Headhunting Wenn Kopfjäger die Personalsuche unterstützen

01.10.2009 – Unternehmen greifen oft auf Headhunter zurück, wenn ihnen die Zeit oder die personellen Mittel fehlen, um Top-Kräfte zu suchen. Das Plus der Externen: Sie haben meist die nötige Erfahrung, ausreichend Branchenkenntnisse und sind objektiver im Urteil, wenn es ums Aufspüren des Wunschmitarbeiters geht. Und vor allem: Headhunter haben Diskretion gelernt. Da kann es schon einmal vorkommen, dass eine (noch) besetzte Führungsposition schon im Verborgenen an einen anderen vergeben wird.

Noch Ende 2007 sah es für die Personalberater-Branche rosig aus. Der Fachkräftemangel, der einherging mit der boomenden Wirtschaftslage, bescherte Rekordumsätze. Mit satten 19 Prozent mehr als ein Jahr zuvor oder 1,37 Milliarden Euro erreichte die Branche ein Ergebnis, das es in dieser Höhe zuvor noch niemals gegeben hatte.

Der Kampf um die besten Talente, um dringend benötigte Fach- und Führungskräfte, war in vollem Gange. Allein die Zahl der Suchaufträge stieg 2007 nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater (BDU) insgesamt von rund 58.000 im Jahr 2006 auf knapp 67.000. Dies entspricht einem Plus von fünfzehn Prozent. Für viele Berufstätige war es leicht, nicht nur für Ingenieure oder hoch bezahlte Manager, den Job zu wechseln; sogar Sekretärinnen oder Assistenten wurden gesucht – ansonsten hauptsächlich eine Zuständigkeit der Bundesagentur für Arbeit.

Wirtschaftskrise: Statt Vertriebler werden Konsolidierer gesucht

Seit Frühjahr liegt die aktuelle BDU-Studie „Personalberatung in Deutschland 2008/2009“ vor – und die Zahlen beziehungsweise das Ergebnis ist nahezu auf den Kopf gestellt: Zwar legte der Umsatz in der Personalberatungsbranche 2008 nochmals um 8,5 Prozent auf 1,49 Milliarden Euro zu, doch bedingt durch die Einstellungszurückhaltung der Unternehmen in vielen Branchen erwarten die deutschen Personalberater für das laufende Jahr eine schwächere Nachfrage seitens ihrer Klienten bei der Personalsuche.

Der damit verbundene und prognostizierte Umsatzrückgang könnte nach Angaben des BDU Ende 2009 bei knapp 20 Prozent liegen. Wenn Firmen weniger einstellen oder sogar Personal entlassen, leidet logischerweise auch gleich die Branche der Personalberater mit. Laut BDU sind derzeit besonders die Krisenbranchen Maschinenbau, Automobil und Banken betroffen.

Auch das Anforderungsprofil der Auftraggeber von Personalsuchprojekten hat sich, so ein weiteres Ergebnis der Studie, kräftig gewandelt. In den vergangenen Boomjahren und bis Mitte 2008 waren besonders Fach- und Führungskräfte mit Marketing- und Vertriebsqualifikationen gefragt. 31,7 Prozent der Suchaufträge in der Personalberatung entfielen 2008 auf diese Positionen (2007 rund 28 Prozent).

Ebenso vergaben die Klienten 2008 vermehrt Suchaufträge für die Unternehmensbereiche Entwicklung und Produktion. Im letzten Quartal 2008 und im ersten Quartal 2009 hat sich das Nachfrageverhalten der Unternehmen aus Industrie und Wirtschaft aber deutlich verschoben. Wolfgang Lichius, Vorsitzender des BDU-Fachverbandes Personalberatung, sagt in einer Presseinformation:

„Angesichts der großen Herausforderungen der Unternehmen hinsichtlich Liquidität, Ertragsverbesserung und strategische Neuausrichtung sind aktuell vor allem hoch qualifizierte Führungskräfte gefragt, die belastbare Nachweise ihrer Qualifikation in diesen Themenstellungen vorweisen können.“

Zudem hätten auch Controlling-, Einkaufs- und Logistikprofis bessere Jobchancen. Vor allem die Finanzkrise hatte schon 2008 massive Auswirkungen auf die zweitwichtigste Klientenbranche der Personalberater: Der Anteil der Finanzdienstleister am Branchenumsatz sank von 15,5 Prozent im Jahr 2007 auf 11,2 Prozent im Jahr 2008.

So hat es beispielsweise bereits im Frühjahr dieses Jahres die Frankfurter Personalberatungsfirma Smith & Jessen erwischt. Das Unternehmen, das sich auf Banken und andere Finanzdienstleister spezialisiert hatte, leidete unter Auftragsmangel und musste wohl oder übel schließen. Laut einem Bericht des „Tagesspiegel“ mussten mittlerweile mehr als zwölf angesehener Beratungsunternehmen Insolvenz anmelden.

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