Familienfreundlich Schwäbisch Hall bietet Mitarbeitern viele Möglichkeiten

22.09.2008 – Je schärfer der Wettstreit um qualifizierte Mitarbeiter wird, umso mehr versuchen Unternehmen sich als familienfreundliche Arbeitgeber zu profilieren. Kurzfristiger Aktionismus bringt aber beim Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf wenig. Nötig sind nachhaltige Gesamtkonzepte, denn sonst gelingt weder der gewünschte Imageaufbau, noch ein langfristiges Binden der Mitarbeiter. Schwäbisch Hall zeigt, wie es richtig geht.
Schlagwort: Arbeitsgestaltung

Der Bewerbermarkt ist in Bewegung – und die Richtung, in die er sich bewegt, lässt Unternehmen größere Anstrengungen als früher unternehmen, sich als attraktive Arbeitgeber zu profilieren. Der Arbeitsmarkt verändert sich unter anderem aufgrund des demografischen Wandels von einem Arbeitgeber- zu einem Arbeitnehmermarkt. Deshalb müssen die Unternehmen stärker als früher nach außen zeigen, welch positive Rahmenbedingungen sie speziell gut ausgebildeten Arbeitnehmern bieten. Beim allgemeinen Zeigen wird es jedoch nicht bleiben. Mittelfristig wird vielmehr das gezielte, frühzeitige Zugehen auf geeignete Kandidaten darüber mitentscheiden, ob Unternehmen weiterhin genügend Nachwuchskräfte finden. 

Unternehmen können mit vielerlei Maßnahmen auf den demografischen Wandel reagieren. Ältere Arbeitnehmer können länger beschäftigt werden, Frauen können nach der Erziehungspause früher wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren, Teilzeitkräfte können mehr Wochenstunden arbeiten. Diese Möglichkeiten funktionieren allerdings nur, wenn folgende Prämisse gilt: Die Arbeitsbedingungen, die Arbeitsinhalte und das Arbeitsklima stimmen. Ansonsten entscheiden sich Mitarbeiter nicht für ein späteres Ausscheiden oder eine frühere Rückkehr aus dem Erziehungsurlaub. Das Image als Arbeitgeber bei den relevanten Zielgruppen muss ebenfalls passen und Informations- und Kontaktangebote müssen vorhanden sein, sonst bewerben sich zu wenig gut ausgebildete Fachkräfte im Unternehmen.

Familienfreundliche Angebote rechnen sich

In einer Studie hat das Bundesfamilienministerium den betriebswirtschaftlichen Nutzen von Investitionen in familienfreundliche Angebote errechnet und kam zu folgenden Ergebnissen: Unternehmen, die nachhaltig in Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie investieren,

  • rekrutieren einfacher und schneller neue Mitarbeiter,
  • senken die Fluktuation und
  • reduzieren Stressfaktoren für Mütter und Väter.

Des Weiteren: Den Aufwendungen in die erforderlichen Maßnahmen stehen geringere Wiederbeschaffungs- und Eingliederungskosten sowie weniger Überbrückungskosten durch geringere Fehlzeiten gegenüber. Die Studie beziffert den jährlichen Return on Investment auf 15 bis 25 Prozent. Dabei ist die Zunahme der Wiederbeschaffungskosten durch zurückgehende Absolventenzahlen in der Zukunft noch nicht berücksichtigt. Es gilt: Die betriebswirtschaftlichen Effekte sind umso höher, je länger das Engagement anhält und auf internes Arbeitsklima und externes Unternehmensimage wirken kann.

Eine weitere Größe zahlt auf das Konto der Unternehmensreputation ein: die Zufriedenheit der Kunden. Sie wird insbesondere in der Finanzbranche zu wesentlichen Teilen durch den Umgang der Kundenberater und -betreuer mit ihnen geprägt. Ohne ein gutes Betriebsklima entsteht jedoch keine Einsatzbereitschaft gegenüber Kunden. Fehlentwicklungen in diesem Bereich führen zu versteckten (Folge-) Kosten, die nur langfristig wieder abgeschafft werden können. Diese Erkenntnisse haben in einigen Unternehmen bereits dazu geführt, familiengerechtes Führungsverhalten zum Bestandteil der Zielvereinbarungen für das Management zu machen und die Vergütung daran zu orientieren.

Die individuellen Bedürfnisse beachten

So weit will Schwäbisch Hall nicht gehen. Die von Experten und Politikern geforderten Instrumente sind aber bereits seit Jahren gelebte Praxis. Sie tragen heute bereits wesentlich zum Unternehmenserfolg der Bausparkasse bei. Dabei lautet das Credo von Schwäbisch Hall, den einzelnen Mitarbeitern Lösungen anzubieten, die ihnen in ihrer spezifischen, familiären Situation weiterhelfen. Entsprechend breit ist das Bündel von Maßnahmen, die zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf beitragen.

Die heutigen Kernforderungen an die Wirtschaft enthalten unter anderem

  • eine Flexibilisierung der Arbeitszeit,
  • Angebote, um in Auszeiten zum Unternehmen Kontakt zu halten,
  • Möglichkeiten zur Telearbeit und
  • eine betrieblich organisierte Kinderbetreuung.

Viele Bausteine hiervon wurden bei Schwäbisch Hall schon in den 70er Jahren eingeführt, weil das Unternehmen gut ausgebildete Frauen nicht als Arbeitskraft verlieren wollte. Bereits damals war der Frauenanteil sehr hoch, heute beträgt er knapp 60 Prozent der Belegschaft. Und von den Führungskräften im Unternehmen sind aktuell ein Fünftel weiblich – ein Anteil, der künftig gesteigert werden soll. Von den neun Hochschulabsolventen, die in diesem Jahr als Trainees im Unternehmen begonnen haben, sind immerhin sieben weiblich.

Mehr als 60 Teilzeitmodelle

Bei den Arbeitnehmern galten und gelten familienfreundliche Arbeitszeiten allgemein als der Bereich mit dem größten Handlungsbedarf. Deshalb ergriff Schwäbisch Hall hier schon früh die Initiative: Die Gleitzeitregelung gilt in der Bausparkasse seit 1971. Innerhalb der Betriebsöffnungszeit von 6 bis maximal 20 Uhr wird die Anwesenheit innerhalb der Teams geregelt. Sie orientiert sich an den Bedürfnissen der Kunden, Nachbarteams sowie Mitarbeiter und spielt sich meist schnell und geräuschlos zum gegenseitigen Vorteil ein. Anfallende Überstunden werden bei Tarifangestellten mit Zeitausgleich und maximal 30 freien Gleittagen vergütet, durchschnittlich zwölf werden pro Mitarbeiter im Jahr genommen.

Die Teilzeitquote hat sich in den letzten Jahren auf hohem Stand stabilisiert. Knapp 1.000 der rund 3.200 Mitarbeiter, also 30 Prozent, am Standort Schwäbisch Hall arbeiten Teilzeit. Mittlerweile existieren rund 60 Teilzeitmodelle mit einem Arbeitsvolumen zwischen 50 und 90 Prozent der tariflichen Arbeitszeit, während der Elternzeit auch weniger.

Eine Alternative zur Teilzeit ist ein Telearbeitsplatz zuhause. Er ist geknüpft an eine Mindestanwesenheit im Unternehmen von 20 Prozent. Seltener, aber dennoch üblich ist das Teilen eines Arbeitsplatzes, neudeutsch Jobsharing.

Eigenes Kindertagheim und erweiterte Elternzeit

Neben der flexiblen Arbeitszeit ist das Kindertagheim das Herzstück der Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf – und ein nicht zu unterschätzender Imagefaktor nach außen. Seit 1969 nimmt es Mitarbeiterkinder von 3 bis 10 Jahren zwischen 7 und 17 Uhr auf, und zwar ganzjährig. Selbstverständlich ist auch eine kurzfristige Notfallbetreuung möglich. Der „Fuchsbau“ gegenüber der Hauptverwaltung bietet rund 50 Plätze. Die kurzen Wege dorthin tragen zu einem harmonischen, ja familiären Betriebsklima bei.

Ein kleiner, aber wichtiger Baustein im Gesamtkonzept ist die „Erweiterte Elternzeit“: Statt der gesetzlich geforderten drei Jahre können Schwäbisch Hall-Mitarbeiter vier Jahre Elternzeit im Block nehmen und nach der Einschulung in die Grundschule ein weiteres Jahr hinzufügen. Dieses Angebot zeigt, dass viele Maßnahmen von einem Unternehmen außer einer gewissen Flexibilität wenig verlangen. Sie können aber im Gegenzug Mitarbeiter mit Kindern aus einer echten Zwangslage befreien. Gleichzeitig sind Weiterbildungen und Teilzeitarbeit auch im Erziehungsurlaub möglich.

Auszeit für Pflege und Seniorenheim

Traditionell haben viele Maßnahmen zur Familienfreundlichkeit Mitarbeiter mit Kindern im Kindergarten- oder Schulalter im Blick. Vergessen wird noch oft, dass eine Pflegebetreuung eine Vollerwerbstätigkeit unmöglich machen kann. Seit 1992 erlaubt deshalb eine Regelung Mitarbeitern bei Schwäbisch Hall, sich bis zu zwei Jahre für die Pflege von Angehörigen freistellen zu lassen.

Ein Einzelfall in der deutschen Unternehmenslandschaft ist sicherlich das Seniorenwohnstift der Bausparkasse in der Haller Innenstadt. Es ist in erster Linie gedacht für ehemalige Mitarbeiter, in zweiter Linie aber auch für Angehörige jetziger Mitarbeiter. Es verfügt über 52 Wohnungen und einen Pflegebereich, der auch die Langzeitpflege übernehmen kann.

Das Jobticket, die kostenlose Jahreskarte für die Benutzung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) geht über die Arbeitszeit- und Betreuungsregelungen hinaus, denn sie hat nicht in erster Linie Familien im Blick, sondern alle Mitarbeiter. Mit dem Jobticket gewinnen alle Seiten: Die Mitarbeiter können die Fahrkarte auch privat nutzen, die Bürger der Region profitieren ebenfalls von einem gut ausgebauten ÖPNV-Netz und das Unternehmen trägt zum Umweltschutz bei und hält gleichzeitig die Kosten für Parkplatzbau und -unterhalt niedrig. Zwei Drittel der Mitarbeiter nutzen regelmäßig Bus und Bahn für ihren Weg zur Arbeit.

Zufriedene Mitarbeiter – zufriedene Kunden

Dieser Strauß an Maßnahmen und Angeboten führt dazu, dass die Mitarbeiter in Befragungen eine sehr hohe Zufriedenheit mit ihrem Arbeitgeber angeben; 9 von 10 identifizieren sich stark oder sehr stark mit Schwäbisch Hall. Die gleiche Anzahl würde Schwäbisch Hall als Arbeitgeber weiterempfehlen. Die gute Meinung der Arbeitnehmer über ihr Unternehmen ist ein unbezahlbares Marketinginstrument beim Gewinnen neuer Mitarbeiter. Zertifikate wie „TOP-Arbeitgeber“ und eine wahrnehmbare Arbeitgeberpositionierung können so nachhaltig verstärkt werden.

Aber ein zusätzlicher Aspekt zählt für Schwäbisch Hall noch mehr: Kundenbefragungen zeigen eine hohe Zufriedenheit mit dem Unternehmen. So führt das Deutsche Kundenbarometer die Bausparkasse unter den Ersten bei der Kundenzufriedenheit. Auch die Untersuchung „Deutschlands kundenorientierteste Dienstleister 2007“ kommt zum Ergebnis, dass die Bausparkasse Schwäbisch Hall das beste Kreditinstitut in Sachen Kundenorientierung ist. Diese Ergebnisse bestätigen Mitarbeitern, Kunden und dem Unternehmen, dass der eingeschlagene Weg, zu dem wesentlich auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gehört, der richtige ist. Unter dem Slogan „Gemeinsam Werte schaffen“ wird Schwäbisch Hall sich auch mit diesen Inhalten verstärkt als attraktiver Arbeitgeber positionieren.

[Bild: Fotolia.com]

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Über den Autor

Ehrhard Steffen
Ehrhard Steffen

Ehrhard Steffen ist seit 1997 Mitglied des Vorstands der Bausparkasse Schwäbisch Hall AG. Der 1949 geborene Jurist arbeitet seit 1976 für Schwäbisch Hall und ist im Vorstand für den Kredit- und Sparbereich sowie die Dezernate Procurement und Technologie sowie Personal und Recht verantwortlich.

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