In der heute gängigen Praxis werden die Begriffe „Planspiel“ beziehungsweise „Unternehmensplanspiel“ sowie „Unternehmenssimulation“ meist deckungsgleich verwendet. Dann wird gesagt, eine Unternehmenssimulation sei ein interaktives Lerninstrument für Erwachsene, während der ältere Begriff dafür Planspiel sei. Außerdem könnten auch die englischen Begriffe Business Simulation oder Management Game verwendet werden. Oder wie wäre es zum Beispiel mit dem Begriff „Gamebased Learning“? Willy Christian Kriz, Professor im Fachbereich Psychologie der Ludwig Maximilians Universität München sagt in einem Interview im Rahmen der Messe „Zukunft Personal“:
„Computerspiele für Schulungen zu nutzen, ist eine rein technische Entwicklung. Die Begriffe, die nun dafür verwendet werden, sehe ich deshalb eher als eine Art Modewelle. Nehmen Sie zum Beispiel die Planspiele: Das Prinzip besteht seit mehr als 50 Jahren. Wenn heute viele von Serious Games sprechen, dann ist das ein Marketinginstrument. Der Begriff ist übrigens auch schon mehr als 25 Jahre alt, aber eben gerade wieder besonders in Mode.“
Welcher Begriff letztlich verwendet wird, sei auch von der jeweiligen Unternehmenskultur abhängig. Manchen sei das Wort „Spiel“ zu kindisch und unseriös, deshalb setzten solche Unternehmen eher auf die Begriffe Lernprogramm oder Simulation. Anderen wiederum sei „Simulation“ zu theoretisch und sie bevorzugten den Spielbegriff. Problematisch findet Kriz den Ausdruck „Serious Games“. Wo bitteschön, fragt der Wissenschaftler, sei die Abgrenzung zwischen einem ernsthaften und einem nicht-ernsthaften Spiel? Im Übrigen sei die Bezeichnung „Gaming Simulation“ international anerkannt. Dann jedoch liest man hin und wieder auch von „Decision Games“. Also was denn nun, alles nur andere Begrifflichkeiten für ein und dieselbe Bedeutung?
Das Zentrum für Managementsimulationen (ZMS) an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Stuttgart weist darauf hin, dass die wissenschaftliche Literatur durchaus einen Unterschied macht bei der Definition von Planspiel und Simulation. Folgende Stichworte beziehungsweise Definitionen werden angeführt:
Planspiel
- „unter einer bestimmten Zielsetzung (…) handelnd“
- „konflikt- und problemhaltige Situationen“
- „Handlungserfahrung im Vordergrund“
- „Beinhaltet (…) immer eine Simulation, ist aber nicht mit dieser gleichzusetzen“
- „Konsequenzen, die sich aus (…) Entscheidungen und (…) Verhalten ergeben“
- „hypothetisch-fiktive Umwelt, die auf bloßen Annahmen beruht und dennoch möglichst realistisch erscheinen soll“
- Handlungsträger sind in der Regel die einzelnen Spielgruppen in der Gesamtheit“
Simulation
- „eher mit der Absicht eingesetzt, ‚Antworten‘ zu finden, als Prozesse zu verstehen“
- „vereinfachte Nachahmung von Vorgängen oder ganzen Systemen“
- „hoher Grad von Komplexität“
- „Visualisieren, Hörbar- oder Messbarmachen (Demonstrieren) von schwer zugänglichen Erscheinungen“
- „maximaler Bezug zur realen Welt (…), unabhängig von den Personen, die die Simulation verwenden“
Bei einem Planspiel handele es sich um eine Lehr-Lern-Methode, so die Experten des ZMS. Sie ermögliche es den Teilnehmern, in einer komplexen, fiktiven aber realitätsnahen Umwelt Erfahrungen im (gemeinsamen) Handeln zu sammeln, und zwar in konflikt- beziehungsweise problemhaltigen Situationen. Eine Simulation hingegen sei gekennzeichnet durch eine möglichst genaue Nachahmung von realen Situationen, ohne dass diese direkt als Lehrmethode diesen soll.
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