Age Management Ältere Mitarbeiter sind nicht schlechter, aber anders

Teil 4: Weiterbildung für Mitarbeiter 50plus

Für das Erlernen neuer Informationen ist vorrangig der Hippocampus im Gehirn zuständig. Im Alter unterliegt er natürlichen Abbauprozessen. Wissenschaftler haben jedoch herausgefunden, dass nicht jeder ältere Mensch dadurch Nachteile hat. Wenn während des Lernvorgangs zusätzlich zum linken präfrontalen Kortex auch die analoge rechtsseitige Region genutzt wird, nehmen Ältere Informationen besser auf und können somit effizienter lernen. Dieser Prozess kann aber leider nicht bewusst gesteuert werden und ist somit nicht lernbar. Die Schlussfolgerung daraus: Einige ältere Menschen brauchen länger Zeit, um die gleiche Informationsmenge zu verarbeiten. Anderen gelingt dies schneller.

Für Weiterbildungsangebote bedeutet es, dass sie individueller gestaltet sein müssen und sich an der Lernfähigkeit der Gruppe orientieren sollten. Durch das Arbeiten in Kleingruppen oder mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden kann in Seminaren auf das Lerntempo eingegangen werden.

Arbeiten mit Open-Space-Formaten ist ein Ansatz, der in einigen schweizer Schulen praktiziert wird. Er ist auch für die Weiterbildung Älterer sinnvoll.

Stichwort

Bei Open-Space-Formaten entscheiden die Teilnehmer selbst, in welchen Gruppen sie über welchen Zeitraum Informationen aufnehmen wollen. Andreas Müller, Leiter des Schweizer Instituts Beatenberg, prägte dazu den Begriff Autagogik – die Selbststeuerung beim Lernen mit individuellen Zielen und Verbindlichkeiten.

Herausforderung im Trainingsbereich wird es sein, diesen Ansatz zu übertragen, damit ältere und lebenserfahrene Menschen selbstbestimmt lernen können.

Diese individuelle Lernform hat noch einen weiteren Vorteil: Die Teilnehmer fühlen sich nicht mehr so gestresst. Wie Forscher herausgefunden haben, ist Stress ein regelrechter Lernkiller. Denn: Wenn Menschen Stress empfinden, schütten sie das Stresshormon Cortisol aus, das nachweislich zu Vergesslichkeit und reduzierter Lernleistung führt.

Stress mindernd wirkt sich auch Humor aus. So können Trainingsinhalte, Erwartungen der Teilnehmer aber auch Ängste bezüglich der Seminarabläufe gut mit konstruktivem Humor begegnet werden. Das heißt nicht, dass der Seminarleiter als Clown verkleidet ist und ständig Witze reißt. Vielmehr soll mit Spaß gelernt werden, denn das verstärkt die Lerneffekte.

Einfluss der Beschäftigung Älterer auf die Personalkosten

Oft wird von Personalverantwortlichen behauptet, dass Ältere zu teuer seien. Und tatsächlich sind in einigen Tarifverträgen Regelungen vereinbart, die ein mit dem Lebensalter steigendes Einkommen zur Folge haben. Der Trend geht jedoch weg von der Senioritätsentlohnung hin zu einer stärker anforderungs- und leistungsorientierten Entlohnung.

Neben dem Gehalt führen Personaler auch längeren Urlaub und durchschnittlich längere Krankheitszeiten als Faktoren an, die Ältere teurer machen würden. Die Ausfälle bei Jüngeren wegen Krankheit und Kinderbetreuung sind jedoch mindestens genauso hoch.

Ältere würden auch oft sehr hohe Gehaltsvorstellungen haben, was sie mit der längeren Berufserfahrung begründen. Ältere Bewerber äußern zwar zuerst höhere Gehaltsvorstellungen, sie sind dann aber angesichts der gerade für die Älteren schwierigen Arbeitsmarktsituation häufig zu Abstrichen bereit.

Und Unternehmen sollten den Kosten auch den Nutzen gegenüber stellen. Dann wird schnell deutlich, dass sich die Anstellung rentiert.

Weiterhin existieren staatliche Förderprogramme, die dazu beitragen, die Beschäftigung Älterer noch attraktiver zu machen. Das Bundesministeriums für Arbeit und Soziales beispielsweise bietet das Programm „Perspektive 50plus – Beschäftigungspakte für Ältere in den Regionen“ an. Es soll die Beschäftigungsfähigkeiten und -chancen älterer Langzeitarbeitsloser verbessern. Informationen dazu unter http://www.perspektive50plus.de/.

Unternehmen können auch mit alternden Belegschaften wettbewerbsfähig bleiben, wenn sie die Leistungsfähigkeit älterer und jüngerer Mitarbeiter sinnvoll kombinieren und pflegen. Die Mitarbeiter selbst sollten in allen Altersstufen ihren Beitrag zum Erhalt ihrer Beschäftigungsfähigkeit (Employability) leisten, indem sie beispielsweise Weiterbildungsmöglichkeiten wahrnehmen und Angebote des betrieblichen Gesundheitsmanagements nutzen.

Weiterführende Links

Mit folgenden Online-Tests können Sie ermitteln, wie gut Ihr Unternehmen für den demografischen Wandel gerüstet ist:

Folgende Checkliste des Instituts für Sozialforschung kann Betriebspraktikern dabei helfen, sich einen ersten Überblick über die unterschiedlichen Handlungsfelder altersgerechter Arbeits- und Personalpolitik zu verschaffen und möglichen Gestaltungsbedarf zu erkennen:

Im Projekt LagO des Instituts für Sozialforschung und Sozialwirtschaft Saarbrücken werden, gemeinsam mit Unternehmen, Konzepte und Maßnahmen zur Förderung der Beschäftigungsfähigkeit und der Beschäftigungsmöglichkeiten älterer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen entwickelt und erprobt.

Quellen

[po; Bild: ©Hanik - Fotolia.com]

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