Finanzen verwalten Vom unternehmerischen Umgang mit Geld

Von Stefan Merath, Unternehmercoach GmbH
11.02.2010 – Unternehmer, die gut mit Geld umgehen können, machen meistens auch im Unternehmen Gewinne. Und solche, die das privat nicht können, schaffen es auch in ihrer Firma nicht. Die Fähigkeit Sparen zu können, hat nichts mit der Höhe der Einnahmen, sondern mit der eigenen Prioritätensetzung zu tun. Ein besonderes Kontenmodell und die Kennzahl der finanziellen Reichweite helfen dabei, das Geld richtig zu verwalten. Des Weiteren sind Glaubenssätze sehr wichtig und zentral. Sie führen aber langfristig nur zum Erfolg, wenn auch die Strategie des Unternehmens stimmt.
Schlagworte: Finanzplanung, Vorsorge

Nur ein kleiner Teil der Unternehmer aus kleinen und mittleren Unternehmen verdient mehr als ein Angestellter mit demselben Tätigkeitsbereich. Nach meinen Erfahrungen aus dem Coaching einer dreistelligen Zahl von Unternehmern schätze ich diesen Teil auf etwa 20 bis 25 Prozent. Dass diese Unternehmer trotzdem ihr eigenes Unternehmen führen, hat bei einem großen Teil auch mit ganz anderen Motiven zu tun als Geld. Obwohl natürlich der Traum der finanziellen Freiheit auch eine Rolle spielt.

Aber anderes ist wichtiger. Die eigenen Träume verwirklichen. Die Unabhängigkeit. Die Selbstverantwortung. Immer dann, wenn es finanziell nicht so gut läuft, wird dies – auch von Unternehmern – gegeneinander gestellt. So in etwa: Mir ist die Unabhängigkeit wichtiger als das Finanzielle. Ganz nach dem Motto: "Das Immaterielle ist letztlich doch wichtiger."

Das ist Unsinn! Erstens lässt sich das "Immaterielle" sehr viel besser verwirklichen, wenn das "Materielle" stimmt. Zweitens, und sehr viel wichtiger (obwohl auf den ersten Blick nur Haarspalterei), führt die gedankliche, dualistische Trennung zwischen Materiellem und Immateriellem wie immer in die Irre: Geld ist nämlich nicht "materiell" und Träume sind oft nicht "immateriell".

Die Frage, die sich stellt, ist, wie kommen Unternehmer zu einem adäquaten Umgang mit Geld? (Dass natürlich auch die Strategie stimmen muss, damit überhaupt Geld herein kommt, ist ein ganz anderes Thema).

Grundlegendes: Der Zweck eines Unternehmens

Beginnen wir kurz bei den Grundlagen. Der ausschließliche Zweck eines Unternehmens ist, seinen Kunden Nutzen zu bieten. Der Zweck eines Unternehmens ist nicht, Profite zu erwirtschaften, Arbeitsplätze zu schaffen oder sonstige Anliegen irgendwelcher Interessengruppen zu erfüllen.

Die Aufgabe eines Unternehmers ist die, ein Unternehmen zu schaffen, das diesen Zweck erfüllt, also seinen Kunden Nutzen bietet. Das Produkt des Unternehmens ist zum Beispiel Software, das Produkt des Unternehmers ist nicht Software, sondern die Software-Firma. Und sein Kunde ist auch nicht der, der die Software kauft, sondern der, der die Software-Firma kauft (oder übernimmt) – also sein Nachfolger.

Damit ist die Aufgabe des Unternehmers, ein Unternehmen zu schaffen, das den zukünftigen Kunden des Unternehmens mehr Nutzen bietet als heute – er will ja den Nutzen für den Nachfolger steigern. Damit er diese Aufgabe erfüllen kann, benötigt er Energie. Genauer: Überschüssige Energie, die über die notwendige Energie zur Produktion der Software hinaus reicht und es ihm ermöglicht, ein besseres Unternehmen zu schaffen. Diese Energie heranzuziehen und auszurichten, ist klare Unternehmeraufgabe (die dritte Aufgabe des Unternehmers, vgl. Die Aufgaben des Unternehmers).

Und nun zurück zum Geld: Geld ist eine Form von Energie. Genau genommen ist Geld das Vertrauen darauf, dass irgendwann irgendjemand irgendeine Leistung mit einem gewissen Wert erbringen wird. Eben dann, wenn ich diesem jemand eine bestimmte Menge Geld gebe. Wohnt man zum Beispiel in Simbabwe oder bekommen wir hier dank der freizügigen (und in großen Teilen völlig sinnlosen Krisenbekämpfungsausgaben der Regierungen) eine Inflation, dann merkt man sehr schnell, dass das Vertrauen, irgendwann eine Leistung zu erhalten, vielleicht nicht zu hundert Prozent berechtigt ist. Mit anderen Worten: Geld ist (wenn man überhaupt in Kategorien von materiell und immateriell denkt), zu fast 100 Prozent immateriell. Geld ist neben dem physischen Altmetall- oder Altpapierwert nichts als Vertrauen in die Zukunft.

Zurück zum Unternehmer: Er benötigt, um seine Aufgabe auszuführen, Leistungen zur Verbesserung des Unternehmens. Also in gewisser Weise Energie. Und Geld ist eine mögliche Energieform. Eine andere ist die Begeisterung von Kunden (die dann zum Beispiel bei Wikipedia mitentwickeln). Wieder eine andere die Begeisterung der Mitarbeiter, die manchmal nur aus Freude oder dem Wunsch, sich an etwas zu beteiligen viel mehr geben als sie als Gegenleistung bekommen. Wieder eine andere Form der Energie ist die Öffentlichkeit, die positiv über das Unternehmen spricht.

Diese Energieformen sind teilweise untereinander ersetz- und austauschbar. Letztlich muss sich der Unternehmer in einem bestimmten Verhältnis um alle diese Energieformen kümmern. Sein Job ist, dass jede dieser Energieformen zu dem Zeitpunkt, zu dem er sein Unternehmen an seinen Nachfolger übergibt, größer ist als vorher. Wohlgemerkt, nicht als Selbstzweck, sondern zur Vergrößerung des Nutzens der zukünftigen Kunden des Unternehmens.

Mit anderen Worten: das Geldvermögen oder Kapital des Unternehmens ist eine Teilkomponente der Energien, die die Weiterentwicklung des Unternehmens ermöglichen. Und es ist der Job des Unternehmers, die Energie auch dieser Teilkomponente zu erhöhen. Tut er dies nicht, so erfüllt er seinen Job nicht richtig.

Die Fähigkeit, Geld zu vermehren

Wenn ich mir nun die Selbständigen und Unternehmer aus meinen Coachings betrachte, dann fällt eines sehr schnell auf: Unternehmensinhaber, bei denen privat die Einnahmen die Ausgaben übersteigen, machen praktisch immer auch im Unternehmen Gewinne. Und solche, die privat nicht mit Geld umgehen können, schaffen es auch in ihrer Firma nicht.

Das hat nebenbei nichts mit der Höhe der Einnahmen zu tun. Ich hatte einen Gründer im Coaching, der nur 900 Euro im Monat aus seiner Firma entnehmen konnte. Und davon hat er noch 100 Euro gespart. Und ich hatte umgekehrt einen Unternehmer mit 800.000 Euro Jahresnetto-Einkommen und einer Million jährlicher privater Ausgaben. Das Unternehmen des Gründers wuchs, das Unternehmen des anderen war kurz vor dem Untergang.

Natürlich werden nun die meisten Leser sagen: "Also wenn ich 800.000 Euro netto im Jahr hätte, dann wäre ich nicht so blöd. Aber jetzt kann ich noch nicht sparen, weil ..." Die Wahrheit ist: Sparen ist eine Gewohnheit. Und diese Gewohnheit hat nichts mit der Höhe der Einnahmen, sondern ganz allein mit der eigenen Prioritätensetzung zu tun. Solange man diese Prioritäten nicht ändert, werden die Ausgaben immer im selben Verhältnis mit den Einnahmen steigen. Der oben erwähnte Gründer war zuvor als Angestellter beschäftigt mit etwa 2.800 netto Monatseinkommen. Und er hatte entsprechende Verpflichtungen. Weil ihm das langfristige Sparen wichtig war, fand er Wege, auch mit 900 Euro im Monat zu sparen.

Die Fähigkeit, Geld zu vermehren hat somit nichts mit der Höhe der Einnahmen zu tun. Und sie zeigt sich im Privaten wie im Unternehmerischen gleichermaßen.

Das Kontenmodell im Unternehmen

Wenn Sparen eine Gewohnheit ist, dann kann man diese Gewohnheit entwickeln. Bodo Schäfer schlägt dazu für die private Seite ein Kontenmodell mit drei bis vier Konten vor: ein Konto für die Lebenshaltungskosten, ein Spaß-Konto und ein Spar-Konto. Gegebenenfalls noch ein weiteres Spendenkonto. Der Witz ist, die Überweisung auf Spaß-, Spar- und Spenden-Konto erfolgt nicht zum Monatsende, wenn nichts mehr da ist, sondern zu Monatsbeginn per Dauerauftrag.

Das Konzept ist klasse. Ich würde es nur um ein weiteres Konto erweitern: ein Fortbildungskonto. Für Bücher, Seminare, Coachings. Und in dieses Fortbildungskonto sollte mindestens so viel Geld fließen wie in Ihr Auto. Angenommen, Sie zahlen monatlich 600 Euro Leasinggebühr plus Steuer, Versicherung und Benzin etwa 800 Euro, im Jahr also knapp 10.000 Euro, dann sollte mindestens derselbe Betrag in Ihre Ausbildung fließen. Wenn Sie nur 10.000 Euro im Jahr haben, darf das Auto eben nur 5.000 kosten. Wie gesagt, es ist eine Frage der Prioritäten: Was ist wichtiger? Die physische Bewegung von A nach B, gar nur der Status, der mit einem schicken Auto verbunden wird? Oder die persönliche geistige Weiterentwicklung von A nach B?

Meine Erfahrung ist ganz klar: Wer das im Privaten nicht schafft, wird niemals ein gesundes Unternehmen aufbauen können. Vielleicht gibt es Ausnahmen, die diese Regel bestätigen – ich habe sie noch nicht getroffen.

Aber was noch viel wichtiger ist: Sie können dieses Konzept auf Ihr Unternehmen übertragen. Legen Sie auch im Unternehmen separate Konten an, auf die zu Beginn des Monats Geld überwiesen wird. Und zwar ein bestimmter Anteil des Umsatzes. Bevor an irgendjemanden sonst Geld überwiesen wird.

Das geht so weit, dass Sie auch Ihre betriebswirtschaftliche Auswertung (BwA) abändern sollten. Gewinn ist nicht das, was übrig bleibt (es bleibt nichts übrig...), sondern das, was geplant in die Rücklagen oder den Topf für Zukunftsinvestitionen fließt. Und deshalb sollte es in Ihrer BwA in der zweiten Zeile, direkt unter den Erträgen eine Zeile für Ihren geplanten Gewinn geben. Und dieser Betrag sollte auf ein extra Gewinn-Konto fließen. Und in der dritten Zeile sollte ein Betrag für Weiterbildung in Ihrem Unternehmen stehen, der auch abhängig vom Umsatz auf ein extra Konto gebucht wird. Und schließlich, wir erinnern uns: Geld ist eine Energieform unter vielen anderen, sollte in der vierten Zeile ein bestimmter Anteil des Umsatzes beiseite gelegt werden, der zur Entwicklung und Verstärkung der anderen Energieformen (Mitarbeiterbegeisterung, PR etc.) verwendet wird.

Fehlt Ihnen selbst die Disziplin, dann behandeln Sie diese Konten eben wie Gehaltskonten für Mitarbeiter – am besten geben Sie jemand anderem die Aufsicht darüber. Jemandem, der dafür sorgt, dass diese Überweisungen auch tatsächlich gemacht werden und der Ihnen im Zweifel auf die Füße tritt.

Sie können sich natürlich fragen, was das Ganze soll. Ob diese Beträge oben oder unten in Ihrer BwA stehen, sei doch egal. Ist es nicht! Sie planen anders! Sie fragen sich bei manchen Ausgaben eher, ob sie wirklich sein müssen. Sie verändern damit Ihre Prioritäten. Und damit verändern Sie Ihre Ergebnisse.


Über den Autor

Stefan Merath
Stefan Merath

Seit 1997 leitet Stefan Merath eigene Unternehmen mit bis zu 30 Mitarbeitern. Mit sehr angenehmen und sehr unangenehmen, aber vor allem immer lehrreichen Erfahrungen. Im Jahr 2004 begann er damit, Unternehmer zu coachen, publizierte 2006 ein erstes Buch, verkaufte 2007 sein zweites Software-Unternehmen und gründete 2007 die Unternehmercoach GmbH. Zeitgleich begann er damit, eigene Seminare zu halten. 2008 erschien sein zweites Buch "Der Weg zum erfolgreichen Unternehmer".

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