Die ISO hat sich bemüht, dass die betroffenen Organisationen mit der Überarbeitung der Norm keinen zusätzlichen Aufwand haben. Im Gegenteil: Die redaktionellen Änderungen sollten Meinungsverschiedenheiten und Reibereien mit den Zertifizierungsstellen verringern. Das Mitglied der TC 176, Ian Campbell, erläutert, welche Folgen im Einzelnen zu erwarten sind. Der Schlussentwurf (Stand Oktober 2008) weist 71 geänderte Textstellen auf. Seiner Meinung nach könnten
- 25 mehr Aufwand bedeuten,
- 16 weniger Aufwand bedeuten und
- 30 keine Auswirkungen haben, weil nur Formulierungen geändert wurden.
Campbell meint, dass die Organisationen mit einem reifen bzw. umfassenderen Qualitätsmanagementsystem die geänderten Anforderungen längst erfüllen, und dass sie deshalb aufgrund der Revision keine Maßnahmen ergreifen müssen.
Von den 41 Änderungen, die zu mehr oder weniger Aufwand führen können, beziehen sich 27 auf Anforderungen und 14 auf Anmerkungen. Auch diese sind sehr genau zu nehmen, da sie den Rahmen für die Anforderungen abgeben. Campbell macht dies an einem Beispiel deutlich:
In einer neuen Anmerkung zu Absatz 8.2.1 (Kundenzufriedenheit) wird erläutert, aus welchen Quellen Informationen stammen, die für die angeforderte „Überwachung der Wahrnehmung der Kunden“ dienlich sein können. Ein Auditor wird sicher fragen, ob mindestens alle in der Anmerkung erwähnten Quellen verwendet wurden und wenn nicht, was die Gründe dafür sind. Die auditierte Organisation muss ihre Entscheidung also begründen.
Auf der anderen Seite stellt die Revision 2008 deutlich klar, dass die Organisation selbst entscheiden kann, wie ihre Dokumentation – sei es Vorgabedokumente, Aufzeichnungen oder Entwicklungsergebnisse – gestaltet ist. Diese Klarstellungen der bisherigen Anforderungen können zu einer Rationalisierung der bisherigen Dokumentation führen, sodass deren Umfang und entsprechender Verwaltungsaufwand reduziert werden können.
Die Zukunft wird also zeigen, ob mit der neuen ISO 9001:2008 das vordringliche Ziel erreicht wird, dass Organisationen und Zertifizierungsstellen weniger Meinungsverschiedenheiten austragen müssen. Der Erfolgsgeschichte der Norm wird dies sicherlich nicht schaden.
Stichwort
Die International Organization for Standardization (ISO) ist weltweit der größte Zusammenschluss von Organisationen zur Standardisierung und Normung. Mitglied ist jeweils eine Organisation aus derzeit 157 Nationen. Bis September 2008 hat die ISO mehr als 17.400 Normen und Standards für Unternehmen und Verwaltung entwickelt und veröffentlicht.
Am bekanntesten und am weitesten verbreitet sind die Normen ISO 9001:2000 (demnächst ISO 9001:2008) und ISO 14001:2004, die Anforderungen an das Qualitätsmanagement und das Umweltmanagement einer Organisation beschreiben.
Quellen und weiterführende Informationen
Studie der ISO zur Anwendung von Normen im internationalen Vergleich
Informationen der ISO zur neuen ISO 9001:2008:
- ISO ... Implementation Guide
- ISO ... Pressemeldung
- ISO ... Support Package
- http://www.iso.org/iso/qmp
Checklisten, Ratgeber und Einführungshilfen:
Mögliche Auswirkungen auf Organisationen:
- Positionspapier und Interpretationen Dekra
- Positionspapier der Schweizerischen SQS
- http://www.iso9001revision.de
Hier finden Sie das Inhaltsverzeichnis der ISO 9001:2008.
Hier können Sie die neue Norm bestellen: