Peter Ruchatz, Direktor Business Solutions von Microsoft Deutschland, hat die IT-Grundausstattung im Mittelstand gegenüber dem Magazin IT-Mittelstand einmal so beschrieben:
„Sie besteht aus einzelnen, häufig veralteten Anwendungen, die als Insellösungen nebeneinander stehen.“
Außerdem werde nicht vernetzt gearbeitet, jeder koche sein eigenes Süppchen. Stattdessen müssten Mitarbeiter in der Lage sein, in Teams zusammenzuarbeiten, gemeinsam effizient auf Dokumente zuzugreifen und diese auch zu bearbeiten. Seine Lösung:
- Integration der einzelnen Produkte zu einer großen Gesamtlösung, die abteilungsübergreifend Daten bereit stellt, Prozesse automatisiert und Analysen per Knopfdruck ermöglicht.
- Die Lösungen sollen mit den Unternehmen mitwachsen können und so die Investitionen sichern.
- Vertraute Bedieneroberflächen, die relativ einfach verstanden werden können und zum produktiven Arbeiten einladen.
Gerade für Firmen, die schnell wachsen, scheint eine neue Technologie Abhilfe zu schaffen vom immer wiederkehrenden Zyklus des Kaufs und der Installation neuer Software: das sogenannte Cloud Computing. Dabei werden Geschäftsanwendungen und Software sowie die dafür erforderlichen zentralen Rechnersysteme nicht mehr vor Ort im eigenen Unternehmen vorgehalten und betrieben, sondern bei einem Provider.
Anwender rufen dann einfach übers Internet ihre Arbeitswerkzeuge wie Textverarbeitungsprogramme oder CRM-Systeme beim Provider und über dessen jeweilige Rechenzentren (Clouds) ab – eine Aufwandsersparnis und die Möglichkeit, leichter mit neuer Software aufzurüsten. Kann also Cloud Computing dazu beitragen, das IT-Chaos im Mittelstand zu dämpfen? Sven Michael Prüser nennt die Voraussetzungen dafür, damit sich die neue Technologie auch im Mittelstand durchsetzt:
„Unter den vielen Themen, die in der IKT-Industrie derzeit auf der Tagesordnung stehen, halte ich Cloud Computing für mit Abstand am wichtigsten. Doch der normale Mittelständler sieht keinen Sinn darin, sich mit ‚Wolken’ auseinanderzusetzen, sehr wohl aber ist er daran interessiert, IKT-Kosten zu reduzieren und seine Prozesse effizienter zu betreiben. Die Erfahrung zeigt: Mittelständler hören sehr genau hin, wenn man ihnen beweist, das Daten erheblich kostengünstiger als im eigenen Haus gelagert werden können. Dass es sich dabei um das Phänomen ‚Cloud Computing‘ handelt, ist absolut unwichtig.“
Also alles nur ein Vermarktungsproblem? Dies würde eventuell erklären, warum bislang ein großer Teil der Unternehmen sich noch nie mit Cloud Computing beschäftigt oder sich sogar dagegen entschieden hat. Laut einer Studie des IT-Marktbeobachters IDC nutzt die Hälfte der befragten Betriebe mit mehr als 5.000 Mitarbeitern Cloud Computing.
Unter den Unternehmen, die sich gegen den Einsatz von Cloud Computing entschieden haben, befinden sich jedoch verhältnismäßig viele Mittelständler. Innerhalb dieser Gruppe der Befragten sind 89 Prozent der Ansicht, Cloud Computing müsse erst noch die Praxistauglichkeit bestehen. Trotz dieser Ergebnisse geht IDC weiter davon aus, dass sich der Umsatz von Cloud Computing bis 2012 verdreifachen und künftig sogar zehn Prozent der gesamten IT-Ausgaben ausmachen wird.
Wäre da nicht wieder die Sicherheitsproblematik: Wo allenthalben mit Kostenersparnissen geworben wird, treten Sicherheitsexperten auf die Euphoriebremse. Vor allem in Deutschland haben Bedenkenträger Angst, die Kontrolle über Daten und Systeme zu verlieren. Diese Ansicht teilt sogar Cisco-Systems-Chef John Chambers, wenn er sagt:
„It is a security nightmare and it can’t be handled in traditional ways.“
Beispielhaft werden folgende Bedenken beim Einsatz von Cloud Computing geäußert:
- zu lange Implementierung,
- hohe Service-Kosten,
- schlechte Integration von Lösungen,
- kompletter Systemausfall, ähnlich wie bei der mobilen Kommunikation (passiert bei Google 2009, als Millionen Nutzer rund eine Stunde lang nicht mehr auf die Suchmaschine zugreifen konnten),
- Kosten für die Umstellung, die Architektur und den Betrieb.
Zu guter Letzt kommen rechtliche Aspekte hinzu. Ohne rechtlichen Beistand, raten Experten, solle man sich nicht blindlings für Cloud Computing entscheiden. So sollte zum Beispiel geklärt werden, wer beim Cloud-Betreiber Zugang zu vertraulichen Daten hat und auf welche Weise die Informationen geschützt werden. Apropos Recht: Marketer behaupten, mit Cloud Computing entfielen die ungeliebten Software-Lizenzen. Ein Irrtum, wie IT-Rechtsexperte und Fachanwalt Timo Schutt im folgenden Experten-Interview verrät.
Hinweis
Mehr zum Thema Cloud Computing, auch in Sachen Gütesiegel für Anbieter, lesen Sie auf den Webseiten der Initiative EuroCloud Deutschland.
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