Vor wenigen Tagen haben Notenbanker und Finanzaufseher aus dem sogenannten Baseler Ausschuss neue Empfehlungen für die Bankenregulierung veröffentlicht. Das Stichwort dazu: Basel III. Viele Unternehmen verbinden damit, wie schwer oder wie leicht sie sich in Zukunft tun, wenn sie von ihrer Hausbank einen Kredit wollen. Einige Experten sagen, dass das Geld bei den Banken durch Basel III knapper werden könnte und die Hürden für Kredite – insbesondere für mittelständische Unternehmen – höher werden dürften. Worum geht es genau?
Banken brauchen mehr Eigenkapital und Liquiditätspuffer
Mit ihrer Empfehlung Basel III will der Baseler Ausschuss Banken dazu zwingen, ihre Eigenkapitalquote zu erhöhen. Sie schränken damit deren Spielraum ein, riskante Geschäfte zu betreiben. Die Banken müssen mehr sogenanntes „hartes Kernkapital“ vorweisen. Dieses Kapital ist für die Bank jederzeit verfügbar, um Verluste auszugleichen. Bislang liegt die Vorgabe für das harte Kernkapital bei zwei Prozent, nach Basel III soll sie bei 4,5 Prozent liegen. Dazu kommen Vorgaben für weiches Kernkapital, für Ergänzungskapital sowie für einen Kapitalpuffer und ein antizyklisches Kapitalpuffer; das sind in der Summe dann zwischen acht und 13 Prozent. Das muss eine Bank erst einmal stemmen.
Zudem brauchen die Banken einen größeren Liquiditätspuffer. Denn mit Basel III wollen die Finanzaufseher verhindern, dass Banken kurzfristige Zahlungsverpflichtungen langfristig refinanzieren. Banken müssen ihren Zahlungsverpflichtungen auch kurzfristig nachkommen können. Schließlich soll das sogenannte Leverage Ratio beschränkt werden. Damit wird geregelt, wie hoch sich Banken verschulden dürfen. Die Banken sehen in einer starken Beschränkung die Gefahr, dass sie Unternehmen und privaten Haushalten viel weniger langfristige Kredite für Investitionen oder für den Hausbau zur Verfügung stellen können.
Stichwort
Kernkapital (Core Tier 1): besteht in erster Linie aus dem Stammkapital, den Kapital- und Gewinnrücklagen sowie sogenannten hybriden Kapitalbestandteilen.
Kernkapitalquote: ist das Verhältnis des Kernkapitals zu den risikotragenden Aktiva, insbesondere zu den vergebenen Krediten, in Prozent.
Leverage Ratio: ist das Verhältnis der Bilanzsumme zum Kernkapital. Der Baseler Ausschuss hat die Quote auf das 33-fache des Kernkapitals festgelegt.
Immerhin gelten lange Übergangsfristen. Erst 2019 sollen die strengen Regeln vollständig zum Tragen kommen. Zudem müssen die Empfehlungen des Baseler Ausschusses erst einmal in nationales Recht umgesetzt werden. Bis sich alle Regierungen (insbesondere aus den G20-Ländern) auf gemeinsame Regeln geeinigt und diese in eigene Gesetze gegossen haben, dürfte noch etwas Zeit vergehen. Möglicherweise werden dabei auch einige Empfehlungen noch verändert und sogar abgeschwächt.
Gleichwohl legt der Kapitalmarkt schon heute die strengen Maßstäbe an – und fordert sogar noch einen weiteren Sicherheitsaufschlag auf die Kernkapitalquote von drei Prozent. Wenn sich eine Bank in Zukunft zu guten Konditionen Geld beschaffen will, muss sie eine harte Kernkapitalquote von mindestens zehn Prozent nachweisen. Die Deutsche Bank hat deshalb schnell gehandelt und eine Kapitalerhöhung von rund 10 Milliarden Euro durchgeführt. Auch wenn mit dem größten Teil davon die Postbank erworben wird, so wird ein erklecklicher Anteil in das Stammkapital gehen.
Die Banken brauchen also Geld, wenn sie die Basel III-Anforderungen erfüllen wollen. Experten rechnen damit, dass die zehn größten deutschen Banken zusätzliches Eigenkapital von rund 100 Milliarden Euro benötigen. Bekommen sie das nicht, müssten sie die vergebenen Kredite um 1.000 Milliarden Euro reduzieren. Für Unternehmen bedeutet das: Deutlich weniger Kredite von den Banken. Für viele ist das eine ernste Gefahr für den laufenden Betrieb und für wichtige Investitionen. Und überbetrieblich dürfte darunter die Konjunktur leiden.
Wie die Banken in Zukunft mit ihren Kunden umgehen könnten, zeigt ein Positionspapier der Unternehmensberatung Simon-Kucher + Partner. Sie rät den Banken, nicht nur neues Eigenkapital zu beschaffen, sondern die risikogewichteten Aktiva, auf die sich die neuen Kernkapitalquoten beziehen, ertragsneutral zu reduzieren – und zwar durch freiwillige Selbstselektion der Kunden. Konkret: Bankkunden, die ein hohes Risiko darstellen, sollten keine Kredite mehr bekommen. Zumindest sollten die Banken einen Preisaufschlag verlangen, wenn sie Kreditlinien ihrer kritischen Firmenkunden mit Eigenkapital decken müssten.
Zum Beispiel könnte die Einführung einer auf die Kreditlinie bezogene Beratungsgebühr angedacht werden, was bisher eher unüblich in der Branche ist. Dadurch stünden den gestiegenen kalkulatorischen Eigenkapitalkosten zukünftig auch dann Erträge gegenüber, wenn die Kreditlinien von den Kunden nicht in Anspruch genommen werden. Gleichzeitig hätten die Kunden erstmalig einen Anreiz, ungenutzte Teile der Kreditlinien in ihrem eigenen Interesse zu reduzieren.
- Teil 1: Basel III: Wie kommt der Mittelstand noch an Kredite?
- Teil 2: Was bedeutet das für den Mittelstand?
