Moderne Manager müssen den vielfältigsten Anforderungen und Ansprüchen in ihrem Beruf genügen. Sie sollen charismatisch sein, durchsetzungsfähig, lösungsorientiert, flexibel, empathisch, innovationsfreudig und jede Menge Fachwissen besitzen. Darüber hinaus werden Führungsqualität und –kompetenz verlangt. Doch ist Führung und Management tatsächlich das gleiche, oder gibt es Unterschiede zwischen „Managern“ und „Führungskräften“?
Ein Blick auf die Aufgaben und Herausforderungen der heutigen Berufswelt zeigt: Generell lässt sich zwischen harmlosen und verzwickten Herausforderungen unterscheiden. Harmlose Herausforderungen können (theoretisch) durch gelernte und erprobte Mittel gelöst werden, unabhängig von deren Komplexität. Verzwickte Herausforderungen sind neu – jemand wird damit das erste Mal konfrontiert und es gibt keine bisher bekannten Reaktionen darauf, keine richtige oder falsche Lösung.
Der Unterschied zwischen Management und Führung
Eine harmlose Herausforderung ist beispielsweise die Durchführung einer Bankinsolvenz. Natürlich ist eine geordnete Abwicklung kompliziert und für die betroffenen Beteiligten garantiert nicht einfach, geschweige denn harmlos. Im Verlauf der Wirtschaftsgeschichte jedoch sind schon einige Banken insolvent gegangen und es existieren ausreichend Erfahrungswerte, was in einem solchen Fall zu tun oder besser nicht zu tun ist. Eine verzwickte Herausforderung jedoch ist es, eine weltweite Bankenkrise zu verhindern. Diese Unterscheidung in harmlose und verzwickte Herausforderungen ermöglicht auch die Trennung von „Management“ und „Führung“.
Die Aufgaben des Managements umfassen das Durchführen und Überwachen von Abläufen, Personalmanagement und die Sicherstellung des laufenden Betriebs. Zusätzlich legen Manager auch Rahmenbedingungen fest, innerhalb derer die untergebenen Mitarbeiter durchaus selbständig agieren können. Management bedeutet also, gelernte und anerkannte Methoden auf bereits dagewesene und wiederkehrende Herausforderungen anzuwenden.
Führung hingegen beschäftigt sich mit neuartigen und unbekannten Herausforderungen. Zu den Führungsaufgaben gehören unter anderem das Festlegen einer bestimmten Marschrichtung im Unternehmen sowie der Umgang mit Neuem und Unvorhergesehenem. Dazu sind auch immer Mut und Bereitschaft für Veränderungen notwendig. Führungskräfte müssen daher oft auch Überzeugungsarbeit gegen bestehende Widerstände im Unternehmen leisten.
Wenn Manager zu Führungskräften werden und umgekehrt
Doch worin besteht die Konsequenz, wenn Management und Führung verwechselt oder synonym verwendet werden? Die Antwort liegt im Entstehen von Reibungsverlusten und in Fehlbesetzungen im Unternehmen. So soll ein Manager etwa, der die klassischen Managementaufgaben wie Koordinieren und Steuern von Routineaufgaben gut erledigt, einen neuen Absatzmarkt finden und erschließen. Ob der Mitarbeiter auch auf dieser Position Erfolg haben wird, ist ungewiss. Von Seiten des Vorstands wurde aus den guten Managementfähigkeiten darauf geschlossen, dass der Mitarbeiter auch eine gute Führungskraft ist. Scheitert der Mitarbeiter tatsächlich an dieser Aufgabe, hat dies negative Auswirkungen auf seine Motivation. Gleichzeitig hat der Vorstand eine wichtige Chance in der Unternehmensentwicklung vertan. Im Ergebnis steht das Unternehmen also genauso da wie vor der Neuverteilung der Aufgaben. Auch wenn der Manager in einer solchen Situation seine früheren Aufgaben wieder übernimmt, kann es sein, dass seine Motivation und Leistungsfähigkeit durch den Misserfolg Schaden genommen haben.
Im umgekehrten Fall kann eine Führungskraft, die sehr gut in der Lage ist, auf unvorhergesehene Ereignisse zu reagieren und erfolgreich neue Wege zu gehen, immer mehr Managementaufgaben zugeteilt bekommen. Da das Lösen von Managementaufgaben auf bekanntem Wissen basiert, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Führungskraft eventuell fehlende Methoden lernt und auch erfolgreich anwendet. Doch auf der anderen Seite fehlen ihr nun immer mehr Ressourcen, um ihre Führungsaufgaben zu erfüllen. Zusätzlich wird die Motivation der Führungskräft in Mitleidenschaft gezogen, wenn ihr Wille zu Führung und Veränderung quasi unter Routinearbeiten erstickt wird. Folge: Dem Unternehmen geht eine gute Führungskraft verloren und mittelfristig eventuell auch eine Managerin, die aus Frustration und Unterforderung das Unternehmen verlässt.
Ein anderer Grund, warum die beiden Begriffe Management und Führung nicht das gleiche meinen, ist die Art und Weise, wie Management beziehungsweise Führung passiert. Management bezeichnet das, was der Inhaber einer Managementposition tut. In dem Moment, in dem ein Mitarbeiter auf die Position eines Managers gesetzt wird, kann dieser Mitarbeiter die Aufgaben des Managements (Durchführen und Überwachung von Prozessen) übernehmen. Über die Resultate entscheidet hauptsächlich die Methodenkompetenz des Mitarbeiters.
Führung ist ein Prozess, der zu einem Ergebnis führt
Führung hingegen geschieht nicht aus einer Position heraus, sondern ist vielmehr ein Prozess. Wir haben bereits festgestellt, dass Führung sich mit neuen, noch nie dagewesenen Herausforderungen beschäftigt. Der Prozess, diese Herausforderung zu bewältigen, ist die eigentliche Führungsarbeit. Dieser Prozess hängt auch nicht notwendigerweise von einem Stelleninhaber ab. Wenn wir einen Mitarbeiter zur Führungsperson ernennen, bedeutet das nicht automatisch, dass er auch führt. Es gibt vielmehr auch Fälle, in denen Führung von einem Mitglied aus dem Team heraus passiert. Management orientiert sich also an Ergebnissen, – die aufgrund von Erfahrungen aus der Vergangenheit bewertet werden können – während Führung den Prozess beschreibt, der zu einem bestimmten Ergebnis führt.
Was bedeuten diese Erkenntnisse für die Management‐ beziehungsweise Führungskräfteausbildung und die Personalpolitik? Da Management auf erlernten Methoden beruht, können Mitarbeiter durch Ausbildung und Training auf Managementaufgaben vorbereitet werden. Hierzu gehören nicht nur eine hohe Methodenkompetenz, sondern auch soziale Fähigkeiten wie Menschenkenntnis, Empathie und Durchsetzungskraft. Andererseits kann nicht jeder Mitarbeiter durch Ausbildung, Training und Wissen zu einer guten Führungskraft werden. Um gute Führungskräfte für das Unternehmen zu entwickeln, sollten vorhandene und identifizierte Stärken bei entsprechenden Mitarbeitern gefördert und entwickelt werden.
Doch umgekehrt können auch gute Führungskräfte bei ihrer Arbeit kaum auf Wissen aus dem Management‐Werkzeugkasten verzichten. Natürlich lassen sich die Aufgaben und Begriffe von Management und Führung im praktischen Berufsleben nicht immer exakt voneinander abgrenzen, da Vorgesetzte sowohl Managementfertigkeiten als auch Führungskompetenz benötigen. Doch es ist deutlich geworden, dass es Aufgaben gibt, auf die Mitarbeiter vorbereitet werden können und solche, die nicht jeder Mitarbeiter lösen kann, unabhängig von seiner Ausbildung. Mit diesem Wissen ist es möglich, die Personalauswahl und –ausbildung genauer zu steuern und dadurch die Zufriedenheit der Mitarbeiter und den Erfolg des Unternehmens zu erhöhen.
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