Endlich mal Zeit für sich haben, raus aus dem Alltag und Dinge tun, die einem wirklich Spaß machen und wofür man sich interessiert. Diese Gedanken machen sich einige Mitarbeiter immer wieder, doch die meisten kommen dann zu dem Schluss: Eine Auszeit kann ich mir nicht leisten, das würde meiner Karriere schaden. Aber das muss nicht so sein, denn eine jobfreie Zeit kann die Karriere sogar fördern und den Arbeitsplatz sichern. Denn nutzt ein Mitarbeiter die freie Zeit für eine Weiterbildung oder zur Persönlichkeitsentwicklung, erhöht das seine Karrierechancen. Ein Sabbatical bietet eine Möglichkeit für eine solche berufliche Auszeit.
Stichwort
Das Sabbatical, auch Sabbatjahr genannt, ist eine Art Langzeiturlaub und ein Instrument der flexiblen Arbeitszeitgestaltung. Der Arbeitnehmer steigt einen gewissen Zeitraum aus dem Arbeitsleben aus, in dem er sich seinen eigenen Interessen widmet. Die Dauer eines Sabbaticals ist unterschiedlich, meistens dauert es drei Monate bis zu einem Jahr oder länger.
Der Begriff leitet sich aus dem hebräischen Wort „schabbat“ ab, was im Deutschen soviel wie „ruhen“ heißt. Er steht im Alten Testament, in dem ein Sabbatjahr alle sieben Jahre wiederkehrte und der Ackerbau unterbrochen wurde, damit sich der Boden regenerieren konnte. Das Sabbatical bei Arbeitsverhältnissen ist damit vergleichbar, weil der Mitarbeiter in der Auszeit seine körperlichen und schöpferischen Kräfte regenerieren kann und mit neuem Elan in sein Unternehmen zurückkehrt.
Die Sozialwissenschaftlerin Barbara Siemers sieht die Notwendigkeit von Sabbaticals und sagt in einem Interview auf stern.de:
„Arbeitnehmer müssen heute in kürzerer Zeit viel mehr leisten. Daher der Wunsch, diesem Stress länger zu entfliehen. Um diesem Druck standzuhalten, brauchen wir langfristige Erholungsphasen und nicht nur kurzfristige Erlebnisse wie einen Urlaub.“
Doch nur wenige Menschen nutzen ein Sabbatical. Experten schätzen, dass drei bis vier Prozent der Arbeitnehmer sich eine längere Auszeit nehmen. Das liegt zum Teil an den Unternehmen, die das Sabbatical nicht anbieten und auch nicht unterstützen. Aber auch die Mitarbeiter scheuen sich davor, weil sie Angst vor beruflichen Nachteilen haben.
Besondere Projekte erfordern mehr Zeit für sich selbst
Mitarbeiter möchten aus ganz unterschiedlichen Gründen eine Zeit fernab von Arbeitsstress, den Kollegen, dem Vorgesetzten und den Kunden für sich nutzen. Ein wichtiges Motiv ist die Regeneration, um beispielsweise einem Burn-out vorzubeugen. Selbstverwirklichung und Abenteuerlust sind Motive, die für manche Menschen sehr wichtig sind, um nicht im tristen Arbeitsleben unterzugehen. Denn darunter leidet dann die Psyche und die Motivation für die Arbeit lässt nach. Wenn die Abenteuerlust im Sabbatical ausgelebt wird, ist oft danach mehr Energie vorhanden, um den Job wieder mit Freude auszuüben.
Das Sabbatical wird auch oft aus Notsituationen heraus genutzt, beispielsweise zur Pflege von älteren oder kranken Verwandten. Kinderbetreuung ist ebenfalls in der Sabbaticalzeit möglich. Etwa wenn sich beide Eltern gleichermaßen in den ersten Monaten um Ihr Kind kümmern möchten.
Lebenslanges Lernen wird in der Berufswelt gefordert. Deshalb steht Weiterbildung hoch im Kurs bei den Sabbaticalteilnehmern. Die Zeit nutzen sie zum Erlernen einer Fremdsprache, machen ihren Meister oder promovieren.
Fortbildung der Mitarbeiter
Die Boston Consulting Group (BCG) in München unterstützt Bildungs-Sabbaticals. Den Mitarbeitern wird vertraglich zugesichert, für Promotion oder MBA eine Auszeit nehmen zu können. Im Falle eines MBA übernimmt BCG sogar die Kursgebühren. So profitieren die Mitarbeiter und das Unternehmen gleichermaßen von der jobfreien Zeit.
Und wer nicht so lange aus dem Beruf aussteigen möchte, dem bietet das Unternehmen ein Mini-Sabbatical von zwei Monaten an. Die Mitarbeiter können es alle drei Jahre in Anspruch nehmen. Die Sabbaticals sind sehr beliebt: 70 Prozent aller Berater bei BCG nehmen in ihren ersten fünf Berufsjahren eine Auszeit.
Vorteile für Unternehmen
Den Mitarbeitern Freiraum lassen und sie selbst entscheiden lassen, wann sie wie viel Zeit für sich selbst brauchen. So trägt das Angebot von Sabbaticals viel zur Mitarbeiterorientierung im Unternehmen bei. Die Unternehmen, die Sabbaticals nicht als Risiko oder Zeitverschwendung sehen, können daher von zufriedenen Mitarbeitern profitieren, die sich weiterbilden und deren Motivation erhalten bleibt. Sabbaticals schaffen eine Work-Life-Balance, die letztendlich Stress abbaut und einem Burn-out-Syndrom vorbeugt. Sie tragen dazu bei, dass es weniger Krankheitsausfälle gibt und die Mitarbeiter gesünder sind.
Die Mitarbeiter sind zudem oft sehr dankbar, wenn sie Freiräume bekommen. Sie zeigen sich ihrem Arbeitgeber dann meist erkenntlich, indem sie sich in höherem Maße für ihn und seine Interessen einsetzen. Die Loyalität zum Unternehmen wird stärker und gefestigter. So können Arbeitgeber ihre besten Mitarbeiter leichter halten.
Außerdem ist das Angebot für die Mitarbeiter, sich eine längere Zeit lang freizunehmen, eine sehr gute Möglichkeit, um in auftragsschwachen Zeiten, Personal freizustellen, ohne Mitarbeiter zu verlieren – ähnlich wie bei Kurzarbeit.
Hier noch einmal alle Vorteile auf einen Blick:
- Arbeitgeberimage stärken, um im Wettbewerb um gute Mitarbeiter besser aufgestellt zu sein und dem Fachkräftemangel vorzubeugen;
- Auftragsschwankungen ausgleichen, indem der Personaleinsatz angepasst wird;
- Arbeitsplätze sichern, weil Mitarbeiter freigestellt werden können und nicht gleich entlassen werden müssen;
- Mitarbeiterbindung und Mitarbeiterorientierung fördern;
- Mitarbeiter, die Abstand zum Unternehmen gewinnen, können neue Ideen entwickeln und Lösungen finden, weil sie neue Impulse aus ihrem Sabbatical mitbringen.
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