Wenn Sven Michael Prüser die durchschnittliche Grundausstattung der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) in kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) beschreibt, kann er sich einen gewissen ironischen Unterton nicht verkneifen. Von „bunten IKT-Zoos“ und „wertvollen historischen IKT-Museen“ spricht er dann, wohl wissend um die Probleme, die eine notwendige, aber dennoch oft verfluchte IT diesen Unternehmen in der Mehrzahl bereitet. Der ehemalige Leiter des Geschäftsbereichs „CeBIT International“ und Professor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Berlin beschreibt denn auch den Zustand, der in vielen KMU heute vorherrscht:
„Wenn es gerade passt oder nötig ist, werden immer mal wieder einzelne IT-Lösungen installiert, gelegentlich erweitert oder aktualisiert, und irgendwie laufen die dann auch.“
Obwohl es mittlerweile auch in mittelständischen Unternehmen angekommen sein sollte, dass eine leistungsstarke IT für eine reibungslose Kommunikation mit Kunden und Mitarbeitern sowie für effiziente Geschäftsprozesse unabdingbar ist, werden die Vorteile daraus immer noch nicht ausgeschöpft. Entscheidungen gegen eine IT-Investition kommen meist durch einen Teufelskreis zustande: IT wurde jahrelang ohne eine klare Strategie implementiert und eher als Ärgernis denn als Bereicherung empfunden.
Ein Ranking der IT-Probleme im Mittelstand, die das Deutsche Institut für kleine und mittlere Unternehmen (DIKMU) im Rahmen einer Befragung unter 500 Betrieben 2009 durchführte, zeigt Überraschendes: Die Hälfte der befragten Unternehmen glaubt, bei ihrer IT bestehe überhaupt kein Handlungsbedarf. Eine Haltung, die sich auch aus Angst vor Kosten und fehlendem IT-Know-how speist. Prüser ergänzt:
„Der normale Mittelständler ist kein Technik-Fan, sondern ein Arbeitgeber, der im Wettbewerb bestehen und Arbeitsplätze sichern möchte.“
Es sei daher vor allem Aufgabe der IT-Anbieter, ihren Kunden den Nutzen einer bestimmten Technik unkompliziert und „in abkürzungsfreiem Deutsch“ zu erläutern.
IT-Sicherheit: Störfälle werden nicht schnell genug behoben
Mit 142 Nennungen stehen die Kosten ganz oben auf der IT-Problemliste, gefolgt von Wachstum und Kompatibilität sowie Hilfe bei der Nutzung. Das Thema Sicherheit folgt auf Platz vier. Karl-Heinz Liebrenz, Senior Consultant IT-Sicherheit vom Systemhaus Bechtle aus Freiburg, sagt:
„Welche Auswirkungen der Ausfall von IT-Ressourcen haben kann, ist für KMU oft nicht nachzuvollziehen.“
Seine Lösung: Ein Notfallplan, in dem mögliche Worst-Case-Szenarien durchdacht und entsprechende Reaktionen und die Verantwortlichen festgeschrieben sind. Trotzdem gehen gerade kleine und mittelständische Unternehmen mit IT-Sicherheit oft allzu lax um.
Eine europaweite Studie des Software-Hersteller Acronis Deutschland GmbH und des Forschungsunternehmens Vanson Bourne unter 600 Betrieben kommt zu einem ernüchternden Ergebnis: 56 Prozent der deutschen Unternehmen benötigen nach IT-Störfällen eine Wiederanlaufzeit von einem Tag bis zu einer Woche. Zwei Prozent sind überhaupt nicht in der Lage, ihre Daten und Systeme wiederherzustellen.

- Meist geht es ums Geld: Ranking der IT-Probleme im Mittelstand [Quelle: Deutsches Institut für kleine und mittlere Unternehmen e.V.
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