Was leisten Planspiele und Unternehmenssimulationen? Wofür werden Sie eingesetzt? Darüber sprach business-wissen.de-Redakteur David Wolf mit der Expertin Christiane Zimmer, Zimmer & Partner, Landstuhl.
Frau Zimmer, in Ihren Schulungen vermitteln Sie Mitarbeitern durch das Instrument der Unternehmenssimulation betriebswirtschaftliche Zusammenhänge. Warum kommen Unternehmen auf Sie zu? Drückt die ein konkretes Problem oder sehen sie Ihre Arbeit als Weiterbildungsmaßnahme?

Typischerweise bezieht sich die Anfrage auf eine Weiterbildungsmaßnahme, um den Mitarbeitern die Möglichkeit zu bieten, sich in diesem Thema weiterzuentwickeln. Häufig ergeben sich dann in den Vorgesprächen konkrete Fragestellungen und Ansatzpunkte, die dann in den Trainings eingearbeitet werden.
Wie ist es möglich, innerhalb relativ kurzer Zeit ein Verständnis dafür zu schaffen, wofür Studenten meist ein ganzes Semester benötigen?
Hierfür gibt es verschiedene Gründe. Es wird ein ganzheitlicher Ansatz in der Unternehmenssimulation genutzt und damit gleich Verbindungen zwischen den Funktionen und Unternehmensthemen geschaffen, die in einem Studium zwischen den verschiedenen Vorlesungen verlinkt werden müssen. Im Training konzentriert man sich Tage beziehungsweise Stunden intensiv auf die Unternehmensführung und das Verständnis dafür, ohne bei den betriebswirtschaftlichen Themen zu stark in die Theorie und das Detail eingehen zu müssen. Und die Methode erlaubt ein schnelles Einsteigen in die Thematik; die notwendige Theorie lässt sich automatisch in den Diskussionen erarbeiten.
Gibt es bestimmte Unternehmensbereiche, also zum Beispiel Marketing oder Vertrieb, wo das Nichtwissen über diese Zusammenhänge besonders ausgeprägt ist oder welche Erfahrungen machen Sie bei Ihrer Arbeit?
Nach meiner Erfahrung gibt es keine bestimmten Bereiche, die hier besonders betroffen sind. Es kommt aber stark auf die Zusammensetzung der Teilnehmergruppe und auch die Branche des auftraggebenden Unternehmens an. Die Defizite liegen häufig in den Verknüpfungen dieser Bereiche.
Welche Mitarbeiter sind es hauptsächlich, die hier Defizite aufweisen? „Normale“ Mitarbeiter oder auch Führungskräfte?
Wenn es Defizite gibt, so betreffen diese alle Mitarbeiter, ob Führungskraft oder nicht.
Gibt es verschiedene Simulationstechniken, die zum Einsatz kommen und wovon hängt das ab?
Es gibt computergestützte Simulationen, die in einer Präsenzveranstaltung zum Einsatz kommen sowie computergestützte Simulation als Fernplanspiel via Internet beziehungsweise E-Mail. Daneben setze ich auch Brettsimulationen ein, um die haptische Komponente zu verstärken. Der Einsatz der Methode hängt vom Auftraggeber und den Vorkenntnissen der Teilnehmer ab. Bei allen gibt es Vor- und Nachteile, die es in einem ersten Gespräch abzuklären gilt.
Wenn Teilnehmer eine Unternehmenssituation oder bestimmte Entscheidungen simulieren, ist das eine konstruierte Wirklichkeit. Wie kann sichergestellt werden, dass das Gelernte hinterher im Unternehmensalltag auch noch zum Tragen kommt und Mitarbeiter nicht in mögliche alte Muster verfallen?
Dazu bieten sich Aufbautrainings an, um das Gelernte zu vertiefen und konkrete Fragestellungen aus der Praxis zu diskutieren und zu verarbeiten. Außerdem gibt es verschiedene Transferübungen am Ende des Trainings, um den Effekt im Alltag zu erhalten.
In Ihren Seminaren lernen Teilnehmer, Unternehmen über Kennzahlen zu bewerten. Lassen sich sämtliche Unternehmensprozesse oder Strategien in Kennzahlen ausdrücken oder gibt es auch Grenzen?
Natürlich gibt es hierbei auch Grenzen, die auch im Training zu diskutieren sind. Vieles lässt sich über Kennzahlen abbilden, aber sicherlich nicht sämtliche Prozesse und Strategien.
Mit der Verflechtung von Märkten rund um den Globus haben sich die Herausforderungen von Unternehmen und damit viele Unternehmensstrategien geändert. Spielt das auch in Ihren Simulationen eine Rolle?
Es spielt eine große Rolle, weil sich hierdurch die Rahmenbedingungen und die Szenarien, die die Wirklichkeit simulieren, ändern und angepasst werden müssen.
Warum soll noch jemand BWL studieren, wenn er betriebswirtschaftliche Zusammenhänge auch in einem Planspiel beziehungsweise einer Simulation erlernen kann?
Das Planspiel vermittelt die Zusammenhänge, kein Detailwissen. Es kann also nie ein betriebswirtschaftliches Studium ersetzten, sondern es höchstens vorbereiten oder ergänzen.
Herzlichen Dank für das Gespräch, Frau Zimmer.
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