Wie Sie als Bewerber besser mit Absagen umgehen
Eine Absage, in der ehrlich steht, warum es nicht geklappt hat, wird es wohl kaum noch geben, weil Arbeitgeber eine mögliche Klage auf jeden Fall verhindern möchten. Deshalb sind auch telefonische Nachfragen oft erfolglos. Trotz allem ist es für Bewerber aber wichtig, zu analysieren, warum eine Absage, anstatt des Jobangebots im Briefkasten liegt. Die Analyse müssen die Bewerber entweder für sich selbst machen oder einen professionellen Bewerbungs- oder Karriereberater beauftragen. Zuerst könnte aber die Selbstanalyse helfen. Hier ein paar mögliche Gründe für die Absage:
- Schon die Stellenbeschreibung hat zu wenig oder gar nicht auf Ihre Qualifikation gepasst. Achten Sie in diesem Fall darauf, dass es oft mehr bringt, sich auf weniger Stellen zu bewerben, die aber besser passen, als in wilden Aktionismus zu verfallen. Denn das hagelt dann meistens noch mehr Absagen, die frustrieren können.
- Die Bewerbung ist zu spät angekommen und die Stelle ist schon besetzt.
- Ihre Bewerbungsunterlagen weisen Mängel auf: zum Beispiel ist das Foto nicht ansprechend, es sind viele Fehler im Text, das Anschreiben ist zu lang und zu wenig originell, der Lebenslauf ist unschön formatiert, die Bewerbung per E-Mail ist mit zu vielen Anhängen versehen und so weiter.
- Es gibt unter den vielen Bewerbern einen, der besser auf die Stelle passt.
Aus dem letztgenannten Grund können die Bewerber nicht viel für Ihre nächsten Bewerbungen lernen, außer dass sie schlicht und ergreifend damit leben müssen, dass es immer jemanden geben kann, der nach Ansicht des Arbeitgebers besser auf die Stelle und zu dem Unternehmen passt. Laut Gerhard Winkler müssen Bewerber nicht immer die Gründe einer Absage verstehen. Er sagt:
„Um Absagen zu verstehen, braucht man keinen Jobanbieter, und die Absagen, die man nicht versteht, kann einem entweder kein Jobanbieter rationalisieren oder sie liegen weitab der eigenen Einflusssphäre. Was wollen Sie tun, wenn eine Jobposition aus politischen Gründen dann doch nicht eingerichtet wird? Absagen sind manchmal Warnschüsse, manchmal die erwartbare Antwort, manchmal Künstlerpech und bisweilen sind sie frech, benachteiligend und justiziabel.“
Eigentlich müsste man sich an Absagen schon gewöhnt haben, denn das ganze Leben lang werden wir damit konfrontiert. Das fängt schon im Kindergarten an, wenn die Gruppe, in der der beste Freund ist, plötzlich keinen freien Platz mehr hat und man doch in die andere Gruppe muss, in der man keinen kennt. Aber bei Job-Absagen geht es ja um die berufliche Zukunft und oft auch um die Existenzsicherung. Das kann schmerzhafter sein und das lässt den Bewerber verkrampfen, weil er sein Ziel wieder nicht erreicht hat.
Tipp für Bewerber: So schwer es auch sein mag, lassen Sie sich nicht entmutigen! Nehmen Sie die Absagen nicht persönlich, denn bedenken Sie, dass die Personen, die die Absagen verfassen Sie meistens gar nicht kennen. Sehen Sie es als etwas Normales an, wenn Sie ein Absageschreiben bekommen. Andere sind in einer ähnlichen Situation und müssen auch damit umgehen. Wenn Sie es mehr wie ein Glücksspiel sehen, hilft Ihnen das vielleicht dabei, sich nicht gekränkt zu fühlen. Der Fehler liegt oft nicht bei Ihnen, sondern ist einfach nur ein unglücklicher Zufall. Personaler haben auch ihre Vorlieben und diese können Sie gar nicht vorab wissen – entweder die Bewerbung gefällt oder eben nicht. Es ist teilweise sehr willkürlich, welcher Bewerber Erfolg hat. Lassen Sie sich nicht beirren und machen Sie weiter, irgendwann wird es klappen!
Bewerbungsexperte Winkler rät Bewerbern, sich möglichst von Anfang an persönlich ins Spiel zu bringen:
„Bewerber sollten sich direkt mit dem Unternehmen in Kontakt setzen und die schriftliche Bewerbung als den zweiten Schritt ansehen. Sie sollten Fürsprecher, Agenten oder Mittler einschalten. Bei Sofortabsagen ist es sinnvoll, das eigene Kompetenzprofil zu prüfen und nach Defiziten abzuklopfen. Es ist besser, sich nur auf Offerten zu bewerben, wenn man die Anforderungen verstanden und wenn man gute Argumente hat.“
Für Winkler liegt der Hauptgrund für Absagen ganz eindeutig daran, dass sich die Bewerber auf die falschen Stellen bewerben. Deshalb sollten sie sich:
„nur auf Jobs bewerben, für die sie eine reale Chance haben. Das klingt grausam, aber fehlende fachliche Eignung ist ein Hauptgrund für die Nichteinstellung. Für den fachlich geeigneten und psychisch stabilen Bewerber sind Absagen allenfalls Anlässe, das Vermarkterverhalten weiter zu entwickeln. Das Ziel ist ein Deal und irgendwann klappt bei jedem der Deal.“
Als Bewerber Jobangebote absagen
Es kommt hin und wieder auch vor, dass Unternehmen einem Bewerber eine Stelle anbieten und dieser dann kein Interesse mehr hat. Umgekehrt sollten auch Bewerber, die einem Unternehmen für eine Stelle absagen müssen, sich immer korrekt und freundlich verhalten. Wer weiß, was die Zukunft bringt, und ob sie nicht doch gerne einmal einen Job dort hätten.
Am besten wendet sich der Bewerber mit seiner Absage an den Ansprechpartner, den er aus der Personalabteilung kennt und mit dem er im Vorstellungsgespräch gesprochen hat. Eine ehrliche Absage, ohne dabei zu viel über den neuen Job zu verraten, ist am sinnvollsten, um einen guten Eindruck zu hinterlassen. Erwähnen sollte der absagende Bewerber auch, dass ihm die Entscheidung nicht leicht gefallen ist und er den Kontakt trotzdem aufrecht erhalten möchte, indem er sich beispielsweise meldet, wenn für ihn eine Stelle in dem Haus infrage kommen sollte.
Absagen anstatt bewerben
Der Satiriker Jürgen Sprenzinger hat den Spieß einmal umgedreht und sich auf Stellenanzeigen nicht beworben, sondern den Unternehmen gleich eine Absage darauf geschickt. In dem Buch „Sehr geehrter Herr Hornbach, um ein Haar hätte ich mich bei Ihnen beworben – Absagen auf unverlangte Stellenanzeigen“ hat er seine Absagen und die entsprechenden Reaktionen darauf veröffentlicht.
Ein Unternehmen zum Beispiel, das eine Empfangssekretärin suchte, erhielt ein Schreiben von dem Satiriker, in dem er auf die geschlechtsspezifische Diskriminierung hinweist: "Ich muss Ihnen leider mitteilen, dass ich die Anzeige als gegenstandslos betrachte und mich nicht bei Ihnen bewerben kann. Der Hauptgrund ist: Ich bin keine Empfangssekretärin, sondern männlichen Geschlechts."
Oder auf eine Annonce einer Bäckerei, die einen Verkaufsleiter suchte, schrieb er Folgendes: "Vielen Dank für Ihre Stellenanzeige in meinem Exemplar der Augsburger Allgemeinen und das Vertrauen, das Sie damit meiner Person entgegengebracht haben. Leider konnte ich aufgrund der Vielzahl der Stellenanzeigen Ihre Stellenanzeige nicht berücksichtigen und muss daher von einer Bewerbung für eine Tätigkeit in Ihrem Haus absehen." Die Reaktionen der Personalabteilungen waren sehr unterschiedlich. Die einen antworteten gar nicht, andere ließen sich etwas Gewitztes einfallen.
Quellen und weiterführende Links
Bewerbungsmappen.de: Arbeitsrecht von H.G. Rühle
Kienbaum Communications Award 2009
Mustertexte für Bewerbungsabsagen
Handelsblatt: AGG-Hopper scheitern vor Gericht
- Teil 1: Bewerbungsabsagen: Wenn Bewerber und Unternehmen nicht zusammenfinden
- Teil 2: Absageschreiben beeinflussen Arbeitgeberimage
- Teil 3: Mit Absagen besser umgehen