Familienunternehmen Anders rekrutieren, anders finanzieren

15.12.2009 – Familienunternehmen ticken in vielerlei Hinsicht anders als Firmen, in denen kein Eigentümer an der Spitze steht. Auch bei der Personalstrategie. Anstatt das Klagelied der Wirtschaftskrise zu singen und Neueinstellungen in eine unbestimmte Zukunft zu verschieben, rekrutieren sie antizyklisch. Und die Erben verwalten das Vermögen der Familie nicht nur, sondern setzen auf finanzielle Beteiligungen und zukunftsträchtige Investments.

Es ist eine beispiellose Ära, die der Haushaltsgerätekonzern Miele da vorzuweisen hat: Ganze 110 Jahre wird das Unternehmen nun schon von zwei Familien geführt – die Mieles und die Zinkanns. Seit 1899 schließt Miele seine Geschäftsjahre beständig mit Gewinn ab, von Zwist und persönlichen Eitelkeiten im Familienunternehmen keine Spur. Stattdessen hat sich der Konzern ein Motto auf die Fahnen geschrieben: „Friede ernährt, Unfriede verzehrt“. Was Ende des 19. Jahrhunderts mit elf Mitarbeitern und vier Drehbänken begann, hat sich bis heute zu einer Firma mit 17.000 Mitarbeitern weltweit und einem Umsatz von 2,77 Milliarden Euro gemausert. Von Krisenstimmung spricht bei Miele niemand.

Für ihr Zusammenhalten und das damit verbundene erfolgreiche Wirtschaften haben deshalb in diesem Jahr zum ersten Mal zwei Firmenchefs die Auszeichnung „Familienunternehmer des Jahres“ erhalten. Markus Miele und Reinhard Zinkann dürfen sich gegenseitig auf die Schulter klopfen für ihre Philosophie, persönliche Interessen hinter die des Unternehmens zurückzustellen. Entsprechend fällt die Bewertung von Peter May aus, Gründer der Intes Akademie für Familienunternehmen und Vorsitzender der Jury:                 

„Miele verdankt seinen Erfolg nicht der Hochseilakrobatik des Financial Engineerings, sondern den traditionellen Tugenden des Familienkapitalismus. Neben einer starken Marke, hoher Qualität und Innovationskraft sowie Internationalität bei gleichzeitiger regionaler Verankerung, hat das Unternehmen vor allem durch langfristiges Denken und eine außergewöhnliche Mitarbeiterorientierung auch in einer Zeit weltweiter Rezession Stabilität und Stärke bewiesen.“

Krisenresistent: Familienunternehmen wachsen auch in schwierigen Zeiten

Die gleichzeitige Einbindung starker familienfremder Manager mache das Führungsmodell Miele zu einem Vorbild für alle Familienunternehmen, die fachliche Qualität und familiäre Kontinuität optimal verbinden wollen. 93 Prozent aller deutschen Unternehmen sind in Familienhand. Zusammen erreichen sie einen Anteil von 49 Prozent am Gesamtumsatz unserer Volkswirtschaft. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und des Instituts für Mittelstandsforschung (ifm) Mannheim, die auf dem gesamten deutschen Unternehmensbestand beruht und laut den Autoren die bislang umfangreichste Untersuchung der volkswirtschaftlichen Bedeutung von Familienunternehmen darstellt.

Ein zentrales Ergebnis: Familienunternehmen wachsen auch in wirtschaftlichen Krisenzeiten. Und sogar in guten Zeiten haben allein die 500 größten Familienunternehmen zwischen 2006 und 2008 ihre Beschäftigtenzahl jährlich durchschnittlich um 2,2 Prozent erhöht, während nicht-familiengeführte DAX-Unternehmen im gleichen Zeitraum die Anzahl ihrer Arbeitsplätze im Schnitt um 2,6 Prozent vermindert haben. Auch beim Umsatz schneiden die TOP 500 Familienunternehmen im Vergleich zu den DAX 26-Unternehmen besser ab. 2008 wuchsen sie mit fünf Prozent gegenüber 2007 deutlich stärker als die DAX-Unternehmen, die nur um zwei Prozent zulegen konnten.

Platz

Familienunternehmen

Umsatz in Millionen Euro

1

Metro AG

68000

2

Lidl Stiftung & Co. KG

54000

3

Robert Bosch GmbH

45127

4

Merckle-Gruppe

38000

5

Aldi-Gruppe

30000

6

Franz Haniel & Cie. GmbH

26372

7

Tengelmann Warenhandelsgesellschaft KG

24170

8

Arcandor Aktiengesellschaft

19357

9

Bertelsmann AG

16118

10

Heraeus Holding GmbH

15914

Top-10-Ranking deutscher Familienunternehmen nach dem Umsatz 2008.
[Quelle: Financial Times Deutschland]

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