Innovationsmotor Bestehende Produkte immer wieder neu erfinden

19.01.2010 – Wenn Kunden Unternehmen bei Innovationen unterstützen, müssen sie über bestehende Produkte oder Dienstleistungen Bescheid wissen. Erst dann ist es möglich, altes Wissen und Strukturen kreativ in Frage zu stellen. Schöpfungen aus dem Nichts heraus, ohne auf bestehendes Wissen zu bauen, das führt nicht zu wirklicher Innovation. In Unternehmen selbst sind es die „Knowledge Angels“, die Innovationen kreativ vorantreiben.

Wer mittelständische Unternehmen genauer anschaut, hat durchaus Anlass, positiv und gelassen in die Zukunft zu blicken – trotz Wirtschaftskrise, Kreditnot und schrumpfendem Bruttoinlandsprodukt. Zahlreiche kleinere und mittlere Unternehmen sind es nämlich, die dem bislang schlimmsten Konjunktureinbruch in Deutschland seit 80 Jahren trotzen. Sie schaffen es, mit Mut und neuen Ideen den Auswirkungen der Krise, wenn vielleicht nicht ganz zu entgehen, so doch mit Ausdauer und innovativen Produkten und Dienstleistungen die Stirn zu bieten. Es wird also Zeit, dass auch und gerade davon gesprochen wird:

Innovationen trotz Krise: Wie kann das gehen?

Zum Beispiel von der Haag Rehatechnik GmbH & Co. KG aus dem baden-württembergischen Kronau. Das Unternehmen hat sich auf den behindertengereichten Umbau von Automobilen spezialisiert. Das Problem dabei: Die Realisierung der Umbauten. Zum einen verraten die Pkw-Hersteller die Konstruktionsdaten der Originalmodelle nicht, weil sie Angst vor Produktpiraterie haben. Zum anderen kann Haag keine langfristigen Liefergarantien geben, da die Autohersteller fast jedes Jahr ein neues Modell auf den Markt werfen.

Um diesem Dilemma zu entgehen, tat sich Haag mit einem anderen Unternehmen aus der Autoumbaubranche zusammen mit dem Ziel, eine Systemlösung zur rollstuhltauglichen Umrüstung von Kraftfahrzeugen zu entwickeln. Im Sommer letzten Jahres konnte das Unternehmen positive Ergebnisse aus dieser Kooperation vermelden. Was Haag also alleine vielleicht nie geschafft hätte, klappt nun im Verbund mit einem anderen Fahrzeugspezialisten.

Noch ein Beispiel: Die Eisenbach GmbH und die EVOS GmbH sind als verbundene Unternehmen auf die kundenindividuelle Herstellung von Sonderschaltschrankgehäusen, Einhausungen von Werkzeugmaschinen sowie Sonderkonstruktionen aus Blech spezialisiert. Im Zuge von Lagerüberkapazitäten bei Kunden infolge von Überproduktionen hatte das Unternehmen mit Auftragsrückgängen von 40 bis 50 Prozent zu kämpfen. Die Folge: Kurzarbeit und sogar betriebsbedingte Kündigungen.

Hinzu kam der Preisverfall für Stahl, der sich zwar positiv auf den Rohstoffeinkauf auswirkte, jedoch gleichzeitig an die Endkunden weitergeben wurde. Die Trumpfkarte dieses Unternehmens liegt in seiner kundenindividuellen Strategie. Die Maschinenverkleidungen werden nach den Wünschen des Kunden entwickelt. Zusätzliche Marktpotenziale können durch Präsenz, Schnelligkeit und Flexibilität erschlossen werden. Die Krise nutzte das Unternehmen, um über Fertigungsprozesse nachzudenken und Maßnahmen zur Steigerung der Produktivität einzuführen. Beide Unternehmen werden als Best-Practice-Fälle im Whitepaper „Innovationsstrategien von kleinen und mittleren Unternehmen im Zeichen einer globalen Rezession“ des Rationalisierungs- und Innovationszentrums der Deutschen Wirtschaft (RKW) aufgeführt.

DIHK-Innovationsreport: Licht und Schatten eng beieinander

Ein aufschlussreiches Bild der Innovationstätigkeit deutscher Unternehmen liefert in wiederkehrender Regelmäßigkeit der Innovationsreport des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Die letzte Ausgabe von 2009 fördert Zweischneidiges zutage: Innovationstätigkeit und Innovationsdynamik gut, innerbetriebliches Innovationsmanagement, gerade bei kleinen und mittelständischen Unternehmen, häufig unterentwickelt.

So geben 54 Prozent aller Unternehmen an, in den vergangenen zwölf Monaten ihre Innovationstätigkeit trotz Finanzkrise ausgebaut zu haben. 43 Prozent haben Innovationen in diesem Zeitraum auf konstantem Niveau verfolgt, nur drei Prozent haben ihre Anstrengungen bei Innovationen zurückgeschraubt. Unternehmen mit über 250 Mitarbeitern haben ihre Innovationstätigkeit sogar um 58 Prozent gesteigert. Das Fazit der Autoren der Untersuchung: Ein positives Gesamtbild der privaten FuE-Tätigkeiten in Deutschland. Die innovationsfreudigen Unternehmen hätten die zuvor bestehende gute konjunkturelle Situation genutzt, um ihre Innovationskompetenz auf- beziehungsweise auszubauen und sich dadurch zukünftige ökonomische Potenziale zu erschließen.

Nachholbedarf sieht die Studie allerdings weiterhin beim innerbetrieblichen Innovationsmanagement. Dieses werde oftmals noch nicht mit der gebotenen Konsequenz verfolgt. Das gelte insbesondere für die Teilbereiche Innovationskultur, Patent- und Kooperationsmanagement. So fehle in vielen Unternehmen die strukturelle Verankerung einer Innovationskultur. Rund zwei Drittel der Unternehmen geben an, dieses entweder überhaupt nicht oder wenn, dann nur ansatzweise systematisch etabliert zu haben. Dabei messen rund drei Viertel der Befragten dem Kooperationsmanagement bei Innovationen eine große Bedeutung bei.

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