Personaler haben die Aufgabe, Stellenanzeigen in den Internet-Jobbörsen mit der bestmöglichen Resonanz zu platzieren. Doch der Markt für Jobbörsen ist sehr unübersichtlich, da sich im Netz über 500 verschiedene Anbieter plus weitere „Spider“ tummeln. Für denjenigen, der eine Stelle besetzen oder Bewerber gezielt ansprechen möchte, ist ein fundierter Marktüberblick wichtig, um die besten Köpfe fürs eigene Unternehmen zu gewinnen.
„Daher müssen sich Jobbörsen zwangsläufig als „exzellent“ darstellen“,
sagt Jakob Weinberg, Professor für E-Business an der Fachhochschule Wiesbaden. Er ergänzt:
„Um sich exzellent darzustellen, wird der Maßstab so gewählt, dass das Ergebnis immer top ist.“
Jobbörsen und IT-Systeme können die Personalauswahl nicht ersetzen, sind aber sowohl für Personaler als auch für Stellensuchende eine schnelle und kostengünstige Alternative zur klassischen Methode. Die Masse an Stellen wird bereits im Internet angeboten, auch wenn das Netz das persönliche Vorstellungsgespräch nicht ersetzt sondern nur verzögert Matthias Blümke sagt:
„Dieser Trend wird sich im Rahmen der demografischen Entwicklung weltweit noch verstärken.“
Trotz aller technischen Raffinessen im E-Recruiting wird man stets für die genaue Identifizierung geeigneter Mitarbeiter fürs Unternehmen auch einen klassischen Auswahlprozess installieren. Darin enthalten sind auch typische Assessment-Center-Übungen und Interviews, um einen besseren Eindruck vom Kandidaten zu bekommen. Der Heidelberger Personalexperte sagt:
„Man wird sich zur Evaluierung im Internet aber nicht nur auf Persönlichkeitsaussagen vom Kandidaten selbst verlassen.“
Unternehmen blicken optimistisch in die Zukunft des Internets, denn auch im laufenden Jahr werden viele offene Stellen online besetzt. Dies geht aus aktuellen Studien, „Recruiting Trends“ der Universität Frankfurt am Main hervor. Rund 90 Prozent aller offenen Stellen werden bereits auf unternehmenseigenen Homepages und knapp zwei Drittel über Online-Stellenbörsen veröffentlicht. Der Markt rechnet demnach mit einer steigenden webbasierten Nachfrage nach Jobs und Projekten. Ein wichtiges Qualitätsmerkmal von Online-Stellenbörsen gegenüber Printmedien ist die individuelle und maßgeschneiderte automatisierte Suche. Besonders technisch bezogene Branchen rund um IT, Consulting und Engineering profitieren davon.
„Aufgabenstellungen in den Unternehmen haben bis zu 60 Prozent Projektcharakter“,
sagt Christoph Beck von der Fachhochschule Koblenz. Es handele sich vor allem um Aufgaben mit einem ansteigenden Komplexitätsgrad, bei dem nur 10 Prozent der Tätigkeiten auf strategische Aufgabenfelder und Leitungsaufgaben entfallen. Die anderen 90 Prozent seien dagegen Routineprozesse, die synergetisch von Technik und Mensch gleichermaßen wahrgenommen werden könnten. Diese Entwicklung führt dazu, dass Unternehmen immer mehr freie Mitarbeiter im Projektgeschäft einsetzen und hierfür temporär per Internet nachfragen.
Auch aus dem Ausland sollen die besten Köpfe fürs eigene Unternehmen gewonnen werden, denn für rund ein Drittel der Unternehmen ist es nach Angaben der Studie bereits heute wichtig, junge Akademiker aus dem Ausland zu erreichen. Doppelt so viele gehen davon aus, dass die Relevanz der Auslandsrekrutierung in den kommenden fünf Jahren weiter steigen wird. Dazu ist das E-Recruiting eine willkommene Methode.
Die Jobbörsen spielen eine wichtige Rolle im Personalbeschaffungsprozess, Teil des sogenannten Human-Kapital-Managements. Seine Aufgabe ist es, den Wert der „Ressource Mensch“ zu steigern. Es werden ab 2010 zudem eigene Börsen für die Human Ressourcen existieren, die ebenfalls weltweit gehandelt werden. Somit haben Investitionen in Humankapital eine ganz andere Bedeutung. Doch bevor ein Wert gesteigert werden kann, muss man ihn erst einmal erkennen und bestimmen.
Auch im Internet werden nach wie vor dieselben Einstellungskriterien zugrunde gelegt wie bei „konventionellen“ Bewerbungen: Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnisse gehören als Dokumente dazu. Sie werden meist genauso sorgfältig gelesen, als lägen sie in einer klassischen Bewerbungsmappe. Personaler wollen keine Copy-and-Paste-Storys, Smileys oder Gänsefüßchen, sondern seriöse und sorgfältig erstellte Unterlagen sehen. Die fachliche Eignung steht immer noch im Vordergrund. Auch wenn der Klick auf „Versenden“ so leicht von der Hand geht – Bewerbungen sollten nicht allzu hastig abgeschickt werden. Sie sollten immer persönlich bleiben, gerade im Netz.