Age Management Ältere Mitarbeiter sind nicht schlechter, aber anders

Teil 2: Fähigkeiten, Intelligenz und Persönlichkeit verändern sich mit zunehmendem Alter

Kognitive Fähigkeiten und Intelligenz im Alter

Unternehmen, die sich mit Age Management auseinandersetzen und versuchen, Mitarbeiter ab der zweiten Lebenshälfte richtig einzusetzen und zu fördern, können viel gewinnen. Denn die kultur- und erfahrungsbasierten Fähigkeiten nehmen im Alter zu. Mit diesen Fähigkeiten können Menschen ab 50 bestimmte Aufgaben im Betrieb um einiges besser erfüllen als die jungen Kollegen.

Der Mensch unterliegt zwar einem biologischen Alterungsprozess, doch der verläuft viel individueller und komplexer, als gemeinhin angenommen wird. Altern ist keineswegs nur mit biologischen Abbauprozessen und mit dem Verlust von Fähigkeiten auf der geistigen, körperlichen und sozialen Ebene verbunden. Vielmehr entwickeln wir uns im Laufe des Lebens in verschiedenen Bereichen in unterschiedliche Richtungen.

Das heißt nicht, dass es beim Älterwerden nicht zu Einbußen kommt. So erreicht die körperliche Leistungsfähigkeit zwischen Pubertät und frühem Erwachsenenalter ihr Maximum – darunter fallen Eigenschaften wie Schnelligkeit, Beweglichkeit, Ausdauer, Kraft und Koordination sowie die Fähigkeit zur Situationsorientierung (fluide Intelligenz). In diesen Disziplinen fällt die Leistungskurve im Durchschnitt bis 40 langsam, jenseits der 40 steiler ab. Allerdings gibt es auch hier Ausnahmen. So lassen gut trainierte Fünfzig- oder auch Sechzigjährige beim Marathonlauf jeden untrainierten Zwanzigjährigen garantiert alt aussehen.

Das Gegenstück zu fluider Intelligenz ist die kristalline Intelligenz. Sie gilt als kultur- und erfahrungsabhängig, beinhaltet personenspezifisches Wissen und ist abhängig von Ausbildung und beruflichen Fähigkeiten. Diese Intelligenz bleibt weitgehend unberührt vom kontinuierlichen Rückgang der fluiden Fähigkeiten und zeigt in der Regel einen kontinuierlichen Fortbestand bis ins hohe Alter.

Trotz des Rückgangs der fluiden Intelligenz schaffen es Ältere meist, durch bestimmte Strategien oder Hilfsmittel, kognitive Einbußen der fluiden Intelligenz auszugleichen. Dadurch beeinträchtigt dieser Rückgang sie kaum. So lässt sich im Arbeitsalltag ein verlangsamtes Reaktionstempo durch Voraussicht wettmachen und eine verringerte Gedächtnisleistung durch externes Speichern (Festplatte oder Zettel!) kompensieren.

Auch die nachlassenden Seh- und Hörleistungen sind individuell korrigierbar (Seh- und Hörhilfen) oder durch Standards zum Beispiel für Beleuchtungsstärken, für Kontraste oder Schriftgrößen, die nicht auf Jüngere zugeschnitten sind, sondern allen Altersgruppen gerecht werden, auszugleichen.

Die Sparda Bank setzt auf ältere Mitarbeiter

Thomas Renner, der Vorstandsvorsitzende der Sparda-Bank in Stuttgart, trennt nicht zwischen jung und alt.

"Es gibt Bewerber, die gut zu uns passen oder eben nicht.“

Er belegt das mit Zahlen. Rund ein Drittel der Neueinstellungen, die das Kreditinstitut in den vergangenen drei Jahren getätigt hat, seien Menschen, die älter als 50 Jahre sind.

Bernd Säger ist einer, der bei der Sparda mit 50plus nochmals durchstartet. Der gebürtige Rheinländer arbeitete als Marktleiter bei einer Privatbank. Als er vor knapp zehn Jahren wechseln wollte, spürte er den Alters-Malus. Nach 300 erfolglosen Bewerbungen versuchte er es bei der Sparda-Bank. Bereits im Bewerbungsgespräch zeigte sich:

"Die Bank ließ mich spüren, dass mein Alter keine Rolle spielt."

Säger vermittelt mittlerweile seit sieben Jahren in der Ludwigsburger Sparda-Filiale Wohn- und Hausfinanzierungen.

[Quelle: http://www.stuttgarter-nachrichten.de/...]

Ältere sind emotional stabiler

Nicht nur die kognitive Leistungsfähigkeit zeigt altersbedingte Veränderungen, sondern auch der Verlauf von Persönlichkeitsdimensionen. So sind ältere Menschen normalerweise emotional stabiler und erscheinen zufriedener, beherrschter und stressfreier. Und auch die Verträglichkeit und die Gewissenhaftigkeit nehmen mit voranschreitendem Alter zu. In Bezug auf die Arbeitsweise werden diese Mitarbeiter zu besseren Teammitgliedern, verhalten sich unterstützender, sind hilfsbereiter und besser organisiert.

Dagegen nimmt die Offenheit gegenüber Neuem mit steigendem Alter ab, was dazu führt, dass die Älteren konservativer werden und mehr bewahren als verändern möchten. Aber auch solche Persönlichkeitsmerkmale werden in Unternehmen gebraucht.

(keine Bewertung)  Artikel bewerten