Chancen nutzen Karriere, gute Laune, Life-Life-Balance

27.01.2009 – Wir organisieren gern, handeln strukturiert und wollen präzise arbeiten. Dadurch produzieren wir eine Qualität, die weltweit gefragt ist. Doch Freude macht die Arbeit längst nicht immer. Wer Ängste überwindet, Verantwortung übernimmt oder schlicht „sein Ding“ macht, nutzt seine Chancen. Spaß und Effizienz kommen dann ganz von alleine. Auch in Krisen. Sechs Menschen finden ihren Sinn und Spaß bei Ihrer Arbeit, wie diese Portraits zeigen.

Tüftlergeist und Hightech-Spezialisierung. Deutschland ist im Ausland bekannt für tolle Produkte. Die Dienstleistungsmentalität der Deutschen ist noch ausbaufähig. Kurzum werden die „Soft Skills“ immer wichtiger. Und die kann nur der Mitarbeiter einbringen, der Freude in seine Arbeit integrieren kann, Verantwortung übernimmt und sich mental auch mal vom System des „Das haben wir schon immer so gemacht“ trennen kann. Umfragen belegen, dass nur wenige Deutsche wirklich Spaß bei der Arbeit haben.

Eine neue Arbeitsphilosophie könnte so ausschauen: Weg von frustrierendem Zeitmanagement und Sicherheitsdenken um das Bestehen der Zukunft hin zu mehr Initiative, Service und Freude bei der Arbeit. Das könnte Deutschland gut gebrauchen. Dazu gehören eine Menge Mut und auch etwas Querdenken. Es muss heute nicht mehr ein Entweder-Oder sein. In der globalisierten Welt sind neue Wege im Job besser möglich als je zuvor. Sie sichern das Alleinstellungsmerkmal vom Produkt und seinem Kopf dahinter.

Die eigene Komfortzone an Begabungen finden

Ulrich Hemel, Theologe, Unternehmensberater, Vorstandsvorsitzender, Universitätsprofessor, verbindet das Ungewöhnliche.

Die Karriere von Professor Ulrich Hemel zeigt, dass Wirtschaft emotionale Seiten haben darf: Was haben Strategieberatung, Unternehmensgründung und Theologie gemeinsam? Jede Menge, wie er findet. Ihm macht es Spaß, Ungewöhnliches miteinander zu verbinden. Seine Augen leuchten, auf die Uhr schaut er kaum. Nur wenige in Deutschland teilen seine Schnittmengen.

Ein 0-8-15-Jobprofil für seine Qualifikationen gibt es nicht. Eher unauffällig dagegen ist das Outfit des Unternehmers, Anfang 50: karierte Krawatte und Meckie-Frisur. Auch beim Wohnen ist Ulrich Hemel am Boden geblieben, er lebt bescheiden, geht wirtschaftliche Probleme realistisch an. Darin gilt er für viele Manager in der deutschen Industrie als Vorzeige-Mann. Hemel denkt schnell, arbeitet viel - und strahlt dabei noch Freude aus.

Als Theologie-Doktor das Top-Management sanieren

Für die Wirtschaft scheint ihm das Training keine große Mühe gemacht zu haben. Der Mann hat Karriere gemacht, wie sie für manche im Buche steht. Als junger Theologie-Student verfolgte er die komplette akademische Laufbahn bis zum Professor. In der Unternehmensberatung The Boston Consulting Group arbeitete er sich zum Partner hoch, mit Personalverantwortung. Danach wechselte er in die Industrie, suchte neue Wege und keine vorgefertigten Fußstapfen.

Nach ein paar Jahren wurde Hemel Vorstandsvorsitzender eines Verbandherstellers, der Paul Hartmann AG in Heidenheim. Aus dem Mittelständler mit mehr als 10.000 Mitarbeitern, die Tupfer und Mullbinden produzieren, machte er einen Weltkonzern. Heute beteiligt sich der Generalist mit seiner Firma „Strategie und Wert“ an mittelständischen Industrieunternehmen. Lenken wollte Hemel schon immer gerne, statt nur die Landkarte vom Beifahrersitz aus zu lesen.

Aus Krisen Freude schöpfen und Chancen finden

Trotz einer gelungenen Karriere, die oft nur Ellenbogen-Dreschern und Stuhlbein-Sägern gelingt, kann Hemel einiges über erlebte Krisen und Stolpersteine sagen. Früher wollte er gerne Priester werden. Im Konzern der katholischen Kirche aber habe er „auf Granit gebissen“, zuletzt bei seiner Kandidatur zum Uni-Präsidenten in Eichstätt. Früher war es seine gescheiterte Ehe, die erste kleine Firma. Es lief nicht gut. Hemel ließ sich von diesen Rückschlägen nicht entmutigen.

Der zielstrebende Denker schaute nach vorn. Was er im Einzelnen noch so macht, kann auch der fleißige Chancensucher, der am liebsten zwei Sprachen pro Jahr lernen will, nicht so genau sagen. Durch Talent, Fleiß und Freude arbeitete er sich in die Komfortzone, wo es ihm gut geht, er Lust an dem hat, was er tut.

Lebendig spricht er von Chancenorientierung, mahnt mit seinen Händen zu mehr Entdeckerfreude im Leben. Er ist ein Moralist, der Emotionales anspricht, Dinge, die eigentlich klar sein sollten. In der Wirtschaft kommt das erstaunlich gut an, statt Work-Life-Balance lustvoller zu arbeiten. Es ist eine Life-Life-Balance, mit viel Arbeit und mehr Verantwortung – Spaß bei der Sache.

Wie Menschen ihr berufliches Schicksal selbst in die Hand nehmen, ihren Sinn selbst suchen und finden und am Ende Spaß bei der Arbeit haben - das zeigen die folgenden Portraits:

Der Teamspieler: Gemeinsamer Marathon im Job!

Hamburg. Friedrich Schwandt (41) wünscht sich mehr Teamgeist in der Wirtschaft. Zu viele Egotrips gebe es dort um Karriere und Posten. Heute hat er sich mit einem Statistik-Startup selbständig gemacht, um in einem kleinen Team bewusster zu arbeiten: Er will damit beginnen, ein Google von Statistiken für jedermann zu schaffen. Der Büro-Kicker und das gemeinsame Aufbauen von Ikea-Regalen entspannt beim Zahlensalat.

Der Genießer: Mehr Sonnenschein am Arbeitsplatz!

Madrid. Bernhard Niesner (29) liebt die Sonne und mag es, erst später ins Büro zu gehen. In seinem früheren Job war es Alltag, früh auf der Matte zu stehen – im Regen. Heute geht das Internetgeschäft des zielstrebigen Wieners morgens mit warmen Sonnenstrahlen los. Perfekt für einen langen Arbeitstag. Aber nur, weil er seinen früheren Job gekündigt hat und nach Madrid gezogen ist.

Der Stürmer: Jobs und Aufträge wertschätzen!

Tübingen. Gregor Landwehr (25) arbeitet hart und viel für seine Karriere als Journalist und Rhetoriktrainer. Aufträge kommen trotz Talent und Fleiß nur spärlich ins Büro des Studenten. Aber der Student ist pfiffig genug, die Höhen und Tiefpunkte im Job zu meistern. Mit Online-Marketing für Sportvereine auf den Dörfern hat sich der drahtige Typ seinen Wettbewerbsvorteil gesichert. Durch ein eigenes Magazin für Golfsport auch den Spaß.

Der Eigensinnige: Originelle Kleiderordnung zulassen!

Berlin. Christian Laase (26) schnitt sich für seine Karriere die Dreadlocks ab. Doch die Piercings sind drangeblieben. Statt Pinguin-Look im Dreiteiler läuft er barfuß durchs Büro, dank der eigenen Firma. Individualität, Verantwortung und Macher-Mentalität sind ihm wichtiger als Kleidungsvorschriften. Privates und Berufliches will er nicht trennen, gemeinsames Go-Kart-Fahren inklusive.

Lesen Sie auch diesen Beitrag von Jan Thomas Otte zur Karriereplanung: Gecoachtes Ich: "Wissen, woher man kommt"

Jan Thomas Otte forscht über Wirtschaftsethik (Princeton University) und berichtet über Karriereweisen in seinem Magazin karriere-einsichten.de

[Bild: Soulfee - Fotolia.com]

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