Qualitätsmängel Die Top Ten der Software-Fehler 2011

28.12.2011 – Software-Fehler führten 2011 zu Imageverlusten und gravierenden finanziellen Schäden in Unternehmen. Außerdem zu Ärger und Unverständnis bei Nutzern. Eine Folge mangelhafter Qualität. Auf Basis von Medienberichten und Einschätzungen von Softwarequalitäts-Experten gibt unser Autor einen spannenden Überblick über die zehn spektakulärsten Software-Pannen des letzten Jahres.
Bild: Timo Darco - fotolia.com

In einer aktuellen weltweit durchgeführten Studie von Pierre Audoin Consultants (PAC) gaben nahezu alle befragten Führungskräfte an, Testen als eine wichtige Investition in die Software zu verstehen. Dennoch ist die Umsetzung immer noch nicht nachhaltig. Die Folgen mangelnder Qualität werden sichtbar, doch meistens erst dann, wenn es bereits zu spät ist. Stattdessen hätte jeder einzelne dieser Software-Fehler durch effektives Test- und Qualitätsmanagement im Vorfeld vermieden werden können. Hier die Top Ten der spektakulärsten Software-Fehler 2011:

1. 240 Millionen US-Dollar für Strafe und Rückzahlungen

25 Millionen Dollar Strafe verhängte die US Finanzaufsichtsbehörde Securities and Exchange Commission (SEC) einem internationalen Finanzdienstleister. Dieser hatte zuvor einen Fehler in einer Software-Anwendung eines Investment-Fonds vertuscht. Gleichzeitig musste das Unternehmen den geprellten Anlegern den entstandenen Schaden zurückerstatten: 217 Millionen Dollar (über 160 Millionen Euro).

2. Hunderttausende Gehaltszahlungen verzögert

Landesweit fielen bei einer der größten Banken Japans durch einen Software-Fehler rund 5.600 Geldautomaten für 24 Stunden aus. Um die Systemwiederherstellung zu beschleunigen, mussten alle 38.000 Geldautomaten vom Netz genommen werden. Über mehrere Tage war kein Online-Banking möglich. Erst nach einer zehntägigen Verzögerung konnte die Bank alle Lohnüberweisungen mit einem Gesamtvolumen von 1,5 Milliarden US-Dollar (über eine Milliarde Euro) bearbeiten.

3. Bankautomaten verschenken Geld an Kunden

In den australischen Städten Sydney, Melbourne und Brisbane konnten Kunden über fünfeinhalb Stunden uneingeschränkt Geld an 40 defekten Geldautomaten abheben. Möglich machte den überraschenden Geldsegen eine Störung in der Datenbanksoftware, die die Automaten in den Stand-by-Modus versetzte: Die Geräte erkannten weder die Grenze des Tageslimits, noch wussten sie, ob das Konto genügend gedeckt war.

4. Datenrückstau bei Smartphone-Hersteller 

Kein Internet-Surfen, kein Zugang zum E-Mail-Account und keine Instant-Messaging-Dienste – ein Netzwerkausfall bei einem weltweit führenden Smartphone-Hersteller verursachte auf den Endgeräten von Millionen Kunden einen Datenrückstau. Betroffen waren die Regionen Europa, Afrika sowie der Mittlere Osten und Lateinamerika. Nachträglich musste das Unternehmen mehrere Milliarden E-Mails abarbeiten. Der Netzwerkausfall war auf ein Rechenzentrum in Großbritannien zurückzuführen, wo zudem auch das Reservesystem versagte.

5. Greencard-Gewinner freuen sich zu früh

Für über 20.000 Teilnehmer der Greencard-Lotterie kam die Freude zum baldigen Erhalt ihrer Arbeitserlaubnis in den USA zu früh. Ein Programmierfehler führte zu einer unfairen Ziehung der Greencard-Gewinner, die gegen das US-Gesetz verstieß. Alle Ergebnisse wurden revidiert und die Verlosung wiederholt.

6. Unschuldige Personen hinter Gittern

Über 3.600 Defekte in einem Computersystem und Probleme bei der elektronischen Übertragung von Informationen führten dazu, dass im australischen Bundesstaat New South Wales 22 unschuldige Personen als kriminell deklariert und festgenommen wurden. Das fehlerhafte System kostete 54,5 Millionen Neuseeland-Dollar (über 31 Millionen Euro). Anstatt der erhofften Kostensenkung und beschleunigten Prozesse zwischen den Gerichten und der Polizei hagelte es Sammelklagen zu Schadenersatz wegen unrechtmäßiger Verhaftung und böswilliger Strafverfolgung.

7. Daten-Chaos bei Umstellung auf elektronische Lohnsteuerkarte

Durch einen Software-Fehler erfassten und verschickten Finanzämter bei bis zu 600.000 deutschen Steuerzahlern falsche Lohnsteuerdaten. Dabei verwechselte die Software beispielsweise die Religionszugehörigkeit, löschte bisher gültige Freibeträge und vertauschte bei Ehepaaren die Lohnsteuerklassen „drei“ und „fünf“ miteinander. Die elektronische Lohnsteuerkarte soll nun nach insgesamt zwei Jahren Verspätung im Jahr 2013 eingeführt werden.

8. Massenrückruf von unkontrollierbaren Autos

Weltweit knapp eine Million Autos musste ein japanischer Autohersteller zurückrufen. Ursachen waren unter anderem elektrische Fensterheber, die zu einem Brand führen konnten. Darüber hinaus rollten 26.000 Fahrzeuge durch einen Programmierfehler im Motormanagement wie von Geisterhand selbständig vor und zurück, sobald der Fahrer den Motor abwürgte. In Deutschland waren von diesem Fehler knapp 2.400 Autos betroffen. An der Börse in Tokio brach die Aktie des Herstellers um fast fünf Prozent ein.

9. Offene Einsicht in hochvertrauliche Bank- und Kundendaten

Nach der persönlichen Anmeldung an einem neu eingeführten elektronischen Ticketsystem eines deutschen Logistik- und Reiseunternehmens konnten nachfolgende Nutzer sämtliche Daten ihres Vorgängers einsehen: von der Adresse über die Telefonnummer bis hin zur Bankverbindung. Ein Software-Fehler hatte die Informationen des über mehrere Jahre entwickelten Systems offengelegt.

10. Armee im Kriegseinsatz behindert

Der Einsatz eines 2,7 Milliarden Dollar (über zwei Milliarden Euro) teuren Computersystems der US-Armee sollte durch Echtzeitinformationen zur Aufklärung und Überwachung beitragen und eine Analyse der Ist-Situation vor Ort liefern. Stattdessen behinderte es die an der Front kämpfenden Truppen in Afghanistan und im Irak: Das System bewerkstelligte selbst einfache analytische Aufgaben nicht und reagierte verzögert, sobald es mehrere Personen gleichzeitig nutzten. Ungenaue Berichte lieferte darüber hinaus auch das Suchinstrument des auf Cloud Computing basierenden Netzwerks – die Software war nicht kompatibel mit der bereits in der US-Armee existierenden.

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Über den Autor

Rudolf van Megen
Rudolf van Megen

Rudolf van Megen ist CEO der SQS Software Quality Systems AG. Das weltweit agierende Dienstleistungs- und Beratungsunternehmen ist Spezialist für Software-Qualität. 1982 in Köln gegründet, beschäftigt SQS rund 2.000 Mitarbeiter mit einem Schwerpunkt in Europa sowie in Asien, Nordamerika und Afrika.

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