Nur wenige Firmen in Deutschland haben eigene Betreuungsplätze für die Kinder der Mitarbeiter. Das ermittelte das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) im aktuellen Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit im Auftrag des Bundesfamilienministeriums und der Robert Bosch Stiftung. Ende 2009 hatten lediglich 2,4 Prozent der Firmen einen Betriebskindergarten oder eine eigene Kindertagesstätte. Damit ist der Anteil in den vergangenen Jahren gesunken: 2006 betrug er noch 3,5 Prozent. Zugleich sind weniger Firmen bereit, Eltern zum Beispiel durch finanzielle Zuschüsse oder einen Tagesmütterservice bei der Kinderbetreuung zu unterstützen. Mehr Entgegenkommen zeigen viele Chefs aber, wenn ein Kind krank ist und zuhause betreut werden muss. Mehr als die Hälfte der Unternehmen gesteht es Beschäftigten dann zu, auch über den gesetzlichen Anspruch von zehn Tagen pro Jahr hinaus zu Hause zu bleiben.
Auch wenn es mit der Umsetzung teilweise noch hapert, plant doch der Großteil der Unternehmen, sich mit Familienfreundlichkeit auseinander zu setzen. Fast 80 Prozent von rund 1.300 befragten Unternehmen geben dem Thema Familienfreundlichkeit eine hohe beziehungsweise eine relativ hohe Bedeutung. Bei der ersten Befragung im Jahr 2003 waren es erst 46 Prozent.
Unternehmen profitieren von familienbewusster Personalpolitik
Unternehmen können das öffentliche Angebot von Kinderbetreuungsplätzen ergänzen und so die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für die Mitarbeiter verbessern. Eine familienbewusste Personalpolitik bietet nicht nur Vorteile für die Beschäftigten, sondern auch für die Betriebe selbst. So kommt zum Beispiel eine Studie der Prognos AG von 2003 zu dem Ergebnis, dass sich Investitionen in familienfreundliche Maßnahmen betriebswirtschaftlich rechnen. Dies bestätigen auch die Unternehmen, die familienfreundlich sind und dafür mit dem „audit Berufundfamilie“ ausgezeichnet wurden. Eine Befragung von zertifizierten Unternehmen durch das Forschungszentrum Familienbewusste Personalpolitik der Universität Münster zeigt, dass die Wertschöpfung pro Mitarbeiter dort höher ist als bei weniger familienfreundlichen Unternehmen.
Immer mehr Unternehmen betrachten die Kosten für die Kinderbetreuung weniger als reinen Kostenfaktor, sondern vielmehr als Investition. Denn durch das Betreuungsangebot sind die Mitarbeiter motivierter und engagierter, was Marktchancen eröffnet und die Wettbewerbsfähigkeit fördert. Auch für das positive Arbeitgeberimage (Employer Brand) ist die betriebliche Kinderbetreuung vorteilhaft. Es schafft Anreize für qualifizierte Arbeitskräfte, sich dort zu bewerben und hilft somit dem Unternehmen, Fachkräfte zu gewinnen. Dies ist aufgrund des fortschreitenden Fachkräftemangels ein wichtiger Aspekt. Weitere Gründe, sich als Unternehmen für eine familienfreundliche Personalpolitik zu engagieren, sind:
- Weniger Fehlzeiten: Mitarbeiter, die sich keine Sorgen um die Betreuung ihrer Kinder machen müssen, fallen seltener aus. Dies gilt gerade für Alleinerziehende, bei denen der zweite Elternteil nicht auch einmal einspringen kann. Die Kosten für die Überbrückung von Ausfallzeiten, Ersatz und Neueinstellungen sowie für die Einarbeitung und Qualifizierung neuer Beschäftigter sinken dadurch deutlich.
- Produktivität: Mütter und Väter arbeiten stressfreier, motivierter und produktiver, wenn sie ihre Kinder während der Arbeitszeit gut betreut wissen.
- Teamarbeit: Die Kollegen im Team werden entlastet, wenn der Mitarbeiter mit Kind weniger ausfällt. Das verhindert schlechte Stimmung und Konflikte im Team.
- Wiedereinstieg: Nach der Geburt des Kindes können die Mitarbeiter schneller wieder in ihren Beruf zurückkehren und so verlieren sie ihre beruflichen Kenntnisse und Fähigkeiten nicht so schnell.
- Chancengleichheit: Angebote zur Kinderbetreuung erhöhen die berufliche Chancengleichheit für Mütter und Väter, die berufstätig sein möchten.
- Mitarbeiterbindung: Unternehmen können auch qualifizierte Mitarbeiter halten, die sich um ihre Familienplanung kümmern.
Dies sind nur einige Motive, sich als Unternehmen familienfreundlich zu geben. Der Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit des IW Köln bestätigt, dass die Unternehmen die familienfreundliche Personalpolitik aus ganz bestimmten Gründen, nämlich aufgrund eigener Vorteile, verfolgen. Die Abbildung zeigt die Gründe der Unternehmen:
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