Ein gutes und gesundes Mittagessen ist in den meisten deutschen Betriebskantinen offenbar unbekannt. In einer Online-Umfrage des Männer-Lifestylemagazins „Men's Health“ erklärten 41 Prozent der insgesamt 1.535 Teilnehmer, dass das Essen in ihrer Kantine allenfalls „mittelmäßig“ (34 Prozent) oder sogar „richtig schlecht“ (7 Prozent) sei. „Richtig gute“ Mahlzeiten bekommen nur 20 Prozent, während es für 39 Prozent überhaupt keine Kantine gibt.
Da wundert es nicht, dass die meisten Umfrage-Teilnehmer sich nach dem Essen während der Arbeitszeit müde (38 Prozent), vollgestopft (26 Prozent) oder einfach nur unbefriedigt (12 Prozent) fühlen. Eine deutliche Mehrheit isst mittags regelmäßig auswärts: An allen Arbeitstagen sind es 37 Prozent und mindestens ein bis drei Mal pro Woche essen 33 Prozent auswärts. Dabei ist die Kantine für die meisten Mitarbeiter der erste Anlaufpunkt. 44 Prozent essen dort, während 34 Prozent lieber in einen Imbiss gehen und 28 Prozent ein Restaurant bevorzugen.
Der österreichische Kantinen-Experte und Ernährungs-Coach Reinhard-Karl Üblacker zeigt sich vom Umfrage-Ergebnis wenig überrascht. In „Men's Health“ sagt er:
„Ich höre sehr oft die Klage, das Zeug aus der Kantine sei ungenießbar. In Österreich betreue ich Firmen, die in eine gute Großküche investiert haben und hochwertige Zutaten einkaufen. Die haben so gut wie keinen Krankenstand mehr. Leckeres Essen hält Menschen bei Laune und fördert die Geselligkeit. Mit keiner anderen Maßnahme kann man das Betriebsklima und die Leistungsfähigkeit der Belegschaft so deutlich verbessern wie mit einer guten Kantine.“
Dabei würde sich ein leckeres und gesundes Mittagessen sowohl für die Arbeitnehmer als auch für die Unternehmen auszahlen, erläutert der Ernährungs-Experte.
Kantinen-Essen: Zu fett und zu viel Chemie
Die Umfrage jährt sich im Oktober zum zweiten Mal. Vor diesem Hintergrund ist die Frage berechtigt, ob sich die Situation heute anders oder sogar besser darstellt. Die derzeit aktuellsten Daten in Bezug auf die Qualität und Bewertung von Kantinenessen leiten sich von einer Untersuchung des Forschungsinstituts Forsa im Auftrag der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK) ab. Dazu wurden Anfang Januar 2009 1.003 Arbeitnehmer in Deutschland zum Thema „Kantinenessen“ befragt. Der Tenor: Das, was den Beschäftigten täglich in der Mittagspause auf den Tellern präsentiert wird, ist alles andere als zufriedenstellend.
Zu fettig, bemängeln 37 Prozent der Erwerbstätigen, 36 Prozent der Erwerbstätigen monieren zu viel Geschmacksverstärker und Zusatzstoffe in den Mahlzeiten. 29 Prozent meinen, das Essen sei zu teuer, 27 Prozent ist es nicht frisch genug. Für 24 Prozent der Befragten ist das angebotene Essen sogar häufig verkocht. Lediglich 18 Prozent sind mit den ihnen dargebotenen Mahlzeiten rundum zufrieden und nennen keinerlei Kritikpunkte. Die Reaktion der Beschäftigten: Sie nehmen sich ihr Essen von zu Hause mit an den Arbeitsplatz und lassen sich gar nicht erst auf unliebsame Überraschungen in der Kantine oder am Schnellimbiss um die Ecke ein.
Hinweis
Im Rahmen der Nationalen Verzehrstudie II wurde festgestellt, dass vollwertig zu essen in Deutschland nur sehr schwer umsetzbar ist. Zudem fand die Studie mangelndes Ernährungswissen und ein ungünstiges Ernährungsverhalten der Deutschen heraus: 59 Prozent etwa essen zu wenig Obst, und weder Frauen noch Männer erreichen die Empfehlungen von 400 Gramm Gemüse pro Tag.
Obwohl die Risiken falscher Ernährung hinreichend bekannt sein dürften, scheint diese Problematik in den meisten Betriebskantinen noch nicht hinreichend angekommen zu sein. Das Institut für Betriebliche Gesundheitsförderung BGF weist auf kurz- und langfristige Risiken hin, die ungünstige Ernährungsgewohnheiten mit sich bringen können. Zu den kurzfristigen Risiken zählen:
- Leistungsabfall
- Konzentrationsschwäche
- Kopfschmerzen
- Kreislaufstörungen
- Verdauungsbeschwerden
Wer den Gang in die Kantine jedoch ausschließlich mit Bratwurst, Schnitzel mit Pommes, Nudeln in Sahnesoße oder kalorienreichen Dessertvariationen verbindet, riskiert langfristig gesehen sogar ernsthafte Erkrankungen wie:
- Übergewicht
- Diabetes mellitus
- Fettstoffwechselstörungen
- Bluthochdruck
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Gicht
- Erkrankungen der Bauspeicheldrüse
- Erkrankungen der Leber
- Teil 1: Essen am Arbeitsplatz: So ernähren sich Mitarbeiter gesund
- Teil 2: Wie sich Mitarbeiter am Arbeitsplatz ernähren sollten
- Teil 3: Ernährungstipps für Berufseinsteiger
- Teil 4: Experten-Interview mit Antje Penning von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung
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