourcing zu betreiben, liegt nahezu auf der Hand. Besonders in der IT-Office-Qualifizierung lassen sich durch Outsourcing die Kompetenzen von externen Spezialisten nutzen. Viele Unternehmen lassen ihre Mitarbeiter bereits extern schulen, um die Kosten der eigenen Trainer und Schulungsräume einzusparen. Doch dass der komplette Bildungsbereich von der Bedarfsermittlung über die Konzeption und Umsetzung bis hin zur Kontrolle „outgesourct“ werden kann, wissen die Wenigsten.

Geänderte Anforderungen

Die Rahmenbedingungen der IT-Qualifikation wandelten sich in den letzten Jahren stark. Vor einigen Jahren noch mussten bei vielen Mitarbeitern erste Office-Grundlagen geschult werden. Dagegen liegen heutzutage meist breite Basiskenntnisse vor, aber das notwendige Detailwissen fehlt. Eine entsprechende IT-Qualifizierung der Mitarbeiter ist wichtig, denn Mitarbeiter nutzen während eines Großteils ihrer Arbeitszeit Softwareprodukte von Microsoft, Lotus, Adobe oder anderen Herstellern. Damit die Aufmerksamkeit auf dem Business und nicht auf den unterstützenden Software-Programmen liegt, müssen die Mitarbeiter ihre „Werkzeuge“ in der Verwendung beherrschen. Ein bloßes Kennen reicht nicht aus, um effizient zu arbeiten. Die folgenden grundlegenden Veränderungen bestimmen heute die Anforderungen in der Qualifikation:

  • Es besteht weniger Bedarf nach Basiswissen.
  • Der Wissensbedarf ist individuell und sehr speziell.
  • Ständige Releasewechsel der Softwarehersteller erfordern neues Wissen.
  • Lernen geschieht „ Just in time“.
  • Weniger Budget für die Mitarbeiterqualifikation steht zur Verfügung.
  • Nachhaltigkeit und Wissenskontrolle werden gefordert.

Das Qualifikationsportfolio, die Seminargestaltung und die Seminarorganisation müssen an die geänderten Rahmenbedingungen angepasst werden, neue Konzepte sind unerlässlich. Das Hinzuziehen von spezialisierten Weiterbildungsunternehmen ist hierbei ratsam, denn nicht jedes Unternehmen kann den Änderungen stets nachkommen. Experten bieten die erforderliche Kompetenz und Unterstützung in der Umsetzung der Anforderungen. Durch sie erfolgt die Qualifizierung der Mitarbeiter arbeitsplatznah und in kurzen Seminareinheiten. Aktuelle Themen vermitteln Weiterbildungsunternehmen kurzfristig, flächendeckend und kostenattraktiv. Unterschiedliche Lernformen ermöglichen dabei ein lerntypengerechtes und situatives Lernen für den einzelnen Mitarbeiter. Spezialisierte Unternehmen bieten beispielsweise folgende Lernformen an:

  • Web Based Trainings (WBTs),
  • Seminare,
  • Workshops,
  • Coaching am Arbeitsplatz und
  • Handouts und Quickinfos.

Vielfältige Inhalte und Lernformen

Die Qualifikationsangebote externer Unternehmen entsprechen sowohl bei den Inhalten, als auch bei den Lernformen den aktuellen Anforderungen der Mitarbeiter und Unternehmensleitung. Das extern verfügbare vielfältige Portfolio kann von internen Weiterbildungsabteilungen nur selten in ähnlichem Umfang angeboten werden. Nachfolgende Beispiele greifen einige der heutigen Aufgabenstellungen der Personalentwicklung bei der IT-Qualifikation heraus.

Breites Angebot an Inhalten: vom Basiswissen zur Spezialisierung

Eine Basisqualifikation der Mitarbeiter setzen die meisten Unternehmen voraus. Sie übergeben somit die Verantwortung für das Erlangen der Qualifikation in die Hände der Mitarbeiter. Jedoch ist nicht jeder in der Lage, diese Verantwortung auch tatsächlich erfolgreich anzunehmen und umzusetzen. Viele Mitarbeiter nutzen Seminare an Volkshochschulen oder Abendakademien, bei denen in der Regel keine Erfolgskontrolle über das Erlernte stattfindet. Im Zweifel verschweigen Arbeitnehmer gegenüber Kollegen und Vorgesetzten ihre unzureichende Qualifikation, um nicht als unwissend dazustehen. Die Effizienz der Mitarbeiter leidet darunter, die Fehlerquote erhöht sich. Ein rein auf Weiterbildung spezialisierter Anbieter erkennt die Wissenslücken schnell und behebt sie zielgerichtet und kostenattraktiv durch geeignete Lernmethoden. Ein breites Aufgabenspektrum der Mitarbeiter erfordert eine entsprechend hohe Anzahl der eingesetzten Software-Programme in einem Unternehmen. Manches Wissen wird jedoch nur selten und in speziellen Situationen benötigt. Das Angebot an Lerninhalten bei Outsourcing-Partnern ist groß, es reicht vom Basis- über das Aufbauwissen bis hin zu Spezialgebieten, fachkundige Partner bieten den Lernenden bei den Inhalten stets starken Praxisbezug. Durch eine Vielzahl an offenen Seminaren und Web based Trainings (WBTs) kann auch seltener Qualifikationsbedarf zeitnah geschult werden.

Zeitnahe Qualifikation

Auf den ersten Blick hin erscheint es sinnvoll die Mitarbeiter auf interne Seminare zu schicken. Doch bestehen häufig lange Wartelisten oder das erforderliche Seminar findet nur selten statt, da aus wirtschaftlichen Gründen eine Mindestanzahl an Kursteilnehmern unerlässlich ist. Einige Wochen können somit schnell vergehen bis die Mitarbeiter das benötigte Wissen vermittelt bekommen. Die Folge des langen Wartens ist offensichtlich: viel Zeit und Nerven kostet eigenständiges Ausprobieren, wissende Kollegen werden zu Rate gezogen und von der Arbeit abgehalten, umständliche und fehlerhafte Arbeitsweisen entstehen. Externe Anbieter verfügen über eine hohe Anzahl an offenen Seminaren, die in kurzen Zeitabständen stattfinden. Die Teilnahme von einzelnen Mitarbeitern an einem Seminar ist bei einem externen Partner jederzeit möglich, so dass eine zeitnahe Qualifikation erfolgt.

Einführung von E-Learning

E-Learning würden viele Verantwortliche in der Personalentwicklung gerne als echten Bestandteil in der Mitarbeiterqualifikation einsetzen. Erste schlechte Erfahrungen verhindern jedoch oft eine wirkliche Implementierung dieser Lernform. Seit Jahren entwickeln externe Anbieter professionelle Einführungskonzepte in Abstimmung mit Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen. Die Erfolgsquote des E-Learnings steigt in den Betrieben enorm. Mit gezielter Kommunikation und Begleitung des Lernprozesses durch zum Beispiel Tutoren kann E-Learning zu einer erfolgreichen Qualifikationsmethode für die Mitarbeiter werden, die langfristig Bestand hat.

Innovative Konzepte

Unternehmen müssen das Rad nicht jedes Mal neu erfinden, wenn sich die Qualifikationsanforderungen ändern. Ein professioneller Outsourcing-Partner verfügt einerseits über einen großen Best-Practise-Erfahrungsschatz und andererseits über „Werkzeuge“ und Methoden, die schnelle und kostengerechte Lösungen verwirklichen können. Einige der derzeit erfolgreich am Markt angebotenen Lösungen sind:

  • zielgruppengerechte Qualifikationskonzepte,
  • Wissenstests zur exakten Definition des Lernbedarfs,
  • Anmeldemöglichkeiten einzelner Mitarbeiter zu offenen Seminaren,
  • Seminarnuggets im Präsenztraining,
  • auf das Unternehmen abgestimmte WBTs,
  • Tutorenbegleitung bei E-Learning,
  • Einzelcoaching am Arbeitsplatz,
  • Roadshows,
  • Kurze Übersichten: Quickinfos sowie
  • Informationstrailer für neue Inhalte und Lernmethoden.

Diese unterschiedlichen Lernformen und Medien decken den Bedarf der verschiedenen Lerntypen. So können die Mitarbeiter die optimale Lernform zu ihrem Lerntyp und Lernstil wählen. Ein rascher Lernerfolg ist damit garantiert. Kosten Durch Outsourcing senken die Kosten für die IT-Qualifizierung der Mitarbeiter. Zusätzlich erhalten Unternehmen neue Freiräume, die für ihr Business einen Mehrnutzen darstellen. Bisherige IT-Schulungsräume, festangestellte Trainer und Mitarbeiter des Organisationsteams können anderweitig eingesetzt oder freigesetzt werden. Auch die Kostenart verändert sich: Fixe Kosten werden in variable Kosten umgewandelt. Mit einem professionellen Partner steigen sowohl die Flexibilität des Unternehmens als auch die Qualität der Mitarbeiterqualifizierung. Im Gegenzug sinkt das finanzielle und personelle Risiko. Service Kompetente Outsourcing-Partner zur IT-Qualifikation bieten ihren Service für zwei Unternehmensebenen an:

  1. Bucher und Seminarteilnehmer und
  2. Personalverantwortliche.

Bucher und Seminarteilnehmer erhalten Information, Beratung und kompetente Auskunft über telefonische Servicecenter, Intranetsites, Flyer und Trailer. Persönliche Ansprechpartner beim externen Partner übernehmen alle Belange rund um die Teilnehmer- und Seminarorganisation. Die Personalabteilung wird entlastet. Personalverantwortliche erhalten stets aktuell alle interessanten Fakten: Statistiken, Budgetsituation, nachgefragte Themen und Formen, sowie weitere für sie relevante Informationen. Regelmäßig finden Monitorings und Absprachen statt. Benötigte Optimierungen werden durch den Outsourcing-Partner rasch erkannt und umgesetzt. Die gemeinsame Zielerreichung steht bei der Zusammenarbeit im Vordergrund.

Fazit

Um den geänderten Rahmenbedingungen bei der IT-Qualifizierung der Mitarbeiter in Unternehmen Rechnung zu tragen, bietet sich die Zusammenarbeit mit einem Experten durch Outsourcing an. Die benötigte hohe Qualität der Weiterbildungsmaßnahmen und der damit verbundene hohe Wissenslevel der Mitarbeiter können durch Outsourcing auch in einem schrumpfenden Aufgabenfeld gewährleistet werden. Kosten werden reduziert und variabel gestaltet. Risiken und Verantwortung werden zu großen Teilen an den externen Partner abgegeben. Ein Trend hin zum Outsourcing der IT-Qualifikation zeichnet sich bereits heute ab. Die Anforderungen ändern sich immer schneller, so dass innovative Konzepte gefragt sind. Von der Auslagerung des gesamten IT-Qualifikationsbereichs werden daher in den nächsten Jahren immer mehr Unternehmen profitieren.

Ergebnisverbesserung: Den Schatz in der Administration heben

Um im Wettbewerb bestehen zu können, haben viele Unternehmen in den letzten Jahrzehnten ihre Anstrengungen auf die Rationalisierung der Produktionsabläufe fokussiert. Die Prozessketten wurden gestrafft, die Lagerbestände abgebaut, der Materialfluss auf „just in time“ umgestellt. Die administrativen Abläufe wurden zwar auch in verschiedenen Projekten verbessert, blieben aber im Vergleich zur Produktionswelt eher unbeachtlich. Heute kann man sagen, dass durch Optimierungsansätze in der Produktion nur noch „Cents“ zu holen, in der Administration jedoch noch „Euros“ zu gewinnen sind.

Eine Fraunhofer Studie aus dem Jahre 2006 belegt diese ungenutzten Ressourcen mit einer Verschwendungsrate in administrativen Bereichen von 32 Prozent. Als Hauptursachen werden schlecht abgestimmte Prozesse und die Arbeitsplatzorganisation genannt. Woran erkennt man die Verschwendung im administrativen Tagesablauf? Suchzeiten, Wartezeiten, Liegezeiten, Rückfragen, Nacharbeiten, Doppelarbeiten, Nichtarbeiten, und Arbeiten „für den Papierkorb“ geben klare Hinweise auf Verbesserungsmöglichkeiten. Während Suchzeiten auf mangelhafte Ordnungsstrukturen hinweisen, sind Warte- und Liegezeiten typische Erscheinungen suboptimaler Prozessabläufe. Rückfragen und Nacharbeiten sind Ausdruck für Qualitätsprobleme. Doppel-, Nicht- und „Papierkorb“ -arbeiten resultieren häufig aus ungeklärten Zuständigkeiten beziehungsweise unklaren Anweisungen. Sie tauchen ebenso wie Rückfragen vermehrt an den Schnittstellen auf, wenn Aufgaben von einem Mitarbeiter, Team oder Bereich an einen anderen übergeben werden.

Zu den Ineffizienzen kommen häufig noch falsch eingesetzte sowie falsch genutzte Kapazitäten. Unter dem Blickwinkel der Wertschöpfung stellt man oft fest, dass nur der geringste Teil der Arbeitszeit wirklich für Leistungen aufgewendet wird, die der Kunde erwartet und die er auch bezahlt. Leicht ergeht es internen Bereichen wie im geflügelten Spruch „Um für Alle Arbeit zu haben, braucht man ab 70 Mitarbeiter keine Kunden mehr“. Administrative Bereiche neigen dazu, sich selbst Arbeit zu erfinden. Als Stichworte seien nur „Reports“, „Emails“ und „Meetings“ genannt. Wie kann man die Verschwendung beseitigen? Ineffizienz und Ineffektivität verbergen sich in internen Bereichen in vielen kleinen Einzelthemen. Für sich allein genommen erscheinen sie relativ harmlos. Deshalb wird häufig die Notwendigkeit der Verbesserung nicht gesehen. In der Gesamtheit behindern die einzelnen Unzulänglichkeiten allerdings erheblich die erfolgreiche wertschöpfende Tätigkeit. Die Lösung bringt jedoch selten ein großes Umstrukturierungsprojekt, sondern die Umsetzung vieler klein erscheinender Schritte. Auch liegt der Schlüssel nicht in einer einzigen Vorgehensweise, sondern in der Kombination verschiedener Methoden. Alle Maßnahmen sollten ausgerichtet werden auf das Ziel, die Verschwendung zu eliminieren, die Nebenarbeiten zu reduzieren und die Wertschöpfung zu optimieren.

Zu empfehlen sind Methoden aus dem Tool des Kaizen, des Lean Administration und des Marketings für interne Abteilungen, da hier die Fokussierung auf die Vermeidung von Verschwendung und die Erhöhung der Wertschöpfung besonders hoch ist. Kaizen konzentriert sich mit der 5S-Methode auf die Optimierung des Arbeitsplatzes. Das Wertstromdesign des Lean Administration stellt die Verbesserung der Prozessabläufe in den Mittelpunkt und das Marketing für interne Abteilungen sorgt mit den Funktions- und Rollenbildern für eine wertschöpfende Zusammenarbeit von Teams, Abteilungen und Bereichen. Somit vereinigen diese drei Lösungsansätze die Ebenen Arbeitsplatz-, Prozess- und Schnittstellenorganisation. Die Arbeit mit verschiedenen Methoden in kleinen Schritten mag aufwendig erscheinen, hat aber als Vorteil, dass alle Aspekte angemessen berücksichtigt werden können. Zudem werden Veränderungen von den Mitarbeitern als weniger bedrohlich wahrgenommen.

Kompetenz: Projektmanager brauchen Führungskompetenz und Gelassenheit

Diese spontane Reaktion auf die Frage ist auch nicht weiter verwunderlich, denn Projektmanagement findet immer am Rande des Chaos statt. Schließlich liegt es im Wesen eines Projektes, dass sich Ziele im Ablauf ändern, Mitglieder das Team wechseln, Termine verändert werden oder der Auftraggeber neue Anforderungen stellt. Doch wenn die Veränderung in Projekten normal ist, warum führen Projektmanager dann nicht gelassen ihre Teams, um dem Chaos größtmöglichen Überblick entgegenzusetzen? Warum hechten sie immer noch von Meeting zu Meeting und verstecken sich hinter Terminplänen? Warum scheitern immer noch mehr als 50 Prozent der Projekte trotz ausgereifter Planungstechnologie und intensivem „Projektmanagement“ Training?

Weil es häufig an zwei Dingen fehlt:

  • Führungskompetenz in Projekten und
  • seemännischer Gelassenheit.

Führungskompetenz haben viele Projektleiter. Ihre Erfahrung und ihre Instrumente stammen häufig aus der Führung in der Linie. Führung im Projekt unterscheidet sich davon jedoch wesentlich: Zum einen sind Projektteams fachübergreifend zusammengesetzt – sehr unterschiedliche fachliche und kulturelle Hintergründe müssen in Einklang gebracht werden. Leite ich ein temporäres Team aus Ingenieuren, Marketingexperten, Produktmanagern und Vertriebsmitarbeiter ist das eben deutlich anders als die Führung einer homogenen Abteilung.

Zum anderen ist der Projektleiter nur ein „halber Vorgesetzter“, fehlen ihm doch nahezu alle Möglichkeiten der Belohung und Sanktion. Er ist also wesentlich stärker auf sein soziales Gespür und seine Kommunikation angewiesen – im Projektstress eine große Herausforderung! Hinzu kommen noch die enge zeitliche Begrenzung von Projekten und ein besonders hoher Ergebnisdruck, die den Führungsalltag in ebendiesen nicht gerade leichter machen. Was also gezielt entwickelt werden muss, ist Führungskompetenz im Projekt im Kontrast zur Führungskompetenz in der Linie.

Gelassenheit bei Projektüberraschungen

Doch auch das reicht nicht aus, um Projekte souverän zu führen. Hinzukommen muss eine große seemännische Gelassenheit des Projektkapitäns. Auf der Brücke profitiert ein Seebär von seinem reichen Erfahrungsschatz. Er weiß, dass er aufkommende Probleme erst in der Situation lösen wird und nicht vorab regeln kann; daher redet ein erfahrener Seebär seiner Mannschaft niemals einen aufziehenden Sturm schön, beordert aber auch nicht gleich alle Mann an Deck und verteilt vorsorglich Schwimmwesten. Vielmehr erwartet er Stürme und hat die Lage und die Funktionsfähigkeit der Schwimmwesten bereits überprüft.

Genauso handelt ein gelassener Projektleiter: wach, konzentriert, gut vorbereitet und mit all seinem Erfahrungswissen. Denn wer mit seinem  professionellem Menschenverstand mit Projektüberraschungen rechnet, statt zu versuchen, sie durch statistische Methoden wegzukalkulieren, nimmt ihnen jeglichen Schrecken und stellt sicher, dass Projektabläufe weiter funktionieren. Das ist es eigentlich, wofür der Projektleiter bezahlt wird – denn Pläne abarbeiten könnte auch ein beliebiger Projektmitarbeiter. Erfolgreiche Projektmanager planen daher alternative Szenarien bereits im Vorfeld und nicht erst ad hoc – um in der schwierigen Situation Ruhe bewahren zu können und vor allem auszustrahlen. Projektleitung jenseits der Planwirtschaft eben.

Ähnlich verhält es sich, wenn Auftraggeber des Projekts die Ziele während des Projekts immer mehr aufstocken:  „Das läuft ja hervorragend. Da können wir doch noch eine Idee integrieren.“ Auch hier lohnt sich ein Blick auf das Seemannshandwerk. Ist das Schiff erst auf See, kann die Ladung nicht vergrößert oder getauscht werden – das Schiff würde instabil. Ein guter Kapitän wird also nicht zulassen, dass sein Schiff in Gefahr kommt und dem Reeder die Stirn bieten. Und genau das macht ein Projektmanager mit seemännischer Gelassenheit: Er sagt Nein, wenn zusätzliche Anforderungen das Projekt zum Scheitern bringenden könnten und bleibt standhaft. Auch so verhindert er, dass Multitasking und im Vordergrund der Projektarbeit stehen.

Der Wirklichkeit human begegnen

Um nicht missverstanden zu werden: Ich wende mich nicht gegen Projektmanagementtools und Projektmethoden. Sondern gegen deren sklavische und mechanistische Anwendung. Große Projekte sind ohne Projektmanagementsoftware nicht effektiv durchzuführen.

Nur gibt es ein Projektmanagement jenseits der Tools und hier heißt es anzuerkennen, dass Projekte aus Menschen bestehen und die Wirklichkeit etwas anderes ist, als eine lineare Kette geplanter Ereignisse.

Seemännische Gelassenheit entsteht dann aus einer veränderten Haltung, nämlich anzuerkennen dass Dinge anders laufen als geplant. Dass die Wirklichkeit nicht linear, sondern höchst komplex ist. Es geht um den Abschied vom Maschinendenken und um die grundlegende Einsicht, dass „es“ immer anders sein kann, als gedacht. Das bedeutet, in Alternativen zu denken und Pläne als einen möglichen Verlaufspfad zu begreifen, der jederzeit angepasst und verändert werden kann - und dies den Projektmitarbeitern gegenüber auch so zu vertreten.
 
Kommen Führungskompetenz in Projekten und seemännische Gelassenheit zusammen, ist der Weg bereitet - für ein klar und flexibel gesteuertes Projekt, das am Rande des Chaos bleibt, aber eben nicht im Chaos endet.

[Bild: Fotolia.com]

Verbandsarbeit: Wissensmanagement in Netzwerken

Am Beispiel des Projektes METORA, welches der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (BITKOM) im Rahmen eines BMWi-Projektes aufbaut und betreibt, wird erläutert, wie Verbände und andere Netzwerkorganisationen diese Aufgabe realisieren können und welche Rahmenbedingungen sie dabei berücksichtigen müssen.

Austausch von Ressourcen und Wissen

In einer hochgradig spezialisierten und globalisierten Wirtschaft mit immer kürzeren Innovationszyklen und dem Bedarf an stetig komplexeren Lösungsangeboten sind kleine und mittelständische Unternehmen zunehmend gezwungen, sich mit Geschäfts- oder Kooperationspartnern zu vernetzen, um sich am Markt behaupten zu können. Großunternehmen benötigen Kooperationen mit kleinen, flexiblen Firmen, um schneller auf veränderte Markttrends reagieren zu können. Forciert wird die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit mit externen Kompetenzträgern allgemein durch den Trend der Unternehmen zur Konzentration auf ihre Kernkompetenzen und die gestiegene Fluktuation der Mitarbeiter als Wissensträger im Unternehmen.

Hierbei haben sich eine Reihe neuer interorganisationaler Kooperations­formen entwickelt. Ein Beispiel hierfür sind organisationsübergreifende Netzwerke, die einen effizienten Austausch von Ressourcen und Wissen organisieren, um neue Entwicklungen schneller und effektiver aufzunehmen.
Die beteiligten Unternehmen profitieren vom Wissen, den Erfahrungen und den Lösungsangeboten der im Netzwerk vertretenen Experten oder Praktiker. Kooperationen in Netzwerken helfen so bei der zeitnahen (Weiter-)Entwicklung, Einführung und Vermarktung innovativer Produkte und Dienstleistungen oder der Etablierung unternehmens­übergreifender Wertschöpfungprozesse.
Netzwerke zeichnen sich durch flache, flexible, offene und partnerschaftliche Strukturen aus, die sich fundamental von den herkömmlichen, in vertikalen oder hierarchischen Geschäftsbeziehungen abgebildeten Verlängerungen von Wertschöpfungs­ketten unterscheiden.

Der gestiegene Anspruch an komplexe, zeitlich und örtlich flexible Koordinierungsaufgaben insbesondere zwischen geografisch entfernt liegenden Partnern ist ohne den Einsatz webbasierter Plattformen kaum mehr effizient zu bewältigen. Der Informations- und Kommunikationstechnologie (ITK) kommt deshalb neben den auf die jeweiligen sozio-ökonomischen und kulturellen Rahmenbedingungen abgestimmten organisatorischen Maßnahmen eine wichtige, wenn nicht gar konstituierenden Bedeutung für die Etablierung solcher Netzwerke und den darin praktizierten wissensintensiven Prozessen zu.

Wie Verbandsnetzwerke heute funktionieren

Verbände sind genuine Vertreter interorganisationaler Netzwerke, deren Kernaufgaben unter anderem in den Bereichen Netzwerkarbeit sowie Informations- und Wissensvermittlung liegen. Des Weiteren haben sie ein Interesse an der Förderung von Kooperationen unter den Mitgliedsfirmen und dem Austausch derselben mit Wissenschaft und Praxis.

Analysiert man die Kernaufgaben von Verbänden, so gewinnt der Bereich Information & Beratung zunehmend an Bedeutung: Laut einer Studie des Forums Marktforschung (2006) zur Wichtigkeit der Leistungsbereiche von Verbänden entfielen insgesamt 36 % auf den Bereich „Information“ (23 %) und „Beratung (13 %)“. Der Bereich „Networking“ wird in der Studie granularisiert und deshalb nicht explizit aufgeführt.  Networking oder Netzwerkarbeit war und ist jedoch ebenfalls unbestritten ein wichtiger Aspekt der Verbandsarbeit, ob in der Vernetzung der Mitglieder untereinander oder als „Lobbying“ im Politikbereich.

Kernaufgaben beziehungsweise Kernprozesse von Verbänden


Das Netzwerk manifestiert sich primär in themenbasierten, zum Teil dezentral organisierten Gremien/Arbeitsgruppen, in denen Vertreter unterschiedlicher Firmen kooperieren. Networking im Verband läuft auch heute noch fast ausschließlich über face-to-face Kommunikation, also Veranstaltungen. Zwei Entwicklungen der letzten Jahre führen hier jedoch zu einem nicht zu unterschätzenden Anpassungsdruck: Entscheidungsträger werden mit einem kaum mehr zu bewältigenden Angebot an Veranstaltungen konfrontiert, das sie bei ihrer ohnehin schwierigen Terminlage nicht wahrnehmen können. Zudem konkurrieren Verbände als Personen-Netzwerke mit Web 2.0 oder Community-Plattformen (zum Beispiel Xing, Linked-In, The Greater IBM), in denen sich Firmenvertreter und unabhängige Experten austauschen und selbst organisieren können – und das nicht selten kostenlos.

Verbandsmitglieder erwarten weiterhin geldwerte Services für ihre Beiträge und eine effektive Arbeit der Geschäftsstelle, da sich auch Verbandsmitgliedschaften dem Controlling gegenüber rechnen müssen. Dabei spielen dokumentenbasierte Geschäftsprozesse, etwa in der Öffentlichkeitsarbeit, der Erstellung von Informationsmaterialien oder einfach der Mitgliederinformation eine zentrale Rolle. Nicht zuletzt konkurrieren Verbände untereinander um Mitglieder.

BITKOM formuliert in seinem Strategiepapier 2010: „Die Förderung der Kooperationsfähigkeit von kleinen und mittleren Unternehmen mit Forschungseinrichtungen und Großunternehmen sind wesentliche Parameter für die Wettbewerbsfähigkeit der ITK KMUs“.
Eine Vernetzung der Mitgliedsfirmen nach außen mit Wissenschaft und Anwendergruppen und der Verbandsgremien untereinander (sog. Transdisziplinarität) werden dort explizit als wichtige Schwerpunkte genannt.

Am Beispiel der größten deutschen des größten deutschen ITK Verbandes wird im Folgenden demonstriert, wie Netzwerkorganisationen ihr großes Wissenspotenzial, repräsentiert durch die Mitglieder, die Kooperationspartner, den Bestand und die Produktion von Informationsmaterialien bzw. Daten sowie den eigenen Mitarbeitern darstellen, nutzen und weiterentwickeln können.

Bedarfsanalyse für eine Plattform zum Wissensmanagement im Verbandsnetzwerk des BITKOM

BITKOM repräsentiert mehr als 1.100 Unternehmen, davon über 850 Direktmitglieder. Hierzu gehören fast alle Global Player sowie 600 leistungsstarke Mittelständler und damit circa 90 Prozent des deutschen ITK-Markts.

Das Verbandsnetzwerk stellt mit seinen mehr als 100 Arbeitskreisen, Foren und anderen Gremien mit mehreren tausend Experten die personelle und fachliche Basis des Netzwerkes.

Die Einführung einer Plattform zur Reformierung des Wissensmanagements im Verbandsnetzwerk wurde bereits im oben angesprochenen Strategiepapier 2010 unter dem Arbeitstitel „BITKOM direkt“ formuliert. Die wesentlichen Anforderungen aus strategischer Sicht des Verbandsmanagements sind:

  • Mehr Selbstorganisation und direkte Beteiligung der Mitglieder ermöglichen und die physische Netzwerkarbeit oder Gremienarbeit durch virtuelle Infrastrukturen ergänzen, die Arbeit in den Verbandsgremien und Netzwerkgruppen effizienter (auch unter Umwelt- und Kostengesichtspunkten) und weniger abhängig von physischen Treffen gestalten
  • Aufbau einer Web-Plattform zur Online-Präsenz aller Gremien und als virtuelle Infrastruktur für die personalisierte Information und Partizipation der Netzwerkmitglieder sowie zur Verstärkung der Themenarbeit im Web
  • Herstellung größerer Transparenz der vertretenen Themen, Communities, Arbeitsgruppen, Experten, Firmen, Informations­bestände, Veranstaltungen und deren Verknüpfungen untereinander für die Netzwerkmitglieder und die Öffentlichkeit
  • Flexibilisierung der Gremienarbeit über organisatorische Grenzen hinweg, um kurzfristiger auf die nicht nur im ICT-Sektor zunehmende Themenkonvergenz reagieren zu können
  • Die Kommunikation und Kooperation mit externen Gruppierungen beispielsweise aus Wissenschaft oder Praxis verbessern (Öffnung nach außen) und parallel neue Premium-Services für die Mitglieder bereitstellen
  • Kernprozesse wie die dokumentenbasierten Prozesse in den Gremien und der Geschäftsstelle, das Management von Verbands- oder Netzwerk-Veranstaltungen und das Experten-/Adressmanagement effizient unterstützen

Um die Anforderungen der Verbandsmitglieder an eine solche Plattform zu analysieren, wurde vor Realisierung des Projektes ein unabhängiges Institut mit der Durchführung einer Studie beauftragt. Die Ergebnisse bestätigen den oben genannten Projektansatz und zeigen neben Prioritäten für allgemeine Kommunikations- und Kooperationsdienste auch konkretere Anwendungsbereiche, wie:

  • Dokumentenmanagement,
  • Expertenmanagement & Kompetenzmanagement,
  • Terminmanagement,
  • Themenmanagement,
  • Gremienübergreifenden Zusammenarbeit unter Einbindung auch externer Personen und Gruppen sowie
  • Einrichtung geschlossener Nutzergruppen.

Die Anforderungen lassen sich insgesamt zu zwei Anwendungsbereichen synthetisieren:

  1. Unterstützung wissensintensiver, primär auf Dokumente basierender Prozesse in geschlossenen
    Nutzergruppen
    (Gremien wie Arbeitsgruppen, Kompetenzbereiche) mit Collaboration Tools für Dokumenten-, Termin-, Projektmanagement und Kommunikation (zum Beipsiel Foren, Blogs, Webkonferenzen) inklusive Kontaktdaten der Gruppenmitglieder
  2. Unterstützung der Gremien übergreifenden Zusammenarbeit in Communities mit Wissenspool, in dem Themen, Arbeitsgruppen und Experten strukturiert verwalteten werden

Die Anwendungsszenarien

Da die Kernaktivität des Netzwerkes in Gremien wie Arbeitskreisen, Projektgruppen, Foren usw. stattfindet, bildet das Pilot-Anwendungsszenario für die erste Entwicklungs- und Einführungsphase die Hauptprozesse zur Unterstützung der Arbeit in diesen Gremien ab.

Zudem gibt es für dieses Szenario ein hohes Transferpotenzial auf andere Netzwerkorganisationen, da auch hier zu grossem Teil vergleichbare Prozesse der Arbeits- und Projektgruppenarbeit zu finden sind.

Skizze Pilot-Anwendungsszenario

Das Szenario hat auch in den späteren Entwicklungsphasen seine zentrale Bedeutung beibehalten, wurde allerdings um weitere Szenarien ergänzt, wie „Durchführung von Webinars und Web-Präsentationen“, „Erstellung und Auswertung von Online-Umfragen zur Datengewinnung“, „Themendiskussionen in semantischen Blogs“ unter andere. An dieser Stelle sei noch kurz auf das Szenario für die angesprochenen Communities eingegangen: Die offenen Bereiche stellen die bidirektionale Verbindung der im Wesentlichen als geschlossene Nutzergruppen agierenden Verbandsgremien mit externen Gruppierungen, Medien oder Einzelpersonen dar. Sie erweitern das klassische Networking, in dem sie bestehenden Gruppen die Möglichkeit geben, sich durch die Aufnahme externer Personen weiterzuentwickeln oder die Entstehung neuer Kooperationspartnerschaften zu unterstützen. Wichtig hierbei ist die transparente und auf einfache Weise recherchierbare Darstellung der innerhalb des Netzwerkes vorhandenen Gremien,  Experten und Themen. Eine Kooperationspartnerschaft kann in einem nächsten Schritt in eine neue geschlossene Arbeitsgruppe münden, in der sich - wie oben angezeigt - Vertreter der kooperierenden Organisationen mit einem bestimmten Ziel produktiver (meist dokumentenbasierter) Zusammenarbeit selbst oder unter Führung eines Projektgruppenleiters organisieren. Die folgende Grafik zeigt exemplarisch die Vernetzung geschlossener Gremien wie eines Arbeitskreises oder einer Projektgruppe mit thematisch assoziierten, öffentlichen Communities.

Austausch zwischen geschlossener Arbeitsgruppe und assoziierter, offener Community

Umsetzung: Die Plattform METORA für das Wissensmanagement beim BITKOM

Projektentwicklungs- und Einführungsprozess: Der Aufbau der Plattform wurde als zentraler Bestandteil des Projektes METORA (von lat. „meta orare“, grob übersetzt ‚auf übergeordneter Ebene das Wort führen’) etabliert, welches gemeinsam mit zwei Netzwerkpartnern aus dem Wissensschafts- und Consultingbereich im Rahmen der Initiative „Fit für den Wissenswettbewerb“ von Mai 2005 bis einschließlich Mai 2008 vom Bundesministerium für Wirtschaft und Industrie – BMWi  gefördert wird. Für die Plattform wurde auf Basis der Anforderungsanalyse und anschließenden Konzeptionsphase zunächst ein Pilot entwickelt, der die Kernanforderungen einem repräsentativen Kreis von circa 150 Pilotanwendern zum Test bereitstellte. Die Evaluation der Pilotphase, die Ende 2006 abgeschlossen wurde, führte zur Entwicklung des ersten Produktivsystems, das seit Anfang 2007 kontinuierlich ‚ausgerollt’ wird. Parallel wird in einem evolutionären Projektentwicklungsprozess unter fortlaufender Evaluierung zumeist anhand von Online-User-Umfragen und ‚service request’-Auswertungen die Weiterentwicklung in einer Testumgebung vorangetrieben und turnusmäßig produktiv geschaltet.

Die Einführung bei den rund 60 Mitarbeitern in der Geschäftsstelle des Verbandes erfolgt über Gruppenschulungen mit anschließender, Betreuungsphase. Die Mitglieder des Netzwerkes werden entweder im Rahmen der regulär stattfindenden Präsenzveranstaltungen oder über Webinare, die auch auf der Plattform durchgeführt werden, geschult. Zur Nachbereitung und für Nicht-Teilnehmer liegen Schulungsmaterialien in Form aufgezeichneter Webinare, Demos und Leitfäden auf der Plattform bereit. Zudem gibt es für fachliche oder technische Fragen persönliche Ansprechpartner. Die Organisationsstruktur des Verbandsnetzwerkes wie auch der Geschäftsstelle wurde bis auf die Einstellung eines hauptverantwortlichen Projektmanagers beibehalten: Primär sollten zunächst bestehende Strukturen und Prozesse unterstützt werden. Technische Entwicklungsaufgaben wie auch das Hosting wurden an Dienstleister vergeben. Die Inhaltliche Entwicklung der Plattform entsteht aus der normalen Gremienarbeit heraus, ergänzt durch die Beiträge von Netzwerkpartnern oder externen Quellen über die Communities.

Technologie: Das technologische Grundkonzept sieht ein service-orientiertes Web-Portal vor, mit

  • themenorientierten Communities inklusive Web 3.0 Technologien wie semantischen Wikis, Blogs und semantischem Themennetz,
  • offenen und geschlossenen Arbeitsbereichen mit Collaboration-, Content- und Dokumenten-Management-Services in Form hochwertiger, direkt online nutzbarer Software-Tools und
  • semantisch strukturiertem und grafisch navigierbarem Wissens- und Expertenpool u.a. mit speziell aufbereiteten Fallstudien und Erfahrungsberichten.
Bausteine der Web-Plattform

Web 2.0-Bausteine, erweitert um Collaboration Tools für Dokumenten-, Termin-, Aufgaben-, Expertenmanagement, Foren und mit synchronen Kommunikationsmedien wie Webconferencing sind die Basis für die Unterstützung der Arbeitsgruppen und Communities.

Ergänzend werden Semantic Web Technologien wie Topic Maps zur grafischen Darstellung von Zusammenhängen zwischen Personen, Dokumenten, Terminen, Themen-, Foren-, Weblog- und Wiki-Einträgen eingesetzt: Durch die Ein- und Ausblendung verschiedener Verknüpfungsebenen kann jeder Nutzer die ihn interessierenden Themen, Personen oder Inhalte und deren Verbindungen selektiv darstellen. Die so entstehende grafische Darstellung eignet sich zur übersichtlichen, fast spielerischen Navigation im vernetzten Informationsraum der Plattform. Anwender können bei entsprechender Neigung von der grafischen in die textuelle Darstellung wechseln.

Die Entwicklung der Themenkarten wird gleichzeitig für das Themenmanagement eingesetzt. In der jeweiligen Community können die Anwender zu den einzelnen Themen und den damit verknüpften Wissensobjekten in Blogs diskutieren und eigene Beiträge einstellen.

Neben der Topic Map Navigation kann auch über eine semantisch erweiterte Suche im gesamten Wissenspool recherchiert werden. Die Community selbst läuft auf einem Portal, Topic Map und Suche sind als Portlets integriert und der Wissenspool wird über Webservices mit der Collaboration Software – in der auch das User- und Rechtemanagement läuft – verknüpft.

Erste Ergebnisse: Konzeption, Technologie und Einführung

Das Projekt wird erst im Sommer 2008 vollständig ausgewertet sein, erste wichtige Ergebnisse können jedoch schon jetzt präsentiert werden. Die Einführung der Plattform im Verband dauert länger als geplant. Dies ist u.a. darauf zurück zu führen, dass umfangreichere Software-Anpassungen und Release-Wechsel erforderlich wurden, die Integration in die bestehende IT-Umgebung im Verband durch parallel laufende Projekte verzögert wird und die Einführung der Mitarbeiter sich über einen längeren Zeitraum hinzieht. Aktuell sind etwa 1.000 Nutzer in 65 geschlossenen Nutzergruppen und einer offenen Community registriert. Andere Verbände und Netzwerkorganisationen haben deutlichen Bedarf an einer solchen Plattform erkennen lassen.

Aus den bisher gesammelten Erfahrungen mit der Entwicklung und Einführung der Plattform im Projekt METORA lassen sich unter anderem die folgenden Kernelemente und -eigenschaften herauskristallisieren, die auch auf andere Wissenskooperationsnetze übertragen werden können:

  • Als Basis der Plattform hat sich ein modular erweiterbares - im Idealfall Service-orientiertes - Web-Portal mit öffentlichen und personalisierbaren, geschlossenen Bereichen bewährt.
  • Zentrales Anwendungsmodul sind geschlossene Arbeitsbereiche mit Collaboration Tools zur Unterstützung von Gremien, Arbeits- und Kooperationsgruppen bei zum Beispiel der Erstellung von Dokumenten, Vorbereitung von Veranstaltungen oder dem Aufbau eines gemeinsamen Informationspools.
  • Öffentlich zugängliche, themenorientierte Communities mit Web 2.0 Tools erweitern als Foren zur Kommunikation zwischen Mitgliedern vorbehaltener Verbandsgremien und externe Gruppen aus Wissenschaft, Praxis, Medien und Politik (Themenmonitoring und -platzierung) die Möglichkeiten des Networking erheblich.
  • Bei größeren Netzwerken sorgt ein semantisch strukturierter Informationspool sowohl nach Innen als auch nach Außen für mehr Transparenz.
  • Netzwerke stützen sich auf eine dezentrale Informationspflege. Dies schließt unter anderem die selbstständige Pflege der eigenen Kontaktdaten (self service), ein gemeinsames Dokumenten- und Contentmanagement, inklusive der Erstellung eigener Websites, für bestimmte Themen oder Arbeitsgruppen mit ein. Voraussetzung hierfür ist eine möglichst einfache Bedienung, die es aktiven Nutzern ermöglicht, ohne größeren Schulungsaufwand Inhalte beizusteuern.
  • Vertrauensbildende Maßnahmen in technischer (beispielsweise verschlüsselte Datenübertragung), organisatorischer (unter anderem Koppelung der geschlossenen Gruppen an reale Veranstaltungen, Identifizierung von Gruppenleitern oder -Treibern) und juristischer Sicht (etwa Nutzungs- und Datenschutzbedingungen) sind eine unverzichtbare Grundlage für funktionierende Netzwerkarbeit.
  • Bei Verbänden kommt zum Prinzip der dezentralen Informationspflege eine redaktionelle Instanz zum Tragen, welche neben der initialen Füllung der Plattform auch dafür sorgt, dass das inhaltliche Wachstum in geordneten Bahnen verläuft. Im Unterschied zu bewusst offen gehaltenen Plattformen, kann der Verband hier mit seinem großen Expertennetzwerk sein redaktionelles Potenzial einbringen und als eine Art Herausgeber fungieren. Dafür wird ein - wenn auch einfaches – Workflow-, Rechte- und Rollenmanagement (mindestens Leser, Autor, Administrator, Gruppenverwaltung und ein einfacher Freigabeprozess) benötigt.
  • Die im Netzwerk vertretenen Personen mit ihren Profilen und Kontaktdaten sind wesentliches Element einer Netzwerkplattform, weshalb der Nutzerverwaltung mit den daraus generierten Services eine entscheidende Rolle zukommt. Hierbei ist die Integration in die bestehende IT-Landschaft des Verbandes, vor allem bezüglich der Nutzerdatenverwaltung, von Beginn an zu berücksichtigen.
  • Bei der Einführung einer Plattform ist ein fortlaufend partizipatives Vorgehen nicht nur im Hinblick auf die Entscheidungsträger, sondern auch auf die Nutzer empfehlenswert. Die Unterstützung des Top-Managements ist unabdingbar.

Bei der letzten Anwenderumfrage, die Ende 2007 durchgeführt wurde, ergab die Frage „Wie bewerten Sie den Nutzen einer Plattform wie METORA für die Verbandsarbeit insgesamt?“ folgendes Ergebnis:

  • „Nein, keinen Nutzen“: 0 Prozent
  • „Ja, hilfreich, aber nicht so wichtig“: 39 Prozent
  • „Ja, sehr hilfreich und sehr wichtig“: 61 Prozent

Bei der Analyse der unterschiedlichen Nutzeneinschätzung ergibt sich, dass der Einsatz von ITK-Plattformen zur Unterstützung von Communities und Arbeitsgruppen insbesondere bei einer starken Gewichtung der folgenden Faktoren als besonders nutzbringend gesehen wird:

  • Anzahl und geografische Verteilung der Netzwerkmitglieder
  • Form, Menge und Komplexität des der Wissensarbeit zugrundeliegenden Informationsmaterials (Menge des formalisierbaren Wissens)
  • Anteil der auf Daten- bzw. Dokumentenverarbeitung basierenden Prozesse der Netzwerkarbeit
  • Zugang zu ITK-Plattformen, technisch, organisatorisch und kulturell
  • Vertrauensbasis unter den Netzwerkmitgliedern, ‚Kultur des Austauschs’

Kurz gesagt, je mehr Partner zeitlich und geografisch verteilt an oder mit digitalen Inhalten arbeiten, desto größere Anteile der Netzwerkarbeit lassen sich effizient auf einer webbasierten Plattform umsetzen - sofern die Kultur innerhalb des Netzwerks eine solche Arbeit unterstützt. Persönliche Treffen werden in diesem Umfeld eher für den sozialen Austausch (‚Kennenlern-Meetings’) und als besondere Abstimmungstreffen, denn als Arbeitsmeetings eingesetzt. Die Verlagerung eines Großteils der Arbeit auf eine Plattform bringt neben der zeitlichen und örtlichen Flexibilität, der Strukturierungsmöglichkeit durch IT-gestützte Workflows und einer zentralen Datenhaltung auch die oft genannten Einsparungen bei den Reisekosten.

Für kleine, lokale Netzwerkgruppen, bei denen die regionale Identität, der persönliche Kontakt oder die persönliche Vertrauensbasis eine entscheidende Rolle spielt, sind persönliche Arbeitstreffen im Vergleich zur Arbeit auf einer Plattform nicht selten das probatere Mittel. Natürlich können auch in diesen Fällen Webplattformen sinnvoll eingesetzt werden, etwa für die zentrale Datenablage, nur sind die Anforderungen hier deutlich geringer.

Literatur

Damm, D.: „Eine IS-Plattform zur Unterstützung interorganisatio-naler Netzwerke“, (Dissertation) Universität Zürich, 2003

„Strategie BITKOM 2010 – Status-Ziele-Maßnahmen, Informationsbroschüre des Verbandes“, Berlin, 2004

„Projekt BITKOM direkt – Anforderungsanalyse bei Mitgliedsunternehmen“, Dokumentation # 3, IEB – Institute of Electronic Business, Berlin, 2004

Probst, G., Raub, S., Romhardt, K.: „Wissen managen“ (5. Auflage), Gabler, Wiesbaden, 2006

John, M.: „Semantische Technologien in der Anwendung“, Fraunhofer-Institut für Rechnerarchitektur und Softwaretechnik, FIRST, 2006

Denisson, K., Hrsg. Prof. E. Frieling: „Netzwerke als Form der Weiterbil­dung“, Schriftenreihe Personal- und Organisationsentwicklung, Dissertation an der Universität Kassel, Kassel, 2006

Pawlowsky, P.; Gerlach, L. et.al: „Studie zum Wissen als Wettbe­werbsfaktor in kleinen und mittelständischen Unternehmen“, TU-Chemnitz Lehrstuhl für „Personal und Führung“, Chemnitz, 2006

Finke, I., Kohl, H.: „Verbandsinteressen statt Unternehmensziele“, Wissensmanagement Heft 5 Juli/August 2006

Dufft, N.: „Report - Web 2.0 in Unternehmen -- Potenziale von Wikis, Weblogs und Social Software“, Berlecon Reseacrh, April 2007

DIN-PAS 1063 - Einführung von Wissensmanagement in Netz­werken, erstellt im Rahmen des Förderprojektes WivU – Wissensmana­gement in virtuellen Unternehmen zur Effizienzsteigerung des Service

[Bild: fotolia.com]

E-Government: Deutschland nur Mittelmaß

Dies ist das alarmierende Ergebnis der Studie, die Booz Allen Hamilton in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) durchgeführt hat. Mehr als 1.000 Bürger wurden zu ihrer Wahrnehmung und Nutzung behördlicher Online-Angebote quer über die Verwaltungsebenen befragt. Dabei zeigte sich auch, dass die Inanspruchnahme von Online-Diensten zur Erledigung von Verwaltungsangelegenheiten nur bei fünf Prozent liegt. Ob Arbeitsuche, Einkommensteuererklärung, KFZ-Zulassung oder polizeiliche Meldung: Die tatsächliche Nutzung dieser Online-Services hinkt trotz vorhandener Verfügbarkeit um fast 90 Prozent hinter dem existierenden Potenzial her.

Auffallend sind die altersspezifischen Unterschiede. Rainer Bernnat, Geschäftsführer bei Booz Allen Hamilton, sagt:

"Die internetaffine Gruppe der 14- bis 39-jährigen wünscht sich eine deutlich stärkere Nutzung des Internets für Behördenkontakte. Hier liegt eine große Chance für einen nachhaltigen E-Government-Schub in Deutschland."

Mehr als 20 Prozent der Befragten dieser Gruppe verlangen nach weiteren Online-Angeboten. Ein wesentlicher Hinderungsgrund sind weiterhin Sicherheitsbedenken: Fast ein Drittel gab an, deswegen E-Government-Seiten zu meiden. Die Komplexität oder fehlende Nutzerorientierung des Angebots fallen hingegen kaum ins Gewicht. Wolfgang Zink, Projektleiter bei Booz Allen Hamilton, ergänzt:

"Dieses Ergebnis überrascht nur auf den ersten Blick. Fakt ist, dass die Webseiten der Behörden in den letzten Jahren deutliche Fortschritte gemacht haben. Nun kommt es darauf an, diese Angebote dem Bürger näher zu bringen und die Zweifel auszuräumen."

Internationale Vergleiche zeigen besorgniserregendes Ergebnis

Auch andere Quellen stellen Deutschland ein schlechtes Zeugnis in Sachen E-Government aus. In einem Ländervergleich der EU-Kommission zum Reifegrad des Online-Nutzwertes belegte Deutschland im Jahr 2007 nur einen durchschnittlichen Platz. Noch deutlicher fiel die Positionierung im E-Governance-Index der UN (2008) aus: Hier fiel Deutschland auf den 22. Rang zurück. Insgesamt bleibt E-Government in Deutschland damit weit hinter den Erwartungen zurück. Obwohl es zahlreiche Initiativen und beachtliche Umsetzungsergebnisse auf allen Ebenen der Verwaltung gibt, fehlt es vor allem an der Akzeptanz beim Bürger. Bernnat weiter:

"Für diese enttäuschende Situation gibt es eine Reihe von Gründen. So fehlen einheitliche gesetzliche Standards. Zudem müssen die Anwender, also die Bürger und die Wirtschaft, noch stärker in den Mittelpunkt gerückt werden, damit ein wahrnehmbarer und messbarer Nutzen entsteht."

Frankreich geht hier mit gutem Beispiel voran. Dort haben mehrere Behörden und Unternehmen wie die Post ein Verfahren entwickelt, mit dem Bürger nach einem Umzug mit einer einzigen, einmaligen Online-Meldung alle relevanten Stellen über die neue Adresse informieren.

Booz Allen Hamilton hat ein Zehn-Punkte-Programm entwickelt, mit dem E-Government sein volles Potenzial in Deutschland entfalten kann. Der ganzheitliche Ansatz zielt insbesondere auf die Einbindung der Nutzer und die klare Ausrichtung der Services auf die Bedürfnisse der Anwender ab. Unabdingbar sind zudem ein professionelles Kommunikationskonzept mit dem Schwerpunkt IT-Sicherheit, die Umsetzung einer spezifischen Markenpositionierung für E-Government und eine stärkere Kooperation zwischen Bund, Ländern und Kommunen. Ein wichtiger Ansatz in dem Programm sind außerdem öffentlich-private Partnerschaften zur Beschleunigung von Online-Angeboten sowie ein Change-Management-Programm für die Mitarbeiter in der öffentlichen Verwaltung, da diesen in der Kommunikation der Vorteile und Möglichkeiten von E-Government eine Schlüsselrolle zukommt.

[dw; Quelle: Booz Allen Hamilton; Bild: fotolia]

Talentmanagement: Mit guten Ideen überraschende Probleme lösen

Für alteingesessene Unternehmer und Management-Strategen klingt es wie eine Provokation. Klassische Projektmanagement-Methoden sollen nicht mehr angewendet werden? Zumindest für den dynamischen Anteil von Projekten werden sie sich wohl an diese Realität gewöhnen müssen. Besonders wenn das Ziel sein soll, sich erfolgreich auf den globalen Märkten zu bewegen. Denn in der Enge globaler Märkte sind Unternehmer mit immer wieder neuen Ideen im Vorteil.

Hohe Qualität und niedrige Kosten allein reichen nicht aus, um den eigenen Marktanteil zu erhöhen. Märkte globalisieren sich durch Wachstum in der Fläche. Wenn sie dann schließlich global sind, ist die einzige Möglichkeit für Unternehmen sich weiter auszubreiten, den Marktanteil der Konkurrenten anzugreifen und zu übernehmen. Es gilt den Konkurrenten buchstäblich zu überraschen und dabei selbst flexibel genug zu bleiben, um durch unerwartete Gegenmanöver der Wettbewerber nicht aus dem Konzept zu geraten.

Ideenmanagement

„Die Menge an Überraschungen nennen wir Dynamik. Sie nimmt zu und ist mittlerweile das dominierende Umgebungselement fast aller Unternehmen und Projekte. Die meisten Unternehmen leiden unter ihr. Die wenigen, die es nicht tun, nennen wir dynamikrobuste Höchstleister. Sie gebrauchen die Dynamik und haben Denkwerkzeuge entwickelt, um einen Nutzen daraus zu ziehen.“

Das erklärt Dr. Gerhard Wohland, Leiter des Instituts für dynamikrobuste Höchstleistungen an der Benmark University. Dort analysiert er Höchstleister und entwickelt Techniken, mit denen Unternehmen Höchstleistungen als Vorbild nutzen können. Dabei sollen neue Denkwerkzeuge, Techniken und Verfahren helfen, um die Herausforderungen dynamischer Märkte zu bewältigen.

Erfolgreiche Unternehmen zeichnen sich dadurch aus, dass sie ein hohes Maß an Überraschungen aushalten oder sogar erzeugen können. Eine Überraschung kann zwei Ursachen haben:

  1. Mangelndes Wissen, das jedoch recht einfach durch bestimmte Methoden, zugänglich gemacht werden kann.
  2. Die Idee eines Konkurrenten. In diesem Fall hilft dem Unternehmen kein Wissen; einzig eine eigene Idee ist eine adäquate Antwort auf die Konkurrenz und kann die eigene Position erneut sichern.

Talentsuche

Was Unternehmen brauchen, sind Ideen. Denn wenn Probleme vor allem durch Überraschendes erzeugt werden, gibt es keine fertigen Lösungen (Methoden). Benötigt werden Leute, die überraschende Probleme mit Ideen lösen können. Menschen, die viele Ideen haben sind Könner. Das Können ist die Basis von Ideen und damit die wichtigste Waffe für Unternehmen, die im dynamischen Markt überleben wollen. Was aber benötigt wird, um Können zu erzeugen, ist Talent. Nicht das Talent selbst, erst das Können, das daraus entstehen kann, ist wirtschaftlich relevant. Dennoch muss, wer Können benötigt, erst Talente fördern. Vielen Führungskräften ist diese Entwicklung bewusst, doch stellt sich für sie die schwierige Frage, wie und wo man diese dringend benötigten Talente sichtbar machen kann.

Notwendig ist dabei vor allem ein Umdenken in Bezug auf Mitarbeiterleistung und Mitarbeiterpotenzial. Menschen beziehungsweise Mitarbeiter können nicht nur danach beurteilt werden, was sie schon sind, sie müssen auch danach beurteilt werden, was aus ihnen werden könnte, also nach ihrem Talent. Zwar kann sich jeder durch fleißiges Üben überall verbessern, doch höchste Leistungen entstehen nur auf der Basis von Talent. Dieses Potenzial liegt zunächst verborgen und wird erst sichtbar, wenn durch tätiges Üben höchstes Können erreicht wird.

Was tun, um dieses Talent zu finden, wenn gängige Auswahlkriterien bei der Personalsuche nicht greifen? Wohland stellt fest, dass gerade jene Unternehmen, die sich besonders mit der Suche abplagen, meist erfolglos bleiben. Weil Talente zunächst unsichtbar sind, ist Talentförderung ein Risiko. Zur Arbeit unter Risiko werden ebenfalls Talente benötigt. Das bedeutet, dass auch die Personalabteilung Talente benötigt, um Talente zu finden. Dazu kommt schließlich noch, dass Mitarbeiter mit Talent die Lösung eines Problems erst dann finden können, wenn sie damit konfrontiert sind. Erst dann kann auch festgestellt werden, zu welcher Höchstleistung sie in der Lage sind.

Das Problem ist die Lösung

Beispiel Nokia

Nokia Networks konfrontiert Bewerber mit aktuellen Problemen des Unternehmens. Fällt es ihm leicht beeindruckende Ideen zur Lösung zu nennen, kommt der Bewerber in die engere Auswahl. Karrierelaufbahn und Ausbildung treten völlig in den Hintergrund. Im Vordergrund steht nicht das Wissen, sondern das Können des Bewerbers und sein mögliches Potenzial dynamische Probleme des Unternehmens in Angriff zu nehmen.

Einige Unternehmen, die sogenannten Höchstleister, haben Techniken entwickelt, durch die sie Talente sichtbar machen können und diese so fördern, dass sie die Möglichkeit haben, sich zu Könnern zu entwickeln. Natürlich ist ihr Talent in nur ganz bestimmten Situationen einsetzbar. Wenn Dynamik dominiert, ereignen sich Überraschungen an vielen verschiedenen Punkten im Unternehmen. Daher kann es für diese weder feste Prozesse noch Stellenbeschreibungen geben: Die üblichen Management-Methoden sind daher im Prinzip völlig nutzlos.


Mehr dazu im Buch von Gerhard Wohland und Matthias Wiemeyer:
Denkwerkzeuge der Höchstleister, Wie dynamikrobuste Unternehmen Marktdruck erzeugen, Murmann, 2007

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Organisation: Schlechtes Büromanagement kann unangenehme Folgen haben

In vielen Firmen – auch kleinen Handwerksbetrieben und Familienunternehmen – stehen Nachfolgeentscheidungen an. Nicht selten fehlen Familienangehörige, an die der scheidende Eigentümer seinen Betrieb übergeben kann. Also muss ein externer Käufer gefunden werden. Je überschaubarer für diesen die Abläufe im Unternehmen sind, um so größer wird sein Vertrauen sein – und seine Bereitschaft, einen angemessenen Kaufpreis zu zahlen.

Wer im Zeitalter von Basel II Startkapital für den Kauf eines Unternehmens braucht, steht vor dem gleichen Problem wie jemand, der für laufende Geschäfte einen Kredit benötigt: Auch für die Entscheidungsträger der Banken ist heute der Managementfaktor ein Thema. Wird im Unternehmen vor sich hin gewuselt und aus dem Bauch heraus entschieden? Werden Aufgaben nebenbei erledigt, weil man das schon immer so gemacht hat? Oder sind Arbeitsabläufe planvoll und transparent strukturiert, die Mitarbeiter leistungsgerecht bezahlt und regelmäßig weiterqualifiziert? Innerhalb des Ratingverfahrens, in dem nach Basel II der Zins für Fremdkapital ermittelt wird, haben Transparenz und Nachvollziehbarkeit auch im Rahmen der Büroorganisation einen hohen Wert: Sie tragen zehn Prozent zum Gesamturteil bei. Wo früher das „Vertrauen in die Person, weil man sie kennt“ ausreichte, sind heute objektiv messbare Informationen gefragt. Es muss keine ISO-Zertifizierung sein. Aber messbare und damit überprüfbare Prozesse, Daten und Fakten.

Transparenz erleichtert die Arbeit

Dazu gehören eindeutige Stellenbeschreibungen und ein Organigramm, das über Verantwortlichkeiten und Vertretungspläne ebenso Auskunft gibt wie über Informationsflüsse. Hier hilft es oft schon, eine Tabelle anzufertigen, die Aufgaben, Verantwortlichkeiten und Beschreibungen festhält. Aus solch einem Dokument sollte ersichtlich sein:

  • Wer hat wem etwas zu sagen? Wer ist wem gegenüber weisungsbefugt?
  • Branchen- und produktspezifisches Know-how, das jeder nutzen kann, weil die Ablage beziehungsweise das Archiv und das Berichtswesen kontinuierlich aktualisiert, überschaubar und selbsterklärend konstruiert sind.

Wer in einer weiteren Tabelle seine Ablage festgelegt hat und mit Farben nach Bereich und Kalenderjahren unterscheidet, hat es am Ende des Jahres mit dem Archivieren und Anlegen von neuen Ordnern leicht. Schließlich erleichtert dies nach den gesetzlichen Aufbewahrungsfristen sogar das Ausmisten im Archiv und spart Raum und Miete für unnötigen Lagerraum.

Wenn Sie in Ihrem Unternehmen – egal wie klein es ist – alltägliche Aufgaben klar definieren, dies schriftlich festhalten und Ihren Mitarbeitern kommunizieren, machen Sie den Betrieb auch intern transparenter und erleichtern allen die Arbeit. Wird jemand krank, kann ein anderer problemlos einspringen. Der Vertretung hilft eine kleine "Anleitung" darüber, wo man die für heute wichtigen Aufgaben findet, was die Prioritäten und wer die wichtigen Ansprechpartner für den jeweiligen Bereich sind. Auch Terminkalender und Wiedervorlage - egal ob elektronisch oder auf dem Papier - sollten diszipliniert und kontinuierlich geführt werden.

Was man messen kann, kann man leichter optimieren. Meilensteine auf dem Weg zum Ziel können jederzeit überprüft und Veränderungen angepasst werden. Fehlerquellen lassen sich rechtzeitig erkennen und korrigieren. Ich empfehle daher feste Zeiten für ein Gespräch mit mehreren Personen, damit die Schnittstellen gut koordiniert sind und man handeln kann, wenn der Zielkorridor nicht erreicht werden kann. Je disziplinierter solch ein Austausch gestaltet wird, desto kürzer und gewinnbringender ist er langfristig.

Ein gut organisiertes Büro mit durchlässigen Prozessen und offener Kommunikation

  • schafft Sicherheit: Nie mehr verliert jemand Zeit damit, etwas zu suchen;
  • verleiht Souveränität: Sie haben für sich selbst eine Klarheit geschaffen, die Sie vertreten können – auch gegenüber externen Geldgebern oder neuen Eigentümern.
  • verdeutlicht die Wertigkeit des Unternehmens: Ergebnisse sind messbar, Korrekturen gezielt möglich, neue Ziele daraus realistisch ableit- und umsetzbar.

Eine planvoll und messbar strukturierte Büroorganisation erhöht also die Chance auf Kapital zu vertretbaren Konditionen. Ihr Fehlen dagegen erhöht den Kapitalzins. Das kann unterm Strich richtig teuer werden.

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Lean Management: Eine Frage der Philosophie

Seit den 90er Jahren werden die Begriffe Lean Management und Lean Production kontrovers diskutiert. Ursprünglich wurden sie für die Neuerungen beim japanischen Automobilhersteller Toyota geprägt und bezogen sich auf die Veränderungen, die es diesem ermöglichten, durch eine geschickte Umstrukturierung und weniger Aufwand an Ressourcen mehr Leistung zu erzielen.

Lean Management – ein Konzept, das polarisiert

Im Allgemeinen versteht man heute unter Lean Management: Alle Teile eines Unternehmens werden so strukturiert, dass mit einem effizienten Einsatz von Personal, Zeit und Investitionen ein optimales Ergebnis für den Kunden und im Rückschluss auch für die Firma erreicht wird.

Jubelten die einen, dass dieser neue Weg ein Meilenstein in der Organisations- und Fertigungsstrukturierung sei, so sahen die anderen darin einen schönfärbenden Begriff. Die Süddeutsche Zeitung schrieb 2002 dazu:

„Das Lean Management gibt es übrigens noch immer – allerdings hört man diesen Begriff inzwischen kaum mehr in der Öffentlichkeit. PR-Agenturen raten ihren Kunden ausdrücklich davon ab, die inzwischen zum Unwort gewandelte Vokabel noch zu verwenden. In Zeiten von 4,3 Millionen Arbeitslosen macht sich nur unbeliebt, wer Stellenabbau als erstrebenswerte „Entfettung“ verkauft.“

2007 wird jedoch immer noch über Lean Management diskutiert – und durchaus nicht nur hinter geschlossen Türen. Längst wurden die Grundsätze des Lean Managements auf alle Wirtschaftszweige übertragen. Heute versieht man nicht nur Produktionen, sondern auch Dienstleistungen und Beratungen mit dem Schlagwort „lean“.

Das Ziel: Geradlinige Organisation und Kommunikation

In der Industrie wird oft auch der Begriff „Toyota Production System“ (TPM) verwendet. Im deutschsprachigen Raum ist es Porsche, das mit seinen an der Lean Production orientierten Neuerungen am erfolgreichsten ist. Bis jetzt hat es jedoch hierzulande noch kein Unternehmen geschafft, ähnlich erfolgreich zu werden wie die japanischen Automobilhersteller. Bei VW kostet die Herstellung eines Pkws fast immer noch doppelt so viel wie bei Toyota.

Lean Management ist eine Ausrichtung auf die eigenen Stärken, ein ständiger Lernprozess, der die Qualität der Produkte und die Geradlinigkeit der Organisation sichert und beständig perfektioniert. Lean angelegt sind in solchen Organisationen auch die Kommunikationsstrukturen. Sie ermöglichen offene, geradlinige Feedback- und Informationsprozesse und setzen konsequent auf die Orientierung am Kunden und am Markt. Gerhard Wohland und Matthias Wiemeyer schreiben in ihrem Buch „Denkwerkzeuge der Höchstleister“:

„Nur Organisationsformen, die in ihrem Umgang mit Dynamik ohne zentrale Steuerung auskommen, sind den modernen Märkten gewachsen. In solchen Unternehmen erhalten die wertschöpfenden Bereiche ihren eigenen Marktkontakt zurück und entwickeln die Fähigkeit, ohne zeitraubenden Umweg über zentrale Planungsinstanzen auf die Veränderungen autonom zu reagieren.“

Das impliziert jedoch ein Umdenken bei den Aufgaben, die das Management zu übernehmen hat. Nach Wohland und Wiemeyer sind Manager vordergründig Führungs-, Innovations- und Strategiegeber.

Die Kommunikationswege in Unternehmen haben sich durch den Siegeszug der E-Mail als Leitmedium grundsätzlich geändert. Ob sie dadurch qualitativ besser geworden sind, bleibt dahingestellt. Theoretisch ist es in Organisationen heute möglich, über sämtliche Organisationsstrukturen hinweg konstruktiv über anstehende Probleme und neue Lösungswege zu kommunizieren. Stattfinden wird der Austausch von Informationen jedoch nur in Organisationen, in denen die Beziehung der einzelnen Akteure auf Vertrauen beruht. Ansonsten werden Probleme, gerade innerhalb der Organisationsstruktur, nur auf der „Hinterbühne“ diskutiert. Dies kann zur Lösung von Problemen, wird aber in den meisten Fällen eher zur Demotivation und im schlimmsten Fall zur „inneren Kündigung“ von Mitarbeitern führen.

Lean Management – Chancen und Risiken

Lean Management hat, wie jede andere Strategie, ihre Grenzen und auch ihre Schwächen. Organisationen, die im falsch verstandenen Sinn bis ins Letzte auf lean getrimmt sind, könnten im Bedarfsfall schnell an ihre Grenzen kommen, da sie keine Reserven haben. Auch bei neuen Innovationen haben diese Organisationen einen schwereren Stand, wenn nicht rechtzeitig gegengesteuert wird oder notwendige Ressourcen freigesetzt werden können. Ein dynamischer Markt fordert von einem Unternehmen einen hohen Grad an Flexibilität. Und das nicht nur, wenn es um Effizienz geht; auch die Eventualität eines Fehlers oder Irrtums, beispielsweise im Produktionsablauf, muss verkraftet werden können. Zwar soll die Fehlerquote im Prozess des Lean Managements und des Kaizens minimiert werden. Doch die Unternehmenserfahrung zeigt, dass zwar Wiederholungsfehler verringert werden können, jedoch bei neuen Entwicklungen immer wieder neue Fehler auftreten. Eine lernende, flexible Organisation zieht daraus Konsequenzen, versucht aus den Fehlern zu lernen und schöpft dadurch Potenzial für die Zukunft.

Ein weiteres drohendes Risiko ist die Gefahr der Überlastung oder Überforderung einzelner Organisationsteile, des Ganzen oder auch einzelner Mitarbeiter. Eine höhere Eigenverantwortung und damit einhergehend eine höhere Autonomie bringt auch höhere Anforderungen mit sich. Das Management muss solche Gefahrenstellen durch stetes Beobachten der eigenen Organisation rechtzeitig erkennen und vor allem Probleme voraussehen und diesen entgegensteuern. Eine der besten Möglichkeiten hier entgegenzuwirken, ist ein kontinuierliches Training der Mitarbeiter und das Erkennen individueller Talente. Ein erhöhter Trainingsaufwand erzeugt zwar zunächst höhere Kosten, führt aber langfristig zu mehr Potential und Fachwissen.

Ein wichtiger Faktor, den ein Unternehmer immer im Hinterkopf haben sollte, ist das Verhältnis des einzelnen Mitarbeiters zum Unternehmen. Ein Mitarbeiter, der sich mit dem Unternehmen identifizieren kann, bindet sich langfristig an seinen Arbeitgeber. Der Grundstein dafür ist Vertrauen. Das beste Mittel eine vertrauensbildende Unternehmenskultur zu fördern, ist der Erfolg der Firma und eine unmittelbare, gut funktionierende Informations- und Kommunikationspolitik. Die viel beschworene Firmenkultur muss gelebt werden und darf sich nicht nur auf dem Papier gut lesen. Denn das, was man Firmenkultur nennt, ist letztlich der Schatten der realen Verhältnisse.

Der Aufbau neuer Strukturen muss als Prozess erfolgen

Bei großen Firmen lässt sich eine lean ausgerichtete Managementstrategie nur schrittweise einführen. Es bedarf eines Monitorings, das sämtliche Schnittstellen und Strukturen überprüft, da das Gesamtbild für Einzelne nicht mehr ersichtlich ist. Man muss sich dies als Prozess vorstellen und nicht als harten Schnitt. Dieser Prozess sollte immer wieder rückgekoppelt werden, und die Ergebnisse von Veränderungen sollten immer wieder geprüft und hinterfragt werden. Bei mittelständischen Firmen sind wirtschaftliche Gewinne meist auch ein Zeichen für eine funktionierende Unternehmensstruktur. Hat die Firma Erfolg, stimmen die inneren Verhältnisse. Probleme treten meist in Wachstumsphasen auf. Dann lohnt es sich, die Strukturen kritisch zu betrachten.

Lean Management als Unternehmensphilosophie

Bei Firmenneugründungen sollten die Prinzipien des Lean Managements von Anfang an mitbedacht werden. Unternehmen müssen den Grundsätzen der Transparenz der Abläufe, der Eigenverantwortung von Mitarbeitern und der klaren Ausrichtung auf Markt- und Kundenbedürfnisse von Anfang an Rechnung tragen. Lean Management und Kaizen sollten Grundbausteine der Firmenphilosophie sein. Die Kommunikationswege werden kurz und direkt gehalten, die Hierarchie so flach wie möglich. Die eigene Ausrichtung und Struktur wird regelmäßig hinterfragt und gegebenenfalls korrigiert. Im Sinne von Kaizen ist der Verbesserungsprozess nie abgeschlossen, sondern fließend.

Kritisch wird das Konzept des Lean Managements, wenn Firmen damit über die eigene Zwangslage hinwegtäuschen wollen, die sie zu Einsparungen zwingt. Solche Unternehmen verkaufen, wie die Süddeutsche Zeitung schrieb, Stellenabbau in der eigenen Firma „als erstrebenswerte Entfettung“. Kurz gesagt: Sie sind lean, weil sie lean sein müssen. Lean Management klingt in diesem Fall auch heute noch besser als Einsparung. Doch ist ein solches Unternehmen wirklich für die Zukunft gerüstet?

Anders sieht die Sache aus, wenn Firmen Lean Management als Grundbaustein ihrer Philosophie annehmen und umsetzen. Wenn das Management das eigene Unternehmen immer wieder von außen betrachtet, die Firmenkultur als Seismographen der internen Verhältnisse nutzt und die Organisation somit in die Lage versetzt wird, auf den Markt adäquat zu reagieren. In diesem Fall hieße es: Die Unternehmen sind lean, weil sie lean sein wollen. Eine solche Einstellung ist nicht in erster Linie auf das Sparen von Ressourcen ausgerichtet, sondern auf Effizienz und Transparenz. Und das macht Unternehmen heute zukunftstauglich.

IT-Chefs: Strukturelle Defizite bremsen deutsche CIOs aus

Chief Information Officers (CIOs) und IT-Verantwortliche in deutschen Unternehmen erhalten im internationalen Vergleich schlechte Noten. 55 Prozent der IT-Fachkräfte in Deutschland geben an, dass der oberste IT-Verantwortliche lediglich die Rolle eines IT-Grundversorgers übernimmt. Nur 15 Prozent erkennen ihren CIO als "IT-Entrepreneur" oder "Innovator" an. In keinem anderen Land wird diese Position so negativ bewertet.

Dies ist ein Kernergebnis des "IT OrgDNA-Profilers". Die Studie der internationalen Strategie- und Technologieberatung Booz Allen Hamilton untersucht Organisations- und Kommunikationsstrukturen in Unternehmen weltweit. Dazu wurden 1.500 IT-Fachkräfte befragt - davon knapp drei Viertel in Managementpositionen - und deren Antworten separat ausgewertet. Ein Vergleich der deutschen mit den internationalen Daten sowie der Vergleich mit Strukturen in anderen Branchen liefern wertvolle Hinweise auf Stärken und Schwächen in IT-Organisationen. Johannes Bussmann, Geschäftsführer bei Booz Allen Hamilton, sagt:

"Die Studie zeigt einen klaren Zusammenhang zwischen der hierarchischen und strukturellen Verankerung des CIO und der Effizienz der gesamten IT-Organisation. Berichtet der CIO direkt an die Unternehmensspitze und nimmt somit eine strategische Position ein, dann funktionieren die Prozesse innerhalb der IT-Organisation offenbar deutlich effizienter."

Der "OrgDNA-Profiler" untersucht detailliert die Struktur der Organisationseinheiten, Entscheidungsrechte, Informationsfluss sowie Motivationskultur der Unternehmen. Dabei zeigt sich, dass Entscheidungsprozesse im IT-Bereich besser als in anderen Funktionsbereichen organisiert sind. Mehr als die Hälfte der IT-Fachkräfte gibt an, auf Basis klar definierter Aufgaben und Verantwortlichkeiten zu handeln, über alle Organisationssbereiche hinweg sind es nur 46 Prozent.

Ebenfalls positiv: Entscheidungen werden seltener in Frage gestellt. Kommen in deutschen IT-Abteilungen laut 53 Prozent der Befragten getroffene Entscheidungen nochmals auf den Prüfstand, so sind es im Querschnitt aller Funktionsbereiche fast zehn Prozent mehr. Doch dann hakt es: Trotz positiver Ausgangssituation erfolgt die Umsetzung wichtiger strategischer und operativer Aufgaben hierzulande zu langsam, urteilen rund 60 Prozent der IT-Fachleute.

Deutsche IT-Organisationen: Spitze im Performance-Management...

Im Vergleich mit ihren Kollegen anderer Funktionsbereiche verfügen die IT-Fachleute offensichtlich eher über ausreichende Informationen, um die Auswirkungen ihrer Arbeit im Tagesgeschäft auf das Geschäftsergebnis zu verstehen (IT 47 Prozent, Funktionsquerschnitt 41 Prozent). Immerhin mehr als die Hälfte empfindet diese Informationsbasis jedoch noch als ungenügend. Dies deutet auf erhebliches Optimierungspotenzial auch im IT-Sektor hin. Dass ihr Linienmanagement Zugang zu allen notwendigen Zahlen hat, davon sind in Deutschland 62 Prozent der IT-Verantwortlichen überzeugt. Hier liegt Deutschland international an der Spitze. Zahlen zur Steuerung der Organisation sind demnach in deutschen IT-Abteilungen generell vorhanden.

...aber Schlusslicht bei der Mitarbeitermotivation

Schlecht sieht es dagegen in Sachen Motivation aus. IT-Strategieberater Bussmann konstatiert:

"Unsere Studie ergibt für Deutschland Besorgnis erregende Zahlen. Nur 35 Prozent der Befragten können neben der Bezahlung weitere Anreize zur Motivation der Mitarbeiter erkennen. Damit bildet Deutschland im internationalen Vergleich das Schlusslicht."

In den USA geben 78 Prozent der IT-Verantwortlichen an, neben der Bezahlung über weitere Motivatoren zu verfügen. In Großbritannienen gilt das für 73 Prozent und in Italien für 66 Prozent der Befragten.

Verankerung des CIOs entscheidend für den Erfolg der IT-Organisation

Aus den Antworten lässt sich auch ableiten, ob der Befragte ein positives oder negatives Gesamtbild seiner Organisation hat. Eine wesentliche Rolle für das Gesamtbild einer Einheit spielt die Position des CIO. IT-Einheiten, die ihren CIO lediglich als IT-Grundversorger sehen, weisen überwiegend ein negativ bewertetes Profil auf. IT-Abteilungen, deren CIO als "IT-Entrepreneur" gilt, erzielen dagegen oft ein positives Gesamtbild. Auffällig auch: Je enger der CIO an den Chief Executive Officer (CEO) angebunden ist, desto positiver das Gesamtbild. Berichtet der CIO nicht direkt an das Top-Management, überwiegen negative Profile der IT-Organisation. Bei einer Analyse nach Branchen erreichen IT-Organisationen innerhalb von Banken die besten Bewertungen. Schlusslichter bilden die IT-Organisationen im Öffentlichen Dienst und in den Bereichen Telekommunikation und Transportwesen.

[dw; Quelle: Booz Allen Hamilton; Bild: fotolia]

Veränderungsprozesse: Hohe Folgekosten durch schlechtes Change Management

Ein schlechtes Management von Veränderungsprozessen kostet Unternehmen Produktivität sowie Mitarbeiter. Wird eine Akquisition, Restrukturierung oder Wachstumsinitiative unzulänglich begleitet, sinkt die Produktivität der betroffenen Mitarbeiter um 23 Prozent, während die Zahl der Kündigungen um zehn Prozentpunkte ansteigt. Dies zeigt die aktuelle Studie "Change Management: Business Transformation - Veränderungen erfolgreich gestalten" der Strategieberatung Capgemini Consulting.

Befragt wurden für die dritte Ausgabe der alle zwei Jahre durchgeführten Untersuchung 122 Führungskräfte von Großunternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Martin Claßen, Vice President bei Capgemini Consulting, sagt:

"Unternehmen befinden sich heute aus vielen Gründen in Phasen einer Business Transformation. Wenn nun durch schlechtes Change Management fast jeder vierte betroffene Mitarbeiter zu einem Totalausfall wird, hat dies vielfältige Auswirkungen, insbesondere mit Blick auf die Zeit und die Kosten."

Business Transformation gesteuert begleiten

Inhaltlich werden in den nächsten Jahren nach Einschätzung der Manager die meisten Veränderungen in Unternehmen ihre Ursache in einer Restrukturierung beziehungsweise Reorganisation (49 Prozent) haben. Auf den weiteren Plätzen folgen Wachstumsinitiativen, veränderte Unternehmensstrategien, Kostensenkungsprogramme und neue Marktstrategien. Sie bieten damit auch die Ansatzpunkte für den Einsatz von Change-Management-Programmen, also gesteuerter Prozesse zur Gestaltung dieses Wandels.

Die Gewichtung zwischen inhaltlicher und prozessualer Ebene liegt dabei nach den Ergebnissen der Studie in der Tendenz klar bei der Prozess-Dimension. Martin Claßen weiter:

"Die Deutlichkeit dieses Ergebnisses hat uns doch überrascht. Change Management besitzt inzwischen einen voll akzeptierten Platz innerhalb einer Business Transformation."

Auch bei der zeitlichen Einbindung bringt die Capgemini-Consulting-Studie Positives an den Tag. Immerhin drei Viertel der begleitenden Change-Aktivitäten starten mehr oder weniger rechtzeitig zu Projektbeginn. In lediglich jedem zwanzigsten Unternehmen ertönt der Ruf nach Hilfe durch Change Management erst, wenn der Karren sprichwörtlich im Dreck steckt.

Engagement des Top-Managements ist gefragt

Change Management ist wichtig - es gibt kaum einen Manager, der diese Frage mit einem klaren Nein beantworten würde. So bezeichnen auch 36 Prozent der befragten Führungskräfte einen gesteuerten Veränderungsprozess als sehr wichtig. Weitere 50 Prozent vergeben die Wertung "wichtig". Und in der Zukunftsprognose für das Jahr 2010 steigen die Werte noch einmal um einige Prozentpunkte. Wie schon in den beiden Vorgängerstudien zeigt sich damit, dass Change Management zu einer der wichtigsten Managementaufgaben zählt. Und dennoch existieren Probleme im Zusammenhang mit Change-Prozessen. Martin Claßen spitzt zu:

"Sie lassen sich im Wesentlichen auf strategische Verwirrungen, politische Konflikte und handwerkliche Fehler reduzieren."

Die Studie steht zum Download bereit unter: www.de.capgemini.com/presse [160] .

[dw; Quelle: Capgemini; Bild: fotolia]

 

Geldgeschäfte: Deutsche Firmen nutzen Banking-Software für Privatkunden

Selbst 68 Prozent der mittleren Unternehmen mit einem Jahresumsatz zwischen zwei und 50 Millionen Euro setzen neben professionellen Banking-Möglichkeiten parallel Lösungen ein, die auf Homebanking-Technik beruhen. Nur die großen Konzerne nutzen ausnahmslos die Firmenkundenstandards BCS und EBICS. Deren Vorteile sind bei kleinen und mittleren Unternehmen noch weitgehend unbekannt. Dies ergab die Studie "Electronic Banking 2007" des Insitituts ibi research der Universität Regensburg im Auftrag des Beratungs- und Softwarehauses PPI AG.

Der neue Standard ermöglicht es beispielsweise, Aufträge an mehrere Banken parallel zu erteilen und eine große Anzahl von Transaktionen gleichzeitig zu verwalten. Auch die Verwaltung von Aufträgen, die von mehreren Personen freigegeben werden müssen, ist verfügbar: Die Berechtigten können ihre elektronische Signatur dabei auch zeitlich und räumlich getrennt leisten. Zudem ist EBICS, anders als der Vorgängerstandard BCS, internetbasiert und benötigt keine ISDN-Leitung mehr. Durch diese Neuerung verringern sich die Transferzeiten um über 90 Prozent, Probleme bei Spitzenlasten gehören der Vergangenheit an. Daneben können die Unternehmen in vielen Fällen den technisch überholten ISDN-Anschluss abschaffen, der nur für den Bankkontakt beibehalten wurde.

Nachholbedarf bei KMU

Viele Betriebe, die den Firmenkundenstandard BCS-Standard nutzen, setzen trotzdem parallel die Privatkunden-Datenformate HBCI und FinTS für geschäftliche Transaktionen ein. Der Grund: Zahlreiche Banken bieten keine Firmenkundenportale für den Onlinezugriff an. Zwar nutzen Kunden dieser Institute in ihren Geschäftsräumen BCS-fähige Software. Wenn sie allerdings ihre Konten von unterwegs aus über Webbrowser einsehen möchten, sind sie auf einen Privatkundenzugang angewiesen.

Bei Großunternehmen ist ein solcher Fernzugriff bisher unüblich und die großen Datenmengen werden mit Kundenprodukten meist automatisch übertragen. Dennoch haben die ersten Privatbanken den Vorteil eines eigenen Firmenkundenportals im Zahlungsverkehr erkannt. Sie können insbesondere die mittleren Firmenkunden so gezielter ansprechen als über das Internet Banking. Zudem sind die aktuellen technischen Möglichkeiten in den Betrieben sogar völlig unbekannt: Bei 71 Prozent der kleinen und 60 Prozent der mittleren Unternehmen haben die Befragten noch nie von EBICS gehört.

Die Studie "Elektronic Banking 2007" gibt einen Überblick zum Informationsstand und die zukünftigen Planungen der Firmenkunden in Bezug auf SEPA und EBICS. Zudem beleuchtet sie die Anforderungen an Kundensysteme, Auftragsarten und Bankdienstleistungen im Electronic Banking. Insgesamt beteiligten sich 304 Firmenkunden an der Studie. Banken, Sparkassen, Rechenzentren und Softwarehäusern soll sie eine fundierte Entscheidungsgrundlage für ihre zukünftige Ausrichtung bieten.

[dw; Quelle: Faktenkontor; Bild: fotolia]

Einfach gesagt!: Verständliche Unternehmenskommunikation

Wie lange wollen es die deutschen Unternehmen noch so treiben? Die Terminologie ist ein Wirrwarr, die Sitzungsprotokolle sind nicht nachzuvollziehen, Geschäftsberichte kann kein Anleger deuten, Bedienungsanleitungen sind kryptisch und Werbebotschaften sinnlos englisch („Come in and find out“). Die „verquaste Sprache der Wirtschaft“, die Ferdinand Knauss vergangenen November an dieser Stelle im Handelsblatt diagnostizierte, ist tatsächlich bitterer Alltag. Er hat das Problem auch nicht als Einziger erkannt, wie einige Schlagzeilen anderer Blätter zeigen: „In der Sackgasse des Verständnisses“ (Die Zeit), „Kauderwelsch statt Anleitung“ (Computerbild), „Alptraum im Alltag“ (Der Spiegel), „Klarheit unerwünscht“ (Finanztest), „Schlechte Noten für Kontoauszüge“ (Braunschweiger Zeitung), „Beipackzettel sind tickende Zeitbomben!“ (Focus).

Da die Autoren in Unternehmen sicher nicht allesamt bösartig sind, müssen sie wohl ahnungslos sein. Wenn Sie einen der Missetäter auf das Thema ansprechen, wird er antworten: „Das Problem betrifft mich nicht!“ Warum nicht? Nun, er hält sich – wie wohl jeder von uns – für hinreichend intelligent, und er hat in der Schule Deutsch gelernt. In einer Befragung mit 70 Studierenden, die ich vor kurzem durchgeführt habe, äußerten 84 Prozent, sie schätzten ihre eigenen Texte als „sehr gut beziehungsweise gut verständlich“ ein, nur 16 Prozent als „weniger verständlich“.

Gewissheit bringen nur die Leser

Diese Diagnose lässt sich mit vielen empirischen Untersuchungen belegen, die ich in Bildungs- und Wirtschaftskontexten durchgeführt habe. Und dabei waren die Autoren stets überrascht zu sehen, welche Schwierigkeiten die Versuchspersonen mit ihren Texten hatten. Aus meinen Untersuchungen ergibt sich als Fazit:

  1. Kein Unternehmen sollte zu sicher sein, dass die interne Kommunikation oder der Dialog mit den Kunden so ankommt, wie sie gemeint waren. Die Nagelprobe ist allein der „User-Check“: Erst eine hinreichend große Zahl von Zielpersonen kann darüber entscheiden, ob ein Text verständlich war.
  2. Schreiben kann jeder, texten muss man lernen. Und wenn man nicht außerordentlich begabt ist, dürfte es nützlich sein, sich gewisse didaktische Fähigkeiten anzueignen und die in den letzten 30 Jahren publizierten Erkenntnisse der Textverständlichkeits- und Textverstehensforschung zur Kenntnis zu nehmen.
  3. Kein Unternehmen sollte am falschen Ende sparen! Natürlich ist der Return On Investment (ROI) unverzichtbar, aber es gibt gewichtige Gründe, die dafür sprechen, dem „weichen Faktor“ Sprache mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Scheuen wir uns nicht, einmal ins Detail zu gehen: Beim Texten geht es um die Fähigkeit, zunächst herauszufinden, für wen ich eigentlich schreibe. Wie viel versteht der Leser von dem Thema, das da verhandelt wird? Welches sind die präzisen Ziele meines Beitrags? Welche Inhalte muss ich dementsprechend auswählen, um mein Ziel zu erreichen und meinem Dialogpartner die Informationen zu geben, die er tatsächlich braucht? Wie sollte ich diese Inhalte auf meinen Text verteilen?

Wie gehe ich mit Fach- und Fremdwörtern um? Mit den Anglizismen, mit den Abkürzungen, die nur für Eingeweihte einen Sinn ergeben? Und wie vermeide ich den berüchtigten Nominalstil (man denke an die unsäglichen Ansagen der Deutschen Bahn: „In Gleis 13 hält Einfahrt ...“)? Wie verhindere ich, dass ich den von Mark Twain so sehr gefürchteten deutschen Bandwurmsätzen auf den Leim gehe? Und wie gelingt es, den „roten Faden“ des Gedankenflusses so zu spinnen, dass nicht alles durcheinandergeht? Schön wäre es, wenn es mir auch noch gelänge, den Text für den Adressaten so attraktiv zu gestalten, dass er ihn mit Interesse und Vergnügen liest.

Schlechte Sprache verursacht Milliardenschäden

Der Schaden, der der deutschen Wirtschaft durch unverständliche Texte entsteht, wird von Sachverständigen auf jährlich eine Milliarde Euro geschätzt. Ich halte diese Summe für deutlich untertrieben. Wer einen Kunden ansprechen will, muss ihn überzeugend ansprechen, nämlich klar und verständlich. Der Kunde will nicht in der Fachsprache der Firma angesprochen werden, sondern in seiner eigenen Sprache. Wenn Sie Banker sind, sollten Sie deshalb nicht „bankisch“ sprechen, sondern „kundisch“!

Internetforen, Blogs und Podcasts verbreiten Informationen über Firmen und Produkte in zunehmender Geschwindigkeit. Mit erheblichen Folgen für das Firmen-Image, positiv wie negativ. Verbraucherverbände und Verbraucherinitiativen reagieren immer häufiger mit Kritik und eigenen Aktionen auf eine unzugängliche Sprache. Testinstitute und Ratingagenturen überprüfen zunehmend die Produkte und die Dienstleistungsqualität von Unternehmen. Welche Firma kann es sich leisten, hier schlecht abzuschneiden?

Die Gerichte entscheiden tendenziell immer häufiger zugunsten der Verbraucher: Ein Beispiel aus dem Justizministerium Nordrhein-Westfalen:

„Bei unklaren oder mehrdeutigen Klauseln gilt im Zweifel das Prinzip der den Verbraucherinnen und Verbrauchern günstigen Auslegung, da der Aufstellende solcher Bedingungen sich klarer hätte ausdrücken können und müssen.“

Eine laienverständliche und damit barrierefreie Kommunikation ist nicht nur Gegenstand der ISO-Normen und Compliance-Richtlinien, sondern auch ein bedeutsamer Teil der Corporate Identity des Unternehmens und ein ebenso wichtiges Instrument der Markenpflege. Daraus lässt sich ein Alleinstellungsmerkmal im Vergleich mit den Mitbewerbern entwickeln.

Die „neue Einfachheit“: „Keep it smart and simple“

Die Produkte der Unternehmen sind einander immer ähnlicher und manchmal austauschbar. An der Preisschraube lässt sich kaum noch drehen. Da bleibt als eine noch verbleibende Möglichkeit, sich über eine kundenfreundliche Kommunikation zu profilieren. Christoph Moss, ehemaliger Leiter der Holtzbrinck-Schule und Kolumnist des Handelsblatts, schreibt:

„Wenn es in einer Kommunikationsgesellschaft einen entscheidenden Erfolgsfaktor gibt, dann ist es der professionelle Umgang mit Sprache.“

Angesichts einer immer unübersichtlicher und komplizierter werdenden Welt spielen bei vielen Menschen Sicherheit und Einfachheit eine bestimmende Rolle. Und so hat sich auch in der Kommunikation ein neuer Trend durchgesetzt. Trendforscher sprechen von der „neuen Einfachheit“. Das Marketing macht daraus „KISS – Keep it smart and simple.“ Angesagt ist eine klare, einfache und gut verständliche Sprache. Sie wird die Zukunft unserer Kommunikation bestimmen.

Deshalb: Eine gut verständliche Sprache ist kein „nice to have“ und auch kein unnötiger Kostentreiber. Sie ist Ausdruck eines neuen und mächtigen Trends. Sie spart nachweislich viel Zeit und Geld und ist überdies eine Investition in eine nachhaltige Zukunft des Unternehmens.  

Kontakt:
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Im Lehmkamp 12a
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Tel.: 05307-7577
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[Bild: fotolia]

Mitarbeiterorientierung: Deutschlands beste Arbeitgeber 2008

Vertrauensvolle Beziehungen zwischen Management und Belegschaft, engagierte Mitarbeiter und ein lebendiger Teamgeist sind zentrale Merkmale ausgezeichneter Arbeitgeber. Dies zeigen die Ergebnisse des aktuellen Wettbewerbs „Deutschlands Beste Arbeitgeber 2008“, die gestern in Berlin vom Great-Place-to-Work-Institute Deutschland in Kooperation mit dem Forschungsinstitut psychonomics AG, der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) und dem Wirtschaftsmagazin „Capital“ vorgestellt wurden. Ganz vorne auf der Liste der 100 besten Arbeitgeber konnten sich in diesem Jahr folgende Unternehmen platzieren:

Großunternehmen (über 5.000 Mitarbeiter):

  1. SAP (Walldorf)
  2. Dow Deutschland (Schwalbach/Taunus)
  3. Techniker Krankenkasse (Hamburg)
  4. Rohde & Schwarz (München)
  5. Tchibo (Hamburg)

Mittelgroße Unternehmen (501 bis 5.000 Mitarbeiter):

  1. Cisco Systems (Hallbergmoos)
  2. 3M Deutschland (Neuss)
  3. impuls Finanzmanagement (Gersthofen)
  4. Microsoft Deutschland (Unterschleißheim)
  5. SMA Technologie (Niestetal/Kassel)

Kleinere mittelständische Unternehmen (50 bis 500 Mitarbeiter):

  1. Consol Software (München)
  2. 4flow (Berlin)
  3. Vedior Personaldienstleistungen (Hamburg)
  4. Bain & Company Germany (München)
  5. Pentasys (München)

Bundesarbeitsminister Olaf Scholz überreichte den Unternehmen im Rahmen einer Prämierungsfeier im Berliner Ritz-Carlton Hotel das begehrte Beste-Arbeitgeber-Gütesiegel. Insgesamt wurden 100 Unternehmen als „Deutschlands Beste Arbeitgeber 2008“ ausgezeichnet – darunter auch acht in der Pflege kranker, alter und behinderter Menschen tätige Einrichtungen, die kürzlich bereits im branchenspezifischen Wettbewerb „Beste Arbeitgeber im Gesundheitswesen“ prämiert wurden.

Die ersten Plätze des Gesamtrankings belegen das IT-Beratungshaus ConSol Software (Gesamtsieger), der Netzwerkspezialist Cisco Systems (Platz 2), das Logistik-Beratungsunternehmen 4flow (3), der Multi-Technologiekonzern 3M (4) und der Personaldienstleister Vedior (5). Zusätzlich wurden fünf Sonderpreise für besondere Leistungen von Unternehmen in einzelnen Bereichen der Arbeitsplatzkultur vergeben:

Microsoft Deutschland erhielt den Sonderpreis für „Chancengleichheit der Geschlechter“, die E.ON Führungsgesellschaften (E.ON AG, E.ON Energie AG, E.ON Ruhrgas AG) für „Gesundheitsförderung“, die SICK AG für die „Förderung älterer Arbeitnehmer“, Dow Deutschland für „Diversity“ (kulturelle Vielfalt) und das Nürnberger Vier-Sterne-Tagungshotel Schindlerhof für „Lebenslanges Lernen“.

Orientierung an Mitarbeitern bringt wirtschaftlichen Erfolg

Insgesamt nahmen 252 Unternehmen mit über 250.000 Mitarbeitern an dem größten Wettbewerb seiner Art teil. Frank Hauser, Leiter des Great-Place-to-Work-Institute Deutschland kommentiert:

„Die unmittelbare Bedeutung einer mitarbeiterorientierten Unternehmenskultur für den wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen belegte kürzlich erst eine große Studie der psychonomics AG im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums. Dass Unternehmen jeder Größe und Branche ausgezeichnete Arbeitgeber werden können, zeigen eindrucksvoll jedes Jahr aufs Neue ´Deutschlands Beste Arbeitgeber.´“

„Deutschlands Beste Arbeitgeber 2008“ sind darüber hinaus für den europaweiten Great-Place-to-Work-Wettbewerb „Europas Beste Arbeitgeber 2008“ qualifiziert, an dem über 1.000 Unternehmen aus 15 EU-Ländern teilnehmen. Die 100 besten europäischen Arbeitgeber werden im Mai dieses Jahres in London prämiert.

Entscheidend für die Bewertung der Qualität und Attraktivität der Unternehmen als Arbeitgeber war eine anonyme Befragung der Mitarbeiter zur Glaubwürdigkeit und Fairness der Führungskräfte, zur Identifikation mit der eigenen Tätigkeit und dem Unternehmen insgesamt sowie zur Qualität der Zusammenarbeit. Darüber hinaus mussten Personalverantwortliche Auskunft zu den Leistungen, Konzepten und Maßnahmen der Unternehmen im Personalbereich geben. Alle Unternehmen mit Standort Deutschland ab 50 Mitarbeitern konnten an der Benchmark-Studie teilnehmen und sich um einen Platz auf der Liste der 100 besten Arbeitgeber bewerben.

[dw; Quelle: Pressebüro Metz; Bild: obs/3M Deutschland GmbH]

Outsourcing: Fremdvergabe ist mehr als ein Kostenkiller

Die Nutzung des Instrumentes Outsourcing hat den meisten Unternehmen einen ansehnlichen Return on Investment (ROI) gebracht. Dennoch haben knapp 40 Prozent bereits einen Auslagerungsvertrag vorzeitig gekündigt oder es tauchen nach kurzer Zeit Unstimmigkeiten mit den Partnern auf. Ein weiteres Ergebnis des Outsourcing Report 2008 von Deloitte: Unternehmen nutzen größtenteils nicht die strategischen Möglichkeiten und Perspektiven einer Auslagerung, sondern setzen in erster Linie auf einen Kostenspareffekt. Edgar Klein, Partner Consulting bei Deloitte, erklärt:

"Die Zahlen sind beeindruckend: 83 Prozent der befragten 300 Unternehmenslenker haben mit Outsourcing-Maßnahmen einen ROI von über 25 Prozent erreicht. Dennoch gibt nur etwa ein Drittel der Befragten an, innovative Impulse durch das Outsourcing erhalten zu haben, ebenfalls gut ein Drittel würde heute mehr Zeit mit der Suche nach dem richtigen Partner verwenden. Die Hälfte sagt sogar, sie würde die Vereinbarungen mit dem jeweiligen Partner besser auf die strategischen Ziele des Unternehmens abstimmen."

Neugestaltung von Geschäftsprozessen birgt Potenzial

Zu wenige Unternehmen hätten Outsourcing als strategische Maßnahme und den Dienstleister als Partner begriffen - in den meisten Fällen blieben die wirklichen Potenziale ungenutzt, so Klein weiter. Über den Kosteneinsparungseffekt hinaus sind sich derzeit aber nur wenige Unternehmen des Potenzials durch Transformation und Neugestaltung von Geschäftsprozessen als strategischem Instrument bewusst. Im Idealfall kann sich das Unternehmen damit einen Wettbewerbsvorteil verschaffen, der die Kosteneinsparung als sekundären Effekt erscheinen lässt.

Wichtig ist, die Outsourcing-Maßnahmen eng an den Geschäftsstrategien des Unternehmens zu orientieren und dabei auch mögliche künftige Entwicklungen zu berücksichtigen. Dieses nicht in ausreichendem Maße bereits im Prozess der Auslagerungs- und Vertragsgestaltung berücksichtigt zu haben, bedauert knapp die Hälfte der Unternehmen. Diese Unternehmen würden bei neuen Auslagerungsprozessen mehr Zeit darauf verwenden, die Service Levels stärker an der Gesamtstrategie des Unternehmens auszurichten.

Vereinbarte Dienstleistungen sollten evaluiert werden

Auch bei der Suche nach dem richtigen Dienstleister scheinen Potenziale nicht voll genutzt zu werden. Idealerweise sollte das Unternehmen bereits frühzeitig einen präzisen Anforderungskatalog an potenzielle Partner versenden. Nach Aussage von etwa 50 Prozent der Dienstleistungsanbieter sind die ihnen zugegangenen Pflichtenhefte qualitativ suboptimal. Zudem wählen viele Unternehmen Partner, die sie bereits kennen - eine nicht immer sachgerechte Entscheidung. Edgar Klein kommentiert:

"Nach Vertragsabschluss sollte der Übergang in eine kontinuierliche Evaluation der vereinbarten Dienstleistungen erfolgen. Über zwei Drittel der befragten Unternehmen haben Mittel zur Bewertung der Vertrags-Compliance installiert, fast ebenso viele setzen Managementmethoden in der Zusammenarbeit mit ihren Partnern ein. Dennoch herrscht keine wirkliche Klarheit über Qualität und Umfang der Dienstleistung, was vor allem auf einen Optimierungsbedarf bei der Kommunikation zurückzuführen ist."

In Anbetracht der strategischen Bedeutung von Outsourcing für die Wettbewerbsfähigkeit seien ein wirksames Management und vor allem das Performance-Monitoring unverzichtbar - zum Beispiel durch Instrumente wie das Service Level Management (SLM) als ganzheitlichen Ansatz zur Überprüfung der Outsourcing-Leistung.

[dw; Quelle: Deloitte; Bild: fotolia]

Personalarbeit: Shared Services Center im Kommen

Personalabteilungen wählen immer öfter den „Shared-Services“-Ansatz, um die operativen und administrativen Aufgaben innerhalb ihres Bereiches effizienter und kostengünstiger zu bewältigen. 75 Prozent der befragten Unternehmen haben ihr Shared Services Center (SSC) seit der Gründung bereits ausgebaut und 84 Prozent planen, es in naher Zukunft noch weiter auszubauen. Die Mehrheit der bereits etablierten HR-Shared-Services-Center wachsen bereits, so die Ergebnisse der aktuellen Studie „The Next Generation Shared Services Research“, durchgeführt von der Managementberatung Hewitt Associates und SharedXpertise. 

Kundenzufriedenheit hat oberste Priorität

Im Rahmen der Studie wurden 97 multinationale Organisationen befragt. Bei 78 Prozent der Befragten sollen HR-Shared-Services-Center in erster Linie die Kundenzufriedenheit steigern. Erst an zweiter Stelle wurde mit 70 Prozent die Reduzierung von Kosten angeführt. Nelson Taapken, Leiter des Bereichs HR Excellence von Hewitt Associates in Deutschland, sagt:

„In der Vergangenheit waren Veränderungen sehr stark an Kosten- und Effizienzkennzahlen orientiert anstatt an Relevanz oder Erfolgswirksamkeit. Interessant ist, dass jetzt die Effektivität die Prioritätenliste der HR-Verantwortlichen anführt und das Argument der Kostenreduktion in den Hintergrund rückt. Heute ist klar, dass HR-Dienstleistung dann Erfolg hat, wenn sie den Mitarbeitern das erforderliche Dienstleistungsniveau zum tiefstmöglichsten Preis anbietet.“

„Wir-Gefühl“ fehlt noch

Die Integration eines Shared Service Centers in den bestehenden HR-Bereich wird von den Befragten als problematisch erachtet, da sich der HR-Bereich und das Center nicht als eine Einheit verstehen. Die Aufgaben, die im Shared Service Center liegen, sollten im HR-Bereich als Teil des integrierten HR-Prozesses verstanden werden. Doch die Untersuchung zeigt, dass die HR-Abteilungen die administrativen Tätigkeiten nicht mehr als ihre Aufgabe und Verantwortung sehen, sobald es einen Spezialisierten Dienstleister dafür gibt.

Zum anderen besteht zusätzlich in der Umstrukturierungsphase die Gefahr, dass der bestehende HR-Bereich zu sehr in seiner alten Funktionsweise verharrt und administrative Tätigkeiten weiterhin selbst durchführt. Dies kann einer Realisierung von effizienten Prozessen und den damit verbundenen Kosteneinsparungen im Wege stehen. Taapken rät:

„Die Ergebnisse der Studie zeigen deutlich, dass HR-Shared-Services die HR-Profis in administrativen Belangen stark entlasten. Sie erhalten einen neuen Spielraum, um den Fokus auf strategischere und für das Unternehmen gewinnbringendere Aktivitäten zu richten oder ein Netzwerk mit den Verantwortlichen der einzelnen Unternehmensbereiche aufzubauen."

Dieser Erfolg trete jedoch nur dann ein, wenn das Miteinander aller HR-Funktionsbereiche in der Governance-Struktur verbindlich geregelt sei. Hierfür solle bereits in der Konzeptionsphase ausreichend Zeit verwendet werden, erklärt Taapken weiter.

Shared Service Center entstanden ursprünglich in den 80er Jahren in den Finanz­abteilungen, um grundlegende administrative Aufgaben wie zum Beispiel die Fakturierung oder das Bezahlen von Rechnungen zu bündeln und kosteneffizient abzuwickeln. In den letzten 30 Jahren etablierten sich Shared Services auch in anderen Unternehmensbereichen. Mehr dazu unter:

Shared Service Center bedienen die Kollegen wie Kunden [163]

[dw; Quelle: Hewitt; Bild: Fotolia]

Partizipation: Mitarbeiter im richtigen Maß bei Entscheidungen beteiligen

Der Verein für Sachwalterschaft und Patientenanwaltschaft in Österreich ist ein großes Risiko eingegangen. Auf der Suche nach einem neuen Namen hat er alle haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter eingeladen, sich zu beteiligen. In anderen Unternehmen ist das die vornehme Aufgabe der Geschäftsleitung und einzelner Marketing- und PR-Profis. Hier sollten über 1.000 Mitarbeiter zu Wort und zu einem Ergebnis kommen. Dank sehr klarer Vorgaben zum Ablauf und einer zielgerichteten Moderation ist das gelungen.

Der Verein kam damit dem nach, was Organisationsentwickler gerne predigen: Es sei ungemein wichtig, dass die Mitarbeiter mit einbezogen werden, wenn wichtige Entscheidungen anstehen und das Unternehmen sich verändert. Hier wollen Mitarbeiter um ihre Meinung gefragt werden, und manche bringen sich auch gerne aktiv ein, sie wollen mitgestalten. Doch nicht alle fühlen sich immer berufen, bei alles mit zu machen und zu entscheiden. Das ist für sie eine zentrale Aufgabe der Führungskräfte. Deshalb gilt es, bei der Frage der Mitarbeiterbeteiligung zu klären:

  • Bei welchen Themen werden die Mitarbeiter mit in die Entscheidungsfindung eingebunden?
  • Wie weit sollen die Befugnisse reichen?
  • Welche Rolle spielen die Führungskräfte als die eigentlich Verantwortlichen?
  • Wie wird der Prozess zur Entscheidungsfindung strukturiert und gestaltet?

Stichwort

Mit dem Begriff der Mitarbeiterbeteiligung werden zwei ganz unterschiedliche Sachverhalte beschrieben:

  1. Mitarbeiter werden in betriebliche Gestaltungs- oder Entscheidungsprozesse eingebunden. Sie werden informiert oder sie können sich aktiv an Themen beteiligen, die ihre Arbeit betreffen. Häufig wird dafür auch der Begriff der Partizipation oder Mitwirkung verwendet. Diese Beteiligung kann im Rahmen der Vorschriften zur gesetzlichen Mitbestimmung erfolgen oder freiwillig sein.
  2. Mitarbeiter werden am Unternehmen oder seinem Erfolg materiell beteiligt. Das heißt beispielsweise, dass sie bei einem Gewinn des Unternehmens einen Bonus oder Ähnliches ausbezahlt bekommen (Erfolgsbeteiligung). Oder sie werden als Anteilseigner in das Unternehmen eingebunden (Kapitalbeteiligung).

In diesem Beitrag geht es ausschließlich um Mitarbeiterbeteiligung im Sinne der freiwilligen Partizipation.

Das Zusammenspiel von Führungskräften und Mitarbeitern

Das Konzept Mitarbeiterbeteiligung bzw. Partizipation geht von einer Zweiteilung des Unternehmens aus. Auf der einen Seite die Führungskräfte, die planen und entscheiden; auf der anderen Seite die Mitarbeiter, die ihre operative Arbeit erledigen. Für die Verbindung beider Teile gibt es unterschiedliche Ansätze:

  • Bei der Delegation von Aufgaben und Befugnissen wird die Verantwortung vollständig an die Mitarbeiter übertragen.
  • Partizipation reicht nicht so weit. Hier bleibt die Verantwortung letztlich bei den Führungskräften. Die Mitarbeiter tragen lediglich eine Mitverantwortung. Wie umfassend diese ist, bleibt dem einzelnen Unternehmen oder dem Sachverhalt überlassen, um den es jeweils geht.
  • Damit verwandt ist das Empowerment. Dieser Begriff, der im Amerikanischen gern gebraucht wird, meint, dass die Mitarbeiter grundsätzlich mehr Verantwortung und Handlungsspielräume bekommen, sodass ihr Nutzen für das Unternehmen steigt.

Partizipation verbindet Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortung von Führungskräften und Mitarbeitern

Warum ist Partizipation wichtig?

Mancher Unternehmer sieht sich selbst gerne als Patriarch. Er glaubt, das Unternehmen zu dem gemacht zu haben, was es ist. Er will Entscheidungen allein treffen. Doch ein solches autokratisches Führungsverhalten gilt als nicht mehr zeitgemäß. Es sei unvereinbar mit den Werten einer demokratischen Gesellschaft, meinen die Fürsprecher der Partizipation. Denn sie bedeuten, dass die Macht im Unternehmen nicht allein auf eine oder wenige Personen beschränkt sein sollte.

Aus einer humanistischen Perspektive wird hervorgehoben, dass Partizipation allgemeinen Bedürfnissen der Mitarbeiter als Menschen entgegenkommt – und deshalb zwingend notwendig ist. Denn der Mensch will:

  • Leistung einbringen,
  • Anerkennung erfahren und
  • kreativ sein dürfen.

Wenn dies auf Dauer nicht möglich ist, werden die Mitarbeiter unzufrieden, manche sogar krank. Oder sie verlassen das Unternehmen. Die Folge: Wer seine Mitarbeiter nicht beteiligt, zahlt am Ende drauf. Umgekehrt zeigen sich mannigfaltige positiven Effekte der Partizipation:

  • Entscheidungen sind besser,
  • die Umsetzung von Strategien und Plänen erfolgt schneller,
  • Mitarbeiter müssen weniger kontrolliert werden,
  • die Kommunikation und Zusammenarbeit unter den Mitarbeitern klappt besser,
  • die Mitarbeiter sind generell besser motiviert,
  • Krankenstand und Fluktuation gehen zurück.

Welche Formen der Partizipation gibt es?

Zwischen einem streng autokratischen und einem konsequent demokratischen Führungsstil gibt es zahlreiche Zwischenstufen. Führungsexperten haben unterschiedliche Modelle entwickelt, um sie zu beschreiben. Eine mögliche Stufenfolge ist demnach:

  • Die Führungskraft trifft alle Entscheidungen allein, ohne diese zu erklären.
  • Die Führungskraft trifft alle Entscheidungen zwar allein, erklärt im Unternehmen aber die Hintergründe und Beweggründe.
  • Bevor eine Entscheidung getroffen wird, holt die Führungskraft Meinungen und Ansichten anderer ein und berücksichtigt diese bei der Entscheidung.
  • Bevor eine Entscheidung getroffen wird, bespricht sich die Führungskraft mit einzelnen Personen, mit einer Gruppe oder mit allen relevanten Mitarbeitern.
  • Entscheidungen werden nicht von der Führungskraft allein getroffen; andere haben ein Mitspracherecht und entscheiden mit.
  • Die Führungskraft delegiert die Entscheidungsbefugnis an ausgewählte oder alle Mitarbeiter. Diese können frei, eigene Entscheidungen treffen.

Welche Form der Beteiligung die richtige ist, lässt sich kaum sagen. Eine wichtige Rolle spielt, um welche Entscheidung es im Einzelnen geht und wie die Situation und das Umfeld aussehen. Das betrifft kulturelle Unterschiede einer Gesellschaft und die vorherrschende Unternehmenskultur genauso, wie der Zeitdruck oder potenzielle Konflikte, die mit der Entscheidung verbunden sein können.

So stellt Mitarbeiterbeteiligung in jedem Fall größere Anforderungen an die Führungskräfte. Sie müssen in der jeweiligen Situation erkennen, welcher Grad an Beteiligung angemessen ist. Dazu ist es hilfreich zu wissen, welche Instrumente geeignet sind, unterschiedliche Formen der Beteiligung in ihrem Unternehmen umzusetzen. Die folgende Abbildung zeigt auf, wie vielfältig die Möglichkeiten dafür sind.

Formen der Mitarbeiterbeteiligung und Instrumente

[Quelle: The Change Management Toolbook [164] ]

Erna Szabo, Professorin an der Universität Linz, hat zahlreiche Studien zur Partizipation aus unterschiedlichen Ländern durchgeführt und ausgewertet. Sie zeichnet in einem Beitrag für die Zeitschrift OrganisationsEntwicklung [3/2007] ein differenziertes Bild und zeigt auf, wie vielfältig die Anforderungen an die Führungskräfte sind. Ihr Resümee:

„Führung bedeutet zunehmend die Steuerung von Veränderungsprozessen. Aufgrund steigender Komplexität und Vernetztheit sind solche Prozesse unmöglich im kleinen Kreis zu initiieren und durchzuführen. Sowohl gesellschaftsdemokratische als auch Effizienzüberlegungen verlangen nach Partizipation. Im Zuge dessen wird eine der großen Herausforderungen an die Führungskräfte auch zukünftig darin liegen, in der Zusammenarbeit, welche Form sie auch immer annimmt, ein Klima des Vertrauens unter den Beteiligten zu schaffen und zu nähren.“

Probleme der Mitarbeiterbeteiligung

Partizipation wird dann zum Problem, wenn sie nicht zur gängigen Kultur und zu den etablierten Strukturen des Unternehmens passt. Wenn ein hierarchisches Denken und ein autoritärer Führungsstil vorherrschen, können nicht mir nichts dir nichts Mitarbeiter beteiligt werden. Die Mitarbeiter werden mit Unverständnis oder Skepsis reagieren.

In einigen Unternehmen kommt es auch zu einer Parallelorganisation: Mitarbeiter sollen sich in Qualitätszirkeln, Gesundheitsgruppen oder bei kontinuierlichen Verbesserungen beteiligen, haben aber ansonsten im Alltagsgeschäft nichts zu melden. Hier droht eine „Spaltung“ der Verhaltensweisen, da das Wissen und die im Beteiligungsprozess erworbenen Kompetenzen der Mitarbeiter in der Arbeitsorganisation nicht gefordert und oft nicht einmal gewünscht sind.

Der Übergang kann allenfalls behutsam erfolgen und muss eingebettet sein in ein Bündel von Maßnahmen, das den Mitarbeiter deutlich macht, dass ihr Wissen und ihre Meinung stärker zur Geltung kommen sollen. Hin und wieder gelingt der Übergang schneller bei einem Führungswechsel – wenn beispielsweise ein neuer Geschäftsführer oder im Zuge der Nachfolgeregelung ein neuer Eigentümer das Unternehmen übernimmt.

Doch auch ein Zuviel an Mitarbeiterbeteiligung kann zum Problem werden. Manche Mitarbeiter fühlen sich überfordert und selbst die motiviertesten können mit der Zeit „müde“ werden. Vor allem dann, wenn sie erkennen, dass alles und jedes in Entscheidungsprozessen endlos diskutiert wird.

Empirische Studien legen nahe, dass es maßgeblich von den Führungskräften selbst abhängt, ob sie ihre Mitarbeiter beteiligen und wie gut das gelingt. Entscheidend ist, aus welchem Land oder Kulturkreis eine Führungskraft kommt. Auch das Alter spielt eine wichtige Rolle. Erna Szabo stellt in ihren Studien unter anderem fest [in OE 3/2007]:

„Ältere verhalten sich tendenziell partizipativer als jüngere. Dies könnte mit ihrer höheren fachlichen und sozialen Kompetenz zusammenhängen, während junge Führungskräfte unter Umständen noch eher glauben, sich durch alleiniges Entscheiden beweisen zu müssen.“

Auf das Umfeld kommt es an

Der Führungsexperte Victor H. Vroom hat mit seinem Kollegen Phillip Yetton in den 1970er Jahren ein Modell entwickelt, das unterschiedliche Führungsstile beschreibt. Sie machen dabei deutlich, dass es besonders auf das Umfeld in einem Unternehmen ankomme, ob ein eher partizipativer oder autokratischer Führungsstil angemessen sei.

Unter anderem spiele das Zeitbudget für eine Entscheidung eine wichtige Rolle. Je knapper die Zeit, desto schneller müssen Entscheidungen gefällt werden. Und da sei weniger Platz für die Beteiligung der Mitarbeiter, meinen die Führungsexperten.

Ein Forschungsverbund untersuchte in den 1980er und 1990er Jahren ebenfalls, wie sich Unternehmen in Bezug auf Mitarbeiterbeteiligung unterscheiden. Sie stellten fest: Merkmale wie die formalen Mitbestimmungsregeln, Tarifverträge, Betriebsvereinbarungen oder der Organisationsgrad einer Belegschaft haben einen weitaus höheren Vorhersagewert für Partizipation als beispielsweise technologische Faktoren, der Unternehmenserfolg, die Größe eines Unternehmens oder der Automationsgrad [Industrial Democracy in Europe (DIE), 1981 und 1993].

Darauf sollten sie achten

Wer seine Mitarbeiter enger in die Gestaltungs- und Entscheidungsprozesse des Unternehmens einbinden will, muss vor allem auf diese Aspekte achten:

  • Der Prozess muss richtig vorbereitet sein. Ausgangssituation und die generelle Zielrichtung müssen herausgearbeitet werden. Wobei genau sollen die Mitarbeiter beteiligt werden? Ist die Mitarbeiterbeteiligung der Situation überhaupt angemessen? Was spricht dafür und was dagegen? In welcher Form kann und soll das geschehen? Was soll am Ende als Ergebnis dastehen?
  • Zur Prozessvorbereitung gehört auch ein klarer Fahrplan. Der Startschuss sollte wohl überlegt sein und ins Umfeld des Unternehmens passen.
  • Entscheidungsmodus und Entscheidungsregeln müssen von Beginn an festgelegt werden. Die Geschäftsleitung nennt die wichtigen Kriterien, die dabei beachtet werden müssen. Gegebenenfalls behält sie sich ein Veto-Recht vor.
  • Der Prozessverlauf muss sicherstellen, dass sich alle einbringen können, dass laufend über den Stand der Arbeiten berichtet wird und Platz für rationale Argumente, aber auch für Emotionen ist.
  • Der Prozess wird sorgfältig begleitet und reflektiert. Hier sind erfahrene Projektmanager oder Moderatoren gefragt. Sie sind die Schnittstelle zwischen dem einzelnen Mitarbeiter, der sich einbringen soll und will, und den Führungskräften.

Beispiel: Verein für Sachwalterschaft und Patientenanwaltschaft

Als es beim Verein für Sachwalterschaft und Patientenanwaltschaft um die Namensfindung ging, war besonders wichtig, dass der Prozess der Entscheidungsfindung sehr klar strukturiert und für alle Beteiligten transparent war. So konnten zunächst alle Mitarbeiter über einen Ideenwettbewerb an der Namensfindung mitmachen. Dann wurden zehn Mitarbeiter für einen Auswahl-Workshop nominiert. Die Auswahl der Team-Mitglieder musste nachvollziehbar und akzeptabel sein. Sie hatten die Aufgabe, fünf Vorschläge auszuwählen. Eine Jury aus externen Interessenvertretern und Partnern wählte daraus gemeinsam mit dem Geschäftsführer drei Vorschläge aus. Letztlich trafen dann Vorstand und Mitgliederversammlung die endgültige Entscheidung.

Für manche ist das ein sehr aufwendiges und langwieriges Verfahren. Doch die Beteiligten beteuern, dass es sich gelohnt habe. Denn mit der Namensfindung arbeiteten alle auch sehr intensiv am neuen Selbstverständnis des Vereins mit. Wer den Prozess kennt und die zum Teil tief gehenden Emotionen miterlebt hat, tut sich leichter, die Ergebnisse zu verstehen und zu akzeptieren, sagt der beteiligte Prozessberater. Das wirkt sich bei der täglichen Arbeit und der Strategieumsetzung unmittelbar aus. Heute heißt der Verein: VertretungsNetz.

Links und weiterführende Informationen

Partizipation spielt gerade bei Veränderungsprojekten eine wichtige Rolle. Dazu finden Sie mehr in unserem Wissensbaustein:

Mit Change Management den Wandel effektiv gestalten [165]

Hier finden Premium-Mitglieder eine Checkliste, um zu ermitteln, in welcher Situation und in welcher Form eine Mitarbeiterbeteiligung in ihrem Unternehmen Sinn ergibt:

Schwerpunktheft „Partizipation“ der Zeitschrift OrganisationsEntwicklung [3/2007]:

http://www.fachverlag.de/zoe/11989_13332.htm [166]

Weitere Links:

http://www.landtag-bayern.de/... [167]

http://www.ergo-online.de/... [168]

http://www.wiwi.uni-rostock.de/... [169]

[jf; Bild: Business-Illustrationen]

E-Government: Kommunen lagern aus

Die elektronische Anpassung geht zurück auf die neue Dienstleistungsrichtlinie der Europäischen Union. Jetzt plant rund ein Drittel aller Kommunalverwaltungen, zentrale E-Government-Aufgaben an externe Dienstleister auszulagern. Zwölf Prozent wollen auch Verwaltungsprozesse in die Hände privater Unternehmen geben. Die dafür notwendigen Outsourcing-Strategien unterscheiden sich dabei im Detail erheblich. Das ergibt die Studie Branchenkompass Public Services 2007 von Steria Mummert Consulting in Zusammenarbeit mit dem F.A.Z.-Institut. 

Um Europas Bürgern und Unternehmern effizientere Behördendienste zu bieten, planen Deutschlands Verwaltungen eine engere Zusammenarbeit mit dem privaten Sektor. Rund drei Viertel aller befragten Entscheider wollen künftig stärker mit IT-Dienstleistern und Beratungsunternehmen kooperieren. Fast die Hälfte der Gemeinden setzt dabei auf die Zusammenarbeit mit Unternehmen aus ihrer Region. Gründe dafür sind standortpolitische Erwägungen sowie der Wunsch nach einer zuverlässigen Betreuung vor Ort. Rund ein Drittel der Regionalverwaltungen will Aufbau, Betrieb und Wartung ihrer E-Government-Portale von externen Dienstleistern betreuen lassen. Jede fünfte Behörde plant sogar, die Behörden-IT vollständig auszulagern, um die Anforderungen der EU-Richtlinie umsetzen zu können. 

Deutlich geringer ist gegenwärtig noch die Bereitschaft, neben technischen Diensten ganze Verwaltungsprozesse auszulagern. Zumindest jede zehnte Kommune in den alten Bundesländern kann sich vorstellen, einzelne Verfahren an Private zu delegieren. In den ostdeutschen Ländern will sogar jede sechste Verwaltung ihre Prozesse an Unternehmen auslagern. Nur ein komplettes Outsourcing der Verwaltungsprozesse erwägt derzeit nahezu keine Behörde.

Public Private Partnership als Variante

Insgesamt will die Mehrheit der Gemeinden bei der Umsetzung der EU-Dienstleistungsrichtlinie auf bewährte Strukturen zurückgreifen: So sprechen sich 76 Prozent der Befragten für informelle Kooperationen aus, die bereits mit Verbänden und Verwaltungsinstitutionen unterhalten werden. Daneben ist immerhin die Hälfte aller Verwaltungen bereit, sich im Rahmen von Projektpartnerschaften enger an Dienstleister und andere öffentliche Einrichtungen zu binden.

Insbesondere Verwaltungen außerhalb der Großstädte sehen in solchen Projektpartnerschaften eine Option, um das E-Government zu stemmen. Jede vierte größere Kommune zeigt sich sogar für Kooperationen mit strategischen Partnern aufgeschlossen, beispielsweise in Form von Public Private Partnerships (PPPs). Auffallend dabei: Im Westen planen fast 30 Prozent aller Kommunalverwaltungen öffentlich-private Partnerschaften. In den neuen Bundesländern sind die Berührungsängste dagegen deutlich größer: Nur fünf Prozent der Kommunalverwalter in Ostdeutschland wollen sich auf eine derartige Zusammenarbeit zwischen Staat und Privatwirtschaft einlassen.

Die EU-Dienstleistungsrichtlinie Die EU-Dienstleistungsrichtlinie behandelt im Kern die Niederlassungsfreiheit von Dienstleistungsanbietern im gesamten Gebiet der Europäischen Union. Zur Vereinfachung der Freizügigkeit sind verschiedene Instrumente vorgesehen, um Ausländerdiskriminierung zu vermeiden und Verwaltungsprozesse zu vereinfachen. Hierzu gehört die Einrichtung eines einheitlichen Ansprechpartners, der für den Niederlassungswilligen alle Verwaltungsakte bündeln soll. Hier können Bundes-, staatliche, kommunale und berufsständische Zuständigkeiten betroffen sein.

Zudem sollen die notwendigen Verwaltungsprozesse elektronisiert und auch aus der Ferne bedienbar sein. Mehrsprachigkeit der Verwaltungen ist eine weitere Forderung. Die Dienstleistungsrichtlinie befindet sich derzeit in der Bearbeitung beim Bundesinnen- und Bundeswirtschaftsministerium, um die notwendigen Gesetze und Richtlinien vorzubereiten.

Für den Branchenkompass Public Services 2007 informierten im Juni und Juli 2007 100 Top-Entscheider deutscher Groß- und Mittelstädte im Rahmen einer Befragung über Maßnahmen und Strategien ihrer Kommunalverwaltungen in Bezug auf die EU-Dienstleistungsrichtlinie. Die Befragten sind in ihren Kommunen für die Umsetzung der Richtlinie verantwortlich. Die Marktforschungsgesellschaft forsa führte die Erhebung in Telefoninterviews durch. Daneben wurden Entscheider in den Landesregierungen mehrerer Länder telefonisch zur Umsetzung der EU-Dienstleistungsrichtlinie interviewt.

[dw; Quelle: Faktenkontor; Bild: fotolia]

Arbeitsweltmonitor: Mitarbeiter wünschen sich mehr persönliche Rückmeldung

Das Arbeitsumfeld spielt eine wichtige Rolle, wenn es um die Motivation der Mitarbeitenden in den Unternehmen geht. Ein Forscherteam um den Saarbrücker Personalwirtschaftler Professor Christian Scholz untersucht seit 2006 in monatlichen Befragungen, wie Beschäftigte ihre Arbeitswelt sehen und empfinden. Die neueste Befragung vom Dezember 2007 befasst sich mit der Frage: Ist das Arbeitsumfeld ein Motivationsfaktor?

Die wichtigsten Ergebnisse sind:

  • 70 Prozent der Mitarbeiter fühlen sich über die generellen Ziele des Unternehmens ausreichend informiert.
  • 55 Prozent wissen Bescheid über die konkreten Herausforderungen, vor denen ihr Unternehmen steht.
  • 62 Prozent können dies auch für den eigenen Arbeitsbereich bestätigen.

Die Saarbrücker Forscher werten dies als positiv: Denn hier stimmen die Faktoren, die laut Herzberg als Hygiene-Faktoren generell Leistung ermöglichen. Doch diese Leistungsbereitschaft wird nicht abgerufen. Der Grund: Fast zwei Drittel der Beschäftigten meinen, dass sie keine angemessene Rückmeldung zu Qualität der eigenen Leistung und zum eigenen Zielerreichungsgrad erhalten.

Mitarbeitern sind mit Arbeitsbedingungen zufrieden, hätten aber gerne etwas mehr Freiräume

Die Mitarbeiter sind im Allgemeinen mit ihren Arbeitsbedingungen zufrieden:

  • 78 Prozent der Mitarbeiter sind der Meinung, dass die Ausstattung ihres Arbeitsplatzes mit Arbeitsmaterialien vollkommen ausreichend ist.
  • Ebenso empfinden 61 Prozent der Befragten, dass ihr Arbeitsumfeld gut auf ihre Tätigkeit zugeschnitten ist.
  • Etwas weniger Zustimmung gibt es hinsichtlich der vom Unternehmen zugestandenen Freiräume. Nur 46 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass sie genug Autonomie haben, um wirklich das zu machen, was sie auch am besten können.

Gute Leistung anerkennen!

An vielen Stellen wird sichtbar, dass die Mitarbeiter mit ihrem Unternehmen im Allgemeinen recht zufrieden sind – aber nicht unbedingt mit ihrer eigenen Situation. Immerhin meint mehr als die Hälfte der Befragten, dass ihre Führungskraft immer offen für Verbesserungsvorschläge und Ideen ist. Im Ernstfall genauso wichtig: Die Führungskraft steht hinter ihnen, wenn Probleme auftauchen.

Nur mit dem Loben oder einer konstruktiven Rückmeldung tun sich viele schwer. Hier ist nur noch rund ein Drittel der Befragten mit den Vorgesetzten im eigenen Unternehmen zufrieden.

Arbeitsdruck nicht zu Stress werden lassen!

Von Arbeitsdruck und Stress sind rund 41 Prozent der Beschäftigten besonders betroffen. Sie fühlen sich oftmals so gestresst, dass sie sich auch nicht mehr an privaten Dingen erfreuen können. Fast genauso viele sagen, dass sie Aufgaben vernachlässigen müssen, weil sie zu viel zu tun haben und der Arbeitsdruck die Ausführung ihrer Tätigkeit negativ beeinflusst. Immerhin: Die Mehrzahl (56 Prozent der Beschäftigten) sagt, dass ihre gesetzten Abgabetermine durchaus zu schaffen sind.

Hinweis

Die Arbeitswelt wird immer anspruchsvoller. Daher braucht das Personalmanagement tief gehende und aktuelle Informationen zum Arbeitsumfeld der Mitarbeiter. Diese soll der 2006 ins Leben gerufene Arbeitsweltmonitor ("worklife-panel") liefern. Die Panel-Befragung, die sich direkt an die Mitarbeiter der teilnehmenden Unternehmen richtet, wird von Professor Dr. Christian Scholz von der Universität des Saarlandes ind Saarbrücken geleitet und von der Unternehmensberatung Prisma-Scholz durchgeführt.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.arbeitsweltmonitor.de [170]

[jf: Quelle: Arbeitsweltmonitor]

 

Projektmanagement: So führen Sie große Projekte zum Erfolg

Präsenz zeigen

 

Wenn nicht Sie als Projektleiter die Projektmitglieder motivieren - wer soll es dann tun? Zeigen Sie deshalb möglichst viel Präsenz, um mit Ihrem Engagement und Ihrem Einsatzwillen die Projektmitglieder bei der Stange zu halten. Fragen Sie bei einzelnen Teammitgliedern immer wieder nach, wie es läuft und lassen Sie sich von Problemen und Erfolgen erzählen. Nur so können Sie frühzeitig von Problemen oder Konflikten erfahren und korrigierend eingreifen.

Willkürliche Änderungen verhindern

Häufig ändern sich im Laufe des Projekts die Rahmenbedingungen: Neue Anforderungen kommen hinzu, Budgets werden gekürzt oder Teilziele stellen sich als sinnlos heraus. Sofern die Änderungen der Rahmenbedingungen sich aufgrund von Anforderungen Dritter stellen, ist es wichtig, die Auswirkungen dem internen wie externen Auftraggeber, aber auch den Teammitgliedern, klar zu kommunizieren: „Diese Qualitätsprüfung war im Projektplan nicht berücksichtigt, was die Fertigstellung des Projekts um etwa zwei Wochen verzögern und die Kosten um etwa 10 Prozent erhöhen wird.“ Auf diese Weise unterbleibt so manche „spontane“ Änderung, auf jeden Fall aber sorgen Sie dafür, dass die Projektziele realistisch bleiben.

Probleme wirksam managen

Die Mitglieder großer Projektteams haben häufig eine geringe Bindung an große Projekte, weil die meisten an mehreren Projekten mitarbeiten und der Einzelne für ein Scheitern keine Verantwortung übernehmen muss. Deshalb lösen sich viele Projektteams einfach auf, sobald größere Probleme auftreten. Ob es sich nun um eine echte oder nur herbeigeredete Katastrophe handelt - jetzt ist schnelle Kommunikation das A und O: Rufen Sie das Projektteam zusammen und informieren Sie es über die aktuelle Lage, und zwar auch dann, wenn Sie noch nicht für alles eine Lösung parat haben. Wichtig ist, dass Sie zeigen, dass das Projekt nicht „gestorben“ ist, sondern weiterläuft und immer noch gute Chancen auf Erfolg hat.

Stillstand verhindern

Zum Phänomen vieler Projekte gehört, dass die Projektmitglieder nach dem zweiten Drittel des Projekts glauben, dass die wesentlichen Ziele schon erreicht sind. Die letzten Arbeitsschritte werden unterschätzt, weil kurz vorher ein Kraftakt bewältigt wurde (zum Beispiel eine Maschine aufgebaut oder eine Software einen Probelauf überstanden hat) und die nachfolgenden Aufgaben vergleichsweise wenig aufwändig erscheinen. Drängen Sie deshalb gerade nach Erreichung größerer Meilensteine darauf, dass die nächsten Aufgaben zügig in Angriff genommen werden. Häufig ist es auch nützlich, für die Schluss-Phase einen eigenen Zeitplan mit allen noch zu erledigenden Teilaufgaben aufzustellen und an das Projektteam zu verteilen.

5 Tipps, wie Sie Projektteams erfolgreich führen

  1. Fragen Sie auch außerhalb der definierten Meilensteine Arbeitsergebnisse ab. Bitten Sie die Team-Mitglieder in regelmäßigen Abständen um einen Termin und legen Sie an dessen Ende konkrete Arbeitsschritte fest.
  2. Interessieren Sie sich nicht nur einfach dafür, ob eine Aufgabe erledigt wurde, sondern auch in welchem Umfang und in welcher Qualität. Sorgen Sie deshalb mit einem formalen Reporting-Sheet dafür, dass Sie aussagefähige Rückmeldungen erhalten.
  3. Verbessern Sie die Effizienz der Projekt-Meetings und halten Sie jeweils am Ende fest, was bis wann von wem erledigt werden muss. Dieses To-Do-Protokoll wird am Anfang des jeweils nächsten Meetings vorgelesen und damit automatisch geprüft, ob die Aufgaben auch wirklich erledigt wurden.
  4. Nutzen Sie den Gruppendruck, um Ihr Projekt voranzubringen. Legen Sie dazu in Rundschreiben und Meetings offen, wer noch welche Aufgaben zu erledigen hat, um den nächsten Meilenstein zu erreichen.
  5. Feiern Sie erreichte Meilensteine, laden Sie zum Frühstück ein oder schenken Sie ein Glas Sekt aus. Das verstärkt das Wir-Gefühl und macht jedem Lust auf die nächsten Teilschritte des Projekts.

Verschwendung: Fehler in der Projektarbeit kosten Milliarden

Fehler bei der Durchführung von Projekten verursachen in der deutschen Wirtschaft jedes Jahr immense Schäden: 78 Prozent der Unternehmen beziffern den finanziellen Schaden auf über zehn Milliarden Euro. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Studie, die das auf Project Management Offices (PMO) spezialisierte Beratungshaus Assure Consulting unter 75 Top-Managern der deutschen Wirtschaft durchgeführt hat.

Der häufigste Projektfehler sind nicht klar definierte Projektziele (71 Prozent). Als zweites relevantes Versäumnis sehen die befragten Experten mit 61 Prozent (Mehrfachnennungen waren erwünscht) unrealistische Zeitvorgaben. Mehr als die Hälfte der Top-Manager (55 Prozent) macht auch mangelnde Abstimmung aller am Projekt Beteiligten für den finanziellen Schaden mit verantwortlich. Mit etwas Abstand folgen laut Assure-Studie auf den Plätzen vier und fünf eine fehlerhafte Kommunikation innerhalb des Unternehmens (45 Prozent) und überlastete Projektleiter (44 Prozent).

Dicht dahinter sehen die Fach- und Führungskräfte aus der deutschen Wirtschaft unrealistische Budgetrahmen (43 Prozent) und eine nicht ausreichend sorgfältig durchgeführte Feinplanung (41 Prozent). Assure Consulting-Geschäftsführer Tim Schmidt konkretisiert  die Ergebnisse der aktuellen Studie:

"Die Ergebnisse der Assure-Studie decken den hohen finanziellen Schaden durch Fehler im Projektmanagement auf. Dies zeigt sich daran, dass 78 Prozent der Top-Manager von Verlusten in zweistelliger Milliardenhöhe ausgehen. Diese Gruppe lässt sich nochmals aufgliedern. Gehen 44 Prozent der Befragten von Verlusten im Bereich von über 10 Milliarden Euro aus, beziffern 34 Prozent den Schaden sogar auf über 100 Milliarden Euro."

Die zehn häufigsten Fehler bei der Durchführung von Projekten nach gegebenen Antworten:

  • Projektziele sind nicht klar definiert (71)
  • Zeitvorgaben sind unrealistisch (61)
  • Mangelnde Abstimmung aller am Projekt Beteiligten (55)
  • Fehlerhafte Kommunikation innerhalb des Unternehmens (45)
  • Projektleiter sind überlastet (44)
  • Budgetrahmen ist unrealistisch (43)
  • Feinplanung erfolgt nicht sorgfältig genug (41)
  • Komplexität des Vorhabens wird unterschätzt (39)
  • Berichtswesen/Reporting funktioniert nicht reibungslos (36)
  • Es fehlt ein Projekt-Cockpit, aus dem heraus das Projekt geteuert wird (36)

[dw; Quelle: Assure Consulting; Bild: fotolia]

Kostenvorteil: Einzelhandel liegt bei der Auslagerung von Geschäftsprozessen vorn

Am häufigsten lagert der Einzelhandel mit rund 67 Prozent der Unternehmen dieser Branche Geschäftsprozesse aus, gefolgt von den technischen Dienstleistern (65 Prozent) und dem Großhandel (58 Prozent). In der Branche Fahrzeugbau ist mit knapp 40 Prozent der Anteil der Unternehmen, die Geschäftsprozesse an externe Anbieter auslagern, am geringsten.

Insgesamt zeigt sich eine etwas höhere Auslagerungsintensität des Dienstleistungssektors. Hier lagern 59 Prozent der Unternehmen Geschäftsprozesse aus, im verarbeitenden Gewerbe hingegen rund 54 Prozent. Dies zeigt eine repräsentative Befragung von rund 4.300 Unternehmen mit mindestens fünf Beschäftigten im verarbeitenden Gewerbe und ausgewählten Dienstleistungsbranchen (Handel, Verkehr und Postdienste, Bank- und Versicherungswesen, EDV- und Telekommunikationsdienstleistungen, technische Dienstleister und sonstige unternehmensnahe Dienstleister), die das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim Anfang 2007 durchgeführt hat.

Die Auslagerungsintensität hinsichtlich der verschiedenen Geschäftsbereiche ist sehr unterschiedlich. Während die Auslagerung von Buchhaltungsaktivitäten und Personalwesen relativ weit verbreitet ist (43 bzw. 27 Prozent), werden Marketing, Beschaffung, Kundenservice und Vertrieb eher weniger an externe Dienstleister vergeben. In allen betrachteten Geschäftsbereichen lagert der Dienstleistungssektor häufiger Geschäftsprozesse aus als das verarbeitende Gewerbe.

Die Intensität der Auslagerung von Geschäftsprozessen nimmt mit zunehmender Unternehmensgröße ab. Während im Dienstleistungssektor 62 Prozent der kleinen Unternehmen mit weniger als 20 Beschäftigten Geschäftsprozesse auslagern, liegt dieser Wert bei den Unternehmen mit 20 bis 249 Beschäftigten bei 48 Prozent und für große Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten bei 32 Prozent. Auch im verarbeitenden Gewerbe ist mit steigender Mitarbeiterzahl eine fallende Tendenz der Auslagerung von Geschäftsprozessen zu beobachten.

Befragt nach den Gründen für die Auslagerung von Geschäftsprozessen, geben 83 Prozent der auslagernden Unternehmen die Fokussierung auf die Kernkompetenzen des Unternehmens als Auslagerungsmotiv an. Aber auch Kosteneinsparungen und die Optimierung von Prozessen spielten bei jeweils mehr als 50 Prozent der Unternehmen eine Rolle. Wesentliche Unterschiede zwischen Dienstleistungssektor und verarbeitendem Gewerbe bei der Entscheidung zur Auslagerung gibt es vor allem bei der Kosteneinsparung. Dieses Motiv spielt für mehr Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe (66 Prozent) als im Dienstleistungssektor (58 Prozent) bei der Auslagerungsentscheidung eine wichtige Rolle.

Hier finden Sie mehr Informationen zur IKT-Umfrage des ZEW und weitere Ergebnisse [171] .

[jf; Quelle ZEW]

Projekt-Portfolio: Welche Projekte sollen durchgeführt werden?

In einer Studie hat der Marktforscher EuPD herausgefunden, dass die meisten Unternehmen nur unzureichendes Ideenmanagement [172] betreiben. Nur wenige fördern aktiv, dass Mitarbeiter Verbesserungsvorschläge entwickeln und diese auch umgesetzt werden. Oft mangelt es nicht nur an neuen Ideen, sondern auch an der Umsetzung. Was soll denn nun gemacht werden, fragen sich viele, wenn sie die lange Liste an Projekten und Maßnahmen sehen.

Hätte man beliebig viele Mitarbeiter und Zeit, könnte man leichtfertig sagen: Alle. Aber viele Erfolgsbeispiele zeigen, dass es nicht nur an knappen Ressourcen liegt, sondern vor allem an der fehlenden Fokussierung. Das meinen auch die beiden Berater von Kepner-Tregoe, Alan P. Brache und Sam Bodley-Scott, in einem Beitrag für Harvard Management Update.

Die Kernfrage muss lauten: Welche Projekte und Initiativen bringen ein Unternehmen wirklich voran? Dabei ist es nach Meinung der Experten besser, fünf Projekte perfekt durchzuführen, als zwölf irgendwie abzuwickeln. Aber was sind die richtigen fünf? Dafür zeigen Brache und Bodley-Scott auf, wie man das optimale Projekt-Portfolio erstellt.

Entwickeln Sie Kriterien, nach denen Projekte priorisiert werden. Ausgangspunkt ist: Was sind die zentralen Ziele des Unternehmens? Daraus werden die Kriterien abgeleitet, nach denen Projektvorschläge bewertet werden.

Wie bei jedem Portfolio sollte man auf die Mischung achten: Projekte, um den langfristigen Erfolg und die Strategieumsetzung zu sichern und Projekte, die kurzfristig ein Problem lösen oder Verbesserungen bringen sollen.

Prüfen Sie: Wie viel Ressourcen – Mitarbeiter, Know-how, Management-Unterstützung, Zeit und Geld – stehen zur Verfügung? Verzetteln Sie diese wertvollen Ressourcen nicht zu sehr.

Sammeln Sie Informationen zu den laufenden und geplanten Projekten. Was sind die Ziele? Wie weit sind die Projekte gediehen? Welche Ressourcen haben sie bereits in Anspruch genommen? Welche werden sie noch benötigen? Blicken Sie auch hinter die Kulissen. So machen Sie sich ein realistisches Bild von dem Projekt-Portfolio in Ihrem Unternehmen, wie es „historisch gewachsen“ ist.

Stellen Sie dann das neue Projekt-Portfolio zusammen. Misten Sie Projekte aus, die ganz offensichtlich keinen Beitrag zu den Zielen leisten oder für die sich im Grunde niemand interessiert. Prüfen Sie, ob sich Projekte zusammenlegen lassen; diese werden in ihren Zielen und Inhalten dann auch viel besser aufeinander abgestimmt. Alle Projekte können Sie anhand des folgenden Rasters bewerten:

  • Erfolgskritisch: Projekte, die unbedingt durchgeführt werden müssen.
  • Wichtig: Projekte, die durchgeführt werden sollen, weil sie einen unmittelbaren Beitrag zu den Zielen leisten.
  • Warteliste: Diese Projekte tragen ebenfalls zu den Zielen bei und werden angegangen, sobald die notwendigen Kapazitäten frei sind.
  • Gestoppt: Werden derzeit nicht durchgeführt, bis sich die Rahmenbedingungen oder die Ziele ändern.

Das Projekt-Portfolio sollte regelmäßig überprüft und überarbeitet werden. Ziele und Bewertungskriterien können sich ändern, Projekte werden abgeschlossen und Ressourcenbedarf und Verfügbarkeit ändern sich ebenfalls. Das muss immer wieder aufeinander abgestimmt und angepasst werden.

Stichwort

Das Projekt-Portfolio eines Unternehmens ist die Menge aller laufenden und geplanten Projekte. Bevor ein Projekt in das Projekt-Portfolio übernommen wird, wird es auf seine Bedeutung und seinen Leistungsbeitrag geprüft. Mit dem Abschluss eines Projekts wird es im Allgemeinen wieder aus dem Portfolio genommen. Für eine bessere Vorausschau und Planung können auch Projekt-Ideen in das Portfolio aufgenommen werden.

[jf]

IT-Outsourcing: Ausgelagert wird im Inland

Insgesamt lassen derzeit gut 64 Prozent der Unternehmen in Deutschland IT-Dienstleistungen wie etwa die Installation von Hard- und Software oder Programmierleistungen ganz oder teilweise von externen Anbietern erbringen. Die Auslagerung von IT-Dienstleistungen über die Landesgrenzen hinweg (IT-Offshoring) wird jedoch relativ selten in Anspruch genommen. Insgesamt nur sechs Prozent der auslagernden Unternehmen lassen IT-Dienstleistungen in anderen europäischen und außereuropäischen Ländern erstellen.

Dies zeigt eine repräsentative Befragung von rund 4.300 Unternehmen mit mindestens fünf Beschäftigten im verarbeitenden Gewerbe und ausgewählten Dienstleistungsbranchen (Handel, Verkehr und Postdienste, Bank- und Versicherungswesen, EDV- und Telekommunikationsdienstleistungen, technische Dienstleister und sonstige unternehmensnahe Dienstleister), die das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung [173] (ZEW) in Mannheim Anfang 2007 mit finanzieller Unterstützung der Landesstiftung Baden-Württemberg durchgeführt hat.

Bei der Auslagerung von IT-Dienstleistungen weist das verarbeitende Gewerbe mit 71 Prozent eine höhere Auslagerungsintensität auf als der Dienstleistungssektor mit 63 Prozent. In der Bank- und Versicherungsbranche sowie in der Chemiebranche lagert mit 83 beziehungsweise 81 Prozent der höchste Anteil an Unternehmen IT-Dienstleistungen aus. Weit unterdurchschnittlich ist hingegen die IT-Auslagerungsdynamik bei den Verkehrsdienstleistern mit 46 Prozent und in der EDV- und Telekommunikationsbranche mit 48 Prozent.

Die IKT-Befragung des ZEW zeigt weiter, dass die Outsourcingintensität für einzelne IT-Dienstleistungen unterschiedlich stark ausgeprägt ist. So lagern gut 49 Prozent der Unternehmen die Installation von Hard- und Software zumindest teilweise aus. Danach folgen Programmierleistungen, die 45 Prozent der Unternehmen an externe Anbieter vergeben. IT-bezogene Beratung und Planung lagern insgesamt 42 Prozent der Unternehmen aus, das Management oder den Betrieb der IT-Infrastruktur 31 Prozent.

Die Auslagerung von Rechenkapazität, wie beispielsweise Application Service Providing (ASP), nehmen hingegen nur knapp 14 Prozent der Unternehmen in Anspruch. Durchgängig für alle Bereiche ist zu beobachten, dass die Outsourcingintensität bei IT mit der Anzahl der Beschäftigten im Unternehmen zunimmt. IT-Dienstleistungen werden relativ selten über die Landesgrenzen hinweg (IT-Offshoring) ausgelagert. Insgesamt lassen lediglich sechs Prozent der Unternehmen der betrachteten Branchen IT-Dienstleistungen in anderen europäischen und außereuropäischen Ländern erstellen.

Dabei dominiert deutlich die Auslagerung in die europäischen Nachbarländer gegenüber der weltweiten Auslagerung. Der IKT-Sektor, der die IKT-Anbieterbranchen aus dem verarbeitenden Gewerbe und den Dienstleistungsbranchen umfasst, ist beim Bezug von IT-Leistungen aus dem Ausland überdurchschnittlich aktiv. Mehr als 12 Prozent der Unternehmen dieses Sektors beziehen Dienstleistungen aus dem Ausland. Zum Vergleich: Das verarbeitende Gewerbe und der Dienstleistungssektor (jeweils ohne die Unternehmen des IKT-Sektors) erreichen Werte von jeweils rund sechs Prozent. Irene Bertschek, Leiterin der Forschungsgruppe Informations- und Kommunikationstechnologien am ZEW, sagt:

"Entgegen der häufig vertretenen Meinung, dass IT-Offshoring weit verbreitet sei, zeigt sich hier, dass die Unternehmen insbesondere aus den IT-Anwenderbranchen beim Bezug ihrer IT-Dienstleistungen auf regionale Nähe setzen."

[dw; Quelle: ZEW; Bild: fotolia]

Loslassen: Changemanagement als Kunst

„Dass dabei so viel rauskommt, hätte ich nicht gedacht“, ist eine häufige Reaktion, wenn Mitarbeiter von Unternehmen erstmals zum Bearbeiten komplexer Themen zu Schere und Klebstoff oder Pinsel und Farben greifen. Dann sind sie in der Regel vom Ergebnis überrascht – sei es, weil das (gemeinsam) entworfene Bild toll aussieht oder weil ihnen bei dessen Erstellen mehr klar wurde als erwartet.

Diese Erfahrung sammeln Unternehmen immer wieder, wenn sie kreative Übungen zum Beispiel in Workshops zur Teamentwicklung integrieren. Oder wenn sie das Instrument „Kunst“ nutzen, um Mitarbeiter für nötige Veränderungen und Anforderungen, die hieraus resultieren, zu sensibilisieren. Wie dies geht, sei anhand eines fiktiven, aber realistischen Beispiels beschrieben:

Ein Unternehmen möchte eine Niederlassung umstrukturieren, um beispielsweise künftig kostengünstiger zu arbeiten. Doch zunächst gilt es, die Führungskräfte der Niederlassung als Mitstreiter zu gewinnen und sie dafür zu sensibilisieren, dass die Umstrukturierung spezielle Anforderungen an sie stellt.  Also lädt die Unternehmensleitung die Führungsmannschaft der Niederlassung zu einem Workshop ein. Dort informiert sie die Anwesenden über ihr Vorhaben und die damit verbundenen Ziele wie zum Beispiel Kostensenkung, um wettsbewerbsfähig zu bleiben. Zudem erläutert der Geschäftsführer oder Bereichsvorstand das geplante Vorgehen.

Bei Veränderungen geht es auch um Emotionen

Soweit ist der Ablauf den Führungskräften vertraut. Doch dann reißt ein Trainer die Anwesenden aus ihrer Routine, indem er zum Beispiel sagt:

„Ich habe hier eine Auswahl von Bildern. Bitte suchen Sie sich das Bild aus, das Ihnen am besten gefällt.“

Die Teilnehmer, die ansonsten primär auf ihren Verstand bauen, sollen sich also plötzlich aus dem Bauch heraus entscheiden, für den Monet oder den Picasso oder das knallrote Ölbild. Das ist bereits für viele eine Herausforderung. Denn plötzlich kommen ihre persönlichen Vorlieben oder Empfindungen ins Spiel. Haben alle Anwesenden ein Bild gewählt, soll jeder kurz erläutern, warum er sich für das betreffende entschieden hat.

Auf diese Weise kommen die Teilnehmer schnell miteinander ins Gespräch,  nicht über Zahlen und Fakten, sondern über Emotionen. Ein wichtiger Schritt, denn wenn es um das Thema Veränderung geht, spielen, trotz aller rationalen Analysen und Planungen, Gefühle und Empfindungen eine zentrale Rolle.

Dann bittet der Trainer die Führungskräfte „ihr“ Bild einem Kollegen zu geben. Dafür erhalten sie dessen Bild. Erst danach erläutert der Trainer, was mit den Bildern geschehen soll: Die Führungskräfte sollen die Bilder ihrer Kollegen in zehn Teile schneiden. Dies stößt meist auf Widerspruch. Auf diese Weise erleben die Führungskräfte hautnah, was es bedeutet, wenn etwas zerstört wird, was man lieb gewonnen hat.

Eine Erfahrung, die Sie und Ihre Mitarbeiter bei der anstehenden Umstrukturierung auch machen werden. Denn dann gilt es sich von lieb gewonnenen Abläufen und Verhaltensmustern – und eventuell sogar Kollegen – zu verabschieden.

Aus Unsicherheit entsteht Sicherheit

Doch dann folgt der nächste Schritt: Die Führungskräfte bekommen fünf Teile ihres Bildes zurück und sollen daraus ein neues Bild entwerfen. Wie sie dabei vorgehen und welche Utensilien sie hierfür zusätzlich nutzen, bleibt ihnen überlassen, ähnlich wie beim Umstrukturieren ihres Bereichs. Die Übung soll die Führungskräfte ermutigen, auch ausgetretene Wege zu verlassen. Sie sollen zudem registrieren: Auch etwas anderes als das Gewohnte kann schön beziehungsweise interessant oder spannend sein.

Zudem sollen die Führungskräfte Verantwortung übernehmen. Denn für das von ihnen geschaffene neue Bild sind nur sie verantwortlich, nicht etwa die Geschäftsleitung oder die unmotivierten Mitarbeiter, die im Alltag oft als Ausflüchte dienen, wenn Ziele nicht erreicht werden. Sind die Bilder fertig, reflektiert der Moderator oder Trainer mit den Teilnehmern, wie sie sich fühlten, als „ihr“ Bild zerstört wurde und als sie ein neues entwarfen. Zumeist antworten Teilnehmer in dieser Phase folgendermaßen:  

„Am Anfang wusste ich nicht so recht, wie ich vorgehen sollte. Doch dann ….“

Sie erkennen also: Unsicherheiten sind normal, wenn Neues geschaffen wird. Zugleich merken sie aber auch: Mit der Zeit gewinnt man neue Sicherheit und je größer sie ist, um so selbstbewusster schreitet man voran, selbst wenn sich zwischenzeitlich manche Teilentscheidung als Fehlentscheidung erweist. Bewusst wird ihnen zudem: Nur wenn ich aktiv werde, also mich nicht verweigere, kann ich das Neue mitgestalten.

Mittels der beschriebenen Collage-Übung lassen sich also die typischen Phasen eines Veränderungsprozesses bildhaft erläutern - von der anfänglichen Abwehrreaktion, über die rationale Akzeptanz der Veränderung, den Abschied vom Alten bis hin zum Einlassen auf das Neue. Doch nicht nur dies: Die Teilnehmer erleben sozusagen im Zeitraffer die Emotionen, die in den verschiedenen Phasen eines Veränderungsprozesses bei Menschen entstehen.

Deshalb können sie, sofern das Erlebte gemeinsam adäquat analysiert und reflektiert wird, später leichter nachvollziehen, wie sich ihre Mitarbeiter im Veränderungsprozess fühlen. Also können sie diese auch besser dabei unterstützten, die Situation zu meistern.

Erinnerungsanker schaffen

Die Collage-Übung sensibilisiert die Führungskräfte aber nicht nur für die Ängste und Unsicherheiten, die ein Wandel mit sich bringt. Sie verankert das Gelernte auch besser in ihrem Gedächtnis, als wenn ihnen dieselben Inhalte nur rational erläutert worden wären. Denn wir erinnern uns stärker und nachhaltiger an Dinge, die wir am eigenen Leib erfahren haben. Deshalb sind in Teamentwicklungsmaßnahmen auch häufig Outdoor-Trainings integriert. Das heißt, die Teilnehmer erhalten zum Beispiel die Aufgabe, gemeinsam ein Floß zu bauen und mit diesem anschließend einen Fluss hinab zu fahren. Oder sie sollen sich gemeinsam über eine Schlucht hangeln.

Das Arbeiten mit künstlerischen Elementen hat jedoch gegenüber solchen Outdoor-Übungen folgende Vorteile:

  • Es können auch Mitarbeiter mitmachen, die nicht sportlich sind oder deren Bewegungsfähigkeit eingeschränkt ist.
  • Es ist kein aufwändiges Equipment nötig.
  • Man ist nicht auf gutes Wetter angewiesen.
  • Die Teilnehmer haben mit dem Bild ein „Produkt“ in der Hand, das sie an die Übung und die gemachten Erfahrungen erinnert.

Letzteres ist vor allem dann von Vorteil, wenn zu einem späteren Zeitpunkt an die gemachten Erfahrungen angeknüpft werden soll. Dies ist zum Beispiel leicht möglich, wenn die Teilnehmer im Workshop gemeinsam ein Bild vom künftigen Unternehmen oder von der künftigen Form der Zusammenarbeit entwerfen.

Dann kann ihr Werk im Besprechungsraum der Firma aufgehängt werden und erinnert die Teilnehmer bei allen Folgebesprechungen an das gemeinsam Erlebte – viel nachhaltiger als ein Protokoll, das beispielsweise anhand von Flipchart-Aufzeichnungen erstellt wurde. Dies schlummert meist in einer Ablage und gerät schnell in Vergessenheit.

Folgen für den Arbeitsalltag

Der Griff zu Farbe, Malpapier oder ähnlichen Materialien lohnt sich meist auch, wenn Themen bearbeitet werden sollen, die im Firmenalltag ansonsten tabu sind. Sollen sie thematisiert werden, kann der Auftrag zum Beispiel lauten: Gestalten Sie gemeinsam eine Landschaft als Metapher für das Team oder die Organisation! Erhält eine Gruppe diesen Auftrag wird meist schnell klar wer welche Rolle im Team inne hat, weil der Betreffende sein (Teil-)Bild ganz anders gestaltet und sich primär selbst verwirklicht statt darauf zu achten, wie sich sein Bild in das Gesamtbild integriert. Hierauf kann dann in der Besprechung eingegangen werden, indem der Trainer sagt:  

„Dieses Bildelement hebt sich von den anderen ab. Überrascht Sie das? Erleben Sie im Alltag ähnliche Situationen? Wie gehen Sie damit um?“

Dass für das gemeinsame Reflektieren des Prozesses und des Erlebten ausreichend Zeit veranschlagt wird, ist für das erfolgreiche Arbeiten mit kreativen Übungen im Rahmen von Veränderungsprojekten beziehungsweise -prozessen sehr wichtig. Denn das (gemeinsame) Malen und Basteln ist kein Selbstzweck. Es ist ein Instrument, um den Teilnehmern Erfahrungen und Erkenntnisse zu vermitteln, die sie im Arbeitsalltag brauchen.

Kontakt:
Elke Pfeifer-Nagel
Unternehmensberatung Dr. Kraus & Partner
Tel.: 07251-989034
E-Mail: info@kraus-und-partner.de [174]
Web: www.kraus-und-partner.de [175]

Projektmanagement: Ohne Controlling laufen Projekte aus dem Ruder

Budgetvorgaben überschritten, Terminverzug angekündigt, Auftraggeber unzufrieden – viele Projektleiter kennen solche Probleme, mit denen sie tagtäglich zu kämpfen haben. Dabei ist das Projektmanagement zu einem weit verbreiteten Instrumentarium geworden, um Aufgaben zu bewältigen und Lösungen für ein Unternehmen zu entwickeln. Doch ein wichtiger Baustein wird dabei immer noch vernachlässigt: Das Projekt-Controlling.

„Bei Organisationsprojekten ist oftmals das Budget gar nicht erst bekannt, Termine werden nicht geplant und Projektleiter arbeiten, ohne sich selbst über ihre eigenen Kompetenzen im Klaren zu sein.“

Das weiß die Projektmanagement-Expertin Berta C. Schreckeneder aus Erfahrung. Das Projekt-Controlling leidet also schon unter unklaren Zielvorgaben und Rahmenbedingungen. Dabei spielen im Wesentlichen nur drei Erfolgsfaktoren eine Rolle:

  • Leistung: Wird das gewünschte Ergebnis erzielt? Entspricht es den Anforderungen des Auftraggebers?
  • Kosten: Wie hoch sind die Kosten oder der Aufwand, die für das Projekt benötigt werden? Bleibt das Projekt im Rahmen des Budgets?
  • Termin: Werden die vorgegebenen Termine eingehalten, bis zu denen die Ergebnisse vorliegen sollen und das Projekt abgeschlossen sein soll?
Leistungen, Kosten und Termine als das magische Dreieck im Projektmanagement
Das magische Dreieck im Projektmanagement

Erste zentrale Aufgabe des Auftraggebers und des Projektleiters ist es demnach festzulegen, welche Ergebnisse das Projekt liefern soll, welches Budget dafür zur Verfügung steht und wann die Ergebnisse vorliegen sollen. Daraus leitet sich dann auch die zentrale Aufgabe des Projekt-Controlling ab: Es muss sicherstellen, dass diese Vorgaben eingehalten werden.

Nach den Standards des Project Management Instituts, wie sie im „Project Management Body of Knowledge“ festgehalten sind, heißt es:

Die Überwachungs- und Steuerungsprozesse [das Projekt-Controlling] dienen der Beobachtung der Ausführung des Projekts, „sodass potenzielle Probleme rechtzeitig festgestellt werden können und bei Bedarf Korrekturmaßnahmen ergriffen werden können, um die Ausführung des Projekts zu steuern.“

Auch in der DIN 69904 „Projektmanagementsysteme, Elemente und Strukturen“ vom November 2000 wird das Projekt-Controlling entsprechend beschrieben. Zusammenfassend lässt sich folgende Definition ableiten:

Stichwort

Projekt-Controlling ist im Rahmen des Projektmanagements der Prozess, den tatsächlichen mit dem geplanten Ablauf eines Projekts bezüglich Leistungen, Kosten und Termine zu vergleichen, Abweichungen zu analysieren, mögliche Alternativen zu beurteilen und angemessene Maßnahmen zur Gegensteuerung oder zur Anpassung der Ziele zu ergreifen.

Wer macht Projekt-Controlling?

Projekt-Controller jonglieren Kosten, Termine und Qualität

Je nach Größe des Projekts und Standards, die im Unternehmen gepflegt werden, können unterschiedliche Personen das Controlling übernehmen. Der Projektleiter muss immer wissen, wie sein Projekt läuft. Er ist also ganz besonders auf die Ergebnisse des Controllings angewiesen. Aus diesem Grund übernimmt er in vielen Fällen selbst diese Aufgabe.

Bei größeren Projekten steht im dabei vielleicht ein Projekt-Controller zur Seite. Er sammelt alle Informationen, bereitet sie auf, weist auf Abweichungen oder Risiken hin und berät den Projektleiter und die Teammitglieder, welche Maßnahmen zur Verbesserung ergriffen werden können.

Schließlich ist es auch möglich, dass Spezialisten das Controlling übernehmen. Sie können aus der Controlling-Abteilung des Unternehmens stammen oder sogar von externen Dienstleistern angeheuert werden.

Beispiel Union IT Services GmbH

Die IT-Tochter der Fondsgesellschaft Union Invest muss regelmäßig ein ganzes Bündel von Projekten gleichzeitig durchführen und managen. Aus diesem Grund hat das Unternehmen sein Projekt-Controlling zentral organisiert. Es unterstützt und informiert dabei den Projektleiter, die Projektkoordinatoren, die Fachmanager, die Lenkungskreise und auch den Vorstand direkt über die Projekte. Dazu werden die jeweils notwendigen Informationen im Rahmen eines organisierten Berichtswesens spezifisch zusammengestellt und aufbereitet.

[Quelle: http://www.ropardo.de [176] ]

Aufgaben des Projekt-Controllings

Das Projekt-Controlling ist schon vor Beginn des eigentlichen Projekts wichtig. Es kann sich bereits in die Verhandlung zwischen Auftraggeber und Projektleiter einschalten. So wird beispielsweise überprüft, ob die Zielvorgaben und Rahmenbedingungen realistisch sind. Grundlage dafür sind oft Erfahrungen aus früheren Projekten. Das Projekt-Controlling gibt damit wichtige Impulse für die Projektplanung.

In jedem Projekt stecken auch Risiken. Leistungs- und Know-how-Träger können ausfallen, Lieferanten können unzuverlässig sein, der Auftraggeber ändert plötzlich seine Anforderungen und vieles mehr. Eine besonders wichtige Aufgabe des Projekt-Controllings ist es deshalb, solche Projektrisiken zu erkennen und sichtbar zu machen. Zudem sollte es diese Risiken bewerten und Maßnahmen vorschlagen, wie sie begrenzt werden können.

In der Zeit, in der das Projekt durchgeführt wird, werden dann regelmäßig Ist-Stand und Planungsvorgaben miteinander verglichen. Das betrifft insbesondere die Aspekte der Projektergebnisse, Budgeteinhaltung und Termineinhaltung. Dazu werden die entsprechenden Daten zusammengetragen und ausgewertet. Abweichungen werden dokumentiert und gegenüber dem Projektleiter oder anderen betroffenen Personen berichtet.

Gleichzeitig kann das Projekt-Controlling weitere Einflussfaktoren überwachen:

  • Wie sind die zu Beginn beschriebenen Risiken einzuschätzen? Ist ein konkreter Schadensfall eingetreten? Welche Abwehrmaßnahmen oder Korrekturen sind notwendig?
  • Wie stehen die externen Stakeholder zum Projekt? (Das können beispielsweise Auftraggeber, Geschäftsleitung, Kunden, Betriebsrat oder Kollegen sein.) Wie bewerten sie die vorliegenden Ergebnisse? Haben sie ihre Meinung zum Projekt oder zum Projektteam geändert? Was sind die Gründe dafür?

Die Ergebnisse aller Analysen sollten dokumentiert werden. Das kann im Rahmen der Projektberichterstattung erfolgen. Die Teammitglieder berichten dem Projekt-Controlling vom Fortschritt ihrer Arbeiten. Der Projekt-Controller fasst die Ergebnisse zusammen und vergleicht den Ist-Stand mit der Planung. Das berichtet er an seinen Projektleiter, Auftraggeber oder den Lenkungskreis.

Instrumente des Projekt-Controllings

Die Terminkontrolle ist meist eine der größten Probleme im Projektmanagement. Oft hat man sich bei der Planung verschätzt oder es kommt zu Schwierigkeiten, ungeplanten Ereignissen und die zugesagten Termine können nicht eingehalten werden.

Der Projektmanagement-Experte Tom DeMarco rät deshalb, bei der Terminplanung immer mit Puffern zu arbeiten. Er gibt keine fixen Endtermine an, sondern wahrscheinliche – und erläutert, bis zu welchem Zeitraum, nicht Zeitpunkt, eine Projektaufgabe erfüllt sein kann. Das schafft Flexibilität, aber auch mehr Planungssicherheit, dass es dann auch tatsächlich klappt.

Am einfachsten ist es, die Termine für die wichtigen Aufgaben und Arbeitspakete eines Projekts in einem Projekt-Zeitplan oder Balkendiagramm festzuhalten. Manche arbeiten auch mit komplexen Netzplänen. Immer ist wichtig: Meilensteine definieren und für sie den frühesten und spätesten Endtermin anzugeben.

Das Projekt-Controlling kann sich dann mit sogenannten Meilensteintrendanalysen immer einen schnellen Überblick verschaffen.

Meilensteintrendanalyse

Mit der Meilensteintrendanalyse Terminverzug erkennen

Im Rahmen der Projektplanung wird festgelegt, welche Ressourcen für die Durchführung zur Verfügung stehen. Das Projekt-Controlling überwacht mit der Aufwands- und Kostenkontrolle, ob diese Vorgaben eingehalten werden.

Im Projekt können unterschiedliche Kosten anfallen: Sachmittelkosten, Materialkosten, externe Beratungskosten oder Kosten für die Nutzung von Maschinen und Anlagen. Von besonderer Bedeutung: die Personalkosten für die Projektmitarbeiter. Sie machen meist den größten Teil der gesamten Projektkosten aus.

Grundlage für die Analyse der Personalkosten ist die Stundenaufschreibung der einzelnen Projektmitarbeiter. Damit diese ein verlässliches Bild abgeben, müssen folgende Kriterien eingehalten werden:

  • Genauigkeit,
  • Vollständigkeit und
  • Ehrlichkeit.

Im Vorfeld ist genau zu definieren, welche Kosten einem Projekt zugeschrieben werden können. Darauf aufbauend kann eine Trendanalyse einen schnellen Überblick über den Kostenverlauf und Soll- und Ist-Abweichungen geben.

Trendanalyse mit Soll-/Ist-Abweichungen

Mit der Kostenverlaufsanalyse den Kostenverzehr im Blick behalten

(Annahme des gleichmäßigen Kostenverzehrs während des Betrachtungszeitraums)

Es reicht nicht, die verbrauchten Stunden zu ermitteln und daraus abzuleiten, dass damit auch die entsprechenden Leistungen erbracht wurden. Aus diesem Grund muss eine gesonderte Überwachung von Sachfortschritt und Qualität erfolgen. Dieser kann nicht immer quantitativ ermittelt werden. Je nach Projektart und Projektergebnis müssen spezifische Kriterien definiert werden, anhand derer eine Beurteilung des Projektfortschritts und der Leistung erfolgen kann. Mögliche Methoden zur Beurteilung sind:

  • Qualitativer Abgleich von Zielen, Erwartungen und Leistungen,
  • Abnahmen durch den Auftraggeber,
  • Durchführung von Testverfahren,
  • Einschätzung des Fertigstellungsgrads durch Projektmitarbeiter, Auftraggeber oder externe Experten,
  • Durchführung von Projekt-Audits oder Projekt-Evaluationen.

Der Einfachheit halber wird im Rahmen des Projekt-Controllings der Projektfortschritt oder die bereits erbrachte Leistung in Prozent der Leistung angegeben, die am Ende vom Auftraggeber erwartet wird. Dieser Wert wird auch als Fortschrittsgrad bezeichnet.

In den letzten Jahren haben Unternehmen ein neues Konzept entwickelt, dass die Qualität der Projekt-Ergebnisse sicherstellen soll: die sogenannten Quality Gates. Danach werden an wichtigen Stellen im Projektablauf, beispielsweise bei besonderen Meilensteinen, Quality Gates eingerichtet. Es werden konkrete Kriterien festgelegt, die erfüllt sein müssen, bevor das Projekt in seine neue Phase treten kann – die „Qualitätstür“ also durchschreiten kann. Die Kriterien ergeben sich im Allgemeinen aus den Anforderungen des Auftraggebers. Sie können in einem Lasten- oder Pflichtenheft beschrieben sein und werden dann systematisch geprüft.

Stichwort

ISO 10006: Qualitätsmanagement in Projekten

Bei dieser internationalen Norm geht es darum, Methoden des Qualitätsmanagements auch in Projekten anzuwenden. Sie ist als Referenzmodell zu verstehen und muss meistens auf das spezifische Projekt angepasst werden.

Herausforderungen für das Projekt-Controlling

Im Projekt-Alltag kämpft das Projekt-Controlling immer wieder mit einigen Widrigkeiten. Obwohl alle Experten meinen, es täte not, würde wesentlich dazu beitragen, dass Projekte erfolgreich sind, und helfe zudem, dass Kosten und Termine eingehalten werden – gleichwohl wird es oft stiefmütterlich behandelt.

Zwei Kernprobleme zeigen sich immer wieder:

  • Das Controlling ist nur so gut, wie die Informationen, die ihm zur Verfügung stehen. Doch es ist schwierig, vom Projektleiter und seinen Teammitgliedern alle notwendigen Informationen zu erhalten. Sie liefern manchmal gar nicht, manchmal unvollständig oder sehr spät und manchmal liefern sie sogar falsche Daten.
  • Denn es besteht die Versuchung der Schönfärberei. Sachverhalte werden positiv dargestellt, obwohl es schwerwiegende Probleme gibt. Auch das Projekt-Controlling selbst ist immer in Versuchung, gegenüber Projektleiter oder – mehr noch – gegenüber Auftraggeber die Situation so darzustellen, als sei alles „im grünen Bereich“. Man selbst hofft, die Probleme noch rechtzeitig wieder in den Griff zu bekommen und will sich nicht so schnell der Kritik aussetzen.

Solche Verhaltensweisen schaden nicht nur dem Unternehmen, sondern auch dem Projekt und seinen Mitwirkenden selbst. Sie haben dann keine Grundlage, um den Ablauf noch zu steuern. Die Probleme werden sich sehr wahrscheinlich verschärfen.

Hilfreich kann sein, wenn Controlling-Software eingesetzt werden kann, die zum einen eine systematische Vorgehensweise unterstellt und zum anderen einfache Auswertungen und Übersichten zur Verfügung stellt. Am Markt gibt es eine Vielzahl von Produkten. Sie reichen von einfachen Office-Anwendungen (hauptsächlich Excel) bis hin zum Projekt-Controlling mit SAP.

Nicht selten wird beim Einsatz solcher Techniken „mit Kanonen auf Spatzen“ geschossen. Der große Funktionsumfang und die aufwendige Systematik machen es erforderlich, dass sehr viel Zeit in die Pflege der Daten und die Bedienung des Systems investiert wird. Hier müssen der Projektleiter und der Projekt-Controller den richtigen Weg finden. Projekt-Controlling ist immer eine Hilfe für das Projektmanagement und kein Selbstzweck.

Links und weiterführende Informationen

Weiterführende Informationen zum Thema Projekt-Controlling finden Sie unter:

http://www.projektmagazin.de/glossar/... [177]

http://www.pm-handbuch.com [178]

Eine Buchempfehlung ist:

Burghardt, Manfred: Projektmanagement

Vorteil: Familienfreundlichkeit verbessert das Image der Unternehmen

Gastbeitrag von Gabriele Strasser, Projektleiterin des Serviceportals mittelstand-und-familie.de, Berlin*

Früher galten Kinder in vielen Firmen als Privatangelegenheit der Beschäftigten. In letzter Zeit erkennen immer mehr Arbeitgeber, dass auch die Arbeitsleistung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leidet, wenn die Kinderbetreuung nicht gesichert ist. Als Hilfestellung bieten sie ihren Beschäftigten unter anderem eine Inhouse-Betreuung an, bei der diese ihre Kinder im Bedarfsfall mit in die Firma bringen können. Eine Inhouse-Betreuung kann unter anderem in folgenden Fällen eine wertvolle Entlastung sein:

  • wenn die reguläre Betreuung ausfällt
  • wenn die Betreuung nicht vollständig die Arbeitszeiten abdeckt
  • in den Schulferien
  • bei beruflichen Terminen außerhalb der regulären Arbeitszeit, zum Beispiel Fortbildungen

Für die gelegentliche Kinderbetreuung genügt oft ein Raum oder eine Ecke mit Spielsachen, wo sich die Kinder aufhalten können und sich wohl fühlen. Viele Firmen haben die Inhouse-Betreuung bereits als effektives Mittel kennengelernt, um Fehlzeiten durch Betreuungsengpässe zu reduzieren. Ein mittelständisches Unternehmen, welches sie seit Jahren anbietet, ist die Logiline Systeme GmbH in Stadthagen. So steht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Kind ein Kinderzimmer mit Kinderbett zur Verfügung. Auch beim Steuerbüro Knollenborg & Partner in Lingen gibt es eine Spielecke für die Kinder der Beschäftigten sowie der Mandanten.

Betriebskita als besonderer Service

Spielende Kinder
Plus bei der Suche nach Arbeitskräften: Firmeneigene Kindertagesstätten

Mit einer betriebseigenen Kinderbetreuungseinrichtung lässt sich die Betreuung genau an die Anforderungen des Unternehmens anpassen, zum Beispiel hinsichtlich der Zeiten. Immer mehr kleine und mittlere Unternehmen entscheiden sich für die so genannte Betriebskita, besonders in Regionen mit nur wenigen öffentlichen Betreuungsplätzen. Eine betriebseigene Einrichtung ist mit einem gewissen Aufwand verbunden. Der Nutzen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer ist jedoch immens – vor allem, wenn dort auch sehr kleine Kinder betreut werden. Ein Umstand, der die Entscheidung über die Dauer der Elternzeit wesentlich zu Gunsten des Unternehmens beeinflussen kann. Auch im Wettbewerb um begehrte Arbeitskräfte können Arbeitgeber mit einem familienfreundlichen Angebot punkten. Schließlich bringt ein derart hohes Engagement seitens der Firmen auch einen Imagegewinn. Das Marburger EDV-Systemhaus Inosoft betreibt seit mehreren Jahren die Einrichtung „INO-Zwerge“, in der zurzeit acht Kinder betreut werden. Karin Batz, Vorstand Personal und Finanzen bei der Inosoft AG, ist von dem Angebot überzeugt:

„Das Glück, die INO-Zwerge im Garten schreien, toben und im Matsch herumwatscheln zu sehen, kann mir niemand durch Geld ersetzen. Der Nutzen betrieblicher Kinderbetreuung liegt sicher in der Zukunft, messen möchte ich ihn aber nicht.“

Ferien: Mit gezielten Angeboten Krisenzeiten entschärfen

Die Schulferien sind für Beschäftigte mit Kindern und für Arbeitgeber oft eine kritische Zeit. Denn nicht nur Schulen und viele Kindertagesstätten sind dann geschlossen und die Beschäftigten stehen vor dem Problem, eine verlässliche Kinderbetreuung zu organisieren. Mit betrieblichen Ferienprogrammen können Unternehmen ihre Beschäftigten gerade in dieser Zeit entscheidend unterstützen und Konflikte vermeiden. Für Unternehmen lohnen sie sich allemal: Auf diese Weise können sie ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dem Arbeitsanfall entsprechend und flexibel einsetzen. Mit folgenden Möglichkeiten können Arbeitgeber ihre Beschäftigten in den Ferien entlasten:

  • Hilfe bei der Suche nach Ferienangeboten vor Ort, zum Beispiel von Kirchen, Vereinen oder kommerziellen Trägern
  • Kooperation mit lokalen Anbietern
  • Organisation eines eigenen Programms auf dem Firmengelände

Eltern ist oft sehr damit gedient, wenn sie – im Rahmen der betrieblichen Anforderungen – mitbestimmen können, wann und wo sie arbeiten. Viele Arbeitgeber mittelständischer Betriebe erlauben ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern daher, eine längere Mittagspause zu machen, um das Kind nach der Schule zu betreuen, wenn sie dafür abends länger arbeiten. Eine weiteres flexibles Arbeitszeitmodell stellen Telearbeitsplätze dar. Beim Beratungsunternehmen Particip GmbH in Freiburg können die Beschäftigten beispielsweise ihre Aufgaben auch von zu Hause aus erledigen - moderne Telekommunikationstechnik macht es möglich. Auch innovative Teilzeitmodelle fernab vom klassischen Halbtagsjob sind im Kommen, zunehmend auch für Väter und Führungskräfte. Das alte Vorurteil, dass sich Karriere und Teilzeit ausschließen, gilt längst nicht mehr überall. Auch Arbeitgeber erkennen den Nutzen von Teilzeitmodellen. So kann Teilzeitarbeit dazu beitragen, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter früher wieder aus der Elternzeit zurückkommen und dem Betrieb länger treu bleiben.

Profitable Lösung: Der Kinderbetreuungszuschuss

Auch für Betriebe, die keine eigene Kinderbetreuung anbieten können oder deren Möglichkeiten zur Flexibilisierung begrenzt sind, gibt es eine einfache Möglichkeit der Unterstützung von Beschäftigten: den Kinderbetreuungszuschuss. Er kann allen Beschäftigten mit Kind gewährt werden. Sofern der Zuschuss für die Betreuung nicht-schulpflichtiger Kinder außer Haus, beispielsweise bei einer Tagesmutter oder in einer Einrichtung verwendet wird, ist er sogar steuer- und sozialversicherungsfrei.

Hinweis

Das Serviceportal www.mittelstand-und-familie.de [179] bietet Informationen und Beratung zu Work-Life-Balance. Dieses Projekt wurde im Juni 2005 im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie der Bertelsmann Stiftung initiiert und wird durch den Europäischen Sozialfonds gefördert. Kleine und mittlere Unternehmen erhalten in dieser virtuellen Personalabteilung alle relevanten Umsetzungshilfen. Beschäftigte können sich informieren, welche Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben in Zusammenarbeit mit dem Arbeitgeber möglich sind.

*Kontakt:
Gabriele Strasser
pme Familienservice GmbH
Flottwellstraße 4-5
10785 Berlin
Tel.: 030-26393570
E-Mail: berlin@familienservice.de [180]
Web: www.familienservice.de [181]

[Bilder: pixelio]

Dauerbrenner: Warum Wissensmanagement immer noch wichtig ist

„Wissen ist kein Selbstzweck. Mittelständlern geht es nicht um Wissen, sondern um ihr Geschäft.“

Wissensmanagement
Mitarbeiter managen ihr Wissen.

Das sagt Rainer Weichbrodt Geschäftsführer der brühne gruppe in Dortmund. Damit bringt er so manche Vorbehalte gegenüber diesem schwer greifbaren Konstrukt „Wissensmanagement“ auf den Punkt. Denn viele Experten des Wissensmanagements ließen in den letzten Jahrzehnten meistens den Eindruck aufkommen, dass es ein Selbstzweck sei. Sie stellten hohe Anforderungen an Mitarbeiter und Organisationen und entwickelten Lösungen, die kaum jemand beherrschte.

Wissensmanagement ist kein Selbstzweck

Gleichwohl ist unbestritten: Der überwiegende Teil der Wertschöpfung in hoch entwickelten Volkswirtschaften basiert auf dem Rohstoff „Wissen“. Experten schätzen, dass der Anteil bei über 60 Prozent liege. Das weiß auch Rainer Weichbrodt, der in seinem Unternehmen zahlreiche Aktivitäten initiiert, die den Wissenserwerb und den Austausch unter den Mitarbeiter fördert.

Stichwort

Wissensarbeit ist eine menschliche Tätigkeit, die nicht auf der Anwendung fertigen Wissens, sondern auf der Revidierung und Erneuerung sowie die Kombination gegebener Informationen setzt. Diese Art der Wissensarbeit soll die Lösung von neuen Aufgaben oder Probleme ermöglichen.

[Quelle: Christiane Zehrer, Wissen managen im Web 2.0 [182] ]

Wissen und Wissensmanagement sollen Zweck und Werkzeug sein, um die eigenen Ziele zu erreichen. Somit ist es eine Selbstverständlichkeit. Es geht gar nicht anders: Jede Organisation betreibt Wissensmanagement. Die Frage ist nur: Wie effektiv und effizient sie das tut.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie hat in mehreren Studien festgestellt, dass nur wenige Unternehmen zielgerichtetes Wissensmanagement betreiben. Gerade bei kleinen und mittelständischen Unternehmen liege vieles im Argen, sagen die Macher der Studien. Anlass für den Minister, die Programme „WissensMedia“ und „Fit für den Wissenswettbewerb“ zu starten und innovative Lösungen zu fördern. Jetzt sind die Projekte beendet und Erfolgsbeispiele zeigen, wie unterschiedlich die Lösungen für modernes Wissensmanagement aussehen können.

Beispiel brühne gruppe: Gewinner des BestPractice-IT Award 2006 im Bereich Wissensmanagement

Die brühne gruppe begann sehr früh damit, verschiedene Wissensmanagement-Aktivitäten einzuführen. Bereits im Jahr 1990 wurde mit „brühne 2000“ ein Konzept verabschiedet, das die Verbesserung von Soft Skills beinhaltete. In der Folgezeit ging es vor allem um die:

  • Erneuerung der Informations- und Kommunikationstechnologie,
  • Einführung mehrerer Management-Systeme (EFQM, Balanced Scorecard, ISO),
  • Einführung des selbst entwickelten Management-Experten-Systems PAMELA (planen, agieren, messen, erklären, lernen, Annahmen treffen).

Die brühne gruppe setzte sich zum Ziel, eine lernende Organisation zu werden. Eines der Schlüsselelemente dafür ist heute die „Wissens-Community“. Zu ihrer technologischen Unterstützung setzt man ein kostenloses Content-Management-System ein. Als virtuelle Kommunikations- und Wissensplattform ermöglicht es den standortübergreifenden Informationsaustausch in Echtzeit.

Doch die Technologie ist nicht alles - man sieht sie als unterstützendes Element. Denn beim Wissensmanagement legt brühne vor allem Wert auf den Menschen und die Organisation.

[Quelle: BMWi, Wissensmanagement in kleinen und mittleren Unternehmen und öffentlicher Verwaltung, 2007]

Wissensmanagement ist vor allem eine Frage der Unternehmenskultur

Die meisten Unternehmen haben erkannt, dass Technik für Wissensmanagement eine untergeordnete Rolle spielt. Entscheidend ist die Unternehmenskultur. Die zentrale Frage lautet: Sind alle Mitarbeiter in ihrem Unternehmen bereit, ihr Wissen an Kollegen weiterzugeben? Und sind sie bereit, fremdes Wissen als wertvoll zu betrachten und aufzugreifen?

Wenn die grundsätzliche Bereitschaft, Wissen zu managen, vorhanden ist, können viele Instrumente eingesetzt werden. Zunächst gilt es, die organisatorischen Rahmenbedingungen zu gestalten:

  1. Wissen erwerben und weitergeben funktioniert nur, wenn die Personen miteinander sprechen. Sie müssen die Erlaubnis und die zeitlichen Ressourcen haben, um sich zu treffen und Informationen auszutauschen. Worauf es ankommt, ist die effiziente und effektive Gestaltung solcher Besprechungen und Treffen. Wenn diese schlecht gestaltet sind, haben alle das Gefühl, ihre Zeit verschwendet zu haben.
  2. Personen müssen Zugang haben und berechtigt sein, um auf alle Informationen zugreifen zu können. Dazu zählt der Zugriff auf firmeninterne Informationen in Datenbanken genauso wie der Internet-Zugriff oder ein Seminarbesuch.
  3. Es können spezifische Regeln für den Wissensaustausch entwickelt werden. Wer muss wen, wann, worüber und warum informieren? Einige Regeln können durch klar beschriebene Prozesse, Formulare oder gar durch Handbücher unterstützt werden.
Wissensmanagement
Wissensmanagement ist gemeinsame Interpretation von Informationen.

Der persönliche Austausch von Wissen und das Einhalten der Regeln können durch technische Instrumente unterstützt und ergänzt werden. Wichtig ist, dass die Technik immer nur Daten und Informationen transportieren kann. Wissen ist, was der Nutzer daraus macht. Dies setzt eine Interpretationsleistung voraus. Um Daten und Informationen richtig interpretieren zu können, müssen die Nutzer kombinieren, Informationen verknüpfen, bewerten und sich mit anderen darüber austauschen. Sie müssen sich den Kontext erschließen. Das ist der Grund, weshalb Kommunikation (face-to-face, Telefon, E-Mail) so wichtig ist.

Beispiel Wissensgemeinschaften (Knowledge Communities) im Krankenhaus

Im Projekt know-IT wurde das Wissensmanagement im Krankenhaus neu organisiert. Ziel war es, vorhandene Wissenspotenziale in den Köpfen der Verwaltungsmitarbeiter, Ärzte und Pflegenden ebenso wie das Wissen in Akten und Datenbanken zu erschließen, zu strukturieren und den Informationen suchenden Anwendern problemorientiert zur Verfügung stellen. Erforderliches neues Wissen wurde durch Communities generiert.

In sogenannten Process Owner Communities wurden prozessbezogene Arbeitsgruppen gebildet, die je nach Aufgaben und Arbeitsschritte der jeweiligen Prozesse abteilungs- und hierarchieübergreifend zusammengesetzt waren aus Ärzten, Pflegenden oder Verwaltungsmitarbeitern, die informell miteinander verbunden waren.

Die Communities bilden das Funktionswissen wie Operationstechniken und das Prozesswissen wie die Beschreibung einzelner Arbeitstätigkeiten und deren Verknüpfung mit anderen Prozessen und Schnittsellen ab. Durch die Anerkennung eines Expertenstatus innerhalb einer Community konnte die Bereitschaft Wissen zur Verfügung zu stellen, erhöht werden.

Communities verbessern damit die Teamergebnisse und schaffen einen Raum, kontextgebundenes implizites Wissen (Erfahrungswissen) auszutauschen.

[Quelle: BMWi, Wissensmanagement in kleinen und mittleren Unternehmen und öffentlicher Verwaltung, 2007]

Wer Wissensmanagement einführen will, muss einige Hürden überwinden. Die Mitarbeiter – auf die kommt es an – machen nur mit, wenn sie persönlich einen Vorteil darin erkennen: Bessere Leistungen, einfachere Abläufe sowie Lob und Anerkennung können einen Beitrag dazu leisten.

Probleme der Wissensbeschaffung

Wissensbeschaffung ist teuer. Sie kostet immer Zeit und Geld. Darüber hinaus gibt es auch spezifische Problematiken:

  • Neues Wissen kommt sehr oft mit neuen Mitarbeitern ins Unternehmen. Diese haben durch ihre Ausbildung, ihr Studium oder ihre bisherige berufliche Tätigkeiten Wissen und Erfahrungen sammeln können, die sie nun mitbringen. Hier müssen die Unternehmen Rahmenbedingungen schaffen, dass dieses Wissen auch eingesetzt wird.
  • Eigene Mitarbeiter eines Unternehmens können auf Seminare geschickt werden, oder es können externe Berater beauftragt werden. In großen Unternehmen gibt es zentrale Abteilungen für die Informationsbeschaffung. Meistens machen sich die Mitarbeiter selbst auf die Suche, wenn sie neues Wissen brauchen. In der Praxis ist all das aber wenig aufeinander abgestimmt.
  • Großes Hemmnis für alle: Im Arbeitsalltag fehlt die Zeit, sich neues Wissen zu beschaffen. Man bleibt beim Bisherigen, fragt den Kollegen oder wurstelt sich durch.

Probleme der Wissensaneignung

Wissen ist dann von Wert, wenn es in Aktion umgesetzt wird, wenn es handlungsrelevant wird. Alle Mitarbeiter in einem Unternehmen sollten das vorhandene Wissen auch nutzen. Voraussetzung ist, dass sie es zu ihrem eigenen machen. Dies bedarf der Motivation, der Kompetenz und der Zeit.

  • Wissen muss so aufbereitet werden, dass es die Motivation der Mitarbeiter nicht mindert, sich dieses anzueignen und anzuwenden. Wissensaneignung muss einen echten Nutzwert haben und im Idealfall sogar Spaß machen.
  • Wissen muss für die Mitarbeiter zu verstehen sein. Sie müssen die kognitiven Kompetenzen mitbringen, oder die Wissensvermittlung (als Teil der Wissensaneignung) muss sich an den vorhandenen Kompetenzen orientieren.
  • Wissensaneignung findet in den Unternehmen meistens unter Zeitdruck statt. Mitarbeiter haben schnell und zuverlässig eine Aufgabe zu erfüllen. Wie umfangreich und nachhaltig können sie sich dabei das notwendige Wissen aneignen?

Technik als Hilfe zur Überwindung der Hürden

Oft ist sind die organisatorischen Regelungen zu restriktiv und die Technik zu komplex. Das schreckt viele Mitarbeiter ab, sich am Wissensmanagement zu beteiligen. Wenn die Akzeptanz fehlt, ist das gesamte System zum scheitern verurteilt.

Das ist einer der Gründe, weshalb gerade einfache Techniken zur Wiederbelebung des Wissensmanagements in den letzten Jahren beigetragen haben. Das Internet hat vieles möglich gemacht und zahlreiche Anstöße geliefert. Doch auch hier hat sich mit Content Management Systemen, Workflow Systemen, Dokumenten Management oder E-Learning einige Ernüchterung breit gemacht.

Viele große Unternehmen setzen solche Systeme ein und haben dabei ganz unterschiedliche Erfahrungen mit der Akzeptanz durch die Mitarbeiter gemacht. Sehr oft sind sie enttäuschend. Kleine Unternehmen setzen immer noch auf die klassischen Formen des Wissensmanagements: Kollegen fragen, E-Mail versenden, zum Telefonhörer greifen, Dokumente im Datei-Manager ablegen. Dazwischen ist die technologische Barriere.

Technische Lösungen im Wissensmanagement

Ein Kernelement aller Systeme ist die Suche (Retrieval): Was einmal im System abgelegt wurde, soll auch wieder gefunden werden. Logik und Denkweise der Mitarbeiter unterscheiden sich dabei sehr, sodass ohne eine ausgereifte Suchtechnologie und unterstützende Systeme sehr schnell viel Wissen verloren geht. Zwar nutzen heutzutage fast alle Google oder andere Internet-Suchmaschinen, doch auch diese Rechercheform will gelernt sein. Wieder suchen die Technikexperten nach Lösungen: Dazu gehören die Entwicklungen rund um das semantische Web.

Systeme des Wissensmanagements: Web 2.0

Neuerdings setzen die Wissensmanager große Hoffnungen in das sogenannte Web 2.0: Wikis, Blogs, Feed-Funktionen, Tagging und andere interaktive Anwendungen sollen neue Impulse verleihen. Was sie auszeichnet: Sie sind sehr einfach zu nutzen. Doch auch hier stellt sich die Frage: Werden sie von den Mitarbeitern in den Unternehmen wirklich genutzt? Oder doch nur ein neuer Hype?

„Herkömmliche Wissensmanagement-Software war an ihrer eigenen Komplexität gescheitert.“

Davon ist Johannes Kleske überzeugt, der für das Fraunhofer NOC in Karlsruhe ein Wissensmanagement-System entwickelte, das vor allem eines sein sollte: einfach und nutzerorientiert. Seine Lösung:

  • Feeds: Sie helfen dabei, sich schnell über interne und externe Informationsquellen zu informieren;
  • gruppeninternes Weblog: Wenige Kategorien werden für den Wissensaustausch vorgegeben, die Anwender können ihre Beiträge mit eigenen Schlagworten versehen (Tagging);
  • Wiki: Hier können die Nutzer ihr Wissen flexibel dokumentieren.

Für die Umsetzung legte Kleske besonderen Wert auf die Schulung der Anwender. Bei der Einführung brachten diese ihre eigenen Beispiele mit und bauten so gleich das Wissensmanagement-System mit auf. Das baut Einstiegshürden ab und macht schnelle erste Erfolge sichtbar.

Wissensmanagement ist also keine einmalige Lösung, sondern ein permanenter Prozess im Unternehmen. Er basiert auf zwei Elementen:

  1. Zugriff auf Informationen, die andere zur Verfügung stellen.
  2. Vermittlung von Kompetenzen, um zu wissen, welche Informationen wichtig sind, wie sie zu beurteilen sind und wie sie in konkrete Aktivitäten umgesetzt werden können.

Wer sie beherrscht, bekommt auf seine Investition eine ausreichende Verzinsung und kann erfolgreich Geschäfte machen.

Die grundlegenden Prozesse im Wissensmanagement

Links und weiterführende Informationen

Ein Leitfaden Wissensmanagement in kleinen und mittleren Unternehmen und öffentlicher Verwaltung zum kostenlosen Download:

http://www.bmwi.de/BMWi/... [183]

Zahlreiche Beispiellösungen für Wissensmanagement finden Sie unter:

http://www.wissenmanagen.net/... [184]

Ein Beispiel, wie Wissensmanagement mit den Technologien des Web 2.0 funktionieren kann, finden Sie hier:

http://www.sciencegarden.de/berichte/... [185]

http://tautoko.info/diplomarbeit [186]

Plattformen zum Wissensmanagement:

http://www.wissensmanagement.net [187]

http://www.wissenmanagen.net [188]

http://knowledgemanagement.ittoolbox.com [189]

[jf]

Aktenkundig: Organisation wollen flexibler werden und Bürokratie abbauen

Gastbeitrag von Anja Förster und Peter Kreuz, Managementberater, Heidelberg*

Früher war alles besser, sagen manche. Doch die Zeiten haben sich geändert, radikal und endgültig. Leider scheinen manche Manager immer noch in der alten Zeit zu leben. Sie unterliegen dem Irrglauben, sie müssten nur ein Mal eine tolle Idee haben und hätten dann einen lebenslangen Wettbewerbsvorteil. Doch der nachhaltige, nicht kopierbare Wettbewerbsvorteil ist Schnee vor gestern. Wir leben im Zeitalter der Globalisierung. „Wem die nicht gefällt, der soll sie anrufen und sich beschweren“, hat Lothar Späth einmal gesagt. Heute haben wir einen Wettbewerb der schnellen Schnitte. Wirtschaft funktioniert im MTV-Style. Gemütlicher wird es nicht mehr, darauf können wir uns verlassen. Warum ist das so, was hat sich verändert? Die Antwort lautet: Vernetzung. Es hat eine nie da gewesene Vernetzung zwischen den Menschen stattgefunden. Wir leben in einer Welt, in der es keine Geheimnisse mehr gibt. Zumindest keine Unternehmensgeheimnisse. Wenn irgendwo neues Wissen entsteht, verbreitet es sich sofort wie Blütenpollen. Entweder Sie lassen sich davon befruchten oder Sie bekommen Heuschnupfen. Sie haben die Wahl. Gleichzeitig ist das Wissen fragil geworden und genügt nicht als Fundament für Unternehmenserfolg. Wenn die koreanischen Autobauer früher schlecht aussehende Kisten produzierten, so geben ebendiese Unternehmen heute richtig Geld aus, werben den Chefdesigner von BMW ab und attackieren die etablierte Konkurrenz. Die globalen Kapitalströme machen es möglich. Da kann es dann sogar passieren, dass ein innovatives Vorzeigeunternehmen wie SAP um ein Haar den Anschluss an die Internettechnologie verpasst. Oder eine Top-Firma wie Motorola innerhalb nur eines Jahrzehnts zweimal kurz davor ist zu kentern.

Alles auf „CC“: Bürokratie im Zeitalter der Vernetzung

Bürokratie
Zuviel Bürokratie lähmt die Entwicklung von Innovationen

Was also ist zu tun? Vor allen Dingen eines: Ballast abwerfen! Weg mit der Bürokratie und die deutsche Gründlichkeit überdenken. Wo ist sie zum Selbstzweck geworden? Des weiteren: Die Berliner Mauer um das Unternehmen einreißen. Und konformistische Strukturen à la Honecker gleich mit entsorgen. Wer das schafft, der entwickelt vor allem eine neue Geisteshaltung, nämlich das Vertrauen in die eigene Kraft und die Erkenntnis, das nichts ewig währt, scheint es noch so unbezwingbar zu sein. Wo ist der Ballast? An drei Stellen. Punkt eins: Bürokratie. Neulich waren wir in Wien zu Gast bei einer großen Bank. Kein Gespräch in Wien ohne die obligatorische Melange und ein Glas Wasser. So auch hier: Unser Gesprächspartner drückt auf den abgewetzten Knopf der Gegensprechanlage und ruft seine Sekretärin, um die Bestellung aufzugeben. Dann entschuldigt er sich, dass es etwas länger dauern werde, da man hierfür eine Cateringgesellschaft engagiert habe. Eine Minute später geht die Tür auf und die Sekretärin kommt herein. Aber nein, sie hat nicht die Getränke dabei, sondern ein Formblatt, das unser Gesprächspartner abzeichnet, damit die Bestellung ordnungsgemäß weitergeleitet werden kann. Zehn Minuten später steht das zweiköpfige Cateringkommando mit Melange und Wasser vor uns. Natürlich wieder mit Formular, das gegenzuzeichnen und mit detaillierten Angaben zum Gesprächsanlass zu ergänzen ist. Alles im Dienste der guten Ordnung und um sicherzustellen, dass dieser Kaffee rein dienstlich und nicht etwa privat getrunken wird. Es drängt sich die Frage auf: Was stand in diesem Unternehmen der Innovation im Weg?

Jeder Manager sagt, er sei gegen Bürokratie und die existiere in seinem Unternehmen schon lange nicht mehr. Wenn man bei Bürokratie an lochen und abheften, an Aktenberge und an ellenlange Entscheidungswege denkt, mag das stimmen. Doch auch wenn heute alle elektronisch vernetzt, in Teams organisiert und auf kurzem Wege ansprechbar sind – hat die neue Form der Kommunikation die bürokratische Struktur wirklich aufgebrochen? Da wäre beispielsweise die Manie, bei jeder E-Mail gewisse Personen im Unternehmen auf „CC“ zu setzen. Das CC-Syndrom ist dann eher schon ein CYA-Syndrom – kurz für „Cover Your Ass“. Damit wird vor allem eines erreicht: Die E-Mail-Posteingänge von Mitarbeitern sind ständig mit Nachrichten verstopft, die sie allenfalls peripher betreffen. So wird eine Informationsflut erzeugt, welche die Aktenordner der Vergangenheit wie niedliche Reclam-Heftchen aussehen lässt. Aber wehe, es wird eine Nachricht unbesehen aus dem elektronischen Posteingang gelöscht. Dann könnte es ja irgendwann heißen:

„Sie waren doch auf ‚CC’, warum wissen Sie das nicht?“

Von dem Aberglauben vieler Unternehmen, dass erst eine ausgedruckte E-Mail ein valides Dokument ist, wollen wir hier gar nicht erst sprechen. Oder was ist mit den ewigen Meetings der Arbeitskreise, Projektteams, Ausschüsse oder Komitees? In manchen Unternehmen, so unser Eindruck, wird mehr Zeit pro Kopf mit dem Absitzen von Meetings verbracht, als diese Menschen insgesamt für ihren Universitätsabschluss aufgewendet haben. Allein die Menge an Kaffee und Kekse, die dabei konsumiert wird, müssten den Hausärzten die Tränen in die Augen treiben. Wenn es bei einem Meeting vor allem darum geht, dass Verantwortung auf ein Kollektiv übertragen werden soll, weil niemand sie persönlich übernehmen will, sollte es gar nicht erst stattfinden. Wir gehen jede Wette ein, dass in den meisten Unternehmen die Hälfte aller Meetings ersatzlos aus den Terminkalendern gestrichen werden könnte, ohne dass irgendjemand irgendetwas verpassen würde. An Einsicht mangelt es nicht unbedingt. Doch wann folgen Taten, und welche? Bei der amerikanischen Commerce Bank gibt es eine Initiative namens „Kill A Stupid Rule“. Jeder, der eine überflüssige Regel findet, bekommt dafür als Belohnung 50 Dollar. Das ist viel einfacher und effektiver als das Komitee zum Abbau von Bürokratie, das monatelang tagt und letzten Endes noch mehr Bürokratie verursacht als abzubauen. Die einfachen Dinge sind es, die uns hier tatsächlich weiterbringen.

Statt endloser Testphasen: Verbesserung mit den Kunden

Meeting
Meetings machen nur dann Sinn, wenn sie produktiv sind

Punkt zwei: Die deutsche Gründlichkeit. Damit wir uns hier nicht missverstehen: Auch wir wollen nach der Einnahme einer Kopfschmerztablette nicht unsere Berufsunfähigkeitsversicherung in An-spruch nehmen müssen oder nach dem Einstieg in den neuen Airbus gleich ins nächste Feld stürzen. Mit anderen Worten: In der Pharmabranche oder der Flugzeugindustrie ist extreme Gründlichkeit sicherlich angebracht. Die Frage ist bloß: In wie vielen Wirtschaftszweigen ist Sicherheit ein so großer Faktor, dass von technischer Perfektion Menschenleben abhängen? Wir haben schlichtweg nicht mehr die Zeit, jede Neuerung tausendfach zu Tode zu testen, in Paneldiskussionen und Fokusgruppen endlos zu durchleuchten und im anschließenden Markttest jedes mögliche Restrisiko herauszubügeln. Es gilt nicht mehr die alte Abfolge von der Konzepterstellung über den Test, den nochmaligen Test und dann, ja erst dann, die vorsichtige Markteinführung. Heute heißt es: Versuch und Anpassung. Microsoft oder Google schicken ihre Neuerungen einfach als Beta-Versionen auf den Markt und korrigieren, durch Rückmeldungen der Kunden, die Fehler beim Laufen. Solange man fair bleibt und eine Beta-Version auch als solche kenntlich macht, lässt sich dagegen nichts einwenden. Dahinter steht eine simple Wahrheit: Unternehmen können nur dann überleben, wenn ihre Anpassungsgeschwindigkeit mindestens so groß ist wie die Änderungsgeschwindigkeit ihres Umfeldes, in dem sie agieren und existieren.

Das bringt uns zu Punkt drei: Absolutismus und "Mauerbau". Manager, die vor allem deutlich machen: „Das gehört alles mir, über dieses Imperium herrsche ich, du darfst Cäsar zu mir sagen, Untertan!“, werden in Zukunft auf dem absteigenden Ast sitzen. Wer die Kompetenz nur im eigenen Haus sucht, wird in einer vernetzten Wissensgesellschaft immer weniger fündig werden. Wie es anders funktionieren kann, zeigt das Beispiel Procter & Gamble. CEO Alan Lafley will erreichen, dass innerhalb der nächsten Jahre 50 Prozent der Innovationen von außerhalb des Unternehmens kommen. Lafleys Initiative steht unter dem Motto: „Entwicklung heißt, sich zu vernetzen“. Seinen Mitarbeitern in der Produktentwicklung signalisiert er:

„Ihr braucht nicht mehr das Reagenzglas zu schütteln, wenn es andere längst tun. Schaut lieber, wie ihr euch mit denen vernetzen könnt.“

Um diese Vernetzung zu fördern, hat Procter & Gamble Strukturen wie die „Global Networks“ geschaffen. Ziel ist es, Externe wie Lieferanten, Universitäten, Forschungsinstitute oder Innovationsplattformen wie „NineSigma“ oder „Innocentive“ aktiv anzuzapfen. Lafley bricht damit mit einer Tradition, die auch hierzulande zahlreiche Anhänger hat: Misstraue jeder neuen, von außerhalb kommenden Idee, weil sie neu ist und zudem nicht von uns erfunden wurde. Das bedeutet „Mauerbau“. Wir aber sagen: Das Wesen der Innovation ist heute grundlegend anders als in der Vergangenheit. Innovation ist fachübergreifend. Innovation ist global. Und Innovation basiert auf Netzwerken. Weg mit den Mauern um das Unternehmen! Es bringt auf Dauer nichts, sich abzuschotten.

Hinweis

Erfahren Sie mehr von den Business-Querdenkern Anja Förster und Peter Kreuz in ihrem neuen Buch. Es ist eine Abenteuerreise und ein Mutmacher für neue Ideen und Träume, um einzigartig und erfolgreich zu sein im globalen Wettbewerb.

Förster, Anja; Kreuz, Peter: Alles, außer gewöhnlich

*Kontakt:
Anja Förster und Dr. Peter Kreuz
E-Mail: info@business-querdenken.com [190]
Web: www.business-querdenken.com [191]

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Bremser: Warum so viele Projekte scheitern

Eine deutschlandweite Befragung unter Führungskräften zum Veränderungsmanagement zeigt deutlich: Bei der Mehrheit der deutschen Großunternehmen ist der volle Erfolg von Veränderungsprozessen die Ausnahme. Die Wahrscheinlichkeit, dass entsprechende Projekte gelingen, liegt bei unter 21Prozent. Mehr als jeder dritte Veränderungsprozess deutscher Unternehmen gilt als gescheitert und wenig erfolgreich. Doch warum stellt sich voller Veränderungserfolg so selten ein?

Die Studie der Technischen Universität München und C4 Consulting Düsseldorf eruiert dafür zehn maßgebliche Determinanten:

  1. Unzureichendes Engagement der oberen Führungsebenen (61 Prozent)
  2. Unklare Zielbilder und Visionen der Veränderungsprozesse (56 Prozent)
  3. Fehlende Erfahrung der Führungskräfte im Umgang mit Verunsicherung der betroffenen Mitarbeiter (56 Prozent)
  4. Uneinigkeit auf den obersten Führungsebenen (56 Prozent)
  5. Mangelnde Unterstützung aus dem Linienmanagement (52 Prozent)
  6. Lückenhafte oder verspätete Information an die Mitarbeiter (50 Prozent)
  7. Unzureichende Möglichkeiten zur Bewältigung von Ängsten und Widerständen der Mitarbeiter (46 Prozent)
  8. Vernachlässigung psychologischer Faktoren in der Projektplanung (43 Prozent)
  9. Ungenügende personelle Ressourcen (37 Prozent)
  10. Wenig Vertrauen in der Kommunikation zwischen Mitarbeitern und Führungskräften (36 Prozent)

Die Ergebnisse zeigen: Führung ist der entscheidende Einflussfaktor in Veränderungsprozessen und so das Steuerelement für Erfolg oder Misserfolg.

Kongruenz im Veränderungsprozess ist maßgeblich für den Erfolg

Die Studie belegt erstmals den zentralen Einfluss der Kongruenz im Veränderungsmanagement. Die Kongruenz der Veränderung über verschiedene Gestaltungsfelder hinweg, der Einklang harter (Organisation und Systeme) und weicher (Kultur, Kommunikation, Personen) Faktoren ist erfolgsentscheidend im Veränderungsprozess: Je umfassender und übergreifender Veränderungsprozesse angelegt sind, umso häufiger führen sie zum Erfolg.

Den Mitarbeitern Orientierung geben

Veränderungsanliegen müssen für die Mitarbeiter nachvollziehbar gemacht werden – sowohl rational als auch emotional. Die Studie belegt, dass es „Transportschwierigkeiten“ bei der Vermittlung von Zielen und Visionen sind, die einem Erfolg des Veränderungsprozesses entgegenstehen.

Motivation ist die einflussreichste Determinante im Veränderungsprozess

Je stärker die Motivation für Veränderungsprozesse bei den Mitarbeitern ausfällt, desto höher die Erfolgsquote im Unternehmen. Die statistischen Auswertungen belegen einen engen Zusammenhang zwischen Erfolgsquote und Motivationsgrad: er ist hoch signifikant.

Warum sind Veränderungen notwendig?

Die meisten Befragten kennen ihr Unternehmen bestens, da sie seit mehr als 10 Jahren dort beschäftigt sind. Als Gründe für den letzten eigenen Veränderungsprozess geben die Befragten bei Mehrfachnennung im Wesentlichen an:

  • grundlegende Restrukturierung (40 Prozent),
  • strategische Neuausrichtung (34 Prozent),
  • Unternehmensintegration bei Mergers & Acquisitions (17 Prozent) und
  • Kulturwandel (16 Prozent).

Anabel Houben, Geschäftsführerin C4 Consulting, zieht Bilanz zur aktuellen Studie und beantwortet die von Unternehmen vielfach gestellte Frage nach dem Erfolg von Veränderungsprozessen:

Anabel Houben
Anabel Houben sagt: Klare Ziele sind entscheidend.

„Entscheidend für den Erfolg von Veränderungsvorhaben ist, dass nicht nur das Offensichtliche angegangen wird, sondern darüber hinaus der Komplexität menschlicher Einstellungen und Verhaltensweisen Rechnung getragen wird! Denn die zwingend erforderliche Motivation für eine Veränderung kann nicht auf Knopfdruck hergestellt werden, sondern setzt bei Mitarbeitern wie auch Führungskräften die Kongruenz der wahrgenommenen Rahmenbedingungen und eine klare Orientierung über Weg und Ziel voraus!“

Hinweis

Für die Studie Studie „Veränderungen erfolgreich gestalten – Repräsentative Untersuchung über Erfolg und Misserfolg im Veränderungsmanagement“ wurde eine repräsentative Vollerhebung aller privatwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland mit mehr als 1.000 sozialversicherungspflichtig beschäftigten Arbeitnehmern im Jahr 2006 durchgeführt. Dabei wurden 201 Fragebögen aus 167 Betrieben ausgewertet. Die Studie wurde durchgeführt an der Technischen Universität München (Prof. Rainer Trinczek und Prof. Hans J. Pongratz).

Weitere Informationen unter:

http://www.veraenderungen-erfolgreich-gestalten.de [192]

[jf; C4 Consulting; Bilder: pixelio.de, C4 Consulting]

Aufgepasst: So vermeiden Sie Fehler im Projektmanagement

Gastbeitrag von Ulf Pleissner, Geschäftsführender Gesellschafter der Technologie Management Gruppe (TMG), Karlsruhe*

Viele Bestrebungen, neue Technologien innerhalb kürzester Entwicklungszeiten und mit einem schnellstmöglichen Serienanlauf zu realisieren, scheitern, weil unterschiedliche Ziele verfolgt werden. Diese werden aber oft nicht klar kommuniziert und sind deshalb auch nicht unmittelbar erkennbar. Aktivitäten zur erfolgreichen Einführung neuer Technologien brauchen jedoch klare Ziele, die für alle Beteiligten transparent sein müssen:

  • Die Ziele müssen eindeutig sein
  • Es muss eine nachvollziehbare Strategie erkennbar sein
  • Es bedarf bezifferbarer Vorgaben in Form von real erreichbaren und messbaren Ergebnissen oder Verbesserungen

Geplante Projekte mit konkreten Fakten unterfüttern

Der Kardinalfehler liegt in der Unbedarftheit, mit der ohne gemeinsame Ziele und ohne belastbare Planung experimentiert wird. Dies kostet viel Geld, Zeit und Kunden und bedeutet teilweise einen erheblichen Imageverlust. Handlungsalternativen bieten sich für das Management genauso wie für das Projektteam. Ein erfolgreiches Projektteam sollte Allgemeinaussagen des eigenen Managements kritisch hinterfragen: Behauptungen, dass andere es genauso machten oder dass eigene Vorteile dadurch ausgeschöpft werden könnten, sollten konkret belegt und an messbaren Aussagen festgemacht werden. Das Management sollte hier einen strategischen Ansatz verfolgen, der mit Zahlen, Daten und Fakten unterfüttert ist:

  • Welche unternehmerischen Ziele sollen mit dem Einsatz der neuen Technologie erreicht werden?
  • Welche Ergebnisse sollen durch den Einsatz der neuen Technologie erzielt werden?
  • Welche der traditionellen Wettbewerbsvorteile können verstärkt werden?
  • Welche grundlegenden Verbesserungen werden gewünscht?

Die Transparenz kann signifikant gesteigert werden durch die klare Strukturierung sowohl des Produktprogramms als auch des Projektes, durch eindeutig zugewiesene Verantwortung, durch die Vorgabe von klaren, quantifizierten Zielen und durch definierte Zwischenergebnisse entlang einer Roadmap. Kleine überschaubare Teilprojekte können in kurzer Zeit realisiert werden. Ein periodischer Zielabgleich und die Bewertung des Sachfortschritts halten das Projekt unter Kontrolle und sichern den Erfolg.

Alte Hüte müssen abgestreift werden

Manager
Um Vorbehalte zu überwinden, braucht es Visionäre

Das Festhalten an Traditionen ist in der deutschen Wirtschaft immer noch sehr weit verbreitet. Argument wie: „Das haben wir immer so gemacht“, werden in vielen Unternehmen zwischen Linien-Organisationen und Projektmanagement regelmäßig angeführt. Daneben erweist sich die Organisation oft als unangreifbare Trutzburg. Um hier einen Wandel zu vollziehen, braucht es eine Strategie, visionäres Vordenken und Macher, die den Wandel vorantreiben. Der Stolperstein zeigt sich in der zunehmenden Beharrlichkeit, wenn es darum geht, bisher erprobte Prozesse zu verändern. „Bisher erprobt“ heißt, dass alle Verfahren und Abläufe detailliert beschrieben sind.

In der Praxis sieht es allerdings oft so aus, dass kaum jemand diese Organisationsdokumente kennt und beachtet, weil im Projekt schlichtweg die Zeit hierfür fehlt. Alle verfügbare Zeit und Energie muss darauf verwendet werden, im aktuellen Fehlerfall das Nicht-Beherrschen der Prozesse durch einen hohen Betreuungsaufwand und viel Eigeninitiative zu überdecken, anstatt die Prozesse zu hinterfragen und entsprechend neu zu strukturieren. Der Lösungsansatz liegt in der Gestaltung neuer Prozesse. Der Einsatz neuer Technologien erfordert eine Veränderung der Abläufe im Unternehmen. Das Verhältnis zu Partnern, Lieferanten und Kunden muss neu überdacht werden.

Zunächst soll das systematische Sammeln von Abläufen und Informationen einen zentralen Blick auf die Ist-Situation ermöglichen, bevor mittels Analysen und Zielvorgaben und unter Beteiligung der Projektteams neue Vorgehensweisen effizienter, schneller und flexibler gestaltet werden können. Pragmatische Ansätze führen innerhalb kurzer Perioden zur Vereinheitlichung von standardisierbaren Prozessen. Eine schrittweise Umsetzung im Unternehmensnetzwerk kann forciert werden.

Wandel ist Chefsache

Jeder Bereichs- oder Abteilungsleiter hat bisher bei neuen Entwicklungen das gemacht, was er für richtig hielt. Er ist der Meinung, die Fachkompetenz läge nun einmal in seinem Bereich, und wenn nicht er, wer sonst könnte eine geeignete Lösung entwickeln. Durch die nicht synchronisierten, unterschiedlichen Aktivitäten entsteht eine komplexe Situation, die geradezu nach Neuordnung verlangt.

Hinweis

Die Aktivitäten müssen geordnet und bewertet werden, damit sie vergleichbar werden. Diese Vergleichbarkeit muss im Projektteam erlebbar sein.

Der Managementmangel zeigt sich durch eine zu verständnisvolle Führung und somit im Unverständnis der aktuellen Situation. Es herrscht eine bunte Vielfalt, die durch fehlende Koordination gekennzeichnet ist. Jeder Bereich optimiert sich und seine Prozesse, ohne die Rückwirkung auf andere Bereiche zu beachten. Ein markanter Nebeneffekt zeigt sich in der Interpretation der Kundenorientierung. Deren übermäßige Betonung führt zu einer nicht vertretbaren Variantenvielfalt, die weder geplant, noch in der ursprünglichen Plattform berücksichtigt wurde.

Neue Technologien und neue Produkte benötigen einen fähigen und energischen Fürsprecher. Da die Einführung neuer Technologien den Wandel des Unternehmens in fast allen Bereichen bedeutet, sollte ein Promotor auf Geschäftsleitungsebene oder ein Lenkungskreis, ausgestattet mit den erforderlichen Befugnissen, diese Rolle übernehmen. Diese wichtige Aufgabe ist Chefsache und darf nicht an untere Chargen delegiert werden. Die Umsetzung erfordert eine straffe Koordination durch eine zentrale Stelle, zum Beispiel im Sinne eines Projektes. Nur ein unbedingter Rückhalt in der Führung und ein Durchgriff auf die Fachbereiche sichern den Erfolg.

Alte Technologien gehören auf den Prüfstand

Die bisher erfolgreich abgewickelten Kundenprojekte haben einen Variantenreichtum und Sonderlösungen hinterlassen, die im Hinblick auf den Erfolg der Projekte als Plattformen und wiederverwendbare Module kommuniziert werden. Die Realität jedoch zeigt sich als höchst komplexe Technologielandschaft, die auf divergierende Ergebnisse einer Vielzahl von Projektteams und die Verfolgung unterschiedlicher Roadmaps zurückzuführen ist.

Hinweis

Plattformen weisen unverträgliche Überlappungen und deutliche Lücken bei der Verfügbarkeit erforderlicher Komponenten auf.

Bildschirm_Error
Alte Technologien sollten auf Schwachstellen überprüft werden

Fehlende Komponenten in Technikplattformen und Lücken in der Systemarchitektur erfordern einen hohen Sanierungsaufwand. Qualitäts-, Fehler- und Nacharbeitskosten werden meist nicht verursachungsgemäß erfasst und verhindern so eine wirtschaftliche Entscheidung. Trotzdem ist die heutige Verwendung dieser Plattformen aus früheren Projekten unentbehrlich, da nur auf diese Weise innerhalb kurzer Realisierungszeiten möglichst schnelle und preiswerte Ergebnisse erzielt werden können. Der alternative Lösungsansatz zielt auf das erste der „5 S“, bekannt aus den Verbesserungsprogrammen. Dieses erste „S“ steht für "Aufräumen” (Seiri) und soll eine wirtschaftliche Basis zur Einführung neuer Technologien erzeugen. Die bisherigen Technologien müssen auf den Prüfstand:

  • Was ist wirklich notwendig?
  • Was kann vereinfacht werden?
  • Was kann standardisiert werden?

Durch ein schrittweises Vorgehen mit klaren Prioritäten können heutige Schwachstellen saniert werden, notfalls auch mit Ersatztechnologien. Dabei gilt, dass Systeme vorab im Probebetrieb zu testen sind und sie zumindest parallel laufen müssen. Die Methoden und Werkzeuge für die Umsetzung der neuen Technologien und für deren Erprobung werden zentral vorgegeben.

Inkompetenz kostet Zeit, Geld und Kunden

Die Ursache dieses Problems sind unterschiedliche Sichten auf dieselbe Technologie und die Tatsache, dass diese Unterschiede bei der Diskussion nicht berücksichtigt werden. Mangels Wissen werden die Fakten unterschiedlich interpretiert und kommuniziert. An die Stelle der Sachdiskussion tritt so vielfach eine diffuse, die sich in die einzelnen Fachbereiche hinein verbreitert:

  • Technikbegeisterte Manager haben sich für komplexe Technologien, Architekturen und Produktprogramme begeistern lassen
  • Erfolgsorientierte Vertriebsmitarbeiter akquirieren technologisch anspruchsvolle Aufträge
  • Die Entwicklungs- und Produktionsabteilungen sind Schuld, wenn mit unzureichenden Werkzeugen und rudimentärem Verständnis perfekte neue Lösungen gebastelt werden sollen

Viele Entwickler und Produktionsmitarbeiter sind damit beschäftigt, vorhandene Technologien aufwändig zu pflegen und am Leben zu halten. Marktgängige Lösungen werden mit viel Aufwand noch einmal entwickelt und Fehlentwicklungen zu spät erkannt, aber dennoch konsequent zu Ende geführt. Weiterbildung im Sinne eines erfolgsorientierten Projektmanagements bedeutet, dass die am Projekt beteiligten Mitarbeiter und die Führung die gleiche Sicht auf die Dinge haben, das gleiche Verständnis der Technologien und des Umsetzungsprozesses teilen. Für alle neuen technologischen Herausforderungen werden zeitlich begrenzt Expertenteams für das Lösungskonzept zusammengestellt. Eine Topkraft wird als Führungsspitze benannt und ein bei Managern und Fachkräften gleichermaßen anerkanntes Projektteam sorgt für gegenseitiges Verständnis auf beiden Ebenen. Maßnahmen der innerbetrieblichen Fortbildung mit Fokus auf dem Projektgeschäft können diesen Prozess unterstützend begleiten:

  • Verständnis für die neuen Technologien auf allen Hierarchieebenen
  • Beherrschung des neuesten Standes in der Entwicklung (Tooling)
  • Wirtschaftlichste Umsetzung der Technologie in der Produktion
  • Passende Entwicklungs- und Servicewerkzeuge für die Technik

Projektmitarbeiter einbinden statt vernachlässigen

Teamwork
Managementaufgabe: Wichtig ist, was das Team sagt

Die Technologie- und Architekturplanung wird zusammen mit dem Kunden vorgenommen und dem späteren Angebot zugrundegelegt. Hierbei wird oft versäumt, diese Entwürfe durch die Entwickler hinsichtlich Plausibilität und Machbarkeit prüfen zu lassen. Ein anderes Problem stellen Termine dar, die gegenüber dem Kunden bestätigt wurden, ohne dass dem Projektteam Gelegenheit gegeben wurde, die Terminstrecke der erforderlichen Arbeitspakete zu überprüfen. Erst in späteren Projektphasen wird deutlich, dass mangelhaftes Wissen über die technischen Zusammenhänge und falsche Prioritäten den Erfolg gefährden. Die Bedenken und Bedürfnisse derjenigen, die neue Technologien entwickeln und umsetzen müssen, werden nicht gehört oder geringgeschätzt. Nicht selten führt die Vernachlässigung der betroffenen Mitarbeiter zum Scheitern des Projektes.

Das Übergangenwerden und die fehlende Wertschätzung ihrer „Praktiker-Meinung“ werden von den Mitarbeitern als Arroganz empfunden. Die neuen Technologien können jedoch nur von den Menschen umgesetzt werden, die zurzeit im Unternehmen tätig sind. Menschen wollen informiert, eingebunden und auch ein wenig hofiert werden. Der Wandel hin zu mehr Einbeziehung vollzieht sich meist nur zögerlich. Es gilt, alle beteiligten Mitarbeiter über die konkreten Geschäftsziele, den Einsatz der neuen Technologien und auch deren Konsequenzen zu informieren. Dabei ist es notwendig, zwischen den „alten“ und „neuen“ Werten zu unterscheiden. Nur eine feinfühlige Differenzierung gestattet die Unterscheidung zwischen den gestrigen Bedenkenträgern und den heutigen Problemlösern. Ein Bedenkenträger nennt das Problem und weist auf die Gefahr hin, die davon ausgeht. Er muss aber nicht selbst lösen. Der Problemlöser braucht das Problem, damit ihm eine Lösung zukommt.

  • Die Vorteile für den Einzelnen als Problemlöser müssen klar herausgestellt werden
  • Anreizsysteme helfen, die Bereitschaft der Mitarbeiter zu Veränderungen und zur aktiven Mitarbeit zu steigern
  • Kommunikation stellt die Zukunftsvision innerhalb und außerhalb des Unternehmens transparent dar
  • Weiterbildung stellt den Umgang mit der neuen Technologie, den neuen Methoden und Prozessen sicher; Mentoren helfen beim Überwinden der internen und externen Barrieren

Falscher Ehrgeiz gefährdet realistische Ziele

Das Management besitzt einen gesunden Optimismus: 90 Prozent aller Kunden verlangen Produkte auf Basis neuer Technologien, zu günstigeren Preisen als bisher. Dabei ist es kein Geheimnis, dass diese weder wirtschaftlich noch terminlich im erwarteten Horizont entwickelt und produziert werden können. Fast alle Firmen schätzen den erforderlichen Aufwand an Zeit, Geld und Personal viel zu niedrig ein. Bei der technischen Umsetzung treten jedoch immer wieder Probleme auf, deren Lösung einfach nur Zeit braucht. Eine von vorneherein allzu positive Sicht der Dinge führt im Projektverlauf bald dazu, dass Termine überzogen, Mitarbeiter überfordert und Budgets überschritten werden. Doch was beflügelt den Optimismus derart, dass Aufträge trotzdem angenommen werden?

  • Alte Regeln zur Berücksichtigung von Unwägbarkeiten werden verdrängt
  • Mängel im Projekt- und Risikomanagement werden ignoriert
  • Personalbedarf, Termine und Finanzen entsprechen nicht der Komplexität der Aufgaben
  • Weitgesteckte Kontrollen erlauben „easy going“ und Verschwendung

Falscher Ehrgeiz und eine übermäßige Bewertung des Faktors Motivation führen zu ehrgeizigen aber nicht realistischen Zielen. „Stretched goal“ heißt einer der Anglizismen, die einen fatalen Optimismus erzeugen. In einer großzügigen Planung müssen Aufwand, Kosten und Zeiten realistisch abgeschätzt werden. Gleichzeitig muss in einer straffen Organisation der Projektfortschritt streng kontrolliert werden. Eingebettet in ein erfolgsorientiertes Projektmanagement können die Komplexität der Aufgaben und deren Abhängigkeiten im Team erkannt werden. Ein klar strukturiertes Projekt mit klar formulierten Einzelzielen und Eckterminen bildet die Basis für eine realistische Planung, während die Aufteilung in überschaubare Teilprojekte die gewünschte Transparenz erzeugt.

Im Sinne von kleinen Regelkreisen können für jedes Teilprojekt vorsorglich Risiken einkalkuliert und ein Zeitpuffer zur Lösung unvorhergesehener Probleme eingeplant werden. Für den Notfall sollten Alternativszenarien mit Ablaufplan und Reservekapazitäten vorgehalten werden. Klare Verantwortlichkeiten für die Projektleitung und für die Durchführung von Teilprojekten machen das Projekt steuerbar. Eine angemessene Projektkommunikation stellt die Verständigung und Information sowohl innerhalb des Teams als auch zur Führung sicher.

Die Führungsspitze muss sich darüber im Klaren sein, dass die Einführung neuer Technologien ein kontinuierlicher Prozess ist und kein einmaliges Projekt. Die bloße Kenntnis der Stolpersteine reicht nicht aus, um eine Gefährdung des Projektes ausschließen zu können. Beim Versuch diesen Stolpersteinen auszuweichen wird man nicht selten zu erheblichen Umwegen gezwungen, die einen leicht vom geplanten Ziel abbringen können. Besser ist es, wenn man auf impliziten Kenntnissen aufbaut, um die Stolpersteine als Startblöcke nutzen zu können. Implizites Wissen kann man durch lebenslange Erfahrung aufbauen oder mittels eines zeitbegrenzten Coachings durch erfahrene Experten.

*Kontakt:
TMG Technologie Management Gruppe Markt und Innovation GmbH
Pfinztalstraße 90
76227 Karlsruhe
Tel.: 0721/828060
E-Mail: info@tmg-karlsruhe.de [193]
Web: www.tmg-karlsruhe.de [194]

[Bilder: Pixelquelle]

Agil: Flexible Modelle für Ihre Organisationsstruktur

Die Telekom verliert täglich viele Kunden. Das liegt unter anderem daran, dass sie keine attraktiven und aus Festnetz, Mobilfunk und DSL-Anschluss kombinierten Angebotspakete anbieten. Hier rächt sich die starre Dreiteilung des Konzerns in T-Com, T-Mobile und T-Systems. Sie passt nicht mehr zur technologischen Entwicklung und zu den heutigen Kundenwünschen.

Die Organisation als strategischer (Miss-) Erfolgsfaktor

Auch andere Großkonzerne verfangen sich immer wieder im Dickicht ihrer Organisationsstruktur. VW prüft, welche Marken sie bündeln soll, nachdem SEAT in der Markengruppe Audi ziemlich schwächelt. Auch dem Autokonzern fällt es sehr schwer, seine Marken richtig zusammenzuführen, um Synergien zu erschließen. Firmenlenker stehen deshalb vor der Herausforderung, die Struktur ihres Konzerns oder ihres Unternehmens immer wieder zu ändern und an veränderte Bedingungen anzupassen. Sie sind Architekten auf einer Dauerbaustelle. Ihre Aufgaben dabei sind:

  • Das Unternehmen muss auf Veränderungen des Marktes, Herausforderungen durch Wettbewerber und Anforderungen der Kunden reagieren oder sie sogar vorwegnehmen.
  • Prozesse im Unternehmen müssen effizient gestaltet, Synergien und Größenvorteile müssen genutzt werden; beispielsweise können Maschinen und Anlagen besser ausgelastet oder bessere Einkaufsbedingungen erzielt werden, wenn Bereiche gemeinsam handeln.
  • Informationen sollten ungehindert fließen können, damit Entscheidungen rasch getroffen werden können; die Mitarbeiter sollten ihr Wissen und ihre Erfahrungen austauschen können.

Manchmal spielt es beim Umbau eines Unternehmens auch eine Rolle, dass für einen verdienten Manager oder einen vermeintlichen Management-Star ein entsprechend verantwortungsvoller Bereich mit viel Renommee geschaffen wird. Die Organisation muss sich in solchen Fällen also persönlichen Karrierezielen unterordnen.

Beispiel Magna International: Der kanadische Autozulieferer will seine Konzernstruktur verändern, um dem Kostendruck in der Branche zu entgehen. Die sieben, bislang unabhängig voneinander operierenden Sparten sollen in drei Gruppen gebündelt werden. Mit der Abkehr von der Dezentralisierung verstärkt der Konzern seine Verhandlungsmacht gegenüber Lieferanten und Kunden. Gleichzeitig kann sich der Spartenleiter Herbert Demel profilieren, wenn er zum Leiter einer Gruppe befördert wird. Mit dem Umbau des Konzerns werde die Macht neu verteilt, meinen Eingeweihte [Quelle: FTD, 8.1.2007].

Diagnose und Therapie in ständigem Wechsel

Wer so viele Anforderungen unter einen Hut bringen soll, verliert leicht den Überblick. Manchem Konzernlenker sitzen dann auch noch die Analysten im Nacken, die Erfolge sehen und Visionen erkennen wollen. Das eigene Unternehmen ist Dauerpatient auf der Intensivstation. Die Diagnosen wechseln sich mit Therapievorschlägen ständig ab.

Mehr als die Hälfte aller Unternehmen ist krank. Das behaupten die Experten der Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton (BAH), die über einen längeren Zeitraum mehrere Zehntausend Mitarbeiter und Manager in Unternehmen befragten, wie sie die Funktionstüchtigkeit ihrer Organisation einschätzen. Die Diagnose für die kranken Organisationen:

  • Informationen bleiben stecken,
  • es ist unklar, wer welche Entscheidungen treffen kann,
  • das Top-Management verkennt die Probleme, die das mittlere Management sieht,
  • große Unternehmen sind anfälliger.

Zentrale Barrieren der Organisation beschreiben die Symptome
[Quelle: McKinsey Quarterly 7/2006 [195] ]

Wo diese Defizite erkannt werden, wird die Organisationsstruktur immer wieder umgebaut. Funktionale und divisionale Strukturen wechseln sich ab. Wer es ambitioniert mag, wählt eine Matrix- oder Holding-Struktur.

Entscheidungen werden trotzdem nicht schnell genug getroffen, die Entscheidungswege sind komplex und viel zu zentralisiert – so schätzt die Hälfte der Manager die Situation in ihren eigenen Unternehmen ein, die die Unternehmensberatung McKinsey Anfang 2006 befragte. Das verhindere, dass ihre Unternehmen schnell und flexibel auf Anforderungen reagieren können.

Außerdem bemängeln sie die Koordination und Kommunikation. Gerade das sollte ja durch die klare Zuordnung von Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortung, wie sie in Organigrammen festgelegt ist, möglich sein.

Stichwort

Die Organisationsforschung unterscheidet mehrere Grundformen der Aufbauorganisation:

  • funktionale Struktur nach Funktionen wie Einkauf, Produktion, Vertrieb, Controlling etc.;
  • divisionale Struktur nach Objekten wie Produktgruppen, Kunden oder Regionen;
  • Matrix-Struktur als Mischform von funktionaler und divisionaler Struktur;
  • Holding-Struktur als Dach über rechtlich selbständige Unternehmen.

Mehr Flexibilität durch Strukturlosigkeit?

Unternehmen wie W.L. Gore, Southwest Airlines, AES oder Semco werden oft als strukturlos bezeichnet. Gerade das scheint ihr Erfolgsgeheimnis zu sein. Aber der Befund ist nicht richtig. Auch diese Unternehmen haben eine Struktur. Sie bekennen sich auch in gewissem Maß zur Hierarchie. Niels Pfläging hat die „Organisation ohne Organigramme“ in seinem neuen Buch „Führen mit flexiblen Zielen“ beschrieben und weiß von diesen Vorreiterunternehmen:

Niels Pfläging
Niels Pfläging kennt die erfolgreichen Organisationsmodelle.

„Es gibt Hierarchie … und es gibt Struktur – im Sinne von Profit Centern oder Geschäftseinheiten, Projektteams, Task-Forces, Zentralbereichen und Vorständen. Allerdings tritt diese Struktur, die im Falle aller Pioniere des neuen Modells sehr einfach und auf ein Minimum von Hierarchieebenen beschränkt ist, in den Hintergrund.“

Neben das klassische Organigramm, das meist aus vielen Kästchen und Pfeilen in Form einer Pyramide besteht, treten andere Strukturierungs-Methoden für Organisationen. Ihr gemeinsames Ziel: Sie wollen sichtbar machen, dass Flexibilität, Verantwortungsübernahme durch die Mitarbeiter und Kundenorientierung die zentrale Rolle spielen.

Organigramme werden schlank und prozessorientiert

Ausufernde Hierarchien in einem Unternehmen bergen das Risiko, dass Informationen verloren gehen und Entscheidungen lange nicht getroffen werden. Deshalb bauen viele Unternehmen ihre Hierarchien ab. Das funktioniert nur, wenn mehr Aufgaben und Verantwortung an die Mitarbeiter delegiert wird. Ansonsten sind die Vorgesetzten und Abteilungsleiter mit den vielen Koordinationsaufgaben überfordert.

Gleichzeitig wird den starren Strukturen der Prozess gemacht. Das will heißen: Aus Organigrammen werden Ablaufdiagramme und Fließbilder. Pfeile beschreiben die wichtigsten Kernprozesse und die dabei beteiligten Einheiten. Sie weisen immer zum Kunden, auf den alle Aktivitäten im Unternehmen letztlich ausgerichtet sind.

Welche Form heutzutage für ein Organigramm auch gewählt wird, was es zeigen soll, ist:

  • Welche Teile des Unternehmens stehen in Verbindung mit welchen anderen?
  • Wie sollen Prozesse und Menschen zusammenwirken?
  • Wessen Ideen müssen wohin gelangen?

Wenn ein Organigramm solche Fragen beantwortet, dann verstehen die Mitarbeiter ihr Unternehmen viel besser und gleichzeitig werden Chancen sichtbar, wie das Unternehmen zu Wettbewerbsvorteilen kommen kann.

Der Management-Professor und Organisationsexperte Henry Mintzberg hat mit seinem Kollegen Ludo van der Heyden dafür neue Bilder der Organisation entwickelt, die sie Organigraphen nennen. Sie beschreiben diese so [Quelle: Harvard Business Manager 2/2000 [196] ]:

„Organigraphen sind nicht einfach Abbilder, sondern auch Wegkarten. Sie weisen weniger auf einzelne Personen oder Positionen hin, sondern bieten einen Überblick über das Terrain eines Unternehmens – seine Berge, Flüsse, Städte und verbindenden Straßen.“

Beispiel: Organigraph eines Finanzdienstleisters

[Quelle: Mintzberg; van der Heyden. Harvard Business Manager 2/2000]

Netzwerke und Communities gewinnen an Bedeutung

Die vielen Abstimmungen in der Produktentwicklung oder das geschäftige Durcheinander in einem Kundendienstbüro können mit einfachen und schlanken Organigrammen kaum beschrieben werden. Um komplexe Vorgänge abzubilden, braucht es neue Bilder. Sie haben meist die Form von Netzwerken.

In der Praxis sind das Projektteams oder so genannte Communities. Dabei tauschen sich Mitarbeiter aus unterschiedlichen Bereichen eines Unternehmens aus oder bearbeiten ein gemeinsames Thema. Während Projektteams eine vorgegebene Projektaufgabe lösen sollen, bilden sich Communities eher spontan durch die beteiligten Personen.

Stichwort

Eine Community ist eine Gruppe von Personen, die gemeinsames Wissen entwickeln, Erfahrungen teilen und dabei eine eigene Identität aufbauen. Communities profitieren von dem Grundsatz, dass alle Teilnehmer zum Erfolg beitragen, indem sie ihr Wissen einbringen.

[Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Community [197] ]

Manche Unternehmen dulden diese informellen Gemeinschaften innerhalb ihres Gefüges, andere fördern sie sogar. Denn sie tragen in erheblichem Maße zum Informations- und Know-how-Austausch bei. Damit schaffen sie auch Werte für das Unternehmen und seine Kunden. Die Expertin für Wissensmanagement Verna Allee hat solche „Value Networks“ genauer analysiert. Sie weiß [Quelle: http://www.symposion.de/wm-ph/wm-ph_49.htm [198] ]:

Verna Allee
Verna Allee weiß, welche Werte Netzwerke und informelle Gruppen in Unternehmen schaffen.

„Mitarbeiter in Unternehmen und Unternehmensnetzwerken sind an unterschiedlichsten Arten geschäftlicher Interaktion beteiligt, bei denen es nicht nur allein um Waren und Dienstleistungen geht. Sie tauschen auch Wissen und andere immaterielle Güter aus, wie zum Beispiel Gefälligkeiten und Vergünstigungen, um Beziehungen aufzubauen und sicher zu stellen, dass alles reibungslos vonstatten geht. Bei diesem Austausch von Wissen und immateriellen Gütern handelt es sich nicht nur allein um Aktivitäten, die das Geschäftsmodell unterstützen: Sie sind Teil des Geschäftsmodells.“

Die optimale Organisationsstruktur gibt es nicht

Balance
Organisationsformen müssen ausbalanciert werden.

Wie die Manager ihr Unternehmen auch gestalten und welche Strukturen und Abbildungen sie dafür wählen – die ideale Form gibt es nicht. Wenn ein Prinzip in den Vordergrund gerückt wird, kommt es bezüglich anderer wichtiger Faktoren zu einem Ungleichgewicht. Die wesentliche Aufgabe ist es deshalb, die Anforderungen und Widersprüche auszubalancieren. Wie die neueren Entwicklungen zeigen, müssen dabei immer mehr Gestaltungsmöglichkeiten berücksichtigt werden.

Aus diesem Grund ist es entscheidend, dass die Führungskräfte und ihr Rollenverständnis zum jeweils gewählten Organisationsprinzip passen. Und dabei gibt es erhebliche Defizite, hat der Strategie- und Organisationsexperte Reinhart Nagel von osb International mit seinen Kollegen herausgefunden. Er stellt fest [Quelle: OE 2/2006 [199] ]:

„Aus unserer Sicht sind das Rollenverständnis und die Ausgestaltung der Rollen der Führungskräfte an der Spitze der Organisation für den tatsächlichen Erfolg eines Organisationsdesigns erfolgskritisch. Doch meist wird auch nach einem radikalen Umbau das neue Stück mit denselben Schauspielern und deren gewohntem Führungsverständnis weitergespielt.“

Quellen und weiterführende Links

Studien und Hintergründe zur Lage der Organisation:

http://www.mckinseyquarterly.com/... [200]

http://www.strategy-business.com/... [201]

http://www.strategy-business.com/media/... [202]

http://www.strategy-business.com/press/... [203]

http://www.mckinseyquarterly.com/... [204]

Die Analyse der "organisatorischen DNA" und der möglichen "Organisationskrankheiten" durch Booz Allen Hamilton:

http://www.orgdna.com/index.cfm?lang=ger [205]

Kurze Einführung in Organigraphen und Value Networks:

http://damian.amherd.net/academics/... [206]

[jf]

Pepp: Mehr Qualität bei Veränderungen durch Chili-Games

Gastbeitrag von Winfried U. Graichen, Geschäftsführer der smart change GmbH, Diepoldsau, Schweiz*

Chilis
Nicht nur Gemüse: Chili-Games sollen Change-Projekten die nötige Würze geben.

Total Quality Management, KVP, Projektmanagement oder Six Sigma – in Unternehmen sind derartige Programme weit verbreitet, oft aber nicht mit den gewünschten Erfolgen. Ein Hauptgrund: lästige Zusatzarbeit für die Mitarbeiter. Kein Wunder ist daher, dass sie einfach die Programme aussitzen. Die Ziele Qualität, Selbstverantwortung und kontinuierliche Verbesserung bleiben zwar bestehen, doch bei den dafür Zuständigen ist das Engagement meist sehr schnell vorbei. Dieser Zustand lässt sich mit Hilfe der so genannten Chili-Games ändern. Der Name ist dabei Programm. Denn die Chili-Games bringen wieder Schwung in Projekte. Aktivitäten werden frisch „gewürzt“ und Mitarbeiter für engagiertes und exzellentes Umsetzen von Zielen gewonnen. Die Idee: Den Spieltrieb des Menschen nutzen. Denn übers Spielen entdecken wir unsere Fähigkeiten und Stärken.

Den Veränderungsprozess spielerisch bewusst machen

Chili-Games dauern immer nur wenige Minuten. Aber sie setzen sofort Kreativität und Energien frei, um gezielt einen Perspektivwechsel zu ermöglichen. Ein Beispiel: Nach einer kurzen Einführung, die den Bezug zum Projekt herstellt, werden Mitarbeitern etwa folgende Sätze gezeigt:

„Nie solo sein.“

„O Genie, der Herr ehre Dein Ego!“

„O renne, bei drei Papierdieben, Nero!“

Anschließend wird gefragt, ob und wenn ja was ihnen an den Sätzen auffällt. Die Auflösung: Es handelt sich um so genannte Palindrome, die sowohl von vorne als auch von hinten zu lesen sind. Als Metapher des Perspektivwechsels sollen sie den Mitarbeitern bewusst machen, dass oft erst ein Umdenken zu einer überzeugenden Lösung verhilft. Den Transfer stellen dann Fragen her, auf die die Teilnehmer Antworten finden sollen, etwa:

„Welche Annahmen halten uns davon ab, unsere Kunden wirklich zu verstehen?“

oder

„Wer von uns rief schon einmal unsere Zentrale an und gab sich im Rahmen eines Tests als Kunde aus, um herauszufinden, wie er als Anrufer behandelt wird?“

Das Spiel dauert inklusive Auswertung zehn Minuten. Die spielerische Herangehensweise ermöglicht die berühmten Aha-Erlebnisse und einen neuen, ungewöhnlichen Zugang zu den Themen. Deshalb bricht sie selbst verfestigte Strukturen auf. Wie die Praxis zeigt, wächst in der Folge spürbar die Bereitschaft der Teilnehmer, sich im Sinne der Qualitätsprogramme zu engagieren. Das Entscheidende: Die Mitarbeiter erkennen nun den Sinn, Zweck und Nutzen ihres Handelns. Erfolge verstetigen sich dabei selbst und motivieren, am Ball zu bleiben.

Chili-Games sind in allen Phasen und Meetingformen einsetzbar. Die zuständigen Teamleiter, internen Trainer, Qualitäts- und Change-Manager sollten aber vorab im Rahmen einer Qualifizierung lernen, wie sie diese Kurz-Spiele abhängig vom Kontext und den Rahmenbedingungen wirkungsvoll nutzen können. Das dürfte keine besonderen Probleme bereiten, denn Chili-Games wurden speziell für Qualitäts-, KVP- oder Change-Prozesse entwickelt.

Hinweis

In Meetings, denen der nötige „Effizienz-Biss“ fehlt, ist das 15 Minuten dauernde Spiel „QIQO“ (Qualitäts-Input = Qualitäs-Output) einsetzbar.

Fehlt einem Team die gehörige Portion Nachdenklichkeit, um seinen Zusammenhalt zu stärken, könnte das „Fibonacci-Spiel“ zum Einsatz kommen. Dabei geht es zwanzig Minuten darum, durch konstruktive eigene Beiträge als Katalysator für den Erfolg des Teams zu wirken.

Weitere Beispiele finden Sie unter www.smart-change.com [207] .

Selbst in großflächigen Veränderungsprozessen kann, je nach Phase, durch ein Chili-Game mehr Pepp erzeugt werden. Nehmen wir an, ein Unternehmen möchte einen Benchmarking-Prozess starten. Im Spiel „Benchmarking-Schlüssel“ geht es 25 unterhaltsame Minuten darum, Bewusstsein zu schärfen für Schlüssel-Prozesse im Verantwortungsbereich. Am Ende ist eine Liste dieser Schlüssel-Prozesse entstanden. Kurzum: Chili-Games haben sich als geeignetes Mittel erwiesen, um Projekten, die nur noch dümpeln, neuen und „würzigen“ Schwung zu verleihen.

*Kontakt:
smart change GmbH
Winfried U. Graichen
Centralstraße 10
CH-9444 Diepoldsau
Telefon: 0041-71-7333977
Mail: info@smart-change.com [208]
Web: www.smart-change.com [209]

[Bilder: pixelquelle]

Herausforderung: Leistungspotenziale der Teamarbeit erschließen

Der Begriff des Teams ist in heutigen Organisationen nicht mehr wegzudenken und wird auch entsprechend häufig gebraucht. Manchmal gewinnt man den Eindruck, dass Teamarbeit dabei ein Wert an sich sei und nicht einem bestimmten Zweck dient. Nämlich dem, eine Leistung zu erbringen, die von dem Einzelnen nicht erbracht werden kann. Wenn man es genau betrachtet auch eine Leistung, die nicht von mehreren isoliert arbeitenden Personen erbracht werden kann. Offenbar wird hier eine ganz bestimmte Qualität gesucht, die erst den Erfolg möglich macht. Diese Qualität hat etwas mit dem Miteinander zu tun. Schließlich ist nicht jede Zusammensetzung von Menschen schon ein Team. Gemäß der Definition von Francis und Young ist ein Team

„eine aktive Gruppe von Menschen, die sich auf gemeinsame Ziele verpflichtet haben, harmonisch zusammenarbeiten, Freude an der Arbeit haben und hervorragende Leistungen bringen.“

Nach Katzenbach ist ein echtes Team

„eine Anzahl von Personen mit einander ergänzenden Fähigkeiten, die sich alle für gemeinsame Ziel einsetzen, sich nach gemeinsam entwickelten Arbeitsregeln richten und gemeinsam Verantwortung für ihre Arbeit tragen.“

Wiendieck hebt folgende fünf gemeinsame Merkmale hervor:

  • kleine, in Funktionen gegliederte Arbeitsgruppe,
  • mit gemeinsamer Zielsetzung,
  • intensiven wechselseitigen Beziehungen,
  • einem ausgeprägten Gemeinschaftsgeist und
  • einem starken Zusammenhalt unter den Team-Mitgliedern.

So hat Teamleistung Erfolg

Papierkette
Ein Moderator soll den Teambildungsprozess steuern.

Die angeführten Definitionen beziehungsweise Merkmalsbeschreibungen formulieren auch einen Anspruch an ein Team, damit es hervorragende Leistungen erbringen kann. Ein Team konstituiert sich also nicht einfach durch die Zusammensetzung von Personen, sondern entsteht im Rahmen eines Prozesses. Auf diesem Weg der Entstehung durchläuft es mehrere Stufen. Um den Prozess steuern und beschleunigen zu können, sollte es dies in reflektierter Form tun. Dies ist die Aufgabe der Leiter von Teams beziehungsweise Moderatoren, die sich deren Entwicklung annehmen. Es gibt unterschiedliche Ansätze die Erfolgsfaktoren der Teamleistung zu systematisieren. Der folgende gibt die Erfahrungen des Autors aus Teamentwicklungsprozessen im Hochleistungssport und Unternehmen wieder:

Darum ein Team

Es muss einen klaren Grund, einen Auftrag (Mission) für die Existenz des Teams geben. Dieser bildet die Grundlage für die Identifikation des Teams und seine Existenzberechtigung.

Das soll das Team erreichen

Ein weiterer Faktor ist eine attraktive Vision für das Team. Visionen bewegen, wenn sie ein Zukunftsbild darstellen, für das es sich lohnt zu arbeiten, Entwicklungen anzustoßen und umzusetzen. Eine berühmte Vision war die von John F. Kennedy, der Anfang der sechziger Jahre verkündete, in diesem Jahrzehnt einen Menschen zum Mond und zurück zu bringen. Die Vision oder das Bild, welches ein Team von sich selbst hat, drückt dessen angestrebte Qualität aus. Es ist sozusagen der Leitstern für die Entwicklungsrichtung des Teams. Mit der Vision legt das Team das Anspruchsniveau fest, auf das es sich verpflichtet. Hieraus leiten sich alle weiteren Entwicklungen und auch Werte ab, die ein Team auszeichnen. Es ist daher wichtig, dass hierzu Konsens besteht und die Vision, aber auch die Werte des Teams transparent sind.

Professionalität des Teammitglieds

Die Leistung eines Teams lebt von der Leistung der Teammitglieder. Daher ist die stetige Weiterentwicklung der Teammitglieder in Richtung der persönlichen Meisterschaft eine Verpflichtung jedes Einzelnen. Nur so wird die Basis für eine hervorragende Teamleistung geschaffen.

Kompetenzen des Teams

Neben der Weiterentwicklung des Einzelnen geht es auch um die Entwicklung des Teams in seiner Leistungsfähigkeit. Das heißt, es muss lernen. Dies soll in zwei Dimensionen geschehen: Zum einen soll es lernen Aufgaben besser zu lösen, also die Dinge besser zu machen. Gleichzeitig soll es lernen als Team besser, das heißt effizienter und effektiver zu arbeiten und die Problemlösungskompetenz zu verbessern. Damit ist das Lernen von Methodenkompetenzen gemeint.

Ziele des Teams

Kranarbeiter
Teammitglieder beeinflussen direkt den Leistungserfolg des gesamten Teams.

Auf dem Weg zur Vision steckt sich ein Team Ziele, die es zu erreichen gilt. Hierbei ist es wichtig, zwei Arten von Zielen zu unterscheiden: Handlungsziele und Ergebnisziele. Ergebnisziele richten sich auf den – gewünschten – Ausgang einer Handlung, etwa den Sieg gegen einen bestimmten Gegner im Sport. Handlungsziele hingegen beziehen sich direkt auf das „wie“ der Handlung, sie sind operativ und haben einen direkten Bezug zur Handlung und blenden das Ergebnis aus. Dies kann im Sport sinnvoll sein, da die Beschäftigung mit dem Ausgang einer Handlung (Treffer beim Elfmeter: ja oder nein?) die perfekte Ausführung eher stört. Die Entwicklung der Leistung eines Teams kann sich erfolgreich an den richtigen Handlungszielen messen lassen, die unmittelbar vom Team beziehungsweise seinen Mitgliedern zu beeinflussen sind.

Ein Plan für das Team

Für das, was auf ein Team zukommt, sollte es einen variablen Plan haben. Dazu ist es sinnvoll, sich mit verschiedenen Szenarien auseinanderzusetzen. So ist man zum einen für künftige Ereignisse vorbereitet und zum anderen erhöht man mit der Auseinandersetzung die Problemlösungskompetenz. Auch die Art und Weise, wie Probleme im Rahmen kritischer Entwicklungen gelöst werden, kann geklärt werden, indem zum Beispiel Entscheidungswege beim Eintritt bestimmter Eskalationsstufen verändert werden.

Hinweis

Ein bekanntes Beispiel ist der Erfolg der Firma Shell nach der Ölkrise zu Beginn der siebziger Jahre. Dieses Unternehmen hatte Pläne für das Szenario einer Verknappung der Ölfördermengen und konnte entsprechend schnell reagieren. Damit erarbeitete es sich einen nachhaltigen Wettbewerbsvorsprung.

Genauso verhält es sich im Sport: Das Eintreten unerwarteter Situationen führt in aller Regel zum Verlust des Spieles, zumindest aber zu einem schwierigen Spiel beziehungsweise Kampf. Dies kann vermieden werden, wenn verschiedene Szenarien und mögliche Lösungen im Vorfeld durchgespielt werden.

Kommunikation und Konflikte im Team

Um bei der Steuerung von Teams auf die richtigen Instrumente zurückzugreifen, ist es sinnvoll, sich über die Situation eines Teams im Klaren zu sein. Dabei kann es folgende Situationen geben:

  • Das Team formiert sich komplett neu.
  • Es gibt personelle Veränderungen im Team.
  • Es gibt eine Veränderung der Aufgabenstellung für das Team.
  • Es erfolgt eine Neuausrichtung für das Team und dessen Selbstverständnis verändert sich.

In Situationen, in denen es darum geht ein bestehendes Team weiter zu entwickeln, ist es wichtig, die richtigen Maßnahmen zu ergreifen. Dies kann nur auf der Grundlage einer klaren und nachvollziehbaren Diagnose der Situation des Teams geschehen. Hierzu gibt es standardisierte Verfahren. Ein bekanntes Modell, welches den Zustand eines Teams diagnostiziert, bezieht sich dabei auf die folgenden vier Dimensionen:

  • Zielorientierung,
  • Aufgabenbewältigung,
  • Zusammenhalt,
  • Verantwortungsübernahme.

Die ersten beiden Dimensionen orientieren sich dabei an der Sachdimension und die beiden anderen an der personalen Dimension. Daraus lassen sich mit einem Team gezielte Maßnahmen entwickeln, wie dessen Leistung weiter verbessert werden kann.

Unterhaltung
Kommunikation statt Diskussion: Teamkonflikte sollten konstruktiv gelöst werden.

Dass die Leistungsentwicklung im Team mit Kommunikation zu tun hat, ist selbstverständlich. Daher ist es eine notwendige Voraussetzung, hier richtig zu kommunizieren und eine Kultur des Dialogs und nicht der Diskussion zu schaffen. Diese zu fördern und mit den Teilnehmern gemeinsam zu reflektieren, ist eine Kernaufgabe im Rahmen der Teamleistungsentwicklung. Konflikte in einem Team sollen konstruktiv sein und die Leistung steigern. Dies gilt allerdings nur, wenn es sich um sachliche und nicht um persönliche handelt. Es soll um die Konfrontation der Standpunkte und nicht der Personen gehen. Dies ist ein Indikator für die Entwicklungsphase, in der ein Team steckt.

Neben den Konflikten, die innerhalb eines Teams bestehen, entstehen auch immer wieder Konflikte zwischen Teams innerhalb einer Organisation. Dabei findet man häufig die Konstellation, dass die Teams an verschiedenen Leistungen gemessen werden und versuchen, diese individuelle Leistung zu verbessern, was häufig auf Kosten des Gesamtergebnisses geht. In dieser Konstellation bestehen zwischen den Teams in einer Organisation Abhängigkeiten, die berücksichtigt werden müssen, wenn die Teams in Wettbewerb zueinander treten und die notwendige Kooperation zu Gunsten von konkurrierenden Teamzielen vernachlässigen.

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Einfühlsam: Bei Veränderungsprojekten Identifikation schaffen

Gastbeitrag von Evelin Rosenfeld, Geschäftsführerin der Wirtschaftsberatung Rosenfeld & Partner, Berlin*

Kein Change ohne Zustimmung, keine Zustimmung ohne Identifikation, keine Identifikation ohne Strategie.

Baustellenschild, Synonym für Change
Große Change-Projekte erfordern eine systematische Strategie.

Dies sind unabdingbare Voraussetzungen für Führungsteams größerer Organisationen, die fundamentale Restrukturierungsmaßnahmen durchführen wollen oder müssen. Häufig werden Projekte dieser Dimension über allzu komprimierte Zielvorgaben eingeleitet und gesteuert. Dabei beherrschen von Zahlen getriebene und formalisierte Vorgehensweisen den Ablauf. Das zentrale Asset „Mensch“ wird noch immer zu wenig berücksichtigt. Wenn neue Vorgaben und Instrumente auf Unverständnis und Widerstand in der Belegschaft stoßen, wurde bereits in der Strategieentwicklung – spätestens jedoch im Strategietransfer – versäumt, die unbilanzierte stille Reserve an persönlichem Engagement und Innovationskraft der Mitarbeiter explizit einzubeziehen.

Die Fakten zu Dauer, Kosten und Imageverlusten von Restrukturierungsprojekten europäischer Großunternehmen sprechen für sich. Eine Systematik zur Strategieentwicklung und zum Strategietransfer hilft, größere Change-Prozesse professionell vorzubereiten und zu begleiten. Sie besteht aus drei Kernelementen:

  1. Die Entwicklung einer umfassenden, tragfähigen Strategie beginnt in der Geschäftsleitung und ist temporär befreit von operativen Handlungszwängen.
  2. Die Strategie definiert zwei Ebenen: Den psychologischen und den sachlichen Entwicklungspfad des Unternehmens.
  3. Der Strategietransfer wird als eigene Instanz vollzogen.

Strategieentwicklung beginnt in der Geschäftsleitung

Strategien sind keine Parolen und keine Deklarationen an den Markt. Sie sind – ursprünglich – das hoch komplexe Instrumentarium einer vorausschauenden Unternehmensleitung. Hier geht es um die systematische Definition langfristiger, das Gesamtunternehmen betreffender Ziele und Wege, die klar genug sind, um handlungsweisend zu sein. Zumeist ist die Geschäftsleitung massiv in operative Entscheidungsprozesse verstrickt. Dies ist nicht nur hinsichtlich der kapazitativen Überlastung problematisch, sondern vor allem hinsichtlich der Stringenz und Wirksamkeit des Strategietransfers in höchstem Maße kontraproduktiv.

Der Fokus verschiebt sich, neue Interessenspositionen eröffnen sich und durch Übergriffe in die Operative werden zudem Verantwortung und Engagement der nachfolgenden Ebenen blockiert. Daher beginnt ein wirksamer Richtungswechsel mit der expliziten Strategiediskussion auf Geschäftsleitungsebene, die frei ist von (akuten) operativen Belangen und sich (temporär) ausschließlich der Definition von langfristigen Gestaltungs- und Positionierungszielen für das Gesamtunternehmen konzentriert.

Quelle: Rosenfeld & Partner

Dies erfordert von beiden Seiten ein hohes Maß an Disziplin und Vertrauen. Doch gleichzeitig ist dies Voraussetzung für einen konsequenten und zielgerichteten Change-Prozess, da auf diese Weise alle Kompetenzen eindeutige Handlungsräume und Verantwortlichkeiten gewinnen.

Der psychologische und sachliche Entwicklungspfad des Unternehmens

Der Strategieentwicklungsprozess muss zweischichtig aufgebaut werden – denn es geht nicht nur um interne Gestaltungsprozesse und externe Positionierungsprozesse, sondern auch und besonders um die Unterscheidung sachlicher und psychologischer Prozesse im Change. Jeder Funktionsbereich, jede Hierarchieebene sollte sich hiermit identifizieren können, um nach eigenen Parametern Kräfte und Kompetenzen für den gewünschten Richtungswechsel zu aktivieren. Um dies zu erreichen, müssen Interessen und Bedürfnisse der Schlüsselpersonen im Unternehmen erkannt und in die strategischen Vorgaben integriert werden. Hierauf bezieht sich die Strategieentwicklung auf psychologischer Ebene. Erst dann ist eine durchgängige, persönliche Identifikation und Zustimmung zur Gesamtrichtung tragfähig.

Quelle: Rosenfeld & Partner

Der Strategietransfer ist eine eigene Instanz

Eine saubere Rollenklärung zwischen Strategie und Operative stellt sicher, dass Gesamt- und Detailsicht, Markttendenzen und Tagesgeschäft synchron, konzentriert und kompetent in die Unternehmensentwicklung einfließen. Damit sich die Einsichten und Informationen beider Ebenen sinnvoll ergänzen und Konsequenzen an der richtigen Stelle zum richtigen Zeitpunkt ergriffen werden können, bedarf es eines stetigen Transfers zwischen Strategie und Operative. Diese Funktion sollte eigentlich das obere Management erfüllen. Die Praxis deutet allerdings darauf hin, dass bereits hier eine enorme Beanspruchung – und damit auch Einfärbung – durch bereichsspezifische und operative Belange stattfindet.

Der Transfer zwischen Strategie und Operative ist eine eigene, existentiell wichtige Funktion, die als solche benannt, legitimiert und konkretisiert werden sollte. In Change-Prozessen kann diese Funktion temporär von Externen übernommen werden. Auf Dauer ist die Institutionalisierung dieser dritten Ebene jedoch dringend anzuraten.

Quelle: Rosenfeld & Partner

*Kontakt:
Rosenfeld & Partner
Evelin Rosenfeld
Moselstraße 6
12159 Berlin
Tel.: 030- 8100650 oder 810065-33
E-Mail: mail@evelinrosenfeld.de [210]
Web: www.evelinrosenfeld.de [211]

[Bild: photocase]

Emotion: Geschichten, Erlebnisse und Bilder bewegen Menschen

Wer als Besucher ein Unternehmen betritt, findet im Eingangsbereich oft eine Galerie von Zertifikaten und Auszeichnungen, die das Unternehmen erhalten hat. In einigen sieht er auch eine Skulptur des Unternehmensgründers oder der Unternehmensgründerin. Die Mitarbeiter erzählen dann gerne Geschichten aus dieser Zeit, schwärmen von Gründergeist, Aufbruchstimmung, ersten Erfolgen, schildern Rückschläge und wie sie gemeistert wurden. Solche Geschichten schaffen Identifikation und Verbundenheit. Und sie bewegen die Menschen.

Auch die Unternehmensberater und Trainer wissen seit einigen Jahren um diesen Effekt. Sie nutzen die Methode des Geschichten-Erzählens, wenn es darum geht, nachhaltig Wirkung zu hinterlassen, Gespräche zu initiieren oder Mitarbeiter zum Umdenken zu bewegen.

„Geschichten bewirken sehr viel. Sie sprechen das Herz und nicht den Verstand an und bleiben deshalb besser im Gedächtnis haften, als manch anspruchsvoller philosophischer Text. Sie zeigen, wie man mit Lebenswitz und Klugheit bestehen kann. Sie haben etwas mit den Grundweisheiten zu tun, die alle Völker dieser Welt miteinander verbinden.“

Das weiß der Kommunikationsexperte Gerhard Reichel aus seiner Erfahrung. Aber nicht nur mit dem Geschichten-Erzählen, im Fachjargon Story-Telling, lassen sich Menschen beeindrucken und bewegen; Personal- und Organisationsentwickler haben eine Reihe weiterer Methoden entwickelt, die vor allem dann eingesetzt werden, wenn es um Einstellungs- und Verhaltensänderungen geht. Zu diesen Methoden zählen unter anderem: Outdoor-Trainings, Unternehmenstheater oder Filmanalyse.

Warum Geschichten so interessant sind

Geschichten erzählen
Menschen hören gerne Geschichten

Geschichten stiften Sinn. Sie helfen uns, Komplexität besser zu verstehen, sie beantworten die Frage nach dem Warum, sind lebendig und haben eine Botschaft. Diese macht gerade einen zentralen Aspekt sichtbar. Manchmal will sie auch genussvoll entdeckt werden. Geschichten sprechen nicht nur den Verstand, sondern auch das Gefühl an. Sie beschreiben Bilder, die nachhaltiger wirken als Zahlen und Fakten.

Die Amerikanerin Annette Simmons berät seit vielen Jahren Unternehmen in Mitarbeiterfragen und nutzt das Geschichtenerzählen in vielfältiger Weise. In der Praxis hat sie in folgenden Situationen gute Erfahrungen gemacht:

  • Menschen, die Scheuklappen tragen, verweigern sich. Auch Fakten kommen selten dagegen an. Mit Geschichten werden sie bei ihren Gefühlen gepackt und oft lassen sich so die Scheuklappen von den Augen reißen.
  • Manche unbequeme Botschaft kann und will man nicht direkt sagen. Der Empfänger könnte zu sehr verletzt werden. Mit einer Geschichte lässt sie sich „durch die Blume“ sagen.
  • Neue Produkte oder Konzepte lassen sich viel besser verkaufen, wenn man sie nicht nur in allen Einzelheiten beschreibt, sondern einfach vorführt. Geschichten haben dieselbe Wirkung.
  • Es kann vorkommen, dass Vorgesetzte irren. Doch die Mitarbeiter, die das erkannt haben, trauen sich nicht, den Chef direkt darauf anzusprechen. Sie können ihre Botschaft in eine Geschichte packen.

Amos Ruwwe ist Märchenerzähler. Sein Publikum sind nicht kleine Kinder, sondern Mitarbeiter, die mitten im Berufsleben stecken. Als Organisationsberater und Coach hilft er seinen Kunden dabei, neue Sichtweisen zu finden. Er weiß:

„Märchen öffnen unsere Herzen und Sinne. Sie bereiten den Weg für die Reise zu den Bildern, die wir in uns tragen.“

Aus seiner Märchenkunde kennt er den typischen Aufbau vieler Märchen und Geschichten:

  1. Der Held wird vorgestellt;
  2. Ihm wird eine Aufgabe gestellt;
  3. Eine helfende Person tritt in Erscheinung;
  4. Am Wendepunkt muss die Aufgabe bewältigt werden, es kommt zu Kampf und Sieg;
  5. Der Held kehrt zurück;
  6. Die Ankunft ist das Ende der Bedrohung durch die Herausforderung und Aufgabe;
  7. Es kommt zur Hoch-Zeit, die Erfolge werden gefeiert.

Die Zuhörer erkennen schnell die eine oder andere Situation aus ihren Betrieben wieder, die nach einem vergleichbaren Schema ablaufen.

Warum Menschen an die frische Luft sollen

Wer Menschen verändern will, muss sie bewegen. Also schicken einige Personal- und Organisationsentwickler – unter fachmännischer Anleitung – ihre Mitarbeiter raus in die Natur. Der Reformpädagoge Kurt Hahn hat schon in den 1920er Jahren die reine „Lehrer- und Stoffschule“ kritisiert und die ganzheitliche Bildung propagiert. Er entwickelte die so genannte „Outward Bound-Pädagogik“, mit der er vor allem auf körperliches Training, Berg- und Segel-Expeditionen sowie Rettungsausbildungen setzte.

Der heutige Erlebnisansatz bei entsprechenden Mitarbeitertrainings zielt vor allem darauf ab, die folgenden Kompetenzen zu fördern:

  • Eigeninitiative
  • Kreativität
  • Kooperationsfähigkeit
  • Problemlösungsfähigkeit
  • Selbststeuerungsfähigkeit
  • Lernfähigkeit
  • Konfliktfähigkeit
  • Teamfähigkeit

[Quelle: http://www.managerseminare.de/... [212] ]

Beispiel Outdoor Assessment der Nordakademie in Elmshorn

Für alle Teilnehmer war die Herausforderung, gemeinsam die 13 Meter hohe und 11 Meter breite Teamleiter zu erklimmen, so groß, dass sie völlig vergaßen, warum sie es taten. Im Ellernhof Outdoor Assessment Center wurde ermittelt, über welche Stärken, Schwächen und Potenziale die 53 teilnehmenden Nachwuchsführungskräfte verfügen. Parallel zu ihrem Job bei Unternehmen wie Airbus, Daimler Chrysler, Dräger oder Alfa Laval studieren sie an der Nordakademie in Elmshorn. Sie bewältigten einen Tag lang vier komplexe Aufgaben im Outdoor-Areal des Trainingszentrums Ellernhof unter den Augen von 44 Beobachtern, die eigens für diese Tätigkeit einen Tag lang ausgebildet wurden.

Outdoor Assessment Labyrinth im Ellernhof
Auf unbekanntem Terrain zeigen Mitarbeiter ihre Potenziale

Verwendet wird unter anderem ein 100 qm großes unterirdisches Labyrinth, in dem mit Infrarotkameras, Bewegungssensoren und Gegensprechanlage die Probanden beobachtet werden. Auch der „See der Erkenntnis“ kommt zum Einsatz. Die Gefahr bei der See-Überquerung im Team mit wenigen Hilfsmitteln: Hineinfallen. Da gibt sich jeder Mühe, seinen Beitrag zu leisten. Teilnehmer, die ein paar Kilo zuviel haben oder unter Ängsten leiden, werden bei den Aufgaben nicht benachteiligt. Die Beobachter bewerten nicht die Sportivität, sondern das Verhalten, das der Teilnehmer im Rahmen seiner Möglichkeiten zeigt.

Dr. Siegfried Kaltenecker organisiert solche Outdoor-Veranstaltungen. Dabei ist er kein großer Freund spektakulärer Ereignisse, die den Teilnehmern körperliche und psychische Grenzerfahrungen vermitteln. Oft sind es einfache Aktivitäten, die nachhaltige Wirkung hinterlassen. Er schickt Mitarbeiter mit verbundenen Augen durch unwegsames Waldgelände oder lässt sie einen imaginären Säurefluss überqueren.

Die besondere Wirkung von Outdoor-Interventionen, wie Kaltenecker sie nennt, geht aus von:

  • einem außergewöhnlichen Rahmen, der für die meisten Mitarbeiter etwas Neues ist und sich von den üblichen Seminaren abgrenzt;
  • einer physischen Handlungskomponente, wenn vor allem auch körperlich-sinnliche Erfahrungen gemacht werden;
  • einer intensiven Arbeit mit einer Gemengelage aus Bewegung, Gefühlen und Erkenntnissen;
  • einer persönlichen Betroffenheit der beteiligten Mitarbeiter;
  • einer räumlichen und inhaltlichen Distanz zum Büroalltag.

Jede Maßnahme braucht ein klares Ziel

Nicht bei allen Personalentwicklern und Mitarbeitern kommen solche Veranstaltungen gut an. Das Gespräch am Lagerfeuer oder Bau einer Hütte aus Ästen erinnern sie eher an ihren letzten Urlaub, aber nicht an ihre Rolle im Unternehmen. Deshalb ist gerade bei Interventionen wie dem Outdoor-Training wichtig: Sie muss wohlüberlegt an die Ziele der Organisation, Veränderungsvorhaben und geplante Maßnahmen angepasst sein.

Dazu müssen sich die Begleiter und Outdoor-Trainer intensiv mit ihren Teilnehmern und deren „Setting“ auseinandersetzen und die Outdoor-Intervention maßschneidern. Genauso wichtig sind die Reflexion und Rückkopplung. Diese soll auf drei Ebenen erfolgen:

  1. Aktionsorientierung: Wie ist es mir bei der Übung ergangen? Welche Rolle habe ich eingenommen? Wie zufrieden bin ich mit dem Ergebnis?
  2. Selbstthematisierung: Woran erinnert mich diese Übung? Was kommt mir in den Sinn, wenn ich unser Übungsverhalten mit dem Arbeitsalltag vergleiche?
  3. Organisation: Welche Lehren lassen sich aus der Übung ziehen? Worauf können wir bauen? Was sollte uns nicht passieren?

Wer an einer gut gemachten Intervention teilgenommen hat, wird feststellen, dass eine „Kultur der Achtsamkeit“ gefördert wird: Zuhören statt Argumentieren, Überlegen statt Unterstellen. Die Sensibilität für ungeplante Ereignisse wird verbessert und damit auch die Kompetenz mit dem sicheren Umgang mit Unsicherheit.

Was für ein Theater

„Professor Dr. Lichtenberg betritt als Fachmann für Kommunikationswissenschaften, speziell der Markentechnik, und mit Kompetenzen in allen anderen Businessbereichen ausgestattet das Podium. Über das aktuelle Tagesthema beginnt er überzeugend und souverän zu referieren. Aber dieser Gelehrte hat nicht nur Qualifikationen im Gepäck, sondern auch an Accessoires einiges zu bieten: Fliegen, Uhren und Blätterstapel in rauen Mengen. Und so langsam bringt er manches durcheinander ...“

Deed Knerr vom Scharlatan-Theater [213] in Hamburg hat schon viele Zuhörer überrascht, irritiert und zum Lachen gebracht. Als Schauspieler tritt er in der Rolle des eigentümlichen Professors auf, um sein Publikum zu bewegen. Das Vertraute und Herkömmliche löst sich langsam auf und bricht schließlich vollständig zusammen. Die Mitarbeiter der Unternehmen, bei denen Deed Knerr auftritt, müssen ihre üblichen Vorstellungen überdenken.

Genau das will Unternehmenstheater erreichen. Durch Verfremdung und übertriebene Inszenierung sollen sich die Menschen für neue Sichtweisen öffnen. Auch hier wird vor allem auf der emotionalen Ebene gearbeitet. Der Zweck ist:

  • Kommunikationsblockaden unter den Mitarbeitern sollen aufgebrochen, Konflikte aufgedeckt, Fehlverhalten, Ängste und Tabus angesprochen werden.
  • Auf der Bühne kommen Dinge zur Sprache, die von den Mitarbeitern im Alltag zwar häufig gedacht, aber nicht ausgesprochen werden.
  • Das Unternehmenstheater fungiert als Eisbrecher, indem es Mitarbeiter sensibilisiert ohne sie vorzuführen.
  • Neues lässt sich spielerisch und experimentell testen und erfahren.

[Quelle: http://www.managerseminare.de/... [214] ]

Beispiel Deutsche Bahn

Ort des Bühnengeschehens: Ein Großraumwagen im ICE. In kurzer Zeit binden die Profi-Schauspieler von Theater-Interaktiv [215] in München ihre Zuhörer ins Geschehen ein. Das Erfolgsrezept: Improvisationstalent und die intensive Vorbereitung auf die typischen Situationen, die jeder Zugchef an seinem Arbeitsplatz immer wieder erlebt.

Schauspieler machen typische Situationen sichtbar
Mitarbeiter erkennen sich in gespielten Szenen wieder

Die Bahn-Angestellten durften in das Bühnengeschehen eingreifen, Handlungen korrigieren, eigene Erfahrungen einbringen und die Schauspieler in ihren Rollen nach Beweggründen oder Gefühlen in der jeweiligen Situation befragen. Gedanken und Emotionen wurden so schnell sichtbar und konnten realitätsnah und lösungsorientiert bearbeitet werden. Im Unternehmenstheater wird das Ganze gewürzt mit einer Prise Humor, denn Spaß muss sein.

Wenn die Spannung steigt

Bud Fox, Gordon Gekko, Erin Brockovich, Vito Corleone – diese Charaktere aus den Hollywood-Klassikern „Wall Street“, „Erin Brockovich“ und „Der Pate“ sind für Agnes Kunkel ideale Beispiele, an denen man das Verhandeln in schwierigen Situationen lernen kann. Mit ihren Kunden schaut sie sich Filme an und analysiert einzelne Szenen, um daraus die richtige Verhandlungs-Strategie und Verhandlungs-Taktik abzuleiten.

Wie das geht, hat sie zusammen mit Peter Bräutigam und Elmar Hatzelmann in ihrem Buch „Verhandeln nach Drehbuch“ beschrieben. Auch in der Organisationsentwicklung lässt sich diese Methode einsetzen. Wenn sich Mitarbeiter gemeinsam die passenden Filme ansehen, lernen sie besonders positive Beispiele, aber auch typische Fehler kennen, die sie auf ihre Arbeitssituation übertragen können.

Die eindrücklichen Filmszenen sind hervorragende Erinnerungsanker – zum Beispiel für Chancen und Risiken in einer Umbruchsituation. Mitarbeiter können sich ihren eigenen Film aus den erinnerten Szenen zusammenstellen und diesen immer wieder abrufen.

Wer bewegen will, muss die passende Methode finden

Bilder, Szenen, Metapher, Erlebnisse berühren Menschen sehr viel mehr als Zahlen und Fakten. Trotzdem können sie auch fehl am Platz sein. Denn sie wirken nur dann, wenn die Methoden, die damit arbeiten, ernst genommen werden. Und wenn die Folgen die sie auslösen, nämlich die Gefühlsänderungen der Menschen ernst genommen werden.

Die Visualisierungs-Expertin Marianne Stifel weiß:

„Wer mit visuellen Methoden arbeiten will, muss sich klar machen: Die Methoden wirken nicht per se. Sie müssen zum Unternehmen und seiner Kultur passen.“ [Quelle: ManagerSeminare 79/2004]

Weiterführende Informationen

http://www.managerseminare.de/msemi/... [216]

http://www.managerseminare.de/msemi/... [217]

http://www.wissensmanagement.net/online/... [218]

http://www.gerhardreichel.de [219]

http://www.amos-ruwwe.de [220]

http://www.loop-beratung.at [221]

http://www.scharlatan.de [222]

http://www.theater-interaktiv.net [223]

http://www.visuelle-protokolle.de [224]

[jf; Bilder: Photocase.com, Nordakademie, Theater Interaktiv]

Verknallt: Mitarbeiter mit der Erotik der Veränderung gewinnen

Gastbeitrag von Dr. Michael Fuhrmann, Geschäftsführer von Rother & Partner Management, Consulting, Training, Karlsruhe*

Lassen sich Liebe und Veränderungen miteinander vergleichen? Sicher. Lässt sich aus dem Vergleich etwas lernen? Ganz sicher. Lesen Sie selbst!

Keine Liebe auf den ersten Blick im Change Management

Liebe auf den ersten Blick entsteht beim Anblick einer neuen faszinierenden und attraktiven Möglichkeit. Sie ist aufregend, anregend, setzt Ressourcen und die besten Seiten in einem Menschen frei. Liebe auf den ersten Blick motiviert, gibt Energie und verleiht Flügel. Allerdings werden Chancen auch überbewertet, Risiken unter- oder sogar gar nicht bewertet, weil Liebe ja bekanntlich blind macht.

Bei Liebe auf den ersten Blick sehen wir das, was wir mögen und wir mögen, was wir sehen. So nutzen wir die sich selbst erfüllende Prophezeiung positiv. Wir glauben, dass dieser sympathische Mensch ebenso intelligent, vertrauenswürdig, offenherzig oder tierlieb ist und jedes noch so zaghafte Signal wird in diese Richtung interpretiert. Damit bestätigen wir uns konsequent, was wir vom ersten Moment an wussten.

Bei Veränderungsprozessen ist das genau umgekehrt: Wir sehen, was wir nicht mögen und mögen nicht, was wir sehen. Damit nutzen wir die sich selbst erfüllende Prophezeiung negativ. So halten wir zum Beispiel von den neuen Kollegen, mit denen wir nach einer Fusion zusammen arbeiten müssen, gar nichts, sondern begegnen ihnen mit Skepsis und wundern uns nicht, dass sie sich genauso zurückhaltend und abwehrend verhalten. Das haben wir ja sowieso schon vermutet. Denn: Wir sind bereits dann von den Nachteilen überzeugt, bevor wir uns überhaupt richtig überzeugen konnten.

Skeptischer Blick
Wenn Veränderungen anstehen, sind viele Mitarbeiter skeptisch.

Die meisten Menschen stehen mit beiden Beinen auf dem Boden und ihre Wurzeln reichen tief. Sie mögen keine Veränderungen, jedenfalls keine, die sie selbst schaffen müssen. Sie akzeptieren sie frühestens dann, wenn sie sich wirklich etabliert und bewährt haben. Dabei gilt das Motto „tausend Mal berührt, tausend Mal ist nichts passiert.“ Erst beim 1001. Mal verlieben sie sich dann doch. Aber dann so heftig, dass weitere Veränderungen erst recht chancenlos sind.

Parallelen zwischen Paarungs- und Change-Prozess

Das Prinzip „Gegensätze ziehen sich an“ ist sprichwörtlich. Zuerst sind die Unterschiede interessant, das Andersartige fasziniert, scheint eine sinnvolle Ergänzung für sich selbst, ist das Objekt der Begierde, weil es einem selbst fehlt. Der neue Partner ist Projektionsfläche für eigene unerfüllte Träume und Wünsche.

Im Change Management begegnet uns dieses Motiv auch: Fusionen sind attraktiv, weil man von Know-how, Produkten oder Fähigkeiten profitieren möchte, die einem selbst fehlen. Das führt zu regelrechten Pendel-Veränderungen bei Management-Moden. Bei zentraler Organisation äußert sich der Wunsch nach flexibleren dezentralen Einheiten, ist die Dezentralisierung verwirklicht, wird das Heil in Zentralisierung gesucht – manchmal wird man auch von Beratern oder Börsenfachleuten dazu gedrängt. Ähnliches gilt für Diversifikations-Strategien oder für die Konzentration auf Kernkompetenzen.

Das Prinzip „gleich und gleich gesellt sich gern“ ist privat wie beruflich ein fast noch beliebteres Motto. Für dauerhafte, stabile Verhältnisse sind solche grundlegenden Gemeinsamkeiten auch notwendig. In der Wirtschaftsorganisation sind das:

  • Gemeinsame Visionen, Leitbilder und Werte,
  • akzeptierte Regeln und Prozesse,
  • Standards,
  • Ziele,
  • gemeinsame Vorstellungen und Erinnerungen
  • gemeinsam verarbeitete Erfolge und Misserfolge.

Ein sicheres Maß an Homogenität erhöht die Harmonie, schafft und erhält Sympathie. In der Kombination beider Prinzipien liegt auch hier der Weisheit letzter Schluss. Auf der Grundlage gleicher Anlagen und Interessen können Unterschiede dauerhaft ertragen, interessant gehalten und vielleicht sogar als Synergiepotenzial genutzt werden. In einer Wirtschaftsorganisation versteht man darunter heterogene Teams, die sich auf der Grundlage gemeinsamer Visionen und Werte bewegen und sich synergetisch miteinander verknüpfen, um immer wieder Neues zu entwickeln.

Das gilt auch in Veränderungsprozessen: Wenn der Boss sich in die eigene Vision verliebt, kann er es gar nicht verstehen, wenn die übrigen davon nicht ebenso begeistert sind. Dabei vergisst er, dass Geschmäcker durchaus verschieden sind, dass er einen so genannten Vorsprung des Kennenlernens hat und sich von diesem neuen „Engagement“ auch selbst am meisten versprechen kann. Die Attraktivität von Personen und Ideen steigt mit der Anzahl der „Alpha“-Menschen, die ihnen Attraktivität zuschreiben. Dem Chef kommt hier eine Signalwirkung beziehungsweise Vorbildfunktion zu. Im Change Management ist es aber umso schlimmer, wenn die Geschäftsführung gar nicht wirklich verknallt ist.

Fusionen sind oft romantisches Blendwerk

Wenn Veränderungen sexy sein sollen, bedienen wir uns oft äußerlichen Attributen. Wir sprechen von Verschlankung der Organisation, Fitnessprogrammen zur Kostensenkung, Beschleunigung der Prozesse oder Product-Facelifting. Gelegentlich kommt es dabei zu hocherotischen Formulierungen wie „konsequenter Kunden-Penetration“ oder die Konzentration auf die allerbesten Praktiken, best practice. Viele Menschen sehen in solchen Ansätzen die inneren Werte der Unternehmenskultur zurück gesetzt, wichtiger seien vielmehr die Qualität der Beziehungen und der Produkte. Es macht allerdings wenig Sinn darüber zu streiten, welche Werte nun attraktiver sind. Das ist subjektiv, auch im ökonomischen Kontext. Je nachdem, wer sich wodurch welche Vorteile verspricht.

Fata Morgana
Täuschung oder Wirklichkeit? Nicht jede Veränderung bringt den erhofften Erfolg.

Entgegen gängiger Vorurteile widersprechen sich innere und äußere Reize nicht unbedingt. Aber vielleicht ist es auch in der Wirtschaft so, dass sich vor allem die schüchternen Menschen auf die inneren Werte zurückziehen, weil sie sich nicht gleich an Neues heran trauen. Die Abwertung des attraktiven äußeren Reizes erfolgt dann wegen der geringen inneren Selbstbewertung. Schon deshalb lohnt es sich, selbstbewusste Mitarbeiter zu entwickeln. Romantische Affairen sind auch in der Wirtschaft ein riskantes Konzept. Blendwerke expliziter und impliziter Versprechungen, gegenseitige Wunsch-Projektionen und der Rausch des schnellen Erfolges vernebeln häufig die Sinne und führen nicht selten zu dramatischen Verlusten. Das zeigen viele Fusionen der letzten Jahre.

Nicht alles was sinnlich ist, erweist sich unter näherer Betrachtung immer auch als sinnvoll. Schnellschüsse befriedigen auch im Veränderungsprozess nicht wirklich. Es gibt Veränderungen, die einfach zu früh passieren. Insofern lohnt es sich, beim Anstehen einer grundlegenden Veränderung auch eine analytische Betrachtung vorzunehmen. Langfristige und nachhaltige Ergebnisse lassen sich oft eher erzielen, wenn strategisch vernünftig und nicht nur unter einem erotischen Einfluss spontan gehandelt wird. Wie Johann Wolfgang von Goethe bereits weise riet: „Drum prüfe, wer sich ewig bindet.“ Allerdings mutiert diese Mahnung bei Veränderungsskeptikern leicht zum phobischen Slogan: „Drum prüfe ewig, wer sich bindet.“

*Kontakt:
Managementberatung Rother & Partner
Dr. Michael Fuhrmann
Käthe-Kollwitz-Str. 42
76227 Karlsruhe
Tel.: 0721-941710
E-Mail: info@rother-partner.com [225]
Web: rother-partner.com [226]

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Pflegebedürftig: Bei Mergers and Acquisitions zusammenwachsen

„MAN bereitet Scania-Übernahme vor“ – „Für Bayer ist Schering nur der Anfang“ – „Sensationelle Wende: Börse wettet auf Übernahme von MAN“. Solche Schlagzeilen zeigen: Wenn große und börsennotierte Unternehmen den Kauf eines anderen bekannt geben und vorantreiben, dann ist das Medienecho groß. Wochenlang wird von den „Übernahmeschlachten“ berichtet.

Nicht immer sind die betroffenen Unternehmen damit einverstanden, wenn sie von einem anderen einverleibt werden. Sie wollen ihre Eigenständigkeit bewahren oder einfach nur den Kaufpreis in die Höhe treiben. Einerseits befürchten die Mitarbeiter, dass ihre Arbeitsplätze in Gefahr geraten. Andererseits stehen die Top-Manager im Rampenlicht und müssen ihr strategisches und taktisches Verhandlungsgeschick und ihre Durchsetzungsfähigkeit beweisen.

Zusammenschlüsse und Unternehmenskäufe sind ein zentrales Thema der strategischen Planung

Im Jahr 1985 erfolgten Unternehmenstransaktionen im Wert von etwa 200 Milliarden US-Dollar. Etwa 15 Jahre später war dann der Höhepunkt der Übernahmen erreicht. Für etwa 3.700 Milliarden US-Dollar wurden Unternehmen gekauft und verkauft [Quelle: Thomson Financial; ADL [227] ]. Danach gingen Transaktionsvolumen und Anzahl der Firmenkäufe wieder zurück, doch der große Stellenwert dieser Strategie blieb erhalten.

Nicht nur für große Unternehmen ist der Zusammenschluss oder Kauf eines anderen ein zentrales Thema. Auch kleine und mittelständische Betriebe überlegen, ob eine solche Strategie Vorteile bringt und Wachstum fördert. Wer einen Wettbewerber übernimmt, schafft sich mehr Möglichkeiten am Markt, gewinnt neue Kunden oder profitiert von dessen Know-how. Manche lösen so auch die Nachfolgeregelung in ihrem Betrieb. Doch gerade mittelständische Unternehmen haben hier noch erhebliche Defizite. Kai Lucks, Vorsitzender des Bundesverbandes Mergers & Acquisitions e.V. weiß, dass es in Deutschland einen Stau wegen einer mangelnden Übergabekultur gebe.

Stichwort

Mergers and Acquisitions (M&A) ist der englische Ausdruck für Fusionen und Übernahmen und ein Sammelbegriff für Unternehmenstransaktionen, bei denen sich Gesellschaften zusammenschließen oder den Eigentümer wechseln.

Dabei sind Mergers and Acquisitions für die Experten kein generelles Erfolgsrezept. Prominentes Beispiel: BenQ scheiterte mit dem Kauf der Mobiltelefon-Sparte von Siemens schon nach wenigen Monaten. Die jeweiligen Kernkompetenzen passen nicht zueinander. Das sieht auch Kai Lucks so und meint bei einer Diskussionsrunde der Financial Times Deutschland:

„Unternehmen müssen erst das eigene Kerngeschäft beherrschen - und es dann durch Zukäufe stärken.“

Was unrentabel ist, nicht beherrscht wird und nicht zum Kerngeschäft zählt, wird verkauft, abgestoßen oder dicht gemacht. Dagegen soll das Kerngeschäft weiter ausgebaut und durch Zukäufe gestärkt werden. Doch nicht immer machen die verantwortlichen Manager deutlich, was denn nun zum Kerngeschäft zählt und was die Stärken des eigenen Unternehmens ausmacht. Ein attraktives Kaufobjekt wird dann schnell als strategische Komponente für das eigene Unternehmen idealisiert.

Mergers and Acquisitions bergen zahlreiche Chancen

Wenn sich zwei Unternehmen zusammentun oder durch Kauf zusammengeführt werden, kann das unterschiedliche Gründe haben. Im Vordergrund steht das Wachstum eines Unternehmens, es erfolgt einfach durch Zukauf. Für viele ist genauso wichtig, die Potenziale des anderen Unternehmens anzuzapfen und zu nutzen. Die zentralen Motive sind demnach:

  • Erschließung neuer Märkte und Kundengruppen, wenn die beiden Unternehmen bislang in unterschiedlichen Regionen und bei unterschiedlichen Kundengruppen aufgetreten sind;
  • Verringerung des Wettbewerbsdrucks, wenn mit dem Kauf der Konkurrent am Markt verschwindet und die Kartellbehörden dem zustimmen;
  • Erwerb von Know-how oder Patenten für neue Produkte oder zur Beherrschung von Technologien und Prozessen;
  • Ausweitung der angebotenen Produktpalette, um Kunden ein breiteres Angebot machen zu können oder um Full-Service-Anbieter zu sein;
  • Erschließung von Rationalisierungspotenzialen, indem Doppelarbeiten eingespart, hohe Kosten für Forschung und Entwicklung vermieden oder bessere Konditionen bei Lieferanten ausgehandelt werden können.

Die beiden Kommunikationsriesen Siemens und Nokia haben vor wenigen Wochen bekannt gegeben, in der Telekommunikation eng zusammenzuarbeiten. Sie bündeln ihre Aktivitäten im Joint Venture Nokia Siemens Networks. Der Siemens-Chef Klaus Kleinfeld hat damit einen starken Partner für seinen schwächelnden Unternehmensbereich gefunden.

Nokia will seiner Network Business Group mehr Schlagkraft verleihen und den Konkurrenten Lucent/ Alcatel und Ericsson Marktanteile abknüpfen. Ein weiteres wichtiges Ziel: Bis zum Jahr 2010 soll der Zusammenschluss jährlich Kosteneinsparungen von etwa 1,5 Milliarden Euro bringen. Laut Nokia gebe es eine Reihe überlappender Funktionen in den Bereichen Sales und Marketing sowie Forschung und Entwicklung, die nun eingespart werden könnten.

In der Pharmabranche fusionieren Unternehmen, weil die Kosten für die Entwicklung neuer Wirkstoffe und Arzneien so hoch sind, dass sie kaum noch ein kleines Unternehmen selbst tragen kann. Allein im September 2006 wurden drei große Zusammenschlüsse angekündigt:

  • Altana verkauft seine Medizinsparte an die dänische Nycomed, die damit mehr Produkt- und Entwicklungs-Know-how erwerben und ihr Gewicht im Pharma-Markt stärken will.
  • Merck steigt mit dem Erwerb von Serono in die Bio-Technologie ein, weil man sich dort die stärksten Wachstumsraten erhofft.
  • Schwarz-Pharma schlüpft bei der belgischen UCB unter, weil diese den teuren Vertrieb besser beherrschen.

Vorgehensweise: Phasen des Zusammenschlusses

Kauf und Zusammenschluss sind für jedes Unternehmen eine besondere Herausforderung. Die Aufgaben für das Management sind gewaltig. Experten wie Fritz Kröger, Vice Präsident der Unternehmensberatung A.T. Kearney, meinen, dass auch heute noch jede zweite Transaktion ein Misserfolg ist.

Voraussetzungen für einen erfolgreichen Zusammenschluss sind eine rechtzeitige Planung, ein klares und ausgearbeitetes Konzept und eine zügige Integration. Deshalb sollten diese drei Phasen sehr gut geplant und durchgeführt werden:

  1. Vorbereitungsphase: Zunächst muss das Unternehmen seine Hausaufgaben machen. Strategie, Ziele und Kernkompetenzen müssen klar sein. Auf dieser Grundlage leiten sich potenzielle Kandidaten für eine Übernahme ab. Daraus ergeben sich dann die konkreten Chancen und Risiken für die Zukunft. Auch die gemeinsamen Stärken und Schwächen im Wettbewerb sollten im Vorfeld durchdacht werden.
  2. Transaktionsphase: Mit der ersten Kontaktaufnahme beginnt die Transaktion. Sie umfasst die Planung der Verhandlungsstrategie und Verhandlungstaktik, die genaue Prüfung des Übernahmekandidaten, die Kommunikation mit Eigentümern und der Öffentlichkeit sowie Vertragsgestaltung und Vertragsabschluss.
  3. Integrationsphase: Nach dem Erwerb und Zusammenschluss muss die organisatorische und kulturelle Integration bewältigt werden. Das Management muss beweisen, dass es die anvisierten Ziele erreicht. Die Integration umfasst neue Unternehmensstrukturen, Verantwortungsbereiche, Organigramme, Prozessabläufe, die Abstimmung der Produkte, Dienstleistungen und Marken, allzu oft auch die Entlassung von Mitarbeitern und die Neubesetzung von Management-Positionen.

Ein Problem ist: Die Unternehmen konzentrieren sich zu sehr auf die Transaktionsphase. Hier bemühen sie Investment-Banker und erfahrene M&A-Profis, um die Verhandlungen zu führen, alle Details zu prüfen (Due Diligence) und den Kaufpreis zu bestimmen. Die meisten und schwerwiegenden Fehler werden aber in der Vorbereitung und später bei der Integration gemacht.

Viele Unternehmen machen ihre Hausaufgaben nicht. Sie vergessen, sich selbst Klarheit darüber zu verschaffen, warum sie ein anderes kaufen wollen. Die Experten der Unternehmensberatung Bain & Company raten deshalb:

„Erfolgreiche Akquisiteure starten mit einer Investment-Hypothese, einer Kernaussage darüber, wie der Erwerb eines bestimmten Unternehmens Wert schaffen soll. Die zugkräftigsten Aussagen erklären deutlich, warum und wie eine Akquisition das eigene Kerngeschäft entscheidend verbessert.“ [Quelle: http://www.masteringthemerger.com [228] ]

Letztlich müssen auch die Mitarbeiter der betroffenen Unternehmen mitziehen – zumindest die, die bleiben sollen. Und deshalb muss schnell klar sein, mit wem das Management plant. Sonst herrscht monatelang Unsicherheit und Angst und keiner bewegt mehr etwas.

Beispiel Adidas

Die Sportartikelfirma aus Herzogenaurach hat im August 2005 für 3,1 Milliarden Euro den Konkurrenten Reebok übernommen. Ein Integrationsgremium soll seither dafür sorgen, dass die beiden Organisationen mit ihren Mitarbeitern zusammenwachsen. Neben regelmäßigen Informationen im Intranet, per Video und Brief an alle Mitarbeiter der ehemals getrennten Unternehmen gibt es den so genannten Puls-Check.

Per E-Mail werden alle Mitarbeiter regelmäßig befragt, wo es bei der Zusammenführung ihrer Meinung nach hakt. So werden potenzielle Konflikte und Problemfelder aufgedeckt, die dann zielgerichtet beseitigt werden können.

Risiken und Hemmnisse

Das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Firmenkulturen und Organisationsstrukturen ist bei Unternehmenszusammenschlüssen meistens der Knackpunkt. Die Betriebswirte können im Vorfeld noch so große Synergiepotenziale berechnen – wenn die Mitarbeiter nicht wollen oder können, wird der Erfolg ausbleiben.

Oft fühlen sich die Mitarbeiter des einen Unternehmens als Verlierer, die um ihren Arbeitsplatz bangen und nur noch Vorgaben des beherrschenden Unternehmens umsetzen sollen. Nicht selten leisten sie dann heimlich oder offen Widerstand.

Obwohl der Versicherungskonzern Allianz schon vor fünf Jahren die Dresdner Bank übernommen hat, scheint der Zusammenschluss noch immer nicht vollzogen. Zu wenig kümmerten sich die Versicherer um die Bedürfnisse und Befindlichkeiten der Banker. Zu oft, zu hektisch, zu wenig überlegt wurden Vorgaben gemacht, die in den Bankfilialen umgesetzt werden sollten. Doch kaum jemand vor Ort konnte und wollte das Geschäft des anderen wirklich verstehen.

Auch die erfolgsverwöhnten Autobauer bei BMW mussten eine herbe Niederlage einstecken. Nach der Fusion mit Rover trennten sie sich nach wenigen Jahren wieder. Die Folge: Milliardenverluste. Obwohl die Münchner viel vom Autobauen und Vermarkten verstehen, gelang es ihnen nicht, das Know-how auf eine völlig andere Organisation, Logistik und Kunden-Klientel zu übertragen.

Auf die Manager wartet jedes Mal ein Berg von Arbeit, wenn sie zwei Unternehmen zusammenführen und zusammenschweißen sollen. Zum einen sind es strategische Fragen des Innovationsmanagements und der Markenführung. Zum anderen sind es Tausende von operativen Fragen, die geklärt werden müssen, damit möglichst schnell alles wieder reibungslos läuft. Die folgende Abbildung gibt einen Überblick.

Bedeutung der Integrations-Arbeit in Bezug zu strategischen Handlungsfeldern
[Quelle: www.atkearney.com/shared_res/pdf/FinancierWW-NotSoFast.pdf]

Zusammenschluss mit einem Integrationsteam meistern

Erfolgreiche Zusammenschlüsse zeichnen sich oft dadurch aus, dass das Top-Management alle wichtigen Aufgaben in einem Integrationsteam bündelt. Dort sitzen Vertreter beider Unternehmen, die einerseits ihre jeweiligen Anforderungen einbringen und andererseits für die Umsetzung in ihren Unternehmen Sorge tragen.

Im Integrationsteam werden Pläne geschmiedet, wo in Zukunft welche Aufgaben übernommen werden, wer das zentrale Controlling, Rechnungswesen oder die Personalverwaltung übernimmt, wie die Informationstechnik zusammengeführt werden kann oder wie die Produktpalette und der Vertrieb harmonisiert werden.

Fast immer gibt es Konflikte. Aber im Integrationsteam sollen sie offen ausgesprochen und konkrete Lösungen gefunden werden. Wenn das nicht möglich ist, entscheidet das übergeordnete Management.

Als die Postbank die Bausparkasse BHW und 850 Postfilialen übernahm, wurde ein Team aus 30 Mitarbeitern gebildet, das alle Fragen zu klären hatte – auch die des Stellenabbaus. Die Teamleiter trafen sich jede Woche mit den verantwortlichen Vorständen, um über Probleme zu berichten und Entscheidungen zu treffen.

Jörg Gnamm, Partner der Unternehmensberatung Bain & Company, fasst die Erfolgsfaktoren in einem Fachgespräch mit der Financial Times Deutschland so zusammen:

„Erstens sind [die erfolgreichen Unternehmen, die andere zukaufen] von einem starken Kern heraus gewachsen. Zweitens zeichnen [sie] sich dadurch aus, dass sie ihre Kunden verstünden. Und drittens ist bei M&A entscheidend: kleine Häppchen statt großer Happen.“

Checkliste

Auch kleine und mittelständische Unternehmen können von Mergers and Acquisitions profitieren. Ob bei einem Bäcker, der die Filialen seines Wettbewerbers übernimmt, einem Maschinenbauer, der sich das Know-how eines Zulieferers einkauft oder einem Software-Unternehmen, das bei einem großen Partner unterschlüpft – immer ist eine geplante und zielgerichtete Vorgehensweise wichtig. Folgende Aspekte sind essentiell:

  • Strategieplanung: Herausarbeiten, welche strategischen Vorteile mit einem Partner erreicht werden sollen.
  • Partner-Wahl: Sorgfältige Auswahl potenzieller Übernahme- oder Fusions-Kandidaten.
  • Verhandlung und Vertragsgestaltung: Sachgerechte Bewertung der Firmenwerte.
  • Herausarbeiten der gemeinsamen Stärken: Plan zur gemeinsamen Marktbearbeitung.
  • Integrationsteam: Mitarbeiter aus beiden Unternehmen, die sich um alle Fragen der organisatorischen und kulturellen Zusammenführung kümmern.
  • Klare Entscheidungen treffen: Sicherheit für die Mitarbeiter geben und eindeutige Kommunikation betreiben.
  • Aufgabenverteilung klären: Neugestaltung aller Prozesse und Verantwortungsbereiche.
  • Organisationskulturen zusammenwachsen lassen: Zeit einplanen, damit sich Mitarbeiter und ihre Kultur angleichen können.

Links und Quellen

http://www.bm-a.de [229]

http://www.manda-institute.org/en/... [230]

http://www.ftd.de/karriere_management/... [231]

http://www.masteringthemerger.com [232]

http://www.bain.com/bainweb/... [233]

http://www.adl.com/insights/... [234]

http://www.atkearney.com/shared_res/... [235]

http://www.bain.com/bainweb/... [236]

http://www.mckinseyquarterly.com/... [237]

[jf; Bilder: avismaLink fehlt (partnernews) Business-Illustrationen, Photocase.com]

Trumpf: In Change-Projekten mit offenen Karten spielen

Wenn Unternehmen vor tief greifenden Veränderungen stehen, liegt das oft an folgender Situation: In den oberen Führungsetagen herrscht eine starke Aufbruchstimmung und ein großer Optimismus. Auf den unteren Ebenen hingegen liegen die Nerven blank. Hier dominiert die Zukunftsangst und entsprechend negativ sind Stimmung und Arbeitsatmosphäre. Die Stimmung ist meist umso depressiver

  • je tief greifender aus Sicht der Mitarbeiter die geplanten Einschnitte sind und
  • je weniger die Mitarbeiter über die Ziele, den Ablauf und die Folgen des anstehenden Veränderungsprozesses informiert sind.

Beide Faktoren hängen unmittelbar miteinander zusammen, denn je weniger Informationen die Mitarbeiter über die geplanten Veränderungen und somit ihr künftiges Schicksal haben, umso stärker brodelt die Gerüchteküche: „Was haben die da oben vor?“ Und umso größer ist auch ihre Verunsicherung, was letztlich zu überflüssigen Widerständen führt.

Kernaufgaben der Change Manager

Deshalb lautet eine Voraussetzung für das erfolgreiche Managen von Change-Prozessen: Die mittel- und unmittelbar betroffenen Mitarbeiter, aber auch Kunden und Lieferanten, sollten so weit und so früh wie möglich und nötig in den Prozess integriert werden. Dabei muss die Aussage „so weit und so früh wie möglich und nötig“ stets abhängig von der Situation neu interpretiert werden. Deshalb lässt sich der bei einem Change-Projekt praktizierte Lösungsweg – selbst wenn er sehr erfolgreich war – nicht eins zu eins auf ein anderes Projekt übertragen.

Dennoch lassen sich für jedes Change-Projekt Kernaufgaben definieren, die seitens des Managements im Verlauf des Prozesses zu erfüllen sind. Nach Harvard-Professor John P. Kotter sind es folgende:

  1. „Create a sense of urgency“: Die Unternehmensführung muss allen Betroffenen und Beteiligten die Notwendigkeit der Veränderung aufzeigen und bewusst machen.
  2. „Create a coalition“: Sie muss sich Verbündete suchen, die sie aktiv unterstützen.
  3. „Develop a clear vision“: Sie muss eine Vision haben, wohin die Reise geht; und eine Strategie, wie die definierten Ziele erreicht werden sollen.
  4. „Share the vision“: Die Veränderungsvision muss den Betroffenen und Beteiligten professionell kommuniziert werden.
  5. „Empower people to clear obstacles“: Die Mitarbeiter müssen mit den nötigen Befugnissen und Kompetenzen ausgestattet werden, um im Prozess auftretende Hindernisse und Widerstände zu beseitigen.
  6. „Secure short-term wins“: Kurzfristige (Teil-)Erfolge müssen gezielt geplant und kommuniziert werden, damit bei allen Beteiligten das Vertrauen wächst, das große Ziel erreichen zu können.
  7. “Consolidate and keep moving“: Das Management muss das Erreichte sichern und den Change-Prozess gezielt vorantreiben.
  8. „Anchor the change“: Die erreichten Veränderungen müssen in der Organisation verankert und in die Unternehmenskultur integriert werden.

Eine solche Beschreibung des Vorgehens bleibt notwendigerweise recht vage, da sich die Situation in jedem einzelnen Unternehmen unterscheidet. Deshalb sei hier die praktische Umsetzung anhand eines Change-Projekts beschrieben, das die Unternehmensberatung Dr. Kraus & Partner im Produktionsbereich eines Industrieunternehmens begleitete.

Ziel dieses Projekts war es, in der Fertigung ein neues Produktionsverfahren mit einem höheren Automatisierungsgrad einzuführen. Die negative Konsequenz aus Sicht der Belegschaft: 30 Prozent der Mitarbeiter wurden überflüssig. Trotzdem lauteten die anspruchsvollen Ziele des Vorstands:

  • Das Projekt soll von den Mitarbeitern mitgetragen werden.
  • Das Engagement der Mitarbeiter soll im Verlauf des Projekts nicht sinken.
  • Die verbleibenden Mitarbeiter sollen trotz des Personalabbaus für sich eine Perspektive im Unternehmen sehen.
  • Die zu kündigenden Mitarbeiter sollen beim Verarbeiten der Kündigung und beim Entwickeln einer neuen beruflichen Perspektive unterstützt werden – auch, um zu vermeiden, dass die Identifikation der verbleibenden Mitarbeiter mit ihrem Arbeitgeber sinkt und das Image des Unternehmens (als Arbeitgeber) Schaden nimmt.

Praxisfall: Begleitung eines Change-Prozesses

Um diese Zielvorgaben zu erfüllen, wurde zunächst ein detailliertes „Drehbuch“ für den Change-Prozess entwickelt. Dieses enthielt auch ein Kommunikationskonzept, in dem präzise definiert war, wann wer welche Informationen durch wen über den geplanten Veränderungsprozess erhält. Um ein Brodeln der Gerüchteküche und unnötige Unruhe in der Organisation zu vermeiden, wurde unter anderem entschieden: Es soll so früh wie möglich publik gemacht werden, welchen Mitarbeitern gekündigt wird. Hierdurch wollte das Unternehmen

  • den verbleibenden Mitarbeitern die Gewissheit ihrer Jobsicherheit vermitteln und
  • den Mitarbeitern, von denen eine Trennung erfolgen sollte, die Möglichkeit bieten, sich frühzeitig nach einer neuen beruflichen Perspektive umzusehen.

Da dem Unternehmen bewusst war, dass aus dem Change-Prozess besondere Anforderungen an die Führungskräfte resultieren, wurde zudem beschlossen, diese bezogen auf die Themenfelder „Führen in Zeiten von Personalabbau“ und „Führen von Kündigungs- und Trennungsgesprächen“ zu schulen.

Außerdem entschied die Unternehmensleitung – da mit jedem Change-Prozess außer einer höheren Arbeitsbelastung auch eine höhere psychische Belastung verbunden ist – jeder Führungskraft einen externen Coach zur Seite zu stellen. Ihn konnten die sie jederzeit kontaktieren. Hinter dieser Entscheidung stand auch die Erkenntnis, dass sich größere Change-Prozesse nur bedingt zentral steuern lassen. Deshalb benötigen die lokalen Einheiten eine fachliche und mentale Unterstützung.

Installation eines Frühwarnsystems

Eine große Bedeutung wurde auch folgenden Fragen beigemessen:

  • Wie können wir die Qualität des Change-Prozesses messen?
  • Welche Informationen sind notwendig, um frühzeitig zu erkennen, wenn Interventionsbedarf entsteht?

Entschieden wurde, jeden Monat eine – partielle -Mitarbeiterbefragung, differenziert nach Hierarchieebenen, durchzuführen. Ziel: Herausfinden, ob der Prozess wie gewünscht verläuft oder zusätzlicher Handlungsbedarf besteht. Erfasst wurden dabei die vier Dimensionen Informationsfluss, Dialog, Engagement und Handlungsunterstützung. Man entschied sich hierfür aus folgenden Gründen:

Damit die Mitarbeiter ihren Beitrag zur gewünschten Veränderung leisten können, benötigen sie die dafür relevanten Informationen. Außerdem muss ein Dialog zwischen Beteiligten und Betroffenen erfolgen, damit sich die Einzelinitiativen verzahnen und keine Insellösungen entstehen.

Wichtig war es dem Unternehmen auch, über eine Art Seismograph zu verfügen, der anzeigt, inwieweit die Mitarbeiter noch hinter dem Projekt stehen. Deshalb wurden diese auch hinsichtlich ihres Engagements befragt. Hintergrund: In Veränderungsprozessen kommt es zuweilen vor, dass im Verlauf des Projekts die Motivation von Mitarbeitern beziehungsweise Mitarbeitergruppen, die dem Prozess an sich durchaus positiv gegenüberstehen, plötzlich sinkt. Zum einen, weil sie merken, was die geplante Veränderung für sie bedeutet. Zum anderen, weil unvorhergesehene Probleme auftauchen. Deshalb sollte eine Art Frühwarnsystem registrieren, ob bei bestimmten Mitarbeitergruppen die Gefahr besteht, dass sie aus dem Prozess aussteigen.

Aktive Unterstützung der gekündigten Mitarbeiter

Der Gefahr, dass die gekündigten Mitarbeiter den Prozess stören, wurde durch ein so genanntes „Exit-Programm“ entgegengewirkt. Es regelte, wie der Kündigungs- und Trennungsprozess gestaltet werden sollte; außerdem, welche Unterstützung die Gekündigten beim Verarbeiten der Kündigung sowie Entwickeln einer neuen Perspektive erhalten. Angefangen bei einem individuellen (Krisen-)Coaching bis hin zur aktiven Unterstützung beim Entwickeln einer neuen beruflichen Perspektive durch Outplacement-Berater.

Nach anfänglichem Frust merkten die Mitarbeiter schnell: Das Unternehmen fühlt sich ihnen trotz Kündigung weiterhin verpflichtet. Dies honorierten sie: Der Krankenstand stieg nach Aussprechen der Kündigung nicht an und auch die Zahl der Arbeitsgerichtsprozesse lag weit unter den bei solchen Projekten sonst üblichen Werten.

Durch das akribische Planen des Change-Prozesses sowie die intensive Berücksichtigung des Faktors Mensch gelang es dem Unternehmen, das Projekt wie geplant abzuschließen. Selbst der Personalabbau verlief ohne Störungen. Das zeigt: Auch Change-Projekte, die massive Auswirkungen auf die Arbeitsbeziehungen und -inhalte sowie die Arbeitssituation der Mitarbeiter haben, können weitgehend reibungslos verlaufen. Aber nur unter drei Bedingungen:

  • Das Unternehmen plant das Projekt professionell,
  • es spielt - soweit möglich - mit offenen Karten und
  • integriert die Mitarbeiter in den Prozess.

[Bilder: photocase]

Hinschauen: Von der Natur lernen heißt erfolgreich sein

Gastbeitrag von Cay von Fournier, Leiter der Unternehmensgruppe SchmidtColleg, Berlin*

Wie auf einem Schiff besteht in einem Unternehmen die Notwendigkeit der aufmerksamen Steuerung, der Ordnung. Die Gewalten, die auf offener See wie auf den globalen Märkten herrschen, sind vergleichbar und lassen sich nicht beeinflussen. Aber selbst, wenn wir nicht über Wind und Wellen gebieten können, sind wir in der Lage, unseren Kurs zu wählen und die Segel entsprechend zu setzen. Bei schönem Wetter können viele „Kapitäne“ segeln, bei schlechtem Wetter und bei Sturm sind es nur wenige. Für alle gibt es zwei schlechte und eine gute Nachricht:

  • Eine allgemeine wirtschaftliche Hochkonjunktur ist in Deutschland in den nächsten zehn Jahren eher unwahrscheinlich. Wir haben viele Veränderungen vor uns.
  • Branchenkonjunkturen sind auch eher unwahrscheinlich.
  • Unternehmenskonjunkturen sind jederzeit möglich. Das zeigen auch die vielen Beispiele von Unternehmen, die in hart umkämpften Märkten außergewöhnlich erfolgreich agieren.

Das Unternehmen als komplexer Organismus

Wenn wir ein Unternehmen mit einem biologischen Organismus vergleichen - zum Beispiel dem des Menschen -, so stellen wir eine Vielzahl von Parallelen fest. Das Wissen der Medizin kann uns auf dem Weg zu einem erfolgreichen und gesunden Unternehmen nützlich sein. Unternehmen sind komplexe Systeme, die in gesundem Zustand Außergewöhnliches zu leisten imstande sind. Wenn das System jedoch krank ist, schwindet die Leistungsfähigkeit. Eine schwere Krankheit kann beim Menschen zum Tod, beim Unternehmen in die Insolvenz führen.

Das Leben ist viel zu schön und kostbar, um es nicht mit allen Mitteln gegen Krankheit, Leid und Tod zu verteidigen. In punkto Gesundheit spreche ich von Menschen und Unternehmen. Beide gehören zusammen. Es gibt keine gesunden Unternehmen mit kranken Menschen und keine gesunden Menschen in kranken Unternehmen. Doch gerade heute gibt es immer mehr kranke Menschen in kranken Unternehmen. Kranke Unternehmen machen Menschen krank. Sei es durch schlechte Führung und Arbeitsbedingungen, durch Mobbing, Burnout oder durch fehlende Anerkennung guter Arbeit.

Kranke Menschen wiederum machen Unternehmen krank. Ein Mensch in einer Führungsposition, dem es persönlich schlecht geht, wird andere Menschen selten gut behandeln und eher seine Macht für persönliche Interessen ausnutzen. Er ist wie eine Infektion für das Unternehmen. Und diese Infektion wird sich schnell ausbreiten.

Das Unternehmen als virtuelles System

Wie der Körper ein komplexes natürliches System ist, ist das Unternehmen ein komplexes virtuelles System. Der Körper des Menschen hatte seit der Entstehung der Spezies „homo erectus“ 2,2 Millionen Jahre Zeit für die Entwicklung. Das moderne organisierte Unternehmen ist hingegen im Vergleich sehr jung. Mit der Industrialisierung entwickelten sich virtuelle Systeme. Mit Taylor wurde die moderne Arbeitsteilung an den Fließbändern eingeführt. Das moderne Management hatte seine Kinderstube vor etwas mehr als 100 Jahren. Und doch sind beide Systeme vergleichbar:

  • Für beide lassen sich Ziele formulieren,
  • beide haben Steuerungsmechanismen,
  • in beiden Systemen kennen wir den Zustand der Ordnung und der Unordnung (wobei nicht behobene Unordnung in natürlichen Organismen immer zur Krankheit und zum Tod führt - genauso wie bei dem virtuellen System Unternehmen),
  • beide bestehen aus vielen einzelnen Teilen, die zusammen wirken,
  • beide haben einen Grad an Wirksamkeit (manche mehr und manche weniger),
  • beide Systeme können krank werden,
  • die Krankheit zeigt sich in beiden Fällen oft in Symptomen, die eine ganz andere Ursache haben,
  • viele Krankheiten in diesen Systemen können geheilt werden.

Ein Unterschied ist allerdings bemerkenswert: Bei natürlichen Systemen nehmen wir grundsätzliche Gesetzmäßigkeiten ,Naturgesetze, als selbstverständlich hin. Bei den virtuellen Systemen unserer Wirtschaft lehnen wir solche Grundsätze ab, beziehungsweise berücksichtigen und befolgen diese nicht. Ein Unternehmen besteht aus Lebewesen und ist somit quasi etwas Lebendes. Es besteht nicht aus Maschinen und ist somit auch nichts Maschinelles. Trennen wir uns also von dem mechanistischen Weltbild und der reinen Messbarkeit. Unternehmen bestehen aus Organismen und sie dienen Organismen. Wir müssen sie also wie Organismen bauen, entwickeln und führen.

Wenn alle Organe optimal zusammen arbeiten...

... ist wirtschaftlicher Erfolg auch in konjunkturell schwachen Zeiten möglich. Der Begriff Organisation ist längst verankert in der Unternehmensführung. Was heißt aber Organisation? Organisation ist die sinnvolle Verbindung einzelner Organe zu einem Ganzen. Nie kämen wir auf die Idee, in einem Organismus von Abteilungen zu sprechen und würden anfangen, einzelne Organe abzuteilen. Merkwürdig ist auch, dass die Organisationsentwicklung ihren organisatorischen Aufbau nicht von den Organismen ableitet, die über Jahrmillionen gezeigt haben, wie es funktioniert.

Jeder gesunde Organismus zeichnet sich dadurch aus, dass alle Organe in optimaler Weise zusammenarbeiten. Kein Organ wuchert und nimmt sich übermäßig Nährstoffe oder Sauerstoff aus der versorgenden Blutbahn. In dieser Metapher stellt das Blut den Umsatz dar und der Sauerstoff im Blut den Deckungsbeitrag. Somit gewinnt der Begriff Liquidität eine neue Bedeutung. Im Übrigen sehen wir als Menschen unser höchstes Ziel im Leben nicht darin, Sauerstoff in unserem Blut zu haben. Die Sauerstoffsättigung ist notwendige Voraussetzungen für unser Leben, aber damit noch lange nicht unser höchstes Ziel.

So werden auch in Unternehmen ständig Ergebnisse mit Zielen - unser Überleben und der Beitrag unseres Lebens - verwechselt. Der Organismus Unternehmen hat einen Körper (materielle Dimension) und einen Geist (immaterielle Dimension). Diese immaterielle Dimension des Unternehmensgeistes setzt sich aus der Seele (Vision und Ziele), Emotionen (Kultur und Stimmung) und Verstand (Strategie und Organisation) zusammen. Das ganze Unternehmen hat ebenso wie ein Mensch Ausstrahlung und wirkt auf seine Umgebung. Der Organismus Unternehmen kann wachsen und gedeihen, er kann aber ebenso krank werden und sterben. Dabei folgt die Materie dem Geist - in unseren Unternehmen ebenso wie bei unserer Gesundheit.

Cay von Fournier ist Arzt und Unternehmer. Der Leiter des SchmidtCollegs hat eine Vision: Möglichst viele gesunde Menschen in gesunden Firmen.

*Kontakt:
SchmidtColleg GmbH & Co. KG
Innsbrucker Str. 5
10825 Berlin
Tel.: 030/847881-0
Fax: 030/847881-66
E-Mail: info@schmidtcolleg.de [238]
Web: www.schmidtcolleg.de [239]

Loslassen: Flexibilität statt Standards im Projektmanagement

So sieht der Alltag in vielen Unternehmen aus: Mehrere Großprojekte, die sich wechselseitig beeinflussen, laufen parallel. Bei einem soll eine neue IT-Infrastruktur in der Organisation geschaffen, bei einem anderen die Zusammenarbeit mehrerer Bereiche optimiert werden. Beim dritten lautet das Ziel: Die Zufriedenheit der Kunden steigern. Gemeinsam ist solchen Projekten, dass sie neben den Arbeitsinhalten vieler Mitarbeiter auch die Arbeitsstrukturen und -beziehungen verändern; zudem entscheidet ihr Erfolg oft über die Zukunft des Unternehmens.

Mängel im Projektmanagement

Dass mehrere strategische Projekte gleichzeitig stattfinden, ist heute in den meisten Unternehmen gang und gäbe. Also müssen sie koordiniert werden. Das haben die Entscheider in fast allen größeren Unternehmen bereits vor Jahren erkannt. Deshalb etablierten sie in ihrer Organisation ein Projektmanagementsystem, das Fragen beantwortet wie:

  • Was ist überhaupt ein Projekt (und was nur eine Sonderaufgabe)?
  • Wie sollten Projekte geplant, durchgeführt und gesteuert werden?
  • Welche Instrumente nutzen wir hierfür?

Außerdem hat sich das Ausbilden der Mitarbeiter im Bereich Projektmanagement zu einem festen Bestandteil der betrieblichen Weiterbildung entwickelt. In fast allen größeren Unternehmen werden Mitarbeiter heute ebenso selbstverständlich in Sachen Projektmanagement geschult wie in den Bereichen Führung und Verkauf. Also könnte man annehmen: Das Managen von Projekten bereitet den Unternehmen keine Schwierigkeiten. Schließlich existieren die notwendigen Strukturen und die Mitarbeiter haben das erforderliche Know-how.

Die betriebliche Realität sieht anders aus. Hier werden die Ziele von Projekten oft nicht oder nur teilweise erreicht. Das belegen zahlreiche Studien. Und noch häufiger werden die Ziele zwar auf dem Papier erreicht, doch nur zu dem Preis, dass Folgeprobleme in Kauf genommen werden. Etwa, weil das Projektteam ab irgendeinem Zeitpunkt nur noch nach der Maxime agiert: Wir müssen, koste es was es wolle, den gesteckten Zeit- und Kostenrahmen einhalten (sonst werden wir sanktioniert). Das bedeutet: Qualitätsmängel werden bewusst akzeptiert, was letztlich zu einem Mehraufwand wie zum Beispiel zu Rückrufaktionen führt. Oder dazu, dass das neue Management-System von den Mitarbeitern nicht akzeptiert wird.

Projektmanagern fehlt die Verankerung im Betrieb

Eine Ursache hierfür ist: In vielen Unternehmen besteht zwar ein Konsens darüber, dass in den großen Changeprojekten die Basis für den künftigen Erfolg gelegt wird. Bei der Entscheidung, wer die Verantwortung für die Projekte übernimmt, fällt die Wahl aber oft auf Mitarbeiter, die zwar ein großes (Entwicklungs-)Potenzial haben, aber noch keine gereiften Führungskräfte und Projektmanager mit starkem Rückgrat und fester Verankerung in der Organisation sind.

Die Projekte werden also so besetzt, dass sie für die Projektleiter eine Chance sind, sich zu bewähren. Nur selten wird die Leitung einem mit allen Wassern gewaschenen Projektmanagement-Profi übertragen. Hieraus ergeben sich Folgeprobleme – zum Beispiel, weil die Youngster von den Bereichsleitern und den Spezialisten nicht als gleichrangige Gesprächspartner akzeptiert werden. Oft sehen die „Bereichsfürsten“ in den hochmotivierten und nach oben strebenden Projektmanagern auch Konkurrenten. Also versuchen sie, diese klein zu halten.

Der entscheidende Nachteil eines solchen Vorgehens ist: Wenn die jungen „Stars“ ein oder zwei Großprojekte mit Erfolg gemanagt haben, erwarten sie die (zumindest zwischen den Zeilen) versprochene Belohnung: eine exponierte Führungsposition in der Linie, da diese meist besser dotiert und mit einem höheren Ansehen verbunden ist. Das bedeutet: Die nun erfahrenen Projektmanager stehen nicht mehr als Leiter von Großprojekten zur Verfügung. An ihre Stelle treten erneut junge, unerfahrene Projektmanager, die oft dieselben Fehler wie ihre Vorgänger machen.

Projektmanagern fehlt Führungserfahrung

Ein weiterer Knackpunkt ist: Das Leiten von Projekten wird in vielen Unternehmen primär als Management- und weniger als Führungs- oder gar Leadership-Aufgabe betrachtet. Dabei kommen reine Macher beim Planen und Durchführen größerer Projekte meist nicht weit. Da diese Projekte das Unternehmen meist fit für die Zukunft machen sollen, sind mit ihnen viele Änderungen verbunden. Entsprechend skeptisch und abwartend stehen die Mitarbeiter ihnen anfangs gegenüber. Und sei es nur aus Angst, dass bestimmte Arbeitsroutinen hinfällig werden.

Deshalb ist es eine zentrale Aufgabe von Projektmanagern, für die geplanten Veränderungen zu werben. Und zwar primär dadurch, dass sie die Betroffenen so früh und so umfassend wie möglich über die Ziele des Projekts und dessen Verlauf informieren; außerdem durch bestmögliche Integration der Betroffenen in das Projekt. Diese Aufgabe überfordert viele Projektmanager – unter anderem, weil sie meist keine erfahrenen Führungskräfte sind. Hinzu kommt: Der Fokus der meisten Projektmanagement-Ausbildungen liegt auf den harten Erfolgsfaktoren.

In ihnen lernen die Teilnehmer zwar wie sie einen Projektplan erstellen und wie sie kontrollieren, ob die Zeit- und Kostenpläne eingehalten werden. Nur gestreift werden aber Themen wie beispielsweise

„Wie analysiere ich, wer betroffen ist?“ und „Wie erkenne ich Widerstände und wie gehe ich mit ihnen um?“

Werden solche Themen doch behandelt, so wird den angehenden Projektmanagern oft nur Faktenwissen vermittelt. Selten sind Projekte in die Ausbildungen integriert, in denen die Teilnehmer zum Beispiel ihr Gespür schärfen für Fragen wie:

„Wo braut sich in der Organisation ein Unwetter zusammen?“ oder „Wann sollten wir als Projektteam intervenieren?“

Projektmanager müssen sensible Antennen haben

Dies ist wichtig, da eine Person, die die möglichen Störfaktoren kennt, diese noch lange nicht rechtzeitig wahrnehmen und adäquat darauf reagieren kann. Hinzu kommt: Bei jedem Changeprojekt gibt es Gewinner und Verlierer – auch wenn dies viele Unternehmen negieren. Zumindest gibt es Personen, die sich als Verlierer fühlen dies zumindest befürchten. Zum Beispiel, wenn es um die Streichung von Privilegien geht oder der Einfluss zu sinken droht. Deshalb gibt es bei jedem Changeprojekt Widerstände. Die Frage ist nur: Wie groß sind diese beziehungsweise werden sie? Zudem ist unklar, ob Bedenken, aus denen sich Widerstände entwickeln könnten, rechtzeitig erkannt werden?

Mit solchen Fragen adäquat umzugehen, überfordert viele Projektmanager, auch weil die Betroffenen ihren Widerstand selten offen zeigen. Doch plötzlich brodelt die Gerüchteküche und Aufgaben werden nicht mehr so zuverlässig wie zuvor erledigt. Treten die emotionalen Widerstände doch offen zutage, dann meist in der Form, dass die Betroffenen sachliche Einwände gegen die geplanten Änderungen vortragen und Kleinigkeiten zu Schicksalsfragen hochstilisieren.

Oft geschieht dies nicht unmittelbar, wenn das Projekt verkündet wird, sondern erst, wenn die Umsetzung beginnt und die Betroffenen allmählich die Folgen der Veränderung spüren. Dann kochen plötzlich – für das Projektteam völlig unerwartet – die Emotionen hoch und die Diskussion über scheinbare Kleinigkeiten gewinnt eine solche Eigendynamik, dass der Erfolg des gesamten Projekts gefährdet wird.

Changeprozesse sind nur begrenzt planbar

Dies geschieht immer wieder und liegt auch daran, dass viele Projektmanager nicht ausreichend sensibel für die Dynamik sozialer Systeme wie Unternehmen sind. Und schon gar nicht beherrschen sie das Instrumentarium, um auf Turbulenzen angemessen zu reagieren. Eine Ursache hierfür: Oft wird angehenden Projektmanagern in ihren Ausbildungen – gerade wegen deren Fixierung auf Methoden und Standards – das Gefühl vermittelt, Changeprozesse ließen sich wie der Bau einer Maschine planen und steuern. Dies ist nicht möglich, weil soziale Systeme lebende Gebilde sind. Außerdem nimmt jeder Projektentwurf die gedachte Zukunft vorweg. Entsprechend viele Annahmen fließen in ihn ein, die sich als falsch erweisen können.

Eine weitere Ursache für das Scheitern von Projekten: Oft werden die Projektpläne so erstellt, als fände deren Umsetzung in hermetisch geschlossenen Labors ohne externe Einflüsse statt. Im betrieblichen Alltag ist dies nie der Fall. Hier ändern sich die b>Rahmenbedingungen kontinuierlich. Beispiele:

  • zwei Mitbewerber fusionieren,
  • neue technische Lösungen kommen auf den Markt,
  • der alte Vorstand wird durch einen neuen ersetzt,
  • die Erträge entwickeln sich nicht wie geplant.

Dies sind nur einige der möglichen Faktoren, die neben dem Projektplan auch die Projektziele in Frage stellen können. Deshalb dürfen größere Projekte, die teils Jahre dauern, nicht mechanistisch geplant werden. Es genügt nicht, vor Projektbeginn einen Projektplan zu erstellen, der blind abgearbeitet wird. Vielmehr muss regelmäßig geprüft werden:

Ist das geplante Vorgehen noch geeignet, die definierten Ziele zu erreichen oder müssen wir es modifizieren?

In den Projektverlauf müssen also Reflexionselemente integriert werden, bei denen analysiert wird:

  • Was hat sich in der Organisation und deren Umfeld geändert?
  • Was bedeutet das für das Projekt?
  • Welche Konsequenzen hat dies für das Vorgehen?

Thematisiert werden sollte in den Reflexionsrunden auch, ob die geltenden Projektmanagement-Standards und die genutzten Instrumente das Erreichen der Ziele fördern oder behindern oder ob sie dies nicht tun.

Definierte Standards sind Werkzeuge

Solche Fragen stellen sich die Projektverantwortlichen nur selten. Sie halten sich zuweilen sklavisch an die definierten Standards, weil sie wissen: Ein Abweichen von ihnen wird sanktioniert. In Vergessenheit gerät, dass jeder Standard ebenso wie jedes Projektmanagement-Tool nur ein Werkzeug ist. Ein begründetes Abweichen von den Standards sollte in der Organisation also nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht sein. Dies setzt eine Unternehmenskultur voraus, die dem Erreichen der Ziele eine höhere Priorität beimisst als dem Festhalten an starren Regeln.

Gerade bei langfristigen Projekten werden oft aufgrund der Änderung von Rahmenbedingungen die definierten Ziele zum Teil obsolet. Das heißt, sie und damit auch das Vorgehen müssen dem veränderten Umfeld angepasst werden. Dies setzt voraus, dass im Projektteam und in der Organisation offen darüber kommuniziert wird, inwieweit die Ziele noch relevant sind oder modifiziert werden sollten. Ein solche Kommunikation findet in vielen Unternehmen nicht statt. Vor allem, weil das Aufgeben beziehungsweise Anpassen nicht nur inhaltlicher Ziele, sondern auch des gesteckten Zeit- und Kostenrahmens, oft als Versagen interpretiert wird. Also halten alle so lange daran fest, bis auch der letzte erkannt hat: Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit erreichen wir die Ziele nicht.

Doch selbst dann werden in der Regel nicht die Ziele und das Vorgehen hinterfragt. Vielmehr wird das Projekt strenger behandelt. Statt alle zwei Wochen sollen die Projektverantwortlichen nun alle drei Tage einen Report für den Vorstand über den Stand des Projekts schreiben. Statt zu fragen, ob das Vorgehen noch richtig ist, wird noch stärker auf das Einhalten der Pläne und Vorgaben gepocht. Und alle spielen aus Angst, bei Abweichung am Pranger zu stehen, dieses Spiel mit. Sinnvoller wäre es, wenn sich alle Beteiligten an einen Tisch setzen und gemeinsam überlegen würden:

„Wie können wir die Weichen neu stellen?“

[Bilder: photocase]

Diagnose: Viele IT-Mitarbeiter werden krank durch Projektarbeit

Projektarbeit wird von den Wirtschaftsunternehmen immer wieder als „gute Arbeit“ angesehen. Als Grund dafür nennen die Beteiligten den hohen Grad an Autonomie und Freiheit, der dem einzelnen durch diese Organisationsform von Arbeit entstünde. Ein Blick in die bisherige arbeitswissenschaftliche Forschung zeigte jedoch, dass Fragen der Belastung von Mitarbeitern weitgehend ausgeklammert wurden. Eine Forschungslücke tat sich auf.

Das Institut für Arbeit und Technik (IAT) aus Gelsenkirchen ist in diese Lücke gestoßen und beweist mit seinem Forschungsprojekt „Nachhaltigkeit in der Projektarbeit“, dass Projektarbeit durchaus mit hohen Belastungen für die beteiligten Mitarbeiter verbunden ist. Die Untersuchung bezieht sich auf die IT-Branche, in der der größte Teil der Arbeit in Form von Projekten abläuft.

Stichwort

Projektarbeit ist im Vergleich zu traditionellen Arbeitsformen durch folgende Merkmale gekennzeichnet:

  1. Die Arbeitsaufgaben sind eher unstrukturiert und wenig routinisiert.
  2. In der Bearbeitung und im Kontakt mit dem Kunden ergeben sich immer wieder neue Anforderungen, die berücksichtigt werden müssen.
  3. Die Kooperation in den Projektgruppen findet nicht dauerhaft statt, sondern ist temporär und problembezogen.
  4. Die Mitarbeiter sind häufig für mehrere Projekte oder Aufträge gleichzeitig zuständig und müssen ihren Arbeitseinsatz individuell koordinieren.
  5. Durch erweiterte Kooperationsbeziehungen gibt es nicht selten über formale Weisungsstrukturen hinausgehende Abhängigkeiten, etwa bei Informationen oder notwendigen Vorarbeiten.

Um eine Antwort auf die Frage zu erhalten, welchen Belastungen Mitarbeiter der IT-Branche am Arbeitsplatz ausgesetzt sind beziehungsweise wodurch diese entstehen, stellte das IAT im Wesentlichen folgende Fragen:

  • Welchen besonderen Belastungen und Lernrestriktionen sind Projektteams im IT-Bereich ausgesetzt?
  • Wie verändern sich die erlebte Beanspruchung und das Leistungsverhalten im Projektverlauf? Welche Rolle spielen dabei kritische Ereignisse wie zum Beispiel „Meilenstein“-Termine mit Abnahmen oder akute Teamkonflikte?
  • Wie wirken sich die besonderen Konstitutions- und Handlungsbedingungen der Projektarbeit auf die Gesundheit, Kompetenzentwicklung, Motivation und das Projektergebnis aus?

Projekte belasten – psychisch und physisch

Ansatzpunkt der Untersuchung ist das Konzept der Widersprüchlichen Arbeitsanforderungen von Manfred F. Moldaschl. Danach entsteht psychische Belastung, wenn Arbeitende mit Widersprüchen zwischen Handlungsanforderungen, Regeln und verfügbaren Ressourcen konfrontiert werden. Diese hindern sie am Erreichen des Arbeitszieles und sind für sie mit direkten negativen Auswirkungen (zum Beispiel Zusatzaufwand, Zeitdruck) verbunden.

Die Forscher stellten insgesamt 92 konkrete Belastungssituationen fest, von denen 83 (90 Prozent) auf widersprüchliche Anforderungen zurückzuführen sind.

1. Widersprüchliche Anforderungen

Hierunter fallen Zeitdruck und Zusatzaufwand, die entstehen, wenn während des Arbeitsprozesses immer neue Anforderungen und Änderungswünsche an die Projektteams herangetragen werden. Und das bei Einhaltung von Terminen und Kostenlimits. Stress erleben die Mitarbeiter auch dann, wenn sie in mehreren Projekten gleichzeitig eingesetzt werden. Sie finden es zudem als sehr belastend, wenn zum Beispiel Kunden zusätzlich im Projekt weisungsbefugt sind und damit mehrere Projektverantwortliche existieren.

2. Kritische Ereignisse

Auch kritische Ereignisse im Projekt spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Stress. Maßgeblichen Einfluss auf das Befinden der Beschäftigten haben emotionale Belastungen. Diese entstehen zum Beispiel durch sich aufschaukelnde Konflikte mit Kunden, Vorgesetzten und Kollegen, aber auch Vertragsprobleme mit dem Kunden, die auf das Projektgeschehen durchschlagen. Letztlich auch die Ankündigung eines massiven Arbeitsplatzabbaus im Unternehmen. All das wirkt sich insgesamt negativ auf die Motivation und die Leistungsfähigkeit aus.

3. Autonomie und Kooperation

Die in der öffentlichen Diskussion als positiv genannten Kooperationsmöglichkeiten und hohen Autonomiegrade relativiert die Studie erheblich: So bleibt beispielsweise die Mehrheit der Projektmitarbeiter von der Gestaltung der Rahmenbedingungen und des Ressourceneinsatzes weitgehend ausgeschlossen.

4. Burnout-Risiko

Stichwort

Burnout wird verstanden als ein chronischer Prozess des Erschöpfens der eigenen körperlichen und seelischen Reserven. Er ist gekennzeichnet vom Gefühl, durch die Arbeit ausgelaugt und ausgebrannt zu sein.

Die Symptome von Burnout umfassen dabei Gefühle exzessiver Müdigkeit und Energielosigkeit, eine erhöhte „Dünnhäutigkeit” und Ungeduld in Belastungssituationen, Demoralisierung, Gleichgültigkeit und Zynismus.

Die Untersuchung der monatlichen Anspannungswerte zeigt: Projektmitarbeiter, die acht Wochen und länger in hohem Maße angespannt sind, leiden signifikant häufiger unter chronischer Erschöpfung als ihre Kollegen mit zwischenzeitlichen Erholungsphasen. Bei ihnen ist das Burnout-Risiko deutlich erhöht.

5. Gesundheitsrisiko

Die Teilnehmer der Studie weisen gegenüber dem Durchschnitt aller Beschäftigten ein deutlich erhöhtes gesundheitliches Risiko auf: 41 Prozent der Befragten zeigen massive Anzeichen einer chronischen Erschöpfungssymptomatik, 31 Prozent konnten nach eigener Aussage nach der Arbeit nicht mehr „abschalten“, was als Vorstufe zum Burnout gilt.

Was getan werden sollte, um Abhilfe zu schaffen

Das IAT schlägt aus arbeitswissenschaftlicher Sicht folgende Lösungsmöglichkeiten vor, um gesundheitsgefährdende Belastungssituationen künftig zu vermeiden:

  • Stärkung der Verhandlungsautonomie: Die Rahmenbedingungen der Projektarbeit sollten auch zum Gegenstand der Verhandlung mit dem Kunden gemacht werden.
  • Zeitnahe Erholung: Regelmäßige Erholungspausen bei der Arbeit und ein konsequentes Freihalten der Wochenenden; dies muss allerdings von allen akzeptiert und auch „gelebt“ werden; keine verordneten „Zwangspausen“.
  • Entwicklung von Sensibilität: Schulungen oder Workshops zum Arbeits- und Erholungsmanagement für Führungskräften und Mitarbeiter können zu einer Problemsensibilisierung beitragen.
  • Reflexion: Die Reflexion kritischer Projektsituationen ist wichtig, um die Prozesse zu optimieren und langfristig für eine Entlastung der Projektbeschäftigten zu sorgen.

Hinweis

Für die Studie wurden sieben Projektgruppen aus vier Unternehmen der IT-Industrie untersucht. Fünf dieser Projekte waren in Großunternehmen mit mehr als 3.000 Mitarbeitern in Deutschland angesiedelt, zwei in einem 'Start-up’-Unternehmen im Bereich Multimedia.

Zur Untersuchung der Fragestellungen wurden über einen Zeitraum von durchschnittlich 16 Monaten Intensivfallstudien in Projekten durchgeführt, bei denen verschiedene qualitative und quantitative Methoden zur Anwendung kamen. Zur Analyse der betrieblichen Rahmenbedingungen wurden unter anderem 15 Experteninterviews mit Geschäftsführungen, Betriebsräten sowie den Projektleitern zu Fragen der Wettbewerbssituation, Arbeitsorganisation, Arbeitszeit- und Personaleinsatzstrategien durchgeführt.

Zur Ermittlung von Beanspruchungsverläufen und der darauf einwirkenden kritischen Ereignisse kam ein standardisiertes „Befindenstagebuch“ zum Einsatz: Dieser kurze, einseitige Befindensbogen wurde den Projektmitarbeitern über einen Zeitraum von zwölf Monaten alle vier Wochen per E-Mail zugesandt.

http://www.iatge.de [240]

[dw, Bilder: photocase]

Aufdrehen: Wirkungsgrad-Steigerung statt Rationalisierung im Büro

Gastbeitrag von Gerhard Borgard, Ubstadt-Weiher*

Bahnbrechende Innovation für die „Unternehmung“

Dieser Artikel richtet sich an Selbständige sowie an Angestellte und Beamte, die zu nachhaltigen Ergebnisverbesserungen kommen möchten. Im folgenden werden die Grundzüge einer spezifischen Methode und deren Handlungsstrukturen vorgestellt, die umwälzende Fortschritte in den Bürobereichen bewirkt. Diese Methode ist in der Praxis entstanden und wird anschaulich behandelt in einer Monographie von Gerhard Borgard:

Wirtschaftliche Produktion „Geistiger Güter“ in einer selbstbestimmten Erwerbswelt, Wiesbaden 2003.

Die Monographie belegt zum einen die praktische Entstehung und die wissenschaftliche Fundierung der Methode. Zum anderen enthält sie die Abbildungen und Gebrauchsdokumente, die erforderlich sind, um die Methode zu verstehen und profitabel anzuwenden. Im Rahmen dieses Artikels wird dargelegt, wie in den Bürobereichen methodisch die Leistungen zu optimieren, die Verlustquellen aufzudecken und die Verluste zu minimieren sind. Infolgedessen sinkt der Personalbedarf! Denn ein zentraler Bestandteil der Methode ist ein modulares Regelkreisnetzwerk, das es vor allem ermöglicht, sowohl den Wirkungsgrad der Organisationseinheiten als auch das Erwerbsvermögen der Erwerbstätigen kontinuierlich zu entwickeln.

Die Methode geht zunächst aus von einem Gebot der Betriebswirtschaftslehre (BWL):

„In Wirtschaftlichkeit denken heißt, ein Ziel mit den geringsten Verlusten zu erreichen suchen.“

Unverzichtbar für das Verständnis und die Wirksamkeit der Methode ist indes eine Kennzahl aus der Physik, auf die sich auch die BWL ursprünglich beruft: Der Wirkungsgrad (oder Nutzeffekt) ist das Verhältnis einer Nutzleistung zu der aufgewandten Leistung. Und der Gesamtwirkungsgrad errechnet sich aus der Multiplikation der Teilwirkungsgrade. Der Begriff Wirkungsgrad wird auch international gleichwertig verstanden als efficiency (ratio of useful work done to the total energy expendet).

Probleme und Ursachen im Büro-Erwerbsleben

Eine Verständigung über die Lage im Büro-Erwerbsleben mit den dafür Verantwortlichen ist erschwert durch deren Denk- und Handlungsgewohnheiten. Diese Gewohnheiten sind zurückzuführen auf die gängige Lehre, die Sachzwänge der Ordnungssysteme und die Reglementierungen, die die Wirtschaft und die öffentlichen Institutionen beherrschen. Daher wird hier versucht, den betreffenden Zielgruppen überzeugende Beweggründe für eine organisatorische Innovation zu vermitteln, die den Rationalisierungsdruck erübrigt. Hauptanreiz für die Anwendung der Methode sind nachhaltige Ergebnisverbesserungen von mehr als 30%. Das Anwendungspotential ist daran zu messen, dass die Bürobereiche inzwischen circa 70 Prozent der Erwerbstätigen umfassen.

Für die folgenden Beurteilungen ist es hilfreich, zunächst an die Funktion der Kosten- und Leistungsrechnung (KLR) in der Sachgüterproduktion zu erinnern. Dort unterscheidet die KLR reproduzierbar den Werteverzehr und den Wertezuwachs, und zwar nach der Ausgabe- und Einnahmewirksamkeit (des Maschinen- und Personaleinsatzes). Im Gegensatz dazu ist der KLR in den Bürobereichen eine derartige Unterscheidung für den Einsatz der Erwerbstätigen nicht gelungen. Infolgedessen sind diese Bereiche auf die problematische Gemeinkostenrationalisierung angewiesen, um durch Kostensenkungen die Ergebnisse zu verbessern.

Indes erzielen die Rationalisierungsmaßnahmen keine nachaltigen Ergebnisverbesserungen. Außerdem vermindern die Standardisierung und Maschinisierung zunehmend das Prozessverständnis der Erwerbstätigen und verhindern eine Entwicklung der Innovationsfähigkeit des Nachwuchses. Darüber hinaus erzeugen Benchmarking, Balanced Scorecard und Personalabbau bei den normativ geführten Erwerbstätigen Frust statt Lust, vielfach gefolgt von Resignation und psychosomatischen Beschwerden.

Wirkungsgrad-Steigerung durch Wertefluss-Management

Erstmals kann die Büro-Erwerbstätigkeit – auch in der Industrie - durch die spezifische Methode eigenständig als „Geistesgüterproduktion“ bewirtschaftet werden. Diese unterscheidet sich unternehmerisch von den heterogenen Dienstleistungen. Denn die Geistesgüterproduktion bewirkt im Büro eine sachgerechte Wertschöpfung: Sie schafft geldwerte Güter, die geistig Erwerbstätige in allen privaten und öffentlichen Institutionen produzieren. Damit ist ein Wettbewerb der Prozesse, der Produkte und des Erwerbsvermögens nach objektiven Kriterien verbunden.

Eines der wesentlichen Merkmale der Methode besteht darin, dass das Erwerbsvermögen der Erwerbstätigen investiv (vorrangig vor dem Anlagenvermögen) gefördert wird. Dadurch ist gewährleistet, dass sich deren Innovationsgrad rechtzeitig entwickelt, der schließlich die Ertragskraft der erzeugten Produkte bestimmt. In diesem Zusammenhang sei auf das Produkt-Lebenszyklus-Management verwiesen.

Ein Rückgriff auf die Ursprünge der Betriebswirtschaftslehre ermöglicht es, den Wertefluss in der Geistesgüterproduktion in Wertezuwachs und Werteverzehr ursächlich zu strukturieren und zu unterscheiden. Und zwar wird das Wirkungspotential, das 100 Prozent der bezahlten Erwerbszeit darstellt, im Einvernehmen mit den Organisationseinheiten gegliedert in Wirkleistungen und erkannte Verlustquellen. Somit ist die Voraussetzung geschaffen, dass die Erwerbstätigen ihre Mannstunden täglich den vereinbarten Leistungen und den auftretenden Verlusten reproduzierbar zuordnen können. Leistungen für interne und externe Kunden werden monatlich durch kosten- und preisindizierte Mannstunden abgerechnet.

Eine sachgerechte Mannstundenzuordnung werden die Erwerbstätigen bereitwillig vollziehen, nachdem sie einerseits gegenüber dem Produktionsleiter als ergebnisverantwortlich und einflußberechtigt aufgewertet worden sind. Dies betrifft vor allem die Planung und Rückkopplung ihrer Ergebnisse sowie die Aufdeckung von Verlustquellen und die Minimierung der Verluste. Infolgedessen steigt der Wirkungsgrad und sinkt der Personalbedarf!

Andererseits werden die Erwerbstätigen motiviert, sich vom Mitarbeiter zu einem Erwerbspartner der Führung zu wandeln, sobald sie die methodischen Handlungen begreifen und ihre berufliche Förderung erwiesen ist. Dies um so mehr, als sie in dem methodischen Regelkreisnetzwerk mitwirken, um ihre Person-Situations-Relation periodisch zu verifizieren und ihre berufliche Entwicklung sowohl materiell wie immateriell mitzugestalten.

Anschließend an die Werteflußgliederung wird diese unterteilt, um ergebnisrelevante Kennzahlen gewinnen zu können, nämlich in die vier Gruppen

  • Wirkleistungen,
  • Potentialverluste,
  • Qualitätsverluste und
  • Wirkungsverluste.

Die Wirkleistung verwendet auch die Elektrotechnik, um nützliche Energie von Energieströmen zu unterscheiden, die Verluste verursachen und daher charakteristisch als Scheinleistungen und Blindleistungen gekennzeichnet werden.

Die vorgenommene Gruppierung des Werteflusses ermöglicht eine Wertebilanzierung der Wirkleistungen und der Verluste gegenüber dem Wirkungspotential. Die numerische Wertebilanzierung führt zu den folgenden Kennzahlen, die für die Ergebnisverantwortlichkeit der Organisationseinheiten unentbehrlich sind:

  • Produktivitätsgrad (Nutzungsgrad),
  • Qualitätsgrad (Ausbeutegrad),
  • Prozesswirkungsgrad (Funktionsgrad) und
  • Gesamtwirkungsgrad (Multiplikation der Teilwirkungsgrade).

Computergestützte Geistesgüter-Produktion

Während die Wirkleistungen anhand der betrieblichen Hilfsmittel produziert werden, stehen den erwerbstätigen Organisationseinheiten erstens die erforderlichen Matrix-Dokumente zur Verfügung, die Verantwortlichkeiten definieren und die betriebsspezifisch anzupassen sind. Zweitens verfügen sie über sogenannte Control-Dokumente, die einprägsam gestaltet sind und die für die ergebnisrelevante Planung und den Soll-Ist-Wert-Abgleich verwendet werden.

Somit gehören zu den Wirkleistungen sowohl die einnahmewirksamen Produktionen als auch die Control-Dokumente, ohne die weder betriebliche noch personelle Weiterentwicklungen möglich wären. Die Control-Dokumente werden computergestützt verwendet. Vielfältig sind EXCEL-Tabellen zu verwenden, vor allem für ein terminorientiertes Wirkleistungs-, Kapazitäts- und Prioritäts-Management. Überlastete Erwerbstätige lernen dadurch, ihre Leistungsfortschritte ohne Qualitätseinbußen vorausschauend zu organisieren, synchronisiert zu kooperieren und ihre Leistungssituationen überzeugend zu präsentieren.

Begreifen, verstehen und verwirklichen

Die Organisationseinheiten und ihre Ergebnisse entwickeln sich organisch bottom-up entgegen der normierenden Führung, die top-down organisiert ist. Die Ergebnisverantwortungen der Produktions- und Projektleiter sind funktionsbedingt ausgerichtet. Der Produktionsleiter verantwortet die Schnittstellen zu den Projekten sowie das Ressourcen-, Qualitäts- und Ergebnis-Management seiner Organisationseinheiten. Letzteres vertritt er sowohl gegenüber der Betriebsleitung als auch gegenüber den internen Auftraggebern. Hingegen verantwortet der Projektleiter gegenüber den externen Kunden die Planungen und Ergebnisse der Werkverträge.

Die ergebnisverantwortliche Entwicklung der Organisationseinheiten bottom-up bewirkt einen wesentlichen Verhaltenswandel: Die Totzeiten werden verringert und die Reaktionsdynamik wird beschleunigt. Die Methode wird am besten von einem geschulten Team im laufenden Betrieb - störungsfrei - als Pilotprojekt erprobt und evaluiert. Dadurch sind die numerischen Daten zu gewinnen, die für eine Investition in rentable Anwendungen erforderlich sind.

*Kontakt:
Gerhard Borgard
Ringstr. 26
76698 Ubstadt-Weiher
Tel.: 07253-7625
E-Mail: gerhard.borgard@gmx.de [241]

Ergänzen: Jedes Teammitglied agiert in seiner Rolle

Gastbeitrag von Matthias Blümke, Diplom-Psychologe an der Universität Heidelberg*

Teamrollen

Wichtig für eine effektive Teamarbeit ist die Berücksichtigung der Teamrollen der einzelnen Teammitglieder.

Stichwort

Eine Teamrolle bezeichnet eine bestimmte Kombination von Verhaltensweisen, mit denen Mitglieder an die Aufgabe herangehen und wie sie sich dabei gegenüber anderen Teammitglieder verhalten. Hierbei spielen sowohl die spezifischen Anforderungen der Aufgaben als auch Persönlichkeitsmerkmale eine Rolle.

Ein Beispiel für eine Teamrolle könnte der Managertypus des "Machers" sein: stark und aufgabenorientiert. Zudem treibt er die Gruppe gerne zum Arbeiten an und erträgt Phasen der Untätigkeit beziehungsweise der Beschäftigung mit dem Team eher widerstrebend und ungeduldig. Da ein solcher Typ eine Gruppe gerne in puncto Aufgabenbearbeitung vorwärtstreibt, ist es hilfreich, wenn gleichzeitig ein Gegenpol in der Gruppe vorhanden ist. Dieser behält die sozio-emotionalen Bedürfnisse der Teammitglieder im Auge. Ein klassischer Teamplayer eben. Diese Form des Ausbalancierens verschiedener Funktionen in Arbeitsgruppen ist ein kennzeichnendes Element von Teamrollenansätzen.

Der Grundgedanke dahinter: Keine Gruppe kann optimal funktionieren, wenn Aspekte der Aufgabenbearbeitung und des Miteinanders einseitig betont werden. Dies ist deshalb der Fall, weil dadurch Ressourcen in bestimmten Phasen oder Teamsituationen fehlen. Man stelle sich eine Gruppe vor, die lediglich aus Teamplayern bestünde. Zum einen steigt dadurch die Gefahr, dass die einzelnen wenig dominanten Personen in bezug auf Zielsetzung und Arbeitsgestaltung kaum vorwärtskommen (Prozessverluste). Zum anderen könnte einem solch einseitig besetzten Team rasch die Kreativität oder das notwendige analytische Kontrollieren und Kritisieren der Vorgehensweise fehlen Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit von ungünstigen Entscheidungen und Entwicklungen.

Teamrollen richten demzufolge den Blick auf die Stärken, die einzelne ins Team einbringen. Zum anderen hilft die Kenntnis über die Teamrollen der anderen Mitglieder, Verständnis für Konflikte aufzubringen, weil jede Teamrolle neben ihren Stärken eben auch verzeihliche Schwächen mitbringt. Eine nach Teamrollen ausbalancierte Gruppe wird also mit größerer Wahrscheinlichkeit

  • bei Bedarf die notwendigen Ressourcen (Funktionen) bereitstellen, anstatt Mitglieder die Rolle eines anderen notdürftig ausfüllen zu lassen,
  • eine ausgeglichene Informationsbasis finden, statt Einseitigkeiten im Vorgehen und in der Entscheidungsfindung zu produzieren,
  • den Prozess der Teamarbeit optimieren, statt Konflikte ungeklärt und ungelöst zu lassen,
  • das Klima im Team verbessern, weil die Gruppe die besten Voraussetzungen besitzt, zu einem organischen Ganzen zusammenzuwachsen.

Teamrollenansätze in der Praxis

Soweit die Theorie. In der Praxis haben sich vor allem zwei Teamrollenansätze bewährt, die in bestimmten Teilen Ähnlichkeiten wie Unterschiede aufweisen. So unterscheidet Meredith Belbin neun Teamrollenpräferenzen, die in einem optimal konfigurierten Team anwesend sein sollen:

  • Koordinator,
  • Macher,
  • Teamarbeiter,
  • Neuerer/Erfinder,
  • Beobachter/Kritiker,
  • Wegbereiter,
  • Umsetzer,
  • Perfektionist und
  • Spezialist.

Allerdings wird mit diesen Teamrollen nicht gleichzeitig die Forderung nach insgesamt neun Teammitgliedern erhoben, denn jedes Mitglied kann in aller Regel bis zu zwei weitere Rollen ausreichend gut ausfüllen, während andere Teamrollen den einzelnen gar nicht liegen mögen.

Im Unterschied zu Belbin betont das Team Management Profil nach Charles J. Margerison und Dick J. McCann die Gegensätzlichkeit (Komplementarität) der Teamrollen stärker und zeigt auf, welche Rollen bei einzelnen Mitgliedern typischerweise kombiniert auftreten. Die acht Rollen sind deshalb auf einem Kreis (Team Management Wheel) angeordnet. So stehen den Organisationsrollen eher die beratenden Rollen gegenüber. Als Gegenpol der entdeckenden Rollen finden sich die kontrollierenden Rollen. Unterschieden werden:

  • Informierter Berater,
  • Kreativer Innovator,
  • Entdeckender Promoter,
  • Auswählender Entwickler,
  • Zielstrebiger Organisator,
  • Systematischer Umsetzer,
  • Kontrollierender Überwacher und
  • Unterstützender Stabilisator.

Typischerweise übernehmen Teammitglieder drei dieser Rollen. Als weitere Besonderheit kennzeichnet dieses Konzept, dass zur optimalen Integration eine Person die Funktion des Verbindens all dieser Teamrollen übernehmen muss. Die Linking-Funktion kennzeichnet also keine eigenständige Hauptrolle. Theoretisch kann diese von jeder befähigten Person unabhängig von deren Hauptteamrolle übernommen werden.

Brauchbarkeit von Teamrollenansätzen

Eine umfassende wissenschaftliche Bewährung beider Systeme steht noch aus. Als Basis der Entwicklung können bei Belbin systematische Experimente mit Managern in Cambridge genannt werden, während bei Margerison und McCann sogar eine theoretische Anbindung an die Typenlehre von Carl Gustav Jung zu finden ist. Es gibt vereinzelte Evidenz für bessere Performance von Teams, wenn diese nach Teamrollen optimal besetzt werden. Ungeachtet der weiten Verbreitung der beiden Ansätze im Consulting- und HR-Bereich ist die Datenlage aus wissenschaftlicher Sicht aber noch sehr dünn: Die Gütekriterien des Team Management Profils wurden bisher in einschlägigen wissenschaftlichen Publikationen kaum beleuchtet. Der Fragebogen zur Messung der Teamrollen nach Belbin ist sogar in mehrerer Hinsicht bereits als problematisch und verbesserungsbedürftig erkannt worden.

Mehrere Fragen drängen sich auf:

  • Welche Teamrollen gibt es überhaupt?
  • Sind die bisherigen Systeme vollständig oder bereits zu differenziert?
  • Welche der Teamrollen sind wirklich entscheidend für das optimale Funktionieren eines Teams?
  • Lassen sich Teamrollen in geeigneter Weise als Präferenzen für bestimmte Verhaltensweisen messen oder ist tatsächliches Verhalten nicht aussagekräftiger – auch vor dem Hintergrund der Übereinstimmung mit Kollegenurteilen?
  • Wie flexibel sind Teammitglieder wirklich in der Wahl ihrer Teamrolle?
  • Wie sehr zeigen Teammitglieder stabile Teamrollen über die Zeit beziehungsweise in unterschiedlichen Teams?

Diese Fragen sind nicht leicht zu beantworten, aber die anwendungsnahe Forschung widmet sich diesem Thema zunehmend, weil davon die Bewertung von Teamrollenkonzepten und darauf fußenden Teamentwicklungsmaßnahmen abhängt. Als Beispiel sei auf das neu entwickelte Heidelberger Teamrollen Inventar (HEI-TRI) der Universität Heidelberg hingewiesen. Dort werden die offenen Fragen seit geraumer Zeit untersucht.

Bewertung des Ansatzes

Insgesamt hat der Teamrollenansatz in Praxis bereits zu mehr Verständnis unter Teammitgliedern geführt. Angesichts der zu erwartenden Zunahme von Teamarbeit im Arbeitsumfeld ist die Erforschung und Bewährung von Teamrollenkonzepten dringend nötig. Bevor neue Teammitglieder nach ihrer präferierten Teamrolle ausgewählt werden oder kostspielige Maßnahmen zur Teamentwicklung angestoßen werden, sind weitere Nachweise der Brauchbarkeit der unterschiedlichen Ansätze in Form von objektiven Performance-Kriterien und neutralen wissenschaftlichen Untersuchungen wünschenswert.

Weiterführende Hinweise:

Teamrollen nach Belbin [242]

Teamrollen nach Margerison und McCann [243]

Heidelberger Teamrollen Inventar (HEI-TRI) [244]

*Kontakt:
Matthias Blümke
Psychologisches Institut der Universität Heidelberg
Hauptstraße 47-51
69117 Heidelberg
Telefon: +49 (0)6221 54-7362
Telefax: +49 (0)6221 54-7745
Homepage Matthias Blümke [245]

Defizit: Sprache als wichtiges Medium im Wissensmanagement

Gastbeitrag von Professor Dr. Günther Zimmermann, Wolfsburg*

Wissensmanagement zwischen Technik und Mensch

Zahlreiche sprachliche Mängel führen dazu, dass der effektive und effiziente Umgang mit Wissen erheblich beeinträchtigt wird. Die Folgen: Zeitverluste, finanzielle Einbußen und Imageprobleme bei den Kunden. In der Informations- und Wissensgesellschaft und der globalisierten Welt von heute gilt Wissen zu Recht als „Schlüsselressource der postindustriellen Ära“ (North), als „vierter Produktionsfaktor“, als Wertschöpfungsgenerator Nummer eins.

Darüber dürfte wohl Einigkeit bestehen: ein effektives, effizientes und befriedigendes Wissensmanagement (nach ISO 9000) erfordert im Allgemeinen eine solide informationstechnologische Infrastruktur. Allerdings haben wir deren Bedeutung lange Zeit überschätzt. So haben Untersuchungen vor kurzem gezeigt, dass klein- und mittelständische Unternehmen gegebenenfalls auf IT-Unterstützung völlig verzichten können. Und generell wird in der Trias Technik, Organisation und Mensch, letzterer als immer bedeutsamer eingeschätzt.

In diesem Zusammenhang wächst auch die Einsicht in die Bedeutung der so genannten „weichen Faktoren“. Hierzu gehören zum Beispiel psychologische Momente wie Kognition, Motivation, Emotion und soziale Interaktion, deren Bedeutung bis heute unterschätzt wird. Aber auch die didaktisch-methodischen Fähigkeiten, um begründet Ziele zu formulieren, Inhalte auszuwählen und anzuordnen und sie leser- und lernerfreundlich zu gestalten gehören dazu.

Die Funktion der Sprache beim Wissensmanagement

n der Literatur zum Wissensmanagement wird die Bedeutung des Mediums Sprache weitestgehend ausgeblendet. Ihr Funktionieren wird offensichtlich als selbstverständlich vorausgesetzt. In Standardwerken zum „Wissensmanagement“ wird die unentbehrliche „Enabler“-Funktion von Sprache allenfalls am Rande thematisiert. „Nice to have“, eine nützliche „Zutat“, aber „eigentlich vernachlässigbar“. Dabei nimmt unter den weichen Faktoren die Sprache eine besondere Stellung ein: sie ist ein „Akt sozialer Konstruktion einer organisationalen Wirklichkeit“ (Neumann): Sprache ist das wichtigste Medium, in dem sich Wissen kristallisiert und transportabel macht.

Sowohl bei der Generierung und Repräsentation als auch bei der Verteilung und Nutzung von Wissen: Wissen wird überwiegend in Texten und durch Texte konstituiert. Explizites Wissen kann nicht direkt, sondern nur über Kodierungen aufgenommen und weitergegeben werden. Und wenn eine Kodierung nicht verstanden oder missverstanden wird, ist Wissen weder aufnahmefähig noch nutzbar. Aber auch bei der Bewusstmachung impliziten Wissens spielt Sprache die bedeutsamste Rolle. Was die Kommunikation beim Wissensmanagement fehleranfällig macht, sind zwei Umstände:

  1. Eine „Paketmetapher“ oder ein „Transport-Modell“ von Wissen und Wissensverteilung ist unangemessen: Wissen wird nicht einfach vom Sender zum Empfänger „geschickt“ und von diesem „als solches“ aufgenommen. Wir müssen vielmehr von einem konstruktivistischen und weitgehend sprachlich „bevormundeten“ Verständnis von Wissenskommunikation ausgehen: Der Empfänger (re-)konstruiert die Botschaft aufgrund seiner individuellen Sprach- und Welterfahrung, seiner Ziele, Interessen und Verstehens-Strategien. Die Informationen des Senders der Botschaft sind nur „Hinweise“ an den Empfänger, diejenige Bedeutung zu (re-) konstruieren, die der Sender gemeint hat. Insofern ist das Gelingen des Verstehens alles andere als selbstverständlich. Die Kommunikationswissenschaft ist sich deshalb darin einig, dass alle zwischenmenschliche Kommunikation unzuverlässig funktioniert. Hinsichtlich des Kommunikationserfolgs sind kommunikative Sozialhandlungen „fallibel“ (der Täuschung ausgesetzt). Auch die Äußerung des Zuhörers: „Ich habe verstanden“, besagt nicht, dass das tatsächlich der Fall ist.
  2. Jeder, der spricht oder schreibt, geht aber davon aus, dass sein Gesprächspartner oder Leser ihn versteht. Warum? Er hält sich – wie jeder Mensch – für hinreichend intelligent, und außerdem hat er in der Schule Deutsch gelernt. Und die Hörer und Leser solcher Texte? Die werden sich im Allgemeinen hüten einzugestehen, dass sie nicht verstanden haben. Denn Nicht-Verstehen wird in unserer Gesellschaft mit einem Mangel an Intelligenz assoziiert. Und so geht es hier zum einen um ein Tabuthema, das selten „ruchbar“ wird und zum anderen um ein grundlegendes Missverständnis. Dies verhindert, dass jeder das Problem auch „als seines“ begreift und etwas für die Verbesserung seiner kommunikativen Kompetenz tut. Für diese Zusammenhänge muss also immer erst sensibilisiert werden. Kaum jemand wird von sich aus sagen: „Ich sollte lernen, verständlicher zu sprechen und zu schreiben.“

Fast alle Grundsituationen und –aktivitäten des systematischen Wissensmanagements sind auf eine präzise und verständliche Sprache angewiesen:

  • der firmeninterne Wissensaustausch und das Externalisieren von implizitem Wissen bei der Wissensgenerierung oder bei der Konservierung von Wissen beim Ausscheiden eines Mitarbeiters,
  • die Kontakte mit Handel und Zulieferern,
  • die Öffentlichkeitsarbeit,
  • die Kooperation mit externen Wissensträgern und schließlich
  • die vielfältigen Kundenkontakte (per Korrespondenz, Anleitungen, CRM, Hotlines, Werbung oder Außendienst-Aktivitäten).

Wie sieht das in der Alltagspraxis der Unternehmen aus?

Erfahrungen mit sprachlich schwer verständlicher Wissensvermittlung machen wir alle fast täglich: bei E-Mails, Best-Practice-Dokumenten, Lohnsteuerformularen, Behördenschreiben, Bedienungsanleitungen, Beipackzetteln und Hard- und Software-Handbüchern. Aber auch in der Weiterbildung und bei den „kleinen Missverständnissen“ in der Alltagskommunikation. Drei Beispiele:

Beispiel 1

Texte wie der folgende sind auch für die Experten nicht leicht verdaulich:

Anmerkung: Metallteile, die von aktiven Metallteilen durch mit dem Schutzleiter verbundene Metallteile, und Metallteile, die von aktiven Metallteilen durch doppelte Isolierung oder verstärkte Isolierung getrennt sind, gelten im Sinne dieser Anforderung nicht als Teile, die im Falle eines Fehlers der Isolierung unter Spannung stehen können (aus der Europanorm EN 60598).

Beispiel 2

In der Pressekonferenz eines deutschen Konzerns haben die anwesenden Journalisten Schwierigkeiten, Einzelheiten des Jahresberichts zu verstehen. Der Vorstandsvorsitzende sieht sich deshalb genötigt (laut Braunschweiger Zeitung), die Unklarheiten zu beseitigen. Sicher kein Ruhmesblatt für die Firma.

Beispiel 3

Der Leiter der Kommunikation eines großen Unternehmens bittet mich zu Beginn einer Besprechung um Nachsicht: Er habe gerade per E-Mail eine Information erhalten, die nicht so ganz klar sei. Er verlässt den Raum, um „kurz nachzufragen“. Erst nach sieben Minuten kann das Gespräch fortgesetzt werden. Sein Kommentar zu der Mitteilung: „Das soll nun ein Mensch verstehen …!“ Aber was kosten das Unternehmen sieben Minuten eines Top-Managers? Und wie viele vergleichbare Verständnisschwierigkeiten gibt es pro Tag in jedem Unternehmen?

Wie hoch sind insgesamt die Kosten sprachlich ineffizienten Wissensmanagements? Experten schätzen, dass der deutschen Wirtschaft allein durch mangelhaft formulierte Gebrauchsanweisungen jährlich Schäden bis zu einer Milliarde Euro entstehen (STERN 3/2000, Der SPIEGEL 48/1997). Nur durch Gebrauchsanweisungen? Wie hoch werden dann die durch eine schwer verständliche Sprache verursachten Kosten für das gesamte Wissensmanagement der deutschen Wirtschaft sein? Und wie hoch für jede einzelne Firma?

Was heißt eigentlich „verständliche Sprache“?

Stellschrauben sind hauptsächlich der Wortschatz, der Satzbau und die Textstruktur. Wir verwenden Wörter, die den Adressaten „geläufig“ sind. Wenn Fach- und Fremdwörter erforderlich sind, müssen wir sie Laien erklären. Der Nominalstil (das Kanzleideutsch) erschwert das Verständnis, und Synonyme führen immer wieder zu Unverständnis und zeitraubenden Rückfragen: . Auch Abkürzungen sind häufig ein Buch mit sieben Siegeln, zum Beispiel RWA (Rückblick-Waschanlage).

Die meisten Firmen unterschätzen die Bedeutung des Wortschatzes beim Wissensmanagement. Die zunehmende Spezialisierung und hohe Innovationsraten in vielen Branchen führen zu immer differenzierteren Fachwortschätzen. Selbst zwischen Experten ein und derselben Disziplin wird so die Verständigung immer schwieriger wird. Häufig gibt es für einen Begriff mehrere Bezeichnungen, wobei Forschung und Entwicklung, Ersatzteilbereiche, Kundendienst und Werkstätten jeweils unterschiedliche Benennungen verwenden. Hier ist die Kommunikation erschwert, wenn nicht gar blockiert.

Was den Unternehmen zumeist fehlt, ist ein systematisches Terminologie-Management, das für einen Begriff nur einen Ausdruck festlegt. Damit alle Bereiche eine Sprache sprechen. Terminologien als Begriffs- und Benennungssysteme sind eben ideale Instrumente der Wissensorganisation. Denn das Terminologie-Management generiert, verbreitet und nutzt die Konzepte. Das heißt das Wissen, das in der Organisation geschaffen wird. Ein Terminologie-Management ist auch erforderlich, um große Datenmengen über Wissenstaxonomien und –topografien kategorisieren und ordnen zu können, zur Verbesserung der Suchmöglichkeiten in der Wissensbasis

.

So ist auch die Einführung einer „kontrollierten Sprache“ nur über eine vorherige Terminologiebereinigung möglich. Kontrollierte Sprachen erleichtern und verbessern die Abfassung von Dokumenten und deren Übersetzung und führen, da sie maschinelle Verarbeitung ermöglichen, zu bedeutenden Kosteneinsparungen. Beim Satzbau begrenzen wir die Zahl der Wörter und vermeiden komplexe Satzstrukturen, zum Beispiel Schachtelsätze. Sie führen dazu, dass der Sinn des Satzes erst nach wiederholtem Lesen (wenn überhaupt!) erschlossen werden kann. Bei folgendem Beispiel aus dem Wissensmanagement-System einer Firma ist dies der Fall:

Wird bei der vorgeschriebenen Zahnriemenkontrolle (Ölwechselservice/ Jahresinspektion – siehe Wartungshandbuch 3.5, Seite 07.9) oder bei Beanstandungen „Geräusche vom Zahnriemen“ ein starker Gummiabrieb (Kantenverschleiß) festgestellt, bei dem die Zahnriemenbreite mehr als 2 mm unter Originalbreite abgerieben ist beziehungsweise starke Ausfransungen zu sehen sind, so ist wie folgt zu verfahren:

Besonders kritisch, aber wenig beachtet, ist die Textstruktur: Bleibt der Autor beim Thema oder gibt es Gedankensprünge? Folgt ein Satz „logisch“ aus dem vorhergehenden? Die Textstruktur ist besonders wichtig bei digitalen Texten, etwa in Datenbanken. Solche Texte sind nicht – wie Print-Texte - in einer schrittweisen Abfolge angeordnet; sie werden in Module portioniert und nach der Systemlogik von Hypertexten ausgegeben. Sie müssen per Navigation am PC gefunden und ihr Sinnzusammenhang muss vom Anwender erst „hergestellt“ werden. Damit sprechen wir die „Usability“, die Gebrauchstauglichkeit von Wissensmanagement-Systemen an.

Was ist zu tun?

  1. Wir müssen uns der Erkenntnis stellen, dass die Kommunikationsvorgänge beim Wissensmanagement nicht Selbstläuferqualität haben, sondern fehleranfällig sind. Dabei geht es nicht um „gutes Deutsch“, um Stilfragen, sondern um die grundlegende Voraussetzung, dass Wissensmanagement per Sprache überhaupt funktioniert.
  2. Es empfiehlt sich, die Sprache des Wissensmanagements als Teil der Unternehmenskultur und als strategisches und betriebswirtschaftlich relevantes Instrument zu begreifen und zu verankern. Hier können erhebliche Synergie- und Wertschöpfungspotentiale mobilisiert werden.
  3. Die deutschen Unternehmen geben jährlich etwa 17 Milliarden Euro für die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter aus. Angesichts der Bedeutung der Sprache bei allen kommunikativen Vorgängen und beim Wissensmanagement im Besonderen sollte sich ein sprachliches Training in diesem Bereich durch einen besonderern „Return on Investment“ auszeichnen.
  4. Ich empfehle, das Thema „Wissensmanagement und Sprache“ in die Balanced Scorecard zu integrieren. Aufgrund der Forschungssituation in den Sprachwissenschaften ist die Messung des weichen Faktors „Sprachverständlichkeit“ relativ leicht möglich.
  5. Was die Kundenbeziehungen angeht: gut verständliche Texte und eine funktionierende Navigationslogistik des Internetauftritts gehören zur makellosen Visitenkarte jedes Unternehmens. Sie sind ein unverzichtbarer Teil der Corporate Identity.

Fazit: Verschaffen Sie in Ihrem Unternehmen dem Medium Sprache einen Logenplatz! Man wird es Ihnen danken – Ihre Mitarbeiter, Ihre Kunden, und nicht zuletzt Ihr Finanzvorstand.

Kontakt:
lingua@MEDIA
Professor Dr. Günther Zimmermann
Im Lehmkamp 12 A
38110 Braunschweig
Tel.: 05307/7577 oder 0178/7577000
Fax: 05307/5488
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[Bilder: photocase]

Wissenserwerb: Das Problem der Trennung von IT- und Verhaltenstrainings

Gastbeitrag von Katharina Dietze, Schwelm *

Unternehmen verfolgen damit vielfältige Ziele: Die interne Kommunikation soll schneller, die Reaktionszeit auf interne und externe Kundenwünsche soll kürzer, die Abläufe sollen transparenter und das Teamwissen soll gebündelt und sofort verfügbar sein. Die Sachzwänge sind in der Regel ähnlich: Der Markt wird immer schneller und globaler, Kunden wollen sofort bedient werden, Forschung und Entwicklung müssen drastisch beschleunigt und Verwaltungskosten abgebaut werden.

Die Nutzung unternehmensrelevanten Wissens und die damit einhergehende Verbesserung und Beschleunigung der administrativen Prozesse tut tatsächlich in den meisten Fällen dringend Not. Wer die Produktivitätssteigerungen, die im gewerblichen Bereich in den letzten Jahren erzielt wurden, kennt und mit diesem Wissenshintergrund die Verwaltungsbereiche der Unternehmen auf Produktivität durchleuchtet, stellt häufig folgendes fest: Jeder Arbeitsplatz sieht anders aus, es gibt wenig standardisierte Abläufe, die Teamarbeit lässt häufig zu wünschen übrig, der Einzelne behält sein Wissen für sich und teilt es nicht. Erfolgt eine neue Anweisung des Managements zur Verbesserung der Organisation, wird diese oft nur halbherzig umgesetzt, die guten Ansätze versickern schnell im Alltagsgeschäft und nach einem halben Jahr unter Umständen wieder im Nichts.

In einer solchen Situation wurden häufig Informationsmanagement-Systeme eingeführt und die Kommunikation auf E-Mail umgestellt. Die Geschäftsleitung erhoffte sich so mehr Transparenz. Außerdem ist die neue technische Lösung an allen Arbeitsplätzen gleich und nährt die Hoffnung, den gleichen Informationsstandard und damit die schnellere Verfügbarkeit von Wissen zu erreichen. Die Einführung von Intranet, Datenbanksystemen und Tools zur internen Vernetzung (z.B. Outlook, Lotus Notes oder GroupWise) sollen der Informationsüberflutung Einhalt gebieten und die Verfügbarkeit von Wissen sicherstellen. Die Technik ist jedoch nicht das Problem. Das Problem ist der entsprechende alltagspraktische Umgang mit der neuen Technik, der erst erlernt und trainiert werden muss. Jede DMS- und Workflow-Einführung ist nämlich gleichzeitig mit starken Organisationsveränderungen verbunden. Werden Mitarbeiter nicht aktiv in den neuen Prozess eingebunden, kann der Wunsch nach optimaler Informationspolitik schnell zum Albtraum werden. Denn die Informationsflut und -geschwindigkeit nimmt durch die Einführung dieses weiteren Informationskanals explosionsartig zu. Man gerät leicht auf zu viele Verteiler, von denen man keinen Nutzen hat.

Darüber hinaus erhält und sendet man viele unausgegorene unfertige Ideen, die „mal eben“ zur Kenntnis gemailt werden. Dies trifft besonders die Führungskräfte. So kommt es zu solchen oder ähnlichen Situationsbeschreibungen verzweifelter Manager: „Komme ich morgens ins Büro, erhalte ich beim Hochfahren des Computers als erstes die Meldung: Sie haben 12 neue E-Mails, obwohl ich am Abend vorher noch einmal alle Neueingänge gelesen hatte. Öffne ich dann den Posteingang, sehe ich mich mit meinen 434 bereits gelesenen E-Mails konfrontiert. Frustriert sichte ich die neuen Mails. Das Ergebnis: Ein paar neue Entwürfe, zwei Einladungen und eine Nachricht vom Chef. Erkennungszeichen besonders wichtig und eilig, da mit heutiger Deadline versehen. Alle Nachrichten auf einmal zu lesen und zu bearbeiten bleibt ein Wunschtraum, denn mein Telefon klingelt schon wieder. Der Kollege vom Einkauf ist dran: „Hast Du meine E-Mail bekommen?“ Informationsüberflutung ist also häufig das Ergebnis solcher EDV-Umstellungen. Dabei sollte sie doch verhindert werden!

Vorhandene Technik nutzen und andere Trainingsmethoden umsetzen

Der entscheidende Punkt bei der Einführung und Durchsetzung neuer IT-Projekte ist, dass eine neue EDV-Struktur nicht gleich neues Arbeitsverhalten bedeutet. Dieser Aspekt wird von der Personalentwicklung in Unternehmen oftmals nicht berücksichtigt. Zumeist werden die Bereiche Arbeitsverhalten/ -routinen und neue IT-Tools getrennt betrachtet und auch getrennt trainiert. Diese Elemente müssen verzahnt werden. Außerdem mangelt es oft an der Umsetzung des Erlernten, wenn es darum geht am eigenen Arbeitsplatz tatsächlich für Veränderungen zu sorgen. Den Teilnehmern eines Trainings für Zwecke des Wissensmanagements muss deutlich werden, wie solche Tools sinnvoll in das alltägliche Arbeitsverhalten integriert werden können. Kein IT-Tool kann für sich selbst eine bessere oder effektivere Organisation ermöglichen oder Wissen schaffen. Was auf dem Server liegt, sind Daten. Wissen entsteht in den Köpfen und der alltäglichen Arbeitspraxis. Es geht also um die Frage: Wie Wissensmanagement- oder Dokumentenmanagementsysteme genutzt werden und in Zukunft auch immer mehr: Wie sie im Team genutzt werden.

Mehr Produktivität durch eine optimale und mit dem Arbeitsverhalten abgestimmte Nutzung der Informationsmanagementsysteme ist also die Devise. Was die meisten Unternehmen nicht wissen ist, dass diese Systeme oftmals schon vorhanden sind. Die meisten heutzutage für den E-Mail-Verkehr genutzten Programme bieten weitere vielfältige Möglichkeiten wie Kalender, Aufgabenliste und Kontaktverwaltung und sind auf das Arbeiten im Team angelegt. Werden diese effektiv genutzt, kann dies schon ein gutes Wissensmanagement bedeuten. Es muss nicht immer die neueste Software sein. Mit diesen Tools kann man nämlich hervorragend Wissen bündeln, einheitlich strukturieren und sofort abrufbar halten.

Wie lässt sich das Potential der Groupwareprogramme tatsächlich im Arbeitsalltag ausschöpfen?

Für die Lösung dieser Aufgabenstellung braucht man ein Training, das alle Möglichkeiten, die Informationsmanagement-Systeme bieten, für den Einzelnen und als Teamtool nutzbar macht. Besonders gut eignet sich ein Training-on-the-Job, das innerhalb eines bestimmten Zeitraums mit mehreren Lernanstößen folgendes erreichen kann: Jeder Teilnehmer nutzt eine transparente, mit seinem Team oder seiner Abteilung abgestimmte Ablagestruktur in der EDV und in Papierform und managt den Informationsstrom ohne Zeitverluste dank vorhandener IT-Tools.

Oder man begleitet die Einführung eines neuen Tools von Beginn an und nimmt dies zum Anlass, den Mitarbeitern in Management und Verwaltung effektiveres Arbeitsverhalten und reibungslosere Kommunikation und Kooperation zu vermitteln. EDV-Training und Selbst- bzw. Zeitmanagement schließen sich nicht aus, ja sind in der fortgeschrittenen Informationsgesellschaft sogar nicht getrennt zu denken. Andernfalls bekommt man als Personalentwickler das Problem, keine adäquate Antwort auf tatsächliche Entwicklungsmöglichkeiten des Personals zu haben.

Man braucht folglich eine Mischung aus Fachinformation zu den Themen Organisation und Planung und Verhaltenstraining direkt am eigenen Arbeitsplatz. Der Mitarbeiter setzt damit sofort im eigenen Arbeitsbereich die Verbesserung um. Durch Follow-Up-Trainings wird bei jedem Lernanstoß neues Wissen hinzugefügt, direkt umgesetzt und das bereits Erlernte gleichzeitig stabilisiert Anhand der vorhandenen oder neuen EDV-Tools lernen die Teilnehmer Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden, per EDV zu delegieren und diese Delegation zu kontrollieren. Das heißt, das Team legt in Zukunft sofort die richtige Information, am richtigen Ort nach den gleichen Kriterien ab. Öffentliche Ordner, Server und Intranet (falls vorhanden) müssen so strukturiert und genutzt werden, dass die Mitarbeiter dort die für sie wichtigen Informationen abrufen können. Das verhindert, dass alle Mails auf den PC „gepusht“ werden.

Ein lernendes Unternehmen erkennt man daran, dass es für bekannte Probleme neue Lösungen anwendet, weil es gelernt hat, dass die alten Lösungen unbrauchbar waren. Die Fortführung der bisherigen PE-Routinen, denen zumeist eine säuberliche Trennung von Methoden- und IT-Kompetenz zu Grunde liegt, zeugte von mangelnder Lernfähigkeit. Und wie kämen wir zu einer Wissensmanagement-Praxis, wenn diejenigen, die es in Unternehmen am besten wissen müssten, nicht lernen?

Katharina Dietze ist Geschäftsführerin der IBT GmbH in Schwelm.

Kontakt:
IBT GmbH
Wilhelmstraße 43
58332 Schwelm

Telefon: (0 23 36) 93 90-0
Telefax: (0 23 36) 93 90-30

www.ibt-pep.de [247]

[Bild: Photocase.com]

Gelernt: Schlanke Prozesse dank Lean Management in der Uniklinik

Die Zukunft unseres Gesundheitswesens sieht alles andere als rosig aus. Rivalisierende Reformkonzepte auf Seiten der Politik, Ärzteproteste, Kostensteigerungen. Experten schätzen, dass bis zum Jahr 2030 eine Deckungslücke von jährlich mehr als 60 Milliarden Euro entsteht. Größter Kostenblock dabei: Die Krankenhäuser. Mehr als ein Drittel der Versicherungsbeiträge fließt in die stationäre Behandlung. Die Abteilung Herz- und Gefäßchirurgie am Universitätsklinikum Freiburg hat sich jetzt mit Methoden aus der Betriebswirtschaft dem negativen Trend entgegengestellt und die internen Abläufe optimiert.

Eher durch Zufall trafen Prof. Dr. Friedhelm Beyersdorf, ärztlicher Direktor der Herz- und Gefäßchirurgie am Universitätsklinikum Freiburg, und Porsche-Chef Wendelin Wiedeking auf einer Feier zusammen. Aus diesem Treffen erwuchs die gemeinsame Überzeugung, dass die Arbeitsabläufe in einem Krankenhaus sich von denen der Automobilindustrie nicht unbedingt strikt unterscheiden müssen. Wiedeking kannte die Prozessprobleme aus eigener Erfahrung: hohe Kosten, sperrige Abläufe, fehlende Transparenz. Eine Situation, die zu Beginn der 90er Jahre auch beim Stuttgarter Sportwagenbauer fast zum Kollaps führte.

Hinweis

Die Herz- und Gefäßchirurgie am Universitätsklinikum Freiburg umfasst das gesamte Spektrum der modernen Herz- und Gefäßchirurgie. Sie ist eines von zwei in Baden-Württemberg offiziell zugelassenen Herztransplantationszentren. Allein im Jahr 2004 wurden rund 1.700 Operationen durchgeführt, darunter über 900 am Herzen.

Mit Standardisierung zum Erfolg

Aus dem Gespräch entwickelte sich der Plan, die internen Abläufe der Freiburger Klinik auf Herz und Nieren zu überprüfen und Verbesserungen einzuführen. Ziel: Schlanke Prozesse, um auf die künftigen Herausforderungen gut vorbereitet zu sein. So nahmen sich die Management-Experten von Porsche Consulting und McKinsey drei Monate Zeit und studierten die Abläufe in der Klinik. Die überraschende Erkenntnis: Die Ziele Just-in-time-Produktion der Automobilindustrie und der Aufenthalt von Patienten im Krankenhaus „nur so lange wie notwendig“ ähneln sich. Am Ende übertrugen die Berater das Konzept des „Lean Thinking“ vorsichtig auf die Freiburger Klinik.

„Bereitschaft für Veränderungen muss man bei einem solchen Projekt schon mitbringen. Aber es lohnt sich, wenn man feststellt, dass Entwicklungspotenzial vorhanden ist. Schon in der kurzen Zeit von drei Monaten haben wir hier spürbare Verbesserungen erzielt“,

meint Beyersdorf.

Mit dem Patienten-Manager wurde ein neues Arbeitsfeld eingeführt. Er ist zuständig für die Koordination der Operationen und hat dabei alle Belegungspläne im Blick. Jede Aufnahme eines Patienten muss künftig an ihm vorbei. Jetzt wird keine OP mehr verschoben, weil im Anschluss daran auf der Intensivstation kein Bett frei ist. Auch fehlende Untersuchungsdaten gehören der Vergangenheit an. Möglich machen dies Instrumente wie Checklisten, die Teil der neu eingeführten standardisierten Prozesse sind.

Erfreuliches Ergebnis: bessere Planung, höhere Produktivität und eine gesteigerte Zufriedenheit auf allen Seiten. Ein Segen, denn die Berater konstatierten klassische Symptome von Verschwendung, wie sie in vielen Produktionsprozessen immer wieder auftauchen. So wurde nur knapp die Hälfte der Kapazitäten, die das Uniklinikum seiner Herzchirurgie in drei OP-Sälen täglich einräumte, effektiv genutzt. Die übrige Zeit herrschte Leerlauf. Die „Therapie“ der Berater lautete deshalb:

  • Einstellung der bereits vorhandenen Planungssoftware des Rechenzentrums auf die speziellen Gegebenheiten der Herzchirurgie,
  • Aufnahme eines „Puffers“ für Notfalloperationen in die Kalkulation,
  • Definition von so genannten Klinischen Pfaden: exakte Pläne für Untersuchungs- und Behandlungstermine,
  • Checklisten für alle Ärzte, die Patienten für Operationen in die Herzchirurgie einweisen: welche Untersuchungen müssen vorab organisiert werden?

Modell auf jedes Krankenhaus übertragbar?

Die Ergebnisse der Maßnahmen können sich sehen lassen: Die Produktivität der Abteilung ist, so die Berechnungen von Porsche und McKinsey, um 30 Prozent gestiegen. Der Deckungsbeitrag hat sich verdoppelt. Und auch die durchschnittliche Liegezeit, Hauptkostenfaktor in Krankenhäusern, konnte von 11,2 auf 9,6 Tage reduziert werden. Dazu Eberhard Weiblen, Geschäftsführer von Porsche Consulting gegenüber dem Manager Magazin:

„In unserer Gesellschaft herrscht die irrige Meinung vor, Kosteneinsparungen seien grundsätzlich mit Qualitätseinbußen verbunden. Gerade im Gesundheitswesen wird der Zwang zum Sparen entweder mit Leistungskürzungen oder mit Beitragserhöhungen gleichgesetzt. Das gefällt uns deshalb nicht, weil es einen dritten Weg gibt. Eine intelligente Kosteneinsparung kann nämlich gleichzeitig auch die Qualität verbessern. Hier bedarf es noch einer Menge Aufklärungsarbeit.“

Bleibt die Frage offen, ob das Freiburger-Modell auch auf alle übrigen Krankenhäuser bundesweit übertragbar ist. Die Antwort lautet: Prinzipiell ja. Allerdings muss doch sehr genau unterschieden werden, welchen Zweck die jeweilige klinische Abteilung verfolgt. Bei einer Unfallchirurgie mit hohem Notfallanteil lassen sich OP-Planungen nicht mit der Exaktheit durchführen wie bei einer Herzchirurgie. Das sollte, bei aller Euphorie für Verschlankungs- und Optimierungsinstrumente, berücksichtigt werden.

Hinweis

Das lernen Sie:

  1. Die Prozesse im eigenen Unternehmen sollten immer wieder auf Schwachstellen durchleuchtet werden.
  2. Kosteneinsparungen führen nicht immer automatisch zu Qualitätseinbußen.
  3. Ziele unterschiedlicher Organisationen können sich durchaus ähneln.
  4. Es lohnt sich, offen und bereit für Veränderungen zu sein.

Uniklinik Freiburg, Abteilung Herz- und Gefäßchirurgie [248]

Porsche Consulting [249]

[dw, Bild: photocase.com]

Orientierung: Führen in Veränderungs- und Konfliktsituationen

Gastbeitrag von Gerd Huss, Grävenwiesbach *

Sicher lässt sich nicht alles bis ins Detail planen und voraussehen, dennoch fehlt vielen Führungskräften selbst der innere Plan im Kopf, mit solchen Situationen umzugehen. Woher auch? Umgehen mit Veränderungs- und Konfliktsituationen war schließlich kein Studienfach.

Einige überbrücken diesen Mangel durch aufgesetzte Hemdsärmeligkeit im Sinne eines Praktiker-Verständnisses „was nicht passt, wird passend gemacht“. Dabei wird hektisch organisiert, die Verteilung der neuen Aufgaben und neuen Kompetenzen der Mitarbeiter werden verordnet. Ein Führungsstil, der mit dem Risiko verbunden ist, Fremdbestimmung zu erzeugen und damit Konfliktpotenzial. Lähmung und passiver Widerstand können in das Endstadium der inneren Kündigung münden, wenn es nicht rechtzeitig erkannt und entgegengesteuert wird.

Neben dem Führungsstil des hektischen Praktikers ist mindestens ebenso häufig die Führungslosigkeit zu beobachten, mit nicht geringeren Risiken in den Wirkungsweisen. Diese Führungskräfte geben keine Orientierung bzw. sind zu vorsichtig, sich zu positionieren. Morgen kann sich wieder alles ändern durch Vorgaben von oben ... deshalb halten sie es für ratsam, sich nicht durch voreilige Handlungen zu weit aus dem Fenster zu lehnen. Das tun sie aus der Überlegung heraus, sich selbst und ihre Position in der Turbulenz zu schützen. Sie informieren nicht, sie kommunizieren nicht mit ihrem Team. Daher gibt es auch keine richtungweisenden Vorgaben und keine Klärungsprozesse in den Aufgaben und Kompetenzen. Die Auswirkungen dieses Führungsstils sind ebenfalls in einem wachsenden Konfliktpotenzial, in Lähmung und verstärkte Selbstbeschäftigung der Mitarbeiter zu erkennen.

„Umgehen mit Veränderungs- und Konfliktsituationen“ ist daher bereits in vielen namhaften Unternehmen ein zentrales Anforderungsmerkmal für Führungsaufgaben geworden.

Dennoch reicht es nicht aus, dieses Anforderungsmerkmal in die Stellenbeschreibungen und Recruiting-Instrumente von neu zu besetzenden Positionen aufzunehmen. Das Problem löst sich dadurch längerfristig nicht, denn die Kommunikationstalente, die dieses Anforderungsmerkmal mit ihrer Persönlichkeit bereits erfüllen und neben den beruflichen Erfahrungen mitbringen, sind auf dem Arbeitsmarkt nur schwer und teuer oder gar nicht zu gewinnen. Diese Situation wird sich zukünftig durch die demografischen Wandlungsprozesse eher noch verstärken.

Die bestehende Führungsmannschaft muss folglich kontinuierlich in diesem Anforderungsmerkmal geschult werden, und es müssen Lern- und Reflektionsräume hierfür eingeräumt und geschaffen werden.

Nichts ist heiliger als die Zeit der Führungskräfte, denn sie ist mehr als knapp geworden.

Ein Ansatz für Unternehmen, die diese Zeichen der Zeit erkannt haben und trotz Zeitmangel auf eine kontinuierliche Weiterentwicklung ihrer Führungskräfte setzen, besteht in der Nutzung von Blended Learning- Maßnahmen – das Nutzen von eLearning und Kommunikation via Internet.

Die Haupteffekte des Blended Learning bestehen in der Einsparung von Zeit und Verbesserung der Nachhaltigkeit des Lernens durch Lenmaterialien, die zum Beispiel in Form von Fallstudien im Netz abrufbar bereit stehen und über die der Lernende nach eigener Zeitplanung verfügen kann. Hinzu kommen die Ersparnis von Reisezeiten und Kosten.

Einen zeitgemäßen Ansatz bietet ein Blended Learning-Instrument, das genau zu dem oben beschrieben Thema Lernräume bietet und für die gelungene Synthese aus Praxisnähe und inhaltlicher Substanz in den Fallstudien einen Innovationspreis auf der CeBit 2005 erhielt.

Als Ausgangspunkt bietet das Instrument eine fallorientierte Führungsstilanalyse und damit die Gelegenheit zu einer authentischen Bestandsaufnahme im geschützten Rahmen des Internets.

Führungskräfte können sich auf der Basis dieser ersten Selbstlernphase besser einschätzen lernen, inwieweit sie zu einer der beiden oben beschriebenen Tendenzen zum Over- oder Underleading neigen. Ihre Fragen zu den ebenfalls im Internet abgelegten Ergebnissen können die Teilnehmer des Programms in einem Webseminar klären, das von einem Führungstrainer geleitet wird.

Das Programm sieht in weiteren Schritten Aufgaben zu Fallstudien und Übungen vor, die jeweils in Selbstlernphasen individuell bearbeitet und dann in einem Webseminar diskutiert werden. Bei den angebotenen Wahrnehmungsübungen sind beispielsweise vorgegebene Videosequenzen von Konfliktsituationen zu beurteilen, die den Lernerfolg und damit die Übertragung auf die Praxissituation messen bzw. einschätzen lassen.

Hinweis

Übergreifendes Ziel der Lernkonzeption laut Gerd Huss, Autor des Programms und Leiter der wirtschaftpsychologischen Trainingsfirma intraVox-consulting ist es, dass Teilnehmer erkennen, welchen Einfluss das eigene Führungsverhalten auf das Leistungsniveau und die Veränderungsbereitschaft der Mitarbeiter und Kollegen hat – und wie es optimiert werden kann. Einen ersten Überblick erhalten Interessierte auf dem Lernportal www.intraVox.de [250] .

Kostenfreies Schnupperseminar

Die Trainingsfirma bietet ein kostenfreies Schnupperseminar im Web an, in dem man einen tieferen Einblick in das Programm erhält und im audiovisuellen Kommunikationsraum Fragen unmittelbar klären kann. Interessenten können sich anmelden unter info@intraVox-consulting.de [251] .

Informationen und Log-in-Daten werden dann an die angegebene E-Mail-Adresse zugestellt.

Kontakt:
Gerd Huss, Diplom Psychologe, Leadershiptraining/ Coaching
IntraVox-Consulting
Am Schlagbaum 22
D-61279 Grävenwiesbach/Hochtaunuskreis
Tel: 06086- 96 94 37
Fax 0721-151538127
Huss@intraVox-Consulting.de [252]
www.intraVox-Consulting.de [253]

Informiert: Das Wissen über Kunden besser nutzen

Gastbeitrag von Anne Wegele, Rosenheim *

Es ruckelt kurz, dann steht das Fertigungsband still. Störungen und Defekte sind Alltag in Betrieben. Doch in der Regel wird sofort ein Servicetechniker des Herstellers gerufen, der im Idealfall im Handumdrehen da ist, der das benötigte Ersatzteil im Auto hat und dafür sorgt, dass wieder alles schön rund läuft. Anschließend fährt der Servicetechniker entweder weiter zum nächsten Kunden oder zurück in seinen Betrieb. Wie gesagt, das ist Alltag – noch. Denn Unternehmen müssen heutzutage jede Chance nutzen, um Mehrumsätze zu erwirtschaften.

Auch vom Service wird daher erwartet, neben den eigentlichen Aufgaben Kunden zu beraten und Zusatzleistungen zu verkaufen, zumal kein anderer Mitarbeiter, auch kein Verkäufer, die Situation und den Bedarf eines Kunden besser kennt als der Servicetechniker. Sie wissen genau, wo Kunden der Schuh am stärksten drückt und welches Zusatzleistung oder welches Produkt ihnen einen echten Mehrwert bringt, oftmals besser als der Kunde selbst. Viele Kunden sind nämlich an eine bestehende Lösung so sehr gewöhnt, dass ihnen nicht einfällt, nach einer neuen zu suchen, selbst wenn sie das Bedürfnis danach haben. Mit der richtigen Beratungskompetenz rennen daher Techniker, die Vorteile neuer Lösungen aufzeigen können, bei Kunden offene Türen ein. Denn Kunden erwarten sogar vom Service, dass dieser ihnen sagt, wie beispielsweise die Produktivität durch ein Zusatzgerät erhöht oder die Lebensdauer einer Maschine durch spezielle Wartungsverträge verlängert werden kann.

Die Motivation fördern

Allerdings ist es eine Sache, sich perfekt mit Maschinen auszukennen und binnen kürzester Zeit, Fehler zu analysieren und Störungen zu beseitigen. Eine völlige andere Sache ist es aber, Vertriebsaufgaben zu übernehmen, systematisch den Bedarf an zu liefernden Produkten zu erheben, Kunden kompetent zu beraten und erfolgreich zu verkaufen. Entsprechendes Wissen und Können müssen sich die Servicemitarbeiter erst noch aneignen.

Mitunter mangelt es aber schon an der Bereitschaft der Servicetechniker, zusätzliche Aufgaben zu übernehmen. Etliche sind der Ansicht, ihr Job sei es ausschließlich, sich um die Technik zu kümmern, verkaufen aber sei Sache der Verkäufer. Dieses schematische Denken aufzulösen und die Servicemitarbeiter für ihre neuen Aufgaben zu motivieren ist somit eine zentrale Voraussetzung dafür, dass sie künftig die brachliegenden Umsatzpotenziale ausschöpfen.

Meist assoziieren die Mitarbeiter, sie müssten hard selling betreiben. Entsprechend bauen sie Widerstände auf. Wenn Sie im Rahmen der Qualifizierung aber erkennen, dass ihre Aufgabe eher das aktive Beraten der Kunden beinhaltet und sich Produkte oder Zusatzleistungen im Rahmen dieser Beratung quasi von allein verkaufen, lösen sich die Widerstände sehr schnell auf. Mehr noch: Für viele ist die neue Aufgabe eine Herausforderung, die sie mit sehr viel Elan angehen und für die sie bereit sind, sich neue Fertigkeiten anzueignen.

Übung macht den Meister

Natürlich benötigen die Mitarbeiter neben der Motivation auch das entsprechende Handwerkszeug. Dazu gehört in jedem Fall die Gesprächsführungskompetenz der Techniker. Mit Hilfe geeigneter Fragetechniken etwa erfahren sie sehr schnell, welche Bedürfnisse und welchen Bedarf Kunden haben, ob die Chance zum cross selling, zu Zusatzverkäufen, besteht. Das kleine und große Einmaleins der Kundenpsychologie erleichtert ihnen den perfekten Umgang mit unterschiedlichsten Kundentypen und mit schwierigen Situationen. Zielgerichtet verhandeln zu können gehört ebenfalls zum erforderlichen Kompetenzspektrum.

Eine oftmals unterschätzte, aber sehr wichtige Schlüsselkompetenz ist die ‚persönliche Qualität’ der Techniker. Unter diesem Begriff sind (altbewährte) Tugenden und Werte, wie Loyalität, Rechtschaffenheit, Fleiß, Einsatzbereitschaft, Ordnungssinn, Kostenbewusstsein etc., zu verstehen. Wenn Techniker zum Beispiel loyal, fleißig, ordnungs- und kostenbewusst sind, profitiert der Arbeitgeber in doppelter Hinsicht: Intern erhöhen sich die Leistungsqualität und die Produktivität. Aber auch die Kunden wissen zu schätzen, wenn sich Servicemitarbeiter durch entsprechende Eigenschaften auszeichnen.

Ein authentisches, glaubwürdiges Auftreten dieser Mitarbeiter und ihr ehrliches Interesse an den Problemen der Kunden kommen selbstverständlich wesentlich besser an als auswendig gelernte, schnell dahergesagte Standardfloskeln. Achten Sie daher schon bei der Personalauswahl darauf, dass neue Servicemitarbeiter nicht nur durch technisches Können überzeugen, sondern auch über ein gutes Auftreten, Umgangsformen, Outfit, sprachliches Geschick, positive Einstellungen und persönliche Qualitäten verfügen.

Aufwand und Investition in die Qualifizierung rechnen sich erfahrungsgemäß binnen kürzester Zeit. Schließlich sind Ihre Mitarbeiter tagtäglich bei Kunden vor Ort und können diese über neueste Entwicklungen oder erweiterte Techniken informieren und damit zur höheren Leistungsfähigkeit des Kunden beitragen. Und das bringt dann nicht nur Zusatzgeschäft, sondern intensiviert automatisch auch die Beziehung zu Ihren Kunden. Kunden wollen nämlich, dass man ihre Bedürfnisse versteht, ihnen in Ruhe zuhört und sie kompetent berät.

Die Formel ist daher einfach: Je besser das Verhältnis zwischen Ihren Mitarbeitern auf der einen Seite und den Kunden auf der anderen Seite, desto wohler fühlen sich die Kunden, desto eher empfehlen sie Ihre Firma weiter. Mundpropaganda ist zudem die beste Form der Werbung. Sie kostet nichts, wirkt sich aber sehr stark auf Ihren Unternehmenserfolg aus.

Daher erleben wir immer wieder, dass Firmen mit einem verkaufsorientierten Service über Empfehlungen zu Neukunden kommen, die vorher von der Konkurrenz beliefert wurden. Während der perfekte technische Support als selbstverständlich vorausgesetzt wird, hebt sich ein Unternehmen durch die professionelle Beratungskompetenz qualitativ von Wettbewerbern ab.

Was das konkret auch in kalkulatorischer Hinsicht bedeutet, zeigt eine Studie der Unternehmensberatung A.T. Kearney. Die Studie weist sogar für stark preisumkämpfte Branchen nach – und welches Unternehmen gehört heutzutage nicht zu einer solchen -, dass Firmen, die ihren Kunden Zusatzleistungen anbieten, bis zu 9% höhere Preise verlangen und bis zu 6% mehr Marktanteile erlangen können. Offensichtlich sind Kunden bereit, für die nicht selbstverständliche Beratung tiefer in die Tasche zu greifen, vorausgesetzt jedoch, sie erkennen einen zusätzlichen Nutzen. Diesen überzeugend darzulegen ist mehr denn je Aufgabe der Servicemitarbeiter.

Hinweis

Testen Sie kostenfrei unter www.steinbeis-beratung.de [254] , ob Ihre Servicemitarbeiter bereits fit sind für Beratungs- und Verkaufsaufgaben.

Anne Wegele ist Trainerin und Geschäftsführerin der Steinbeis Beratung GmbH, Rosenheim.

Kontakt:
Steinbeis Beratung GmbH
Kirchenweg 41
83026 Rosenheim
Tel. 08031/232920-0
Fax 08031/232920-17
a.wegele@steinbeis-Beratung.de [255]
www.steinbeis-beratung.de [256]

Veranstaltungsmanagement: Tagungshotel und professionelle Organisation sind die Erfolgsfaktoren

Nicht jedes Tagungshotel ist für jede Form von Veranstaltung gleich gut gerüstet. Es macht also Sinn, vorab genau zu prüfen, welcher Bedarf bei einer geplanten Veranstaltung besteht und welches Tagungshotel diese Bedürfnisse optimal erfüllt.

Zunächst muss geklärt werden, um welche Art von Veranstaltung es sich handelt, wie viele Teilnehmer erwartet werden, welche Raum-, Service- und Verpflegungsansprüche gestellt und welche Hilfsmittel zur Durchführung der Veranstaltung benötigt werden. Der beste Ansprechpartner für diese Fragen ist in der Regel der Veranstaltungsverantwortliche oder der Trainer/Redner. Gemeinsam sollten Sie alle relevanten Fragen durchgehen und möglichst detailliert beantworten. Denn nur so können Sie die Erfüllbarkeit Ihrer Anforderungen bei der Auswahl des Tagungshotels exakt überprüfen.

Allgemeine Anforderungen

Unabhängig von Veranstaltungsform und -größe gibt es ganz allgemeine Kriterien, die für das Gelingen unerlässlich sind. Hierzu gehören:

  • ein lernzielförderndes Umfeld
  • ein exzellenter Service
  • eine hohe Fachkompetenz des für die Tagungsorganisation verantwortlichen Hotelpersonals
  • leichte Erreichbarkeit per Bahn, Flugzeug oder Auto,
  • eine an die Bedürfnisse der Teilnehmer angepasste Verpflegung sowie
  • der allgemeine Hotelstandard.

Ein lernzielförderndes Umfeld bietet neben einer ansprechenden Architektur und einer nach ergonomischen Prinzipien ausgewählten Raumausstattung, beste Lichtverhältnisse und eine gute Akustik. Legen Sie Wert auf ausreichend Tageslicht. Kunstlicht sollte mindestens 300 Lux betragen. Vermeiden Sie mit Leuchtstoffröhren beleuchtete Räume, sie wirken kalt und haben keine gute Atmosphäre. Auch einer kommunikationsfördernden Farbgestaltung wird in immer mehr Tagungshotels große Beachtung geschenkt. Außerdem sind Sauberkeit und die Qualität der Zimmer, sowie Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Hotelmitarbeiter zu prüfen. Bei mehrtägigen Veranstaltungen ist das Bedürfnis nach Bewegung und Relaxen ausgeprägt. Fragen Sie nach Spazier- und Joggingwegen, Outdooranlagen, Sauna, Fitnessräumen und sonstigen therapeutisch/ medizinischen Einrichtungen. Wichtig: Ist das jeweilige Fachpersonal bei Bedarf auch verfügbar?

Angebotene Service-Leistungen sollten nutzenorientiert sein, die Arbeit des Trainers/ Referenten erleichtern und den Aufenthalt angenehm gestalten. Klären Sie, ob eine kompetente Servicekraft während der geplanten Veranstaltung zur Verfügung steht oder ob Kapazitätsengpässe zu erwarten sind. Fachkompetentes Personal im Tagungsbereich sollte konkrete Fragen zu Lernmedien und Technik, Lernspielen und -requisiten, Outdooranlagen und Equipment sowie Preis- und Leistungspaketen beantworten können. Mögliche Pannen oder Störungen verlieren dann ihren Schrecken.

Lerngerechte Kost zeichnet sich durch Verträglichkeit, Ausgewogenheit und leichte Verdaubarkeit aus. Schweres und fettreiches Essen macht unkonzentriert und schläfrig das gefürchtete Suppenkoma droht. Achten Sie deshalb auf mehrere kleine Mahlzeiten, vitaminreiche Speisen und ernährungswissenschaftlich belegte Ausgewogenheit.

Spezielle Anforderungen systematisch ermitteln

Neben allgemeinen Qualitätsmerkmalen und Anforderungskriterien gibt es eine Reihe von Ansprüchen, die sich nach der Veranstaltungsform und -größe richten.

1. Meetings, Besprechungen

Arbeitsbesprechungen, Produktpräsentationen und ähnliche firmeninterne Veranstaltungen bewegen sich meist in einem Rahmen von bis zu 25 Teilnehmern. Da hier Firmeninternas und sensible Informationen besprochen werden, sollten die Räumlichkeiten abgeschlossen sein und nicht gleichzeitig von anderen Gruppen genutzt werden. Gleiches gilt für die Pausenzone, da in den Pausen weiter über Arbeitsinhalte gesprochen wird. Mitunter möchte die Gruppe besondere Medien wie Internet oder Videokonferenzsystem verfügbar haben, um von außen Informationen einzuholen oder sich mit Externen zu konsultieren. Oft wird gewünscht, Mahlzeiten im Besprechungsraum einzunehmen, um die knappe Zeit optimal zu nutzen.

2. Konferenzen

Konferenzen sind Veranstaltungen mit mehr als 25 Teilnehmern. Sie stellen besondere Anforderungen an den Ort des Geschehens. Wegen geschlossener Tischformationen rechnet man mit einem Raumbedarf von 4,5 Quadratmetern je Teilnehmer. Vorsicht, niedrige Räume eignen sich nicht wegen der üblicherweise eingesetzten Projektionstechnik. Konferenzräume sollten mindestens drei Meter hoch sein.

Neben dem eigentlichen Konferenzraum benötigen Sie eine ausreichend große Pausenzone, die mindestens halb so groß sein sollte wie die Konferenzraumfläche. Ist geplant, Arbeitsgruppen zu bilden, müssen dafür zusätzliche Räume in entsprechender Größe zur Verfügung stehen. Achten Sie auf Unterflurverkabelung. Fragen Sie bei Bedarf nach Medien- und Lichtsteuerung, Verdunklungsanlage, Mikrophon und – bei einer internationalen Konferenz – nach Dolmetscherkabinen. Die Projektionsfläche in kleinen Räumen sollten mindestens zwei mal zwei Meter, in großen Räumen mindestens drei mal 2,5 Meter betragen.

3. Seminare, Trainings

An Seminare nehmen in der Regel zwischen acht und maximal 25 Personen teil. Statt einer festen Sitzordnung wird häufig ein lockerer Stuhlkreis bevorzugt mit der Möglichkeit, Tische und Stühle variabel für Gruppenarbeit, Rollenspiele etc. einzusetzen. Der dafür nötige Platzbedarf errechnet sich wie gehabt, allerdings muss zusätzlich die Aktionszone des Trainers mit berücksichtigt werden.

Stimmen Sie mit dem Trainer ab, welche Lernmedien er einsetzen möchte und stellen Sie sicher, dass diese auch tatsächlich vorhanden und in einwandfreiem Zustand sind. In Pausen sowie abends hat ein Seminarleiter/ Moderator viel zu tun; Pinwände müssen abgeräumt und neu visualisiert werden. Für die Prozess-Dokumentation benötigt er außerdem eine Digitalkamera, Computer, Drucker und Kopierer. In der Regel bringt er die Kamera selbst mit, übergibt aber dann den Chip an die Seminarorganisation zu Hause oder idealerweise an das Servicepersonal im Hotel. Klären Sie die Verfügbarkeit dieser Serviceleistung unbedingt vorher ab.

4. Interaktive Veranstaltungen, Outdoortrainings

Interaktive Veranstaltungen wie Workshops oder Moderationen zeichnen sich durch eine hohe Beteiligung der Teilnehmer aus. Daher wird viel Raum benötigt. Die Faustregel lautet sechs bis acht Quadratmeter pro Teilnehmer. Allerdings liegt hier die Gruppengröße in der Regel bei sechs bis 15 Personen.

Erlebnisorientiertes Lernen erfordert die Möglichkeit, in der Natur zu arbeiten. Die Palette reicht vom Lernspaziergang bis zu Hochseilparcours. Befragen Sie den Trainer, welcher Bedarf sich aus den geplanten Aktivitäten ergibt. Outdoor-Trainings leben von der Reflektion. Ein Lernortwechsel in den Seminarraum sollte daher schnell und problemlos erfolgen können. Gleiches gilt für Gruppenarbeitsmöglichkeiten. Außerordentlich wichtig ist die Möblierung des Raumes. Der Moderator arbeitet ohne starre Tischformation. Stuhlhalbkreis und Pinnwände stehen sich gegenüber, die Pinwände auf gar keinem Fall vor den Fenstern.

[Bild: photocase.com]

Informationsflut: Zehn Praxistipps für den Umgang mit E-Mails und Informationen

Gastbeitrag von Zach Davis, München *

1) Managen Sie den Absender

Die Menge der ankommenden E-Mails hat ja einen Grund – und dieser liegt beim Absender. Informieren Sie Ihre Mitarbeiter, Kunden und Kollegen darüber was für Sie wirklich wichtig ist und welche Informationen für Sie keinen hohen Informationswert besitzen. Wie bewerkstelligt man das? Sprechen Sie das Thema offen an! Wenn Sie in einem Gespräch damit starten, zunächst interessiert zu fragen, welche Informationen für Ihren Gesprächspartner wichtig sind und welche nicht, dann wird dieser Sie vermutlich auch nach Ihren Wünschen fragen - ohne dass Sie ungefragt Ihre Wünsche äußern müssen. In jedem Falle aber wird dies die Bereitschaft Ihres Gegenübers, Ihnen entgegenzukommen, begünstigen.

2) Mut zur Mülltonne!

Löschen Sie unwichtige E-Mails rigoros! Verschieben Sie alte E-Mails in den Papierkorb. Wenn Sie den Mut hierzu aufbringen werden Sie sich besser fühlen. Sollten Sie sich damit sehr schwer tun: Verschieben Sie solche E-Mails und Dateien, von denen Sie nicht sicher sind ob Sie diese noch benötigen werden oder nicht in einen speziellen Ordner "Gewissensberuhigung". In einem festen Turnus, z.B. alle 3 Monate, schauen Sie schnell durch ob etwas wirklich Wichtiges dabei ist. Alles was nicht wirklich wichtig ist löschen Sie dann. Sie werden feststellen, dass Sie hierin nur sehr selten Dokumente von großer Bedeutung wiederfinden.

3) Strukturierter Posteingang --> Strukturiertes Vorgehensweise

So banal es klingt: Strukturieren Sie Ihren Posteingang! Fast jedes gängige E-Mail-Programm bietet die Möglichkeit, nach verschiedenen Kriterien wie Betreff, Absender, Priorität (Vorsicht: die Priorität anderen Personen muss sich nicht mit Ihren eigenen Prioritäten decken!) etc. zu sortieren. Die wenigsten Personen mit hohem Mailaufkommen nutzen diese Stukturierungsmöglichkeiten wirklich effektiv. Selbst wenn Sie bereits eine Ordnerstruktur besitzen: Prüfen Sie ob diese Ihren jetzigen Anforderungen noch gerecht wird - wenn 90 Prozent aller E-Mails in demselben Ordner landen oder die Struktur nicht Ihren Aufgabengebieten entspricht, dann ist diese vermutlich nicht besonders zeitsparend.

4) Was nutzt Hightech wenn Sie es nicht bedienen können?

Investieren Sie bei Gelegenheit ein bis zwei Stunden in die Bedienung Ihres E-Mail-Programms. Sie arbeiten vermutlich täglich damit. Kennen Sie bspw. die wichtigsten Tastenkombinationen (erspart zahlreiche Mausklicks)? Wissen Sie, wie man nach "assoziierten" Nachrichten sucht? Wie hängt man eine Visitenkarte (vCard) an, damit man die Kontaktdaten nicht mühsam einzeln kopieren muss? Arbeiten Sie bei Personenkreisen, an die Sie regelmäßig versenden, mit Verteilern? Wenn Sie alle Fragen mit "Ja" beantworten können: Herzlichen Glückwunsch! Wenn nicht, dann ist es eine Überlegung wert, sich damit zu beschäftigen - eine kleine Zeitinvestition, die sich schnell auszahlen dürfte.

5) Seien Sie konsequent!

Entscheiden Sie, wie häufig Sie Ihre E-Mails abrufen und bearbeiten möchten: 1-mal, 2-mal oder 3-mal am Tag bspw. Für die meisten Berufe sollte dies vollkommen ausreichen. Trotzdem rufen viele, viele Personen Ihre E-Mails 10-mal, 20-mal, 30-mal ab. Bei manchen Firmen ist das E-Mail-Programm sogar derart voreingestellt, dass man bei jeder neuen E-Mail eine Nachricht bekommt. Ich kenne Menschen, die damit mehrmals pro Stunde aus Ihrem Arbeitsprozess herausgerissen werden - meiner Meinung nach Ressourcenverschwendung pur - uuuuupps, habe ich jetzt jemanden ertappt? Widerstehen Sie auch dem gefühlten Druck, sofort antworten zu müssen. Nur weil jemand Ihnen eine E-Mail schickt (oder anruft oder faxt oder reinkommt), hat diese Person nicht automatisch ein Anrecht auf Ihre Zeit. Denken Sie hierüber mal nach und gewinnen wieder die Kontrolle über Ihre Zeitverwendung!

6) Spielen Sie Kopfkino!

Längst ist bekannt, dass erlebte Informationen besser aufgenommen werden als rein sachlich aufbereitete Informationen. Von Visualisieren und Edutainment ist u.a. die Rede – gleichzeitig liegen Erkenntnis und Realität oft weit auseinander. Was aber tun Sie bei staubtrocken aufbereiteten Informationen? Beim nächsten Radiohören oder beim nächsten Vortrag drehen Sie einfach Ihren eigenen Kinofilm: Während der Vortragende spricht, stellen Sie sich den Inhalt zeitgleich bildlich vor – Ihre Aufnahmefähigkeit wird erheblich steigen, weil unser Gehirn in Bildern denkt und abspeichert. Jeder kann visualisieren: Stellen Sie sich jetzt einen gelben Luftballon vor!

7) Das Seminar auf Rädern

Wenn Sie auch nur eine Stunde pro Tag im Auto verbringen, dann sind dies bei 200 Arbeitstagen im Jahr entsprechend 200 Stunden pro Jahr oder umgerechnet ca. fünf Wochen, die Sie in Ihre eigene Weiterbildung investieren können, indem Sie sich Kompaktwissen vorlesen lassen. Nutzen Sie Ihr Auto nicht nur als Fortbewegungsmittel – machen Sie es zum rollenden Seminarraum! Legen Sie sich einen Vorrat an Hörbüchern oder Audioseminaren zu verschiedenen Themen an, die Sie persönlich weiterbringen. Ein Tauschen mit Kollegen spart dabei Kosten. Vielleicht möchten Sie mit unserer Audioserie „Der Effektivitäts-Code“ starten …

8) Nutzen Sie die Informationsdichte!

Die Informationsmenge ist innerhalb eines Textes typischerweise nicht gleich hoch. Am Anfang und Ende eines Artikel, Kapitels und sogar Absatzes ist die Informationsdichte im Durchschnitt am höchsten. Dazwischen findet sich häufig das zweite, dritte Beispiel oder Details, das man nicht im Detail kennen muss. Machen Sie es wie beim Autofahren: Schalten Sie in den Gang, der am besten auf die Strecke passt. Lesen Sie also nicht den ganzen Text gleichmäßig von vorn bis hinten durch, sondern manche Passagen im dritten Gang, andere im vierten, sogar im fünften Gang. Die verbessert zudem Ihre maximale Lesegeschwindigkeit bei gutem Textverständnis.

9) Gehirnfreundlich sortieren und abspeichern

Legen Sie für Ihre persönlichen Wissensgebiete jeweils eine übersichtliche Mind-Map. Dies ist eine gehirnfreundliche und zeitsparende, bildhafte Darstellungsweise von Informationen nach Tony Buzan. Sie können Mind-Maps auch elektronisch miteinander verknüpfen und erhalten damit Ihr persönliches Wissensarchiv. Anfangs ist es ein Zusatzaufwand, der aber mittelfristig lohnt, weil Sie nur noch wenig Neues ergänzen - die Sammlung wird nicht unendlich groß. Damit können Sie jederzeit einen Vortrag, ein Statement oder einen Artikel zu jedem Unterpunkt in sehr kurzer Zeit generieren.

10) Als PoweReader doppelt so schnell

Was liegt auf Ihrem Schreibtisch? Wir alle werden von Informationen überflutet. Wenn man bloß schneller lesen könnte und gleichzeitig genauso viel verstehen würde! Wenn Sie eine Stunde oder mehr am Tag mit Lesen verbringen und noch kein PoweReader sind, dann verschenken Sie jeden Tag wertvolle Zeit. Die Hälfte der Zeit könnte eingespart werden, weil Anwender des PoweReading-Systems im Durchschnitt doppelt so schnell lesen und genauso viel verstehen!

Zach Davis ist ein gefragter Trainer, Redner und Autor für persönliche Effektivität. Er gilt als einer der führenden Experten Deutschlands.

Kontakt:
Peoplebuilding - Institut für nachhaltige Effektivität
Zach Davis
Josef-Schwarz-Weg 11
81479 München
E-Mail: info@peoplebuilding.de [257]
Web: www.peoplebuilding.de [258]

[Bild: Photocase.com]

Risiko: Wenn Mitarbeiter in Schlüsselpositionen ausfallen

Gastbeitrag von Horst Dröse und Llewelyn P. Antonio, Antonio & Friends, Putzbrunn *

Denn niemand kennt dessen Systematik - unabhängig von einem wirtschaftlichen Verlust durch fehlende Transparenz in deutschen Unternehmen von jährlich über 4 Milliarden Euro. Frühzeitiges Erkennen, Erfassen und Bewerten von unternehmerischen Abläufen und die Transparenz von Management Informationen sind nötig, wollen Unternehmen im Wettbewerb dauerhaft erfolgreich sein und bleiben.

Wissensmanagement entscheidet über Wettbewerbsfähigkeit

Mittelständische Unternehmen leben durch die Menschen, die in ihnen tätig sind. Ist allerdings ein Mitarbeiter für sehr viele Abläufe zuständig, hat dies auch eine hohe Abhängigkeit zur Folge. Solange der Mitarbeiter im Unternehmen bleibt, ist das Wissen des Einzelnen in die Organisation eingebunden und sicher.

Was aber, wenn genau dieser Mitarbeiter das Unternehmen verlässt? Das Wissen verlässt mit dem Kopf das Unternehmen; dieses muss hohe Kosten dafür in Kauf nehmen. Neben der Suche und Einarbeitung eines neuen Mitarbeiters, fallen enorme Kosten für die Übernahme der aktuellen Aufgaben durch bestehende Mitarbeiter an, weil diese sich erst mühsam einarbeiten müssen. Deutsche Unternehmen können sich für die Zukunft besser aufstellen, wenn sie es schaffen, das Einzelwissen zum Unternehmenswissen zu machen. Möglich ist dies durch eine hohe Transparenz, durchschaubare Abläufe und eine klare Zuordnung der Verantwortlichkeiten.

Pragmatische Lösungen sind gefragt

Unternehmen nützt es wenig, wenn sie Konzepte erhalten, zu deren Umsetzung sie externe Hilfe benötigen. Was Unternehmen brauchen, ist ein System, das sie nach Einführung selbst anwenden können. Ein System, das Transparenz in allen wesentlichen Geschäftsabläufen schafft. Ein System, das durch diese Transparenz auch zur günstigeren Bewertung (Rating) bei der Kreditvergabe von Banken (Basel II) führt. Das Management steht schließlich in einem viel besseren Licht da, wenn es Klarheit demonstriert und sofort aussagefähig ist. Dabei sollten vier Bereiche berücksichtigt werden:

1. Standardfragen decken Unklarheiten auf

Nichts ist im Leben so sicher wie die Unsicherheit. Dies gilt für den einzelnen Menschen ebenso wie für das Unternehmen. Nicht alles lässt sich immer planen und vorherbestimmen, allerdings können Unternehmen nicht umhin, eine Mindestanforderungen interner Transparenzmechanismen und bestimmte Grundsätze einzuhalten. Sind zu viele Unklarheiten vorhanden, kann keine Organisation vernünftig arbeiten und Ziele erreichen. Deshalb ist es umso wichtiger, bei der Sicherstellung eines internen Transparenzsystems folgende Punkte zu berücksichtigen:

  • alle Geschäftsvorfälle müssen mit Zustimmung oder Genehmigung des Managements erfolgen
  • alle Geschäftsvorfälle werden den Anforderungen der handels- und steuerrechtlichen Vorschriften entsprechend erfasst und regelmäßig berichtet
  • das Vermögen wird mengen- und wertmäßig erfasst und periodisch überprüft
  • Zugang zu den unterschiedlichen Vermögensgegenständen erfolgt nur mit Zustimmung des Managements
  • durch klare Berechtigungen werden Grauzonen vermieden und Mitarbeitern klare Verantwortungsrahmen gegeben

2. Darstellung der Kernprozesse

Nach einem einheitlichen Muster sind die Kernprozesse jeder Geschäftseinheit mit Verweis auf die Schnittstellen darzustellen. Solche Kernprozesse eines Industrieunternehmens sind z. B.:

  • Bedarfsmeldung bis zum Zahlungsausgleich
  • Produktionsablauf
  • Auftragseingang bis zum Zahlungseingang
  • Gehalts- und Arbeitsstunden

3. Klare Zuordnung der Verantwortlichkeiten

Die Struktur von Verantwortlichkeiten ist ein unverzichtbares Werkzeug, das Mitarbeitern innerhalb einer Organisation ermöglicht, gemeinsam an einem Ziel zu arbeiten. Bei der schematischen Darstellung der Verantwortlichkeiten eines Arbeitsvorgangs können drei wesentliche Bereiche unterschieden werden:

  • Berechtigung zur Durchführung einer Aufgabe
  • Vorbereitung/Durchführung/Berichten einer Aufgabe
  • Prüfen und Genehmigen einer Aufgabe

4. Schutz der Unternehmenswerte

Für jede Gruppe des beweglichen Anlagevermögens oder der Vorräte ist ein "Dokument zum Schutz der Unternehmenswerte" (DSU) zu erstellen. Hierbei wird unterschieden in

  • Aufbewahrungskontrollen und
  • Wertkontrollen

Aufbewahrungskontrollen zum Schutz von ungenehmigter Nutzung, Verlust oder Diebstahl, Zugangsmaßnahmen und Richtlinien für Zu- und Abgänge des Anlagevermögens und der Vorräte. Wertkontrollen zur Vermeidung von Situationen, in denen die vorhandenen Mengen nicht mit den bilanzierten Werten übereinstimmen.

Konzentration auf das Wesentliche sichert den Markterfolg eines Unternehmens

Allerdings kann sich der einzelne Mitarbeiter nur dann auf das Wesentliche konzentrieren, wenn er nicht ständig damit beschäftigt ist, Abläufe jeden Tag neu zu erfinden. Management Informationen müssen für den einzelnen Mitarbeiter genauso wie für das Management jederzeit abrufbar sein. So können nicht nur Aufgaben, sondern auch Verantwortlichkeiten übertragen werden und ist einmal ein Mitarbeiter im Urlaub oder krank, kann ein anderer schnell einspringen. Transparenz kann nur dann geschaffen werden, wenn lückenlos wirklich alle Bereiche im Unternehmen daran beteiligt sind. Nur mit einer systemischen Vorgehensweise kann jede einzelne Kraftzelle im Unternehmen an der gewünschten Entwicklung beteiligt und so das Ganze zum Erfolg geführt werden.

Das Konzept TMI Transparente Management Informationen lässt die eigenen Mitarbeiter ihre Arbeitsweise und Arbeitsprozesse selbst überprüfen, wobei die Mitarbeiter ihre Verantwortungsbereiche richtig verstehen und mit neu gewonnener Motivation an erforderliche Veränderungen herangehen. Lohnenswerter Nebeneffekt: Effizienzsteigerung durch klare Trennung und für jeden Mitarbeiter eines Unternehmens erkennbare und sichtbare Darstellung der Verantwortlichkeiten. Das System führt also ganz konkret und kurzfristig zu größerer Transparenz und besser kontrollierten innerbetrieblichen Abläufen. So ist die Geschäftsleitung immer bestens informiert. Weiterer Nutzen:

  • Aufdecken von Schwachstellen
  • Erkennen von zuviel Kontrolle
  • Erfassen von Ineffizienz und Überflüssigem
  • Basis für Prozessverbesserung
  • Dient Mitarbeitern, Prozesse und Aufgabe zu verstehen
  • Reduziert die Arbeiten der internen/externen Revision
  • Erfüllt die Anforderungen von KonTraG

* Horst Dröse hat in den vergangenen 25 Jahren TMI (Transparente Management Informationen) ständig weiterentwickelt.

Llewelyn P. Antonio ist als Unternehmensentwickler und Coach tätig.

Weitere Informationen erhalten Sie bei Antonio & Friends, Feldstrasse 7, 85640 Putzbrunn, Tel. 089/60190384, Fax 089/60190385, Email: lou@antonio.de [259] .

Kulturfrage: Erfahrungswissen fördern, erhalten und an Jüngere weitergeben

Vor allem in der Produktion kann nicht alles in Bedienungsanleitungen und Verfahrensanweisungen niedergeschrieben werden. Was für den praktischen Betrieb im Tagesgeschäft von Bedeutung ist, steckt in den Köpfen der erfahrenen Mitarbeiter. Es ist wichtig, dieses Erfahrungswissen in den Unternehmen zu bewahren und dabei lebendig und aktuell zu halten.

Ein Beispiel: Auf einen Schlag geht ein großer Teil der Maschinenbaumeister in Rente. Sie waren die Ansprechpartner für Lieferanten und Kunden, die Vermittler zwischen Management und einfachem Mitarbeiter und vieles mehr. Ihre jungen und wenig eingearbeiteten Nachfolger gelten als lernfähig, kreativ, flexibel und körperlich belastbar. Aber was sollen sie mit diesem Potenzial ohne Lehrer anfangen?

Stichwort

Mit Erfahrungswissen, wird „besonderes Wissen“ bezeichnet, das sich aus der alltäglichen Praxis, dem subjektiven Erleben und dem ausprobierenden Handeln bildet. Es wird vor allem Fachkräften und Experten zugeschrieben. Oft ist Erfahrungswissen so genanntes implizites Wissen. Diese Form von Wissen kann in der Regel nicht aufgeschrieben oder dokumentiert werden. Es lässt sich auch nur beschränkt verbal beschreiben. Meistens wird implizites Wissen und Erfahrungswissen nur durch eine bildhafte Beschreibung, durch Beobachten, Nachmachen und Üben von Prozessen verstanden, erlernt und übertragen.

Alt und Jung müssen sich ergänzen

Erst die enge Zusammenarbeit von Alt und Jung kann den Transfer von Erfahrungswissen fördern. Dabei spielen die tägliche Zusammenarbeit und die Kommunikation zwischen der jungen und der erfahrenen Generation die entscheidende Rolle. In theorielastigen Fortbildungskursen lernt der Nachwuchs Methoden und Modelle. Doch um ihn einsatzfähig zu machen, kommt es auf das Erfahrungswissen, das Wissen aus der Praxis, an.

Gleichzeitig versiegt für die jüngere Generation eine wichtige Quelle des Ehrgeizes und des Eifers, denn ihnen werden die Vorbilder genommen. Vor allem die älteren und erfahrenen Mitarbeiter verkörpern Vorbilder, weil sie meistens eine positive Arbeitsmoral vorleben. Sie gelten als:

  • verantwortungsbewusster, umsichtiger,
  • führungsstärker, erfahrener,
  • zuverlässiger, disziplinierter, loyaler,
  • diplomatischer und oft redegewandter durch einen größeren Wortschatz,
  • gelassener und umgänglicher als ihre jüngeren Kollegen.

Ältere Mitarbeiter wurden gerade auf der operativen Ebene in den letzten Jahren wegrationalisiert. Sie finden sich heute meistens nur in den Führungspositionen. Doch dort nützen sie weder als direkte Vorbilder für Junganwärter auf den Meisterposten, noch können sie aktuelles praktisches Wissen aus dem Arbeitsalltag in der Produktion vorweisen und einbringen. Selbst wenn sie das praktische Wissen besitzen, könnten sie weder die Zeit aufbringen, noch verfügten sie über die Kommunikationsmöglichkeiten und -kanäle, dieses Wissen effektiv weiterzugeben.

Um diese Problem zu lösen, reicht es auch nicht aus, altersheterogene Teams zu bilden und davon auszugehen, dass die Zusammenarbeit zwischen Jung und Alt von selbst gut funktioniert. Professor Hentze von der Fachhochschule Münster sagt dazu:

„Dass sich ein Erfahrener um die Integration des Jüngeren kümmert, ist schon häufig betrieblicher Alltag; dass sich aber ein EDV-kompetenter Auszubildender als Mentor für den EDV-ängstlichen zur Verfügung stellt, ist eher unüblich, aber praktikabel. [...] Die Unternehmen müssen Neuwissen und Erfahrungswissen durch kreative Modelle zusammenbringen: das ist nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine Chance.“ [Quelle: alternde-belegschaften.de [260] ]

Hinweis

Außer der Fachhochschule Münster gibt es viele weitere Initiativen, die Erfahrungswissen erforschen. Darunter sind zum Beispiel die EFI "Erfahrungswissen für Initiativen" [261] , die Industrie- und Handelskammer NRW [262] , oder das DZA „Deutsche Zentrum für Altersfragen“ [263] .

Wissenstransfers: erfahrene Mitarbeiter als Lehrer qualifizieren

Damit ältere Mitarbeiter ihr Erfahrungswissen bewahren, ausbauen und schließlich an ihre jüngeren Kollegen weitergeben können, ist es wichtig, dass sie selbst die Gelegenheit haben, es ständig zu aktualisieren. Neben der alltäglichen Praxis in den relevanten Feldern müssen die Mitarbeiter altersgerecht fortgebildet werden. Dann lässt sich Ihr Erfahrungswissen mit aktuellen Entwicklungen und Erkenntnissen paaren und aktiv weiternutzen.

Zu diesen Fortbildungen muss auch eine Komponente des Wissenstransfers gehören, in dem die älteren Mitarbeiter lernen, wie sie ihre Erfahrungen richtig und effektiv weitergeben können. Wer seine Erfahrungen weitergeben will, muss sich auf eine Zusammenarbeit von gleich zu gleich einlassen. Ratschläge die von oben herab vorgetragen werden, nehmen nur wenige Anfänger wirklich auf und erst recht bauen sie die Tipps nicht in ihren Wissensschatz ein. Die Fortbildung muss ältere Mitarbeiter also nicht nur mit aktuellem Fachwissen ausstatten, sondern auch als Lehrer und Mentoren für den Nachwuchs im Unternehmen qualifizieren.

Wenn Jung und Alt gemeinsam lernen

Es muss berücksichtigt werden, dass ältere Mitarbeiter anders lernen als jüngere – und dass sie dementsprechend auch ihre Erfahrungen und ihr Wissen anders weitergeben. Sie bevorzugen

  • ein langsameres Lerntempo,
  • häufigere Wiederholungen des Lernstoffs,
  • Lösung praktischer Aufgaben im Team sowie
  • einen hohen Praxisbezug des Erlernten.

Über diese altersbedingt unterschiedlichen Lern- und Lehrformen muss sich ein Moderator und Trainer für den gemeinsamen Lernprozess im klaren sein. Er sollte darauf achten, dass er

  • die Themen dem Alter anpasst,
  • alle Teilnehmer dort abholt, wo sie stehen,
  • keinen benachteiligt und alle Kursteilnehmer mitkommen,
  • beim Lernen keinen Druck durch zu hohes Tempo ausübt,
  • die Lerngruppen klein hält,
  • Wiederholungsintervalle einbaut,
  • viele Bilder und körperorientierte Formen für die Wissensweitergabe nutzt,
  • eine stringente, klare Linie mit einem Thema und nicht mit mehreren Themen gleichzeitig verfolgt,
  • individuell auf das Lernverhalten jedes Teilnehmers eingeht.

Lernmethoden die bei Älteren gut ankommen

E-Learning und das reine Lernen am Computer stellen für viele ältere Mitarbeiter eine große Hürde dar, weil zum Beispiel die nachlassende Feinmotorik die Bedienung der Maus erschwert oder auch die nachlassende Sehkraft, dass Lesen am Bildschirm zur Anstrengung macht. Das „Projekt Alternde Belegschaft“ der Fachhochschule Münster [264] hat herausgefunden, was bei den Kursteilnehmern besonders gut ankommt:

  • Lerngruppen Gleichaltriger;
  • Lernen in kleinen Teams;
  • kürzere, aber dafür häufigere Lerneinheiten bevorzugt Vormittags;
  • keine monologen Vorträge, sondern Dialoge sowie interaktives Lernen mit Forderung von Eigeninitiative,
  • weniger Arbeit am abstrakten Bildschirm, dafür mehr direkte Anwendungsbeispiele des Gelernten in der Praxis sowie häufiger Wechsel von Lern- und Darbietungsformen;
  • das Gelernte muss in Papierform und bevorzugt in deutscher Sprache nachgelesen werden können; noch besser ist es, wenn die Mitarbeiter alles mitschreiben können;
  • Spaß beim Lernen durch Erfolgserlebnisse sowie die respektvolle Anerkennung der Erfolge und der Berufserfahrung durch den Dozenten; Belehrungen, Bewertungen und Bevormundungen, sollten in enge Grenzen gezogen werden;
  • langsames Lernen ohne Druck und mit Wiederholungen.

Dabei stellen die Dozenten fest, dass die älteren Mitarbeiter motivierter, fleißiger, zielstrebiger und offener an den Lernstoff herangehen. Aber erst, wenn das Eis gebrochen ist und sie ihre anfängliche Zurückhaltung und Scheu ablegen konnten. Ein Dozent aus der gleichen Altersgruppe ist dabei hilfreich, da die Fortbildungsteilnehmer ihm gegenüber weniger misstrauisch reagieren.

Die Älteren zeigen deutlich mehr Spaß beim Lernen, lachen mehr und erzielen sogar größere Fortschritte als ihre jüngeren Kollegen. Gleichzeitig sind sie ruhiger und kooperativer, weil sie den Lehrer weniger als Gegner oder Konkurrent betrachten als Jüngere.

Erfahrungswissen hat immer auch mit sinnlicher und körperlicher Wahrnehmung zu tun

Für den Erwerb von Erfahrungen ist die sinnliche Wahrnehmung entscheidend. Sie erfolgt gleichzeitig über mehrere Sinne und die körperliche Bewegungen. Sie richtet sich nicht nur auf eindeutig definierte Eigenschaften, sondern vor allem auch auf diffuse und vielschichtige Informationsquellen.

Typisch sind zum Beispiel die Orientierung am Geräuschen von Maschinen oder Gestik und Mimik von Menschen. Die Wahrnehmung von kaum merkbaren Veränderungen und die Kombination einzelner Zahlen und Zeichen zu bildhaften Mustern bilden Erfahrungswissen. Die sinnliche Wahrnehmung registriert nicht nur, was ist, sondern stellt selbst Zusammenhänge her, die in das eigene Handeln und Bewerten eingebaut werden.

Zu einem leistungsfähigen Geist gehört ein fitter Körper

Aus diesem Grund spielt neben der geistigen auch die körperliche Fitness eine wichtige Rolle. Doch viele Unternehmen überlassen die Verantwortung für die körperliche Leistungsfähigkeit den Mitarbeitern selbst. Die Eigenverantwortung ist langfristig erstrebenswert, das eigenverantwortliche Handeln muss aber angestoßen werden. Und die Initiative zur Aufklärung für eine gesunde Lebensführung darf nicht allein auf Staat, Krankenkassen und Berufsgenossenschaften abgeschoben werden.

Gesundheitsprogramme sollten in den Unternehmen präventiv greifen und die zukünftige Fitness der Mitarbeiter sichern - beispielsweise über Rückenschulung und Ernährungsberatung.

Auf der anderen Seite müssen ältere Mitarbeiter unter Umständen von schwerer körperlicher Arbeit auch entlastet werden und in anderen Arbeitsbereichen eingesetzt werden. Als Mentoren und Berater bleiben sie immer wertvoll. Nicht zuletzt sollten die Gesundheitsprogramme zunehmend auch auf die Prävention psychischer Belastungen abzielen, denn diese werden immer häufiger und führen zu entsprechend geringeren Leistungen.

Von der körperlichen und psychischen Gesundheit der Mitarbeiter haben alle Seiten etwas: die Mitarbeiter bleiben bis zum Renteneintrittsalter fit und die Unternehmen verfügen über geistig und physisch leistungsfähige Mitarbeiter.

Langfristig den Wissens- und den Fachkräftebestand sichern

Wer den Wissenserhalt und Wissenstransfer sichern will, sollte darauf achten, dass er seine Belegschaft so zusammenstellt, dass alle Altersgruppen richtig vertreten sind. Das hat Folgen auf die Rekrutierung und die Mitarbeiterbindung sowohl der jüngeren wie auch der älteren Mitarbeiter. Unternehmen sollten die Altersgrenzen bei ihrem Rekrutierungsverfahren abschaffen, um eine größere Auswahl neuer Mitarbeiter zu haben.

Außerdem werden die Unternehmen nicht umhin können, das Potenzial der Frauen auszuschöpfen, deren Erwerbsquote in Deutschland unter der von anderen Ländern Europas liegt. Das Dauerthema Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird stärker den betrieblichen Alltag beeinflussen. Unternehmen müssen sich mehr einfallen lassen, um gut ausgebildete Frauen an den eigenen Betrieb zu binden und auch deren Erfahrungen und Kompetenzen zu nutzen.

Beispiele: Recruiting bei Brose und Google

Der Coburger Autozulieferer Brose nutzt das Internet nicht nur, um Auszubildende oder Hochschulabgänger zu finden. Dort richtet sich ein Angebot explizit an „erfahrene Mitarbeiter und Führungskräfte“. [265]

„Zur Ergänzung unser hoch motivierten jungen Mitarbeiter sind wir auf der Suche nach älteren, erfahrenen Entscheidungsträgern, die unsere junge Mannschaft zielstrebig führen“, heißt es dort.

Wer sich angesprochen fühlt, kann sich über eine Datenbank mit Suchfunktion den passenden Job heraussuchen.

Ganz anders der Internet-Liebling Google. Schenkt man dem ehemaligen Mitarbeiter Brian Reid glauben, dann hat sich das Unternehmen ausschließlich der Jugend verschrieben; ältere Mitarbeiter sind verpönt. Der 54-Jährige ehemalige Professor an der Carnegie Mellon University erhebt deshalb schwere Vorwürfe gegen den bekannten Suchmaschinen-Betreiber: Google soll dem allgemein geltenden Jugendwahn verfallen sein und betagtere Mitarbeiter entlassen. Bis zu seiner Entlassung war Brian Reid selbst ein hochbezahlter Angestellter von Google. Vor rund einem Jahr erhob er einen Rechtsmitteleinspruch gegen seine Entlassung. Er soll aufgrund seines - für Google-Verhältnisse - fortgeschrittenen Alters und seiner Diabetes-Erkrankung entlassen worden sein.

Der Google-Sprecher Steve Langdon lehnte jeden Kommentar zum Grund der Entlassung aus Sicht seines Unternehmens ab und beteuerte lediglich, der von Reid erhobene Rechtsmitteleinspruch sei vollkommen unbegründet. Nach Angaben von Brian Reid, sollen Mitte 2004 unter Googles damals 1.900 Angestellten "keine 2 Prozent über 30 sein"; das Durchschnittsalter männlicher Mitarbeiter soll 29,7 Jahre, das der weiblichen Mitarbeiter 28,4 Jahre betragen.

Fazit

Junge Mitarbeiter mögen vielleicht mehr Wirbel machen und unvoreingenommen an neue Aufgaben herangehen, doch Erfahrung, Urteilskraft und Gelassenheit bei Hektik und Stress können sie nicht ersetzen. Ältere Menschen werden mehr denn je gebraucht und genau dieses Gefühl müssen ihnen die Unternehmen auch geben. Wer den Erwerb, den Erhalt und die Weitergabe von Erfahrungswissen richtig fördert, setzt ungeahnte Potenziale frei.

"Die Jugend ist meist so allwissend, dass sie alles weiß, bis auf eines, dass auch einmal die Alten allwissend waren, bis sie wirklich etwas wussten." (Ernest Hemingway)

Links und Quellen

Animierte Entwicklung der Bevölkerungspyramide von 1950 bis 2050

http://www.berlin-institut.org/movies/... [266]

Mehr zum Thema, wie Unternehmen Erfahrungswissen nutzen können, und welche Rolle dabei die organisatorischen Rahmenbedingungen, Technikeinsatz und Qualifizierungsprogramme haben:

http://www.nakif.de [267]

http://www.f-bb.de/fbb/... [268]

Informationen zum Umgang mit alternden Belegschaften:

http://www.ihk-nordwestfalen.de/... [269]

http://www.ihk-nordwestfalen.de/... [270]

http://www.alternde-belegschaften.de [271]

http://zeus.zeit.de/text/... [272]

http://www.iao.fraunhofer.de/d/... [273]

http://www.marketingman.de/news/... [274]

[TL | Bilder:PhotoCase.com]

Planlos: Vorgesetzte mischen sich ein - Killer für den Projekterfolg?

Gastbeitrag von Hans-Konrad Huyskens, Stapelfeld *

Projektarbeit ist ein dynamischer Prozess

Erfahrungen, vor allem in Projektrealisierungen, machen deutlich, dass Projektarbeit ein dynamischer Prozess ist. Das ist eigentlich nichts Neues. Aber wie geht man mit dieser Dynamik um?

Es scheint so, als würde man aus gemachten, leidlichen Erfahrungen nichts lernen. So bleibt man z.B. nach wie vor bei bestehendem, an Zeitpunkten festgemachten Berichtswesen anstatt sich an Ereignissen zu orientieren, die während der Projektlaufzeit zu jedem Zeitpunkt auftreten können und Entscheidungen fordern.

Auf dem Weg zum Projekt-Ziel sollten also die ereignis-orientierten Fakten (wie z.B.: Termine können nicht eingehalten werden, Lieferprobleme, Insolvenzen, Personalwechsel, Zusagen werden nicht eingehalten, Verträge zeigen Lücken etc.) eine qualifizierte und zeitnahe Berichterstattung auslösen und nicht abhängig sein von monatlichen, quartalsweisen oder jährlichen Berichterstattungsformen.

Dass diese Erkenntnisse in der Projektarbeit, und das ist ja nur ein Aspekt, bisher nicht in der notwendigen Weise berücksichtigt haben, liegt vielleicht daran, dass niemand so richtig würdigt, dass Projekte, abgesehen von sich immer wiederholenden Aktivitäten, Unikate sind. Sie lassen sich nicht so behandeln wie eine Massenware.

Entscheider beeinflussen zu sehr

Zu hoch sind oft die Erwartungen in die Wirksamkeit von Projektarbeiten. Zeitdruck und Alibiziele, nicht ausreichende Qualifikation von Projektteams etc. sind wesentliche negative Einflussfaktoren. Wenn dann noch "höher besoldete Einsichten" (hiermit sind die Entscheider gemeint) bestimmte politische Ziele vorgeben, damit ein Projekt genehmigt werden kann, dann ist der Misserfolg der bereits in der Planungsphase "schöngerechneten" Projekte am Ende nicht zu verhindern und Projekt-Controlling ist hier auch kein Allheilmittel.

Projekte und Projektarbeiten sind immer dann sinnvoll und vor allem erfolgversprechend, wenn alles stimmt: Das Team (Leitung und Team-Mitglieder) muss teamfähig, kompetent und kritikfähig sein. Darüber hinaus muss in einem Veränderungs-Szenario als Basis für eine Entscheidung vollständig aufgezeigt werden, was in dem Projekt passiert bzw. passieren muss, was sich also verändert! Vollständig soll nicht bedeuten, dass durch "mikrokacktische" Neigungen von Entscheidern ein »GO« für ein Projekt nicht zustande kommt. ("mikrokacktisch" = kann nicht unterscheiden zwischen wichtig und unwichtig).

Die Wirklichkeit sieht sehr oft anders aus. Die Zielvorgaben von Entscheidern sind oft zu global und beinhalten damit unerkannte Risiken. Entscheidungsvorlagen, die durch ein Projektteam erstellt werden, zeigen diesen Missstand nicht auf . Die Entscheider hinterfragen nicht weiter, genehmigen aber! Hinzu kommt, dass das Team (Leiter und Mitglieder) eher nach den Kriterien der momentanen Verfügbarkeit ausgewählt und bestimmt werden, nicht aber nach den unbedingt erforderlichen fachtechnischen Qualifikationen.

Mit diesen Mängeln belastete, aber genehmigte Projekte müssen am Ende scheitern. Die Entscheider suchen dann die oder den Schuldigen, lassen sich externe Gutachten erstellen, die dann nur ein Ziel verfolgen; Alibi für ein Bauernopfer. Die eigentlich Schuldigen sind meist andere. Es gibt eine Vielzahl von Beispielen, die derartige Misserfolge von Projektarbeiten aufzeigen.

Veränderungs-Szenario sichert Erfolg

Erfolgreiche Projektarbeit zeichnet sich dadurch aus, dass alle Veränderungen, die durch die Projektrealisierung eintreten werden, in einem Veränderungs-Szenario mengen-, zeit- und wertmäßig zum Zeitpunkt der Entscheidung durch die Projektleitung den Entscheidern vorgelegt werden müssen.

Mit der Genehmigung wissen Entscheider und das Projektteam, welche Mitarbeiterpower zur Verfügung zu stellen ist, welche Ausschreibungen erforderlich sind, wie Vergaben entschieden werden, welche Kosten anfallen, welche Investitionen erforderlich sind, welche zeitlichen Anforderungen (gemessen z.B. in Kalenderwochen, Dekaden, Monaten oder Jahren) erreicht werden müssen, welche Risiken eingegangen werden können und welcher Nutzen nach Projektrealisierung in Zukunft zu erwarten ist.

Begleitet wird der Projektprozess durch ein ereignis-orientiertes, dynamisches Berichtswesen, unabhängig von zeitlich festgelegten Berichtswesen, das zeitnah erfolgen muss, um entscheidungsrelevant reagieren zu können und die Konsequenzen für den geplanten Nutzen in der Zukunft aufzeigt.

Ziele sind oft unrealistisch

Die nicht erfolgreichen Projekte zeichnen sich dadurch aus, dass das Vorgesagte zwar bekannt ist, jedoch nur bedingt beachtet wird. Am Ende kommt man dann zu der «Erkenntnis«, dass die Projekt-Ziele nicht erreicht wurden. Ein wesentlicher Grund hierfür kann dann sein, dass die durch die von den „höher besoldeten Einsichten“ (den Entscheidern) vorgegebenen Ziele schlicht und einfach unrealistisch waren. Das bedeutet, dass die Aktivitäten nicht in vollem Umfang in einem Veränderungs-Szenario dargestellt wurden.

Ein gutes Beispiel dafür ist das »Maut-Projekt«. Durch die Komplexität dieses Projekts haben zugegebenermaßen die Entscheider nicht erkennen können, welche zeitlichen und finanziellen Risiken vorhanden waren. Selbst die "beratenden Organe" waren nicht der Lage, den Entscheidern dies deutlich zu machen. Vielleicht wurden Risiken sogar angezeigt, jedoch ignoriert.

Projekte und Projektarbeiten sind kein Allheilmittel für Problemlösungen, es sei denn, die Projektaufgabe wird als Veränderungs-Szenario verstanden, welches alle Anforderungen, in dem bereits vorher dargestellten Teil erfolgreicher Projektarbeit, erfüllt.

Wesentliche Fehler bei Projektarbeiten sind:

  • Die Entscheider haben oft nicht die Erfahrung, die Geduld und das Wissen, um Gesamtzusammenhänge hinterfragen zu können, da sie oft zu weit von den eigentlichen Prozessen entfernt und die Projektinhalte zu komplex sind.
  • Projektleitung und -Team sind nur bedingt qualifiziert und stehen zeitlich nicht ausreichend zur Verfügung und können demzufolge die Entscheider nicht ausreichend vor Risiken warnen.
  • Ein Veränderungs-Szenario gibt es nicht.
  • Es ist kein ereignisorientiertes Berichtswesen vorhanden.
  • Der Nutzen in der Zukunft wird nicht ausreichend deutlich gemacht.
  • Politische Zielvorgaben verhindern einen wirtschaftlichen Erfolg.

Fazit

Man muss aus den Fehlern lernen und entsprechend handeln. Die Entscheider müssen klare, wertmäßige und zeitliche Ziele vorgeben. Die Entscheider müssen zu ihrer eigenen Sicherheit kompetente Teams (Leiter und Mitglieder) einsetzen, die in der Lage sind, alle notwendigen Aktivitäten zu erfassen, diese in einem Veränderungs-Szenario darzustellen, sie zu bewerten und in die Entscheidungsvorlagen einzubringen, damit ein fundiertes »GO«, unter Berücksichtigung einbezogener Risiken, als Entscheidung herauskommt und eine ein einfache, kurze und allgemein verständliche, ereignisorientierte, dynamische Berichterstattung möglich wird. Das Team muss eine ergebnisorientierte Beteiligung erhalten, wie zum Beispiel eine »Pünktlichkeitsprämie« für die Einhaltung des vorgegebenen Zeitplans und eine Prämie für die erfolgreiche Realisierung des Projekts.

Wer die Veränderungen beherrscht, der beherrscht die Projektarbeit!

Hans-Konrad Huyskens ist Bankkaufmann und beratender Betriebswirt. Er war viele Jahre als Geschäftsführer in verschiedenen, weltweit vertretenen Unternehmen tätig. Seit 14 Jahren ist er freiberuflich tätig.

Kontakt:
Hans-Kontrad Huyskens
Reinbekerstr. 21a
D-22145 Stapelfeld

Hilfestellung: Wenn Veränderungen anstehen - Den Wandel gestalten

Gastbeitrag von Olivier Inhelder, Basel *

Kennen Sie solche Situationen?

Die Umsätze in Ihrem Unternehmen sind seit längerem rückläufig, deshalb werden die Budgets radikal zusammen gestrichen. In der Abteilung läuft ein Machtkampf zwischen zwei Mitarbeiterinnen, der die wöchentliche Teamsitzung regelmäßig aus dem Ruder laufen lässt. Sie sind unzufrieden in Ihrem Berufsalltag und denken über eine berufliche Neuorientierung nach.

Den Wandel gestalten – eine Schlüsselqualifikation

Veränderungen, äußere wie innere, gehören zum Alltag und werden manchmal auch kaum wahrgenommen. In unserem Kulturkreis gilt es als Schlüsselqualifikation, flexibel auf Veränderungen reagieren und geeignete Maßnahmen ergreifen zu können. Von Führungskräften wird überdies erwartet, dass sie zukünftige Entwicklungen voraussehen und proaktiv darauf reagieren. Der Umgang mit dem Wandel ist eine Kompetenz, über die jeder Mensch in gewissem Ausmaß verfügt. Analog gilt dies auch für Teams und Organisationen. Was aber, wenn das eigene Potenzial nicht ausreicht? Dann ist es Zeit, über den Beizug von externer Unterstützung nachzudenken.

Wenig Transparenz auf dem Beratungsmarkt

Der Beratungs- und Weiterbildungsmarkt zeichnet sich durch eine Fülle unterschiedlichster Angebote aus, welche die Entwicklung von Organisationen und den in ihnen tätigen Menschen als Ziel haben. Damit Entwicklung gezielt, systematisch und passgenau erfolgen kann und damit auch Wirksamkeit erreicht wird, muss der Prozess und somit auch die Wahl der Maßnahmen bewusst geplant und gesteuert werden.

Die Realität ist oft eine andere. Von einer Selbstdiagnose oder von Organisationstraditionen ausgehend, manchmal sogar bloß auf der Basis eines diffusen Bauchgefühls oder einem Modetrend folgend, wird eine bestimmte Beratungsform (oder Weiterbildungsmaßnahme) ins Auge gefasst. Dann erfolgt die Suche nach einem entsprechenden Anbieter. Dieser wird in der Regel entweder aufgrund früherer Zusammenarbeit ausgewählt oder auf persönliche Empfehlung hin. Wie der Beratungsprozess verlaufen soll, wird zwischen Auftraggeber, oft auch den Beteiligten und der entsprechenden Beratungsperson abgesprochen. Die Präferenzen der Beteiligten und das Profil der Beratungsperson sind oft die wichtigsten Entscheidungskriterien für das Design des Prozesses. Change-Projekte und Weiterbildungen, die nicht die gewünschte Wirkung zeigen, gehen eher zulasten eines ungeeigneten Prozessdesigns denn mangelnder Kompetenzen der Beratungsperson oder fehlender Motivation der Beteiligten. Der Wille nach Wandel ist vorhanden, nur das Know-how über die Aufgleisung erfolgreicher Veränderungsprozesse fehlt oft. Denn: Die Kunst liegt darin, die Verfahren maßgeschneidert an den vorliegenden Problemlösungsbedingungen auszurichten.

Welche Beratungsform für welches Projekt?

Die Wahl der Beratungsform hängt in erster Linie von der zu bewältigenden Aufgabe ab. Das Wissen über die unterschiedlichen Ansatzpunkte und über die Erfolgsfaktoren hilft den Entscheidern bei der ersten groben Orientierung, wenn es um die Aufgleisung von Veränderungsprozessen geht.

Am Anfang jedes geplanten Wandels steht eine Diagnose. Das Erkennen von notwendiger oder erwünschter Veränderung ist der erste Schritt, der meist noch ohne externe Unterstützung gemacht wird. Hier gilt es, zuerst das genaue Anliegen mittels Fragen auszuloten und erst anschließend die Herangehensweise festzulegen.

Mögliche Fragestellungen, um ein Bild des Ist-Zustandes zu erreichen:

  • Um welche Frage(n) geht es genau?
  • Wo soll es hingehen?
  • Gibt es ein verstecktes Problem im Hintergrund?
  • Welches sind die Akteure und ihre Interessen?

Mögliche Kriterien für das Profil des Change-Projekts:

  • Komplexität des Themas
  • Akteure
  • Verfahrensoffenheit der Betroffenen und bezüglich des Themas
  • Verbindlichkeitsbedarf/-grad
  • Zeitdruck
  • Ressourcenverfügbarkeit

In einem Matchingprozess werden nun die Profile von Fall und verschiedenen Beratungsformen verglichen. Jetzt wird erkennbar, wo die Anforderungen des Falles und die Leistungsfähigkeit der jeweiligen Methode gut übereinstimmen und wo sie auseinander klaffen. Ist die geeignete Beratungsform gefunden, kann die eigentliche Planung beginnen. Eventuell stellt sich heraus, dass kein Beratungsansatz allein die beabsichtigte Veränderung bewirken kann. Geschickt kombiniert könnte sich aber eine geeignete Strategie ergeben, mit der sich die Lösung Stufe für Stufe erarbeiten lässt.

Hinweis

Tagung «Den Wandel gestalten»

Am Forum Beratung, welches von Beratungspool.ch organisiert wird, diskutieren Anbieter und Nachfrager von Beratungsdienstleistungen in einem Podiumsgespräch über Veränderungsprozesse und deren Erfolgsvoraussetzungen. Führungskräfte, HR-Verantwortliche und Personalentwickler und Personalentwicklerinnen sowie Beratungspersonen und Trainer erhalten einen spannenden Einblick in verschiedene Beratungsansätze.

Olivier Inhelder, Organisationsberater BSO, arbeitet freiberuflich als Berater, Projektleiter und Trainer.

Kontakt:
Beratungspool - Olivier Inhelder
Hirzbrunnenallee 7
4058 Basel
Telefon: +41 61 683 32 05
E-Mail: inhelder@beratungspool.ch [275]
Homepage: www.beratungspool.ch [276]

Klimawandel: Wie eine positive Unternehmenskultur zum Erfolgstreiber wird

Wie spricht man eigentlich bei Ihnen über die Kunden, wenn die nicht da sind? "Da ist wieder diese Schnepfe von … am Telefon!", hallt es durchs Büro. Zu dumm, dass der Hörer auf dem Tisch lag und die Beschimpfte mithörte – und nie wieder gekauft hat. Ohne je den wahren Grund ihrer Ablehnung zu nennen! Von nun an war man schlichtweg 'zu teuer'.

Sprache prägt Denkweisen – und damit auch Verhalten! Bei Behörden heißen die Kunden 'Antragsteller', in den Kreditabteilungen der Banken nennt man sie 'Risiko'. In die Krankenhäuser kommen Nieren, Frakturen und offene Beine statt Menschen mit Namen. Im Restaurant ist der Gast eine Tischnummer und die meisten vorbeieilenden Kellner sind 'nicht zuständig'. Und bei den Airlines heißen die Passagiere PAXE. Das hört sich glatt wie Stückgut an. Kein Wunder, dass man sich oft auch so behandelt fühlt.

Sprachhygiene betreiben

Durchforsten Sie doch einmal den Sprachgebrauch in Ihrer Firma - und entrümpeln Sie! Gibt es zum Beispiel bei Ihnen immer noch Untergebene - ein wahres Unwort, wer will heute schon freiwillig 'unten' und 'ergeben' sein? Dort, wo Stewardessen ‚Saftschubse’ und Aushilfen 'Söldner' heißen, was wird wohl dort passieren? Und den Führungskräften, die ihre Sekretärinnen gerne 'Mädels' nennen, kann ich versichern: "Von kleinen Mädchen ist nichts Großes zu erwarten!"

Die Kultur eines Unternehmens bestimmt den Umgang miteinander und damit auch den Umgang mit den Kunden – vor und hinter den Kulissen. „We are Ladies and Gentlemen serving Ladies and Gentlemen“, heißt es dazu im Leitbild der Nobelmarke Ritz-Carlton. Ein positives Miteinander, ein wertschätzendes, liebevolles Klima wirkt sich ausgesprochen förderlich auf die Leistungen der Mitarbeiter aus. Und die Kunden werden dieses angenehme Klima spüren, sich darin wohl fühlen und immer wieder gerne kaufen.

Bei Ihnen geht es eben ein wenig hemdsärmelig zu? Da sind die Sitten rau, die Späße derbe? Dann betreiben Sie zunächst einmal Sprach-Hygiene! Denn wie die Menschen drinnen im Unternehmen miteinander umgehen, so werden sie es auch draußen tun.

Die Kultur eines Unternehmens erkennt man beispielsweise ganz schnell daran, wer wen begrüßt. Begrüßen die Mitarbeiter den Kunden, sobald sie einen sehen – oder erwarten sie, das der Kunde grüßt? Machen Sie einmal diesen Test im bundesdeutschen Einzelhandel – und Sie verstehen die ganze Misere!

Und wenn der Chef vorbeikommt? Wer grüßt zuerst: der Chef oder die Mitarbeiter? Lassen die Mitarbeiter den Kunden einfach stehen, wenn der Chef naht? Grüßen sie zaghaft und unterwürfig? Dann ist in diesem Unternehmen der Chef weit wichtiger als der Kunde. Und wir haben die ersten Vergiftungserscheinungen!

Vergiftete Unternehmen sterben irgendwann

In vergifteten Unternehmen werden in großem Stil menschliche Ressourcen und Talente verschwendet. Dort herrschen Intrigen, Machtkämpfe, Mobbing und Bossing (= Schikanen des Chefs), da toben Neid und Missgunst. Mitarbeiter, die diese destruktiven Spiele durchschauen oder selbst zum Spielball werden, sind emotional stark belastet und jeder Motivation beraubt. Dies führt zwangsläufig zu Misstrauen und Leistungsabfall, zu Unfreundlichkeiten und häufigen Fehlern, zu angepasster Mittelmäßigkeit, zu lähmender Angst, zu Frust und Fluktuation. "Wenn wir Angst haben, raschelt es überall", hat schon Sophokles gesagt.

Verängstigte Mitarbeiter sind mürrisch, verletzlich, aggressiv. Sie schieben Frust und gehen in die Opfer-Haltung. Doch sie brauchen nicht mal zu streiken, wenn ihnen das Klima im Unternehmen nicht passt. Sie machen einfach Dienst nach Vorschrift, schalten ein, zwei Gänge zurück. Das bleibt lange unbemerkt, aber die Lustlosigkeit steht ihnen ins Gesicht geschrieben. Und die Kunden werden die ‚dicke Luft’ spüren – und reagieren! Wo die Mitarbeiter verkümmern, werden auch die Kunden fernbleiben. Wo man sich unwohl fühlt, da geht man nie wieder hin, da kauft man nichts.

Vergiftete Unternehmen verfolgen Verlierer-Strategien. Dort werden Wendehälse, Ja-Sager und Opportunisten gezüchtet. Dort herrscht eine beklemmende Atmosphäre mit bohrenden Fragen und beißender Kritik. Dort werden Menschen gekränkt und erniedrigt. Kränkungen, das Wort sagt es deutlich, machen krank – physisch und psychisch.

In vergifteten Unternehmen wird viel Energie für Reibereien verschwendet. Dort regieren Chefs nach Gutherren-Manier selbstherrlich von oben herab. Wer harsch diktiert, produziert unbegeisterte, unengagierte, lethargische Nichtswoller! Solche Mitarbeiter rächen sich täglich für die 'Nettigkeiten' ihrer Chefs, bewusst oder unbewusst, auf mehr oder weniger subtile Weise – und meist am Kunden. Mitarbeiter werden dies meist genau so lange machen, bis sie glauben, quitt zu sein. Denn jeder kann sich täglich neu entscheiden, mit dem gleichen Aufwand eine hundsmiserabel schlechte oder eine großartige Arbeit zu tun.

vergiftete Unternehmen

lachende Unternehmen

Angst, Mobbing, Bossing, Aggression
Intrigen, Machtkämpfe, Missgunst
Tadel, Schuldzuweisungen, Dauerdruck
Kommandieren, kleinliche Kontrollen
Misstrauen, Opportunismus, Willkür
Einzelkämpfertum, Distanz
Routinen, sinnentleerte Arbeit
Anweisungen, die man nicht versteht
Chefs, die man nicht achten kann
Büros, die man nicht mag
Werte, die man nicht leben will
Jobs, die man hasst
Arbeit, die krank macht

Wertschätzung, Anerkennung, Respekt
Freundlichkeit, gute Laune, Spaß, Humor
ehrliches Lob, Problemlösungen
Information, Kommunikation
Ehrlichkeit, Offenheit, Klarheit
Vertrauen, Teamwork, Nähe
Herausforderungen, Sinn, Flow
Ziele, die man sich selber setzt
Chefs, die man schätzt
inspirierende Arbeitsbedingungen
Werte, die man teilt
Stunden, die wie im Flug vergehen
fröhlich pfeifend zur Arbeit kommen

Das Ergebnis:
Kunden, die nicht wieder kommen

Das Ergebnis:
Kunden, die gerne wieder kommen

Lachende Unternehmen: Spaßgesumme und Spitzenleistungen

Lachende Unternehmen verfolgen Gewinner-Strategien. In lachenden Unternehmen finden sich Heiterkeit und wahre Fröhlichkeit, Wertschätzung und Anerkennung, Vertrauen und Selbstbestimmung, Offenheit und Ehrlichkeit. Also rundherum ein Wohlfühl-Klima. In Wohlfühl-Firmen herrscht ein 'kollektives Sprudeln', die pulsierende Energie gemeinsamer Begeisterung, ein Treibhausklima für Spitzenleistungen. Lachende Unternehmen sind ein Nährboden für Kreativität, ein Biotop für gute Ideen. Lassen Sie Leben und Lachen in die Firma, das begünstigt Erfolge! Wenn die Stimmung stimmt, stimmen am Ende auch die Ergebnisse. Denn was uns Spaß macht, dafür setzen wir uns ein, das fällt uns leicht, das machen wir gerne und richtig gut.

Wie bitte: Lachen ist gerade nicht 'in' in deutschen Unternehmen? Wie weit wollen wir uns eigentlich noch herunterziehen lassen?! Lachen ist Balsam für die Seele, gerade in schwierigen Zeiten. "Ein Tag ohne Lachen ist ein verlorener Tag", hat schon Charlie Chaplin gesagt. Lachen ist gesund. Lachen macht glücklich. Lachende Mitarbeiter machen Unternehmen erfolgreich, denn sie machen ihren Kunden Lust (in Lust steckt lustig!), zu kaufen. Ein Lachen ist ansteckend - und der kürzeste Weg von Herz zu Herz. Denn eines ist sicher: Es müssen Kopf und Herz der Mitarbeiter und Kunden erreicht werden, um erfolgreich zu sein.

Erfolge feiern

Zur Unternehmenskultur gehört auch, worüber auf den Gängen so geredet wird: Mythen und Kuriosa, Klatsch und Tratsch, ungeschriebene Gesetze, Tabus hinter vorgehaltener Hand. Machen da bei Ihnen Heldentaten die Runde oder wird bloß gejammert und alles neidvoll in den Dreck gezogen? Und wer redet mit wem auf der informellen Ebene? In vergifteten Unternehmen sind diese unsichtbaren Geflechte von unglaublicher Macht. Wo Ehrlichkeit, Transparenz und offene Kommunikation fehlen, da brodelt die Gerüchteküche. Da geht es ab in den Untergrund. Und dort leben die Intriganten. Die verseuchen jedes Klima.

Erfolgreiche Unternehmen wissen längst: Vor allem die guten Geschichten schweißen zusammen und geben Auftrieb. Kein Sportler würde ständig seine Negativ-Erlebnisse vorkramen, wenn er zum nächsten Sieg eilen will. Ganz im Gegenteil: Er führt sich seine größten Triumphe vor Augen. Also: Nur keine falsche Bescheidenheit! Richten Sie Ihren Fokus auf das, was gut funktioniert. Machen Sie es in Ihrem Unternehmen zur Gewohnheit, an den Anfang einer jeden Besprechung eine Erfolgsstory zu setzen. So verbreitet sich ganz schnell dieses Gefühl: Wir sind ein Unternehmen, das es krachen lässt! Erfolg beflügelt! Und setzt eine Menge Energien frei!

Besonders für Verkäufer ist es wichtig, in einem lachenden Unternehmen zu arbeiten, denn sie tragen die Unternehmenskultur zu Markte. Sie geben ihrem Unternehmen eine Stimme und ein Gesicht. Bewusst oder unbewusst prägen sie maßgeblich das Image ihrer Firma bei den Kunden. Und wenn der Verkäufer nicht an das eigene Unternehmen glaubt, wie soll es dann der Kunde tun?

Gute Gefühle sind wie reiner Sauerstoff

Vielleicht kennen Sie die Geschichte von dem alten Indianer, der den Kindern erzählt, in jedem von uns wohne ein böser und ein guter Wolf, und beide streiten ständig miteinander. „Und welcher wird gewinnen?“ fragen die Kinder. Die Antwort des Indianers: “Der, den du nährst!“

Die Menschen verstärken Verhalten, für das sie Anerkennung bekommen. Anerkennung und Wertschätzung, verbunden mit Freude und Selbstbestimmung sind wie reiner Sauerstoff. Dies lässt Leistungen katapultartig nach oben schnellen. Deshalb haben lachende Unternehmen die Nase vorn. Lachende Unternehmen schaffen eine Atmosphäre, in der sich Mitarbeiter genauso wohl fühlen wie Kunden. Sie machen die Menschen geradezu süchtig - nach kleinen Momenten des Glücks.

Gute Gefühle beschwingen, sie machen kreativ und leistungsfähig. Nur in einem positiven Klima gedeihen Lust auf Arbeit und Engagement. Von Natur aus sagen uns positive (= von Glückshormonen belohnte) Gefühle, was wir tun, und negative, was wir besser lassen sollten. So hat die Evolution es eingerichtet, dass wir ständig auf der Suche nach angenehmen Gefühlen sind. Zuhause genauso wie in der Arbeit.

Einsichten: Wohin geht die Reise beim Change Management?

Gastbeitrag von Holger Nauheimer, Berlin *

Change Management ist zu einem der Mode- und Zauberwörter der letzten Jahre geworden. Viele glauben sogar, dass Change Management in weiten Teilen das Projektmanagement ersetzen würde, da in heutigen Zeiten der Unsicherheit lineare Planung keine ausreichende Sicherheit für die Durchführung von Projekten mehr bietet. Auch wenn solche Einschätzungen dem Beitrag, den klassisches und modernes Projektmanagement für den Erfolg von Projekten liefern kann, nicht gerecht wird, stellen sich doch die Fragen:

  • Was verbirgt sich eigentlich hinter dem Schlagwort „Change Management“?
  • Gibt es ein einheitliches Verständnis zur Gestaltung des Wandels oder viele unterschiedliche Ansätze?
  • Ist das Ende des Change Managements schon eingeläutet?

Diese Fragen hat sich das Change Management Toolbook gestellt, eine der führenden Webseiten zum Thema, betrieben von Holger Nauheimer. Im August 2004 wurde daher eine Internetbefragung durchgeführt, an der 562 Personen teilnahmen, darunter sowohl Experten als auch Novizen. Der Bericht über diese Befragung ist jetzt in englischer Sprache erhältlich („Taking Stock. A Survey on the Practice and Future of Change Management”).

Zusätzlich zur Auswertung der Umfrage zur Praxis von Change Management werden 56 verschiedene methodische Ansätze in Kurzartikeln vorgestellt.

Schließlich wagt der Autor noch einen Ausblick in die Zukunft: Basierend auf den Daten der Befragung und kombiniert mit verschiedenen Trends aus globaler Wirtschaft, Politik und Gesellschaft entwickelt er verschiedene Szenarien darüber, wie sich die Situation für Berater und Anwender von Change Management Methoden in den nächsten 20 Jahren entwickeln könnte.

Die Ergebnisse

Auch wenn die Ausgangshypothese den Change Management Ansätzen eine Zukunft voraussah, waren die Ergebnisse in ihrer Eindeutigkeit doch erstaunlich. 99 Prozent aller Befragten stimmten dem Statement zu: „Change Management ist keine Mode; der Bedarf für Change Management Fähigkeiten wird in der Zukunft anwachsen“. Die Zustimmung wuchs mit der Erfahrung, die die Ressourcepersonen in der Anwendung von Change Management Ansätzen aufwiesen.

Ein weiteres interessantes Ergebnis war die universelle Anwendbarkeit von Change Management Konzepten. 89 Prozent der Befragten lehnten das folgende Statement ab: „Change Management ist ein westliches Konzept, das auf andere Kulturen nicht angewendet werden kann“. Interessanterweise ist die Zuversicht in die kulturfreie Anwendbarkeit dieser Ansätze in östlichen und südlichen Kontinenten wie Asien, Afrika und Lateinamerika sogar noch größer als in Europa oder Nordamerika. Heißt das, dass hier bereits eine gewisse Sättigung stattgefunden hat?

 

Die Studie zeigt weiterhin, dass Change Management Konzepte in allen Sektoren (Privatwirtschaft, Staat, NROs, Entwicklungshilfe) und über alle Hierarchien eingesetzt werden, aber dass es vor allem Topmanager und Consultants sind, die an der Anwendung und Weiterentwicklung dieser Ansätze interessiert sind.

Weitere Teile des Berichts beschäftigen sich mit den wichtigsten Anwendungsbereichen (Organisations- und Personalentwicklung, Strategien, etc.), den verschiedenen Möglichkeiten, Veränderungsprozesse zu initiieren (externe oder interne Consultants, Coaching, Vorbildfunktion des Chefs, elektronische Wissensmanagementsysteme etc.), dem transformativen Potenzial solcher Ansätze sowie ihren Limitierungen.

Hier zeigt sich, - obwohl der weitaus größte Teil der Befragten von der Validität der genannten Ansätze überzeugt sind -, dass viele Veränderungsprozesse scheitern (ca. 69 Prozent).


Die wichtigsten Faktoren für den Erfolg solcher Projekte sind: die Unterstützung durch das Topmanagement, effektive Kommunikation der Ziele und erwarteten Ergebnisse sowie die Berücksichtigung und Bearbeitung von Widerständen der Beteiligten oder Betroffenen des Wandels.

Die Methoden

Unübersichtlichkeit kennzeichnet den Markt des Change Managements. Die Studie listet ca. 250 verschiedene Ansätze auf und beschreibt 56 davon in kurzen einleitenden Texten, meist graphisch unterstützt. Die unterschiedlichen Verfahren und Denkmodelle sind alphabetisch geordnet – von A wie Action Research über M wie McKinsey’s 7S Model und S wie Systems Theory bis zu W wie Ken Wilber’s All Quadrants All Levels Framework. Zu jedem einleitenden Artikel sind weitere Ressourcen wie Webseiten, Artikel oder Bücher genannt.

Der Ausblick

Wie geht es weiter? Diese Frage hat sich der Autor gestellt und hierzu drei verschiedene Szenarien entwickelt. Sie beschreiben, wie sich – bei unterschiedlichen Voraussetzungen – der Bedarf für Change Management in verschiedenen Sektoren entwickeln könnte und wie Veränderungsberater auf diesen Bedarf reagieren können. Dies sind die drei Szenarien:

  • House of the Rising Sun. Bis zum Jahr 2025 hat sich die Weltökonomie entsprechend den Prinzipien der Nachhaltigen Entwicklung zu einem stabilen System hinentwickelt, das durch internationale Organisationen und Vereinbarungen gestützt wird. Klein- und Mittelunternehmen (KMUs) sowie Nichtregierungsorganisationen (NROs) sind in internationale Netzwerke eingebunden und spielen eine bedeutsame Rolle für die globale Prosperität. Berater werden vor allem für die Unterstützung der Netzwerkbildung sowie zum Aufbau institutionellem und organisationellem Lernen benötigt.
  • A World Apart. In diesem Szenarium wird die Welt von wenigen multinationalen Unternehmen entsprechend den Gesetzen des Aktienmarktes gesteuert. Die „weichen“ Instrumente der Mitarbeiterführung haben sich in einem von Konkurrenz geprägtem Markt als stumpf erwiesen und sind durch klassische Führungsmodelle ersetzt worden. KMUs und NROs haben nur Nischenplätze zu besetzen. Die zunehmende Armut, gepaart von einem starken Aussteigertum, lässt eine parallele Welt entstehen, in der die Gesetze der Marktwirtschaft teilweise außer Kraft gesetzt sind. Berater sind entweder in der ersten Welt als Troubleshooter oder in der Parallelwelt als Helfer zum Aufbau neuer Institutionen tätig.
  • Spinning Wheels. In diesem Mischszenarium gibt es keine Konstanz. Prosperität und Depression wechseln sich ab; Allianzen und Netzwerke zwischen multilateralen Unternehmen, staatlichen Institutionen, KMUs und NROs entstehen, um wenig später wieder zu zerbrechen. Die Welt wird gelenkt von einer Kaste von Wissensarbeitern, die die Fähigkeit besitzen, mit hoher Flexibilität auf die Bedürfnisse des Marktes zu reagieren. Um diese Kaste rankt sich ein System von Dienstleistung, Beratung und Coaching.

Hinweis

Holger Nauheimer. 2005: Taking Stock. A Survey on the Practice and Future of Change Management.

Der Bericht ist im Selbstverlag erschienen. Er ist erhältlich unter

http://www.change-management-toolbook.com/res/Reports.html [277]

Kontakt:
Dr. Holger Nauheimer
Rosenheimer Str.5
10781 Berlin
http://www.change-management-toolbook.com [278]

Sensibel: Wie Projektmanager ihre Teammitglieder führen

Gastbeitrag von Llewelyn P. Antonio, Antonio & Friends, Oberhaching *

So vieles ist über Projektmanagement gesagt und noch mehr darüber geschrieben worden. Trotzdem erlebe ich in meiner Arbeit als Unternehmensentwickler immer wieder, dass Projekte nicht so erfolgreich verlaufen, wie geplant.

 

Natürlich ist Projektmanagement in großen Unternehmen perfektioniert worden. Es gibt Mitarbeiter, die nur im Projektmanagement arbeiten und von Land zu Land, von Unternehmen zu Unternehmen reisen. Häufig ist dies der Fall, wenn bei operativen Einheiten neue EDV-Systeme eingeführt werden. Der Projektmanager hat z. B. den Auftrag, das neue System in einer bestimmten Zeit einzuführen (Holding Vorgabe). Als professioneller Projektmanager ist er gewohnt, mit den Widerständen von operativen Einheiten umzugehen. Und doch begeht er bereits beim ersten Meeting aus dieser Haltung heraus einen entscheidenden Fehler: Er kappt durch eine starke Versachlichung gleich zu Beginn die Beziehungsebene zu den Mitarbeitern im Unternehmen, seinen Kunden (wenigstens sollten es seine Kunden sein).

 

Wieso tut er das? Aus einem Grund. Aus Erfahrung hat er gelernt, dass eine zu harmonische Beziehungsebene seine Arbeit erschwert. Er ist auf allen Gebieten geschult worden, als professioneller Projektmanager zu bestehen. Aber vielfach in einem Punkt nicht: Wie gehe ich mit der sinnvollen Nähe zu meinen Kunden um, damit ich auch noch meine Sachpunkte durchsetzen kann und die Vorgaben der Holding erfülle. An dieser Gradwanderung zwischen Sensibilität und Beziehungsfähigkeit sowie Durchsetzungskraft scheitern viele Projekte bzw. Projektmanager.

Im Angesicht der Projektrealität ist alles anders

Der Bumerang aus dieser einseitigen Haltung kommt in Form von schlechteren Ergebnissen der operativen Einheit zurück. Neben diesen Umsatzeinbußen findet kurzfristig nicht nur eine Demotivation, sondern langfristig sogar eine negative Veränderung in der Kultur statt. Ebenso gravierend ist der Verlust der Identifikation mit dem Unternehmen. Wieso? Oft wird in so einem Prozess offensichtlich, wie abhängig bzw. schwach der operative Geschäftsführer ist. Er kann oder will sich z. B. dem Termindruck nicht widersetzen. Kommunikation findet nur bedingt statt und die schöne Wirklichkeit einer wertschätzenden Kultur, geschrieben auf Hochglanzpapier, zerfällt im Angesicht der Projektrealität. Eine sinnvollere Umsetzung könnt z. B. folgendermaßen aussehen:

  • Der Projektmanager wird in seiner Performance an der Planerfüllung der operativen Einheit angekoppelt, solange das Projekt am laufen ist;
  • Der Projektmanager wird in entscheidenden Schlüsselqualifikationen geschult, u. a. der gewaltlosen Kommunikation im Umgang mit Konflikten;
  • Der Geschäftsführer wird in den Lenkungsausschuss eingebunden;
  • Die Projektkommunikation in der operativen Einheit wird während der Projektphase gezielt aktiv gestaltet und breit angelegt.

Projekte haben ihren wirtschaftlichen Gewinn in der Zukunft und werden der operativen Einheit in den meisten Fällen eine bessere Wettbewerbsbasis bieten. Aber wer will und kann schon, vollkommen ohne Angst und Unsicherheit, seine gewohnte Sicherheit aufgeben?

Projektmanager als Führungskräfte auf Zeit

Projektmanager sind aus meiner Sicht Zukunftsmanager! Zu wenige verstehen es allerdings wirklich, die Mitarbeiter zu führen, oder diese sogar für die Zukunft zu gewinnen. Sie bestimmen während des Projektes einfach, was zu machen ist. Die Beteiligten haben schlimmstenfalls zu gehorchen, auch wenn neben der operativen Tätigkeit weitere Aufgaben auf sie zukommen. Unter dieser quantitativen Steigerung leidet die Qualität – nicht nur der Arbeit, sondern auch der Stimmung.

 

Projektmanager sollten so geschult sein, dass sie den wichtigsten Menschen in den operativen Einheiten als Führer dienen, als Guide durch das noch unbekannte Land. Führer bei Abenteuertouren sind absolut sicher in der Kenntnis des Gebietes, in dem sie sich bewegen, aber auch, wie sie in kritischen Situationen mit den ihnen anvertrauten Menschen umgehen müssen. Behutsam aber doch bestimmt. Einfühlend und doch Richtung gebend. Weiterhin sollten Sie immer im Bewusstsein haben, dass sie zwar Loste aber nicht der Kapitän dieser Reise sind. Damit das Unternehmen ans Ziel gelangt, das Projekt gelingt, sind folgende Punkte für den Projektmanager entscheidend:

  • Ein Ende definieren und auch finden.
  • Zwischenziele festlegen, kontrollieren und feiern.
  • Kommunikation im Projektteam und in der operativen Einheit aktiv gestalten.
  • Delegieren und nicht zum „Sklaven“ werden.
  • Nicht einzuhaltende Termine rechtzeitig kommunizieren.
  • Puffer einbauen.
  • Konsequent die Unterstützung des Lenkungsausschusses einfordern.
  • Projekte, die nicht unterstützt werden, zurückgeben.

* Llewelyn P. Antonio ist als Unternehmensentwickler und Coach tätig. Sein erklärtes Ziel ist es, durch sinnvolle Unternehmens-Entwicklung, Handlungskompetenzen zu erweitern und Wertschöpfung zu steigern. Mit dem Mensch im Mittelpunkt und einer Konzentration auf die entscheidenden Erfolgsfaktoren begleitet er Unternehmen – von der Konzeption über klare Zielvereinbarung bis hin zu einer pragmatischen Umsetzung.

 

Weitere Informationen erhalten Sie bei
Antonio & Friends,
Feldstrasse 7,
85640 Putzbrunn,
Tel. 089/60190384,
Fax 089/60190385,
Email: lou@antonio.de [279]

Zertifiziert: Bessere Ergebnisse mit standardisiertem Projekt-Know-how

Viele Projekte vernichten mehr Wert als sie schaffen. Deutsche Unternehmen sollen jedes Jahr 150 Milliarden Euro für unsinnige oder fehlgeschlagene Projekte verschwenden. Das hat Manfred Gröger, Professor an der Fachhochschule München, in seiner Studie herausgefunden, für die er in vier Jahren 962 Führungskräfte aus Wirtschaft und Verwaltung befragte. Da drängt sich die Frage nach den Ursachen auf. Ist es fehlende Projektkompetenz bei Auftraggebern und Projektmanagern?

Manfred Gröger sieht die mangelhafte organisatorische Einbindung in die Unternehmen als wichtigstes Problem – genauso wie die Qualifikation der Mitarbeiter:

„Die Mitarbeiter müssen noch stärker auf die spezifischen Herausforderungen der Projektarbeit vorbereitet und qualifiziert werden“, schreibt Gröger zur Studie in der Zeitschrift Personalwirtschaft(9/2004).

Verbände und Vereinigungen fördern den Fach- und Erfahrungsaustausch

Dabei haben sich zahlreiche Organisationen und Verbände dem Ziel verschrieben, die Projektarbeit in den Unternehmen zu unterstützen und zu verbessern. In Deutschland gibt es seit 1979 die Gesellschaft für Projektmanagement e.V. (GPM) [280] als Fach- und Berufsverband für Projektmanagement. Sie will Maßstäbe setzen für das Projektmanagement und sieht für sich folgende Aufgaben. Die GPM

  • fixiert die Ansprüche an Projektmanagement-Systeme in Organisationen,
  • definiert die Grundsätze für das Management von Projekten,
  • definiert die Anforderungen an Projektpersonal,
  • bereitet Kenntnisse und Erfahrungen im Projektmanagement auf und macht sie zugänglich.

Die GPM ist Mitglied in der International Project Management Association (IPMA) [281] . Die IPMA gibt es seit 1965 als ein Zusammenschluss aus vorwiegend europäischen Vereinigungen für Projektmanagement, aber auch mit Mitgliedern aus Südafrika, Indien und China und mit Verbindungen nach Nordamerika, Japan, Australien und in die übrigen Teile der Erde. Die IPMA hat derzeit über 30.000 Mitglieder aus den nationalen Organisationen.

Die Aus- und Weiterbildung im Projektmanagement und die Zertifizierung von Projektmanagern zählen zu den wichtigsten Aufgaben von IPMA und GPM. Darüber hinaus wollen sie die Neu- und Weiterentwicklung von Projektmanagement-Methoden fördern.

Das Wissen zum Projektmanagement wird zertifiziert

Insbesondere Zertifikate spielen in der Praxis eine immer größere Rolle. Für Kunden oder Arbeitgeber sind sie ein Nachweis, dass die zertifizierte Person die Methoden des Projektmanagements kennt, beherrscht und Erfahrungen dazu gesammelt hat. Unternehmen fördern ihren Nachwuchs über eine Zertifizierung im Projektmanagement und verbessern ihre Chancen im Wettbewerb, wenn sie so die Kompetenzen ihrer Mitarbeiter gegenüber Kunden nachweisen.

Für die Mitarbeiter sind die Zertifizierungen eine vorteilhafte Personalentwicklungsmaßnahme. Wer sein Know-how kritisch überprüfen und beglaubigen lässt, fördert die persönliche Karriere und seine Chancen am Arbeitsmarkt. Außerdem fördert es die Reflexion zum eigenen Handeln und gibt Anregungen, das Projektmanagement-Wissen gezielt auszubauen, wenn das Wissen von externen Experten (Assessoren) beleuchtet und kritisch hinterfragt wird.

Stichwort

Die GPM vergibt über ihre Organisation PM-ZERT Projektmanagement-Zertifikate. Basis für die so genannte Personen-Zertifizierung ist das international abgestimmte und anerkannte Vier-Ebenen-System der IPMA International Project Management Association (4 Level Certification System) zur Qualifizierung und Zertifizierung von Projektmanagement-Personal. Die vier Ebene sind:

  • Level D: Zertifizierter PM-Fachmann (GPM)/ Certificated Project Management Practitioner
  • Level C: Zertifizierter Projektleiter (GPM)/ Certificated Project Management Professional
  • Level B: Zertifizierter Projektmanager (GPM)/ Certificated Project Manager
  • Level A: Zertifizierter Projekt-Direktor (GPM)/ Certificated Projects Director

Außerdem gibt es den zertifizierten Projektmanagement-Trainer (PMFT).

Ihn und den zertifizierten Projektmanager gibt es auch in einer internationalen Variante: PM(E)T: Zertifizierter PM(E)-Trainer Englisch (GPM) und Level B*: Zertifizierter Internationaler Projektmanager (GPM)/ Certificated International Project Manager.

Die amerikanische Alternative: Das Project Management Institute


Eine hohe internationale Anerkennung hat auch das Project Management Institute [282] , das ebenfalls Zertifikate zum Projektmanagement anbietet: Der Project Management Professional (PMP). Wer in Unternehmen arbeitet, wo das Management oder die Kunden amerikanisch orientiert sind, kommt kaum noch an einem entsprechenden Zertifikat vorbei.

Das Project Management Institute wurde 1969 als gemeinnützige Organisation gegründet und hat inzwischen 150.000 Mitglieder in 150 Ländern. Es gilt als führend, wenn es um das Thema Projektmanagement und Standards für seine Professionalisierung geht. Es kümmert sich vor allem um drei Aufgaben:

  • Herausgabe des Project Management Body of Knowlege (PMBOK),
  • Zertifizierung von Project Management Professionals (PMP),
  • Vorgabe eines einheitlichen Handlungs- und Führungsmodells für das Management von und mit Projekten, das so genannte Organizational Project Management Maturity Model (OPM3).

Der so genannte „Project Management Body of Knowledge“ will das Wissen und die Erfahrungen aller Projektmanager weltweit zusammenführen und dokumentieren. Dafür gibt das PMI den „Guide to the Project Management Body of Knowledge“ (PMBOK Guide) heraus. Er systematisiert

  • die gesamte Projektarbeit in Form von 39 Prozessen,
  • die fünf Prozessgruppen (Initiierung, Planung, Ausführung, Controlling, Abschluss) zugeordnet und in
  • neun Wissensgebiete (Integration, Scope, Time, Cost, Quality, Human Resource, Communications, Risk, Procurement) gegliedert sind.

Der PMBOKGuide ist eine Basis für die Zertifizierung zum Project Management Professional (PMP) durch das PMI.

Stichwort

Das PMI vergibt über seine akkreditierten Institute zwei Projektmanagement-Zertifikate.

  • PMP: Project Management Professional (PMI)
  • CAPM: Certified Associate in Project Management, das seit 2002 das Know-how von Projekt-Assistenten mit einem Zertifikat auszeichnet.

Wie lässt man sich zertifizieren?

Wer sich zertifizieren lassen will, braucht einschlägige Erfahrungen im Projektmanagement. Die Gesellschaft für Projektmanagement bzw. PM-ZERT setzen außerdem ein Studium oder mindestens drei Jahre Berufserfahrung voraus. Hier gilt der Titel lebenslang, während das PMP-Zertifikat des Project Management Institutes nach drei Jahren verfällt, wenn es nicht erneuert wird. Das PMI berücksichtigt so die Halbwertszeit des Wissens.

Auch der individuelle Vorbereitungsaufwand unterscheidet beide Zertifikate: Für das GPM-Zertifikat sind ca. sechs Kurse je drei Tage, Arbeitsprojektbearbeitung und Zeit zur Prüfungsvorbereitung notwendig. Das erstreckt sich schon mal über sechs bis zwölf Monate. Für den Kurs und die Prüfung sind etwa 2.500 Euro an Kosten zu veranschlagen. Weil die Vorbereitung recht umfassend ist und lange dauert, gilt das Zertifikat unbegrenzt.

Das Zertifikat des PMI hat man in der Regel schneller. Ein 35-stündiger Vorbereitungskurs und etwa 200 Stunden für die Prüfungsvorbereitung sind hier notwendig. Das lässt sich in zwei bis drei Monaten schaffen. Allerdings muss man sein Wissen immer wieder beweisen; denn nach drei Jahren wird das Zertifikat nur verlängert, wenn man die Teilnahme an so genannten Professional Development Units nachweisen kann. Die Prüfung selbst kostet hier etwa 540 Euro (für Nicht-Mitglieder); dazu kommen die Kosten für den Vorbereitungskurs.

„Der Aufwand lohnt sich!“ sagen Christophe Campana, Eric Schott und Ulf Schwetz von Campana & Schott Realisierungsmanagement, die beide Zertifizierungen miteinander verglichen haben (Personalwirtschaft 6/2003). „Das Unternehmen kann die Titel für das eigene Image einsetzen und die zertifizierten Projektleiter können mit mehr Kompetenz und weniger Stress Projekte abwickeln. Beide Zertifizierungswege stellen eine Win-Win-Situation dar.“

Welcher ist der bessere? Hier meinen Campana und seine Kollegen, dass es vor allem vom Lerntyp abhängt. Das GPM-Zertifikat unterstützt soziale und diskursive Lernformen. Die Zertifizierung des PMI beschränkt sich auf Inhalte und Verhaltensanweisungen. Dort wird die Prüfung ausschließlich als Multiple-Choice-Test durchgeführt.

Bis 2003 haben etwa 50.000 Personen das PMI-Zertifikat und 2.000 Personen das GPM-Zertifikat erworben. Gleichwohl spielen beide Zertifikate bei der Projektmanagement-Qualifizierung der deutschen Unternehmen noch eine untergeordnete Rolle.

Qualifizierung im Projektmanagement: Welche Methoden werden genutzt?

Nur wenige der 145 von der Management Circle AG [283] befragten Projektleiter beziehen sich auf den deutschen Projektmanagement-Standard nach GPM oder den amerikanischen Standard nach PMI, wenn es um Qualifizierungsmaßnahmen geht. Am wichtigsten sind allgemeine externe oder interne Seminare zum Projektmanagement oder das „Training on the Job“.

Immerhin legen 78 Prozent der Firmen einen firmeninternen Standard an die Qualifizierungsmaßnahme an. Und auch die internationale Ausrichtung nimmt zu: 14 Prozent der Befragten halten sie für zwingend, 33 Prozent für sehr wichtig, 33 Prozent für wünschenswert.

[Quelle: Wirtschaftspsychologie aktuell, 2/2004]

Auch Projektteams werden für Spitzenleistungen im Projektmanagement ausgezeichnet

Um das professionelle Projektmanagement zu fördern und Anreize für Spitzenleistungen von Projektteams zu geben, hat die Gesellschaft für Projektmanagement (GPM) den „Deutschen Projektmanagement Award“ ins Leben gerufen. Seit 1997 wird damit ein Projektteam ausgezeichnet, das hervorragendes Projektmanagement bewiesen hat.

Grundlage für die Bewertung der Leistungen ist das so genannte Modell für Project Excellence. Es orientiert sich am EFQM Modell aus dem Bereich des Qualitätsmanagements und will helfen, dass Projekte auf vielfältige Ansprüche von Kunden, Mitarbeitern, Lieferanten, Partnern und die Öffentlichkeit ausgerichtet werden. Außerdem soll damit sichergestellt werden, dass für ein Projekt klare Ziele definiert, die Prozesse funktionieren und die entsprechenden Ergebnisse erreicht werden.

 

 

Zuletzt wurde ein Projektteam der Deutschen Bank Bauspar AG [284] ausgezeichnet. Das Projekt db BausparenOnline erhielt den Preis 2004 für seine extrem hohe Kundenzufriedenheit, umfassenden Maßnahmen zur Risikominimierung und Qualitätssicherung sowie die Flexibilität in der Planung und Steuerung des Projekts.

Mitarbeiterkarrieren im Projektmanagement

Viele Unternehmen haben in den letzten Jahren ihre Organisation verschlankt und dabei auch Hierarchien abgebaut. Für junge Mitarbeiter fehlt dann eine Karriereperspektive in der Linie. Hier bietet das Projektmanagement neue Möglichkeiten für Karrierepfade.

So hat beispielsweise Siemens in den 1990er Jahren ein Programm entwickelt, das Mitarbeitern nicht nur den Aufstieg in der Linie ermöglicht, sondern auch eine Karriere im Projektmanagement vorsieht. Später hat die Dienstleistungstochter Siemens Business Service daraus ein Produkt gemacht. Das Konzept nennt sich ‚Promise’ Project Management Career Introduction, Support & Empowerment. Es definiert Profile für die Mitarbeiter im Projektmanagement und einzelne Laufbahnstufen für Projektmanager.

In detaillierten Rollenbeschreibungen ist festgelegt, was Junior Projektleiter, Projektleiter, Projektmanager oder Senior Projektmanager im Einzelnen können müssen. Entsprechende Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten liefert das Curriculum Projektmanagement, dessen Module und Prüfungsinhalte auf den Richtlinien des Project Management Institutes (PMI) basieren.

[Quelle: trainingaktuell 10/2001 [285] ]

Vielleicht helfen diese vielfältigen formalen Ausbildungen zum qualifizierten Projektmanager und eine weitere Verbreitung der Zertifizierungen, um wenigstens einen Teil der verschwendeten 150 Milliarden im Projektmanagement doch sinnvoll anzulegen.

Links:

Hier stellt sich die Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement (GPM) vor:

http://www.GPM-IPMA.de [286]

Sie ist Mitglied im internationalen Dachverband, der International Project Management Association (IPMA):

http://www.ipma.ch [287]

Über das Project Management Institute (PMI) können Sie sich auf deren Webseite informieren:

http://www.pmi.org [288]

Eine Beschreibung des so genannten Organizational Project Management Maturity Model (OPM3) finden Sie von Simone Weilacher 9:PM Projektmanagement [289] unter:

http://www.pmifc.de/dateien/... [290]

Eine kurze Übersicht und Beschreibung der unterschiedlichen Institutionen finden Sie auch im Glossar des Projekt-Magazins:

Gesellschaft für Projektmanagement [291]

Project Management Institute [292]

Informationen zum Deutschen Projektmanagement Award finden Sie unter:

http://www.gpm-ipma.de/download/... [293]

Informationen zur Wertvernichtung im Projektmanagement von Professor Manfred Gröger finden Sie unter:

http://www.mba-beratung.de/stud.html [294]

Bücher:

A Guide to the Project Management Body of Knowledge [295] - Edition 2004 (3. Ausgabe) in Deutsch; von The Project Management Institute. Übersetzt von Thomas Wuttke und Peggy Gartner.

Das PMP-Examen für die gezielte Prüfungsvorbereitung, mit CD-ROM [296] ; von Thomas Wuttke, Peggy Gartner, Steffi Triest.

[jf]

Modisch: Know-Why-Denken - der konsequente Trend im Management!

Gastbeitrag von Kai Neumann, Lübeck *

Der wohl langfristigste Trend ist die Lernende Organisation gefördert durch die Individualized Organization. Wenn diese Methoden häufig nicht wirken, dann, da sie als Know-How aus anderen Unternehmen oder aus der Vergangenheit eins zu eins unangepasst übernommen werden oder da sie als Allheilmittel schlicht überschätzt oder gar übertrieben oder isoliert angewendet werden.

Hier stellen wir nun daraufhin eine Methode für die Zukunft vor, welche die genannten Methoden integriert und weiterentwickelt: Die Know-Why-Methode der Lübecker Strategieberatung Consideo GmbH.

Vernetztes Denken ist die Schlüsselkompetenz

Eine Studie der Boston Consulting Group hat unlängst Vernetztes Denken als wichtigste Schlüsselkompetenz des Managements der Zukunft herausgestellt - noch wichtiger als Kommunikationsfähigkeit oder Unternehmerisches Denken.

Die berühmte PISA-Studie sieht hier schon einen eklatanten Mangel in unseren Schulen.

Vernetztes Denken wird dennoch vielfach als entweder zu abgehoben, zu kompliziert wahrgenommen, oder als etwas zu triviales. Es ist nicht so leicht anzuwenden wie Mensch-Ärgere-Dich-Nicht zu spielen und eher mit Schach zu vergleichen, und Schach ist nicht nur wesentlich anstrengender, sondern einen Schachzug zu rechtfertigen ist weitaus heikler, als einen Zug beim Mensch-Ärgere-Dich-Nicht. Wenn ich mit Vernetztem Denken einen langfristigen Zug rechtfertige, kann es gut sein, dass diese Rechnung nicht aufgeht. Wenn ich Mensch-Ärgere-Dich-Nicht spiele, kann ich leicht jeden Zug riskieren und nachher sagen, dass ich den Fortgang der Geschehnisse ja nicht zuvor geahnt haben konnte.

Aber es ist auch festzustellen, dass viele erfolgreiche Unternehmen eine langfristigere Strategie verfolgen und eben doch Zusammenhänge in die Zukunft hinein betrachten.

Was bedeutet nun Vernetztes Denken?

Es zeigt Zusammenhänge auch über die Fach- oder Abteilungsgrenzen und über den nächsten Schritt hinaus auf.

Anders genähert: Geradezu alle Fehler in Wirtschaft und Politik, ja sogar im Privaten, lassen sich damit erklären, dass bestimmte Zusammenhänge nicht erkannt/berücksichtigt oder falsch eingeschätzt wurden. Populäre Beispiele sind hier der Virtuelle Arbeitsmarkt, Hartz IV, Toll-Collect, UMTS, Daimler-Chrysler und Mitsubishi usw., wobei jeder Leser auch schnell an eigene, kleinere Beispiele seines Alltags denken mag.

Vernetztes Denken im Management gibt es natürlich schon, z.B. der System-Dynamics-Ansatz oder zuletzt die Lernende Organisation.

Die Lernende Organisation

... etwa erklärt Geschehnisse durch typisches Verhalten in Systemen, so genannten Archetypen, und leitet daraus den Handlungsbedarf für das Management ab.

Nach Peter Senge gibt es z.B. Archetypen wie "Balancing Process with Delay", bei uns auch Schweinezyklus genannt, wenn z.B. der Immobilienmarkt irgendwann gesättigt ist, wir aber immer noch viele Immobilien in der Planung und im Bau haben. Oder "Eroding Goals", wenn eine kurzfristige Lösung das Verfolgen einer konsequenteren, langfristigeren verhindert.

Die Suche nach Archetypen in Systemen funktioniert in vielen Fällen gut, nur erscheint das System vielfach auch zu reduktionistisch, wenn Unternehmen ihre Abläufe durch die systemische Beschreibung zu sehr vereinfacht sehen und wenn die Lehrbuchreaktion auf einen Archetypen nicht mit der Unternehmenspraxis vereinbar ist oder schlicht nicht funktioniert.

System Dynamics

... stellt im wesentlichen eine Modellierungssyntax dar, mit der alle Systeme beschrieben werden können. Es gibt danach Stocks, Flows und Information sowie Delays und das System bildet dann möglicherweise Reinforcing- und Balancing-Loops. Diese Syntax ist vielen zu umständlich weshalb Consideo es geschafft hat, ein innovatives Modellierungssystem zu entwickeln, das auf der Oberfläche intuitiv bedient wird, während unter der Oberfläche automatisch ein System Dynamics Modell generiert wird. Der Anwender kann, wenn er möchte, ganz auf System Dynamics verzichten.

Die Know-Why-Methode

... betrachtet auch Systeme, nur sind diese ganz intuitiv aufzustellen, ohne große Regelkenntnisse. In den Systemen bzw. den Wirkungsgefügen wird dann nach dem Muster eines erfolgreichen Systems geschaut - eine metasystemische Betrachtung. Das Muster besagt: ein erfolgreiches System muss sich langfristig dual weiterentwickeln und integrieren.

Dual sonst katastrophal. Eine sehr simple Feststellung mit großer Tragweite.

Etwas, das sich zu sehr entwickelt, ohne durch etwas integriert zu werden, verliert den Boden unter den Füßen, etwa eine Automobilentwicklung, die nicht mehr auf den Verladezug nach Sylt passt oder ein Manager, der keine Zeit für sich oder seine Familie mehr hat, ein Auto, das sich stylistisch zu weit nach vorn gewagt hat usw..

Etwas, das sich nur integriert, aber nicht weiterentwickelt, gerät auch in Bedrängnis, etwa unser Sozialstaat oder ein Unternehmen, das am Markt nur reagiert, aber nicht agiert, oder nicht einmal reagiert oder ein japanisches „Father knows best“, das übertrieben am Etablierten festhält.

Anwendungsbereiche der Know-Why-Methode

Dieses systemische Muster des Erfolges lässt sich bei wirklich allem beobachten: Produkten, Unternehmen, Gruppen, Wissen, Politik, Familien und jedem einzelnen Menschen. Unser Wissen z.B. will ständig weiterentwickelt werden, aber wenn ich eine Zeitung lese, kommt es darauf an, das Gelesene an vorhandenes anzuknüpfen, unsere Weiterentwicklung zu integrieren, denn anderenfalls haben wir am Ende der Zeitung keine Ahnung mehr, was in der Zeitung stand. Keine Zeitung zu lesen können wir uns bei dem Wandel um uns herum auch kaum leisten.

Es können wirklich alle Missstände und Probleme mit diesem Muster beschrieben werden, und wenngleich es sehr flexibel und im Einzelfall nicht eindeutig und deshalb angreifbar ist, deckt es doch ungeahnte Handlungsmöglichkeiten für Entscheidungsträger auf.

Das Know-Why menschlichen Verhaltens

Ja sogar Lebewesen verfolgen diese Strategie des sich Integrierens und Entwickelns, genetisch wie auch in ihrem Verhalten. Beim Menschen erklärt es die Grundbedürfnisse: Gefühle der Integration und Gefühle der Weiterentwicklung, die jeder durch etwas anderes erfährt, durch Mitmenschen, durch Produkte, durch Werte, durch Erlebnisse, durch Führung, durch Sport, durch Fankult und und und. Unlängst wurde erkannt, dass die klassische Bedürfnispyramide kaum brauchbar ist, da jeder Mensch abhängig von seinem Umfeld seine jeweiligen Emotionen für Integration und Weiterentwicklung erfährt, und das ganz individuell und schwer generalisierbar. Wenn generalisierbar dann etwa derart, das bestimmte Gesellschafts- oder Käufergruppen sich aufgrund gemeinsamer Kriterien der Integration und/oder Weiterentwicklung gebildet haben. Aus einer solchen systemischen Sicht ergeben sich ungleich wirkungsvollere Marketingstrategien, als aus bisherigen, teilweise komplizierten aber selten wirklich passenden Käufermodellen.

Das Vorgehen

So einfach diese systemische Betrachtung, dieses Know-Why ist, so verblüffend ist es aber auch, was es bedarf, wirklich bewusst sein Handeln zu reflektieren und über mehr als eine Ebene hinaus nach Weiterentwicklung und Integration der Faktoren zu schauen. Die Methodik beginnt mit einem Trigger, der diesen Denkvorgang überhaupt anstößt, gefolgt von Kreativitätstechniken, welche die entscheidenden, fachübergreifenden Faktoren finden ggf., durch Hilfe von außen, gefolgt vom Aufstellen eines Ursache-Wirkungsgefüges, gefolgt von einer Quantifizierung dieses Gefüges und einer Simulation im Zeitverlauf und schließlich einer Interpretation des Gefüges.

An jedem Punkt eines Systems können wir einen Aspekt nach den Kriterien, durch die er integriert und durch die er weiterentwickelt wird, betrachten. Jedes dieser Kriterien können wir hernach ebenfalls als Aspekt betrachten, der seinerseits durch Kriterien integriert und weiterentwickelt wird.

Auf Integration und Weiterentwicklung achten wir dabei nicht nur beim Aufstellen des Ursache-Wirkungsgefüges, sondern wir schauen auf der Metaebene die Integration und Weiterentwicklung des Gefüges selbst an, schauen innerhalb des Gefüges nach Weiterentwicklung und an jedem einzelnen Aspekt bzw. Kriterium, ob durch ein mögliches Ungleichgewicht zwischen Integration und Weiterentwicklung nicht wichtige Schlüsse für das Gefüge und die Entscheidung zu ziehen sind.

Warum nun brauchen Unternehmen für den Erfolg der Zukunft Know-Why?

Die eigentlichen Herausforderungen der Unternehmen lassen sich auch so beschreiben:

  • Kundenwünsche erfüllen, ggf. generieren, damit verbunden Innovationskraft, Trendforschung und Marketing.
  • Effizienz und Effektivität erhöhen, damit verbunden die Organisation, Prozesse und Lieferketten optimieren.
  • Mit der Organisation verbunden die Führung
  • und mit der Innovationskraft der ständige Wettlauf mit der Konkurrenz.

Wissensmanagement, Qualitätsoptimierung, E-Business, Scorecarding etc. schließen sich dem dann an.

Für alle Bereiche gibt es Best-Practice-Ansätze, Know-How in Hülle und Fülle, generiert aus der Praxis oder aus der Theorie. Und wenngleich viele dieser Ansätze auch "ganzheitlich" genannt werden, wird ihr Wirken doch in fast allen Fällen durch ihr Wirken begründet. Ein "Warum" ihres Wirkens wird nicht erkannt.

Es gibt aber die Möglichkeit das "Warum" zu erkennen und damit die Möglichkeit, nicht nur die Methoden, die anderswo funktionieren, versuchsweise auch in dem eigenen Unternehmen anzuwenden, sondern mit Know-Why-Denken das Wirken von Methoden zu begründen.

Warum kaufen die Kunden bei uns? Warum sind die Mitarbeiter motiviert? (Eine Studie hat jüngst herausgestellt, dass 84% der Mitarbeiter sich dem Unternehmen nicht verpflichtet fühlen) Warum wird ein Produkt Erfolg haben? Warum wird eine Werbebotschaft ankommen?

Ein verkürztes Beispiel:

Sehr vereinfacht sieht das Modell eines Unternehmens so aus:

Qualitative Darstellung eines Unternehmensgefüges


Wenn jetzt Absatzschwierigkeiten in einem Unternehmen auftreten gibt es verschiedene Handlungsmöglichkeiten. Auch hier wieder vereinfacht dargestellt könnten die so aussehen:

Der Versuch der Absatzsteigerung durch Preissenkung

Tatsächlich bedeutet in diesem Modell der Versuch einer Preissenkung genau die falsche Strategie für das Unternehmen:

Dauerhafte Gewinnminderung durch Preissenkung

Wie in den Abbildungen zu sehen ist, bedeutet in diesem sehr vereinfachten Modell, dass eine Preisminderung auch eine Preisminderung der Konkurrenz nach sich zieht. Die Folge daraus ist eine lediglich verzögerte Gewinnminderung. Hierin finden sich auch oben beschriebene Archetypen wieder.

Mit Know-Why untersuchen wir dieses Modell nach den Ursachen für den Umsatzrückgang bzw. für den Kauf der Produkte. In den Untergefügen Kundenwertigkeit und Marketing in Abb. 4 verborgen gehen wir der Frage nach, welche Gefühle bei den Käufern aus welchem Grund angesprochen werden, warum der Käufer Integration oder Weiterentwicklung durch den Kauf der Produkte erfährt. Zudem betrachten wir Integration und Weiterentwicklung des entsprechenden Marktes, seiner Rahmenbedingungen, unserer Kommunikationsstrategie, unserer Mitarbeiter als Schlüssel unseres Erfolges und und und. An vielen Stellen sehen wir dann, wo Integration und Weiterentwicklung dauerhaft nicht ausgeglichen sind oder gar beide fehlen.

Die Consideo GmbH

... hat eine neue Simulationssoftware entwickelt, mit der die weit reichende System-Dynamics-Modellierung sehr schnell und intuitiv in Unternehmen umgesetzt werden kann. Individuelle, praxisnahe Wirkungsgefüge erhöhen die Bewusstheit in den Unternehmen und lassen die Entscheidungsträger die richtigen Methoden und Mittel anwenden – dank ergänzendem Know-Why.

Neben strategischen Betrachtungen sind auch ganz konkrete operative Optimierungen mittels Modellierung möglich: So können Unternehmen das Wirkungsgefüge von Verkaufszahlen abschätzen und damit die Disposition und die Logistik optimieren helfen. Oder die Einflussfaktoren eines Aktienkurses prognostizieren helfen oder schlicht jegliche Entscheidung in Unternehmen, die von vielen Faktoren abhängt, optimieren helfen. Weitere Beispiele sind die Standortbewertungen einer großen Bank, die Wissensbilanzierung von Unternehmen und Regionen oder die Prozessoptimierung in einem Pharma-Konzern.

Fazit

Abschließend ist festzustellen, dass Know-Why-Denken der Trend der Zukunft sein muss! Das WARUM der individuellen Wirkungsgefüge eines Unternehmens ist von konsequenter Logik. Bisherige Managementmethoden haben mit Best-Practice-Ansätzen wertvolle Methoden entwickelt, deren Erfolg sie aber nur damit begründen können, dass es anderswo funktioniert. Selbst ein Konzept wie das der Individualized Corporation sieht in einer erfolgreichen Führung zwar das Schaffen von Freiheitsgraden für Mitarbeiter, vergleichbar auch mit zahlreichen Coaching-Ansätzen, aber begründet dieses nicht. Der große Mischkonzern ABB hat bereits schlechte Erfahrungen mit zu hohen Freiheitsgraden und Dezentralisierung gemacht. Da wurde die Weiterentwicklung zu sehr gepusht und eine Integration vernachlässigt, auf die ikonografische Welle oben bezogen haben sich Teile des Unternehmens über den Wellenkamm hinaus entwickelt und sie fielen im Erfolg dann auch jäh herab.

Begründet mit Know-Why ist es das Streben eines Mitarbeiters nach Weiterentwicklung und Integration: Weiterentwicklung durch die Freiheitsgrade, die Belohnung für Erfolge. Und Integration durch die Vorbildfunktion der Führungskraft, die Corporate Identity des Unternehmens, das Schaffen eines angenehmen Arbeitsklimas und das Verfolgen langfristiger, strategischer Ziele oder besser noch bildlich und emotional wahrnehmbarer Leitbilder, die idealerweise durch Mitentwicklung durch die Mitarbeiter integriert sind. Faktoren, die in jedem Unternehmen individuell exploriert und bewusst gemacht werden müssen, durch Aufstellen eines Wirkungsgefüges.

Probieren Sie es aus, begründen Sie Ihren Erfolg!

Kontakt:
Kai Neumann
Consideo GmbH
Seelandstraße 3
23569 Lübeck
Tel.: 0451 3909100
Fax: 0451 3909499
info@consideo.de [297]
www.consideo.de [298]

E-Mail: Wichtige Regeln für die elektronische Post

Sie kennen das: Da kommt eine Mail, und wenn Sie nicht zufällig die Absenderkennung entschlüsseln können, wissen Sie nicht, wer Ihnen da Post geschickt hat: Keine Adresse, kein Name, keine Rufnummer – nichts, was zur Identifizierung beitragen könnte. Kein Problem, so lange der Inhalt nicht von Wichtigkeit ist. Wehe aber, wenn ein Kunde (die lieben, guten sind oft leider ebenso gedankenlos wie andere Leute auch) schreibt und Sie müssen antworten, ohne auch nur seinen Namen buchstabieren zu können oder eine Telefonnummer zu wissen, unter der Sie etwas nachfragen dürften ...

Bitte, gehen Sie mit gutem Beispiel voran!

Mindestens sollte jede (!) ausgehende E-Mail nach dem Text einen Anschriftenblock mit Ihrem Namen, gegebenenfalls mit Ihrer Firma und Abteilung, mit der Postanschrift, der Telefonnummer und der Mail-Adresse enthalten. Wenn Sie wollen, können Sie ergänzend eine Fax-Nummer und die Adresse Ihrer Homepage nennen. Und das beste: Die Signatur-Einrichtung Ihres Mail-Programms erledigt das vollautomatisch für Sie!

Der richtige Schreibstil für E-Mails unterscheidet sich dagegen garnicht so sehr vom Stil zeitgemäßer (Brief-)Korrespondenz:

  • Nachrichten nie länger als eine DIN-A4-Seite fassen
  • sachbezogene formulieren und auf Floskeln verzichten
  • aktive Verben statt steifer Substantive verwenden
  • die Möglichkeitsform durch die Wirklichkeitsform ersetzen
  • unnötige Vorsilben und Vorreiter streichen

Ebenso wichtig ist die Sache mit der Anrede, bei der häufig ein „lockerer Ton“ herrscht. Ich meine, der Ton macht die Musik. Persönlich versuche ich es stets mit „Musik“, von der ich annehmen darf, dass sie dem Empfänger meines Schreibens gefällt: Ein kurzes, unverbindliches „Hi“ steht dem Freundeskreis meines 16-jährigen Sohnes wohl zu Gesicht, im Geschäftsverkehr verbietet sich diese Ansprache. Mit einem namenlosen „Hallo“ kann ich schon am Telefon nicht viel anfangen und in der E-Mail klingt das Wort, als wäre der Schreiber unsicher, welche Anrede „locker“ und dennoch gebührlich sei.

Besser gefällt mir „Guten Tag, Frau ...“, aber Leute, die ich absolut nicht kenne (und vielleicht auch niemals kennen lernen möchte), schreibe ich im Zweifel mit „Sehr geehrte ...“ an. Ungewohnt klingt vielen die Eindeutschung des amerikanischen „Dear“: Aber auch Menschen, mit denen mich Arbeitsbeziehungen verbinden (etwa Kollegen oder Lektoren) gönne ich Anreden wie „Lieber Herr ...“, ohne dass dem alsbald ein vertrautes „Du“ folgen müsste.

E-Mails von Mitarbeitern sind immer E-Mails des Unternehmens, nicht zuletzt in rechtlicher Hinsicht

  • Stellen Sie klar, dass der Inhalt eingetroffener und abgeschickter E-Mails grundsätzlich Firmen-Korrespondenz darstellt.
  • Machen Sie deutlich, dass die E-Mail-Adresse Ihrer Firma schon deshalb ausschließlich dienstlichen Zwecken dienen darf.
  • Stellen Sie an den Inhalt von E-Mails die gleichen formalen Anforderungen wie an „reguläre“ interne oder externe Briefe.
  • Untersagen Sie eindeutig die Verwendung diskriminierender, beleidigender oder strafbarer Inhalte in E-Mails.

Schlussformeln von der Art „Viele Grüße aus Düsseldorf“ oder „Von der anderen Rheinseite grüßt Sie“ vermitteln ein wenig Lokalkolorit. Auch Sätze wie „Bis demnächst in Berlin“ oder einfach „Alles Gute“ stellen eine gewisse Nähe zum Empfänger her. Wenn diese Nähe gewünscht und gewollt ist, passt sie in die E-Mail ebenso wie in den Hand geschriebenen Brief. Allerdings kenne ich genügend Leute, bei denen mir das kurze „Viele Grüße“ oder gar das klassische „Mit freundlichem Gruß“ durchaus genug an Herzlichkeit ausdrücken.

Äußerst praktisch zeigt sich die E-Mail beim Verschicken von Anlagen: Ob Word-Dokument, Excel-Tabelle, Powerpoint-Grafik oder sonst wie gefasste elektronische Anhängsel – ein Mausklick genügt, schon sind sie auf der Reise. Ein Mausklick allerdings, der Folgen hat, besonders wenn die Dateien umfangreich sind. Denn erstens bremst jede größere Anlage die Transportgeschwindigkeit der Mail, weil schließlich alle Daten durch das Netz geschleust sein wollen. Und zweitens kann es ganz schön lange dauern, wenn der Empfänger den Anhang per Modem auf seinen PC geliefert bekommt.

Was Sie möglichst nicht als Anlage einer E-Mail versenden sollten, sind andere Mails – schon gar nicht, wenn diese wiederum Anlagen enthalten: Matroschkas (so heißen die aus Russland bekannten Holzpuppen in der Holzpuppe) sind ein wundervolles Spielzeug, aber bestimmt kein adäquates Modell für den geschäftlichen Schriftverkehr.

Ebenfall „out“ ist der unbedachte Klick auf den Antwort-Button: Dessen Gebrauch führt nur allzu leicht zu langen, langen Texten, die niemand mehr durchschaut. Denn was sich so einfach anfühlt, erzeugt in Wirklichkeit Datenmüll, der sich vermeiden ließe, während sich alle wichtigen Informationen irgendwo im Verhau aneinander gereihter Formulierungen finden, deren Abfolge sich nur schwer nachvollziehen lässt.

Für besseres Verstehen lohnt sich spätestens nach der zweiten Antwort ein wenig Mühe: Fassen Sie relevante Aussagen aus dem „Rattenschwanz“ zusammen. Schneiden Sie Überflüssiges gnadenlos ab und werfen Sie es ohne Scheu über Bord. Und passen Sie nicht zuletzt die Betreff-Zeile dem aktuellen Inhalt an, damit der endgültige Empfänger weiß, worum es im Ergebnis nun wirklich geht.

Lebensraum: Der Mensch lebt im Büro nicht von Funktionalität allein

Klaus betritt früh morgens sein Büro: Bücherregale, Schreibtisch, Sessel, Kakteen und der flimmernde Monitor mit dem Terminkalender sind ihm vertraut; auch die Kolleginnen die er nebenan arbeiten hört.

Gegen 11 Uhr ist eine Besprechung mit dem Projektteam angesetzt - im hallenden Besprechungsraum. Schwere, schon abgearbeitete Tische stehen dort im Kreis. Nach dem Mittagessen eine Zigarette in der verrauchten Kaffee-Ecke, Plaudern mit Kollegen. Dann wieder Schreibtisch-Routine bis fünf; vielleicht hängt er heute eine Überstunde an. Die Augen rot und müde, den Rücken gebeugt, wird Klaus am Abend nach Hause fahren – bis zum nächsten Morgen.

Das Büro ist für viele Menschen zu einem zentralen Lebensraum geworden – zumindest seit der Trennung von Arbeitsplatz und Wohnung; und seit in der Dienstleistungsgesellschaft immer mehr Menschen am Bildschirm und geistig statt körperlich arbeiten.

Büro: Ergonomie und Sicherheit oft Fehlanzeige

Schon im Jahr 2001 stellte die BBE-Unternehmensberatung aus Köln für das Deutsche Büromöbel Forum (DBF) fest, dass jeder dritte Büroarbeitsplatz in Deutschland nicht den gesundheitlich notwendigen, ergonomischen und sicherheitstechnischen Kriterien entspricht. Ebenfalls nur knapp ein Drittel führen die gesetzlich vorgeschriebenen Arbeitsplatzanalysen durch. In den Jahren zuvor waren es noch weniger.

„Arbeitgeber, die ihren Mitarbeitern ergonomisch und sicherheitstechnisch schlecht ausgestattete Arbeitsplätze zumuten, sollten eigentlich wissen, dass dies mannigfache Gesundheitsschäden nach sich ziehen kann,“ stellt dazu der Vorsitzende des Büromöbel Forums, Willi Schneider, fest.

Er lässt auch das Argument nicht gelten, die Einrichtung vorbildlicher Arbeitsplätze verursache zu hohe Kosten: Denn gesunde Arbeitsplätze sind um ein Vielfaches billiger als die Aufwendungen, die durch krankheitsbedingte Fehlzeiten entstehen. Die Einrichtung des Arbeitsplatzes hat einen entscheidenden Einfluss auf

  • Kreativität,
  • Motivation,
  • Leistung und
  • Gesundheit.

Und diese Faktoren sind nicht nur für das Wohlbefinden der Mitarbeiter wichtig, sondern auch für den Erfolg des Unternehmens. Umso mehr sollte den Arbeitgebern an der richtigen Gestaltung des Arbeitsplatzes gelegen sein. Das einzelne Büro ist nur ein Teil des Unternehmens. Das heißt: auch das ganze Gebäude, seine Architektur und Gestaltung wirken sich auf die Kreativität, Zusammenarbeit, das Betriebsklima, die Kultur und damit auf die Leistungsfähigkeit des Unternehmens aus.

Gesundheit: Sitzen kann krank machen

Etwa 85 Prozent seiner Arbeitszeit verbringt der Angestellte heutzutage im Sitzen. Die Folgen:

  • Eine falsche Körperhaltung am Bildschirmarbeitsplatz verursacht Verspannungen im Schulter, Nacken und Rückenbereich, was zu Rücken- und Gliederschmerzen führt.
  • Die fehlende Bewegung beeinträchtigt die Leistungsfähigkeit durch den schwachen Kreislauf und flaches Atmen, was sogar Schlaf- oder Herzrhythmus-Störungen hervorrufen kann.
  • Schlechte Monitore oder unzureichende Beleuchtung führen häufig zu Kopfschmerzen und bedeuten eine starke Beanspruchung für die Augen. Langfristig können auch Kurzsicht und andere chronische Erkrankungen entstehen.

Deshalb hat der Gesetzgeber die Anforderungen an einen Bildschirmarbeitsplatz in der Bildschirmarbeitsverordnung [299] geregelt.

Das optimale Büro

Der Arbeitsplatz wirkt auf die Gesundheit und Leistungsfähigkeit des Mitarbeiters; insbesondere für das Bürozimmer gelten einige Regeln:

  • Die Raumtemperatur sollte bei 22 Grad Celsius liegen;
  • die Luftfeuchtigkeit bei 40 bis 50 Prozent;
  • mehrmals täglich lüften, um den Kohlendioxidgehalt und somit die Müdigkeitserscheinungen niedrig zu halten;
  • ruhige Arbeitsplatzumgebung (Schalldruckpegel von <30 Dezibel ideal; dauerhafter Lärm kann physische und psychische Schäden verursachen);
  • schadstoffarmes Inventar;
  • die Farben hell und freundlich auswählen (maximal 6 Farben außer schwarz und weiß), Vorhänge einfarbig;
  • der Arbeitsplatz sollte Sichtverbindung nach außen haben;
  • im Großraumbüro sollten je Arbeitsplatz 12 bis 15 qm zur Verfügung stehen;
  • jeder Bildschirmarbeitsplatz sollte mindesten 8 bis 10 qm Fläche aufweisen;
  • setzen Sie Düfte ein, die Sie persönlich als angenehm empfinden;
  • bei konzentrierter Denkarbeit sollten die meisten Menschen keine Musik hören.
    [Quelle: Das Gesundheitsnetzwerk [300] ]

Je nach Wahrnehmungstyp – sehender, riechend-schmeckender oder hörender Typ – können einzelne Merkmale auch anders gestaltet sein. Beim hörenden Typ kann beispielweise die Musik die Konzentrationsfähigkeit steigern. Beim häufigen sehenden und dem seltenen riechend-schmeckendem Typen können ein paar schöne, duftende Büropflanzen die Stimmung steigern.

Kleines Büropflanzen Lexikon, Zimmerpflanzen und Pflanzen Pflege [301]

Form follows Function?

Die Aufgaben der Mitarbeiter und die Funktion des Raums spielen ebenfalls eine große Rolle. Sicherlich wird der Chef sein Büro anders einrichten, als die Mitarbeiter im Call Center. Denn er hat nicht nur andere Anforderungen, sondern auch andere Aufgaben und Pflichten.

Funktionalität ist eine wesentliche Herausforderung, der sich die Büromöbelhersteller heutzutage stellen müssen. Dabei orientieren sie sich an der veränderten Arbeitsform, bei der direkte und indirekte Kommunikation zunimmt, während Aktenordner und Archive seltener werden. Die Technisierung, beispielsweise durch den Bürocomputer und die archivierenden Server, spielt eine immer wichtigere Rolle. Das Büro wird zum zentralen Bestandteil der Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft von morgen.

Das Büro als „Kreativitätslandschaft“

Aus diesem Grunde gehen auch Forscher der Fraunhofer-Gesellschaft der Frage nach, wie das Büro des 21. Jahrhunderts [302] aussehen kann.

Mit den Erkenntnissen der Kreativitätsforschung haben die Forscher ein Büro gestaltet, das vor allem kreative Arbeit unterstützen soll: Die „OFFICE 21 Interactive Creativity Landscape“. Und so beschreiben die Forscher ihre Büro-Vision:

Durch einen schnellen Wechsel der Büroumgebung sollen die mentalen Aktivitäten während der unterschiedlichen Phasen des kreativen Prozesses optimal unterstützt werden. Dazu ist der Raum in drei Zonen unterteilt:

  1. Im Eingangsbereich die Aktionszone, die in unmittelbarer Nähe zur Multifunktionszone ideale Strukturen für die informelle Kommunikation in der Präparationsphase bietet.
  2. Von dort gelangt man in die Interaktionszone: Intelligentes Mobiliar als eine Synthese aus herkömmlichem Schreibtisch und Computerarbeitsplatz; plug and work-Arbeitsplätze und ein versenkbarer Konferenztisch bieten für jede Arbeitssituation das gewünschte Umfeld. Die Sitz-Liegelandschaft lädt zur informellen Kreativmeetings in geistig stimulierender Atmosphäre ein.
  3. Für die Reifungsphase der Ideen ist die visuell und akustisch abgeschirmte Rückzugszone konzipiert: ein vielfältig individualisierbarer, kokonartiger Raum, der durch visuelle und akustische Reize sowie durch Düfte das verknüpfende Denken stimulieren soll. Durch individuell steuerbare Farb- und Lichtverhältnisse, digitale Projektionen, Sauerstoffdusche und spezielle Klimatechnik unterstützt die Rückzugszone auf vielfältige Art die unbewusste Lösungssuche.

[Quelle: Office 21 [303] ]

Das ist größtenteils noch Zukunftsmusik. Heutzutage streitet man sich noch immer über die Vor- und Nachteile der Zellen- oder Großraumbüros. Bewertet werden:

  • Flexibilität
  • Möglichkeiten der Kommunikation
  • Möglichkeit für konzentriertes Arbeiten
  • Unterstützung der Teamarbeit
  • Möglichkeit für individuelle Arbeitsplatzgestaltung
  • Transparenz
  • Geräuschpegel
  • Klima
  • Anteil der Flurflächen
  • Länge der Wege
  • Flächenbedarf im Verhältnis zur Arbeitsplatzanzahl
  • Aufwand bei Umbauten

In der Praxis sucht man nach Lösungen, die möglichst viele Vorteile kombinieren. Das Stichwort dafür sind Kombibüros. Einige Unternehmen gehen dazu über, ihre Mitarbeiter in die Gestaltung der Büroräume einzubeziehen.

Großraumbüro bei Oracle in Düsseldorf

[Quelle: DYCKERS & Friends, Büroeinrichtungssysteme GmbH [304] ]

Das „Pfalz-Modell“: Wanderarbeiter

Wie die Kaiser und Könige im Mittelalter keinen festen Herschersitze hatten und von Pfalz zu Pfalz zogen, so haben auch viele Unternehmensberater keinen festen Arbeitsplatz mehr. Denn neben den klassischen Büroraumarten (Einzelbüro, Gruppenbüro, Kombi-Büro, Großraumbüro) erlangt das „Desk Sharing“, das Teilen eines Schreibtisches oder eines Arbeitsplatzes, eine immer größere Bedeutung.

Das hat zweierlei Gründe: Zum einen haben sich in einigen Branchen die Arbeits- und Organisationsformen gewandelt; die Mitarbeiter sind viel unterwegs oder arbeiten zuhause. Zum anderen wollen Unternehmen Bau- und Bewirtschaftungskosten einsparen.

Die Beschäftigten ziehen mit den notwendigen Arbeitsmitteln jeweils an einen freien Arbeitsplatz, der ihnen morgens am Empfang zugewiesen wird. So kann jeder Beschäftigte immer genau dort arbeiten, wo er gebraucht wird (zum Beispiel bei seinem Projektteam) und wo er am effizientesten arbeiten kann. Die Merkmale des Desk Sharing sind:

  • Weniger Arbeitsplätze erforderlich als Mitarbeiter beschäftigt werden.
  • Die Beschäftigten besitzen keinen dauerhaft zugewiesenen Arbeitsplatz.
  • Hochwertige Möbel und Möbelsysteme sind erforderlich.
  • Raum- und Arbeitsplatzangebote für unterschiedliche Anforderungen (abgeschirmte Einzelarbeitsplätze, Teamarbeitsbereiche, Denker-Bereiche, Begegnungsbereiche) müssen bereitgestellt werden.
  • Bereitstellung einer hochentwickelten IT-Infrastruktur mit Client-Server-Technologie und mobilen Endgeräten.
  • Offene, transparente Raumstrukturen sind zu empfehlen, da sie die Kommunikation fördern.
  • Hoher Entwicklungsstand im elektronischen Dokumentenmanagement.
  • Größeres Angebot an Besprechungsflächen und Orten der informellen Kommunikation.

[Quelle:Reosteam [305] ]

„Doch Desk Sharing kann auch Probleme mit sich bringen, die man vor der Einführung dieses Konzeptes mit ins Kalkül einbeziehen sollte. So müssen die Beschäftigten Abschied nehmen vom Büro mit persönlichem Schreibtisch und persönlichen Accessoires, was erhebliche Widerstände bei den Beschäftigten hervorrufen kann“, weiß der Desk Sharing Experte Ralf Neuhaus vom Institut für angewandte Arbeitswissenschaft in Köln.

Studie: das attraktive Büro

Bei Ihrer Forschung zum Büro der Zukunft haben die Fraunhofer-Mitarbeiter eine empirische Studie durchgeführt zu der Frage: Wie sehen attraktive Büros aus?

Aus Sicht der Mitarbeiter, ist es wichtig ein Ambiente zu schaffen, das eine bewusste Gestaltung erkennen lässt. Sie soll einen hochwertigen, repräsentativen und gepflegten Eindruck vermitteln. Hierzu tragen vor allem der durchdachte Einsatz von Materialien und Oberflächen bei:

  • Mut zu Farbeinsatz und Vielfarbigkeit,
  • Verwendung eher warmer Farbtöne und Materialien,
  • Einsatz von Glas, Holz und Textilien (nicht nur als Bodenbelag, sondern auch an vertikalen Flächen),
  • attraktive, funktionale und ergonomisch hochwertige Möblierung,
  • Verzicht auf (billig wirkende) Kunststoffe.

[Quelle: Fraunhofer IAO [306] ]

Stichwort

Feng Shui spielt inzwischen nicht nur in Asien eine große Rolle, wenn es um die Gestaltung von Gebäuden und Geschäftsräumen geht. Es hat seinen Ursprung in China, und ist eine über 3500 Jahre alte Wissenschaft die sich mit den Einflüssen von Natur und Umwelt auf den Menschen und sein Verhalten beschäftigt. Auch hierzulande achten Unternehmen auf die „vitalenergetische Farbgebung für erhöhte Kreativität und Intuition, sowie dynamische Anordnung der Arbeitsplätze gemäß dem Energiefluss.“

Der europäische Büromöbelverband „femb“ (fédération européenne du mobilier) vergibt jedes Jahr den Preis „Office of the Year“ für besonders gelungene Büro- und Gebäude-Gestaltung. 2003 haben die Hamburger Architekten Jens Bothe, Klaus Richter und Hadi Teherani für das Objekt Bürohaus Deichtor gewonnen. Sie erhielten den 1. Preis vor allem für die hohe Qualität des nutzerorientierten Gestaltungs- und Planungskonzeptes. Die Jury stellt unter anderem fest:

„Das Bürohaus Deichtor beeindruckt durch eine großzügige, höchst ästhetische und zugleich bauphysikalisch wie energetisch äußerst innovative Auffassung und Gestaltung eines Bürogebäudes.“

Der gläserne Baukörper ist als Haus im Haus konzipiert. Er schafft durch die Einbeziehung mehrerer Wintergärten, großräumiger Atrienlufträume und ausgedehnter Eingangshallen eine neue Qualität für das Arbeits-Klima aus Kommunikation und Entspannung. Hier wird das Büro zum Lebensraum, weil mobile Arbeitsplätze ohne trennende Wände sowie helle Wintergärten, in denen Strandkörbe zu kreativem Gedankenaustausch oder zum Relaxen einladen. Sie sorgen für ein harmonisches Gleichgewicht zwischen Bürobereich und humaner Umgebung.

Schließlich lobt die Jury auch die Einrichtung. Mobile ergonomische Arbeitsplätze in Form von „All-in-one-Büromobilen“ ermöglichen optimales Desk Sharing. Der Verlust von Privatheit beim „normalen“ Desk Sharing wird abgemildert, durch ein aus verschiedenen Modulen bestehendes Stuhlsystem. Es trägt zum individualisierbaren Arbeitsplatz bei.

[Quelle: Büro-Forum [307] ]

Kein Zweifel: Wer die modernen Büro-Konzepte sieht spürt, dass Arbeiten und Leben kein Wiederspruch sein muss. Nun kommt es vor allem auf Überzeugungsarbeit der Personaler und Bürogestalter an. In den Zeiten des Kostensparens müssen sie nachweisen, dass sich die höheren Investitionen in ein förderliches Arbeitsumfeld für das Unternehmen lohnen.

Checkliste

Anforderungen der Bildschirmarbeitsverordnung zu Bildschirm, Tastatur, Tisch, Stuhl, Umgebung etc.

Links zum Thema

Portale und Webguides

Büro Forum [308]

http://www.office-work.net [309]

http://www.femb.org [310]

Büro-Raumtypen und Gestaltungsrichtlinien

http://changex.de/d_a00724.html [311]

Informationsseite zur ergonomisch richtigen Beleuchtung am Arbeitsplatz

http://www.lightingdeluxe.de/arbeitsplatz-beleuchtung-ergonomie.html [312]

Zum Desk Sharing

http://www.ifaa-koeln.de/site/... [313]

Die Fachmesse für Planung, Einrichtung und Management von „Business-Welten“

http://www.orgatec.de [314]

[JF | TL | Bilder: PhotoCase.de & Quellen]

Professionell: Richtig Telefonieren Kunden und Geschäftspartnern

Vielen Unternehmen würde es gut tun, ihre Strategien für den Vertrieb und Verkauf zu überdenken. Sicher, Serien-E-Mails und Serien-Faxe sind eine scheinbar kostengünstige und wenig zeitaufwändige Möglichkeit des Kundenkontaktes. Doch welcher kompetente, seriöse Geschäftskunde liest heute noch mit Interesse Massenmailings?! Kaum einer. Kunden fühlen sich oft durch solche anonym gehaltenen Schreiben belästigt und reagieren ablehnend. Der Kosten- und Zeitaufwand sollte daher stärker im Verhältnis zum Nutzen bewertet werden. Nur Mailings, die individuell und attraktiv gestaltet sind sowie dem Kunden nachhaltig und positiv im Kopf bleiben, wirken unterstützend in Bezug auf Image, Glaubwürdigkeit und Bekanntheit.

Den direktesten und schnellsten Kontakt bietet eine kundenorientierte und professionelle Kundenansprache am Telefon. Findet der telefonische Kontakt darüber hinaus aufgrund einer Empfehlung statt, ist der Erfolg fast schon vorprogrammiert. Insgesamt hat die telefonische Ansprache den Vorteil, dass sie es dem Vertriebsmitarbeiter ermöglicht, auf sein Gegenüber einzugehen, seine Wünsche zu erfahren, seine Einwände zu entkräften und ihm entweder am Telefon die Lösung zu bieten oder einen qualifizierten Termin zu vereinbaren.

Wohlgefühl steigert Effizienz

Ist erst einmal das Telefon als wichtiger Erfolgsfaktor erkannt, gilt es, dem Telefonumfeld die gebührende Aufmerksamkeit zu zollen. Das ist hierzulande wenig üblich, während beispielsweise in Asien Räume als lebende „Energiefelder“ gesehen werden. Während Japaner Feng Shui-Experten befragen, wenn sie Geschäftshäuser planen, werden in Deutschland solche Themen gerne belächelt. Zu Unrecht, denn Wohlgefühl steigert unsere Effizienz und damit den Erfolg. Um den Wohlfühlfaktor am Telefon-Arbeitsplatz zu optimieren, ist die Erfüllung ergonomischer Normen zu wenig. Erreicht werden sollten Harmonie, Ruhe und das Gefühl von Sicherheit. Alles dies fördert Leistung, Motivation und Kreativität, erhöht die Freude an der Arbeit und steigert den Erfolg.

Telefon-Profis stellen Ihren Schreibtisch mit genügend Abstand zu den Schreibtischen der Kollegen auf. Sie achten auf ein ruhiges Umfeld, um konzentriertes Arbeiten zu ermöglichen. Der Arbeitsplatz ist überschaubar, aufgeräumt und wirkt motivierend. Eine frische Blume oder ein Bild befinden sich in Sichtweite (nicht in Reichweite, was eher störend wirken würde). Ausreichend Frischluft und genügend Grünpflanzen sorgen für ein gutes Raumklima.

Telefoniert wird idealerweise mit Headset. Der Computer-Monitor steht so, dass er während des Telefonats leicht einsehbar ist. Die Tastatur ist so ausgerichtet, dass Sprechen und Schreiben gleichzeitig möglich sind. Ein Blatt Papier, ein Stift und ein Block mit haftenden Notizzetteln liegen immer bereit, auch wenn die Kommunikation mit Kollegen und Kunden weitgehend elektronisch abläuft.

Aktuelle Kundendaten und Kundenhistorie sind per PC abrufbar und die Kundendatenbank ermöglicht eine elektronische Wiedervorlage. Gesprächsnotizen werden bereits während des Gesprächs in der Datenbank erfasst. Für Angebote und für den Versand von Informationsmaterial bestehen entsprechend der Kunden-CI Dokumentvorlagen, die sowohl Textbausteine enthalten als auch durch individuelle Texte ergänzt werden können. Angebote und sonstige Korrespondenz werden dem Kunden so geschickt, wie er sie am liebsten liest (per Mail, Fax oder Brief).

Basis-Techniken trainieren

Natürlich ist ein optimal gestalteter Telefon-Arbeitsplatz noch kein Garant für erfolgreiches Telefonieren. In vielen Unternehmen fehlt es den Mitarbeitern selbst an den Basis-Techniken des effizienten Telefonierens. Um einmal eine Analogie zum Theater aufzugreifen: Die Verkäufer agieren hier wie Amateurschauspieler auf einer Provinzbühne, obwohl ein professionelles Ensemble gefragt ist. Viele Entscheider bei potenziellen Kunden empfinden daher den Telefonverkauf zu Recht als Belästigung.

Was sich dagegen tun lässt? Unternehmen sollten sich von der Vorstellung verabschieden, gekonntes Telefonieren sei ein Geschenk des Himmels - und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter trainieren lassen, um die fehlende Professionalität zu erreichen. Als sehr Erfolg versprechend hat sich eine Kombination von Theorie, praktischen Übungen und „Training-on-the-job“ erwiesen. Ebenso sinnvoll ist ein „Follow-Up-Training-on-the-job“, dessen Module auf Verkaufs- und Marketingaktionen abgestimmt werden.

Beim Telefontraining geht es unter anderem um Fragetechniken und intelligente Einwandbehandlung, das aktive Zuhören und die Gesprächslenkung, den Umgang mit unterschiedlichen Gesprächstypen und die Fähigkeit, sich auf das Gegenüber einzustellen. Ganz besonders wichtig sind ein geschickter Einstieg sowie die deutliche Herausarbeitung des Nutzens für den Kunden. Den größten Erfolg bringen Gespräche, die neben der Lieferung von Fakten das Gegenüber auch auf der Beziehungsebene ansprechen, denn die meisten Entscheidungen sind „bauchgesteuert“.

Diese große Bedeutung der Emotionen ist einer der wichtigsten Gründe für die immense Wertschätzung des Telefons. Weil Informationen über Produkte und Dienstleistungen heute leichter abrufbar sind als früher, verlangt der Kunde nach Zusatznutzen. Vor allem legt er Wert auf persönliche sowie gleichzeitig zeiteffiziente Beratung. Am Telefon ist das in idealer Weise zu verwirklichen. Über das Internet kann zwar die nackte Information schneller eingeholt werden, doch sobald es um individuelle Fragen oder spezielle Konditionen geht, ist nach wie vor der Mensch gefragt. Kommunikation funktioniert einfach am besten von Mensch zu Mensch – eine Erfahrung, die sehr für das Telefon spricht.

Erfolgsstrategie Zeit sparen

Ein geschulter Vertriebsmitarbeiter oder Telefonverkäufer erkennt beispielsweise die Stimmung seines Gegenübers. Geht er dann auf diese ein, erhöht das die Abschlusswahrscheinlichkeit oft entscheidend. Ein weiterer Vorteil des Telefons ist die prinzipiell ständige Erreichbarkeit des Verkäufers. Sie spart Zeit und damit ein Gut, von dem fast alle Kunden – ebenso wie die Verkäufer – zuwenig haben. Wertvolle Minuten sparen lassen sich natürlich auch durch eine effiziente Kommunikation, die eine zielführende schriftliche Vorbereitung und eine mentale Einstimmung erfordert.

Besondere Aufmerksamkeit verdient unsere Sprache. Komplizierte Sätze sind zu vermeiden, Fremdwörter sollten ebenso tabu sein wie ungewohnte Eindeutschungen. Maßstab bei Wortwahl und Satzbau ist die leichte Verständlichkeit. Fragen versteht das Gegenüber am schnellsten, wenn sie präzise und voneinander getrennt formuliert werden. In Telefontrainings wird die telefonische Sprache anhand von Praxisbeispielen aus dem Berufsalltag der Teilnehmer trainiert.

Das gilt auch für die angepasste Reaktion auf schwierige Gesprächspartner wie Schwätzer oder Choleriker: Sollen Zeitverluste minimiert werden, erfordert jeder dieser Typen eine andere Art der Gesprächsführung. Bei einem aggressiven Gegenüber macht es zum Beispiel wenig Sinn, in ähnlich scharfer Form zu antworten. Viel Erfolg versprechender ist es, Einwänden mit Lob zu begegnen und so das Selbstwertgefühl des Gesprächspartners zu stärken.

Nach dem Verkauf ist vor dem Verkauf

Und nach dem Abschluss? Das heißt für viele, den Telefonhörer weg zu legen und das Gespräch zu vergessen. Eine keinesfalls ideale Lösung. Viel besser: eine professionelle Nachbereitung, denn nach dem Verkauf ist immer auch vor dem Verkauf. Ob nun ein Direktabschluss erzielt wurde oder der Verkäufer einen Termin vereinbaren konnte, schriftliche Notizen sind definitiv erforderlich. Natürlich sollten sie systematisch sowie jederzeit abrufbar gestaltet werden, damit der Verkäufer bei einem Folgeanruf des Kunden sofort im Bilde ist.

Inhaltlich empfiehlt es sich, die wesentlichen Ergebnisse des Gesprächs zu „archivieren“. Welche Lieferzeiten wurden vereinbart und welche Terminabsprachen getroffen? Wünscht der Kunde die Auftragsbestätigung per Post, Fax, E-Mail oder auf einem anderen Wege? Welche Zahlungskonditionen wurden festgelegt? Bei einer Terminvereinbarung werden Ort, Datum, Uhrzeit und Zeitdauer festgehalten. Außerdem wichtig sind alle teilnehmenden Gesprächspartner, deren Positionen sowie die Entscheidungsprozesse im Unternehmen.

Zu beachten: Termine sind erst wertvoll, wenn sie qualifiziert sind. Das heißt, der Vertriebsmitarbeiter analysiert Wünsche, offenen und verdeckten Bedarf, Umfeld und Gegebenheiten des Kunden und weckt Interesse. Auch wertvolle Hintergrundinformationen, beispielsweise zur Budgetplanung, lassen sich dem Gesprächspartner so entlocken.

Wichtig ist es, dabei dem Kunden das Gefühl zu geben, als Mensch im Mittelpunkt zu stehen. Das schafft natürlich nur, wer mit ehrlichem Interesse seine Kunden anspricht. Verkäufer, die freundschaftliche Kundenbeziehungen knüpfen und pflegen, sind von ihren Kunden begeistert und begeistern diese.

Hinweis

Bücher mit mehr Know-how von Claudia Fischer:

Claudia Fischer: Telefonsales [315] , Reihe book@web, Gabal, Offenbach 2003, EUR 15,90

Claudia Fischer: Telefonpower [316] , Reihe book@web, Gabal, Offenbach 2002, EUR 15,90

Lösungswege: Wissensmanagement im Prozess der Produktentstehung

Der Produktentstehungsprozess (PEP)

In vielen Unternehmen gibt es standardisierte Produktentstehungsprozesse, auf deren Grundlage neue Produkte generiert, gefertigt und auf den Markt gebracht werden. Den Beschreibungen dieser Prozesse liegen verschiedene Entwicklungen und Überlegungen zugrunde:

  • Produktentstehungsprozesse wurden häufig im Zuge von Simultaneous und Concurrent Engineering als Weiterentwicklung der Produktentwicklung definiert. So sollte deutlich gemacht werden, dass an diesem Prozess neben der Technischen Entwicklung auch viele andere Fachfunktionen wie Produktion, Controlling, Qualität, Vertrieb/Marketing, Logistik, Einkauf etc. beteiligt sind. Sie sind also ein abteilungsübergreifendes Modell zur Verständigung, wer in diesem Prozess welche Aufgaben hat und welche Rolle spielt.
  • In Unternehmen, in denen wiederholt vergleichbare Produkte entwickelt werden (und das ist heute die Regel), dient die übergreifende Beschreibung von Produktentstehungsprozessen auch zur Vereinfachung und Vereinheitlichung der Planung und Abwicklung dieser Projekte: Für einzelne Projekte kann auf strukturierte Unterlagen zurückgegriffen werden, Auftraggeber und das Management können sich in einem aktuellen Projekt eher orientieren – und z.B. Meilensteine abprüfen –, wenn sie schon Vorläuferprojekte kennen.
  • So wird ein PEP auch mehr als eine Planung, wie sich ein Projekt entwickeln soll. Er ist gleichzeitig ein Standard, dessen Erfüllung überprüft und eingefordert werden kann und an dem die Qualität und der Erfolg eines Projekts gemessen werden.

Hinweis

Die Expertengespräche

Fachleute für Prozessgestaltung und Praktiker aus verschiedenen Unternehmen und Funktionsbereichen sind in bislang zwei Gesprächskreisen in den Räumen der GITTA mbH in Berlin zusammengekommen. Ziel war ein Abgleich von Erfahrungen und eine Verständigung über sinnvolle Modellbildungen. Es wurden verschiedene Inputs der Beteiligten diskutiert, u.a. wurden vorgestellt: ein von der Pro F&E GmbH entwickelter Navigator durch den Produktentstehungsprozess (PEP), ein Navigator durch den PEP der Volkswagen AG und von der GITTA mbH ein partizipatives Vorgehen zur Einführung von Projektmanagement-Standards in der Produktentstehung.

In den Diskussionen wurden verschiedene strukturelle Probleme der PEP’s und offene Fragen aus der augenblicklichen Unternehmenspraxis bearbeitet. Ergebnisse dieser Diskussionen, die sehr offen, konstruktiv und kreativ geführt wurden, sind hier in Thesenform zusammengefasst. Sie sind thematisch gegliedert in die Blickwinkel

1. Technik und Steuerung

2. Kultur und Organisation

3. Wissensmanagement und -transfer

Die Gespräche werden fortgesetzt.

1. Der PEP unter dem Blickwinkel Technik und Steuerung

Prozessorientierung: Die verfügbaren Modelle des Produktentstehungsprozess (PEP) benutzen als Darstellungsform in der Regel den Ablaufplan. Dies legt die Illusion nahe, der PEP könne im klassischen Sinne der Steuerung als Bahnkurve „abgefahren“ werden, als wären bei genügend Können und gutem Willen der Beteiligten alle Punkte direkt erreichbar. In der Praxis handelt es sich aber – im Sinne der Regeltechnik – um eine Regelung: Es ist ein ständiger SOLL-IST-Vergleich mit allfälligen Korrekturen erforderlich. Damit bleibt auch Risikomanagement eine ständige Aufgabe.

Mit der Darstellung des PEP als Balkenplan werden Dauer und Zeitpunkt der einzelnen Aufgaben deutlich gemacht. Abhängigkeiten zwischen den Aufgaben sind dabei kaum zu erkennen, die erforderlichen Regelungsschleifen noch weniger. Offen bleibt, wie Änderungen von Anforderungen und Randbedingungen kontinuierlich berücksichtigt werden können:

  • Wie werden die Regelkreise zwischen den Balken sichtbar, wie werden sie gestaltet?
  • Wie geht das Wissen über Prozess-Schleifen ein?
  • Wie weit werden Ergebnisse der frühen Phasen in den späteren berücksichtigt?
  • Wie funktioniert das Anforderungs-, Dokumenten- und Änderungsmanagement in der frühen und der späten Phase des Produktentstehungsprozesses?

PEP-Steuerung über Ziele: Eine Gefahr eines „von oben verordneten“ PEP liegt darin, dass die undifferenzierte Orientierung an der Vorgehensweise zu viel Lösungsenergie absorbiert, weil immer wieder Vorgaben nur formal abgearbeitet werden. So wird in der Praxis mittlerweile häufig Unmut über „die neue PEP-Bürokratie“ geäußert. Wichtig ist deshalb:

  • Eine gemeinsame Orientierung nicht über eine Vorgehensweise, sondern über Ziele;
  • Ein Erkennen der Bedeutung der Unterziele für das Gesamtziel. Diese sind - als kontinuierlicher Prozess! – immer wieder deutlich zu machen.

In der Praxis steht dem häufig entgegen, dass individuelle Ziele und Bereichsziele schwerer wiegen als die Gesamtziele. Dies macht es unerlässlich, die Gesamtziele und die Anforderungen der Leitung als Teile des Requirement-Engineering zu betrachten und entsprechend zu verfolgen.

Das Verhältnis von PEP und Realstart eines Projektes: In der Regel setzt der PEP einen definierten Ausgangszustand voraus, der jedoch bei realen Projekten aus unterschiedlichen Gründen häufig nicht vorhanden ist: Bei marktorientierten Projekten – z.B. von Automobilherstellern oder bei Druckmaschinen – ist die Phase vor einer endgültigen Festlegung auf ein bestimmtes Produkt oft unklar; bei kundenorientierten Projekten – z.B. bei Kfz-Zulieferern und im Anlagenbau – ist der Projektstand bei Auftragserteilung nicht zuverlässig vorab zu definieren.

Unterscheidbar sind in der Regel im PEP:

  • Die „Produktdefinitions“-Phase: Anforderungsmanagement / Systemanalyse / Prototyping / Bewerten u. Auswählen des Systemkonzepts und der Konzepte für wichtige Subsysteme und Komponenten
  • Die “Produktentwicklungs“-Phase: Ausarbeitung produkttauglicher Lösungen für Mechanik-, Elektronik- und Software-Komponenten / Integrationstest / Systemtest.

In der Praxis werden „Definitions“-Phasen oft verlängert, die „Entwicklungs“-Phasen des Produktes scheinbar (auch aus mikro- bzw. unternehmenspolitischen Gründen) verkürzt. Ursache hierfür ist ein unzureichend ausgearbeiteter bzw. ungeklärter Stand der Produktdefinition zum „offiziellen“ Start der Entwicklung des Produktes.

In den oftmals wenig oder gar nicht beschriebenen Phasen der „Produktdefinition“ wird viel festgelegt, das in der eigentlichen „Produktentwicklungs“-Phase kaum noch zu ändern ist, d.h. wichtige Festlegungen werden „freihändig“ getroffen, ohne ausreichenden Bezug zum Markt oder zum Kunden bzw. ohne ausreichenden Nachweis von Wirtschaftlichkeit, Machbarkeit und Produkttauglichkeit der Produktidee.

Eine kürzlich erschienene Untersuchung zeigt, dass in nur diffus geduldete oder gar ausdrücklich nicht genehmigte Entwicklungen (die so genannten “Bootlegging-Projekte“) ein enormes (nicht genutztes?) kreatives Potential einfließt, das für ein gutes Produkt entscheidend sein kann. Gleichzeitig wird damit jedes Controlling ausgehebelt. Die Schnittstelle zwischen einem „statischen“ Plan und dem dynamischen realen Prozess muss also immer wieder bewusst gestaltet werden. Erforderlich dafür sind u.a.:

  • Produktdefinition als iterativen Wissensmanagement Prozess (iterativen Erkenntnisgewinn) für das interdisziplinäre Projektteam beschreiben, schulen, leben (und coachen)
  • alle Prozessbeteiligte (Fachabteilungen, wichtige Kunden, Lieferanten und Kooperationspartner) in das Anforderungsmanagement einbinden
  • Risikomanagement bereits im Rahmen der Produktdefinition praktizieren
  • die Definition eines neuen Produktes von Beginn an als Projekt betreiben etc.

Ein weiteres Problem ist, dass häufig die Mitarbeiter im Projektteam in der späten Phasen andere sind als in der frühen „Produktdefinitions“-Phasen. Oft gehörter Kommentar ist dann “Ich werde immer zu spät gefragt“ mit der Konsequenz, dass Änderungen z. T. sehr spät einfließen, was häufig enorme Kosten verursacht.

Deshalb sind Erfahrungsträger der späten Phasen (Produktbetreuung, Service etc.) bewusst in das Anforderungsmanagement der Produktdefinition von Anfang an einzubinden (siehe auch den Abschnitt zu Wissensmanagement).

Innovationsmanagement im PEP: Eine z.Zt. offene Frage ist die Berücksichtigung und Abstimmung (in Sinne der Synchronisation der Phasen) des Innovationsmanagements bei Produkten bestehend aus Mechanik-, Elektronik- und Software-Komponenten: Inwieweit ist der PEP als Innovationsprozess z.B. für Blechteile u.ä. von Bedeutung? Elektronik und Software haben andere Entwicklungszyklen und Bauzeiten! Kann z.B. im Automobilbau der Achstyp lange vor Produktionsstart festgelegt werden (und muss es auch, angesichts des langen Vorlaufs mit Werkzeugbau und Testläufen), gilt dies für die Elektronikausstattung angesichts schneller Innovationszyklen nicht. Es sind also bewusst Möglichkeiten zu schaffen, Innovationen kurzfristig einzusteuern.

2. Der PEP unter dem Blickwinkel Kultur und Organisation

Immer wiederkehrende Diagnose ist, dass der PEP den Projektmitarbeitern nicht vor Augen ist. Deutlich ist auch, dass ein PEP ohne Kulturveränderung nicht wirksam ist und sein kann. Dies gilt für besonders für die bereichsübergreifende Zusammenarbeit: Solange jeder nur seine Aufgaben und Ziele vor Augen hat, blockieren sich die Eigenlogiken der beteiligten Bereiche. Damit wird der Umgang mit bzw. das Überwinden von Unterschieden in der Organisation eine wichtige Qualifikation.

Verhältnis von Linie und Projekt: Die strukturellen Probleme der Matrixorganisation sind bekannt: Die doppelte Zugehörigkeit zur Linienorganisation und zum Projekt stellt die jeweiligen Mitarbeiter immer in ein Spannungsfeld. Besonders hinderlich im Alltag ist dabei, dass

  • in vielen Fällen die Befugnisse des Projektleiters gegenüber der Linie nicht ausreichend sind;
  • in der Matrixorganisation die Linienfunktion die Güte („fachliche Weisheit“) und die Einheitlichkeit der Lösungen sichern soll, was von der „Projektwelt“ jedoch häufig wenig Wertschätzung erfährt.

Diese Spannungen lassen sich nicht aufheben. Sie lassen sich aber leichter handhaben durch Transparenz und Durchlässigkeit: Die Linie muss als Teil des Projekts verstanden werden, Erfolge eines Projekts immer auch als Erfolge der Linie gesehen und kommuniziert werden.

Handlungsfelder bei der Etablierung eines PEP

  • Etablierung von Projektmanagement (wobei die Behauptung - nach innen wie nach außen -, bereits gutes Projektmanagement zu praktizieren, die Einführung von gutem Projektmanagement eher behindert, weil Schwächen dann nicht deutlich ausgesprochen werden dürfen)
  • Eine Klärung und Vergemeinschaftung des PEP zwischen allen Beteiligten
  • Etablierung der Rolle des internen Auftraggebers: Wer ist für Präsentationen, Entscheidungen und abschließende Bewertung das Gegenüber des Projektleiters und -teams?
  • Autorität des Projektleiters: Woher kommt sie, worauf stützt sie sich?
  • Klärungen im jeweiligen Projektteam
  • Schulung für PEP und Projektmanagement

„Kultur ist das, was sich bewährt hat“

Kulturveränderungen – d.h. unter anderem Änderungen in den Kommunikationswegen und –formen, in der Gewichtung von Linien- und Projektanforderungen, in der Ergebnisorientierung und der Übernahme von Verantwortung – sind zum Wirksamwerden eines PEP nötig. Gleichzeitig sind sie aber schwierig zu erreichen: Dies liegt nicht nur daran, dass etablierte Kulturen per se ein großes Beharrungsvermögen haben. Entscheidend ist, dass Kultur auch als Set von Strategien und Verhaltensweisen verstanden werden kann, die sich im Kontext der jeweiligen Organisation bewährt haben und somit für viele der Beteiligten hilfreich sind und von ihnen erfolgreich eingesetzt werden (was nicht ausschließt, dass die Beteiligten nicht auch darunter leiden). Entscheidend für eine Kulturveränderung ist deshalb die Frage, ob es gelingt, Erfahrungen eines „anders funktionieren“ zu organisieren.

Arbeitsebene und Management: Wichtiger Aspekt einer Kulturveränderung ist die Einbeziehung nicht nur der unterschiedlichen Fachfunktionen, sondern auch aller Hierarchiestufen. Dafür sind zwei Fragestellungen unerlässlich:

  • „Hilft der PEP dem Projektleiter/dem Team?“ und:
  • „Hilft er dem Management?“

Wenn es nur einen „PEP für das Fußvolk“ gibt, der für das Top Management keine Verbindlichkeit hat, dann kann der PEP nicht funktionieren. Gleichzeitig ist die mangelnde Einbindung des Managements (für das häufig unternehmensstrategische und mikropolitische Fragen im Vordergrund stehen) eine potentielle Schwachstelle vieler PEP’s.

Wege zur Kulturveränderung: Als vielversprechender und erfolgreich angewendeter Ansatz wurde Whole-Scale-Change vorgestellt. Die Anwendung dieser Methode bei der Einführung von Projektmanagement-Standards ist in untenstehender Grafik zusammengefasst:

Vorgehen bei der Einführung von Projektmanagement-Standards

3. Der PEP unter dem Blickwinkel von Wissensmanagement und -transfer

Hierbei geht es vor allem um die Frage, wie es möglich ist, das implizite Wissen der Mitarbeiter aufzunehmen und dem Prozess zur Verfügung zu stellen. Ziel ist es, die Qualität des Inputs in den PEP zu verbessern. Dem PEP ist zu entnehmen, was der Mitarbeiter abliefern soll, aber nicht, wie er es tun soll, und auch nicht, wozu es gebraucht wird. Die Antwort auf die Frage „Wie mache ich es?“ lässt sich jedoch nicht sinnvoll beschreiben! Es gibt nur die Wahl zwischen umfassenden Texten mit allen relevanten Informationen (die zu schreiben oder zu lesen niemand die Zeit hat) und nutzloser Verknappung.

Ein gangbarer Weg, Projektwissen zu dokumentieren, ist demgegenüber ein „Vorstellen der Köpfe“, d.h. eine interne Benennung von Erfahrungsträgern, die in Vorgängerprojekten erfolgreich gearbeitet haben, als Ansprechpartner.

Herangehensweisen beim Problemlösen: Hilfreich zum Verständnis der Erfordernisse auf der Ebene der einzelnen Mitarbeiter sind die Ergebnisse einer Untersuchung, die bei Versuchspersonen vier Herangehensweisen an neuartige Probleme unterscheiden konnte:

  • hierarchisch-prozessorientiert (das komplette System zuerst auf der höchsten Abstraktionsstufe angehen, dann schrittweise konkreter werden / die Personen schalten zumindest Risiken aus) --
  • irgendwie probieren -
  • hierarchisch-objektorientiert (in Teilsysteme zerlegen, diese der Reihe nach abarbeiten) +
  • opportunistisch-assoziativ (Salopp ausgedrückt: Die Personen machen nicht, was sie sollen, sondern was sie können) von ++ bis --, im Schnitt am besten

(Durchschnittliche Ergebnisqualität der Lösungen, die mit diesen Herangehensweisen erzeugt wurden: ++, +, -, --)

Wichtig: Für alle Personen war die subjektive Handlungssicherheit entscheidend: „Was passt zu mir?“

Prinzip: kognitive Ökonomie, d.h. zu versuchen, nicht mehr Denkarbeit als unbedingt nötig zu leisten. Insbesondere bedeutete es in der Regel, dass sich die Personen mit der ersten brauchbaren Lösung zufrieden gaben und nicht versuchten, eine optimale Lösung zu erreichen.

Ziel muss es sein, angesichts dieser Unterschiede die Schnittstellen zwischen dem individuellen Arbeiten und der übergreifenden Struktur zu organisieren. Mögliche Wege dazu:

  • Die Angebote des Wissensmanagements können und sollen durchaus auf unterschiedlichen Ebenen liegen, um zu den Herangehensweisen der Mitarbeiter zu passen.
  • Möglichst viel Wissen sollte bereits bei der laufenden Projektarbeit explizit gemacht und in ohnehin erforderlichen Dokumenten festgehalten werden. Diese (kontextgebundenen) Dokumente erleichtern nachfolgenden Teams die Einarbeitung
  • Hierbei bildet die Verknüpfung von Prozessmanagement, Wissensmanagement und IT die Basis für ein effizientes Projektmanagement.

Die Teilnehmer der Gespräche kamen aus fünf führenden deutschen Unternehmen der Metall- und Elektrobranche, aus den Dienstleistungsfirmen ConSense GmbH, GITTA mbH, Pro F&E GmbH sowie von der TU Berlin.

Abgeschaut: Kommunen nutzen für Outsourcing Industrie-Know-how

Gastbeitrag von Horst Dieter Kirchner, Ludwigshafen *

„Von der traditionsreichen Behörde zum modernen Dienstleister" – unter diesem Motto läuft bei der Pfälzischen Pensionsanstalt (ppa) in Bad Dürkheim bereits seit Ende 1998 ein umfassender Restrukturierungsprozess. Gegründet wurde sie im Jahr 1901 als freiwillige Versorgungskasse in der bayerischen Pfalz, die bei Dienstunfähigkeit ebenso einspringen sollte wie im Todesfall für die Hinterbliebenen. Im Laufe der Zeit kamen immer mehr Angebote hinzu – so zum Beispiel Versicherungen, Altersversorgung, Gehaltsabrechnungen und Beihilfeberechnungen.

Heute laufen jährlich rund 800.000 Gehaltsabrechnungen für mehr als 400 Arbeitgeber über die Entgeltberechnung des Dienstleisters. Insbesondere Kommunen, Sparkassen, Krankenhäuser und Non-Profit-Organisationen nutzen das Angebot, das neben der Berechnung und Auszahlung von Bezügen vor allem die Pflege der Stamm- und Basisdaten, die Erfüllung der gesetzlichen Abzugs-, Abführungs- und Nachweispflichten im Bereich von Steuern, Sozial- und Zusatzversicherung sowie die Abwicklung der Jahresabschlussarbeiten beinhaltet. Außerdem übernimmt die ppa den Vollzug der individuellen Inkassoverpflichtungen aus Forderungen, Abtretungen und Pfändungen sowie die gesetzlichen Aufzeichnungspflichten im Rahmen der Grundsätze ordnungsgemäßer Speicherbuchführung.

Full-Service als externes Personalbüro

Dabei wählen die Kunden zwischen drei Grundvarianten, die jeweils individuell variiert und durch zusätzliche Dienstleistungen ergänzt werden können. Zur Dialogverarbeitung beispielsweise stellt die ppa ein komfortables IT-Verfahren auf ihrem Server dem Kunden zur Verfügung, damit dieser die Personalstammdaten direkt eingeben kann. Bei der Belegverarbeitung werden auf der Grundlage der Erfassungsbelege des Kunden alle abrechnungstechnischen Geschäftsvorfälle abgewickelt. Und schließlich bietet die ppa als „externes Personalbüro“ den Auftraggebern einen Full-Service. Mit Beginn des Jahres 2004 wurden zudem die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen, dass die Kommunen und kommunalen Einrichtungen der ppa auch die Festsetzung und Bearbeitung des Kindergelds übertragen können.

Jährlich bearbeitet das Unternehmen nach den jeweils gültigen landesrechtlichen Beihilfevorschriften etwa 50.000 Beihilfeanträge zu Krankheitskosten und Pflegeleistungen für öffentlich Bedienstete und Beihilfeberechtigte im Kirchendienst sowie Versorgungsempfänger. Im Service eingeschlossen ist ein eventuell erforderlicher Schriftwechsel zum Beispiel mit Gesundheitsämtern, Amts- oder Vertrauensärzten. Bei Rechtsstreitigkeiten erhalten die Arbeitgeber Unterstützung bei der Erstellung von Schriftsätzen. Dass sämtliche Anwender über aktuelle Entwicklungen im Beihilferecht unterrichtet werden, gehört zum Selbstverständnis des Dienstleisters.

Strategische Partnerschaft erweitert Angebot

Eine kürzlich vereinbarte Kooperation mit BASF IT Services verfolgt das Ziel, den ppa-Kunden aus dem öffentlichen Bereich – und hier vor allem den Personalämtern der Kommunen – ein neues, attraktives und maßgeschneidertes Dienstleistungspaket anbieten zu können. Neben einer Effizienzsteigerung soll damit vor allem eine neue Qualität im Service erreicht werden. Denn BASF IT Services bringt auf Grund seiner hohen IT- und HR-Kompetenz aus dem industriellen Sektor ideale Voraussetzungen für eine erfolgreiche Partnerschaft mit.

Das Unternehmen der BASF-Gruppe zählt mit über 2.300 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 442 Millionen Euro im Jahr 2003 zu den europaweit führenden IT-Dienstleistern. Gleichzeitig ist BASF IT Services aber auch der größte Outsourcing-Anbieter in Rheinland-Pfalz und viele ppa-Kunden in den Kommunen kennen das Unternehmen aus der Arbeit für die BASF-Gruppe. Seit vielen Jahren leistet es entsprechende Services für die Gesellschaften des Chemiegiganten in Europa und zunehmend auch für externe Kunden. Jeden Monat werden beispielsweise für 100.000 Mitarbeiter und Pensionäre der BASF die Gehalts- und Rentenabrechnungen erstellt.

Der Kooperationsvertrag, der im April dieses Jahres unterzeichnet wurde, ist auf eine Mindestlaufzeit von fünf Jahren ausgelegt. Er sieht vor, dass beide Partner auf Basis moderner Informationstechnologie eine umfassende Lösung für die Abrechnung der Geschäftsprozesse von Kunden im öffentlichen Dienst entwickeln. BASF IT Services stellt dafür das IT-System – bestehend aus einer SAP R/3 Plattform und entsprechenden Rechnerleistungen – bereit, wartet die komplette Anwendung und entwickelt sie gemeinsam mit der ppa weiter. Dabei wird das Know-how der ppa im Bereich der öffentlichen Verwaltung mit den Erfahrungen der Partners bei den IT-gestützten Human Resources Services kombiniert.

Neue Lösung für das Personalwesen im öffentlichen Dienst

Die Entscheidung für SAP R/3 als Basis für die gemeinsame Lösung liegt nicht nur in der Marktführerschaft dieser Standardsoftware begründet, sondern auch in den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten ihrer HR-Module. Und die gehen weit über das Thema Personalabrechnung hinaus. Aber auch die größere Transparenz für die Endkunden, die mit dieser Plattform möglich ist, spielte für die Entscheidung eine wichtige Rolle. So lassen sich damit auch so genannte Employee-Self-Services anbieten, die zu einer spürbaren Entlastung in den Personalabteilungen der Städte und Gemeinden führen. Denn damit können die Mitarbeiter beispielsweise künftig an jedem PC-Arbeitsplatz ihre Stammdaten selbst pflegen oder etwa ihre Urlaubsplanung vornehmen.

BASF IT Services hat bereits zahlreiche zusätzliche attraktive Sonderfunktionen auf Basis der HR-Module von SAP R/3 entwickelt; gemeinsam mit der ppa lassen sich nun noch stärker die Besonderheiten im öffentlichen Dienst – etwa beim Thema Besoldung – berücksichtigen. Die gemeinsame Lösung, die im Laufe des nächsten Jahres zur Verfügung stehen soll und die es in dieser Form bisher noch nicht am Markt gibt, könnte dann auch Kommunen außerhalb von Rheinland-Pfalz oder anderen Körperschaften angeboten werden.

Trend zum Business Process Outsourcing hält an

Während der Beginn der Outsourcing-Geschichte sehr infrastrukturlastig war und vor allem in der Auslagerung von Rechenzentrumsaufgaben bestand, wurden nach und nach auch die Applikationen als externalisierbar betrachtet. Business Process Outsourcing (BPO) stellt nun die ultimative Form der Auslagerung an externe Dienstleister dar, bei der Infrastruktur, Anwendungen und Prozessmanagement miteinander verschmelzen. Denn BPO bedeutet das Auslagern eines kompletten Geschäftsprozesses oder einzelner Teilprozesse und nicht nur des IT-Anteils.

Auf europäischer Ebene spielt vor allem Großbritannien eine deutliche Vorreiterrolle im BPO-Umfeld. Erklären lässt sich dies – so die Analysten des Beratungsunternehmens Pierre Audoin Consultants (PAC) – durch die PFI (Public Financing Initiative). Die britische Regierung lagerte in den vergangenen Jahren auf Grund mangelnder Ressourcen viele Prozesse aus und ließ sie somit von externer Hand modernisieren. Verglichen mit Großbritannien steckt der deutsche BPO-Markt nach den Beobachtungen von PAC noch in den Kinderschuhen. Er ist weitgehend eher auf unkritische Processing-Leistungen beschränkt. Doch auch hier zu Lande beginnen Unternehmen und Behörden zunehmend „kritische“ Geschäftsprozesse (wie z. B. Personalwesen, Buchhaltung) auszulagern.

Die Anwender sind – so PAC – inzwischen „gereift“. Deshalb erwarten die Analysten eine Verdoppelung des deutschen Marktvolumens für BPO – von 1,8 Milliarden Euro in 2004 auf knapp 3,6 Milliarden Euro bis 2008. Dies entspricht einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von ca. 17 Prozent. Die Marktforscher der Gartner Group sind bei ihren Prognosen etwas vorsichtiger und erwarten in diesem Segment für Europa bis zum Jahr 2007 eine durchschnittliche jährliche Steigerungsrate von 6,8 Prozent auf ein Volumen von dann insgesamt 33 Milliarden Euro. Die Bereitschaft für die Auslagerung von transaktionsintensiven Aufgaben wie etwa die Gehaltsabrechnung – so die Analysten – nimmt jedoch weiter rasant zu und wird zunehmend auch auf Unternehmensprozesse wie Personalwesen, Finanzen, Buchhaltung und Beschaffung ausgedehnt. Auch für die öffentliche Verwaltung – so die Gartner Group – ist die komplette Auslagerung solcher Abläufe eine sinnvolle Alternative, um Kosten zu sparen und die Qualität zu verbessern.

Laut der PAC-Studie „Business Process Outsourcing Germany 2004“ erhoffen sich die Kunden vom Business Process Outsourcing vor allem erhebliche Kosteneinsparungen, die je nach Segment zwischen 25 bis 30 Prozent liegen können. Zum anderen werden eine engere Fokussierung auf die Kernkompetenzen sowie die Erhöhung der Flexibilität möglich. Zusätzlich bietet BPO Möglichkeiten zur Risikoverteilung, zur besseren Kostentransparenz und Planbarkeit, zu bilanziellem Engineering und so weiter.

* Horst Dieter Kirchner ist Director Sales bei BASF IT Services in Ludwigshafen

Hinschauen: Effektivität von Wissensmanagement

Gastbeitrag von Jürgen Fleischer und Andreas Stepping, wbk Institut für Produktionstechnik [317] , Universität Karlsruhe.

Jedes Unternehmen nutzt Instrumente des Wissensmanagements - aber nur wenige von ihnen können Aussagen über deren Effektivität machen. Daher musste ein geeignetes Erhebungs- und Auswertungsverfahren zur Schließung dieser Informationslücke entwickelt werden. Das neue dreistufige Verfahren basiert auf fragebogengeführten Interviews mit Abteilungsleitern und Sachbearbeitern aus den Abteilungen Entwicklung, Produktion und Vertrieb. Sie nehmen Stellung zur Nutzung von Methoden und Werkzeugen des Wissensmanagement und bewerten deren Effektivität. Die Ergebnisse werden zu unternehmensspezifischen Diagrammen zusammengefasst, die den Vergleich mit anderen teilnehmenden Unternehmen ermöglichen. Daraus lassen sich Best-Practice-Methoden und -Werkzeuge ableiten.

Den Beitrag können Sie hier herunter laden:

Zwiespältig: Möglichkeiten und Grenzen des Outsourcing

Von Jens Meinhold und Mario Grobla, Siemens Information and Communiciation Networks

Die Geschichte des Outsourcing ist eine Geschichte der Glaubenskriege um Sinn und Unsinn der Auslagerung von Geschäftsprozessen. Vor allem die Frage: „Was muss oder soll ich selber machen und was kann ich einem externen Partner überlassen?" wurde und wird heiß diskutiert. Und während bei vergangenen Outsourcing-Projekten häufig gleich sämtliche Geschäftsprozesse auf den Prüfstand kamen, hat sich mittlerweile die Erkenntnis durchgesetzt, dass das Auslagern betrieblicher Kernprozesse nicht ganz unproblematisch ist. Der Grund: Im Gegensatz zu den Supportprozessen leisten betriebliche Kernprozesse wie Vertrieb, Produktion, Forschung und Entwicklung einen direkten Beitrag zur Wertschöpfung des jeweiligen Unternehmens und sind deswegen nur sehr eingeschränkt outsourcingfähig. Denn mit der Auslagerung an einen externen Dienstleister verliert das auslagernde Unternehmen gleichzeitig die Kontrolle über diese Prozesse. Aus diesem Grund ist man in den letzten Jahren verstärkt dazu übergegangen, nicht mehr komplette Geschäftsprozesse auszulagern, sondern nur noch ganz bestimmte, klar definierte Teilaufgaben wie beispielsweise den Betrieb eines Call Centers oder die Wartung der Informations- und Kommunikationstechnik (I+K). Auf diese Weise behalten die Firmen die Kontrolle über ihre wichtigen Geschäftsprozesse, können gleichzeitig aber massive Kostensenkungen für sich verbuchen.

Doch selbst bei der Auslagerung von Teilaufgaben sollte man sich nicht blindlings ins „Abenteuer Outsourcing“ stürzen, sondern vorher möglichst viele Detailfragen klären, damit das Projekt dann letztendlich auch erfolgreich sein kann. Zu den wichtigsten gehören:

  • Was macht den spezifischen Nutzen der intern geleisteten Supportprozesse derzeit aus?
  • Wie funktionieren Supportprozesse im konkreten Unternehmensumfeld derzeit?
  • Wie können diese Prozesse zukünftig gestaltet werden, ohne das ein Qualitätsverlust eintritt?

Erst wenn diese Fragen hinreichend geklärt sind, ist auch gewährleistet, dass ein Outsourcing-Projekt erfolgreich durchgeführt werden kann und tatsächlich zum gewünschten Erfolg führt.

Beispiel Informations- und Kommunikationstechnik

Betrachtet man die Outsourcing-Projekte der letzten Jahre, dann fällt auf, dass es vor allem die Informations- und Kommunikationstechnologie ist, die von den Unternehmen an einen externen Partner ausgelagert wird. Einen Grund für diese Entwicklung sehen Experten vor allem darin, dass etwa 60 Prozent der Ausgaben beim Betrieb von Informations- und Kommunikationstechnik Personalaufwendungen sind. Vergleicht man diesen Personalkosten-Anteil mit dem in anderen Unternehmensbereichen, so wird schnell klar, dass die Auslagerung hier besonders viel Sinn macht. Allerdings gibt es neben den Personalkosten noch andere Gründe für die prominente Rolle der I+K-Auslagerung.

Moderne Informations- und Kommunikationsinfrastrukturen spielen beispielsweise eine entscheidende Rolle beim Erreichen der strategischen Ziele eines Unternehmens. So wird zum einen das herkömmliche Telefon um PC-gestützte Applikationen wie Computer-Telefon-Integration (CTI) und Unified Messaging Services (UMS) ergänzt. Zum anderen greifen Anwendungen in immer stärkerem Maße technologieübergreifend ineinander. Die Integration dieser Anwendungen erschließt erhebliche Nutzenpotenziale für die Unternehmen. Der Betrieb einer solchen Infrastruktur stellt aber erhöhte Anforderungen an Personal und Technik und gestaltet sich deshalb in vielfacher Hinsicht immer schwieriger und kostenaufwändiger. Die Folge: Seit der „Entdeckung“ der Informationstechnologie als Produktivfaktor wurde erheblich in den Aufbau leistungsfähiger I+K-Infrastrukturen investiert. Auch wenn dieser Trend momentan wieder eher rückläufig ist, beträgt das I+K-Budget eines Unternehmens nach wie vor zwischen drei und fünf Prozent seines Umsatzes. Von den Investitionskosten werden für den laufenden Betrieb der Systeme im Allgemeinen sogar 80 bis 90 Prozent pro Jahr aufgewendet. Für die Zukunft stehen die IT-Verantwortlichen der Firmen deshalb vor der wenig beneidenswerten Aufgabe, einerseits die Betriebskosten drastisch zu senken, andererseits aber Budgets für zukunftssichernde Technologie-Innovationen erschließen zu müssen. Anforderungen, die ohne das Outsourcing bestimmter Bereiche kaum zu erfüllen sind.

Größere Kreditwürdigkeit durch Auslagerung

Ein weiterer Grund der – vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen – für die Auslagerung von Teilprozessen an externe Partner spricht, ist das so genannte Basel-II-Abkommen. Dieses Abkommen verfolgt unter anderem das Ziel, mehr Stabilität im Kreditwesen zu erreichen. In der Praxis bedeutet dies, dass bei der Kreditvergabe zukünftig das Ausfallrisiko eine weitaus größere Rolle als bisher spielen wird. Aus diesem Grund werden Banken bei der Kreditvergabe künftig das Augenmerk vor allem auf die professionelle Führung des Betriebes und auf das betriebswirtschaftliche Know-how legen. Unternehmen, die diesen neuen Ansprüchen bei der Kreditvergabe genügen wollen, sollten nach Einschätzung des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes deswegen intensiv an einer Verbesserung ihrer Bonität arbeiten. Und die ist mit Outsourcing-Projekten am effektivsten zu erreichen.

Trotz aller Vorteile sollten Firmen allerdings nicht den Fehler begehen, Auslagerungs-Projekte als Allheilmittel zur Lösung sämtlicher betrieblicher Probleme anzusehen. Doch gezielt und sinnvoll eingesetzt, können sie einen nachhaltigen Beitrag zur Flexibilität im Unternehmen leisten. Besonders dann, wenn:

  • Die Personalressourcen für den Betrieb der Informations- und Kommunikationstechnik reduziert werden.
  • Durch klare und abrechenbare Servicepakete Kostentransparenz geschaffen wird.
  • Haftungsrisiken an den externen Dienstleister übertragen werden.
  • Die Qualität der I+K-Dienstleistungen verbessert wird, indem Betriebsmethoden, Prozesse und Konzepte der Großunternehmen und die damit verbundene Qualität für den Mittelstand nutzbar gemacht werden können.

Ausgedünnt: Karrierepfade im mittleren Management sind Mangelware

Ein Gastbeitrag von Dr. Ing. Walter Tritt 1, SCWT, Isen

Organisationsentwicklung

Was könnten diese Bildchen zeigen?


Sie stellen symbolisiert die Entwicklung von Organisationen im Laufe der Zeit dar. Der Verlauf der Zeit ist dabei von links nach rechts.

In der oberen Reihe ist die Entwicklung von Firmenstrukturen gezeigt. Diese werden als mit schwarzer Linie umrandete Flächen dargestellt. In den Flächen befinden sich die dort beschäftigen Mitarbeiter. Je höher, von unten nach oben, desto einflussreicher. Wenn Firmen eine gewisse Größe erreicht haben, geben sie sich meist festere Strukturen mit klareren Hierarchien.

Im beginnenden 21. Jahrhundert zeichnen sich neue Entwicklungen bei sehr großen Firmen ab. Oben steigt das Einkommen, der Einfluss, die Macht und die Ferne vom Geschäft in schwindelerregende Höhen. Unten arbeiten meist begeisterte jüngere Mitarbeiter, mit hohem Elan und großem Einsatz und wenig Erfahrung. Das mittlere Management wird ausgedünnt. D.h. aber auch, dass von unten nachwachsende Mitarbeiter selbst wenig Chancen haben, die spätere Ausforstung zu überleben (im Sinne eines andauernden Angestelltendaseins bei dieser Firma) oder sogar bis in Spitzen aufzusteigen.

Top Management

In den Konzernspitzen befindet sich die Creme de la Creme der Wirtschaft. Diese ist in zunehmenden Maße durch gemeinsame Wurzeln miteinander verbunden. Eine steigende Anzahl dieser Top Manager sind ehemalige Mitarbeiter namhafter Top Managementberatungsfirmen.

Managementberatungsgesellschaften

Top Managementberatungsgesellschaften selbst rekrutieren ihre Mitarbeiter meist aus dem Kreis der besten Absolventen namhafter Universitäten verschiedener Fachrichtungen. Diese zeichnen sich u.a. aus durch geschliffene Umgangsformen und hervorragende Fähigkeiten, Sachverhalte rasch aufzunehmen. Sie können zudem plausibel klingende Strategien entwickeln und generell Sachverhalte gut wiedergeben und darstellen. Sie sind ausgebildet von Professoren, die z.T. einen ähnlichen Hintergrund haben.

Erfahrung und Praxis

Dermaßen rekrutiertes Top Management sieht die Welt aus eigener Erfahrungssicht. Dieses ist der klare Blick in 10.000 Meter Reiseflughöhe. Die Praxis tief unten am Erdboden wird aus dieser Perspektive beobachtet.

In dieser Flughöhe kommt man schnell voran und erkennt tief unten Autobahnen als dünne Linien und die langsam dahinschleichenden Fahrzeuge. Man wundert sich auch mal, wenn man tatsächlich genauer hinschaut, dass da vielleicht viel zu wenige Autos fahren. Die Schlaglöcher sind aus 10.000 Meter Höhe nicht zu sehen.

Das mittlere Management, welches Praxiserfahrung mitbringt und in den Firmen oder mit sonstiger aktiver Tätigkeit gewachsen ist, kann bei dieser reinen Welt stören. Es hat eine viel zu kleinliche Sichtweise. Ihm fehlt einfach der Weitblick, die Klarheit. So oder so ähnlich kann man dies im Top Management durchaus empfinden.

Außerdem gibt es im mittleren Management viele teure Leute, die man am besten abbaut. Die betroffene Managementebene erkennt dieses Spiel und kämpft ums Überleben. Dieser Kampf ist in der freien Wirtschaft meist erfolglos. Es gibt viele Firmen und Bereiche, welche keine oder nur noch sehr wenige Mitarbeiter über 50 Jahre beschäftigen. Die verbleibenden Kollegen sind gut angepasst.

Nach oben in den Hierarchien werden bevorzugt die schönen und klaren Seiten geschildert. Es wird auch gerne gelobt und bewundert. Dies wird verstanden und geschätzt. Ein Überbringen von komplexen Problemen, gar zu Praxisnahes oder Hiobsbotschaften bedeutet möglicherweise das eigene Ende, also lässt man dies.

Oben ist die Welt klar, ungetrübt, die Luft ist auch dünn. Dünne Luft bedeutet auch, dass man eine zusätzliche Sauerstoffversorgung zum Überleben benötigt. Diese stellt das eigene Beraternetzwerk, aus dem man in diesen Job gekommen ist. Es ist in vielen Fällen überlebenswichtig.

Positionierung des eigenen Netzwerkes

Diese Bande müssen gepflegt werden, d.h. es muss darauf geachtet werden, dass der Nukleus dieser Verbindung, die eigene Managementberatung mit Aufträgen versorgt wird. Störend ist da, dass andere Berater auch ehemalige Mitarbeiter in der Firma haben (die verschiedenen Beratungsorganisationen sind im Bild mit blauen und roten Punkten gekennzeichnet). Da gilt es auszuloten, welche Beratungsgesellschaft wann bedacht werden kann. Selbstverständlich müssen ja auch Kosten gekappt werden. Dies macht man dann am besten durch weiteres Ausdünnen des mittleren Managements. Dazu braucht man Projekte. Man weiß ja, wen man beauftragen wird. Natürlich gilt es auch, die Konkurrenz klein zu halten. Hierzu gibt es vorzügliche Mittel. Mit der Argumentation, dass der Einkauf effizienter werden muss, ist dies einfach. Dies akzeptieren die Leute und meinen es zu verstehen. Effizienz bedeutet hier, die Anzahl der für den Konzern zugelassenen Beratungsfirmen zu reduzieren. Die ehemalige eigene Beratungsfirma muss allerdings dabei bleiben, sonst wäre dies schädlich.

Eine weitere wirkungsvolle Maßnahme ist, dass eine Beauftragung eines Beraters nur mit Zustimmung eines hohen Managers geschehen kann. So scheiden schon einmal viele kleine Firmen aus. Welcher Manager aus dem mittleren Management möchte mit so was noch die hochrangigen Kollegen belästigen. Bestenfalls würde dies zu unangenehmen Fragen führen.

Zur Verbesserung des eigenen Netzwerkes ist es hilfreich, weitere ehemalige Kollegen mit einflussreichen Positionen zu versorgen. Dies klappt gut nach Projekten, in deren Folge dann Teile des Managements abgebaut und ausgetauscht werden. Projektleiter des Beraters sind prädestiniert für die anstehenden Aufgaben. Sie werden platziert.

Und wenn dies so schön geregelt ist, dann kann man doch auch Fachberatungen mitmachen. Wenn man das Top Management beraten kann, so wohl auch untere Fachbereiche. Alle Untergebenen stimmen dem normalerweise zu.

Man bewegt sich dann rasch in Gefilden, wo man leider wenig Erfahrung hat. Dieses fällt kaum auf. Es wäre aber in vielen Fällen nötig. Ein reines Beschreiben wie man Fahrrad fahren kann genügt hier nicht mehr. Man muss tatsächlich auch Fahrrad fahren können. Dazu ist jedoch das richtige Gefühl erforderlich. Dieses lässt sich allerdings nur nach ausreichender Fahrpraxis erwerben.

In Gegensatz zu Projekten sind beim Fahrradfahren die Auswirkungen fehlenden Gefühls unmittelbar spürbar. Man verliert das Gleichgewicht. Unangenehme Stürze können die Folge sein.

Fachberatung

Dort, wo Beratungsbedarf vorhanden ist, kann der Einsatz von fachlich spezialisierten Beratungsfirmen durchaus sehr sinnvoll sein. Diese verfügen oft über vergleichsweise hohes Wissen und Praxiserfahrung1.

Behörden

In Behörden, deren prinzipielle Entwicklung mit der unteren Reihe der Bilder dargestellt ist, ist die Akquise von innen heraus schwieriger. Hier kommt man nicht so schnell in ein leitendes Beschäftigungsverhältnis.

Es gibt aber gute Lösungen. Beispielsweise wird in Projekten erreicht, dass Schlüsselaufgaben zu privat organisierten Firmen outgesourced werden. Deren Management kann dann mit eigenen Leuten besetzt werden. In anderen Fällen werden die Aufgaben komplett privatisiert. Diese Schritte sind oft tatsächlich befreiend und wirken deutlich verbessernd auf die ursprünglich umständlichen und schwerfälligen Aktivitäten.

Prinzipiell muss oft bei den obersten Leitern der Behörden akquiriert werden. Oft langt dies aber nicht. Behörden sind meist etwas träge. Dann muss die Politik ran. Dort findet man sich in Arbeitskreisen als Experte wieder und kann so notwenige Verbindungen aufbauen. Insgesamt eine raffinierte Form der Akquise. Nebenbei wird kräftig Lobbyarbeit betrieben.

Auswirkungen

In der Natur findet man auch mannigfaltige Beispiele von Organismen, welche einen Wirt befallen und diesen dann zu Verhaltensweise veranlassen, welche er sonst kaum machen würde.

Im Prinzip wäre dies nichts Schlimmes, wenn es den Firmen und den betroffenen Wirtschaftszweigen auf Dauer besser ginge. Nur ab und an wundert man sich schon mal über die unzufriedenstellende Langzeitentwicklung wichtiger Wirtschaftszweige. Von Wirtschaftszweigen die ursprünglich gesund waren. Im Allgemeinen bringt man dies jedoch nicht mit dem oben geschilderten Verhalten in Verbindung.

Selten wird das Fehlen von Erfahrung, Kompetenz und gutem Mittelbau so rasch deutlich, wie bei dem Versuch, eine Straßenmaut in Deutschland einzuführen.

Auch dort, wo Tausende von Mitarbeitern entlassen werden, wurden in nicht wenigen Fällen in der Vergangenheit Managementfehler gemacht. Wenn dies beispielsweise im Sektor von technischen Dienstleistungen, besonders im Anlagenbereich passiert, werden aktuell Fehler gemacht. Hier wird gefährlicher Raubbau am überlebenswichtigen Wissen der Mitarbeiter betrieben. So werden Abwärtsspiralen eingeleitet.

Statt Visionäre und Könner bestimmen leider zum Teil Überflieger das Geschehen. Erbsenzähler liefern die benötigten Argumente für Fehlentscheidungen.

Beispiel Deutsche Bundesbahn

Was passiert, wenn man die vielen kleinen Rinnsale und Flüsschen die sich in der Landschaft schlängeln, beseitigt? Nehmen wir an, man würde das Wasser im Boden versickern lassen oder auf andere Weise entfernen. Als plausibles Argument dazu könnte dienen, dass dann mehr nutzbares Land für Landwirtschaft und Bebauung zur Verfügung stände. Zudem sind die Bäche wirtschaftlich ja nicht nutzbar. Schiffbar machen kann man nur die größeren Flüsse. Was würde passieren? Man wird in nicht allzu langer Zeit feststellen, dass den größeren Flüssen das Wasser ausbleibt. Die Zuflüsse sind versiegt.

Vergleichen wir dieses Wasser nun mit Passagieren der deutschen Bahn. Man erkennt verblüffende Parallelen. Schon vor vielen Jahren wurden die meisten Nebenstrecken stillgelegt. Sie waren unwirtschaftlich. Verbleibende Busverbindungen wurden unter Kostendruck ebenfalls ausgedünnt. In Folge nutzen die Menschen in ländlichen Gegenden verstärkt das eigene Fahrzeug. Auf den vielbefahrenen Hauptstrecken stagnieren seitdem die Passagierzahlen.

Bei der deutschen Briefpost beginnt gerade ein vergleichbarer Prozess. Viele Briefkästen wurden bereits abgeschafft. Hier werden die Menschen in rascherem Tempo auf Mails ausweichen.

Die verlorenen Geschäfte sind kaum zurückzuerobern.

Fazit

In einschlägigen Krimis erfragen Kriminalisten, wem ein Verbrechen letztendlich genutzt haben wird. So finden sie im Endeffekt oft den Täter. Solche Fälle sind schnelllebig und damit besser überschaubar. In unseren Fällen der Wirtschaft hat man es mit Entwicklungen über 10, 20 und 30 Jahren zu tun.

Wem sollen Firmen langfristig nutzen? Wem nutzen sie tatsächlich? Kommen Aktionäre und Mitarbeiter vielleicht etwas zu kurz? Wenn Firmen ihren Investoren und Beschäftigten nicht die benötigte Fairness entgegenbringen, wohin werden diese ausweichen? Welche Folgen treten auf?

Ein ordentlicher Abschluss dieses Artikels verlangt hier noch den ein oder anderen Lösungsansatz. Doch so einfach wollen wir es uns nicht machen. Interessierte Leser dieser Unterlage sind fähig, eigene Überlegungen anzustellen. Viel Spaß dabei.

1 SCWT (www.experts-of-service.de [318] ) beispielsweise ist eine fachlich ausgerichtete Beratungsorganisation. Ihre Senior Consultants waren ausschließlich langjährig und erfolgreich im Management von technischen Servicebereichen tätig. Vorhandenes Praxiswissen stammt dabei aus verschiedenen Firmen und Branchen. SCWT interne Qualitätsprozesse sorgen zudem dafür, dass das Wissen und die Erfahrung verschiedener Senior Consultants zielgerichtet in Projekte einfließen kann. So wird nicht nur die Effizienz jedes einzelnen Beraters weiter erhöht, sondern auch die Umsetzungsfähigkeit und nachhaltiger Projekterfolg sicherer.

www.scwt.de [319]

Nebeneffekt: Gruppenarbeit entwickeln und Arbeitsplätze sichern

Ein Gastbeitrag von Gerhard Kullmann, Wolfgang Kötter und Klemens Lange:

Knapp 40 Personen aus 20 Unternehmen folgten der Einladung der GITTA mbH, die wie schon im Vorjahr zu dem Praktikergespräch eingeladen hatte.

Gruppenarbeit, das zeigten die Beiträge und Diskussionen der Teilnehmer dieser beiden Tage, ist vielerorts Normal­arbeitsform und die Plattform zur Lösung der all­täglichen Probleme. Sowohl für Unternehmensleitungen als auch für Mitarbeiter ist Gruppenarbeit die grundlegende Form der Arbeitsorganisation und beide sehen ihre Vorteile und Potentiale.

Gleichzeitig muss sich Gruppenarbeit weiterentwickeln und die aktuellen Probleme lösen. Hierbei treten sieben Themenfelder zu Tage:

  1. Standardisierung von Gruppenarbeit
  2. Umsetzung des einheitlichen Entgeltrahmens ( ERA) für Arbeiter und Angestellte
  3. Ausdehnung von Gruppenarbeit auf die indirekten Bereiche
  4. Zielvereinbarungen als Treiber für die Gruppen
  5. Einführung von integrierten Produktionssystemen
  6. Rolle der ersten betrieblichen Führungsebene
  7. Bedeutung von Gruppenarbeit im Innovationsprozess

Mehr Standards und Vorgaben

Zukünftig müssen mehr Vorgaben und Standards gewährleisten, dass Gruppenarbeit zu mehr Selbstorganisation, mehr Dezentralisierung und zu mehr Verantwortung führt. Sonst wird Sie zum Hindernis.

Dezentralisierung, Selbstverantwortung und Selbststeuerung sind häufig ohne die notwendigen Rahmenbedingungen eingeführt worden. Standards können hier ein guter Weg zu stabilen und berechenbaren Rahmenbedingungen für die Gruppen sein.

Standardisierung ist nicht automatisch ein Rückbau von Gruppenarbeit, sondern führt zu einer der Wettbewerbssituation des Unternehmens angemessenen Form. In vielen Unternehmen tritt Rationalisierung durch Dezentralisierung und Selbststeuerung immer mehr im Zusammenhang mit Gruppenarbeit in den Vordergrund.

Für diejenigen, die in Gruppenarbeit vor allem ein Instrument zur „Humanisierung des Arbeitslebens“ sehen, ist dies sicher eine ernüchternde Erkenntnis. Diese Akzentverschiebung führt nicht zwingend zu schlecht gestalteten Arbeitsaufgaben. Ganz im Gegenteil. Gruppenarbeit bleibt lebendig und entwickelt sich weiter, wenn es gelingt, aus arbeitswissenschaftlicher Sicht gut gestaltete Gruppenarbeit konsequent auszurichten; und zwar auf die Unternehmensziele in puncto Innovation, Flexibilität und Produktivität.

Umsetzung des einheitlichen Entgeltrahmens (ERA) bringt Schub für Gruppenarbeit

Die betriebliche Umsetzung des ERA in der Metall- und Elektroindustrie kann einen deutlichen Schub für Gruppenarbeit bringen, wenn sie in einer Gestaltungspartnerschaft zwischen Betriebsrat und Unternehmensleitung vorangetrieben wird. Bei allen politischen Problemen, die dieser Prozess bringen kann, besteht eine einmalige Chance: Man kann Gestaltungsdefizite von Gruppenarbeit, von Entlohnungsmodellen und von Arbeitszeitmodellen aufgreifen und auf der Basis tariflicher Vereinbarungen regeln.

Es kommt auf die betrieblichen Akteure an, diesen Prozess für eine Weiterentwicklung von Gruppenarbeit zu nutzen, mehr Übereinstimmung zwischen formalen Regelungen und gelebter Gruppenarbeit herbeizuführen, sowie neue Zielkriterien für die Gruppenarbeit zu definieren und im Rahmen der betrieblichen ERA-Umsetzung zu realisieren. Dies kann gelingen, wenn beide Seiten ihre kurzfristigen Begehrlichkeiten im Zaum halten. Auch müssen mit der ERA-Umsetzung die strukturellen Probleme angegangen werden.

Gruppenarbeit erobert das gesamte Unternehmen

Gruppenarbeit verlässt immer mehr das „Biotop“ der direkten Mitarbeiter in der Werkstatt. Sie wird im Gesamtunternehmen zu einer Arbeitsform, die von Selbst­steuerung und Kooperation gekennzeichnet ist. Aber je weiter diese Bereiche von der Werkstatt entfernt sind, desto mehr muss am „klassischen“ Gruppenarbeits­konzept „gefeilt“ werden. Wesentlicher Erfolgsfaktor ist hierbei eine in sich stimmige Fortschreibung von gemeinsamen Zielen für die jeweiligen Bereiche.

Eine konsequente Projekt-Managementorganisation kann dabei die Umsetzung von Gruppenarbeit im indirekten Bereich darstellen.

Das Potential liegt in Zielvereinbarung

Die wesentlichen Potentiale für die Weiterentwicklung von Gruppenarbeit bestehen in der klaren und durchgängigen Formulierung und Vereinbarung von Zielen mit den Gruppen und Bereichen. Die von den Gruppen gesetzten Ziele mit den im Top – Down Verfahren entstandenen Vorgaben zu verbin­den, wird dabei meist als harter, aber hilfreicher Konflikt empfunden.

Allerdings ist die Definition von Zielen und die Einbindung von Gruppenzielen in gesamtbetriebliche Zielsysteme nach wie vor eine der wesentlichen Schwächen der meisten existierenden Gruppenarbeitslösungen. So bleibt es die Herausforderung der Zukunft, Unternehmensziele, Gruppeninteressen und gelebte Gruppenarbeit in Übereinstimmung zu bringen.

Integrierte Produktionssysteme als Chance

Die in vielen Unternehmen zu beobachtende Einführung von ganzheitlichen und integrierten Produktionssystemen ist für die Gruppen und die Organisation der Gruppenarbeit eine Chance. Insellösungen verlieren hierbei ihren isolierten Charakter, Standardisierung kann vorangetrieben werden und einheitliche Werkzeuge und Abläufe für die Arbeit der Gruppen können in diesem Prozess beschrieben werden.

Allerdings verlangen diese ganzheitlichen Systeme für das Produktions-, Produkt-und Informationsmanagement einen Wandel der Organisationskultur. Der Wert von Transparenz und Durchgängigkeit muss sich gegen Bereichsdenken und Besitzstände durchsetzen.

Man muss viel abspecken und pragmatisch Konzepte anpassen, an den Bedarf und die Kapazität kleiner und mittlerer Unternehmen, um mit derartigen Systemen ihrer Situation gerecht zu werden.

Ersten betriebliche Führungsebene entscheidet über den Erfolg

Die erste betriebliche Führungsebene ist das Gesicht des Unternehmens, das die Mitarbeitern sehen. An Verhalten und Leitungsstil legen die Mitarbeiter die Glaubwürdigkeit aller Managementaussagen fest. Deshalb verwundert es nicht, dass Praktiker im Feld der Gruppenarbeit die Frage der ersten betrieblichen Führungs­ebene mit sehr viel Energie diskutieren. Es gibt eine Bandbreite von Lösungen, die aber eben nicht anhand der benutzten Stellenbezeichnung beurteilt werden darf. Ob diese erste betriebliche Führungs­ebene Coach, Meister, Gruppenvertreter oder Gruppenkoordinator heißt, spielt für ihre inhaltliche Ausgestaltung nur eine kleine Rolle.

Wichtig ist, dass diese erste betriebliche Führungsebene zur Unterstützung der Gruppen zur Verfügung steht und eine Anbindung der Gruppen an das Gesamt­führungssystem des Unternehmens gewährleistet. Zentraler Erfolgsfaktor: die handelnden Personen auf diese Aufgabe angemessen vorzubereiten und dabei zu unterstützen.

Gruppenarbeit unterstützt den Innovationsprozess

Gruppenarbeit kann bei der Sicherung des Produktionsstandortes Deutschland eine wesentliche Rolle spielen, wenn es gelingt, ihre Vorteile wirklich umzusetzen. Dies sind vor allem ihr Flexibilitätspotenzial und die Beschleunigung von Produktabläufen. Die verstärkte Erfahrung der Mitarbeiter als Vor-Ort-Experten führt zur Be­schleunigung des Innovationsprozesses, des Entwick­lungsprozesses und letztendlich der Produktabläufe.

Hier gibt es noch erhebliche Reserven. Dieses Potenzial zu nutzen ist eine Anforderung an Gruppen­arbeit, die in den letzten Jahren zwar immer wieder postuliert, in den seltensten Fällen aber umgesetzt wurde.

Aus den Erfahrungen der GITTA mbH ist Gruppenarbeit ein kritischer Erfolgsfaktor für erfolgreiche Innovationsprozesse in Deutschland. Gerade die Verbindung der Gruppen zu den Forschungs- und Entwicklungsbereichen der Unternehmen wurde allseits als noch stark verbesserungswürdig charakterisiert. Dabei mangelt es nicht an Konzepten zu dieser Zusammenarbeit, sondern eher an den zu setzenden Prioritäten. In Unternehmen, die jetzt über einige Erfahrung in der Anwendung und im Betrieb von Gruppenarbeit verfügen, kann und sollte dieser Aspekt verstärkte Aufmerksamkeit erfahren.

Kontakt:
Tel. 785 20 82 | Fax 785 20 70
office@gittambh.de [320]
www.gittambh.de [321]

Risiko: Ohne Kommunikation kein Wissenstausch

Die Transformation von einer primär auf materiellen Werten basierenden Unternehmung hin zu einer Wissensorganisation erschüttert die grundlegenden Säulen von Unternehmensidentität, Kommunikationskultur, Problemlösungs- und Führungsverhalten. Der Prozess stellt sie in Frage. Eine Kultur kooperativen Arbeitens und Lernens stellt sich nicht automatisch durch die Bereitstellung von technischen Innovationen ein. Es bedarf vielmehr eines kulturellen Veränderungsprozesses, hin zu mehr Offenheit und Transparenz, einer größeren individuellen Selbstverantwortung und einem verbindenden Gemeinschaftsgefühl.

Mehr im PDF zum Download:

Ein Gastbeitrag von Tanja Panhans:

Executive Consultant für Corporate & Change Communications undChange Management bei Eupronet
© 2004 Eupronet GmbH | Ober-Ramstadt | Datum: 02.02.2004
Gründungsmitglied von schul@ktiv, einer gemeinnützigen Initiative der Wirtschaftsredaktion WISO (ZDF), Lotus Development und Eupronet.

Organisationsentwicklung: Unternehmensberater decken die Schwachstellen auf

Ob und in welcher Art und Weise Betriebe die eigene Personalentwicklung, die Weiterbildung und das Lernen am Arbeitsplatz für wichtig halten und in ihre Unternehmensplanung aufnehmen, ist daher vielfach abhängig von der Arbeit externer Berater in einem Betrieb. Zu diesem Ergebnis kommt ein Forschungsprojekt des BIBB, das untersucht, wie das Wissen von Beratern für die Früherkennung neuer Qualifikationsentwicklungen genutzt werden kann. Eine Betriebsumfrage im Rahmen des Projekts ergab, dass 46 Prozent der Unternehmen die Bedeutung der Qualifikationsentwicklung für den betrieblichen Entwicklungsprozess erst durch die Inanspruchnahme einer externen Beratung erkannten.

Weitere Ergebnisse der Untersuchung:

Die Befragung der Berater zeigte, dass es weniger fachliche Qualifikationsdefizite sind, die in Betrieben z.B. Engpässe im Arbeitsablauf erzeugen. Diese Mängel werden verhältnismäßig schnell durch Schulungs- und Trainingsmaßnahmen ausgeglichen, für die es ein hinreichendes Angebot auf dem Markt gibt. Die eigentliche Herausforderung für die betriebliche Qualifikationsentwicklung besteht nach Aussage der Berater vielmehr darin, während des Arbeitsprozesses die Kommunikation und Zusammenarbeit herzustellen und aufrecht zu erhalten. Dies erfordert eine genaue Kenntnis von Arbeitsabläufen und -prozessen, einen Überblick über die daran beteiligten Mitarbeiter und ihre jeweilige Funktion sowie die Fähigkeit, ziel- und lösungsorientiert zusammen zu arbeiten. Neue, von den Verantwortlichen in Betrieben oftmals nicht erkannte Qualifikationsanforderungen setzen sich demnach zusammen aus fachlichen Qualifikationen, Organisationskenntnissen sowie Kooperations- und Kommunikationskompetenzen.

Berater versuchen, Probleme und Schwachstellen im täglichen Arbeitsprozess zu verringern oder zu beseitigen. Sie verbinden dies mit der Frage, ob ausreichende Qualifikationen vorhanden sind bzw. welche Qualifikation notwendig wäre, um bestimmte Probleme zu vermeiden. Dabei hilft der "fremde Blick" der Berater, die "Betriebsblindheit" der unmittelbar am Arbeitsprozess Beteiligten zu überwinden und ihnen unzureichende Routinen, Kooperationsblockaden und Kommunikationsdefizite im Arbeitshandeln vor Augen zu führen.

Berater helfen nicht nur, den Qualifizierungs- und Weiterbildungsbedarf eines Unternehmens zu erkennen. Sie sind es auch, die das daraus resultierende betriebliche Lernen in vielfachen Formen anregen, gestalten und begleiten. Bei der klassischen Weiterbildung (Seminare, Kurse und Trainings) sind Berater vermittelnd tätig. Zugleich greifen sie aber auch informelle Lernprozesse in Unternehmen auf und entwickeln im Rahmen von Organisationsgestaltungsmaßnahmen arbeitsbezogene, arbeitsgebundene und arbeitsplatzverbundene Lernarrangements. Auf diese Weise unterstützen sie informelle Vermittlungsprozesse in Unternehmen und machen sie verbindlich.

Aussicht auf Erfolg hat die Arbeit von Beratern nur, wenn Betriebe eine eigene Entwicklungsperspektive aufbauen und sie im Betrieb mit Personen zusammenarbeiten können, die selbst über die Grenzen ihres Unternehmens hinweg sehen und einen nach außen und in die Zukunft gerichteten Blick besitzen. Sie sind die Schlüsselpersonen für den Veränderungsprozess und eröffnen den Beratern Zugang zu den Ressourcen der Organisation - zu Geld, Zeit, Personen und Wissen.

Spannungsfeld: Wissensgesellschaft und Demografie

Thomas Auer, von Auer Consulting & Partner, Hedingen (Schweiz), zeigt in seinem Gastbeitrag, wie Wissen mit harten Kennzahlen gemanagt werden kann. Er bedient sich dazu der Modelle des Wissensmanagements nach Gilbert Probst und der Balanced Scorecard nach Robert S. Kaplan und David P. Norton. Seine Beispiele aus der Schweiz gelten für alle industrialisierten Länder.

Erstveröffentlichung des Beitrags im Schweizer Arbeitgeber am 25.9.2003.

Gastbeitrag von:
Thomas Auer
Auer Consulting & Partner
Zwillikerstrasse 58
CH-8908 Hedingen
Tel. +41 - 1 - 776 18 10
http://www.hrm-auer.ch [322]
E-Mail: auer@hrm-auer.ch [323]

Verlagert: Wenn andere es bei Outsourcing besser machen sollen

Jetzt war er es Leid. Der Geschäftsführer eines mittelständischen Maschinenbauers hatte genug vom Streit zwischen den Mitarbeitern im Betrieb und der Abteilung für Informationstechnologie (IT) im eigenen Haus. Immer wenn es Probleme mit Computer, Drucker oder Software gab, schimpften die Anwender auf die eigene IT-Abteilung. Diese fühlte sich unschuldig, hielt die Anwender für inkompetent, verlangte mehr Personal und bessere Hard- und Software. Die Stimmung war mies, so konnte es nicht weiter gehen.

Nicht immer sind es solche innerbetrieblichen Unstimmigkeiten, weshalb Unternehmen Aufgaben, die früher im Unternehmen selbst gemacht wurden, an Fremdfirmen vergeben. In den meisten Fällen entscheiden sich die Verantwortlichen aus Kostengründen für die Auslagerung von Aufgaben – das sogenannte Outsourcing [outside resource using]. Das hat auch eine Studie der META Group [324] im Jahr 2002 ergeben. Unternehmen sparen mit Outsourcing zwischen 10 und 18 Prozent ihrer IT-Kosten ein. Da ist es kein Wunder, dass die Marktforscher prognostizieren, dass dieses Geschäft allein in Deutschland von 10,1 Mrd. Euro im Jahr 2002 auf 14,3 Mrd. Euro im Jahr 2005 wachsen soll.

Studie der META Group: Outsourcing Services in Deutschland [325]

Indische Unternehmen entdecken den deutschen Markt für IT-Outsourcing

9.9.2003: Die deutsche IT-Landschaft steht unmittelbar vor einer tiefgreifenden strukturellen Veränderung. Der elementare Bestandteil der IT-Strategie von Großunternehmen heißt Offshore-Outsourcing. Einige indische Unternehmen vermarkten dieses Geschäftsmodell aggressiv. Sie werden bis zum Jahr 2008 bis zu 20 Prozent der IT-Budgets der deutschen Großunternehmen erobern. Das entspricht einem Umsatzpotential für indische IT-Unternehmen von bis zu 14 Mrd. Euro im Jahr. Diese Trendaussage folgert die Unternehmensberatung Deloitte & Touche [326] aufgrund einer aktuell durchgeführten Studie sowohl unter indischen IT-Unternehmen, wie auch unter deutschen Großunternehmen als potenziellen Abnehmern.

Studie von Deloitte & Touche zum Offshore-Outsourcing [327]

Beispiele für Outsourcing gibt es viele

  • Kantine und Betriebsrestaurant
  • Wach- und Schutzdienst
  • Reinigungsdienstleistungen
  • Facility Management
  • Personalentwicklung
  • einzelne Fertigungsstufen aus der Produktion
  • Spedition und Logistik
  • Informations- und Kommunikationstechnologien

Nicht immer ist Outsourcing der erfolgversprechende Weg

Wer Aufgaben aus dem Unternehmen hinaus verlagert, baut eine Schnittstelle auf, die oft mit Reibungsverlusten und Abstimmungsschwierigkeiten verbunden ist. Beispiel Personalabteilung: Die Messe „Personal“ im Juni 2003 hat gezeigt, dass auch im Bereich Human Resource (HR) Outsourcing ein wichtiger Trend ist. Vor allem operative und administrative Aufgaben wie die Lohbuchhaltung und Seminarverwaltung werden an externe Dienstleister vergeben. Das strategische Personalmanagement verbleibt im Unternehmen.

„Die Trennung zwischen strategischen, operativen und administrativen Aufgaben ist aber gar nicht so leicht zu ziehen“, sagt Jürgen Graf, Personalexperte bei Training-Aktuell [328] . Etablierte Abläufe werden unterbrochen, die Verwaltung kann nicht mehr geräuschlos funktionieren. Für die Mitarbeiter gibt es nichts Frustrierenderes, als sich mit „Kleinigkeiten“ herumschlagen zu müssen, meint Graf.

Effekte von Out- und Insourcing im Verarbeitenden Gewerbe

Das Fraunhofer ISI, Karlsruhe [329] , hat bei 1.630 Betrieben des Verarbeitenden Gewerbes in Deutschland untersucht, wie sich die Auslagerung von Aufgaben aus der Konstruktion und Entwicklung, aus der Produktion und aus der IT-Abteilung auf den Erfolg des Unternehmens insgesamt auswirkt. Zunächst stellten die Forscher Gunter Lay und Steffen Kinkel fest, dass Outsourcing folgende Gründe hat:

  • Kosten reduzieren
  • Überlast abfangen
  • Flexibilität erhöhen
  • Kompetenzen ausbauen
  • Qualität verbessern
  • Änderungen bei der strategischen Orientierung

Aber nicht immer stellen sich die gewünschten Erfolge ein: „Für die Industriebetriebe zeigt sich, dass eine höhere Fertigungstiefe kürzere Durchlaufzeiten und höhere Renditen bedeuten“, weiß Gunter Lay aus seinen Untersuchungen. Anders sieht es beim IT-Outsourcing aus. Hier sind keine negativen Effekte der Auslagerung festzustellen.

Fertigungsdurchlaufzeit und Umsatzrendite bei unterschiedlichen Eigenfertigungsanteilen

[Quelle: Fraunhofer ISI, Innovationen in der Produktion 2001, PI-Mitteilung Nr. 30]

Worauf man beim Outsourcing achten sollte

Wenn mit einem Dienstleister ein Outsourcing-Vertrag geschlossen wird, sollten folgende Punkte möglichst detailliert formuliert werden:

  • genaue Leistungsbeschreibung
  • klare Abgrenzung der Leistungen des Unternehmens und des Dienstleisters
  • Definition der zeitlichen Verfügbarkeit des Dienstleisters
  • Bestimmung und Benennung der Kontaktpersonen auf beiden Seiten
  • konkrete Beschreibung der jeweiligen Verantwortungsbereiche

Wer Aufgaben auslagert, sollte sich genau überlegen, welche Faktoren für eine reibungslose Zusammenarbeit entscheidend sind und wie diese gemessen werden können. Darüber sollte dann ein regelmäßiges Reporting erfolgen.

Die Impuls Management Consulting, München [330] , empfiehlt in ihrem Leitfaden zur erfolgreichen Umsetzung von Outsourcing-Projekten ein schrittweises Vorgehen. Das sind:

  • Schritt 1: Klare Festlegung und Beschreibung des Projektablaufes
  • Schritt 2: Detaillierte Darstellung der Ist-Situation und deren relevanten Bereiche
  • Schritt 3: Verbindliche Definition der Soll-Anforderungen an den Outsourcingnehmer
  • Schritt 4: Erstellung einer gut strukturierten und inhaltlich vollständigen Ausschreibung
  • Schritt 5: Auswahl der geeigneten Dienstleister für die Ausschreibung
  • Schritt 6: Überprüfung der Angebote und nachvollziehbare Bewertung der Dienstleister
  • Schritt 7: Entscheidung: Die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung als Entscheidungsgrundlage
  • Schritt 8: Ausarbeitung und Unterzeichnung des Outsourcingvertrages
  • Schritt 9: Schrittweiser Roll ? Out des Outsourcingprojektes
  • Schritt 10: Aufbau und Umsetzung eines zielorientierten Partnerschaftsmanagements

Impulse Management Consulting: Leitfaden für Outsourcing [PDF-Datei] [331]

Oft werden die vom Dienstleister zu erbringenden Leistungen in Service Level Agreements exakt formuliert. Worauf es dabei ankommt, beschreibt unser Dossier:

Wer Outsourcing plant, sollte den Blick nicht nur nach außen auf potenzielle Dienstleister richten. Auch nach innen muss das Outsourcing abgesichert werden. Wenn die Schließung von Abteilungen oder die Versetzung von Mitarbeitern droht, müssen arbeitsvertragliche Regelungen und Betriebsvereinbarungen beachtet werden. Oft sind Outsourcing-Projekte Auslöser für Konflikte, die nachhaltige negative Effekte auf das Verhältnis zwischen Unternehmensleitung und Mitarbeitern haben können.

Alternative Ausgründung?

Wenn Mitarbeiter von einer Auslagerung ihrer Abteilung bedroht sind, kann die Ausgründung in ein eigenes Unternehmen eine Lösung sein, die beiden Seiten Vorteile bringt. Unter Umständen beteiligt sich das „Mutter-Unternehmen“ sogar an seiner neuen „Tochter“. Meistens ist es zumindest der erste Kunde und damit wichtiges Referenzprojekt.

Beispiel reinisch AG, Karlsruhe [332] : Das Unternehmen begann Anfang der neunziger Jahre als Ausgründung eines großen Automobilkonzerns. Franz Reinisch, Gründer des Unternehmens, übernahm die Abteilung für „Technische Dokumentation“ und machte daraus ein sehr erfolgreiches Unternehmen. Im Laufe der Jahre übernahm er auch aus anderen großen Unternehmen die „Technische Dokumentation“ und gliederte diese seinem Unternehmen ein.

Outsourcing ist meist der erste Schritt einer Partnerschaft

Wer Arbeitsschritte oder Aufgaben aus seinem Unternehmen an andere weg gibt, braucht einen verlässlichen Partner, damit sich möglichst schnell reibungslose Abläufe und eine effektive und effiziente Partnerschaft ergeben. Sonst sind die Transaktionskosten so hoch, dass sie vermeintliche Kosteneinsparungen übersteigen. Deshalb ist es wichtig, Outsourcing als strategische Gestaltung der eigenen Wertschöpfungskette zu begreifen und nicht nur als Maßnahme zur Kostenreduktion. Das greift in den meisten Fällen zu kurz.

Links:

Outsourcing: Argumente Pro und Contra

http://www.gcr.com/sharedfile/... [333]

Rechtliche Aspekte zur Gestaltung von Verträgen beim Outsourcing von Software-Anwendungen:

http://www.computerrecht.de/... [334]

Zahlreiche rechtliche und betriebswirtschaftliche Beiträge zum Thema Outsourcing:

http://www.outsourcing-info.de [335]

Allgemeine Checklisten zum Outsourcing:

http://www.lexsoft.de/downloads/... [336]

Bücher:

Marcus Hodel: Outsourcing-Management kompakt und verständlich

Praxisrelevantes Wissen in 24 Schritten

http://www.amazon.de/exec/... [337]

Heike Bruch: Outsourcing - Konzepte und Strategien, Chancen und Risiken

http://www.amazon.de/exec/... [338]

[JF]

Hingestellt: Mit Systemaufstellung richtige Entscheidungen treffen

Gastbeitrag von Chris Welker [339] , Supervisor - Organisationsberater - Systemesteller, Eitorf.

Vielerorts, insbesondere in Personal- und Entwicklungsabteilungen größerer Unternehmen, wird ein Verfahren angewendet, über das öffentlich weniger gern gesprochen wird. Ob als unterstützendes Instrument bei der Personalauswahl oder zur Simulation von Konzepten und Strategien. Im Einzelcoaching von Führungskräften zeigt es sich effektiv bei Entscheidungsfragen, Zielannäherungsprozessen und der Problembearbeitung.

Ursprünglich wurde das Verfahren im familientherapeutischen Kontext von dem Psychologen Bert Hellinger erkannt. Hellinger steht mit seiner Wissenschaft ablehnenden Haltung und der eigenen Arbeitsweise immer wieder in der öffentlichen Kritik. Dies zu recht! Trotz allem ist es sein Verdienst, aus der alltäglichen Beobachtung von Menschen, Familien und Gruppen Grundprinzipien formuliert (Ordnungen der Systeme) zu haben, die in ihrer Einfachheit und Plausibilität kaum zu übertreffen sind.

Die Realität anerkennen

Obgleich sich die Formulierungen vieler Grundprinzipien eines altmodisch anmutenden Vokabulars zu bedienen scheinen, so zeigt die Praxis, das Unternehmen, Abteilungen, Teams und Einzelpersonen (Systeme), nicht bewusst diesen universellen Regeln folgen. So lautet die Einstiegsregel (frei formuliert): Wenn das, was vorhanden ist und wie es vorhanden ist, als Realität anerkannt wird, gewinnt es an Kraft. Eigentlich sind viele dieser Wirkprinzipien nichts neues. Denn Experten, die beispielsweise im Bereich der Konfliktberatung oder Krisenintervention tätig sind, wissen um diese goldene Grundregel. Eine andere Regel heißt: Der, der früher da war (z.B. Mitarbeiter) hat Vorrang vor dem, der später hinzu gekommen ist. Auch dieses Prinzip ist jedem aus der täglichen Erfahrung bekannt, z.B. aus der Warteschlange am Post- oder Sparkassenschalter.

Altes und Neues im Unternehmen

Etwas vielschichtiger wird die Anwendung und Beachtung in komplexeren Zusammenhängen, wie beispielweise in Unternehmen und Institutionen. Diese Systeme sind immer bezogen auf Aufgaben und dem Unternehmenszweck. In Bezug auf Gegenwart und Zukunft wirkt das Grundprinzip: Das Spätere hat Vorrang vor dem Früheren! Damit wird instinktiv die Selbsterhaltung und das Fortbestehen der Unternehmung gesichert. Wo diese „Regel“ verletzt wird, schwächt sich die Firma und deren Mitarbeiter. Das kann man überall in der Praxis beobachten.

Beispielsweise sehen wir das bei neuen Leitungskräften: Der neue Geschäftsführer hat Vorrang vor dem ausgeschiedenen. Er ist nun der Chef. Mit Ihm geht es nun in die Zukunft. Oft hört man: „Neue Besen kehren gut!“. Das sollte mit Vorsicht gesagt sein. Wenn der Neue zu überheblich und abwertend mit den vorhandenen Strukturen und Personen umgeht, verliert er schnell an Kraft. Die Belegschaft, das Team spaltet sich. Einige halten zum Neuen, die anderen schlagen sich auf die Seite des Alten, der ausgeschiedenen Chefin. Das führt zu hohen Energieverlusten und macht sich in der Jahresbilanz negativ bemerkbar. Nicht selten gerät durch solche und andere Dynamiken der Kunde, die Kundin (Kundensystem) aus dem Blick.

Informationen wahrnehmen

Selbstverständlich spielen eine ganze Reihe anderer Prinzipien dabei eine Rolle, die untereinander wechselseitig wirksam sind. In den Seminaren und Einzelberatungen, wo mit dem Verfahren gearbeitet wird, kann dies hautnah erlebt werden. Die Anwendung der Systemaufstellungen kann sehr unterschiedlich sein, je nach Fragestellung des Unternehmens, der Mitarbeiter und Personen. Das Aufstellen selbst ähnelt äußerlich einer Bühneninszenierung, hat aber verfahrenstechnisch nichts damit zu tun. Es geht um die Wahrnehmung und Übersetzung von Informationen, die wir in tieferliegenden Schichten unseres Bewusstseins gespeichert haben. In einer ernsthaften und gesammelten Arbeitshaltung können wir wesentliche Teile davon nach außen bringen und für gute Lösungen nutzbar machen. Ich halte es hierbei für viel wichtiger, über diese menschliche Fähigkeit zu staunen, die grundsätzlich jedem gegeben ist, als diese Wahrnehmungsphänomene vorschnell abzuwerten oder zu erheben. Wahrnehmung spielt eine große Rolle in der Aufstellungsarbeit. Und Wahrnehmen heißt, wach sein, Ohren und Augen geöffnet haben. Das hat nichts mit Verklärung oder Romantik zu tun. Insofern ist die Aufstellungsarbeit auch gleichzeitig ein Wahrnehmungstraining, wo man lernt, der inneren Klugheit zu trauen.

Entscheidungen treffen

Insbesondere Mitarbeiter in den Bereichen Verkauf und Service wissen, wie entscheidend die ersten Sekunden im Kundenkontakt sind. Und jeder kennt diese Erfahrung des ersten Augenblickes. Der größte Teil unserer Wahrnehmung geschieht unbewusst. Damit ist dieses Wissen aber nicht verloren, sondern es wirkt fort und agiert sich in der weiteren Arbeits- und Kundenbeziehung aus. In der Aufstellungsarbeit kann dieses verdeckte Wissen nutzbar gemacht werden, z.B. in Personalauswahlverfahren. Die Erfahrung zeigt auch hier, dass wir uns häufig für den besten Bewerber, aber nicht immer für die beste Mitarbeiterin entscheiden.

Systemaufstellungen sind aber nicht eine Exklusivität für Unternehmen und Führungskräfte.

Im Gegenteil! Menschen, die Entscheidungen schon lange mit sich herumtragen, ohne etwas entschieden zu haben, finden in der Aufstellungsarbeit oft eine hilfreiche Lösung. Ebenso in Zielannährungsprozessen, wo sich die Ressourcen nur allzu oft als Hindernisse und die Hürden sich hintergründig meist als Kraftquellen herausstellen. Gerade in unternehmerischen, beruflichen und Persönlichen Veränderungsprozessen stehen wir immer zwischen dem Alten, von dem wir nicht lassen wollen und dem Neuen, das wir noch nicht greifen können. Das sind oftmals sehr vielschichtige Prozesse, die den persönlichen Bewältigungshaushalt stark herausfordern. So gesehen, findet ist die Aufstellungsarbeit nicht nur ein effektives Verfahren, sondern auch eine „Sprache“, in der Komplexität reduziert wird auf das, was für die gesuchte Lösung wesentlich ist.

Systemaufstellungen gezielt einsetzen

Aber ich möchte auch warnen, Systemaufstellungen sind nicht für jeden geeignet und nicht jeder ist für die Aufstellungsarbeit geeignet. Dass in den letzten Jahren damit begonnen wurde, die Wirksamkeit von verschiedenen Seiten her, wissenschaftlich zu untermauern, zeugt von der Werthaltigkeit des Verfahrens. Es ist immer im Einzelfall abzuwägen und zu prüfen, wann sich die Aufstellung eines Anliegens, Themas oder Fragestellung lohnt. In der Regel wissen das aber die Personen, die zu einem Seminar, zu einer Einzelberatung oder zu einem Coaching kommen, selbst.

Kontakt

Christian Welker : Supervisor - Organisationsberater - Systemesteller
Arbeitspraxis: Siegburg, Schillerstrasse 1
Seminare und Vorträge zu Familien-, Organisations- und Systemaufstellungen
Supervision und Coaching für Einzelpersonen, Arbeits- und Projektteams

Büroadresse: Büsch bei Merten 2 - D-53783 Eitorf
Telefon (02243) 911 507 - Fax (02243) 911 505

Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Supervision e.V.
Mitglied der Int. Arbeitsgem. Systemaufstellungen – Reg.-Gr.-West

Stilfrage: Change Management Berater - zwischen Technos und Psychos

Ein Gastbeitrag von Susanne Schmeißer, freie Journalistin und Marketingberaterin aus Neustadt / Wied.

Die Zeiten werden immer härter. Unternehmen, die überleben wollen, sind gezwungen sich immer schneller dem Umfeld anzupassen. Veränderungsprozesse in Unternehmen zu initiieren und erfolgreich umzusetzen ist zu einer Hauptaufgabe für Manager geworden. In diesem Zusammenhang entsteht ein zunehmender Beratungsbedarf. So suchen immer mehr Führungskräfte Hilfe bei Change Management Beratern. Genauso vielschichtig wie die Zielsetzungen der Veränderungsprozesse, vom nackten Überlebenskampf einer Firma bis zur Kostenführerschaft im Marktsegment, sind auch die Anforderungen an die Change Management Begleiter. Die „Zehnkämpfer“ des Beratungsgeschäfts sollen Coach, Umsetzungsbeistand, Strategieberater, Finanz- und Controllingspezialist, Marketingfachmann, Psychologe, Teamplayer, Visionär, Kommunikationsstratege und Analytiker mit EDV-Kenntnissen sein. Unter anderem. Doch wie sieht die Praxis aus?

Typische Veränderungsprozesse

Die wenigsten Veränderungsprozesse verlaufen völlig zielgerichtet und geplant. Äußere Rahmenbedingungen, zunehmender Wettbewerb und technologischer Fortschritt erzwingen eine fortlaufende Anpassung. Unternehmen müssen zum einen diese Anpassungen vollziehen und zum anderen ihre Mitarbeiter befähigen, den Druck der Veränderung zu bewältigen. Hilfe wird in den unterschiedlichsten Formen angeboten, doch wie findet man die richtige? Schon bei der Auswahl der professionellen Unterstützung werden die Weichen für den Change Prozess gestellt. Und das birgt Tücken.

Ist die Zielsetzung fokussiert auf die Steigerung der Effektivität einer Organisation, vernachlässigt man das humanitäre Feld. Die Konsequenz: Mitarbeiter werden verunsichert und Widerstände nicht aufgefangen. Wer dagegen in Massenveranstaltungen Mitarbeiter auf die neue Vision des Unternehmens einschwört, übersieht leicht konkrete Maßnahmen im Businessbereich.

Was Berater leisten

Ganzheitliche Beratung ist – noch – eine Seltenheit. „Der Beratermarkt ist zweigeteilt“„ verdeutlicht Dr. Georg Kraus von der Unternehmensberatung Dr. Kraus & Partner und Dozent an der Universität Karlsruhe am Institut für Arbeitswissenschaften die Problematik und Vielschichtigkeit von Change-Management-Prozessen. „Auf der einen Seite haben wir die klassischen Unternehmensberatungen, die Organisationen eher als technische Gebilde sehen und den Schwerpunkt der Beratung auf die Optimierung der Organisation legen.“ Die Empfehlung lautet dann in der Regel Geschäftsprozessoptimierungen, Downsizingprogramme oder Produktportfoliobereinigungen vorzunehmen. Auf der anderen Seite gibt es die Beraterfraktion, die den Menschen im Mittelpunkt sehen. In dem Fall werden Change Prozesse in der Regel den Fokus auf Zusammenarbeit und Entwicklung von Individuen und Gruppen legen.

Das Unternehmen und/oder der Mensch?

Das ist Kraus nicht genug. Er übt heftige Kritik an dieser Zweiteilung: „Ich kenne nur ganz wenige Berater, die es schaffen, beide Sichtweisen zu integrieren und eine ganzheitliche Beratung vornehmen. Auch wenn die Meisten „Ganzheitlichkeit“ auf den Visitenkarten stehen haben.“

Mit dieser Einschätzung steht Kraus nicht allein. Diplom-Psychologe Michael Franke, Geschäftsführer des Trainings- und Beratungsunternehmens IMPULSE bestätigt dies: „Nicht wenige Veränderungsprozesse in Organisationen orientieren sich zu stark am einseitigen Themen-/ und Kompetenzfokus der jeweiligen Beratungsgesellschaft. Daran sind letzthin auch die verantwortlichen Manager nicht ganz schuldlos, die derzeit oft nach der Formel: hart und radikal ergibt wirkungsvoll, Veränderungsprozesse durchführen lassen.

Beobachtbar ist ein bei den betroffenen Mitarbeitern hohes Ohnmachts- und Frustpotenzial, verbunden mit massiven betriebswirtschaftlichen Reibungsverlusten, welche –zumindest in diesem Ausmaß- vermeidbar wären.

Der Blick auf die Gesamtorganisation, die Berücksichtigung struktureller, kultureller und personeller Themen ist vor diesem Hintergrund sehr wichtig. Der Themenfokus kann sich dabei in den einzelnen Phasen des Change Prozesses ändern. In der Praxis dominieren demgegenüber häufig vorgefertigte „5-Phasen-und-wir-sind-da-Konzepte“, die weitgehend rigide durchgezogen werden und dabei eher Schaden als Nutzen bringen.

Insoweit kommt der kritischen Auswahl bei der Inanspruchnahme professioneller Unterstützung und Beratung große Bedeutung zu. „Benötigt werden Berater, die als professionelle Grenzgänger zwischen den verschiedenen Welten ihre Kunden wirkungsvoll und autonomiefördernd bei der Erreichung ihrer Ziele unterstützen“, so das Plädoyer von Franke. Auf einen weiteren wichtigen Aspekt weist Dr. Berndt Einecker, Unternehmensberater und Dozent für Unternehmensführung an der FH Nürtingen-Geislingen, hin: „Große Beratungsfirmen führen Change-Prozesse häufig mit sich ähnelnden Konzepten durch und ziehen sich oftmals zu früh zurück. Der Kunde bleibt dann manchmal schon direkt nach Ende der Implementierungsphase allein zurück.

Aber gerade im Spannungsfeld während und nach einer Veränderung, sowohl bei der veränderten Mitarbeiterstruktur als auch beim langfristigen Erfolgscontrolling benötigen Führungskräfte und Mitarbeiter noch professionelle Hilfe.“ Doch auch Einzelkämpfern gibt der langjährig erfahrene Organisationsentwickler und Coach keine Chance: “Ein Change Manager als Einzelkämpfer ist schlecht ausgestattet.“ Er empfiehlt, auf ein gut funktionierendes Netzwerk von Beratern zu achten, welches die verschiedenen Aspekte eines Veränderungsprozesses abdecken kann. Dabei sind für ihn die „Technos“, die beispielsweise auf Organisationsstrukturen, Finanzen und Geschäftsentwicklung spezialisiert sind, genauso wichtig wie die „Psychos“, die sich mit den „weichen“ Faktoren wie Mitarbeiterführung, Unternehmenskommunikation und –kultur auseinandersetzen.

Beispiel DaimlerChrysler

Ein Beispiel eines gelungenen Miteinanders beider Seiten gibt Dr. Holger Steindorf, Manager bei Daimler Chrysler. Die Automobilfirma setzte bei einem großen Change Managementprojekt 1996 im Bereich der Nutzfahrzeuge von vornherein auf eine Mischung zwischen Kommunikationsprofis und Geschäftsstrategen. Keimzelle der Veränderung bildete eine Gruppe aus Geschäftsführung, internen und externen Beratern. Von Anfang an betrachtete die Projektgruppe sowohl die emotionale Seite des Veränderungsprozesses als auch die organisatorischen Konstellationen und nahm beides gleichermaßen in Angriff. Eine gründliche Diagnose und ein Umsetzungsplan waren wichtige Voraussetzungen für das Erreichen einer höheren Wirtschaftlichkeit und effizienteren Kostenstrukturen. Die Geschäftsführung legte großen Wert auf die „gleiche Wellenlänge“ der Berater aus verschiedenen Lagern. Ohne kongruente Grundstruktur, konstatiert DaimlerChrysler Manager Steindorf, wäre ein reibungsloses Miteinander im CM-Prozess nicht möglich gewesen.

Vorgehensweise

Eine solche Grundstruktur erfordert zunächst einmal Vorarbeiten im eigenen Haus. Veränderung muss von der Management-Ebene getragen werden. In größeren Unternehmen ergreift oft eine Stabsabteilung (Personalentwicklung oder Organisation) die Initiative zu einem Change-Prozess. Diese Versuche scheitern jedoch oft kläglich, wenn die Führungsriege nicht wirklich dahintersteht. Intern müssen Ziele und Erwartungen definiert sein, bevor der richtige Berater gefunden werden kann.

Auch während des Prozesses ist Geduld erforderlich. Die nötigen Effekte ergeben sich nicht innerhalb weniger Wochen. Wandel im Unternehmen ist ein permanenter Prozess und darf unter den heutigen Marktgegebenheiten nicht einschlafen. Zudem dürfen die notwendigen Ressourcen nicht unterschätzt werden. Die Verwirklichung einer Vision kostet Zeit und Geld, Veränderungen rufen Widerstände bei den Mitarbeitern hervor, die erkannt und ausgeräumt werden müssen. Berater können hier unterstützend wirken, doch nicht zaubern.

Eine offene Kommunikationspolitik zwischen Geschäftsführung, Beratern und Mitarbeitern gibt eine gesunde Basis für ein Change-Management-Vorhaben. Wie findet ein Entscheider nun gezielt das Consultingunternehmen mit der nötigen Allround-Kompetenz, das eine solche Basis mittragen kann? Dr. Kraus rät bei der Auswahl eines Change-Managementberaters zunächst auf die Persönlichkeit zu achten:

  • Stimmt die Chemie?
  • Passt die Person zur Firmenkultur?
  • Spricht der Consultant eine klare Sprache?
  • Verfügt er über ein breites und flexibles Repertoire?
  • Kann er glaubhaft eine Sicht auf die Gesamtorganisation vermitteln?

Doch die Persönlichkeit eines Beraters kann nicht allein das Kriterium für die Auswahl sein. Langjährige Berufserfahrung aus heterogenen Branchen eröffnen ein weites Sichtfeld der Problemlage, während die Fokussierung auf eine Branche zur Betriebsblindheit führen kann. Eine vielseitige Aus- und Fortbildung sowohl in sozialer Kompetenz als auch im betriebswirtschaftlichen Bereich ermöglicht einen ganzheitlichen Ansatz. Netzwerker und Teamplayer mit starker sozialer Kompetenz sind eher für einen Change-Prozess geeignet als reine Fachspezialisten. Ein Change-Management-Berater sollte als Generalist die verschiedenen Disziplinen wirkungsvoll integrieren können.

Ein Leitfaden zur Auswahl des geeigneten Beraters

  1. Klärung der Ziele und der eigenen Bedürfnislage – Welches Know-how wird benötigt, das Sie im eigenen Hause nicht oder nicht im ausreichendem Maße besitzen?
  2. Hat der Berater die nötige Kompetenz? Kennt er sich mit der speziellen Aufgabenstellung aus? (Branchenkenntnisse sind eher zweitrangig, da diese in Ihrem Haus vorhanden sind.)
  3. Hat der Berater einen ganzheitlichen Ansatz und Kenntnisse sowohl im organisatorischen als auch im kulturellen Bereich?
  4. Welche ähnlichen Projekte hat der Berater durchgeführt? Lassen Sie sich Referenzen nennen! Scheuen Sie sich nicht, dort anzurufen und nachzufragen.
  5. Lassen Sie sich die Vorgehensweise schildern. Achten Sie auf die Schwerpunkte der Beratung.
  6. Wer führt den Auftrag durch? Nötigenfalls sollten Sie den Ansprechpartner vertraglich fixieren lassen. Sonst haben Sie evtl. den Profi das erste und letzte Mal bei den Akquisitionsgesprächen gesehen, um sich den Rest des Projekts mit Newcomern ärgern zu dürfen.

Phasen eines Change-Prozesses

  1. Erstellung einer Organisationsdiagnose und Bildung von Hypothesen über Stärken, Schwächen, Veränderungsfördernde-, und hemmende Faktoren
  2. Festlegen der Zielrichtung. Wo wollen wir hin? (Vision, Strategie)
  3. Was soll geändert werden? (Struktur, Kultur), welche Ergebnisse sollen entstehen?
  4. Wie sind die Rahmenbedingungen und die Einschätzungen, ob und wie sich diese ändern werden?
  5. Erstellen eine Masterplans für den Change-Prozess.
  6. Realisierung der Maßnahmen und Stabilisierung der Ergebnisse
  7. Genaues Beobachten des Change-Prozesses und gegebenenfalls Kurskorrekturen vornehmen.

Literatur zum Thema

1. John Pendlebury, Benoit Grouard & Francis Meston “The Ten Keys to Sucessful Change Management” [340]

2. Spencer Johnson, „Die Mäusestrategie für Manager“ [341]

3. Klaus Doppler und Christoph Lauterburg „Change Management. Den Unternehmenswandel gestalten“ [342]

4. Noel M. Tichy „Regieanweisung für Revolutionäre“ [343]

5. Peter Veil “Die Zeitfalle im Change Management” [344]

6. Christian Deuringer „Organisation und Change Management. Ein ganzheitlicher Ansatz zur Förderung organisatorischer Flexibilität.“ [345]

Gastbeitrag von:
Susanne Schmeißer
escriva.event
Tel. 02683/9384-96
Fax: 02683/9384-97

escriva@ivkm.de [346]

http://www.escriva-event.de [347]