Vielen Menschen macht ihre Arbeit keinen Spaß mehr. Denn das Rad des Wettbewerbs dreht sich immer schneller und schneller und manch einer kommt da nicht mehr mit. Wie geht es weiter? Wo arbeite ich nächstes Jahr? Wer in befristeten oder prekären Arbeitsverhältnissen steht, wer Angst um seinen Job hat, wer immer mehr Aufgaben und Projekte bewältigen muss, für den wird die Arbeit zur täglichen Belastungsprobe. Und das wirkt sich auf seine Gesundheit aus. Betroffen sind nicht mehr nur die gering Qualifizierten, sondern auch Facharbeiter, Ingenieure und Führungskräfte.
Fehlzeiten: Immer häufiger psychisch bedingt
Das Wissenschaftliche Institut der AOK (WidO) stellt in seinem Fehlzeiten-Report für das Jahr 2009 fest, dass die krankheitsbedingten Fehlzeiten der rund zehn Millionen bei der AOK versicherten Arbeitnehmer 2008 im Durchschnitt bereits bei 17 Tagen lagen (2007 waren es noch 16,3 Tage). Das eigentlich alarmierende an dieser Zahl ist: Die Fehlzeiten sind immer häufiger auf psychische Erkrankungen zurückzuführen. Fehlt ein Arbeitnehmer beispielsweise wegen einer Atemwegserkrankung im Schnitt 6,4 Tage, bleibt er bei psychischen Beschwerden durchschnittlich 22,5 Tage zu Hause – zum Vergleich: der Gesetzgeber sieht 24 Tage als Mindesturlaub pro Jahr vor. Helmut Schröder, Mitherausgeber des Fehlzeiten-Reports und stellvertretender Geschäftsführer des WidO, bekräftigt:
„Die Zahl der von psychischen Erkrankungen verursachten Arbeitsunfähigkeitsfälle ist seit 1995 um 80 Prozent gestiegen.“
Während Frauen meist unter depressiven Beschwerden leiden, haben Männer mit den psychischen Folgeproblemen von zu viel Tabak- und Alkoholkonsum zu kämpfen. Zudem sind vor allem der Bereich der Öffentlichen Verwaltung und der Dienstleistungssektor von diesen Problemen betroffen (jeweils 11,2 Fälle von Arbeitsunfähigkeit je 100 AOK-Mitglieder). Eine besondere Teilproblematik unserer Arbeitswelt fördert eine im Fehlzeiten-Report vorgestellte Studie unter rund 2.000 Arbeitnehmern zu Tage: Das im Trend liegende Phänomen der Arbeitsplatzunsicherheit geht häufig mit einem höheren Arzneimittelverbrauch, stärkerem Alkoholkonsum und mit weniger sozialen Kontakten einher. Zudem gehen die Menschen immer öfter auch krank zur Arbeit (im Fall der AOK über 70 Prozent). Rund 20 Prozent haben Angst davor, ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Dazu Helmut Schröder:
„Vor dem Hintergrund auch dieser neuen Ergebnisse ist es wichtig, nicht nur die Belastungen im beruflichen Umfeld zu reduzieren, sondern auch die Ressourcen und den Umgang mit Stress bei jedem Einzelnen zu stärken.“
Dass es so nicht weitergehen kann, dürfte auch im Interesse der Wirtschaft und jedes einzelnen Unternehmens liegen. Der Grund: Die aus den Fehltagen oder mangelnder Konzentration während der Arbeit resultierenden Einschränkungen an Produktivität kosten die Unternehmen in Deutschland nach Berechnungen des Weltwirtschaftsinstituts in Hamburg (HWWI) jährlich 262 Milliarden Euro. Nicht von ungefähr mahnt Susanne Klein, Vorstandssprecherin des Bundesfachverbandes Betriebliche Sozialarbeit (BBS), in einem Bericht auf vdi-nachrichten.com, betriebliche Sozialarbeit sei kein Liebesdienst, sondern eine Investition in die Mitarbeiter und das Unternehmen. Was sind also die geeigneten Mittel, um psychisch angeschlagenen Mitarbeitern wieder auf die Beine zu helfen?
Betriebliche Sozialarbeit hat in Deutschland Tradition. Die ersten Grundlagen für die Methoden und Arbeitsformen entstanden bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Unternehmen wie Siemens oder Merck zählen zu den Vorreitern. Dabei entwickelten sich zwei Stränge heraus, die von der Wissenschaft als „klassische Methoden“ bezeichnet werden:
- die Einzelfallarbeit und
- die soziale Gruppenarbeit.
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