Richten wir nochmals den Blick auf die vorhin schon erwähnten „jungen Demokratien“: In Thailand tobte im April und Mai 2010 der Bürgerkrieg zwischen den sogenannten „Rothemden“ beziehungsweise der United Front for Democracy against Dictatorship (UDD) und der Armee, mit der Forderung nach Rücktritt der Regierung von Premier Abhisit und Auflösung des Parlaments. 2006 wurde dort der demokratisch gewählte Premier Thaksin durch einen Staatsstreich beseitigt. Militärs übernahmen die Macht, Thaksin ging ins Exil.
Thaksin muss sich zwar den Vorwurf der Korruption und Vetternwirtschaft gefallen lassen, jedoch sehen Kritiker seine Amtsenthebung eher als Sieg der „Geldhemden“ oder People’s Alliance for Democracy (PAD), also der konservativen, bürgerlich-städtischen Eliten, einer Allianz aus königstreuen, militärnahen Kreisen und der teilweise chinesischstämmigen Mittel- und Oberschicht, über eine gewählte Regierung und deren Basis, der armen, thaistämmigen Landbevölkerung – letztlich mit dem Zweck, demokratische Errungenschaften zu beseitigen oder zumindest zu schwächen, um keine wirtschaftliche Umverteilung zu riskieren.
Die Gewalt im Kontext der Wahlen auf den Philippinen im Mai 2010, bei denen ungefähr 50 Millionen Wähler gleichzeitig zu Parlaments- und Gouverneurs-, und Lokalverwaltungswahlen aufgerufen waren, hinterließen eine traurige Bilanz von mindestens 14 Toten. Als Regierungsform weisen die Philippinen ein Präsidialsystem aus, es gibt unterschiedliche Parteien, parlamentarisch ein Zwei-Kammern-System. Staatsoberhaupt und Regierungschef ist seit 30. Juni 2010 Benigno Aquino, Sohn der verstorbenen Expräsidentin. Schaute man sich die Kandidatenlisten dieser Wahlen an, traf man auf viele bekannte Namen. Selbst die achtzigjährige Imelda Marcos, Gattin des 1986 aus dem Amt vertriebenen Präsidenten und damals für ihr Luxusleben im bitterarmen Staat in den Schlagzeilen der Regenbogenpresse, ließ es sich nicht nehmen, für den Posten als Kongressabgeordnete zu kandidieren.
Probleme wurden auch aus Malaysia gemeldet, 2009 schrumpfte die Wirtschaft um 1,7 Prozent. In politischer Hinsicht werden weiterhin Korruption und mangelnde Transparenz beklagt. Das Land firmiert als parlamentarische Demokratie, autoritäre Züge, zum Beispiel die starke Stellung des Premiers, eingeschränkte Bürgerrechte und Medienkontrolle sind jedoch Teil des Systems.
Die Betrachtung der Zustände in Thailand, auf den Philippinen und Malaysia weist darauf hin, dass die demokratischen Strukturmerkmale Wahlen und unterschiedliche Parteien noch nicht hinreichend im politischen System verankert sind. Zwar werden Wahlen abgehalten, diese entsprechen jedoch nicht liberal-demokratischen Prinzipien von Fairness, Gleichheit und Freiheit. Man bezeichnet dieses Phänomen auch als „electorial authoritarianism”: die Illusion einer Mehrparteiendemokratie auf lokaler und nationaler Ebene vor autoritären Strukturen.