ISO 9001-2008 Was kommt mit der neuen Ausgabe auf Unternehmen zu?

18.11.2008 – Die ISO-Normenreihe zum Qualitätsmanagement (ISO 9000 und folgende) ist eine Erfolgsgeschichte. Fast eine Million Unternehmen haben sich weltweit zertifizieren lassen. Jetzt wird die ISO 9001 aktualisiert. Damit soll die Norm den Anforderungen der Nutzer besser entsprechen und noch mehr Klarheit schaffen. Was steckt hinter der Aktualisierung der Norm?
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ACNielsen aus Wien hat für die International Organization for Standardization (ISO) wieder einmal gezählt: Knapp eine Million Organisationen aus 175 Ländern weltweit haben sich bis Ende Dezember 2007 nach der Norm für das Qualitätsmanagement ISO 9001 prüfen und zertifizieren lassen. Das ist noch einmal ein Zuwachs um 6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Zahlen zeigen, die Norm hat weltweit eine überragende Bedeutung.

Jetzt hat die ISO die Aktualisierung ihrer wichtigsten Norm weltweit veröffentlicht; sie soll ab dem 1.12.2008 gelten. Die wichtigste Botschaft vorneweg: Es wird keine neuen Anforderungen geben! Die ISO 9001:2008 wird sich lediglich durch redaktionelle Änderungen von der aktuellen Fassung unterscheiden. Wolfgang Kaerkes, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Qualität (DGQ), stellt fest:

„Die Anwender können mit zahlreichen Klarstellungen und Präzisierungen rechnen. Richtig genutzt können zertifizierte Unternehmen mit den neuen Impulsen die Norm künftig noch gewinnbringender einsetzen.“

Warum werden Normen überarbeitet?

Schon 1987 erschien die erste Ausgabe der ISO 9001. Seither wurde sie immer wieder überarbeitet – die letzten großen Änderungen fanden sich in der Ausgabe des Jahres 2000 wieder (ISO 9001:2000). Das Technische Komitee 176 (TC 176), das für alle Normen im Bereich des Qualitätsmanagements verantwortlich ist, muss auch die ISO 9001 regelmäßig prüfen, überarbeiten und aktualisieren, denn wie alle anderen Produkte, haben auch Normen eine Lebenszykluskurve.

Die letzte Runderneuerung gab es im Jahr 2000, als vor allem das Denken in Prozessen maßgeblich eingearbeitet wurde. Drei Jahre später überprüften die Macher der Norm im Rahmen des regelmäßig vorgeschriebenen „Systematic Review“ die Zweckmäßigkeit der Norm: Von den 1.500 befragten Organisationen zeigten sich die allermeisten sehr zufrieden.

Doch es gab auch einige kritische Stimmen und Verbesserungsvorschläge. Die Zertifizierungsstellen, die den Organisationen bescheinigen sollen, dass diese nach der ISO 9001 arbeiten, und auch die Organisationen selbst erklärten, dass es zu Meinungsverschiedenheiten kam. Ian Campbell, seit 1990 Mitglied im TC 176, zeigt auf, um was es dabei ging: Die Zertifizierungsstellen reklamierten, dass in vielen Fällen die Organisationen, die sich um das Zertifikat bewerben,

  • den Prozessansatz nicht verstanden hatten,
  • keine messbaren Ziele hatten,
  • erforderliche Fähigkeiten als Basis für Mitarbeiterschulungen nicht ermittelt hatten und
  • die Kundenzufriedenheit nicht überwachten.

Auf der anderen Seite reklamierten einige zertifizierte Organisationen, dass in vielen Fällen die Zertifizierungsauditoren:

  • den neuen Prozessansatz nicht verstanden hatten,
  • noch eine Checkliste-Mentalität hatten,
  • Aspekte verlangten, die in der ISO 9001 nicht gefordert sind, beispielsweise dass die Kundenzufriedenheit gemessen wird.

Das deutete darauf hin, dass gewisse Anforderungen nicht eindeutig genug waren. Manches wurde in sogenannten „Interpretationen“ der ISO zwar erläutert; doch entschied sich das Technische Komitee, die Norm zu überarbeiten. Dazu wurden Anwender befragt, Studien ausgewertet und Rückmeldungen der Akteure genutzt. Der Unterausschuss 2 des TC 176 machte sich dann an die Arbeit.

Die redaktionelle Überarbeitung sollte vor allem dazu führen, dass die Norm für die Anwender klarer und verbindlicher wird. Es soll in Zukunft weniger Meinungsstreitigkeiten geben. Das bedeutet auch: Die Grundstruktur und strategische Ausrichtung der Norm wurde nicht verändert, die Anforderungen bleiben im Wesentlichen gleich. Die zentralen Ziele der Überarbeitung waren:

  • Präzisierung und Klarstellung der Normforderungen;
  • Harmonisierung mit den Anforderungen der ISO 14001 (Umweltmanagement), um die Integration beider Systeme zu erleichtern;
  • die Konsistenz mit der ISO 9004 weiterhin gewährleisten;
  • die korrekte Übersetzung in andere Sprachen sicherstellen.

Ian Campbell vom Technischen Komitee 176 stellt fest:

„Grundsätzlich sollten die bestehenden Anforderungen nicht erhöht werden. Im ISO-Komitee wurde entschieden, nur diejenigen Aspekte der Norm zu ändern, die möglichst viele Vorteile und möglichst wenig Auswirkungen für die Anwender bedeuten würden.“

Die Organisationen sollen ihre bestehenden Dokumentationen weiterhin nutzen können und keine Prozesse ändern müssen. Mit der aktualisierten Version der Norm muss auch keine Organisation ihr Zertifikat vorzeitig erneuern oder Mitarbeiter auf Schulungen schicken.

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