Praktika Wann sie sich für Unternehmen lohnen

06.02.2012 – Von Praktika können auch Unternehmen profitieren. Voraussetzungen: die Nachwuchskräfte werden ernst genommen und nicht ausgebeutet. Professionalität ist gefragt – vom Praktikumsvertrag über die Hilfe bei der Arbeit bis hin zum Abschlussgespräch. Nur so lässt sich eine Win-Win-Situation für Unternehmen und Praktikanten erzielen.
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Praktika können ganz unterschiedlicher Natur sein: Schnupperpraktika während der Schulzeit, freiwillige Praktika, die von Betrieben organisiert werden, oder Pflichtpraktika. Diese müssen von Auszubildenden und Studenten absolviert werden, bevor sie ihre jeweilige Lehre beziehungsweise ihr Studium fortsetzen können. Ein Praktikum verschafft nicht nur konkrete Einblicke in den Arbeitsalltag und praktische Orientierung auf dem Arbeitsmarkt, es hilft auch, die eigenen Stärken und Schwächen herauszufiltern, bestehende Fähigkeiten weiter auszubauen und so ein ganz eigenes Berufsprofil zu entwickeln. 

Doch wie sieht es dabei auf Unternehmerseite aus? Immer hin ist das Bereitstellen eines Praktikumsplatzes mit Zeit und Mühe verbunden: Der geeigneten Kandidat muss gefunden und ihm der Betrieb und die Arbeitsabläufe darin genau erläutert werden. Außerdem bedarf es einer betreuenden Fachkraft, die seine Fragen beantworten kann. Warum es sich trotzdem lohnen kann, Praktikanten aufzunehmen, zeigt folgende Übersicht:

1. Praktikumsplätze fördern das Unternehmensimage

Wenn Sie als Unternehmer Praktikumsplätze anbieten, helfen Sie nicht nur jungen Menschen bei der Berufsfindung, sondern machen gleichzeitig noch Werbung für Ihren eigenen Betrieb. Mitbewerber, potenzielle Kunden und Mitarbeiter sehen, dass Sie in der Lage sind, den Nachwuchs zu fördern. Das wiederum unterstützt die Außenwahrnehmung Ihres Unternehmens positiv. Insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen ist die Schaffung von Praktikantenstellen auch eine Marketing-Investition.

2. Innovative Ideen für mehr Effizienz

Frischer Wind im Betrieb sorgt dafür, dass Routinen hinterfragt werden und neue Raum für neue Ideen geschaffen wird. Praktikanten sind meist Anfänger in einer Arbeitsumgebung, die für Sie bereits Gewohnheit ist. Die temporären Arbeitskräfte haben vielleicht spontane Verbesserungsvorschläge und können so helfen, Ihr Unternehmen effizienter zu gestalten. Fragen Sie Ihren jungen Mitarbeiter nach seiner Meinung und nehmen Sie ihn ernst – Sie können nur gewinnen!

3. Eigenen Nachwuchs heranziehen

Wer Praktikanten bei sich aufnimmt, fördert nicht nur den Nachwuchs der Branche. Eventuell finden Sie auf diese Weise sogar einen neuen und spannenden Mitarbeiter für Ihren eigenen Betrieb. Auszubildende und Studierende stehen zwar noch am Anfang Ihres Berufslebens, haben sich aber schon in einem gewissen Rahmen mit der Materie des Arbeitsumfelds auseinandergesetzt. Sie sind wissbegierig und bringen in der Regel eigene Ideen und Engagement mit. Nutzen Sie dieses Potenzial für sich und Ihr Unternehmen!

4. Testfeld für die Zukunft

Auszubildende und Studenten haben oft das Problem, dass die Praxis ihres zukünftigen Berufsumfeldes für sie komplett fremd ist. Praktika sind also zwingend notwendige Einführungsphasen in die kommende reale Arbeitsumgebung. Viele Unternehmer sehen sich in der Pflicht, in dieser Situation zu helfen. So kann der Nachwuchs der Branche sich das dringend notwendige praktische Fachwissen aneignen und den Beruf später mit der größtmöglichen Kompetenz ausüben.

Vorbereitung: Was bringt ein Praktikant?

Bevor Sie sich auf die Suche nach einem Praktikanten begeben, sollten Sie klären, ob Sie sich tatsächlich einen leisten können und was Sie sich von dieser Maßnahme genau erhoffen. Folgende Fragen können bei Ihrer persönlichen Zielfindung behilflich sein: 

  • Warum wollen Sie einen Praktikanten einstellen?

Mögliche Ziele dabei können die Verbesserung der Außenwahrnehmung sein, das Finden neuer Impulse für Ihren Betrieb, das Vermitteln von Praxis im Berufsalltag oder das Aufspüren neuer Mitarbeiter. Je konkreter Sie Ihre Zielsetzung formulieren können, desto klarer können Sie die Praktikumsstelle ausschreiben und aufbauen. Stellen Sie eine Rechnung auf: Übersteigt der Gewinn, den der Praktikant Ihnen bringt, den Aufwand für die Schaffung der Praktikumsstelle?

  • Welche Ressourcen stehen Ihnen zur Verfügung, um einen Praktikumsplatz zu schaffen?
  • Können Sie einen Mitarbeiter abstellen, der sich zumindest zeitweise um die Betreuung des Praktikanten kümmert?
  • Haben Sie selbst die Zeit, sich um einen Praktikanten zu kümmern und ihn in die Arbeitsumgebung einzuführen?
  • Wie viele Praktikanten können Sie aufnehmen?
  • Wie ist der Praktikumsplatz aufgebaut und was genau können Sie dem jungen Mitarbeiter bieten?

Sinnvoll: Partnerschaftlicher Vertrag

Wenn Sie einen Praktikanten bei sich aufnehmen und bereits einen oder mehrere Kandidaten ausgewählt haben, ist es sinnvoll, einen Praktikumsvertrag zu schließen. Obwohl Sie dazu nicht verpflichtet sind, ist dieser Schritt dennoch ratsam. Grund: Dem Arbeitsverhältnis liegen dann klare Richtlinien zugrunde und es spricht für Ihre Seriosität als Unternehmer, wenn Sie Ihrem Praktikanten gegenüber klare Formulierungen finden und diese im Konsens mit ihm fixieren. Folgende Punkte sollte ein solcher partnerschaftlicher Vertrag enthalten:

  • Persönliche Daten beider Vertragspartner
  • Dauer des Praktikums beziehungsweise des Vertrags
  • Praktikumsinhalte und -aufgaben
  • Arbeitszeiten
  • Eventuelle Vergütung
  • Regelungen in Bezug auf Urlaub, vorzeitige Kündigung oder Geheimhaltung
  • Versicherungsschutz

Um Ihrem Praktikanten den Einstieg in den Betrieb so einfach wie möglich zu machen, sollten Sie ihm zumindest in den ersten Tagen einen Mentor an die Seite stellen, der auch während der gesamten Praktikumsdauer angesprochen werden kann. Er sollte dem Praktikanten in den ersten Tagen klar, verständlich und mit großer Geduld die Abläufe im Unternehmen erklären, ihn an seine Aufgaben heranführen und alle Fragen beantworten, die den Praktikanten beschäftigen. Eine persönliche Ebene hilft dem Praktikanten, sich schnell einzugewöhnen und Unsicherheiten abzulegen.

Ihr wichtigster Vorsatz sollte lauten, dem Paktikanten immer auf Augenhöhe zu begegnen. Bringen Sie ihm den Respekt entgegen, den auch alle festen Mitarbeiter des Betriebs genießen. Ein Praktikant sollte immer ernst genommen und niemals ausgebeutet werden! Wer anders handelt, erleidet in kurzer Zeit einen Imageschaden. Ausbeutung und Passivität sprechen sich schnell herum und werfen ein schlechtes Licht auf die Betriebspolitik. Versuchen Sie daher, professionell und freundlich zu agieren und einen guten Eindruck bei Ihrem Praktikanten zu hinterlassen. Das spricht nicht nur für Ihre Professionalität, sondern auch für Ihre Menschlichkeit.

Fördern und fordern Sie Ihre Schützlinge nach bestem Wissen und Gewissen, beantworten Sie ihre Fragen so kompetent wie möglich, und vor allem: Trauen Sie den jungen Menschen etwas zu! Am sinnvollsten ist es, sich vor Beginn der Tätigkeit mit dem jungen Mitarbeiter zusammenzusetzen und einen Praktikumsplan zu entwerfen. Dieser sollte den Fähigkeiten und Bedürfnissen des Praktikanten entgegenkommen. Wenn sich der junge Mitarbeiter gut macht, können Sie ihm nach und nach sogar etwas mehr Verantwortung übertragen. Ein ausgewogenes Maß ist hier wichtig: Spornen Sie ihn an, verlangen Sie ihm aber gleichzeitig nicht zu viel ab! Bei all der Zuwendung gilt es aber auch, nicht mit Kritik zu sparen. Fallen Ihnen Schwächen auf, sollten Sie oder Ihre Mitarbeiter diese sachlich und freundlich ansprechen und gemeinsam mit dem Praktikanten nach Lösungsansätzen suchen.

Rechte und Vergütung

Die Grundmotivation für ein Praktikum besteht in der Lernerfahrung der Praktikanten. Sie als Unternehmer müssen dafür sorgen, dass Ihre Praktikanten die Möglichkeit bekommen, Fachkenntnisse zu erwerben. In Bezug auf die steuerlichen, arbeitsrechtlichen und versicherungstechnischen Regelungen der Praktikumsgestaltung muss zwischen den verschiedenen Arten von Praktikanten unterschieden werden. 

Schüler und Studenten im Pflichtpraktikum haben weder ein Anrecht auf eine Vergütung, noch auf ein Zeugnis, das die Tätigkeitsfelder und den Zeitraum des Praktikums dokumentiert. Diese Gruppe hat auch keinen Anspruch auf Urlaub. Hier greift das Arbeitsrecht nicht. Allerdings gilt: Sobald das Praktikum ein Ausbildungsverhältnis im Sinne des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) aufweist, ist eine Vergütung fällig.

Bei Absolventen eines Pflichtpraktikums entfällt die Sozialversicherungspflicht. Freiwillige Praktikanten müssen wie volle Arbeitskräfte behandelt und so zum Beispiel auch angemessen entlohnt werden. Zudem bekommen sie nach Abschluss des Praktikums ein Zeugnis. Für sie gilt das BBiG. Allen Praktikanten stehen ein sicherer Arbeitsplatz und reguläre Pausenzeiten zu.

Hinweis

Mehr zum Thema Rechte von Praktikanten sowie Fragen zur Sozialversicherung enthält die Broschüre Praktika - Nutzen für Praktikanten und Unternehmen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales.

Auch wenn Schülern und Absolventen eines Pflichtpraktikums ohne Ausbildungscharakter keine Vergütung zusteht, so hat doch die freiwillige Zahlung eines Lohns für Sie als Unternehmer auch einige Vorteile, die Sie bedenken sollten. Wenn Sie die Leistung eines Praktikanten in Ihrem Betrieb finanziell honorieren wollen, steigt das Engagement Ihres Praktikanten und sichert Ihnen Pluspunkte, die dem Image Ihres Unternehmens nutzen. Wägen Sie also vor der Einstellung eines Praktikanten genau ab, ob Sie die Leistung des jungen Mitarbeiters entlohnen wollen. Die Chance ist groß, dass Sie im Gegenzug dafür eine höhere Leistungsbereitschaft sowie auch Anerkennung ernten werden. 

Bevor Sie Ihren Praktikanten aus dem Betrieb entlassen, sollten Sie ihn zu einem Feedback-Gespräch bitten. Erläutern Sie ihm, was Ihnen positiv aufgefallen ist und wo Sie noch Verbesserungsbedarf sehen. Sprechen Sie vor allem Ihren Dank aus, auch im Namen der Belegschaft. Rechtzeitig vor diesem Gespräch sollten Sie sich Gedanken darüber machen, ob sie eine Chance sehen, den jungen Mitarbeiter auch künftig in Ihrem Unternehmen zu beschäftigen und wenn ja, in welcher Funktion. Das Abschlussgespräch sollte keine Einbahnstraße sein: Hören Sie auch genau hin, was der Praktikant Ihnen für Informationen vermittelt! Vielleicht hat er Verbesserungsvorschläge oder gibt, an bestimmten Stellen Ihres Betriebs etwas zu überprüfen oder zu verändern?

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Über den Autor

Philipp Wittenbrink
Philipp Wittenbrink

Philipp Wittenbrink ist Betreiber und Chefredakteur des Informationsportals tagesgeld.org und Geschäftsführer der Online-Marketing-Agentur Performeo GmbH.

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