Private Equity Alternatives Finanzierungsinstrument für den Mittelstand

26.02.2008 – Private Equity bietet als Finanzierungsinstrument große Chancen – insbesondere für den Mittelstand. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Daher bedarf es eines maßgeschneiderten Finanzierungskonzepts. Der überwiegenden Mehrheit mittelständischer Unternehmer mangelt es in diesem Bereich jedoch sowohl an Zeit als auch Erfahrung.

Jedes Jahr muss in Deutschland eine erschreckend hohe Zahl kleiner und mittelständischer Unternehmen Insolvenz anmelden. Aktuellen Angaben zufolge scheitern etwa 80 Prozent aller neu gegründeten Firmen innerhalb der ersten drei Jahre. Als häufigster Grund für den Misserfolg wird in dieser Hinsicht Kapitalmangel angeführt. Die seit Basel II deutlich restriktivere Kreditvergabe der Banken führt dazu, dass Mittelständler immer häufiger in Liquiditätsprobleme geraten. Dabei gibt es heute zahlreiche Finanzierungsalternativen zu klassischen Bankkrediten. Eine solche stellt auch das Private Beteiligungskapital – Private Equity – dar.

Was ist Private Equity?

Nach der Definition der European Venture Capital and Private Equity Association (EVCA) ist Private Equity als Oberbegriff für den gesamten Markt des privaten Beteiligungskapitals zu sehen. Private Equity-Gesellschaften sammeln Kapital von institutionellen und privaten Investoren ein und investieren das akkumulierte Fondsvermögen renditeorientiert in aussichtsreiche, nicht börsennotierte Unternehmen.

Vorrangiges Ziel solcher Investitionen ist eine zeitlich begrenzte Partnerschaft, bei der sowohl das Kapital empfangende Unternehmen als auch die Beteiligungsgesellschaft Gewinn erzielen. Eine treffende begriffliche Klärung für Private Equity lautet daher: Außerbörsliche Finanzierung durch Kapitalbeteiligungsgesellschaften. Von Private Equity als alternativer Form der Finanzierung können sowohl die Kapital gebende Gesellschaft, als auch das Objekt der Investition, der Kapitalnehmer, profitieren: Während Ersterer auf Kapitalgewinne spekuliert, erhält Letzterer Geld, um Zukunftsinvestitionen zur Sicherung der Wettbewerbsposition, die Expansion in neue Märkte, die Unternehmensnachfolge oder die Abwendung einer Insolvenz zu finanzieren. Wichtig dabei ist, dass das Kapital bei dem empfangenden Unternehmen als Eigenkapital, nicht als Fremdkapital bilanziert wird. So erhöhen Private Equity-Investoren zugleich die Finanzkraft und die Bonität der Kapital nehmenden Unternehmen. Folglich ermöglichen sie ihnen das notwendige Wachstum bzw. die Ertragsstärke, die im heutigen globalen Wettbewerb unerlässlich geworden sind.

Neben der reinen finanziellen Unterstützung stellen die Investoren oft auch ihr Know-how sowie ihre Netzwerke zur Verfügung und forcieren dadurch das Erreichen der gemeinsamen Ziele. Insbesondere bei jungen Unternehmen ist eine solche betriebwirtschaftliche und strategische Unterstützung wertvoll.

Chance für den Mittelstand

Laut Wilken von Hodenberg, Sprecher des Vorstandes der Deutschen Beteiligungs AG, hat das Engagement der Beteiligungsfirmen für die Unternehmen eindeutig
positive Folgen:

„Sie [die Beteiligungsfirmen] haben in den vergangenen 20 Jahren in Deutschland rund 32 Milliarden Euro in mehr als 15.000 meist kleine und mittlere Firmen investiert – und das mit Erfolg. Die Umsätze der Unternehmen sind viermal schneller gewachsen als im Durchschnitt der Wirtschaft. Und sie haben die Zahl der Beschäftigten pro Jahr um 5 bis 15 Prozent erhöht.“

An dieser Aussage wird eines sehr deutlich: Nicht nur für die großen Konzerne ist Beteiligungskapital eine alternative Geldquelle, sondern insbesondere Mittelständler können von dieser Finanzierungsform profitieren. Auch 55 Prozent der innerhalb einer aktuellen Untersuchung des TEC International Germany befragten Mittelständler glauben, dass Beteiligungskapital eine sinnvolle Finanzierungsoption sei. 44 Prozent sagten, dass diese Finanzierungsform in Zukunft noch wichtiger werde.

Die Gründe für diese Ansichten liegen klar auf der Hand: Die allgemeine konjunkturelle Lage ist sowohl in Deutschland als auch international gut. Außerdem greift die Globalisierung weiter um sich, und auch kleine und mittelständische Unternehmen müssen sich zunehmend dem internationalen Wettbewerb stellen. Um in einem solchen Umfeld ihre Wettbewerbsposition sichern und das Wachstum vorantreiben zu können, sehen sich die Mittelständler einem deutlich gestiegenen Kapitalbedarf gegenüber. Ein weiterer Treiber sind die zahlreichen ungeklärten Unternehmensnachfolgen im Mittelstand. Gibt es keinen Nachfolger im Unternehmen, bleibt nur die Möglichkeit eines Management Buy-outs, eines Management Buy-ins bzw. eines Verkaufs. Mit einer solchen Übertragung eines Unternehmens sind hohe Investitionen verbunden, die oft nicht ohne frisches Kapital realisierbar sind. Laut der KfW liegt die durchschnittliche Investitionshöhe für Nachfolgeregelungen im deutschen Mittelstand bei etwa 500.000 Euro.

Stichwort

Ein Management Buy-out bezeichnet den Eigentümerwechsel eines Unternehmens, bei dem das Management mit einer Bank oder einem anderen Finanzinvestor die Mehrheit der Firmenanteile übernimmt.

Von Management Buy-in spricht man, wenn ein Unternehmen durch ein externes Management übernommen wird oder die Übernahme mithilfe eines Investors durch ein fremdes Management forciert wird.

Im Gegensatz zum angloamerikanischen Kapitalmarkt wird zur Lösung solcher Finanzierungsprobleme in Deutschland häufig nur eine Alternative zu einer Eigeneinlage in Betracht gezogen: die Kreditaufnahme bei der Hausbank. Durch verschärfte Vergabevorschriften, insbesondere im Zusammenhang mit Basel II, ist die Kreditvergabe der Banken heute jedoch deutlich restriktiver als noch vor einigen Jahren. Das in diesem Kontext eingeführte „risikoadäquate Pricing“ bedeutet im Gründungs- oder Expansionsstadium eines Unternehmens oft eine  Zinsbelastung, die aus dem anfänglich geringen oder sogar negativen Cash-Flow nicht getragen werden. Alternative Optionen, wie sie die Private Equity-Branche bietet, werden daher für Mittelständler immer häufiger notwendig, um auftretende Finanzierungslücken zu decken.

Wo Chancen, da auch Risiken

Bei allen sich bietenden Chancen birgt Private Equity allerdings auch einige Risiken für Mittelständler.

So verliert der bisherige Geschäftsführer mit dem Eintritt einer Beteilungsfirma oftmals seine Stellung als alleiniger Steuermann des Unternehmens. Dies ist immer dann der Fall, wenn ein Investor sich mit seiner Beteiligung ein gleichberechtigtes Stimmrecht erkauft. Da sein Interesse nicht immer ausschließlich dem Wohle der Firma, sondern auch dem seines eigenen Geldbeutels gilt, kommt es nicht selten zu einem Interessenkonflikt zwischen Geschäftsführung und Investor.

Aus Angst vor einem solchen Kontrollverlust gehen Mittelständler noch immer sehr zurückhaltend mit dem Finanzierungsinstrument Private Equity um. Wird der Einsatz privaten Beteiligungskapitals dennoch in Erwägung gezogen, haben Geschäftsführer klare Zielvorstellungen von einer zukünftigen Zusammenarbeit. So möchten laut der bereits genannten TEC Studie 68 Prozent der mittelständischen Geschäftsführer maßgeblichen Einfluss auf die Entscheidungen behalten. 58 Prozent der Befragten hoffen, dass die Beteiligungsquote begrenzt wird und 29 Prozent wünschen, dass kein Hedgefonds seine Hand mit im Spiel hat. Für 58 Prozent der Geschäftsführer sind ein fairer Dialog und Offenheit seitens der Anbieter sehr wichtig. Darunter ist zu verstehen, dass sich die meisten Geschäftsführer einen Investor wünschen, der mit ihren Problemen umzugehen weiß und die Denkweisen des Mittelständlers versteht.

Private Equity in Deutschland im Aufwind

Trotz aller Skepsis vieler Unternehmer privatem Beteiligungskapital gegenüber, überwiegen die Chancen doch deutlich die Risiken dieser noch jungen Finanzierungsform. Daher befindet sich Private Equity hierzulande auf einem steilen Wachstumspfad. Den Statistiken des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften e.V. (BVK) zufolge war das Jahr 2007 ein Rekordjahr für Private Equity in Deutschland. In den ersten neun Monaten des Jahres wurde mit etwa 3,5 Milliarden Euro mehr als doppelt so viel investiert als im Vorjahreszeitraum (ungefähr 1,5 Milliarden Euro). Größter Treiber dieser positiven Entwicklung der Branche waren mit über 2,9 Milliarden Euro Buy-out-Investitionen.

Trotz dieses erheblichen Wachstums des Private Equity Marktes hat Deutschland im internationalen Vergleich noch deutlichen Nachholbedarf. Laut EVCA-Statistik belaufen sich die Private Equity-Investitionen in Deutschland auf 0,31 Prozent des Bruttoinlandsproduktes und liegen damit deutlich unter dem europäischen Durchschnitt von 0,55 Prozent. Die ersten drei Plätze in Europa belegen Schweden (1,43 Prozent), Großbritannien (1,26 Prozent) und die Niederlande (1,05 Prozent). Diese Belegung eines hinteren Platzes in der internationalen Statistik ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen:

  • Zum einen auf den sehr traditionellen Kapitalmarkt in Deutschland,
  • zum anderen auf den mehrheitlich konservativen Managementstil deutscher Geschäftsführer,
  • des Weiteren fehlen den Unternehmen oft schlichtweg das Wissen und die Erfahrung im Bereich der alternativen Finanzierungsinstrumente;
  • auch lässt der Arbeitsalltag der Führungskräfte meist nicht die Zeit, diese Wissenslücke zu schließen und sich die dringend notwendige Informationsbasis aufzubauen.

Aus diesen Gründen ist es in den allermeisten Fällen ratsam, sich externes  Expertenwissen zunutze zu machen. Denn allein die Wahl des richtigen Beteiligungsunternehmens ist bei der Vielzahl der Anbieter am Markt eine echte Herausforderung. Daher sind Unternehmen, die sich im Private Equity Prozess professionelle Unterstützung einholen, tendenziell erfolgreicher als diejenigen, die gänzlich auf externe Partner verzichten.

Fazit

Die alte Gleichung „Unternehmensfinanzierung = Kredit“ entspricht den Anforderungen einer dynamischen Weltwirtschaft nicht mehr. Private Equity kann in vielen Fällen eine sinnvolle Finanzierungsalternative gerade für den Mittelstand darstellen. Insbesondere in Zeiten der restriktiven Kreditvergabe seitens der Banken lohnt sich der Blick über den Tellerrand, das heißt die Suche nach alternativen Finanzierungsoptionen. Denn angesichts eines stetig wachsenden Kapitalbedarfs, insbesondere aufgrund zunehmenden globalen Wettbewerbs und zahlreicher ungeklärter Unternehmensnachfolgen, bietet Private Equity große Chancen. Um diese gezielt nutzen zu können, bedarf es allerdings eines durchdachten Einsatzes des Beteiligungskapitals. Einfache Standardlösungen werden sicher nicht zum individuellen Erfolg führen.


[Bild: Fotolia]

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Über den Autor

Jan Brunotte
Jan Brunotte

Jan Brunotte ist Consultant in einer mittelständischen Unternehmensberatung mit den Tätigkeitsschwerpunkten Unternehmensfinanzierung, M&A und Internationalisierung.

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