Die Folge: Die Betroffenen schieben einen Berg unbewältigter Aufgaben vor sich her, werden permanent durch ein schlechtes Gewissen geplagt und können sich immer schlechter konzentrieren. Mit dem klassischen Zeit- und Selbstmanagement ist es daher heute nicht mehr getan. Zwar wird es auch künftig ein hilfreiches und nützliches Instrument sein, um Routineaufgaben zu lösen. Was viele Mitarbeiter heute jedoch brauchen, ist eine aktive Unterstützung beim Lösen neuer Aufgaben und Herausforderungen. Sie müssen sozusagen die Grundzuversicht entwickeln, Aufgaben bewältigen zu können – alleine oder mit selbstorganisierter Unterstützung. Sie müssen sich bewusst werden, in ihrem Leben schließlich schon viele, zunächst scheinbar unlösbare Herausforderungen, gelöst zu haben. Schaffen sie dies nicht, wird sie die moderne Lebens- und Arbeitswelt immer wieder in Situationen führen, in denen sie sich nicht nur überfordert fühlen, sondern es faktisch auch sind.
Unternehmen müssen mit maßgeschneiderten Präventionsangeboten, die auf das individuelle Arbeitsumfeld und die jeweils zu bewältigenden Aufgaben Rücksicht nehmen, auf diese Herausforderung reagieren. Geeignet sind beispielsweise Angebote zur Work-Life-Balance wie Stressmanagementseminare, Entspannungstrainings oder solche Veranstaltungen, die die Resilienz, also die Widerstandskraft der Mitarbeiter, stärken. Wichtig dabei: Die Präventionsangebote sollten individualisiert daherkommen: Bei einem Finanzdienstleister tauchen andere gesundheitsbelastende Faktoren auf als in einem Produktionsunternehmen. Also müssen den Mitarbeitern auch andere Präventionsangebote unterbreitet werden.
Hinter solchen Präventionsangeboten stecken nicht nur altruistische Motive, sondern auch handfeste betriebswirtschaftliche Erwägungen. Denn mittelfristig – davon sind die Personalverantwortlichen überzeugt – rechnen sich diese Ausgaben für Unternehmen, nicht nur aufgrund der geringeren Zahl krankheitsbedingter Fehltage. Diese Annahme ist nicht unbegründet, denn ein Mitarbeiter, der beispielsweise an einem Burnout-Syndrom erkrankt ist, wird mindestens ein halbes Jahr ausfallen. In dieser Zeit ist völlig unklar, ob er wieder in seinen Job einsteigt und falls ja, wie stark er anschließend belastbar ist.
Handelt es sich bei dem Mitarbeiter um einen mit Leitungsfunktion, etwa einen Bereichsleiter, entstehen Unternehmen durch diese Art der Erkrankung schnell unmittelbare Kosten in Höhe von 80.000 Euro. Werden die so genannten Chaoskosten hinzugerechnet – Kosten, die dadurch entstehen, dass aufgrund der Abwesenheit des Bereichsleiters gewisse Vorhaben nicht, mit Zeitverzögerung oder mit fehlender Sorgfalt umgesetzt werden – können sich die Ausfallkosten auf mehrere hunderttausend Euro belaufen. Dies zeigt, wie wichtig es für Unternehmen ist, präventiv aktiv zu werden.