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Aufschwung nach der Krise Fachkräftemangel als Schattenseite

Von Gunnar Berning, twago
11.08.2010 – Das Wirtschaftswachstum nach der weltweiten Finanzkrise hat auch seine Schattenseiten. Einige offene Stellen werden aufgrund von fehlenden Fachkräften in Zukunft unbesetzt bleiben. Bis sich Wirtschaft und Politik geeinigt haben, wie man dem Fachkräftemangel entgegenwirkt, bedarf es flexibler Übergangslösungen.

Der Wirtschaftsaufschwung ist in voller Fahrt und die Krise vom letzten Jahr wird als überwunden bezeichnet. Das erwartete Wirtschaftswachstum von 2,3 Prozent für 2010 wird zu einer Zunahme der Neueinstellungen führen. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) spricht sogar schon von Vollbeschäftigung in einigen Regionen Deutschlands. Die erfreuliche Nachricht über das Wirtschaftswachstum und der einhergehende Rückgang der Arbeitslosigkeit haben jedoch eine Schattenseite: Fachkräftemangel.

Die vom Mangel am stärksten betroffenen Berufszweige sind die Naturwissenschaften sowie Ingenieur- und Technikerberufe, wo laut Institut der deutschen Wirtschaft (IW) bis 2014 rund 200.000 Stellen unbesetzt bleiben werden, bis 2020 könnten es sogar 425.000 sein. Die Experten des IW schätzen weiterhin, dass bis 2030 insgesamt fünf Millionen Stellen aufgrund von Fachkräftemangel offen bleiben könnten. Der Fachkräftemangel hat auch negative Auswirkungen auf die Wertschöpfung. Der Verlust wird vom IW auf rund drei Milliarden Euro beziffert.

Der Bundeswirtschaftsminister spricht von einem hohen Bedarf an ausländischen Fachkräften, um alle offenen Stellen besetzen zu können.

„Der Fachkräftemangel wird in den nächsten Jahren zum Schlüsselproblem für den deutschen Arbeitsmarkt und nicht die Arbeitslosigkeit“,

sagte Brüderle im Interview mit dem Handelsblatt. Als Lösung halte er die Steigerung der Attraktivität des deutschen Arbeitsmarktes für ausländische Experten für erfolgsversprechend. Lockprämien, die Unternehmen an ausländische Facharbeiter zahlen, sowie die „Reduzierung der Einkommensschwellen“ seien ein Ansatzpunkt.

Frank-Jürgen Weise, Chef der Bundesagentur für Arbeit, ist diesbezüglich anderer Meinung. Er betrachtet das Anwerben von ausländischen Fachkräften erst als einen zweiten Schritt. Primär sieht er die deutschen Unternehmen in der Verantwortung, Arbeitsplätze und Arbeitsangebote attraktiver zu gestalten und die Leistungsfähigkeit deutscher Fachkräfte so besser nutzen zu können. Er sagt:

„Das vorhandene Potenzial im Land sollte erst einmal genutzt werden. Wer qualifizierte Kräfte haben und halten will, muss etwas bieten – das können die Unternehmen selbst gestalten, da braucht man nicht nach dem Gesetz zu rufen."

Den derzeit verfügbaren IT-Fachkräften in Deutschland steht eine beachtliche Zahl fehlender Fachkräfte gegenüber

Besonders vom Fachkräftemangel betroffen ist die IT-Branche. Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) berichtete im Februar 2010, dass es insgesamt 40.000 offene Stellen für IT-Experten gab. Gleichzeitig waren nur 33.000 Arbeitslose mit entsprechenden Qualifikationen gemeldet. Fachkräftemangel ist in Deutschland und andere europäischen Ländern jedoch nichts Neues. Einen ersten Versuch den deutschen IT-Arbeitsmarkt mit ausreichend Fachkräften zu versorgen, war die Einführung einer „Greencard“ für IT-Experten vor zehn Jahren unter der rot-grünen Regierung mit dem damaligen Kanzler Gerhard Schröder. Das Programm war damals als sehr erfolgsversprechend beworben worden. Die Wirkung war jedoch sehr begrenzt, 2009 kamen gerade einmal 2.500 IT-Spezialisten aus anderen EU-Ländern nach Deutschland.

Fachkräftemangel ist nicht nur in Deutschland ein Problem. Die indische Handelskammer für die IT-Branche, Nasscom, sagt für 2010 voraus, dass sich das Werben um qualifizierte Mitarbeiter weltweit zuspitzen wird.

„Unternehmen der IT-Wirtschaft werden Probleme haben, die richtigen Mitarbeiter zu finden und die heutigen Mitarbeiter weiter zu binden“,

erklärt Srikantan Moorthy, Leiter der Bildungs- und Entwicklungsabteilung bei Infosys Technologies. Infosys ist mit derzeit 145.000 Mitarbeitern einer der weltweit größten IT-Konzerne.

Der sogenannte „War for Talent“ ist auch in den USA ein Problem. Laut einer Studie des amerikanischen Top-Personalberaters Marc Effron ist für 72 Prozent aller amerikanischen Unternehmen die Suche nach geeigneten Mitarbeitern „ein aussichtsloser Kampf“. Nur 18 Prozent gaben an, dass sie den Kampf um Fachkräfte für sich entscheiden können.

Zum Mangel an Experten im IT-Bereich kommt hinzu, dass sich der Zugriff auf frei verfügbare Fachkräfte schwierig gestaltet. Denn oft sind Absolventen und Experten nur kurz auf dem Arbeitsmarkt verfügbar. Sie werden von Recruiting-Experten der Konkurrenz umworben oder gehen einer selbstständigen Tätigkeit nach.

Eine mögliche Lösung für diese Probleme und um die Zeit, bis wieder genügend IT-Fachkräfte verfügbar sind, zu überbrücken, kann die zeitweise Zusammenarbeit mit externen Experten sein. Häufig bietet sich dafür auch eine projektweise Kooperation an.

Eine Möglichkeit, diese externen IT-Experten zu finden sind neben Personalvermittlern wie Hays oder Götzfried auch Vermittlungsplattformen für Experten und Freiberufler, beispielsweise twago.de oder Projektwerk. Besonders interessant ist die Nutzung solcher Vermittlungsdienste für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU), die häufig große Probleme haben, qualifizierten Fachkräften ein attraktives Angebot zu machen. KMUs finden auf derartigen Plattformen nationale und je nach Anbieter auch internationale Experten für Programmier- und (Web-)Designaufgaben sowie Unternehmensservices und können diese einfach und flexibel beauftragen.

Vermittlungsplattformen können eine zuverlässige und sichere Möglichkeit für Auftraggeber darstellen, Projekte auszuschreiben und an qualifizierte Fachkräfte zu vergeben. Einige Angebote warten sogar mit von den Plattformbetreibern verifizierten Benutzerprofilen oder Vertraulichkeitserklärungen für sensible Projekte auf.

Der Kampf um qualifizierte IT-Fachkräfte erscheint nicht aussichtslos. Unternehmen müssen aber in jedem Fall ihre Strategie anpassen, um sich weiterhin am Markt behaupten zu können und qualifizierte Fachkräfte zu finden.

[Bild: Fotolia.com]


Über den Autor

Gunnar Berning
Gunnar Berning

Der Dipl. Wirtschaftsingenieur Gunnar Berning ist Geschäftsführer und Gründer von twago, Online-Vermittlungsplattform von Dienstleistung im Bereich Programmierung, Webdesign und Unternehmensservice. Vor dem Start von twago war Gunnar Berning rund sechs Jahre bei der Siemens AG beschäftigt und beriet als Projektleiter verschiedene Teile des Konzerns in Deutschland und im Ausland.

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