Headhunting Wenn Kopfjäger die Personalsuche unterstützen

Teil 3: Experten-Interview zum Thema Headhunting mit Michael Heidelberger vom Bundesverband Deutscher Unternehmensberater

Michael Heidelberger

Personalberater müssen auch für Wirtschaftskrisen gewappnet sein. „Augen zu und durch“ ist der falsche Ratgeber, meint der Personal- und Strategieberater Michael Heidelberger. Wer Qualität vermittelt und neue Ideen kreiert, setzt sich auch in schwierigen Zeiten durch. Im Interview mit business-wissen.de-Redakteur David Wolf verrät er auch, warum Personalberater bei der Auswahl von Fach- und Führungskräften meist objektiver urteilen können als die suchenden Unternehmen selbst.

Herr Heidelberger, welche Vorteile bringt es Unternehmen im Allgemeinen, wenn sie Fach- und Führungskräfte durch Personalberater akquirieren lassen?

Für den Einkauf einer Personalberatungsleistung gilt das, was grundsätzlich auch bei jeder anderen Dienstleistung gefragt werden muss: Macht es Sinn, die Leistung selbst zu erbringen oder ist es besser, sie einzukaufen? Die wichtigsten Punkte, warum es vorteilhaft sein kann, einen Personalberater zu engagieren, möchte ich kurz stichwortartig aufzählen:

  • Die Qualität der Dienstleistung durch Externe kann höher sein, als wenn sie durch eigene Mitarbeiter des Unternehmens erbracht wird.
  • Ein Unternehmen will beispielsweise den (noch vorhandenen) Inhaber einer Führungsposition ersetzen. In einem solchen Fall bietet die Personalberatung die Gewähr, diese Situation vertraulich zu handhaben. Unternehmensintern wäre dies kaum möglich.
  • Es ist notwendig, Positionen im Unternehmen schnell und mit hoher Qualität zu besetzen. Die gebotene Schnelligkeit ist aber häufig mit den Ressourcen der eigenen Personalabteilung nicht zu bewerkstelligen.
  • Der Personalberater hat aufgrund seiner Spezialisierung, Branchenkenntnisse und breiten Projekterfahrungen die erforderliche Kompetenz.
  • Der konzentrierte Einsatz des Personalberaters führt zu schnelleren Resultaten.
  • Der Personalberater gewährt den Unternehmen und den potenziellen Kandidaten die erforderliche Diskretion nach innen und außen.
  • Er unterstützt Unternehmen bei der qualifizierten Beurteilung von Kandidaten durch methodisch fundierte Auswahlverfahren, die auch Vergleiche mit anderen Unternehmen ermöglichen.
  • Er hat eine breite und umfassende Kontaktbasis.
  • Der Personalberater verfügt über ein internationales Netzwerk.

Stimmen Sie zu, dass ein Rückgriff auf Personalberater die Fehlerquote bei der Auswahl nach dem „richtigen“ Mitarbeiter vermindert, weil der Berater objektiver urteilen kann?

Oftmals geht es darum, eine externe Meinung einzuholen. Auch bei guter Qualifikation sind unternehmensinterne Kräfte häufig befangen, wenn es darum geht, Empfehlungen auszusprechen. Professionelle Personalberater hingegen bringen mehr Glaubwürdigkeit mit, die Attraktivität einer Position sachlich und ohne Voreingenommenheit darzustellen und die Vor- und Nachteile eines möglichen Stellenwechsels zusammen mit dem Kandidaten abzuwägen.

Zudem kann er durch seine langjährige Projekterfahrung und die Beurteilung von Kandidaten in unterschiedlichen Projekten und Branchen in der Regel eine höhere Objektivität einbringen und unterliegt auch nicht unternehmensinternen Abhängigkeiten oder Machtspielen.

Stellen Netzwerk-Portale wie „Xing“, die mittlerweile auch über Jobbörsen verfügen, eine Konkurrenz für die Personalberater-Branche dar?

Nach unseren Einschätzungen werden die gegenwärtigen Geschäftsgrundlagen der Personalberatungen – wohlgemerkt nicht die der Arbeitsvermittler – durch Stellenportale nicht grundsätzlich angegriffen, weder hinsichtlich des Projektvolumens noch in Bezug auf das Honorarniveau. Die Personalberatung wird für die Unternehmen ihren Stellenwert als absolut eigenständige Rekrutierungsmethode bei speziellen anspruchsvollen Rekrutierungsprojekten behalten. Wir sehen durch die Auswirkungen des Web 2.0 auch ergänzende und vielleicht sogar neue, eigenständige Geschäftsfelder entstehen, in denen sich Personalberatungen profilieren und ihren Klienten einen echten Mehrwert bieten können.

Ihre Studie „Personalberatung in Deutschland 2008/2009“ kommt zu dem Ergebnis, dass mit der Wirtschaftskrise verstärkt Manager mit Erfahrung in Konsolidierungsprozessen und Krisensituationen gesucht werden. Marketing- und Vertriebsfachleute rücken dagegen mehr in den Hintergrund. Ein gutes Marketing beziehungsweise die strategische Absatzplanung von Produkten ist doch aber auch und gerade in einer Krise wichtig, oder?

Selbstverständlich sollten gerade in Krisenzeiten ein strategisches Marketing und gezielte Vertriebsaktivitäten von besonderer Bedeutung sein. Tatsache ist aber auch, dass in Krisenzeiten Marketingbudgets neben den Budgets für Personalentwicklungsmaßnahmen als Erstes gestrichen werden. Dies geht einher mit der sinkenden Quantität an zu besetzenden Stellen im Marketingbereich. Anders ist es im direkten, beratungsintensiven Vertrieb, der auch in Krisenzeiten aufrecht erhalten wird. Bestimmte Vertriebsfunktionen geraten hier aber durch die Möglichkeiten des Internets unter Druck. Es ist eben einfach teuer, eine eigene Vertriebsmannschaft zu beschäftigen.

Apropos Wirtschaftskrise: In einer deutschen Wochenzeitung war zu lesen, dass die Krise von Personalberatern neue Taktiken erfordert. Welche sind das?

Grundsätzlich, aber insbesondere in der Krise, gilt: Jede Personalberatung muss an ihrer Professionalität arbeiten und die oben geschilderten Punkte wie Marktfokussierung, Projektfokussierung, Professionalität der Handelnden, individuelle Beziehungsarbeit mit dem Kandidaten und Klienten und nicht zuletzt permanente Weiterentwicklung und Modernisierung der genutzten Instrumente vorantreiben. Insbesondere Qualität und Schnelligkeit spielen eine zentrale Rolle. Motto in der Krise darf nicht sein „Augen zu und durch“, sondern muss heißen: Themen aktiv annehmen, um daraus sinnvolle Beratungsleistungen zu kreieren. Selbstverständlich muss dahinter auch eine entsprechende Kompetenz stehen.

Gibt es Branchen, die derzeit besonders nach Fach- und Führungskräften Ausschau halten?

Auch in der jetzigen Krise gibt es Branchen, denen es noch deutlich besser geht. Zu erwähnen sind der Pharmabereich, das Gesundheitswesen, Energie, Entsorgungsbranche sowie der Handel. Noch ist der private Konsum auf einem hohen Niveau, was gut für entsprechende Personalbesetzungen ist. Der IT-Bereich scheint wieder anzuziehen.

Was würden Sie abschließend sagen: Wann ist ein Personalberater ein guter Personalberater? Zählen am Ende nur die vermittelten Mitarbeiter?

Letztendlich entscheidet diese Frage immer der Klient, der mit der erhaltenen Dienstleistung zufrieden ist und von dem weitere Aufträge erteilt werden. Selbstverständlich gehört dazu, dass die offenen Stellen durch uns besetzt werden und der Neue dem Unternehmen möglichst lange einen Nutzen bringt.

Ein guter Personalberater zeichnet sich aber auch dadurch aus, dass er seinen Klienten über die reine Besetzung hinaus wichtige Hinweise zur Weiterentwicklung des Unternehmens geben kann. Dies können organisatorische Themen sein, Fragen des Employer Brandings, Markt- und Brancheninformationen, die Unterstützung bei schwierigen personellen Themenstellungen und Fragen der Personalentwicklung bis hin zum Personalabbau oder -aufbau.

[dw; Titelbild: Boguslaw Mazur - Fotolia.com]

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