Inhouse Consulting Interne Beratung als Brückenbauer

13.10.2010 – Der Markt für interne Beratungsleistungen wächst. Nicht selten erhoffen sich die Consultants davon den Sprung ins Top-Management ihres Unternehmens. Doch die Branche muss sich auch Kritik gefallen lassen, von Betriebsblindheit oder gar mangelnden Fähigkeiten im Vergleich zu externen Beratern ist die Rede. Falsch, wie Dr. Jürgen Fuisting, Business Partner Recruiting beim Energieversorger RWE, im Experten-Interview meint.
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Wie wird man Vorstand eines Konzerns, im besten Falle mit internationaler Ausrichtung? Schon 2004 ging das Wirtschaftsmagazin „Manager Magazin“ in Zusammenarbeit mit der Managementberatungsfirma Kienbaum im Rahmen einer zweiteiligen Serie dieser Frage nach. Der Hintergrund des Interesses: Die Anforderungen an eine Führungskraft – auch und vor allem mit internationalem Format – haben sich in den letzten Jahrzehnten drastisch gewandelt.

Flexibilität, geografisch wie aufs Denken bezogen, Internationalität, komplexes und vernetztes Denken, Durchsetzungsvermögen, Weitblick und Integrität sind nur einige Fähigkeiten, die heutzutage ins Feld geführt werden, um zu beschreiben, was ein künftiger Unternehmenslenker mitbringen muss.

Interne Beratungseinheiten: Sprungbrett für die große Karriere

Eine zügige Studiendauer wird im Bericht des „Manager Magazins“ als Grundvoraussetzung genannt. Wer länger als acht Semester im Hörsaal verbringt, hat schlechte Chancen. Danach sollte unbedingt eine Dissertation oder auch ein Abschluss als Master of Business Administration (MBA) folgen. Karl Bosshard von der Managementberatung Kienbaum sagt im betreffenden Beitrag:

„Wichtig ist die tiefe, theoretische Durchdringung des Stoffs, die Fähigkeit, komplexe Vorgänge zu analysieren und diffuse Vorgänge zu synthetisieren.“

Eigeninitiative, Fleiß und außerdem Pflichtbewusstsein und Disziplin seien unabdingbare Voraussetzungen, daneben das Beherrschen von Englisch als wichtige Business-Sprache. Natürlich darf es – oder sollte es viel lieber – auch Spanisch und Französisch sein. Und nun der entscheidende Punkt: Ist das Studium beendet, gelinge der Einstieg entweder direkt im Unternehmen, im mittleren Management, als Assistent der Geschäftsführung oder Trainee, so der Autor weiter. Oder der Einstieg über externe Unternehmensberatungen, am besten als Consultant, der ein Projekt als Leiter erfolgreich abschließen konnte.

Es geht aber auch anders: Von 1995 bis 1998 leitete ein gewisser Klaus Kleinfeld die hauseigene Management-Beratung des Weltkonzerns Siemens, kurz SMC genannt. Als interne Beratungseinheit ist SMC seit 1996 direkt dem Vorstand unterstellt und steht, so die Aussage auf der eigenen Webseite, im direkten Wettbewerb mit externen Top-Strategieberatungsunternehmen. Wer bei SMC als Berater Erfolg hat, dem steht die Möglichkeit offen, Führungspositionen im Siemens-Konzern zu übernehmen. Diese Chance nutzte Klaus Kleinfeld. Nach seiner Leitungsposition bei SMC wechselte er ins Linienmanagement, stieg beharrlich auf und wurde 2005 gar Vorstandsvorsitzender. 

Inhouse Consulting auf Wachstumskurs

Nach der bislang einzigen detaillierten Studie „Der Inhouse-Consulting-Markt in Deutschland“ der European Business School (ebs) und Bayer Business Services gewinnt die interne Unternehmensberatung zunehmend an Bedeutung. Danach unterhalten rund zwei Drittel der im Leitindex DAX 30 vertretenen Unternehmen eine Einheit für Inhouse Consulting. Alexander Moscho, Leiter Bayer Business Consulting, sagt:

„Der Trend zu Inhouse Consulting ist seit 2001 sehr deutlich – bislang gab es allerdings keine verlässlichen Marktzahlen. Die Studie zeigt, dass sich Inhouse-Beratung als wichtige Stütze in der Strategieberatung etabliert hat.“

Die meisten Inhouse-Consulting-Einheiten wurden seit dem Jahr 2000 gegründet. Die Studie geht von bis zu 150 Einheiten und 2.000 bis 2.600 Inhouse Consultants in Deutschland aus. Für 2007 schätzt die Untersuchung den gesamten Beratungsmarkt auf 450 bis 650 Millionen Euro. Über 60 Prozent gehen danach von einem Wachstum der intern erbrachten Leistungen aus. Auch eine aktuelle Umfrage unter den Mitgliedern der Initiative „Inhouse Consulting – dichter dran“ vermittelt den Eindruck, dass der Wachstumskurs von Inhouse Consulting weiter anhält.

Unternehmen setzen danach auch auf die Erfahrung und Expertise ehemaliger externer Berater. Sie brächten in der Regel ein hohes methodisches Know-how und praktische Beratungserfahrung mit, die ein schnelles Einarbeiten in Projekte sowie höchste Beratungsqualität gewährleisteten. Überdies seien sie ideale Potenzi­alträger für zukünftige Managementpositionen im Unternehmen, so der Tenor der Studie.

Internes Consulting: Entstehungsgeschichte

Wie für externe Unternehmensberatungen liegt der Ursprung auch für interne gleichermaßen in den Vereinigten Staaten, dem Mutterland der Unternehmensberatung. Schon 1971 gründete sich dort mit der Association of Internal Management Consultants (AIMC) der Dachverband interner Unternehmensberater.

Bianca Musone Crispino zeigt in ihrer Dissertation mit dem Titel „Eine Evaluation wissensbasierter Organisationsstrukturen Interner Unternehmensberatungen“ an der Universität Kassel aus dem Jahr 2007, dass eine entsprechende Entwicklung im deutschsprachigen Raum erst später eingesetzt hat und sich zum Teil noch in der Aufbau- und Etablierungsphase befindet.

Erst in den 1990er Jahren kam es hier zur Gründung der ersten internen Unternehmensberatungen und zur Ausbildung eines Verbandswesens, etwa des „Arbeitskreises Internes Consulting“ (AIC). Bis heute existiert allerdings kein allgemein akzeptiertes Verständnis zur internen Unternehmensberatung, auch und vor allem deshalb, weil es in der wissenschaftlichen Literatur unterschiedliche Definitionen gibt, die, so Musone Crispino, in Bezug auf Status, organisatorische Eingliederung, Aufgabenspektrum und Empfänger der Beratungsleistung unterschiedliche Aspekte in den Vordergrund rücken. Zwei Beispiel-Definitionen, die 15 Jahre auseinander liegen, machen dies deutlich. So schreibt etwa Sidney P. Allanson im Jahre 1985:

„Interne Berater beschäftigen sich ausschließlich mit der eigenen Unternehmung, ihren Divisionen, Tochtergesellschaften und Neuerwerbungen. Sie sind Generalisten und in jedem Funktionsbereich tätig. Ihr Tätigkeitsfeld umfasst die Fehlersuche und Fehleranalyse, Managementberatung auf höchster Ebene, Analyse von Forschungsergebnissen, das Durchsetzen neuer Programme und, falls gewünscht, auch Hilfeleistungen bei der Realisation.“

Und Christel Niedereichholz, Professorin am Institute for International Management Consulting (I-IMC) der FH Ludwigshafen und Gründerin der Heidelberger Akademie für Unternehmensberatung GmbH (HAfU), schreibt im Jahr 2000:

„Unternehmensintern sind Beratungseinheiten, die – auch wenn sie rechtlich selbständig und auf dem externen Markt tätig sind – der Willensbildung einer Unternehmens- oder Konzernleitung unterliegen.“

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