Betrachtet man die Volumina in der M&A-Branche im Jahr 2007, wird deutlich, dass die Branche boomt wie nie zuvor. So war die Übernahme des US-Energiekonzerns Texas Power Company durch die Private-Equity-Investoren KKR, Texas Pacific und Goldman Sachs Capital Partners im Februar 2007 mit knapp 44 Milliarden Dollar die bislang größte Übernahme durch Finanzinvestoren überhaupt. Ein weiteres Beispiel ist die momentane Übernahmeschlacht um das Finanzhaus ABN Amro. Die Barclays Bank und die Royal Bank of Scotland bieten derzeit über 90 Milliarden Dollar für das Geldinstitut.
Insgesamt haben Private Equity Unternehmen und andere Investoren zwischen Januar und Juni 2007 weltweit ca. drei Billionen Dollar für Fusionen und Übernahmen ausgegeben. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist das eine Steigerung um knapp 60 Prozent. Bedingt durch die Turbulenzen an den Finanzmärkten sind die Zahlen im dritten und vierten Quartal deutlich zurückgegangen. Dennoch summierte sich das M&A-Volumen weltweit im Gesamtjahr 2007 auf den Rekordwert von 4,3 Billionen Dollar.
Rekordumsätze auch in Deutschland
Auch hierzulande erwirtschaftete die M&A Branche im abgelaufenen Jahr Rekordumsätze. Obwohl Deutschland dem internationalen M&A-Trend immer etwas hinterherhinkt, spielen die Unternehmenstransaktionen mittlerweile eine sehr bedeutende Rolle. Ein Indiz dafür ist zum Beispiel der hohe Auslastungsgrad der führenden akquisitionsfinanzierenden Banken.
Dabei ist in Deutschland eines besonders auffällig: Die Transaktionsanzahl hat sich auf 1.100 erhöht und ist damit im Vergleich zu den Volumina deutlich stärker gestiegen. Folglich gewinnen kleinere Transaktionen an Gewicht.
Der Mittelstand auf der Überholspur
Die Analyse des abgelaufenen M&A-Jahres zeigt, das Unternehmenskäufe und -verkäufe auch im deutschen Mittelstand mittlerweile durchaus an der Tagesordnung sind. Und sie gewinnen stetig weiter an Bedeutung. Wegen ihrer geringeren Transaktionsvolumina rücken diese Geschäfte allerdings weniger stark ins Licht der Öffentlichkeit als die Megadeals der Großkonzerne.
Trotz geringer öffentlicher Aufmerksamkeit stellen die Fusionen und Übernahmen im Mittelstand einen nicht unerheblichen Teil des Gesamtmarktes für M&A dar. So hat der deutsche Mittelständler durchschnittlich bereits vier Unternehmen gekauft, und das meistens ohne Hilfe von Banken oder Finanzinvestoren. Schon heute kommt fast jede sechste M&A-Transaktion in Deutschland aus dem Mittelstand.
Aufgrund der steigenden Zahl ungeklärter Unternehmensnachfolgen erwarten Experten einen weiteren Anstieg dieser Zahl. Viele sehen hierin sogar den Hauptgrund für den M&A-Boom im Mittelstand. Denn wenn kein Nachfolger aus der Familie zur Verfügung steht, bleibt zum Erhalt der Firma nur der Verkauf an einen Externen.
Die nachrückende neue Generation von Unternehmenseigentümern könnte sich zusätzlich positiv auf das M&A Geschäft auswirken, da diese in der Regel global orientiert und offen für Kapitalmarktpro-dukte sind. Gleichzeitig spielen Manager von außen im Mittelstand inzwischen eine größere Rolle. Diese neigen erfahrungsgemäß eher zu Übernahmen als traditionelle Unternehmerfamilien. Auch die Erfahrungen der DRICON im Geschäft mit Übernahmen und Fusionen decken sich mit dieser Einschätzung.
Es ist also keine Überraschung, dass Branchenexperten fast unisono voraussagen, dass das M&A-Geschäft sich künftig auf mittelgroße Transaktionen konzentrieren wird und Transaktionen im Wert von bis 500 Millionen Euro maßgebliche Treiber sein werden.
Stärkung der Wettbewerbsposition steht im Vordergrund
In der Studie "Mergers & Acquisitions im Mittelstand" des Instituts für Demoskopie Allensbach (IfD) und der WHU Koblenz wurden 253 Unternehmen mit einem Jahresumsatz von größtenteils über 50 Millionen Euro zum Thema M&A befragt. Nach Ansicht der befragten Experten dominierten im mittleren Marktsegment die strategischen Käufer. Zentrales Ziel der M&A-Aktivitäten deutscher Unternehmen sei die Verbesserung ihrer Wettbewerbsposition. Ob durch die Erweiterung des Produktportfolios oder die Ausschaltung wichtiger Wettbewerber – die Optionen sind vielfältig. Im Gegensatz zu ausschließlich renditeorientierten Investoren scheinen diese strategischen Investoren ihr Kaufverhalten auch in der momentanen Finanzkrise nicht zu ändern. Die Finanzierung solcher Akquisitionen stelle nach wie vor kein Problem dar, sagt Michael Seippel, Leiter des M&A Geschäfts im Mittelstand bei der Deutschen Bank. Die Unternehmen sind operativ gut aufgestellt und können so durch Übernahmen wachsen, die sie zu einem großen Teil aus dem eigenen Cash-Flow finanzieren können.
Zunehmend Transaktionen mit
internationalem Charakter
Allerdings erhöht vor allem der verschärfte Wettbewerb im Zuge der Globalisierung den Kapitalbedarf, was Banken und Private-Equity-Unternehmen künftig stärker ins Spiel bringen könnte. Dies wird insbesondere dann der Fall sein, wenn sich die Natur der M&A-Geschäfte weiterhin in Richtung globaler Transaktionen entwickelt. Diese sind grundsätzlich aufwändiger und damit kostspieliger als ihre Pendants auf nationaler Ebene. Dennoch ist genau ein solcher Trend klar erkennbar. Der Mittelstand versucht immer häufiger, sich durch einen Auslandszukauf international aufzustellen, und so für den globalen Wettbewerb besser gerüstet zu sein. Dabei ist Europa mit großem Abstand die wichtigste M&A Region, wobei Polen die Liste der beliebtesten Investitionsziele anführt. Außerhalb Europas erfreuen sich insbesondere Russland und der nahe Osten immer größerer Beliebtheit bei deutschen Investoren.
Positive Erfolgsbilanz trotz kleiner Schwierigkeiten
Während zahlreiche Studien unter Großkonzernen belegen, dass Fusionen sich nur selten lohnen und meistens Werte für die Anteilseigner vernichten, fällt das Resümee von M&A-erfahrenen Mittelständlern deutlich positiver aus. In der bereits erwähnten Studie äußerten sich 92 Prozent der Befragten "sehr zufrieden" oder "zufrieden" mit ihrer letzten Transaktion. 62 Prozent würden daher auch bei ihrem nächsten Kauf nichts anders machen.
Völlig reibungslos verlaufen die Übernahmen indes auch im Mittelstand nicht immer. Das größte Hindernis sehen Firmeninhaber in dem zusätzlichen Arbeits- und Zeitaufwand, den ein Unternehmenskauf oder -verkauf verursacht. Abgesehen davon gehört eine M&A-Transaktion nicht zum Tagesgeschäft. Daher fehlen den meisten Mittelständlern auch das Wissen und die Erfahrung, die ein solcher Prozess verlangt. Aus diesen Gründen erscheint die Einbeziehung eines externen M&A Spezialisten in vielen Fällen sinnvoll. Dieser kann im Transaktionsprozess beratend zur Seite stehen und in der langwierigen Prüfungsphase helfen, die unternehmensinternen Ressourcen zu schonen.
Fazit
Der deutsche Mittelstand weist mittlerweile eine ähnliche Reife auf wie der Markt für große Transaktionen. Grund dafür scheint die sich zunehmend durchsetzende Erkenntnis zu sein, dass man über kleine bis mittelgroße Transaktionen systematisch sein Produkt- und Leistungsportfolio ausweiten und damit seine Wettbewerbsposition verbessern kann. Aber auch Nachfolgeregelungen sind ein großer
Faktor, der das Thema M&A bei Mittelständlern immer häufiger in den Fokus ihrer Aufmerksamkeit rücken lässt. Ein reifer M&A Markt bedeutet allerdings auch, dass ausländische Käufer strategische sowie Finanzinvestoren – verstärkt ein Auge auf deutsche Unternehmen werfen. Wer verkaufen will, kann daher attraktive Preise erzielen.

