Seite 3 von 4

Was Planspiele alles leisten

Unternehmensplanspiele kommen heute in vielen Firmen zum Einsatz, etwa in der Personal- oder auch der Organisationsentwicklung. Für Horst Albach, Honorarprofessor an der WHU - Otto Beisheim School of Management, ist die Realität der Prüfstein jedes Planspiels. Der Grund: Die eigentliche Bedeutung des Spiels liege darin, dass die Managementschulung einen Beitrag zur besseren Nutzung der Ressourcen des Unternehmens im Dienste der Gesellschaft leistet. Ob nun Planspiel oder Unternehmenssimulation: Von Bedeutung ist, welche Vorteile für diese Art des Lernens von Experten ins Feld geführt werden.

Zum einen ein erlebnisorientiertes „Learning by doing“, durch das die Teilnehmer nachhaltig Fach- und Methodenkompetenz aufbauen. Dieser Nutzen wird flankiert durch den Vorteil, den ein Lernen in der Gruppe mit sich bringt, was wiederum Führungs- und Teamkompetenz fördert. Zudem garantiere die realitätsnahe Lernsituation den erfolgreichen Transfer der neuen Erkenntnisse in die berufliche Praxis. Maximilian Eichhorn nennt in seiner Dissertation folgende Vorteile von Planspielen, die zu einer Verkürzung der oft kritisierten Distanz zwischen Theorie und Praxis führen:

  • Übertragung von komplexen und unübersichtlichen Theorien in ein vereinfachtes Modell,
  • Verdeutlichung des besonderen Charakters unternehmerischer Entscheidungen,
  • Befähigung der Teilnehmer, ihre vorhandenen theoretischen Kenntnisse in praktische Fähigkeiten umzusetzen,
  • Erhöhung der Bereitschaft zum Lernen sowie der Effektivität des Lernprozesses,
  • Schulung der Beurteilung komplexer ökonomischer Situationen.

Ein weiterer Vorteil, der immer wieder angeführt wird, ist der einer risikolosen „Spielwiese“. Das bedeutet: Verschiedene Strategien können ausprobiert werden, ohne die möglichen negativen Konsequenzen tragen zu müssen. Wer ein Verständnis für unternehmerische Zusammenhänge entwickelt, erwirbt Problemlösungs- und Handlungskompetenz. Zudem vermitteln Planspiele betriebswirtschaftliches Faktenwissen.

Kompetenzen erweitern und Organisation verändern

Ursprünglich wurden Planspiele in Unternehmen vor allem in der Aus- und Weiterbildung eingesetzt. Heute kommen sie auch im Rahmen der Personalentwicklung zum Einsatz, hauptsächlich in Assessment Centern, wo es darum geht, Führungskräfte nach ihrer Eignung zu beurteilen, leitende Positionen zu bekleiden. Mit Planspielen lässt sich herausfinden, ob der Bewerber die notwendigen Schlüsselqualifikationen besitzt, die er für die Stelle braucht. Im Vordergrund steht die Beobachtung, wie der Bewerber zu Lösungen eines bestimmten Problems kommt, nicht ob er das Problem an sich lösen kann. Zudem zeigt sich, ob er sein Verhalten an veränderte Situationen anpasst oder ob er an Altem festhält.

Beim Einsatz von Planspielen als Instrument der Organisationsentwicklung geht es vor allem um eines: einen Erkenntnisgewinn durch Beobachtung des Spielverhaltens und die Übertragung auf die Organisationsentwicklung im real existierenden Unternehmen. Hauptindikator ist die Bildung von Gruppenstrukturen innerhalb des Spiels und deren Verhalten hinsichtlich des Prozesses der Organisationsentwicklung. So spielt es etwa eine Rolle, wie bestimmte Entscheidungsprozesse von der Gruppenstruktur abhängen oder welche Folgen eine Veränderung der Gruppengröße auf die Entscheidungen der Gruppe hat.

Nachteile der Planspiele

Die vielen Vorteile der Planspiele für Unternehmen ist die eine Seite der Medaille, die Nachteile, die eine solche Form des Lernens mit sich bringen kann, die andere. Eichhorn führt in seiner Doktorarbeit folgende Punkte auf:

  • Unternehmensplanspiele berücksichtigen nicht in ausreichendem Maß qualitative Faktoren.
  • Im Simulationsmodell können nicht alle möglichen Einflussgrößen auf wirtschaftliche Entscheidungen verwendet werden.
  • Unternehmensplanspiele können die subjektiven Vorstellungen der Entwickler des Spiels nicht ausschließen.
  • Unternehmensplanspiele sind relativ teuer, sowohl in der Entwicklung als auch in ihrer Durchführung.
  • Mit Unternehmensplanspielen lassen sich aufwändige Vorbereitungszeiten nicht komplett verhindern.

Des Weiteren werde das rationale Verhalten der Spielteilnehmer bei der Entscheidungsfindung überbewertet und es fehle an tatsächlichen Verlustmöglichkeiten. Ein Hauptproblem: Es besteht die Gefahr, dass die Teilnehmer durch das Spiel an sich falsche Vorstellungen über die tatsächlich ablaufenden Prozesse in der Unternehmensrealität entwickeln. Hans-Georg Plaut, verstorbener Gründer der Beratungsgruppe Plaut mit Sitz in Wien und Mitentwickler der Grenzplankostenrechnung, hatte seine eigenen Ansichten zum Thema „Lernen“ in einem kleinen Frage-und-Antwort-Spiel zwischen einem Journalisten und einem Unternehmer formuliert:

Journalist: „Worauf führen Sie ihre Erfolge zurück?“

Unternehmer: „Auf richtige Entscheidungen.“

Journalist: „Und wie kommen Sie zu Ihren richtigen Entscheidungen?“

Unternehmer: „Erfahrung.“

Journalist: „Und wie kommen Sie bitteschön zu Ihren Erfahrungen?“

Unternehmer: „Falsche Entscheidungen.“

(keine Bewertung)  Artikel bewerten