Weil Familienunternehmen sich beim Wettbewerb um Fach- und Führungskräfte gegen die großen multinationalen Konzerne durchsetzen müssen, haben die Stiftung Familienunternehmen und der Entrepreneurs Club den sogenannten „Karrieretag Familienunternehmen“ etabliert. Eine Veranstaltung, auf der ausschließlich Familienunternehmen und „Hidden Champions“ um Nachwuchskräfte buhlen. Jüngst ging die fünfte Ausgabe in Ulm zu Ende – und brachte in Sachen Recruiting erstaunliche Ergebnisse zutage, die nicht nur für die dort teilnehmenden Unternehmen, sondern auch für Familienunternehmen generell gelten. Hintergrund: Eine Kurz-Umfrage unter den am Karrieretag teilnehmenden Firmen wollte herausfinden, ob und wie diese im Zuge der Wirtschaftskrise ihr Werben um akademische Fach- und Führungskräfte verändern.
Die Antwort lautet: Ja, Familienunternehmen passen ihr Recruiting der allgemeinen Wirtschaftslage an – doch eben genau entgegen der vermuteten Richtung. Familienunternehmen gehen antizyklisch vor, das heißt, gerade in Krisenzeiten verstärken sie ihre Suche nach geeignetem Personal.
Ein Verhalten, das für diese Gruppe von Unternehmen typisch ist, wie Stefan Heidbreder, Geschäftsführer der Stiftung Familienunternehmen, zu berichten weiß (siehe Interview). Personalpolitik ist bei Familienunternehmen auf Langfristigkeit und Nachhaltigkeit angelegt. Eine temporäre Anpassung, ein kurzsichtiges Reagieren auf zyklische Veränderungen ist ihnen fremd. Ziel ist, auf lange Sicht eine fundierte und tragfähige Belegschaft an Führungskräften aufzubauen, so ein zentrales Ergebnis der Umfrage. Gerade deshalb sind Familienunternehmen für viele Bewerber auch erste Wahl und nicht nur eine Ersatzoption, nur weil es bei einem namhaften Großkonzern nicht auf Anhieb mit einer Stelle geklappt hat.
Familienunternehmen möchten sich als Marke auf dem Markt für Fach- und Führungskräfte zu erkennen geben und sich dort präsentieren, so ein weiteres Ergebnis der Kurz-Umfrage. Thomas Müllerschön, Geschäftsführer der Uzin Utz AG, einem in Ulm ansässigen Spezialisten für Bodenverlegung, bestätigt diese Tendenz:
„Gerade in einer angespannten wirtschaftlichen Lage bieten wir als mittelständisches Familienunternehmen im Vergleich zu Großkonzernen viele ‚softe’ Vorzüge, wie eine insgesamt ‚persönlichere’, überschaubarere Komponente. Die Frage ist doch: Haben Top-Leistungsträger Vertrauen in ihr Unternehmen?“
Gefragt ist nicht der Krisenmanager, der die Unternehmen aus dem tiefen Tal der Tränen holt. Für Familienunternehmen ist der wertmäßige „Fit“ der Bewerber wichtiger als die äußeren Einflüsse, die durch eine Wirtschaftskrise existieren, so ein weiteres Ergebnis. Es geht ihnen darum, in Sicherheit und Vertrauen der Mitarbeiter zu investieren. Hans-Josef Krämer, Personalchef der Leonhard Weiss GmbH & Co. KG, einem Komplettanbieter für Bauleistungen aus Göppingen, beschreibt die Philosophie seines Unternehmens:
„Sollten aufgrund der Marktsituation die Anfangskonditionen günstiger möglich sein, so hat das für uns keine Bedeutung, weil wir unsere Mitarbeiter grundsätzlich nach Leistung bezahlen. In unserer Unternehmenskultur ist die leistungsgerechte Entlohnung, neben vielen anderen - noch wichtigeren - Kriterien, auch eine Grundlage für langfristige Bindung ans Unternehmen.“
Familienunternehmen setzen also auf Konstanz bei der Suche nach geeigneten Fach- und Führungskräften, auch und gerade in der Krise. Ein wesentlicher Unterschied zu Unternehmen, die in wirtschaftlich rauen Zeiten gerade in diesem Unternehmensbereich die Einstellbremse ziehen.
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