Er wird kommen, unausweichlich. Der demografische Wandel ist in vollem Gange: Immer weniger Menschen werden immer älter. Ein Szenario, das auch Folgen auf das Potenzial an Erwerbespersonen und die Alterszusammensetzung des Personals in den Unternehmen hat. Die Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) hat in einer Broschüre die Vorhersagen dieser Entwicklung zusammengefasst:
- Im Jahr 2050 wird nur noch rund 50 Prozent der Bevölkerung im Erwerbsalter sein, mehr als 30 Prozent zählt dann zur Altersgruppe 65 plus und ungefähr 15 Prozent wird unter 20 Jahre alt sein.
- Bis 2012 nimmt die Zahl der sich im ausbildungsrelevanten Alter befindlichen 16- bis 20-Jährigen ab. Sind es heute noch vier Millionen Jugendliche und junge Erwachsene, werden es 2012 nur noch rund drei Millionen sein.
- Die Zahl der 20- bis 65-jährigen Bevölkerung im Erwerbsalter bleibt bis 2015 stabil bei rund 50 Millionen; bis 2030 schrumpft diese Zahl jedoch auf bis zu 44 Millionen und 2050 bis auf rund 39 Millionen.
- Die mittlere Altersgruppe von 30 bis 49 Jahren stellt derzeit knapp die Hälfte der Menschen im erwerbsfähigen Alter. 2020 wird diese mittlere Altersgruppe nur noch mit 42 Prozent repräsentiert sein. Für 2050 gehen Experten von 43 Prozent aus.
- Die Zahl der jüngeren Erwerbsfähigen (20 bis 29 Jahre) von heute 20 Prozent wird sich zwischen 2020 und 2050 kaum verändern. Der Anteil der 50- bis 64-Jährigen hingegen steigt von heute 30 Prozent auf 40 Prozent im Jahre 2020.
Nachwuchs: Die Generation Y drängt in die Betriebe
Dass es immer mehr ältere Menschen und damit Mitarbeiter gibt, fordert die Unternehmen in zweierlei Hinsicht heraus: Zum einen müssen sie im Zuge des sogenannten Age Managements Maßnahmen speziell für diese ältere Belegschaft ergreifen, um Produktivitätsverluste zu vermeiden. Zum anderen geht es künftig aber auch verstärkt darum, wie Alt und Jung in Unternehmen effektiv und konfliktfrei zusammenarbeiten können. Schließlich rücken ja auch immer wieder junge Nachwuchskräfte nach. Da können Welten aufeinander treffen und ganze Generationenkonflikte ausgetragen werden, wenn Alt fürchtet, von Jung verdrängt zu werden und dem Nachwuchs mangelnde Erfahrung ankreidet, oder Jung glaubt, Alt stehe der eigenen Karriere im Weg, sei zu unflexibel oder wenig lernfähig.
Erleben wir aktuell einen „Clash of generations“? Blickt man zurück, so vollziehen sich seit etwa zwei Jahrzehnten zwei gravierende Veränderungen:
- Eine technische, die sich in der Dominanz des Internet und seiner heute unendlich erscheinenden Kommunikationsmöglichkeiten äußert. Der Begriff Web 2.0 mit all seinen Facetten sollte an dieser Stelle als Schlagwort genügen.
- Auf der anderen Seite aber erleben wir auch einen gesellschaftlichen Wandel, der sich in jungen Menschen manifestiert, die mit allem möglichen digitalen Schnickschnack aufwachsen. Diese „Millenials“ oder auch Generation Y, wie die nach 1980 geborene Mitarbeitergeneration oft bezeichnet wird, haben gänzlich andere Erwartungen an eine Arbeitswelt, wie die Generation davor, die sogenannte Generation X, geboren in den 1960er und 1970er Jahren.
Generation Y, oft auch plakativ „Digital Natives“ genannt, haben die Anwendungsmöglichkeiten des World Wide Web sozusagen mit der Muttermilch aufgesogen. Folglich stellen sie andere Anforderungen an ihren Job als noch die „Digital Immigrants“, die Jahrgänge, die während des Siegeszugs des Computers das Licht der Welt erblickten. Sie arbeiten, lernen und kommunizieren anders als alle Generationen davor. Bloggen, chatten und twittern, also virtuelle Kommunikation ohne direkten persönlichen Austausch, ist Alltag. Das hat auch weitreichende Folgen für Unternehmen, die sich auf die Ansprüche dieser Web-Ureinwohner, wie sie das Manager Magazin einmal betitelte, einstellen müssen.
Anspruchsdenken: Eigener Arbeitsplatz und flexible Arbeitszeiten
Ende 2006 deckte die alle vier Jahre durchgeführte „Shell-Studie“ die Lebenseinstellungen von Jugendlichen bis jungen Erwachsenen bis 25 Jahren auf. Vor allem die beruflichen Nachwuchskräfte seien, so das Fazit der Untersuchung, beruflich zielstrebig. Das hat konsequenterweise auch Auswirkungen auf die Ansprüche, die diese Generation an ihre künftigen Arbeitgeber stellen.
Eine internationale Studie von Johnson Controls Global WorkPlace Solutions, dem eigenen Angaben zufolge weltweit größten Anbieter von integrierten Real Estate und Facility Management Dienstleistungen, kam im Frühjahr dieses Jahres zu folgendem Ergebnis: Die heute 18- bis 25-Jährigen haben – insbesondere in Deutschland – hohe Erwartungen an ihre zukünftigen Arbeitsplätze. Sowohl bezogen auf das physische Arbeitsumfeld als auch auf eine flexible Gestaltung der Arbeitszeit. Marie Puybaraud, Leiterin des Forschungsbereichs Global WorkPlace Innovation bei Johnson Controls und Initiatorin der Studie, sagt:
„Aus Sicht der ‚Generation Y‘ setzt sich die Formel für Kreativität und Produktivität aus dem Verhältnis zu Kollegen, Arbeitsplatzumgebung und Atmosphäre sowie Zugriff auf modernste Technologien zusammen. Auf letztere beiden Faktoren können und sollten Arbeitgeber positiv Einfluss nehmen.“
- Teil 1: Generation Y: Junge Kollegen sind anspruchsvoll, flexibel, kollegial
- Teil 2: Die Top-Arbeitsplatz-Prioritäten der Generation Y
- Teil 3: Generation Y: Was die heutigen Manager dazu sagen
- Teil 4: Experten-Interview mit Ralf Overbeck, Wirtschaftsberater und Fachmann für Generationenmanagement
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