BMW-Erbin Susanne Klatten besitzt nicht nur ein Milliardenvermögen, sondern weiß auch damit umzugehen. Im Sommer 2008 stieg die Geschäftsführerin der Skion GmbH, eine Beteiligungsgesellschaft, als Großaktionär mit 20 Prozent beim Windanlagenbauer Nordex ein. Dann, im Frühjahr dieses Jahres, stieg Skion beim Grafit-Spezialisten SGL Carbon ein. Rund acht Prozent kaufte sie vom Wiesbadener Unternehmen und erklärte, ihre Anteile „in absehbarer Zeit“ auf etwas weniger als 25 Prozent aufstocken zu wollen. Gesagt, getan: Heute hält Klattens Unternehmen exakt 22,25 Prozent an SGL Carbon. Seit Juni hält Klatten Anteile von rund 30 Prozent an der Geohumus International GmbH, einem Frankfurter Unternehmen, das innovative Wasserspartechnologien entwickelt.
Was Susanne Klatten praktiziert, könnte für viele künftige Familienunternehmer der jungen Generation gelten: Den Reichtum des eigenen Unternehmens als Investor zu vermehren. Bedarf gibt es genug. Viele Mittelständler haben großen Kapitalbedarf, gleichzeitig verwehren ihnen die Banken aufgrund der Wirtschaftskrise die Kredite. Eine Situation, die findige Jung-Familienunternehmen auf den Plan rufen könnte, einen Teil ihres Vermögens in diese Unternehmen zu stecken. Vorausgesetzt natürlich, deren Geschäftsmodell wird als langfristig profitabel angesehen. Mit einer solchen Strategie würden diese Familienunternehmen den Banken und klassischen Private Equity Fonds Paroli bieten.
Für solche Unternehmerfamilien hat der Rechtsanwalt des privaten Bankhauses Hauck & Aufhäuser, Arno Lehmann-Tolkmitt, den Begriff „Family Investors“ geprägt. Der Jurist hat zum ersten Mal eine Studie zu diesem Phänomen erstellt. Ergebnis: Es ist keineswegs mehr selbstverständlich, dass die junge Familienunternehmergeneration quasi automatisch die Firma ihrer Eltern übernimmt. Stattdessen setzen viele auf die Veräußerung der Firmen, entweder als Teil oder im Ganzen. Oder sie entnehmen Gewinne und setzen diese wiederum für eigene Investments ein.
Laut der Studie entscheiden sich Familienunternehmer immer häufiger für unternehmerische Direktbeteiligungen. Lehmann-Tolkmitt schätzt, dass allein in den kommenden zehn Jahren in Deutschland etwa 120 Milliarden Euro durch Unternehmensverkäufe in liquide Mittel umgewandelt werden. Diese stünden dann für Reinvestitionen in Direktbeteiligungen zur Verfügung. Gerade in der aktuellen Zeit der Krise würden sich damit die Akteure am Finanzierungs- und Beteiligungsmarkt verändern. Gleichzeitig eröffneten sich für viele Unternehmerfamilien neue Chancen der Vermögenssicherung und Vermögensnachfolge, so die Studie weiter.
Trotzdem blieben die Investoren nach wie vor Familienunternehmer. Das heißt, die Handlungsmaximen der Familie setzen sich im Beteiligungsgeschäft fort und bestimmen weiterhin das unternehmerische Handeln. Ein markanter Unterschied zu Finanzinvestoren, denn Familienunternehmer investieren äußerst langfristig und konservativ. Stephan Werhahn, Teil des Mischkonzern Werhahn KG aus Neuss, und Geschäftsführer des Anlageberaters Werhahn & Partners, bestätigt gegenüber der Financial Times Deutschland:
„Gerade und vor allem Familienunternehmen und Zukunftsbranchen haben unter der zögerlichen Kreditvergabe zu leiden. Ein neuer Markt der gegenseitigen indirekten Eigenkapital-Unterstützung wird sich auftun.“
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