Age Management Ältere Mitarbeiter sind nicht schlechter, aber anders

Teil 3: Auswirkungen auf das Personalmanagement

Ausgeglichene Mitarbeiterstruktur

Unternehmen haben die unterschiedlichsten Stellen zu besetzen. Neben unterschiedlichen Qualifikationen sind vor allem auch unterschiedliche kognitive Begabungen gefordert. So können beispielsweise ältere Mitarbeiter Positionen, die fluide Intelligenz erfordern, weniger gerecht werden. Lehraufgaben und vorwiegend beratende, beaufsichtigende oder betreuende Aufgaben sind hingegen besser geeignet, da man für sie ein hohes Maß an kristalliner Intelligenz benötigt.

Wenn Mitarbeiter nicht auf eine Position passen, weil die Fähigkeiten den Anforderungen nicht entsprechen, führt dies auf lange Sicht unweigerlich zu abnehmender Motivation, Vernachlässigung der Aufgabenerfüllung und zu Frustration sowohl auf Seiten der Mitarbeiter als auch der Kollegen und Vorgesetzten.

Die RWTH Aachen hat Betriebe befragt, welche Stärken und Schwächen sie bei älteren und jüngeren Erwerbstätigen bemerken. Hier das Ergebnis:

Wahrgenommene Stärken und Schwächen älterer Mitarbeiter

+ wenig genannt, ++ häufig genannt, +++ sehr oft genannt; Quelle: INIFES/SÖSTRA-Befragung von Unternehmen in den Arbeitsamtbezirken Berlin Mitte, Schweinfurt und Suhl, 2000/2001, Basis 88 Betriebe

Unternehmen sollten versuchen, die Positionen so zu besetzen, dass die Stärken unterschiedlicher Altersgruppen komplementär genutzt werden. Gibt es fast ausschließlich jüngere Mitarbeiter, fehlen die Stärken der Älteren, wie viel Erfahrung, Zuverlässigkeit und Führungsfähigkeit. Fehlen junge Menschen im Unternehmen, fehlen häufig Kreativität und Flexibilität sowie die Bereitschaft zu Veränderungen.

Auch bei Teamarbeit ist eine gute Mischung des Alters sinnvoll. Ehrhard Flato, ausgewiesener Personalexperte und Trainer, kennt die Vorteile gemischter Teams:

"Altersgemischte Teams sind eine ideale Arbeitsform, um die Leistungs- und Fähigkeitsprofile von jüngeren und älteren Mitarbeitern zu vereinen und die daraus resultierenden Effekte für das Unternehmen nutzbar zu machen. Altersgemischte Teams – auch Tandem-Teams genannt – leisten einen unschätzbaren Beitrag zum Wissens- und Erfahrungstransfer innerhalb einer Organisation. Jüngere Mitarbeiter sammeln schneller Praxiserfahrungen, und ältere Mitarbeiter profitieren von deren oftmals aktuellerem theoretischem Wissensstand. Tandem-Teams sind somit die ideale Arbeitsform, um die Vision der lernenden Organisation Wirklichkeit werden zu lassen."

HR-Maßnahmen an das Alter anpassen

Aufgrund unterschiedlicher Persönlichkeitsstrukturen und kognitiver Leistungen, ist es wichtig, dass jeder Mitarbeiter im Unternehmen die richtige Behandlung und Förderung bekommt. Darunter fallen Bereiche wie Personalentwicklung, Leistungsbeurteilungen, Vergütungs- und Arbeitszeitmodelle.

Auch Motivationsanreize unterscheiden sich je nach Alter. Jüngere können mit stark leistungsabhängigen Vergütungsmodellen, Beförderung oder engen Kontrollsystemen motiviert werden, während Ältere dies eher abschreckt. Diese lassen sich durch ein hohes Maß an Entscheidungsspielraum, flexible Arbeitszeiten und Einbindung in Unternehmensentscheidungen besser motivieren.

Jedoch sollten Arbeitgeber aufpassen, wenn sie ältere Mitarbeiter anders behandeln als die jüngeren Kollegen. Oft wird zum Beispiel eine spezielle Weiterbildung für Ältere als Diskriminierung wahrgenommen. Auch wenn dies sehr sinnvoll ist, wollen viele keine "Extra-Behandlung". Mit Aufklärungsgesprächen kann dieser Einstellung entgegen gewirkt werden. Denn unterschiedliche persönliche wie kognitive Fähigkeiten verlangen auch unterschiedliche Lernformen.

Damit ältere Mitarbeiter nicht nur geistig, sondern auch gesundheitlich fit bleiben, sollte die Arbeitsplatzgestaltung ergonomisch ausgerichtet sein. Präventive Maßnahmen könnten sein:

  • stärkere Beleuchtung,
  • Lärmminderung und
  • Abwechslung zwischen Sitz- und Steharbeitsplatz.

Achtung: Es sollten keine speziellen „Altenarbeitsplätze“ geschaffen werden, denn das erhöht das Ungerechtigkeitsempfinden und altersbedingte soziale Abgrenzung. Außerdem profitieren auch junge Mitarbeiter von ergonomisch gestalteten Arbeitsplätzen.

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