Komplexität Wie Unternehmen mit einfachen Regeln in komplexen Märkten gewinnen

Teil 3: Komplexität vermeiden

Vielfalt ist ein zentrales Problem. Viele Einzelteile, viele Produkte, viele Kunden, viele Märkte. Das macht den Unternehmen zu schaffen. Doch im Wettbewerb mit anderen, traut sich kaum ein Unternehmen, sein Leistungsspektrum einzuschränken. Dennoch kann es hilfreich sein, immer wieder auszumisten. Produkte mit geringem Deckungsbeitrag, unrentable Kunden, besonders schwierige Märkte – da kann ein Rückzug das Gesamtergebnis sogar verbessern.

Besonders hilfreich ist es, wenn Standardisierungen möglich sind. Viele Unternehmen haben bereits ihre Teilevielfalt reduziert, indem sie nur noch Normteile einsetzen und auf die sogenannte Plattformstrategie bauen. Die Stichworte in der Industrie sind: Gleichteilestrategie, Baukastenstrategie, Module und Systeme.

Beispiel Volkswagen

Der Autokonzern baut seit über zehn Jahren verschiedene Modelle aus seinem Markenportfolio auf einer gemeinsamen Plattform auf, die auf dem VW-Golf basiert und unter anderem auch dem VW-Bora, VW-New Beetle, Škoda Octavia, Seat Leon, Seat Toledo, Audi A3 und Audi TT dient. Die Plattform beinhaltet beim VW-Konzern spezifische Funktionsgruppen wie:

  • Aggregate (Motor, Getriebe)
  • Vorderachse
  • Lenkung und Lenksäule
  • Schaltung
  • Hinterachse
  • Bremsanlage
  • Räder (Größen)

Darüber hinaus gibt es sogenannte Systemteile, die ebenfalls in unterschiedliche Autos eingebaut werden, aber jeweils das richtige Markenlabel erhalten (zum Beispiel Radzierblende). Die sogenannten Hutteile machen dann das individuelle des Fahrzeugs aus; das ist vor allem die Karosserie (Design).

Ein weiterer Bereich, in dem die Vielfalt verringert werden kann, ist der Einkauf. Oft werden aus Sicherheitsgründen ein und dieselben Teile von unterschiedlichen Lieferanten beschafft. Um diese Komplexität zu vermeiden, kann die Anzahl der Lieferanten verringert werden.

Viele Unternehmen haben an ihrer institutionellen Komplexität gearbeitet und sind zu Weltmeistern des Einfachen geworden. Bestes Beispiel: Aldi. Der Lebensmitteldiscounter setzt auf einfaches Produktspektrum, einfache Ladenausstattung, einfache Logistik.

Doch nicht für alle Unternehmen ist die Einfach-Strategie der Discounter das richtige Vorbild. Das kann im Wettbewerb mit anderen sogar zu einem Nachteil führen. Bestimmte Formen der institutionellen Komplexität sollten deshalb akzeptiert oder aus strategischen Gründen sogar angestrebt werden, um Wettbewerber aus dem Feld zu schlagen.

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