Für Ralph Schmidt, Vorsitzender der Geschäftsführung, und François Dugimont, Bereichsleiter Personal, sind Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung seit langem fester Bestandteil der Personalpolitik. Jährlich erfolgen Gesundheits-Checkups und Fitnessseminare für die Führungskräfte, Rücken- und Anti-Stresstrainings sowie der obligatorische Langlauf unter dem Motto:
Kein System ersetzt die Arbeit an sich selbst,
ist Schmidt überzeugt. Daher initiierte er in enger Zusammenarbeit mit seinem Personalchef eine besondere Form der Gesundheitsförderung: Ein Personal-Fitness-Coaching, an dem jeder der rund 700 Mitarbeiter am Standort Baden-Baden teilnehmen konnte. Denn auch aufgrund der demografischen Entwicklung und der Tatsache, dass die Mitarbeiter künftig deutlich länger arbeiten müssen, gewinnt die Gesundheit zusätzlich an Bedeutung.
Alle Mitarbeiter sind daher angehalten, selbst dazu beizutragen, die eigene Leistungsfähigkeit dauerhaft zu erhalten. Um dieses Ziel zu erreichen, engagierte der Hömöopathika-Hersteller den Münchener Gesundheits- und Fitnessexperten, Dr. Michael Despeghel. Der hat ein ausgeklügeltes Coachingprogramm entwickelt, das einen gesundheitsbewussten Lebensstil garantieren soll und zeitgleich bei hunderten von Teilnehmern einsetzbar ist.
Im Frühjahr 2006 fiel der Startschuss des Heel-Fit-Programms. Der Einladung zur Kickoff-Veranstaltung folgten rund zwei Drittel der Belegschaft. Dort stellte zunächst Geschäftsführer Ralph Schmidt die Ziele - mehr Bewegung und gesündere Ernährung sowie den Ablauf des Programms vor. Die Teilnehmer erhielten zudem Infomappen mit einem Lebensstil-Fragebogen, Ergebnisbögen für das anstehende Checkup, Rücklaufbögen für das Coaching sowie Übungsanleitungen.
Am Morgen danach standen die Checkups an.
Wir waren gespannt, wie viele Mitarbeiter tatsächlich an dem Programm teilnehmen würden,
sagt François Dugimont. Schließlich gab es keine Erfahrungswerte. Doch das Interesse vom Vortag bestätigte sich. Bis zum Abend hatten Despeghel und seine drei Coaches 236 Mitarbeiter durchgecheckt.
Um das mit möglichst geringen Ausfallzeiten machen zu können, hatten wir im Vorfeld einen Plan erarbeitet, wann die Mitarbeiter aus ihren jeweiligen Abteilungen zum einstündigen Checkup kommen sollten,
berichtet der Münchener Fitnessexperte. So konnten bis zu 30 Personen parallel an vier Stationen hinsichtlich Ausdauer, Kraft, Koordination, Größe, Gewicht, Bauchumfang und Lebensstil untersucht werden. Natürlich wurden die ermittelten Daten vertraulich behandelt und nur genutzt, um individuelle Übungspläne zu erarbeiten. Diese erhielten die Teilnehmer etwa sieben Tage später per Post zugestellt. Jetzt startetete das achtwöchige Trainingsprogramm.
Das "2+2-und-4-Konzept"
Die Coaches des Despeghel-Teams unter Leitung der Sportwissenschaftlerin Stephanie Wiedleroither standen den Teilnehmern dabei ständig für individuelle Fragen zur Verfügung. Nach drei, sechs und acht Wochen sollten die Teilnehmer so genannte Food-Exercise-Reminder-Bögen an das Despeghel-Team senden, damit die Coaches erkennen konnten, ob und in welchem Umfang die Anleitungen umgesetzt werden.
Anfangs ist die Motivation meist hoch. Damit das so bleibt, unterstützen wir jeden sehr individuell, bis die Verhaltensumstellung nachhaltig erfolgt ist,
berichtet Wiedleroither. Die Gefahr sei sonst zu groß, dass ein Teil frühzeitig aufgibt und wieder in alte Verhaltensmuster verfällt. Allein der Wille, gesünder zu leben, reiche nicht aus. Immerhin handele es sich um tief verankerte Gewohnheiten, die sich über Jahre und Jahrzehnte verfestigt hätten. Unterstützende Motivationshilfen und konkrete Anleitungen seien daher wichtig für den Erfolg.
Inhaltlich basierten die Empfehlungen auf dem 2+2-und-4-Konzept, das Despeghel entwickelt und dessen Wirksamkeit von der Deutschen Sporthochschule Köln in einer Langzeitstudie evaluiert wurde.
Stichwort
Das 2+2-und-4-Konzept besteht aus Ernährungsvorgaben, die an mindestens vier Tagen der Woche befolgt werden sollen: Zwei 20-minütige Ausdauer- und zwei 10-20-minütige Kraftübungen je Woche, die einfach und ohne Hilfsmittel alle Muskelgruppen aktivieren.
Alle Empfehlungen lassen sich mit wenig Aufwand und auch von Menschen mit wenig Zeit durchführen,
erklärt Despeghel. Sein Programm sei daher sehr leicht dauerhaft umzusetzen. Die Kantinenköche erhielten vom ihm Rezeptvorschläge für spezielle Heel-fit-Menüs mit viel Fisch und Gemüse, die während der gesamten Trainingszeit umgesetzt wurden.
Nach drei, sechs und acht Wochen sendeten die Teilnehmer ihre Feedbackbögen an die Coaches. Diese werteten die Ergebnisse aus und gaben neue Instruktionen. Jeder Teilnehmer konnte sich zudem jederzeit von den Coaches Tipps und Motivationshilfen geben lassen.
Gesunde Mitarbeiter sind leistungsfähiger
Für die Coaches und die Heel-Verantwortlichen war es eine erfreuliche Bestätigung, dass einige Mitarbeiter, die anfänglich nicht an dem Programm teilnehmen wollten, es sich nun anders überlegten. Auch einige Betriebsräte - anfangs skeptisch - überzeugten sich von der Qualität des Coachings und unterstützten das Programm. Das positive Feedback der Teilnehmer sprach sich herum. Allerdings nahmen auch etwa 10 Prozent der Teilnehmer das Coaching nicht in Anspruch beziehungsweise brachen das Programm ab. Vorwiegend wurde Zeitmangel als Grund genannt. Das Gros der Teilnehmer jedoch engagierte sich und hielt auch die Empfehlungen ein.
65 Prozent erfüllten sie vollständig, etwa 30 Prozent zum Großteil und nur wenige im geringen Umfang,
konnte Wiedleroither anhand der Feedbackbögen feststellen.
Schließlich nahte der Tag der Wahrheit. Wieder wurde gemessen und gewertet. Die Spannung unter den Teilnehmern stieg stündlich. Denn der Personalchef hatte sich eine besondere Motivation für die Mitarbeiter ausgedacht: Die Abteilung, die gemessen an den Ausgangswerten in Summe die meisten Zentimeter an Bauchumfang verloren und gleichzeitig an Sprungkraft gewonnen haben, sollten mit einer Kanufahrt und einem Picknick belohnt werden. Die Coachingeffekte konnten sich sehen lassen:
Die Spanne der Gewichtsreduktion lag zwischen drei und elf Kilo, der Bauchumfang sank zwischen zwei und sechs Zentimeter,
berichtet die Sportwissenschaftlerin. Auch die Sieger-Abteilung war anhand der Daten schnell ermittelt. Aber selbst bei denjenigen, die solche Erfolge nicht vorweisen konnten, war das Echo auf die Interventionen gut.
Das Coaching hat mich für meine Gesundheit sensibilisiert und aktiviert,
lautete die vielfach zu vernehmende Bestätigung. Hinzu kam das stolze Gefühl, wenigstens einige Pfunde verloren zu haben. Natürlich ist das Gesundheits-Coaching kein uneigennütziges Geschenk des Arbeitgebers, denn auch er profitiert. Und das in mehrfacher Hinsicht, wie Dugimont betont:
Jeder kennt den Zusammenhang zwischen Top-Leistungen und der eigenen Gesundheit. Und wenn sich Mitarbeiter verschiedener Abteilungen und Ebenen regelmäßig treffen, um gemeinsam Gymnastik zu machen, zu walken und zu joggen, werden dadurch auch Identifikation, Teamgeist, Zusammengehörigkeit und Arbeitsfreude gestärkt.
[Bilder: Photos for free]

