Für Ihre Methode nutzen Sie neben der Mathematik auch Ansätze aus der Quantenphysik, der Psychologie und Weisheiten aus alter babylonischer und griechischer Zeit. Bitte klären Sie uns auf, wie das in der Praxis funktioniert.
Wie schon erwähnt: Unternehmen sind lebende Organismen. Sie werden geboren und sterben irgendwann. Ganz konkret, wenn sie Konkurs anmelden müssen. Im metaphysischen Sinn steht das Hinterfragen, Reflektieren und Neuausrichten auf der ToDo-Liste. Insofern unterliegen sie auch bestimmten Wachstums- und Entwicklungsphasen, die sich berechnen lassen. Soweit zu den mathematischen Methoden. Aus der Quantenphysik wissen wir, dass es universelle Zusammenhänge und verschiedene Energieströme gibt. Die lassen sich beeinflussen. So wie es bei jedem Menschen gute und schlechte Tage gibt, gibt es die auch bei Unternehmen. Manchmal ist eben die Zeit nicht reif, der Energielevel nicht hoch genug.
Was die Psychologie anbelangt, ist diese im modernen Business gar nicht mehr wegzudenken. Selbstmotivation, Führung und Management kommen ohne Psychologie nicht aus. Und alte Weisheiten, ja, Pythagoras und viele andere Wissenschaftler haben uns zahlreiche Erkenntnisse gebracht, die alle noch heute gültig sind. Die Wissenschaft ist so alt wie die Geschichte der Menschheit.
In der Praxis stelle ich viele Fragen, analysiere gemeinsam mit dem Unternehmer seine Daten und Fakten und versuche auf der persönlichen Ebene herauszufinden, wo seine Interessen und Ziele wirklich liegen. Das bringe ich dann in Einklang. Individuelles Wollen und Können werden synchronisiert mit berechenbaren Zeitqualitäten. Es ist eine Mischung aus Berechnung, Coaching und betriebswirtschaftlicher Analyse.
Haben Sie keine Bedenken, nicht ernst genommen zu werden, wenn Sie Unternehmen mit alten Weisheiten kommen?
Bedenken nein, ein Bewusstsein dafür ja. Altes Wissen ist auch deswegen alt, weil es sich bewährt hat. Niemand würde es heute als Weisheit bezeichnen, wenn es Unsinn wäre. Die Basis unserer heutigen Betriebs- und Volkswirtschaftslehre beruht doch auf den Erkenntnissen vieler alter Mathematiker, Philosophen und Kaufleute. Dem kann sich kein Unternehmer verschließen.
Sie behaupten, Ihre Methode funktioniere immer. Gesetzt den Fall, Sie haben Recht. Gibt es dann also bald kein Unternehmen mehr, das Entscheidungen zum falschen Zeitpunkt trifft?
Die wird es immer geben. Unternehmen sind nur so gut wie ihre Inhaber und Manager. Nicht jeder möchte dieses Wissen für sich nutzen. Viele glauben, alles am Verstand orientiert entscheiden zu können. Das führt irgendwann zwangsläufig zu Fehlern. Diese müssen auch nicht gravierend sein, aber die jüngsten Finanz- und Wirtschaftskrisen haben gezeigt, dass das dominant willensorientierte und egogeleitete Agieren an Grenzen stößt. Es gibt natürliche Gesetze und Grenzen, die auch Top-Manager nicht überschreiten können.
Mehr Demut vor der Natur und dem Menschen täten Unternehmen gut. Viele haben das erkannt, aber alle werden es niemals umsetzen. Vielleicht ist das aber auch gut so, denn Fehler sind Lern- und Entwicklungsschritte, die Anderen helfen und auch einem selbst. Die Methode funktioniert – Unternehmer können aber frei entscheiden, ob sie sie auch einsetzen möchten oder nicht, ob sie zu denen gehören, die Fehlentscheidungen aus der Nähe oder der Ferne erleben möchten.
Es gibt aber doch Situationen, die schlichtweg nicht vorhersagbar sind. Denken Sie nur an Naturkatastrophen wie etwa Vulkanausbrüche, die den Bilanzen von Fluggesellschaften oder der Tourismusbranche ganz schön zusetzen können …
Selbst das lässt sich vorhersagen und wird ja auch ungefähr vorhergesagt. Es ist eher eine Frage der Werkzeugauswahl beziehungsweise eine Frage, welcher Verfahren oder Methoden ich mich zum Erkenntnisgewinn bediene. Daraus muss ich dann die richtigen Schlüsse ableiten. Letztlich geht es aber auch um Wahrscheinlichkeiten, auch die gehören zur Mathematik.
Die meisten Unternehmenskrisen entstehen aber nicht durch äußere Einflüsse, sondern sind hausgemacht: Gedankenmuster, Führungsstile und unternehmerische Strategien in sich wandelnden Märkten und veränderten personellen Anforderungen. Hier spielen Zeitqualitäten und der bereits genannte Biorhythmus von Unternehmen eine wichtige Rolle. Die Aufgabe ist dann, den Rhythmus des Unternehmenslenkers mit denen des Unternehmens und der Mitarbeiter in Einklang zu bringen. Es geht immer um Ausgleich und Anpassung an die jeweils anstehenden Herausforderungen – intern und extern.
„Pi-mal-Daumen“-Entscheidungen, sagen Sie, hätten mit Ihrer „Zeitintelligenz“-Methode künftig ausgedient. Entscheidungen aus dem Bauch heraus können aber manchmal auch in Unternehmen nützlich und sinnvoll sein, oder?
Auf jeden Fall. Oft ist Intuition wichtiger als reine Ratio. Als guter Unternehmer achte ich auf beides und gleiche die beiden Pole miteinander ab, wenn sie sich widersprechen. Erfahrungen, Gefühle, Intuitionen, eben das „Bauchhirn“, müssen mit dem Verstand kombiniert werden. Nur so werden Entscheidungen sachlich und emotional als richtig empfunden. Bauchentscheidungen sind das Ergebnis von Nervensystemen, Nervenzellen und Spiegelneuronen. Hier gilt ein anderes universelles Lebensgesetz: wie innen, so auch außen.
Zeitintelligenz ist also keine künstliche Methode, die den Bauch ausschaltet, sondern im Gegenteil der Einklang aus universell gültigen Prinzipien, rationaler Analyse und strategischer Planung im Wissen um den eigenen Unternehmens-Biorhythmus.
Wir gehen davon aus, Sie wenden Ihre Methode auch für sich selbst beziehungsweise für Ihr Unternehmen an. Nichts liegt näher. Haben Sie bislang jede Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt getroffen?
Alle Entscheidungen kann ich nicht zum richtigen Zeitpunkt treffen. So wie ein Sportler ja auch nicht den Zeitpunkt der Olympiade verschieben kann. Aber ich orientiere mich streng an meinen Zeitqualitäten und stimme meine eigenen mit denen meines Unternehmens ab.
Wenn ich Termine nicht steuern kann, bin ich eben einem höheren Risiko ausgesetzt. Dieses kann ich aber in Kenntnis dessen minimieren. Das ist ein entscheidender Vorteil, der mir neue Gestaltungs- und Handlungsoptionen gibt. Damit bin ich letztlich meiner Zeit sogar voraus.
Frau Strickner, wir danken Ihnen für das Gespräch.