Beide Formen, die Einzelfallarbeit und die soziale Gruppenarbeit, wurden nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs aus den USA übernommen und bewirkten einen bedeuteten Wandel, der die bis dahin existierenden Methoden bereicherte. Diese beschränkten sich zu sehr auf das Individuum und die Behebung seiner materiellen Notlage, während das Modell der Gruppenarbeit aus der Neuen Welt auch erstmals psychosoziale Aspekte in die praktische betriebliche Sozialarbeit mit einbezog.
Die Einzelfallhilfe ist die am meisten verbreitete Form, mit der versucht wird, psychisch belasteten Mitarbeitern zu helfen. Als wichtigstes Werkzeug fungiert dabei die Gesprächsberatung, in der die Sozialarbeiter versuchen, die Probleme des Mitarbeiters zu ergründen. Zuhören, stabilisieren, Vertrauen aufbauen – darum geht es ganz grob gesprochen, wenn der dreifache Familienvater, einen Kredit für ein neues Haus an der Backe, von Leistungsdruck gepeinigt und in der Ehe vor einem Scherbenhaufen stehend sich einem Sozialarbeiter anvertraut. Das mag ermutigend klingen, doch auch Sozialberatung muss sich den veränderten wirtschaftlichen Umständen anpassen. Lag der Fokus in der Zeit der Etablierungsphase noch auf der Unterstützung alkoholkranker Mitarbeiter, geht es heute meist um persönliche Krisen und psychische Störungen – oft verursacht durch die Auswirkungen der modernen Arbeitswelt.
Mit dem Aufkommen von Teamarbeit trat die soziale Gruppenarbeit zunehmend in den Fokus der betrieblichen Sozialarbeit. Der Hintergrund: In beruflichen Gruppen beziehungsweise in Teams treffen Mitarbeiter mit unterschiedlichen Interessen und Zielen aufeinander, Konflikte sind oft vorprogrammiert. Für den Sozialarbeiter muss es dann darum gehen, verdeckte Gruppenprozesse und auch Hierarchien, die neben der offiziellen Unternehmenshierarchie bestehen, zu entlarven. In der betrieblichen Sozialarbeit lassen sich folgende Formen der Gruppenarbeit unterscheiden:
- Inszenierung und Etablierung von Selbsthilfegruppen, die ein bestimmtes Problem aufgreifen wie etwa chronische Krankheiten oder Alkohol;
- Themenorientierte Gruppenangebote, die sich aus bestimmten Situationen im Unternehmen ergeben und Bezug zum Privatleben haben (zum Beispiel Stressbewältigung oder Kommunikation);
- Gruppen zur Umsetzung personalentwicklungsspezifischer Maßnahmen wie etwa Mitarbeitergespräche.
In der Gruppenarbeit geht es vor allem darum, Bedürfnisse von Mitarbeitern zu befriedigen: „Anerkennung erhalten“, „etwas bedeuten“ und „Freude erleben“. Es geht aber auch um die Entwicklung von emotionalen und sozialen Kompetenzen, ohne die eine effektive Teamarbeit nicht möglich ist.
Anders sieht das bei der Einzelarbeit aus. Hier geht es zumeist um akute Lebenskrisen, um familiäre Probleme oder auch um Mobbing. Der betroffene Mitarbeiter muss sich dabei einer ihm zunächst völlig fremden Person anvertrauen – nicht selten gekoppelt mit der Angst, seine Probleme würden sich schnell im ganzen Unternehmen herumsprechen. Die Forschung zeigt auch, dass Sozialberater oftmals misstrauisch beäugt und als verlängerter Arm der Unternehmensführung gesehen werden.
- Teil 1: Employee Assistance: Mitarbeitern in der Krise helfen
- Teil 2: Betriebliche Sozialarbeit heißt zuhören, aufbauen, stabilisieren
- Teil 3: Mit externer Beratung aus der persönlichen Krise?
- Teil 4: Experten-Interview mit Michael Bremmer, Geschäftsführer des Bundesfachverbandes Betriebliche Sozialarbeit (BBS)
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