Familienfreundliche Maßnahmen sind für die Attraktivität eines Arbeitgebers ein strategischer Wettbewerbsvorteil und ein harter Wirtschaftsfaktor, weiß Carola Nennstiel-Koch, Personalmanagerin bei Continental in Frankfurt. Sie meint, früher hätten Mitarbeiter vor allem darauf geachtet, dass das Geld stimme. Heutzutage stehe für viele die Work-Life-Balance im Vordergrund.
Bedeutung schon früh erkannt
Der Frankfurter Standort von Continental hat diesen Ansatz schon vor Jahren erkannt. Bereits seit Ende der neunziger Jahre engagiert sich das in Rödelheim ansässige Unternehmen als verantwortungsvoller Arbeitgeber.
Neben flexiblen Arbeitszeiten, Teilzeit- und Home-Office-Angeboten hat Continental deshalb das sogenannte Full Time Equivalent eingeführt. Dabei werden die Arbeitsplätze und nicht die Beschäftigten auf diesen gezählt, erläutert Nennstiel-Koch. Das sei vor allem für Teilzeitkräfte von Bedeutung. Seit letztem Jahr arbeitet Continental zudem im Unternehmensnetzwerk "Erfolgsfaktor Familie" des Bundesfamilienministeriums mit.
Babys willkommen
Frischgebackenen Eltern überreicht das Unternehmen einen beliebten Baby-Willkommen-Rucksack, der eine Erstausstattung enthält. Um Mitarbeitern mit Kindern unter drei Jahren direkt bei der Betreuung unter die Arme zu greifen, unterstützt der Frankfurter Standort zwei Kooperationen.
"Zum einen sind wir Mitglied in einem bundesweit einmaligen Zusammenschluss mit dem Tagesmütterverein Net e. V.",
sagt die Personalmanagerin. In diesem sind mehrere Firmen und Kommunen im Main-Taunus-Kreis verbunden. Continental finanziert eine 200-stündige Qualifikation von Tagesmüttern mit Bundeszertifikat. Nennstiel-Koch sagt weiter:
"Unsere Mitarbeiter können sich aus einem Pool von etwa 70 die für sie passende Tagesfamilie aussuchen."
Bislang wurden durch den Verein Net e. V. bereits 500 Kleinkinder der Region betreut.
Zum anderen können Kinder der Mitarbeiter auch in eine sogenannte Bildungskindertagesstätte gehen. Zwölf Plätze für Jungen und Mädchen von sechs Monaten bis drei Jahren sind in der in Eschborn ansässigen Einrichtung reserviert. Vorteile sind flexible Öffnungszeiten ohne Urlaubsschließzeiten, Platzsharing-Möglichkeiten sowie ein deutsch-englisches Bildungskonzept. Continental beteiligt sich an Investitions- und monatlichen Betreuungskosten.
Im Notfall mit ins Eltern-Kind-Arbeitszimmer
Auch für einen kurzfristigen, unplanmäßigen Ausfall der eigenen Kinderbetreuung bis ins Schulalter ist das Unternehmen seit den letzten Jahren gut gerüstet. In der Vergangenheit standen bei einer sogenannten Notfall-Tagesmutter ständig zwei Plätze für Mitarbeiter-Kinder bereit. In Extremfällen konnten die Kinder sogar über Nacht bleiben.
Seit einem Jahr befindet sich für solche Notfälle ein eigenes Eltern-Kind-Arbeitszimmer in der Hauptverwaltung. Zwei ausgestattete PC-Arbeitsplätze sind durch eine Glaswand vom Kinderspielzimmer getrennt. Neben Reise-Bettchen, Wickeltisch, Kindertischen und -stühlen finden die kleinen Besucher viel Spielzeug und Bastelmaterial. Für Schulkinder gibt es die Möglichkeit Hausaufgaben zu erledigen. Auch dieses neue Angebot nehmen die Mitarbeiter gerne an.
Alljährliche Nikolausfeier
Continental organisiert auch Familienfeste. Sehr erfolgreich sei etwa die jährliche Kinder-Nikolausfeier, erzählt die Personalmanagerin. Für Schulkinder hatte Continental in den Sommerferien 2008 erstmals ein sechswöchiges Ausflugsprogramm angeboten, welches nun jährlich organisiert wird. Mit einem Eltern-Kind-Mittagessen möchte sich die Firma nach außen hin öffnen. Jeweils am letzten Freitag im Monat können die Partner der Mitarbeiter samt Kindern nach Rödelheim in das Betriebsrestaurant kommen und als Familie gemeinsam speisen.
Qualifizierung während Elternzeit
Die neueste Idee ist die Planung eines Weiterbildungsangebotes für Mitarbeiter während der Elternzeit. Die Kosten für die Seminare trage Continental. Bislang werde erst qualifiziert, wenn die Mitarbeiter wieder zurück im Job sind. Das Resümee der Verantwortlichen lautet:
"Wir blicken zuversichtlich in die Zukunft und möchten unser Familien-Konzept weiter ausbauen, um unsere Mitarbeiter langfristig motivieren und binden zu können. Wenn wir damit auch Vorbild für andere Unternehmen sind, freut uns das sehr."
- Teil 1: Familienfreundlichkeit: Arbeitsplätze mit Familienanschluss
- Teil 2: Personalmanagerin Carola Nennstiel-Koch im Interview: "Es gibt viel Handlungsbedarf"
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