Gesundheit managen Eine Frage von Führung und Unternehmenskultur

Teil 3: Experten-Interview mit Detlef Hollmann, Bertelsmann-Stiftung

Detlef Hollmann ist Projektleiter für betriebliche Gesundheitspolitik der Bertelsmann Stiftung

„Gesundheitsmanagement muss auch von der Unternehmensleitung unterstützt und mitgetragen werden“, meint Detlef Hollmann, Projektleiter für betriebliche Gesundheitspolitik der Bertelsmann Stiftung. Ein Interview mit business-wissen-Redakteur David Wolf.

Herr Hollmann, welchen Eindruck haben Sie: Machen deutsche Firmen bei der betrieblichen Gesundheitsvorsorge ihre Hausaufgaben?

Viele große Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern mittlerweile ein betriebliches Gesundheitsmanagement an. Dass die Qualität aus meiner Sicht hier sehr unterschiedlich ist, liegt auch an der fehlenden Normung des Begriffs. So kommt es, dass viele zwar sagen, sie böten ein betriebliches Gesundheitsmanagement an, letztlich sind es aber doch nur Fitness- und Entspannungskurse. Was aber auch besser ist als gar nichts. Zu einem Gesundheitsmanagement gehört es aber auch, die Prozesse in einem Unternehmen mit einzubeziehen, das Thema Führung zu thematisieren und auch die Mitarbeiter einzubeziehen.

Warum tun sich die Unternehmen hierzulande damit schwer?

Es ist sicherlich einfach und bedarf nur eines Budgets, seinen Mitarbeitern Möglichkeiten der Entspannung und Bewegung anzubieten oder ihnen im Betriebsrestaurant gesundes Essen zu servieren. Aber überzeugen Sie einmal eine Führungskraft, dass ihr Führungsstil auch Einfluss auf die Gesundheit der Mitarbeiter hat. Möglicherweise werden Sie auch wenig Unterstützung bei der Geschäftsführung erhalten, wenn gerade diese Führungskraft wirtschaftlich gesehen erfolgreich agiert. Ein anderes Thema sind natürlich die vielen kleineren und mittleren Unternehmen, in denen letztlich die meisten Menschen arbeiten. Hier fehlt es meistens an den Ressourcen, um sich des Themas anzunehmen. Dort gibt es in den meisten Fällen keine Personalabteilung, keinen angestellten Betriebsarzt, der sich darum kümmern und das Thema Gesundheit am Arbeitsplatz etablieren könnte.

Statistiken belegen, dass vor allem psychische Erkrankungen wie zum Beispiel das Burnout-Syndrom am Arbeitsplatz zunehmen und auch die Fehlzeiten infolge dieser Erkrankungen relativ groß sind. Warum gibt es immer mehr Krankheitsmuster, bei denen die Psyche betroffen ist?

Statistisch gesehen hat der Anteil der psychischen Erkrankungen an allen Erkrankungen, die zu einer Krankschreibung durch den Arzt führten, in den letzten Jahren zugenommen. Wobei Burnout keine Krankheit an sich ist, sondern dahinter steht eher ein Konglomerat an verschiedenen Symptomen.

Und Burnout hört sich immer noch besser an als Depression.

Was würden Sie sagen: Wann macht Arbeit krank?

Arbeit macht nicht per se krank. Auch viel Arbeit macht nicht krank, wenn ich Freiräume habe, mir die Arbeit selbst einzuteilen und ich wenig fremdbestimmt bin. Bei sogenannten Wissensarbeitern sind diese Möglichkeiten meist sehr gut. Schwierig wird es natürlich dann, wenn meine Arbeitsleistung an den Takt einer Maschine gebunden oder Teil eines Prozesses ist, bei dem ich von anderen oder andere von meinem Wirken abhängen. Und selbstverständlich gibt es auch in der heutigen Zeit Arbeit, die auf Dauer gesehen krank machen kann. Denken Sie an einseitige, sich wiederholende Tätigkeiten oder ständiges schweres Heben. Hier muss man für Ausgleich sorgen. Deswegen geht es ja auch nicht immer nur darum, Belastungen im Arbeitsprozess zu reduzieren, sondern auch Ressourcen, also entlastende Faktoren, zu stärken.

Was gehört Ihrer Ansicht nach zu einem professionellen betrieblichen Gesundheitsmanagement?

Wie der Name schon sagt: Es geht darum, etwas zu managen, und das geht nicht, wenn man den Gegenstand, den man managen will, nicht kennt. Also muss aus meiner Sicht am Anfang eines solchen Prozesses immer eine Bestandsaufnahme stehen und am Ende auch das Ergebnis überprüft werden. Was dazwischen stattfindet, sollte sich gleichzeitig an den Menschen und die Organisation richten. Die Folge: Mitarbeiter müssen sensibilisiert werden, denn Gesundheit ist ja erst einmal etwas Persönliches. Dabei wird sich mancher Mitarbeiter fragen, was dies denn den Chef angeht. Gesundheitsmanagement muss aber auch von der Unternehmensleitung unterstützt und mitgetragen werden, damit Glaubwürdigkeit entsteht und Veränderungen hin zu einem gesunden Arbeitsplatz auch wirklich stattfinden können.

Gibt es Branchen, in denen ein betriebliches Gesundheitsmanagement besonders geboten ist?

Das kann ich nicht sagen. Sicherlich gibt es Branchen, in denen die Arbeitsmedizin sowie der Arbeitsschutz besonders ausgeprägt sind. Schlicht und ergreifend deshalb, weil die Produktionsprozesse mit Gefahren behaftet waren oder teilweise noch sind. Ansonsten glaube ich, dass es für das Thema immer eines einflussreichen Promoters im Unternehmen bedarf. Der bringt den Stein ins Rollen und ist davon überzeugt, dass die Gesundheit der Mitarbeiter auch ein wirtschaftlicher Erfolgsfaktor ist.

Stichwort strategisches Gesundheitsmanagement: Welche Rolle kommt der Unternehmensleitung und Führungskräften in Bezug auf die Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu?

Ich denke dazu habe ich schon zuvor die wichtigsten Antworten gegeben. Ohne die Unternehmensleitung und die Führungskräfte können Sie gesundes Essen in der Betriebskantine anbieten, aber sicherlich kein Gesundheitsmanagement auf die Beine stellen. Wobei die Betonung auf Management liegt.

[dw; Bild: Fotolia.com]

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