Talentmanagement Mit guten Ideen überraschende Probleme lösen

08.04.2008 – Für das Management des dynamischen Teils von Projekten sind die üblichen Projektmanagement-Methoden nutzlos oder zumindest Nebensache. Worauf es ankommt: Mitarbeiter, die mit ihren Erfahrungen und Ideen auch überraschende Probleme lösen können.

Für alteingesessene Unternehmer und Management-Strategen klingt es wie eine Provokation. Klassische Projektmanagement-Methoden sollen nicht mehr angewendet werden? Zumindest für den dynamischen Anteil von Projekten werden sie sich wohl an diese Realität gewöhnen müssen. Besonders wenn das Ziel sein soll, sich erfolgreich auf den globalen Märkten zu bewegen. Denn in der Enge globaler Märkte sind Unternehmer mit immer wieder neuen Ideen im Vorteil.

Hohe Qualität und niedrige Kosten allein reichen nicht aus, um den eigenen Marktanteil zu erhöhen. Märkte globalisieren sich durch Wachstum in der Fläche. Wenn sie dann schließlich global sind, ist die einzige Möglichkeit für Unternehmen sich weiter auszubreiten, den Marktanteil der Konkurrenten anzugreifen und zu übernehmen. Es gilt den Konkurrenten buchstäblich zu überraschen und dabei selbst flexibel genug zu bleiben, um durch unerwartete Gegenmanöver der Wettbewerber nicht aus dem Konzept zu geraten.

Ideenmanagement

„Die Menge an Überraschungen nennen wir Dynamik. Sie nimmt zu und ist mittlerweile das dominierende Umgebungselement fast aller Unternehmen und Projekte. Die meisten Unternehmen leiden unter ihr. Die wenigen, die es nicht tun, nennen wir dynamikrobuste Höchstleister. Sie gebrauchen die Dynamik und haben Denkwerkzeuge entwickelt, um einen Nutzen daraus zu ziehen.“

Das erklärt Dr. Gerhard Wohland, Leiter des Instituts für dynamikrobuste Höchstleistungen an der Benmark University. Dort analysiert er Höchstleister und entwickelt Techniken, mit denen Unternehmen Höchstleistungen als Vorbild nutzen können. Dabei sollen neue Denkwerkzeuge, Techniken und Verfahren helfen, um die Herausforderungen dynamischer Märkte zu bewältigen.

Erfolgreiche Unternehmen zeichnen sich dadurch aus, dass sie ein hohes Maß an Überraschungen aushalten oder sogar erzeugen können. Eine Überraschung kann zwei Ursachen haben:

  1. Mangelndes Wissen, das jedoch recht einfach durch bestimmte Methoden, zugänglich gemacht werden kann.
  2. Die Idee eines Konkurrenten. In diesem Fall hilft dem Unternehmen kein Wissen; einzig eine eigene Idee ist eine adäquate Antwort auf die Konkurrenz und kann die eigene Position erneut sichern.

Talentsuche

Was Unternehmen brauchen, sind Ideen. Denn wenn Probleme vor allem durch Überraschendes erzeugt werden, gibt es keine fertigen Lösungen (Methoden). Benötigt werden Leute, die überraschende Probleme mit Ideen lösen können. Menschen, die viele Ideen haben sind Könner. Das Können ist die Basis von Ideen und damit die wichtigste Waffe für Unternehmen, die im dynamischen Markt überleben wollen. Was aber benötigt wird, um Können zu erzeugen, ist Talent. Nicht das Talent selbst, erst das Können, das daraus entstehen kann, ist wirtschaftlich relevant. Dennoch muss, wer Können benötigt, erst Talente fördern. Vielen Führungskräften ist diese Entwicklung bewusst, doch stellt sich für sie die schwierige Frage, wie und wo man diese dringend benötigten Talente sichtbar machen kann.

Notwendig ist dabei vor allem ein Umdenken in Bezug auf Mitarbeiterleistung und Mitarbeiterpotenzial. Menschen beziehungsweise Mitarbeiter können nicht nur danach beurteilt werden, was sie schon sind, sie müssen auch danach beurteilt werden, was aus ihnen werden könnte, also nach ihrem Talent. Zwar kann sich jeder durch fleißiges Üben überall verbessern, doch höchste Leistungen entstehen nur auf der Basis von Talent. Dieses Potenzial liegt zunächst verborgen und wird erst sichtbar, wenn durch tätiges Üben höchstes Können erreicht wird.

Was tun, um dieses Talent zu finden, wenn gängige Auswahlkriterien bei der Personalsuche nicht greifen? Wohland stellt fest, dass gerade jene Unternehmen, die sich besonders mit der Suche abplagen, meist erfolglos bleiben. Weil Talente zunächst unsichtbar sind, ist Talentförderung ein Risiko. Zur Arbeit unter Risiko werden ebenfalls Talente benötigt. Das bedeutet, dass auch die Personalabteilung Talente benötigt, um Talente zu finden. Dazu kommt schließlich noch, dass Mitarbeiter mit Talent die Lösung eines Problems erst dann finden können, wenn sie damit konfrontiert sind. Erst dann kann auch festgestellt werden, zu welcher Höchstleistung sie in der Lage sind.

Das Problem ist die Lösung

Beispiel Nokia

Nokia Networks konfrontiert Bewerber mit aktuellen Problemen des Unternehmens. Fällt es ihm leicht beeindruckende Ideen zur Lösung zu nennen, kommt der Bewerber in die engere Auswahl. Karrierelaufbahn und Ausbildung treten völlig in den Hintergrund. Im Vordergrund steht nicht das Wissen, sondern das Können des Bewerbers und sein mögliches Potenzial dynamische Probleme des Unternehmens in Angriff zu nehmen.

Einige Unternehmen, die sogenannten Höchstleister, haben Techniken entwickelt, durch die sie Talente sichtbar machen können und diese so fördern, dass sie die Möglichkeit haben, sich zu Könnern zu entwickeln. Natürlich ist ihr Talent in nur ganz bestimmten Situationen einsetzbar. Wenn Dynamik dominiert, ereignen sich Überraschungen an vielen verschiedenen Punkten im Unternehmen. Daher kann es für diese weder feste Prozesse noch Stellenbeschreibungen geben: Die üblichen Management-Methoden sind daher im Prinzip völlig nutzlos.


Mehr dazu im Buch von Gerhard Wohland und Matthias Wiemeyer:
Denkwerkzeuge der Höchstleister, Wie dynamikrobuste Unternehmen Marktdruck erzeugen, Murmann, 2007

[Bild: Fotolia.com]

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Über den Autor

Dr. Gerhard Wohland
Dr. Gerhard Wohland

Dr. Gerhard Wohland war über fünfzehn Jahre erfolgreich im Consulting und leitenden Management von Beratungshäusern tätig und baut jetzt mit der Benmark das Institut für "Dynamikrobuste Höchstleister" auf. Aus seiner Mitarbeit an vielen großen Projekten, hat er das so genannte transmethodische Projektmanagement entwickelt.

AnschriftDr. Gerhard Wohland
Benmark GmbH
Thierschstraße 11
80538 München
Webwww.benmark.net